Sean Chambers – That’s What I’m Talkin About – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

In den letzten Jahren neigen viele Musiker dazu, alte Blues oder Rock-Klassiker, die zum Teil ihren Musikstil beeinflusst haben, auf einem Album einzuspielen. Auf den ersten Blick oder beim ersten Hören könnte man dies beim Werk von Sean Chambers auch vermuten.

Hier ist die Sache aber anders. Es ist ein Tributalbum für seinen Mentor Hubert Sumlin, der lange als Gitarrist für Howlin‘ Wolf arbeitete, bevor er eine Solokarriere startete. Nachdem Chambers sein erstes Album herausbrachte, wurde Sumlin auf seine Band aufmerksam und machte sie ab 1998 für etwa vier Jahre zu seiner Begleitband. Dass diese Phase prägend für Chambers war, zeigt auch der Titel des Albums, der einen Satz abgibt, der von Sumlin oft benutzt wurde.

Die auf „That’s What I’m Talkin About“ vertretenen Songs spielte Chambers in dieser Phase als Gitarrist für Hubert Sumlin ein, sodass es mehr als ein normales Coveralbum ist. Chambers gelingt es mit seiner Begleitband, Bluesklassiker, die schon Howlin‘ Wolf oder Hubert Sumlin zu Größen der Bluesmusik machten, neues Leben einzuhauchen.

Die Songs wirken dabei energiegeladener als die Originale, was auch daran liegt, dass Chambers stark vom Stil eines Stevie Ray Vaughan geprägt ist. Seine spielerische Vielfalt zeigt er auch bei „Do The Do“, wo er beweist, dass er das Sliden grandios versteht. Die Grundlage, auf der sich Chambers mit gekonnten virtuosen aber auch teils brachialen Soli austoben kann, legt seine starke Rhythmusfraktion mit Todd Cook am Bass und Andrei Koribanics an den Drums.

Ein besonderes Highlight ist das rockige, furiose „Hubert Song“, eine Homage an seinen Mentor, in dem stilistisch Anlehnungen an Bluesgrößen von Rory Gallagher bis zu Jimmy Hendrix wie im Zeitraffer vorbeirauschen.

Mit „Louise“ einem der bekanntesten Songs von Howlin‘ Wolf findet das Album einen würdigen Abschluss, bei dem neben Chambers, auch Rick Curran am Piano starke Akzente setzt.

Sean Chambers ist ein starkes Tributalbum gelungen, in dem jeder Song seine Berechtigung hat und das durch die Nähe zu Hubert Sumlin fast den Charakter eines ‚Greatest Hits‘-Albums hat und in der Form auch jedem Bluesfan empfohlen werden kann.

Eine weitere, allerdings eher traurige Besonderheit ist, dass das Werk das letzte war, welches Ben Elliott, bei dem sich viele Größen des Blues Rocks die Klinke in die Hand gaben und der mit Sicherheit auch seinen Anteil an dem stark produzierten Album hat, kurz vor seinem Tod begleitete.

Sean Chambers – guitar/vocals
Todd Cook – bass
Andrei Koribanics – drums
Rick Curran – Hammond B3/keyboards

Quarto Valley Records
Stil: Blues

Tracklist:
01. Chunky
02. Do The Do
03. Rockin Daddy
04. Goin Down Slow
05. Hidden Charms
06. Fourty Four
07. Tail Dragger
08. Hubert Song
09. Sittin On The Top Of The World
10. Howlin For My Darlin
11. Louise

Sean Chambers
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V2 Records

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 26.06.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Gute acht Monate ist es jetzt her, dass ich ein Live-Konzert besucht habe, für den Inhaber eines Rock-Musikmagazins eigentlich eine regelrechte  Horrorvorstellung. Dabei muss ich zugeben, dass es mir nach der langen Pause sogar ein wenig schwer fiel, wieder in Gang zu kommen. Trotzdem überwog natürlich die Freude, dass die Kulturszene, dank der momentan überschaubaren Inzidenzzahlen, endlich aufatmen darf und wieder erste Steps im Hinblick auf eine zukünftige Normalisierung tätigen kann. Trotzdem schwebt ein Bangen vor weiteren Rückschlägen immer noch irgendwie mit.

Der Schwarze Adler war jedenfalls optimal gerüstet. Unkomplizierte Corona-Schnelltests im nebenstehenden kleinen Anbau, eine abstandskonforme, sehr gemütlich, mit kleinen Lampen inszenierte Tischanordnung (gefiel mir sehr gut) mit den entsprechenden Formularen darauf zur Nachverfolgung. Ideal natürlich auch zum Verfassen meiner Konzertnotizen. Ist es da als Adler-Genosse schon legitim, hier von einem Home-Office-Arbeitsplatz zu reden…?

Was für eine Welt?! Ehrlich gesagt, würde ich alles lieber, wie früher, eng stehend, kaum was sehend im Dunklen, mit dem einen oder anderen Ellbogen von vorne, der Seite oder im Rücken, in kaum lesbarer Schrift festhalten. Sicherheitstechnisch gesehen, passte aber alles somit auf den Punkt! Kompliment an das Adler-Team für die perfekte Organisation!

Zu Gast war mit Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws ein mit unserem Magazin eng verbundenes und geschätztes Quartett, dessen Debüt-Auftritt in der hiesigen Blues-Kultstätte nach zwei Verschiebungen, jetzt im dritten Anlauf endlich realisiert werden konnte. Und auch hier stieg die charismatische Texanerin Dede Priest mit ihrem niederländischen Begleittrio in Form von Johnny Clark (alias Hans Klerken), Leon Toonen und Ray Oostenrijk, absolut pünktlich um 20:00 Uhr nach kurzer Begrüßung durch Ernst Barten auf die Bühne und fügte mit ihrem stürmischen „Texas Hurricane“, dem ausgeklügelten Adler-Lüftungssystem zum Auftakt mit einer wahren Stoßlüftung eine weitere vorbeugende Komponente hinzu.

Klasse direkt hier Dedes Hendrix-angelehntes Wah-Wah-E-Gitarrenspiel mit Hilfe ihres Cry Baby Pedal-Effektgerätes, das sich als eines ihrer fortlaufenden Trademarks (für Nichtkenner der Band) herauskristallisierte, ebenso wie die mimisch-gesangliche Begleitung eines jeden ihrer Soli. Ein weiteres unabdingbares Musik-Utensil ist natürlich ihre Violine, passend zu ihrem gypsy-mäßigem Kleidungsstil an diesem Abend (dazu die gewohnten schwarzen fingerlosen Handschuhe), die dann beim folgenden Stomper „Vermillion Allure“ ihren ersten Einsatz fand.

Ihr Counterpart, Johnny Clark, der schon beim aktuellen Album „When Birds Were Snakes“ gefühlt etwas präsenter erscheint, durfte seine knochige Stimme zum ersten Mal am Ende von „Mudslide“ einbringen. Neben Leadgesangseinsätzen bei „Superlovely“, „Make That Double A Double“, „Alaska“ und der Merle Travis Country-Folk-Klassiker-Adaption von 1947 „16 Tons“ (im Wechselgesang mit Dede zum Abschluss des Hauptteils), beschränkte er sich überwiegend auf das Zuspiel mit seinen beiden Les Paul- und Stratocaster-E-Gitarren, wobei sein Faible für Creedence Clearwater Revival-typische Klänge öfter zum Ausdruck kamen. Aber auch das eine oder andere Solo (konventionell oder geslidet) ließ er sich natürlich nicht nehmen. Guter Mann!

Drummer Leon Toonen war die Freude, sein Hand-Fuß-Koordinierungsvermögen am Schlagzeug endlich wieder vor Publikum präsentieren zu können, am deutlichsten anzumerken, sein Gesicht strahlte über den gesamten Verlauf des Gigs, während sich sein immer sehr introvertiert wirkender Rhythmuskollege Ray Oostenrijk, lieber der hochkonzentrierten Tieftönerarbeit widmete.

Am Ende standen zwei tolle Parts (samt kurzer Zwischenpause) mit über 20 Songs zu Buche, wobei sich neben dem oben erwähnten Opener „Texas Hurricane“, noch die beiden balladesken Ohrwürmer „Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)“, „It’s Getting Late“ sowie der Titeltrack ihres ersten Albums „Flowers Under The Bridge“, der gegen Ende in eine wahre Wah-Wah-E-Gitarren-Orgie mündete und dem folkigen „Whisper & Whistle“ (Johnny mit Akustikgitarre und Dede an der Violine nur im Duett als erste von drei Zugaben), als meine persönlichen Favoriten eines hochwertigen Abends herauskristallisierten.

Schade, dass durch die Pandemie-bedingten Vorgaben samt der anfangs erwähnten Gemütlichkeit dem typischen Adler-Hexenkessel, der sich bei solch starken Gigs üblicherweise entwickelt, quasi ein imaginärer Riegel vorgeschoben wurde. Unter normalen Voraussetzungen hätte das texanisch-niederländische Quartett die Vierbaumer Kultstätte sicherlich im Sturm erobert.

So blieb es zunächst bei viel anerkennendem Applaus der zufriedenen Anwesenden und der Hoffnung, dass Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws demnächst mal vor voller Hütte samt brodelnder Atmosphäre, in unbeschwerten Zeiten, ihre Klasse offerieren können. Die Visitenkarte, die von der Band hinterlassen wurde, war jedenfalls auf ganzer Linie überzeugend.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
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Schwarzer Adler Rheinberg

The Bluesanovas – 17.06.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

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Nach einer schier endlos andauernden Pause in der Kulturrampe konnte mit den Bluesanovas endlich das erste Konzert in 2021 stattfinden. Bedingt durch noch bestehende Coronaregelungen fand es allerdings nicht in der Kulturrampe, sondern openair im nahegelegenen Schlachtgarten statt, womit die Kooperation der beiden Veranstaltungsorte aus dem letzten Jahr eine Fortsetzung fand.

Auch für die jungen Münsteraner war dieser Gig etwas Besonderes. Nach einigen Streamingevents war es der erste Auftritt in Krefeld und der zweite mit Zuschauern in diesem Jahr. Um kurz nach halb neun begrüßte Pille Peerlings zunächst die 100 anwesenden Zuschauer im ausverkauften Schlachtgarten, bei tropisch anmutenden Temperaturen, jenseits der 30 Grad Grenze.

Die letzten schweren kulturfreien Monate wurden noch einmal thematisiert, und der Beginn einer Konzertreihe im Schlachthof proklamiert. Derweil warteten die fünf Musiker schon im Eingangsbereich und betraten nach der Bandankündigung zügig die Bühne, um zunächst einmal ohne Fronter Melvin Schulz instrumental einzuläuten.

Schulz bahnte sich, während seine Mitstreiter schon das Publikum auf Betriebstemperatur brachten, den Weg zur Bühne und dann ging die Post ab. Trotz der hohen Temperaturen blieb das Quintett seinem Stil gerecht und es wurde nicht auf die stylischen Anzüge verzichtet. Die Musiker präsentierten eine Mischung aus Rock’n’Roll- und Bluessongs, welche vorwiegend aus der eigenen Feder stammten.

In dem etwa zweistündigen Konzert, welches in zwei Sets gespielt wurde, untermauerte die Band, dass sie nicht umsonst 2019 den deutschen Blueschallenge gewann und beim internationalen Challenge in Memphis immerhin bis ins Halbfinale kam. Im Vordergrund standen Melvin Schulz, der mit einem gewaltigen Stimmvolumen und so manchem Hüftschwung sowie einem Talent zu Entertainment die Besucher begeistern konnte und Filipe de la Torre, welcher seine Gitarren teils wie ein Derwisch bearbeitete.

Dabei ließen die beiden es sich nicht nehmen, sich von der Bühne in den Publikumsbereich zu begeben, wohl darauf achtend, dass immer zwei Armlängen Platz blieben. Nico Dreier bearbeitete sein Piano zuweilen mit furiosen Soli, aber auch um den Songs eine noch größere Komplexität zu verleihen.

Die Grundlage für die beeindruckenden zwei Stunden legte die Rhythmusformation mit Schlagzeuger Philipp Dreier und Bassist Nikolas Karolewicz, die zuweilen stoisch und ohne großen Schnickschnack den Grundrhythmus vorgab. Etwas fürs Auge waren dabei natürlich die Songs, in denen Karolewicz den Kontrabass bearbeitete.

Als Fazit kann gesagt werden, dass die Bluesanovas für ein begeisterndes Eröffnungskonzert im Schlachtgarten gesorgt haben und alle Erwartungen der Besucher mindestens erfüllen konnten. Aber nicht nur deren, auch wenn man die Gesichter der beiden verantwortlichen Veranstalter Pille Peelings (Kulturrampe) und Kolja Amend (Schlachtgarten) sah, war die Erleichterung, dass endlich wieder Kultur lief und die Freude über den Auftritt, erkennbar.

Ein weiterer Faktor für das gelungene Konzert war natürlich der bestens, durch Malte Menzer abgemischte Sound und die tolle Lichtinszenierung auf der Bühne und dem gesamten Gelände. Hier zeigte sich, dass es sich gelohnt hatte, im Bühnenequipment im Vergleich zum Vorjahr noch einmal nachzulegen. So ist in diesem Sommer noch einiges auf dem schmucken Gelände des Schlachtgartens zu erwarten und es wird unter dem Motto weitergehen:
Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung.

Line-up:
Melvin Schulz – lead vocals
Filipe de la Torre – guitar
Nico Dreier – piano
Nikolas Karolewicz – bass
Philipp Dreier – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

The Bluesanovas
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Kulturrampe Krefeld
Schlachtgarten Krefeld

Tommy Z – Plug In And Play – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit seinem letzten Werk „Blizzard Of Blues“ hat sich Tommy Z glatte fünf Jahre Zeit gelassen, um ein neues Album zu präsentieren. „Plug In And Play“ liefert mit elf Songs eine knappe Stunde lang elektrischen Blues vom Feinsten. Selbst Tinsley Ellis prophezeit laut Flyer des Plattenlabels, dass Tommys neueste Scheibe eine der besten des Blues Rock-Genres in 2021 sein wird.

So neugierig geworden, hab ich die CD sofort in den Player gelegt und mit wachsender Begeisterung den elf Tracks des Silberlings gelauscht. Es beginnt und endet mit jeweils einem Instrumental. Der Titel des Openers „Pumpin‘ (Let‘s Have Fun!)“ ist sicherlich charakteristisch für das gesamt Album, versprüht er doch Spielfreude ohne Ende. Es geht mit einem soliden Gitarrengewitter und Freudenschreien los, um sodann in eine flotte Blues Rock-Nummer im Chicago-Stil mit treibenden Keyboardeinlagen überzugehen, eine Nummer so richtig zum Abzappeln, während der Rausschmeißer „Sticky Lips“ als acht Minuten langer, leicht jazzig angehauchter Blues daher kommt, wiederum mit einem furiosen Keyboard-Klangteppich im Mittelteil.

Dazwischen bietet die Scheibe viel Abwechslung in Form funkiger, bluesiger und rockiger Stücke. Funkige Anleihen weist z. B. der äußerst rhythmische Titel „Tommy Guns“ auf und „My Alarm Clock“ hat eine eindeutige Affinität zum Rock’n’Roll. Tommy Z kann aber auch anders: Der Slowblues „Please Come Back To Me“ verströmt mit jeder Note tiefe Verzweiflung und Trauer. Mit „Plug In And Play“ gibt‘s dann wieder eine ehrliche und fetzige Rocknummer auf die Ohren, bevor Tommy Z und seine Jungs mit „DYD“ wieder zu einem flotten und gut tanzbaren Chicago Blues wechseln.

Der beschaulich melodiöse Start von „X-Ray Girl“ lässt zunächst ein ruhiges Stück vermuten, allerdings entwickelt sich der Song im weiteren Verlauf dann noch zu einer schönen Blues Rock-Track. Und im Folgenden gibt es sogar noch Hard Rock- Zutaten. Der Titel „Scowler“ beginnt mit einem gewaltigen Bassintro, wie es Geezer Butler von Black Sabbath damals nicht besser hingekriegt hätte. Gemächlich und basslastig walzt der Song dahin und überrascht im letzten Drittel noch mit sphärisch-psychedelischen Gitarrenklängen.

Der nächste Track mit dem etwas eigenartig anmutenden Titel „Fur Elitist“ (ins Deutsche wahrscheinlich am besten als „abgehobene Erscheinung“ oder „elitärer Typ“ zu übersetzen) handelt vom Ende einer Beziehung, musikalisch mit quäkenden Gitarren und reichlich Keyboardsound umgesetzt. Im Gegensatz dazu ist „Aint’t Gonna Wait“ ein einfühlsamer Slow Blues, in dem sich immer wieder klare Gitarrenpassagen mit flirrenden Klangteppichen bestehend aus Leadgitarre und Keyboard abwechseln.

Eine gelungene, abwechslungsreiche Blues Rock-Scheibe also, versetzt mit leichten Einflüssen aus Jazz, Funk und Rock’n’Roll, immer beherrscht von Tommy Zs meisterhaftem Gitarrenspiel und teils wabernden, furiosen Keyboardklängen. Eine klare Kaufempfehlung für Liebhaber des Elektro Blues Rocks!

Label: South Blossom Records 2021
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Pumpin‘ (Let‘s Have Fun!)
02. Tommy Guns
03. My Alarm Clock
04. Please Come Back To Me
05. Plug In And Play
06. DYD
07. X-Ray Girl
08. Scowler
09. Fur Elitist
10. Ain‘t Gonna Wait
11. Sticky Lips

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Quinn Sullivan – Wide Awake – CD-Review

cover Quinn Sullivan - Wide Awake

Review: Jörg Schneider

Am 4. Juni bringt der hierzulande noch relativ unbekannte Quinn Sullivan sein inzwischen viertes Album heraus und das mit jugendlichen 22 Jahren. Dabei kann der junge Kerl auf einen durchaus beachtlichen musikalischen Werdegang zurückblicken. Immerhin wurde er bereits im Alter von 8 Jahren von der Blueslegende Buddy Guy entdeckt und gefördert.

In der Folge spielte er u. a. mit so großartigen Gitarristen und Bluesern wie Joe Bonamassa, Eric Gales, B.B. King und Carlos Santana, um nur ein paar zu nennen. Und in 2013 durfte er gar zusammen mit Buddy Guy und Robert Randolph auf Eric Claptons Crossroads Guitar Festival auftreten. Welch Ehre für den damaligen Teenager!

Obwohl seine musikalischen Wurzeln tief im Blues verankert sind, geht Sullivans neuer Longplayer „Wide Awake“ mehr in Richtung softem Blues Rock bis fast hin zu Singer/Songwriter-Pop-Gefilden. Umso mehr aber lassen die genretypisch eingängig arrangierten Songs seine herausragenden Fähigkeiten als Gitarrist und Texter hervortreten.

Die zwölf Songs des Albums erstrecken sich über melodische Pop-Songs („Baby Please“, „Real Thing“, „Jessica“) bis hin zu Rock- und Pop-Balladen („All Around The World“, „She’s Gone…“, „You’re The One“, „Wide Awake“ und dem im Refrain beatlesken „Strawberry Rain“), wobei aber auch funkige („She Is So Irresistible“), soulige (“How Many Tears“) und Latin- („In A World Withou You“) Versatzstücke auftauchen. Schließlich endet das Werk mit dem schönen Slow Blues „Keep Up“.

Musikalisch gesehen ist „Wide Awake“ also ein mit frischen Arrangements und ungetrübter Spiellaune überzeugendes Pop-Blues Rock-Album. Leider hat sich Quinn Sullivan dadurch von seinen klassischen Blueswurzeln entfernt und sieht dies als einen Schritt seiner musikalischen Weiterentwicklung an: „Die Künstler, die mich inspirieren, sind immer hungrig nach dem Neuen und sie wiederholen sich nie. Sie wachsen und werden immer einzigartiger – und das ist es, was ich für mich als Künstler ebenfalls anstrebe.“

Schade, dass Sullivan aus Sicht des Rezensenten seine überragenden Fähigkeiten als Gitarrist nun in den Dienst des eher gewinnbringenden Mainstreams stellt. Damit ist das vorliegende Album, sicherlich keine schlechte, aber dennoch nur eine rockige Version der Musik á la Ed Sheeran, James Blunt & Co. Ob die Scheibe nun so gefällt oder nicht, ist letztendlich eine Frage der musikalischen Vorlieben eines Jeden. Von daher wird die Scheibe aber mit Sicherheit seine Anhänger finden.

Label: Mascot Label Group (2021)
Stil: Pop Blues Rock

Tracks:
01. All Around The World
02. She Is So Irresitible
03. How many Tears
04. In A World Without You
05. She’s Gone (& She Ain’t Coming Back)
06. Baby Please
07. Real Thing
08. You’re The One
09. Wide Awake
10. Strawberry Rain
11. Jessica
12. Keep Up

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Mascot Records
Another Dimension

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – When Birds Were Snakes – CD-Review

Album Cover - WHEN BIRDS WERE SNAKES_300

Dede Priest und Johnny Clark’s Outlaws zählen zu dem Typus von Musikern, die man schon nach wenigen Momenten des persönlichen Kennenlernens ins Herz geschlossen hat, auch wenn die Fronterin uns die Abbildung mit unserem Logo-Schild für die VIP-Galerie, wegen der ursprünglich enthaltenen Südstaaten-Flagge verwehrt hatte (ich gehe aber stark davon aus, dass dies mit dem neuen Logo bei Gelegenheit nachgeholt wird).

Unkompliziert, nett, aufgeschlossen, direkt, respektvoll und natürlich musikalisch absolut versiert. Ach, war das das letztes Jahr schön, als wir an einem sommerlichen Abend bereits während des Pandemiegeschehens, ihrem stimmungsvollen Konzert im Krefelder Schlachtgarten beiwohnen konnten.

Es war einer meiner letzten Livebesuche/-berichte bis zum heutigen Tage. Da hatte das Quartett noch seine EP „Crocuses From The Ashes“ am Start. Der darin enthaltene wuchtige „Texas Hurricane“ scheint mittlerweile verzogen, auf ihrer neuen CD „When Birds Were Snakes“ setzt man, quasi wie die Ruhe nach dem Sturm, auf etwas bedächtigere, in sich gekehrtere Töne.

Während sich die beiden Rhythmusgeber Ray Oostenrijk am Bass und Leon Toonen Drums wie gewohnt auf ihre solide Hintergrundarbeit konzentrieren, stehen natürlich auch diesmal wieder die beiden Namensgeber des Kollektivs, die bis auf eine Ausnahme alle Tracks kreiert haben, im Fokus des Geschehens.

Die charismatische Fronterin setzt dabei ihr ganzes Könnensspektrum ein, das von stimmlicher Variabilität (angriffslustig, gefühlvoll bis elfenhaft), versiertem E-Gitarrenspiel (viele quirlige Soli inklusiv Wah-Wah-Einlagen) bis zu durch Mark und Bein gehenden Violinentönen, eine enorme Breite aufweist.

Hans Klerken alias Johnny Clark sorgt an seiner Stratocaster für die Kontraste und darf sich auch am Mikro bei „Mudslide“  (da spricht er am Ende dreimal den Titel), beim CCR-angehauchten „Make That Double A Double“ (Leadgesang), und beim Duett mit Dede (beim Merle Travis Country-Folk-Klassiker von 1947), „16 Tons“, sporadisch einbringen.

Neben den beiden mich ein wenig an Crystal Shawanda erinnernden „When Birds Were Snakes“ (gypsy-mäßiger Opener) und „Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)“ (tolle Ballade) überraschen vor allem das folkige „Whisper & Whistle“ (hier kommt mal eine Akustikgitarre zum Einsatz, Dede singt fast im Stile einer Kate Bush) und das spielfreudige Instrumental „Rum & Sugarcane“ (eine Art E-Gitarren-Violinen-Allianz), das am Ende überraschend dann noch in einen Reggae-Groove umschwenkt.

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws verfolgen ihren Weg, sich weiter internationales Renommee zu verschaffen, mit „When Birds Were Snakes“ konsequent weiter. Es wird sicherlich wieder sehr viel Spaß machen, der texanisch-niederländischen Formation bei der Live-Umsetzung ihrer Songs beizuwohnen, sofern es das sich zur Zeit ja einigermaßen positiv entwickelnde Pandemie-Geschehen wieder zulässt.  Hoffen wir mal das Beste…

Creeping Fig Records (2021)
Stil: Blues Rock & More

01. When Birds Were Snakes
02. Mudslide
03. Dirty Water In My Glass
04. Make That Double A Double
05. Mojo-ito
06. Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)
07. Drinking Again
08. Come On Down
09. 16 Tons
10. It’s Getting Late
11. Whisper & Whistle
12. Rum & Sugarcane

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Rozedale – Same – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit dem dritten Album ist Rozedale, ohne die beiden Vorgänger klein reden zu wollen, ein echter Knaller gelungen. Wie gewohnt prägen das vielseitige Gitarrenspiel von Charlie Fabert und die kraftvolle Stimme von Amandyn Roses die Musik der Franzosen. Im Gegensatz zu den vorherigen Werken ist das neue weitaus rockiger, verliert dabei aber den Blues als Basis nicht aus den Augen.

Vielleicht ist dies auch der Grund, warum sich das ’s‘ im Bandnamen in ein ‚z‘ verwandelt hat, um so auch visuell ein Zeichen zu setzen, dass eine neue Ära der Band begonnen hat.

Vom Songwriting her sind die neuen Stücke gradliniger und kraftvoller und können so den Weg bereiten, ein breiteres Publikum als nur die Bluesfans anzusprechen. Es war mit Sicherheit eine gute Entscheidung, das Album von Chris Sheldon, der u. a. auch Radiohead oder die Foo Fighters abmischte, in den IPC Studios in Brüssel produzieren zu lassen.

So ist ein Sound entstanden, der stilistisch in die Richtung des modernen rockigen Blues geht, die vorhandenen Stärken der Musiker perfekt in Szene setzt und so auch den kommerziellen Status der Band anhebt. Kommerziell ist in dem Zusammenhang nicht negativ zu sehen, da sich die Musik der Band nicht des Erfolg willens untergeordnet hat, sondern das Songwriting sich weiterentwickelt hat.

Neben rockigen Bluessongs in denen Charlie Fabert die Gitarrensaiten glühen lässt, scheint er die Gitarre in anderen Stücken fast wie eine zweite Stimme als Unterstützung von Amandyn Roses singen zu lassen. Diese setzt den Songs einen natürlich ganz eigenen Stempel auf. Von dynamisch rockend, über klagend bluesig bis hin zu melancholisch verträumt, bildet sie einen harmonischen Einklang zu ihrem Partner Charlie.

Die Grundlage für den vollen Sound bildet die Rhythmussektion um Icheme „Zou“ Zougart, der für perfekte zuweilen groovende tiefe Töne sorgt und Herve Koster an den Drums, der immer den richtigen Beat findet. Ein weiteres belebendes Element ist, wie schon in der Vergangenheit, das von Michael Lecoq gespielte Keyboard, der die Stücke meist schön, zuweilen leicht psychedelisch untermalt, und bei der Ballade „Burning“ die musikalische Begleitung Amandyns ist.

In einem durchweg starken Silberling, der das Zeug hat, nicht nur in den Bluescharts weit nach oben zu schießen, fällt kein Song ab und jeder hat seine Berechtigung. Mit dem gleichnamigen Album ist Rozedale das bisherige Meisterstück gelungen, in dem die Band, ihren eigenen Stil weiterentwickelt hat, ohne sich in eine kommerzielle Sparte zu begeben, in der die eigene Identität aufgegeben wird.

Spannend wird es sein, wie die Band die neuen Tracks, die genug Möglichkeiten fürs Improvisieren geben, auf der nächsten Tour im Spätsommer auf die Bühne bringt.

Neben einer Kaufempfehlung für das Album, kann jedem Bluesrockfan angeraten werden, eines der Konzerte zu besuchen, um sich von der Stimme Amandyn Roses und dem virtuosen Gitarrenspiel Charlie Faberts einfangen und verzaubern zu lassen.

Geplante Album Release Tour 2021:

16.09.2021 B-Verviers, Spirit of 66
17.09.2021 D-Dortmund, Musiktheater Piano
18.09.2021 D-Hamburg, Downtown Openair
23.09.2021 D-Köln, Kantine Freideck
24.09.2021 D-Freudenburg, Ducsaal
25.09.2021 D-Baden-Baden, Blues-Club

Baladins Tours Productions
Stil: Rock

Songs:
01. Ghost For You
02. Brand New State
03. Shine
04. Burning
05. Where Love Goes
06. Ce Soir Je T’àime
07. Can’t Get Enough
08. Before I Go
09. At The End Of The Day
10. Somewhere In The Mess

Rozedale
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Ivy Gold – Six Dusty Winds – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Six Dusty Winds“ bringt Ivy Gold die erste Platte auf den Markt. Die Band um die Fronterin Manou und den Gitarristen Sebastian Eder, die als Ursprung der Band gesehen werden können, haben nach und nach, eine illustre Truppe um sich gesammelt, deren Mitglieder mit Rock- und Bluesgrößen von Joe Bonamassa über Glenn Hughes bis zu B.B. King gearbeitet haben, um nur einige zu nennen. Dies spricht schon für die musikalische Klasse der Band, in der alle Musiker dem Sound ihren Stempel aufdrücken.

Im Vordergrund steht oft Manous energiegeladene Stimme, welche regelrecht mit den Songstrukturen verschmilzt. Dabei ist es schwer, die Musik einem Genre zuzuschreiben, was oft gerne gemacht wird. Dies ist vielleicht auch der Grund, warum man das Album unter dem eigenen Label produziert hat, um die absolute Selbstbestimmung über die eigene Musik zu behalten.

Tal Bergmann an den Drums und der Bassist Kevin Moore legen eine druckvolle, groovende und dynamische Grundlage, auf der sich die drei anderen Musiker austoben können. Sebastian Eder harmoniert mit zuweilen hardrockenden Gitarrenriffs mit Manous Gesang und glänzt mit Soli, die jeder Bluesband gut zu Gesichte stehen würden.

Ein prägendes Element ist auch das Keyboard von Anders Olinder, welches den Songs zuweilen einen bombastischen, schon fast progressiven Rahmen vermittelt. Da ist es nicht verwunderlich, dass dieser auch schon mit Glenn Hughes und Peter Gabriel zusammenarbeitete.

„Six Dusty Winds“ ist ein emotionales, vielseitiges Album, dessen Musik die Band selbst als zeitgenössischen Blues bezeichnet, was ich in dem Falle eher für untertrieben halte, da viele Facetten vom Classic Rock, über Hard Rock und progressiven Rock bis hin zum Blues ineinander fließen.

Das dabei kein Flickwerk entsteht, sondern die Stücke trotz vieler Rhythmus- und Stilwechsel absolut homogen bleiben, spricht für das gekonnte Songwriting, bei dem Sebastian Eder oft die musikalische Grundidee gelegt hat und Manou die Texte und die Gesangsstruktur eingeflochten hat.

Die besondere Prise steuert dann Anders Olinder bei, der die Musik zuweilen mit sphärischen Klangteppichen untermalt. Als Fazit kann gesagt werden, dass Ivy Gold mit „Six Dusty Winds“ ein Debütalbum gelungen ist, welches das Zeug hat, eine große Bandgeschichte anzustoßen.

Schön ist dabei, dass durch die vielen musikalischen Einflüsse ein Werk entstanden ist, welches nicht nur in einer bestimmten Sparte Beachtung finden wird, sondern gekonnt einen weiten Bogen über alle Facetten der Rockmusik spannt.

Manou: Vocals
Sebastian Eder: Guitars
Andrers Olinder: Keyboards
Kevin Moore: Bass
Tal Bergmann: Drums

A1 Records (2021)
Stil: (Blues) Rock & More

Tracks:
01. Face Of Deceit
02. This Is My Time
03. Retribution
04. Believe
05. Six Dusty Winds
06. Suspicion
07. Shine On
08. We Are One
09. Without You
10. Born Again

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Brooke-Lynn Promotion

Jessie Lee & The Alchemists – Let It Shine – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Drei Jahre nach ihrer Gründung brachten Jessie Lee & The Alchemists in 2018 ihr gleichnamiges und hochgelobtes Debutalbum heraus. Und nun liefern die Franzosen, die bereits als Hoffnung der europäischen Bluesszene gefeiert werden, am 7. Mai ihr Nachfolgealbum „Let It Shine“ ab.

Die Truppe besteht aus der, aus der Pariser Blues-Szene entstammenden Sängerin und Gitarristin Jessie Lee und ihrem langjährigen musikalischen Partner Alexis „Mr. Al“ Didier, ebenfalls Gitarrist, sowie dem Bassisten Laurent Cokelaeres, dem Trommler Stéphane Minanas und dem Organisten Laurian Daires. Zudem sind für das Album einige Gastmusiker (Blasinstrumente, Chor) mit von der Partie.

Musikalisch ist das Album eine analog aufgenommene und abgemischte Reminiszenz an den klassischen Blues/Blues Rock der 70’er Jahre mit zehn kraftvollen, zum Teil knallharten, und elegischen Songs, angereichert mit zahlreichen Stilelementen des Soul. Und nur zwei Tracks des Albums dauern wirklich weniger als fünf Minuten.

Während die rockigeren Tracks zumeist von harten Basslinien beherrscht bzw. untermalt werden, weisen die ruhigeren und bluesigeren Stücke immer wieder Elemente der Soulmusik auf. In einigen Songs erinnert mich Jessie Lees Stimme ganz entfernt sogar an Dani Klein, die Sängerin der 80’ger Jahre Band „Vaya Con Dios“ („But You Lie“).

Überhaupt kommt Jessie Lee sehr stimmgewaltig daher und überzeugt in den lauten Nummern ebenso wie in den ruhigeren Tracks („But You Lie“, „Let It Shine“, „One Only Thing“, „You Took My Mind Away“) in denen ihre Stimme noch eindrucksvoller zum Tragen kommt. Auch die Leistung des Keyboarders Laurin Daires muss unbedingt erwähnt werden. Mit seinen Klangteppichen und aufblitzenden Einlagen trägt er definitiv zur Stimmung des Werks bei („Another“, „The Same“, „Get Out Of My Head“).

Besonders gut gefallen haben die Tracks „The Same“ (mit hartem Rhythmus und ruhigen Gesangsmittelteil), das gefällige und soulige Midtempo-Stück „Let It Shine“ sowie das bluesig-soulige „One Only Thing“, in dem Jessies warme Stimme (hier an Layla Zoe erinnernd) nur sparsam von Schlagzeug und Bass begleitet wird und sich erst gegen Ende Keyboard und Gitarre dazugesellen. Der beste Song ist für mich allerdings die knapp neun Minuten(!) lange, akustische und teils gospelig anmutende Ballade „I Don’t Need To Say“.

Als französische Band wurden Jessie Lee &  The Alchemists natürlich zunächst in unserem Nachbarland bekannt. Aber mit diesem Longplayer soll sich das nun ändern. Bei der International Mississippi Blues Trial Challenge heimsten sie bereits 2018 mehrere Preise ein und erhielten im Jahr darauf die Einladung, Frankreich bei der European Blues Challenge 2021 zu vertreten. Ein guter Anfang ist also gemacht. Wir drücken Jessie Lee und ihren Mitstreiten die Daumen. Das Album gibt allen Anlass dazu.

Label: Dixiefrog Records (2021)
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Another
02. But You Lie
03. You Gotta
04. The Same
05. Let It Shine
06. Sometimes
07. One Only Thing
08. Get Out Of My Head
09. You Took My Mind Away
10. I Don’t Need To Say

Jessie Lee & The Alchemists
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Dixiefrog Records

Gary Moore – How Blue Can You Get – CD-Review

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Der nordirische und leider viel zu früh verstorbene Gary Moore, hatte zu Lebzeiten, so behaupte ich es einfach mal, auch in unseren präferierten Musikgeschmackskreisen, eine gewisse Relevanz.

Bei mir persönlich trat er mit seinem Einstieg für Brian Robertson bei Thin Lizzy auf dem auch heute noch gerne gehörten Werk „Black Rose“ erstmals in Erscheinung. Nach seinem kurzen Intermezzo dort, landeten dann diverse Alben aus seiner Hard Rock-Ära in meiner Sammlung und naja, sein wohl mit erfolgreichstes Album samt der Hinwendung wieder zum Blues mit „Still Got The Blues“ war damals 1990 quasi ein Pflichtkauf.

Live habe ich ihn einmal zwölf Jahre später gesehen, als er ziemlich aufgedunsen, den Support für ZZ Top in der ausverkauften Grugahalle in Essen gab. In 2011 erlitt Moore dann ja bekanntlich im Schlaf  einen für ihn tödlichen Herzinfarkt.

Zum 10-jährigen Gedenken hat man jetzt nochmal in seinen Archiven gekramt und einige bisher ungehörte und unveröffentlichte Deep Cuts und Alternative Versionen gefunden. Insgesamt sind dann acht Stücke unter dem Albumtitel „How Blue Can You Get“ zusammengekommen.

Die Gesamtspielzeit ist aufgrund der Tatsache, dass sich fünf Tracks im nahen 6-Minuten-Bereich und darüber hinaus befinden, trotzdem recht ordentlich. Den Einstieg bestreiten mit „I’m Tore Down“ und „Steppin‘ Out“ zwei Stücke, die im Prinzip für reflexartiges Losagieren von Blues Rock-Gitarrenfricklern der Marke King, Collins, Clapton, Bonamassa & Co. prädestiniert sind.

Ganz schön finde ich, wie hier der Unterschied, und das gleich an vier Beispielen, zwischen einer anmutenden Schmuse-Blues-Ballade und einem Slow Blues aufgezeigt wird.

Während sich „In My Dreams“ und „Love Can Make A Fool Of You“ mit ihren pathetisch-hymnischen E-Hooks und -Soli im klaren Fahrwasser des Megahits „Still Got The Blues“ bewegen, und eher auf die Emotionen des Hörers fokussiert sind, stehen beim Titelstück sowie dem abschließenden starken „Living With The Blues“ eher die Emotionen des Künstlers selbst im Vordergrund, die sich mittels besonders schmerzlichem Gesang und tiefgreifendem E-Gitarrenspiel ausdrücken.

Nicht zu vergessen noch die zwei Tracks, die für unsere Klientel besonders interessant erscheinen: zum einen das texas-bluesige „Looking At Your Picture“, bei dem dezente Reminiszenzen Richtung SRV, Arc Angels oder Storyville geweckt werden, zum anderen das in bester ABB-/Gregg Allman-Manier southern-bluesige „Done Somebody Wrong“, bei dem Moore auch seine Slide-Qualitäten auspackt.

Somit erweist sich „How Blue Can You Get“ ebenso als schöne Zugabe für Gary Moore-Fans und -Sammler wie auch für Liebhaber der klassischen Ikonen des Blues, beziehungsweise des Blues Rocks. Insgesamt eine wirklich schöne Erinnerung an den Nordiren.

Label: Mascot Label Group (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. I’m Tore Down
02. Steppin‘ Out
03. In My Dreams
04. How Blue Can You Get
05. Looking At Your Picture
06. Love Can Make A Fool Of You
07. Done Somebody Wrong
08. Living With The Blues

Mascot Label Group
Another Dimension