Ally McMirror – Never – CD-Review

Die Anfänge zu Ally McMirrors Scheibe „Never“ gehen vermutlich ins Jahr 2011 oder noch eher zurück. Da brachten die Herren Fred Zahl und Jimi Jamison unter dem Namen One Man’s Trash eine schöne, sich auch in meinem Portfolio befindliche Melodic Rock-Platte namens „HiStory“ heraus.

Das war mit einer Scheibe aus dem gleichen Jahr in Zusammenarbeit mit Bobby Kimball wohl auch das letzte musikalische Lebenszeichen des legendären Survivor-Sängers, der ja bekanntlich 2014 an einem Herzinfarkt verstorben war.

Da sich die beiden One Man’s Thrash-Stücke „She Shines“ und „Long Time“ auch auf dieser CD in modifizierter Form ebenfalls unter Mitwirkung Jamisons wiederfinden, gehe ich stark davon aus, dass hier Gesangsspuren von damals, mit in die jetzt von Ally McMirror besungenen Tracks hinzugefügt, beziehungsweise integriert wurden.

Kommen wir nun aber zur Protagonistin des Werkes. Hinter Ally McMirror verbirgt sich eine gebürtige Berlinerin namens Ute Spiegel, die lange Zeit als Krankenschwester tätig war, bis sie ihre eigentliche Passion fürs Ranchreiten und Singen entdeckte.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die beste Sängerin im ganzen Land?“ hieß es wohl schon einige Zeit später. Und so wurde sie 2018 von Fred Zahl für die achte Staffel von ‚The Voice Of Germany‘ angemeldet, kam aber mit der Performance von Chers „Heart Of Stone“ allerdings nicht über die ‚Blind Auditions‘ hinaus.

Ihr nun von Fred Zahl komplett eingespieltes und produziertes Debüt „Never“ bietet eine schöne, weitestgehend angenehm ins Ohr fließende Mischung aus melodischem Rock, manchmal mit einem ganz dezenten Countrytouch.

Der Opener „Hellride“ erinnert mich irgendwie an einstige Sachen von Roxette („Joyride“). Sass Jordan, Texas, Eve Selis, Robin Beck, Chrissie Hynde oder Sari Schorr sind weitere Namen die mir beim Durchlaufen der Lieder in den Sinn kommen.

Als Highlights entpuppen sich dann auch die beiden o. a. Stücke mit ‚Jamison-Beteiligung‘, das eingängige balladeske Titelstück „Never“ und besonders die Schlussphase mit den letzten vier Tracks, in der der das Countryfeeling omnipräsenter wird.

Was mir nicht so gefällt, ist die sehr gesangslastige und auch etwas, wie am PC, zusammengestellt wirkende Produktion. Bei Songs wie „I Told You“ oder „Matter Of Passion“ hört sich McMirrors Stimme zudem ein wenig ‚leiernd‘ an.

Trotzdem ist „Never“ eine Platte, die sich insgesamt sehen lassen kann und einen lang gehegten Wunsch der Künstlerin, und zwar Dinge, die man sich erträumt, nicht aufzuschieben, sondern in die Tat umzusetzen, authentisch reflektiert.

Band Line-up:
Fred Zahl: all instruments
Ally McMirror: voice

Starhouse Records (2018)
Stil: Melodic Rock / Country Rock

Tracklist:
01. Hellride
02. She Shines
03. Never
04. I Told You
05. Anyway
06. What If
07. Matter Of Passion
08. Prayer
09. Red Rabbit
10. Long Time
11. Quiet

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The Dice – Southern Grace – EP-Review

The Dice

Review: Stephan Skolarski

Es gibt sicher eine ganze Reihe internationaler Bands, die jahrelang touren und trotzdem die weltberühmte, niederländische Bühne des „Paradiso“ (Rolling Stones Konzert von 1995) nur von außen bewundern dürfen. „The Dice“ hingegen haben es bereits auf die alt-ehrwürdigen Bretter des Amsterdamer Kultur-Tempels geschafft. Die vier Southern-Rocker konnten dabei natürlich auch ihren NL-Heimvorteil ausspielen.

Nach einer Single-Veröffentlichung 2017 und dem rauen und gleichsam schnörkellosen Blues-Rock-Track „Smoking At The Smokestack“, der nicht nur durch die harten Gitarrenriffs, sondern ebenso durch seinen gospelartigen Background-Gesang überzeugen kann, kam im vergangenen Jahr die erste EP „Southern Grace“ heraus. Auf dieser Scheibe sind vier Eigenkompositionen, die einen weiteren Vorgeschmack auf einen möglichen Longplayer geben.

Der erste Song „Freed From The Gallows“ ist eine rasante Rock’n’Roll-Nummer, die mit intensiven Gitarreneinlagen und passend rauem Gesangsstil den Sound der CD prägt. „Cry Sister No More“ klingt hingegen jedoch eher wie eine 90er Brit-Pop-Hymne von Oasis und auch gesanglich ist man hier ebenfalls auf einer Wellenlänge mit Liam Gallagher.

Der groovige Titel „Bonnie And Clyde“ besticht durch die gekonnte Slide-Gitarre und einen schweren Sound, der an die Blues-Rocker Black Crowes erinnert. Das abschließende „Laid My Burdon Down“ rockt eindrucksvoll im mid-tempo-Bereich – ein lautstarker Southern-Rock-Kracher mit nachhaltiger Wirkung.

Insgesamt ist „Southern Grace“ eine frische und vielversprechende EP-Veröffentlichung, die den Fans des Südstaaten-Rocks eine neue, europäische Alternative bietet.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Freed From The Gallows
02. Cry Sister No More
03. Bonnie And Clyde
04. Laid My Burden Down

The Dice
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Eric Gales – The Bookends – CD-Review

Gales 300

Review: Jörg Schneider

Spätestens seit seinem letzten Album „Middle Of The Road“, welches 2017 erschienen ist und einen persönlichen Wendepunkt in Gales Laben markierte, gilt er zu Recht als einer der profiliertesten und spannendsten Bluesrock-Gitarristen der Gegenwart.

Sein neues Werk „The Bookends“ hat Gales über einen Zeitraum von neun Monaten geschrieben und anschließend zusammen mit seinen Mitstreitern Mono Neon am Bass, Aaron Haggerty an den Drums und Dylan Wiggins (Orgel) in verschiedenen Studios eingespielt. Und natürlich mischt auch wieder seine Frau LaDonna als Background-Sängerin und Perkussionistin mit. Zudem sind noch Beth Hart, Doyle Bramhall II und B. Slade als Gastmusiker mit von der Partie.

Herausgekommen ist ein kraftvolles Album, wenngleich die Rhythmik der Songs vielfach recht ähnlich ist, aber immer getragen von Gales’ typischem Gitarrensound. Zu Beginn der CD geht’s mit dem leicht düster schwelenden Opener „Intro“ los, der dem geneigten Hörer die tendenzielle Grundstimmung des Werkes näher bringt.

Bevor es dann aber mit dem nächsten Rhythmushammer „Whatcha Gonna Do“ weitergeht, gibt sich der Sänger und 2017’er Emmy Awards Gewinner B. Slade auf dem funkigen und leicht vom Jazz und Soul beeinflussten „Something’s Gotta Give“ die Ehre. Auch „It Just Beez That Way“ ist eine eher flotte Nummer, in der Gales erstmalig eine Slidegitarre spielt und die nicht ganz so heavy wie viele der anderen Tracks daher kommt.

Bei dem balladenhaften „How Do I Get You“ steht Gales’ Gesang im Vordergrund, der zum Ende des Titels mit den Background Vocals und Gitarrenriffs zu einem furiosen Ende verschmilzt.

Zur Halbzeit gibt es dann den klassisch arrangierten Slowblues „Southpaw Serenade“ mit Doyle Bramhall II, inklusive wild klagender Gitarrenlicks und harmonischem Gesang im Hintergrund.

Die düstere und schwere Stimmung von „Reaching For A Change“ und die hackende Rhythmik von „Somebody Lied“ bilden einen starken Kontrast zu dem folgenden Klassiker „With A Little Help From My Friends“. Hier singen die Seelenverwandten Beth Hart und Eric Gales ein wunderschönes Duett. Beide hatten sich mit Hilfe von Freunden von Ihrer Drogensucht (Gales) und Depressionen (Hart) befreien können. Es ist der wohl beste Song des Albums geworden.

Zum Abschluss rockt der Longplayer dann mit dem härteren Stück „Resolution“, einem reinen Instrumentalstück, und „Pedal To The Medal“, auf dem B. Slade sein zweites Gastspiel abliefert, dem Ende entgegen.

Insgesamt ist „The Bookends“ ein gelungenes Werk, auch wenn das Vorgängeralbum stilistisch etwas abwechslungsreicher war. Dafür präsentiert sich der gebürtige Memphis-Mann auf seiner aktuellen Scheibe gesanglich gereifter, was er nach eigenem Bekunden auch seinem Produzenten Matt Wallace zu verdanken hat, der unermüdlich und hartnäckig daran gearbeitet hat, Gales Stimme auf ein neues Level zu heben.

Mascot Label Group (2017)
Stil: Blues Rock

01. Intro
02. Something’s Gotta Give (feat. B. Slade)
03. Whatcha Gon’ Do
04. It Just Beez That Way
05. How Do I Get You
06. Southpaw Serenade (feat. Doyle Bramhall II)
07. Reaching For A Change
08. Somebody Lied
09. With A Little Help From My Friends (feat. Beth Hart)
10. Resolution
11. Pedal To The Medal (feat. B. Slade)

Eric Gales
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Mascot Records
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The Infamous HER – 30.01.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Eine Musikerin, die wir seit Anbeginn unseres Wirkens hier in Sounds Of South aufgrund ihrer charmanten, lebenslustigen und einvernehmenden Art – ok, nicht zu vergessen, dass sie auch noch klasse aussieht – in unser Herz geschlossen haben, ist zweifelsohne Monique Staffile.

Zunächst unter Her & Kings County firmierend, mittlerweile als HER ganz auf sich fokussiert, haben wir schon einige CD-Reviews, Konzertberichte und auch ein Interview über sie in unserem Portfolio.

Sie hatte sich passend zum Titel ihres neuen Albums „Black And White“ in ein züchtig anmutendes, schwarz-weißes Zofen-Oberteil geschmissen, was aber in Verbindung mit kurzem Rock, schwarzen Stiefeln, knallroter, zum Lippenstift passender Kappe, ein ziemliches heißes Gesamtbild ergab und den großflockig runterkommenden Schnee im Umkreis der Kantine an den Rande des Schmelzmodus brachte.

20:15 Uhr legte zunächst die, mit dem schlaksigen, aber sehr agilen Drummer Johannes Greer (mit badekappenartiger Haartracht) und Bassist Jonathan Stoye, neu formierte Rhythmusfraktion, plus Langzeitweggefährte Caleb Sherman, ein Instrumental als Intro hin, das mit dem Erscheinen von Monique auf der Bühne in ein fast Meat Loaf-mäßiges „A Plan“ vom neuen Werk überging.

Im weiteren Verlauf gab es dann natürlich mit Tracks wie u. a. „You Don’t Want Me Anymore“, „Taking Up Space“, „You“, „Black And White“, „Heartbreak“ und dem emotional besungenen, verstorbenen Bekannten Moniques gewidmeten „Right Now“, überwiegend ordentlich stampfenden, krawalligen und meist auch schön rhythmischen Rock, der durch die energiegeladene Frontperformance und das Posen der Protagonistin, eine ungeheure positive Dynamik frei werden ließ.

Als mein Favorit des Abends entpuppte sich das Titelstück eines früheren Albums, „Gold“, das dank Shermans E-Gitarrenspiel, eine dezente Southern Rock-Note erhielt.

Über „Seriously“ (mit teilweise kindlicher Kate Bush-Piepsstimme), das am Ende aufbrausende „Crush“, das an die Beastie Boys erinnernde „On Regrets“, „Money“ (mit Interaktion), „Seperately“ (schönes laszives Posing von Monique am Mikro), ging es dann zum Abschlussstück des Haupteils, „Revolution“, das mit Amerika-Fahne, bei der die Sterne im blauen Teil durch ein Peace-Symbol ersetzt waren, effektvoll als Trump-Kritik (Sherman erzählte uns später, dass in den Staaten selbst George Bush mittlerweile als das wesentlich geringere Übel angesehen wird) in Szene gesetzt wurde.

Als Zugaben gab es ein Medley aus wild zusammengeworfenen Rock-/Pop-Country-Klassikern wie „Money For Nothing“, „Beat It“, „Cherry Bombs“, „Fight For Your Right“ und „Country Roads“ sowie ein launiges „Tonight“ aus dem eigenen Fundus zum endgültigen Finale.

Nach dem Gig erkannte Monique uns sofort, bedankte sich für die Unterstützung und quatschte ein bisschen mit uns (später auch Caleb). Für unser obligatorisches Logobild posierte sie dann natürlich auch noch und überreichte mir ihre neue CD zum Besprechen (Review folgt demnächst). Während Gernot und ich uns in Richtung Rheinberg durch die winterliche Nacht aufmachten, stehen für HER & Co. als nächste Stationen, weitere Gigs in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz auf dem Programm. Hingehen und Spaß haben!

Line-up HER:
Monique Staffile (lead vocals, percussion)
Caleb Sherman (electric guitar, vocals)
Johannes Greer (drums)
Jonathan Stoye (bass)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Her
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Yard Club Köln

Sister Hazel – Fire – EP-Review

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Wenn ich Ken Blocks einzigartige, so herrlich ‚näselnde‘ Stimme, samt eines der weiteren, vielen vielen Sister Hazel-Ohrwürmer aus den Boxen erklingen höre, weiß ich, dass meine persönliche musikalische Welt immer noch Ordnung ist.

Jetzt gibt es nach „Water“ und „Wind“ mit „Fire“ die dritte EP aus ihrem vierteiligen Elemente-Zyklus. Und die lässt es einem, mit dem wunderbar melodischen Opener „Every Heartbreak“, direkt wieder warm ums Herz werden.

Ein typischer Sister Hazel-Track mit den gewohnten Komponenten wie einer markanten Eingangshook, eben Blocks markantem Gesang, Tempi- und Stimmungswechseln, toller Gitarre von Ryan Newell (hier mit Slide), Harmoniegesänge und alles dann noch schön eingängig zusammen geschnürt.

Das folgende von Rhythmus-Gitarrist Drew Copeland gesungene dynamische „On And On“ offeriert ein weiteres Luxusproblem des so beständigen, durch Jett Beres (Bass) und Mark Trojanowski (Drums) vervollständigtem Quintetts, das mittlerweile auch bei uns verdient hätte, über ihren Insiderstatus hinaus, bekannt zu werden. Copeland ist nämlich ebenfalls ein außerordentlich guter Lead-Sänger, der hier mit „Fire“ und „She’s All You Need“ auch einen fast gleichwertigen Anteil am Frontmikro hat.

Das Titelstück ist diesmal klar der Mittelpunkt der EP (selbst von der Platzierung her). Ein sehr schön atmosphärischer Midtemposong mit einem dezenten Southern Rock-Touch, der sich am Ende in Newells tollem E-Gitarren-Solo in Marshall Tucker-Manier äußert. Auch das roots-poppige „She’s All You Need“ mit seinen pettyesken Zügen im Refrain und der Bruce Hornsby-angelehnten Piano-Passage, hat Chartpotential, sofern es von den Radiostationen mal erkannt werden würde.

Block glänzt dann bei den restlichen „Life And Love“ (Tex-Mex-Flair), dem herz-Schmerz-Lovesong „Here With You“ und dem ziemlich krawallig verlaufenden Finalstück „Elements III (Growin‘ Up)“, das, man glaubt es im Zusammenhang mit Sister Hazel kaum, anfangs an alte Queen-Zeiten erinnert (Mercury-ähnelnde Stimme und May-mäßig aufbrausende E-Gitarre) und dann in eine kurze Uptempophase mit schnellem Gesang und Honkytonk-Piano mündet, um dann abrupt zu enden.

Auch das dritte ‚Element‘ von Sister Hazel zündet von vorn bis hinten. Sieben tolle Lieder in gewohntem Sister Hazel-Ambiente! Schön zu sehen, beziehungsweise zu hören, dass das Feuer von Block, Copeland & Co. noch lange nicht erloschen zu sein scheint.

Croakin‘ Poet Records (2019)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Every Heartbreak
02. On And On
03. Life And Love
04. Fire
05. She’s All You Need
06. Here With You
07. Elements Part III (Growin‘ Up)

Sister Hazel
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Wille & The Bandits – Paths – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Im Südwesten Englands entwickelt sich eine Band zum Exportschlager, die man mit ihrem rauen Blues- und Roots-Rock rein musikalisch eher den USA zuordnen würde. Wille & The Bandits sind aber ein Rock-Trio aus Plymouth, UK, dem es gelingt, verschiedene Musik-Genres zu verschmelzen, einen einzigartigen Sound zu kreieren und diesen hoffentlich auch fernab von GB weiter zu verbreiten.

Seit dem Jahr 2010 haben sie bereits vier Studioalben veröffentlicht und konnten durch Auftritte im Rockpalast oder bei den legendären Isle of Wight und Glastonbury Festivals auf sich aufmerksam machen und dort auch ihre außerordentliche Qualität als Live-Band unter Beweis stellen. Kein Wunder also, dass sie für Deep Purple die beste Support-Band sind und Blues-Größe Joe Bonamassa die Musik der Engländer in den höchsten Tönen lobt und Wille Edward als fantastischen Slide-Spieler bezeichnet.

Der Opener „One Way“ des neuen Albums „Paths“, startet wie ein altes Chicago-Blues-Stück und geht dann über in erdigen Roots-Rock, der durch die fesselnden Gitarrenriffs an Rory Gallagher erinnert. „Make Love“ ist rhythmisch ein wenig abgehackt und geht Richtung schwerem Blues begleitet von Funk-Elementen. Mit „Victim of the Night“ und „Four Million Days“ folgen zwei melodische Rock-Pop Songs.

Der erste, in seichte Gitarren-Passage gekleidet und der zweite, balladenartig mit Akustik-Intro und Streicher-Verstärkung. „Keep it on the Down-Low“ ist der ungewöhnlichste Song des Longplayers. Hier werden in den Strophen teils starke Hip-Hop und Funk Akzente gesetzt. Die zusätzliche Pedal Steel Guitar von Wille Edward lässt den Song beinahe experimentell wirken.

Der swingende Ohrwurm-Refrain von „Judgement Day“ ist CCR-Rock vom feinsten. „Find My Way“ ist hingegen purer Hard-Rock in Black Stone Cherry Manier. Das lange Intro zu „Watch You Grow“ ist psychedelisch aufgebaut, setzt sich wechselhaft fort und mündet in einem Dire-Straits-artigen, gitarren-forcierten, Midtempo-Stück. Der abwechslungsreiche Weg dieses Albums endet bei der ausgefeilten Southern-Rock-Nummer „Retribution“, die im schweißtreibenden Retro-Sound ein musikalisches Südstaaten-Feeling aufkommen lässt.

Die Vielseitigkeit der Band ist auch an der technischen Versiertheit bei der Produktion des neuen Werkes zu erkennen: Wille Edwards an fünf verschiedenen Gitarrentypen, inklusive Dobro und Lap-Steel-Gitarre. Matt Brooks am Six- und Five-String-Bass und Cello. Drummer Andrew Naumann trommelt dabei auf allen Percussion-Werkzeugen, mit denen man Töne erzeugen kann. Neben seinem Schlagzeug bringt er typische Weltmusik-Instrumente, wie z.B. Djembes, Congas, Tongue Drums oder Udu ein.

Ab April wird das Rock-Trio auch in Deutschland live zu sehen sein und ihr neues Werk „Paths“ im Gepäck haben – dann können sie auch ihrem vorauseilenden Ruf als Power-Jam-Band gerecht werden. Aktuell geht es aber erst einmal nur in eine Richtung für Wille & The Bandits: Mit „Paths“ befinden sie sich auf dem direkten Weg zum Album des Jahres!

Farm Hand Records/Rough Trade (2019)
Stil: Roots-Rock, Blues-Rock

Tracklist:
01. One Way
02. Make Love
03. Victim of the Night
04. Four Million Days
05. Chakra
06. Keep it on the Down-low
07. Judgement Day
08. How Long
09. Find My Way
10. Watch You Grow
11. Retribution

Wille & The Bandits
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Gunner & Smith – Byzantium – CD-Review

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Review: Michael Segets

Düster, düster ist das, was Gunner & Smith auf „Byzantium” abliefern. Strotzten bereits die Debüt-EP „Compromise Is A Loaded Gun“ (2012) und der erste Longplayer „He Once Was A Good Man” (2014) nicht vor Leichtigkeit, führt „Byzantium” textlich und musikalisch nun konsequent in tiefe Abgründe.

Die Texte kreisen um (unglückliche) Liebe, Verlust, Vergänglichkeit, Kriege und Unmenschlichkeit. Der volle Sound, den Gitarre und Orgel – begleitet durch kraftvolle Drums – erzeugen, stellt eine finstere Atmosphäre her. Getragen wird sie zudem durch den sonoren Gesang von Geoff Smith. Die Bezeichnung Dark Country Rock lässt sich auf die Scheibe problemlos anwenden.

Songwriter Geoff Smith nennt als Inspirationsquellen seinen Landsmann Neil Young, Townes Van Zandt und Pink Floyd. Der Opener „Wicked Smile“ hört sich nach deprivierten Eagles an, das folgende „Fever“ nach einem deprimierten Tom Jones. Stellenweise trifft auch der Vergleich mit Nick Cave – so etwa bei „If The Light Comes“, auf dem der (Sprech-)Gesang von Smith vor der hymnischen Begleitung eine quasi hypnotische Wirkung erzielt.

Noch stärker ist „The Barrens“, das mit überzeugenden Gitarrensoli und einem hervorragend passenden weiblichen Background eine enorme Energie versprüht.

Langsam leidet Smith mit „Hush Now“, „I Know So Well“ und „I Had A Dollar“. Bei den Stücken ist der Klangteppich zeitweise reduziert, um dann die einsetzenden Gitarre und Orgel zur Geltung zu bringen. Einen imposanten Einstieg liefert „Strong Man“, das im Refrain durch einen Backgroundchor zusätzlich Wucht bekommt.

Mit „Wisconsin“ und „Byzantium“ wandelt Smith auf Country-Pfaden. Der erstgenannte Song wirkt im Vergleich zu den anderen Stücken schon fast sanft und fröhlich. Der Titelsong hingegen nimmt die dunkle Grundstimmung des Albums wieder auf.

Die Stücke auf „Byzantium“ von Gunner & Smith konfrontieren zunächst mit einem satten, dramatischen Sound, der beim erstmaligen Hören die Songstrukturen überlagert. Dazu trägt vielleicht bei, dass das Album innerhalb einer Woche live im Studio eingespielt und durch Produzenten Andrija Tokic analog aufgenommen wurde. Nach mehreren Durchläufen treten aber die Melodien und manche feine Differenzierungen hervor, die das Album zu einem fesselnden Opus machen.

Für Mai/Juni ist eine Tour von Gunner & Smith angekündigt. Vorher kommt Geoff Smith solo im Rahmen der About-Songs-Youngbloods-Tour nach Deutschland. Dabei darf man gespannt sein, wie die Titel von „Byzantium“ in einem akustischen Gewand klingen.

DevilDuck Records/Indigo (2019)
Stil: Dark Country Rock

Tracks:
01. Wicked Smile
02. Fever
03. If The Light Comes
04. Hush Now
05. I Know So Well
06. The Barrens
07. Strong Man
08. Wisconsin
09. I Had A Dollar
10. Byzantium

Gunner & Smith
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DevilDuck Records

Charles Esten – Support: Roads & Shoes – 25.01.2019, Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

Esten_haupt

Nashville-Serienstar spielt vor ausverkauftem Haus

Zweite Stippvisite von Charles Esten bei uns in Deutschland. Nachdem der Protagonist der US-Fernsehserie „Nashville“ letztes Jahr im, mit maximal 400 Leuten ausgelasteten Gloria sein Auftrittsdebüt gefeiert hatte, ging es jetzt im neu geschaffenen Carlswerk Victoria direkt auch mit ausverkaufter Hütte in die Vollen. Satte 1.600 Countryfans wollten sich den Gig des Multitalents nicht entgehen lassen.

Wie schon zu Beginn seiner Europa-Tournee in England, ließ er sich hier von heimischen Acts supporten. Eine honorige Geste, diesen auch die Möglichkeit zu offerieren, vor großem Publikum spielen dürfen.

In Amsterdam und an diesem Abend in der Domstadt traf es diesmal, die beiden, gerade mal einen ‚Steinwurf‘ vom Carlswerk entfernt, in Köln-Mülheim groß gewordenen Musikerinnen Linda Laukamp und Johanna Eicker, die als Duo mit dem Namen Roads & Shoes ihr künstlerisches Schicksal, in die eigenen Hände genommen haben.

Die beiden haben jetzt ganz aktuell ihr Debütalbum „Left Unsaid“ (erhältlich u. a. als CD und Vinyl) auf dem Markt und durften dieses für eine halbe Stunde mit Stücken wie u. a. „Every Moment“, „The Ones That I Still Miss“, „Left Unsaid und „What The Future Holds“ protegieren. Auch für ein brandneues Video zum Stück „First Time In Forever“ wurde Werbung betrieben.

Die beiden überzeugten sowohl durch ihre gesangliche Harmonie, als auch ihr multiinstrumentales Können, was sich stilistisch letztendlich in ein einer Art leicht irisch-keltisch angehauchtem, zum Teil kammermusikartigen Countryfolk-Pop zentralisierte. Eine kurzweilige sympathische Vorstellung der beiden Mädels, die mit rauschendem Applaus gewürdigt wurde.

Eine knappe halbe Stunde später betrat dann der Hauptakteur des Abends, Charles Esten, unter tosendem Applaus, die Bühne. Der ursprünglich aus Pittsburgh stammende amerikanische Film- und Serienstar, hier vornehmlich natürlich durch die Serie „Nashville“ bekannt, der mit 54, in einem Jahr veröffentlichten, selbst-oder co-kreierten Singles, einen außergewöhnlichen Guinness-Eintrag für sich verbucht, konnte demnach natürlich aus einem riesigen Fundus an Songs schöpfen.

Zunächst mit der akustischen Gitarre umhangen, wählte er zum Einstieg ein Quartett, bestehend aus den Tracks „Whiskey Lips“, „This Town Is Ours“, „This“ und „Same Damn Road“, wobei sofort seine Frauen-betörende Reibeisen-Stimme, aber auch seine Fingerfertigkeit auf der Klampfe, zum Tragen kamen.

Für „Halfway Home“ ging es an den Flügel, dem mit dem Springsteen-Klassiker „Thunder Road“, mit zusätzlich integrierter Mundharmonika, ein weiteres Schmuckstück folgte.

Zu dem eigentlich von Charles, Stella & Maisy performten „Believing“ machte es natürlich Sinn, die beiden jungen Roads & Shoes-Damen, Linda Laukamp und Johanna Eicker, wieder auf die Bühne zu holen. Die durften dann ein weiteres Mal zusammen mit Esten in diversen Konstellationen, bei Tracks wie „Undermine“, „Hell To Pay“ (mit schönem Charlie Daniels Band-Flair), „This Town“ und „Friend Of Mine“, ihre vielseitigen Qualitäten preisgeben und erledigten auch hier ihre Parts einwandfrei.

Das mit Charlie Worsham und Dennis Matkosky komponierte „Looking For The Night“ war dann der Startschuss für eine furiose zweite Hälfte, eine ‚One Man-Show par excellence‘, die von Klatschen, Mitsingen, Handy-Schwenken und frenetischem Applaudieren der Audienz begleitet wurde. Eine tolle Stimmung in der einstigen Industriehalle, in der auch ein wunderbar transparenter Sound vorzufinden war. Es befand sich übrigens ein schöner Querschnitt aus Jung und Alt bei diesem Gig.

Mit meinem Lieblingsstück des Abends, dem flockig-melodischen „Good At Goodbye“ und Sachen wie u. a. dem Prince-Evergreen „Purple Rain“, dem launigen, auf Wunsch eingeflochtenen „Pour Four More Por Favor“, sowie dem abrockenden „Buckle Up“  reihte sich ein Highlight an das nächste, um mit „Heart Can’t Say Goodbye“ den Hauptteil abzuschließen.

Angetan von der grandiosen Stimmung, ließ Charles sich nicht lange bitten und kam dann nochmals für satte vier Zugaben zurück. „I Love You Beer“ wurde mit Ex-Trinken eines 0,33l Bechers am Schluss des Songs glaubwürdig untermauert. „He Ain’t Me“ rockte heftig, zum eigentlich als Finale gedachten „Life Is Good“  wurde ‚gentleman-like‘, die Roads & Shoes-Mädels wieder eingebunden. Gänsehautfeelig pur, auch durch das wunderbare Mitsingen des textsicheren Kölner Publikums.

Als die Stimmung nicht abebben wollte, gab es dann zum endgültigen Schluss, passend mit „One More Song“, einen weiteren swampigen Countryrocksong. Mit einem „God Bless Cologne“ verabschiedete sich Esten in die Katakomben des Carlswerks Victoria.

Insgesamt eine tolle Werbung für die Countrymusik in unserem Lande, allerdings auch mit einem Wermutstropfen. Während alle in der Halle glückselig mit ihren Handys durchgängig nach Herzenslust fotografieren und filmen durften, wurde unserem dezent und wie immer unauffällig im Sinne der Künstler agierenden Fotografen Gernot Mangold (ohne Blitz natürlich und einer von insgesamt nur vieren mit Fotopass), nach nur vier, recht monoton beleuchteten kurzen Stücken (Esten immer nur allein mit Akustikgitarre), seine Hightech-Kamera-Ausrüstung abgenommen.

Angesichts der vielen tollen, sich später im weiteren Verlauf, ergebenden und dann farblich auch toll in Szene gesetzten Motive (Piano, Mundharmonika,  die Phase mit Road & Shoes, Publikums-Impresssionen), ein einziger Affront gegenüber langjährigen professionellen Unterstützern und nicht unwichtigen Multiplikatoren der Szene, auch als diese noch gar keine war.

Man sollte bei den Entscheidern angesichts der heutigen Verhältnisse überlegen, ob diese Allüren in der Praxis noch zeitgemäß und zielführend im Sinne der Sache sind. Ich bin mir absolut sicher, dass Charles Esten, der sich, trotz seines Standings, absolut unaffektiert präsentierte, das ähnlich sehen würde. Diesen Hinweis sollte sein Management samt seinem persönlichen Handy-Video auf der Bühne dann bitte auch mit nach Nashville nehmen…

Line-up:
Charles Esten (lead vocals, acoustic guitar, piano, harmonica, percussion)
Special guests: Roads & Shoes

Line-up Roads & Shoes:
Linda Laukamp (lead vocals, cello, ukulele, piano, vocals)
Johanna Eicker (acoustic guitar, vocals, violin, piano, lead vocals, percussion)

Text: Daniel Daus
Bilder: Gernot Mangold

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Carlswerk Victoria

Vanesa Harbek & Band – 24.01.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Zweite Bestandsaufnahme von Sounds Of South in Sachen der als ‚Blues Queen from Argentina‘ betitulierten Vanesa Harbek, diesmal im urigen topos in Leverkusen, unter Beobachtung des ‚Chief himself‘ und Fotograf Jörg Schneider.

Leider hatte wohl die klirrende Kälte so manchen topos-Stammbesucher auf der heimeligen Couch verweilen lassen und eine Bowie-Coverband-Veranstaltung (ich persönlich bin von solchen Acts, egal auf welchem Niveau sie sich bewegen mögen, nicht angetan) in der benachbarten Domstadt, wird vermutlich auch noch einige Gäste gekostet haben. Gerade mal 15 Besucher hatten sich letztendlich eingefunden. Liebe Leute, haben es solch einzigartige und erhaltenswerte Clubs nicht schon schwer genug?

Die Anwesenden wurden allerdings mit einer absoluten Sahnevorstellung der heute in Berlin lebenden Protagonistin und ihrer beeindruckenden polnischen Rhythmusfraktion, bestehend aus Lukasz Gorczyca am Tieftöner und Tomek Dominik am Schlagzeug, belohnt. Das Trio spielte so engagiert und freudig, als wenn das topos aus allen Nähten geplatzt wäre.

Set 1 wurde mit dem Freddie King-Instrumental, quasi heute schon einem Blues-Standard, „Hideaway“ eingeläutet, bei dem Vanesa einen ersten Einblick auf ihre, auch im weiteren Verlauf im Mittelpunkt stehende, temperamentvolle flinke Fingerfertigkeit gewährte.

Bei der folgenden, sehr schön shuffelnden Uralt-Kamelle „Rooster Blues“ offerierte sie dann erstmals ihre angenehmen stimmlichen Qualitäten. Mit u. a. „If You Love Me“ (grandioses E-Solo), der dynamische Schunkler „Something’s Gotta Hold On Me“ (Etta James), „Killing Floor“ (mit herrlichem E-Gitarren-Bass-Scharmützel am Ende), „Going Down“ (knallhartes Solo der Harbek) und „Hit The Road Jack“ war der Coveranteil auch hier recht dominant.

Es überzeugten aber besonders die sehr klug, in ihrer Heimatsprache gehaltenen, eingeflochtenen Eigenkreationen wie „Vuelvo Al Sur “ oder „Te Extraño Buenos Aires“, die mich in ihrer typischen Melancholie wehmütig an meine, allerdings schon sehr lange zurück liegenden, Südamerika-Urlaube, vor allem abends in den vielen netten Musik-Bars, erinnern ließen.

Auch der ähnlich konstruierte zweite Teil überzeugte mit einem Peter Green-umwehten Instrumental-Einstieg (fulminantes Bass-Solo von Lukasz Gorczyca) und Tracks wie „Tore Down“, „Malted Milk“ (Robert Johnson), „Chain Of Fools“ oder dem Uptempo-Feger „Pride And Joy“, wo die sympathische Blondine (natürlich auch sehr sexy gekleidet) auf ihrer Stratocaster so manches claptoneske Solo abließ.

Hervorzuheben auch hier wieder der lateinamerikanische Block mit Stücken wie „Vanesca Tango“, „En El Abismo“ und einer bärenstarken Version von Santanas  „Oye Como Va“.

Als Zugabe und Ausklang des Konzerts ließen die drei noch eine schöne Version von „Proud Mary“ mit klasse Tempiwechseln folgen. Insgesamt eine tolle Show mit überaus engagiert agierenden Musikern. Vanesa Harbek bewies, dass sie sich hinter anderen ‚Guitar Ladies‘ der Marke Samantha Fish, Vanja Sky oder Joanne Shaw Taylor & Co. wahrlich nicht zu verstecken braucht und bietet mit ihrem südamerikanischen Touch noch eine besondere Note.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, electric guitar)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Vanesa Harbek
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topos Leverkusen

Vanderlinde – Entering The Circus – CD-Review

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Vanderlinde, um ihren Mastermind Arjen van der Linde, betreten zum siebten Male in Sachen neuen Album, den heute schier endlos und unübersichtlich erscheinenden Musikzirkus.

„Entering The Circus“ heißt demnach das mit satten 18 neuen Eigenkreationen randvoll gefüllte neue Werk und wurde diesmal in Waimes, einem kleinen beschaulichen Ort in den belgischen Ardennen, von Erwin Musper (u. a. David Bowie, Van Halen, Chicago, Def Leppard) produziert.

Dezenz, Ästhetik und Regeneration sind Attribute, die mir spontan bei der Gesamt-Charakterisierung der Stücke einfallen. Alles wirkt so angenehm unaufgeregt, schön und relaxt instrumentiert. In hektischen Zeiten wie diesen, wo man sich größtenteils wie ein Getriebener fühlt, eine willkommene Gelegenheit, mal einfach abzuschalten und ‚Fünfe gerade sein zu lassen‘.

Die Band, im Grundgerüst bestehend aus Arjen van der Linde, Wietze Koning, Bart Schwertmann , Christof Bauwens und Fokke de Jong, ergänzt um Musiker wie JB Meijers, Roel Spanjers und Dana Keller (Marvin Gaye/Stevie Wonder), sowie dem Noordpool String Quartet, serviert uns vornehmlich eine Reise von den sechziger bis achtziger Jahren, allerdings unter den heutigen modernen Produktionsbedingungen.

Assoziationen zu Acts wie den Beatles, Crosby, Stills & Nash, Smokie, Eric Carmen, Poco, Eagles, David Bowie, Del Amitri, Venice und Doc Walker oder Acoustic Garden aus aktuelleren Gefilden werden automatisch sich in so manchen Hooks, Melodien und Songschnipseln geweckt.

Als meine persönlichen Favoriten in einem harmonisch zusammengestellten Konstrukt entpuppen sich eingängige und wunderbar melodische Lieder wie der Ohrwurm „Is It You Babe?“, countryesk angehauchte Stücke wie „Over The Moon And The Stars“ und „All She Ever Knew“, das smoothe „Yes I’m Home“ und das southern-soulige „Where I Belong“ (mit herrlichem Akkordeon).

Und selbst wenn es bei Tracks der Marke „Dixie Down Blues (Last Night On Earth)“, „Clutch And Drive“ und „Beat Of The Street“ mal etwas (southern) rockiger und E-Gitarrenlastiger (zum Teil mit schönen Slides) zugeht, wartet man auf ein Durchdringen oder Erschüttern der stoischen Ausrichtung des Gesamtwerkes vergebens.

Aufgeschlossene Passionisten von Rockmusik der härteren Gangart sollten  lieber zunächst mal reinschnuppern, alle, die sich gerne mal zum Abschalten auf die Couch ‚hauen‘, um sich von wunderbaren Melodien und stilvollen Instrumentierungen betören lassen, finden in Vanderlindes neuem Longplayer ihren Stoff,  um wieder ‚in die Spur zu kommen‘ oder ‚den Akku neu aufzutanken‘.

Vanderlinde präsentieren sich auf  „Entering The Circus“ als die personifizierte rockmusikalische Alternative zur Entschleunigung unseres von steter Unruhe und Wandel geprägten Lebens. Balsam für die Seele und somit unter Umständen auch therapeutisch von Nutzen.

Snakebite Records (2019)
Stil: Rock

01. World War Avenue
02. Over The Moon And The Stars
03. Is It You Babe?
04. When White Is Your Only Colour
05. All She Ever Knew
06. Bury The Hatchet
07. Floating On Water
08. Dixie Down Blues (Last Night On Earth)
09. When Will You?
10. To Your Door
11. Dwell With Me
12. Watch Your Game
13. Soaring
14. Clutch And Drive
15. Yes I’m Home
16. Where I Belong
17. Beat Of The Street
18. Your Tenderness

Vanderlinde
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