J.P. Harris & The Tough Choices – Support: Miss Tess – 05.11.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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It’s Country-Time again! Zum dritten Mal stand J. P. Harris mit seinen Tough Choices auf der Bühne der Kulturrampe. Wie im Vorjahr brachte er Miss Tess als Support mit.

Das Miss Tess Duo, bestehend aus der Protagonistin und Thomas Bryan Eaton, eröffnete den Abend mit zwei Stücken des Albums „Sweet Talk“ (2014). Sowohl „If You Wanna Be My Man“ als auch „Everybody’s Darling“ kamen mit einer gehörigen Portion Swing daher. Das feine, beinah schon entspannte, E-Gitarrenspiel von Eaton ergänzte die klare Stimme von Miss Tess prima.

Danach folgten „Moonshiner“, eine stimmungsvolle, countryfizierte Ballade, sowie „Little Lola“ mit einem schönen Gitarrensolo von Eaton. Beide Titel stammen von Miss Tess‘ letzten Veröffentlichung „Baby, We All Know“ (2016). Auf ihr nächstes Album soll „The Moon Is An Ashtray“ kommen, das sich anschloss.

Eaton übernahm den Lead Gesang bei dem Stück „Days Will Come“ seiner CD „We All Want To Be Love“ (2014). Er animierte das Publikum zum Mitsingen und der Song lädt sowieso zum Schunkeln ein. Bei den Harmoniegesängen zeigten sich Miss Tess und Eaton durchweg perfekt aufeinander abgestimmt. Zum Abschluss des Sets drückte Miss Tess mit „Ride That Train“ auf die Tube. Ihr Gitarrensolo veredelte den Höhepunkt des Vorprogramms.

Miss Tess bedauerte, dass Sie den Sprung über den Atlantik noch nicht mit Band geschafft hat. Mit der gut halbstündigen Kostprobe ihres Programms hat sie aber auf alle Fälle Werbung für ihre CDs und für mögliche Konzerte in der Zukunft gemacht.

Line-Up:
Miss Tess (lead vocals, electric guitar, vocals)
Thomas Bryan Eaton (lead vocals, electric guitar, vocals)

Die circa fünfzig Gäste der Kulturrampe hielten während des Support-Acts einen deutlichen Abstand zur Bühne und auch als J. P. Harris mit seinen Tough Choises, zu denen Miss Tess und Eaton dazu stießen, die Bühne betrat, rückten sie nur etwas näher. Die Kulturrampe glich daher nicht dem Hexenkessel der „Southern“-Woche. Die Stimmung vor und auf der Bühne war aber dennoch gut. Harris zollte den Besuchern durchaus Respekt, da er selbst montags nie aus ginge. Allerdings sei er ja auch 7000 Meilen angereist …

Bereits zu Beginn zeigte J. P. seinen Sinn für Humor. Dem sympathischen Mann mit der beeindruckenden Gesichtsbehaarung sitzt der Schalk im Nacken. Während des Konzerts erzählte er einige Anekdoten aus seinem bewegten Leben und kommentierte viele Songs. Bei der ausführlichen Bandvorstellung vermischten sich wohl Wahrheit und Legende.

Die Setlist unterschied sich dadurch erheblich von denen der beiden vorangegangenen Konzerte in der Rampe, dass er mit „Sometimes Dogs Bark At Nothing“ ein brandaktuelles Album am Start hat. Die Titel des Albums, für das er sich vier Jahre Zeit ließ, machten mehr als die Hälfte des Konzerts aus.

J. P. Harris greift zudem gerne in die Schatzkiste seiner geliebten Country-Musik und streute daher einzelne Coverversionen, wie vom Vorreiter des Outlaw- oder Alternative-Genres Terry Allen, ein. Gerahmt wurde das Konzert von David Allan Coes „California Turnarounds“ und Mickey Newburys „Why You Been Gone So Long“, das Harris als Zugabe spielte.

Nach „Two For The Road“ und „South Oklahoma“ von seinen ersten beiden Alben, standen dann bis zum fulminanten Abschluss des Hauptsets durch „Gear Jammin‘ Daddy“ durchweg seine neuen Eigenkompositionen im Fokus.

Nach seinem autobiographisch beeinflussten „When I Quit Drinking“ setzte der wuchtige Einstieg und das kräftige Schlagzeug von Ryan Elwell bei „JP’s Florida Blues #1“ ein erstes Ausrufezeichen. Danach folgten einige ruhigere Stücke. Bei „Badly Bent“ harmonierte das Zusammenspiel von wimmernder Pedal Steel, die von Thomas Bryan Eaton gezupft wurde, und der viel Twang transportierenden E-Gitarre von Justin Mahoney. Beide sorgten während des Konzerts durchgängig für den richtigen Country-Flair.

Als Feminist entpuppte sich Harris mit „Lady In The Spotlight“. Miss Tess, die sonst als Bassistin agierte, griff hier zur akustischen Gitarre und Elwell unterlegte den Song zusätzlich mit stimmungsvoller Percussion. Für „I Only Drink Alone“ wechselte Eaton zu den Keys. Gänsehautfeeling erzeugte der harmonische Begleitgesang von Miss Tess bei „Runaway“.

Die Balladen unterschieden sich durch die abwechslungsreiche Instrumentalisierung deutlich voneinander, sodass Monotonie – wie sie dem Country gelegentlich angelastet wird – nicht aufkam.

Hervorragend performte Harris das Titelstück des neuen Albums „Sometimes Dogs Bark At Nothing“. Seine tiefe Stimme wurde zunächst nur von der klagenden Pedal Steel Eatons untermalt, später setzte Mahoney mit seiner E-Gitarre dezent ein. Die Rhythmusgruppe konnte dabei pausieren und Kraft für das temporeiche Finale schöpfen. „Hard Road“, „Jimmy’s Dead And Gone“ sowie das schon erwähnte „Gear Jammin‘ Daddy“ haben mein Country-Rock-Herz höher schlagen lassen.

Nach gut achtzig Minuten verließen J. P. Harris und seine Tough Choices das Podest und ließen den Abend gemütlich im Plausch mit den Gästen ausklingen, bevor es für die Truppe in Richtung Holland und England ging.

Line-up:
JP Harris (lead vocals, electric guitar)
Justin Mahoney (electric guitar, vocals)
Miss Tess (bass, acoustic guitar, vocals)
Ryan Elwell (drums, percussion)
Thomas Bryan Eaton (pedal steel, keys, vocals)

Text und Bilder: Michael Segets

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Kulturrampe Krefeld

Shea Abshier & The Nighthowlers – Potluck – CD-Review

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Mit Shea Abshier & The Nighthowlers befindet sich eine neue, erst im Frühling 2017 gegründete Band aus Stephensville, Texas, auf dem Red Dirt-Radar, die jetzt mit „Potluck“ ein überaus starkes Debüt hinlegt.

Der Titel des Albums, der quasi für ein Essen steht, bei dem jeder seine Speise mitbringt, kann auch ein wenig als Synonym für die Stilvielfalt (Americana, Roots, Rock, Southern Rock, Country Rock, Blues, Gospel, Reggae, Pop) auf diesem Werk gesehen werden, die das großartige Kollektiv, bestehend aus Leader Shea Abshier (lead vocals, rhythm guitar), Chase Chancellor (drums) und Monty Scrogrum (bass) sowie den Gastmusikern Josh Serrato (acoustic and electric guitar, keys), Cameron Speed (harmonica), Piper Jones und Tyler Moses (beide background vocals) geradezu perfekt und in vollendeter Harmonie verschmelzen lässt.

Herausragend und prägnant dabei ist die von einer gewissen Vulnerabilität gekennzeichnete Stimme des Fronters Shea Abshier, die eine Nähe zu der von Mike Eli suggeriert. Auch die ausnahmslos tollen Hooks und herrlichen Melodien, sowie der aus vielschichtigen, wunderbar transparent und saftig klingenden Gitarren bestimmte, erfrischende, dennoch natürlich rootsige, ursprüngliche und ehrlich klingende Sound lassen unweigerlich Assoziationen zur, allerdings frühen, noch nicht von Nashvilles Mainstream-Maschinerie beeinflussten Eli Young Band aufkommen, was natürlich als Riesen-Kompliment zu verstehen ist.

Den Auftakt bildet mit „Be Your Man“ ein dynamisch groovener Roots-/Blues-Rocker, der von der quäkenden Mundharmonika Cameron Speeds dominiert wird. Das folgende „Bring Me Back“ und das treibende „Get Me There“ leben sowohl von diesen typisch, im Red Dirt verankerten, melodischen Gitarrenhooks, Tempi- und Stimmungswechseln, als auch den eingängigen Refrains, wie sie die EYB weit über Texas hinaus getragen haben. Letztgenannter Track wird aufgrund Serratos bärenstarker E-Gitarre (tolles E-Solo, dazu mit klasse Orgeleinlagen) auch in Southern Rock-Kreisen bestens ankommen.

„My Oh My“ wirkt mit seinen Acapella-artigen Hamoniegesängen wie ein aus einer guten Laune heraus, spontan komponierter „Verandasong“, dessen Titelzeile samt positiver Energie, sich unweigerlich im Gedächtnis festsetzt. Das größte Hitpotenzial weist vermutlich der dezente, melancholische Ohrwurm „Washed Away“ auf. Grandioser Song!

Im zweiten Teil der CD fällt das schon vom Titel her eigenwillige „Kickapoo Redemption“ in seiner atmosphärischen Barroom-bluesigen (wieder mit quäkender Harp und fesselnder E-Gitarre), gospeligen Machart (ein wenig „Go Down Moses“-mäßig) und fast Reggae-typischem Bridge aus dem Rahmen. Was sich hier wie wild zusammen komponiert anhört, greift am Ende gekonnt ineinander und gilt als Beweis für die kompositorische Variabilität Abshiers.

Ansonsten wird mit flockigen Tracks wie „The Other Side“ (wie eine hinreißend schöne Mischung aus den frühen Eagles und Reckless Kelly), „Something Sacred“, „As You Weep“ und dem überragenden, mit surrender Slideguitar und dramatisch in Szene gesetzter Orgel dargebotenen „Bleeding Eyes“ (schön southern-rockig), die neben besagter Eli Young Band, nicht nur Anhängern von Acts wie u. a. No Justice, Micky and The Motorcars, Willie Stradlin, Rob Baird und auch im weitesten Sinne auch Sister Hazel und Will Hoge größte Freude bereiten werden, beste Akquise in Sachen potentiellem Popularitätszuwachs betrieben.

Das Album ist ein somit durchgehend herausragend starker, abwechslungsreicher und mitreißender Silberling. Mit „Potluck“ haben Shea Abshier & The Nighthowlers schon mit dem Debüt ein fantastisches 10-Gänge-Menü mit vielen kleinen musikalischen Delikatessen angerichtet, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Hier ist enorm viel Potential in Richtung großem Karrieresprung vorhanden! Allerfeinste, absolut schmackhafte Kost, nicht nur für Red Dirt-Gourmets.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Red Dirt

01. Be Your Man
02. Bring Me Back
03. My Oh My
04. Get Me There
05. Wash Away
06. The Other Side
07. Something Sacred
08. Kickapoo Redemption
09. As You Weep
10. Bleeding Eyes

Shea Abshier & The Nighthowlers
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Bärchen Records

Michael Schenker Fest, 01.11.2018, Turbinenhalle, Oberhausen – Konzertbericht

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Der mittlerweile 63 jährige Hard Rock-Gitarrist Michael Schenker machte mit seinem derzeitigen Projekt, dem Michael Schenker Fest, auch Halt in der Oberhausener Turbinenhalle, die mit knapp 700 Besuchern nicht ausverkauft, aber gut gefüllt war. Im Line-up hatte er die Sänger dabei, die ihn hauptsächlich in seiner Karriere nach den Anfangsjahren bei den Scorpions und bei UFO begleitet hatten. Das musikalische Material sollte ein Querschnitt durch sein gesamtes musikalisches Schaffen werden.

Nachdem die Vorband Absolva knapp 45 Minuten das Publikum mit einem sehr ansprechenden Hard Rock Performance auf Betriebstemperatur gebracht hatte, betrat Michael Schenker gegen 21:15 Uhr nach einer recht zügigen Umbaupause zu Klängen von AC/DC die Bühne. Schnurstracks ging er zu seinem Mikrofon und beschrieb kurz alle seine musikalischen Stationen. Einer der in Japan einen fast Gottes-ähnlichen Status hat, darf das eben.

Direkt danach begann Michael Schenker mit dem einzigen Song, bei dem er die Lead vocals inne hatte. Der 79er Hit „Holiday“ vom Scorpions-Album „Lovedrive“ war ein würdiger Einstieg in das Konzert. Unterstützt wurde er dabei an den Drums von Ted McKenna, der ihn schon bei Michael Schenker Group begleitete und der vor seiner Zeit mit Schenker, unter anderem für die Sensational Alex Harvey Band, Rory Gallagher die Drumsticks schwang und auch heute noch mit Gary McAvoy in der Band Of Friends die Musik des Iren zelebriert.

Chris Glenn am Bass war wie McKenna bei der Sensational Alex Harvey Band tätig, bevor er mit kurzen Unterbrechungen ab 1980 immer wieder mit Schenker zusammen arbeitete. Er leistete eine starke Rhythmusarbeit, glänzte mit kurzen Basssoli und war optisch der Hingucker bei den Songs, die jeweils zwischen den Parts der verschiedenen Sänger als Instrumentals gespielt wurden.

Glenn, mittig stehend, leuchtete mit grünen Laserstrahlen, die an seine Brille montiert waren, die Bühne aus . Der dritte im Bunde war Steve Mann an der zweiten Gitarre und den Keyboards, der auch schon für mehrere Jahre Mitglied der MSG war und während der Tracks auch genügend Raum für Soli bekam.

Nach „Holiday“, was einem Intro glich, wurde die Bühne immer voller, als Schenker die ersten Klänge des UFO-Knallers „Doctor Doctor“ intonierte. Graham Bonnet , Gary Barden und Robin McAuley wechselten sich über die Strophen im Leadgesang ab, wobei zu Beginn mischtechnische Probleme erkenn- und hörbar waren, die aber nach einen Nachjustieren der Tontechniker, schnell behoben waren.

Nach diesem ersten Highlight verließen die drei Sänger die Bühne und Michael kündigte Doogie White, Sänger bei Michael Schenkers Temple Of Rock an, mit dem er dann fünf Songs präsentierte. Doogie, der einige Wochen zuvor im Dortmunder Piano mit Demon’s Eye schon einen starken Auftritt hatte,  glänzte auch heute mit einem starken gesanglichen Auftritt und poste entsprechend über die Bühne.

Den Einstieg machte „Vigilante Man“ von „Temple of Rock“ und nach dem stark vorgetragenen Ufo-Klassiker „Natural Thing“ bedankte und verabschiedete Michael Doogie zunächst. Schon bei diesem ersten Teil des Konzertes, das in verschiedene Kapitel unterteilt wurde, war zu erkennen, mit welchem Spaß Schenker seine Songs präsentierte und immer wieder vom Bühnenrand posend, manchmal fast tänzelnd, seine Gitarren bearbeitend, Kontakt mit dem Publikum suchte. Den Vordergrund überließ er dabei den Lead-Sängern. Er zog sich meist, auf der Gitarre wirbelnd, zu seinen Marshall-Türmen im hinteren Teil der Bühne zurück.

Mit „Nemo“, einem mystisch wie aus unendlichen Tiefen daher kommenden Instrumental wurde Kapitel 1, klar vom danach folgenden Kapitel 2 abgegrenzt. Unterstützt wurde dieser psychedelische Track durch das etwas dunklere bläuliche Bühnenlicht, das von den Anfangs beschriebenen Lasereffekten Glenns durchbrochen wurde.

Im zweiten Kapitel begleitete der mittlerweile 71 jährige Graham Bonnet, in seiner Karriere unter anderem tätig bei MSG, Rainbow und Alcatrazz, die Band am Mikro. Für ihn typisch, mit Stoffjacke und Schlips bekleidet, trug er ebenfalls einen Anteil von fünf Stücken. Bonnet benötigte auch ein paar Minuten, bis gesanglich alles auf der Höhe war,  was aber auch durch Unstimmigkeiten bei der Monitor-Abmischung begründet war. „Assault Attack“ vom gleichnamigen MSG-Album, das mit ihm eingesungen wurde, war dabei die stärkste Nummer, die er entsprechend intonierte und gestenreich interpretierte.

Nachdem Graham von Michael gebührend verabschiedet wurde, füllte „Coast To Coast“, das Schenker damals, Ende der 70er Jahre mit den Scorpions auf „Lovedrive“ einspielte, den Übergang zu Kapitel 3. Ruhig beginnend entwickelte der Song immer mehr Dynamik und das Publikum feierte das gebotene Hard Rock-Gewitter entsprechend frenetisch ab.

Mit dem 63jährigen Gary Barden, Sänger in den Anfängen der Michael Schenker Band und wieder Mitglied in späteren Phasen, betrat nun der dritte Sänger die Bühne. Passend machte „Ready To Rock“ den Einstieg. Beim folgenden „Axeman“ unterstützte ihn Robin McAuley für einen Song und mit  „Armed And Ready“ wurde das Kapitel 3 beendet.

Beim starken „Warrior“ hatten alle vier Sänger abwechselnd und teilweise mehrstimmig ihren Anteil.

Dem vierten Kapitel setzte dann der 65-jährige, aber noch sehr vital daher kommende Robin McAuley, mit seinem ganz speziellen Charisma, den Stempel auf. Nach den zwei starken rockenden Nummern „Bad Boys“ und „Shoot Shoot“ kamen für „Heart & Soul“ noch einmal die anderen Sänger dazu, um Robin dann für die Knaller „Only You Can Rock Me“ und „Too Hot To Handle“ die Bühne nochmals allein zu überlassen.

Die beiden letzten Tracks setzten dem Konzert noch einmal die Krone auf. Eine etwa 10-minütige Version von „Rock Bottom“, bei der Schenker sich mit diversen Soli austoben konnte, beendete das Konzert zunächst.

Dennoch wurden, von dem weitgehend über das Konzert gut mitgehenden Publikum, eine Zugabe gefordert. Schenker und alle Mitstreiter ließen sich nicht lange bitten, obwohl es schon wirklich spät geworden war, und lieferten mit „Lights Out“ den entsprechenden Rausschmeißer, nach dem auch eigentlich nichts mehr kommen konnte.

Nach einem gewaltigen Lichtgewitter über die Bühne wurde es nach dem letzten Gitarrenanschlag Schenkers, entsprechend des Songstitels, dunkel in der Halle und zweieinhalb Stunden durch das musikalische Schaffen Schenkers waren wie im Fluge vergangen.

Den Zuschauern wurde, von einem glänzend aufgestellten und sehr vitalen agierenden Michael Schenker, eine starke Show mit einer gut durchdachten Song-Auswahl geboten, in der jede Schaffensphase ihren Platz finden konnte.

Schön war auch zu sehen, mit welchem Spaß die Musiker gemeinsam dieses Werk präsentierten. Wer auf guten Hard Rock steht, dem sei geraten, eines der noch anstehenden Konzerte zu besuchen. Dies gilt auch für die Vorband Absolva, die Ende November unter anderem in der Krefelder Kulturrampe zugegen sein wird.

Ein besonderer Dank geht an a.s.s. concerts & promotion gmbh für die kurzfristige und problemlose Akkreditierung und das gesamte Team in den Turbinenhalle, das auch einen Anteil an dem gelungenen Konzertabend hatte.

Line-up:
Michael Schenker (lead vocals, electric guitar)
Robin McAuley (lead vocals)
Graham Bonnet (lead vocals)
Doogie White (lead vocals)
Gary Barden (lead vocals)
Chris Glenn (bass)
Steve Mann (guitars, keyboards)
Ted McKenna (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Turbinenhalle, Oberhausen

Robert Connely Farr & The Rebeltone Boys – Dirty South Blues – CD-Review

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Review: Michael Segets

Robert Connely Farr lebt in Vancouver, Kanada, und spielt seit fast zehn Jahren bei der Alternative-Country-Band Mississippi Live & The Dirty Dirty. Der Titel seines Solo-Debüt „Dirty South Blues“ ist gleichzeitig Programm. Das Album prägt der Blues, dem Robert Connely Farr einen Southern-Hauch mitgibt. Diese Kombination wirkt spannend, da sie in so konsequenter Form selten auftritt.

Die Inspiration zu dem Album erhielt Robert Connely Farr durch die Begegnung mit Jimmy „Duck” Holmes. Auf einer Reise in seinen Geburtsort in Mississippi freundete er sich mit dem Blues-Veteranen an. Robert Connely Farr lernte so den – mir bis dato unbekannten – Bentonia-Bluesstyle von Henry Stuckey, Skip James und Jack Owens kennen.

Als Verneigung vor diesen Einflüssen covert Robert Connely Farr „Hard Time Killin’ Floor Blues” von Skip James. Aus der direkten Zusammenarbeit mit Jimmy „Duck” Holmes entstand „Just Jive“. Der Boogie mit Bar-Piano, das wie die anderen Keys von Michael Ayotte gespielt wird, ist der schnellste Track auf der Scheibe.

Die anderen Songs stammen aus Robert Connely Farrs eigener Feder. Dem Titel des Longplayers entsprechend sind „Blue Front Café”, „Cypress Tree Blues” und „Hey Mr. Devil“ im Blues verwurzelt. Bei „Ode To The Lonesome” steht die helle und klare Gitarre in einem Spannungsfeld zu der teilweise mit etwas Hall unterlegten Stimme von Robert Connely Farr.

Das meines Erachtens stärkste Stück ist „Dirty South Blues“. Evan Ushenko läuft hier an der elektrischen Gitarre zur Hochform auf. In dem Text bezieht Robert Connely Farr ebenso wie bei „Magnolia“ Stellung zu wohl gerade im Süden der Vereinigten Staaten präsenten Geisteshaltungen und latentem Rassismus.

Zum Ende von „Magnolia“ liefert Kyle Harmon am Schlagzeug eine expressive Einlage. Seine Percussion tritt bei „Lady Heroin” besonders in Erscheinung. Tyson Maiko am Bass vervollständigt die Rhythmus-Section der Rebeltone Boys.

Neben den schon erwähnten „Dirty South Blues“ und „Just Jive“ sorgt „Yes Ma’am“ für Abwechslung auf dem bluesdominierten Album. Die lockere Ballade würde auch gut auf eine Country-CD passen.

Produziert hat Leeroy Stagger, der sich im Roots Rock beziehungsweise Alternative Country – u. a. auch durch die Zusammenarbeit mit Tim Easton und Evan Phillips – bereits einen Namen gemacht hat.

In der Fachpresse werden Parallelen zwischen „Dirty South Blues“ und Veröffentlichungen von Steve Earle, Bruce Springsteen oder The Bottle Rockets gezogen. Ich bin bei solchen Vergleichen eher vorsichtig. Unbestritten dürfte sein, dass Robert Connely Farr ein konzeptionell eigenständiges Werk geschaffen hat. Es schlägt eher ruhigere Töne an, entwickelt dabei aber eine hohe Intensität.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Blues

Tracks:
01. Ode To The Lonesome
02. Dirty South Blues
03. Blue Front Café
04. Hard Time Killin’ Floor Blues
05. Magnolia
06. Lady Heroin
07. Just Jive
08. Cypress Tree Blues
09. Yes Ma’am
10. Hey Mr. Devil

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Imperial Crowns – 28.10.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nach dem Soul Return-Konzert im holländischen Weert vor einigen Monaten, hatte deren Gitarrist JJ Holiday dem Kollegen Jörg Schneider noch einen Gig im Musiktheater Piano von den Imperial Crowns nahegelegt, bei denen er auch als Mitglied beteiligt ist.

Jörg beschäftigte sich fortan mit der Band, war sofort Feuer und Flamme und besprach vor kurzem direkt auch deren Jubileums-Live-Album. Mir sagte die hier wohl auch durch einen Rockpalast-Auftritt bekannte und von Kultstatus umwehte Gruppe garnichts, da mir aber JJs Slide-lastiges E-Gitarrenspiel sehr gefiel, ließ ich mich dann zu einem Besuch im schönen Dortmunder Club überreden, auch wenn hiermit für mich in dieser Woche, das 4. Event innerhalb von sechs Tagen anstand. Und ein Blick über den berühmten Tellerrand kann ja manchmal nicht schaden.

Es war für die Kalifornier an diesem Sonntag-Abend der letzte Auftritt im Rahmen ihrer Europa-Tournee. Ein Film-Team hatte mit gleich fünf Kameras dick aufgefahren. Schade , dass mit nur knapp 100 Zuschauern der äußere Rahmen dadür etwas bescheiden ausfiel.

Auf die Minute um 20:00 Uhr legte das Quartett, bestehend aus dem mir, muss ich zu meiner Schande gestehen, bis dato ebenfalls nicht geläufigen Fronter Jimmie Wood, JJ Holiday, Billy Sullivan und James Carter standesgemäß mit „Preachin‘ The Blues“ mit ihrem treibenden Rhythm & Blues Rock los.

Allein schon das herrlich schrille Erscheinungsbild des mit einem purpur-roten, weit geöffneten Hemd aus Tüll mit Samtapplikationen, schwarzer Streifencordhose mit Schlag und quietschroten Schlangenleder-Stiefeletten bekleideten redseligen Fronters, seine geschminkten Augenpartien, die hauchdünnen Backenkoteletten, die tiefschwarz gefärbten Haare, ließen auf einen unterhaltsamen Abend schließen. Er erinnerte mich irgendwie in seiner Art an eine Mischung aus Iggy Pop, Alice Cooper und dem ebenfalls in LA ansässigen Little Caesar-Chef Ron Young.

Während der etwas müde wirkende JJ Holiday (wieder mit gewohnt viel Slide und quirligen Riffs im Picking-Stil), der elegant gekleidete James Carter und Billy Sullivan, routiniert und gekonnt, ihre instrumentellen Parts (mit dezenten Harmoniegesangsbeteiligungen) im Reich der Imperial Crowns verichteten, hatte natürlich der charismatische Wood mit seinen gepredigten Anekdoten, seinem energiegeladenen Gesang (immer wieder auch mit Voice-Effekten) und wüstem Harpspiel sowie seinem unbändigen Bewegungsdrang auf der Bühne, natürlich die Krone oben auf.

Die Band präsentierte, wie nicht anders zu erwarten, mit u. a. “Lil Death“, „The Calling“, „Soul Deep Freak“, “Love Blues”, dem grandios wirbelnden “Altar Of Love”,„Papa Lawd“, „Miss Aphrodite“, „Star Of The West“ und dem zum Schluss furios abgehenden ”Ramblin’ Woman Blues” viele Tracks aus dem oben angesprochenen Album.

Mein Lieblingsstück eines ansonsten rastlosen Abends, war der etwas ruhigere Schwofer „Liberate“ mit schönem JJ-Slide-Solo. Und ganz entsprechend dem Wesen des Fronters, wurde mit dem delta-bluesigen „Restless Soul“, die einzige Zugabe zum Besten gegeben.

Wood charakterisierte sich dabei selbst sehr treffend in der abschließenden Ansage als „I’m a man who’s just singin‘ and preachin‘ the Blues“. Passt Jimmie, wir werden dir auch weiterhin gerne gebannt zuhören…!

Line-up:
Jimmie Wood (lead vocals, harp, percussion)
JJ Holiday (electric guitar, slide guitar, percussion, vocals)
Billy Sullivan (drums)
James Carter (bass, vocals, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Imperial Crowns
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH
Jörg Schneider Webseite

Peddle Train – Natural Disaster – CD-Review

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Southern Rock aus Kanada? Hm, da muss ich mein Langzeitgedächtnis schon arg strapazieren. Nun gut, nach einer gewissen Überlegenszeit fallen mit da im weitesten Sinne Bands wie The Road Hammers, The Sheepdogs, die Raufbolde von Dry County oder der eigentliche New Country-Act Doc Walker ein, der sporadisch mal dezente Ausflüge in die Richtung unternimmt. Das war es aber auch schon.

Jetzt bin ich durch eine der zahlreichen Bemusterungs-E-Mails auf eine Band namens Peddle Train gestoßen, ein Konglomerat aus gestandenen Musikern aus dem Raume Vancouver, das jetzt sein Debüt „Natural Disaster“ auf den Markt geworfen hat.

Das Quintett bestehend aus Chris Gilburg (lead vocals/acoustic guitar), Michael Schau (lead/rhythm guitar /vocals), Jac Garret (bass/vocals), Rylan Wood (drums/percussion) und Dave Skinner (rhythm/lead guitar/vocals) hatte laut O-Ton ihres Leaders Chris Gillburg bei der Einspielung soviel Spaß, dass man mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit noch mal nachlegen wird. Als ihre Einflüsse benennt das Kollektiv Acts von Lynyrd Skynyrd bis Humble Pie.

Manchmal ist es schon wirklich merkwürdig, was Lautstärke ausmachen kann. Beim ersten Hören im Wohnzimmer an einem Sonntag hörte ich die Scheibe aus Rücksicht auf die Nachbarn sehr gemäßigt und empfand die Stimme Gillburgs, trotz durchaus spürbaren Engagements, als ziemlich unspektakulär, zeichnet die meisten Fronter des Genres doch immer ein gewisses Charisma in dieser Hinsicht aus.

Der zweite Durchlauf – dieses Mal mit Kopfhörer und entsprechender Dezibel-Dosis – führte dann zu einem völlig anderen Ergebnis! Gillburgs Stimme passte absolut zum klaren und abwechslungsreich gestalteten Sound des Fünfers.

Vom, die euphorisierende Wirkung eines vollen Tanks behandelnden Openers „Gasoline“ über die starken, mit allen Southern Rock-Wassern (Twins, weibliche BGVs) gewaschenen „Crawlin‘ und „We Drink From The Same Glas“, bis hin zu den abschließenden Tracks „Natural Disaster“ (mit klasse Slide) sowie dem mit dramatischer Note in Szene gesetzte „I Want To Save The Planet“ (na dann viel Glück beim Anrennen gegen die ganzen Arschlöcher auf diesem Erdball…) erhält man ein abwechslungsreiches, melodisches und kurzweiliges Album, das vollends zu überzeugen weiß.

Auch mit Peddle Train und ihrem keinesfalls desaströsen – sondern ganz im Gegenteil – hervorragenden Erstling „Natural Disaster“ bleibt also die gute Meinung, die ich bisher über kanadische Musik bekommen habe, aufrechterhalten. Und es war wieder mal eine schöne Ergänzung des Genre-Horizonts. Aber – wie beschrieben – bitte beachten: Play it loud!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Gasoline
02. Crawlin
03. Drank From The Same Glass
04. Father’s Sins
05. Hole In The Wall
06. Devil Rides My Back
07. Losers Make the Best Friends
08. Hot Wheels
09. Natural Disaster
10. Save The Planet

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Blackberry Smoke – Support: Quaker City Night Hawks – 27.10.2018, Musiekcentrum De Bosuil, Weert – Konzertbericht

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Drittes Southern Rock-Konzert innerhalb von fünf Tagen mit drei hochkarätigen Bands (alle irgendwie mit unterschiedlichen musikalischen Ansätzen) – wann hat es das schon mal gegeben? Erlebt das Genre bei uns in Europa nochmal ein kleine Renaissance?

Dritte im Bunde waren die momentanen Platzhirsche der Szene, vor allem was den Zuschauerzuspruch angeht, Blackberry Smoke, die sich zur Zeit wieder auf hiesiger Tournee befinden.

Ich begleite das Georgia-Quintett ja eigentlich review-technisch schon von Anfang an, selbst als sie noch jedem Zuschauer in relativ kurzem Zeitraum die Hände schütteln konnten und man mit den Jungs nach dem Gig an der Theke noch gemütlich ein Bier trinken konnte.

Die Zeiten sind lange vorbei. Charlie Starr und seine Bandkumpanen Paul Jackson, Brandon Still, Richard und Brit Turner haben sich durch kontinuierlich gute Scheiben und regelmäßige Live-Präsenz bei uns, eine stetig wachsende Fangemeinde aufgebaut (überraschender Weise mit auch sehr vielen jüngeren Anhängern), und sorgen hier mittlerweile in den mittelgroßen Locations für ausverkaufte Häuser.

So auch an diesem Abend im brechend vollen Musiekcentrum De Bosuil im holländischen Weert, zu dem auch viele Deutsche aus dem Grenzgebiet angereist waren.

Als Support hatten sie diesmal die texanischen Quaker City Night Hawks mit dabei. Ich muss direkt sagen, endlich mal ein Act, der auch Spaß gemacht hat, nachdem bei allen Konzerten zuvor, die ich bisher von Blackberry Smoke erlebt hatte, immer grottenschlechte und  nicht passende Acts erstmal die Toleranz auf die Probe gestellt hatten.

Das Lonestar-Quartett um die beiden Leader Sam Anderson (so ein Marcus King-Typ) und David Matsler (schöne Stimme Richtung Cody Canada) lieferten angenehme, versierte Kostproben aus ihren bisherigen Fundus (mit u. a. „Cold Blues“, „Mockingbird“, „Fox In The Hen House“) und gaben mit Stücken wie „Colorado“ und „Suit In The Back“ einen Ausblick auf ihr neues, voraussichtlich im Februar erscheinendes Album.

Trademark des Vierers sind die wechselnden Lead- und sich ergänzenden Harmoniegesänge der beiden Hauptprotagonisten, gepaart mit texanisch angehauchter E-Gitarrenarbeit. Mein Favorit aus ihrem Programm war der „Rattlesnake Boogie“, der passender Weise mit schönen Rasseleffekten versehen wurde. Eine klasse Truppe, bei der es durchaus lohnt, sich mit ihr tiefergehend zu beschäftigen.

Charlie Starr und seine Kollegen hatten mit dem launigen Auftakttrio „Fire In The Hole“, „Nobody Gives A Damn“ und „Good One One Comin‘ On“ die Audienz sofort auf ihrer Seite. Schwerstarbeit musste ihr Gitarren-Rowdie leisten, der Starr und Paul Jackson mit stetig wechselnden Arbeitsgeräten versorgen musste.

Im Gegensatz zu Lynyrd Skynyrd, die es jetzt Jahrzehnte geschafft haben, sich bei Ihren Live-Auftritten auf ein paar wenigen Stücken auszuruhen, darf man sich bei Blackberry Smoke über einen steten Wechsel in der Setlist freuen. Konstant ist bei Blackberry Smoke nur das Line-up, was eine auf eine gute interne Harmonie Rückschlüsse zulässt. Rein äußerlich ist eigentlich hier nur das Wachsen und Ergrauen der beiden imposanten Turner-Bärte als marginale Randnotiz zu vermerken.

So wurden natürlich die aktuellen Silberlinge „Find A Light„/“The Southern Ground Sessions“ („Best Seat In The House“, das wunderbare „Run Away From It All“) genauso umfassend abgebildet wie auch Stücke aus den vergangenen Alben (u. a. „Waiting For The Thunder“, „Let It Burn“, Sanctified Woman“, „Up In Smoke“, „Son Of The Bourbon“, „Like An Arrow“).

Zu gefallen wusste der Fünfer sowohl bei instrumentell ausufernderen Sachen mit zum Teil progressivem Touch wie „Medicate My Mind“, „The Whippoorwill“ oder „Sleeping Dogs“ (mit Einbindung des Beatles-Klassikers „Come Together“) als auch bei Ausflügen in den countryesken Bereich z. B. „I Ain’t Got The Blues“ und dem Gänsehaut-erzeugenden Ohrwurm „One Horse Town“.

Über den Mehrwert, der durch Brandon Still mit seiner variablen Keyboard-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) erzeugt wird, ist ja hier schon mehrfach philosophiert worden. Die Turners verrichteten ihr routiniertes Rhythmus-Werk, Paul Jackson glänzte neben Charlie Starr als unangefochtenem Leader (viele schöne E-Gitarrenspielereien), vornehmlich in den Twin-Passagen und bei kleineren Soli.

Blackberry Smoke präsentierten sich an diesem Abend in bester Spiellaune und hatten spürbar richtig Bock, was sich am Ende mit „Flesh And Bone“, dem herrlichen „Ain’t Much Left Of Me“ (mit integriertem „Mississippi Kid“ von Skynyrd) und dem, auf Zuschauerwunsch gespielten, zuvor schon länger nicht mehr performten „Train Rollin'“ in gleich drei Zugaben äußerte.

Eine gut aufgelegte Band, erstmalig ein perfekter Sound von Anfang an (Kompliment an den Mischer) und ein begeistert mitgehendes Publikum sowie die dementsprechend tolle Stimmung – Blackberry Smoke lieferten eine starke Werbung für den Southern Rock! Unser Dank an Olli Bergmann von Oktober Promotion und den Tourmanager Dan Tobin für die unkomplizierte Akkreditierung. Hat Spaß gemacht – eine Woche, die lange in Erinnerung bleiben wird!

Line-up:
Charlie Starr (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Paul Jackson (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Brandon Still (keys)
Richard Turner (bass, vocals)
Brit Turner (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Blackberry Smoke
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Musiekcentrum De Bosuil Weert
Oktober Promotion

Blackberry Smoke – The Southern Ground Sessions – EP–Review

Review: Stephan Skolarski

Wer von DER Southern-Rock Band, Lynyrd Skynyrd, ausgewählt wird, um sie als Support-Act auf ihrer Abschieds-Tour zu begleiten, dem eilt ein beträchtlicher Ruf voraus. Zu Blackberry Smoke muss daher nicht viel gesagt werden, auch weil sie den Southern-Rock Virus bereits seit den 2000er Jahren erfolgreich verbreiten.

Das im April veröffentlichte sechste Studioalbum „Find A Light“ wurde hier in „Sounds of South“ schon ausführlich bewertet. Zur eigenen Tournee folgt jetzt eine Sonderausgabe, inklusive Akustik-Session-EP.

Aufgenommen in Zac Browns Southern Ground Studios in Nashville, TN, sind fünf Stücke vom aktuellen Album als abgewandelte Version enthalten. „Run Away From It All“ und „Medicate My Mind“ klingen durch die fehlende Lead-Gitarren-Power und die hinzugefügte Akustik-Bridge wie „echte“ Country Songs.

Amanda Shires – Ehefrau von Jason Isbell und in seiner Band The 400 Unit aktiv – haben Blackberry Smoke auch auf der Akustik-Version von „Let Me Down Easy“ an die Fiddle gebeten. Die wehmütige Grundstimmung des „Originals“ kommt als Akustik-Song jetzt noch deutlicher zur Geltung.

Das eingängige „Best Seat In The House“, hat als Akustik-Track nichts von der Lebendigkeit der Urfassung verloren. Auf „Mother Mountain“ performt, wie schon auf „Find A Light“, wieder Oliver Wood von den Wood Brothers im Duett mit Charlie Starr. Die beiden Versionen unterscheiden sich aber leider nur geringfügig voneinander.

Als Highlight ist natürlich das Tom Petty and the Heartbreakers-Cover „You Got Lucky“ vom 1982er Album „Long After Dark“ hervorzuheben, dem Blackberry Smoke in der Akustik-Spielart eine ganz neue musikalische Atmosphäre geben.

Lynyrd Skynyrd haben schon 1994 auf „Endangered Species“ (1994) Ausflüge in die Akustik-Welt unternommen. Blackberry Smoke wandeln mit der „Southern Ground Sessions“-EP daher auf den Spuren ihrer Idole. Die EP ist ein spannender Versuch einige Songs des Longplayers neu zu interpretieren und mit der Zugabe von Pettys Klassiker „You Got Lucky“ wird es besonders für eingefleischte Fans ein Genuss sein, die Southern-Rocker von ihrer ruhigen Seite kennenzulernen.

Earache Records (2018)
Stil: Southern Rock / Country Rock

01. Run Away From It All
02. Medicate My Mind
03. Let Me Down Easy (feat. Amanda Shires)
04. Best Seat In The House
05. You Got Lucky (feat. Amanda Shires)
06. Mother Mountain (feat. Oliver Wood)

Blackberry Smoke
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Oktober Promotion

John Hiatt – The Eclipse Sessions – CD-Review

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Review: Michael Segets

Obwohl ihm die ganz großen Verkaufszahlen bisher verwehrt blieben, zählt John Hiatt doch zu den renommierten amerikanischen Singer-Songwritern, dessen Stücke von vielen Künstlern aufgenommen wurden. Rosanne Cash, Eric Clapton und B. B. King, David Crosby, Bob Dylan, Willie Nelson, Bonnie Raitt, Bob Seger sowie Bruce Springsteen reihen sich in die Liste der Interpreten seiner Songs ein.

Musikalisch bewegt sich Hiatt auf seinen Veröffentlichungen zwischen Folk Rock und Heartland Rock mit Einflüssen von Blues und Americana. Am bekanntesten dürfte seine Single „Have A Little Faith In Me” (1987) sein. Mit seiner Scheibe „Walk On“ hat er 1995 ein (unterschätztes) Meisterwerk abgeliefert. Von der Kritik hoch gelobt ist sein „Spätwerk“. Seit 15 Jahren veröffentlicht er bei New West beständig neue Alben.

Im Sommer vergangenen Jahres zog sich Hiatt mit Bassist Patrick O’Hearn und Schlagzeuger Kenneth Blevins in das Heimstudio von Kevin McKendree zurück, um als Trio „The Eclipse Sessions“ innerhalb von wenigen Tagen einzuspielen. McKendree produzierte den Tonträger, steuerte selbst noch einige Keys bei und holte seinen Sohn Yates für eine ergänzende E-Gitarre hinzu. Herausgekommen ist ein typisches John-Hiatt-Album.

Die CD beginnt mit zwei starken Midtempo-Stücken. Die Anlage von „Cry For Me“ erinnert mich an Songs von Warren Zevon, was vielleicht auch an der Klavierbegleitung liegt. Das rootsige, mit gleichmäßigem Rhythmus unterlegte „All The Way To The River“ punktet durch Hiatts Gesang und schöne E-Gitarrenpassagen. An Intensität wird es nur noch durch das herausragende „Nothing In My Heart“ übertrumpft. Hier stellen sich bei mir Assoziationen zu Gurf Morlix ein.

Dabei ist die markante Stimme von Hiatt natürlich ein Alleinstellungsmerkmal. Diese kommt vor allem bei den akustisch angelegten „Aces Up Your Sleeve“ und „Hide Your Tears“ ebenso wie auf dem bluesigen „I Like The Odds Of Loving You“ zur Geltung. Wenn Hiatt höher singt, wie auf „Outrunning My Soul” oder „One Stiff Breeze”, wirkt das eher ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Dennoch entwickeln die Stücke – wenn man ihnen eine Chance gibt – bei mehrmaligen Hören ihren Reiz.

Eine groovende Uptempo-Nummer liefert Hiatt mit „Poor Imitation Of God“. Yates McKendree setzt hier und bei „Over The Hill” gelungene Akzente mit seiner elektrischen Gitarre. Harmonisch klingen „The Eclipse Sessions“ mit „Robber’s Highway” aus.

Im Vorfeld der Sessions überlegte John Hiatt, ob er eine Solo-Scheibe aufnehmen soll und sich lediglich mit akustischer Gitarre begleitet. Man weiß nicht, was dabei herausgekommen wäre. Auf „The Eclipse Sessions“ hat er sich für die Begleitband entschieden und das Ergebnis lässt sich gut hören. Wie auf den meisten Werken von John Hiatt finden sich wieder einige hervorstechende Titel, die durch den Drive, die die größere Instrumentalisierung erzeugt, profitieren.

New West (2018)
Stil: Folk Rock

Tracks:
01. Cry To Me
02. All The Way To The River
03. Aces Up Your Sleeve
04. Poor Imitation Of God
05. Nothing In My Heart
06. Over The Hill
07. Outrunning My Soul
08. Hide Your Tears
09. I Like The Odds Of Loving You
10. One Stiff Breeze
11. Robber’s Highway

John Hiatt
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New West Records
Rough Trade

Robert Jon & The Wreck, 25.10.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Festwoche in Sounds Of South! Mit Hogjaw, Robert Jon & The Wreck und Blackberry Smoke gibt es gleich drei für unser Magazin höchst-relevante lupenreine Southern Rock-Acts innerhalb von fünf Tagen zu beleuchten, zwei davon in unserer geliebten Kulturrampe. Da geht dem Southern Rock-Fan natürlich das Herz auf.

Den Anfang machten, wie bereits berichtet, vor ausverkaufter Hütte, die hart rockenden Hogjaw-Schießgesellen, mit partieller Überraschungsunterstützung von Robert Jon und seinen Wrecks. Die waren dann als nächste an der Reihe.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass die Kalifornier sich zu einer meiner Lieblingsbands gemausert haben und meiner Ansicht nach den etablierten (sich meist nur noch selbst covernden) Altgrößen der Zunft längst den Rang abgelaufen haben.

Diesmal war der besondere Reiz, wie der Verlust ihrer beiden Langzeitmitglieder Christopher Butcher und Dave Pelosi durch die beiden Neulinge Warren Murrel und Henry James kompensiert werden konnte.

Letztgenannter, der mit seinem Wuschelkopf und seinen hippiesken Klamotten als auch seinem quirligen Saitenspiel wie ein plötzlich aufgetauchter Nachkömmling von Allen Collins daherkommt, hatte ja schon beim Hogjaw-Gig seine Fingerfertigkeit mehr als nur angedeutet. Auch Leader Jon Burrison hatte uns nachher gegenüber von einer immensen Weiterentwicklung ’seines‘ Kollektivs durch ihn vorgeschwärmt – zurecht, wie wir es dann an diesem Abend bewiesen bekommen sollten.

Schon direkt der teuflisch brodelnde Opener „The Devil Is Your Best Friend“ deutete auf eine Riesen-Southern-Show hin. Auch das folgende, hammerstarke „Blame It On The Whiskey“ ließ die heutigen Skynyrd & Co. in Vergessenheit geraten. Der heimliche Star des Abends Henry James offerierte schon zu Beginn dabei seine Slide-Qualitäten.

Hier direkt ein Wort zum längst nicht mehr so introvertiert wie früher wirkenden Bandleader. Der ist mittlerweile richtig kommunikativ und lässt seine ihn umgebenden Burschen nach Herzenslust gewähren und ihre Künste in den Vordergrund stellen, während er durch seine charismatische Persönlichkeit (natürlich auch seinen Gesang und das E-Rhythmus-Gitarrenspiel) trotzdem eindeutig die Führungspräsenz suggerierte. Nebenbei gesagt, ist er auch ein ganz netter, bodenständiger und auch dankbar erscheinender Mensch.

Spätestens beim, vom angefixten Publikum, lautstark mitgesungenen Refrain von „Rollin'“ (herrliches HT-Geklimper von Steve Maggiora, Mörder-Slide von James), glich die Rampe einem Hexenkessel. Ja, ich kam mir fast vor wie im alten gefürchteten Georg-Melches-Stadion, ähm, ok Pille, in der Grotenburg, bei den einstigen Klassikern des Uerdinger Clubs gegen Rot-Weiss Essen…

Das knapp 20-minütige „Whipping Post“ in Set 1 bot dem zweiten Newcomer Warren Murrel mit Bass-Intro und -Solo, sowie dem schlaksigen, wieder grandios trommelnden Drummer Andrew Espantman, dem Tastenkönner Steve Maggiora, sowie Saitenhexer Henry James, eine schöne Spielwiese zur Demonstration ihres versierten Könnens.

Fronter Robert hatte viel zu gucken, als die Jungs mit „I Got My Eyes On You“ in den zweiten Teil des Gigs einstiegen, denn die Rampe war auch nach der Pause  rappelvoll. Fasziniert vom Treiben der Kalifornier wurde mitgegroovt, -getanzt und -gesungen (selbst beim gar nicht mal so einfachen Refrain vom Ohrwurm „Old Friend“ zeigten sich die Rampenbesucher absolut textsicher).

Die wunderbare Ballade „Mary Ann“ (ganz klasse von Robert gesungen) sowie das mit Allman Brothers- und Marshall Tucker Band-Ingredienzien gespickte furiose „Cold Night“ (Henry James einfach nur grandios in den Soli) ragten weiterhin in Part 2 heraus.

Die Audienz ließ das Quintett erst gar nicht von der Bühne und bekam dann als quasi (inoffizielle) erste Zugabe mit „Witchcraft“ eine weitere Instrumentalschlacht geboten. Als die wirklich alles gebende Band dann mit dem hervorragenden „Glory Bound“ noch einen ‚oben‘ drauf gesetzt hatte, war das Spektakel endgültig vorbei und alle versammelten sich noch im Blue Bird Cafe der Rampe zu den üblichen Après-Aktivitäten.

Die Teenage Head Music-Repräsentaten Manny Montana und Jochen von Arnim, Rampen-Chief Pille Peerlings, wir vom SoS und alle sonstigen begeisterten Beteiligten hatten wohl einen der besten Gigs aller Zeiten in dieser Location erlebt. Für mich persönlich waren Robert Jon & The Wreck das Highlight bisher in 2018!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld