Billy J – Rise Above – CD-Review

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Billy J wird bei uns, da bin ich mir relativ sicher, ein absolut unbeschriebenes Blatt sein. Der ursprünglich aus Philadelphia stammende Musiker, hat sein Handlungsspektrum aber mittlerweile in den Süden Floridas und das sich dort anschließende Key West verlegt.

Nun stellt er mit „Rise Above“ seinen Erstling vor, der vom dem uns bekannten New Yorker Dave Fields (dessen aktuelle CD „Force Of Will“ hatten wir ja vor kurzem erst besprochen) live im Studio produziert und teilweise auch musikalisch begleitet wurde (Piano, Slide-Gitarre beim Titelstück „Rise Above“ und Backing vocals).

Mit Charlie Wooten (Royal Southern Brotherhood), Todd Smallie (Derek Trucks Band, JJ Grey & Mofro) sowie Yonrico Scott (Derek Trucks Band) sind weitere gestandene Kollegen mit am Werk beteiligt.

Angepriesen wird Billy J als „rising star in the long tradition of the working man blues-rock Americana artists“. Weiter heißt es: „His combination of guitar wizardry, power vocals and great songwriting will rock the blues rock world“.

Und in der Tat hat der Protagonist bis auf „Cats In The Cradle“ (Harry Chapin) alle Tracks selbst verfasst. Auch seine Gitarrenkünste sind wirklich stark und machen sein Debüt zu einer richtig tollen Southern Rock-Scheibe. Lediglich beim irgendwie nicht zu den Stücken passen wollenden Gesang (aus meiner Sicht), muss ich widersprechen. Hier liegt für mich persönlich dann allerdings leider auch das Manko des Silberlings, da es sich ja um ein fortlaufendes Element handelt.

Nicht auszurechnen, wenn Billy auch noch ein Charakterorgan im Stile der großen Southern Rock-Fronter haben würde, dann wäre es ein neues Klassewerk des Genres geworden. Ich kann allerdings verstehen, dass man bei einer Solokarriere halt auch am Mikro im Rampenlicht stehen möchte. Aber vielleicht ist ja nicht jeder in diesem Bezug so empfindlich wie unser Einer.

Musikalisch kann sich alles wirklich mehr als sehen lassen, Allman Brothers, frühe Molly Hatchet (zu Zeiten ihrer ersten beiden Alben), Skynyrd und alles, was SR-Fans gerne hören (mit viel E-Gitarre, quirligen Soli und gut dosierten Keys) lässt sich als Bezüge aus den Tracks heraushören. Die beiden ruhigeren Lieder „Rise Above“ (schönes countryeskes Frontporch-Flair) und „She“ sind mit einer prägnanten Akustikgitarre verziert. „New Car“ kommt dazu noch als kraftvoller Slow Blues der Marke Aynsley Lister.

Etwas aus dem Rahmen fällt vielleicht noch das leicht Reggae-versetzte stampfige „Push Push“ mit Steel Drum-Einlagen von J. Robert, der ab und zu auch mal die Fiddle einfließen lässt (u. a. bei „Rise Above“).

Ansonsten bietet Billy J viele flotte Stücke mit powernden Southern Rock-Grooves, und, wie gesagt, starker E-Gitarre in Hülle und Fülle. Von daher sollten Southern- und Blues Rock-Liebhaber diesem Newcomer auf jeden Fall mal eine Chance auf’s Gehör gönnen.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. She’s Mine
02. Sweaty Melons
03. Rise Above
04. Line ‚Em Up
05. New Car
06. Cats In The Cradle
07. She
08. Push Push
09. My Baby’s Blue
10. Boomerang

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Casey James – If You Don‘t Know By Now – CD-Review

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Casey James war bereits mit seinem gleichnamigen 2012‘er Debutalbum bei uns im Sounds of Sounds-Magazin zu Gast und erntete damals höchstes Lob für sein Erstlingswerk. 2017 beschritt Casey James dann nach seiner Trennung von Sony neue musikalische Wege und veröffentlichte sein vielbeachtetes Bluesalbum „Strip It Down“. Drei Jahre später erscheint nun sein jüngstes Werk „If You Don‘t Know By Now“, in dem er seine musikalische Erkundung des Blues fortsetzt.

Stilistisch schwingen die vierzehn Songs des Album zwischen knallhartem Blues Rock, etwas Boogie-Woogie und eingängigen Bluesnummern. Kennzeichnend für seinen Sound ist auf jeden Fall, dass in fast allen Stücken eine starke Bläserunterfraktion, bestehend aus Saxophon, Trompete und auch Posaune, mal unterstützend, mal tragend zu hören ist. Mancher Track erhält dadurch auch einen leichten soulig/funkigen bis jazzigen Anstrich. Langeweile ist beim Hören also ausgeschlossen, dafür ist aber Abwechslung garantiert.

Gleich der erste Song des Albums „Live Life“ ist weniger eine Bluesnummer als vielmehr ein funkig-rockiger und durch die Bläser teilweise Erinnerungen an „Blood, Sweet And Tears“ hervorrufender Titel mit leicht jazzigen Einflüssen. Das folgende „Shake Some Salt“ kommt gänzlich ohne die Bläser aus und richtet sich mit seiner teilweise wabernden Keyboarduntermalung und seinen harten Riffs eher an die Freunde rockig-bombastischer Arrangements.

Ein echter Schunkler in fetziger Boogie-Woogie Manier ist dann „Girl‘s Got Something“. Auch in „Real“ bringt ein treibender Rhythmus, immer wieder durch kurze Pausen unterbrochen, das Stück mit seinen wiederkehrenden Gitarrenriffs und souligen Background Vocals mächtig voran, während „Don‘t Break A Heart“ wieder an das rock’n’rollige „Girl’s Got Something“ anknüpft.

Nach soviel harten und flotten Tönen fährt der lockige Texaner nun in einigen Songs das Tempo deutlich runter, sodass es in der zweiten Hälfte der CD über weite Strecken ruhiger wird. „Here To Please“ ist so ein Beispiel dafür. Der düstere Slowblues mit dezenten Bläsersätzen und leicht sphärischen, mitunter auch verhallten Gitarren, lässt den Zuhörer das Verlangen, das dieser Song ausdrückt, fast körperlich spüren.

„If You Don’t Know By Now“ beginnt mit kristallklarer Leadgitarre und dezentem Fingerschnipsen, bevor sich die Drums dazugesellen und sich das Stück sparsam mit mehreren Tempowechseln weiterentwickelt, um endlich abrupt zu enden, dann aber nach einem Break die Eingangsriffs nochmals aufgreift und doch noch zu einem ruhigen Ausklang kommt.

Mit „Wish Me Luck“ folgt wieder ein geruhsamer Blues mit einem leicht mystisch klingendem Intro, wohl dosierter Bläserunterstützung und Keyboards im Background. In die gleiche Richtung geht auch „Be Mine“, ohne jedoch diesen leicht mystischen Touch aufzuweisen.

Das ungewöhnlichste Stück auf der Scheibe ist sicherlich das konfus wirkende „Come On Saturday Night“. Mit dem gleich zu Beginn einsetzendem Schlagzeug, einem wild gespielten Saxophon und hektischen Bläsern, könnte die Nummer glatt als Freejazz durchgehen, wenn Casey Jamess Gesangseinlagen nicht immer wieder ein Gefühl der Harmonie vermitteln würden.

Im Gegensatz dazu schleicht sich das bluesig schmeichelnde „Nothing But Time“ mit langsamen Rumbatakten in die Gehörgänge, angereichert mit Country/Folk-Einflüssen. Einfach zum Dahinschmelzen! Melodisch, zumindest zu Anfang, geht es auch mit dem behäbig dahinfließenden „A Better Place“ solange weiter, bis mächtige Riffs den Song dominieren, um schließlich wieder von der eingängigen Intromelodie abgelöst zu werden und dann langsam, leicht verhallt mit dezenten Backgroundstimmen, das Stück ausklingen zu lassen.

„Faith“ und „(More) Faith“ bilden den Abschluss des rundherum gelungenen Albums. Während „Faith“ ein langsames und sphärisches Stück mit leicht verhallter Slidegitarre ist, das wunderbar mit den von Casey James ruhiger Stimme vorgetragenen Lyrics harmoniert, ist „(More) Faith“ die rockig-abgedrehte Fortsetzung des ersten Teils mit jaulenden und flirrenden Gitarreneinlagen und sägenden Riffs.

Mit „If You Don‘t Know By Now“ hat Casey James ein abwechslungsreiches Album vorgelegt, auf dem er sich als melodischer Gitarrist und Songschreiber mit ausdrucksstarker Stimme beweist. In meinen Augen ist es eine DER Scheiben diesen Jahres und sollte in keinem Plattenschrank fehlen, daher absolute Kaufempfehlung.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues Rock

01. Live Life
02. Shake Some Salt
03. Girl‘s Got Something
04. Real
05. Don‘t Break A Heart
06. Here To Please
07. If You Don‘t Know By Now
08. Wish Me Luck
09. Be Mine
10. Come On Saturday Night
11. Nothin But Time
12. A Better Place
13. Faith
14. (More) Fait

Casey James
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Two Side Moon Promotions

Alastair Greene – The New World Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Nach seinem 2018’er Album „Live from 805“ liefert Greene nun das Nachfolgealbum „The New World Blues“ mit elf taufrischen, neuen Songs ab. Diesmal von keinem geringeren als Tab Benoit, dem Mitbegründer von Whiskey Bayou Records, produziert.

Alle elf Songs dieses Albums stammen von Greene selbst, teilweise aber in Zusammenarbeit mit Tab Benoit. Dieser ist dann auch auf der CD an den Drums zu hören und steuert zusätzlich die Harmoniegesänge bei, während Greene als Frontmann die Gitarre beackert und auch singt. Der dritte im Bunde ist Corey Duplechin, er liefert am Bass den nötigen Rhythmus und ist ebenfalls für die Harmoniegesänge zuständig.

Mit dem ersten Song „Living Today“ geht’s sofort in die Vollen, schwer stampfend und mit einem treibenden Bassrhythmus gefolgt von dem nicht minder quirligen „Lies And Fear, das vor Allem durch sehr schöne Harmoniegesänge besticht.

Zudem finden sich bei einigen Titeln auf der Scheibe auch stilistische Ähnlichkeiten von Gary Moore oder Peter Green (z. B. beim dem Instrumentalfeger „Back At The Poor House“ oder dem Bluesrocker „Find Your Way Back Home“ mit wildem Gitarrensolo).

Auf dem leicht swampigen „Bayou Mile“, an dem Tab Benoit an den Lyrics mitgewirkt hat, kommen dann Greenes Künste an der Slide-Gitarre so richtig zur Geltung. Mit funky Grooves hingegen wartet „When You Don’t Know What To Do“ auf, das auch eine respektables Gitarrensolo von Greene enthält. Gemächlicher wird es anschließend mit dem Südstaatenflair verbreitenden und langsam vor sich hinrollenden „No Longer Amused“.

Auch bei dem melodiösen Slowblues „Heroes“ (wieder sehr schöne Harmoniegesänge und Slide-Einlagen) hat Tab Benoit abermals seine kompositorischen Fähigkeiten mit eingebracht. Das in seiner Grundstimmung schwermütige „Alone And Confused“ beginnt zwar langsam und träge, bietet aber dennoch ausreichend Raum für Alastair Greene, seine Gitarre jaulen und flirren zu lassen.

Am meisten Spaß macht allerdings der Rausschmeißer dieser CD. Das letzte Stück, an dem auch wieder Benoit musikalisch beteiligt ist, punktet abermals durch ein tolles Spiel von Greene an der Slidegitarre sowie seinen leicht verhallten Leadgesang. „The New World Blues“ gibt damit ein gebührendes Finale für diese außergewöhnlich gute CD ab.

Als klassisches Trio mit Gitarre, Bass und Drums liefert Alastair Greene mit seiner Band auf diesem Album ehrlichen Blues Rock ab, der auch Einflüsse aus anderen Stilrichtungen beinhaltet und im wesentlichen ohne Overdubs auskommt. Ein super Album, das so richtig Spaß macht!

Whiskey Bayou Records (2020)
Stil: Bluesrock

Tracks:
01. Living Today
02. Lies And Fear
03. Bayou Mile
04. When You Don’t Know What To Do
05. No longer Amused
06. Back At The Poor House
07. Find Your Way Back Home
08. Heroes
09. Wontcha Tell Me
10. Alone And Confused
11. The New World Blues

Alastair Greene
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Dudley Taft – Cosmic Radio – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Seine produktionstechnische Unabhängigkeit hat der US-amerikanische Gitarrist und Sänger Dudley Taft bereits 2013 vorausschauend gefestigt, als er das Tonstudio von Peter Frampton übernahm. Im Muchmore Studio, Cincinnati, Ohio, sind seit dem sechs Alben entstanden, wobei innerhalb eines Jahres nach „Simple Life“ der zweite neue Longplayer „Cosmic Radio“ eingespielt wurde.

Eine fleißige Energieleistung muss man dem 1966 geborenen Taft dabei allemal unterstellen, denn auch die Produktion der aktuellen, selbst verfassten Tracks ist einschließlich Engineering und Mixing wesentlich in Eigenregie erfolgt.

Für die oft als Seattle- oder Grunge Blues beschriebene Stilrichtung steht exemplarisch der Opener und zugleich das Titel-Stück „Cosmic Radio“, ein radiotauglicher Hard-Rock-Song, der durchaus als gutes Beispiel für die beständigen Songwriter-Qualitäten Tafts gewertet werden kann.

Der gelungene Einstiegs-Track wird verfolgt von „Left In The Dust“, das eigentlich wie bei einer treibenden Rhythmus-Nummer mit ausdrucksstarken Riffs üblich, an die erste Stelle einer Set-Liste gehören sollte und durch die „sprudelnde Kraft“ eines Fuzz-Pedals – wie Taft anmerkt – entscheidend beeinflusst wird. Die treibenden Drums und die intensive Gitarren-Arbeit besorgen bei „The Devil“ die ausgesprochene Eleganz eines spielerisch wirkenden Blues-Stücks, dessen Ausdrucksstärke genauso gut zu Aerosmith oder den Black Crowes passen würde.

Mit „Goin‘ Away Baby“ schließt sich ein gradliniger Blues-Klassiker an, der 1950 von Jimmy Rodgers eingespielt wurde – aber nach anderen Quellen vielleicht ursprünglich aus der Feder von Sonny Boy Williamson stammt – und hier von Dudley Taft auch solomäßig exzellent gecovert wird.

Die „etwas“ ruhigere Phase des Albums beginnt mit „One In A Billion“, einer 8-minütigen Slow-Blues-Rock-Nummer inklusive der eindrucksvollen Taft-Guitar-Work, die auch hohe Erwartungen erfüllt und in ihrer Form über „The End Of The Blues“ in den Lyrics nur vordergründig resümiert.

Eine familiäre Co-Produktion von Dudley Taft und Tochter Ashley Charmae, die ihr Debut an den Lead-Vocals als Fan von Etta James einfühlsam meistert, bietet das sanfte Blues-Highlight „Relentless“, und eröffnet damit praktisch die zweite Hälfte des Albums, das neben weiteren stimmungsvollen und langsamen Passagen ebenso Southern-Country-Rock und Texas-Blues mit einbezieht.

Diese starken Elemente kennzeichnen die Tracks „Fly With Me“, „Hey, Hey, Hey“ und das Heavy-Rock-mäßige „All For One“ im schweren Fuzz-Gitarren-Sound, der die heftigen Lyrics zur gesellschaftlichen und politischen Situation in Cincinnati unterstreicht.

Seinen Frust über die Covid-19 Pandemie entlädt Taft danach bei „I’m A Believer“ , um abschließend nahezu versöhnlich – mit seiner Tochter im Background – die Piano-Ballade „I Will Always Love You“ anzustimmen und das Finale des neuen Albums ein wenig in „kosmische Sphären“ überzuleiten.

Mit „Cosmic Radio“ hat Dudley Taft ein anspruchsvolles Blues- und Rock-Album abgeliefert, das seine musikalische Präsenz als Songwriter und Musiker energiegeladen hervorhebt. Der Produktions-Rhythmus des US-Amerikaners entwickelt sich allmählich zu einem „Marathon“, den er hoffentlich noch weiter durchhält.

American Blues Artist Group (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Cosmic Radio
02. Left In The Dust
03. The Devil
04. Goin’ Away Baby
05. One In A Billion
06. The End Of The Blues
07. Relentless
08. Fly With Me
09. Hey Hey Hey
10. All For One
11. I’m A Believer
12. I Will Always Love You

Dudley Taft
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m2-music

Joe Bonamassa – Royal Tea – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Joe Bonamassa ist und bleibt ein unermüdliches Arbeitstier mit einem Bekanntheitsgrad wie ihn auch Eric Clapton genießt. Bonamassa und seine Musik zu beschreiben, hieße daher sicherlich Eulen nach Athen tragen. In die fast schon unübersehbare Anzahl an veröffentlichten Alben der letzten zwanzig Jahre reiht sich nun auch sein neuestes Werk „Royal Tea“ ein, für dessen Einspielung Bonamassa den ehemaligen UFO– und Whitesnake-Gitarristen Bernie Marsden sowie Peter Brown (er hat früher für Cream Texte geschrieben) gewinnen konnte.

Als weitere Musiker sind Michael Rhodes am Bass, Reese Wynans an den Keyboards, Anton Fig an den Drums und Jules Holland am Piano dabei. Aufgenommen wurde die CD in den berühmten Londoner Abbey Road Studios, in denen neben den Beatles u. a. auch schon Pink Floyd und Oasis zu Gast waren. Produziert hat den Lonplayer letztendlich wieder Kevin Shirley, der bereits Bands und Musiker wie Aerosmith, Iron Maiden, Beth Hart und Joe Satriani unter seinen Fittichen hatte.

Alle Songs stehen natürlich in der Tradition des englischen Blues Rock. So auch der Opener „When One Door Opens“, der zwar mit einem klassischen Orchestral-Intro beginnt, sich dennoch über ein lyrisches Mittelteil zu einem richtig harten Kracher entwickelt, um anschließend wieder zu einem ruhigen und melodiösen Ende zu finden.

Der folgende Titeltrack „Royal Tea“ stampft hart, aber gemächlich, garniert mit ein paar netten Background Vocals. Ein lupenreiner Slowblues hingegen ist „Why Does It Take So Long To Say Goodbye“, ein Song in dem Bonamassa die Trennung von seiner Lebensgefährtin verarbeitet. Und auch in „A Conversation With Alice“ klingen persönliche Momente des Protagonisten an: er beschäftigt sich hier mit Gesprächen, die er einmal anlässlich einer Krise mit einer Therapeutin geführt hatte. Und das mit offenbar heilsamer Wirkung, denn der Song startet mit einem flotten Gitarrenriff und strahlt auch im weiteren Verlauf eine Stück weit Lebensfreude aus.

Tieftönerliebhaber kommen mit „Lookout Man“ auf ihre Kosten, hier hat Michael Rhodes ausgiebig Gelegenheit, den Song mit einer fetten Basslinie zu untermalen und das Eingangsmotiv von „High Class Girl“ mit Reese Wynans an den Keyboards erinnert ein wenig an den frühen 60’ger Jahre Hit „Green Onions“ von Booker T & The MG’s und zieht sich wiederkehrend durch den gesamten Song.

„I Didn’t Think She Would Do It“ ist ein echter Blues Rock-Kracher mit allem was dazu gehört, ein treibender Rhythmus gepaart mit kraftvollem Gesang und flirrenden, wilden Gitarrensoli vom Meister himself. Dem Titel alle Ehre machend beginnt „Beyond The Silence“ schwermütig-düster und vermittelt das Gefühl eines heraufziehenden Gewitters mit zwischendurch immer wieder aufblitzenden Keyboardblitzen.

Völlig aus dem musikalischen Rahmen der Scheibe fallen die letzten beiden Stücke des Albums. „Lonely Boy“ ist purer Rock’n Roll mit fetzendem Pianogeklimper und satter Gebläseunterstützung. Im Gegensatz dazu steht dann „Savannah“. Melodiös und countrybeeinflusst bildet der Track den wunderschönen Abschluss ein vielseitigen Albums mit facettenreichen Songs.

Unter dem Strich steht „Royal Tea“ ganz in der Tradition des britischen Blues Rock und ist sicher nicht nur für Bonamassa Fans interessant, sondern für jegliche Anhänger rockiger, handgemachter Gitarrenklänge. „Royal Tea” erscheint am 23. Oktober 2020 in verschiedenen Ausführungen. Wahlweise als CD im limitierten Tincase, als Doppel-LP in farbigem Vinyl oder in der „Luxusversion“ als 48 seitiges Artbook mit CD und Doppel-LP. Wie auch immer, die Anschaffung lohnt und wird viel Freude bereiten.

Mascot Label Group (2020)
Stil: Blues-Rock

Tracklist:
01. When One Door Opens
02. Royal Tea
03. Why Does It Take So Long To Say Goodbye
04. Lookout Man
05. High Class Girl
06. A Conversation With Alice
07. I Didn’t Think She Would Do It
08. Beyond The Silence
09. Lonely Boy
10. Savannah

Joe Bonamassa
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Another Dimension

Ana Popovic – 16.10.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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‚Los Angeles‘ war für mich das Stichwort der Woche. Zunächst im Rahmen des gerade frischen Reviews zum großartigen Gig der neuformierten Eagles im gigantischen, an drei Tagen ausverkauften FORUM, in der zum Los Angeles County zählenden Stadt Inglewood, dann in Bezug auf die mittlerweile in LA lebende Serbin Ana Popovic.

Auch wenn sich die Blondine in den zwanzig Jahren, in denen sie sich jetzt schon im Blues Rock-Business erfolgreich behauptet, durchaus einen weltweiten Namen gemacht hat, dürfte der Weg in eine solche Location weiterhin ambitioniert sein, an diesem Freitag Abend  hieß es für sie im heimischen Schwarzen Adler zu Rheinberg (der natürlich auch weltberühmt ist), Traditionsclubatmosphäre zu ‚atmen‘.

Und das ist in diesen unsäglichen Corona-Zeiten, die besonders die Veranstaltungsbranche samt vieler Künstler an den Rande des Ruins treibt, ja auch schon etwas. Ernst Barten war von Beginn an, als einer ihrer besonderen Förderer zu sehen, deshalb kommt sie immer wieder gerne in den Vierbaumer Kulttempel. Auch bei den Zuschauern ist sie äußerst beliebt, so war der Saal, trotz der bedingten Einschränkungen, durchaus  gut frequentiert.

Und wie das so in diesen Wochen und Monaten der Entbehrungen ist, wurde ihr kurz zuvor, auch noch an anderer Stelle, ein Strich durch die Rechnung gemacht. Weil ihrer geplanten Rhythmusfraktion in New York am Flughafen die Ausreise  verweigert wurde, war spontanes Improvisieren angesagt. So gab es an diesem Abend im Schwarzen Adler ein Konzert, dass man vermutlich in dieser Form wohl nicht mehr erleben wird.

Pünktlich um 20:00 Uhr betrat die Protagonistin ’nur‘ mit Keyboarder Michele Papadia im Schlepptau, die demnach übersichtliche Bühne. Die beiden stellten dann ein immerhin, mit 21 Stücken (u. a. mit Tracks wie „Fearless Blues“, „Virtual Ground“, „New Coat Of Pain“, „License To Steal“, Johnnie Ray“, „How’d You Learn To Shake It Like That“) versehenes, durchaus gut unterhaltendes Programm (inklusiv zweier Zugaben) spontan auf die Beine.

Ana, die den kompletten Leadgesang inne hatte, wechselte zwischen der Akustik- und ihrer abgewetzten Stratocaster-E-Gitarre hin und her, bediente vom Rhythmusspiel, über viele Soli , sowohl in konventioneller, wie auch slidender Manier (in ihrer typischen Schnellspielart), alle erdenklichen Facetten der Saitenkunst. Sie gab sich auch zwischen den Stücken recht kommunikativ und redete sich so auch ein bisschen den zur Zeit spürbaren Frust von der Seele.

Michele Papadia ließ sich natürlich ebenfalls nicht lumpen und reizte vom Organ bis zum E-Piano ebenfalls alle Möglichkeiten (teilweise schöne HT-Einlagen) seiner Doppelkeyboardanlage aus.

Die anwesenden Zuschauer bedachten den engagierten Auftritt mit viel lautem Applaus und verabschiedeten das spielfreudige Duo, das wirklich das Beste aus der Situation rausgeholt hatte, nach den beiden Zugaben „Woman To Love“ und dem furiosen „Can’t You See What You’re Doing To Me“, wo Ana nochmal richtig Gas auf ihrer Strat gab,  zurecht mit stehenden Ovationen.

So blieb am Ende für alle Anwesenden, was die lange Liste der Popovic-Konzerte im Schwarzen Adler betrifft,  immerhin ein denkwürdiger Abend mit Seltenheitswert.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, acoustic and electric guitar)
Michele Papadia (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ana Popovic
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Schwarzer Adler

Patrik Jansson Band – IV – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Die Patrik Jansson Band ist, 2007 gegründet, eine noch vergleichsweise junge schwedische Combo. 2011 erschien ihr Debutalbum, 2014 folgte das von der Kritik hoch gelobte „Here We Are“ und 2017 erschien „So Far To Go“ mit melodischem Blues und Bluesrock. Und jetzt wiederum drei Jahre später erschien am 02. Oktober das vierte Album der Band, ganz unspektakulär mit „IV“ betitelt. Spätestens seit dem 2018‘er Grolsch Blues Festival dürften die vier Schweden auch hier bei uns in Deutschland zumindest den Blues-Afficinados bekannt sein.

Patrik Jansson, der ursprünglich in jungen Jahren als Schlagzeuger in Jazz- und Bluesbands startete, frönt auf dem neuen Album als Gitarrist und Sänger gemeinsam mit seinen Jungs ausgiebig dem Blues. Seine Kumpanen sind Lars Eriksson an den Keyboards, Thomas Andersson am Bass und Martin Forsstedt hinter der Schießbude.

Allerdings darf man keine Bluesscheibe im klassischen Sinne erwarten. Es ist eher eine moderne Art des Blues, zwar mit Versatzstücken des Chicagoblues („Same Thing All Over Again“), aber auch mit jazzigen Elementen („She Said What“, ein flottes Instrumentalstück), die vorwiegend von Lars Eriksson an den Tasten geliefert werden und mitunter an Barmusik aus vergangenen Zeiten erinnern („Love Will Find A Way“).

Die Songs sind musikalisch sicherlich auf hohem Niveau komponiert und eingespielt, klingen aber auch recht clean. Dies ist jetzt nicht negativ gemeint, schließlich lag der Fokus auf einem Songwriting, das den Hörer mit eingängigen Melodien und tollen Arrangements einfangen und begeistern soll. Was zweifelsohne auch gelungen ist. Eine raues Bluesding, das den Dreck der Straße und den Seelenschmerz schmecken lässt, ist es allerdings nicht geworden, allenfalls der Slowblues „Nothing But The Blues“ kann dieses Feeling ansatzweise transportieren.

Die Art und Weise wie Patrik Jansson seine Gitarre spielt, weist aber durchaus Parallelen zu Walter Trouts und Robert Crays Gitarrenstil auf und Lars Eriksson mit seinen Keyboards kommt auf fast allen Stücken eine tragende Rolle zu.

Im Übrigen sollte jetzt im November eine Tournee durch die Niederlande, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich starten, ob diese aber unter den derzeitigen Umständen durchführbar ist, ist leider mehr als fraglich.

Label: Sneaky Foot Records (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. She Aint Gonna Come Back Any More
02. A Love Like Yours
03. Love Will Find A Way
04. Same Thing All Over Again
05. She Said What
6. Play Me Some Blues
07. Someone Who Treats You Right
08. Only The Lonely
09. Nothing But The Blues

Patrik Jansson Band
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Vanesa Harbek II – 26.09.2020, Tanzpalast Besserberg, Kleve – Konzertbericht

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Die Ansage von Martin Engelien vor dem letzten Song des Konzertes im Klever Tanzpalast Besserberg hatte eine große Aussagekraft über das Konzert, aber auch um das ganze Geschehen in der Kulturlandschaft in Corona-Zeiten.

Zunächst bedankte er sich, wie zuvor schon die Protagonistin Vanesa Harbek bei den Besuchern, die trotz der widrigen Wetterverhältnisse und der Pandemiebedingungen, den Weg in die bestens hergerichtete Location gefunden hatten.

Er appellierte an die Besucher, denen, die aus oft nachvollziehbaren Gründen, Veranstaltungen meiden, zu berichten, was alles getan wird, um mit möglichst großer Sicherheit und einem Konzept, das von den Gesundheitsämtern individuell geprüft wird, Konzerte, wenn auch im kleineren Rahmen, durchzuführen. Nur durch Konzertbesuche, werden die Locations und auch die Künstler zumindest teilweise finanziert, sodass am Ende des Jahres für manche Clubs nicht ganz die Lichter ausgehen und totale Funkstille einkehrt.

Leider waren auch an diesem Abend in Kleve, wo mit Abständen von über zwei Metern zwischen den Tischen, alles für eine bestmögliche Sicherheit gesorgt wurde, viele Plätze freigeblieben. Die Anwesenden mit viel Applaus und nicht zuletzt die Band, waren aber Garant dafür dafür, dass es im Tanzpalast Besserberg an diesem Abend recht laut war.

Im nach dieser Ansage folgenden Cover des Santana-Klassikers „Oye Como Va“ zeigten die Musiker nochmals nachhaltig, was in ihnen steckte. Die Harbek, stimmlich bestens aufgelegt, wurde im Backgroundgesang von Engelien unterstützt. Sie ließ ihre spielerischen Qualitäten in mehreren eingestreuten, zum Teil ausufernden Soli, aufflammen. Engelien nutzte den Tieftöner nicht nur zur Rhythmusgrundlage, sondern auch als Solo-Instrument

Last but not least zeigte Berni Bovens an den Drums, dass er ein Meister seines Rhythmusfachs ist und scheinbar tiefenentspannt, ohne großen Schnickschnack, mit Drumsoli ohne Highspeed und Krawall auch begeistern kann. Im Solo des letzten Songs bediente er die Drums so behutsam, dass man fast eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Vom Einstieg des Trios mit dem Freddie King-Instrumental „Hideaway“ über eine Mischung aus Harbeks eigenen Songs sowie einigen gelungenen Coverstücken, wussten im zweiten Set besonders die Bluesversion von „Black Magic Woman“ und eine sehr rockige Variante von „Going Down“ zu überzeugen.

In den Eigenkreationen offerierte Vanesa, dass sie nicht nur eine exzellente Gitarristin ist, sondern auch das Songwriting versteht. Dabei präsentierte die Argentinierin, die seit etwa einem Jahr in Berlin lebt, Stücke in Ihrer Muttersprache Spanisch, wie auch in Englisch. Die meisten Ansagen machte sie allerdings in gut verständlichem Deutsch, zuweilen wurde sie dabei von Martin Engelien assistiert. Für mich herausragend waren dabei der „Vanesa Tango“, wo ihre musikalischen Wurzeln erkennbar waren und „Hell In Paradise“, wo sie eine ehemalige Beziehung beschrieb, in der selbst in der schönsten Umgebung, das Leben zur Hölle werden.

Die etwas über zwei Stunden Musik vergingen wie im Fluge und die Fans, die erschienen waren, hatten an diesem Abend alles richtig gemacht. Schön wäre es, wenn das nächste Mal die Resonanz wieder so wäre, wie die Klasse der Musiker es verdient gehabt hätte. Dann wird Harbek vermutlich ein neues Album im Gepäck haben, auf das man bei dem im Tanzpalast Besserberg gebotenen Leistungen gespannt sein darf.

Ein Besonderer Dank geht auch an das Team vom Tanzpalast, welches sich freundlich um die Gäste kümmerte und auch mehr Besuch verdient gehabt hätte. Vielsagend in dieser Hinsicht auch die Ansage von Engelien vor der Pause, wo er darum warb, diese nicht nur für einen Besuch am Merchstand zu nutzen, sondern auch den Laden mit einem eventuell zusätzlichen bestellten Getränk zu unterstützen.

Line-up:
Vanesa Harbek II (lead vocals, electric guitar)
Martin Englien (bass, vocals)
Berni Bovens (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanesa Harbek
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Tanzpalast Bresserberg Kleve

Kirk Fletcher – My Blues Pathway – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der 41-jährige, aus Kalifornien stammende und jetzt in der Schweiz lebende, Afroamerikaner Kirk Fletcher gilt als einer der besten Blues-Gitarristen weltweit. Als Sohn eines Baptistenpfarrers lernte er bereits in seiner Kindheit die Gospel- und Bluesmusik kennen und schätzen. So geprägt, ist es nicht verwunderlich, dass seine musikalische Ausrichtung tief im Rhythm & Blues und in der Soulmusik verankert ist.

Sein neuestes Album „My Blues Pathway“, welches jetzt Ende September in den Handel kommt, lebt daher auch von all diesen Einflüssen, insbesondere aber dem Soul, gepaart mit funkigen Elementen. Alle zehn Songs des Albums sind modern arrangiert, mit viel, aber nie störenden Bläsern im Hintergrund. Als i-Tüpfelchen kommt dann noch Fletchers warme und gefühlvolle Stimme hinzu.

Eingespielt im Hertz Workz Studio (Los Angeles) mit namhafter Unterstützung von Charlie Musselwhite an der Harmonika, Josh Smith an der Resonator-Gitarre und Robert Crays langjährigem Bassgitarristen Richard Cousins, der auch an zwei Titeln („No Place To Go“ und „Love Is More Than A Word“) mitgearbeitet hat, ist ein absolut hörenswertes Album entstanden.

Bereits der Midtempo-Opener des Albums „Ain’t No Cure For The Downhearted“ besticht durch Fletchers funkiges Gitarrenspiel und legt den Grundstein für die weitere musikalische Ausrichtung der folgenden Tracks. Der Song selbst handelt im wesentlichen von der Suche nach dem Glück, welches man nur in sich selbst finden kann.

No Place To Go“ wurde bereits im Juli diesen Jahres als Single veröffentlicht (siehe das verlinkte Video), welches sehr schön die gesamte Stimmung des Albums wiedergibt.

Auch mit „Love Is More Than A Word“, einem Song über verlorene Liebe, und dem mit autobiografischen Inhalten versehenen „Struggle For Grace“, geht es ruhig und entspannt weiter.

„I’d Rather Fight Than Switch“ ist eine beschwingt dargebrachte Coverversion, die der Sänger und Saxophonist A. C. Reed bereits im Jahre 1965 veröffentlicht hat. Aber natürlich beherrscht Kirk Fletcher auch den klassischen Slow-Blues, hier zu hören in „Heart So Heavy“, wenngleich wieder leicht funkig angehaucht.

Auch „Fattening Frogs For Snakes“, ursprünglich aus der Feder von Sonny Boy Williamson stammend, ist eine tolle Bluesnummer. Gut tanzbar ist das flottere Instrumentalstück „D Is For Denny“, eine Eigenkomposition zu Ehren von Denny Freeman, der in den 90’ern einen großen musikalischen Einfluss auf Fletcher ausübte.

Der letzte Song des Albums „Life Gave Me A Dirty Deal“, ist ein ruhiger Deltablues mit Charlie Musselwhite an der Bluesharp und Josh Smith an der Resonator-Gitarre und bietet einen perfekten Abschluss für diese insgesamt sehr gut gemachte Scheibe.

Auch wenn fast alle Songs des Albums in Stil und Tempo recht ähnlich sind, wird es nie langweilig zu zuhören. Die Musik ist so etwas von relaxed, dass man sie am liebsten träumend bei einem Sundowner im Sonnenuntergang genießen möchte.

Fletchers eigenen Worten zufolge, ist es ihm wichtig eine eigene Stimme als Musiker zu finden und Musik zu machen, die aus seinem Herzen entspringt. Mit dem vorliegenden Werk ist ihm das absolut gelungen.

Im Übrigen bleibt noch zu sagen, dass Fletchers diesjährige Deutschland-Tour Corona-bedingt abgesagt werden musste, aber im Frühjahr des kommenden Jahres nachgeholt werden soll. Wir dürfen gespannt sein.

Label: Cleopatra Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Ain’t No Cure For The Downhearted
02. No Place To Go
03. Love Is More Than A Word
04. Struggle For Grace
05. Sweet Soul Music
06. I’d Rather Fight Than Switch
07. Heart So Heavy
08. Fattening Frogs For Snakes
09. D Is For Denny
10. Life Gave Me A Dirty Deal

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Another Dimension

Andreas Diehlmann Band – Mercy On Me – CD-Review

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Wer uns zwecks Rezension seine Musik schickt und dabei irgendwelchen Mumpitz veröffentlicht, kann anschließend keine Gnade erwarten und muss dann auch mit dementsprechender Kritik leben können.

Bei einem versierten und studierten Musiker wie Andreas Diehlmann ist die Wahrscheinlichkeit,  diesbezüglich enttäuscht zu werden, allerdings ungefähr so hoch wie ein Deutscher Meistertitel von Bayer Leverkusen im Fußball.

Diehlmann bleibt auf seinem neusten Studio-Werk „Mercy On Me“ der von Anfang an eingeschlagenen 9-Stücke-Linie treu. Die Band ist auf der Tieftöner-Position verändert, für Volker Zeller zupft jetzt Jörg Sebald songdienlich den Bass, Tom Bonn bearbeitete wie gewohnt das Schlagzeug.

Nach einem düster gehaltenen, leicht Western-eingefärbten E-Bariton-Gitarrenintro, steigt das Trio mit „Price To Pay“ mit knackigem Southern Rock samt zweier integrierter E-Gitarren-Soli (zunächst Slide, am Ende konventionell, aber von herrlich fulminanter Natur) ins Geschehen ein.

Wie schon bei seinem Konzert im Duisburger Cafe Steinbruch, treten im weiteren Verlauf wieder deutlich spürbar seine zwei Herzen für ZZ Top und Jimi Hendrix (diesmal aber eher untergeordnet) ans Licht. Mit dem von ‚Ahahah‘-Gesängen-umwobenen Texas Blues „Evil Ways“ würde Andreas wohl jeden Billy-Gibbons-Stimm-Imitatoren-Wettbewerb locker gewinnen. Auch das folgende „Leave Me Alone“ mit starken „Just Got Paid“-Reminiszenzen, lässt kein Zweifel an Diehlmans Faible für die Langbarträger aus Houston, Texas.

Das E-Gitarren-Outro geht fließend ins Intro zum Hendrix-umwehten Psychedelic Blues Rocker „Black Moon“ über. Auch hier wieder zwei typische Soli im Stile des einstigen Gitarrenhelden, besonders das zweite hätte mit seiner Schärfe und Wucht eine ordentliche Schneise in den Mariuanha-Nebel der typischen Kommunenparties der siebziger Jahre geschlagen.

„Come On Over“ entpuppt sich dagegen wieder als schöner ‚dreckiger‘ rhythmischer Southern Rocker mit eindeutig definierter Absichtserklärung („I know what I want and what I want is you, babe“). Erinnert an Bands wie Rebel Pride, Preacher Stone & Co. und ist mein persönlicher Favorit der CD.

Das markanteste Stück ist allerdings wohl das 7 Minuten und 44 Sekunden lange „Shadows Of Memories“. Die von Andreas gespielte Orgel lässt in diesem atmosphärischen slowbluesigen Track unweigerlich unterschwellige „With A Little Help From My Friends“-Erinnerungen aufkommen. Im End-E-Gitarrensolo offeriert der Protagonist eindrucksvoll, dass er auch Allman Brothers ‚kann‘.

Die restliche drei Sachen mit „Got To Get Over It“, „You Got No Clue“ und dem starken Titelstück-Stomper „Mercy On My“ bewegen sich dann erneut wieder auf klarer Texas Blues Rock-Welle Marke ZZ Top.

Andreas Diehlmann, der alle Tracks geschrieben hat,  liefert mit „Mercy On Me“ das wohl beste Album seiner bisherigen Karriere ab. Er entwickelt sich von seiner spielerischen Klasse her, immer mehr hin zu einer Art deutschem Joe Bonamassa. Sein Flehen um Milde ist von daher völlig unbegründet. Eine gnadenlos gute Scheibe!

Eigenproduktion (2020)
Stil: (Texas) Blues Rock

Tracklist:
01. Price To Pay
02. Evil Ways
03. Leave Me Alone
04. Black Moon
05. Come On Over
06. Got To Get Over It
07. You Got No Clue
08. Shadows Of Memories
09. Mercy On Me

Andreas Diehlmann Band
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