Melissa Etheridge – One Way Out – CD-Review

Review: Michael Segets

Beim ersten flüchtigen Durchlauf von „One Way Out” dachte ich, dass Melissa Etheridge wie in ihren frühen Jahren klingt. Dieser Eindruck täuschte nicht, denn die Ursprünge der Songs gehen tatsächlich bis in die 1980er zurück. Damals hatten die Stücke nicht den Weg auf ein Album gefunden. Diese Entscheidung muss aus irgendwelchen konzeptionellen Gründen gefallen sein, denn bei den Tracks handelt es sich nicht um Ausschuss- oder B-Ware.

Die Stücke gerieten in Vergessenheit, bis Etheridge ein Boxset über ihre Karriere plante. Sie trommelte ihre Weggefährten 2013 zusammen und spielte die Tracks gemeinsam mit Gitarrist John Shanks (Stevie Nicks, Sheryl Crow), Bassisten Kevin McCormick (Jackson Browne, Nils Lofgren) und Schlagzeuger Fritz Lewak (Jackson Browne, Vonda Shepard) ein.

Das Boxset wurde aufgrund eines Labelwechsels jedoch nie realisiert und Etheridge wandte sich neuen Projekten zu. Es gingen weitere sieben Jahre ins Land, bis ihr die Aufnahmen wieder ins Gedächtnis kamen. Angereichert mit zwei Livemitschnitten eines Konzerts von 2002 in Los Angeles liegen die sieben Songs auf „One Way Out“ nun als eigenständige Veröffentlichung vor.

Volle Gitarren, kräftige Mundharmonika und treibender Rhythmus dominieren den Titeltrack, der zugleich als erste Single ausgekoppelt wurde. „One Way Out“ erscheint vielleicht noch einen Tick härter als ich die Songs aus ihren musikalischen Anfangsjahren in Erinnerung habe. Auch sonst legt sich Etheridge mächtig ins Zeug. Mit Mundharmonika-Sprengseln nimmt beispielsweise „For The Last Time” Fahrt auf und steigert sich zu einem Refrain, bei dem sich Etheridge quasi die Seele aus dem Leib singt.

Die Studioaufnahmen wirken wie aus einem Guss, wobei sich die einzelnen Stücke voneinander abheben. In „As Cool As You Try” ist ein Gitarrensolo eingebaut – so cool wie der Titel verspricht. Die Hu-Hus auf „Save Myself” erinnern an die Rolling Stones. Mit „That Would Be Me” rockt Etheridge in für sie klassischer Manier, erneut unter Einsatz der Mundharmonika.

Neben den fünf allesamt erstklassigen Rockern streut Etheridge zwei langsamere Songs ein. Auch mit diesen knüpft die zweifache Grammy- und Oscar-Preisträgerin stilistisch an ihre frühen Erfolge an. Das Ende von „I’m No Angel Myself” untermalen gefühlvolle Gitarrenvibes. Während sie dort ihre Stimmgewalt zeigt, lebt „Wild Wild Wild“ von dem sensiblen Gesang, bei dem Etheridges markante Stimmfarbe voll zur Geltung kommt.

Mit den beiden Live-Mitschnitten hebt sich die Spiellänge der CD auf Album-Niveau, wobei sie die konzeptionelle Anlage des Werks durchbrechen. Ich bin kein Fan von Longplayern, auf denen Studio- und Liveaufnahmen gemischt sind, aber die beiden straight rockenden Songs „You Have No Idea” und „Life Goes On” lassen die Energie erahnen, die Etheridge auf der Bühne entwickelt. Es wäre schade gewesen, wenn die beiden, meines Wissens bislang unveröffentlichten, Titel weiterhin in der Schublade verschwunden geblieben wären. Als Bonus-Tracks stellen sie eine ideale Ergänzung des Streifzugs durch fast vergessene Aufnahmen dar.

Melissa Etheridge gräbt auf „One Way Out“ Schätze aus, die bislang in ihrem Fundus schlummerten. Durch die Bank wecken sie Erinnerungen an ihre ersten Veröffentlichungen. Auf den Songs rockt Etheridge fern jeglicher Nostalgie frisch wie in jungen Jahren.

Anmerkung der Red.: Der Veröffentlichungstermin der physischen Version ist kurzfristig auf den 01.10.2021 verschoben worden!

BMG Rights Management/Warner (2021)

Stil: Rock

Tracks:
01. One Way Out
02. As Cool As You Try
03. I’m No Angel Myself
04. For The Last Time
05. Save Myself
06. That Would Be Me
07. Wild Wild Wild
08. You Have No Idea (Live)
09. Life Goes On (Live)

Melissa Etheridge
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Samantha Fish – Faster – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Manchmal ist das Streben nach musikalischer Vielseitigkeit eine Verlockung, um die künstlerischen Möglichkeiten bis an die Grenzen des Genres auszudehnen. Diesen Eindruck vermittelt die US-amerikanische Blues-Rockerin Samantha Fish auf ihrem neuen Album „Faster“. Nachdem sie für ihr Debüt „Runaway“ (2012) mit dem Blues-Music Award ausgezeichnet wurde, hat die Musikerin aus Kansas City in den letzten 10 Jahren eine Reihe abwechslungsreicher Longplayer vorgelegt. Die Bandbreite der wesentlich im Blues und Rock’n’Roll beheimateten 32-jährigen Gitarristin, Sängerin und Songschreiberin reichte dabei vom Rhythm and Blues, über Soul, Delta-Country bis zum Blues, wie u. a. auf dem letzten Album aus „Kill Or Be Kind“ (2019).

Die Fortsetzung der Blues-Rock Ambitionen wird auf der neuen Scheibe durch den Titelsong „Faster“ gleich zu Beginn kräftig vorangetrieben. Ein Gitarren-Stück mit groovendem Beat – ein strammer Opener, der anschließend mit „All Ice, No Whiskey“ ohne Abstriche ein funkiges Pendant bekommt. Die in diesem Zuge gleichermaßen bluesrockig nachfolgende Single „Twested Ambition“ reiht sich hervorragend in diesen Abschnitt der LP ein. Überhaupt hat die erstmalige Zusammenarbeit von Samantha Fish und Starproduzent Martin Kierszenbaum (u.a. Lady Gaga, Sting) tiefgreifende Pop-Spuren hinterlassen.

Nach diesem heftigen Einstieg in den Longplayer wird jedoch mit dem vierten Song „Hypnotic“ die weitere Erwartungshaltung arg strapaziert. Dieses funk-orientierte Sound-Experiment markiert offen einen Bruch der bisherigen Stilrichtung, auch getrieben von Samanthas angelehnten Vocals, erinnert an frühere Prince-Klassiker im Pop-Bereich. Die temporeichen Songs „Forever Together“, „Crowd Control“ und „Imaginary War“ können jedoch trotz der stimmlichen Ausdrucksstärke von Samantha Fish und der Guitar-Energie, nur bedingt die Erwartungen erfüllen, die das Vorgänger-Album ausgelöst hat.

Samanthas selbstbewusste Kommentierung „I try to do something different with every album“ wird nicht zuletzt in Form der Guest-Performance von Rapper Tech N9ne beim folgenden Song „Loud“ deutlich. Einer Komposition, die als großartige Mischung von Keyboards und Guitar plus Rapp-Einlage gewertet werden kann. Die reife Blues Rock-Nummer „Better Be Lonely“ und der starke Rock’n’Roll „So Called Lover“ versöhnen Blues-Fans zum Ende hin. Die als Final-Track und Kontrastpunkt zum Albumtitel abschließende Ballade „All The Words“ ist symbolträchtig und grenzüberschreitend: nur Gitarre, Bass und Klavier begleiten Samanthas tiefgründige Interpretation.

Samantha Fish hat in ihrer bisher sehr erfolgreichen Karriere häufig neue Elemente aus Jazz, Country, Soul und Blues in ihre Musik aufgenommen. Sie bewegt sich mit ihrem neuen Longplayer „Faster“ neben altbekannten Stilmotiven aus Blues und Rock teilweise auf dem Terrain von Funk, Dance und Pop ohne ihre eigentliche Herkunft hinter sich zu lassen. „Faster“ ist ein Album, das Intuition, Spielfreude und Vielfalt anzubieten hat und über einen reinen Pop-Entertainment-Charakter weit hinaus geht.

Concord Records (2021)
Stil: Blues Rock and more

Tracks:
01. Faster
02. All Ice No Whiskey
03. Twisted Ambition
04. Hypnotic
05. Forever Together
06. Crowd Control
07. Imaginary War
08. Loud (featuring Tech N9ne)
09. Better Be Lonely
10. So Called Lover
11. Like A Classic
12. All The Words

Samantha Fish
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12-4-2 – 26.08.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nach einigen erfolgreichen Konzerten im letzten Jahr ging das von Martin Engelien ins Leben gerufene Projekt 12-4-2 nun weiter. Die zwölf Gitarrenseiten wurden wie zuvor von Ben Granfelt und Thomas Blug bedient, der Viersaiter, wie gewohnt, vom Meister selbst, nur die zwei Drumsticks wechselten in die Hände von Mel Gaynor, der schon bei den Simple Minds aktiv war.

Pünktlich nachdem die Regenschauer sich weiter Richtung Süden verzogen hatten, kündigte Pille Peerlings die Band an und unter dem Applaus von etwa 90 Besuchern, die trotz der unsicheren Wetterlage den Weg zum Schlachtgarten gefunden hatten, betrat die Band im wieder schön illuminierten Gelände die Bühne.

Schon beim einleitenden Instrumental „One Earth“ zeigte die Band, welch exzellente Musiker auf der Bühne stehen. Granfelt und Blug schmissen sich ähnlich wie bei Wishbone Ash, wo Granfelt auch einige Jahre spielte, fast synchron twinguitarmäßig, die Melodien zu und die Rhythmusfraktion sorgte für eine volle, energiegeladene Grundlage und glänzte zuweilen auch mit starken Soloeinlagen. Es folgte eine bunte Mischung aus Songs, meist aus der Feder Granfelts und Blugs, welche mit einigen Coversongs gespickt waren, die es in sich hatten.

Nach dem Intro kündigte Granfelt mit einem Augenzwinkern den ersten eigenen Song an und es folgte eine starke Version des Gerry Rafferty Klassikers „Baker Street“ wo das Saxophon gar nicht vermisst wurde, da Granfelt und Blug an den Gitarren dies durch krachende Soli ersetzten.

Danach zeigte der von Granfelt als bester deutscher Gitarrist auf der Bühne vorgestellte Thomas Blug, bei „My House Is Green“, dass er ein genau so feines Händchen im Songwriting wie an den Gitarrensaiten hat. Dass der Song instrumental war, fiel gar nicht großartig auf, da man zuweilen das Gefühl hatte, die beiden Gitarristen würden ihr Instrumente singen lassen.

Beim folgenden „Breathe“ zeigte ein stimmlich bestens aufgelegter Granfelt, dass er mit Sicherheit zu der Topgarde der Gitarristen zählt, wobei er hier auch von Blug unterstützt wurde und die zweistimmigen Gitarren dem Song ein ganz neues Flair gaben. Nahtlos reihte sich das psychedelisch angehauchte Instrumental „Melodic Relief“ von Granfelts letzter Platte an, welches mit einigen jammenden Passagen aufwartete, wo alle Musiker ihr Können zeigen konnten.

Das verträumte „Faith, Hope & Love“ mag manchem als Wisbone Ash-Cover vorgekommen sein, es stammte aber aus Granfelts Zeit bei der Band und aus seiner Feder. Stark war hier, wie sich Granfelt und Blug perfekt ergänzten und für Begeisterung bei den Besuchern sorgte.

Zum Ende des Sets kam dann ein furioser Auftritt vom Drummer Mel Gaynor. Eine deftig rockende Version von „Superstition“, mit treibenden Drumbeats wurde von ihm passend dynamisch gesungen.

Nach einer kurzen Pause ging es dann mit „Freeway Jam“ und „Victorious“ weiter. Bei der Anmoderation seines Songs „Hey Stranger“ sorgte Ben Granfelt mit einer Freudschen Fehlleistung für Applaus. Er schilderte Situationen, wenn er auf Tourneen durch Städte geht, in Cafes sitzt, z. B. auch in Krefeld und man mit Fremden ins Gespräch kommt und sich vorstellt und er sich dann als Ben Krefeld benannte, was Engelien später bei der Vorstellung von ihm noch einmal unter dem Applaus der Besucher später aufnahm.

Das folgende „I Won’t Forget“ von Blug war eine passende Einleitung für „My Soul To You“ von der gleichnamigen Scheibe von Granfelt, wo er die Gitarre im Stile eines Mark Knopflers erklingen ließ. Zum Ende des zweiten Sets folgten Blugs „Whitching Hour“ und das fulminante „Almighty Blues“, angekündigt als ein Stück, das so 20 – 25 Minuten dauert. Warum die Zeitangabe von Bedeutung für Pille Peerlings und Kolja Amend von Bedeutung war, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand.

Ein Solo der vier Musiker jagte das nächste und man hatte den Eindruck sie würden sich in einen regelrechten Rausch spielen, was für Standing Ovations sorgte. Unter lautstarken Zugabeforderungen verließ die Band die Bühne und wurde von Peerlings und Amend in Empfang genommen.

Was kaum einer bemerkt hatte, der Schlachtgarten bekam Besuch vom Ordnungsamt, das eine Beschwerde eines besorgten Krefelder Bürgers erhalten hatte, die zeigte, dass es neben Corona noch andere, vielleicht viel schlimmere und nachhaltigere Probleme für die Kultur unter freiem Himmel gibt: Nämlich Spaßbremsen, die um 22:30 Uhr nicht in der Lage sind, Musik von Außen zu ertragen.

Vielleicht hätte es ja auch gereicht, die Fenster zu schließen oder einfach die Glotze etwas lauter zu machen. Es gab auf jedem Fall die Auflage, dass das Konzert nach dem gerade begonnenen Song zu beenden sei. Dass danach weiter Züge über die direkt neben dem Gelände liegende Bahntrasse rumpelten, sei dabei nur am Rande erwähnt. Wegen der sehr stringenten Ansage des Ordnungsamtes machten sich die beiden Veranstalter Sorgen, da sie dachten, die 20 – 25 Minuten wären ein Scherz gewesen, aber schnell erkannten Sie, dass der Song für mehrere Jampassagen ausgelegt war.

Die Band kam dann noch einmal auf die Bühne, um sich zu verabschieden und es wurde erklärt, warum es keine weiteren Stücke gab. Trotz dieses abrupten Endes erlebten die Besucher ein ganz starkes Konzert, auch ohne das obligatorischen „Going Home“ bei Gigs mit Ben Granfelt und alle Anwesenden werden mit Sicherheit erneut dabei sein, wenn diese Musiker wieder zusammen auftreten. Dies wird dann aber vermutlich unter anderen Voraussetzungen stattfinden.

Bei den Konzerten im letzten Jahr stellten Granfelt und Blug fest, dass es richtig Spaß bereitet, gemeinsam was zu machen. Dies veranlasste Engelien zur Überlegung, Mel Gaynor an den Drums dazu zu holen und aus dem temporären Projekt eventuell eine eigenständige Band zu machen. In diesem Fall darf man sich schon jetzt auf eine absolut starke Liveband freuen.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Mel Gaynor (drums, lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Granfelt
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Thomas Blug
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Martin Engelien
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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Willie Nile – The Day The Earth Stood Still – CD-Review

Review: Michael Segets

Woher nimmt der 73jährige die Energie, am laufenden Band Alben herauszubringen, auf denen er wie ein Jungspund rockt? Mit „The Day The Earth Stood Still“ veröffentlicht Willie Nile den vierten Longplayer in den letzten fünf Jahren. Seit seinem Debüt im Jahr 1980 stehen jetzt zwanzig Tonträger im Katalog, wenn die Live-CDs und seine EP mitgezählt werden. Dabei kam es nach dem zweiten Album zu Rechtsstreitigkeiten, die seine musikalische Karriere erst einmal ausbremsten. Nach zehnjähriger Abstinenz meldete sich Nile erst Anfang 1990er zurück. Mit „Streets Of New York“ startete er dann 2006 richtig durch. Seitdem scheint seine Produktivität keine Grenzen mehr zu kennen.

Nach „New York At Night“ (2020), einem Stimmungsbild seiner Wahlheimat, wendet sich Nile nun in seiner scharfzüngigen Art wieder politischen und sozialkritischen Themen zu. Er knüpft damit an „Children Of Paradise“ (2018) an, was sich auch im Stil der Covergestaltung zeigt.

Willie Nile macht auf „The Day The Earth Stood Still” wieder sein Ding. „Where There’s A Willie, There’s A Way” ist daher das Programm der CD. Der Song weist Anleihen bei The Clash auf und sollte dementsprechend laut gehört werden. „Off My Medication” lässt es ebenso richtig krachen. Wofür die Jugend Aufputschmittel braucht, erreicht man im Alter wohl bereits, wenn die Medikamente weggelassen werden. „Sanctuary“ rockt hingegen in melodiöseren Bahnen. Bei „Expect Change“ und „Time To Be Great” setzt Nile die eingeschlagene Richtung fort. Ein Schelm, wer die Titel als Abgesang auf die Ära Trump sieht.

„The Justice Bell For John Lewis” würdigt den im letzten Jahr verstorbenen, afro-amerikanischen Bürgerrechtler und Kongressabgeordneten der Demokraten. Anfänglich auf Klavierbegleitung reduziert entwickelt der Song später hymnische Züge. Neben den zeitgeschichtlichen Bezügen greift Nile aber auch die Liebesthematik auf, die wohl zeitlos ist. Dies tut er beim Midtempo-Stück „Way Of The Heart“ sowie beim über weite Passagen akustisch gehaltenen „I Will Stand“. „I Don’t Remember You“ hat vor allem im Einstieg einen Country-Einschlag. Die harmlos wirkende Melodie versieht Nile mit einem wunderbar bissigen Text.

Auf dem Longplayer sind also wieder einige äußerst gelungene Willie-Nile-Werke zu hören. Zu meinen Favoriten zählen der Titelsong, der zu den besten gehört, die sich auf seinen letzten Werken finden, sowie „Blood On Your Hands“, das durch die Beteiligung von Steve Earle zusätzlichen Reiz gewinnt.

Willie Nile liefert in schneller Folge hochwertige Alben ab. „The Day The Earth Stood Still” reiht sich ohne Qualitätsverlust in seine Veröffentlichungen der letzten Jahre ein. Nile spielt mit leichten Modifikationen seines Sounds, wobei dessen Wiedererkennungswert erhalten bleibt. Insgesamt gelingt ihm so eine abwechslungsreiche Scheibe, auf der die kräftig rockenden Songs den Gesamteindruck prägen.

River House Records/Indigo (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. The Day The Earth Stood Still
02. Sanctuary
03. Where There’s A Willie, There’s A Way
04. Blood On Your Hands
05. The Justice Bell For John Lewis
06. Expect Change
07. I Don’t Remember You
08. Off My Medication
09. I Will Stand
10. Time To Be Great
11. Way Of The Heart

Willie Nile
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D-A-D – Support: Bonsai Kitten, 15.08.2021 , Dubois Arena, Essen – Konzertbericht

Weil sich Indoorveranstaltungen weiterhin problematisch gestalten, ergab sich für den Essener Hard Rock-Tempel Turock die Möglichkeit, einige Konzerte open air in der Dubois Arena in Essen-Borbeck zu veranstalten. Die ursprünglich als Boxarena in den 50er-Jahren wie ein Amphitheater gebaute Location gab einen schönen äußeren Rahmen, wobei der einzige kleine Nachteil die Bühne war, die ebenerdig ist, sodass die Zahl der Sitzmöglichkeiten im inneren Raum aufgrund von Sichtbeeinträchtigungen nur sehr begrenzt war.

Dafür war auf den relativ steilen Rängen genügend Platz, um das Konzert zu verfolgen. Pünktlich um 19:00 Uhr betraten die aus Berlin kommenden Bonsai Kitten die Bühne und legten direkt rockig los. Im Mittelpunkt standen die Sängerin Tiger Lilly Marleen, die mit ihrer extrovertierten Art mit glitzernden Outfit schnell den Zugang zum Publikum fand und Gitarrist Andre „Wally“ Wahlhäuser mit einigen rockenden Soli.

Bassist Spoxx und Drummer Marc Reign sorgten für die nötige Rhythmusgrundlage in dem etwa 40-minütigen Auftritt, in dem die Band zum Großteil Songs des aktuellen Albums „Love And Let Die“ präsentierten. Zum Ende des D-A-D-Konzertes stand die ganze Band geduldig und gut gelaunt noch den Besuchern für Smalltalk, Fotos oder das Zeichnen von Fanartikeln zur Verfügung. Sehr sympathisch und fanfreundlich war dabei beim Verkauf der Vinylalben der Hinweis, dass die fürs Auge schönen, aber etwas teureren farbigen Vinyls in der Soundqualität schlechter wären, als die klassisch schwarze Pressung.

Nach einer etwa 40 minütigen Umbaupause betraten dann die vier Dänen unter dem Applaus der Fans die Bühne. Nach einer kurzen Begrüßung durch Fronter Jesper Binzer, in der er zum Ausdruck brachte, dass er froh sei, das erste Konzert im Ausland seit Beginn von Corona zu haben, legten D-A-D direkt los wie Danish Dynamite.

Den relativ weiten Abstand von der Bühne zum Publikumsbereich überbrückten die Binzer-Brüder immer wieder, indem sie die Bühne verließen und direkt vor den Zuschauern spielten, was natürlich von den Fans dankbar aufgenommen wurde. Jesper Binzer trug eine, einer Paradeuniform ähnelnde, blaue Jacke mit gelben Ornaten und bildete so mit seiner Gibson Flying V einen optischen Blickfang und brachte mit seiner symphatischen Art und teilweise deutschen Ansagen direkt das Publikum hinter sich.

Sein Bruder Jacob, ganz in schwarz gekleidet und seinem markanten Hut, glänzte mit vielen Soli und seiner fast schon stoischen Ruhe, mit welcher er seine verschiedenen Gitarren, meist eine Gibson Les Paul, bearbeitete. Stig Pedersen war wie so oft natürlich ein optisches Highlight. Eine enge rote Hose, Plateau-Stiefel, die in noch einmal um etwa 10 cm größer machten, eine schwarze Jacke, die statt eines Kragens wild nach oben stehende Federn hatte und dazu natürlich die selbstgebauten zweiseitigen Tieftöner, wobei er sich diesmal auf nur fünf Varianten beschränkte.

Wie so meist begann er mit dem Bass mit Plexiglascorpus, um nach einigen Songs auf den oberen Teil des hinteren Kotflügel eines Oldtimers mit Rückbeleuchtung zu wechseln. Später durfte dann noch der Bass, wo Korpus und Kopf der Gitarre vertauscht waren, bestaunt werden und zum Abschluss gab es den legendären Raketenbass, diesmal leider ohne pyrotechnische Effekte. Erstaunlich war, mit welcher Sicherheit sich Stig auf seinen Stiefeln auf der Bühne bewegte und dabei nicht an Posen sparte.

Laust Sonne, wie gewohnt mit einem Anzug, beackerte die Drums, welche er im späteren Verlauf trotz Aufforderung Jesper Binzers nicht zerstörte.D-A-D gestalteten die Setlist so, dass nahezu alle Schaffensphasen der Band sich wieder fanden. Schon früh im Programm wurden die Besucher mit „Jihad“ auf Betriebstemperatur gebracht und auch das wieder ins Programm aufgenommene „Helpyourselfish“ begeisterte die Anwesenden. Passend dazu trug Pedersen einen Gitarrengurt mit den legendären Fischgräten, welche aus dem D-A-D Emblem, dem Büffelkopf, gebildet ist.

Das bluesige „A Prayer For The Loud“ vom gleichnamigen aktuellen Album zeigte, dass D-A-D auch dieses Genre beherrscht, wobei Jesper Binzer dies optisch fast wie ein Gebet zelebrierte. Danach gab sich ein Klassiker nach dem anderen die Hand und sorgte dafür, dass die Stimmung nicht abflaute. Ob „Riding With Sue“ oder das psychedelische „Monster Philosophy“ und die den Hauptteil abschließenden hardrockenden Nummern „Rim Of Hell“, „Bad Craziness“ und „Evil Twin“: Alle zeigten, warum D-A-D seit Jahrzehnten eine treue Fangemeinde haben, denen manchmal auch eine Anfahrt von über 600 km nicht zu weit ist.

Nach lautstarken Zugabeforderungen ließen die vier Dänen die Fans nicht lange warten und legten noch drei furiose Zugaben nach, wobei, wie nicht anders zu erwarten, der ‚motherfuckende‘ Tag danach („Sleeping My Day Away“) und das abschließende „It’s After Dark“ den krönenden Abschluss bildeten. Bei „Sleeping My Day Away“ konnte Jesper Binzer noch einmal mit famosen Gitarreneinlagen glänzen und bei „It`s After Dark“ zeigt Stig Pedersen, dass er auch gesanglich einiges zu bieten hat. Beide verabschiedeten sich im passenden dunkelblauen Licht sich dann abwechselnd vom Publikum.

Es gab danach noch einige weitere Zugabeforderungen, aber jedem müsste klar sein, dass nach „It’s After Dark“ nichts mehr kommen kann und darf. Dieser Song ist schon gleich einem Ritual der Abgesang auf jedem Konzert von D-A-D, und das darf nach etwa 100 Minuten Vollgas auch so sein!

Manch einer wartete vergeblich auf „Laugh And A Half“ oder „Grow Or Pay“ oder „I Won`t Cut My Hair“ und was da noch alles hätte kommen können. Aber ist es nicht viel schöner, wenn nicht immer dieselben Songs gespielt werden, sondern innerhalb des Repertoires mal getauscht wird, sodass nicht, wie bei einigen Bands, über Jahrzehnte praktisch das gleiche Konzert gespielt wird.

Fazit: Der Liebe Gott hatte vermutlich das Gebet zum Lautsein zu Beginn des Konzertes erhört und dafür gesorgt, dass das Wetter bis nach dem Konzert sommerlich warm geblieben ist, und ich die ersten Regentropfen erst auf der Windschutzscheibe hatte, als ich das Stadtgebiet von Essen verlassen hatte.

So ergab sich für die Fans ein rundum gelungener Konzertabend, in einer netten Location, in der auch für das leibliche Wohl gesorgt wurde, mit zwei Bands, die einfach Bock machen und selbst auch Freude haben, ihre Songs präsentieren zu dürfen.

Ein besonderer Dank gilt neben den Musikern und den Technikern für Sound und Licht dem Team des Turock für den reibungslosen und entspannten Ablauf, sowie Dragon Productions, hier besonders an Jörg Düsedau, für die wie immer problemlose Korrespondenz vor dem Konzert bezüglich einer Fotoerlaubnis, aber auch während des ganzen Abends (in dem Sinne Moin nach Hamburg, bis zum nächsten Mal).

Line-up D-A-D:
Jesper Binzer – lead vocals, guitar
Jacob Binzer – guitars, vocals
Stig Pedersen – bass, vocals
Laust Sonne – drums, vocals

Line-up: Bonsai Kitten
Tiger Lilly Marleen – lead vocals
Andre „Wally“ Wahlhäuser – guitars, vocals
Spoxx – bass, vocals
Marc Reign – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Turock, Essen
DRAGON Productions

The Cold Stares – Heavy Shoes – CD-Review

Review: Jörg Schneider

The Cold Stares sind ein Duo aus Indiana, bestehend aus Chris Tapp (Saiteninstrumente, Keyboards, Vocals) und Brian Mullins (Drums, Percusssion). Beide haben eine bewegte und teils düstere Lebensgeschichte hinter sich und insbesondere Chris Tapp war wohl nie auf Rosen gebettet. So ist es naheliegend, dass sich ihre Erfahrungen auch in den zwölf Songs ihres neuen Albums „Heavy Shows“ wiederspiegeln, welches nun am 13. August in die Läden kommt.

In den Staaten sind die beiden keine Unbekannten mehr, sind sie doch in der Vergangenheit u. a. bereits mit den Rival Sons und der 70’er Jahre-Rocktruppe Grand Funk Railroad aufgetreten.

Bis auf eine Ausnahme („In The Night Time“) sind alle Tracks des Albums roh, heavy und basslastig. In den übrigen Songs brettern Tapp und Mullins knallhart durch die Rock ’n’ Roll-, oder besser gesagt Hard-Rock-Gefilde, in denen sich auch schon Led Zeppelin oder Black Sabbath seinerzeit ausgetobt hatten, angereichert mit Blues, Desert Rock, Garage und einem Schuss Gothic. Insofern ist ihr Album durchaus auch als eine Reminiszenz an vergangene Zeiten zu sehen.

Gleich der Opener „Heavy Shows“, der schwierige Beziehungen behandelt und an den Sound von Black Sabbath erinnert, legt den Grundstein für die weitere musikalische Reise auf dem Longplayer. Auch mit „40 Men Dead“, einer Geschichte über einen amoklaufenden Kriegsheimkehrer, geht es punkig-wüstenrockig weiter. In „Take This Body From Me“ geht es um verbotene Liebe und „Hard Times“ thematisiert das Pech, welches einen im Leben verfolgen kann.

Auch „In The Night Time“ schwelgt in vergangenen Sounds, die Keyboardsequenzen wecken Erinnerungen an den Oldie-Hit „Green Onions“ von „Booker T and The MG’s“ und ist von dem „Tag der Toten“, einem mexikanischen Fest, inspiriert. Andere Songs beschäftigen sich mit der Suchtproblematik („Save You From You“), emotionaler Folter (das Led-Zeppelin-artige „Prosecution Blues“) und Manipulation („Election Blues“).

Über das Album sagt Chris Tapp selbst, dass er versucht, seine Geschichten mit dem Blick eines Edgar Allen Poe oder eines William Faulkners zu erzählen und auch visuelle Eindrücke vor dem geistigen Auge hervorzurufen. Die Songs beleuchten damit sehr authentisch und ehrlich verschiedene Aspekte und Abgründe des menschlichen Daseins.

„Heavy Shoes“ ist ein starkes Album, das vor allem die Freunde einer rohen und härteren Gangart mit Anleihen aus vergangenen Hard Rock-Zeiten ansprechen wird.

Label: Mascot Label Group
Stil: Rock, Blues

Tracks:
01. Heavy Shoes
02. 40 Dead Men
03. Take This Body From Me
04. Hard Times
05. In The Night Time
06. Strange Light
07. Prosecution Blues
08. It’s A Game
09. Save You From You
10. You Wanted Love
11. Election Blues
12. Dust In My Hands

The Cold Stares
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Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 26.06.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

priesthaupt

Gute acht Monate ist es jetzt her, dass ich ein Live-Konzert besucht habe, für den Inhaber eines Rock-Musikmagazins eigentlich eine regelrechte  Horrorvorstellung. Dabei muss ich zugeben, dass es mir nach der langen Pause sogar ein wenig schwer fiel, wieder in Gang zu kommen. Trotzdem überwog natürlich die Freude, dass die Kulturszene, dank der momentan überschaubaren Inzidenzzahlen, endlich aufatmen darf und wieder erste Steps im Hinblick auf eine zukünftige Normalisierung tätigen kann. Trotzdem schwebt ein Bangen vor weiteren Rückschlägen immer noch irgendwie mit.

Der Schwarze Adler war jedenfalls optimal gerüstet. Unkomplizierte Corona-Schnelltests im nebenstehenden kleinen Anbau, eine abstandskonforme, sehr gemütlich, mit kleinen Lampen inszenierte Tischanordnung (gefiel mir sehr gut) mit den entsprechenden Formularen darauf zur Nachverfolgung. Ideal natürlich auch zum Verfassen meiner Konzertnotizen. Ist es da als Adler-Genosse schon legitim, hier von einem Home-Office-Arbeitsplatz zu reden…?

Was für eine Welt?! Ehrlich gesagt, würde ich alles lieber, wie früher, eng stehend, kaum was sehend im Dunklen, mit dem einen oder anderen Ellbogen von vorne, der Seite oder im Rücken, in kaum lesbarer Schrift festhalten. Sicherheitstechnisch gesehen, passte aber alles somit auf den Punkt! Kompliment an das Adler-Team für die perfekte Organisation!

Zu Gast war mit Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws ein mit unserem Magazin eng verbundenes und geschätztes Quartett, dessen Debüt-Auftritt in der hiesigen Blues-Kultstätte nach zwei Verschiebungen, jetzt im dritten Anlauf endlich realisiert werden konnte. Und auch hier stieg die charismatische Texanerin Dede Priest mit ihrem niederländischen Begleittrio in Form von Johnny Clark (alias Hans Klerken), Leon Toonen und Ray Oostenrijk, absolut pünktlich um 20:00 Uhr nach kurzer Begrüßung durch Ernst Barten auf die Bühne und fügte mit ihrem stürmischen „Texas Hurricane“, dem ausgeklügelten Adler-Lüftungssystem zum Auftakt mit einer wahren Stoßlüftung eine weitere vorbeugende Komponente hinzu.

Klasse direkt hier Dedes Hendrix-angelehntes Wah-Wah-E-Gitarrenspiel mit Hilfe ihres Cry Baby Pedal-Effektgerätes, das sich als eines ihrer fortlaufenden Trademarks (für Nichtkenner der Band) herauskristallisierte, ebenso wie die mimisch-gesangliche Begleitung eines jeden ihrer Soli. Ein weiteres unabdingbares Musik-Utensil ist natürlich ihre Violine, passend zu ihrem gypsy-mäßigem Kleidungsstil an diesem Abend (dazu die gewohnten schwarzen fingerlosen Handschuhe), die dann beim folgenden Stomper „Vermillion Allure“ ihren ersten Einsatz fand.

Ihr Counterpart, Johnny Clark, der schon beim aktuellen Album „When Birds Were Snakes“ gefühlt etwas präsenter erscheint, durfte seine knochige Stimme zum ersten Mal am Ende von „Mudslide“ einbringen. Neben Leadgesangseinsätzen bei „Superlovely“, „Make That Double A Double“, „Alaska“ und der Merle Travis Country-Folk-Klassiker-Adaption von 1947 „16 Tons“ (im Wechselgesang mit Dede zum Abschluss des Hauptteils), beschränkte er sich überwiegend auf das Zuspiel mit seinen beiden Les Paul- und Stratocaster-E-Gitarren, wobei sein Faible für Creedence Clearwater Revival-typische Klänge öfter zum Ausdruck kamen. Aber auch das eine oder andere Solo (konventionell oder geslidet) ließ er sich natürlich nicht nehmen. Guter Mann!

Drummer Leon Toonen war die Freude, sein Hand-Fuß-Koordinierungsvermögen am Schlagzeug endlich wieder vor Publikum präsentieren zu können, am deutlichsten anzumerken, sein Gesicht strahlte über den gesamten Verlauf des Gigs, während sich sein immer sehr introvertiert wirkender Rhythmuskollege Ray Oostenrijk, lieber der hochkonzentrierten Tieftönerarbeit widmete.

Am Ende standen zwei tolle Parts (samt kurzer Zwischenpause) mit über 20 Songs zu Buche, wobei sich neben dem oben erwähnten Opener „Texas Hurricane“, noch die beiden balladesken Ohrwürmer „Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)“, „It’s Getting Late“ sowie der Titeltrack ihres ersten Albums „Flowers Under The Bridge“, der gegen Ende in eine wahre Wah-Wah-E-Gitarren-Orgie mündete und dem folkigen „Whisper & Whistle“ (Johnny mit Akustikgitarre und Dede an der Violine nur im Duett als erste von drei Zugaben), als meine persönlichen Favoriten eines hochwertigen Abends herauskristallisierten.

Schade, dass durch die Pandemie-bedingten Vorgaben samt der anfangs erwähnten Gemütlichkeit dem typischen Adler-Hexenkessel, der sich bei solch starken Gigs üblicherweise entwickelt, quasi ein imaginärer Riegel vorgeschoben wurde. Unter normalen Voraussetzungen hätte das texanisch-niederländische Quartett die Vierbaumer Kultstätte sicherlich im Sturm erobert.

So blieb es zunächst bei viel anerkennendem Applaus der zufriedenen Anwesenden und der Hoffnung, dass Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws demnächst mal vor voller Hütte samt brodelnder Atmosphäre, in unbeschwerten Zeiten, ihre Klasse offerieren können. Die Visitenkarte, die von der Band hinterlassen wurde, war jedenfalls auf ganzer Linie überzeugend.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
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Schwarzer Adler Rheinberg

Toto – With A Little Help From My Friends – CD-/Blu-ray-Review

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Auf den ersten Blick mag hier ein Review über Toto sicherlich etwas ungewöhnlich erscheinen, für mich persönlich als Initiator dieses Magazins gibt es allerdings doch diverse Gründe, warum ich mich für eine Rezension ihrer neuen Live-CD-/Blu-ray (edel gestaltetes Klapp-Digipak) entschieden habe.

Zum einen zählen die Kalifornier für mich zu den typischen Bands, die es spätestens mit ihrem damaligen Ersthit „Hold The Line“ samt seines prägnanten Pianointros, in die Beachtung eines jeden Rockfans, egal welcher Couleur, geschafft hatten und dank kontinuierlicher kreativer Leistungen, weiterer Hits und charismatischer Musiker, bis heute eine gewisse Akzeptanz behalten haben.

Dazu habe ich in früheren, weniger spezialisierten Mags als diesem, bei denen ich mitgewirkt habe, ganze viele Scheiben aus diesem Musikdunstkreis mit Freude besprochen.

Einer der beiden eigentlichen Hauptgründe ist allerdings, dass ich dank eines Steve Lukather-Gigs in Bochum, mal einen Musiker der von mir hochgeschätzten Southern Rock-Band Laidlaw, die aus meiner Sicht um die Jahrtausendwende herum, drei vorzügliche Alben kreiert hatten, persönlich kennenlernen durfte. Und zwar deren Mastermind Craig deFalco, der auf dieser Tour als Gitarrentechniker dabei gewesen ist.

Der andere ist unser guter Freund Steve Maggiora, der Keyboarder von unseren bestens bekannten Southern Rock-Lieblingen Robert Jon & The Wreck, der mittlerweile als Neu-Mitglied für das aktuelle Toto-Line-up angeheuert und integriert wurde. Für ihn vermutlich so was wie ein tastentechnischer Ritterschlag.

Apropos neues Toto-Line-up: Unter den Fittichen von Gründer David Paich als musikalischer Direktor wurde um Steve Lukather herum mit einer gelungenen Mischung aus erfahrenen und jungen hungrigen Akteuren, der Beginn einer neuen und nachhaltigen Ära eingeläutet.

Zu den bereits genannten Leuten gesellen sich der auch schon zu früheren Tagen präsente Joseph Williams als Leadsänger mit seiner markanten Tenorstimme, der frühere Huey Lewis And The News-Bassist John Pierce, der Multiinstrumentalist und Sänger Warren Ham (saxophone, percussion, flute), sowie die Ex Ghost-Note-Musiker Dominique „Xavier“ Taplin (früher auch Prince) am ersten Keyboard und Robert „Sput“ Searight am Schlagzeug dazu.

Das für ein globales Streaming Event in Los Angeles aufgezeichnete Konzert gibt es jetzt in den verschiedenen digitalen Formaten zu erwerben, uns liegt, wie bereits oben erwähnt, die CD-/Blu-ray-Variante vor.

Vorab muss leider gesagt werden, dass der Pandemie-bedingte, eingeschränkte äußere Rahmen, den tollen Leistungen der beteiligten Akteure leider nicht gerecht wird. Eine sehr sterile dunkle (Fabrik-) Atmosphäre, ab und ab und zu mal ein paar vereinzelte Klatscher der umstehenden Techniker nach den Liedern, so macht Livemusik sicherlich nur bedingt Spaß.

Die Musiker zeigten sich von dem spartanischen Drumherum allerdings völlig unbeeindruckt. Getragen von der neuen Band-Chemie und der weltweiten Aufmerksamkeit (wenn auch nur an den Bildschirmen), ließen sie ihrer Spielfreude freien Lauf, teilweise in einem wahren Rausch, man höre nur das Ende vom rockigen „White Sister“ mit finalem Drumsolo als Übergang zu „You Are The Flower“ – fantastisch!

So gut wie jeder konnte sich samt seines Instrumentes oder mittels Gesang gebührend einbringen, wenn auch Williams als Hauptleadsänger und Lukather (teilweise Leadgesang) mit seinen unzähligen quirligen E-Gitarren-Soli, natürlich als tragende Säulen fungierten.

Rock, Pop, AOR, Melodic Rock mit vielen progressiven Elementen, die Superhits „Hold The Line“ und „Rosanna“ in famosen Versionen und weitere hochmelodische Songs mit viel Luft für Improvisationen, machen dieses tolle Konzert im Wesentlichen aus.

Am Ende mit dem Hinzugesellen von David Paich sind dann gleich drei Keyboards beim ‚Finale Furioso‘ mit „Rosanna“ und dem Beatles-Hit (bekannt aber eher durch Joe Cocker) „With A Little Help From My Friends“ am Start. Bei letztgenanntem Klassiker mit vielen wechselnden Lead-Gesängen kann besonders Steve Maggiora mit dem berühmten Cocker-Schrei-Part glänzen.

Insgesamt ein trotz des sterilen Rahmens beeindruckendes Musikerlebnis, das die schon immer währende Spielqualität der Kultband bestätigt, und das starke Line-up mit viel Bedacht, und gutem Konzept, in ein neues Zeitalter weiterführt.

Als weitere Menüpunkte gibt es noch den Trailer und eine Dokumentation, bei der alle Beteiligten zur vergangenen, aktuellen und zukünftigen Toto-Historie ausgiebig zu Wort kommen. Besonders darf man allerdings auf die geplante Europa-Tour in 2022 gespannt sein, dann hoffentlich wieder unter normalen Bedingungen,  in ausverkauften Locations und gerne mit Sounds Of South-Berichterstattung…

Mascot Label Group (2021)
Stil: Rock

CD und Blu-ray-Trackliste (identisch):
01. Till The End
02. Hold The Line
03. Pamela
04. Kingdom Of Desire
05. White Sister
06. You Are The Flower
07. I Won’t Hold You Back
08. Stop Loving You
09. Band Introductions
10. Home Of The Brave
11. Rosanna
12. With A Little Help From My Friends

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Quinn Sullivan – Wide Awake – CD-Review

cover Quinn Sullivan - Wide Awake

Review: Jörg Schneider

Am 4. Juni bringt der hierzulande noch relativ unbekannte Quinn Sullivan sein inzwischen viertes Album heraus und das mit jugendlichen 22 Jahren. Dabei kann der junge Kerl auf einen durchaus beachtlichen musikalischen Werdegang zurückblicken. Immerhin wurde er bereits im Alter von 8 Jahren von der Blueslegende Buddy Guy entdeckt und gefördert.

In der Folge spielte er u. a. mit so großartigen Gitarristen und Bluesern wie Joe Bonamassa, Eric Gales, B.B. King und Carlos Santana, um nur ein paar zu nennen. Und in 2013 durfte er gar zusammen mit Buddy Guy und Robert Randolph auf Eric Claptons Crossroads Guitar Festival auftreten. Welch Ehre für den damaligen Teenager!

Obwohl seine musikalischen Wurzeln tief im Blues verankert sind, geht Sullivans neuer Longplayer „Wide Awake“ mehr in Richtung softem Blues Rock bis fast hin zu Singer/Songwriter-Pop-Gefilden. Umso mehr aber lassen die genretypisch eingängig arrangierten Songs seine herausragenden Fähigkeiten als Gitarrist und Texter hervortreten.

Die zwölf Songs des Albums erstrecken sich über melodische Pop-Songs („Baby Please“, „Real Thing“, „Jessica“) bis hin zu Rock- und Pop-Balladen („All Around The World“, „She’s Gone…“, „You’re The One“, „Wide Awake“ und dem im Refrain beatlesken „Strawberry Rain“), wobei aber auch funkige („She Is So Irresistible“), soulige (“How Many Tears“) und Latin- („In A World Withou You“) Versatzstücke auftauchen. Schließlich endet das Werk mit dem schönen Slow Blues „Keep Up“.

Musikalisch gesehen ist „Wide Awake“ also ein mit frischen Arrangements und ungetrübter Spiellaune überzeugendes Pop-Blues Rock-Album. Leider hat sich Quinn Sullivan dadurch von seinen klassischen Blueswurzeln entfernt und sieht dies als einen Schritt seiner musikalischen Weiterentwicklung an: „Die Künstler, die mich inspirieren, sind immer hungrig nach dem Neuen und sie wiederholen sich nie. Sie wachsen und werden immer einzigartiger – und das ist es, was ich für mich als Künstler ebenfalls anstrebe.“

Schade, dass Sullivan aus Sicht des Rezensenten seine überragenden Fähigkeiten als Gitarrist nun in den Dienst des eher gewinnbringenden Mainstreams stellt. Damit ist das vorliegende Album, sicherlich keine schlechte, aber dennoch nur eine rockige Version der Musik á la Ed Sheeran, James Blunt & Co. Ob die Scheibe nun so gefällt oder nicht, ist letztendlich eine Frage der musikalischen Vorlieben eines Jeden. Von daher wird die Scheibe aber mit Sicherheit seine Anhänger finden.

Label: Mascot Label Group (2021)
Stil: Pop Blues Rock

Tracks:
01. All Around The World
02. She Is So Irresitible
03. How many Tears
04. In A World Without You
05. She’s Gone (& She Ain’t Coming Back)
06. Baby Please
07. Real Thing
08. You’re The One
09. Wide Awake
10. Strawberry Rain
11. Jessica
12. Keep Up

Quinn Sullivan
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Mascot Records
Another Dimension

Rozedale – Same – CD-Review

Rozed_300

Review: Gernot Mangold

Mit dem dritten Album ist Rozedale, ohne die beiden Vorgänger klein reden zu wollen, ein echter Knaller gelungen. Wie gewohnt prägen das vielseitige Gitarrenspiel von Charlie Fabert und die kraftvolle Stimme von Amandyn Roses die Musik der Franzosen. Im Gegensatz zu den vorherigen Werken ist das neue weitaus rockiger, verliert dabei aber den Blues als Basis nicht aus den Augen.

Vielleicht ist dies auch der Grund, warum sich das ’s‘ im Bandnamen in ein ‚z‘ verwandelt hat, um so auch visuell ein Zeichen zu setzen, dass eine neue Ära der Band begonnen hat.

Vom Songwriting her sind die neuen Stücke gradliniger und kraftvoller und können so den Weg bereiten, ein breiteres Publikum als nur die Bluesfans anzusprechen. Es war mit Sicherheit eine gute Entscheidung, das Album von Chris Sheldon, der u. a. auch Radiohead oder die Foo Fighters abmischte, in den IPC Studios in Brüssel produzieren zu lassen.

So ist ein Sound entstanden, der stilistisch in die Richtung des modernen rockigen Blues geht, die vorhandenen Stärken der Musiker perfekt in Szene setzt und so auch den kommerziellen Status der Band anhebt. Kommerziell ist in dem Zusammenhang nicht negativ zu sehen, da sich die Musik der Band nicht des Erfolg willens untergeordnet hat, sondern das Songwriting sich weiterentwickelt hat.

Neben rockigen Bluessongs in denen Charlie Fabert die Gitarrensaiten glühen lässt, scheint er die Gitarre in anderen Stücken fast wie eine zweite Stimme als Unterstützung von Amandyn Roses singen zu lassen. Diese setzt den Songs einen natürlich ganz eigenen Stempel auf. Von dynamisch rockend, über klagend bluesig bis hin zu melancholisch verträumt, bildet sie einen harmonischen Einklang zu ihrem Partner Charlie.

Die Grundlage für den vollen Sound bildet die Rhythmussektion um Icheme „Zou“ Zougart, der für perfekte zuweilen groovende tiefe Töne sorgt und Herve Koster an den Drums, der immer den richtigen Beat findet. Ein weiteres belebendes Element ist, wie schon in der Vergangenheit, das von Michael Lecoq gespielte Keyboard, der die Stücke meist schön, zuweilen leicht psychedelisch untermalt, und bei der Ballade „Burning“ die musikalische Begleitung Amandyns ist.

In einem durchweg starken Silberling, der das Zeug hat, nicht nur in den Bluescharts weit nach oben zu schießen, fällt kein Song ab und jeder hat seine Berechtigung. Mit dem gleichnamigen Album ist Rozedale das bisherige Meisterstück gelungen, in dem die Band, ihren eigenen Stil weiterentwickelt hat, ohne sich in eine kommerzielle Sparte zu begeben, in der die eigene Identität aufgegeben wird.

Spannend wird es sein, wie die Band die neuen Tracks, die genug Möglichkeiten fürs Improvisieren geben, auf der nächsten Tour im Spätsommer auf die Bühne bringt.

Neben einer Kaufempfehlung für das Album, kann jedem Bluesrockfan angeraten werden, eines der Konzerte zu besuchen, um sich von der Stimme Amandyn Roses und dem virtuosen Gitarrenspiel Charlie Faberts einfangen und verzaubern zu lassen.

Geplante Album Release Tour 2021:

16.09.2021 B-Verviers, Spirit of 66
17.09.2021 D-Dortmund, Musiktheater Piano
18.09.2021 D-Hamburg, Downtown Openair
23.09.2021 D-Köln, Kantine Freideck
24.09.2021 D-Freudenburg, Ducsaal
25.09.2021 D-Baden-Baden, Blues-Club

Baladins Tours Productions
Stil: Rock

Songs:
01. Ghost For You
02. Brand New State
03. Shine
04. Burning
05. Where Love Goes
06. Ce Soir Je T’àime
07. Can’t Get Enough
08. Before I Go
09. At The End Of The Day
10. Somewhere In The Mess

Rozedale
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