UFO – 20.06.2019, Kantine, Köln – Konzertbericht

UFO_haupt

Im Rahmen der ‚Last Orders‘-Tour kamen UFO an einem frühsommerlichen Abend auch in die Kantine im Kölner Norden. Diese Tour zum 50-jährigen Bandjubiläum, bildet, wie der Name es schon suggeriert, vermutlich den Abschluss einer der erfolgreichsten englischen Hard Rock-Vertreter der ersten Stunden. Somit kam aus diesem Grund eine gewisse Wehmut auf, aber auch, weil Paul Raymond, langjähriger Keyboarder und Gitarrist der Band, kurz nach den ersten Auftritten überraschend verstorben war und zunächst nicht klar war, ob fortgesetzt werden würde.

In einem Statement vor einigen Wochen wurde dann aber mitgeteilt, dass es im Sinne Raymonds, einem absolut sympatischen Musiker und Menschen, weitergeht. An den Keyboards und der Gitarre sprang Neil Carter ein, der schon 1980 -1983 bei UFO spielte.

Kurz nach 20:00 Uhr dunkelte sich die Halle ab und es erklangen die Töne des Alex Harvey-Klassikers „Faith Healer“, um dann das Tourlogo hell anzustrahlen: Ein im Zentrum stilisierter Kronkorken samt Logo, dem Tourtitel und der Zeitspanne des Bestehens. Daneben strahlte ein Spot auf eine Glocke, die auf einem der Verstärker platziert war und diese letzte ‚Bestellung‘ der Fans eingeläutet wurde.

Nachdem das Quintett die Bühne betreten hatte und Moog kurz die Fans begrüßt hatte, ging es direkt hardrockend mit „Mother Mary“ los. Andy Parker an den Drums und Rob de Luca erzeugten einen hämmernden Rhythmus in die Kantine, in der der Sound laut, aber differenziert ausgesteuert war. Moore legte furiose Soli hin und zeigte sich, wie die anderen Mitglieder, bestens gelaunt und spielfreudig.

Unterstützt wurde er zunächst von Neil Carter, der zumeist als Rhythmusgitarrist fungierte, später aber auch starke Keyboardpassagen beisteuerte. Über den mittlerweile 73-jährigen Phil Mogg kann man nur staunen. Drahtig und charismatisch zeigte der Fronter, dass man auch in seinem Alter noch die Töne entsprechend treffen kann und man ihn, obwohl er sich demnächst zurückziehen wird, noch lange nicht zum alten Eisen zählen darf.

Nach dem Klassiker „Mother Mary“, der auch Bestandteil des legendären „Strangers In The Night“-Livealbums war, kamen mit „We Belong To The Night“ vom 82er Album „Mechanix“ und dem relativ neuen „Run Boys Run“ von „A Conspiracy Of Stars“, zwei klassische Nummern, die für die entsprechende Stimmung in der recht gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Kantine sorgten.

Vor dem nächsten Track stellte ein Crew-Mitglied eine Akustikgitarre an einem Ständer auf die linke Seite der Bühne, auf der sich zuvor Moore an seiner elektrischen Gitarre ausgetobt hatte. Es folgte einer der vielen Höhepunkte des Konzertes. Bei lila Licht begann Vinnie das akustische Intro von „Venus“ von „Walk On Water“ aus dem Jahr 1995, später einsetzend mit gefühlvollen Gesangspassagen, um die Ruhe des Songs immer wieder dann mit seiner E-Gitarre infernalisch zu durchbrechen.

Mit „Lights Out“ aus dem Jahr 1977, folgte ein absoluter Kracher, den viele auch wahrscheinlich als Rausschmeißer erwartet hätten. Hämmernde Bassläufe von Rob de Luca und ein Gewitter vom sehr agilen Any Parker legten eine Basis, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenn man es so will, gingen nach dem Konzert in der Kölner Kantine, die UFO-Lichter vermutlich auch für immer aus.

Moore und Carter bespielten auf dieser Grundlage im Highspeed ihre Gitarren und zeigten, warum UFO in der damaligen Zeit einer der besten Acts ihrer Sparte waren und auch bis heute geblieben sind. Über die gesanglichen Stärken Moogs, der seine Fähigkeiten bis ins Jetzt transportiert hat, ist eingangs schon alles gesagt worden.

Zwischen den Stücken gab er den gut gelaunten Entertainer und nahm sich auch selbst mal auf die Schippe. Ich erinnere mich, als er vor einem Song etwas verwirrt tat, welcher Song denn folgen sollte und bemerkte, dass er ja zum Glück nur nach unten sauf die Tracklist am Boden schauen müsste. Vielleicht auch eine Anspielung auf sein Alter und dass es besser sei aufzuhören, bevor es peinlich wird.

Mit „Baby Blue“ von „You Are Here“ aus 2004 wurde es wieder ruhiger. Akustische Klänge von Moore, Keyboardwolken Carters, gefühlvoller Gesang und eine zurückhaltende Rhythmussektion zeichneten diesen Song in weiten Teilen aus, wobei er von Gitarrenpassagen mit balladeskem Solo von Moore durchbrochen wurde.

Danach nahm das Konzert aber direkt wieder Fahrt auf. „Only You Can Rock Me“ aus dem Jahr 1978 von „Obsession“, später auch in „Strangers In The Night“ live eingespielt, brachte die Halle zum Kochen.

Mit „Burn Your House Down“ begab sich die Briten auf einen Zeitsprung ins Jahr 2012. Wenn man den Titel des Songs sprichwörtlich nimmt, war die Band schon zu diesem Zeitpunkt auf dem besten Wege die Hütte abzubrennen. Danach ging es bis zum Ende des Gigs in die ganz früheren Phasen der Bandgeschichte.

Mit dem eher langsamen, aber trotzdem rockenden „Cherry“ wurde „Love To Love“ eingeläutet. Ich hatte hier den Eindruck, dass Carter mit seinen Blicken die Decke der Halle durchbrechen wollte, um Richtung Raymonds im Himmel zu schauen, da dieser bei diesem Song früher seine eindrucksvollsten Passagen hatte.

Diese zum Teil träumerisch vorgetragene Ballade entwickelte sich im Laufe des Liedes in eine Härte, die ich zuvor bisher so nicht wahrgenommen hatte. Absolute Spitzenklasse, mit welcher Dynamik die Band ihre Instrumente dabei bearbeitete. um immer wieder beim eigentlichen Grundrhythmus des Songs wieder anzukommen. „Makin‘ Moves“ brachte die Besucher im Highspeed in Bewegung, und wenn es nur das Bewegen des Kopfes war.

Mit dem Klassiker „Too Hot To Handle“, wurde das Ende des Konzertes eingeläutet. Die Band ließ es sich aber nicht nehmen, dem Publikum, das den Auftritt bisher frenetisch gefeiert hatte, noch eine ‚Last Order‘ zu gewähren, die mit einem galaktisch gespielten „Rock Bottom“ begann, wo sich scheinbar nicht endend, ein Gitarrensolo an das nächste reihte und auch Moog seine gut geölte Stimme noch nicht verloren hatte.

Moore bespielte seine Gitarre zum Teil über und hinter dem Kopf, Carter und de Luca trafen sich immer wieder auf der Bühne, um direkt gegenüberstehend, kurze Soli einzuwerfen oder auch zu posen. Auch Parker steuerte kurze Intermezzi bei, während Moog, der zu weiten Teilen ‚arbeitslos’war, mit seinem Mikrfonständer über die Bühne wirbelte. Topfit der ‚Alte Mann‘ des Hard Rocks!

Kein UFO Konzert, ohne dass der Arzt kommt. Schon beim ersten Ton auf der rot ausgeleuchteten Bühne, feierte das Publikum ein stark und hart vorgetragenes „Doctor Doctor“, dem zum Abschluss noch „Shoot Shoot“ folgte. Moore hatte sich zu diesem Song einen Cowboyhut auf seine wallende Mähne gesetzt und es folgte ein kräftig gespielter Rausschmeißer, in dem er zum Teil Soli spielte, die im Ansatz an klassische Sachen des Southern-Szene, Richtung Allman Brothers, erinnerten.

Nach etwa 100 Minuten war dann der letzte Song gereicht und die Halle begann sich zu leeren. Man konnte in zufriedene Gesichter blicken, die noch einmal bei einem der letzten Auftritte einer der größten Hard Rock-Bands ‚ever‘, zugegen gewesen sind. Wer die Chance hat, eines der noch folgenden Konzerte zu besuchen, sollte sich diese nicht entgehen lassen, in der eine alte Band zeigt, dass man auch mit zig Jahren auf dem Buckel, immer noch dynamisch und mit einer fast jugendlichen Spielfreude, ein Publikum begeistern kann.

Hervorzuheben ist auch der gut abgemischte Sound und ein Lichttechniker, dem es gelungen ist, passend zu Dramaturgie des Konzertes, das Bühnenbild entsprechend zu illuminieren.

Ein Dank auch an Marcus Neu von der Kantine, der mit dem Veranstalter alles regelte, sodass wir über dieses Konzert in Wort und Bild berichten konnten. In eigener Sache auch ein Dank an die Band, die nach der Show noch ein Bild von vor zwei Jahren, aufgenommen im Dortmunder Piano, zeichnete und dem Tourmanager, mit dem ich mich anschließend noch über die Entstehung des Bildes unterhielt. In dem Sinne: Bis Ende Juli in Dortmund, wo ich vermutlich den ‚Last Orders‘ von UFO nochmals nachkommen werde.

Line-up:
Phil Mogg (lead vocals)
Vinnie Moore (electric and acoustic guitars)
Rob de Luca (bass, vocals)
Andy Parker (drums)
Neil Carter (keys, guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

UFO
UFO bei Facebook
Kantine Köln
E. L. Hartz Promotion GmbH

The Tip – 26.04.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Tip_haupt

The Tip waren als Support für The Darkness und L.A. Guns unterwegs, mit denen sie musikalisch auf einer Wellenlinie liegen. Markus ‚Pille‘ Peerlings prophezeite bei der Ankündigung von The Tip auf der Webside der Kulturrampe daher einen Abend mit viel Testosteron und Adrenalin, bei dem man sich anschnallen sollte. Er hatte nicht zu viel versprochen. Die Band aus Nashville gab von Beginn an mächtig Gas. In der ausverkauften Rampe blieb allerdings kein Platz, um einen Gurt anzulegen.

Mit einer halbstündigen Verspätung bahnte sich die Band von bombastischer Musik begleitet ihren Weg durch die wartende Menge zu der abgedunkelten Bühne. Dort stand bereits ein Tablett mit Whiskey und Cola bereit. Verzichtend auf die koffeinhaltige Limonade nahm der charismatische Frontmann Benny Carl einen kräftigen Schluck aus der Whiskeyflasche und zog das wie entfesselt rockende Publikum mit dem Kracher „Can You Smell The Money“ von der aktuellen Scheibe „Sailor’s Grave“ direkt in seinen Bann.

Danach folgte das ebenso starke „Ride Tonight“, das sich auf dem selbstbetitelten Debütalbum (2015) findet. Hier gab Gitarrist Myles Baker bereits einen Vorgeschmack auf die Riffs und Hooklines mit denen er den Sound der Band während des Konzerts prägte.

Nach dem Einstieg erspähte mich Drummer Dixie Carl, wie ich mir konzentriert Notizen machte und kam kurzerhand hinter seinem Schlagzeug hervor, um mir Stift und Block aus der Hand zu nehmen. Erst nachdem ich bewiesen hatte, dass ich zu angemessen ekstatischen Bewegungen fähig bin, gab er mir meine Arbeitsgeräte zurück.

Dixie Carl lieferte an den Drums eine große Show ab. Er zog mit Mimik und genretypischen Posen die Aufmerksamkeit oftmals auf sich. Dass er zudem sein Instrument fest im Griff hat, zeigte er in einem langen und kreativen Solo. Als später am Abend auch noch ein Fell den Geist aufgab, bewies Dixie Carl Improvisationstalent, übernahm bei „Struttin‘“ den Gesangspart, schwang die Hüften und überbrückte so den Austausch der Trommel.

Aber auch die anderen Bandmitglieder waren äußerst aktiv, allen voran Sänger Benny Carl, der ständig in Bewegung war – beispielsweise bei einem Rock’n Roll-Medley vollführte er einen Duckwalk a la Chuck Berry beziehungsweise Angus Young. Er feuerte das Publikum mehrmals an, zu klatschen oder einen Gesangpart zu übernehmen. Seine Einlagen an der Mundharmonika wurden frenetisch bejubelt.

The Tip berücksichtigten Titel ihrer beiden Alben, präsentierten einzelne neue Stücke und streuten Coverversionen in die Setlist ein. Sie spielten „Whiskey And Coke“ sowie „Rock N‘ Roll Heaven“ von ihrer letzten CD, von ihrem Debüt „Favorite Sin“, „Don’t Want It“ und „Rock N‘ Roll Man“. Der von Myles Baker gesungene Fleetwood-Mac-Klassiker „Oh Well“ wurde hervorragend interpretiert. Nicht nur bei ihm kochte der Saal förmlich über.

Das Tempo des schweißtreibendes Sets wurde lediglich durch den Blues „L‘ve Me E’ry Woman“ unterbrochen. Ansonsten folgte ein Rocker nach dem anderen. „We’re An American Band“ von Grand Funk Railroad war die erste Zugabe. Den Abschluss bildete „Otta Control“, bei dem der agile Bassist Robby Bote sich nochmal richtig ins Zeug legte, während sich Benny Carl beim Stagediving und ausgiebigen Crowdsurfing feiern ließ. Zum fulminanten Finale putschten sich die Gitarren gegenseitig auf, bevor um Punkt 23 Uhr die letzten Töne verhallten.

Erwartungsgemäß beanspruchte die Lautstärke die Gehörgänge, aber der Sound war wie immer in der Rampe optimal ausgesteuert. Die Live-Versionen der Songs kamen erdiger rüber als die Studioaufnahmen, was mir besonders gut gefiel. The Tip zelebrieren den Rock auf der Bühne und lieferten eine Show ab, die im Gedächtnis bleibt.

Bei dem mitreißenden Auftreten der Band, deren erster Europatour sich dem Ende zuneigt, war es nicht verwunderlich, dass die CDs bereits ausverkauft waren. So blieb nichts anderes übrig, als bei den T-Shirts zuzuschlagen. Die Bandmitglieder brauchten zwar einige Zeit, um sich umzukleiden, mischten sich dann aber unter die Menge.

Jörg und ich unterhielten uns ausführlich mit Dixie Carl, der erzählte, wie er zur Musik gekommen ist und welche Pläne die Band zurzeit schmiedet. Obwohl er es liebt, auf der Bühne zu stehen – was er während des Konzerts deutlich gezeigt hatte –, freut er sich nun doch auf zuhause und seine Freundin. Wie es sich für einen Rockmusiker gehört, fand Dixie Carl noch ein paar deutliche Worte für den Mainstream in Nashville und für den amerikanischen Präsidenten. Schließlich signierte er noch einen Drumstick, den er mir während des Auftritts als Entschädigung für die Torpedierung meiner Arbeit zugeworfen hatte.

Line-Up:
Benny Carl (lead vocals, guitar, harmonica)
Myles Baker (guitar, vocals)
Robby Bote (bass)
Dixie Carl (drums, vocals)

Text: Michael Segets
Bilder: Jörg Schneider

The Tip
The Tip bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

The Milestones – Beautiful Light – CD-Review

Milestones_300

Review: Michael Segets

Die beiden Freunde Alex Wandres und Chris Metz aus Baltimore gründeten 2015 The Milestones. Mit dem Schlagzeuger John Love und dem Bassisten Jason Alford spielten sie nun „Beautiful Light“ in den Blackbird Studios, Nashville, ein. Auf ihrem Debütalbum, dem zwei EPs vorangegangen sind, orientiert sich die Band an einer härteren Gangart des Rocks.

Vor allem E-Gitarren, Schlagzeug und Gesangsstil bewegen sich auf „Beautiful Light“ in Richtung Hardrock. „Lonesome Train“, „Drivin‘ Back Home“ und „Sure I Want You“ erzeugen dem entsprechenden Druck. „Because Of You“ rockt kompromisslos und reicht an die Klasse von Little Caesar heran.

Highlight der CD ist nach meiner Einschätzung „Lay My Grave On The Mountain High“, bei dem etwas Soul und ein Southern-Akzent mitschwingt.
Mit vollem Sound performen The Milestones die gefällige Midtempo-Nummer „The Way To The Great Unknown“.

Einen auffälligen Rhythmus hat „True Love“, das damit einen höheren Wiedererkennungswert erhält. Auch auf diesem Stück lässt die Band die Gitarren kräftig kreischen.

Die quasi obligatorischen Balladen dürfen auf einem Rockalbum natürlich nicht fehlen. Durch die Aufnahme von „Madness & Delight“ sowie „Beautiful Light“ auf den Longplayer entsprechen The Milestones dem Klischee.

Interessanter ist „Signs Of Life“. Es beginnt mit akustischer Gitarre und entwickelt einige Spannungsbögen.

Der Klang des Songs ist etwas erdiger und hebt sich damit von dem der anderen ab. Dass The Milestones Potenzial haben, lässt der knapp einminütige Abschluss „Message From The Road“ erahnen. Auf Gesang und Mundharmonika reduziert, entsteht ein intensiver Moment, mit dem die Hörer entlassen werden.

So bleibt das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. „Beautiful Light“ bietet gut hörbaren Rock, die Einzeltitel setzen sich aber – mit wenigen Ausnahmen – kaum in den Gehörgängen fest. Dort, wo The Milestones etwas auf die üblichen Hardrock-Zutaten verzichten, gewinnen die Stücke an Kontur.

Das Songwriting ist durchaus vielversprechend. The Milestones könnten ihren Songs mit einem rootsigeren Sound ein deutlicheres Profil geben. Wie sich Alex Wandres und Chris Metz zukünftig zwischen Hard- und Rootsrock positionieren, bleibt abzuwarten. Man darf also gespannt sein, welchen Weg die junge Band zukünftig einschlägt.

Turenki Records (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Lonesome Train
02. Drivin‘ Back Home
03. The Way To The Great Unknown
04. True Love
05. Madness & Delight
06. Because Of You
07. Lay My Grave On The Mountain High
08. Beautiful Light
09. Sure I Want You
10. Signs Of Life
11. Message From The Road

The Milestones
The Milestones bei Facebook

Thunder – Support: Massive Wagons – 03.04.2019, Kantine, Köln – Konzertbericht

Thunder-haupt

Thunder nach etwas über einem Jahr wieder in der Kantine! Köln erweist sich allerdings zunehmend als schwieriges Terrain für die britischen Hardrocker. Nachdem der Besuch schon beim letzten Mal, nicht allzu prall ausgefallen war, fanden sich am Mittwoch Abend vielleicht etwas über 200 Zuschauer zum Auftritt im Rahmen ihrer „Stand Up“-Tour ein.

Morley, Bowes & Co. zeigten sich davon allerdings ziemlich unbeeindruckt und bedankten sich bei den ‚Standhaften‘ mit einem spielfreudigen Konzert – ja man kann schon konstatieren – Thunder hatten richtig Bock!

Zunächst heizte allerdings die aus dem nordenglischen Carnforth stammende, 2009 gegründete Power Hard Rock-Combo, Massive Wagons, mächtig ein. Das Quintett um den agilen Sänger Barry Mills, 2013 Gewinner des ‚Highway To Hell-Competitions‘, das schon einige Alben herausgebracht hat und demnächst auch die Abschiedstour in Großbritannien von Lynyrd Skynyrd zusammen mit Status Quo supporten wird, präsentierte in einer guten Dreiviertelstunde u. a. Songs wie „Back To The Stack“, „Billy Balloon Head, „Tokyo“ oder „China Plates“ aus ihrem aktuellen Longplayer „Full Nelson“, der immerhin Platz 16 der UK-Album-Charts als Achtungserfolg erreicht hat.

Als sich die fünf massiven ‚Wagonführer‘ (besonders der stattliche Bassist Adam Bouskill…) mit dem kräftigen Rock ’n Roller „Fee Fi Fo Fum“ unter viel Applaus von der Audienz verabschiedet hatten, war ihre Mission als energiegeladener Appetitanreger des Hauptacts Thunder punktgenau erfüllt worden (die Bilder zum Massive Wagons-Auftritt siehe hier in einer separaten Galerie).

Nach der Umbaupause gab es mit dem AC/DC-„Thunderstruck“-Einspieler einen britisch humorvollen Beginn. „Thunder, Thunder“ ertönte es aus den Boxen und aus den Kehlen der anwesenden Zuschauer im Einklang, als die fünf erfahrenen Hard Rock-Recken auf der Bühne eintrafen, um dann mit „Loser“ sofort die Chemie zum Publikum auszuloten. Der bestens gelaunte und bombig aufgelegte Sänger Danny Bowes forderte direkt, wie auch im weiteren Verlauf, kontinuierlich Stimmung ein und bekam diese auch freudig zurückgespiegelt.

Viel trug an diesem Abend auch die gute gewählte Setlist dazu bei, die u. a. einen schönen Mix aus ihren, zum Teil balladenhaft-umwehten Paradesongs wie „Low Life In High Places“, „Don’t Wait For Me“ oder „Love Walked In“ und Power- und Mitgröltracks wie „Higher Ground“, „Backstret Symphony“ oder „I Love You More Than Rock ‘n‘ Roll“ aufbot.

Luke Morley war neben seinen beiden Akustikgitarren-Intermezzi, diesmal neben seiner hellen Stratocaster und der schwarzen Les Paul, schwerpunktmäßig mit einer bordeaux-rot-weißen Flying-V-E-Gitarre unterwegs, und lieferte zahlreiche einfühlsame, als auch quirlige Soli ab.

Ben Matthews, der leider nicht so gut zu hören war, erwies sich mit E-Gitarren-, Keyboardeinsätzen, Harmoniegesängen und als Kuhglocken-Perkussionist bei „I Love You More Than Rock ‚n‘ Roll“, als vielseitigster Akteur, während Chris Childs (auch mit Harmony vocals) und der wieder hinter seiner Schießbude verbarrikadierte kauzige Harry James (natürlich mit dunkler Sonnenbrille), ihren meist treibenden Rhythmus entfachten.

Fronter Danny Bowes war erneut die gewohnte Rampensau, Kompliment was der fast 60-Jährige immer noch an Energie aus sich und seiner Stimme herauskitzelt.

Da war es am Ende natürlich nicht verwunderlich, dass die Band ohne Verlängerung aus der Domstadt entlassen wurde. Die sympathischen Briten ließen sich nicht lumpen und es, ihrem Namen gebührend, mit dem flotten „Serpentine“ und dem herrlichen „Dirty Love“ (am Ende wieder mit launiger Publikumseinbindung), trotz der spärlichen Kulisse, abschließend nochmals ordentlich krachen.

Ein toller Gig von Thunder, besser und unterhaltsamer kann man einen Mittwoch Abend (musikalisch) eigentlich nicht verbringen!

Line-up Thunder:
Danny Bowes (lead vocals)
Luke Morley (electric and acoustic guitars, vocals)
Ben Matthews (keyboards, electric guitar, percussion, vocals)
Chris Childs (bass, vocals)
Harry James (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thunder
Thunder bei Facebook
Kantine Köln

Massive Wagons – 03.04.2019, Kantine, Köln – Konzertbilder

MW_haupt

Zunächst heizte allerdings die aus dem nordenglischen Carnforth stammende, 2009 gegründete Power Hard Rock-Combo, Massive Wagons, mächtig ein. Das Quintett um den agilen Sänger Barry Mills, 2013 Gewinner des ‚Highway To Hell-Competitions‘, das schon einige Alben herausgebracht hat und demnächst auch die Abschiedstour in Großbritannien von Lynyrd Skynyrd zusammen mit Status Quo supporten wird, präsentierte in einer guten Dreiviertelstunde u. a. Songs wie „Back To The Stack“, „Billy Balloon Head, „Tokyo“ oder „China Plates“ aus ihrem aktuellen Longplayer „Full Nelson“, der immerhin Platz 16 der UK-Album-Charts als Achtungserfolg erreicht hat.

Als sich die fünf massiven ‚Wagonführer‘ (besonders der stattliche Bassist Adam Bouskill…) mit dem kräftigen Rock ’n Roller „Fee Fi Fo Fum“ unter viel Applaus von der Audienz verabschiedet hatten, war ihre Mission als energiegeladener Appetitanreger des Hauptacts Thunder punktgenau erfüllt worden.

Line-up Massive Wagons:
Barry Mills (lead vocals, percussion)
Adam Thistlethwaite (electric guitar, vocals)
Stevie Holl (electric guitar, vocals)
Adam Bouskill (bass, vocals)
Alex Thistlethwaite (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Massive Wagons
Massive Wagons bei Facebook
Kantine Köln

Sari Schorr & Band, 15.11.2018, Schwarzer Adler – Konzertbericht

Schor_haupt

Sari Schorr zum ersten Mal im Schwarzen Adler! Wir hatten das weibliche Energiebündel zuvor bereits 2017 und vor gut einem halben Jahr im voluminöseren Musiktheater Piano in Dortmund erlebt. Diesmal war für uns die spannende Frage, wie ihre Musik in der mehr beengten Clubatmosphäre der Rheinberger Kultstätte wirken würde.

Dazu kam, dass die aus Brooklyn, New York, stammende Sängerin mit „Never Say Never“  mittlerweile ihr, von der allgemeinen Kritikerschaft, als auch uns, hochgelobtes zweites Album im Schlepptau hatte.

Begleitet wurde sie, inklusiv einer Veränderung, von der bewährten ‚Klasse-Mannschaft‘ mit dem, an den diversen E-Gitarren, wieder furios auftrumpfenden Ash Wilson, dem niederländischen Tastenvirtuosen Bob Fridzema und dem britischen Parade-Drummer Roy Martin. Am Bass erwies sich der musikalische Tausendsassa Roger Inniss – wen wundert es –  als ideale Verstärkung der Rhythmusfraktion.

Mit „New Revolution“ als Opener gab es zwar keine musikalische Aufruhr im Adler, aber ihre eher auf klassischen Rock basierende Ausrichtung war in der überwiegend Blues-verwöhnten Vierbaumer Location, ein durchaus mutiges Unterfangen. Schön, dass Ernst Barten und sein Team immer auch ein offenes Ohr für ‚frisches Blut‘ bei ihrer Programm-Zusammenstellung beweisen.

Spaß bereitete mir bei diesem Stück direkt das Skynyrd-angelehnte E-Gitarren-Solo von Ash Wilson. Nach dem dezent Whitesnake-behafteten „Damn Reason“ (typische Orgel von Fridzema), der emotionalen Widmung in Richtung Robert Johnson mit „King Of Rock And Roll“, gab es mit dem schön bluesig umgesetzten „Demolition Man“ (Bob lässt seine Hammond herrlich ‚durchgurgeln‘) erstmals so richtig Wasser auf die Mühlen des Adler-Publikums (später nochmals vor allem bei der dritten Zugabe).

Das shufflige „Ain’t Got No Money“ zollte ihrer einstig finanziell etwas klammeren Zeit Tribut, als Sari noch in Paris lebte. Der Mott The Hoople-/Bad Company-Rock-Evergreen „Ready For Love“ begeistert aus dem Munde  einer solchen Stimm-Charismatikerin ebenso, wie es einst bei Paul Rodgers der Fall war.

In „I Just Wanna Make Love To You“ brillierte Roger Inniss mit einem starken Bass-Solo und legte mehr als eindeutig klar, warum er zu einem der meist gebuchtesten Akteure im Tieftönerbereich zählt.

Über „Kiss Me“ (Schorr hier wie eine rockige Melissa Etheridge), „Maybe I’m Fooling“ (erneut mit southern-rockigem E-Solo) und dem ein wenig auf sich selbst ironisch gemünzten „Valentina“, ging es mit dem Ian McLagan-Ohrwurm und zugleich Titelstück des neuen Werkes, „Never Say Never“, in die Schlussphase des Gigs.

Nach Vorstellung ihrer wieder bärenstark agierenden Begleitband nutzte Sari beim Schlusslied „Freedom“ die Gelegenheit, auf den in der USA existierenden Waffenwahn aufmerksam zu machen, der sich unter der Vorherrschaft eines Donald Trumps und wem auch immer danach, aber vermutlich kaum beseitigen lassen wird.

Drei lautstark eingeforderte Zugaben, u. a.  mit der eigenwilligen Schorr- Interpretation des One-Hit Wonders „Black Betty“ waren ein bestes Indiz dafür, dass sich im Adler oft auch ein Blick über den Tellerrand lohnt, auf dem der Blues diesmal eher als dekorierende Beilage präsent war.

Sari Schorr und ihre Begleittruppe haben an diesem Abend mit einer engagierten und couragierten Leistung eine beeindruckende Visitenkarte abgegeben. Ich bin mir relativ sicher, dass man sie nicht zum letzten Mal in Vierbaum erlebt haben wird.

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Roger Inniss (bass)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Bob Fridzema (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
Sari Schorr bei Facebook
Schwarzer Adler Rheinberg

Black Stone Cherry – Support: Monster Truck – 11.11.2018, E-Werk, Köln – Konzertbericht

BSC-Haupt

Ein eher schwieriger Abend für mich. Da ich im Gegensatz zum Kollegen Gernot, nicht unbedingt ein Fan von überwiegend, mit härterer Gangart angetriebener Musik bin, war ich zunächst mit gemischten Gefühlen die Reise ins Kölner E-Werk zum Gig der Southern Hard Rock Band Black Stone Cherry und ihrem kanadischen Support Monster Truck angereist.

Die Nordamerikaner um ihren sympatisch wirkenden Fronter John Harvey begannen pünktlich um 20.00 Uhr ihr zehn Stücke umfassendes und knapp 45 Minuten währendes Vorprogramm.

Dabei präsentierten sie zum einen ältere Stücke wie „Don’t Tell Me How To Live“, „She‘ A Witch“, „Sweet Mountain River“ oder „The Lion“ und natürlich überwiegend Sachen aus ihrem brandaktuellen Werk „True Rockers“ wie „True Rocker“, „Evolution“, „Thundertruck“, „Denim Danger“, „Undone“ oder „Devil Don’t Care“.

In einem hart rockenden, aber durchaus auf guten Melodien basierten Mix, in der Tradition klassischer Vorbilder der Marke Led Zeppelin, Iron Maiden, Deep Purple & Co., gefiel mir das dezent progressive und atmosphärische „Undone“ am besten. Insgesamt ein Voract der besseren Sorte mit zukünftigem Headliner-Potential in dieser Sparte.

Line-up Monster Truck:
John Harvey (lead vocals, bass)
Jeremy Widerman (electric guitar, vocals)
Brandon Bliss (keys, vocals)
Steve Kiely (drums, vocals)

Nachdem es zunächst nach einer Umbaupause in Rekordzeit aussah, zog sich der Beginn des Headliners Black Stone Cherry dann doch noch ein Weilchen hin. Da sie aber mit Songs aus dem schon lange nicht mehr gehörten Allman Brothers-Werk „Brothers And Sisters“ überbrückt wurde, fiel das Warten nur halb so schwer.

Der Einstieg mit dem Led Zeppelin-umwehten „Rain Wizard“ ließ an Heftigkeit nichts zu wünschen übrig. Das Quartett mit charismatischen Leader Chris Robertson und den sich ständig in Bewegung befindenden Ben Wells und John Lawhon (immer wieder ihre Postionen links und rechts der Bühne tauschend) sowie dem wie von einer Tarantel gestochenen, trommelnden, bzw. fast schon prügelnden Irrwisch John Fred Young machten sofort klar, dass ihr dezent southern-infizierter Hard Rock nichts für zarte Gemüter sein wird.

Als sehr positiv empfand ich zunächst den Querschnitt des Publikums, der von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen der jüngeren Sorte bis zu unserer Altersstufe reichte. Der Band scheint es somit zu gelingen, Generationen-übergreifend zu begeistern und somit auch dem uns geliebten Southern Rock ihre Dienste im Sinne des Genre-Fortbestandes zu erweisen.

„Burnin'“ läutete den Reigen der kommenden Stücke ihres starken Silberlings „Family Tree“ ein, dessen schönes Cover auch das Bühnenhintergrundbild zierte. Zwischendurch wurden immer mal ein paar Klassiker wie „Can’t You See“, „Fly Like An Eagle“ oder auch „Stir It Up“ intoniert, das als Vorbote zum stimmungsreichen „Me And Mary Jane“ als einem der ersten Höhepunkte, angespielt wurde.

Der sporadisch als Perkussionist eingesetzte Jeff „Bongo“ Boggs konnte einem ein wenig leid tun. Er hatte nämlich mehr mit der Instandsetzung von Youngs Schlagzeuganlage zu tun, die den Ansprüchen seines furiosen Wirkens offenkundig nicht gewachsen war. Er konnte dann wenigstens bei der Vorstellung der Band beim tollen „Cheaper To Drink Alone“, als alle Beteiligten ihre Solierparts inne hatten, seine rhythmischen Fertigkeiten präsentieren.

Zuvor hatten Stücke wie u. a. das ZZ Top-umwehte „New Kinda Feelin'“, „Let It Roll“, „My Last Breath“ (sehr melodisch – sogar ein wenig mit Sister Hazel-Flair), „Soulcreek“ oder die Uptempo-Nummer „Maybe Someday“ für eine angenehme, begeisterte und ausgelassene Atmosphäre gesorgt.

Die schlug allerdings – zumindest was mein Empfinden angeht – nach der schönen Ballade „My Father Said“ und dem starken, Slide-trächtigen Southern Rocker „Ain’t Nobody“ mit „Lonely Train“ ins Unangenehme um. Fronter Chris Robertson hatte darum gebeten, einen Kreis in der Mitte der Zuschauer ‚auszusparen‘ wobei ich vermutet hatte, dass er sich dort selbst für eine Solo-Einlage hinein begeben wolle. Er offerierte dann allerdings für zwei freiwillige Menschen die Option, den erschaffenen Raum für eine Tanzeinlage zu nutzen.

Im Zuge der Aggressivität des Liedes hatte sich das aber schnell erledigt und eine Meute junger, angetrunken erscheinender Personen, nutze die Fläche für wüstes Herumschubsen und Springen (auch unter dem Fachbegriff ‚Pogen‘ geläufig…). Ein junge, unbeteiligte Frau in meiner Nähe ging dabei zu Boden und konnte froh sein, dass es umherstehenden Leuten gelang, in erster Linie sie und ihre umher geflogene Brille vor weiterem Schaden zu bewahren. Angesichts der deutlich sichtbaren Kinder (zum Teil auf den Schultern) eine ziemlich fahrlässige Sache, die man tunlichst unterlassen sollte.

So wurde der Genuss von der fortan sich im Zentrum auslebenden Meute bei launigen Stücken wie „Blame It On The Boom Boom“, „White Trash Millionaire“ und dem finalen „Family Tree“ leider durch ein gewisses ‚Unbehagen‘ in Mitleidenschaft gezogen. Aber vielleicht bin ich ja einfach auch nur zu alt. Black Stone Cherry bedankten sich am Ende für den in Deutschland stetig wachsenden Zuspruch, besonders auch, was ihre Besucherzahlen angeht. Um die 1.200 Leute hatten an diesem Abend für eine – bis auf die nicht geöffneten Oberränge – gefüllte Location gesorgt.

Als schon keiner mehr mit Zugaben rechnete und einige das E-Werk verlassen hatten, kamen zunächst Ben Wells und Chris Robertson alleine für „Peace Is Free“ auf die Bühne, wobei Robertsons grandiose Stimme mal in voller Pracht zur Geltung kam, um den Schluss des Liedes wieder im Kollektiv zu beenden.

Insgesamt ein gelungener Abend mit den benannten Abstrichen (aus meiner Sicht), der vor allem seinen Reiz darin hatte, dass Southern Rock in Kombination mit moderneren Musikelementen durchaus eine weiterhin zukunftsträchtige Option abzugeben scheint. Von daher muss man dankbar sein, dass sich Bands wie Black Stone Cherry, Blackberry Smoke, Hogjaw, Robert John & The Wreck & Co. hier mit qualitativem Anspruch als weiterführende Erben dieses Genres in den Dienst der Sache stellen.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals, percussion)
John Lawhon (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Black Stone Cherry
Black Stone Cherry bei Facebook
Monster Truck
Monster Truck bei Facebook
Netinfect Promotion
E-Werk

Michael Schenker Fest, 01.11.2018, Turbinenhalle, Oberhausen – Konzertbericht

Schenker_haupt

Der mittlerweile 63 jährige Hard Rock-Gitarrist Michael Schenker machte mit seinem derzeitigen Projekt, dem Michael Schenker Fest, auch Halt in der Oberhausener Turbinenhalle, die mit knapp 700 Besuchern nicht ausverkauft, aber gut gefüllt war. Im Line-up hatte er die Sänger dabei, die ihn hauptsächlich in seiner Karriere nach den Anfangsjahren bei den Scorpions und bei UFO begleitet hatten. Das musikalische Material sollte ein Querschnitt durch sein gesamtes musikalisches Schaffen werden.

Nachdem die Vorband Absolva knapp 45 Minuten das Publikum mit einem sehr ansprechenden Hard Rock Performance auf Betriebstemperatur gebracht hatte, betrat Michael Schenker gegen 21:15 Uhr nach einer recht zügigen Umbaupause zu Klängen von AC/DC die Bühne. Schnurstracks ging er zu seinem Mikrofon und beschrieb kurz alle seine musikalischen Stationen. Einer der in Japan einen fast Gottes-ähnlichen Status hat, darf das eben.

Direkt danach begann Michael Schenker mit dem einzigen Song, bei dem er die Lead vocals inne hatte. Der 79er Hit „Holiday“ vom Scorpions-Album „Lovedrive“ war ein würdiger Einstieg in das Konzert. Unterstützt wurde er dabei an den Drums von Ted McKenna, der ihn schon bei Michael Schenker Group begleitete und der vor seiner Zeit mit Schenker, unter anderem für die Sensational Alex Harvey Band, Rory Gallagher die Drumsticks schwang und auch heute noch mit Gary McAvoy in der Band Of Friends die Musik des Iren zelebriert.

Chris Glenn am Bass war wie McKenna bei der Sensational Alex Harvey Band tätig, bevor er mit kurzen Unterbrechungen ab 1980 immer wieder mit Schenker zusammen arbeitete. Er leistete eine starke Rhythmusarbeit, glänzte mit kurzen Basssoli und war optisch der Hingucker bei den Songs, die jeweils zwischen den Parts der verschiedenen Sänger als Instrumentals gespielt wurden.

Glenn, mittig stehend, leuchtete mit grünen Laserstrahlen, die an seine Brille montiert waren, die Bühne aus . Der dritte im Bunde war Steve Mann an der zweiten Gitarre und den Keyboards, der auch schon für mehrere Jahre Mitglied der MSG war und während der Tracks auch genügend Raum für Soli bekam.

Nach „Holiday“, was einem Intro glich, wurde die Bühne immer voller, als Schenker die ersten Klänge des UFO-Knallers „Doctor Doctor“ intonierte. Graham Bonnet , Gary Barden und Robin McAuley wechselten sich über die Strophen im Leadgesang ab, wobei zu Beginn mischtechnische Probleme erkenn- und hörbar waren, die aber nach einen Nachjustieren der Tontechniker, schnell behoben waren.

Nach diesem ersten Highlight verließen die drei Sänger die Bühne und Michael kündigte Doogie White, Sänger bei Michael Schenkers Temple Of Rock an, mit dem er dann fünf Songs präsentierte. Doogie, der einige Wochen zuvor im Dortmunder Piano mit Demon’s Eye schon einen starken Auftritt hatte,  glänzte auch heute mit einem starken gesanglichen Auftritt und poste entsprechend über die Bühne.

Den Einstieg machte „Vigilante Man“ von „Temple of Rock“ und nach dem stark vorgetragenen Ufo-Klassiker „Natural Thing“ bedankte und verabschiedete Michael Doogie zunächst. Schon bei diesem ersten Teil des Konzertes, das in verschiedene Kapitel unterteilt wurde, war zu erkennen, mit welchem Spaß Schenker seine Songs präsentierte und immer wieder vom Bühnenrand posend, manchmal fast tänzelnd, seine Gitarren bearbeitend, Kontakt mit dem Publikum suchte. Den Vordergrund überließ er dabei den Lead-Sängern. Er zog sich meist, auf der Gitarre wirbelnd, zu seinen Marshall-Türmen im hinteren Teil der Bühne zurück.

Mit „Nemo“, einem mystisch wie aus unendlichen Tiefen daher kommenden Instrumental wurde Kapitel 1, klar vom danach folgenden Kapitel 2 abgegrenzt. Unterstützt wurde dieser psychedelische Track durch das etwas dunklere bläuliche Bühnenlicht, das von den Anfangs beschriebenen Lasereffekten Glenns durchbrochen wurde.

Im zweiten Kapitel begleitete der mittlerweile 71 jährige Graham Bonnet, in seiner Karriere unter anderem tätig bei MSG, Rainbow und Alcatrazz, die Band am Mikro. Für ihn typisch, mit Stoffjacke und Schlips bekleidet, trug er ebenfalls einen Anteil von fünf Stücken. Bonnet benötigte auch ein paar Minuten, bis gesanglich alles auf der Höhe war,  was aber auch durch Unstimmigkeiten bei der Monitor-Abmischung begründet war. „Assault Attack“ vom gleichnamigen MSG-Album, das mit ihm eingesungen wurde, war dabei die stärkste Nummer, die er entsprechend intonierte und gestenreich interpretierte.

Nachdem Graham von Michael gebührend verabschiedet wurde, füllte „Coast To Coast“, das Schenker damals, Ende der 70er Jahre mit den Scorpions auf „Lovedrive“ einspielte, den Übergang zu Kapitel 3. Ruhig beginnend entwickelte der Song immer mehr Dynamik und das Publikum feierte das gebotene Hard Rock-Gewitter entsprechend frenetisch ab.

Mit dem 63jährigen Gary Barden, Sänger in den Anfängen der Michael Schenker Band und wieder Mitglied in späteren Phasen, betrat nun der dritte Sänger die Bühne. Passend machte „Ready To Rock“ den Einstieg. Beim folgenden „Axeman“ unterstützte ihn Robin McAuley für einen Song und mit  „Armed And Ready“ wurde das Kapitel 3 beendet.

Beim starken „Warrior“ hatten alle vier Sänger abwechselnd und teilweise mehrstimmig ihren Anteil.

Dem vierten Kapitel setzte dann der 65-jährige, aber noch sehr vital daher kommende Robin McAuley, mit seinem ganz speziellen Charisma, den Stempel auf. Nach den zwei starken rockenden Nummern „Bad Boys“ und „Shoot Shoot“ kamen für „Heart & Soul“ noch einmal die anderen Sänger dazu, um Robin dann für die Knaller „Only You Can Rock Me“ und „Too Hot To Handle“ die Bühne nochmals allein zu überlassen.

Die beiden letzten Tracks setzten dem Konzert noch einmal die Krone auf. Eine etwa 10-minütige Version von „Rock Bottom“, bei der Schenker sich mit diversen Soli austoben konnte, beendete das Konzert zunächst.

Dennoch wurden, von dem weitgehend über das Konzert gut mitgehenden Publikum, eine Zugabe gefordert. Schenker und alle Mitstreiter ließen sich nicht lange bitten, obwohl es schon wirklich spät geworden war, und lieferten mit „Lights Out“ den entsprechenden Rausschmeißer, nach dem auch eigentlich nichts mehr kommen konnte.

Nach einem gewaltigen Lichtgewitter über die Bühne wurde es nach dem letzten Gitarrenanschlag Schenkers, entsprechend des Songstitels, dunkel in der Halle und zweieinhalb Stunden durch das musikalische Schaffen Schenkers waren wie im Fluge vergangen.

Den Zuschauern wurde, von einem glänzend aufgestellten und sehr vitalen agierenden Michael Schenker, eine starke Show mit einer gut durchdachten Song-Auswahl geboten, in der jede Schaffensphase ihren Platz finden konnte.

Schön war auch zu sehen, mit welchem Spaß die Musiker gemeinsam dieses Werk präsentierten. Wer auf guten Hard Rock steht, dem sei geraten, eines der noch anstehenden Konzerte zu besuchen. Dies gilt auch für die Vorband Absolva, die Ende November unter anderem in der Krefelder Kulturrampe zugegen sein wird.

Ein besonderer Dank geht an a.s.s. concerts & promotion gmbh für die kurzfristige und problemlose Akkreditierung und das gesamte Team in den Turbinenhalle, das auch einen Anteil an dem gelungenen Konzertabend hatte.

Line-up:
Michael Schenker (lead vocals, electric guitar)
Robin McAuley (lead vocals)
Graham Bonnet (lead vocals)
Doogie White (lead vocals)
Gary Barden (lead vocals)
Chris Glenn (bass)
Steve Mann (guitars, keyboards)
Ted McKenna (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Michael Schenker Fest
Michael Schenker Fest bei Facebook
Absolva
Absolva bei Facebook
a.s.s. concerts & promotion gmbh
Turbinenhalle, Oberhausen

Guitar Heroes Festival – 21.-23.09 2018 – Festivalnachlese

(14) HK - Gerds Ansage mit der Laura Cox Band

Die Entschleunigung rasanter Saitenläufe … oder auch Guitar-Heroes irgendwo im Nirgendwo

Es gibt Leute, die pimpen ihr Auto, fliegen in der Weltgeschichte rum, cruisen durch die Weltmeere oder züchten Büffel.

Der Biobäcker Gerhard Lorenzen, seines Zeichen passionierter ‚Musikverrückter‘, kann über solche Anwandlungen vermutlich nur schmunzeln – und veranstaltet seit 2007 Rock- und Blueskonzerte bei sich Zuhause in Joldelund, einer 715-Seelen Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig Holstein. Drei Bundesstraßen und eine Bahnlinie sind jeweils etwa 10km entfernt … wahrlich eine (rock- und bluesmusikalische) Metropole.

Nein, falsche Fährte, was sich zunächst wie beißender Spott liest, entpuppt sich schnell als der (Noch?)Geheimtipp für alle Anhänger rockiger Bluesmusik oder bluesiger Rockmusik und Artverwandtes.

Genau dies wollten diesen Frühherbst ein Genre-Veteranenquartett aus Oldenburg/Bremen genauer unter die Lupe nehmen und starteten an einem Freitag-Vormittag bei viel Wind und aufgewirbeltem Staub – mit einem kleinen Caravan inklusive Vorzelt im Gepäck – zeitig gen Norden eine Fahrt ins vorfreudige Ungewisse.

Nach 3 ½ Stunden problemloser Fahrt (vom Navi – oder Fahrer mal abgesehen) erreichte der Vierer das Ziel irgendwo im Nirgendwo. Das Headquartier von Gerd – auch liebevoll und augenzwinkernd ’Gerds Juke Joint’ genannt – kam zunächst wenig spektakulär rüber (mit Ausnahme eines durch die Wand geknallten Autos), was sich im Laufe des Wochenendes aber noch gehörig ändern sollte.

Also … wohin mit dem Caravan? Ganz einfach … quasi in Gerds „Garten“ … bloß keine Obstbäume beim rangieren beschädigen! Erste Bullies, Wohnmobile und Caravans waren auch bereits vor Ort. Nun noch schnell vor dem drohenden Regen das rollende Schlafklo vernünftig ausgerichtet, Vorzelt enttüdelt und unfallfrei aufgebaut, die Mistral-Sturmverspannung ob der drohenden Nordwinde angebracht, Stühle und Tische aufgeklappt, den Bluetooth-Krawallmacher in Stellung gebracht und schlussendlich die Kühlbox geöffnet … das Joldelunder Festival der etwas anderen Art konnte beginnen!

Warum der etwas anderen Art?

Weil hier ein funkensprühender, glühender, für die Sache brennender Enthusiast mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten – ohne jegliche kommerzielle Auswüchse(!) – etwas in atemberaubend privater Atmosphäre auf die Beine stellt, was sich grundlegend vom Zeitgeist unterscheidet … und zwar sehr wohltuend. Hier wird noch das Kredo Entschleunigung bei gleichzeitig beschleunigter Saitenarbeit großgeschrieben. Eine wahrhaft nicht alltägliche Konstellation!

Und so begab sich pünktlich um 19.45 Uhr das erwartungsfrohe Quartett auf den ausgebauten Scheunen-Dachboden des Biobäckers Gerd. Nicht ohne auf dem Weg dorthin einem Getränkewagen, einem Frühstücks- und Imbissbereich und einem Festzelt zu begegnen. Oben angekommen war erst recht Staunen angesagt. Sehr viel Holz, tolle Balkenkonstruktionen (fast wie ein Kirchenschiff!), ganz hinten im Raum ein kleiner Tribünen-Loungebereich, in der Mitte ein großzügiges Theken-Sit-in-Konzept, ein vergleichsweise kleines Mischpult, eine kleine Bühne für einen Kameramann, der sich als Bassist von Lake herausstellen sollte und schließlich der recht schmale Raum vor der eigentlichen Konzertbühne auf der Frontseite der Scheune.

Von dieser Bühne aus begrüßte Punkt 20.00 Uhr das Herz dieser Veranstaltung seine Gäste, gab einen kleinen Ausblick auf kommende Veranstaltungen und kündigte den ersten Act an – ein YouTube-Phänomen aus der Region von Paris … die Laura Cox Band, die letztes Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht hatten.

Im Kontext des angekündigten Line-Ups hatte sie es nicht leicht, zumal auch der Sound noch nicht der beste war. Aber sie brachte zusammen mit ihren Mitstreitern am Schlagwerk, Bass und zweiter Gitarre als Opener ordentlich Feuer und Stimmung in die Bude. Insgesamt ließ das Line-Up an diesem Wochenende auf recht rockigen Blues schließen, natürlich gemäß des Veranstaltungstitels explizit Guitar-Solo-lastig.

In diesem Zusammenhang geriet der Vortrag der Laura Cox Band eher zu einer Rock-Party, die auch vor Schlachtrössern wie „Foxy Lady“ (weniger gelungen) und „Jumpin’ Jack Flash“ (deutlich mehr gelungen) nicht halt machte. Es war an diesem Wochenende die einzige Band mit zwei Gitarristen und den am wenigsten ausgeprägten Saitensoli, entsprechend zählte die Kompaktheit und das rockige „Los-Geh“- Potential der meisten Songs.

Eine technisch nicht besonders anspruchsvolle Band, die eher das Herz als das Hirn ansprach und folgerichtig als Anheizer gut Dampf auf den Kessel geben konnte. Die sehr lockere, offene, kommunikative Art von Laura Cox kam überdies sehr gut an. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der weitere Weg der Dame gestalten wird.

Nach der Umbaupause enterte dann der Niederländer Julian Sas mit seiner derzeit wahrhaftig formidablen Band die kleine Bühne und … räumte auf ganzer Linie ab! Das Publikum und die Musiker befeuerten sich zunehmend in einen Rausch, Gitarre und Orgel (Roland Bakker) wurde nebeneinander, miteinander und gegeneinander viel Raum gelassen, Rob Heijne (Schlagzeug) und Fotis Anagnostou (Bass) hielten nicht nur den Laden zusammen, sondern setzten virtuos und mit enormem Druck auch eigene Akzente, während ihr Chef traumhaft die Saiten nicht nur glühen, sondern vor allem auch „singen“ ließ. Bluesrock, Classic-Rock, Jam-Rock, Boogie-Rock, Rock’n’Roll … es blieben keine Wünsche offen und entsprechend euphorisiert brachte das Publikum die ebenfalls euphorisierte Band noch zu offensichtlich nicht geplanten Zugaben!

Da hatte es dann das erst weit nach Mitternacht auftretende einstige Gitarren-„Wunderkind“ Eric Steckel doch sehr schwer, das Publikum bei der Stange zu halten, zumal er leider keine Taste an Bord hatte und somit nicht ansatzweise das umsetzen konnte, was insbesondere sein derzeit aktuelles Album „Polyphonic Prayer“ verspricht. Immerhin ist Herr Steckel nicht nur ein Saitenartist, sondern auch außerordentlich versiert auf den Tasten unterwegs.

In Joldelund spielte er allerdings als Power-Trio und zerschredderte konsequent jeglichen Song-Ansatz. Schade, denn er hat selbige eigentlich sehr wohl im Repertoire. Für alle selbst aktiven Gitarristen unter uns gab es sicherlich interessante Erkenntnisse, für alle anderen war es zu fortgeschrittener Stunde eher anstrengend und so leerte sich auch unübersehbar das Auditorium.

Am nächsten Vormittag wurde dann zum Frühstück den Bio-Backwaren (gefühlt 15 verschiedene Sorten!) gehuldigt, die in großen Kisten für einen (sehr!) fairen Betrag zur Verfügung gestellt wurden, einschließlich Bio-Kaffee und Bio-Milch. Derart gestärkt ließ das Genre-Veteranenquartett im trotz teilweise unwirtlichen Wetters gemütlichen Vorzelt den Bluetooth-Speaker qualmen, so dass zumindest das ganze Umfeld auf den aktuellsten Stand der (Blues-)Rock/Classic-Rock/Country-Rock/Americana-Neuveröffentlichungen gebracht wurde.

Zusätzlich musizierten ab 14.00 Uhr insgesamt vier regionale Bands im Festzelt um die Gunst der Aufmerksamkeit, was auch sehr achtbar gelang!

Punkt 20.00 Uhr eröffnete dann die Sean Webster Band (UK/NL) den zweiten Abend … und räumte – von vielen unerwartet – gleich zu Beginn ultimativ ab!
Sean Webster, der „erst“ mit 14 Jahren die Gitarre für sich entdeckte und sich dabei von den drei ’Kings’ (Albert, Freddie, B.B.), Mark Knopfler, Robert Cray, Stevie Ray Vaughan, Gary Moore und vor allem Eric Clapton beeinflussen und inspirieren ließ, bestach umgehend mit einem außerordentlich gefühlvollen, gleichwohl energetischen Saitenspiel wie Gesang und präsentierte hochmelodische Songs bis hin zur fantastisch und geradezu beängstigend intensiv vorgetragenen Cover-Version von „I’d Rather Go Blind“ (Etta James).

Das Genre-Veteranenquartett erkannte hier messerscharf den Saitenartisten alter britischer Schule und erfreute sich zusammen mit dem völlig aus den Häuschen geratenen Publikum über eine singende, seufzende, leidende, jubilierende Saitenarbeit und feierte einen Protagonisten, der zu tollen Songs gesanglich sein Innerstes nach außen kehrte.

Unterstützt wurde er dabei von einer niederländischen Band, wobei Ruud Gielen am Schlagwerk und Floris Poesse am Bass ein wunderbar agiles wie federndes Rückgrat bildeten und Hilbrand Bos an der Taste willkommene Akzente setzte.

Insgesamt ein fulminanter Auftritt voller Leidenschaft, Spielfreude, hinreißender Soli und genauso hinreißendem Gesang. Das anfangs noch zurückhaltende Publikum warf zunehmend jegliche Zurückhaltung über Bord und stachelte den sichtlich freudig überraschten Sean Webster und seine Mannen zu absoluten Höchstleistungen an, die in offensichtlich drei gar nicht geplanten Zugaben gipfelten. Im Anschluss wurde der Merchandise-Stand geradezu gestürmt … und das völlig zu Recht!

Da hatte es der Haupt-Act des Festivals, Ryan McGarvey aus Albuquerque, New Mexico, tatsächlich schwer, trotz seiner unbestreitbar exorbitanten Fähigkeiten an den Saiten, das Publikum für sich zu gewinnen. Zu introvertiert und mit deutlich zu vielen elektronischen Spielereien ließ McGarvey seine musikalischen Inhalte zerfasern – sie rieselten quasi wie Sand durch die Finger. Er beeindruckte zwar insgesamt am Spielgerät, schredderte auch keinesfalls in der Manier eines Steckel, hatte ein solides neues Rhythmus-Fundament im Rücken, verlor sich aber leider im Effekte-Nirvana der unendlichen Möglichkeiten eines Ausnahmetalents.

Da brauchte es dann im Anschluss zur Beruhigung diverser Synapsen Nervennahrung. Auch diesbezüglich hatte Gerd außergewöhnliches zu bieten: Die weltbesten (Bio-)Pommes, Bio-Bratwurst, würziger Nacken im Brötchen und an der Theke mit einer keine Wünsche offen lassender Getränkeauswahl schließlich verboten leckere selbstgebackene Teigtaschen in verschiedenen Ausführungen … jegliche Selbstdisziplinierung zwecklos!

Da konnte dann der letzte Act des Abends kommen … wieder nach Mitternacht und diesmal eine gemeinhin selbst in Genre- und Nerdkreisen völlig unbekannte Band namens Snakewater aus Manchester.Einzige Konstante ist hier Sänger und Gitarrist Bobby Grant, der unverhohlen zugibt, dass sein großes Idol Gary Moore ist.

Vom Bandnamen her könnte ja eher die weiße Schlange als Bezugsgröße vermutet werden, stattdessen ertönte zur vorgerückten Stunde bluesgrundierter Classic-Rock, neben erwähntem Herrn Moore eher an Bad Company und Free gemahnend, wobei Bobby Grant explizit Paul Kossoff als seinen weiteren Helden pries. Aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen gab es hier bei allem Rock-Getöse die eine oder andere Songperle (Eigenbau) des gesamten Festivals zu entdecken!

Das „Guitar Heroes Festival“ in Joldelund wäre nicht komplett, gäbe es da nicht das inzwischen wohl legendäre Akustik-Set zum sonntäglichen Frühschoppen. Diesmal hatte Ryan McGarvey solo und ohne doppelten Boden die Ehre und sammelte dann auch prompt mit seiner Akustischen und fulminantem Spiel die Scherben des Vorabends auf, setzte sie wieder zusammen und fand zu seinen Songs zurück. Das anfangs noch ziemlich müde Publikum – diesmal wie in einem kleinen Theater brav sitzend – wachte zunehmend auf, um schließlich aus dem Gestühl zu schießen. Ryan McGarvey sollte zwingend mal eine Unplugged-Platte machen … dieser vormittägliche Auftritt war Dynamit, Weltklasse und bescherte dem Protagonisten dann doch noch verdiente CD-Verkäufe …

… und ließ insgesamt nur einen Schluss zu: Gerd weiß genau, was „seine“ Zielgruppe gerne hören möchte, denn er selbst verkörpert höchstpersönlich selbige geradezu exemplarisch. Ein durch und durch sympathischer Freak, der im Gegensatz zu vielen anderen mit ganz viel Enthusiasmus, Liebe und Engagement etwas aktiv auf die Beine stellt, um den Gegenstand seiner Begeisterung am Leben halten zu können. Nicht verschwiegen sei hierbei, dass dies ohne die Unterstützung seiner Familie und Freunden sicherlich nicht möglich wäre.

Deshalb sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass es von „Guitar Heroes in Joldelund“ sogar ein Independent-Movie in Kinolänge gibt, welches als eine Art Dokumentation wunderbar den Spirit dieser Veranstaltung veranschaulicht. Gerd sucht latent und fortwährend nach Möglichkeiten, diesen Film präsentieren zu können.

Das Genre-Veteranenquartett jedenfalls ruft uneingeschränkt zu jeder möglichen Unterstützung auf!

(Unser Dank gilt besonders auch Gerhard Harder für das zur Verfügung stellen seiner Fotos!)

Text: Olaf Oetken
Fotos: GH (Gerhard Harder) und HK (Henry Klompmaker)

Gerd’s Juke Joint
Laura Cox Band
Laura Cox Band bei Facebook
Julian Sas
Julian Sas bei Facebook
Eric Steckel
Eric Steckel bei Facebook
Sean Webster Band
Sean Webster Band bei Facebook
Ryan McGarvey
Ryan McGarvey bei Facebook
Snakewater
Snakewater bei Facebook

Deep Purple & Friends – 08.07.2018, Sparkassenpark, Mönchengladbach – Konzertbericht

DP_haupt

Im letzten Jahr veröffentlichten die inzwischen doch ergrauten „alten Herren“ in der aktuellen Mark VIII-Besetzung das mittlerweile 20. Album „Infinte“, um anschließend, ab Mai, ihre weltweite „Long Goodbye Tour“ zu starten, die noch bis zum 22.10.2018 andauern wird und die Band nun auch mit einem einzigen Konzert in NRW in den Sparkassenpark nach Mönchengladbach führte.

Nachdem die Support-Acts Navarone aus den Niederlanden und Axel Rudi Pell im zu Beginn noch nicht einmal halb gefüllten Sparkassenpark dem Publikum bei schönstem Sommerwetter mit mäßigem Erfolg einzuheizen versuchten, betraten die Altrocker um Frontmann Ian Gillan (lead vocals), Roger Glover (bass), Ian Paice (drums), Don Airey (keyboards) und Steve Morse (guitars) pünktlich um 20 Uhr die Bühne und eröffneten das Konzertspektakel mit dem Klassiker „Highway Star“.

Der unverwechselbare Snaredrum-Groove von Ian Paice zündete sofort und riss das Publikum vom ersten Takt an mit. Ohne Atempause ging’s dann mit einem Medley, bestehend aus „Pictures From Home“, „Hard Lovin‘ Man“ und „Strange Kind Of Woman“, weiter, welches die Zuhörer anschließend mit lautstarkem Applaus belohnten.

Einige der dargebotenen älteren Stücke („Sometimes I Feel Like Screaming“, „Uncommon Man“ und „Lazy“) hatte die Band sogar mit neuen Variationen arrangiert, sodass diese Klassiker wesentlich frischer und moderner rüber kamen.

Zwischendurch durften dann natürlich auch einige Sachen aus dem letzten Album „Infinite“ nicht fehlen. Besonders hervorzuheben sind hier das etwas düstere „Bedlam“ und „Birds Of Prey“ mit einem überwältigendem E-Gitarrenspiel von Steve Morse.

Nach „The Surprising“ verabschiedeten sich Gillan & Co.  für eine kurze Pause vom begeisterten Publikum und ließen Don Airey allein auf der Bühne zurück und das Auditorium wurde Zeuge eines überragenden Keyboard-Solos, welches letztendlich, nun wieder mit der kompletten Truppe, nahtlos in „Perfect Stranges“ überging.

Zum Abschluss des Gigs gab es dann vom „Machine Head“ Album, das sicherlich mit zu den besten Werken der Band überhaupt gehört, mit „Space Trucking“ und dem Partyknaller „Smoke On The Water“ noch einmal zwei Hammersongs auf die Ohren.

Natürlich durfte Deep Purple nicht so einfach ohne lautstark eingeforderte Zugaben die Bühne verlassen. Nach einer wirklich kurzen Pause wurde dann von den fünf Altrockern mit einer neuen Version von „Hush“ das grandiose Ende des Abends eingeleitet. Neu und einfach nur klasse, folgte dann ein von Roger Glover gespieltes und Ian Paice unterstützes Bass Solo, welches das in den finalen Track „Black Night“ mündete.

Nach einer ziemlich genau 1 3/4 Stunden andauernden, furiosen Reise durch die 50-jährige musikalische Bandgeschichte ging schließlich ein Wahnsinnskonzert, gekennzeichnet durch die unbändige Spielfreude und Bühnen-Action der Band, zu Ende. Deep Purple versteht es immer noch bestens, mit dem Publikum zu spielen und große Menschenansammlungen zum Kochen zu bringen. Dazu trägt sicherlich auch Ian Gillans Stimme bei, die immer noch vor Ausdrucksstärke strotzt, wenngleich sie in den hohen Tonlagen nicht mehr ganz so stark ist wie früher. Aber er ist ja nun mittlerweile auch schon 73 Jahre alt, da darf schon mal ein bisschen was fehlen.

Auch die Rhythmussektion mit Roger Glover und Ian Paice war fit wie eh und je. Seinen kleinen Schlaganfall aus 2016 hat Ian Paice offenbar ohne weitere Folgen gut weggesteckt und Steve Morse und Don Airey bewiesen einmal mehr, dass sie würdige Nachfolger für Ritchie Blackmore und den viel zu früh verstorbenen Jon Lord sind.

Insgesamt hat sich Deep Purple mal wieder übertroffen und ein grandioses knapp 2-stündiges Konzert gerockt. Die alten Haudegen (bis auf Steve Morse sind alle bereits 70 oder älter!) haben es noch immer richtig drauf, wirklich schade, dass ihr aufhören wollt! Aber man soll ja niemals nie sagen …. -:)

Zum Abschluß gilt noch unser Dank Frau Jardena Kifle vom Sparkassenpark-Marketing für die freundliche und reibungslose Akkreditierung.

Set-List:
01. „Highway Star“ (from „Machine Head“)
02. „Pictures of Home“ (from „Machine Head“)
03. „Hard Lovin‘ Man“ (from „Deep Purple In Rock“)
04. „Strange Kind Of Woman“ (from „Fireball“)
05. „Sometimes I Feel Like Screaming“ (from „Purpendicular“)
06. „Uncommon Man“ (from „Now What?!“)
07. „Lazy“ (from „Machine Head“)
08. „Time For Bedlam“ (from „Infinite“)
09. „Birds Of Prey“ (from „Infinite“)
10. „The Surprising“ (from „Infinite“)
11. Don Airey Keyboard-Solo
12. „Perfect Strangers“ (from „Perfect Strangers“)
13. „Space Truckin'“ (from „Machine Head“)
14. „Smoke On The Water“ (from „Machine Head“)

Zugaben:
15. „Hush“ (from „Shades Of Deep Purple“)
16. Roger Glover Bass-Solo
17. „Black Night“ (from „Deep Purple In Rock“)

Line-up Deep Purple:
Ian Gillan (lead vocals)
Steve Morse (guitars)
Don Airey (Keyboards)
Roger Glover (bass)
Ian Paice (drums)

Text: Rolf Kulm
Bilder: Jörg Schneider

Deep Purple
Deep Purple bei Facebook
Sparkassenpark Mönchengladbach
Jörg Schneider Webseite