Modern Earl – Ameriphonica – CD-Review

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Eine Band, die auf meinem persönlichen Southern Rock-Radar irgendwann, wie aus dem Nichts, aufgetaucht ist, und sich mittlerweile eindeutig in mein Herz gespielt hat, ist zweifelsohne, das ursprünglich Nashville-basierte Quartett von Modern Earl.

Die Männer um ihren Leader Christopher ‚Earl‘ Hudson halten sich aber das En-Gros des Jahres, zwecks Live-Tourens, in unserem Lande auf und spielen sämtliche hiesige Himmelsrichtungen rauf und runter, was peu-a-peu, eine gesunde, immer weiter wachsende Fanbase mit sich zu bringen scheint. Wir erinnern uns zum Beispiel gerne an ihr tolles, gutbesuchtes Open Air-Konzert an der Mülheimer Freilichtbühne.

Zwischenzeitlich hat die Band Freiräume gefunden, um neues Songmaterial zu entwickeln, das jetzt mit dem Titel „Ameriphonica“ unter den Produktions-Fittichen von Larry Chaney (Edwin McCain, Steve Earle, Johnny Van Zant) und Mastering-Spezialist Billy Stull, sicherlich seine zahlreichen Abnehmer finden wird.

Unter dem Motto ‚Qualität statt Quantität‘ liegen jetzt acht brandneue, von Christopher Hudson kreierte Tracks vor. Na ja, eigentlich eher 7 ¼, das gerade mal 44 Sekunden währende instrumentale „Gold Digger Prelude“ dient mehr als Intro für den starken atmosphärischen Southern-Stampfer „The State Of Me (mit schön verschachtelter E-Gitarrenpassage, inklusiv Twin-Spiel).

Das in bester Molly Hatchet-Manier (zu „Flirtin‘ With Disaster“-Zeiten) eröffnende, wüst beslidete „Gone To The Country“ (Hudson singt hier fast wie Danny Joe Brown) wurde von 1,7 Millionen Followern im Classic RockMagazine UK zum ‚Top track of the week‘ votiert. Klasse hier auch das dezent eingestreute Banjo von Ethan Schaffner.

Der in humorvolle Sozialkritik verpackte und deswegen eher launige „Red White And Blues“ wurde mit einem ungewöhnlichen funkigen Zwischen-E-Gitarrenriff ausgestattet. Pathos und Melancholie bestimmen die schöne melodische Southern Soul-Ballade „Caroline“, wieder mit Twin-Parts, Solo und hübschen E-Fills.

Genre-Fans dürften am irgendwo zwischen Blackberry Smoke und frühzeitlichen 38 Special angesiedelten I Wish I Knew“ ihre Freude finden. Die von uns vor kurzem live beleuchtete Texanerin Elizabeth Lee, ist die stimmlich tragende Person bei „Medicate Me“. Hudson stößt hier hauptgesanglich nur kurz dazu und beschränkt sich eher auf die Harmonien. Erwähnenswert sind sicherlich auch Larry Chaneys, wie auch hier, sporadische Orgel-Einlagen, die einzelnen Tracks mehr Tiefe vermitteln.

Als Rausschmeißer wurde richtiger Weise das süffig polternde, tanzbare Mitgröllied „Hooray For The Honky Tonks“ gewählt, das als eines der Stimmungs-Highlight für die kommenden Live-Shows prädestiniert sein dürfte. Eine echte Hymne für passionierte Kneipengänger, ‚Pretty Girls‘ und ‚Cutie Pies‘.

Somit entpuppt sich „Ameriphonica“ (ein achtseitiges Faltblättchen mit allen Texten ist übrigens im DigiPak eingesteckt) als insgesamt kurzweilige Southern Rock-Scheibe klassischster Art, deren Inhalt genug Anreiz bieten sollte, die umtriebig tourenden Herren Hudson, Schaffner, Ben Hunt und Dan Telander wieder mit einem oder mehreren Konzertbesuchen zu belohnen. Deshalb ein lautstarkes ‚Cheers‘ und ‚Hoorey‘ auf Modern Earls neues Album!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

01. Gone To The Country
02. Gold Digger Prelude
03. The State Of Me
04. Red White And Blues
05. Caroline
06. I Wish I Knew Now
07. Medicate Me (feat. Elizabeth Lee)
08. Hooray For The Honkey Tonks

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Elles Bailey – 13.04.2018, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Das sind so die Abende, bei denen einem die langjährige Musikerfahrung, schon im Vorfeld intuitiv suggeriert, mit einem schönen Erlebnis belohnt zu werden. Die aktuelle Debüt-CD „Wildfire“ von ‚Blues Princess‘ Elles Bailey ist zwar vom Kollegen Michael Segets reviewt worden, aber seiner Zeit natürlich auch bei mir, in erster Linie mittels USB-Stick im Auto, rauf und runter gelaufen.

Musik, wie ich sie einfach sehr gerne mag. Melodisch variabler Blues Rock mit dezentem Southern-Teint, von toller, ausdrucksstarker Stimme und guten Instrumentalisten vorgetragen.  Die junge Britin, die aus meiner Sicht schon jetzt keine Vergleiche mit einer Beth Hart zu scheuen braucht, überzeugte demnach mit ihren Mitstreitern Joe Wilkins, Zak Ranyard und Matthew Jones auf ganzer Linie, dass selbst dem anwesenden ‚Grandseigneur‘ der Rockmusikhistorie hierzulande, Peter Rüchel, der Spaß am Geschehen, augenscheinlich anzumerken war.

Elles und ihre Burschen stiegen mit „Let Me Hear You Scream“ in den zweigeteilten Gig ein, ein idealer Song, um die größtenteils bereits durch Biergenuss eingeölten Stimmen der vertretenden Audienz sofort unterhaltsam mit einzubinden, wie auch auf Betriebstemperatur zu bringen.

Der Southern-umwehte Stampfer „Same Flame“ (schönes Telecaster-Solo), der Bariton-Gitarre-dominierte Schwofer „Barrell Of Your Gun“, die tolle Ballade „What If I“ (Elles mittlerweile am Piano) und der Barroom-Schwofer „Believed In You“, leiteten stimmungsvoll  in den Akustik-Part zum Ende des ersten Abschnitts über.

Der bestand aus dem Heartbreak-Song „Time’s A Healer“ (allmaneskes Spiel von Wilkins), dem 70ies-trächtigen „Waiting Game“, dem, einer weiblichen Bekanntschaft in Nashville geschuldeten „Leapers Fork“  sowie dem John Prine-Klassiker „Angel From Montgomery“ (mit herrlichem Akustik-Slide). Das begeisterte Publikum im immer wieder urigen und engen topos applaudierte lautstark in die Pause.

Auch Part Zwei büßte nichts in Sachen Intensität und Klasse ein, ganz im Gegenteil, die Stimmung steigerte sich mehr und mehr. Nicht zuletzt auch ein Verdienst der Protagonistin, die mit ihrer kommunikativen sympathischen Art, erheblich zu einem lockeren Ambiente beitrug.

Mit dem swampigen „Medicine Man“ (wieder schön Slide bestückt), dem atmosphärisch groovenden „Devil Comes Knocking“, „What’s The Matter With You?“ (Barroom Blues – siehe hierzu beigefügten Videoclip) und dem, mit einem Plädoyer für Gleichberechtigung und Toleranz vorausgeschickten „Perfect Storm“ (siehe Videoclip), gelang direkt ein nahtloser Übergang.

Nach dem, als  Blues-Schleicher beginnenden, aber als furiose Uptemponummer endenden „Big Idea“, ließ Elles das im topos versammelte Wolfsrudel zu „Howlin‘ Wolf“ mitheulen, u. a. ein launiges  Stimmungshighlight des Abends, um mit dem Stones-mäßigen „Shackles Of Love“ die teilweise, unter den beengten Verhältnissen beanspruchten und leidenden Körperteile der größtenteils anwesenden Ü-50 Generation aufzulockern und durchzuschütteln.

Mit dem Janis Joplin gewidmeten, southern-souligen „“Girl Who Owned The Blues“ ließ die junge Protagonistin ein weiteres Mal, ihre beeindruckenden vokalen Qualitäten (in allen Tempi und Stimmungen) zum Abschluss des Hauptteils aufblitzen. Grandios auch das famos, im Stile der Allman Brothers/Marshall Tucker Band gespielte, energiegeladene E-Gitarrensolo von Joe am Ende des Liedes. Klasse!

Dass das Quartett Überstunden schieben musste, war damit natürlich vorprogrammiert. Die euphorisierten Leute bekamen dann auch mit dem traurigen, sehr emotional, solo am Piano performten „Light In The Distance“ (für einen verstorbenen Freund, Elles bei der Ansage den Tränen nah), dem southern-psychedelischen Titelstück der CD, „Wildfire“ (Wilkins wieder mit furiosem Slide-Solo auf einer Fender Jaguar) und dem erneut southern-souligen Willie & The Bandits-Cover „Still Go Marching In“ (wieder mit integrierter Publikums-Mitsing-Interaktion), nochmals einen ausgiebigen Dreier-Pack geboten. An diesem Abend stimmte einfach so gut wie alles.

Nach dem Gig wurde Elles natürlich in Sachen Tonträger-Verkäufe und Autogramme belagert. Sie und ihre Mitstreiter hatten dann auch noch die Zeit, sich mit unserem Logo für unsere VIP-Galerie ablichten zu lassen. Insgesamt ein wunderbarer Abend mit einer hochtalentierten, alles gebenden Elles Bailey samt Kollegen, die eigentlich in Zukunft  für Höheres berufen zu sein scheinen. Liebe Major-Labels, bitte Aufwachen…!

Herzlichen Dank an Klemens Kübber für die vorbildliche Organisation im Vorfeld!

Line-up:
Elles Bailey – lead vocals, piano
Joe Wilkins – electric guitar, acoustic guitar, vocals
Zak Ranyard – bass
Matthew Jones – drums, percussion, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus
Videos: Klemens Kübber

Elles Bailey
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topos Leverkusen

The Shires – Accidentally On Purpose – CD-Review

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Während sich bei uns in Deutschland ein relativ überschaubares Grüppchen an Leuten bemüht, das Pflänzchen New Countrymusik eher behutsam aufzuziehen, scheint sich in Großbritannien eine echte Euphorie für diese Sparte zu entwickeln.

Zum einen durch die pompösen medienwirksamen Country2Country-Festivals, wo sich seit Jahren das Who-Is-Who der Nashville Szene die Klinke in die Hand drückt, als auch in aktiver Hinsicht. In letzter Zeit kommen mir, gefühlt, auch immer mehr Veröffentlichungen von Künstlern dieses Landes zur Begutachtung unter die Fittiche.

Die zur Zeit wohl unangefochtenen Shooting-Stars der britischen Szene geben im Moment Ben Earle und Chrissie Rhodes, alias The Shires, ab, die jetzt mit „Accidentally On Purpose“ ihr bereits drittes Album unter Major-Fahne auf den Markt werfen.

Beide hatten zunächst in eigener Sache mit ihren alleinigen Gehversuchen (Rhodes sang auf Hochzeiten und in Clubs Dolly Parton-Songs, Earle brachte es bis zum Support von KT Tunstall, beide scheiterten jeweils bei X-Faktor) wenig Erfolg. Erst, als sie sich nach einem Suchaufruf Earles via Facebook zusammengetan hatten, sollte sich alles rapide zum Besseren wenden.

Von da an ging es Schlag auf Schlag: Teilnahme am C2C-Festival, Major-Verträge (UK und US), grandioser Einstieg mit dem 2015er-Debütalbum (Nr. 1 UK Country Charts), diverse britische Awards, Support bei der Comeback-Tour der Corrs, eigene Headlinig-Tour, 2. Album (Platz 1 UK Country-Charts, Platz 3 allgemeine UK-Charts), Gewinner Global Artist bei den US-CMA-Awards, etc.

Eine rasante Entwicklung. Jetzt also mit „Accidentally On Purpose“ der nächste Streich. Aufgenommen in Nashville unter der Regie vom angesagten Produzenten Lindsay Rimes (u. a. Parmalee, The Cadillac Three, Thomas Rhett, Lauren Alaina), der hier mit Star-Musikern wie Ilya Toshinsky, Mike Johnson und Jimmy Robbins auch das instrumentelle Heft in der Hand hatte. Lediglich für Track 10, „Strangers“, wurde mit Chris DeStefano eine weitere Nashville-Koryphäe bemüht.

Die Musik besticht – wen wundert es bei diesem Erfolg – in erster Linie durch ihre Eingängigkeit. Man orientiert sich mit gutem Gespür an Acts des Genres wie American Young, Sugarland, Little Big Town, Lady Antebellum & Co., wo weibliche und männliche Wechsel- und Harmoniegesänge den Ton angeben sowie poppige, wie countryeske Elemente, harmonisch in Einklang gebracht werden. Mir gefällt an dem Duo vor allem die Mandolinen-lastige Ausrichtung der Songs (repäsentiert durch den Könner auf diesem Gebiet, Ilya Toshinsky).

Earle ist bei allen Tracks kompositorisch beteiligt, Rhodes auch erbeblich, für die einzige Ausnahme „Stay The Night“ hat man vermutlich, um das Aufmerksamkeitspotential weiter zu erhöhen, dann noch auf ein Lied von Pop-Superstar Ed Sheeran zurückgegriffen.

Fazit: Die Zeichen für The Shires stehen auf (Erfolgs-) Sturm. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass die ‚Grafschafter‘, Ben Earle und Chrissie Rhodes mit „Accidentally On Purpose“ ihr drittes Nr.1-Album in den UK-Country-Charts abliefern werden und ab Mai auf ihrer kommenden UK-Tour frenetisch gefeiert werden. Auch für den US-Markt sind sehr vielversprechende Akzente gesetzt worden.

Decca Records – Universal (2018)
Stil: New Country

01. The Hard Way
02. Echo
03. Guilty
04. Sleepwalk
05. Accidentally On Purpose
06. Stay The Night
07. Ahead Of The Storm
08. Speechless
09. River Of Love
10. Strangers
11. World Without You
12. Loving You Too Long

The Shires
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Universal Music

Them Dirty Roses – 29.03.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Immer noch ganz beeindruckt vom immens starken Joe Bonamassa-Gig in der großen Lanxess-Arena zu Köln am Vorabend, galt es jetzt den Hebel wieder in Richtung Clubkonzerte umzulegen, die jungen Spunde Them Dirty Roses aus Nashville, Tennesssee, unter der Fahne von Teenage Head Music, hatten ihren Debütauftritt in unserer geliebten schnuckeligen Kulturrampe in Krefeld.

Für die sympathischen Jungs, aber auch besonders ganz für den engagierten Rampen-Chef Pille Peerlings hatte es mich gefreut, dass er, bei seiner Ansage der Band um 21:00 Uhr, eine ausverkaufte Hütte proklamieren durfte, was bei Erstauftritten solcher Insider-Acts eher ungewöhnlich ist. Ein verdienter Lohn für eine tolle kontinuierliche Arbeit, Pille!

Die Burschen robbten sich dann im Verlauf des, wie gewohnt, zweiteilig strukturierten Sets, durch ein sattes, 24 Stücke umfassendes Programm (inkl. zweier Zugaben). Da ich nur die vom Kollegen Jörg Schneider (der diesmal auch in Sachen Bildern federführend war) reviewte Deluxe-Version-Scheibe mit den beiden EPs „Same“ und „Trouble“ des Quartetts kannte, besaßen nach dem kraftvollen Opener „You Can’t“, natürlich Tracks wie „What Your Daddy Doesn’t Know“, „Whiskey In My Cup“, „A Bad Hand“ (vieles erinnerte mich dabei an Whiskey Myers) und das bereits inflationär gehörte „Whipping Post“ den höchsten Wiedererkennungswert.

Pechvogel des Abends war der quirlig spielende Leadgitarrist Andrew Davis, von dessen Gibson Les Paul sich eine Saite gelöst hatte, die er aber dank früherer Tätigkeit in einem Gitarrenladen, wie er berichtete, blitzschnell wieder ausgebessert hatte. Im zweiten Teil riss ihm auch noch seine um den Hals-dekorierte Holzperlen-Kette und die vielen kleinen Kügelchen kullerten zu Boden und verstreuten sich um seinen Aktionsradius. Hier hätte dann selbst eine frühere Arbeit in einer Boutique für Schmuck-Accessoires wohl kaum auf die Schnelle Abhilfe gebracht. Naja, Rosenkranz-Beten kann er sich auf jeden Fall erst mal knicken…

Der deutlich stärkere zweite Teil (sowohl vom Sound, Licht und auch Gehalt der Lieder) mit den beiden launigen Reißern „Songs About You“ und „Molly“ direkt zum Auftakt und tollen Stücken wie u. a.  „Head On“, dem gelungenen Mountain-Cover „Mississipi Queen“, dem Cadillac Three-umwehten „Grew Up In The Country“, dem mit Skynyrd– und Black-Crowes-Ingredienzien durchzogenen „Trouble“ sowie „Cocaine And Whiskey“, brachten die Rampe zum Kochen.

Auch Led Zeppelins „Rock And Roll“ und das zum Tanzen anregende „Shake It“, wieder aus dem eigenen Fundus, im Zugabenteil, erbrachte dem Quartett tosenden Applaus. Das anwesende Publikum wollte die völlig durchschwitzten Burschen erst gar nicht von der Bühne lassen, aber angesichts des stressigen Tour-Programms, wurde es aber am Ende doch respektvoll hingenommen.

Der dynamische junge Nashville-Vierer hatte wirklich alles gegeben und durfte sich nachher am Merchandising-Stand über regen Smalltalk mit den Zuschauern und intensives Interesse an seinen Tonträgern und T-Shirts freuen. Ein toller Einstand für Them Dirty Roses in der Krefelder Kulturrampe, da steckt schon jetzt viel Potential drin!

Line-up:
James Ford (lead vocals, electric guitar)
Andrew Davis (electric guitar, vocals)
Ben Crain (bass, vocals)
Frank Ford (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Jordan Davis – Home State – CD-Review

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Rein optisch hätte ich bei Jordan Davis mit seinem opulenten Rauschebart auf eine Mucke fernab jeden Mainstreams getippt. Die meisten Typen mit ähnlichem Erscheinungsbild, die ich in letzter Zeit, musikalisch unter die Lupe genommen habe, bewegten sich meist in irgendwelchen Insider-Sphären zwischen zünftigen Honkytonk Country-, Roots- und Southern Rock.

Gut, wir haben es hier mit einem Debüt auf einem Major-Label tun, wo eigentlich immer ein größeres Publikum als Adressat im Fokus steht. Vielleicht geht es daher ja eventuell in Richtung Chris Stapleton, war der zweite Gedanke, aber die Parfüm-Fotografie-ähnliche Aufmachung des Coverbildes hegte die ersten Zweifel. Und in der Tat, mit Jordan Davis haben wir es mit einem Neuling zu tun, der sich dem massenkompatiblen Country Pop verschrieben hat, wobei das ‚Country‘ eher marginalen Charakter aufweist (etwas Mandoline, Banjo, aber kaum wahrnehmbar).

Der aus einer, wie so oft, musikbegeisterten Familie (sein Onkel hat Songs für keinen geringeren als Tracy Lawrence geschrieben) stammende Künstler aus Louisiana, hat nun mal einfach eine, eher dem Pop und R&B zuträgliche Stimme. Warum sollte man solche Fakten dann einfach ignorieren? Trotzdem ist „Home State“ ein tolles Album geworden!

Ich mag es  eigentlich immer, wenn die Protagonisten auch kompositorisch stark involviert sind, was hier der Fall ist. Davis hat alle Tracks mitgeschrieben zum Teil mit Leuten, die man nicht so oft in den Credits findet (u. a. Ben Daniel, Pawel Dovgalyuk, Steven Dale Jones, Justin Ebach, Jamie Paulin), aber auch mit arrivierten Songwritern wie Blair Daly, Jeff Middleton, Scooter Carouso oder Jonathan Singleton, die einem alle Nase lang bei Nashville-Veröffentlichungen über den Weg laufen.

Schon mit dem Opener „Take It From Me“ lässt sich Davis‘ Händchen für feine Hooks, Melodien und eingängige Refrains ausmachen. Bestes Beispiel ist „Singles You Up„, ein Song, dem man sofort anmerkt, dass er Hitcharakter in sich trägt und auch prompt unter den ersten 15 der Billboard-Charts landete. Weitere Kandidaten sind vielleicht Stücke wie „Selfish“, „So I Do“ oder das, wie für Tim McGraw geschaffene „Dreamed You Did“. Im Prinzip haben die Entscheidungsträger hier durchgehend die Qual der Wahl .

Produziert hat Paul di Giovanni, Gitarrist von Boys Like Girls, der in Nashville als Schreiber von Dan+Shays  No.1-Hit „How Not To“ bisher von sich Reden machte. Den Löwenanteil am Gelingen des Werkes aber haben die involvierten Nashville Star-Musiker wie Ilya Toshinsky, Tony Lucido, Bryan Sutton, Nir Z & Co., aber auch di Giovanni und Derek Wells sorgen mit ihren auf den Punkt gebrachten, filigranen E-Gitarren-Soli (in fast allen Liedern) für das Salz in der Suppe.

Deshalb ist „Home State“ eine flockige, launige Scheibe geworden, die ideal für die kommenden wärmeren Tage geeignet ist. Im Prinzip zwar mehr auf die weibliche Klientel zugeschnitten oder für Leute aus unserer Kundschaft, die ab und zu mal zwischendurch für unkomplizierte, aber gut gemachte Musik offen sind (wie gesagt, in fast jedem Stück ist ein E-Gitarren-Solo präsent). Wer mit Interpreten wie David Nail, Brett Young, Canaan Smith, Sam Hunt oder besagten Dan+Shay etwas anfangen kann, wird ganz sicher auch bei Jordan Davis seine Freude haben. Der Rolling Stone deklarierte ihn übrigens als ‚Artist You Need To Know‘.

MCA Nashville (2018)
Stil: New Country Pop

01. Take It From Me
02. Goin‘ Round
03. More Than I Know
04. Slow Dance In A Parking Lot
05. Singles You Up
06. Sundowners
07. Tough To Tie Down
08. Selfish
09. Made That Way
10. So I Do
11. Dreamed You Did
12. Leaving New Orleans

Jordan Davis
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Universal Music

High Valley – Support: American Young and Jarrod Dickenson – 07.03.2018, Köln, Luxor – Konzertbericht

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Endlich mal wieder Nashville-Zeit in unserer Gegend! Da will man sich nach einem Arbeitstag im Büro und 80 km langer Reise in die Domstadt, samt Kampf durch deren dicht befahrenen Feierabendverkehr bei Regenwetter, einen runden und entspannten New Country-Abend mit High Valley und den Supportern American Young und Jarrod Dickenson gönnen, aber Pustekuchen.

Nachdem wir um kurz vor halb Acht einen Parkplatz direkt in der Nähe des Luxors gefunden hatten, mussten wir beim Opener Jarrod Dickenson leider passen. Trotz des eigentlich avisierten Konzert-Beginns von 20:00 Uhr hatte dieser und seine Frau Claire schon zum Einlass-Termin vor spärlicher Kulisse für nicht mal eine halbe Stunde angefangen zu spielen, so dass wir nur noch wenige Sekunden des letzten Liedes mitbekamen. Ganz zu schweigen davon, dass Kollege Gernot noch seine Objektive aufschrauben und knipsen konnte.  Viele waren vermutlich genauso wie wir überrascht worden. Schade – von Dickensons toller Stimme hätte ich gerne mehr gehört.

Auch das nächste Duo, American Young, bestehend aus Kristy Osmunson und Jon Stone  machte schon um 19:35 Uhr weiter, auch hier füllte sich das Auditorium erst merklich gegen Ende ihrer Performance.

Die sympathische Blondine mit ihren geflochten Zöpfen an der Fiddle und ihr Hut-tragender Begleiter an der Gitarre, Jon Stone, präsentierten eine schöne Mischung aus bewährten („Be Here“, „Love Is War“, „Something To You“, „Point Of View“, „Soldiers Wife“, „American Dream“) und einigen brandneuen Stücken („Closest Faraway Place“, das herrlich groovige „Last Night Alone“ und „What Are You Working For“ – Angaben der Titel ohne Gewähr) in Singer/Songwriter-Manier. Als einziges Cover wurde Bill Withers‘ „Just The Two Of Us“ in einer smooth-grassigen Version klasse interpretiert.

Wechselseitige Leadvocals (Stones Stimme war für mich übrigens die überragende des ganzen Abends), tolle Harmoniegesänge, garniert mit den Instrumenten der beiden, waren Garant für eine unterhaltsame Dreiviertelstunde. Starke Leistung von American Young!

Auch hier ist eine ärgerliche Sache anzumerken: Direkt vor der Bühne hatte sich eine ganze Horde spät-pubertierender Mädels postiert, deren Großteil bis zum Ende scheinbar an allem interessiert waren, außer der Musik (vielleicht marginal). Es wurde in einer Tour geschnattert, und mit Pocketkameras oder Handies geblitzt, was das Zeug hielt. Aber hier den Exemplaren dieser Gattung in der heutigen Zeit mit ein wenig ‚Anstand und Respekt gegenüber den Musikern‘ zu kommen, wäre vermutlich eh absolut zum Scheitern verurteilt gewesen…

Um 20:40 Uhr ging es mit den Headlinern, Brad und Curtis Rempel, alias High Valley, zügig weiter (vermutlich der bevorstehenden Reise zum bombastischen Country2Country-Festival in London geschuldet, wo man Teil des Line-ups sein wird). Inzwischen war das Luxor mit rund 150 Zuschauern für einen Termin inmitten der Woche, durchaus passabel gefüllt.

Meine Befürchtungen, auch hier eventuell nur minimalistische Kost serviert zu bekommen, hatten sich schon durch den Voraufbau auf der Bühne neutralisiert. Die beiden Brüder traten mit ihren Kumpeln Andrew Hemmerling, Dave Myers, Clint Milburn und Raymond Klassen in voller Besetzung an und spielten sich durch ein launiges Set, das demnach wie im Fluge vorüber ging.

Klar, dass sich natürlich ihr aktuelles Major-Werk „Dear Life“ (der Titelsong bildete zugleich auch den Opener des Gigs) mit Tracks wie „Soldier“, „I Be U Be“, The Only“, das hymnische „Young Forever“, „Roads We’ve Never Taken“ und „She’s With Me“, absolut im Mittelpunkt ihrer Vorstellung befand.

Gut gefiel, dass die beiden Protagonisten, auch den Nebendarstellern immer wieder Spielraum gaben, ihr instrumentales Können in vorderster Linie einzubringen. So hatten vor allem Clint Milburn (an der E-Gitarre und Banjo) und auch Raymond Klassen mit schön knarzigen Dobro-Einlagen mehrere starke Szenen.

Mit „Be My Baby Tonight“ (dabei wurde als nette Geste ein kleiner Junge zur tänzerischen Unterstützung auf die Bühne geholt und am Ende dafür mit einem HV-Cap belohnt) und „Way Down Deep“ huldigten sie ihre Vorbilder John Michael Montgomery  und Country-Ikone Vern Goslin (hier versammelte sich die gesamte Band vor der Bühnenfront zum launigen Traditional-Stelldichein) . Bei „Father’s Love“ gab es den Dank der Rempel-Söhne in Richtung Daddy, ohne dessen Unterstützung in jeder Hinsicht, diese Karriere nicht möglich gewesen wäre.

Das launige „Make You Mine“ war mit den inbrünstigen ‚Oohooh‘-Gesängen der ideale Rausschmeißer, bei dem es dann auch im textsicher mitsingenden Publikum kein Halten mehr gab. Somit ein kurzweiliger und auch musikalisch ansprechender Gig mit den Rempel-Brüdern und ihrer spielstarken Truppe, der dann am Merchandising-Stand noch seine Fortsetzung fand, wo auch noch für Selfies, Autogramme, etc.,  Zeit gefunden wurde (u. a. auch für ein Bild für unsere VIP-Galerie).

Eigentlich ein toller, gut durchorganisierter Abend mit drei gut gewählten Acts, dem vielleicht nur, eine etwas eindeutigere Kommunikation, bzw. Transparenz im Vorfeld gut getan hätte, z. B. was die Luxor-Hompage betrifft). So hätten dann vermutlich auch die beiden Supporter von vorne herein mehr Zuschauerzuspruch erhalten. Danke an das concert team nrw für die Akkreditierung.

Line-up: High Valley
Brad Rempel (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Rempel (mandolin, acoustic guitar, vocals)
Andrew Hemmerling (drums)
Dave Myers (bass, vocals)
Clint Milburn (electric guitar, acoustic guitar, banjo, vocals)
Raymond Klassen (dobro, banjo, vocals)

Line-up: American Young
Kristy Osmunson (lead vocals, fiddle, vocals)
Jon Stone (lead vocals, acoustic guitar, vocals)

Line-up: Jarrod Dickenson
Jarrod Dickenson (lead vocals, guitar)
Claire Dickenson (vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Wade Bowen – The Given – CD-Review

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Red Dirt Vorzeige-Countryrocker/Texas Country-Artist Wade Bowen ist mit seinem vierten Studioalbum “The Given” (nebst zweier Live-Werke) erneut ein Meisterwerk gelungen. Er ist ein Künstler, dem es seit Anbeginn seiner Karriere gelungen ist, stetig sein Leistungsvermögen in behutsamen Schritten zu verbessern. Somit zeigt seine Formkurve auch weiterhin nach oben. Wade hat für seine neue CD einen (Major-) Labelwechsel vollzogen (jetzt bei BNA/Sony) und auch mit Justin Niebank (Bon Jovi, Kenny Chesney, Lonestar, Blackberry Smoke) einen neuen Produzenten angeheuert.  Wade Bowen – The Given – CD-Review weiterlesen

Wade Bowen – Live At Billy Bob’s Texas – CD/DVD-Review

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2 CDs & 1 DVD-Set, inklusiv zweier neuer Studiotracks! Tolles Live-Konzert des sympathischen und so ungemein populären, großartigen Red Dirt-Countryrockers und seiner Band aus dem legendären Billy Bob’s in Fort Worth/Texas vom 21. November 2009 – auf einer Doppel-CD mit zwei neuen Studio-Tracks, und als DVD (komplette Show)! Der aus Waco, Texas stammende Wade Bowen hat sich im Laufe seiner mittlerweile elf Jahre währenden Karriere, ähnlich wie Randy Rogers, Pat Green, sein Schwager Cody Canada (als Bandleader von Cross Canadian Ragweed) oder die Eli Young Band zu den Leitfiguren der Red Dirt-Szene entwickelt.  Wade Bowen – Live At Billy Bob’s Texas – CD/DVD-Review weiterlesen

Devin Dawson – Dark Horse – CD-Review

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Mit Devin Dawson betritt ein weiterer hochtalentierter Jungkünstler die Bühne Nashvilles. Kein geringerer als Star-Produzent Jay Joyce (The Wallflowers, Emmylou Harris, John Hiatt, Eric Church, Little Big Town) erkannte sein Potential und verhalf dem zuvor bereits durch YouTube-Clips populären Burschen, direkt zu einem Major-Kontrakt bei Warner Music Nashville.

Zwölf gelungene Eigenkompositionen (mit teilweise namhaften Co-Writern wie a. a. Barry Dean, Brett Beavers und den Warren Brothers), sein starker variabler Gesang und seine Einbindung an der Akustikgitarre (da gibt es ja wahrlich auch viele Spezialisten unter Nashvilles Studiomusiker-Zunft) sind zweifellos Indikatoren dafür, warum Joyce hier frühzeitig seine Fühler in Richtung Dawson ausgestreckt hat.

Trotz seines Lippenbekenntnisses im Titelstück „Dark Horse“ mit „my heart bleeds for country music“ benötigt man, wie schon in letzter Zeit bei Kollegen der Marke Brown, Hunt, Rhett & Co., meiner Ansicht nach, bis auf ein paar typischer Akustik- und E-Gitarrenspiel-Ingredienzien (Steel-ähnliches Slide, Bariton-E-Fills), doch ein erhebliches Maß an Phantasie, um Genre-Bezüge herzustellen.

Vieles erinnert mich persönlich von der dezent introvertierten, melancholischen Art und auch vom Gesang her, an die weniger Blues-betonten Sachen eines John Mayers. Überwiegend sehr schöne Musik zum Relaxen, manchmal auch tanzbar, nicht zuletzt auch dank der sehr transparent und glasklaren Produktion von Joyce.

Wir tauchen mit „Dip“, „Placebo“, „War Paint“ und „Prison“ in zum Teil sehr kühl und distanziert wirkende Klangwelten ein, aber genießen auch mit Stücken wie „Second To Last“ oder „Symptoms“ das wärmende Esprit R&B-lastiger Kreationen.

Besonders Spaß bereiten mir die Sachen, wo zumindest unterschwelliges (New) Country-Flair aufkommt. Hier stehen mit dem wunderschönen Ohrwurm „All On Me“ (erste Single mit Top-20-Platzierung), dem atmosphärischen „Asking For A Friend“ (Acoustic Slide), „I Don’t Care Who Sees“, dem Schwofer „Secondhand Hurt“, „I Can’t Trust Myself“ und dem finalen, Melancholie-getränkten Titelstück „Dark Horse“ doch gut die Hälfte der Tracks zu Buche.

Trotz eines gewissen Faibles Devin Dawsons für die Dunkelheit (Coverartwork mit allen Texten als auch der Videoclip zur ersten Single sind komplett im düsteren Bereich der Schwarz/Weiß-Skala gestaltet), stellt der Protagonist mit seinem insgesamt hörenswerten Debütalbum „Dark Horse“ die Weichen in eher rosarote Zeiten.

Atlantic/Warner Music Nashville (2018)
Stil: R&B, Countrypop

01. Dip
02. All On Me
03. Asking For A Friend
04. Second To Last
05. Symptoms
06. I Don’t Care Who Sees
07. Secondhand Hurt
08. Placebo
09. War Paint
10. I Can’t Trust Myself
11. Prison
12. Dark Horse

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Warner Music Germany

Radney Foster – For You To See The Stars – CD-Review

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Abschließen möchte ich das Jahr mit einem der ganz großen Singer/Songwriter unseres Metiers, unserer Zeit, mit Radney Foster. Hier schon einige Male besprochen, hat der Anwaltssohn, geboren 1959 in Del Rio, Texas, im September mit „For You To See The Stars“ ein weiteres, unaufdringliches Meisterwerk geschaffen.

Bekannt wurde Radney zunächst Mitte der Achtziger Jahre mit seinem Partner Bill Lloyd als Duo Foster & Lloyd (übrigens 2011 auch mit einem durchaus passablen Comeback-Album „It’s Already Tomorrow“ kurzzeitig wieder präsent), bevor er sich 1992 auf eigene Pfade begab.

Seine Songs wurden durch viele Künstler wie u. a. Keith Urban, Sara Evans, Dixie Chicks oder Hootie & The Blowfish gecovert, nicht zu vergessen auch seine Tätigkeiten als Produzent zweier Alben für die Randy Rogers Band.

Mit dem Brille-tragenden Foster (einer der wenigen in der Branche), verbindet man schon von seinem rein äußerlichen Erscheinungsbild, einen gewissen Intellekt, der sich im Rahmen seiner Texte, in Kombination mit seinem immer etwas steif wirkenden Gesang (aber mit einer ungemeinen Markanz)  und der dezent introvertiert klingenden Musik bestätigt.

„For You To See The Stars“ (übrigens parallel von Radney auch als Buch mit zehn Kurzgeschichten aufgelegt), beginnt sofort mit dem Titelstück, einer Ode an das ‚Prinzip Hoffnung‘, das sich thematisch auch durch dieses Werk fortführt. Frei nach dem Motto, egal was auch passiert, es gibt irgendwo immer Licht am Ende des Tunnels.

Das grassige, familiäre „Greatest Show On Earth“ (wunderbar mit den typischen Instrumenten wie u. a. Akustikgitarre, Fiddle und Mandoline in Szene gesetzt) bildet mit seiner Spielfreude und dem fröhlichem Unterton, einen Ausgleich zum etwas schwermütigen  Vorsong.

„It Ain’t Done With Me“ erinnert sofort an countryrockige Sachen von Pat Green oder Jack Ingram. Die Skynyrd-umwehten Gitarren-Soli werden auch Southern Rock-Freaks begeistern. Das eher durch Keith Urban zu Bekanntheitsgraden gelangte „Raining On Sunday“ (hier jetzt als Neuauflage der Altversion Fosters von 1999 nochmals modifiziert) ist so ein Track, bei dem man sofort ein gewisses Etwas spürt und der auf dem Fuße (für immer) hängen bleibt. Zweifellos ein ganz großer Moment in Radneys kreativem Schaffensspektrum.

Mit dem der Veteranen-Thematik zugewendeten „Belmont And 6th“, dem Filmmusik-tauglichen „Rock And Roll Slow Dance“, der Ballade „While You Were Making Time“ (wäre ein Cover-Kandidat für Joe Cocker gewesen, wenn er noch leben würde), dem politischen Country-Storyteller „All That I Require“ und dem swampigen „Howlin‘ (Richtung CCR/Tony Joe White) bekommt man die geballte Ladung Fosterscher Musik-Divergenz, immer unter der Prämisse eines hohen Anspruchs, geboten.

Das melancholische „Sycamore Creek“ (plus instrumentelle Reprise im Anschluss) mit herrlichen weiblichen Harmoniegesängen, wunderbaren Piano- und Steelfills) interpretiere ich mal frei als Danksagung des dreifachen Familienvaters an die Toleranz und Ausdauer seiner Frau, seinem (genialen) musikalischen Treiben, über die Jahre hinweg, den nötigem Freiraum einzuräumen.

Fazit: Mit „For You To See The Stars“ untermauert Radney Foster erneut seinen Status als einer der ganz großen intellektuellen Musikpoeten des Country/Roots/Red Dirt-Genres und darüber hinaus. Am Ende dieses, in jeder Hinsicht packenden und faszinierenden Werkes, sind ‚goosebumbs on your skin‘ eine unweigerliche Begleiterscheinung!

Devil’s River Records (2017)
Stil: Country (Rock) / Singer/Songwriter

01. For You To See The Stars
02. Greatest Show On Earth
03. It Ain’t Done With Me
04. Raining On Sunday
05. Belmont And 6th
06. Rock And Roll Slow Dance
07. While You Were Making Time
08. All That I Require
09. Howlin‘
10. Sycamore Creek
11. Sycamore Creek (Instrumental Reprise)

Radney Foster
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