The Hitman Blues Band – Not My Circus, Not My Monkey – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

The Hitman Blues Band zählt nicht unbedingt zu den produktivsten Bands ihres Fachs. Die Truppe wurde bereits 1989 in New York von Russel „Hitman“ Alexander ins Leben gerufen. Aber erst im Jahr 2000 erschien ihr erstes Album „Blooztown“ und nun, 21 Jahre später, kam im März ihr siebtes Album „Not My Circus, Not My Monkey“ heraus.

Aktuell besteht die Band aus insgesamt, man staune, zwölf Musikern! Sie dürfen also getrost als Bigband bezeichnet werden, nicht zuletzt auch wegen der zahlreichen zur Band gehörenden Bläser, die durchaus stilprägend sind und die vielen der Songs, einen klassischen Soul-Charakter verleihen. Am Besten lässt sich die Mucke der Hitman Blues Band wohl als eine Mischung aus Blues, Soul und R&B bezeichnen, mit Einflüssen von Johnny Winter, B. B. King, den Allman Brothers und Elmore James.

Die Scheibe startet mit dem flotten und hörenswerten Ohrwurm „Not My Circus, Not My Monkey“, der ein wenig an den Sound von Albie Donellys Supercharge erinnert, gefolgt von dem mit einem Saxophon etwas old-school beginnenden, aber ebenfalls in die Beine gehenden „Buy That Man A Drink“. Mit „Nobody’s Fault But Mine“ folgt eine schöne Coverversion eines Songs, der ursprünglich von Blind Willie Johnson stammt, bevor es dann soulig-gospelig mit “John The Revelator“ weitergeht.

„No Place Like Home“ wiederum ist eine pianogetragene traurige Ballade. Ziemlich straight und funky mit rhythmischen Bläsersätzen präsentiert sich der Dylan-Klassiker „The Times They Are A-Changing“ mit einem für diesen Song unerwarteten Arrangement. Schöne Bluesnummern sind „You Can’t Say No“, „You Don’t Understand“ und der herrlich old-school anmutende Slowblues „Everybody But Me“. Dazwischen gibt es noch die schmissige Rock’n’Roll Nummer „Walk With You“. Ihren Abschluss findet die Scheibe schließlich mit dem rockenden „Go Down Fighting“.

Insgesamt haben The Hitman Blues Band mit ihrem siebten Album „Not My Circus, Not My Monkey“ ein schwungvolles und abwechslungsreiches Teil vorgelegt. Vor Energie sprühend und mit treibenden Bläsersätzen, dabei soulig, bluesig und rockig zugleich, wie man es nur selten zu Hören bekommt. Eine rundum geglückte Scheibe, die viel Spaß macht!

Label: Nerus Records
Stil: Blues/Soul/R&B

Tracks:
01. Not My Circus
02. Buy That Man A Drink
03. Nobody’s Fault But Mine
04. John The Revelator
05. No Place Like Home
06. The Times They Are A-Changin‘’
07. You Can’t Say No
08. Walk With You
09. You Don’t Understand
10. Everybody But Me
11. Go Down Fighting

The Hitman Blues Band
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Toto – With A Little Help From My Friends – CD-/Blu-ray-Review

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Auf den ersten Blick mag hier ein Review über Toto sicherlich etwas ungewöhnlich erscheinen, für mich persönlich als Initiator dieses Magazins gibt es allerdings doch diverse Gründe, warum ich mich für eine Rezension ihrer neuen Live-CD-/Blu-ray (edel gestaltetes Klapp-Digipak) entschieden habe.

Zum einen zählen die Kalifornier für mich zu den typischen Bands, die es spätestens mit ihrem damaligen Ersthit „Hold The Line“ samt seines prägnanten Pianointros, in die Beachtung eines jeden Rockfans, egal welcher Couleur, geschafft hatten und dank kontinuierlicher kreativer Leistungen, weiterer Hits und charismatischer Musiker, bis heute eine gewisse Akzeptanz behalten haben.

Dazu habe ich in früheren, weniger spezialisierten Mags als diesem, bei denen ich mitgewirkt habe, ganze viele Scheiben aus diesem Musikdunstkreis mit Freude besprochen.

Einer der beiden eigentlichen Hauptgründe ist allerdings, dass ich dank eines Steve Lukather-Gigs in Bochum, mal einen Musiker der von mir hochgeschätzten Southern Rock-Band Laidlaw, die aus meiner Sicht um die Jahrtausendwende herum, drei vorzügliche Alben kreiert hatten, persönlich kennenlernen durfte. Und zwar deren Mastermind Craig deFalco, der auf dieser Tour als Gitarrentechniker dabei gewesen ist.

Der andere ist unser guter Freund Steve Maggiora, der Keyboarder von unseren bestens bekannten Southern Rock-Lieblingen Robert Jon & The Wreck, der mittlerweile als Neu-Mitglied für das aktuelle Toto-Line-up angeheuert und integriert wurde. Für ihn vermutlich so was wie ein tastentechnischer Ritterschlag.

Apropos neues Toto-Line-up: Unter den Fittichen von Gründer David Paich als musikalischer Direktor wurde um Steve Lukather herum mit einer gelungenen Mischung aus erfahrenen und jungen hungrigen Akteuren, der Beginn einer neuen und nachhaltigen Ära eingeläutet.

Zu den bereits genannten Leuten gesellen sich der auch schon zu früheren Tagen präsente Joseph Williams als Leadsänger mit seiner markanten Tenorstimme, der frühere Huey Lewis And The News-Bassist John Pierce, der Multiinstrumentalist und Sänger Warren Ham (saxophone, percussion, flute), sowie die Ex Ghost-Note-Musiker Dominique „Xavier“ Taplin (früher auch Prince) am ersten Keyboard und Robert „Sput“ Searight am Schlagzeug dazu.

Das für ein globales Streaming Event in Los Angeles aufgezeichnete Konzert gibt es jetzt in den verschiedenen digitalen Formaten zu erwerben, uns liegt, wie bereits oben erwähnt, die CD-/Blu-ray-Variante vor.

Vorab muss leider gesagt werden, dass der Pandemie-bedingte, eingeschränkte äußere Rahmen, den tollen Leistungen der beteiligten Akteure leider nicht gerecht wird. Eine sehr sterile dunkle (Fabrik-) Atmosphäre, ab und ab und zu mal ein paar vereinzelte Klatscher der umstehenden Techniker nach den Liedern, so macht Livemusik sicherlich nur bedingt Spaß.

Die Musiker zeigten sich von dem spartanischen Drumherum allerdings völlig unbeeindruckt. Getragen von der neuen Band-Chemie und der weltweiten Aufmerksamkeit (wenn auch nur an den Bildschirmen), ließen sie ihrer Spielfreude freien Lauf, teilweise in einem wahren Rausch, man höre nur das Ende vom rockigen „White Sister“ mit finalem Drumsolo als Übergang zu „You Are The Flower“ – fantastisch!

So gut wie jeder konnte sich samt seines Instrumentes oder mittels Gesang gebührend einbringen, wenn auch Williams als Hauptleadsänger und Lukather (teilweise Leadgesang) mit seinen unzähligen quirligen E-Gitarren-Soli, natürlich als tragende Säulen fungierten.

Rock, Pop, AOR, Melodic Rock mit vielen progressiven Elementen, die Superhits „Hold The Line“ und „Rosanna“ in famosen Versionen und weitere hochmelodische Songs mit viel Luft für Improvisationen, machen dieses tolle Konzert im Wesentlichen aus.

Am Ende mit dem Hinzugesellen von David Paich sind dann gleich drei Keyboards beim ‚Finale Furioso‘ mit „Rosanna“ und dem Beatles-Hit (bekannt aber eher durch Joe Cocker) „With A Little Help From My Friends“ am Start. Bei letztgenanntem Klassiker mit vielen wechselnden Lead-Gesängen kann besonders Steve Maggiora mit dem berühmten Cocker-Schrei-Part glänzen.

Insgesamt ein trotz des sterilen Rahmens beeindruckendes Musikerlebnis, das die schon immer währende Spielqualität der Kultband bestätigt, und das starke Line-up mit viel Bedacht, und gutem Konzept, in ein neues Zeitalter weiterführt.

Als weitere Menüpunkte gibt es noch den Trailer und eine Dokumentation, bei der alle Beteiligten zur vergangenen, aktuellen und zukünftigen Toto-Historie ausgiebig zu Wort kommen. Besonders darf man allerdings auf die geplante Europa-Tour in 2022 gespannt sein, dann hoffentlich wieder unter normalen Bedingungen,  in ausverkauften Locations und gerne mit Sounds Of South-Berichterstattung…

Mascot Label Group (2021)
Stil: Rock

CD und Blu-ray-Trackliste (identisch):
01. Till The End
02. Hold The Line
03. Pamela
04. Kingdom Of Desire
05. White Sister
06. You Are The Flower
07. I Won’t Hold You Back
08. Stop Loving You
09. Band Introductions
10. Home Of The Brave
11. Rosanna
12. With A Little Help From My Friends

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The Bluesanovas – 17.06.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

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Nach einer schier endlos andauernden Pause in der Kulturrampe konnte mit den Bluesanovas endlich das erste Konzert in 2021 stattfinden. Bedingt durch noch bestehende Coronaregelungen fand es allerdings nicht in der Kulturrampe, sondern openair im nahegelegenen Schlachtgarten statt, womit die Kooperation der beiden Veranstaltungsorte aus dem letzten Jahr eine Fortsetzung fand.

Auch für die jungen Münsteraner war dieser Gig etwas Besonderes. Nach einigen Streamingevents war es der erste Auftritt in Krefeld und der zweite mit Zuschauern in diesem Jahr. Um kurz nach halb neun begrüßte Pille Peerlings zunächst die 100 anwesenden Zuschauer im ausverkauften Schlachtgarten, bei tropisch anmutenden Temperaturen, jenseits der 30 Grad Grenze.

Die letzten schweren kulturfreien Monate wurden noch einmal thematisiert, und der Beginn einer Konzertreihe im Schlachthof proklamiert. Derweil warteten die fünf Musiker schon im Eingangsbereich und betraten nach der Bandankündigung zügig die Bühne, um zunächst einmal ohne Fronter Melvin Schulz instrumental einzuläuten.

Schulz bahnte sich, während seine Mitstreiter schon das Publikum auf Betriebstemperatur brachten, den Weg zur Bühne und dann ging die Post ab. Trotz der hohen Temperaturen blieb das Quintett seinem Stil gerecht und es wurde nicht auf die stylischen Anzüge verzichtet. Die Musiker präsentierten eine Mischung aus Rock’n’Roll- und Bluessongs, welche vorwiegend aus der eigenen Feder stammten.

In dem etwa zweistündigen Konzert, welches in zwei Sets gespielt wurde, untermauerte die Band, dass sie nicht umsonst 2019 den deutschen Blueschallenge gewann und beim internationalen Challenge in Memphis immerhin bis ins Halbfinale kam. Im Vordergrund standen Melvin Schulz, der mit einem gewaltigen Stimmvolumen und so manchem Hüftschwung sowie einem Talent zu Entertainment die Besucher begeistern konnte und Filipe de la Torre, welcher seine Gitarren teils wie ein Derwisch bearbeitete.

Dabei ließen die beiden es sich nicht nehmen, sich von der Bühne in den Publikumsbereich zu begeben, wohl darauf achtend, dass immer zwei Armlängen Platz blieben. Nico Dreier bearbeitete sein Piano zuweilen mit furiosen Soli, aber auch um den Songs eine noch größere Komplexität zu verleihen.

Die Grundlage für die beeindruckenden zwei Stunden legte die Rhythmusformation mit Schlagzeuger Philipp Dreier und Bassist Nikolas Karolewicz, die zuweilen stoisch und ohne großen Schnickschnack den Grundrhythmus vorgab. Etwas fürs Auge waren dabei natürlich die Songs, in denen Karolewicz den Kontrabass bearbeitete.

Als Fazit kann gesagt werden, dass die Bluesanovas für ein begeisterndes Eröffnungskonzert im Schlachtgarten gesorgt haben und alle Erwartungen der Besucher mindestens erfüllen konnten. Aber nicht nur deren, auch wenn man die Gesichter der beiden verantwortlichen Veranstalter Pille Peelings (Kulturrampe) und Kolja Amend (Schlachtgarten) sah, war die Erleichterung, dass endlich wieder Kultur lief und die Freude über den Auftritt, erkennbar.

Ein weiterer Faktor für das gelungene Konzert war natürlich der bestens, durch Malte Menzer abgemischte Sound und die tolle Lichtinszenierung auf der Bühne und dem gesamten Gelände. Hier zeigte sich, dass es sich gelohnt hatte, im Bühnenequipment im Vergleich zum Vorjahr noch einmal nachzulegen. So ist in diesem Sommer noch einiges auf dem schmucken Gelände des Schlachtgartens zu erwarten und es wird unter dem Motto weitergehen:
Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung.

Line-up:
Melvin Schulz – lead vocals
Filipe de la Torre – guitar
Nico Dreier – piano
Nikolas Karolewicz – bass
Philipp Dreier – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe Krefeld
Schlachtgarten Krefeld

Vincent Neil Emerson– Same – CD-Review

cover Vincent Neal Emerson - Vincent Neal Emerson 300

Review: Michael Segets

Der zweite Longplayer von Vincent Neil Emerson ist im Vergleich zu seinem Debüt „Fried Chicken & Evil Women“ (2019) eine ruhigere Scheibe geworden, die zwischen Americana und Country changiert. Neben der Bluegrass-Nummer „High On The Mountain“ und dem beschwingten „Saddle Up And Tamed“ stößt lediglich der Opener “Texas Moon” in eine Midtempo-Region vor. Die übrigen Tracks sind balladesk gehalten.

Der Sound der Scheibe klingt handgemacht, was zum einen an der akustischen Instrumentierung liegt. zum anderen an dem unaufgeregten Gesang, der deutlich im Vordergrund steht. Bei der Begleitung dominiert oftmals die Geige, während beispielsweise bei „Deptor‘s Blues“ eine Orgel den Hintergrund ausfüllt. Gelegentlich treten Flöten („White Horse Saloon“) oder Harmoniegesänge („Durango“) hinzu.

Die Stücke wirken im besten Sinne klassisch: Beim folkigen „High On Gettin‘ By“ schwingt etwas von Townes van Zandt mit, „Ripplin‘ And Wild“ erinnert an Guy Clark. Emerson reiht sich mit seinen Songs nahtlos in die Singer/Songwriter-Tradition des Country ein. Er selbst zählt Steve Earle zu seinen Inspirationsquellen.

Wirkliche Geniestreiche gelingen Vincent Neil Emerson mit der Single „Learnin‘ To Drown“ und mit „The Ballard Of The Choctaw-Apache“. Beim ersten kommt BJ Barham als Vergleich hinsichtlich des Songwritings und beim zweiten – aufgrund der thematischen Nähe und der Intensität der Performance – Jason Ringenberg in den Sinn. In den Texten beider Songs greift Emerson auf seine Familiengeschichte zurück.

In „Learning To Drown“ schildert er die Lebenssituation nach dem Selbstmord seines Vaters. In „The Ballard Of The Choctaw-Apache“ prangert er die Enteignungen von Indianergebieten in den 1960ern an. In seinem Stammbaum finden sich mütterlicherseits indigene Wurzeln. Der Song ist der einzige mit einer politischen oder gesellschaftlichen Aussage auf dem Longplayer, ansonsten kreisen seine Themen um autobiographische Erlebnisse oder persönliche Gefühlslagen.

Emersons Texte zeugen von einer hohen Sensibilität für literarische Gestaltungen. In Verbindung mit der klaren Struktur seiner Songs erzielt er so ein hohes Maß an Authentizität. Die Stücke sind während der Pandemie entstanden, in der er die Zeit nutzte, um Stationen seiner Lebensgeschichte aufzuarbeiten. Das Album ist daher nach eigener Aussage weitaus persönlicher als sein Debüt.

Bevor das Konzertleben zum erliegen kam, tourte Emerson ausgiebig, u. a. mit seinem Freund Colter Wall, mit den Turnpike Troubadours oder Charley Crockett. Crockett coverte für die CD „The Valley“ (2019) Emersons „7 Come 11“, das dort zu den beeindruckenden Titeln zählt. Emerson bereichert mit seinen Songs die New Traditional Country-Szene und reiht sich dort in die Riege der bereits etablierten Musiker ein.

Dabei unterschiedet er sich von Crockett dadurch, dass seine Songs weniger retro erscheinen. Im Gegensatz zu Wall bleibt Emerson auf seinem zweiten Album in geringerem Maße den Country-Rhythmen verhaftet. Als Produzenten für seinen Longplayer konnte er Rodney Cowell (Emmylou Harris, Rosanne Cash) gewinnen.

Mit Vincent Neil Emerson gewinnt die aktuelle Generation der Texas Singer/Songwriter einen weiteren kreativen Kopf, dem es gelingt, Traditionen authentisch fortzuschreiben ohne in diesen gefangen zu sein. Auf seinem zweiten Album gewährt Emerson einen tieferen Einblick in seine Gedankenwelt als zuvor und kleidet diesen in ausdrucksstarke Texte. Als Anspieltipps seien „Learnin’ To Drown“ und „The Ballard Of The Choctaw-Apache“ empfohlen.

La Honda Records – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. Texas Moon
02. Debtor’s Blues
03. High On The Mountain
04. Learnin’ To Drown
05. Ripplin’ And Wild
06. Durango
07. The Ballard Of The Choctaw-Apache
08. White Horse Saloon
09. High On Gettin’ By
10. Saddled Up And Tamed

Vincent Neil Emerson
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Sons Of Liberty – Aces & Eights – CD-Review

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Vor gut drei Jahren hatte uns die Formation Sons Of Liberty mit ihrer EP „…Shinola“ sehr positiv überrascht und bewiesen, dass Briten nebst Blues- und Hard Rock, durchaus auch Southern Rock ganz gut umsetzen können.

Diesmal pokert der Fünfer eindeutig höher und legt mit „Aces & Eights“ einen mit zwölf Stücken gefüllten Longplayer vor, der eine klar erkennbare Weiterentwicklung offenbart. Auch hier sieht man mal wieder, wie wichtig es manchmal sein kann, einen guten Produzenten mit an den Tisch zu holen, wie es in diesem Fall mit Josiah J Manning passiert ist,  der auch schon uns bestens bekannte Acts wie die Kris Barras Band oder Wille & The Bandits unter seinen Fittichen hatte.

Nicht nur durch die Stimmähnlichkeit von Fronter Rob Cooksley zu Phil McCormack wird eine große Affinität zu härteren Vertretern des Genres deutlich. Ohne Zweifel fühlen sich er und seine Kollegen Fred Hale, Andy ‚Moose‘ Muse (beide bilden ein starkes, SR-festes Gitarrenduo) sowie Mark Thomas (Bass) und Steve Byrne (Drums – ein echter Rumpolterer) besonders zum Boogie-trächtigen Sound von Molly Hatchet hingezogen.

Beste Beispiele sind neben der überwiegend verwendeten, treibend-harten Hatchet-Grund-Gangart, Tracks wie „Don’t Hide Behind Your Weakness“, „Beef Jerky Boogie“, „Doc’s Remedy“, „I Come In Peace“ oder „Dead Man’s Hand“, die voller Reminiszenzen von Songs wie „Dreams I’ll Never See“, „Beatin‘ The Odds“, „Flirtin‘ With Disaster“, „It’s All Over Now“ oder „The Journey“ gespickt sind. Klassischen Southern Rock bietet das gelungene abwechslungsreiche „Texas Hill Country“.

Der Opener „Ruby Starr„, die Lead-Single „Damaged Reputation„, das herrliche „Fire & Gasoline“, und „Lights Are On“ im Stile von Größen wie Great White, AC/DC, Cinderella & Co. dürften dazu aussichtsreiche Bewerbungsvorlagen als Anheizer mit Headbang-Garantie für kommende Open-Air-Hard- und Heavy Rock-Festivals abgeben. Nichtsdestotrotz dürften die Jungs ebenso ein Garant für einen launiges Clubkonzert mit feucht-fröhlichem Anschluss sein.

Dass man aber nicht immer gleich mit dem Schlaghammer ins Haus fallen muss, offerieren die zum Teil episch und atmosphärisch anmutenden „Black Blizzard“  oder „I Come In Peace“.

Auch wenn das abschließende ZZ Top-/Skynyrd-destillierte „Whiskey Is My Vaccine“  (ja wer braucht da eigentlich überhaupt noch Biontech?) sicherlich eines der Highlights des Werkes darstellt, hätte ich es persönlich mit „I Come In Peace“ in der Reihenfolge getauscht.

Der emotional packende Song hätte zum krönenden Abschluss meiner Ansicht nach mit angefügtem typischen E-Gitarrenfinish zu einer absoluten Southern Rock-Hymne avancieren und zu einem echten Trademark der Band werden können. Dies schmälert aber den sehr guten Gesamteindruck des Albums nicht wirklich.

Selbst wenn auf dem gelungenen Coverbild von „Aces & Eights“ nicht alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden und es insgesamt keinen Royal Flash gibt, kann man sicher sein, dass die Sons Of Liberty hier ein drittes Ass ‚im Ärmel‘ haben werden. Und ein musikalisches Full House ist ja wohl auch ein guter Grund genug, ein gewieftes Pokerface mit großer Gewinnaussicht aufzusetzen…

Eigenproduktion (2021)
Stil: Southern Hard Rock

01. Ruby Starr
02. Don’t Hide Behind Your Weakness
03. Black Blizzard
04. Beef Jerky Boogie
05. Damaged Reputation
06. Texas Hill Country
07. Fire & Gasoline
08. Doc’s Remedy
09. I Come In Peace
10. Dead Man’s Hand
11. Lights Are On
12. Whiskey Is My Vaccine

Sons Of Liberty
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Eddie 9V – Little Black Flies – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Fast genau ein Jahr nach Veröffentlichung seines letzten Live-Albums „Way Down The Alley“ hat Eddie 9V nun seinen neuen Longplayer „Little Black Flies“ herausgebracht. Nach eigenen Aussagen ist es wohl recht spontan im Studio entstanden. Da viele Musiker der Südstaatenszene coronabedingt keine Gigs mehr hatten, hat Eddie einfach ein paar von ihnen angerufen und zu einer Aufnahmesession in das Echo Deco Studio in Atlanta eingeladen.

So kam für das Recording ein Who-is-Who der besten Musiker ihres Fachs, einschließlich Brandon Boone, dem Bassisten der Tedeschi Trucks Band zustande. Eingespielt wurden zwölf Titel inklusive drei Coversongs („Travelin’ Man“ – Albert King, „Miss James“ – Stanley J. Lewis & Sonny Thompson, „You Don‘t Have To Go“ – J. M. Reed). Alles live und ohne Overdubs, um so den Sound der alten Blueslegenden zu erhalten.

Und tatsächlich fühlt man sich bei den Songs klanglich um Jahre zurückversetzt. Dieser Mood überfällt den Hörer sofort bei dem etwas souligen und mit nostalgischen Bläsersätzen angereicherten Titelsong „Little Black Flies“. Leicht soulig angehaucht präsentieren sich auch „3am In Chicago“ mit sozialkritischem Text und klagenden Gitarrenriffs sowie „Puttin‘ The Kids To Bed“, einem Song über die schönste Nebensache der Welt.

Daneben gibt es noch wunderschöne traditionelle R&B-Nummern zu hören, mit schrammelnder Slide-Gitarre und Bluesharp („She Got Some Money“) oder „Travelling Man“ und „You Don“t Have To Go“ zum Abschluss des Longplayers.

Natürlich haben Eddie 9V und seine Mannen auch reine Blues-Stücke aufgezeichnet: „Dog Me Around“ mit klagender Bluesharp und „Miss James“ mit fetzigem Trommelwirbel als Einstieg. Typische Slowblues-Titel sind hingegen „Don’t Come Around This House“ (starke Gitarrenriffs, dezente Bläser), „Back On My Feet“ (vom Arrangement her an John Lee Hooker erinnernd) und „Columbus Zoo Blues“.

Die Scheibe zieht einen unweigerlich in seinen Bann, klanglich etwas old-school, was ja, wie gesagt, beabsichtigt war, mit souligen Bläsern, heulenden Slide-Gitarren, tollen Gitarrenriffs und der markanten Stimme des Bandleaders. Es ist eine Hommage an die alten Größen des Blues wie z. B. Otis Rush, Mike Bloomfeld oder Albert King, frisch und neu interpretiert. „Little Black Flies“ kann sicherlich als gelungener Versuch gesehen werden, die etwas angestaubte Roots-Szene des Südens wieder neu zu beleben.

Label: Ruf Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Little Black Flies
02. She Got Some Money
03. Dog Me Around
04. Don‘t Come Around This House
05. Travelin‘ Man
06. 3am In Chicago
07. Reach Into Your Heart
08. Miss James
09. Back On My Feet
10. Puttin‘ The Kids To Bed
11. Columbus Zoo Blues
12. You Don‘t Have To Go

Eddie 9V
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Ruf Records

Joe Bonamassa – Now Serving: Royal Tea Live From The Ryman – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Auf der Suche nach attraktiven Konzert-Kultstätten, die seiner Extraklasse einen angemessenen Rahmen verleihen, ist Joe Bonamassa im vergangenen Herbst im Ryman Auditorium in Nashville, Tennessee, für eine besondere Show auf die Bühne gegangen. Die Aufzeichnung von „Now Serving“ wurde die 18. Live-Aufnahme einer Bonamassa-Performance in 17 Jahren – zählt man „Live at Rockpalast“ (2007) im DVD-Format hierbei mit.

In dieser Liste nobler Veranstaltungsorte waren die Radio City Music Hall in New York, das Sydney Opera House, die Vienna Opera, oder alle führenden Venues in London (u.a. die Royal Albert und die Carnegie Hall) vertreten, ebenso das seit Jahrzehnten für Open Air Live Events beliebte Red Rocks Amphitheater in Denver, Colorado, das schon die Beatles 1964 eroberten.

Es fehlte eigentlich noch ein Bonamassa Live-Album aus dem 1892 erbauten und somit altehrwürdigen Konzerthaus Ryman in Music City. Die Situation war auch für den erfahrenen Blues-Rock-Hero außergewöhnlich. Er hatte dort bereits 8-mal gespielt, wohnt in Nashville fast um die Ecke, jedoch war das Konzert am 20.09.2020 (coronabedingt) ausschließlich als Live-Stream für die Fans weltweit geplant. Der stets bis in alle Einzelheiten, auch von Joe selbst vorbereitete Gig, wurde von einer eigens für diese Veranstaltung ausgewählten Formation performt.

Mit dabei waren die langjährigen Gefährten Reese Wynans (Keys) und Michael Rhodes (Bass), die Background Sängerinnen Jade MacRae und Danielle DeAndrea, sowie Drummer Greg Morrow. Zusätzlich gastierten der Blues-Harp Spieler Jimmy Hall von der Southern Rock Band Wet Willie und Bob Segers „Tour-Gitarrist“ Rob McNelley, an der 2. Sologitarre.

Die „One-Night-Only-Show“ erreichte Fans in 44 Ländern und war durch ihre Ausstattung mit rund 1700 „Cardboard“ Fan-Fotos auf den Sitzen jedoch ausgesprochen steril, obwohl die technisch kreierten Live-Ovationen in den Songpausen den Eindruck einer Publikumsshow vermitteln können. 12 Live Tracks, überwiegend ein ‚Best of‘ von JBs 24. Billboard Nr. 1 Scheibe „Royal Tea“, sowie drei Cover-Versionen aus dem „A New Day Now“ Debut Album, verbinden die Ursprünge des Blues-Rock-Titans mit seinen neuesten eigenen Songs.

So wirkt die Perfektion eines Bonamassas auch bei „Now Serving“ unglaublich präzise und leidenschaftlich – tadellos und unermüdlich in der Präsentation. Die individuelle und professionelle musikalische Darstellung jedes Mitwirkenden (einschließlich der Backing Singer) unterstreicht die einzigartige Produktion deren musikalisches Wechselspiel nicht nur in der Gitarren-Einheit zwischen Rob McNelley (übrigens Guitar Player of the Year 2014) und Joe Bonamassa an die ehemals starken Zeiten von Wishbone Ash und Allman Brothers wiederholt erinnert.

Da in der Setlist entsprechend nur Glanzstücke angeboten werden, ist eine Auswahl pure Geschmackssache und könnte auf die Sahnehäubchen von „A Conversation With Alice“ (mit schönen Tempowechseln im Heavy Rock), „I Didn’t Think She Would Do It“ (einer schnellen Blues-Nr.), und dem wunderbar Harmonica-angetriebenen Blues-Rock „Lonely Boy“ eingegrenzt werden, wenn da nicht auch z. B. die ewigen Ohrwürmer, wie Rory Gallaghers „Cradle Rock“ oder Ian Andersons „A New Day Yesterday“ im Programm wären.

Es ist Bonamassas musikalischer Überzeugungskraft zu verdanken, dass „Live At The Ryman“ ebenfalls die Spendenbereitschaft der Fans in Zeiten pandemiebedingter Tourausfälle aktivieren konnte. Seine Non-Profit Stiftung „Keeping The Blues Alive Foundation“ konnte zur Unterstützung von Künstlern erhebliche zusätzliche Einnahmen verzeichnen.

Die ungewöhnliche Live-Aufnahme „Now Serving“ vermittelt das Gefühl, ein besonderes Ereignis mit einem der besten Gitarristen nacherleben zu können. Das Album ist daher für eingefleischte Bonamassa Anhänger bzw. interessierte Blues Rock-Enthusiasten ein unbedingtes Must-Have. Das Ryman Auditorium fügt sich damit perfekt in die Liste von Bonamassas legendären Konzert-Mitschnitten ein.

Mascot Label Group (2021)
Stil: Blues

Tracks:
01. When One Door Opens
02. Royal Tea
03. High Class Girl
04. Lookout Man!
05. Why Does It Take So Long To Say Goodbye
06. A Conversation With Alice
07. I Didn’t Think She Would Do It
08. Beyond The Silence
09. Lonely Boy
10. Cradle Rock
11. Walk In My Shadow
12. A New Day Yesterday / Starship Trooper – Wurm

Joe Bonamassa
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Another Dimension

Lukas Nelson & Promise Of The Real – A Few Stars Apart – CD-Review

cover Lukas Nelson Promise Of The Real 300

Review: Stephan Skolarski

In Zeiten fehlender gesellschaftlicher Harmonie sind es manchmal künstlerische Konzepte oder Kompositionen, die den Bedarf nach harmonischer Rückbesinnung und Bereicherung bewusst machen. Mit ihrem 8. Studio-Longplayer „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real den Versuch unternommen, die familiäre Geborgenheit und Wärme, die sie während der Corona-Zwangspause erfahren haben, zu bewahren.

Die teilweise pathetische Erzählkunst von Lukas Nelson wird zu Beginn in „Empires“ akustisch brillant dargeboten und offeriert den Einstieg in die Ausdrucksvielfalt eines hochtalentierten Songwriters. Die immer wiederkehrende Ohrwurmvitalität kommt im optimistischen Country Rocker „Perennial Bloom“ mit viel Eagles-Flair voll zur „Blüte“ und verleiht dem Album eine Bestnote. Dass die gefeierte Formation als nahezu schonungslose Tournee-Band fast 10 Jahre ununterbrochen ihre Road-Erfahrungen gesammelt hat, lässt die vom renommierten Dave Cobb im RCA-Studio in Nashville gefühlvoll beeinflusste Produktion erkennen.

Einen Abstecher in die Randbereiche klassischer Jim Croce-Songkunst unternimmt Lukas Nelson mit „Throwing Away Your Love“, poetisches Storytelling im Liebesliedgewand, das im folgenden Titelsong „A Few Stars Apart“ als melancholische Klavierballade vom eindringlichen Vocal-Part des Grammy Award Winners geprägt ist.

„A song is like a short story“, so Nelson und die besinnliche Faszination seiner Lyrics entfaltet ihre poetische Wirkung auch in langsamen Refrain-Passagen bei „No Reason“ und „Leave ‘Em Behind“, einem nicht weit von Neil Young angesiedelten Paradestück. Der Altmeister hat von Beginn an die Karriere der Band mit Begeisterung begleitet und diese als Backing-Band mit auf Tournee genommen. Zudem sind inzwischen 4 gemeinsame Produktionen entstanden.

Die berechtigte Erwartungshaltung auf einen lautstarken Rock-Kracher erfüllt die Band mit „Wildest Dreams“, herrlicher Tom Petty Style – pure Harmonie! Dieses als angenehm empfundene, melodische Klangbild kommt ebenso bei „More Than We Can Handle“ zum Einsatz, und wirkt – vielleicht zur Erinnerung an Harry Nilson – immer wieder modern old school.

In Anlehnung und aus Respekt vor der eigenen Familientradition (Willie Nelson), dem Lukas Nelson sicherlich auch zum Teil die erforderliche Veranlagung und Inspiration verdankt, enthält „A Few Stars Apart“ ebenfalls eindeutige Reminiszenzen. Daher runden „Hand Me A Light“ (eine typische Country-Walzer-Ballade im Duett mit Co-Autorin Rina Ford) und der Abschlusstrack „Smile“ die dauerhaft harmonische Wirkung der Scheibe ab.

Nicht selten ist die Dominanz eines talentierten Songschreibers ausschlaggebend für die Stilrichtung und den Erfolg einer Band, deren musikalische Resonanz und Ausdrucksstärke jedoch erst durch die Harmonie in der Gemeinschaft entsteht.

Mit ihrem neuen Album „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real dieses Harmoniebedürfnis „eingefangen“, musikalisch aufbereitet und wieder ein respektables Gesamtwerk geschaffen. Zwischen Country, Folk, Americana und Roots verbreiten 11 Songs eine Leichtigkeit und kreative Anziehungskraft, für diejenigen, die sich darauf einlassen und die liebevolle Poesie der Lyrics für sich als wichtig erachten.

Fantasy Records (2021)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. Empires
02. Perennial Bloom
03. Throwing Away Your Love
04. A Few Stars Apart
05. No Reason
06. Leave ‘Em Behind
07. Wildest Dreams
08. Giving You Away
09. Hand Me A Light
10. More Than We Can Handle
11. Smile

Lukas Nelson & Promise Of The Real
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Oktober Promotion

Brett Young – Weekends Look A Little Different These Days – CD-Review

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Wir haben Brett Young seit seinem erfolgreichen Major-Label-Debüt 2017 begleitet. Dieses, wie auch der Nachfolger „Ticket To L.A.“ (beide mit Platin ausgezeichnet) offerierten eine gewisse musikalische Konstanz, die von einer Kompatibilität sowohl für die Country- als auch die allgemeinen Pop-Charts bestimmt wurde. Über 5 Milliarden Streams seiner Songs hinterlassen hier ebenfalls eine deutliche Sprache.

Im privaten Leben des aus Anaheim, Kalifornien, stammenden Musikers scheint es nach Hochzeit, erstem Kind und baldiger Erwartung des nächsten, momentan etwas unsteter zuzugehen. Der etwas gestresst wirkende Blick auf dem Coverbild spricht Bände.

Eine Art  Turning-Point im Leben, den die meisten von uns als Beendigung der Sturm- und Drangzeit nur allzu gut kennen. Diese damit verbundenen Eindrücke reflektiert der smarte Sänger jetzt auf seinem neuesten Werk mit dem aussagekräftigen Titel „Weekends Look A Little Different These Days“.

Und so heißt es als Beweis auch im den Reigen eröffnenden, wieder sehr melodischen und eingängigen Titelstück so schön: “I used to stay up late and sleep in all day long // Now it’s bed by nine and wake up with the dawn // I used to need the world to spin around me // Used to think that I had everything // Now I thank // God that everything has changed // My weekends look a little different these days”.

Kurz wie der gefühlte Verlauf eines Wochenendes ist mit knapp 26 Minuten und insgesamt acht Liedern auch die Spielzeit des Silberlings gehalten. Stilsicher, kurzweilig (im wahrsten Sinne des Wortes) und chartträchtig hat wie auch zuvor wieder Dann Huff, das ganze, von Brett mit namhaften Co-Songwritern wie u. a. Jon Nite, Ross Copperman, Ashley Gorley und Zach Crowell verfasste Songkonvolut, in Szene gesetzt.

Schöne Melodien, gut merkbare Refrains, verarbeitet mit klaren Akustik- und E-Gitarren, modernen Drums, sanften Keyboardklängen, hier und da ein Steeltupferchen oder ein gekonntes Mini-E-Solo. Alles wie gehabt, Erfolg im Prinzip vorprogrammiert!

Nach gefälligem, aber auch etwas beliebig erscheinenden Beginn, überzeugt die CD dann vor allem in der zweiten Hälfte, wo mit dem, garnicht wie es der Titel vermuten lassen würde, sehr fröhlichen, strandtauglichen „Leave Me Alone“ (dezenter Reggae-Touch), dem tollen Heartland-Powerstück „Not Yet“ (Slide-Gitarren, klares Piano, Tempo- und Stimmungswechsel, kräftiger Refrain), dem launigen, mit Bläsern und quäkiger Harp (klasse Solo) durchzogenen Stomper „You Got Away With It“ und dem herrlichen slowbluesigen Schwofer „You Didn’t“, etwas mehr auf Diversität statt Komfortzone gesetzt wird.

Leute, die Musik von Interpreten wie z. B. Jordan Davis, Old Dominion, Tebey & Co. gerne hören, sind auch bei Brett Young immer bestens aufgehoben. Selbst wenn dessen Wochenenden sich ein wenig verändert haben, ändert das nichts an der Tatsache, dass die musikalische Erfolgsstory auch mit „Weekends Look A Little Different These Days“ in gewohnter Weise fortgesetzt wird. Also, es gibt deutlich Schlimmeres im Leben, lieber Brett!

BMLG (2021)
Stil: New Country

01. Weekends Look A Little Different These Days
01. Lady
03. This
04. Dear Me
05. Leave Me Alone
06. Not Yet
07. You Got Away With It
08. You Didn’t

Brett Young
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Universal Music

Tommy Z – Plug In And Play – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit seinem letzten Werk „Blizzard Of Blues“ hat sich Tommy Z glatte fünf Jahre Zeit gelassen, um ein neues Album zu präsentieren. „Plug In And Play“ liefert mit elf Songs eine knappe Stunde lang elektrischen Blues vom Feinsten. Selbst Tinsley Ellis prophezeit laut Flyer des Plattenlabels, dass Tommys neueste Scheibe eine der besten des Blues Rock-Genres in 2021 sein wird.

So neugierig geworden, hab ich die CD sofort in den Player gelegt und mit wachsender Begeisterung den elf Tracks des Silberlings gelauscht. Es beginnt und endet mit jeweils einem Instrumental. Der Titel des Openers „Pumpin‘ (Let‘s Have Fun!)“ ist sicherlich charakteristisch für das gesamt Album, versprüht er doch Spielfreude ohne Ende. Es geht mit einem soliden Gitarrengewitter und Freudenschreien los, um sodann in eine flotte Blues Rock-Nummer im Chicago-Stil mit treibenden Keyboardeinlagen überzugehen, eine Nummer so richtig zum Abzappeln, während der Rausschmeißer „Sticky Lips“ als acht Minuten langer, leicht jazzig angehauchter Blues daher kommt, wiederum mit einem furiosen Keyboard-Klangteppich im Mittelteil.

Dazwischen bietet die Scheibe viel Abwechslung in Form funkiger, bluesiger und rockiger Stücke. Funkige Anleihen weist z. B. der äußerst rhythmische Titel „Tommy Guns“ auf und „My Alarm Clock“ hat eine eindeutige Affinität zum Rock’n’Roll. Tommy Z kann aber auch anders: Der Slowblues „Please Come Back To Me“ verströmt mit jeder Note tiefe Verzweiflung und Trauer. Mit „Plug In And Play“ gibt‘s dann wieder eine ehrliche und fetzige Rocknummer auf die Ohren, bevor Tommy Z und seine Jungs mit „DYD“ wieder zu einem flotten und gut tanzbaren Chicago Blues wechseln.

Der beschaulich melodiöse Start von „X-Ray Girl“ lässt zunächst ein ruhiges Stück vermuten, allerdings entwickelt sich der Song im weiteren Verlauf dann noch zu einer schönen Blues Rock-Track. Und im Folgenden gibt es sogar noch Hard Rock- Zutaten. Der Titel „Scowler“ beginnt mit einem gewaltigen Bassintro, wie es Geezer Butler von Black Sabbath damals nicht besser hingekriegt hätte. Gemächlich und basslastig walzt der Song dahin und überrascht im letzten Drittel noch mit sphärisch-psychedelischen Gitarrenklängen.

Der nächste Track mit dem etwas eigenartig anmutenden Titel „Fur Elitist“ (ins Deutsche wahrscheinlich am besten als „abgehobene Erscheinung“ oder „elitärer Typ“ zu übersetzen) handelt vom Ende einer Beziehung, musikalisch mit quäkenden Gitarren und reichlich Keyboardsound umgesetzt. Im Gegensatz dazu ist „Aint’t Gonna Wait“ ein einfühlsamer Slow Blues, in dem sich immer wieder klare Gitarrenpassagen mit flirrenden Klangteppichen bestehend aus Leadgitarre und Keyboard abwechseln.

Eine gelungene, abwechslungsreiche Blues Rock-Scheibe also, versetzt mit leichten Einflüssen aus Jazz, Funk und Rock’n’Roll, immer beherrscht von Tommy Zs meisterhaftem Gitarrenspiel und teils wabernden, furiosen Keyboardklängen. Eine klare Kaufempfehlung für Liebhaber des Elektro Blues Rocks!

Label: South Blossom Records 2021
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Pumpin‘ (Let‘s Have Fun!)
02. Tommy Guns
03. My Alarm Clock
04. Please Come Back To Me
05. Plug In And Play
06. DYD
07. X-Ray Girl
08. Scowler
09. Fur Elitist
10. Ain‘t Gonna Wait
11. Sticky Lips

Tommy Z
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