Don Felder – American Rock ’n‘ Roll – CD-Review

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Review: Michael Segets

„Hotel California” – Wer kennt diesen Mega-Hit nicht? Don Felder hat nicht nur diesen Titel mitgeschrieben, sondern als Eagle weltweit mehr als 150 Millionen Alben verkauft. Er arbeitete als Sessiongitarrist mit unglaublich vielen Weltklassemusikern zusammen oder begleitete sie auf Tourneen. 1998 wurde Don Felder in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. „American Rock ‘N’ Roll” ist allerdings erst das dritte Solo-Album des Einundsiebzigjährigen.

Der Longplayer vereint eine ausgewogene Mischung von melodiösem Gitarrenrock, harmonischen Midtemponummern und gefühlvollen Balladen, wobei die langjährige Bandmitgliedschaft bei den Eagles ihre Spuren hörbar hinterlassen hat.

Felder steigt mit dem Titeltrack rockig ein. Mick Fleetwood sitzt am Schlagzeug und Slash liefert ein kräftiges Gitarrensolo ab. Bei dem ebenso rockenden „Charmed“ begleitet Alex Lifeson mit akustischen und elektrischen Gitarren den Altmeister. Der packt für „Falling in Love“ seine Double-Neck-Gitarre aus, die seit ihrem Einsatz auf „Hotel California” Kultstatus genießt und auch das Frontcover des Albums ziert. Der Sound der Ballade ähnelt dem Klassiker dann auch entsprechend. Steve Porcaro untermalt am Keyboard das Stück, das so einen vollen Klang entwickelt.

Nach dem ruhigeren Intermezzo legt sich Felder mit „Hearts On Fire“ wieder ins Zeug. Er gibt dem Titel einen funkigen Einschlag, wobei seine rauchige Stimme sehr gut zur Geltung kommt. Das folgende „Limelight“ rockt gradlinig in einem gemäßigten Tempo, bei dem das Gitarrenduett von Richie Sambora und Orianthi hervorsticht.

Die Mitte des Albums markiert „Little Latin Lover“. Wie der Titel schon nahelegt, hat das Stück eine spanische Flamenco-Prägung und erzeugt ein sommerliches Westcoast-Feeling. Die zweite Hälfte des Albums wird durch das hymnische „Rock You“ eingeleitet. Sammy Hagar und Bob Weir unterstützen Felder am Mikro. Der härtere Track, dessen Höhepunkt in einem kreischenden Gitarrensolo gipfelt, wurde bereits wie das Titelstück vorab ausgekoppelt.

Nach dem eingängigen „She Doesn’t Get It“ mit schöner choraler Bridge wird die Scheibe ruhiger. Drei sanfte Balladen bilden den Abschluss. Ein durchgängig mehrstimmiger Gesang prägt „Sun“. Viel Gefühl legt Felder bei „The Way Things Have To Be“ in seine Stimme. Peter Frampton an seiner Fender Telecaster begleitet ihn dabei. Die sonnige Westcoast scheint bei „You’re My World“ nochmals deutlich durch.

Ein Titel der Güte von „Hotel California“ findet sich nicht auf dem Longplayer, aber das kann auch nicht wirklich erwartet werden. Don Felders „American Rock ‘N’ Roll” ist ein rundum gelungenes Album des Ex-Eagles. Es vereint temperamentvolle Rockstücke und melancholische Titel zum Träumen, die das Lebensgefühl widerspiegeln, das man mit Kalifornien verbindet. Dass der Sound Erinnerungen an früher weckt, ist ja kein Manko, wenn diese gut sind. Frischen Wind bringen zudem die vielen prominenten Gastmusiker.

Die Gelegenheit, den Gitarrenheroen und die neuen Songs live zu erleben, sollte man sich nicht entgehen lassen, denn Don Felder nimmt die Veröffentlichung seiner CD zum Anlass, auf Welttournee zu gehen.

BMG (2019)
Stil: Rock/Westcoast

Tracks:
01. American Rock ’n‘ Roll
02. Charmed
03. Falling In Love
04. Hearts On Fire
05. Limelight
06. Little Latin Lover
07. Rock You
08. She Doesn’t Get It
09. Sun
10. The Way Things Have To Be
11. You’re My World

Don Felder
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Netinfect Promotion

Jane Lee Hooker – 29.03.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Jane Lee Hooker zum zweiten Male im Schwarzen Adler! Nachdem sie vor gut zwei Jahren von Ruf Records, zwecks Pushen ihres Namens, noch im Schlepptau von Layla Joe unter dem Slogan ‚Double Trouble‘ durch die hiesigen Lande reisten, gab es jetzt in Rheinbergs Kult-Blues-Club, das erste Stelldichein unter komplett eigener Regie.

Ein paar Monate später hatte das Quintett mit „Spiritus„, aufgrund des nicht unerheblichen Southern Rock-Anteils, eines der für mich überraschendsten Alben des Jahres 2017 als Nachfolger ihres Debüts „No B!“ hingelegt.

Die fünf Mädels erschienen am gestrigen Abend in unveränderter Besetzung. Auch diesmal präsentierten sich die New Yorkerinnen Dana ‚Danger‘ Athens, Tracy ‚High Top‘, Tina ‚TBone‘ Gorin, ‚Hail Mary‘ Zadroga und Melissa ‚Cool Whip‘ Houston als verschworene Gemeinschaft, für die es nur einen Plan zu geben scheint, ihr ganzes Glück auf die musikalische Karte zu setzen.

Und das taten Jane Lee Hooker von Beginn an voller Leidenschaft, Energie und unbändiger Spielfreude. Mein Gott, was ging da schon für ein Rambazamba bei den furiosen, punk-bluesigen „How About That“ (neuer Song?) und „How Ya Doin‘?“ als Opener auf der Bühne ab.

Die wibbelige, sich fast immer in Action befindliche Fronterin Dana Athens sang und schrie sich bei den weitestgehend uprockenden Tracks wie u. a. „Wade In The Water“, „Gimme That“, „Ends Meet“, „Be My Baby“, „Shake For Me“ oder „Mama Said“, die Seele aus dem Leib, zeigte aber bei etwas gemäßigteren Tracks wie „The Breeze“ oder „How Bright The Moon“ stimmlich und am Keyboard, weitere Facetten ihres Könnens.

Die Rhythumsfraktion mit der schlaksigen ‚Hail Mary‘ Zadroga und der sehr fokussierten Melissa ‚Cool Whip‘ Houston, gab mit kraftvoll pumpendem Tieftöner und polternden Drums heftig die Pace an (beide mit Soli bei „Shake For Me“), von der die beiden quirligen Gitarristinnen, zu vielen Riffs, Fills und Soli, getrieben wurden.

Nicht selten ließen sich, besonders zu unserer Freude, Tina ‚TBone‘ Gorin und Tracy ‚High Top‘ zu längeren, im Southern Rock verwurzelten Einlagen (sogar partiellen Twin-Intermezzi) hinreißen. Letztgenannte trug nicht umsonst ein Lynyrd Skynyrd-T-Shirt unter ihrem bordeaux-farbenden Sakko.

Als eine atemberaubende Version des „Mean Town Blues“ den launigen Hauptteil beendet hatte, wurden die fünf Musikerinnen vom begeisterten Adler-Publikum regelrecht auf die Bühne zurück geschrien. Dem in Sachen Energie, Dynamik und Spielfreude nicht zu toppenden „Didn’t It Rain“ folgte dann vor dem endgültigen Gang zum Merchandising-Stand, noch eine krachende Version von „Mannish Boy“, bei der der gute Muddy vermutlich in seinem geruhsamen Grabe richtig durchgerüttelt wurde.

Dort zeigten sich die Mädels absolut sympathisch und kommunikativ, unterzeichneten Plakate, Bilder sowie CDs und standen für das eine oder andere Foto (unter anderem auch für unsere VIP-Galerie) als auch Smalltalk zur Verfügung. Solche Bands bereiten einfach Spaß! Sollte es so etwas wie Gerechtigkeit im Leben geben, müsste der Plan A von Jane Lee Hooker bei soviel Engagement und Hingabe normalerweise aufgehen…

Ruf Records und dem Adler-Team um Ernst Barten übrigens ein Kompliment für den Mut, auch etwas unkonventioneller agierenden, aufstrebenden Bands, seitens des klassischen Blues Rocks, eine Plattform für ihr Können in seiner namhaften Location zu bieten.

Line-up:
Dana ‚Danger‘ Athens (lead vocals, keys)
Tracy ‚High Top‘ (electric guitar)
Tina ‚TBone‘ Gorin (electric guitar)
‚Hail Mary‘ Zadroga (bass)
Melissa ‚Cool Whip‘ Houston (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Jane Lee Hooker
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Ruf Records
Schwarzer Adler

Henrik Freischlader – 27.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nach einer UK-Tour war Dortmund die erste Station von Henrik Freischlader und seiner Band im Rahmen der Deutschland Auftritte, nachdem er vorab im Januar schon einmal in Bocholt präsent war.

Das Dortmunder Musiktheater Piano, in gewissem Sinne eine Art zweites Wohnzimmer der Band, die von Wuppertal kommend, nur etwa 30 Minuten über die A 43 benötigt, war zu diesem Anlass ein würdiger Ort. Schon kurz nach 19 Uhr begann sich das Piano rasant zu füllen. Freischlader und Band, begannen dann pünktlich wie die Maurer um 20:00 Uhr vor einer ausverkauften Hütte.

Wie man es bei ihm gewohnt ist, eröffnete er den Gig mit einem charmanten, humorvollen Smalltalk mit dem Publikum, in den er direkt Werbung für sein aktuelles Werk „Hands On The Puzzle“ einbrachte. Diese Ansage gab auch die Richtung des Abends vor, der in zwei etwa 50-minütige Sets unterteilt war.

Es wurden an dem Abend fast alle Songs des aktuellen Albums gespielt, aber auch immer wieder ältere Sachen eingestreut, die entsprechend der Besetzung eine größere Kompaktheit besaßen und weniger rau daherkamen, als mit einer damaligen Dreierbesetzung.

Interessant war dabei der Bühnenaufbau, wo auf der linken Hälfte das „Trio“ (Henrik Freischlader an der Gitarre und den Vocals, Moritz Meinschäfer an den Drums und Armin Alic am Bass) stand und in der rechten Hälfte Roman Babik an den Keyboards und Marco Zügner am Saxofon ihre Instrumente bearbeiteten. Dass es sich dabei aber um eine kompakte Bandarbeit handelt wurde dem Publikum auch dadurch signalisiert, dass nur der untere Teil der Bühne genutzt wurde und die fünf Musiker entsprechend eng zusammengerückt spielten.

Die Tracklist entsprach in weiten Zügen der des Bochlter Auftritts von Anfang Januar. Es gab keine Songs, die abfielen oder den Status als Lückenfüller gehabt hätten. Einige ragten aus verschiedenen Gründen heraus.

Die ältere Nummer „Masterplan“ nutze Henrik, um das Publikum zum Mitsingen zu animieren, was auch gut gelang. Eine besondere Pointe hatte der Song an diesem Abend dadurch, dass eine nette Mitarbeiterin des Piano – an dieser Stelle schon ein besonderer Dank – am Bühnenrand erschien und Sichtkontakt mit Freischlader aufnahm, der zunächst scheinbar dachte, dass ein schönes Foto geschossen werden sollte. Nach kurzer Rücksprache gab er das Mikro an diese weiter.

Doch statt eines überraschenden weiblichen Gesangparts kam die Ansage, dass ein Auto, wenn es nicht weggesetzt wird, abgeschleppt wird. Freischlader beruhigte den Fahrer, dass er mit der Fortsetzung des Konzertes warten werde und wiederholte in einer Art Endlosschleife die zuletzt gespielte Sequenz , bis das Fahrzeug dann umgeparkt war. Dies kam beim Publikum sehr gut an.

Musikalisch waren mit Sicherheit die beiden letzten Tracks der Show die absoluten Höhepunkte. Das Johnny Guitar Watson-Cover „Life Is A Bitch“, wieder mit Einbeziehung des Publikums in einer ‚Extendend Version‘, gab allen Musikern die Möglichkeit, ihr spielerischen Fähigkeiten zu zeigen.

Ein Kracher war die etwa 20-minütige Zugabe von „I Love You More Than You`ll Ever Know“, die einen würdigen Abschluss bildete, nach dem auch nichts mehr folgen konnte. Der Protagonist bearbeitete seine Gitarre wie entfesselt und steigerte sich fast ekstatisch in die nicht enden wollenden Soli. Babik unterlegte den Sound zum Teil mit fast Pink Floyd-umwehten-Klangwolken währendMarco Zügner das Saxofon zum Teil als Leadinstrument nutzte. Alic bediente den Bass mit einer Sicherheit und erzeugte mit Meinschäfer an den Drums eine Rhythmusgrundlage, die den drei Erstgenannten überhaupt erst die Möglichkeit gab, sich dermaßen auszutoben.

Ein insgesamt begeisterndes Konzert einer in sich gereiften Band, in der sich aber auch jeder Einzelne nochmals weiterentwickelt hat.
Ein besonderer Dank an das Piano und Florence Miller (Entertainment) sowie 3 Dog Entertainment für die wie immer problemlose Akkreditierung und Wertschätzung unserer Arbeit. Ein besonderes Lob, neben dem netten Personal auch an die Licht und Tontechnik, wo die neue Beleuchtungsanlage, durchaus als Zugewinn gesehen werden kann.

Freischlader und Band befinden sich noch einige Zeit auf Deutschlandtour und der Besuch eines Konzertes wird mit Sicherheit eine gute Entscheidung sein.

Aber auch das Piano bietet in diesem Frühling und Sommer noch einige Kracher verschiedenster Genres an, die eine Reise wert sind, ebenso wie Veranstaltungen in anderen Hallen durch 3 Dog Entertainment, wie z.B. die Tedeschi Trucks Band, mit einer neuen begeisternden Platte im Gepäck, schon Mitte April im Ruhrkongress in Bochum.

Line-up:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Roman Babik (keys)
Armin Alic (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)
Marco Zügner (saxophone)

Text+Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Son Volt – Union – CD-Review

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Review: Michael Segets

Mit ihrem Debüt „Trace” (1995) erntete Son Volt viel Kritikerlob. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus und so endete nach zwei weiteren Alben und einem Werkschau-Sampler die Zusammenarbeit mit Warner. Bandleader Jay Farrar, der seine ersten Sporen bei Uncle Tupelo verdiente, widmete sich anschließend seiner Solo-Karriere, bevor er Mitte der 2000er nach einem totalen Umbruch der Besetzung Son Volt wiederbelebte. Zurzeit sind neben Farrar der Multiinstrumentalist Mark Spencer (Blood Oranges), Gitarrist Chris Frame, Bassist Andrew DuPlantis und Schlagzeuger Mark Patterson mit an Bord.

Stilistisch ist Son Volt, die mehrmals mit Wilco verglichen wurden, dem Americana beziehungsweise dem alternativen Rock oder Country zuzuordnen. Auf „Union“ sind explizite Country-Einflüsse kaum zu hören, am ehesten scheinen sie noch auf „The Reason“ durch. Die dunkle Gitarre auf „Broadsides“ lässt beispielsweise eine Affinität zum Rock erkennen, aber insgesamt trifft die Bezeichnung Americana wohl am besten die Richtung der CD. Obwohl das Album in unterschiedlichen Studios eingespielt wurde, wirkt es wie aus einem Guss. Die Titel bewegen sich im unteren – wie das Titelstück – bis mittleren Tempobereich – wie der Opener „While Rome Burns“.

Sein Vorhaben, ein Album mit politischer Aussage zu machen, setzt Farrar mit „Union“ in die Tat um. Die Texte sind dabei oftmals sehr poetisch. Bei „Lady Liberty“ lässt Farrar die personifizierte Freiheit Tränen vergießen, während sie die Situation in der Welt und vor allem in den USA betrachtet. Mit „The Symbol“ portraitiert Farrar einen mexikanischen Immigranten, der half, nach dem Sturm Katrina New Orleans wieder aufzubauen, und der sich nun mit Fremdenfeindlichkeit und Repressalien aufgrund seiner Herkunft konfrontiert sieht.

Der Song entwickelt trotz seiner ruhigen Gangart eine hohe Intensität. Bei ihm hat sich Farrar an einem Text von Woody Guthrie orientiert. Der legendäre Folkbarde dient für die nachfolgenden Generationen an Songwritern immer noch als Inspirationsquelle, so auch kürzlich für Todd Snider. Manchmal bedarf es aber keiner ausgefeilten Lyrics, um ein Statement abzugeben, sondern der Titel reicht aus wie bei dem kurzen Instrumentalstück „Truth To Power Blues“.

Zu den politischen Stücken wollte Farrar einen Ausgleich mit weniger sozialkritischem Habitus für das Album schaffen. „Holding Your Own“ und „Slow Burn“ gehören in diese Kategorie. Beide Songs werden ebenso wie „Reality Winner“ von Mark Spencer am Klavier begleitet. Bei den meisten Titeln steht die akustische Gitarre von Farrer im Zentrum, aber die unaufdringliche Unterstützung der Band gibt den Stücken nochmal eine besondere Würze. Sie leben daher auch von den Zwischentönen, die Son Volt anschlagen. So unterlegt beispielsweise Spencer „Rebel Girl“ sehr schön mit dezentem Slide. Die musikalischen Highlights von „Union“ sind für mich das mit eingängigem Refrain versehene „Devil May Care“ und das durch eine hervorragende elektrische Gitarre geprägte „The 99“.

Son Volts „Union“ ist ein ruhiges, aber durchweg gelungenes Album geworden. Jay Farrars Kompositionen und seine bemerkenswerten Texte werden von seinen Mitstreitern – allen voran Mark Spencer – kongenial umgesetzt. Die Songs kommen ohne Effekthascherei aus, aber sie wirken.

Transmit Sound/Thirty Tigers (2019)
Stil: Americana

Tracks:
01. While Rome Burns
02. The 99
03. Devil May Care
04. Broadsides
05. Reality Winner
06. Union
07. The Reason
08. Lady Liberty
09. Holding Your Own
10. Truth To Power Blues
11. Rebel Girl
12. Slow Burn
13. The Symbol

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Ben Poole – 24.03.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Finale der Europa-Tournee von Ben Poole bei uns im heimischen Schwarzen Adler. Bei dieser günstigen Gelegenheit wollte Sounds Of South zum Wochenausklang natürlich auch noch mal zugegen sein.

Der Brite hatte vor knapp zwei Wochen in Köln auch im Dreier Line-up eine grandiose Leistung abgeliefert, somit waren die Voraussetzungen für einen schönen Ausklang gegeben. In der Domstadt hatte noch Martin Deering am Schlagzeug gesessen. Er wurde in Rheinberg durch Chris Harvey ersetzt, der sich insgesamt mit sehr einfühlsamem wie auch kräftigem Spiel, je nach Lage, als Belebung herauskristallisierte.

Nach etwas ruckligem Beginn beim Opener „Take It No More“ (Sound und Stimme von Ben waren noch nicht gut ausgesteuert), kam das Trio ab „Start A Car“ sprichwörtlich in Fahrt und spätestens beim fantastischen Freddie King-Cover „Have You Ever Loved A Woman“ (tolles Les Paul-Intro, Gesang ohne Mikro, Leisespiel-Passage ohne Verstärker) hatte der Protagonist den Hebel umgelegt, um von da ab ein Feuerwerk an Gitarren-Spielkunst abzulassen.

Die Setliste mit Stücken wie „The Question Why“, „Further On Down The Line“ und dem atmosphärischen Schwofer „Don’t Cry For Me“ entsprach der Kölner Performance und zollte bis zur Pause natürlich Pooles aktuellem Album „Anytime You Need Me“ Tribut.

Nach einem 20-minütigen Break hatten Ben und Beau Bernard ihre vorher getragenen Jacken abgelegt, was auf einen heißen zweiten Part hinzudeuten schien, der mit dem knackigen „Let’s Go Upstairs“ eingeläutet wurde.

Beim groovigen „Better Off Dead“ löste man sich schon ein wenig von der bis dato relativ strikt eingehaltenen Struktur der Stücke. Hier wurde in Bens furiosem, psychedelisch umwehten Soloteil bereits kräftig improvisiert. Schön zu sehen, wie Drummer Chris Harvey hochkonzentriert Pooles quirligem Wirken immer wieder Paroli bot.

Der Protagonist, dem zu diesem Zeitpunkt, die Last, die so eine intensive Tour mit sich bringt, spürbar abgefallen war, gönnte sich dann einfach mal einen Song, auf den er einfach Bock hatte. Mit dem von Eric Clapton und Robert Cray komponierten „Old Love“ versuchte er sich mit der famosen Version der schottischen Kollegen von King King zu messen, was am Ende ungefähr auf Augenhöhe gelang. Toll hier natürlich wieder seine intensiven langen Soli als Intro und im Mittelteil.

Die furiose, fast in Southern Rock-Gefilden endende Version des Don Henley-Klassikers „Dirty Laundry“ zum Finale des Hauptteils, riss das gut aufgelegte Adler-Publikum zu Begeisterungsstürmen hin, so dass dem Trio ein geruhsames Ende natürlich verwehrt blieb.

Die drei jungen Burschen zögerten auch nicht lange. Sie spielten und jammten sich, inklusive Soli aller Beteiligten (jeweils mit Szeneapplaus gewürdigt), beim Titelstück des Albums, „Anytime You Need Me“, regelrecht in einen Rausch, dass einem fast die Spucke wegblieb. Nach einem psychedelischen Wirbelsturm gegen Ende des Liedes, war eigentlich dann auch jedem klar, dass die Messe gelesen war und nichts Besseres mehr kommen konnte.

Fazit: Wie schon vor zwei Jahren, wenn auch in etwas unterschiedlicher Form (ohne Keyboarder, ohne Akustikset), hatte Ben Poole wieder eine insgesamt atemberaubende Leistung in Vierbaum abgeliefert, die bei konstanter Weiterentwicklung und dem unweigerlichen Reifeprozess, auf einen zukünftigen Weg in Richtung Blues Rock-Olymp mutmaßen lässt. Tolles Tour-Abschluss-Konzert im Schwarzen Adler! Gute Heimfahrt, Ben Poole!

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitar)
Beau Barnard (bass, bgv)
Chris Harvey (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Poole
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Schwarzer Adler

George Strait – Honky Tonk Time Machine – CD-Review

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Um die großen Country-Neo-Traditionalisten der Marke Alan Jackson & Co., habe ich bisher, bis auf ganz wenige Ausnahmen, immer einen großen Bogen gemacht. Mit dieser oft ein wenig altbacken klingenden und pathos-getränkten Sparte dieser Musik kann ich mich irgendwie nicht anfreunden.

Jetzt wollte mich Universal Music scheinbar zu meinem, mir selbst verwehrten Glück zwingen und hat mir die neue CD „Honky Tonk Time Machine“ des Altmeisters George Strait geschickt. Die geneigte Kundschaft bekommt natürlich genau das, was man bei einem Major-Künstler seines Rangs und Namens erwartet.

Fängt bei der umfangreichen Covergestaltung (Booklet mit allen Texten und Infos, dazu ein bisschen Heimatverbundenheit/Patriotismus auf dem Titelbild in Form einer altehrwürdigen texanischen Location mit texanischer Fahne oben drauf) an, geht über Straits väterlichen Gesang weiter und hört bei der dazu routiniert eingespielten Musik auf.

Die geht gefällig countryesk ins Ohr und ist immer wieder leicht swingend, zum Teil melancholisch, serviert vom Who-Is-Who der Nashville Studiomusiker-Riege wie Greg Morrow, Glenn Worf, Mike Rojas, Ilya Toshinsky, Eric Darken, Mac McAnally, E-Bariton-Spezialist Brent Mason, Stuart Duncan, Paul Franklin & Co.

Aber abgesehen von drei vier Stücken, die immer wieder solche retro-umwobene Fiddle-, Steel- und Pianosequenzen enthalten, mit denen meine Gehörgänge einfach nicht klar kommen und die wohl eher für den Seniorentanz oder -tee in den Altersheimen von Austin und Nashville prädestiniert sind, lässt Strait auch einige gefällige Stücke wie den flockigen Opener „Every Little Honky Tonk Bar“, die Tex-Mex-umwehten „Two More Wishes“ und „Código“, den schönen Schwofer „Old Violin“, den Schunkler „Take Me Away“ oder den knackigen Countryrocker „Honky Tonk Time Machine“ vom Stapel.

Neben der Einbindung von Enkel Harvey beim schmalzigen „God And Country Music“ gibt es am Ende noch als Farbtupfer die Gastpräsenz von Willie Nelson beim es schon erahnen lassenden Titel „Sing One With Willie“, wo sich beide Recken gegenseitig Ehre und Respekt erweisen.

Über die Leistungen und Verdienste des ‚King Of Country‘ braucht man nicht zu diskutieren – absolut beeindruckend! Man bekommt auf dieser Scheibe auf jeden Fall einen guten Einblick in das Erfolgsrezept des Texaners. Zielgerichte, qualitativ hochwertige Klientelmusik, die keinen Millimeter vom Standard des Bewährten abweicht.

In Sachen meiner Person ist es dem guten George mit seiner „Honky Tonk Time Machine“ allerdings auch weiterhin nicht gelungen, mich in seine neo-traditionellen Fänge hineinzubeamen.

MCA Nashville (2019)
Stil: Neo-traditional Country

01. Every Little Honky Tonk Bar
02. Two More Wishes
03. Some Nights
04. God And Country Music
05. Blue Water
06. Sometimes Love
07. Código
08. Old Violin
09. Take Me Away
10. The Weight Of The Badge
11. Honky Tonk Time Machine
12. What Goes Up
13. Sing One With Willie

George Strait
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Universal Music

Shiregreen – References – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das erste, was auffällt, wenn man das Digipack von „References” in Händen hält, ist das umfangreiche und sehr schön gestaltete Booklet. Beim Durchblättern erschließt sich direkt die originelle Idee, die hinter dem Konzeptalbum steht: Shiregreen, alias Klaus Adamascheck, huldigt seinen musikalischen Heroen, die ihn Zeit seines Lebens begleiteten.

Jedem Musiker ist eine Doppelseite gewidmet, auf der neben Bemerkungen zur persönlichen Bedeutung des Künstlers für Adamascheck auch der Text des Songs in Englisch sowie dessen deutsche Übersetzung abgedruckt sind. Dabei covert Shiregreen keine Titel der jeweiligen Songwriter, sondern er schreibt eigene Stücke, die er ganz im Stil der Vorbilder sowie mit Bezug zu deren Leben oder Werk präsentiert.

Beim erstmalen Hören der CD machte ich das Experiment und versuchte zu erraten, welcher Künstler jeweils als Referenzpunkt diente. Dies gelang mir bei der überwiegenden Zahl der Stücke problemlos. Bei manchen fiel die Zuordnung schwerer, was aber vermutlich daran lag, dass ich die Musik der Vorbilder nicht im Ohr hatte.

Obwohl Shiregreen eine Dekade älter ist als ich, überschneidet sich doch der Musikgeschmack an mehreren Stellen. Tom Petty und John Fogerty rangieren bei mir ebenfalls ganz oben auf der Liste der Musiker, deren Lieder mich prägten. Mit „The Last Goodbye“ sowie „Stolen Songs“ würdigt Shiregreen die Rocklegenden.

Durch den Einbau von Versatzstücken – sowohl hinsichtlich der Texte als auch der Melodien – aus bekannten Songs der Künstler und einem ähnlichen Klang der Gitarren ist der Wiedererkennungswert sehr hoch. Obwohl die Stimme von Shiregreen weich und eher tief ist, womit sie sich von denen von Petty oder Fogerty deutlich unterscheidet, werden die Assoziationen zu den beiden unmittelbar geweckt.

Auch bei den anderen Stücken baut Shiregreen typische Elemente der jeweiligen Musiker ein. Da sind der mehrstimmige Gesang bei „Between The River And The Railroad Tracks“ als Bezugspunkt zu Crosby, Stills, Nash & Young, die Mundharmonika auf „One More Song“ für Bob Dylan oder eine Gitarre à la Mark Knopfler bei „From That Day On“. Neil Young scheint deutlich bei „When The Last Buffalo Is Gone“ durch.

Beeindruckend ist, wie es Shiregreen gelingt, die charakteristischen Sounds der Referenzmusiker nachzubilden. Vor allem Tom Eriksen an unterschiedlichen Gitarren sowie Morris Kleinert mit Pedal Steel und Dobro haben daran großen Anteil. Insgesamt wirken acht Begleitmusiker mit, so dass eine Vielzahl an Instrumenten zum Einsatz kommt. Hinsichtlich der Instrumentierung mit Akkordeon, Querflöte und Geige sticht der Titel „In Barbara’s Room“ hervor, der sich an Leonard Cohen anlehnt.

Marisa Linss übernimmt den Lead-Gesang bei dem Joan Baez gewidmeten „Here’s To Joan“ und bei dem Duett „Under Joshuah Trees“ für Emmylou Harris und Gram Parsons. Bei anderen Stücken steuert sie den Background-Gesang bei, wie bei der Reminiszenz an Townes Van Zandt „Townes And Me“.

Die Musik der anderen gewürdigten Songwriter Mike Batt („All Along The Atlas Mountains“), Ralph McTell („Every Town Is Worth A Song“) und Robert Earl Keen („Down The Endless Road“) ist mir nicht gegenwärtig. Die ihnen zugedachten Titel fügen sich aber nahtlos in das Album ein. Gleiches gilt für „References“ und „References Reprise“, mit denen Adamascheck die Bedeutung alter Lieder als Weggefährten besingt.

Den versammelten Americana-Songs schwingt ein melancholischer Grundton mit, der das gesamte Werk als Konstante durchzieht. Shiregreen erinnert mit „References“ daran, was für großartige Musik es gibt und wie diese das Leben bereichert. Ähnlich sozialisierte Musikliebhaber werden ihre Freude an der Hommage haben. Ich nehme die Anregung auf alle Fälle auf, meine Klassiker, die ich schon viel zu lange nicht mehr gehört habe, nochmal aus dem Regal zu ziehen.

NIWO Music/DMG Germany/cmm-consulting (2019)
Stil: Americana

Tracks:
01. Between The River And The Railroad Tracks
02. Stolen Songs
03. In Barbaras Room
04. References
05. Under Joshuah Trees
06. All Along The Atlas Mountains
07. Every Town Is Worth A Song
08. From That Day On
09. One More Song
10. Down The Endless Road
11. When The Last Buffalo Is Gone
12. Here’s To Joan
13. Townes And Me
14. The Last Good Bye
15. References Reprise

Shiregreen
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NIWO Music/DMG Label
cmm-consulting for music and media

Sari Schorr & Band, 21.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Sari Schorr ist eine Dame, die mittlerweile zweifelsohne zu einer unserer Dauergäste in Sounds Of South avanciert ist. Nach den beiden Alben-Reviews zu „A Force Of Nature“ und dem amtierenden Silberling „Never Say Never„, sah ich sie jetzt zum vierten Mal live. Gestern Abend gab es ihr drittes ‚Stelldichein‘ im Dortmunder Musiktheater Piano.

Was die Besucherzahlen angeht, zumindest unter meiner Präsenz, scheint die New Yorkerin, trotz konstant guter Leistungen, bei uns irgendwie immer noch nicht richtig angekommen zu sein. Ob der Grund ist, dass sie den Blues-Fans zu rockig und den Rock-Fans zu bluesig ist, oder es einfach nur am Wochentag lag, bleibt somit im großen Reich der Spekulationen angesiedelt.

Abgesehen von der mit 80 Minuten (inklusiv zweier Zugaben) etwas knapp bemessenen Spielzeit, ließ der Abend keine Wünsche offen. Gegenüber dem letzten Gig in Rheinberg gab es zwei personelle Veränderungen. Matt Beable zupfte den Bass und der angesehene, aus dem britischen Brighton stammende Keyboarder Stevie Watts, bediente stilsicher Piano und Orgel.

Allein der heftig rockende und stampfende Opener „The New Revolution“ war schon das Eintrittsgeld wert. Was der an diesem Abend überragende Gitarrist Ash Wilson hier schon auf seiner schnieke weißen Duesenberg-Gitarre an Riffs und Soli abließ, war regelrecht beeindruckend. Er scheint sich von Auftritt zu Auftritt weiterzuentwickeln. Für mich diesmal der heimliche Star.

Sari selbst überzeugte natürlich mit ihrer sympathischen Präsenz, ihrer gewohnt positiven Ausstrahlung und ihrem engagierten, vor Kraft nur so strotzenden Gesang. Nicht zuletzt wegen ihrer blendenden vokalen Performance beim Mott The Hoople-/Bad Company-Klassiker „Ready For Love“ darf sich sich meines Lobes, des angehenden weibliche Pendants zu Paul Rogers, erfreuen.

Das Album „Never Say Never“ stand natürlich, mit gleich acht Stücken, absolut im Mittelpunkt des Geschehens. Neben den beiden bereits genannten Liedern, gab es das Robert Johnson gewidmete „King Of Rock And Roll“ (ebenfalls mit Bad Co-Flair), „Thank You“ (mit furioser Wah-Wah-Einlage von Wilson), das Powerstück „Freedom“ (mit tollen Solier-Parts von Wilson und Watts), „Valentina“ (Ash kann es auch auf der Stratocaster) und die mir aufgrund der Melodik am besten gefallenden „Never Say Never“ (herrlicher Schwofer) sowie „Back To LA“ als abschließende Zugabe (wunderbar songdienliches und melodisches E-Gitarrenspiel).

Bei diesen beiden Tracks kam dann auch eine gewisse stimmliche Ähnlichkeit zu Melissa Etheridge, allerdings etwas mehr im Rock verwurzelt, zum Ausdruck. Nicht zu vergessen natürlich Schorrs eigenwillige Interpretation von „Black Betty“, die als erste Zugabe serviert wurde.

Insgesamt ein gelungenes kompaktes Konzert, bei dem eine charismatische Sängerin plus einer stark und spielfreudig agierenden Band, ein schlüssiges Gesamtkonzept abgaben. Sari Schorr bleibt – wie bei ihren Studioalben – auch live eine Bank!

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Matt Beable (bass, vocals)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Stevie Watts (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Video „Ready For Love“: Adam Zegarmistrz Glagla
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Steve Earle & The Dukes – Guy – CD-Review

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Review: Michael Segets

Steve Earle, mittlerweile selbst eine Ikone, hatte zu Beginn seiner Karriere zwei Freunde und Mentoren, die ihn sowohl künstlerisch inspirierten als auch Türen öffneten: Townes Van Zandt und Guy Clark. Dem 1997 verstorbenen Townes Van Zandt setzte Earle mit „Townes“ einen musikalischen Gedenkstein. Drei Jahre nach dem Tod von Guy Clark verneigt sich Earle nun mit „Guy“ vor dem Singer/Songwriter.

Obwohl das Vorhaben mal im Raum stand, dass Earle und Clark sich gemeinsam ans Songschreiben begeben, ist es nie zu einem gemeinsamen Werk gekommen. Ein Umstand, den Earle heute bereut. Für „Guy“ griff Earle daher ausschließlich auf die Songs seines Freundes zurück und haucht ihnen neues Leben ein.

Steve Earle lernte Mitte der 1970er, kurz nachdem er nach Nashville gezogen war, Guy Clark kennen, der ihn direkt als Bassisten engagierte. Clark war bereits in der regionalen Musikszene etabliert, bevor er 1975 sein wegweisendes Debüt „Old No. 1“ herausbrachte. Der Einfluss, den Guy Clark auf Steve Earle in dieser Phase ausübte, spiegelt sich in der Auswahl der Songs für „Guy“ wider. Neun der sechzehn Titel stammen von Clarks ersten beiden Alben. Natürlich dürfen dabei die beiden Klassiker „Desperados Waiting For A Train“, das spätestens mit dem Cover durch The Highwaymen (1985) einen Kultstatus erlangte, und „L.A. Freeway“ nicht fehlen.

Neben vier Titeln aus den Achtzigern finden sich zwei aus den Neunzigern auf der Hommage. Das neueste Stück „Out In The Parking Lot“ wurde 2006 veröffentlicht. Unberücksichtigt bleibt Clarks – mit einem Grammy als bestes Folk-Album ausgezeichnete – „My Favorite Picture Of You“ (2013).
Guy Clark war ein Storyteller. Dabei konnte er seine Geschichten in eingängige Melodien verpacken. Earle hat eine abwechslungsreiche Mischung aus Clarks Werk herausgegriffen.

So suchte er sich die Balladen „Anyhow I Love You“, „She Ain’t Going Nowhere” und „That Old Time Feeling” aus, die durch seine Stimme eine besondere Tiefe erhalten. Von der Begleitung reduzierter sind der Folksong „The Randall Knife“ und das sarkastische „The Last Gunfighter Ballad“, die in einem melodischen Sprechgesang vorgetragen werden. Letztgenannten Song hatte Earle bereits für das Album „This One‘s For Him: A Tribute To Guy Clark“ (2012) aufgenommen.

Einen stampfenderen Rhythmus, für den Brad Pemberton am Schlagzeug und Kelly Looney am Bass verantwortlich zeichnen, haben „Dublin Blues“ und „The Ballad Of Laverne And Captain Flint”. „Texas 1947” und „Rita Ballou”, bei dem etwas Honky Tonk hineinspielt, sind reine Countrysongs. Ins gleiche Genre passen die schnelleren „New Cut Road“ und das von Shawn Camp mit geschriebene „Sis Draper“. Camp steuert hier die Mandoline bei. Mit „Heartbroke“ und vor allem dem schon erwähnten „Out In The Parking Lot” schlägt Earle rockige Töne an, womit er von den ursprünglichen Versionen deutlich abweicht.

Für das richtige Maß an Country-Flair sorgen Chris Masterson an der Gitarre, Ricky Ray Jackson an der Pedal Steel sowie Eleanor Whitmore an der Geige. Whitmore liefert darüber hinaus mit ihrem Harmoniegesang einen hervorragenden Gegenpart zu Earles eigenwilliger Stimme.

Zum Abschluss „Old Friend“ versammelte Earle einen großen Chor mit prominenten Namen. In ihm geben sich Emmylou Harris, Jerry Jeff Walker, Rodney Crowell, Verlon Thompson, Gary Nicholson, Shawn Camp sowie Terry und Jo Harvey Allen die Ehre.

Mit „Guy“ sorgt Earle dafür, dass die Musik von Guy Clark nicht in Vergessenheit gerät, aber das Album ist mehr als eine bloße Reminiszenz an einen großartigen Songwriter. Den aus heutiger Sicht eher gefällig wirkenden Aufnahmen von Clark setzt Earle erdige und ungeschliffen raue Arrangements entgegen. Besonders Earles Stimme und Intonation geben den Stücken einen zusätzlichen Biss.

Auf „Guy“ zeigt Steve Earle erneut seine Fähigkeit, Klassikern seinen individuellen Stempel aufzusetzen und sie in seinem unverwechselbaren Stil zu modernisieren. Mit seinen Interpretationen gelingt ihm das Kunststück, die Originale so zu transformieren, dass etwas Neues entsteht, ohne dass der ursprüngliche Geist der Songs verloren geht.

Steve Earle macht die Stücke von Guy Clark zu seinen eigenen und der Longplayer reiht sich nahtlos in seine Veröffentlichungen der letzten Jahre ein. Würde man nicht den einen oder anderen Titel kennen, könnte man auch annehmen, dass sie aus Earles Feder stammten.

New West Records/Pias – Rough Trade (2019)
Stil: Alternative Country

Tracks:
01. Dublin Blues
02. L.A. Freeway
03. Texas 1947
04. Desperados Waiting For A Train
05. Rita Ballou
06. The Ballad Of Laverne And Captain Flint
07. The Randall Knife
08. Anyhow I Love You
09. That Old Time Feeling
10. Heartbroke
11. The Last Gunfighter Ballad
12. Out In The Parking Lot
13. She Ain’t Going Nowhere
14. Sis Draper
15. New Cut Road
16. Old Friends

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Oktober Promotion

Ally Venable – Texas Honey – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Vor kurzem stand Ally Venable im Rahmen des Blues Caravan 2019 noch auf der Bühne im Dortmunder Musiktheater Piano und wurde in Sounds Of South ausführlich vorgestellt. Dort hinterließ sie einen nachhaltigen Eindruck. Jetzt kommt mit „Texas Honey“ ihr neues Album heraus – nach Puppet Show (2018) und No Glass Shoes (2016) bereits der dritte Longplayer der erst 20-jährigen Texanerin.

Sie hatte mit dem erfahrenen Blues-Gitarristen Mike Zito einen gestandenen Produzenten an ihrer Seite, der freudig von den Aufnahmen erzählt: „Ally ist die Zukunft des Blues und gleichzeitig eine Kreuzung zwischen Blues und amerikanischem Roots-Rock.“

Im überwiegend christlichen Süden der USA hat sie durch die Kirche ihre Gesangsstimme entdeckt. Sie hat aber nicht zur Worship-Musik gefunden, sondern in die Tradition des Texas-Blues-Rock – wie z.B. die, ihres großen Vorbildes Stevie Ray Vaughan, dessen Gitarrenkünste in „Love Struck Baby“ gewürdigt werden. Ein Song von Vaughans Debütalbum „Texas Flood“ (1983), der auch durch Allys Stimme in neuer Lebendigkeit begeistert.

„Nowhere To Hide“ eröffnet die LP rockig und frech und man bekommt einen ersten Eindruck, warum sie bereits 2015 bei den ETX Music Awards u.a. als beste Gitarristin ausgezeichnet wurde. Die Single-Auskopplung „Broken“ knüpft nahtlos an den rauen Blues der Vorgänger-Alben an. Der Titelsong „Texas Honey“ beweist, dass Ally Venable nicht nur gesanglich das Herzstück einer starken Blues-Rock-Band sein kann, sondern auch an ihrer 6-saitigen-Gitarre ein Highlight nach dem anderen abliefert und bei „Running After You“ ausgiebig für den Bottleneck-Einsatz verantwortlich ist!

„Blind To Bad Love“ ist ein harter Slow-Blues, der vom beständigen Schlagzeug-Beat getragen wird. Auf „Come And Take It“ wird Ally an der Gitarre und vocal-technisch vom Memphis-Blues-Musiker Eric Gales begleitet.

Mike Zito greift auf „Texas Honey“, neben seiner Produzententätigkeit, auch mehrfach musikalisch ins Geschehen ein und jammt z.B. bei „One Sided Misunderstanding“ zusammen mit seiner „Schülerin“, in einer Art und Weise die wirklich jeden Blues-Fan „elektrisieren“ sollte.

„White Flag“ setzt diesen Power-Blues mit knarzender E-Gitarre fort. Als letztes Stück nimmt sich Ally Venable den Blues-Traditional „Careless Love“ vor, der schon von zahlreichen Künstlern des Jazz- und Blues-Bereichs interpretiert wurde. Aber Ally gelingt es, diesem Klassiker in frischer und aktueller Weise das besondere Texas-Feeling einzuimpfen und doch ihre eigene jugendliche Note beizusteuern.

„Texas Honey“ ist eine LP, aus überwiegend selbstverfassten Songs, die melodischen und modernen Blues-Rock mit der typischen texanischen Härte verbindet. Ally Venable findet stets die richtige Balance zwischen imponierenden Solo-Parts und persönlichen Texten.

Sie rockt mit einer so ureigenen Entschlossenheit, die man wohl nur so im US-amerikanischen Süden in die Wiege gelegt bekommt und bringt ein Blues-Album in die Szene, das ihre Position als aufstrebendes Talent mit enorm viel Potenzial festigt.

Ruf Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Nowhere To Hide
02. Broken
03. Texas Honey
04. Blind To Bad Love
05. Come And Take It
06. Love Struck Baby
07. One Sided Misunderstanding
08. White Flag
09. Long Way Home
10. Running After You
11. Careless Love

Ally Venable
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Ruf Records