Lucinda Williams – 26.08.2017, Kantine, Köln – Konzertbilder

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Die 64-jährige Grand Dame des Country-Folk-Rock mit ihrem 2. Konzert, im Rahmen der beiden Deutschland-Auftritte, in der Kölner Kantine.

Begleitet dieses Jahr von den drei Musikern Stuart Mathis, David Sutton und Butch Norton, alias Buick 6. Die Protagonistin wirkte bei der Performance ein wenig müde und abgekämpft von ihrem Gig, abends zuvor, in der Hamburger Fabrik. Der Sound und die Stimmung waren gut.

Line-up:
Lucinda Williams (lead vocals, guitars)
Stuart Mathis (guitars)
David Sutton (bass)
Butch Norton (drums)

Bilder und Eindrücke: Peter ‚Beppo‘ Szymanski

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Kantine Köln
Peter ‚Beppo‘ Szymanski

J.P. Harris & The Tough Choices – Support: Miss Tess – 17.08.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Hatte sich Kulturrampen-Macher Markus ‚Pille‘ Peerlings vor gut einem Jahr noch zurecht über das überschaubare Publikum anlässlich des Konzerts von JP Harris & The Tough Choices dezent echauffiert, durfte er sich diesmal über eine sehr gut gefüllte Rampe freuen. Die starke Leistung der Nashville-Band um ihren Leader aus Montgomery, Alabama, hatte vermutlich etliche damalige Besucher erneut angelockt und auch die anderen tollen Konzerte in diesem Sektor der letzten Zeit, in Verbindung mit Mundpropaganda (und unserer tollen Berichterstattung, ähm…), dürften noch ihr Übriges dazu getan haben.

Als Support hatte Harris die junge, von New York nach Nashville übergesiedelte Country-Chanteuse Miss Tess im Schlepptau, die samt ihres Mitspielers Thomas Bryan Eaton zunächst ihre eigene Musik präsentierte und anschließend dann, zusammen mit ihm, auch zum Line-up von Harris dazu stieß.

Beide, ausgerüstet mit den Telecaster E-Gitarren, die später von JP Harris und Mark Sloan geschultert wurden (Eaton mit vielen starken Soli), legten den Fokus auf eine gelungene Mischung von Tracks aus Tess‘ aktuellem Album „Baby We All Know“ (u. a. „Ride That Train“, „Little Lola“ mit schönem CCR-Flair, das flotte „Take You, Break You, Shake You“), einem Willie Dixon Cover („I Just Wanna Make Love To You“), einem Stück aus Eatons eigenem Fundus, das er auch selbst sang (Tess Harmonies), sowie einem brandaktuellen neuen Song namens „The Moon Is An Ashtray“.

Schön, dass gegen Ende noch Jon Whitlock an den Drums mit dazukam (Tess jetzt am Bass), so dass man auch ein wenig ihre Musik im ‚Vollversion‘-Ambiente vermittelt bekam. Ein gelungener sympathischer Auftakt!

Line-up:
Miss Tess (lead vocals, electric guitar, bass, vocals)
Thomas Bryan Eaton (electric guitar, pedal steel, vocals)
Jon Whitlock (guest drums)

Nach kurzer Pause, ein Umbau war im Prinzip gar nicht nötig, schritt JP Harris zur Sache, wie oben angeführt, im Vergleich zum Vorjahr mit Miss Tess am Bass und Tom Bryan Eaton an der Pedal Steel, in leicht modifizierter Besetzung.
Da er noch kein neues Album am Start hatte, ähnelte das Programm im Groben und Ganzen mit kleinen Ausnahmen, der letztjährigen Darbietung. Tracks wie u. a. „California Turnarounds“ (Opener), „Badly Bent“, „Two For The Road“,  „South Oklahoma“, „I’ll Keep Calling“ oder „Home Is Where The Hurt Is“ traten aus dem Unterbewusstsein wieder hervor.

JP Harris verkörperte den erzählenden, oft witzelnden Fronter, Mark Sloan und Eaton ließen ihr filigranes Können an der Leadgitarre und Pedal Steel mit unzähligen quirligen Bariton-, bzw. weinenden, wimmernden und leiernden Soli reichhaltig aufblitzen. Besonders zu erwähnen vielleicht das starke Duett von JP mit Tess Reitz bei „Better Move It On Home“.

Harris outete seine Empathien für diverse, hier z. T. nicht so bekannte Countrymusiker wie Red Simpson („Happy Go Lucky Truck Driver“), Micky Newberry („Why Have You Been Gone So Long“), Jerry Reed (das bei uns durch die Version der Outlaws bestens geläufige „Free Born Man“ in einer fulminanten Darbietung), Terry Allen („Amarillo Highway“), aber auch für Altstars wie Waylon Jennings („Lonesome On’ry And Mean“) und Dave Dudley mit einigen Covernummern. Mit der einzigen Zugabe „Six Days On The Road“ von letzgenanntem Dave Dudley verabschiedeten sich Harris & Co nach intensiven, abwechslungsreichen und kurweiligen 20 Stücken von der begeisterten Audienz.

Somit hatten JP Harris & The Tough Choices am Ende einem die Wahl nicht schwer gemacht. Der Besuch hatte sich erneut absolut gelohnt. Eine tolle Werbung für mit viel Herz, Drive und Humor gespielten Live-Country, die in der Kulturrampe bestens angenommen wurde.

Line-up:
JP Harris (lead vocals, electric guitar)
Mark Sloan (electric guitar, vocals)
Miss Tess (bass, vocals)
Jon Whitlock (drums)
Thomas Bryan Eaton (pedal steel)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Miss Tess
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Kulturrampe Krefeld

Dead Bronco – 04.07.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Dadurch bedingt, dass ich erst am 02.07.2017 aus Zeeland zurückgekehrt war, befand ich mich eigentlich noch so ein wenig im Urlaubsmodus, zumal ich mich erst nächsten Montag wieder meiner ‚lebenserhaltenden‘ Arbeit zuwenden muss.

Kollege Gernot schickte eine spontane Mail, ob wir nicht kurzfristig zu Dead Bronco in unsere geliebte knuddelige Rampe fahren sollen. Na ja, warum nicht, dachte ich, und so zogen wir am Dienstag Abend für die uns beiden völlig unbekannte amerikanisch-spanische Formation, Richtung Krefeld los.

Kopf des seit 2012 bestehenden Quintetts ist der aus Florida stammende, nach Spanien übergesiedelte Matt Horan, der mit Dani Merino,  Manu Heredia,  Oscar Calleja und Danel Marín mittlerweile drei Alben und eine EP vorweisen kann. Kleine weitere interessante Randnotizen zur Band : Horan hat eine Schauspiel-Neben-Rolle im 2016er Horrorfilm „The Night Watchmen“ ergattern können und die Band ist Labelinhaber einer Biersorte ‚La Bronca‘.

Bei unserer Ankunft erlebten wir zunächst wie Rampen-Kultfigur und Tattoo-Studio-Besitzer Mario Scholten, aufgrund eines personellen Engpasses, Dienst an der Kasse schieben musste. Er hatte sicher seine helle Freude, als der im Unterhemd bekleidete und reichhaltig am Körper verzierte Bandleader mit seinen Jungs um 20:45 Uhr die Bühne betrat.

In der kleinen Krefelder Location scheint sich in Sachen Country peu à peu eine Countryfangemeinde zu bilden und so konnte Rampen-Chef Pille Peerlings zur Ansage knapp 60 Zuschauer für einen Dienstag in der Woche begrüßen. Recht ordentlich, wie ich meine.

Horan und Co. arbeiteten dann in einem 27 Stücke umfassenden, schweißtreibendem Programm sämtliche Facetten des traditionell gespielten Country ab, wobei der Fokus auf ziemlich abgehenden, oftmals punkig angehauchten Stoff dieser Art gelegt wurde. Der hohe Anteil an Uptemponummern trug natürlich erheblich dazu bei, dass viele der Anwesenden, vor allem einige Frauen, richtig in Tanzwallung gerieten.

Die Stimmung war somit prächtig, weshalb letztendlich auch noch satte vier Zugaben (u. a. das starke, an die Skynyrdsche Version von „T For Texas“ erinnernde „Working Man Blues“ und das launige „Hillbilly Joker“) aus der Band herausgeholt wurden.

Lobenswert finde ich, dass die fünf Burschen ihr neues Album „Bedridden And Hellbound“, laut meinen Notizen, so gut wie komplett vorstellten und bei den Covernummern auf unbekanntere, bzw. eigenwillige Tracks wie z. B. „False Hearted Lover’s Blues“ von Hank Williams sr., Merle Haggards „Mama Tried“ (mit klasse Bariton-E-Solo) oder Glenn Danzigs „I’m The One“ zurückgriffen.

Als weitere Earcatcher habe ich Stücke wie den in Bakersfield-Manier gebrachten Heuler „My True Love“ (hier geht es um Bier, nicht um eine Frau…), den dezent ZZ Top-angelehnten „Make My Eyes Bleed Boogie“, das nach sich selbst benannte, ein wenig mit „Ghost Riders In The Sky“-Flair bedachte „Dead Bronco“, das polternde „Mudd The Demon“ (schönes bluesiges Bridge plus quirligem E-Solo) und das sich am Ende des Hauptteils fast selbst überschlagene punkige „Penitent Man“ (Horan schreit, tanzt und headbangt) vermerkt.

Insgesamt auch eine sehr geschlossene Bandleistung. Horan gab sich als Führungspersönlichkeit sehr kommunikativ und erzählte oft kleine Anekdoten zu den Songs. Die Rhytmusfraktion mit dem solide polternden Danel Marín wurde natürlich durch den Upright Bass von Oscar Calleja auch visuell bereichert, für das Solieren waren der quirlig, auf einer markanten Gretsch-Gitarre spielende Manu Heredia und sein kongenialer, recht introvertiert wirkende Partner an der Lap Steel, Dani Merino, verantwortlich, die auch beide vereinzelt Harmonie-Gesänge beisteuerten.

Wer auf launigen, recht ruppig und größtenteils fett abgehend gespielten Country der traditionelleren Sorte steht, hat in den nächsten Tage nur noch zweimal die Gelegenheit,  Dead Bronco in unserem Lande beizuwohnen. Für Gernot und mich war es eine unterhaltsame Abwechslung zu Beginn der Woche, deren Besuch sich durchaus gelohnt hatte. Ein quicklebendiger Gig von Dead Bronco!

Line-up:
Matt Horan (lead vocals, acoustic guitar)
Dani Merino (lap steel, vocals)
Manu Heredia (electric guitar, vocals)
Oscar Calleja (upright bass)
Danel Marín (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Joe Bonamassa – Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening – CD-/DVD-Review

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Es scheint so ein bisschen, als ob Joe Bonamassa hier in Sounds Of South in der Sparte ‚DVD des Jahres‘ den Spitzenplatz im Dauerabonnement belegen möchte. Auch in diesem Jahr bringt er mit seinem opulenten Doppel-CD-/Doppel-DVD-Werk „Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening“ ein absolut fantastisches Paket auf den Markt, an dem man als Musikgenießer nicht vorbei kommt.

Wie schon bei seinen Auftritten im beeindruckenden Greek Theatre in Los Angeles, ist man auch hier vom visuellen als auch klangtechnischen Erlebnis im historischen Manhattener Konzerthaus zutiefst beeindruckt, das wie gewohnt vom Team Kevin Shirley und Roy Wiseman nahezu mit Perfektion in Szene gesetzt wurde.

Der gute Smokin‘ Joe präsentiert diesmal ein schönen Reigen ausgewählter Stücke im akustischen Gewand. Auf der mit viel Liebe zum Detail angerichteten Bühne, begleiten ihn mit Leuten wie Keyboard-Legende Reese Wynans am Pianoflügel, Drummer Anton Fig und den Backgroundsängerinnen Juanita Tippins (mit wunderschönem ozeanischen Blumengeflecht im Haar), Mahalia Barnes (dezent Geisha-mäßig), bereits bekannte Gesichter.

Frisches und alternatives Blut wurde mit dem erfahrenen Perkussionisten Hossam Ramzy (Peter Gabriel), dem im Stile eines indischen Maharadschas bekleideten Sänger Gary Pinto, dem Multi-Instrumentalisten von den Hooters, Eric Bazilian (Dobro, Banjo, Flöte, Mandolinen, Saxofon) und dem nicht nur orientalischen Blickfang am Cello und der Erhu, Tina Guo aus Shanghai (mittlerweile aber in Los Angeles ansässig), ins Bandgefüge integriert.

Mit dem energiegeladenen Opener „This Train“, dem grandios atmosphärisch und folkig dargebotenen „Drive“, dem souligen „The Valley Runs Low“ und später „Livin‘ Easy“ (Bazilian mit starker Saxofon-Einlage) beinhaltet der Gig gleich vier Nummern seines letzten Studioalbum „Blues For Desperation“, die auch im akustischen Gewand überaus zu gefallen wissen. Natürlich wird auch der Backkatalog des Protagonisten reichhaltig verarbeitet.

Großartig sind das stampfende „Dust Bowl“, das wunderbare „Driving Towards The Daylight“ (Bazilian mit Banjo-, Wynans mit Pianofills, herrliche Harmoniegesänge), das countryeske „Black Lung Heartache“ mit einem wild slidenden Bonamassa oder auch das rhythmische „Get Back My Tomorrow“ (Publikum klatscht mit, Pinto mit Gesangseinlagen).

Ein Höhepunkt von vielen ist sicher auch das bluesig-gospelige „How Can A Poor Man Stand Such Times And Live?“, bei dem auch Tippins und Barnes ihre Solo-Parts bekommen und eines seiner Paradestücke „Song Of Yesterday“ in einer über neun-minütigen, packenden Fassung.

Center-Stück dieses Live-Werkes ist jedoch „Woke Up Dreaming“, das in den Bonus-Features nochmals in einer weiteren Version vom 2. Spielabend präsent ist. Das Stück brachte Joe, laut dem Bonus-Interview auf der zweiten DVD, bei dem auch alle anderen Musiker reichhaltig zu Worte kommen, an den Rande seiner technischen Fingerfertigkeiten. Und in der Tat liefert er sich hier mit der wüst am Cello schreddernden Tina Guo ein atemberaubendes Spielduell.

Die Klassiker „Hummingbird“ (Leon Russell, Joe Cocker, B.B. King) und „The Rose“ (Bette Middler) beenden ein zutiefst beeindruckendes Konzert. Komplettiert wird dieses tolle Doppel-CD-/DVD-Package durch eine starke Bildergalerie von Christie Goodman.

Nach „Live At The Greek Theatre“ liefert Joe Bonamassa mit „Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening“ einen weiteren audio-visuellen Hochgenuss ab, der in allen Belangen überzeugt und mitnimmt. Da heißt es einfach nur gemütlich ab aufs Sofa und sich von diesen großartigen Musikern akustisch-bluesig und auch ein wenig orientalisch in herrlichem Ambiente berauschen zu lassen!

Mascot Label Group (2017)
Stil: Acoustic Blues Rock & More

DVD1:
01. Cold Streets (Intro)
02. This Train
03. Drive
04. The Valley Runs Low
05. Dust Bowl
06. Driving Towards The Daylight
07. Black Lung Heartache
08. Blue And Evil
09. Livin‘ Easy
10. Get Back My Tomorrow
11. Mountain Time
12. How Can A Poor Man Stand Such Times And Live?
13. Song Of Yesterday
14. Woke Up Dreaming
15. Hummingbird
16. The Rose
17. Cold Streets (Credits)

DVD2:
01. Behind The Scenes
02. Woke Up Dreaming (Second Night)
03. Photo Gallery

Joe Bonamassa
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Cale Tyson – Careless Soul – CD-Review

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Der Rolling Stone führte ihn im Herbst 2014 unter den ’10 New Artists You Need to Know‘ und charakterisierte seine Musik als „old school, sad-bastard outlaw country for a new generation of excited country fans“. Auch das prominente Blatt The Guardian titelte begeistert über den jungen, aus Forth Worth stammenden Texaner “A traditionalist for the future”.

Mittlerweile liegt mir Cale Tysons zweites Album „Careless Soul“ zur Rezension vor, und in der Tat, traditionelle Countrymusik, wird hier, mit all ihren Facetten von einst, wirklich groß geschrieben. Für mich, um es zuzugeben, der lieber die rockigen Variationen des Country bevorzugt, eher gewöhnungsbedürftiger und schwieriger Stoff.

Tyson hat sich dazu mit gestandenen Musikern wie Jeremy Fetzer, Pete Lindberg, Skylar Wilson, Brett Resnick, David Hood, Jon Radford, Dan Knobler und Michael Rinne in die berühmten Fame Studios in Muscle Shoals, Alabama, begeben. Hinzu kommen noch eine Horn Section, ein String Quartett sowie diverse Backgroundsänger/-innen (u. a. Caitlin Rose). Michael Rinne (Emmylou Harris, Rodney Crowell) hat das Werk produziert.

Und so fühlt man sich beim Hören von Tysons Eigenkompositionen auch wie in die Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückversetzt. Eine Mischung aus Country im Stile der großen Meister (Johnny Cash/Hank Williams  z. B. bei „Dark Dark“, manchmal mit ein wenig Bakersfileld-Touch („Easy“, „Railroad Blues“), Waltz-artige, Melancholie-getränkte Schwofer („Somebody Save Me“, Traveling Man“) und ein paar Schunkler (High Lonesome Hills“), wie man sie vermutlich in den damaligen Dancehalls und Honkytonks vorgesetzt bekam, garniert mit etwas Soul („Staying Kind“, „Some Love A Woman“), teilweise an Sachen aus der Phil Spector-Ära erinnernd („Careless Soul“), und ein wenig Blues („Pain In My Heart“).

Cales Stimme und Brett Resnicks weinende, wimmernde und leiernde Pedal Steel (ohne dabei allerdings aufdringlich zu wirken), setzen naturgemäß die markantesten Akzente auf diesem Silberling.

Die zweite Scheibe von Cale Tyson „Careless Soul“ ist Wasser auf die Mühlen der Anhänger von Countrymusik der guten alten Schule. Interpreten wie u. a. Dwight Yoakam und J.P. Harris würde ich in etwa als ungefähre zeitgenössische Bezugsgrößen hier anführen. Der Bursche wird im Mai in Kürze zu drei Terminen auf Bühnen in unserem Lande vorstellig, darunter auch am 08.05.2017 in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld (siehe dazu auch unsere Konzert-Tipps).

Clubhouse Records (2017)
Stil: Country

01. Staying Kind
02. Somebody Save Me
03. Careless Soul
04. Easy
05. Traveling Man
06. Pain In My Heart
07. Railroad Blues
08. Dark Dark
09. High Lonesome Hill
10. Gonna Love A Woman
11. Pain Reprise
12. Ain’t It Strange

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Patricia Vonne – 20.04.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Hochkarätige Kulturrampen-Zeit an einem Donnerstag in der Woche! Die heißblütige, aber dabei immer charmant und sympathisch agierende Patricia Vonne aus Austin, Texas, mit mexikanischen Wurzeln, hatte mit ihrer Band in der beliebten Krefelder Szene-Location zum Auftakt ihrer Europa-Tournee 2017, Halt gemacht. Mr. Kulturrampe, Markus ‚Pille‘ Peerlings durfte sich bei seiner einleitenden Ansage über eine ausverkaufte Hütte freuen. Eine schöne Anerkennung, wie ich meine, für seine engagierte, mit viel offen gezeigtem Herzblut, vollzogene tolle Arbeit in Sachen guter Live-Musik!

Patricia Vonne und ihre Mitstreiter Robert LaRoche, Harmen de Bresser (mit Beatles-typischem Bass) und Drummer Ben Bakker brachten mit dem Desert-rockigen Opener „This Cat’s In The Doghouse“ die Besucher der rappelvollen Rampe sofort auf Betriebstemperatur. Klasse hier das schrammlige E-Gitarren-Solo von LaRoche auf seiner imposanten schwarz-weißen Rickenbacker. Mit „Ravage Your Heart“ (schöne Tempowechsel, poppiger Refrain) von ihrem noch aktuellen Album „Rattle My Cage“ bewies die Vonne ihr Talent zu radiotauglichem Songwriting.

Zur schönen Tex-Mex-Ballade „Traeme Paz“ lieferte die Protagonistin mit „Bring Me Peace“ direkt die englische Übersetzung. Hier kamen auch die an ihrem Gürtel hängenden Kastagnetten (in rot und schwarz, passend zum Outfit) erstmals zum Einsatz. Weitere spanisch gesungene Lieder wie „Fuente Vaqueros“, „Guitarras Y Castañuelas“, „El Marinero“ (akustisch performt), „Que Maravilla“ oder „Severina“ zogen sich dann auch wie ein roter Faden durch das in zwei Sets angelegte Programm, wobei die umtriebige Fronterin, ihre omnipräsente Beweglichkeit (von den Füßen bis in die Haarspitzen) samt geräkelter lasziver und schlängelnder Gestik sowie filigranem Kastagnetten-Geklacker, in der Tradition einer energiegeladenen, rassigen Flamenco-Tänzerin, zur Schau stellte.

Das war wirklich schon toll anzusehen und auch unser schwer schuftende Fotograf Jörg Schneider schien, angesichts des attraktiven ‚Motivs‘, den Finger vom Auslöser seiner Kamera kaum runterzukriegen (er machte knapp 1.000 Bilder!!! – seine besten Schnappschüsse siehe dazu auch in der unten angefügten Galerie).

Überhaupt trug Patricia mit ihren kleinen Anekdoten und Anmerkungen zu sich und den Songs, zu einer durchweg ausgelassenen Stimmung bei. Ein Zuschauer erwiderte z. B. eine ihrer englischen Ansagen mit einem lauten „Muchas gracias“, was diese schlagfertig mit einem kurzen und trockenen „Bitte sehr“ konterte.

Als weitere Highlights auf meinem Notizettel habe ich Tracks wie „Mudpies And Gasoline“ (den Song kann man ja auch in Quentin Tarantinos Film „Hell Ride“ bewundern), das melodische „Worth It“ (Fleetwood Mac-Flair), das ZZ Top-infizierte „Sax Maniac“ (starke kratzige Gitarre von LaRoche), natürlich den, vor Power nur so strotzenden Titelsong ihres aktuellen Silberlings „Rattle My Cage“ (raunzende Bariton-E-Gitarre), das dezent Heartland-/Country-umwobene „Top Of The Mountain“ (brandneuer Song) und den starken, fetzigen Rausschmeißer „Rebel Bride“ (hatte was von Billy Idol), zum Ende des Hauptteils, vermerkt.

Ach ja, dann war da auch noch das von ihr und Bruder Roberto Rodriguez kreierte Instrumental „Mexicali di Chispa“, wo Patricia ihre Fingerfertigkeit auf einer Telecaster offerierte. Die Vonne stammt ja aus einer Großfamilie (lt. eigener Aussage neun Geschwister), wobei ihre Schwester Angela Lanza es zu Schauspieler-Ehren brachte und besagter Roberto mit Filmen wie u. a. „El Mariachi“,„Desperado“, „Once Upon A Time In Mexico“ und dem Kultstreifen „From Dusk Till Dawn“ als Regisseur brillierte.

Als das Quartett letztendlich mit dem von Robert LaRoche gesungenen Buddy Holly-Cover „Rave On“ (Patricia übernahm hierbei die Drums, der agile Schlagzeuger Ben Bakker dafür die Akustikgitarre) und einem weiteren spanisch gesungenen launigen Tex-Mex-Feger („Cancion del Mariachi“?) einen nach scharfen Chili-Schoten anmutenden, unterhaltsamen, äußerst kurzweiligen und schweißtreibenden Gig im Zugabenteil beendet hatte, konnte es eigentlich dann bei Pilles netten Bedienungen an der Theke in der KR-Lounge, anschließend nur noch heißen: „Señorita, una cerveza grande por favor…!“

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals „Rave On“)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Ben Bakker (drums, acoustic guitar)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Patricia Vonne
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Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider

Speedbuggy USA – Kick Out The Twang – CD-Review

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Wie bereits in unserem Konzertbericht zu ihrem Gig in der Krefelder Kulturrampe erwähnt, hatte mir Lead-Sänger Timbo noch ihre neue, brandaktuelle CD „Kick Out The Twang“ anschließend, zwecks eines weiteren Reviews, mit auf den Weg gegeben, dem ich hiermit natürlich gerne nachkomme.

Die Band hatte ja bereits diverse Tracks in ihrer Setliste vorgestellt, so war die Frage, ob die Studioversionen und der unbekannte Rest genau so zünden würden, wie es auf der Bühne der Fall gewesen war.

Zum Live-Line-up, bestehend aus Sänger Timbo, Gitarrist Seth von Paulus und Drummer Jamie Dawson, kommen diesmal der etatmäßige Bassist Brady Sloan und als Ergänzung noch Pedal Steel Guitar-Spieler Gregg McMullen hinzu. Produziert hat das Werk in einem sehr schön transparenten Sound (alle Instrumente sind jederzeit sehr schön heraus zu hören) Seth von Paulus. Aufgemacht ist die Scheibe in einem schlichten, zu ihrer Musik aber passenden, lebhaft gestalteten Digipak, mit einem Bandbild und den relevanten Informationen in kurzer knapper Form.

Die Kalifornier eröffnen den Silberling mit ihrer neuen Interpretation des Monkees-Hits von 1966 „Last Train To Clarksville“, dem sie der damaligen beatlesken Note, mit einer Bakersfield-Sound-umwehten Variante, jetzt ihren eigenen Stempel aufdrücken. Die Band ist ja großer Fan dieses Musikstils. “ Das fetzige „Get Around“ kommt auf der CD natürlich nicht so brachial wie beim Live-Auftritt herüber, geht aber, dank Dawsons poltrigem Drumming, ebenfalls gut ab.

Gleiches gilt in etwa für die weiteren bereits live präsentierten Stücke wie „Hold My Head Up High“, „South Bound“, „Wood, Screws And Nails“ oder „Rodeo Star“ (allesamt aufgrund ihres stimmungsträchtigen Uptempo-Charakters natürlich nicht rein zufällig für ihre Sets ausgewählt) und das durch Joe Cocker so richtig bekannt gewordene „Unchain My Heart“, hier sehr schön atmosphärisch in Szene gesetzt.

Songs, wie das schon fast Waltz-artige „Shaky Town“, das melancholische „Sorry“, der mit einer Akustikgitarre geführte „Honky Tonk Singer“ und das mit einer klirrenden Mandoline geschmückte „The Devil With Me“ (mein Lieblingsstück des Albums), offerieren das ruhigere Wesen der Band und geben Pedal Steel-Spieler McMullen großzügig Raum, sein Instrument, weinen, leiern oder wimmern zu lassen.

Fronter Timbo, der mich vokal irgendwie immer ein wenig an Dan Baird erinnert, beweist, dass er zu jedem Tempo singen kann, Seth von Paulus lässt seine filigranen Künste auf der Telecaster, meist in Bariton-Manier (z. T. schön retro), natürlich zuhauf einfließen. Launig auch noch, das wieder Mandolinen-bestückte, folkige „Long Gone“ und der dezent Southern-rockige Ausklang mit  „Darlin I’m Comin Home“ (Bluefields-, Blackberry Smoke-Flair).

Speedbuggy USA lassen mit ihrem Studio-Album „Kick Out The Twang“ ebenfalls keinen Zweifel daran, dass sie musikalisch gesehen, das Herz auf dem richtigen Fleck sitzen haben. Ein Werk, mit dem man zuhause nach den ersten paar Bierchen, einen gemütlichen Grill-Nachmittag im Garten, in ein launigen Party-Abend verwandeln kann. Authentischer, unterhaltsamer, sehr empfehlenswerter Country Rock-Stoff!

Wagon Wheel Records (2017)
Stil: Country Rock

01. Take The Last Train To Clarksville
02. Get Around
03. Shaky Town
04. Hold My Head Up High
05. South Bound
06. Sorry
07. Wood, Screws And Nails
08. Unchain My Heart
09. Long Gone
10. Honky Tonk Singer
11. Rodeo Star
12. The Devil With Me
13. Darlin I’m Comin Home

Speedbuggy USA
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Teenage Head Music

Speedbuggy USA – 10.04.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Kulturrampen-Time an einem für Konzerte eher ungewöhnlichen Montag! Speedbuggy USA standen im Schlepptau von Teenage Head Music auf dem Programm und waren unter dem Motto und Titel ihrer neuen CD „Kick Out The Twang“ in Sachen zünftigem Countryrock nach Krefeld angereist.

Das Quartett aus Los Angeles um ihren charismatischen Leader Timbo, sowie Gitarrist Seth von Paulus, Drummer Jamie Dawson und THM-Tourmanager Max Porkrib (!!!), der den etatmäßigen Bassisten Brady Sloan fließend und durchaus angemessen ersetzte (Sloan kann leider berufsbedingt nur die Hälfte der Gigs ihrer sechs-wöchigen Europa-Tour mitspielen) heizten die anwesenden Leute (der Besuch war für diesen extravaganten Termin durchaus in Ordnung) mit ihrer Bakersfield-umwehten, zum Teil punkigen Country-Mucke ordentlich ein und ergatterten dafür zurecht ordentliche Sympathiepunkte.

Die Jungs starteten mit „Truck Drivin Man“ und „Sad And Lonely“, zwei Stücke aus ihrem 2003er-Album „Red Eyed And Rowdy“, gefolgt von dem fast Irish Pub-tauglichen Gröler „Rusted Cars“ und dem tempogeladenen, speed-trächtigen „Movin On“.

Mit dem punkig abgehenden „Get Around“ gab es das erste Stück aus ihrem brandaktuellen Silberling „Kick Out The Twang“, der im späteren Verlauf naturgemäß auch immer stärker in den Vordergrund gerückt wurde.
Eine erste Verschnaufspause gewährte die schon fast dylaneske Ballade „Liars, Thieves & Ramblers“, klasse hier das Telecaster-Solo vom zierlichen Seth von Paulus, der sich ansonsten mit seinen vielen quirligen Bariton-Einlagen für die filigrane Note in den überwiegend ruppigen Songstrukturen verantwortlich zeigte. Er hat übrigens auch das neue Album produziert.

Zwei weitere Tracks dieses neuen Werkes „Hold My Head Up High“ sowie „Wood, Screws And Nails“ standen im Zeichen einer markanten Resonator-Mandoline, die von Fronter Timbo allerdings eher recht ungehobelt als Rhythmus-Instrument traktiert wurde.

Das atmosphärische „Bakersfield eröffnete quasi die zweite Hälfte des immer stimmungsvolleren Gigs. „Set ‚Em Up“ hatte schon was von Dan Baird und seinen Georgia Satellites. Die Hommage an den „Club 190“ in Louisiana (fulminantes Bariton-E-Solo von von Paulus), das von dezenter, alkohol-geschwängerter Kneipen-Melancholie umwobene „Close Down This Honky Tonk“, das fetzige „Rodeo Star“, die herrlich eigenständige Coverversion von Cockers „Unchain My Heart“ (unterschwelliger Rockabilly-Touch) und das erneut cow-punkige „South Bound“ sorgten für viel Abwechslung. Eine furiose Version von Bakersfield-Sound-Legende Buck Owens‘ „Goodbye, Good Luck, God Bless You“ (zum Finale ging richtig die Post ab), den die Burschen ja besonders in ihr Herz geschlossen haben, beendete einen kurzweiligen und sehr unterhaltsamen Hauptteil.

Sehr gut gefiel mir der hingebungsvoll und engagiert singende Bandchef Timbo mit seinen teilweise unterhaltsamen und selbst-ironischen Ansagen. Er und seine agilen Kumpanen taten mit authentischer Spiel- und Bewegungsfreude auf der Bühne (Timbo mit teilweise einbeinigen Verrenkungen, die einmal sogar fast in einen Sturz Richtung Dawsons Schlagzeuganlage mündeten), ihr Übriges, für sehr viel positive Chemie, zwischen ihnen und den Leuten. Das kam natürlich zurecht gut an.

Das Verlangen auf Nachschlag wurde mit drei launigen Zugaben (u. a.  „Nevada“, „I Got Loaded“) bedient, wobei Timbo beim abschließenden poltrigen „Engine No. 9“ nochmals zur Resonator-Mandoline griff. Da gab es selbst für die Blondine unseres Alters direkt vor der Bühne am Ende kein Halten mehr und es wurde erneut fast schon ekstatisch das Tanzbein geschwungen.

Nach dem Konzert überreichte mir der sympathische Timbo noch die neue, besagte CD „Kick Out The Twang“, welche natürlich in Kürze hier ebenfalls beleuchtet wird. Insgesamt ein sehr schöner, motivierender Auftakt für den Rest der kurzen Woche dank Speedbuggy USA – einfach klasse Live-Musik!

Line-up:
Timbo (lead vocals, electric guitar, resonator mandolin)
Seth von Paulus (electric guitar, vocals)
Max Porkrib (bass)
Jamie Dawson (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Speedbuggy USA
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Doc Walker – Weathervane – CD-Review

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Dass es jede Menge gute Musik aus dem Staate Kanada gibt, ist längst auch bei uns kein offenes Geheimnis mehr. Obwohl die aus Westbourne, Manitoba stammende, mit vielen Awards dekorierte Band Doc Walker schon fast seit 20 Jahren, in ständiger Regelmäßigkeit, gute CDs herausbringt, mutmaße ich einfach, dass sie hier bei uns, bisher mal wieder nur einem kleinen Kreis an Insidern vorbehalten ist.

Das Quintett mit den beiden Konstanten über die Jahre, Chris Thorsteinson und Dave Wasyliw, sowie Brent Pearen, Stephen Broadhurst und David Callsy bringt jetzt mit „Weathervane“ sein bereits 9. Studiowerk auf dem Markt.

Auch wenn ich nicht verhehlen möchte, dass ihr, nach sich selbst benannter Viertling, 2006 von Nashville Star-Produzent Justin Niebank betreut, mit den unglaublich schönen Coverversionen von Del Amitris „Driving With The Brakes On“ und Neil Youngs „Comes A Time“ enthalten, nach wie vor meine Lieblingsplatte der Gruppe bleiben wird, ist ihnen mit „Weathervane“ allerdings ebenfalls wieder, ein richtig starkes Teil an ihrer oberen Leistungsgrenze gelungen.

Anders als bei Politikern, hat man auf „Weathervane“ laut eigener Aussage, sich nicht von eigennützigen Motiven leiten lassen, sondern diesmal ganz das Gelingen der Songs in den Vordergrund gestellt. Und so wurden die Tracks oft nach Stimmungslage komponiert, der imaginäre Finger in den Wind gehalten, dann gedreht und gewendet, teilweise wieder umgeschrieben, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wurde.

Da sprudeln wieder die feinen Melodien, besungen mit Thorsteinsons sanft-rauer Stimme, unterstützt mit herrlichen Harmoniegesängen und locker-feiner Instrumentierung aus der Quelle der Erfinder bis hin zur Mündung des geneigten Konsumenten dieser Musik. Produziert in einem wunderschön transparenten Sound haben Gavin Brown und Dave Wasyliw, sowie drei Stücke Bart McKay.

Direkt der Opener „Sicka Whiskey“ mit seinem krachenden Gitarren-Intro und flockigen Verlauf (inkl. zweier kurzer E-Gitarrensoli) macht direkt richtig Laune. Auch die zweite Single „Heart Of The Heartland„, die die Heimatverbundenheit der beiden Hauptprotagonisten thematisiert, bietet passend zum Titel, erstklassigen Heartland Country. Toll die dezente Melancholie in Thorsteinsons Gesang. Wird garantiert, zumindest in Kanada, wieder ein Hit.

Prominenteste Musiker auf dem Album sind sicher der besonders in Nashville umtriebige Steel Gitarrenspieler Russ Pahl, der hier sein Instrument ein ums andere Mal weinen, fiepen und leiern lässt und die Backgroundsängerin Sarah Dugas, die schon bei Interpreten wie der Zac Brown Band oder Blackberry Smoke ihre Stimme verliehen hat.

Die markantesten Tracks sind für mich das, ein wenig in Jackson Brownes „Running On Empty“ (in der Führungshook), konzipierte „Dollar Store Cashier“, der humorvolle, Fiddle-dominierte Countryheuler „Heaven On Dirt“ (gespielt von Jenee Fleenor), als erste Single vorab ausgekoppelt, über die Besonderheiten des Farmerlebens, als auch die beiden Covernummern „Ooh La La“ (Faces) und „They Rage On“ (Dan Seals) am Ende.

Gerade der uralte, damals von Ron Wood und Ron Lane geschriebene Klassiker, wird wieder in brillanter Doc Walker-Manier, in unsere heutige Zeit katapultiert. Herrlich hier das von Bart McKay eingestreute surrende Akkordeon. Verbreitet einfach gute Stimmung und animiert zum Mitsingen des Titels.

Fazit: Der Wind bei Doc Walkers neuem Album „Weathervane“ stand günstig. Eines mit der besten Werke der Kanadier. Wer mal eine schöne Alternative u. a. zu den Eagles, Poco, aber auch zu Acts wie der Eli Young Band, Wade Bowen oder No Justice & Co. sucht, ist hier an der richtigen Stelle.

Leichten Punktabzug gibt es nur für die geringe Anzahl an Stücken. Neun Tracks, allesamt in Single-Sphären, sind hier etwas geizig. Da hätte man gerne noch 2-3 Lieder mehr gehört, vor allem auf diesem Niveau. Ansonsten eine wunderbare Brise Musik! Und ich hab mich sehr gefreut, endlich, nach sehr vielen Jahren ihrer Begleitung, mal ein Album der Band reviewen und vorstellen zu können.

Open Road Recordings (2017)
Stil: Country Rock

01. Sicka Whiskey
02. Heart of the Heartland
03. Dollar Store Cashier
04. Get Back On My Horse
05. Heaven On Dirt
06. No Way Now
07. Just Fine
08. Ooh La La
09. They Rage On

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Tedeschi Trucks Band – 22.03.2017, E-Werk, Köln – Konzertbericht

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Puh, ich bin eigentlich jetzt am Tag danach, noch völlig überwältigt, von dem, was ich da gestern im Kölner E-Werk erlebt habe. Die Tedeschi Trucks Band hatte sich in der Domstadt angesagt, ein fantastisches Konzert abgeliefert und am Ende eine restlos begeisterte Audienz (mit dabei auch der kölsche Kultbarde Wolfgang Niedecken,  mit dem sich unser Knipser Gernot Mangold laut eigener Aussage, am Rande  des weitläufigen des Fotograbens für eine Weile ganz nett und unkompliziert unterhalten konnte) in die Nacht, bzw. auf die Heimreise geschickt.

Ich habe ja in letzter Zeit mit JJ Grey & Mofro oder Thorbjørn Risager & The Black Tornado zwei, im weitesten Sinne, vergleichbare und wirklich herzerfrischende Bands zu Gesicht bekommen, aber was das zwölfköpfige Ensemble um ihre beiden Führungspersönlichkeiten Susan Tedeschi und Derek Trucks da gestern abgebrannt hat, das war schon in einer ganz eigenen Liga.

Apropos Führungspersönlichkeiten: Man spürte zwar jeder Zeit, dass die beiden Hauptprotagonisten (insbesondere Susan Tedeschi) auf der Bühne ‚die Hosen an hatten‘, sie repräsentierten diesen Anspruch aber mit solch einer unaufgeregten und lockeren Art und Weise, vor allem mit einer merklichen Empathie für ihre Kollegen, dass man hier schon von absolutem Vorbild-Charakter sprechen kann.

Besonders Derek Trucks scheint eh glücklich und beseelt zu sein, wenn er seinen Glas-Bottleneck über den Finger streifen und seine berühmte Gibson SG filigran beackern darf, sowie sich in jammige Improvisationsläufe mit seiner Rhythmusfraktion und zum Teil auch den restlichen Musikern verstricken kann (z. B. mit Kofi Burbrige an Orgel und Flöte). Fulminante wie gefühlvolle Soli, in Slide- und normaler Spielweise (auf ganz hohem Level), ließ er natürlich in Hülle und Fülle vom Stapel.

Susan Tedeschi sah in ihrem schlichten, aber eleganten rot-braunen Kleid mit dazu getragenen Wildleder-Stiefeletten klasse aus und wusste samt ihrer sympathischen Aura, mit grandiosem Gesang (erinnert mich irgendwie immer an Bonnie Raitt) und partiell auch mit starkem Lead Gitarrenspiel (z. B. bei „I Pity The Fool“) zu beeindrucken.

Muhammad Ali-Double Mike Mattison, konnte bei drei, vier Stücken aus dem Background Trio heraustreten und zeigte mit seinen bluesig-souligen Vocals im Stile von Belushi, Brown & Co. am Haupt-Mikro, dass er auch problemlos zu jeder Zeit, einen packenden Fronter abgeben kann.

Seine zwei Mitstreiter im Background, Alecia Chakour (was für eine wuchtbrummige Röhre!) und Mark Rivers hatten ihre stärkste Szene beim herrlich gospeligen „I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free“, als sie ebenfalls kurze Lead Parts übernehmen durften. Auch diese beiden sind für diese Positionen eigentlich fast zu schade, bürgen aber für die immense Qualität und das ungeheure Potential der Gesamtband.

Die Rhythmusleute Tim Lefebvre (ließ seinen Tieftöner ordentlich pumpen) sowie die beiden Drummer J.J. Johnson und Tyler Greenwell (mit glänzendem und atemberaubenden Doppel- Synchron-Solo wie zu besten ABB-Zeiten) verliehen den Songs (oft in Verbindung mit Trucks) immer wieder eine stetig zunehmende Dynamik, die es in sich hatte und avancierten das faszinierte Publikum immer wieder zu Mitwippbewegungen.

Kofi Burbridge hatte mit gurgelnden Orgel- und klimpernden HT-Piano-Eingaben seinen Spaß, ließ aber auch zweimal sein Können an der Querflöte aufblitzen. Last but not least, erfüllte das Bläser-Trio, bestehend aus Elisabeth Lea, Ephraim Owens und Kebbie Williams (der wieder, wie auf der DVD, mit freejazzigem Zappel-Solo, diesmal allerdings bei „Don’t Miss Me (When I’m Gone)“), seine plusternde Funktion zur Soundvolumen-Anreicherung, mit Bravour.

Ach, dann waren da ja auch noch die Songs, die an diesem Abend in einem zweigeteilten Set mit halbstündiger Pause aus dem schier unerschöpflichen Fundus (fast bei jedem Gig in anderer und neuer Zusammenstellung) in reichhaltig ausstaffierten Versionen präsentiert wurden. Lang gespielt, aber immer kurzweilig, variabel und emotional mitreißend performt.

Set 1 enthielt u. a. Tracks wie „Let Me Get By“ (Opener), „Key To The Highway“, „Darling Be Home Soon“, „Rise Up“ und „Right On Time“, Set 2 das Cover zu Ehren des kürzlich verstorbenen Leon Russell  „A Song For You“ (Gänsehaut-Opener, toller Gesang von Susan), „Anyhow“ (Derek mit unterschwelliger „Midnight Rider“ E-Hook), „Get Out Of My Life, Woman“, das großartige rhythmische „Freedom Highway“, das am Ende von Susan mit politsicher Botschaft versehene „I Pity The Fool“ (dazu knarzige E- Gitarre und sensationelle Vocals von ihr), als auch das am Ende eine unglaubliche Wucht und Kraft entwickelnde, fett groovigende „Don’t Know What It Means“.

Als zum Finale bei der weit über zehn Minuten währenden Zugaben-Kombi aus dem jammigen, „I Want More“ und dem Outro von Santanas „Soul Sacrifice“ alle Beteiligten der Tedeschi Trucks Band nochmal richtig Gas gaben, wusste man, das Einem ein Gig in Weltklasse-Sphären zuteil geworden ist.

Mit uns verließen ca. 1.200 Zuschauer  überglücklich und zutiefst beeindruckt das somit gut besuchte E-Werk. Wer noch die Chance hat, sich das Ensemble in unseren Breitengraden anzusehen(es folgen ja noch so einige Termine), sollte die Gelegenheit unbedingt nutzen. Einfach grandios! Einen herzlichen Dank auch an Shooter Promotions für die unkomplizierte und bestens organisierte Akkreditierung unseres immer noch jungen Magazins. War richtig klasse!

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Kofi Burbridge (keys, flute)
Tim Lefebvre (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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