Ben Granfelt Band – 25.10.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Der 25.10.2021 kann als ganz besonderer Montagabend seit Bestehen der Krefelder Kulturrampe gesehen werden. Erstmals seit 600 Tagen ohne Konzerte, fand endlich wieder ein Konzert auf der schrägen Bühne der statt, nachdem seit März 2020 coronabedingt die Events auf das Openair-Gelände des Schlachtgartens verschoben worden waren.

Schon am Eingang der Rampe zeigte sich, dass Pille Peerlings und sein Team die eventfreie Zeit genutzt haben, um den Laden etwas aufzuhübschen. Eine Überdachung über den vorgelagerten kleinen Biergarten mit einem Bildschirm, der live das Geschehen in der Rampe überträgt, sorgt dafür, dass auch draußen die Besucher geschützt sind und beim frische Luft schnappen das Konzert weiter verfolgen können.

Beim Betreten der Innenräume konnte man bei langjährigen Rampengängern ein Staunen feststellen. Das Ziegelmauerwerk, das von seinem, in die Jahre gekommenen Putz befreit worden war und die nun freiliegende Holzdeckenkonstruktion sowie ein riesiger fensterartiger Durchbruch von der Kneipe zum Konzertsaal, geben der Location deutich mehr Gemütlichkeit und eine scheinbar größere Weite.

Um diesen Umbau und das Wiederaufleben der Kulturrampe entsprechend zu würdigen, kamen Ben Granfelt und Band gerade Recht. Zunächst betrat Pille Peerlings unter dem Applaus der etwa 80 Besucher, was für einen Montagabend eine beachtliche Zahl ist und bei 100 zugelassenen Gästen eine sehr gute Auslastung bedeutet, die Bühne. Symbolisch zerriss er den Zettel, der jetzt schon so lange darauf hinwies, dass im Moment keine Veranstaltungen hier durchgeführt werden, und gab zum Besten, dass Rock`n`Roll doch eine Lösung ist, und bat den schon im Publikum wartenden Ben Granfelt samt Band auf die Bühne.

Im Sturm eroberte der charismatische Finne die Herzen der Fans. In einer Mischung aus Englisch und Deutsch machte Granfelt die Ansagen und gab manches zum Entstehen der Songs und aus dem Geschehen um die Band preis, sowie zum Beispiel den Wiederkauf seiner alten hellblauen Fender- Gitarre, die er mal aus Geldnot verkauft hatte und plötzlich in einem Pfandhaus stehen sah und wie er dann von einem Freund beim Rückkauf unter die Arme gegriffen wurde.

Was sich musikalisch in den zwei Sets über insgesamt über zwei Stunden abspielte, war dann atemberaubend. Unterstützt von seiner Rhythmussektion um Bassisten Masa Maijanen, der zum Glück von einer schweren Coronaerkrankung wieder genesen ist und dem jungen Drummer Jari Salminen, feuerte Granfelt ein regelrechtes Feuerwerk an seinen beiden Gitarren ab, was zeigte, dass er mit Sicherheit zu den Topgitarristen in der Szene zählt.

Auch stimmlich hat Granfelt sich so weiterentwickelt, dass diese nicht im Gewitter der Instrumente untergeht. Die Songauswahl an dem Abend war eine bunte Mischung aus älteren eigenen Songs, einigen Tracks aus dem aktuellen Studioalbum „True Colours“ sowie Coverversionen, die in der präsentierten Form schon etwas Besonderes waren.

Hervorzuheben aus dem ersten Set, war das emotionale „Last Notes“, im Andenken an seinen Vater, „My Soul To You“ und natürlich „Faith Hope & Love“, das er in seiner Zeit für Wishbone Ash geschrieben hatte und seine Qualitäten im Songwriting beweist. Beeindruckend war, wie er die Gitarre in den Soloparts regelrecht singen ließ.

War das erste Set schon ziemlich fulminant, verstand es Granfelt im zweiten Set noch einen drauf zu setzen. Das schon dem Titel nach anmutende Instrumental „Oriental Express“, das einen scheinbar in die Welt des Orients transportierte, machte die Virtuosität Granfelts, aber auch die Dynamik und Spielfreude der gesamten Band deutlich und sorgte für einige exstatisch mittanzende Fans.

Mit „Breathe“ wurde es vor dem Finale Furioso noch einmal etwas ruhiger und Granfelt bewies, dass man diesen Song auch als Trio präsentieren kann, ohne das etwas fehlt. Einer der absoluten Höhepunkte war dann, als Granfelt den J.J. Cale-Song „Cocaine“ ankündigte und sagte, dass er diesen in einer Hendrixversion spielen würde. Nach einem kurzen Intro („Crosstown Traffic“) erklang das für Cocaine typische Riff, aber in einer Geschwindigkeit und Dynamik, welche deutlich machte, warum Eric Clapton als Slowhand betitelt wird.

Hier war Fasthand Granfelt am Werke, der fast dafür sorgte, dass die Decke der Rampe abhob. Dass ein bisschen „Sunshine Of Your Love“ von Cream eingebaut wurde und die letzte Strophe in bester Bob Marley-Manier gespielt wurde, sei nur an Rande erwähnt.

Zum Abschluss kündigte er noch das obligatorische, fast hymnische „Going Home“ an, nach dem fast nichts mehr gehen kann, er sich in der Anmoderation aber noch den Spielraum für eine Zugabe gab. Da die Fans genug Lärm machten, fing Granfelt an von einer Nacht im Hotel in Hamburg zu erzählen, wo er aufwachte und glaubte er wäre David Gilmour. Daraus entstand ein Instrumental „Late Night In Hamburg“, dass vom Gitarrensound und Feeling auf Pink Floyd-Scheiben gepasst hätte und einen würdigen Abschluss eines eindrucksvollen Konzertabends bildete.

Direkt von der Bühne weg, begab sich Granfelt und der Rest der Band zum Smalltalk und Signieren von Fanutensilien zum Merchandisingstand und zeigte auch dort mit einer Gelassenheit und guten Laune die Seite, die Fans an Musikern überaus schätzen.

Ein besonderer Dank, neben den Musikern, gilt natürlich Pille Peerlings und seinem Team, die dieses Ereignis in einer runderneuerten Kulturrampe ermöglichten. Fortsetzungen folgen, Rock`n`Roll ist eine Lösung!

Line-up:
Ben Granfelt – guitars, lead vocals
Masa Maijanen – bass
Jari Salminen – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Granfelt
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Kulturrampe Krefeld

Joe Bonamassa – Time Clocks – CD-Review und Gewinnspiel

Bei Joe Bonamassa schien die Zeit schon immer ein wenig schneller voranzuschreiten als bei anderen Kollegen seiner Zunft. Seit Start unseres Magazins passiert jedes Jahr, gefühlt alle paar Monate, irgendetwas neues, sei es in Sachen Studio- oder Live-Alben, DVDs, Konzerte oder Kooperationen mit anderen oder Produktionen für andere Interpreten.

Mit „Time Clocks“ war es jetzt wieder an der Zeit für ein neues Studioalbum, immerhin steht 2022, natürlich auch bei uns, eine neue Tour (Deutschland-Termine siehe am Ende des Reviews) an.

Was als erstes auffällt, wenn man den neuen Tonträger in der Hand hält, ist das fantastische mystisch anmutende Artwork des berühmten Grafikers Hugh Syme (Rush, Aerosmith, Megadeath). Ein tolles Dreifach-Klappdigipak mit eingelegtem 24-seitigen Booklet, das neben einem kurzen Einführungsstatement von Joe, natürlich alle Songtexte, relevante Infos zu Musikern, Producern, Aufnahmestudio, etc. sowie tolle metaphorische Bilder im Stile der einstigen Hipgnosis-Klassiker enthält.

Desweiteren nimmt man zur Kenntnis, dass sich der Protagonist dem die letzten Jahre prägenden Nashville-Umfeld etwas zu entziehen scheint. Für das neue Werk ist er wieder in sein heimatliches Umfeld in New York zurückgekehrt, statt Michael Rhodes und Reese Wynans sind jetzt Steve Mackey und Lachy Doley neben Anton Fig und den etatmäßigen Backgroundsängerinnen Mahalia Barnes, Juanita Tippins und Prinnie Stevens die Begleiter. Produziert hat natürlich Bonamassa-Langzeit-Spezi Kevin Shirley.

Trotzdem kann man schon an den involvierten Co-Writern wie u. a. Charlie Starr (Blackberry Smoke), James House oder Tom Hambridge erkennen, dass ein gewisses südstaatliches Faible in Joe weitergepflegt zu werden scheint, was viele Tracks mit Allman Brothers-/Warren Haynes– und auch Skynyrd-mäßigen E-Gitarrenparts und Stimmungen in den Refrains und Bridges untermauern („Notches“, „The Heart That Never Waits“, „Questions And Answers“ und „Hanging On A Loser“), nicht zu vergessen die gospeligen Vocals des omnipräsenten australischen Background-Trios. 

Obwohl die meisten Stücke ausgiebig ausstaffiert sind, bringt Bonamassa sich diesmal E-Gitarrentechnisch eher akzentuiert ein und legt deutlich mehr Wert auf die Qualität seiner Solo-, Fill und Rhythmus-Arbeit (wenn man das bei ihm überhaupt so artikulieren darf). Lediglich beim finalen, mit vielen Stimmungswechseln durchzogenen „Known Unknowns“ lässt er dann doch noch ein längeres claptoneskes Gewitter ab.

Viele folkig-orientalische Tupfer (u. a. Flöte, selbst ein Didgeridoo ist bei den ersten beiden Tracks eingebunden) tragen zu einer  Stimmungsvielfalt bei, manchmal wie beim hymnischen Titelsong „Time Clocks“ geht es phasenweise bombastisch wie zu einstigen Meat Loaf-Zeiten zu. Ein Lied wie „Curtain Call“ würde man eher von Metallica erwarten als von Smokin‘ Joe himself. Auch die keltische Co-Writer-Handschrift und Hard Rock-Note von Ex-Whitesnake-Mitglied Bernie Marsden bei „The Loyal Kind“ ist unverkennbar.

Meine persönlichen Favoriten sind der atmosphärische Slowblues „Mind’s Eye“ samt mitreißend-hymnischem Refrain und der shuffelnde, durch Mark und Bein gehende Southern Blues Rocker „Hanging On A Loser“, bei dem sich Bonamassa (famoses ABB-Slide, tolles konventionelles E-Spiel) und der überragende Lachy Doley (klirrendes Organ und HT-Piano) sich immer wieder die Bälle gegenseitig zu werfen. Atemberaubender Groove!

Joe Bonamassa zeigt sich auch mit „Time Clocks“ weiterhin als ‚Hansdampf in allen Gassen‘. Diesmal überzeugt vor allem die progressive Art, seinen Blues Rock weiterzuentwickeln. Sein Gitarrenspiel ist gewohnt exzellent, auch sein Gesang, der mir zu Beginn seiner Karriere überhaupt nicht gefiel, ist mittlerweile in der Lage, sich jedem Stimmungsbild anzupassen.  Das Songmaterial findet trotz seiner diversen Elemente, Verschachtelungen und Eingaben am Ende immer harmonisch zusammen. 

Ich komme am Ende, auch wenn bei Joe Bonamassa die Uhren ja schon immer rasant tickten, nicht herum, auch in Kombination mit dem tollen Cover-Artwork, bei „Time Clocks“ von einem absolut zeitlosen Meisterwerk zu sprechen. Smokin‘ Joe at his best!

Deutschland-Live Termine:

26.04.22 Hannover
27.04.22 Saarbrücken
29.04.22 Frankfurt a.M.
01.05.22 Berlin
03.05.22 Düsseldorf

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In Zusammenarbeit mit der Mascot Label Group und Netinfect Promotion verlosen wir eine „Time Clocks“-CD.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

In welcher Stadt wurde das Album „Time Clocks“ eingespielt?

a) New York
b) New Orleans
c) New Hampton

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 29.10.2021 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine(n) Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚New York‘!

Über eine tolle CD von Joe Bonamassa darf sich

Andreas Brüseke aus Lünen

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

Provogue Records/Mascot Label Group (2021)
Stil: Blues Rock & More

01. Pilgrimage
02. Notches
03. The Heart That Never Waits
04. Time Clocks
05. Questions And Answers
06. Mind’s Eye
07. Curtain Call
08. The Loyal Kind
09. Hanging On A Loser
10. Known Unknowns

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion

Double Bill: Joanna Connor and Eamonn McCormack – 21.10.2021, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Mit dem Iren Eamonn McCormack und der aus Chicago kommenden Amerikanerin Joanna Connor besuchten zwei Hochkaräter der Bluesszene den Kölner Yard Club. Leider nur etwa 50 Bluesfans sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Die beiden Haupakteure, jeweils begleitet von Eamonns deutscher Begleitband mit Max Jung-Poppe an den Drums und Bassist Eddy Karg, lieferten ein weit über zweistündiges Konzert, das in drei Parts ohne Pause dazwischen gegliedert war.

Zunächst zeigte Joanna Connor in einem etwa 45 minütigen Set, warum sie zu einer der besten Bluesgitarristinnen gezählt wird (nicht umsonst hat Joe Bonamassa ihr aktuelles Album produziert und sie auf die Mittelmeer Bloescruise 2022 eingeladen) und präsentierte eine Mischung alter Songs, gekonnter Coverstücke und auch Stücke, wie „I Feel So Good“ vom aktuellen Album „4801 South Indiana Avenue„.

Nach kurzen anfänglichen Abmischungsproblemen war schnell der richtige Sound gefunden und die Fans konnten einen klar definierten, gut differenzierten Sound genießen. Joanna begeisterte die Fans mal slidend über die Saiten huschend, mal fingerpickend, bis hin zu fast in den Hardrock gehender Soloarbeit, wobei das Grundthema immer der Blues blieb.

Auch stimmlich zeigte sich Connor bestens aufgelegt, dass schon die ersten 45 Minuten für eine prächtige Stimmung bei den Fans sorgten, und die Besucher nach dem Led Zep-Cover „When The Levee Breaks“ sie mit Ovationen und Zugabeforderungen verabschiedeten. Den Zugabeforderungen kam sie mit dem Hinweis, dass sie zum Ende mit McCormack noch etwas jammen würde, zunächst nicht nach und nahm während Eamonn die Bühne betrat hinter der Bassbox auf der Bühne Platz, um das Treiben des Iren, oft im Takt mitwippend zu verfolgen.

Im Mittelpunkt des etwa 50 minütigen Auftritt des Irens standen Songs des aktuellen Albums „Storyteller“, wie das melancholische „The Great Famine“ oder die krachenden Blues Rock-Nummern „Gypsy Woman“ oder „With No Way Out“ sowie die zwei stark gespielte Gallagher-Songs.

„Calling Card“ und das abschließende „Shadow Play“, das gewissermaßen die Inspiration des Vorbilds widerspiegelte und zum Ausdruck gab, dass dieser gedanklich irgendwie mit dabei ist. Gespickt wurde das Set dann noch von einigen älteren Nummern wie „From Town To Town“ oder „Heal My Faith“, in der ein bestens gelaunter McCormack seine Virtuosität, aber auch Energie an seinen Gitarren zum Besten gab und zeigte, dass er auch stimmlich überzeugend ist.

Nach diesen zwei ‚Solo‘-Darbietungen erhob sich Joanna Connor von ihrem Logenplatz auf der Bühne und es folgten nochmals etwa 45 Minuten Bluespower. Neben zwei eigenen Songs, Connors „Cut You Loose“ und McCormacks „Falsely Accused“ präsentierten sie noch einige Blues-/Rockklassiker wie „Rock Me Baby“ oder „Johnny Be Good“, bei denen sie sich regelrecht die Solis hin und her schmissen, als gäbe es kein Morgen mehr.

In diesen oft jammenden Passagen hatten auch Max Jung-Poppe mit feinen Drumeinlagen, wo er mit den Sticks so durch die Luft wirbelte, dass man befürchten musste, er hebt gleich ab und Eddy Karg mit akzentuierten Bassläufen einen erheblichen Anteil. Danach wusste man jedenfalls, weshalb sie Eamonn schon seit einigen Jahren in seine Band geholt hat.

Nach noch einer frenetisch geforderten Zugabe und etwa 140 Minuten Powerblues nahmen sich Connor und McCormack noch die Zeit zum Smalltalk und Signieren verschiedenster Fanutensilien und rundeten so einen absolut gelungenen Musikabend ab, der leider nur das Manko hatte, dass der Besuch, wie bei vielen Veranstaltungen zur Zeit, eher zu wünschen lässt und es Veranstaltern wie auch Musikern nicht leicht macht.

Ach ja, am Sonntag wird das Rheinenergiestadion mit 50.000 Zuschauern gegen Leverkusen ausverkauft sein (???, der Kollege Mangold meint sicherlich das Spitzenspiel am heutigen Samstag 1. FC Köln U 23 – Rot Weiss Essen – Anm. der Red.), was mich als FC Fan natürlich erfreut. Schön wäre es, wenn auch die Musikfreunde zumindest dafür sorgen könnten, dass die Clubs mit den bestehenden Vorschriften zumindest zur Hälfte gefüllt sind und Kultur auch finanziell über die Runden kommt.

Damit an dieser Stelle ein ausdrücklicher exemplarischer Dank an Marcus Neu und die Kantine/Yardclub und Künstler wie McCormack und Connor, die trotz des finanziellen Risikos das Kulturleben am Leben halten.

Line-up:
Joanna Connor (lead vocals, electric guitars)
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Joanna Connor
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Yard Club, Köln

Carl Verheyen – 06.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Carl Verheyen trat mit einer exquisiten Band im Musiktheater Piano auf. Enttäuschend war an diesem Abend der Besuch, gerade einmal knapp 50 Musikfreunde hatten sich eingefunden. Wenn man bedenkt, dass mit Verheyen, langjähriger Gitarrist von Supertramp, Chad Wackerman, der in den 80er Jahren Drummer in der Frank Zappa Band war, und Alphonso Johnson, der unter anderem bei Weather Report von 1985–1992 für die tiefen Töne sorgte, in seiner Band hatte, ist dies umso schwerer zu verstehen. Diejenigen, die den Weg ins Piano gefunden hatten, brauchten ihr Kommen auf jedem Fall nicht zu bereuen.

Ab 19:45 Uhr verkürzte der aus der Nähe von Washington, DC, stammende, aber schon seit Jahren im Allgäu lebende Jeff Aug mit seinem etwa 30-minütigen Auftritt die Wartezeit, indem er seine Künste nur instrumental an der Akustikgitarre bewies und mit seinen Songs die Besucher zuweilen in Traumwelten abgleiten ließ. Sein Statement und der Dank an die Anwesenden, aber auch die Veranstalter von 3Dog Entertainment und das Musiktheater Piano sprach für sich, dass ohne die Genannten keine Clubkultur möglich ist.

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann Carl Verheyen mit seiner Band unter großem Applaus die Bühne. Es folgte ein Auftritt, in welchem Verheyen neben Songs wie „Sundial“, „Clawhammer Man“, und „Kaningie“ (mit feinem Drumsolo von Wackerman vom aktuellen Album „Sundial“) zum Großteil eigene Stücke präsentierte und dabei bis ins Jahr 1988 zurückgriff und beim „Highland Shuffle“ einem verträumten Instrumental vom Album „No Borders“ seine Virtuosität unter Beweis stellte und mit zwei furiosen Soli die Besucher wieder aus ihren Träumen riss.

Mit dem bluesigen „Dragonfly“ stellte er einen Song fürs kommende Album auf den Prüfstand, welcher der Resonanz entsprechend, den Test wohl bestanden hat. Zum Ende des Konzertes streute Verheyen auch noch drei stark vorgetragene Coverversionen ein. Zunächst Dylans „My Backpages“ und in den beiden Zugaben den B.B. King-Song „After a While You’ll Be Sorry“, den er alleine vortrug, bevor seine Mitstreiter zum abschließenden „Angel“ von Jimmy Hendrix (dessen riesiges Portrait auf der linken Bühnenseite vermutlich mit Genuss zuschaute), wieder dazu stießen, um dem Konzert einen würdigen Abschluss gaben.

Als Fazit kann gesagt werden, dass ein trotz der geringen Resonanz ein gut gelaunter Carl Verheyen den Besuchern einen schönen und eindrucksvollen Konzertabend geboten hat und er danach den Fans noch zum Smalltalk vor der Bühne bereitstand. Sein filigranes aber auch rasantes Spiel an der Gitarre hatte dabei natürlich eine klasse Rhythmusgrundlage, wo Chad Wackerman zeigte, warum Zappa ihn in seine Band geholt hatte und Alphonso Johnson bewies, weshalb neben den beiden anfangs genannten Bands, auch ein Musiker wie David Gilmour ihn in seine Tourband aufnahm.

Wackerman setzte trotz der spielerischen Dynamik die Drums so akzentuiert ein, dass die Songs nicht zerschossen wurden und Johnson brachte einige jazzige und auch funkige Noten in die Stücke. Etwas skurril war, dass beide eine Maske trugen, was nach der derzeitigen Verordnung nicht mehr notwendig ist.

Zum Abschluss noch ein Gedanke zu der eher traurigen Besucherzahl an diesem Abend, im Angesicht der Qualität der Musiker. Über Monate wurde demonstriert, wurde gefordert, dass die Politik etwas für die Kultur machen muss. Jetzt sind seit einigen Wochen die Regelungen so, dass wieder in Clubs Konzerte stattfinden dürfen. Eigentlich wäre eher zu erwarten gewesen, dass die nach Kultur lechzenden Musikfans die Veranstalter unterstützen und gerade die kleineren Clubs besuchen, die ein erhebliches finanzielles Risiko eingehen, solche hochwertigen Bands zu buchen.

Wenn jetzt Veranstalter oder Clubs finanzielle Einbußen machen, liegt dies mit Sicherheit nicht an der Politik, sondern daran, dass, aus welchem Grund auch immer, Konzerte nicht entsprechend besucht werden. Jetzt liegt es an den Musikfans, dafür zu sorgen, dass die lokalen Clubs weiter bestehen können und das geht nur mit der Unterstützung der Fans. Deshalb die Bitte auf die Veranstaltungshinweise der Clubs zu schauen und diese dann auch entsprechend zu frequentieren. Schon am nächsten Wochenende geht es im Piano mit Yasi Hofer und Ezio weiter, wo ein Besuch in jedem Fall lohnend ist.

Line-up:
Carl Verheyen – vocals, guitar
Alphonso Johnson – bass
Chad Wackerman – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Carl Verheyen
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Jeff Aug
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 26.09.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Etwa 120 Besucher und Thorbjørn Risager & The Black Tornado sorgten im Piano, wie schon einige Tage zuvor im Schwarzen Adler, mächtig für Stimmung.

Neben der spielerischen Klasse der Musiker, begeisterten die Dänen die Fans mit humorvollen Ansagen, die zuweilen in Richtung Poetry Slam gingen. Besonders hervortaten sich dabei die beiden Bläser Nybo und Kehl, die nebenbei auch noch verschiedenste „Percussioninstrumente“ bis hin zu einer Kreissägenscheibe bedienten und mit Tanzeinlagen für prächtige Laune sorgten.

Besonders gefällt, dass Risager auf der Bühne den anderen Musikern genügend Freiräume gibt, um zu zeigen, was in Ihnen steckt. Bärenstark die Rhythmussektion, mit dem sich zuweilen in Ekstase trommelnden Martin Seidelin und dem meist stoisch den Bass bearbeitenden Søren Bøjgaard, der bei einigen Songs mit dem Synthie das Piano zum vibrieren brachte. Auch der meist zurückhaltend wirkende Emil Balsgaard zeigte des Öfteren in Soloparts seine Extraklasse an den Keyboards.

Im Vordergrund standen allerdings meist ein bestens gelaunter und stimmlich brillanter Thorbjørn Risager, der auch seine Klasse an der Gitarre mit einigen Soli bewies und Joachim Svensmark, der mit seinen furiosen Soli und einem psychedelischen Intro, in dem er mit einem Geigenbogen die Gitarrensaiten in Schwingungen versetze, neben dem Publikum, sichtbar auch Risager zum Staunen brachte.

Die Nähe zu den Fans zeigten die Dänen nach der Konzertfete, indem sie bestens gelaunt zum Smalltalk im Merchandising-Bereich zur Verfügung standen.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, electric guitar)
Joachim Svensmark (electric guitars, percussion, vocals)
Emil Balsgaard (keys)
Søren Bøjgaard (bass, synthie)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, percussion, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano Dortmund

Andreas Diehlmann Band – Them Chains – CD-Review

Der aus Kassel stammende Musiker Andreas Diehlmann mit Präferenzen Richtung Jimi Hendrix und texanischem Blues Rock der Marke ZZ Top & Co. hat sich seit seinem Debüt 2017 zu einer festen Größe in der deutschen Blues Rock-Szene entwickelt. 

Seitdem veröffentlicht er regelmäßig unter dem Eigenlabel Mountain Meadow Studio Tonträger, „Them Chains“ ist jetzt schon der siebte dieser Art. Was mir persönlich neben seinen musikalischen Qualitäten sofort gefiel, als ich ihn bei seinem Gig in Duisburg kennenlernte, dass diese typische Affektiertheit, die in den meisten Künstlern von Natur aus inne wohnt, für ihn fremd zu sein scheint. Ein sympathischer Mensch der Marke Du und Ich.

So hatten wir auch im Vorfeld dieses Werkes bezüglich der Veröffentlichung des anstehenden Reviews ein kurzen spaßigen Kontakt. Seine Liebe zu Jimi Hendrix stellte der Protagonist diesmal sehr weit hinten an und die kommt, wenn überhaupt, nur im End-Solo des Peter Green-Covers „The Green Manalishi“ kurz zum Vorschein. Dieser Track ist auch der einzige, der auf dem Silberling mit seinem psychedelisch 70er Hard Rock-umwehten Flair, ziemlich aus dem Rahmen fällt, der Rest steht doch deutlich im Zeichen der texanischen Blues Rock-Tradition.

Diehlmann, dessen Stimme, Gitarrenspiel und auch Songwriting, unweigerlich Assoziationen mit ZZ Top-Mastermind Billy Gibbons hervorrufen, rockt sich in bluesig Lonestar-typischer Manier mit heiser angerautem Vokalorgan, quirlig klirrenden und knarzigen E-Riffs,-Fills- und -Soli sowie dezenten Orgelhallbegleitungen durch die sieben Eigenkompositionen, als auch die ähnlich gefasste Willie Dixon-Adaption „Little Red Rooster“ am Ende, die mit so einer leichten „Dust My Broom“-Note.

Unterstützt wird er vom gewohnten Team mit Jörg Sebald am Bass und Tom Bonn am Schlagzeug. Thomas Feldmann hat seinen einzigen Auftritt in „Babe I Got To Go“, wo er seine Harp solotechnisch als auch in einem schönen Doppel-Schlagabtausch mit Dielmanns E-Gitarre schön quäkig plustern lässt.

Meine Favoriten sind der knackig rockende Titesong direkt zu Beginn (mit schönem Skynyrd-mäßigem E-Solo), der „Blue Jean Blues“-angelehnte feine Slowblues „Found Myself Alone“ sowie das ein wenig „Ghost Riders“-umwitterte „Ridin‘ In The Dark“. Wie man anhand dieser Ausführungen schon erahnen kann, wird der imaginäre Sounds Of South-Innovationspreis hier diesmal nicht vergeben. Dennoch gelingt es Andreas Diehlmann und seiner Band jederzeit für kurzweilig eigenständige, von E-Gitarren-dominierte Blues Rock-Unterhaltung zu sorgen.

Wer sich nach dem Tod von Dusty Hill Sorgen um das Fortbestehen von ZZ Top macht, oder Angst hat, dass Billy Gibbons die Ideen ausgehen, beziehungsweise irgendwann mal seine Stimme versagen könnte, der darf sich, wie es auch „Them Chains“ wieder mal deutlich offeriert, an der Andreas Diehlmann Band vermutlich noch viele Jahre qualitativ ebenbürtig erfreuen.

Mountain Meadow Studio (Eigenproduktion) (2021)
Stil: (Texas) Blues Rock

Tracklist:
01. Them Chains
02. Boogie Woogie Rock’N’Roll
03. Found Myself Alone
04. Lola Sweet Rock’N’Rola
05. Made It My Way
06. Ridin‘ In The Dark
07. Babe I Got To Go
08. The Green Manalishi
09. Little Red Rooster

Andreas Diehlmann Band
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Joanne Shaw Taylor – The Blues Album – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In Sachen Blues-Rock aus Großbritannien ist die Musikerin Joanne Shaw Taylor mittlerweile eine Ausnahmeerscheinung. Die 1986 geborene Singer-Songwriterin veröffentlicht mit „The Blues Album“ nun ihren achten Longplayer seit 2009 und gilt als die erfolgreichste britische Gitarristin des Genres. 2002 von Dave Stewart (Eurythmics) entdeckt, sind Stevie Ray Vaughan, Albert Collins und Jimi Hendrix Taylors musikalische Vorbilder, die erahnen lassen, welche persönliche Dynamik mit vier British Blues Awards belohnt wurde.

Auch Starblueser Joe Bonamassa hat endlich seine offene Bewunderung für die elegante Spielweise der Blues-Lady in einen großartigen Support umgesetzt. Als Mentor und Produzent (hier zusammen mit Josh Smith) steht sein Name direkt auf dem Front-Cover. Aufgenommen in den Oceanway Studios, Nashville, erscheint die Platte auf Bonamassas eigenem Independent Label KTBA Records, eine Auszeichnung der besonderen Art.

Die Scheibe bietet überwiegend zehn seltene Cover-Songs und ein Rock-Jam-Instrumental und interpretiert Blues-Klassiker u.a. von Albert King, Little Richard, Magic Sam und Little Milton, in graziler, aber auch energiegeladener Leichtigkeit. Den Anfang macht der Peter Green Fleetwood Mac Song „Stop Messin‘ Round“, verfeinert durch Reese Wynans Piano-Work, gefolgt vom funkigen Soul-Blues „If That Ain’t A Reason“ (Little Milton).

Die feine Otis-Rush-Nr. „Keep On Lovin ‚Me“ brilliert als powervolles Glanzstück der Scheibe, sicher ein Juwel in seiner vorliegenden Version. Bonamassas Hilfe bei der Auswahl der oft weniger bekannten Songs, wie „If You Gotta Make A Fool of Somebody“ (Ray Clark 1961) oder „Don’t Go Away Mad“ (Little Village), zeigt die herausragende Kenntnis im Umgang mit Songperlen. „Don’t Go Away Mad“ überrascht in einer Duett-Interpretation des eher schnellen Rock-Songs und weckt damit die Aufmerksamkeit für gute, alte Titel im neuen Gewand.

„Wir wollten eine stark Vocal-zentrierte Blues-Platte aufnehmen, die Joannes riesiges Talent vorsichtig in ein anderes Licht rückt“, so Bonamassa. „Joanne ist eine großartige Sängerin“ und er meint damit nicht nur Titel wie „Can’t You See What You’re Doing To Me“ (Albert King), mit leidenschaftlicher E-Gitarre und beeindruckenden Vocals eingespielt. Dies gilt ebenso für „Let Me Down Easy“ (Little Milton), das eine stimmgewaltige Joanne Shaw Taylor – gesanglich nicht weit entfernt von Janis Joplin – und eine ebenso elegante Saitenfertigkeit beinhaltet.

Die Aufforderung zum Tanz kommt beim Shuffle „Two Time My Lovin’“ ebenso wenig zu kurz und wird beim herrlichen Abschlusstrack „Three Time Loser“ mit Honky Tonk Piano nochmals wiederholt. Die Musiker um Joe Bonamassa glänzen in der gesamten Bandbreite der Songpalette und bieten in gewohnter Perfektion eine hervorragende Kooperation mit Joanne Shaw Taylor, die im Übrigen wie selbstverständlich zu den in gewisser Weise neu aufgelegten alten Bluessongs ihre eigene 1966er Esquire Junior Gitarre spielt.

Mit „The Blues Album“ ist es Joanne Shaw Taylor erneut gelungen, eine mitreißende und interessante Platte vorzulegen. Getragen von der Spielfreude, u.a. basierend auf der intuitiven Zusammenarbeit mit Blues-Hero Joe Bonamassa, ist ein herausragender Blues-Sampler entstanden. Joanne Shaw Taylor etabliert sich damit einmal mehr als UK’s Number One Blues-Rock-Lady.

KTBA Records (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Stop Messin‘ Round
02. If That Ain’t A Reason
03. Keep On Lovin‘ Me
04. If You Gotta Make A Fool Of Somebody
05. Don’t Go Away Mad feat. Joe Bonamassa
06. Scraps Vignette
07. Can’t You See What You’re Doing To Me
08. Let Me Down Easy
09. Two Time My Lovin‘
10. I Don’t Know What You’ve Got feat. Mike Farris
11. Three Time Loser

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Vanja Sky – 19.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

An einem schönen Spätsommernachmittag besuchte Vanja Sky mit ihrer Band den Schlachtgarten. Kurz vor 17 Uhr kündigte Pille Peelings von der Kulturrampe die mittlerweile in Hamburg lebende Kroatin an und unter dem Applaus der etwa 70 Besucher betrat die Band die Bühne, und es sollte ein Konzert folgen, das einige Überraschungen parat haben sollte.

Ein Blickfang war natürlich die junge Kroatin mit ihrer langen blonden Mähne, gekleidet mit einer Gepardenhose, kniehohen Stiefeln und einem fast bis zum Boden reichenden schwarzen Mantel sowie einer trendigen Sonnenbrille im ersten Set.

Im Mittelpunkt der Setlist stand ganz klar das 2020 erschienene Werk „Woman Named Trouble“. Passend leitete der erste Song des Albums „Rock’n’Roll Train“ das Konzert ein, in den die Besucher sprichwörtlich von Anfang an einstiegen. Vanja und Band spielten in den zwei etwa 45-minütigen Sets fast das komplette aktuelle Album.

Schon bei der Ansage des folgenden „All Night“ vom Debutalbum „Bad Penny“ hatte eine bestens aufgelegte Vanja mit ihrem natürlichen Charme die Zuschauer eingefangen und schnell nutzten einige die Möglichkeit, im nicht bestuhlten Bereich vor der Bühne entsprechend eines Rockkonzerts mitzugehen. Im Vergleich zum letzten Konzert in 2019, das ich besucht hatte, präsentierte sich das Quartett noch homogener und gefestigter.

Die Basis für den wieder einmal bestens abgemischten Sound im Schlachtgarten legten Drummer Hanser Schüler, der auch am längsten mit Vanja Sky zusammen spielt und Bassist Artjon Feldtser, mit ihrem, je nach Bedarf, druckvollen oder aber auch dezenten zurückhaltenden Spiel.

Zudem unterstützte Feldtster die stimmlich bestens aufgelegte Vanja Sky bei den Backing Vocals und nutze die Pausen zwischen den Songs, um einmal als Intro die Melodie von „Eleanor Rigby“ einzuspielen oder vor den Zugaben erst mal den Platz vom Drummerkollegen Schüler zu blockieren. Im Vordergrund stand neben Sky Robert Wendt, der die Besucher ein ums andere Mal mit seinen Soli, auch in bester Southern Rock Manier, begeisterte.

Vanja Sky selbst hat auch einen großen Schritt gemacht. Vokal hat sie sich weiterentwickelt, was sich auch in Songs zeigt, wo sie die Gitarre beiseite legt und sich ganz auf ihre Stimme verlässt.

Im ersten Set waren die Highlights das southernrockende „Hard Times“ und der starke Bluessong „Crossroads Of Life“, wo Sky scheinbar richtig abgebogen zu sein scheint. Als letzten Song im ersten Set spielte die Band eine beeindruckende Version von „To Love Somebody“, wo vor allem das Zusammenspiel von Wendts Gitarre und Skys Stimme die Zuschauer gefiel.

Ihre Liebe zu den Fans zeigte Sky, als sie während des Songs die Bühne verließ und als Geschenke verpackte Lollys an alle Zuschauer verteilte. Mit diesem musikalischen, wie auch menschlichen Highlight wurde der erste Set beendet.

Nach etwa 20 Minuten Pause nahm die Band auf Hockern Platz und es folgte eine mutige Nummer. Rory Gallaghers „Shadow Play“ wurde als Akustiksong gespielt und es zeigte sich, dass dieser eigentlich fast schon hardrockende Kracher auch in dieser ruhigen Spielform seine Klasse hat.

So verleitete das Stück mit dem filigranen Gitarrenspiel Wendts und der harmonischen Stimme Skys die Besucher zum Träumen und mehrfach schienen die Musiker gen Himmel zu schauen, was wohl Rory zu dieser Variante sagen würde. Kaum war der letzte Ton verstummt, nutzte Bassist Artjon Feldtser die Chance, das Wort zu ergreifen.

Er schilderte, was das für ein besonderer Tag ist, da dies auch Vanjas Geburtstag sei. Das animierte die Zuschauer stimmgewaltig mit „Happy Birthday“ zu gratulieren, was, wenn ich es richtig gesehen habe, für Tränen der Rührung bei Sky sorgte.

Als Dankeschön folgte dann ein tolles Akustikcover der Black Crowes-Nummer „Girl From A Pawn Shop“. Danach wurden die Hocker auf Seite gestellt, Sky fragte eher rhetorisch, ob das begeisterte Publikum jetzt Lust auf Rock’n’Roll hat und mit „Devil Woman“, „Voodoo Mama“ und „Lets Go Wild“ wurde es auch wild, bis der Peter Green-Klassiker „Oh Well“ bluesig einen der Highlights einläutete.

Eine Version von „Simple Man“, welche sich nicht vor dem Original zu verstecken braucht, zeigte eindrucksvoll die Extraklasse eines Robert Wendt an der Gitarre, aber auch die Stimmgewalt der jungen Kroatin. Das Ende des Sets war die Erinnerung den Rock’n’Roll nicht zu vergessen mit dem gleichnamigen Titel auf Englisch, wo sich die Band noch einmal regelrecht austobte.

Kaum hatte die Band die Bühne verlassen, setzten lautstarke Zugabeforderungen ein und es folgte noch ein rockiges „I Don`t Need No Doctor“ und „Call Me If You Need Me“ und begeisternde knapp 100 Minuten lagen hinter der Band und den Besuchern.

Nach dem Konzert nahmen sich alle Musiker auch noch die Zeit zum Plausch mit den Zuschauern und so fand ein tolles Geburtstagskonzert einen schönen Abschluss. In der Form ist von Vanja Sky und ihrer Band noch einiges und nicht nur für die eingefleischten Bluesfans zu erwarten. Vanja Rocks!

Line Up:
Vanja Sky – Lead vocals, electric guitar, slide guitar
Robert Wendt – Electric guitar, slide guitar
Artjom Feldtser – Bass, vocals
Hans Jakob Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

The DogRocket Blues Band – Rusty Train – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Was machen eigentlich zwei Flugzeugpiloten, ein Produktingenieur und ein Immobilienverwalter, wenn sie in ihrer Freizeit Langeweile haben? Ganz einfach, sie machen Musik, insbesondere Blues, kommen in einer Band namens „The DogRocket Blues Band“ zusammen und nehmen ein Album auf. Genau das haben Bill Kesel (Pilot, Gründer der Band, Leadsänger und Keyboarder), Joe Custer (Trucker und Pilot im Ruhestand, Bassist), Mike Jacobs (Immobilienverwalter, Gitarrist) und David Matherly (Produktingenieur, Schlagzeuger) gemacht.

„Rusty Train“ ist also das Erstlingswerk dieser vier Männer, obwohl es die Band mit wechselnder Besetzung bereits seit 2008 und mit dem jetzigen Line-up seit 2019 gibt. Als Hobbymusiker hatten sie ihre ersten öffentlichen Auftritte erst kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Da danach nicht mehr an Auftritte zu denken war, ging Kesel mit seinen Leuten in ein Tonstudio und die Truppe jammte drauf los. So entstand das vorliegende, erste Album der Band. Laut Kesel zwar nicht sehr professionell, aber mit wahnsinnig viel Spaß produziert. Mit dem Album wollen die DogRockets nun ihren Bekanntheitsgrad ein wenig steigern und nicht mehr nur für kleinere Events und Privatparties engagiert werden.

Insgesamt enthält die Scheibe zehn Songs, allesamt von Kesel in den letzten 30 Jahren geschrieben und musikalisch vor allem von Junior Brown, einem Country-Gitarristen und von der kalifornischen Alternative-Rockband Cake beeinflusst.

„Press On“ (ein gefälliger Blues) und „In My Heart“ (mit leichten Country-Einflüssen) sind wohl mit die ältesten von Bill Kesel komponierten Stücke. Auch der Slowblues „Only Man“ weist dezente Country-Elemente auf und der Titelsong „Rusty Train“ scheint von Junior Brown inspiriert worden zu sein, während das etwas flottere „Magic Kingdom“ stilistisch eher an Cake erinnert.

Die übrigen Tracks haben alle einen bluesig-funkigen Anstrich, nicht zuletzt durch das oftmals dominante Keyboardspiel des Bandleaders Kesel und kommen daher recht oldschool daher. Insgesamt sind die Songs zwar nicht schlecht, aber für meinen Geschmack alle ein wenig zu clean arrangiert und auch gesanglich ist da sicherlich noch Luft nach oben.

Wäre es die Scheibe einer professionellen Band, würde ich sagen, dass das besser geht. Aber für Amateurmusiker ohne große Live- und Studioerfahrung ist das Album doch erstaunlich gut geraten. Nicht unbedingt ein Must-Have, bei dem es sich lohnt, auf jede Note und jeden Takt zu achten, aber als musikalische Untermalung ist es absolut ok.

Zum Schluss sei noch das Geheimnis um den abstrusen Namen der Band gelüftet. Mitnichten haben die Jungs irgendwelche verbotenen Substanzen geraucht, vielmehr war „DogRocket“ der Spitzname eines von Kesel geflogenen Flugzeuges ….

Label: Dogmatic Studios (2021)
Stil: Blues

Tracks:
01. My Big Man
02. Only Man
03. Press On
04. Rusty Train
05. Psalm Blue
06. What Is A Man
07. Right Thing
08. Magic Kingdom
09. In My Heart
10. Bitter Town Blues

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Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 17.09.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Mann-o-mann, da haben Thorbjørn Risager & The Black Tornado bei ihrem Auftritt in der Vierbaumer Blueskultstätte ihrem Namen aber alle Ehre gemacht! Mit weit mehr als gefühlten 12 musikalischen Windstärken fegten sie am Freitag Abend durch den Schwarzen Adler und versetzten das zahlreich erschienene Publikum (knapp die Hälfte des eigentlichen Fassungsvermögens, demnach ausverkauft nach Corona-Statuten) in helle Begeisterung. Und endlich gab es zurecht auch wieder mal ‚Vor-Corona‘-zeitliche Stimmung.

Dabei verlief es im Vorfeld alles andere als rund.  Die für 15:00 Uhr bestellte Firma, die etatmäßig dafür sorgt, dass sämtliche Kabel exakt dort sitzen, wo sie hingehören, um für ein optimales Sounderlebnis zu sorgen, hatte schlichtweg den Termin verwechselt. Statt Vorfreude mit der entsprechenden Endorphin-Ausschüttung hieß es bei Ernst Barten den in die Höhe schießenden Blutdruck halbwegs im grünen Bereich zu halten.

Gegen 18:30 Uhr stand dann ‚kurz vor knapp‘ ein Ersatz zur Verfügung und mit Hilfe von Risager-Bassist Søren Bøjgaard wurde es dann ‚gerichtet‘. Folge war natürlich ein verspäteter Soundcheck, der gegen 20:00 Uhr, dem eigentlich geplanten Beginn, eine lange Warteschlange quer durch den Gastrobereich des Adlers auslöste.

Angesichts der Geschehnisse waren die 25 Minuten Verspätung aber leicht zu verschmerzen, vor allem, wenn man in der Retrospektive ein Resümee des Konzerts zieht, denn das war facettenreicher, energiegeladener Blues Rock vom aller Feinsten.

Ich hatte das Septett zuletzt vor gut vier Jahren an gleicher Stelle erlebt, somit an diesem Abend zum ersten Mal mit dem ’neuen‘ Gitarristen Joachim Svensmark. Der wirkte rein äußerlich wie ein Überbleibsel aus der Grunge-Szene, ein wenig Kurt Cobain ähnelnd, und hat wohl als einziger keine Anzugspflichtklausel in seinem Vertrag stehen. Der spielte sich nach verhaltenem Beginn im Verlauf des Gigs in einen wahren Rausch und setzte wie seine Mitspieler auch, viele tolle unterschiedliche Akzente, wie zum Beispiel das Intro mit dem Geigenbogen in Jimmy Page-Manier bei „Never Givin‘ In“.

Der Bandleader, wie immer im eleganten Anzug und mit Schlägerkappe bekleidet, setzte neben der musikalischen Qualität natürlich auch wieder stark auf die Interaktion mit dem Publikum. So vollzog er alle Ansagen in deutscher Sprache und auch Drummer Martin Seidelin (überragend) sowie die Bläserfraktion mit Hans Nybo und Peter W Kehl (beide auch wieder mit Harmoniegesängen und Percussion involviert) durften bei einer Song-Ansage ihre Deutschkenntnisse zum Besten geben.

Das kam natürlich gut an und machte es der Band leicht, die Audienz zu vielen Klatschrhythmen und auch zu einer satten Mitsingaktion bei „Rock’n’Roll Ride“ zu animieren. Gespielt wurde in zwei Sets. Als am Ende des ersten Teils, der auch zwei Songs aus der Risager-Balsgaard-Duo-Kooperation enthielt („The Way You Make Me Feel“, „Insomniac Boogie“), „Hold My Lover Tight“ mit einer Urgewalt (auch dank Seidelins furiosen Trommelattacken) durch den Saal  krachte, dachte man schon, dass hier nach nichts Besseres mehr kommen konnte.

Gut gefielen mir auch die zum Durchatmen geeigneten, stark und atmosphärisch gespielten Balladen wie „Burning Up“, „Through The Tears“(beide Set 1) und I Used To Love You“ (Set 2), in denen Thorbjørn meist mit einfühlsamen Doppelsoli an seiner Les Paul neben seinem starken Gesang glänzte.

Besagtes „“Rock’n’Roll Ride“ erwies sich als idealer Einstieg für Set 2 , um direkt wieder Fahrt aufzunehmen. „In The Back Of My Mind“ (Balsgaaad mit HT-Piano-Solo, Svensmark an der Dobro), das grandiose progressiv-psychedelische „Never Givin‘ In“, „Over The Hill“ (schön retro), „Last Train“ (Publikum klatscht rhythmisch mit), das E-Gitarren-lastige „Maybe It’s Alright“ (zwei klasse Soli von Svensmark  zum Teil im Clapton-Stil) hießen die weiteren Tracks bis zum furiosen Southern Rock-Abschluss „All I Want“, das von Risager, Svensmark und dem wieder wirbelnden Seidelin in episch, „Freebird“-artige Dimensionen gehievt wurde.

Alles, was das Publikum dann wollte, war natürlich noch weiterer Nachschlag, der mit dem launig-tanzbaren Schunkler „Baby Please Don’t Go“ erfüllt wurde. Ernst Barten war (auch schon nach „“Hold My Lover Tight“) anzusehen, wie die Last des stressigen Tages von seinen Schultern fiel. Er und alle Anwesenden hatten wohl einer der besten Live-Darbietungen dieses Jahres beiwohnen können.  Thorbjørn Risager & The Black Tornado in der Form ihres Lebens!

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, electric guitar)
Joachim Svensmark (electric guitars, percussion, vocals)
Emil Balsgaard (keys)
Søren Bøjgaard (bass, synthie)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, percussion, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Schwarzer Adler Rheinberg