12-4-2 – 10.09.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Endlich wieder mal ein Gig für mich im Schwarzen Adler nach dem Lockdown! Ernst Barten und sein Team hatten alles Erdenkliche und Vorgeschriebene bewältigt, um die Kultlocation in Rheinberg-Vierbaum in der Corona-Zeit auch rockmusikalisch wieder in Gang zu bringen.

Mit dem Projekt 12-4-2 (12 Guitar Strings – 4 Bass Strings – 2 Drum Sticks), alias Ben Granfelt (Lenningrad Cowboys, Wishbone Ash, Guitar Slingers), Stratocaster-Ass Thomas Blug, Martin Engelien (Klaus Lage Band, Go Music) und Berni Bovens hatte er auf hochkarätige Musiker gesetzt.

Angesichts der tollen Besetzung war es nicht zu verstehen, dass sich gerade mal zwischen 30-40 Zuschauer an dem für 90 Leute ausgelegten Abend eingefunden hatten. Dementsprechend frustriert zeigte sich Ernst Barten vor Beginn des Gigs. Viele der üblichen Stammgäste waren vermutlich immer noch wegen des vermeintlichen Ansteckungsrisikos und einer gewissen Verunsicherung auf der heimischen Couch verharrt.

Die anwesenden Leute sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Profis wie Granfelt, Blug, Engelien und Bovens zeigten sich von der spärlichen Kulisse unbeeindruckt und performten, als wenn sie vor ausverkaufter Hütte spielen würden.

Während sich Blug und Bovens ganz auf ihr exzellentes spielerisches Können konzentrierten, führten die beiden charismatischen Persönlichkeiten Granfelt und Engelien mit Ansagen durch den Abend, wobei Engelien sich einige Male zur schwierigen kulturellen Situation ausließ, sich für das Vertrauen der Betreiber und Besucher bedankte, aber auch seine Freude zum Ausdruck brachte, dass endlich wieder erste Schritte gemacht werden, um die Szene langsam wieder in Gang zu bringen. Er appellierte angesichts der bevorstehenden kühleren Zeiten, Vertrauen in die Behörden und Clubs zu leisten, die alles dafür tun, um ein Ansteckungsrisiko nahezu gen Null zu minimieren.

Das Quartett begab sich dann samt diverser Instrumentalnummern (u. a. „One Earth“ aus Engeliens Corona-Hilfe-Album), einiger Cover-Stücke („Baker Street“, Breathe“) und Liedern aus Granfelts („My Soul To You“, „Melodic Relief“, „Faith, Hope & Love“, Wayward Child“, „Almighty Blues“, „Going Home“) und Blugs („My House Is Green“, „I Won’t Forget“, „The Witching Hour“) Solo-Fundi auf einen Streifzug durch die Rockmusik und umriss dabei fast alle Facetten von Blues-, klassischen, Prog-, Southern- bis hin zu Melodic Rock-Anleihen.

Hier standen natürlich die filigranen E-Gitarren-Künste der beiden Hexer Granfelt (Les Paul und Stratocaster) und Blug (Stratocaster) im Vordergrund, die unzählige quirlige Soli abließen, sich duellierten, aber sich dann auch durchgehend in der hohen Kunst des sich ‚blind‘ verstehenden Twinspiels zusammenfanden.

Engelien beweis mit seinem energiegeladenen, treibenden und anpassungsfähigen Pumpspiel und diverser Solo-Grooves, dass er noch lange nicht zum alten Eisen der Tieftöner-Szene zählt, und gab phasenweise auch den gut gelaunten Moderator zwischen Granfelt und Blug. Den Schmunzler des Abends hatte jedoch Drummer Berni Bovens auf seiner Seite, als er ein eher bedächtig-langsames, im Jazz verankertes Drum-Solo servierte und dann gegen Ende auf die Uhr schaute, nach dem Motto „ich bin jetzt fertig, wann steigt ihr endlich wieder ein, Jungs?“.

Mit dem schon vom Titel her prädestinierten Granfelt-Rausschmeißer „Going Home“ als Zugabe beendete der Vierer unter tosendem Applaus des Publikums zwei fulminante Stunden, bei denen absolute Spielfreude und filigranes Können im Vordergrund des Geschehens standen.

Trotz aller verständlicher Enttäuschung war Ernst Barten angesichts der tollen Vorstellung zum Schluss aber doch sichtlich erleichtert, endlich wieder echtes ‚Rockmusikleben‘ in den Adler gebracht zu haben. Man kann nur wünschen, dass er zum anstehenden Ana Popovic-Gig am 15. und 16. Oktober – Corona hin oder her – wieder mit der verdienten Resonanz belohnt wird.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Berni Bovens (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Granfelt
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Thomas Blug
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Martin Engelien
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Peter Parcek – Mississippi Suitcase – CD-Review

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Von Buddy Guy wurde er bei einer Backstage-Visite, als Peter Parcek sich eine herumliegende Gitarre schnappte und losspielte, mit dem Satz „You’re as bad as Eric Clapton, and I know Eric Clapton“ geadelt.

Der in Boston lebende Gitarrist und Songwriter bringt jetzt mit „Mississippi Suitcase“ seinen dritten Longplayer auf den Markt, nachdem er mit den Vorgängern „The Mathematics Of Love“ und „Everybody Wants To Go To Heaven“ von der Kritikerschaft für seine außergewöhnlichen Gitarrenkünste, bereits in höchsten Tönen gelobt wurde.

Für mich persönlich, der zwar schon viel Blues Rock in seinem Leben gehört hat, ist Parcek allerdings bisher noch ein absolut unbeschriebenes Blatt. Der Protagonist bietet auf den insgesamt 11 Tracks, drei Eigenkompositionen, die er am Anfang (Stück 1 – „The World Is Upside Down“- ein Peter Green-beeinflusster psychedelischer Slide-Blues Rocker), in der Mitte (Stück 6 – „Mississippi Suitcase (Slight Return)“ – ein typischer Blues Club Song mit E-Gitarren-Orgel-Schwerpunkten) und am Ende (Stück 11 – „A Head Full Of Ghosts“ – ein atmosphärisches, dezent progressives E-Gitarren-Instrumental mit Green-/Pink Floyd-Flair) folgerichtig platziert hat.

Dazwischen hat er in zwei Vierer-Blöcken, Songs aus vielen Epochen der Musikgeschichte ausgewählt, die auf ihn einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen haben, wie z. B. Peter Greens bei John Mayalls Bluesbreakern veröffentlichtes „The Supernatural“ (für Parcek war das Herangehen nach eigenen Worten ‚a mountain to climb‘) oder der Beatles-Song „Eleanor Rigby“, den er hier in einer reinen Instrumentalversion serviert.

Highlights sind aus meiner Sicht die gelungene Umsetzung von Dylans „Beyond Here Lies Nothin“ aus 2009, die hier auch mit viel Peter Green-Esprit- und Gefühl daherkommt, das claptoneske, Harp-verzierte (Micky Raphael) „Life’s A One Way Ticket“ (mit zusätzlicher E-Gitarrenpräsenz von Luther Dickinson) und der lässig gespielte Velvet Underground-Klassiker „Waiting For The Man“ (ebenfalls sehr slide-trächtig, mit sphärischen Orgelklängen von Promigast Spooner Oldham, und am Ende mit wildem E-Gitarren-Geschwurbel).

Der Vergleich Guys mit Mr. Slowhand kommt nicht von ungefähr. Handwerklich ist Parcek ebenfalls in der Lage, alles aus einer E-Gitarre herauszuholen, was geht, vor allem das Einsetzen von Effekten diversester Art in den Soli, ist teilweise atemberaubend, jedoch auf Dauer auch etwas anstrengend. Ein Greg Koch fällt mir da vielleicht als technische Referenzgröße ein. Aber besonders in vokalen Dimensionen liegt er sehr in der Nähe des britischen Gitarrengotts, mehr sogar noch beim kürzlich verstorbenen Peter Green. Grundsätzlich, so glaube ich, könnte Peter mit seinem Können in Rockbands jeder Couleur mitwirken, sicherlich auch problemlos im Southern Rock.

„With my new „Mississippi Suitcase“, Ive tried to create an album that’s timeless and yet entirely in the moment – an album that could get as deeply under the skin of the listener as it got under mine. I had to dig into my soul and face adversity to do it, and sometimes play through the pain, but it was worth it, and every note on the album comes straight from the heart.“ Dies vom Künstler selbst zur Intention.

Fazit: Peter Parcek beweist auf „“Mississippi Suitcase“, dass er alle Veranlagungen hat, ein Spitzen-Bluesmusiker zu werden, was bis jetzt fehlt, sind wohl die Songwriterqualitäten der Altmeister, unsterbliche Sachen zu kreieren. Das wird künftig wohl der übergeordnete Maßstab sein, wenn man zu den ganz Großen zählen will, wobei es letztendlich die Frage ist, ob Parcek das überhaupt möchte.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. The World Is Upside Down
02. Everybody Oughta Make a Change
03. Beyond Here Lies Nothin
04. The Supernatural
05. Life’s A One Way Ticket
06. Mississippi Suitcase (Slight Return)
07. Eleanor Rigby
08. Until My Love Come Down
09. She Likes To Boogie Real Low
10. Waiting For The Man
11. A Head Full Of Ghosts

Peter Parcek
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Eamonn McCormack – 28.08.2020, Kantine-Biergarten, Köln – Konzertbericht

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Konzerte in Corona-Zeiten zu veranstalten, bedeutet für alle Beteiligten, vom Veranstalter, über die Künstler, bis hin zu den Besuchern, dass man sich an bestehende Regelungen hält muss, dass diese zumindest im derzeit möglichen Rahmen stattfinden können.

Markus Neu und seinem Team von der Kantine haben es geschafft, bereits diverse Open Air-Konzerte im dortigen, weitläufigen Biergarten, durchzuführen.

An diesem Abend machte Eamonn McCormack, der zurzeit eigentlich nur eine Solo-Akustik-Tour macht, in der Kantine Halt. Zum Glück gelang es Marcus Neu weit im Vorfeld, den mittlerweile in Hessen lebenden Iren McCormack davon zu überzeugen, in Köln mit Band aufzutreten, da die Bühne und die Location unter Berücksichtigung aller Auflagen dies möglich macht.

So stießen an diesem Abend mit Edgar Karg am Bass, der aus Bielefeld anreiste und Max Jung-Poppe an den Drums, der den Weg aus Gießen gefunden hatte, und am selben Abend wieder zu seiner hochschwangeren Frau zurückfuhr, hinzu.

Es entwickelte sich im Verlauf ein ganz besonderer Abend für die etwa 80 Besucher. Erstmals stellte Eamonn mit seiner Band das im Winter eingespielte und im Frühjahr veröffentlichte Album „Storyteller“ live vor. Es handelte sich somit praktisch um ein verspätetes Release-Konzert und das ohne Eintrittspreis, sondern nur mit umhergehendem Hut in der Pause zwischen den zwei Sets, in denen fast das komplette Werk präsentiert wurde.

Kurz vor acht Uhr betrat Marcus mit dem besagten Hut auf dem Kopf die Bühne, gab ein paar Anekdoten zu früheren Auftritten Eamonns im Yardclub zum Besten, erklärte noch ein paar Regeln, auch wie man sich beim angesagten Regen verhalten solle, um Corona-konform zu bleiben, was zum Glück aber ausblieb. Der Wettergott war mit der Band und den Besuchern und bis auf einige Tropfen, blieb es trocken.

„From Town To Town“ vom 2017er Album „Like There’s No Tomorrow“ war ein gut gewählter Opener in dem er direkt einen Song vorlegte, bei dem klar erkennbar war, wessen Geistes Kind Eamonn ist. Blues Rock im Stile seines Vorbildes Rory Gallagher war hier direkt präsent.

Mit dem rockigen „Gypsy Woman“ und dem anklagenden bluesigen „Help Me Understand“ folgten die ersten Stücke des aktuellen Albums, welche gut beim Publikum ankamen. Dies war bei den weitgehend bluesaffinen Besuchern auch nicht zu erwarten, da es das Album in mehreren europäischen Ländern in den Bluescharts bis zur Nummer 1 geschafft hatte, was der sympathische McCormack in einer Ansage zu einem der Songs nicht ohne Stolz erwähnte.

Nach „Heal My Faith“ vom gleichnamigen Album von 2012 spielte die Band ein Rock’n’Roll-Medley, in welchem er einige Songpassagen abänderte und den Corona-Virus aufforderte, endlich zu verschwinden.

Nach dem Medley, wurden mit „With No Way Out“, einem fast zornig vorgetragenen Bluessong und „Cowboy Blues“ wieder zwei neue Lieder vorgestellt. Im letzteren ließ er Country und Blues ein klein wenig verschmelzen, um letztendlich doch bei seiner Leidenschaft, dem Blues zu landen.
Nach „A Night In The Life Of An Old Blues Singer“ und dem Gallagher-geprägten „That’s Rock’n’Roll“ beendete Eamonn mit Band den verdientermaßen mit viel Applaus bedachten ersten Set.

In der Pause, stand er am Merchandising-Stand bereit, um CDs zu verkaufen und zu signieren, aber auch um Gespräche mit den Fans zu führen. Dabei zeigten sich alle diszipliniert und zogen wie es sich in der derzeitigen Situation gehört, den Mund/Nasenschutz auf. Die Geduld, die Eamonn McCormack bei diesen Gesprächen an den Tag legte sorgten dafür, dass Marcus Neu schon leicht nervös wurde und freundlich und charmant darum bat, nach der Show die Verkaufsaktivitäten weiterzuführen, da es sonst zu spät mit Set 2 würde.

Gesagt, getan, die Band betrat die Bühne und legte direkt zu Beginn des zweiten Sets für mich einen der Höhepunkte des Konzertes hin. Bei „The Great Famine“ besang Eamonn gefühlvoll, manchmal fragend, warum es in seiner Heimat Irland im 18. Jahrhundert zu einer großen Hungerkatastrophe kam, die nicht nur für viele Tote sorgte, sondern auch zu einer Flucht aus dem Land, insbesondere auch nach Amerika führte.

Freundlich, wie er ist, fragte er dann, ob er denn ein Liebeslied spielen dürfe. Zugegeben, eine rhetorische Frage auf die es nur die Antwort ja geben konnte. Im gefühlvollen ruhigen „Every Note I Play“ besang er zum einen den Alltag im Hotelzimmer auf einer Tour aber auch wie er bei jeder Note, die er spielt, an seine Frau denkt.

Nach dem rockigen „When You Cross The Line“ ging die Präsentation der neuen Songs weiter. In “Cold Cold Heart“ und „South Dakota Bound“ ließ er ein wenig Boogie und Southern Flair einfließen, besondere Akzente setzte er, wie in allen Stücken, mit eingestreuten und zum Teil ausufernden Soli.

Nach dem älteren „Lousy Day“ wurde es noch einmal bedächtig und Eamonn brachte die Zuhörer mit „In A Dream“ sprichwörtlich zum Träumen. Dies war aber nur die Ruhe vor dem Sturm. Mit dem rockenden „Make My Move“, wären die Besucher normalerweise in Bewegung versetzt worden, wenn Sie sich nicht an die bestehenden Regeln zu  halten hätten gemusst und es wurde das Finale-Furioso eingeläutet, welches mit dem Gallagher Klassiker „Shadow Play“ einen würdigen Abschluss hatte.

Animiert durch lautstarke Zugabe Forderungen ließen sich die Drei nicht lange bitten und legten mit „Moving On“ und „Johnny Be Good“ noch zwei würdige Zugaben nach, um nach etwa zwei Stunden Spielzeit ein restlos zufriedenes bis begeistertes Publikum zurückzulassen. Im Anschluss stand man dann noch für das hier kostenlose Meet and Greet bereit.

In den Gesprächen war immer wieder herauszuhören, wie McCormack begeistern konnte, aber auch, wie seine beiden jungen Mitstreiter ein wichtiger Bestandteil dieses gelungenen Abends waren. Die beiden studierten Musiker, Max Jung-Poppe, am Schlagzeug und Edgar Karg am Bass trafen jeden Ton und gaben mit ihrer starken Rhythmusarbeit Eamonn McCormack letztendlich die Grundlage, seine Stärken als Gitarrist auszuleben.

Keiner der Beteiligten wird bereut haben, den Weg in die Kantine gefunden zu haben. Damit schließe ich auch die drei Musiker ein, denen anzusehen war, mit welcher Freude sie endlich mal wieder ihre Musik live präsentieren konnten. Ein besonderer Dank auch an Marcus Neu und die Mitarbeiter in der Kantine, die mit ihrer freundlichen Art, den Rahmen für diesen Blues Rock-Abend legten.

Line-up:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung-Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Kantine, Köln

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 20.08.2020, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

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Es war der Moment, auf den ich seit dem 05.03.2020 sehnsüchtig gewartet habe. Das war nämlich der letzte Tag, an dem ich dieses Jahr ein Konzert besucht habe. Da hatte die Marcus King Band schon im Zuge erster Coronafälle in Köln noch einen saustarken Gig abgeliefert. Ab da, außer CD- und EP-Reviews, gähnende Leere in unserem Magazin.

Die Kulturszene, besonders in unseren bevorzugten Sphären, wurde von der Politik sträflich im Stich gelassen (wen wundert es bei Politikern der Marke Jens Spahn?), die Rede von Verzweiflung bis zum Bangen um die nackte Existenz grassierte allerorts, von den Betreibern, Veranstaltern bis hin zu den Künstlern selbst.

Mittlerweile gibt es erste dezente Bemühungen, mit ganz kleinen Schritten, auch im Konzertgeschehen, unter Einhaltung von Auflagen, wieder Fuß zu fassen. „Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung“ meinte Kuturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings‘ und tat sich mit Schlachtgarten-Betreiber Kolja Amend zusammen, um langsam wieder erste Gigs zu veranstalten.

An diesem Abend des 20. Augusts hatte sich die texanisch-niederländische Combo Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws angesagt, ein wunderbarer Act, um wieder ins Geschehen hineinzufinden. Also machten sich Kollege Gernot und ich zeitgemäß nach Krefeld auf, um aus der für uns neuen Location zu berichten.

Es waren maximal 99 Besucher zugelassen, deren Grenze auch knapp unter Maximum erreicht wurde. Alle mussten sich brav registrieren und sich in bestimmten Situationen an die Maskentragpflicht halten. Ansonsten konnte man sich unter Einhaltung der Abstandswahrung ohne Maske an seinem Platz bewegen. Schön wieder mal die vielen bekannten Gesichter zu sehen, die sonst in der Rampe oder bei Gigs der Bluesszene anzutreffen sind, aber auch einige neue Leute. Insgesamt ein schönes und angenehmes Ambiente.

Um 20:00 ergriff Pille (Kompliment übrigens für den Kinnbart!) das Mikro zur Ansage, kurze Zeit später kamen Dede, Johnny & Co. auf die Bühne, um mit dem rhythmischen „Did You Plan To Leave Me Now“ und „Wade In The Water“, den drückend schwülen Temperaturen angemessen, südstaatlich-blues rockig einzuheizen.

Die charismatische Texanerin, ganz in schwarz gekleidet, wieder mit den obligatorischen fingerlosen Handschuhen agierend, lief von Anbeginn zu Höchstform auf. Sowohl mit grandioser Stimme (die vorbeirauschenden Züge im abendlichen Hintergrund hatten gegen sie absolut keine Chance, geräuschmäßig Paroli zu bieten), starkem E-Gitarrenspiel (ihre vielen quirligen Soli immer mimisch/stimmlich mitbegleitend) als auch raunzender Violine (herrlich, wenn sie oft in bester Domina-Manier den Bogen bestimmend in die Luft hielt), der sie sogar Wah-Wah-Töne entlockte, animierte sie die Audienz immer wieder zu teils staunenden Beifallsbekundungen.

Aber auch Johnny Clark gab auf seiner Stratocaster und Gibson Les Paul (die kam meistens bei Songs mit Slide-Parts zum Einsatz) einen starken Counterpart ab. Ab und zu, wie u. a. beim schönen Hendrix-Cover „Hey Joe“ oder „Alaska“ übernahm er auch die schön rauchig gesungenen Lead Vocals. Die Rhythmusfraktion mit Ray Oostenrijk und Leon Toonen konzentrierte sich unaufgeregt, gänzlich auf ihren Job.

„You Are Love“, „Crocuses“, „Drinkin‘ Again“, das slow-bluesige „What It Is Ain’t What it Ain’t“, „Vermillion Allure“ und das eine Pause einläutende „Flowers Under The Bridge“ hinterließen bei mir besonderen Eindruck im immer noch schwül-warmen Krefelder Schlachtgarten, der eher einer Location in den Bayous Louisianas glich.

Schwarze Wolken und sporadisch runter fallende Tropfen während der 10-minütigen Unterbrechung, erzeugten ein paar angstvolle Blicke gen Himmel, wurden aber von der stimmlichen Urgewalt Priests samt Androhung eines „Texas Hurricane“ schnell zum Weiterziehen ‚überzeugt‘. Mit Tracks wie u. a. dem bereits erwähnten „Alaska“, dem abermals swampigen „Lynched At The Crossroad“, (Dede singt phasenweise durch ein Megafon), dem countryesken „Strawberry Party“ und dem Abschluss des Hauptteils „Cotton Candy“, steigerte sich Stimmung im Publikum kontinuierlich, sodass es um 22:00 Uhr noch in die Verlängerung ging.

Nach dem stimmungsvollen Freddie King-Cover „Palace Of The King“ und dem herrlichen „Spinning Down“ (Dede und Johnny mit Wechselgesang, sägende Fiddle) als Finale erhoben sich die Leute zu stehenden Ovationen. Man merkte allen Beteiligten die herabfallende Last an, die sich in den vergangenen Monaten in den meisten Köpfen angehäuft hatte.

Von der Dame an der Getränkeausgabe, dem Licht- und Tontechniker, der Band Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws, den engagierten Organisatoren Pille und Kolja, über die diszipliniert agierenden Besucher, trugen alle zu einem denkwürdigen Abend mit toller Musik bei, der hoffentlich peu à peu wieder in die kulturelle Normalität zurückführt. Rock ’n‘ Roll ist von daher immer eine Lösung!

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle)
Johnny Clark (electric guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
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Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Kat Riggins – Cry Out – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

„Cry Out“ ist Kat Riggins‘ viertes Album, aber das erste, welches sie in Zusammenarbeit mit Mike Zito (Gulf Records) produziert hat. Und es hat sich gelohnt, da Mike ihr musikalisch völlig freie Hand gelassen und ihr auch ansonsten den Rücken frei gehalten hat. Kat konnte ihr Album also ganz nach ihren eigenen Vorstellungen einspielen.

Geprägt von der Vielfalt und Fülle der Musiksammlung ihrer Eltern verbindet sie in ihrer Musik den Blues mit Elementen des Rock‘n‘Roll, Soul, Country oder auch Gospel. Und eben diese Mischung macht die dreizehn Songs ihres Albums mehr als nur hörenswert. Zudem liefert Kats mitunter leicht raue Alt-Stimme genau das Feeling, auf das Blues-Enthusiasten so sehr stehen, manchmal gefühlvoll und im nächsten Song wieder erdig und rau. Kat Riggins gibt sich auf ihrer neuen CD zu 100% als regelrechte Powerfrau in der sonst mehrheitlich von Männern beherrschten Blues-Szene.

Gleich der erste Song „Son Of A Gun“ startet richtig stramm mit einem mächtigen Bass-Intro (das sich durch das ganze Stück zieht), bevor sich Kat mit ihrer anklagenden Stimme einmischt. Mit dem Titelsong „Cry Out“ gehts’s dann recht bluesig beschwingt mit Mundharmonikaunterstützung weiter, während das flotte „Meet Your Maker“ ziemlich funkig-soulig ist. Den nötigen Drive in dem R&B Titel „Catching Up“ liefern übrigens die Gitarreneinlagen von Mike Zito, der auch in den übrigen Tracks an der E-Gitarre zu hören ist. Auch „Truth“ ist recht heavy und voller Power, wieder mit einer einprägsamen Basslinie von Doug Byrkit.

Das Kat Riggins auch gefühlvollen Blues kann, beweist sie, a-capella gesungen, in dem kleinen, aber feinen Zwischenstück „Hand In Hand“, einem Gospelklassiker aus dem Jahre 1970, aber auch in dem melodiösen „Heavy“ mit gesanglicher Unterstützung ihres Patenkindes sowie ihrer Nichten und Neffen gegen Ende des Songs.

Mit „Wicked Tongue“ knüpft Kat Riggins stilistisch wieder an den Opener „Son Of A Gun“ an: hart und fordernd mit kräftigem Bass und Zito’s flirrender Gitarrist im Mittelteil. Sehr schön auch das funkige im Bigband-Stil gehaltene „Can You See Me Now“ mit viel Gebläseunterstützung. Im Gegensatz dazu steht das fast southernartig beschaulich vor sich hinstampfende „Burn It All Down“, durchzogen mit jaulenden Gitarrenklängen.

Mit einem Trommelwirbel zu Beginn startet anschließend der gute Laune verbreitende Rock‘n‘Roller „On It‘s Way“ und „No Sale“ legt mit einem schönen Gesangsintro los zu dem sich nach und nach Drums, Gitarre und Bass hinzugesellen. Zum Anschluss gibt es dann noch den Unheil heraufbeschwörenden Slow Blues „The Storm“, bei dem Kat Riggins einmal mehr mit der Kraft ihrer Stimme überzeugt, nicht zuletzt auch weil das Stück sehr klar und differenziert arrangiert ist.

Insgesamt ist „Cry Out“ ein saustarkes Album und man darf Kats stimmliche Fähigkeiten mit Fug und Recht in einem Atemzug mit denen von Koko Taylor oder Tina Turner nennen.

Sinngemäß hat Kat Riggins einmal gesagt, dass sie Gott dankt, dass ihre Leidenschaft dem Ziel dient die gefährdete Art namens The Blues zu erhalten. Und diese Leidenschaft strahlt sie auf ihrem neuen Album mit jedem Ton aus.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. Son Of A Gun
02. Cry Out
03. Meet Your Maker
04. Catching up
05. Truth
06. Hand In Hand (Interlude)
07. Heavy
08. Wicked Tongue
09. Can You See Me Now
10. Burn It All Down
11. On It‘s Way
12. No Sale
13. The Storm

Kat Riggins
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Gulf Coast Records

Joe Bonamassa – A New Day Now – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die Wiederveröffentlichung älterer Longplayer, ist für manche Musiker eine willkommene Gelegenheit, neue Fans zu gewinnen oder vorhandene mit Sondereditionen zu überraschen. Diese sogenannten Re-Issues werden dabei zusätzlich dabei remastert und remixt, sowie mit Bonus-Tracks ausgestattet.

Eine Neuaufnahme der kompletten Vocals zum Original-Band-Sound dürfte dabei jedoch die Seltenheit sein. Als Ausnahme-Künstler hat Joe Bonamassa diese „Re-Sung“-Version seines Debut-Albums „A New Day Yesterday“ nun zum 20-jährigen Jubiläum unter dem Titel „A New Day Now“ herausgebracht und sein „Jugendwerk“ damit entscheidend überarbeitet. Neben seiner individuellen Klasse als Blues Rock-Gitarrist hatte Bonamassa damals das Glück, den Produzenten-Altmeister, Tom Dowd, an seiner Seite zu haben.

Grammy-Gewinner Dowd, der Generationen von Musikern, wie z.B. The Allman Brothers, Derek And The Dominos, Lynyrd Skynyrd als Sound-Spezialist im Studio und auf Tour begleitet hat, schuf zusammen mit Bonamassa einen Riff-orientierten Longplayer, der damals Platz 9 der US-Billboard Top Blues Charts erreichte.

Das Solo-Debüt beginnt, energetisch voll aufgeladen, mit Rory Gallaghers „Cradle Rock“, eine Art ehrenvolle Widmung des Gallagher-Fans Bonamassa und führt mit den Klassikern „Walk In My Shadow“ (von der Band Free) und dem folgenden Jethro Tull-Song „A New Day Yesterday“ die Hitliste der fulminanten Cover-Versionen und grandiosen Gitarren-Highlights ausdrucksstark weiter.

Bonamassa, der bereits mit 13 Jahren im Vorprogramm von B.B. King seine überragenden Fähigkeiten an seinem Lieblingsinstrument stilvoll performte, betont mit den ausgewählten Stücken den Einfluss der britischen Blues-Rock-Szene auf seine Musik. Erst das 4. Stück „I Knew Where I Belong“ ist eine Eigenkomposition, das seine raue Blues-Power in leichter Hendrix-Manier überragend stilisiert.

Die Single-Auskopplung „Miss You, Hate You“ ist im besten Bonamassa Songwriting und Guitar-Playing ein melodisches Blues-Meisterwerk. Ebenso in die Reihe der ungewöhnlichen Cover-Songs gehört die schnelle Al Kooper-Nummer „Nuthin‘ I Wouldn’t Do“, sowie die unwiderstehlich großartige Version des Warren Haynes Titels „If Heartaches Were Nickels“, der über 6 Minuten phänomenal kein Zweifel daran lässt, welches junge Blues-Rock-Talent hier aufspielt.

Sechs Cover-Songs, hierzu gehört auch der eindrucksvolle Albert King-Klassiker „Don’t Burn Down That Bridge“, und sechs eigenen Stücken teilen „A New Day Yesterday“ in eine abwechslungsreiche Blues-Rock-Platte, die auch bei „Trouble Waiting“ und „Colour And Shape“ mit variantenreichen Kompositionen des damals erst 22-jährigen Bonamassa begeistern konnte.

Bei der Jubiläumsedition „A New Day Now“ hat Produzent Kevin Shirley nun auf die neu eingesungenen Vocal-Tracks der inzwischen gereiften und emotional sicheren Stimme des 43-jährigen Guitar-Heroes zurückgegriffen und zusätzlich 3 Bonus-Stücke auf das Album gepackt. Hierzu zählt neben Bonamassas eigenen Werken wie „Hey Mona“ und „Line Of Denial“, die eine ausgelassene aber präzise Blues-Rock-Spielweise betonen, auch die unbefangene, „mind-blowing“ Version des Bob Dylan Klassikers „I Want You“. Diese bisher unveröffentlichten Aufnahmen stammen aus der Zeit, als Mentor Steven van Zandt, die Demo-Bänder des jungen Bonamassa produzierte.

Im SoS-Review (2015) über die 72-minütige Konzert-Ausgabe „A New Day Yesterday“, die kurz nach dem Studio-Original 2004 auf den Markt gebracht wurde, wurde schon die „filigrane Gitarrenkunst“ Bonamassas umfangreich gewürdigt. Die jetzige New-Edition des Debut-Albums bestätigt erneut die geniale Gitarrenarbeit, des vor kurzem zum besten Blues-Gitarristen der Welt gewählten US-Amerikaners. Joe Bonamassas kreative Projektidee überbrückt damit einen Corona-Sommer ohne Konzerte und verkürzt die Wartezeit bis zum neuen Studio-Album, das noch im Herbst diesen Jahres erscheinen soll.

Mascot Label Group (2020)
Stil: Blues-Rock

Tracklist:
01. Cradle Rock
02. Walk In My Shadows
03. A New Day Yesterday
04. I Know Where I Belong
05. Miss You, Hate You
06. Nuthin‘ I Wouldn’t Do (For A Woman Like You)
07. Colour And Shape
08. Headaches To Heartbreaks (remixing)
09. Trouble Waiting
10. If Heartaches Were Nickels (remixing)
11. Current Situation
12. Don’t Burn Down That Bridge
Bonus Tracks:
13. Hey Mona
14. I Want You
15. Line Of Denial

Joe Bonamassa
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Another Dimension

Joe Candelario’s The Big Engine – Same – CD-Review

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In seiner Heimatstadt Denver, im US-Bundesstaat Colorado, ist Joe Candelario seit über 30 Jahren Teil der sehr aktiven Musik-Szene und ein erfahrener Blues-Rock-Gitarrist. Mit seiner Band, der Joe C. Wails Gang, performte er ab Mitte der 90er im Westen der USA, u.a. als Support für The Regulators und Pretty Boy Floyd.

Neben CD -Veröffentlichungen mit der Wails Gang verfolgte Candelario dabei ebenfalls seit fast zwei Jahrzehnten seine Solo-Interessen, als Sänger, Songschreiber und Multi-Instrumentalist in regelmäßigen, eigenen Projekten, so zuletzt 2018 mit der Progressive-Rock Disc „Pangea“.

Die neue Solo-Scheibe „The Big Engine“ hat Joe Candelario nun als eine Art „Railroad-Konzept-Album“ wieder im Home-Studio produziert. Der Longplayer zeigt einerseits seine Neigung für groovende Instrumentals ebenso ausführlich, wie die Vorliebe zu schweren Blues-Rock-Eigenkompositionen.

Erstere sind mit dem mutigen Opener „Conjunction Dysfunction“ im Stevie Ray Vaughan-Sound, dem Reggae-Jam „C’mon Man“ und einem experimentell ausgerichteten „Crocodile Smile“ gleich dreifach vertreten. Als hervorzuhebende Blues-Rock-Songs fallen demgegenüber das eindringliche „Bad Mojo Rising“ und die „Engine-stampfende“ Rock-Nummer „From The Sun“ beispielhaft ins Gewicht und stehen für den sehr variantenreichen E-Gitarren Einsatz bei den Aufnahmen.

In den feinen Akustik-Tracks „Hell Bound Train“, „Back 4 More“ und „Way 2 Go“ bringt Candelario schöne American-Folk-Rock Erfahrungen ein und damit einen Touch von Storytelling-Elementen, die er mit der notwendigen Leichtigkeit im Vocal-Sound verbindet.

Die musikalische Konzeption eines „Big Engine“-Railroad Charakters der Scheibe – eines instrumentalen Frachtzuges, der sich schwer beladen durch die verschiedenen Landschaften bewegt, wird auch in den Lyrics des gleichnamigen Titelsongs deutlich und findet ihre sinnbildliche Erwähnung nochmals im Abschluss-Track wieder.

Bei diesem 7-minütigen Blues-Epos „Banks Of Salvation“ das – etwas bedauerlich ohne Background-Vocals auskommt – sich aber powerfull als mächtiger „Zug der Zeit“ stilvoll entwickelt, inszeniert Candelario gitarrenverstärkt die Rettung der „Big Engine“.

Joe Candelario hat mit seinem neuesten Werk „The Big Engine“ ein solides Album in Eigenregie eingespielt. Es vermittelt seine virtuose und routinierte Gitarrenkunst und bietet in bester Tradition ansprechende Blues, Rock und American Folk Music, die ihre ungeschminkte Mentalität weltoffen im Railway-Mythos auf die Reise schickt.

Mad Hare Entertainment (2020)
Stil: Blues Rock, Americana, Folk Rock

Tracklist:
01. Conjunction Dysfunction
02. Bad Mojo Rising
03. Hell-Bound Train
04. From The Sun
05. Way 2 Go
06. C’mon Man
07. Big Engine
08. Back 4 More
09. Crocodile Smile (Alligator Shoes)
10. Banks of Salvation

Joe Candelario
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Two Side Moon Promotions

Mark May Band – Deep Dark Demon – CD-Review

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Trotz des nicht gerade helle Freude verströmenden Titels „Deep Dark Demon“ ist das neue Album Mark Mays und seiner Band ein echter Lichtblick am derzeitig eher dunkel erscheinenden Musikhorizont.

Der ursprünglich aus Ohio stammende, aber schon lange in Houston, Texas, ansässige  Protagonist, bietet auf seinem 7. Werk eine fulminante Mischung aus Blues- und Southern Rock.

May ist, was seine Gitarrenspielkünste betrifft, mit einem wahren Frickel-Gen befangen, was sich hier in einer Vielzahl von energiegeladenen und quirligen Soli niederschlägt. Es gibt fast keinen Song, wo es Mark nicht spürbar in den Fingern juckt, über die Saiten zu fegen. Seine Stimme, die aus meiner Sicht einiges an Ähnlichkeit zu Warren Haynes aufweist, erscheint als weiterer Pluspunkt.

Bekannt dürfte May unserer Klientel durch seine Mitwirkung als Gitarrist und Sänger bei Dickey Betts und seinen Great Southern sein. Von daher ist eine absolute Sattelfestigkeit im Genre garantiert. Betts attestiert ihm auch generös den Status als einer der besten Blues Rock-Interpreten der letzten Jahre, mit Einflüssen von Albert Collins, über Stevie Ray Vaughan bis zu Carlos Santana und wen wundert es, seiner eigenen Gitarren-Licks.

Apropos Santana, tatsächlich befindet sich auf diesem Longplayer mit „Back“ ein echter Latin Rock-Ohrwurm, in bester Tradition des Meisters, mit radiotauglichem Hitpotential, wenn sich nicht dieses oben besagte Frickel-Gen bei Mark gemeldet hätte. Statt den eingängigen Song nach single-tauglicher Spielzeit einfach ausklingen zu lassen, hängt er plötzlich noch eine „Oye Como Va“-mäßige Instrumentalpassage mit Congawirbel und psychedelischer E-Gitarre hinten an. Die hätte ich weggelassen, aber das ehrt May natürlich, für kommerzielle Hintergedanken ist bei ihm innerlich wohl kein Platz.

Begleitet wird er von Musikern wie Billy Wells, Darrell Lacy, Brandon Jackson, Eric Demmer, Barry Seelen, Shawn Allen, und Al Paglusio, dazu spielt der umtriebige Mike Zito die Leadgitarre beim Titelstück „Deep Dark Demon“. Produziert hat May die Scheibe sehr schön transparent zusammen mit Geronimo Calderon, der hier auch bei einigen Tracks am Schlagzeug mitmischt.

Vom schroffen Opener „Harvey’s Dirty Side“ (Haynes-ABB-Gov’t Mule-Flair) bis zum funkigen „Invisible Man“ (mit Talkbox-Einlagen à la Peter Frampton) am Ende, streift May alle Facetten des Blues- und Southern Rock, wobei sich seine Nähe zum Allman Brothers-Umfeld immer wieder offenbart.

Allein schon das jammige „My Last Ride“ (bei solch einem Titel horcht der Southern Rock-Fan eh schon in heller Vorfreude auf..), mit seinen E-Gitarrenvariationen und -passagen, ist den Kauf der CD wert. Ein Hammerstück! Anzumerken ist auch, dass Mark bei allen Tracks immer auf eine ansprechende Melodik fokussiert ist.

„I got a demon deep dark in my soul“ singt Mark May im Titelsong, wohl wissend, dass Musik die beste Therapie ist. Mit diesem saustarken Album dürfte dieser ein für alle Male vertrieben sein. Absolute Empfehlung, klasse!

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Southern (Blues) Rock

01. Harvey’s Dirty Side
02. BBQ And Blues
03. Back
04. Deep Dark Demon
05. Sweet Music
06. Rolling Me Down
07. My Last Ride
08. For Your Love
09. Walking Out That Door
10. Something Good
11. Invisible Man

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Gulf Coast Records

Dave Fields – Force Of Will – CD-Review

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Erfreulich, dass sich unsere Arbeit sogar bis in die großen Metropolen der Welt herumzusprechen scheint. Da schickt uns jetzt der New Yorker Musiker Dave Fields sein neuestes, seiner jetzt insgesamt sechs Werke, „Force Of Will“, zur Begutachtung zu.

Was mir besonders gut gefällt ist, dass das vielfach Awards-dekorierte Mitglied der dortigen Blues Hall Of Fame, das Genre sehr vielseitig interpretiert und nicht, wie halt unzählig viele seiner Kollegen, in recht voreingestellten Parametern erklingen lässt.

Das liegt hier vor allem an seinem Saiteninstrument aus der New Yorker Instrumentenschmiede Fodera, die eigentlich auf elektrisch Bässe spezialisiert ist, aber auch jedes Jahr eine limitierte Anzahl an E-Gitarren baut.

Die hat nämlich einen Blues-untypischen, eigenwillig raunzenden, brummigen, aber auch klirrenden Charakter, der Fields eine variable Bandbreite eröffnet, die sogar bis in Gefilde von Wizzards wie Joe Satriani, Jimmy Page, Steve Morse und Co. mündet, wie es Stücke der Marke „Big Block“ (teilweise mit punkiger Attitüde), „Hunger“ (Led Zeppelin lassen grüßen), „Delmar“ (kurzes Frickelinstrumental zu Ehren von Delmar Brown, einer Big Apple-Musiklegende) oder „Jack Ham Her“ (jammiges Instrumental Richtung Dixie Dregs) recht unkonventionell darbieten.

Fields lässt diese filigranen Spielchen allerdings nie ins Nervige ausufern. Ab einem bestimmten Punkt , schlägt er immer wieder geschickt Wendungen (mal ein Bridge, mal ein anderes Instrument oder wieder einsetzender Gesang), sodass es nie zu anstrengend wird.

Auch der groovige Song „Chloe & Otis“ erinnert mehr an Steely Dan (dazu ein E-Solo Marke Satriani) als an herkömmliche Blueskost.

Eröffnet wird die Scheibe jedoch mit dem texanisch angehauchten Boogie „I Love My Baby“ (mit Harpeinlagen), der auch gut auf ZZ Tops „Degüello“ gepasst hätte. Der Titelsong „Force Of Will“, zugleich auch mein persönlicher Favorit, ist ein treibender Rocksong, der aufgrund Fields‘ Gesang (irgendwo zwischen Lou Gramm und Paul Rodgers liegend), automatisch Assoziationen zu Bad Company, Free oder Foreigner hervorruft.

Gleiches gilt für den Abschlusstrack „Best I Can“, wo Dave nochmals mit „I’m gonna love you, love you the best I can“, sein spürbar leidenschaftliches Naturell in jeder Hinsicht zum Ausdruck bringt.

Dass er es allerdings auch ruhig und gefühlvoll kann, offerieren die slowbluesigen „Why Can’t You Treat Me Right“ und „It’s Not Ok“ (Aynsley Lister oder Davy Knowles fallen mir hier spontan als Bezüge ein), die aber durch den speziellen Fodera-E-Gitarrenklang ebenfalls versatiler als übliche Lieder dieser Gattung rüberkommen.

Dave Fields offeriert mit „Force Of Will“ seine ungeheure Willenskraft, dem Blues Rock auch weiterhin, mit eigens verabreichten Frischzellenkuren, neue Impulse zu vermitteln.

Die CD gibt es in einem einfachen vierseitigen Pappklapper, der auf den beiden Innenseiten die Songtexte enthält. Unterstützt wird Dave, der sich hier zum Teil auch neben Gesang für Drums, Keys und Bass verantwortlich zeigt, von Musikern wie u. a. Van Romaine (Steve Morse Band), Buddy Allen (Rick Derringer) und den norwegischen Bluesmusikern Kåre Amundsen und Bjørn Ove Hagset.

Übrigens die erste CD, die ich in Händen halte, die den Verstorbenen der Corona-Pandemie gewidmet ist. Was für furchtbare Zeiten…

FMI Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. I Love My Baby
02. Big Block
03. Hunger
04. Why Can’t You Treat Me Right
05. Force Of Will
06. It’s Not Ok
07. Chloe & Otis
08. Delmar
09. Jack Ham Her
10. Best I Can

Dave Fields
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Sweet Bourbon – Born A Rebel – CD-Review

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Ein weitere niederländische Band, die neben der Southern Rock-Formation Voltage, in unserem Magazin, von Anfang an, auf ein hohes Maß an Professionalität setzt, ist Sweet Bourbon. Sie hat sich aber musikalisch mehr in Richtung Blues (Rock) ausgerichtet, allerdings auch zum Teil mit dezenten Southern-Momenten.

Nach „Night Turned Into Day“ aus dem Jahr 2017 bringen sie nun mit „Born A Rebel“ ihr zweites Studiowerk heraus, wieder in einem aufwendig gestalteten Digipak mit Einsteckbooklet, das neben Porträtbildern der Musiker, auch alle Texte der insgesamt zehn neuen Songs (davon sieben Eigenkompositionen) beinhaltet.

Die Besetzung mit Roeland van Laer (bass), René van Onna (lead vocals, acoustic guitar), Chris Janssen (guitars) und Willem Van der Schoff (keys) ist nahezu unverändert geblieben, lediglich mit Ruben Ramirez ist ein neuer Drummer zu vermelden.

Was mir schon beim Erstling gut gefiel, waren die integrierten weiblichen Backround-, beziehungsweise Harmoniegesänge, der auch jetzt wieder angeschlossenen Bourbonettes, die mit Suzan Wattimena, Laura Van der Vange und Henny Oudesluus (neu, spielt auch Ukulele) ebenfalls eine personelle Veränderung zu vermelden haben. Die Damen machen erneut einen tollen Job.

Die kreativen Köpfe bleiben Gitarrist Chris Janssen, Sänger René van Onna und der 2015 niederländischen Blues Award zum besten Keyboarder gewählte Willem Van der Schoff, die sich maßgeblich für das Songwriting verantwortlich zeigen und demnach auch am auffälligsten in Erscheinung treten.

Als Covernummern wählte man das Cream-Stück „Sitting On Top Of The World“, „Lay Down Your Worries“ von Hadden Sayers sowie „Laying In The Alley“ von Big Joe Maher.

Die instrumentellen Akzente auf diesem bluesigen Longplayer setzen Chris Janssen mit vielen schönen E-Gitarren Soli und -fills und Willem Van der Schoff, der hier seine Hammond-Orgel immer wieder gekonnt raunzen, hallen oder gurgeln lässt. Lediglich beim retro-swingenden Abschlusstrack „Laying In The Alley“ lässt er mal das Piano ordentlich klimpern.

Gesanglich habe ich weiterhin mit René van Onna mein Knacken, der für mich eher in die Prog-Ecke, statt dem Blues-Genre, passt, und bis auf wenige Passagen, wo er mal aus sich herauskommt (er kann es also – so  z. B. bei „Bourbon For You“), weiterhin aus meiner Sicht, etwas unscheinbar und blass bleibt, aber sich für’s Kollektiv engagiert einbringt, was ja auch ein immenser Wert sein kann.

Meine persönlichen Favoriten sind das an „It’s All Over Now“ (Molly Hatchet-Variante) erinnernde „Bourbon For You“, hier auch sehr schön southern-rockig umgesetzt, der sehr atmosphärische Slowblues „Mrs. C“ (klasse Jassen-Solo, Trompeteneinlagen), der Country Blues „I Asked You A Question“ (Marke „Mississippi Kid“ von Skynyrd) und das melodische „Unexpected Touch“ (mit Janssen-Schwoof-Kombi-Soloeinlagen).

Insgesamt ist „Born A Rebel“ von Sweet Bourbon erneut eine handwerklich saubere Blues-Scheibe, bei der starke und markante E-Gitarren- und Hammond-Töne im Vordergrund stehen. Nicht so ganz rebellisch, wie es der Titel vielleicht suggeriert, aber auf jeden Fall was für musikalisch Junggebliebene unserer Altersgeneration.

Bourbon Records (2020)
Stil: Blues (Rock)

01. Born A Rebel
02. Bourbon For You
03. Mrs. C
04. I Asked You A Question
05. Muddy Footprints
06. Sitting On Top Of The World
07. The Beast (for Mieke)
08. Unexpected Touch
09. Lay Down Your Worries
10. Laying In The Alley

Sweet Bourbon
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