Reese Wynans and Friends – Sweet Release – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Reese Wynans braucht man eingefleischten Fans der Blues- und Southern-Rock-Szene eigentlich nicht mehr vorzustellen! In den letzten Jahren vor allem als „rechte Hand“ von Joe Bonamassa bekannt, ist eine Albumveröffentlichung von Reese unter eigenem Namen längst überfällig gewesen. Der Keyboarder wird als Studio- und Begleitmusiker bereits seit fast 50 Jahren hoch geschätzt. Er agierte nie ganz vorne im Rampenlicht, konnte aber seine Qualitäten und Erfahrungen als Musiker jahrzehntelang vielfältig einbringen, sodass er 2015 sogar in die Rock and Roll Hall of Fame berufen wurde.

Um seine Bedeutung für den Blues hervorzuheben, hier ein kurzer Abriss seiner musikalischen Biografie: Schon Ende der 1960er spielte der heute 71-jährige US-Amerikaner in einer Vorgängergruppe der Allman-Brothers-Band mit Dickey Betts und Berry Oakley. Die prägendste und produktivste Phase seiner Musikkarriere bestand in der 5-jährigen Zusammenarbeit mit Gitarren-Phänomen Stevie Ray Vaughan. In den letzten 20 Jahren hat er seinen Weg konsequent weiterverfolgt und an den schwarz-weißen Tasten viele Blues- und Southern-Größen (z.B. John Mayall, Buddy Guy, Joe Ely) unterstützt. Einige von ihnen haben sich für Reese auf diesem Longplayer die Ehre gegeben.

Das Album ist vor allem eine Retrospektive seiner Karriere geworden mit vielen Erinnerungsstücken, so zum Beispiel das erste Cover „Crossfire“, das neben „Say What!“, „Riviera Paradise“ und „Hard To Be“ zum Quartett der Stevie Ray Vaughan-Songs gehört. Auf diesen Stücken haut Reese so energiegeladen in die Tasten, wie zu seiner Double Trouble Zeit. Soul-Legende Sam Moore beweist auf „Crossfire“, dass seine Stimme noch die gleiche charmante Ausstrahlung wie früher verbreitet.

Wer glaubt, es reicht, Joe Bonamassa als Produzenten an seiner Seite zu haben, der auch noch auf fünf Titeln seine Gitarre „sprechen“ lässt („Sweet Release“, „Hard To Be“, „Riviera Paradise“, „Take The Time“ und „So Much Trouble“), hat die Rechnung ohne Kenny Wayne Shepherd gemacht. Die Gitarren-Ikone begleitet Reese Wynans u.a. fulminant auf der Arc Angels-Nummer „Shape I’m In“. Für das Titelstück (im Original von Boz Scaggs) hat sich Wynans einen ganzen Chor zusammengestellt und gleich acht verschiedene Lead Vocals untergebracht, die prominent von Warren Haynes angeführt werden und eine entspannte Southern-Rock-Ballade erschaffen.

Den Abschluss des Longplayers – der die Bezeichnung wirklich verdient hat, mit seinen 13 Titeln und insgesamt 70 Minuten Spielzeit – bildet das Beatles-Cover „Blackbird“, auf dem Reese Wynans die ganze „Stage“ für sich hat und ein meisterhaftes, instrumentales Grand-Piano-Lehrstück improvisiert.

Bedenken, „Sweet Release“ könnte ein ‚Alterswerk‘ sein, werden sich von Beginn an schnell in Luft auflösen. Die LP ist eine große Blues-Jam-Party und verbreitet die befreiende Atmosphäre, den Spaß und die Frische eines junggebliebenen Blues-Rock-Altmeisters.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Crossfire
02. Say What!
03. That Driving Beat
04. Your Killing My Love
05. Sweet Release
06. Shape I’m In
07. Hard To Be
08. Riviera Paradise
09. Take The Time
10. So Much Trouble
11. I’ve Got A Right To Be Blue
12. Soul Island
13. Blackbird

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