Jason Isbell And The 400 Unit – Georgia Blue – CD-Review

Review: Michael Segets

Jason Isbell And The 400 Unit geben mit dem Titel „Georgia Blue” ein politisches Statement ab, ohne dass sich die Songs um Politik drehen würden. Aus Freude vor dem knappen Wahlsieg der Demokraten – deren Farbe Blau ist – in Georgia nahm Isbell ein musikalisches Projekt in Angriff, das ihn schon längere Zeit umtrieb. Obwohl Isbell in Alabama geboren wurde und in Tennessee lebt, steht ihm die Musik aus Georgia besonders nah. Auf dem Coveralbum würdigen er und seine Band Künstler unterschiedlicher Couleur, die in dem Bundesstaat beheimatet sind beziehungsweise waren. Herausgekommen ist ein Potpourrie unterschiedlicher musikalischer Stile, das durch die Vielzahl an Gastmusikerinnen, die den Leadgesang übernehmen, zusätzlich an Farbe gewinnt.

Jason Isbell And The 400 Unit bestreiten lediglich fünf Songs ohne weitere Unterstützung. Die Stücke „I’ve Been Loving You Too Long” von Soul-Legende Otis Redding, „Reverse” von der weniger bekannten Indie-Band Now It’s Overhead und „I’m Through”, das Vic Chestnutt geschrieben hat, präsentieren sie in der üblichen Rollenverteilung. Isbells Ehefrau Amanda Shires übernimmt beim psychodelisch angehauchten „Cross Bones Style“ den Gesang, Gitarrist Sadler Vaden steht bei dem kräftig rockenden „Honeysuckle Blue“ im Rampenlicht.

Der Song, der im Original von Drivin‘ N‘ Cryin‘ stammt, stellt neben dem Black-Crowes-Cover „Sometimes Salvation“ meinen Favorit auf dem Album dar. Die Version des Klassikers von James Browne „It’s A Man’s, Man’s, Man’s World“ kann zusätzlich auf der Habenseite verbucht werden. Ebenso wie bei „Midnight Train To Georgia” ist Brittney Spencer dort am Mikro. Neben Spencer wurden drei weitere Gastsängerinnen für das Georgia-Tribute-Werk gewonnen: Adia Victoria („The Truth“), Brandi Carlile und Julien Baker („Kid Fears“).

Jason Isbell And The 400 Unit berücksichtigen in ihrer Auswahl The Allman Brothers Band und – mit zwei Titeln vertreten – R.E.M. Beim über zwölfminütigen Instrumentalstück „In Memory Of Elizabeth Reed“ wirkt Peter Levin, der eher in der Jazz-Ecke angesiedelte Keyboarder, mit. Die R.E.M.-Stücke bilden den Auftakt und Abschluss des Longplayers. Mit „Nightswimming” steigt er ruhig und akustisch ein. Das flottere „Driver 8” sorgt für seinen gelungenen Ausklang.

Die persönliche Auswahl der Cover auf „Georgia Blue“ zeigt zum einen die Vielfalt der musikalischen Einflüsse, die Jason Isbell And The 400 Unit inspirieren. Es sind Blues, Soul und diverse Spielarten des Rock – von Indie bis Southern – vertreten. Auf der anderen Seite ist das Konzept so offen, dass der Longplayer droht, seine Linie zu verlieren. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den wechselnden Leadgesang. Insgesamt erscheint er daher eher als eine Compilation zur Abbildung der Musikszene Georgias als ein Isbell-Album. Aber bei dem angebotenen musikalischen Spektrum wird fast jede Geschmacksrichtung gelegentlich bedient und vielleicht gewinnen Jason Isbell And The 400 Unit so neue Hörer hinzu.

Eine neue Veröffentlichungspolitik einiger Labels, die seit diesem Jahr verstärkt zu beobachten ist, verwundert. Die Herausgabe als CD und/oder LP erfolgt in mehreren Fällen deutlich später als die in digitaler Form. So sind die Hardcopies für „Georgia Blue“ erst für den 26.11.2021 angekündigt. Positiv zu verzeichnen ist hingegen, dass die Erlöse von „Georgia Blue“ an Black Voters Matter, Georgia Stand Up und Fair Fight gehen.

Southeastern Records – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Rock and more

Tracks:
01. Nightswimming (feat. Bèla Fleck and Chris Thile)
02. Honeysuckle Blue (feat. Sadler Vaden)
03. It’s A Man’s, Man’s, Man’s World (feat. Brittney Spencer)
04. Cross Bones Style (feat. Amanda Shires)
05. The Truth (feat. Adia Victoria)
06. I’ve Been Loving You Too Long
07. Sometimes Salvation (feat. Steve Gorman)
08. Kid Fears (feat. Brandi Carlile and Julien Baker)
09. Reverse
10. Midnight Train To Georgia (feat. Brittney Spencer and John Paul White)
11. In Memory Of Elizabeth Reed (feat. Peter Levin)
12. I’m Through
13. Driver 8 (feat. John Paul White)

Jason Isbell
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Thirty Tigers
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Lucinda Williams – Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics – CD-Review

Review: Michael Segets

Die vierte Folge von Lucinda Williams Cover-Projekt Lu’s Jukebox „Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics” erscheint gleichzeitig mit der dritten „Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs“. Wie schon „Southern Soul: From Memphis To Muscle Shoals & More” richtet Williams das neue Album wieder thematisch und nicht an einem Songschreiber aus.

Williams gräbt tief in den Annalen der Country-Geschichte der 1960er Jahre. Herausgekommen ist eine Zusammenstellung, die sich an hartgesottene Liebhaber des Countrys traditioneller Machart wendet. Zwar nimmt die Stimme von Williams den Songs etwas an Süße, aber insgesamt prägt schmachtender Slide der Steel Pedal den Longplayer. „Take Time For The Tears“ ist eine Eigenkomposition, die dessen atmosphärische Ausrichtung ganz gut beschreibt.

Viele Musiker und Songs, auf die Williams zurückgreift, sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten, wenn man kein Faible für den historische Country hat. Mit Tammy Wynette („Apartment #9“), Buck Owens („Together Again“), John Hartfold („Gentle On My Mind”) oder Carl Butler („Don’t Let Me Cross Over“) hatte ich bislang keine Berührungspunkte. Anders sieht es natürlich mit Willie Nelson aus, dessen Stück „Night Life Dig” aus dem Jahr 1960 allerdings ebenfalls vor meiner musikinteressierten Zeit lag.

Zwei Songs der Scheibe wurden auch von Elvis Presley gesungen: „Long Black Limosine“ und „Funny How Time Slips Away“. Sie stammen von Merle Haggard beziehungsweise Billy Walker. Als einziger Songwriter ist Hank Cochran mit zwei Titel vertreten („Make The World Go Away“, I Want To Go With You“). Zwischen den in der Machart sehr ähnlichen Titeln finden sich „First City“ von Loretta Lynn und der oftmals gecoverte Klassiker „I’m Movin‘ On“ von Hank Snow, die nicht nur durch ihr Uptempo herausstechen. Der kratzige, in einzelnen Passagen frech rotzige Gesang von Williams bringt frischen Wind auf die sonst eher gleichförmige Scheibe.

Der vierte Beitrag „Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics” in Lucinda Williams Jukebox-Serie fällt gegenüber den bisherigen Alben der Reihe etwas ab. Dies liegt zum einen daran, dass sich die ausgewählten Originale bereits an eine spezielle Fangemeinde richten, zum anderen zeigen die Interpretationen im Gegensatz zu denen auf den vorherigen Werken eine geringere musikalische Variationsbreite. Dennoch reißt Williams mit ihrem Gesang einzelne Titel heraus.

Highway 20 – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Apartment #9
02. Together Again
03. Make The World Go Away
04. Night Life Dig
05. Long Black Limosine
06. First City
07. I Want To Go With You
08. Don’t Let Me Cross Over
09. Gentle On My Mind
10. The End Of The World
11. I‘ Movin‘ On
12. Funny How Time Slips Away
13. Take Time For The Tears

Lucinda Williams
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Brandi Carlile – In These Silent Days – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für Brandi Carlile wird es diesmal sehr persönlich. Die US-amerikanische Songwriterin und Sängerin blickt mit ihrem neuen Werk „In These Silent Days“ auf die vergangenen, erfolgreichen Jahre zurück und hat dabei textlich emotionale und leidenschaftliche Songs aufgenommen.

Der sechsfachen Grammy-Preisträgerin, u. a. für ihre LP „By The Way I Forgive You“ (2019, Best Americana Album Of The Year) ist erneut eine selbstbewusste Produktion gelungen. Die 1981 geborene Carlile kam in ihrer ländlichen Heimat von Ravensdale, Washington, schon früh mit Country Musik in Berührung und sang bereits als Achtjährige gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne. Als sie 17 wurde zog sie nach Seattle, um dort später mit den Musikern Tim und Phil Hanseroth – bis heute – in einer Band zu spielen. Bereits ihr zweites Album „The Story“ erlangte 2007 einen gewissen Kult-Status, weil Songs davon in der bekannten US-Serie „Grey’s Anatomy“ verwendet wurden.

Die neue Scheibe ist wesentlich unter dem Einfluss von Joni Mitchells legendären Meisterwerk „Blue“ entstanden, das vor rund 50 Jahren veröffentlicht wurde und auch von Brandi Carlile bei Konzertabenden regelmäßig gewürdigt wird. Die eigenen Kompositionen, wie der Opener „Right On Time“, zeigen Brandi mit gewaltiger Vocal-Power und jeder Menge Klavier-Begleitung in schöner Balladenstimmung. Auf „You And Me On The Rock“ imponieren akustische Gitarren im Paul Simon-ähnlichen Folk-Rock-Sound, der bei „This Time Tomorrow“ mit der fast zu leisen Botschaft „I’ll always be with you“ liebevoll und folkig flaniert.

Als erfolgreiche Produzenten-Kombination bestreiten Dave Cobb und Shooter Jennings wieder die Aufnahmeleitung im Vintage-mäßigen RCA-Studio in Nashville. Sie performen mit den Hanseroth-Zwillingen (Vocals, Bass, Guitar), sowie Chris Powell (Drums) und Josh Neumann (Strings), so herausragende Songs, wie „Broken Horses“, eine Art Jefferson Airplane-CSN&Y-Rock-Nummer, die auf die ebenso betitelte Carlile-Bestseller-Autobiographie ‚anspielt‘.

Neben musikalischer Stimmen-Dynamik sind die ambitionierten und ‚geradeaus‘-Lyrics maßgeblich verantwortlich für die Wirkung der Songs und beschreiben ausführlich eine Aufarbeitung von Carliles Lebensgeschichte sowie ihre persönlichen Erfahrungen. Zart besaitete, wunderbare Gesangspassagen in „Stay Gentle“ geben dem Akustik-Kleinod eine besondere, individuelle Titel-bezogene Note.

Kaum verblassen diese Harmonien mit den ruhigeren Akkorden, wird bei „Sinners Saints and Fools“ ein famoses Rock-Gebilde auch stimmgewaltig aufgebaut, das schließlich in einem Inferno-Showdown instrumentell kollabiert. Der folgende Relationship-Song „Throwing Good After Bad“ vermittelt zum Schluss nochmals einen versöhnlichen Ausklang durch eine starke Klavier-Ballade, die Brandi meisterlich interpretiert.

Mit ihrem neuen Longplayer „In These Silent Days“ schafft Brandi Carlile ein Award–würdiges Album, zwischen Rock, Folk, Country und etwas Pop, das eine abwechslungsreiche, geschmeidige und bei genauem Hinhören nachdenkliche Wohlfühlatmosphäre hinterlässt. Ihr Idol Joni Mitchell kann stolz auf sie sein.

Low Country Sound-Elektra (2021)
Stil: Country, Folk

Tracks:
01. Right On Time
02. You And Me On The Rock (feat. Lucius)
03. This Time Tomorrow
04. Broken Horses
05. Letter To The Past
06. Mama Werewolf
07. When You’re Wrong
08. Stay Gentle
09. Sinners, Saints and Fools
10. Throwing Good After Bad

Brandi Carlile
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Riddy Arman – Same – CD-Review

Review: Michael Segets

Hatte ich zuletzt mit Blick auf die Newcomer Morgan Wade und Leah Blevins vermutet, dass eine Riege junger Musikerinnen in der Americana-Szene neue Akzente setzt, bestätigt Riddy Arman mit ihrem Debüt diese These. Anders als die vorgenannten Musikerinnen geht Arman im Landleben auf und tradiert im stärkeren Maße den Mythos des amerikanischen Westens. Dies schlägt sich musikalisch in der reduzierten, akustischen Instrumentierung und ihrer größeren Nähe zum Country nieder.

In Ohio aufgewachsen durchstreifte Arman die Vereinigten Staaten, arbeitete auf verschiedenen Ranches und machte Abstecher nach New York und New Orleans. Die Singer/Songwriterin findet ihren Frieden allerdings in der Abgeschiedenheit der Farmen mit Viehzucht und Ackerbau. Dies spiegelt sich in ihren Texten wider, in denen sie die Ambivalenz dieses Lebens auslotet.

Auf der einen Seite steht die Schönheit und Erfüllung, die die Arbeit in der Natur und mit den Tieren bietet. Diesen Aspekt heben „Old Maid’s Draw“ sowie „Herding Song“ in ruhiger Weise hervor. Die belastende Stille und die Isolation, die sich fern der Städte und Mitmenschen breit machen kann, thematisiert Arman auf der anderen Seite. Das mit Streichern begleitete „Both Of my Hands“ transportiert diese eindrucksvoll und auch „Help Me Make It Through The Night“ – ein Titel von Kris Kristofferson – greift die Einsamkeit auf.

Wie Wade und Blevins nutzt Arman ihr Debüt, um ehemalige Beziehungen Revue passieren zu lassen. Auf „Half A Heart Keychain” und dem etwas kräftiger instrumentalisierten „Too Late To Write A Love Song” reflektiert sie deren Scheitern. In die gleiche Kerbe schlägt „Barbed Wire”. Sehr schön entfaltet sie dort den Dualismus des Cowboy-Mythos zwischen Autarkie und sozialen Bindungen. Der Stacheldraht symbolisiert die Grenze dieser beiden Pole. Arman ist wahrscheinlich zu jung, um den Western „Mit stahlharter Faust“ mit Kirk Douglas zu kennen, aber dieser Klassiker kommt mir bei diesem Thema in den Sinn.

Gerahmt wird das Werk durch zwei Titel, die sich mit Familiengeschichten befassen. Den Anfang macht „Spirits, Angels, Or Lies”, der vielleicht emotional am meisten berührt. Der Text beruht auf einer wahren Begebenheit: In der Nacht, in der Johnny Cash verstarb, erschien er Armans Vater am Krankenbett – einen Monat vor seinem eigenen Tod. Am Ende der CD steht „Problems On My Own”. Der Track versinnbildlicht die Emanzipation von der Familie und der Vergangenheit.

Das Erstlingswerk von Arman erscheint auf dem Label La Honda Records, das auch Colter Wall und Vincent Neil Emerson unter Vertrag hat. Arman, deren Songs zwischen Country und Folk changieren, befindet sich dort also in guter Gesellschaft.

Das selbstbetitelte Debütalbum von Riddy Arman reiht sich in eine Folge interessanter Veröffentlichungen ein, die junge Musikerinnen wie Morgan Wade oder Leah Blevins dieses Jahr vorlegen. In der thematischen Ausrichtung ähnlich, zeigen alle drei Künstlerinnen ein selbstständiges Profil. Im Vergleich zu ihren Kolleginnen setzt Arman weniger auf eingängige Melodien, stattdessen wirken ihre Songs besonders pur und unverstellt. Ihnen haftet eine gewisse Schwere und Sprödigkeit an, die durchaus einen eigenen Charme entwickeln.

La Honda Records – Thirty Tigers (2021)
Stil: Folk/Country

Tracks:
01. Spirits, Angels, Or Lies
02. Half A Heart Keychain
03. Barbed Wire
04. Both Of My Hands
05. Help Me Make It Through The Night
06. Herding Song
07. Old Maid’s Draw
08. Too Late To Write A Love Song
09. Problems On My Own

Riddy Arman
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Paul Thorn – Never Too Late To Call – CD-Review

Review: Michael Segets

1997 veröffentlichte A&M Records Paul Thorns ersten Longplayer. Thorn verabschiedete sich danach von dem Major-Label und bringt seine Musik seitdem in Eigenregie heraus, wobei ihm sein langjähriger Freund Billy Maddox durchgängig zur Seite steht. „Never Too Late To Call“ reiht sich so nahtlos in das bisherige Werk von Thorn ein – soweit ich sie überblicke. In meinem Regal befinden sich seine drei erfolgreichsten Alben, die es in den US-Charts in die Top 100 geschafft hatten: „Pimps And Preachers“ (2010), „What The Hell Is Going On?“ (2012) sowie „Too Blessed To Be Stressed“ (2014).

2018 folgte noch ein Album mit Gospel-Covern, bei dem u. a. Bonnie Bishop mitwirkte. Auf dem nun vorliegenden „Never Too Late To Call“ sind nun wieder Eigenkompositionen versammelt, an denen Thorn die letzten sieben Jahre arbeitete. Thorn, der für seine persönlichen Texte bekannt ist, greift glückliche Beziehungen auf, die trotz ihrer Schwierigkeiten Bestand haben. Seine neue CD wirkt daher vielleicht eine Nuance gesetzter und zahmer als seine bisherigen.

Folglich finden sich einige ruhige Stücke auf der Scheibe, die mit dem akustisch gehaltenen Folk „Two Tears Of Joy“ beginnt. „What I Could Do“ und „Goodbye Is The Last Word“ sind konventionell gehaltene Balladen mit dezenter Begleitung. Ambivalent stellt sich „Apple Pie Moonshine“ dar. Gut gefällt dort der etwas rau-kratzige Gesang, Abstriche ergeben sich aus den langgezogenen Uh-Hu’s im Refrain. Ähnliche lautmalerische Ausflüge unternimmt Thorn ebenso bei „Sapalo“. Der vom Blues infiltrierte Track sorgt mit seinem akzentuierten Rhythmus zwischen den Balladen am Anfang des Albums allerdings für Abwechslung.

Die thematische Ausrichtung des Longplayers und die situierte Lebensphase Thorns kommen im Duett mit seiner Frau Heather („Breaking Up For Good Again“) sowie in „Sapphire Dream“, das er gemeinsam mit seiner Tochter Kitty Jones singt und geschrieben hat, zum Ausdruck. Seiner verstorbenen Schwester, die rund um die Uhr für ihn erreichbar war, ist „It’s Never Too Late To Call“ gewidmet,. Der sensible, dem Album seinen Namen gebende Song hat etwas von Steve Earle. Unabhängig davon, ob man diese Verbindung wahrnehmen möchte, stellt das Stück das Highlight unter den Balladen dar.

In der zweiten Hälfte des Albums zieht Thorn das Tempo mit einigen Tracks an. Der gradlinige Heartland-Rocker „Here We Go“ liegt ziemlich genau auf meiner Linie. Bei „You Mess Around Get A Buzz“ kommt mal eine kräftige elektrische Gitarre zum Zuge, womit Thorn beweist, dass er nicht weichgespült ist. Der Abschluss „Holy Hotty Toddy“ verpackt eine Prise Humor in einen lockeren Rocker mit rundem Refrain.

Thorn trat als Support für einige Größen des Musikgeschäfts auf, so für John Prine, Robert Cray, Bonnie Riatt oder Toby Keith. Für die Produktion seines Longplayers gewann er Matt Ross-Spang (Jason Isbell, Will Hoge, Lucero, Arlo McKinley). Wie sein aktuelles Werk einschlägt, bleibt abzuwarten. Verdient hätte Thorn, dass es an die Erfolge vom Beginn der letzten Dekade anknüpft.

Auf „Never Too Late To Call” von Paul Thorn dominieren die ruhigeren Töne. Unter den Balladen entwickeln der Titeltrack sowie die Duette mit Frau und Tochter den größten Reiz. Zusammen mit den eingestreuten Rockstücken gelingt ihm so ein Album, das zu weiten Teilen überzeugt.

Tracklist:
01. Two Tears Of Joy
02. It’s Never Too Late To Call
03. Sapalo
04. Breaking Up For Good Again
05. What I Could Do
06. Here We Go
07. Apple Pie Moonshine
08. Sapphire Dream
09. You Mess Around & Get A Buzz
10. Goodbye Is The Last Word
11. Holy Hottie Toddy

Paul Thorn
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Clay Walker – Texas To Tennessee – CD-Review

cover Clay Walker - Texas to Tennessee 300

Review: Stephan Skolarski

Als der US-amerikanische Country Sänger Clay Walker 1993 seine Debut-Single „What’s It To You“ veröffentlichte, war es die erste von sechs Number One Chart-Erfolgen in wenigen Jahren. Die 90er blieben auch für seine damaligen fünf Alben eine erfolgreiche Zeit, da sich alle mindestens 52 Wochen bis unter die ersten Zehn platzieren konnten. Geradezu ein Longplayer mit besonderer Ausdauer war die „Greatest Hits“-Ausgabe, die mit 92 Wochen in den Country-Listen verzeichnet wurde.

Das folgende Jahrzehnt brachte für die Alben (u.va. „A Few Questions“, Position 3 in 2003) weitere hohe Platzierungen. Eine MS-Erkrankung beeinträchtigte jedoch Clay Walkers musikalische Aktivitäten, die nach längerer Pause 2019 mit der „Long Live The Cowboy“-CD nicht die erwartete Resonanz erhielten.

Ein kurzer Rückblick auf diese Erfolgsgeschichte verdeutlicht die Ausgangssituation für das nun vorliegende Comeback-Album „Texas To Tennessee“, welches am 30. Juli erscheint. Clay Walker knüpft mit seiner neuen Scheibe an die damaligen Erfolge an und macht mit „smooth-bore country music“ dort weiter, wo die alten Songs und die jetzigen in Übereinstimmung musikalische Ausprägungen entfalten.

Dieser 90er „classic sound“ findet sich daher „steel-guitar“ und „fiddle“-gerecht einheitlich aufbereitet, in den meisten der zehn Songs wieder, die von Walker im Co-Writing mitkomponiert wurden. So sind z.B. „Anything To Do With You“, oder „I Just Wanna Hold“ und „You Look Good“ emotionale und teilweise melancholische Country-Stücke, die ihre Lyrics als glaubwürdige Message vermitteln möchten.

Der bereits vorab veröffentlichte Top-Song „Need A Bar Sometimes“ fängt diese Stimmung gekonnt ein und wurde inzwischen zum Erfolgstrack der neuen Scheibe. Mit dem bisweilen sehr smarten Titelstück „Texas To Tennessee“ und dem Rock-Guitar betonten „One More“ könnten weitere Hit-Singles folgen. Für Walker-Fans sicher stets ein zeitloser Country-Sound, pure music, die ihre eigene „Schönheit“ immer wieder selbst bestätigt.

Das in Galveston, Tx. und Memphis, Tn., entstandene Album „Texas To Tennessee“ bringt Clay Walker wieder zurück auf altbewährte musikalische Pfade. Es ist eine gelungene Comeback-Produktion im Sinne des romantischen Cowboy-Image entstanden, die für viele Enthusiasten des Genres keine verklärte Realität darstellt, aber leider mit ca. 30 Minuten Spielzeit etwas zu kurz ausgefallen ist.

Show Dog-Thirty Tigers (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Anything To Do With You
02. Need A Bar Sometimes
03. Catching Up With An Old Memory
04. Country Side
05. Cowboy Loves A Woman
06. Texas To Tennessee
07. I Just Wanna Hold You
08. Loving You Then
09. You Look Good
10. One More

Clay Walker
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Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 26.06.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

priesthaupt

Gute acht Monate ist es jetzt her, dass ich ein Live-Konzert besucht habe, für den Inhaber eines Rock-Musikmagazins eigentlich eine regelrechte  Horrorvorstellung. Dabei muss ich zugeben, dass es mir nach der langen Pause sogar ein wenig schwer fiel, wieder in Gang zu kommen. Trotzdem überwog natürlich die Freude, dass die Kulturszene, dank der momentan überschaubaren Inzidenzzahlen, endlich aufatmen darf und wieder erste Steps im Hinblick auf eine zukünftige Normalisierung tätigen kann. Trotzdem schwebt ein Bangen vor weiteren Rückschlägen immer noch irgendwie mit.

Der Schwarze Adler war jedenfalls optimal gerüstet. Unkomplizierte Corona-Schnelltests im nebenstehenden kleinen Anbau, eine abstandskonforme, sehr gemütlich, mit kleinen Lampen inszenierte Tischanordnung (gefiel mir sehr gut) mit den entsprechenden Formularen darauf zur Nachverfolgung. Ideal natürlich auch zum Verfassen meiner Konzertnotizen. Ist es da als Adler-Genosse schon legitim, hier von einem Home-Office-Arbeitsplatz zu reden…?

Was für eine Welt?! Ehrlich gesagt, würde ich alles lieber, wie früher, eng stehend, kaum was sehend im Dunklen, mit dem einen oder anderen Ellbogen von vorne, der Seite oder im Rücken, in kaum lesbarer Schrift festhalten. Sicherheitstechnisch gesehen, passte aber alles somit auf den Punkt! Kompliment an das Adler-Team für die perfekte Organisation!

Zu Gast war mit Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws ein mit unserem Magazin eng verbundenes und geschätztes Quartett, dessen Debüt-Auftritt in der hiesigen Blues-Kultstätte nach zwei Verschiebungen, jetzt im dritten Anlauf endlich realisiert werden konnte. Und auch hier stieg die charismatische Texanerin Dede Priest mit ihrem niederländischen Begleittrio in Form von Johnny Clark (alias Hans Klerken), Leon Toonen und Ray Oostenrijk, absolut pünktlich um 20:00 Uhr nach kurzer Begrüßung durch Ernst Barten auf die Bühne und fügte mit ihrem stürmischen „Texas Hurricane“, dem ausgeklügelten Adler-Lüftungssystem zum Auftakt mit einer wahren Stoßlüftung eine weitere vorbeugende Komponente hinzu.

Klasse direkt hier Dedes Hendrix-angelehntes Wah-Wah-E-Gitarrenspiel mit Hilfe ihres Cry Baby Pedal-Effektgerätes, das sich als eines ihrer fortlaufenden Trademarks (für Nichtkenner der Band) herauskristallisierte, ebenso wie die mimisch-gesangliche Begleitung eines jeden ihrer Soli. Ein weiteres unabdingbares Musik-Utensil ist natürlich ihre Violine, passend zu ihrem gypsy-mäßigem Kleidungsstil an diesem Abend (dazu die gewohnten schwarzen fingerlosen Handschuhe), die dann beim folgenden Stomper „Vermillion Allure“ ihren ersten Einsatz fand.

Ihr Counterpart, Johnny Clark, der schon beim aktuellen Album „When Birds Were Snakes“ gefühlt etwas präsenter erscheint, durfte seine knochige Stimme zum ersten Mal am Ende von „Mudslide“ einbringen. Neben Leadgesangseinsätzen bei „Superlovely“, „Make That Double A Double“, „Alaska“ und der Merle Travis Country-Folk-Klassiker-Adaption von 1947 „16 Tons“ (im Wechselgesang mit Dede zum Abschluss des Hauptteils), beschränkte er sich überwiegend auf das Zuspiel mit seinen beiden Les Paul- und Stratocaster-E-Gitarren, wobei sein Faible für Creedence Clearwater Revival-typische Klänge öfter zum Ausdruck kamen. Aber auch das eine oder andere Solo (konventionell oder geslidet) ließ er sich natürlich nicht nehmen. Guter Mann!

Drummer Leon Toonen war die Freude, sein Hand-Fuß-Koordinierungsvermögen am Schlagzeug endlich wieder vor Publikum präsentieren zu können, am deutlichsten anzumerken, sein Gesicht strahlte über den gesamten Verlauf des Gigs, während sich sein immer sehr introvertiert wirkender Rhythmuskollege Ray Oostenrijk, lieber der hochkonzentrierten Tieftönerarbeit widmete.

Am Ende standen zwei tolle Parts (samt kurzer Zwischenpause) mit über 20 Songs zu Buche, wobei sich neben dem oben erwähnten Opener „Texas Hurricane“, noch die beiden balladesken Ohrwürmer „Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)“, „It’s Getting Late“ sowie der Titeltrack ihres ersten Albums „Flowers Under The Bridge“, der gegen Ende in eine wahre Wah-Wah-E-Gitarren-Orgie mündete und dem folkigen „Whisper & Whistle“ (Johnny mit Akustikgitarre und Dede an der Violine nur im Duett als erste von drei Zugaben), als meine persönlichen Favoriten eines hochwertigen Abends herauskristallisierten.

Schade, dass durch die Pandemie-bedingten Vorgaben samt der anfangs erwähnten Gemütlichkeit dem typischen Adler-Hexenkessel, der sich bei solch starken Gigs üblicherweise entwickelt, quasi ein imaginärer Riegel vorgeschoben wurde. Unter normalen Voraussetzungen hätte das texanisch-niederländische Quartett die Vierbaumer Kultstätte sicherlich im Sturm erobert.

So blieb es zunächst bei viel anerkennendem Applaus der zufriedenen Anwesenden und der Hoffnung, dass Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws demnächst mal vor voller Hütte samt brodelnder Atmosphäre, in unbeschwerten Zeiten, ihre Klasse offerieren können. Die Visitenkarte, die von der Band hinterlassen wurde, war jedenfalls auf ganzer Linie überzeugend.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
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Schwarzer Adler Rheinberg

Lukas Nelson & Promise Of The Real – A Few Stars Apart – CD-Review

cover Lukas Nelson Promise Of The Real 300

Review: Stephan Skolarski

In Zeiten fehlender gesellschaftlicher Harmonie sind es manchmal künstlerische Konzepte oder Kompositionen, die den Bedarf nach harmonischer Rückbesinnung und Bereicherung bewusst machen. Mit ihrem 8. Studio-Longplayer „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real den Versuch unternommen, die familiäre Geborgenheit und Wärme, die sie während der Corona-Zwangspause erfahren haben, zu bewahren.

Die teilweise pathetische Erzählkunst von Lukas Nelson wird zu Beginn in „Empires“ akustisch brillant dargeboten und offeriert den Einstieg in die Ausdrucksvielfalt eines hochtalentierten Songwriters. Die immer wiederkehrende Ohrwurmvitalität kommt im optimistischen Country Rocker „Perennial Bloom“ mit viel Eagles-Flair voll zur „Blüte“ und verleiht dem Album eine Bestnote. Dass die gefeierte Formation als nahezu schonungslose Tournee-Band fast 10 Jahre ununterbrochen ihre Road-Erfahrungen gesammelt hat, lässt die vom renommierten Dave Cobb im RCA-Studio in Nashville gefühlvoll beeinflusste Produktion erkennen.

Einen Abstecher in die Randbereiche klassischer Jim Croce-Songkunst unternimmt Lukas Nelson mit „Throwing Away Your Love“, poetisches Storytelling im Liebesliedgewand, das im folgenden Titelsong „A Few Stars Apart“ als melancholische Klavierballade vom eindringlichen Vocal-Part des Grammy Award Winners geprägt ist.

„A song is like a short story“, so Nelson und die besinnliche Faszination seiner Lyrics entfaltet ihre poetische Wirkung auch in langsamen Refrain-Passagen bei „No Reason“ und „Leave ‘Em Behind“, einem nicht weit von Neil Young angesiedelten Paradestück. Der Altmeister hat von Beginn an die Karriere der Band mit Begeisterung begleitet und diese als Backing-Band mit auf Tournee genommen. Zudem sind inzwischen 4 gemeinsame Produktionen entstanden.

Die berechtigte Erwartungshaltung auf einen lautstarken Rock-Kracher erfüllt die Band mit „Wildest Dreams“, herrlicher Tom Petty Style – pure Harmonie! Dieses als angenehm empfundene, melodische Klangbild kommt ebenso bei „More Than We Can Handle“ zum Einsatz, und wirkt – vielleicht zur Erinnerung an Harry Nilson – immer wieder modern old school.

In Anlehnung und aus Respekt vor der eigenen Familientradition (Willie Nelson), dem Lukas Nelson sicherlich auch zum Teil die erforderliche Veranlagung und Inspiration verdankt, enthält „A Few Stars Apart“ ebenfalls eindeutige Reminiszenzen. Daher runden „Hand Me A Light“ (eine typische Country-Walzer-Ballade im Duett mit Co-Autorin Rina Ford) und der Abschlusstrack „Smile“ die dauerhaft harmonische Wirkung der Scheibe ab.

Nicht selten ist die Dominanz eines talentierten Songschreibers ausschlaggebend für die Stilrichtung und den Erfolg einer Band, deren musikalische Resonanz und Ausdrucksstärke jedoch erst durch die Harmonie in der Gemeinschaft entsteht.

Mit ihrem neuen Album „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real dieses Harmoniebedürfnis „eingefangen“, musikalisch aufbereitet und wieder ein respektables Gesamtwerk geschaffen. Zwischen Country, Folk, Americana und Roots verbreiten 11 Songs eine Leichtigkeit und kreative Anziehungskraft, für diejenigen, die sich darauf einlassen und die liebevolle Poesie der Lyrics für sich als wichtig erachten.

Fantasy Records (2021)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. Empires
02. Perennial Bloom
03. Throwing Away Your Love
04. A Few Stars Apart
05. No Reason
06. Leave ‘Em Behind
07. Wildest Dreams
08. Giving You Away
09. Hand Me A Light
10. More Than We Can Handle
11. Smile

Lukas Nelson & Promise Of The Real
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The Marcus King Band – Soul Insight – CD-Review

cover The Marcus King Band - Soul Insight 300

Review: Stephan Skolarski

Das anhaltende Sammlerinteresse nach zusätzlichen Vinyleditionen bisheriger CD-Releases motiviert manche Band zur Wiederveröffentlichung (fast) vergriffener Longplayer. Diese erfreuliche Entwicklung erreichte auch den amerikanischen Singer/Songwriter und Gitarristen Marcus King, dessen Debut-Album nun als schwarze Doppel-LP wieder erhältlich ist.

Der damals erst 19-jährige Gitarren-Virtuose aus Greenville, South-Carolina, hatte im Oktober 2015 mit „Soul Insight“ einen grandiosen Einstand. Ein Werk, das stilübergreifend Southern Rock, Blues, Psychodelic-Jam-Improvisationen, Soul, Funk, Jazz und Country-Ansätze einfühlsam und explosiv verbindet. Die junge Formation war zuvor mit Marcus King (Lead Vocals, Slide Resonator Guitar), Jack Ryan (Drums), Anthony House (Bass) und Alex Abercrombie (Organ und Keys) Tournee Opener für Johnny Winter, die Foo Fighters und Gov’t Mule, deren Mastermind, Warren Haynes, die Band auf seinem Label zuerst unter Vertrag nahm.

Die sämtlich von Marcus King komponierten Songs reichen in ihren Dimensionen dementsprechend von Vorbild-Einflüssen der Allman Brothers („Boone“, „Keep Moving“) und Stevie Ray Vaughan („No Decency“), Gary Clark jr. („Dyin“) bis zu Warren Haynes himself („Always“); dabei werden zu den stets atemberaubenden Guitar-Passagen und Kings Südstaaten-akzentuierten Lead-Vocals starke Solo-Einlagen (Orgel, Saxophon und Bläser) arrangiert. Zwei Instrumentalstücke (u. a. „Booty Stank“) bilden den Southern-Psychodelic-Jam-Rock Anteil der Scheibe, die in modifizierten Soul/Jazz-Varianten Santana-Improvisationen einbezieht.

Der Versuch, das geniale Guitar-Phänomen Marcus King, auch als Performer und Produzenten, zu beschreiben, führt unweigerlich in eine familienbezogene, tiefgründig verwurzelte Musiktradition, die über frühkindliche Förderung und väterliche Vorbildfunktion wesentliche Grundsteine legte. So ist die Virtuosität des jungen Marcus King auf „Soul Insight“ bereits stilbildend und „electrifying“ und im Akustik-Country-Rock „I Won’t Be Here“ zum Abschluss des Albums nochmals „traditional classic“.

Im Rückblick auf einen inzwischen kometenhaften Aufstieg hat Marcus King mit seinem Debüt „Soul Insight“ alle damaligen Vorhersagen (siehe auch unser Review aus dem Jahr 2018) ausgiebig bestätigt. So auch die von Warren Haynes, seinem Mentor (2015) im Rolling Stone Magazin: „There’s this young guitar player singer from South-Carolina named Marcus King, who is starting to stir up quite a bit of dust, and I think the potential for his music is endless…..“. Eine Aussage, die der talentierte Guitarrissimo mit sprichwörtlicher Begeisterung erfüllt.

Fantasy Records (2021)
Stil: Southern Rock, Blues, Soul, Country

Tracks:
01. Always
02. Boone
03. Fraudulant Waffle
04. Honey
05. Dave’s Apparition Interlude
06. Everything
07. No Deceny
08. Dyin’
09. Booty Stank
10. Opie
11. Keep Moving
12. I Won’t Be Here

The Marcus King Band
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The Steel Woods – All Of Your Stones – CD-Review

cover The Steel Woods - All Of Your Stones 300

Review: Stephan Skolarski

Seit ihrem Debut-Album „Straw In The Wind“ (2017) ist die aus Nashville, Tennessee, stammende Formation The Steel Woods eine angesagte Hoffnung des Southern Rock. Vielfach zurecht gefeiert (siehe SoS-Konzert-Review 2019: Link), hat die Band nach „Old News“ (2019) ihren seit Januar angekündigten Longplayer „All Of Your Stones“ in bemerkenswerter Eigenproduktion vorgelegt.

Durch den plötzlichen Tod von Mitbegründer Jason „Rowdy“ Cope steht das neue Album jedoch wesentlich unter dem „State of Shock“. Der 42-jährige Songwriter und Gitarrist verstarb am 16.01.2021 wenige Tage vor dem ursprünglichen Release-Date von „All Of Your Stones“. Die Entscheidung, die LP aus Respekt vor Copes musikalischer Schaffenskraft nun zu veröffentlichen, wurde von der Band zusammen mit seiner Familie getroffen – in hoher Anerkennung seiner Visionen und Verantwortung für The Steel Woods.

Der von Jason Cope im Co-Writing verfasste Opener „Out Of The Blue“ ist insoweit ein starkes Southern Rock-Beispiel, ein Stück, das sein sprichwörtliches Durchhaltevermögen in Lyrics und Guitar-Work aufwühlend mitteilt. Diese intensive Stilrichtung aus Südstaaten Rock und Elementen des Outlaw-Country, Blues und Gospel kennzeichnet die vielseitige Independent-Kategorie der Band bereits seit ihren Anfängen. Die bluesige, gesangsbetonte Ballade „You Never Came Home“ charakterisiert das variantenreiche Songwriting und die Guitar-Power der Südstaatler, die mit dem eher ruhigeren Track „Run On Ahead“ eine starke Gesangs- und Akustik-Nummer abliefern.

Zu den Höhepunkten des Albums gehören die ergreifende Hymne „Ole Pale“, die fast wie eine „vorhersehbare“ Erinnerung an einen alten Kumpel schon im Vorjahr geschrieben wurde, sowie die Cover-Version des guten alten Lynyrd Skynyrd-Stücks „I Need You“, in besonders souliger Interpretation unter Beteiligung von Country-Sängerin Ashley Monroe. Zum Abschluss des Longplayers wird mit dem Titel-Song „All Of Your Stones“ nochmals die Wertschätzung der Band gegenüber Jason „Rowdy“ Cope mehr als deutlich – ein „unentirely tribute“ an den Band-prägenden Musiker. Auch Country-Rebell Jamey Johnson (Co-Autor des Titelsongs) – in dessen Band Cope fast 10 Jahre maßgeblich wirkte – nennt „Rowdy“ seinen Bruder: „As a guitarrist he was a force“.

„All Of Your Stones“ als optimistisches und nachdenkliches Werk in schwieriger Zeit auf den Weg zu bringen, erscheint in der tragischen Situation der Steel Woods auch als positives Sinnbild für die aufrechte musikalische Inspiration. Es bleibt zu hoffen, dass der herbe Verlust von Jason Cope eine emotionale Motivation bewirkt, um mit ihrem smarten Southern-Style ein neues Kapitel aufzuschlagen. „Keep the fire burning“!

Woods Music /Thirty Tigers (2021)
Stil: Southern-Rock, Country

Tracks:
01. Intro
02. Out Of The Blue
03. You’re Cold
04. You Never Came Home
05. Ole Pal
06. I Need You (feat. Ashley Monroe)
07. Run On Ahead
08. Baby Slow Down
09. Aiming For You
10. All Of Your Stones

The Steel Woods
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