Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 26.06.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

priesthaupt

Gute acht Monate ist es jetzt her, dass ich ein Live-Konzert besucht habe, für den Inhaber eines Rock-Musikmagazins eigentlich eine regelrechte  Horrorvorstellung. Dabei muss ich zugeben, dass es mir nach der langen Pause sogar ein wenig schwer fiel, wieder in Gang zu kommen. Trotzdem überwog natürlich die Freude, dass die Kulturszene, dank der momentan überschaubaren Inzidenzzahlen, endlich aufatmen darf und wieder erste Steps im Hinblick auf eine zukünftige Normalisierung tätigen kann. Trotzdem schwebt ein Bangen vor weiteren Rückschlägen immer noch irgendwie mit.

Der Schwarze Adler war jedenfalls optimal gerüstet. Unkomplizierte Corona-Schnelltests im nebenstehenden kleinen Anbau, eine abstandskonforme, sehr gemütlich, mit kleinen Lampen inszenierte Tischanordnung (gefiel mir sehr gut) mit den entsprechenden Formularen darauf zur Nachverfolgung. Ideal natürlich auch zum Verfassen meiner Konzertnotizen. Ist es da als Adler-Genosse schon legitim, hier von einem Home-Office-Arbeitsplatz zu reden…?

Was für eine Welt?! Ehrlich gesagt, würde ich alles lieber, wie früher, eng stehend, kaum was sehend im Dunklen, mit dem einen oder anderen Ellbogen von vorne, der Seite oder im Rücken, in kaum lesbarer Schrift festhalten. Sicherheitstechnisch gesehen, passte aber alles somit auf den Punkt! Kompliment an das Adler-Team für die perfekte Organisation!

Zu Gast war mit Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws ein mit unserem Magazin eng verbundenes und geschätztes Quartett, dessen Debüt-Auftritt in der hiesigen Blues-Kultstätte nach zwei Verschiebungen, jetzt im dritten Anlauf endlich realisiert werden konnte. Und auch hier stieg die charismatische Texanerin Dede Priest mit ihrem niederländischen Begleittrio in Form von Johnny Clark (alias Hans Klerken), Leon Toonen und Ray Oostenrijk, absolut pünktlich um 20:00 Uhr nach kurzer Begrüßung durch Ernst Barten auf die Bühne und fügte mit ihrem stürmischen „Texas Hurricane“, dem ausgeklügelten Adler-Lüftungssystem zum Auftakt mit einer wahren Stoßlüftung eine weitere vorbeugende Komponente hinzu.

Klasse direkt hier Dedes Hendrix-angelehntes Wah-Wah-E-Gitarrenspiel mit Hilfe ihres Cry Baby Pedal-Effektgerätes, das sich als eines ihrer fortlaufenden Trademarks (für Nichtkenner der Band) herauskristallisierte, ebenso wie die mimisch-gesangliche Begleitung eines jeden ihrer Soli. Ein weiteres unabdingbares Musik-Utensil ist natürlich ihre Violine, passend zu ihrem gypsy-mäßigem Kleidungsstil an diesem Abend (dazu die gewohnten schwarzen fingerlosen Handschuhe), die dann beim folgenden Stomper „Vermillion Allure“ ihren ersten Einsatz fand.

Ihr Counterpart, Johnny Clark, der schon beim aktuellen Album „When Birds Were Snakes“ gefühlt etwas präsenter erscheint, durfte seine knochige Stimme zum ersten Mal am Ende von „Mudslide“ einbringen. Neben Leadgesangseinsätzen bei „Superlovely“, „Make That Double A Double“, „Alaska“ und der Merle Travis Country-Folk-Klassiker-Adaption von 1947 „16 Tons“ (im Wechselgesang mit Dede zum Abschluss des Hauptteils), beschränkte er sich überwiegend auf das Zuspiel mit seinen beiden Les Paul- und Stratocaster-E-Gitarren, wobei sein Faible für Creedence Clearwater Revival-typische Klänge öfter zum Ausdruck kamen. Aber auch das eine oder andere Solo (konventionell oder geslidet) ließ er sich natürlich nicht nehmen. Guter Mann!

Drummer Leon Toonen war die Freude, sein Hand-Fuß-Koordinierungsvermögen am Schlagzeug endlich wieder vor Publikum präsentieren zu können, am deutlichsten anzumerken, sein Gesicht strahlte über den gesamten Verlauf des Gigs, während sich sein immer sehr introvertiert wirkender Rhythmuskollege Ray Oostenrijk, lieber der hochkonzentrierten Tieftönerarbeit widmete.

Am Ende standen zwei tolle Parts (samt kurzer Zwischenpause) mit über 20 Songs zu Buche, wobei sich neben dem oben erwähnten Opener „Texas Hurricane“, noch die beiden balladesken Ohrwürmer „Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)“, „It’s Getting Late“ sowie der Titeltrack ihres ersten Albums „Flowers Under The Bridge“, der gegen Ende in eine wahre Wah-Wah-E-Gitarren-Orgie mündete und dem folkigen „Whisper & Whistle“ (Johnny mit Akustikgitarre und Dede an der Violine nur im Duett als erste von drei Zugaben), als meine persönlichen Favoriten eines hochwertigen Abends herauskristallisierten.

Schade, dass durch die Pandemie-bedingten Vorgaben samt der anfangs erwähnten Gemütlichkeit dem typischen Adler-Hexenkessel, der sich bei solch starken Gigs üblicherweise entwickelt, quasi ein imaginärer Riegel vorgeschoben wurde. Unter normalen Voraussetzungen hätte das texanisch-niederländische Quartett die Vierbaumer Kultstätte sicherlich im Sturm erobert.

So blieb es zunächst bei viel anerkennendem Applaus der zufriedenen Anwesenden und der Hoffnung, dass Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws demnächst mal vor voller Hütte samt brodelnder Atmosphäre, in unbeschwerten Zeiten, ihre Klasse offerieren können. Die Visitenkarte, die von der Band hinterlassen wurde, war jedenfalls auf ganzer Linie überzeugend.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
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Schwarzer Adler Rheinberg

Lukas Nelson & Promise Of The Real – A Few Stars Apart – CD-Review

cover Lukas Nelson Promise Of The Real 300

Review: Stephan Skolarski

In Zeiten fehlender gesellschaftlicher Harmonie sind es manchmal künstlerische Konzepte oder Kompositionen, die den Bedarf nach harmonischer Rückbesinnung und Bereicherung bewusst machen. Mit ihrem 8. Studio-Longplayer „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real den Versuch unternommen, die familiäre Geborgenheit und Wärme, die sie während der Corona-Zwangspause erfahren haben, zu bewahren.

Die teilweise pathetische Erzählkunst von Lukas Nelson wird zu Beginn in „Empires“ akustisch brillant dargeboten und offeriert den Einstieg in die Ausdrucksvielfalt eines hochtalentierten Songwriters. Die immer wiederkehrende Ohrwurmvitalität kommt im optimistischen Country Rocker „Perennial Bloom“ mit viel Eagles-Flair voll zur „Blüte“ und verleiht dem Album eine Bestnote. Dass die gefeierte Formation als nahezu schonungslose Tournee-Band fast 10 Jahre ununterbrochen ihre Road-Erfahrungen gesammelt hat, lässt die vom renommierten Dave Cobb im RCA-Studio in Nashville gefühlvoll beeinflusste Produktion erkennen.

Einen Abstecher in die Randbereiche klassischer Jim Croce-Songkunst unternimmt Lukas Nelson mit „Throwing Away Your Love“, poetisches Storytelling im Liebesliedgewand, das im folgenden Titelsong „A Few Stars Apart“ als melancholische Klavierballade vom eindringlichen Vocal-Part des Grammy Award Winners geprägt ist.

„A song is like a short story“, so Nelson und die besinnliche Faszination seiner Lyrics entfaltet ihre poetische Wirkung auch in langsamen Refrain-Passagen bei „No Reason“ und „Leave ‘Em Behind“, einem nicht weit von Neil Young angesiedelten Paradestück. Der Altmeister hat von Beginn an die Karriere der Band mit Begeisterung begleitet und diese als Backing-Band mit auf Tournee genommen. Zudem sind inzwischen 4 gemeinsame Produktionen entstanden.

Die berechtigte Erwartungshaltung auf einen lautstarken Rock-Kracher erfüllt die Band mit „Wildest Dreams“, herrlicher Tom Petty Style – pure Harmonie! Dieses als angenehm empfundene, melodische Klangbild kommt ebenso bei „More Than We Can Handle“ zum Einsatz, und wirkt – vielleicht zur Erinnerung an Harry Nilson – immer wieder modern old school.

In Anlehnung und aus Respekt vor der eigenen Familientradition (Willie Nelson), dem Lukas Nelson sicherlich auch zum Teil die erforderliche Veranlagung und Inspiration verdankt, enthält „A Few Stars Apart“ ebenfalls eindeutige Reminiszenzen. Daher runden „Hand Me A Light“ (eine typische Country-Walzer-Ballade im Duett mit Co-Autorin Rina Ford) und der Abschlusstrack „Smile“ die dauerhaft harmonische Wirkung der Scheibe ab.

Nicht selten ist die Dominanz eines talentierten Songschreibers ausschlaggebend für die Stilrichtung und den Erfolg einer Band, deren musikalische Resonanz und Ausdrucksstärke jedoch erst durch die Harmonie in der Gemeinschaft entsteht.

Mit ihrem neuen Album „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real dieses Harmoniebedürfnis „eingefangen“, musikalisch aufbereitet und wieder ein respektables Gesamtwerk geschaffen. Zwischen Country, Folk, Americana und Roots verbreiten 11 Songs eine Leichtigkeit und kreative Anziehungskraft, für diejenigen, die sich darauf einlassen und die liebevolle Poesie der Lyrics für sich als wichtig erachten.

Fantasy Records (2021)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. Empires
02. Perennial Bloom
03. Throwing Away Your Love
04. A Few Stars Apart
05. No Reason
06. Leave ‘Em Behind
07. Wildest Dreams
08. Giving You Away
09. Hand Me A Light
10. More Than We Can Handle
11. Smile

Lukas Nelson & Promise Of The Real
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Oktober Promotion

The Marcus King Band – Soul Insight – CD-Review

cover The Marcus King Band - Soul Insight 300

Review: Stephan Skolarski

Das anhaltende Sammlerinteresse nach zusätzlichen Vinyleditionen bisheriger CD-Releases motiviert manche Band zur Wiederveröffentlichung (fast) vergriffener Longplayer. Diese erfreuliche Entwicklung erreichte auch den amerikanischen Singer/Songwriter und Gitarristen Marcus King, dessen Debut-Album nun als schwarze Doppel-LP wieder erhältlich ist.

Der damals erst 19-jährige Gitarren-Virtuose aus Greenville, South-Carolina, hatte im Oktober 2015 mit „Soul Insight“ einen grandiosen Einstand. Ein Werk, das stilübergreifend Southern Rock, Blues, Psychodelic-Jam-Improvisationen, Soul, Funk, Jazz und Country-Ansätze einfühlsam und explosiv verbindet. Die junge Formation war zuvor mit Marcus King (Lead Vocals, Slide Resonator Guitar), Jack Ryan (Drums), Anthony House (Bass) und Alex Abercrombie (Organ und Keys) Tournee Opener für Johnny Winter, die Foo Fighters und Gov’t Mule, deren Mastermind, Warren Haynes, die Band auf seinem Label zuerst unter Vertrag nahm.

Die sämtlich von Marcus King komponierten Songs reichen in ihren Dimensionen dementsprechend von Vorbild-Einflüssen der Allman Brothers („Boone“, „Keep Moving“) und Stevie Ray Vaughan („No Decency“), Gary Clark jr. („Dyin“) bis zu Warren Haynes himself („Always“); dabei werden zu den stets atemberaubenden Guitar-Passagen und Kings Südstaaten-akzentuierten Lead-Vocals starke Solo-Einlagen (Orgel, Saxophon und Bläser) arrangiert. Zwei Instrumentalstücke (u. a. „Booty Stank“) bilden den Southern-Psychodelic-Jam-Rock Anteil der Scheibe, die in modifizierten Soul/Jazz-Varianten Santana-Improvisationen einbezieht.

Der Versuch, das geniale Guitar-Phänomen Marcus King, auch als Performer und Produzenten, zu beschreiben, führt unweigerlich in eine familienbezogene, tiefgründig verwurzelte Musiktradition, die über frühkindliche Förderung und väterliche Vorbildfunktion wesentliche Grundsteine legte. So ist die Virtuosität des jungen Marcus King auf „Soul Insight“ bereits stilbildend und „electrifying“ und im Akustik-Country-Rock „I Won’t Be Here“ zum Abschluss des Albums nochmals „traditional classic“.

Im Rückblick auf einen inzwischen kometenhaften Aufstieg hat Marcus King mit seinem Debüt „Soul Insight“ alle damaligen Vorhersagen (siehe auch unser Review aus dem Jahr 2018) ausgiebig bestätigt. So auch die von Warren Haynes, seinem Mentor (2015) im Rolling Stone Magazin: „There’s this young guitar player singer from South-Carolina named Marcus King, who is starting to stir up quite a bit of dust, and I think the potential for his music is endless…..“. Eine Aussage, die der talentierte Guitarrissimo mit sprichwörtlicher Begeisterung erfüllt.

Fantasy Records (2021)
Stil: Southern Rock, Blues, Soul, Country

Tracks:
01. Always
02. Boone
03. Fraudulant Waffle
04. Honey
05. Dave’s Apparition Interlude
06. Everything
07. No Deceny
08. Dyin’
09. Booty Stank
10. Opie
11. Keep Moving
12. I Won’t Be Here

The Marcus King Band
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The Steel Woods – All Of Your Stones – CD-Review

cover The Steel Woods - All Of Your Stones 300

Review: Stephan Skolarski

Seit ihrem Debut-Album „Straw In The Wind“ (2017) ist die aus Nashville, Tennessee, stammende Formation The Steel Woods eine angesagte Hoffnung des Southern Rock. Vielfach zurecht gefeiert (siehe SoS-Konzert-Review 2019: Link), hat die Band nach „Old News“ (2019) ihren seit Januar angekündigten Longplayer „All Of Your Stones“ in bemerkenswerter Eigenproduktion vorgelegt.

Durch den plötzlichen Tod von Mitbegründer Jason „Rowdy“ Cope steht das neue Album jedoch wesentlich unter dem „State of Shock“. Der 42-jährige Songwriter und Gitarrist verstarb am 16.01.2021 wenige Tage vor dem ursprünglichen Release-Date von „All Of Your Stones“. Die Entscheidung, die LP aus Respekt vor Copes musikalischer Schaffenskraft nun zu veröffentlichen, wurde von der Band zusammen mit seiner Familie getroffen – in hoher Anerkennung seiner Visionen und Verantwortung für The Steel Woods.

Der von Jason Cope im Co-Writing verfasste Opener „Out Of The Blue“ ist insoweit ein starkes Southern Rock-Beispiel, ein Stück, das sein sprichwörtliches Durchhaltevermögen in Lyrics und Guitar-Work aufwühlend mitteilt. Diese intensive Stilrichtung aus Südstaaten Rock und Elementen des Outlaw-Country, Blues und Gospel kennzeichnet die vielseitige Independent-Kategorie der Band bereits seit ihren Anfängen. Die bluesige, gesangsbetonte Ballade „You Never Came Home“ charakterisiert das variantenreiche Songwriting und die Guitar-Power der Südstaatler, die mit dem eher ruhigeren Track „Run On Ahead“ eine starke Gesangs- und Akustik-Nummer abliefern.

Zu den Höhepunkten des Albums gehören die ergreifende Hymne „Ole Pale“, die fast wie eine „vorhersehbare“ Erinnerung an einen alten Kumpel schon im Vorjahr geschrieben wurde, sowie die Cover-Version des guten alten Lynyrd Skynyrd-Stücks „I Need You“, in besonders souliger Interpretation unter Beteiligung von Country-Sängerin Ashley Monroe. Zum Abschluss des Longplayers wird mit dem Titel-Song „All Of Your Stones“ nochmals die Wertschätzung der Band gegenüber Jason „Rowdy“ Cope mehr als deutlich – ein „unentirely tribute“ an den Band-prägenden Musiker. Auch Country-Rebell Jamey Johnson (Co-Autor des Titelsongs) – in dessen Band Cope fast 10 Jahre maßgeblich wirkte – nennt „Rowdy“ seinen Bruder: „As a guitarrist he was a force“.

„All Of Your Stones“ als optimistisches und nachdenkliches Werk in schwieriger Zeit auf den Weg zu bringen, erscheint in der tragischen Situation der Steel Woods auch als positives Sinnbild für die aufrechte musikalische Inspiration. Es bleibt zu hoffen, dass der herbe Verlust von Jason Cope eine emotionale Motivation bewirkt, um mit ihrem smarten Southern-Style ein neues Kapitel aufzuschlagen. „Keep the fire burning“!

Woods Music /Thirty Tigers (2021)
Stil: Southern-Rock, Country

Tracks:
01. Intro
02. Out Of The Blue
03. You’re Cold
04. You Never Came Home
05. Ole Pal
06. I Need You (feat. Ashley Monroe)
07. Run On Ahead
08. Baby Slow Down
09. Aiming For You
10. All Of Your Stones

The Steel Woods
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Travis Meadows – Killin‘ Uncle Buzzy – CD-Review

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Jeder, der eine gut sortierte Sammlung physikalischer oder digitaler Tonträger aus dem Bereich Southern Rock, New Country & Co. sein Eigen nennt, dürfte der Name Travis Meadows, ob bewusst oder unbewusst, schon öfter über den Weg gelaufen sein, auch wenn sich die eigenen bisherigen musikalischen Veröffentlichungen des Protagonisten eher im kleineren Rahmen bewegen.

Der im Jahr 1965 geborene, in Jackson, Mississippi, aufgewachsene Künstler, dem von frühster Jugend an, eine lange Alkohol- und Drogensucht im Weg stand, ist nämlich ein in Nashville hochgefragter und angesehener Songwriter, der sich für viele bekannte Tracks namhafter Interpreten und Acts wie z. B. „God & Guns“ (Lynyrd Skynyrd), „Pretty Little Lies“, „Medicate My Mind“, „Old Enough To Know“ (Blackberry Smoke – letztgenannter Song von deren bald kommendem neuen Longplayer „You Hear Georgia“), „Chasing Shadws“ (Jimmie Van Zant), „Dark Side“, „Knives Of New Orleans“, „Look Good And You Know It“ vom aktuellen „Heart & Soul„-Album (Eric Church), „Things That I Lean On“ (Wynonna), „Riser“ (Dierks Bentley) oder „Better Boat“ von Kenny Chesney (mit) verantwortlich zeigt.

Sein zweites Album „Killin‘ Uncle Buzzy“ wird jetzt zum 10-jährigen Bestehen von Earache Records/Edel nochmals neu aufgelegt. Es entstand  2010-2011, nachdem Meadows im Rahmen eines vierten Alkoholentzugs, zunächst das Führen eines Tagebuchs therapeutisch angeraten wurde, er sich dann aber einer Verarbeitung mittels eines intensiven Songwritings entschied.

Sein daraus resultierendes Fazit ergab, sich nicht ständig mit dem „was, wenn, hätte, aber“ auseinanderzusetzen, sondern sich am Ende als Individuum so zu akzeptieren, wie man ist, sprich, mit seinem eigenen Leben weitestgehend einverstanden zu sein. Travis gilt seither als geheilt, beziehungsweise nüchtern.

Auch sein Werk „“Killin‘ Uncle Buzzy“ glänzt, wie so oft bei Veröffentlichungen von Songwritern seines Typus, durch relativ reduzierte, raue Nüchternheit, bei der das Potential der Tracks allerdings sofort erkennbar ist.

Im Vordergrund stehen die Akustikgitarre und der kauzig-introvertierte Gesang des Protagonisten (mich sehr an den Kollegen Bobby Pinson erinnernd), zur atmosphärischen Verdichtung gesellen sich dezente Harmoniegesänge (meist weibliche), schroffe E-Parts (oft geslidet), Bass, Pianotupfer, Streicher (Fiddle/Cello) und mehr Percussion-artige Claps als konventionelles Drumming.

Und so braucht man am Anfang auch zunächst ein paar Lieder, um mit Meadows ‚warm‘ zu werden, je mehr und je öfter man sie dann anhört, desto intensiver wird man von ihnen eingenommen und begeistert. Am Ende weiß man genau, warum Jake Owen später das erkenntnisreiche „What We Ain’t Got“ (zuvor heißt es „We all want“) für sein erfolgreiches Top-5-Album „Days Of Gold“ ausgewählt hat und immerhin auch als Single in die Top-20 brachte.

Und so kann man als Ergebnisit für das durchgehend hörenswerte Songmaterial von Travis Meadows auf „Killin‘ Uncle Buzzy“ festhalten: Für den ungeschliffenen Rohdiamanten sorgt der Künstler in eigener Person, für das Ausstaffieren und die kommerziell erfolgreiche Weiterverarbeitung sind dann aber eher andere zuständig…

Earache Records/Edel (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Minefield
02. Grown Up Clothes
03. It Ain’t Fun No More
04. Good Intentions
05. Let It Go
06. God Speaks
07. It Gets Better
08. Davidson County Police
09. What We Ain’t Got
10. Learning How to Live Alone

Travis Meadows
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Ashley Monroe – Rosegold – CD-Review

cover Ashley Monroe - Rosegold 300

Review: Stephan Skolarski

Schon als Teenager war die US-amerikanische Singer-/Songwriterin Ashley Monroe nach Nashville gekommen und hatte in kurzer Zeit und mit ausgereiften Eigenkompositionen das Interesse namhafter Künstler geweckt. Sogar Carrie Underwood, Guy Clark und Miranda Lambert nahmen ihre Songs auf und begründeten Monroes hervorragenden Ruf und eigene musikalische Handschrift. Inzwischen zählt sie zu den angesehensten, „most powerfull female“ Top-Acts in Music-City.

Zusammen mit Lambert und Angaleena Presley ist Ashley Monroe seit 2011 Teil des Country-Trios Pistol Annies und konnte mit ihnen seitdem zwei Nr. 1 Longplayer auf die Billboard-Liste bringen. Eine Reihe weiterer Kooperationen, z. B. ein Gastauftritt bei Jack Whites (Ex-White Stripes) Third Man Band („Old Enough“) waren sehr erfolgreich, sodass sich Monroe ein originelles Hit-Geschenk („Bruises“) an die hierzulande auch mit Chart-Erfolgen („Hey, Soul Sister“ oder „Drive By“) bekannte, kalifornische Gruppe Train leisten konnte.

Die eigenen Solo-Ambitionen hat die 34-jährige trotzdem nicht vernachlässigt. Nach „Sparrow“ (2018) erscheint nun ihr neues Album „Rosegold“ (am 30. April). Sie verarbeitet darin ihre Eindrücke und meint damit, die Welt durch eine rosarote Brille zu betrachten, also eine optimistische Sicht auf die Dinge zu nehmen, die uns begegnen.

Die aktuelle Scheibe spiegelt jedoch auch Ashley Monroes Leidenschaft, in ihren Songs bittersüße Melodien und romantische Themen auszudrücken, die wie im ersten Titel „Siren“ oder dem zärtlichen „Til It Breaks“ eigenwillig und zugleich charmant berühren können. Zerbrechliche Klangfarben bilden durchgängig den Rahmen für die akustischen Arrangements und vielschichtigen Kompositionen, von denen die Stücke „Drive“ und „Gold“ charakteristische Eigenheiten des Albums vorzeigen.

Die von Monroe mit verschiedenen Co-Writern und Tyler Cain produzierten zehn Lieder bilden individuelle („Groove“) und experimentelle („I Mean It“) Songs, die von der charismatischen Interpretin als Zeichen ihrer persönlichen „Transformation“ zum Abschluss („The New Me“) in ein neues „Ich“, in einen neuen Anfang übertragen werden.

Ashley Monroe hat mit ihrem couragierten 5. Album „Rosegold“ ein musikalisches Ausrufezeichen im Modern-Country-Style gesetzt: filigrane, traurig-schöne Harmonien mit poetischen Texten, die ihre melodiöse Botschaft als Gesamtkunstwerk bittersweet und rosarot beschreiben. Ein Longplayer, der seine Ausstrahlung Track by Track intensiv und vielfältig erschließt – aber eben durch diese rosaroten Gläser einer Sonnenbrille.

Mountainrose Sparrow (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Siren
02. Silk
03. Gold
04. See
05. Drive
06. Flying
07. Groove
08. Til It Breaks
09. I Mean It
10. The New Me

Ashley Monroe
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Andrew Beam – Selma By Sundown – CD-Review

SelmaBySundownArt_PhotoCredit-JustinHodge 300

Review: Michael Segets

Die Website von Andrew Beam heißt BeamCountry. Die Namensgleichheit mit der Whiskeymarke macht er sich dort zunutze, um die inhaltliche Ausrichtung seiner Songs anzudeuten, die sich um die klassischen Themen seiner favorisierten Musikrichtung dreht: um das Leben der arbeitenden Bevölkerung mit den Freuden des Feierabends und um Liebesdinge. Seine Musik ist der Country, wie im zweiten Teil der Wortkomposition festgeschrieben. Damit ist das Programm abgesteckt, das Andrew Beam auf seinem Debütalbum „Selma By Sundown“ verfolgt.

Wenn man den jungen Mann aus North Carolina sieht, traut man ihm die volle und tiefe Stimme, die wie für den Country gemacht scheint, nicht zu. Gesangstechnisch baut Beam gelegentlich nasal-nölige Töne und Kicks ein, die in dem Genre gängig sind. Beim Songwriting sowie der Instrumentierung bewegt sich sein Longplayer ebenfalls in dessen Traditionen.

Mit dem Opener „Country Ain’t Dead“ stellt Beam dann auch die Grundthese seines Werks vor, die er in den folgenden zehn Songs belegt. Nach dem mit einer gehörigen Portion Twang und kräftigem Slide unterlegten Einstieg bleibt er bei der Single „You Should See The Other Guy“ stilistisch dem Country weiterhin verhaftet. Im Chorus und vor allem von Joe Taylor an der elektrischen Gitarre werden aber rockigere Töne angeschlagen. Taylor steuert auf dem Longplayer auch Bariton-Gitarre, Mandoline, Keys bei und übernahm dessen Produktion. Zwei Songs stammen komplett aus seiner Feder. An allen anderen war Beam beteiligt oder verfasste sie allein.

Wie schon das vorangegangene Stück weist der Titeltrack – zugleich die zweite Single – „Selma By Sundown“ einen eingängigen Refrain auf. Der von Gary Morse an der Pedal Steel erzeugte Slide ist bei der sanften Ballade ziemlich präsent. Mit der Aussicht auf die baldige Heimkehr nach einer langen Reise greift der Text auf einen beliebten Topos der Country- und Trucker-Musik zurück. Als typischer Trucker-Song geht allerdings eher „Wadmalaw Saturday Night“ durch. Das lockere „Might As Well Dance“ versetzt dann vom Highway in ein Roadhouse. Inhaltlich kreist der Song um einen Mann, der, nachdem er von seiner Freundin verlassen wurde, auf der Suche nach neuen Bekanntschaften nichts zu verlieren hat.

Beam demonstriert auf den bisher erwähnten Stücken, dass er den Country in seinen klassischen Spielarten beherrscht. Interessanter sind nach meiner Ansicht die Songs, in denen er moderat von diesen abweicht, indem er die Kombination von Twang und Slide zurückfährt. So überzeugen „The Beam In Me”, dessen Titel einen doppeldeutigen Bezug aufweist, und das erdige „Farmall ‘53” – das Highlight des Albums – mit ihrem Einschlag in Richtung Rock. Daneben sind die instrumental reduzierteren Tracks „Semalee” und „Back And White” besonders intensiv. Mit dem letztgenannten Titel, einem Duett mit Byron Addison, bekennt Beams sozial beziehungsweise politisch Farbe. Den Abschluss der CD bildet die swampig angehauchte Mörder-Ballade „Cajun Wind“, auf der Beam eine passende, dunkle Atmosphäre erzeugt.

Bei Andrew Beams „Selma By Sundown” kommen Country-Fans voll auf ihre Kosten. Die Scheibe bietet alles, was diesen gefallen dürfte. Während die Singles eher die Traditionalisten als Zielgruppe im Auge haben, gibt Beam einigen Songs einen Outlaw-Touch mit, der seine kreative Ader erkennen lässt. Das Debüt zeigt, dass Beam die Spielregeln seines Metiers kennt und offenbart zudem sein Potential, dem Genre weitere Facetten abzugewinnen, ohne dieses revolutionieren zu wollen.

Moonwatcher Music (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Country Ain’t Dead
02. You Should See The Other Guy
03. Selma By Sundown
04. Might As Well Dance
05. Semalee
06. The Beam In Me
07. Three Sheets To The Wind
08. Black And White
09. Wadmalaw Saturday Night
10. Farmall ‘53
11. Cajun Wind

Andrew Beam
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AristoPR

Midland – The Sonic Ranch – CD-Review

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Sehr schönes Album des Erfolgs-Trios Jess Carson, Cameron Duddy und Mark Wystrach alias Midland, das die Zeit reflektiert, als man sich gerade zu einer Band zusammenfand und vom nachfolgenden Ruhm und Glanz noch nichts zu erahnen war.

Die drei hatten sich 2013 bekannter Maßen auf der Hochzeit Duddys kennengelernt, ein paar Songs auf der Veranda zusammengespielt und sich für ein weiteres Zusammenwirken entschieden. 2014 hatte man sich aus diesem Grund für elf Tage auf der Sonic Ranch in El Paso, Texas, mit ein paar weiteren Musikern eingemietet, um ein erstes Basis-Songmaterial zu erstellen, vermutlich aber auch um die menschliche ‚Chemie‘ der Charaktere untereinander auszuloten.

Herausgekommen ist ein schönes, frei von allen Zwängen, entstandenes Album mit zwölf, recht unpolierten, rauen und authentisch klingenden, größtenteils von Jess Carson geschriebenen Countrysongs und eine knapp 47-minütige, unterhaltsame Dokumentation über das Making Of, die man sich unter diesem Link anschauen kann.

Das Midland-Werk startet mit dem einzigen Track „Fourteen Gears“, der es auf eines der beiden folgenden ‚offiziellen‘ Major-Studio-Alben und zwar auf „Let It Roll“ geschafft hat. Im Prinzip bekommt man hier schon direkt wieder alles geboten, was man an den Jungs liebt. Flockige Akustik- und E-Gitarren, leiernde Steel, lässiger Shuffle-Rhythmus, dazu Wystrachs einnehmende Stimme, perfekte Harmoniegesänge (ab und zu hier auch dezente weibliche), nur alles etwas im Sound zurückgenommener. Bei wenigen Liedern gibt es auch ein paar Piano-Tupfer („Champagne For The Pain“,schön klimprig bei  „She’s A Cowgirl“).

Verantwortlich für die ‚Ranch‘-Produktion ist hier noch Omnisassa David Garza (Fiona Apple’s Fetch the Bolt Cutters), der besonders mit einigen quirligen E-Gitarrenparts brilliert. Zweimal, bei „Will This Life Be As Grand“ und „Cowgirl Blues“ als vorletztem Track, das zunächst in der Anfangsphase von Wystrach gesungen wird, offeriert Jess Carson seine stimmliche Markanz, die mit ihrem Donavan-Flair als Zusatz-Pfund ebenfalls für den Siebziger Jahre-Touch der Band prädestiniert ist.

Insgesamt ist der „The Sonic Ranch“-‚Soundtrack‘ vom mittlerweile bei den ACM-Awards 2018 zur New Vocal Duo or Group of the Year prämierten Trio Midland ein gut gewählter Füller bis zum nächsten, oft ’schwierigen‘ und mit Spannung erwarteten dritten Longplayer. Aber auch eine schöne Dokumentation, wie  zunächst ‚unbelastete‘ Musiker, den Grundstein zu einem kommerziellen Top-Act legen, vor allem, wenn dann Leute wie Scott Borchetta, Dann Huff & Co. das Ruder übernehmen.

Big Machine Records (2021)
Stil: Country

01. Fourteen Gears (Adobe House Version)
02. Cowgirl Blues
03. Worn Out Boots
04. Champagne For The Pain
05. Will This Life Be As Grand
06. Fool’s Luck
07. Whiskey
08. She’s A Cowgirl
09. Runnin‘ Wild
10. Texas Is The Last Stop
11. Cowgirl Blues (Jess Carson Vocal)
12. This Town

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The Lloyd Carter Band – Nothing To Lose – CD-Review

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„Nothing To Lose“ – was für ein Titel in diesen (beschissenen) Zeiten! Okay, wenn man eh schon total am Boden liegt, mag das stimmen, aber für viele Menschen, die sich Jahre lang abgeschuftet haben, um sich etwas aufzubauen und jetzt alles ohne persönliche Schuld von unfähigen und konzeptlosen Politikern aus den Händen gerissen bekommen, klingt das wie bittere Ironie.

Gerade unsere geliebte Musikbranche weiß davon sicherlich, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Lied zu singen, wo ja bekanntlich seit vielen vielen Monaten auch so gut wie gar nichts geht. Wohl dem, der hier – wie auch immer – genügend Rücklagen gebildet hat oder so dick im Geschäft ist, dass ihm die derzeitige Situation eh nichts anhaben kann.

Wenn ich persönlich, ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, hier schildern würde, was ich seit Beginn der Corona-Krise, alles an Verlusten erlitten habe, würde sich wohl jeder fragen, warum ich, statt hier das SoS-Magazin (samt der involvierten Kollegen) mühsam aufrecht zu erhalten, nicht längst bei irgendeinem Psychiater auf der Couch in Dauertherapie liege.

Dennoch ist es gerade die Musik, die im Moment auch ein bisschen Freude und mentalen Ausgleich bereitet.  Lloyd Carter, der Kopf der gleichnamigen The Llloyd Carter Band, der bei Kaylor Girl Promotions, einer Agentur, zu der ich seit einigen  Sister Hazel-Reviews ein sehr nettes Verhältnis pflege, unter den Fittichen ist, schickte mir seine signierte Debüt-CD und das mit einer netten handschriftlich verfassten Bitte, diese doch zu reviewen.

Dem komme ich natürlich gerne nach, zumal es auch noch genau der Stoff ist, den ich von Herzen liebe! Der aus Georgia stammende Lloyd kommt, wie so oft in den Staaten, aus einer Familie mit langer Musiktradition. Er entdeckte sein dementsprechendes Faible auf der High School und brachte sich diverse Instrumente selbst bei.

Dazu verfasst der von Leuten wie Keith Whitley, Steve Perry, Kenny Rogers oder Conway Twitty inspirierte Protagonist mittlerweile seit über 30 Jahren Texte, von denen diverse auf diesem elf Tracks umfassenden Werk, in adäquates Songmaterial in Szene gesetzt wurden.

Wir bewegen uns hier überwiegend im 90er Jahre umwobenen New Country, supplementiert durch Stile wie Southern Rock, AOR und auch eine Brise warmherzigen Soul („Come Dance With Me„, „When We Say Goodbye“).

Einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen dieses Longplayers haben auch seine beiden Songwriting-Partner Henry McGill (grandiose E-Gitarrenarbeit in allen südstaatlichen Spiel-Varianten) und Gary DiBenedetto, der das Werk nicht nur in seinem Studio wunderbar transparent produziert hat, sondern sich auch für die hervorragend abgestimmten Keyboard-Elemente (Grand Piano, Synthies, Organ, E-Piano) und ein sehr markantes Pedal Steelgitarren-Spiel (erinnert mich in seiner Prägnanz an das von Pat Severs von den Pirates Of The Misssissippi) verantwortlich zeigt.

Lloyds gewichtige Stimme, die sich in Sphären von Ronnie Dunn, Rich O’Toole, Frank Foster bis hin zu Trace Adkins bewegt, überzieht das herrlich eingängige und hochmelodische Songkonvolut zudem mit einem deutlich spürbaren Charisma.

Der Opener und Titelstück zugleich ist ein wie für unsere Klientel passgerecht gestalteter, satt stampfender und polternder Southern Country Rocker, der das Herz sofort höher schlagen lässt – genau mein Ding!

Viele Tracks wie „Live Life Well“, „Autumn Leaves„, „Can’t Never Could„, „Better Days“ oder  „His Last Chance“ bewegen sich im balladesken oder Midtempobereich, thematisch verwurzelt natürlich im typischen Wertesystem und Lebensgefühl des Südens, garniert mit einer hohen Portion Pathos und Emotionalität in Carters Gesang.

Für die Uptempo-Würze sorgen dann die geschickt dazwischen platzierten rockigeren Lieder wie das swampige „That Baby Will Run“ (heulend fiepende E-Fills, klasse Solo) oder, last but not least, das furios abgehende „It’s Friday Night“, bei dem kein anderer als Colt Ford mit einer launigen Rap-Einlage, seinen typischen Stempel aufdrückt. Klasse!

Fazit: Das Debüt der Lloyd Carter Band steht, wie so oft, für das unermesslich und schier unerschöpflich zu sein scheinende, kreative Potential der südstaatlichen Country Rock-Musik.

Wer Acts wie u. a. Diamond Rio, Darryl Worley, Vince Gill, Tracy Lawrence, John Michael Montgomery, Trace Adkins, Garth Brooks, Rich O’Toole, Lonestar, Travis Tritt, Tim McGraw, Brooks & Dunn, Pirates Of The Misssissippi, Frank Foster und wie sie alle heißen, die den New Country der 90er noch entscheidend mitgeprägt haben, gerne hört, darf sich über die gelungene Reinkarnation mittels der Lloyd Carter Band freuen.

Ein Werk, das man sich nach dem Motto „Nothing To Lose“ ‚blind‘ zulegen kann. Absolute Kaufempfehlung!

Song Box Records (2020)
Stil: New Country

01. Nothing To Lose
02. Live Life Well
03. Autumn Leaves
04. Come Dance With Me
05. That Baby Will Run
06. Can’t Never Could
07. Better Days
08. It’s Friday Night
09. His Last Chance
10. When We Say Goodbye
11. Hand You Hold

The Lloyd Carter Band
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Jack McBannon – True Stories – CD-Review

cover Jack McBannon

Review: Stephan Skolarski

Ein Künstlername ist nicht selten ein neuer Anfang und kann für einen Musiker eine gelungene Wendung seiner bisherigen Karriere bedeuten. Diesen Schritt hat Country-Singer/Songwriter Thorsten Willer aus Wuppertal gewagt. Vor zwei Jahren noch auf Einladung des Goethe-Instituts auf russischen Festivals unterwegs, hat er nun als Jack McBannon mit dem Album „True Stories“ aufrichtige Songs über das Leben veröffentlicht.

Auch ein längerer US-Aufenthalt liegt zwar schon einige Zeit zurück, aber die Nachwirkungen der Staaten-Reise sind in den Songs des englischsprachigen Longplayers durchweg unüberhörbar: Acoustic Country-Rock, Blues und Americana in schönen Variationen, verbunden mit Texten, die neben ganz privaten Erlebnissen, natürlich von seinen amerikanischen Vorbildern beeinflusst sind.

Der gefühlvolle Einstieg in die „wahren Erzählungen“ gelingt mit „Right Here“ über eine Melodie der leisen Töne mit zugänglichen Lyrics. Fortgesetzt wird die CD durch den starken Country-Song „Set Me Free“ und weckt in manchen Gesangsparts bisweilen Bon Jovi-Vergleiche, wobei McBannons Stimmlage diese rauen Interpretationen ebenso meisterlich beherrscht, wie feinfühlige Poesie, in „The Snowflake“ oder in „Dancing In The Rain“.

Seine Tournee-Erfahrungen im Vorprogramm von u.a. Richie Sambora, Ray Wilson oder Revolverheld reflektieren nur einen Teil seiner musikalischen Projekte, die seine künstlerische Laufbahn begleiten und auch diesmal ihre Spuren in den Tracks der neuen Scheibe hinterlassen. Alle Songs sind Eigenkompositionen, eingespielt in einer rundum „Do it yourself“ Recording-Produktion, die – außer Drums und Cello – alle Instrumente und Backgrounds, sowie das Cover beinhaltet.

Besonders auffallende Titel, wie „Together“ und „An Outlaw’s Inner Fight“ charakterisieren McBannons Songwriting-Ambitionen gleichermaßen, wie die schnelle Country-Rock-Nummer „Motel 81“ oder der eingängige Blues-Rhythmus von „Walking In The Dark“. Die solide Guitar-Work des bald 40-jährigen kennzeichnet den bodenständigen Country-Artist, der seine Tracks nach 3-jähriger Arbeit als liebevolles Gesamtwerk präsentiert: 11 ausgereifte Songs, die ihre emotive Dynamik nicht verstecken.

Mit „True Stories“ hat Jack McBannon ein überzeugendes und persönliches Album konzipiert, das seine Geschichte als Singer/Songwriter mit leidenschaftlicher Inspiration verbreitet: eine zukunftsweisende Scheibe in seiner Karriere, ein Schritt in Richtung eigene Country-Roots.

Rodeostar Records (2020)
Stil: Country

Tracks:
01. Right There
02. Set Me Free
03. The Snowflake
04. Together
05. Here’s A Winner
06. Dancing In The Rain
07. An Outlaw’s Inner Fight
08. Motel 81
09. Walking In The Dark
10. The Long Road Ahead
11. Runaway Me

Jack McBannon
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