Jane Lee Hooker – 29.03.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Jane Lee Hooker zum zweiten Male im Schwarzen Adler! Nachdem sie vor gut zwei Jahren von Ruf Records, zwecks Pushen ihres Namens, noch im Schlepptau von Layla Joe unter dem Slogan ‚Double Trouble‘ durch die hiesigen Lande reisten, gab es jetzt in Rheinbergs Kult-Blues-Club, das erste Stelldichein unter komplett eigener Regie.

Ein paar Monate später hatte das Quintett mit „Spiritus„, aufgrund des nicht unerheblichen Southern Rock-Anteils, eines der für mich überraschendsten Alben des Jahres 2017 als Nachfolger ihres Debüts „No B!“ hingelegt.

Die fünf Mädels erschienen am gestrigen Abend in unveränderter Besetzung. Auch diesmal präsentierten sich die New Yorkerinnen Dana ‚Danger‘ Athens, Tracy ‚High Top‘, Tina ‚TBone‘ Gorin, ‚Hail Mary‘ Zadroga und Melissa ‚Cool Whip‘ Houston als verschworene Gemeinschaft, für die es nur einen Plan zu geben scheint, ihr ganzes Glück auf die musikalische Karte zu setzen.

Und das taten Jane Lee Hooker von Beginn an voller Leidenschaft, Energie und unbändiger Spielfreude. Mein Gott, was ging da schon für ein Rambazamba bei den furiosen, punk-bluesigen „How About That“ (neuer Song?) und „How Ya Doin‘?“ als Opener auf der Bühne ab.

Die wibbelige, sich fast immer in Action befindliche Fronterin Dana Athens sang und schrie sich bei den weitestgehend uprockenden Tracks wie u. a. „Wade In The Water“, „Gimme That“, „Ends Meet“, „Be My Baby“, „Shake For Me“ oder „Mama Said“, die Seele aus dem Leib, zeigte aber bei etwas gemäßigteren Tracks wie „The Breeze“ oder „How Bright The Moon“ stimmlich und am Keyboard, weitere Facetten ihres Könnens.

Die Rhythumsfraktion mit der schlaksigen ‚Hail Mary‘ Zadroga und der sehr fokussierten Melissa ‚Cool Whip‘ Houston, gab mit kraftvoll pumpendem Tieftöner und polternden Drums heftig die Pace an (beide mit Soli bei „Shake For Me“), von der die beiden quirligen Gitarristinnen, zu vielen Riffs, Fills und Soli, getrieben wurden.

Nicht selten ließen sich, besonders zu unserer Freude, Tina ‚TBone‘ Gorin und Tracy ‚High Top‘ zu längeren, im Southern Rock verwurzelten Einlagen (sogar partiellen Twin-Intermezzi) hinreißen. Letztgenannte trug nicht umsonst ein Lynyrd Skynyrd-T-Shirt unter ihrem bordeaux-farbenden Sakko.

Als eine atemberaubende Version des „Mean Town Blues“ den launigen Hauptteil beendet hatte, wurden die fünf Musikerinnen vom begeisterten Adler-Publikum regelrecht auf die Bühne zurück geschrien. Dem in Sachen Energie, Dynamik und Spielfreude nicht zu toppenden „Didn’t It Rain“ folgte dann vor dem endgültigen Gang zum Merchandising-Stand, noch eine krachende Version von „Mannish Boy“, bei der der gute Muddy vermutlich in seinem geruhsamen Grabe richtig durchgerüttelt wurde.

Dort zeigten sich die Mädels absolut sympathisch und kommunikativ, unterzeichneten Plakate, Bilder sowie CDs und standen für das eine oder andere Foto (unter anderem auch für unsere VIP-Galerie) als auch Smalltalk zur Verfügung. Solche Bands bereiten einfach Spaß! Sollte es so etwas wie Gerechtigkeit im Leben geben, müsste der Plan A von Jane Lee Hooker bei soviel Engagement und Hingabe normalerweise aufgehen…

Ruf Records und dem Adler-Team um Ernst Barten übrigens ein Kompliment für den Mut, auch etwas unkonventioneller agierenden, aufstrebenden Bands, seitens des klassischen Blues Rocks, eine Plattform für ihr Können in seiner namhaften Location zu bieten.

Line-up:
Dana ‚Danger‘ Athens (lead vocals, keys)
Tracy ‚High Top‘ (electric guitar)
Tina ‚TBone‘ Gorin (electric guitar)
‚Hail Mary‘ Zadroga (bass)
Melissa ‚Cool Whip‘ Houston (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Jane Lee Hooker – Spiritus – CD-Review

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Eigentlich habe ich ja als Nashville-verwöhnter Rezensent, nichts dagegen, wenn in Sachen Studioproduktionen, bei der instrumentellen und gesanglichen Umsetzung, alle heutig möglichen Hilfsmittel eingesetzt werden, um ein klanglich und musikalisch optimales Ergebnis zu erzielen. Für mich ist da entscheidend, was am Ende aus den Boxen im Wohnzimmer herauskommt. Wenn ich es ungeschliffen haben möchte, geh ich dann halt, soweit möglich, auf Konzerte und höre mir die Interpreten live vor Ort an.

Das ist aber sicher eine Sache der Mentalität und Einstellung zur Musik. Die uns von ihrem Konzert im Adler bestens bekannten Mädels von Jane Lee Hooker wählten mit ihrem Produzenten Matt Chiaravalle auf ihrem zweiten Studiowerk „Spiritus“ einen genau gegenteiligen Ansatz. Da wurde auf den Aufnahmeknopf gedrückt, frei von der Seele weg, ohne Einsatz von Effekten, Pedale und Overdubs, live im Studio losgerockt.

Ich hatte zunächst irgendein punkig angehauchtes, Garagensound-mäßiges schepperndes Ergebnis im Blues Rock-Gewand befürchtet, bin aber letztendlich sehr angenehm überrascht. Das liegt zum einen am guten, selbst geschriebenen Songmaterial (alle Achtung!) und an der meist Southern Rock-beeinflussten Spielweise der beiden Gitarristinnen. Vieles erinnert mich an die einstigen Mädels aus dem Skynyrd-Dunstkreis, The Motherstation, mit der ehemaligen Backgroundsängerin Susan Marshall (sang auf dem „1991“er-Album im Hintergrund).

Der furiose Beginn mit der Uptemponummer „How Ya Doin?“ mit gleich drei satten E-Gitarrenpassagen erinnert fast schon an die guten alten Molly Hatchet-Tage.  Die stonesk angehauchten“Gimme That“ und „Be My Baby“ machen richtig Laune. „Mama Said“ besticht durch eine Mischung aus starker Melodik, engagiertem Gesang und schönen E-Gitarren.

Beim speedigen „Black Rat“ sind die fünf Mädels natürlich absolut in ihrem Element. Klingt ein wenig wie „It’s All Over Now“ in der einstigen Molly Hatchet-Variante. Das ruhige, Piano-bestückte „How Bright The Moon“ fällt etwas aus dem Rahmen, zeigt aber, dass Sängerin Dana ‚Danger‘ Athens es bei ihrem selbst-kreierten Song gesanglich auch durchaus gefühlvoll drauf hat.

Beim teils gospelig, ebenfalls mit Southern Rock-Flair (E-Gitarren) bedachten „Turn On Your Love Light“ geht wieder richtig die Post ab. Am Ende haut das Quintett mit „The Breeze“ dann noch glatt einen 9-minütigen Southern Blues-Schwofer mit langem E-Gitarrensolo-Zwischenteil (ABB/MTB-Stil) heraus. Klasse!

Die Band mit Dana Athens, Tracy Almazan, Tina Gorin, Melissa Houston und Hail Mary Zadroga zählt somit zu den ganz großen, positiven Überraschungen des Jahres. Also keine Angst vor dem southern-umwehten lodernden Blues Rock-Feuer der fünf New Yorker Damen. Jane Lee Hooker löschen mit „Spiritus“…!

Ruf Records (2017)
Stil: (Southern) Blues Rock

01. How Ya Doin?
02. Gimme That
03. Mama Said
04. Be My Baby
05. Later On
06. Black Rat
07. Ends Meet
08. How Bright The Moon
09. Turn On Your Love Light
10. The Breeze

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