Peter Parcek – Mississippi Suitcase – CD-Review

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Von Buddy Guy wurde er bei einer Backstage-Visite, als Peter Parcek sich eine herumliegende Gitarre schnappte und losspielte, mit dem Satz „You’re as bad as Eric Clapton, and I know Eric Clapton“ geadelt.

Der in Boston lebende Gitarrist und Songwriter bringt jetzt mit „Mississippi Suitcase“ seinen dritten Longplayer auf den Markt, nachdem er mit den Vorgängern „The Mathematics Of Love“ und „Everybody Wants To Go To Heaven“ von der Kritikerschaft für seine außergewöhnlichen Gitarrenkünste, bereits in höchsten Tönen gelobt wurde.

Für mich persönlich, der zwar schon viel Blues Rock in seinem Leben gehört hat, ist Parcek allerdings bisher noch ein absolut unbeschriebenes Blatt. Der Protagonist bietet auf den insgesamt 11 Tracks, drei Eigenkompositionen, die er am Anfang (Stück 1 – „The World Is Upside Down“- ein Peter Green-beeinflusster psychedelischer Slide-Blues Rocker), in der Mitte (Stück 6 – „Mississippi Suitcase (Slight Return)“ – ein typischer Blues Club Song mit E-Gitarren-Orgel-Schwerpunkten) und am Ende (Stück 11 – „A Head Full Of Ghosts“ – ein atmosphärisches, dezent progressives E-Gitarren-Instrumental mit Green-/Pink Floyd-Flair) folgerichtig platziert hat.

Dazwischen hat er in zwei Vierer-Blöcken, Songs aus vielen Epochen der Musikgeschichte ausgewählt, die auf ihn einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen haben, wie z. B. Peter Greens bei John Mayalls Bluesbreakern veröffentlichtes „The Supernatural“ (für Parcek war das Herangehen nach eigenen Worten ‚a mountain to climb‘) oder der Beatles-Song „Eleanor Rigby“, den er hier in einer reinen Instrumentalversion serviert.

Highlights sind aus meiner Sicht die gelungene Umsetzung von Dylans „Beyond Here Lies Nothin“ aus 2009, die hier auch mit viel Peter Green-Esprit- und Gefühl daherkommt, das claptoneske, Harp-verzierte (Micky Raphael) „Life’s A One Way Ticket“ (mit zusätzlicher E-Gitarrenpräsenz von Luther Dickinson) und der lässig gespielte Velvet Underground-Klassiker „Waiting For The Man“ (ebenfalls sehr slide-trächtig, mit sphärischen Orgelklängen von Promigast Spooner Oldham, und am Ende mit wildem E-Gitarren-Geschwurbel).

Der Vergleich Guys mit Mr. Slowhand kommt nicht von ungefähr. Handwerklich ist Parcek ebenfalls in der Lage, alles aus einer E-Gitarre herauszuholen, was geht, vor allem das Einsetzen von Effekten diversester Art in den Soli, ist teilweise atemberaubend, jedoch auf Dauer auch etwas anstrengend. Ein Greg Koch fällt mir da vielleicht als technische Referenzgröße ein. Aber besonders in vokalen Dimensionen liegt er sehr in der Nähe des britischen Gitarrengotts, mehr sogar noch beim kürzlich verstorbenen Peter Green. Grundsätzlich, so glaube ich, könnte Peter mit seinem Können in Rockbands jeder Couleur mitwirken, sicherlich auch problemlos im Southern Rock.

„With my new „Mississippi Suitcase“, Ive tried to create an album that’s timeless and yet entirely in the moment – an album that could get as deeply under the skin of the listener as it got under mine. I had to dig into my soul and face adversity to do it, and sometimes play through the pain, but it was worth it, and every note on the album comes straight from the heart.“ Dies vom Künstler selbst zur Intention.

Fazit: Peter Parcek beweist auf „“Mississippi Suitcase“, dass er alle Veranlagungen hat, ein Spitzen-Bluesmusiker zu werden, was bis jetzt fehlt, sind wohl die Songwriterqualitäten der Altmeister, unsterbliche Sachen zu kreieren. Das wird künftig wohl der übergeordnete Maßstab sein, wenn man zu den ganz Großen zählen will, wobei es letztendlich die Frage ist, ob Parcek das überhaupt möchte.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. The World Is Upside Down
02. Everybody Oughta Make a Change
03. Beyond Here Lies Nothin
04. The Supernatural
05. Life’s A One Way Ticket
06. Mississippi Suitcase (Slight Return)
07. Eleanor Rigby
08. Until My Love Come Down
09. She Likes To Boogie Real Low
10. Waiting For The Man
11. A Head Full Of Ghosts

Peter Parcek
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