Curse Of Lono – 4am And Counting – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Curse Of Lono vor einigen Wochen mehrere Support-Termine absolvierten und mit Samantha Fish im Musiktheater Piano vom Publikum gefeiert wurden, hatte SoS bereits kurz berichtet (25/05/2019). Dieser Konzert-Beitrag hätte aber mit Blick auf das nun vorliegende „Live“-Album einiges vorweggenommen und die Band nur in den Kontext einer anderen musikalischen Richtung (Blues) gestellt.

Dass die neue Scheibe „4am And Counting“ ausschließlich schon veröffentlichtes Material und einen Cover-Song enthält, beweist die kreative Vielseitigkeit der Sound-prägenden Tracks des Longplayers. Alle Stücke wurden neu arrangiert und im Studio live mit Produzent Liam Watson (u.a. White Stripes, The Stranglers) analog eingespielt.

Überhaupt gewinnen die Songs durch den Einsatz von BJ Cole (Pedal-Steel) und Nick Reynold (Harmonica) als Gastmusiker wesentlich an Substanz und Ausdruckskraft und verleihen der Combo einen weiterhin hohen Wiedererkennungseffekt. Der eigene Anspruch an die Schönheit der Melodie und die sprachliche Qualität der Texte werden in ein filigranes Gesamtkunstwerk überführt, das die Ausstrahlung von Curse Of Lono auch beim Konzert im Dortmunder Piano für jeden spürbar erkennen ließ.

Neben Felix Bechtolsheimer (Gesang und Gitarre) agieren Joe Hazell (Lead-Gitarre), Dani Ruez Hernandez (Keyboard), Charis Anderson (Bass) und Neil Findley (Schlagzeug) als beinahe magische Gemeinschaft mit überzeugender musikalischer Eindringlichkeit.

Diese Magie vermittelt bereits das erste Stück des Albums „Tell Me About Your Love“, ein feiner, ruhiger Song, ein warmer Gesangsstil, ein geschliffenes Dobro-Solo, vergleichbar der gehobenen Klasse der kanadischen Cowboy Junkies. „I’d Start A War For You“ erfreut in gleicher, eleganter „Handschrift“, ein gepflegter Mid-Tempo-Track mit relaxter E-Gitarre und unverkennbar passendem Gesangspart, eine Anspielung auf die frühen Dire Straits.

Ein weiteres Highlight folgt unmittelbar in Form von „Welcome Home“, einer bluesigen Nummer, wobei die jederzeit präsente Solo-Gitarre durch den leichten Harmonica-Sound wirkungsvoll abgelöst wird. Der immer wieder beeindruckende Track „Blackout Fever“, im Bass-lastigen Rhythmus und Harmonie-Gesangs-Stil, ist eine schöne und gefühlvolle Variante aus dem Album „As I Fell“, vielleicht eine Hommage an den ewigen Lou Reed und Velvet Underground.

Dass sogar „fremde“ Stücke den typischen Curse Of Lono-Cinematic Rock bereichern können, zeigt „Goin‘ Out West“ von Tom Waits, das sein eigenes Flair entwickelt und sich hinter dem Original nicht verstecken muss. Ebenso wird „The Affair“ manche an die starken Texte und den sanften Gesang eines Leonard Cohen erinnern, der in diesem ganz persönlichen Format würdig von Felix Bechtholsheimer interpretiert wird.

Auch die vorliegende Version von „Valentine“ besticht im neuen Kleid durch makellose Harmonie-Vocals und eine prägende E-Gitarre, schon jetzt ein Klassiker für jedes Konzert. Dies gilt gleichermaßen für das mitreißende „Way To Mars“, eine Art Soundtrack für einen imaginären Film, der im Story-Telling einen Touch von Bob Dylan offenbart. Diese Qualität setzt sich in „London Rain“, im Stil eines britischen Indie-Folk-Stückes fort, das mit leichter Verneigung Einflüsse der Doors freudig aufnimmt.

Als Kontrast bieten Curse Of Lono danach den weichen, mehrstimmigen Country-Song „Pick Up The Pieces“ an, dessen softe Solo-Rock-Gitarre die ohnehin akustische Wirkung verstärkt. Auch der letzte Titel „Don’t Look Down“, ursprünglich von der LP „Severed“ (2017), hinterlässt durch seinen schwebenden Rhythmus und die anhaltende Intensität als Abschlusstrack einen bleibenden Live-Eindruck.

Curse Of Lono sind weiter gereift und haben auf Tourneen mit Chuck Prophet und Steve Earle wesentlich an Erfahrung gewonnen. Das Album „4am And Counting“ ist ein frühes Meisterwerk einer noch jungen Formation; eine Auswahl individueller, kleiner Songperlen mit Gänsehaut-Live-Charakter. Es ist mehr als nur die Neuaufnahme alter Titel, es ist ein Studio-Konzert, das den Hörer immer wieder vor die Wahl stellt, für eines seiner Lieblingsstücke die Repeat-Taste zu drücken.

Submarine Cat Records (2019)
Stil: Americana, Alternative Rock, Cinematic Rock

Tracklist:
01. Tell Me About Your Love
02. I’d Start A War For You
03. Welcome Home
04. Blackout Fever
05. Goin‘ Out West
06. The Affair
07. Vakentine
08. Way To Mars
09. London Rain
10. Pick Up The Pieces
11. Don’t Look Down

Curse Of Lono
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Robert Jon & The Wreck, 26.06.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Nach einem heißen Southern Rock-Wochenende im wahrsten Sinne des Wortes, vor einigen Tagen, wo zunächst Robert Jon & The Wreck und am Folgetag Hogjaw dem Krefelder Publikum in der Kulturrampe aufzeigten, wo zur Zeit der Hammer des Genres hängt, machten die Kalifornier noch einmal Stop im Kölner Yard Club.

Bei erneut hochsommerlichen Temperaturen hielten sich die überschaubaren Besucher, aber auch einige Bandmitglieder und Tourmanager Manny Montana zunächst im schönen Außenbereich der Kantine auf. Unter den Besuchern war auch Pille Peerlings, Chef der Kulturrampe in Krefeld, der sagte, dass er nach dem frenetisch gefeierten Konzert in Krefeld, von dem er arbeitsbedingt nur wenig mitbekam, einmal ohne jeden Stress der Musik der des Quintetts beiwohnen wollte. Es kann vorweggenommen werden, dass er nicht enttäuscht werden sollte.

Kurz nach 20 Uhr begaben sich die Fans dann in die Sauna des Yardclubs und die Jungs um Robert Jon sorgten mit „Going Down“ direkt für einen Aufguss. Trotz des geringen Zuschauerzuspruchs, ließen sich Burrison & Co. nicht beeindrucken und legten eine zweiteilige Show hin, in der ein Klassesong den nächsten jagte und die Besucher sogar zum Mittanzen anregte, was bei diesen Temperaturen schon eine Leistung war.

Im ersten Set folgten dann „Hey Hey Mama“,das phantastische „High Time“, in dem Robert Jon Burrison und Henry James ein regelrechtes Gitarrenfeuerwerk entfachten. Der Chef ließ dabei den wild-gelockten Henry immer wieder von der Leine, sodass dieser, wie entfesselt, ein Solo nach dem anderen hinlegte, was zum Teil beim Publikum für ungläubiges Staunen sorgte; war es real, was sich hier abspielte, oder war es nur ein Traum? Man kann sagen, es war träumerische Realität, die eindrucksvoll offerierte, dass hier eine Band auf dem Weg ist, die in die Jahre gekommenen Southern-Dinos abzulösen.

„Makes Me Wanna Yell“, „Take Me Higher“ und „Death Of Me“ standen, wie auch schon die anderen Tracks, für die Qualität ihres Songwritings. Warren Murrel legte nicht nur einen gekonnten Basshintergrund hin, sondern überzeugte auch mit kurzen Soli und eine starke Bühnenpräsenz. Der schmächtige Irrwisch an den Drums, Andrew Espantman bewies, dass er nicht nur Highspeed kann, wo man kaum noch den Drumsticks folgen kann, sondern dass er sich, wenn nötig auch entsprechend zurückhalten kann, um in eher ruhigeren Passagen nicht den Sound zu zertrümmern.

Last but not least Steve Maggiora, der einige Intros zum Teil in psychedelischer in Pink Floydscher Manier hinlegte, sorgte ansonsten für einen vollen kompakten Sound und brachte einige furiose Soli, die zusammen mit dem Gitarrenspiel stark in Richtung der Allman Brothers zu deren Glanzzeiten tendierten.

Mit den jammenden, hammerstarken „Cannonball“ und „Blame It On The Whiskey“ – Robert Jon hatte seinen auf der Bühne stehenden Whiskeybecher mittlerweile geleert – ging es dann in die wohl verdiente Pause für Band als auch die Zuschauer, die alles gegeben hatten und so Zeit hatten, ihre Flüssigkeitstanks, die durch Transpiration geleert waren, wieder aufzufüllen oder kurz mal vor der Kantine frische Luft zu schnappen.

Nach einer etwa 20 minütigen Pause kam zunächst Henry James alleine auf die Bühne und feuerte zunächst ein Solo zu „Witchcraft“ hin, in das sich dann der Rest der Band einklinkte, um jammend in „Something To Remember Me“ hinüberzugleiten. Bei den folgenden „Old Friend“, „Hit Me Like You Mean It“ und den ruhigen „Coming Home“, änderte sich an der Grundausrichtung der Stücke nicht.

Wechselweise Gitarren-Soli von Robert Jon und Henry, brachten die Zuschauer immer wieder zum frenetischen Applaudieren. Im zunächst letzten Song der Show, „Cold Night“, wurde auch rein visuell Extraklasse geboten, als James an der Gitarre und Maggiora an den Keyboards sich Auge in Auge gegenüber stehend duellierten, was damit endete, dass James seine Gitarre mit der Zunge bespielte aber auch Steve das Objekt der Begierde ableckte. Nach dem tosenden Applaus der Fans legten Robert Jon & The Wreck noch ein rockendes „On The Run“ oben drauf. Danach war nach knapp 120 Minuten fulminanten Southern Rocks endgültig, zumindest musikalisch, Feierabend.

Die Musiker ließen es sich allerdings nicht nehmen, mit den wohl gestimmten Fans, noch den einen oder anderen Plausch zu halten, um danach wohlverdient bei Macus Neu im ‚Band und Breakfast‘ den Abend ausklingen zu lassen und Kraft für die noch folgenden Shows zu tanken.

Ein Dank wieder an Marcus für die Akkreditierung, dass sein Mut, auch hierzulande noch nicht so populären Bands, eine Bühne zu geben, in der Hoffnung, dass beim nächsten Mal der Club voller wird, besser noch, die Kantine benötigt wird. Robert Jon & The Wreck hätten es verdient. Vielleicht wird ein Baustein dazu sein, dass die Band im August bei der Mittelmeer Blues Cruise an Bord sein wird und so auch im hiesigen Blätterwald die Aufmerksamkeit bekommt, die sie eigentlich verdient hätte.

Mir hat es wie immer Spaß gemacht, dieser offensichtlich von Show zu Show besser werdenden Band zuzuschauen und zuzuhören und auch vor und nach dem Konzert, den einen oder anderen Smalltalk mit dem gewachsenen Bekanntenkreis zu halten.

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music
Yard Club Köln

Tom Euler – Blues Got My Back – CD-Review

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Erfreulich, dass unser Magazin selbst in US-Staaten wie Virginia einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben scheint. Diesmal wurde uns die neue CD des ‚2018 Winner of the Male Artist of the Year in Jazz/Blues/Soul‘ beim Josie Music Award, Tom Euler, „Blues Got My Back“ zur Begutachtung zugesendet.

Der Protagonist, schnell als ‚the young guy with the old soul‘, für seine Art des Blues-Performens betituliert, hat neben einer EP zuvor „Fool Me Once“, seinen Bekanntheitsgrad durch den Support von Acts wie u. a. Delbert McClinton, Patty LaBelle, Tas Cru oder Thompson Square steigern können.

Auf seinem neuen Silberling „Blues Got My Back“ ist er, wie es sich für einen Solo-Akteur gehört, auch omnipräsent. Er hat die 10 Stücke selbst getextet und komponiert, sowie auch das Gesamtwerk produziert. Selbst ein Bild für das Coverartwork hat er beigesteuert.

Musikalisch unterstützt wird er auf diesem Werk im kleinen Kreis seiner Band mit Lucy Kilpatrick (piano, keyboards, backing vocals), Michael Behlmaar (drums, backing vocals) und Jose’ Roberts (bass, backing vocals). Tom selbst wirkt am Frontmikro und spielt vornehmlich E- und sporadisch Akustikgitarre (am besten zu hören beim abschließenden „Thoughts Of You“).

Das Album, startend mit dem druckvollen Titelsong, bietet Blues Rock immer mit einem gewissen unterschwellen Retro-Charme und dezenten Southern-Flair, wobei mich Euler nicht nur rein äußerlich, sondern auch mit seiner, sich in Tenor-Sphären bewegenden Stimme, an Aynsley Lister erinnert.

Mit unserem Magazin sind die dezent ABB-verwobenen Tracks wie „Bridge You Ain’t Burnt“ oder „Tough Guy“, der Black Crowes-umwehte Rock ’n Roll-Schunkler „Rock N‘ Roll These Days“ (nomen est omen – klasse HT-Piano von Kilpatrick) und das Instrumental „Tricky Business“ (erinnert an Skynyrds „I Know A Little“) sowie das southern-shufflige „More To Life“, als besonders kompatibel einzustufen, der Rest bewegt sich eher in den klassischen Spielarten des Blues (Rocks).

Eulers Stärken liegen natürlich, sonst bräuchte er in diesem Genre wohl auch gar nicht erst vorzusprechen, in seinem dynamischen E-Gitarrenspiel. Auch Lucy Kilpatrick setzt mit diversen Tasteneinlagen einige markante Akzente, während die Leistung der Rhythmusfraktion als solide und ‚mannschaftsdienlich‘ eingestuft werden kann.

Ob Euler sich im großen Haifischbecken der Blues-Szene behaupten kann, wird erst die weitere Zeit zeigen, ein Anfang ist mit „Blues Got My Way“ gemacht. Da wird aber sicherlich noch jede Menge ‚Klinkenputzen‘ auf ihn zukommen. Southern Rock-Freunde können unbesorgt mal reinschnuppern und sich ihr eigenes Urteil bilden.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues Rock

01. Blues Got My Back
02. Bridge You Ain’t Burnt
03. Played Your Part
04. Rock N‘ Roll These Days
05. Broken Soul
06. Forgive Me
07. Tricky Business
08. Tough Guy
09. More To Life
10. Thoughts of You

Tom Euler
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Gov’t Mule – Bring On The Music – Live At The Capitol Theatre- CD/DVD-Review

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Review: Gernot Mangold

Zum 25-jährigen Bestehen der Southern Rocker um Mastermind Warren Haynes, beschenkt die Mascot Label Group Maultier-Fans mit einem ganz besonderen Leckerbissen. Am 27. und 28. April des letzten Jahres spielte das Quartett an zwei aufeinander folgenden Tagen im Capitol Theater in Port Cester.

Im Gegensatz zu vielen Livealben anderer Künstler entschloss man sich lobenswerter Weise nicht dazu, die am besten aufgenommenen Songs zweier Konzerte zu mixen und als Beilage ein nahezu identisches Material als Konzertfilm auf DVD dazu zu packen.

Wie auf ihren vielen Touren üblich, spielten Gov’t Mule an diesen zwei Abenden zwei stark voneinander abweichende Programme, was sie auch von anderen Bands des Genres unterscheidet, die seit Jahrzehnten nahezu identische Setlisten abspulen. Diese Kreativität spiegelt sich auch im Konzept der Box mit je zwei CDs und DVDs wider. Auf den CDs befinden sich die Songs des ersten Tages, die DVDs zeigen den Mitschnitt des zweiten Tags und den Fans werden jeweils etwa zweieinhalb Stunden Livemusik der Extraklasse geboten.

Auf die einzelnen Songs einzugehen würde absolut den Rahmen sprengen. Die fast fünf Stunden Musik beinhalten Songs aller Schaffensphasen und von fast allen Studioalben vom 1995er Debüt bis zum 2017 erschienenen letzten Werk „Revolution Come, Revolution Go“ mit dem gleichnamigen Titelsong.

Warren Haynes an der Gitarre/Gesang, Matt Abts am Schlagzeug, Danny Louis an den Keyboards/Gitarre und Gesang sowie Jorgen Carlsson am Bass präsentieren sich dabei in absoluter Hochform und zeigen, dass die Band noch lange nicht als altes Eisen gesehen werden kann, sondern eher auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt zu sein scheint.

Haynes glänzt, wie nicht anders zu erwarten, mit fulminantem, abwechslungsreichen Gitarrenspiel, Er zählt nicht umsonst zu den Besten des Southern- und Blues Rock-Fachs. Auch stimmlich hat er in den Jahrzehnten seiner Karriere nichts von seiner Dynamik und Klarheit eingebüßt.

Danny Louis ergänzt das Soundvolumen entweder als zweiter Gitarrist oder zaubert an den Keyboards Klangteppiche oder sorgt mit fulminanten Soli für einen zum Teil auch psychedelischen Touch der Songs, ohne dabei den Southern Rock aus den Augen zu verlieren. Das Rhythmus-Duo Abts mit zum Teil treibendem Spiel, aber auch gefühlvoll akzentuierten Einsatz der Drumsticks und Basser Jorgen Carlsson legt die grandiose Basis, auf dem sich Haynes an der Gitarre nach Belieben in mehreren jammenden Sequenzen austoben kann.

Neben der Qualität der Band ist aber auch die Aufnahmequalität des Sounds beachtlich, dass es eine Freude ist, sich der Liveathmosphäre hinzugeben, die perfekt widergespiegelt wird. Als Anspieltipp sei insbesondere eine phantastische Version von „Endless Parade“ auf CD 2 empfohlen, wobei auch jeder andere Track gewählt werden könnte, um diese Box schmackhaft zu machen.

Interessant ist auch die DVD, die zunächst mit Warren Haynes beginnt, wie er in einem Backstage-Bereich an seiner halbakustischen Gibson zupfend über Musik philosophiert, um dann nach kurzer Zeit, wie in alten Musikfilmen zunächst wild, psychedelisch anmutend, kurze Sequenzen von Gov’t Mule einzublenden. Danach folgt ein Konzertmitschnitt, der durch viele verschiedene Kameraeinstellungen, dieses Konzert auf besonders beeindruckende Weise einfängt.

Mit diesem Livealbum ist es Gov’t Mule gelungen, einen Meilenstein der Southern-Rock-Musik hinzulegen, der ihren Ruf als vermutlich zur Zeit kreativste Genretruppe untermauert, was aber nicht die Leistung anderer, insbesondere jüngerer Bands schmälern soll. Das, was hier geboten wird, ist einfach Extraklasse und wird nicht nur eingefleischte Fans der Gattung begeistern.

Diese Box macht auf jedem Fall auch neugierig, was Haynes und Kumpanen als nächstes im Studio bringen, aber auch auf die nächsten Live-Auftritte, wobei man da nie vor meist positiven Überraschungen gefeit ist. In diesem Zusammenhang sei das vor Jahren erschienene „The Darkside Of The Mule“ genannt, wo die Band ganz stark alte Pink Floyd-Sachen auf die Bühne brachte.

Anmerkung Red.:
Die Doppel-CD und Doppel-LP werden, wie geplant, am 28. Juni erscheinen, alle weiteren Versionen sind auf den 19. Juli verschoben, siehe dazu in unsere Musiknachrichten.

Provogue (Mascot Label Group) (2019)
Stil: Southern Jam Rock

Disk 1
01. Hammer & Nails
02. Thorazine Shuffle
03. Larger Than Life
04. Forsaken Savior
05. Broke Down On The Brazos
06. Endless Parade
07. Lola Leave Your Light On
08. Blind Man In The Dark
09. Raven Black Night

Disk 2
01. Traveling Tune (alternate version)
02. Stone Cold Rage
03. Whisper In Your Soul
04. Little Toy Brain
05. Trane > Eternity’s Breath > St. Stephen (jam)
06. Pressure Under Fire
07. Fool’s Moon
08. Revolution Come, Revolution Go (alternate version)
09. Bring On The Music

Gov’t Mule
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Fried Goat – Rock N Roll Saves Lives – CD-Review

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Review: Michael Segets

Auf der Webseite von Fried Goat finden sich unter der Rubrik Education Infomaterial über Ziegen sowie einige Rezepte zu deren Zubereitung. Anscheinend verbirgt sich hinter dem Bandnamen eine weitergehende Leidenschaft, über die ich hier nicht spekulieren möchte. Tatsache ist, dass sich Westy Bowen (vocals, guitar), Brian Brittingham (drums), Brian Heinbaugh (vocals, guitar, madolin), Deke Wiggins (lead guitar, vocals) und Ruskin Yeargain (bass, vocals) als Fried Goat zusammengefunden und sich der Rockmusik verschrieben haben.

Dabei wildern sie in unterschiedlichen Stilrichtungen ohne sich auf eine festzulegen. Beim Roots Rocker „Make You Cry“ schwingt ein Hauch Southern Rock mit, ebenso bei „LA Moon“, das wie „Safe From Harm“ etwas poppiger angelegt ist. Anleihen beim Hardrock sind bei „Gumbo Knows“ und „Henry’s Glory“ auszumachen.

Assoziationen zu Neil Young wecken „Rest Again“ und „Rotten Structure“, letztgenanntes vor allem durch die Mundharmonika. Einflüsse der Kinks und des Britpops hört man bei „Circus K“ und „China Made Me“, das mit auffälligen Riffs und verzerrtem Gesang heraussticht. Runde, eingängige Nummern gelingen Fried Goat mit „Ground“ und dem starken „Leaving Ain’t Easy“, bei dem die Band wie bei einigen anderen Titeln auf mehrstimmigen Harmoniegesang setzt.

Mit dem Liebeslied „Anything“ und dem kurzen Intermezzo akustischer Gitarren „It’s Been A Good Run“ finden sich zwei ruhigere Titel auf der CD. Hervorzuheben sind „Face Tattoo Blues“, das auf interessante Weise mit dem Tempo spielt, und der Country-Song „Long Goodbye“. Einer Textzeile von ihm ist der Albumname entnommen. Klasse ist hier das Bar-Piano.

Highlight der Veröffentlichung stellt für mich die Cover-Version von „Light Of Day“ dar. Fried Goat machen aus dem krachenden Rocker, der von Bruce Springsteen stammt und den Joan Jett And The Blackhearts ursprünglich performten, eine intensive akustische Ballade. Sollten Springsteen oder Jett die Interpretation hören, würde sie ihnen gefallen, vermutet Deke Wiggins während der „Apartment Sessions“. Auf der Homepage und auf YouTube steht für eine begrenzte Zeit das gut einstündige Video über das aktuelle Album online, bei der die Bandmitglieder die einzelnen Songs kommentieren und einige Tracks anspielen.

„Rock N Roll Saves Lives“ ist der dritte Longplayer von Fried Goat, der mit 16 Tracks die Bezeichnung auch wirklich verdient. Die Band bedient sich bei unterschiedlichen Stilrichtungen des Rocks und hütet sich dabei vor Extremen. Die CD ist daher durchgängig gut hörbar. Wer musikalisch breiter aufgestellt ist, wird Freude an dem Album haben. Wer in seinem Geschmack etwas spezialisierter in Richtung Roots oder Southern Rock ist, wird zumindest eine Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot treffen können.

Outhouse Vinyl/Two Side Moon (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. LA Moon
02. China Made Me
03. Anything
04. Rest Again
05. Rotten Structure
06. Long Goodbye
07. Make You Cry
08. Face Tattoo Blues
09. Leaving Ain’t Easy
10. Ground
11. Circus K
12. Gumbo Knows
13. Safe From Harm
14. It’s Been A Good Run
15. Henry’s Glory
16. Light Of Day

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Hogjaw, 22.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nachdem Robert Jon & The Wreck am Vorabend mit feiner Leistung, weitere Standards im heutigen New Southern Rock-Bereich gesetzt hatten, war es einen Tag später den Elefanten im Genre-Porzellan-Laden, Hogjaw, vorbehalten, die frisch renovierte Kulturrampe, in Scherben zu zerlegen.

Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings hatte die vier Amis aus Phoenix, Arizona, um ihren wuchtigen Fronter Jonboat Jones, als Dampfwalze angekündigt und die kamen dann dieser im Verlauf des Gigs auch mit der gebührenden Vehemenz nach.

Direkt mit dem wüsten Opener „Rollin‘ Thunder“, gab es schon ordentlich Zunder. Gas und nochmals Gas, schien das Motto zu sein, das Jonboat Jones für die nächsten Tracks unter seiner Regie wie „Beast Of Burden (Roll On)“, „Where Have You Gone“ und „Brown Water“ ausgegeben zu haben schien. Drummer J. ‚Kwall‘ Kowalski wirbelte schon hier wie das ‚Animal‘ von der Muppets-Show auf seiner Anlage herum.

Bei „North Carolina Way“ übernahm Lead-Gitarrsit Jimmy Rose das Front-Mikro, eines meiner Highlights des Konzerts (leider nur einmalig – könnte gerne öfter singen). Das atmosphärische „I Will Remain“ bot das erste Mal, wenn man das bei Hogjaw überhaupt so formulieren kann, dezenten Spielraum zum Durchatmen.

„Hells Half Way Of Mine“ erinnerte, wie so manch anderes auch, an Molly Hatchet zu „Flirtin‘ With Disaster“-Glanz-Zeiten. Beim Ted Nugent-umwehten „Am I Wrong“ konnte sich nun auch Kwall leadgesangstechnisch einbringen (später nochmal bei „Road Of Fools“), er zog danach auch immer mehr die Ansagen vor den Stücken an sich. Das überragende „County Line“, mit einer schier nicht enden wollenden Jam-Schlacht (mit Twins und allem Southern-Drum und Dran), trieb allen Anwesenden die Schweißtropfen auf die Stirn, sodass selbst ich kurzzeitig, zwecks Biernachschub, meinen angestammten Platz verlassen musste.

Das Titellied vom letzten Studioalbum „Way Down Yonder“ (mit launiger Publikums-Mitschrei-Interaktion), das tolle „Redemption“, das fulminant abgehende „Never Surrender“, „Road Of Fools“ und der Stampfer „El Camino“ schmetterten in Richtung Schlussgerade.

Zum letzten Track des Hauptteils fiel mir spontan folgende fiktive Geschichte ein, die, frei übersetzt, in etwa so verlaufen hätte sein können: Elvis Hogjaw nach dem Konzert mit einem Fairtrade-Sakko-bekleideten Zottelhaar- und Bartträger am Stehtisch. Der hat ein Glas Bio-Leitungswasser in der Hand und sagt mit noch leicht gerötetem Kopf: „Herr Elvis, I bin der Toni Holzleitner von den Grünen.“

Jetzt schon hoch erregt: „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass meine Partei in Deutschland, das Verherrlichen von Waffen, aufs Schärfste verurteilt!“ Dann völlig außer sich: „Hier hat die Bundesregierung inklusiv des Innenministers, auf ganzer Linie, grenzenlos versagt!“ Elvis Hogjaw (kopfschüttelnd einen saftigen Schluck aus der Bierpulle nehmend): „Toni, Gi tsum Teufel…!“

Der verlässt den Tisch echauffiert, kehrt zu seiner Begleiterin Kathrin Boring-Eckzahn zurück an die Theke und bestellt völlig konsterniert zwei ‚Berliner Weiße mit Schuss‘. Die (Nase rümpfend) in ihrer berühmt arrogant-herablassenden Art: „Mensch Anton, dich kann man wirklich nur vom Hof jagen!“

„Gitsum“, immer wieder schön zu hören, nicht nur am Ostermontag, sondern auch an diesem Abend, der Klassiker der Band (wer ihn noch nicht kennt und in der Lage ist, manches nicht ganz so bierernst zu nehmen, siehe nebenstehenden Link).

Als das Quartett mit „This Whiskey“ noch einen weiteren hymnischen Song mit langem Gitarrenfinish als Zugabe losließ, wusste man, das die Männer um Jonboat Jones alles gegeben hatten und sich den Gang in den Theken-/Merch-Bereich mit kühlen Drinks mehr als wohl verdient hatten. Die Rampe hatte, bildlich gesehen, dem ‚Up In Flames‘-Tour-Motto getreu, buchstäblich in Flammen gestanden.

Aus meiner Sicht der bisher mit Abstand stärkste Gig, den ich von Hogjaw gesehen hab. Ein weiterer unvergessener Southern Hard Rock-Abend in Krefelds Kultclub!

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals, lead vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Hogjaw
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Robert Jon & The Wreck, 21.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Gerade in den Tagen, wo Lynyrd Skynyrd, nochmal einen mustergültigen Versuch gestartet haben, den letzten verklärten Southern Rock-Fans in Deutschland mit ihrem unsäglichen Coverprogramm von sich selbst, noch einige Euronen aus der Tasche zu ziehen (Ronnie Van Zant wird sich angesichts des lieblosen Treibens wohl vermutlich ständig im Grabe rumdrehen…), tut es gut zu wissen, dass es auch noch diverse hungrige und kreative Acts im Genre gibt, bei denen monetäre Aspekte, zunächst mal, hinten angestellt werden.

Ein Glücksfall hierbei sind Robert Jon & The Wreck, deren wirklich famose Entwicklung ich von Anfang an mitverfolgt habe. Mit begonnen hat ihre Geschichte zweifellos an dem Ort, wohin sie jetzt zum wiederholten Male zurückgekehrt sind, unserer geliebten Kulturrampe. Auch nicht zu vergessen der lange Atem und der Glaube an die Kalifornier seitens Teenage Head Music, der sich mittlerweile immer mehr zu rentieren scheint.

Zunächst wurde aber zu Konzertbeginn, Rampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings in seiner frisch renovierten Location, mit einem Ständchen zum 50-jährigen Geburtstag, lauthals beglückwünscht. Nach seiner Ansage gab das Quintett um seinen charismatischen Leader Jon Burrison mit „Going Down“ vom neuen Werk „Take Me Higher“ sofort Vollgas.

Das schöne an den Jungs: Trotz kontinuierlicher Präsenz bei uns, schaffen es die Kalifornier bisher immer wieder, neue Akzente zu setzen. Letztes Mal war es die brillante Einführung der Neumitglieder Warren Murrel und des Leadgitarristen Harry James, jetzt halt wieder mit einer neuen Scheibe mit Eigenkreationen, die dann mit Tracks wie u. a. „Makes Me Wanna Yell“, „Take Me Higher“, „Something To Remember Me by“ und „Coming Home“ gebührend vorgestellt wurde. Und auch spielerisch scheint die Truppe erneut eine kleine Schippe oben drauf gelegt zu haben.

Whiskey-Liebhaber Robert Jon (superbe vokale Präsenz, tolle Gitarrenzuarbeit) und Keyboarder Steve Maggiora (mit gewohnt variablen Keys-Einsätzen) bilden das erfahrene Grundgerüst, die beiden ‚Hungerhaken‘ Henry James, diesmal mit etwas gestutzter Afro-Mähne, wieder in hippiesker Montur (mit unzähligen konventionellen als auch Slide-Soli) und Drummer Andrew Espantman (was für  ein Trommelwirbler) sorgen mit der treibenden Bedienung ihrer Instrumente, für den immensen Drive, der das Kollektiv letztendlich so auszeichnet, und der fleißig zupfende Bassist Warren Murrell tummelt sich vergnügt irgendwo mitten drin.

Die Stücke „Cannonball“ und „Whipping Post“ zum Ende des ersten, beziehungsweise Beginn des zweiten Sets, boten rein instrumentelle Finesse und Spielfreude pur im allmanesken Ambiente. Das herrliche „Old Friend“, das fantastische „Cold Night“ (der wie entfesselt spielende James nicht mehr zu bremsen) gegen Ende und die beiden Zugaben „Mary Anne“ sowie „On The Run“ hatten die Rampenbesucher längst zu frenetischen Begeisterungsstürmen hingerissen.

Ganz großes Southern Rock-Kino in der aufgehübschten Kulturrampe. Lynyrd Skynyrd war gestern, die Zukunft des Genres müsste, wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gibt, eigentlich Robert Jon & The Wreck vorbehalten sein!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

UFO – 20.06.2019, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Im Rahmen der ‚Last Orders‘-Tour kamen UFO an einem frühsommerlichen Abend auch in die Kantine im Kölner Norden. Diese Tour zum 50-jährigen Bandjubiläum, bildet, wie der Name es schon suggeriert, vermutlich den Abschluss einer der erfolgreichsten englischen Hard Rock-Vertreter der ersten Stunden. Somit kam aus diesem Grund eine gewisse Wehmut auf, aber auch, weil Paul Raymond, langjähriger Keyboarder und Gitarrist der Band, kurz nach den ersten Auftritten überraschend verstorben war und zunächst nicht klar war, ob fortgesetzt werden würde.

In einem Statement vor einigen Wochen wurde dann aber mitgeteilt, dass es im Sinne Raymonds, einem absolut sympatischen Musiker und Menschen, weitergeht. An den Keyboards und der Gitarre sprang Neil Carter ein, der schon 1980 -1983 bei UFO spielte.

Kurz nach 20:00 Uhr dunkelte sich die Halle ab und es erklangen die Töne des Alex Harvey-Klassikers „Faith Healer“, um dann das Tourlogo hell anzustrahlen: Ein im Zentrum stilisierter Kronkorken samt Logo, dem Tourtitel und der Zeitspanne des Bestehens. Daneben strahlte ein Spot auf eine Glocke, die auf einem der Verstärker platziert war und diese letzte ‚Bestellung‘ der Fans eingeläutet wurde.

Nachdem das Quintett die Bühne betreten hatte und Moog kurz die Fans begrüßt hatte, ging es direkt hardrockend mit „Mother Mary“ los. Andy Parker an den Drums und Rob de Luca erzeugten einen hämmernden Rhythmus in die Kantine, in der der Sound laut, aber differenziert ausgesteuert war. Moore legte furiose Soli hin und zeigte sich, wie die anderen Mitglieder, bestens gelaunt und spielfreudig.

Unterstützt wurde er zunächst von Neil Carter, der zumeist als Rhythmusgitarrist fungierte, später aber auch starke Keyboardpassagen beisteuerte. Über den mittlerweile 73-jährigen Phil Mogg kann man nur staunen. Drahtig und charismatisch zeigte der Fronter, dass man auch in seinem Alter noch die Töne entsprechend treffen kann und man ihn, obwohl er sich demnächst zurückziehen wird, noch lange nicht zum alten Eisen zählen darf.

Nach dem Klassiker „Mother Mary“, der auch Bestandteil des legendären „Strangers In The Night“-Livealbums war, kamen mit „We Belong To The Night“ vom 82er Album „Mechanix“ und dem relativ neuen „Run Boys Run“ von „A Conspiracy Of Stars“, zwei klassische Nummern, die für die entsprechende Stimmung in der recht gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Kantine sorgten.

Vor dem nächsten Track stellte ein Crew-Mitglied eine Akustikgitarre an einem Ständer auf die linke Seite der Bühne, auf der sich zuvor Moore an seiner elektrischen Gitarre ausgetobt hatte. Es folgte einer der vielen Höhepunkte des Konzertes. Bei lila Licht begann Vinnie das akustische Intro von „Venus“ von „Walk On Water“ aus dem Jahr 1995, später einsetzend mit gefühlvollen Gesangspassagen, um die Ruhe des Songs immer wieder dann mit seiner E-Gitarre infernalisch zu durchbrechen.

Mit „Lights Out“ aus dem Jahr 1977, folgte ein absoluter Kracher, den viele auch wahrscheinlich als Rausschmeißer erwartet hätten. Hämmernde Bassläufe von Rob de Luca und ein Gewitter vom sehr agilen Any Parker legten eine Basis, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenn man es so will, gingen nach dem Konzert in der Kölner Kantine, die UFO-Lichter vermutlich auch für immer aus.

Moore und Carter bespielten auf dieser Grundlage im Highspeed ihre Gitarren und zeigten, warum UFO in der damaligen Zeit einer der besten Acts ihrer Sparte waren und auch bis heute geblieben sind. Über die gesanglichen Stärken Moogs, der seine Fähigkeiten bis ins Jetzt transportiert hat, ist eingangs schon alles gesagt worden.

Zwischen den Stücken gab er den gut gelaunten Entertainer und nahm sich auch selbst mal auf die Schippe. Ich erinnere mich, als er vor einem Song etwas verwirrt tat, welcher Song denn folgen sollte und bemerkte, dass er ja zum Glück nur nach unten sauf die Tracklist am Boden schauen müsste. Vielleicht auch eine Anspielung auf sein Alter und dass es besser sei aufzuhören, bevor es peinlich wird.

Mit „Baby Blue“ von „You Are Here“ aus 2004 wurde es wieder ruhiger. Akustische Klänge von Moore, Keyboardwolken Carters, gefühlvoller Gesang und eine zurückhaltende Rhythmussektion zeichneten diesen Song in weiten Teilen aus, wobei er von Gitarrenpassagen mit balladeskem Solo von Moore durchbrochen wurde.

Danach nahm das Konzert aber direkt wieder Fahrt auf. „Only You Can Rock Me“ aus dem Jahr 1978 von „Obsession“, später auch in „Strangers In The Night“ live eingespielt, brachte die Halle zum Kochen.

Mit „Burn Your House Down“ begab sich die Briten auf einen Zeitsprung ins Jahr 2012. Wenn man den Titel des Songs sprichwörtlich nimmt, war die Band schon zu diesem Zeitpunkt auf dem besten Wege die Hütte abzubrennen. Danach ging es bis zum Ende des Gigs in die ganz früheren Phasen der Bandgeschichte.

Mit dem eher langsamen, aber trotzdem rockenden „Cherry“ wurde „Love To Love“ eingeläutet. Ich hatte hier den Eindruck, dass Carter mit seinen Blicken die Decke der Halle durchbrechen wollte, um Richtung Raymonds im Himmel zu schauen, da dieser bei diesem Song früher seine eindrucksvollsten Passagen hatte.

Diese zum Teil träumerisch vorgetragene Ballade entwickelte sich im Laufe des Liedes in eine Härte, die ich zuvor bisher so nicht wahrgenommen hatte. Absolute Spitzenklasse, mit welcher Dynamik die Band ihre Instrumente dabei bearbeitete. um immer wieder beim eigentlichen Grundrhythmus des Songs wieder anzukommen. „Makin‘ Moves“ brachte die Besucher im Highspeed in Bewegung, und wenn es nur das Bewegen des Kopfes war.

Mit dem Klassiker „Too Hot To Handle“, wurde das Ende des Konzertes eingeläutet. Die Band ließ es sich aber nicht nehmen, dem Publikum, das den Auftritt bisher frenetisch gefeiert hatte, noch eine ‚Last Order‘ zu gewähren, die mit einem galaktisch gespielten „Rock Bottom“ begann, wo sich scheinbar nicht endend, ein Gitarrensolo an das nächste reihte und auch Moog seine gut geölte Stimme noch nicht verloren hatte.

Moore bespielte seine Gitarre zum Teil über und hinter dem Kopf, Carter und de Luca trafen sich immer wieder auf der Bühne, um direkt gegenüberstehend, kurze Soli einzuwerfen oder auch zu posen. Auch Parker steuerte kurze Intermezzi bei, während Moog, der zu weiten Teilen ‚arbeitslos’war, mit seinem Mikrfonständer über die Bühne wirbelte. Topfit der ‚Alte Mann‘ des Hard Rocks!

Kein UFO Konzert, ohne dass der Arzt kommt. Schon beim ersten Ton auf der rot ausgeleuchteten Bühne, feierte das Publikum ein stark und hart vorgetragenes „Doctor Doctor“, dem zum Abschluss noch „Shoot Shoot“ folgte. Moore hatte sich zu diesem Song einen Cowboyhut auf seine wallende Mähne gesetzt und es folgte ein kräftig gespielter Rausschmeißer, in dem er zum Teil Soli spielte, die im Ansatz an klassische Sachen des Southern-Szene, Richtung Allman Brothers, erinnerten.

Nach etwa 100 Minuten war dann der letzte Song gereicht und die Halle begann sich zu leeren. Man konnte in zufriedene Gesichter blicken, die noch einmal bei einem der letzten Auftritte einer der größten Hard Rock-Bands ‚ever‘, zugegen gewesen sind. Wer die Chance hat, eines der noch folgenden Konzerte zu besuchen, sollte sich diese nicht entgehen lassen, in der eine alte Band zeigt, dass man auch mit zig Jahren auf dem Buckel, immer noch dynamisch und mit einer fast jugendlichen Spielfreude, ein Publikum begeistern kann.

Hervorzuheben ist auch der gut abgemischte Sound und ein Lichttechniker, dem es gelungen ist, passend zu Dramaturgie des Konzertes, das Bühnenbild entsprechend zu illuminieren.

Ein Dank auch an Marcus Neu von der Kantine, der mit dem Veranstalter alles regelte, sodass wir über dieses Konzert in Wort und Bild berichten konnten. In eigener Sache auch ein Dank an die Band, die nach der Show noch ein Bild von vor zwei Jahren, aufgenommen im Dortmunder Piano, zeichnete und dem Tourmanager, mit dem ich mich anschließend noch über die Entstehung des Bildes unterhielt. In dem Sinne: Bis Ende Juli in Dortmund, wo ich vermutlich den ‚Last Orders‘ von UFO nochmals nachkommen werde.

Line-up:
Phil Mogg (lead vocals)
Vinnie Moore (electric and acoustic guitars)
Rob de Luca (bass, vocals)
Andy Parker (drums)
Neil Carter (keys, guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kantine Köln
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Lynyrd Skynyrd – Support: Blackberry Smoke – 18.06.2019 – Max-Schmeling-Halle, Berlin – Konzertbilder

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Die Urgesteine des Southern Rokcs machten im Rahmen ihrer in Deutschland drei Gigs umfassenden Last of the Street Survivors Farewell Tour Halt in Berlin. Support waren Blackberry Smoke. Anbei ein paar Impressionen.

Bilder: spreewilder

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Max-Schmeling-Halle Berlin

Reckless Kelly – Bulletproof Live – CD-Review (digital)

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Wenn man sich mit Red Dirt-Rockmusik beschäftigt, kommt man am Namen der Familie Braun nicht vorbei. Deren vier Söhne spielen in gleich zwei maßgeblichen Acts des Genres eine gewichtige Rolle. Und zwar zum einen die beiden jüngeren Micky und Gary bei Micky And The Motorcars, sowie Willy und Cody bei Reckless Kelly.

Bei beiden Bands hatte ich schon mal das Vergnügen, live zugegen zu sein, was allerdings schon längere Zeit her ist. Micky And The Motorcars tauchten 2010 mal völlig überraschend in Duisburg auf, und spielten, weil sie kaum einer kannte, vor einer sehr überschaubaren Anzahl von Leuten.

Bei Reckless Kelly war es anders, die trumpften zu Zeiten, als es noch das tolle Blue Highways Festival im niederländischen Utrecht gab, im großen, prall gefüllten Saal auf, ein Highlight der damaligen Veranstaltung im Jahr 2004.

2008 spielten Reckless Kelly ihr kontrovers angenommenes Album „Bulletproof“ ein, das sich 2018 zum zehnten Mal jährte und im Rahmen ihrer US-Sommer-Tour noch einmal live eingespielt und in gleicher Abfolge zusammengestellt wurde, lediglich ergänzt um den uralten Jimmie Rodgers-„California Blues (Blue Yodel #4)“.

Geboten bekommt man natürlich den typischen Reckless Kelly-Sound mit Willy Brauns charismatischem Gesang. Treibende Red Dirt-Rocksongs, die mit einer Bruce Springsteen-ähnlichen Wucht und Art voranpreschen („Ragged As The Road“, „Love In Her Eyes“, „American Blood“, „Wandering Eye“), aber auch unter die Haut gehende, melancholische Balladen und Ohrwürmer wie „I Never Had A Chance“, „How Was California?“, „Don’t Say Goodbye“, „God Forsaken Town“ sowie das grandiose Titelstück mit seinem furiosem, psychedelisch anmutenden Instrumentalfinale.

Der mittlerweile ausgeschiedene Gitarrist David Albeyta liefert sich herrliche Scharmützel mit Mandolinen- und Fiddle-Spieler Cody Braun. Einen nicht unerheblichen Teil am Gelingen des Projekts haben allerdings auch die omnipräsenten Orgelklänge, die dem RK-Sound ordentliches Zusatz-Volumen verabreichen.

Auch die Harp-Einlage bei „A Guy Like Me“ und sporadische Akkordeon-Klänge bei „I Never Had A Chance“ und dem Jimmie Rodgers-Stück (zweifach integrierte Solokombi aus Fiddle, E -Gitarre und Akkordeon), bieten immer wieder herrliche Farbtupfer.

„Bulletproof Live“ huldigt in würdiger Weise ein vergangenes Kapitel der Texaner und bietet einen schönen Vorgeschmack auf die anstehenden Live-Termine. Es erscheint am 21. Juni in digitaler Form. Warum der Westen bei der Tour dieser tollen Truppe leider nur im abgelegenen musikalischen Niemandsland berücksichtigt wurde, bleibt allerdings das Geheimnis der federführenden Booking-Agentur.

Reckless Kelly auf Tour ab 27. Juni:
27.06. Eppstein, Wunderbar Weite Welt
28.06. Neustadt an der Weinstrasse, Kulturhalle Lachen
29.06. Bad Rappenau, Schlosshof Bonfeld
01.07. Arnstadt, Kulisse
02.07. Olsberg, Linie 73 Alter Bahnhof Bigge
03.07. Nürnberg, Kuenstlerhaus Kantine
04.07. Hamburg-Bergedorf, Club am Donnerstag
05.07. Isernhagen, Blues Garage
06.07. Lauchhammer, Real Music

No Big Deal Records (2019)
Stil: Country Rock/ Red Dirt

01. Ragged As The Road
02. You Don’t Have To Stay Forever
03. Love In Her Eyes
04. Passin‘ Through
05. I Never Had A Chance
06. One False Move
07. A Guy Like Me
08. American Blood
09. How Was California?
10. California Blues (Blue Yodel #4)
11. Mirage
12. Don’t Say Goodbye
13. God Forsaken Town
14. Wandering Eye
15. Bulletproof

Reckless Kelly
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