Casey James – If You Don‘t Know By Now – CD-Review

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Casey James war bereits mit seinem gleichnamigen 2012‘er Debutalbum bei uns im Sounds of Sounds-Magazin zu Gast und erntete damals höchstes Lob für sein Erstlingswerk. 2017 beschritt Casey James dann nach seiner Trennung von Sony neue musikalische Wege und veröffentlichte sein vielbeachtetes Bluesalbum „Strip It Down“. Drei Jahre später erscheint nun sein jüngstes Werk „If You Don‘t Know By Now“, in dem er seine musikalische Erkundung des Blues fortsetzt.

Stilistisch schwingen die vierzehn Songs des Album zwischen knallhartem Blues Rock, etwas Boogie-Woogie und eingängigen Bluesnummern. Kennzeichnend für seinen Sound ist auf jeden Fall, dass in fast allen Stücken eine starke Bläserunterfraktion, bestehend aus Saxophon, Trompete und auch Posaune, mal unterstützend, mal tragend zu hören ist. Mancher Track erhält dadurch auch einen leichten soulig/funkigen bis jazzigen Anstrich. Langeweile ist beim Hören also ausgeschlossen, dafür ist aber Abwechslung garantiert.

Gleich der erste Song des Albums „Live Life“ ist weniger eine Bluesnummer als vielmehr ein funkig-rockiger und durch die Bläser teilweise Erinnerungen an „Blood, Sweet And Tears“ hervorrufender Titel mit leicht jazzigen Einflüssen. Das folgende „Shake Some Salt“ kommt gänzlich ohne die Bläser aus und richtet sich mit seiner teilweise wabernden Keyboarduntermalung und seinen harten Riffs eher an die Freunde rockig-bombastischer Arrangements.

Ein echter Schunkler in fetziger Boogie-Woogie Manier ist dann „Girl‘s Got Something“. Auch in „Real“ bringt ein treibender Rhythmus, immer wieder durch kurze Pausen unterbrochen, das Stück mit seinen wiederkehrenden Gitarrenriffs und souligen Background Vocals mächtig voran, während „Don‘t Break A Heart“ wieder an das rock’n’rollige „Girl’s Got Something“ anknüpft.

Nach soviel harten und flotten Tönen fährt der lockige Texaner nun in einigen Songs das Tempo deutlich runter, sodass es in der zweiten Hälfte der CD über weite Strecken ruhiger wird. „Here To Please“ ist so ein Beispiel dafür. Der düstere Slowblues mit dezenten Bläsersätzen und leicht sphärischen, mitunter auch verhallten Gitarren, lässt den Zuhörer das Verlangen, das dieser Song ausdrückt, fast körperlich spüren.

„If You Don’t Know By Now“ beginnt mit kristallklarer Leadgitarre und dezentem Fingerschnipsen, bevor sich die Drums dazugesellen und sich das Stück sparsam mit mehreren Tempowechseln weiterentwickelt, um endlich abrupt zu enden, dann aber nach einem Break die Eingangsriffs nochmals aufgreift und doch noch zu einem ruhigen Ausklang kommt.

Mit „Wish Me Luck“ folgt wieder ein geruhsamer Blues mit einem leicht mystisch klingendem Intro, wohl dosierter Bläserunterstützung und Keyboards im Background. In die gleiche Richtung geht auch „Be Mine“, ohne jedoch diesen leicht mystischen Touch aufzuweisen.

Das ungewöhnlichste Stück auf der Scheibe ist sicherlich das konfus wirkende „Come On Saturday Night“. Mit dem gleich zu Beginn einsetzendem Schlagzeug, einem wild gespielten Saxophon und hektischen Bläsern, könnte die Nummer glatt als Freejazz durchgehen, wenn Casey Jamess Gesangseinlagen nicht immer wieder ein Gefühl der Harmonie vermitteln würden.

Im Gegensatz dazu schleicht sich das bluesig schmeichelnde „Nothing But Time“ mit langsamen Rumbatakten in die Gehörgänge, angereichert mit Country/Folk-Einflüssen. Einfach zum Dahinschmelzen! Melodisch, zumindest zu Anfang, geht es auch mit dem behäbig dahinfließenden „A Better Place“ solange weiter, bis mächtige Riffs den Song dominieren, um schließlich wieder von der eingängigen Intromelodie abgelöst zu werden und dann langsam, leicht verhallt mit dezenten Backgroundstimmen, das Stück ausklingen zu lassen.

„Faith“ und „(More) Faith“ bilden den Abschluss des rundherum gelungenen Albums. Während „Faith“ ein langsames und sphärisches Stück mit leicht verhallter Slidegitarre ist, das wunderbar mit den von Casey James ruhiger Stimme vorgetragenen Lyrics harmoniert, ist „(More) Faith“ die rockig-abgedrehte Fortsetzung des ersten Teils mit jaulenden und flirrenden Gitarreneinlagen und sägenden Riffs.

Mit „If You Don‘t Know By Now“ hat Casey James ein abwechslungsreiches Album vorgelegt, auf dem er sich als melodischer Gitarrist und Songschreiber mit ausdrucksstarker Stimme beweist. In meinen Augen ist es eine DER Scheiben diesen Jahres und sollte in keinem Plattenschrank fehlen, daher absolute Kaufempfehlung.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues Rock

01. Live Life
02. Shake Some Salt
03. Girl‘s Got Something
04. Real
05. Don‘t Break A Heart
06. Here To Please
07. If You Don‘t Know By Now
08. Wish Me Luck
09. Be Mine
10. Come On Saturday Night
11. Nothin But Time
12. A Better Place
13. Faith
14. (More) Fait

Casey James
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