When Rivers Meet – We Fly Free – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Das britische Newcomer-Ehepaar Grace und Aaron Bond ist erst seit 2019 im Geschäft und hatte bereits im letzten Jahr mit ihrem Kurzwerk EP „The Uprising EP“ in der heimischen Blues-Szene für mächtig Wirbel gesorgt, so dass bereits im Mai 2020 eine weitere EP mit dem Titel „Innocence Of Youth“ folgte. Und nun erscheint ihr erstes „komplettes“ Debüt-Album „We Fly Free“.

Im Vergleich zu den beiden Vorgängern hinterlässt die neue Scheibe einen über weite Strecken eher düstereren Klangeindruck, wobei die Vorliebe der beiden zu klassischem Rock eindeutig zum Vorschein kommt. Mit ihrer klaren Alt-Stimme setzt Grace Bond im Leadgesang immer wieder wirkungsvolle Kontraste zu den ansonsten oftmals mächtigen Gitarrenriffs, die ihr Mann Aaron an der Leadgitarre, unterstützt von Adam Bowers am Bass, hervorzaubert.

Er selbst hält sich dabei gesanglich zurück und ist nur auf wenigen Stücken als Leadsänger zu hören (z. B. „Take Me To The River“). Graces wundervolle Lead-Stimme kommt am besten in den etwas ruhigeren, nicht so bombastisch klingenden Tracks, bzw. Passagen zur Geltung. „I’d Have Fallen“, ein ruhiger Song mit nachdenklich stimmenden Lyrics und Violinenunterstützung ist so ein Beispiel dafür oder auch das ruhige „I Will Fight“ mit bluesigem Slidegitarrenintro, Harmoniegesängen und rhythmusstiftendem Klavierspiel im Hintergrund.

Auch in „Friend Of Mine“ kann Grace ihr Sangeskünste und stimmliche Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis stellten. Es ist ein eher in die traditionelle Richtung weisender Blues mit Cigarbox- und Slidegitarreneinlagen. Dies sind auch die mit Abstand gelungensten Nummern auf der Scheibe.

Ansonsten rockt die Scheibe mächtig und die zahlreichen Slidegitarrenriffs verleihen den Songs eine besondere Note, z. B. in „Did I Break The Law“ (fetter Bass und energiegeladener Rhythmus), im schweißtreibenden „Battleground“, in „Kissing The Sky“ (Slide-Mandoline und Hammondorgel im Stil der 70’er Jahre) oder auch in dem Rocker „Take Me To the River“. Melodiös-gemächlich startet „Bound For Nowhere“ und wechselt sich im weiteren Verlauf immer wieder mit temporeichen Passagen ab.

Nach eigenem Bekunden liebt das Ehepaar Bond Harmoniegesänge, beispielsweise zu hören in „Walking On The Wire“ oder dem gefühlvollen und zum Träumen einladenden Akustik-Gitarren-Blues „Bury My Body“. Neben dem langsam daher rollenden „Breaker of Chains“ mit Americana-Attitude ist dies auch der wirklich einzige Song auf der Scheibe, der sich klar dem Blues zuordnen lässt.

Mit dem Titelsong „We Fly Free“ findet das Album dann nach gut 40 Minuten einen rockigen Abschluss. Ein fetziges Schlagzeugintro, Graces Gesang kombiniert mit unterschiedliche Tempi erzeugen Spannung und Kontraste, die es noch einmal richtig hoch her gehen lassen.

Bemerkenswert an dem Werk ist, dass Grace Bond mit einer Slide-Resonator-Mandoline und einer Violine für zusätzliche, ungewöhnliche Akzente sorgt. Schade nur, dass Hammond-Orgel, Klavier und Slide-Mandoline angesichts der mächtigen Gitarrenriffs oftmals übertönt werden und dadurch unnötigerweise in den Hintergrund treten. Da wird aus meiner Sicht viel Potential verschenkt. Trotzdem sorgt alles zusammengenommen für einen fetten Sound mit Alleinstellungsmerkmal.

Insgesamt gesehen ist das Album wohl eher dem Rock/Alternative Rock mit bluesigen Einflüssen zuzurechnen. In die Schublade „Blues“ passt die Scheibe nicht so wirklich hinein. Trotzdem oder gerade auch deshalb ist das Teil sicherlich für Leute interessant, die deftigere Töne bevorzugen.

One Road Records (2020)
Stil: Rock/Alternative Rock/Blues

Tracklist:
01. Did I Break The Law
02. Bound For Nowhere
03. Walking On The Wire
04. I’d Have Fallen
05. Battleground
06. Kissing The Sky
07. Breaker Of Chains
08. I Will Fight
09. Bury My Body
10. Take Me To The River
11. Friend Of Mine
12. We Fly Free

When Rivers Meet
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Another Dimension

Lee Brice – Hey World – CD-Review

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Mit seiner Hitsingle „A Woman Like You“ oder spätestens mit dem Nr. 1-Album „I Don’t Dance“, ist Lee Brice in der Gilde von Nashvilles Premium-Interpreten angekommen. Im Prinzip haben aber alle seine vier bisherigen Werke mit Plätzen unter den Top-10 glänzen können.

Der ehemalige Footballer hat (wenn auch eher gezwungener Maßen durch eine Verletzung) mit  der Entscheidung, ins Musikbusiness umzuswitchen und sich auf seine dortigen Fähigkeiten zu konzentrieren, alles richtig gemacht.

Dass Brice, der zunächst eher mit Kompositionen für Jason Aldean oder Garth Brooks auf sich aufmerksam gemacht hatte, ein richtig Guter ist, wusste man dann schon nach seinen ersten Stücken vom Debüt.

Für sein fünftes Werk „Hey World“ liefert er mit satten 15 Tracks wieder die volle Breitseite an modernem und erfolgreichem New Country Mainstream, und weiß dabei voll zu überzeugen. Angenehm ist hier besonders, dass bei Brice nicht, wie bei vielen Künstler in seiner Kategorie, die offensichtliche Gewinnmaximierung  in Richtung Pop- und Countrycharts zugleich, an erster Stelle steht, sondern zunächst die Songqualität als entscheidender Faktor im Raume stehen gelassen wird, frei nach dem Motto, der Rest kommt dann gegebenenfalls von alleine.

„Hey World“ ist einfach der nächste Schritt in meinem Leben. Wo ich bin, wer ich bin, was ich liebe, was ich fühle, von den Songs über die Produktion bis zur Reihenfolge der Stücke, mein Ziel war es immer, besser und besser zu werden, in dem, was ich tue – und das wird auch immer mein Ziel sein. Abgesehen von meiner Familie, meiner Frau und meinen Freunden, ist die Musik der Ort, an dem ich am wahrhaftigsten bin,“ fasst Brice seine momentane Gefühlswelt in Corona-Zeiten zusammen.

Und er bringt auf „Hey World“ wieder sehr gekonnt knackige New Countrytracks wie den fluffigen Opener „Atta Boy“, die launig süffigen Mitgröler „“More Beer“ und „If You“, das stadiontaugliche „Good Ol‘ Boys“ (tolles Southern E-Solo), das traditionell gehaltene „Country Knows“ (mit Steel und Dobro), mit ein paar anschmiegsamen Balladen wie „Memory I Don’t Mess With“ (herrlicher Ohrwurm!), „Save The Roses“ (Marke Bon Jovi), „Lies“ (kammermusikartig) und einigen geschmackvollen soul-poppigen Sachen der Marke Marc Broussard („Don’t Need No Reason“, „Do Not Disturb“, „Hey World„), nahezu perfekt ins richtige Lot.

Dazu bekommt man noch das herrlich tanzbare „Soul“ (also, wer da keinen sofortigen Bewegungsdrang verspürt, ist vermutlich nicht mehr unter den Lebenden oder ein wirklich unverbesserlicher Tanzmuffel….),  die ausgekoppelte Erfolgssingle „One Of Them Girls“ (eine wunderbare Hommage an alleinerziehende Powerfrauen – siehe Video) und das schöne pettyeske Duett mit Carly Pearce, „I Hope You’re Happy Now„, das auch schon im Februar auf ihrem Album im Februar platziert gewesen ist.

Und wenn er in diesen Zeiten beim abschließenden nachdenklichen Titelsong „Hey World, leave me alone, don’t call me up today, I won’t be picking up the phone“ mit seiner Wahnsinnsstimme inbrünstig heraussingt und mit den Worten „bei all den Dingen, die derzeit auf der Welt passieren und bei der Geschwindigkeit, die wir als Gesellschaft an den Tag legen, wünscht man sich manchmal, dass alles mal stoppt – einfach um schätzen zu lernen, was man hat, die Leute leiden und das kann man einfach nicht ignorieren”, vieles Heutige genau auf den Punkt bringt, nimmt man das dem Protagonisten auch so ab.

Insgesamt somit ein New Country-Album der Premium-Klasse in allen Belangen, nicht zu vergessen auch die tolle Instrumentierung (besonders die Gitarristen glänzen mit vielen kleinen Feinheiten). In der Tat, Lee Brice wird seinem Anspruch, immer besser und besser zu werden, auf „Hey World“, absolut gerecht. Wenn er mir zuhören könnte, würde ich ihm jetzt glatt zurufen: Hey Lee Brice, Gratulation, saustarke Scheibe!

Curb Records (2020)
Stil: New Country

01. Atta Boy
02. One Of Them Girls
03. More Beer
04. Memory I Don’t Mess With
05. Save The Roses
06. Good Ol‘ Boys
07. Don’t Need No Reason
08. Do Not Disturb
09. Soul
10. Sons and Daughters
11. Country Knows
12. Lies
13. If You
14. I Hope You’re Happy Now
15. Hey World (featuring Blessing Offor)

Lee Brice
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Lime Tree Music

The Bluesbones – Live On Stage – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Ende 2019 fasste die belgische Blues Rock Band den Entschluss, ein Livealbum aufzunehmen und es anschließend auf einer Tour zu promoten. Das Material war eingespielt und dann kam jäh die Corona-Pandemie, und wie die meisten Tourneen, wurde auch die der Bluesbones abgesagt. Nichtsdestotrotz wurde das Album weiter produziert, und so haben die Fans wenigstens das Lifefeeling, der kurz vor dem Lockdown eingespielten Songs.

Alle 12 Stücke sind Eigenkompositionen und haben eine rockigen Einschlag, zum Teil mit psychedelischen Einflüssen, ohne dabei das Grundgerüst des Blues zu verlieren. Das 2018 veröffentlichte Studioalbum „Chasing Shadows“ stellt hier den überwiegenden Anteil der Songs. Lediglich 3 Stücke sind älteren Datums, wobei der Begriff ‚alt‘ relativ gesehen werden muss, denn das erste Studioalbum „Voodoo Guitar“ ist ja gerade erstmal vor acht Jahren veröffentlicht worden.

Der Opener „Find My Way Out“ zeigt in seiner progressiven Heterogenität die Bandbreite der Band. Nico de Cock mit einem klaren zuweilen psychedelischen Gesang steht zunächst im Mittelpunkt, wobei im späteren Verlauf auch Jens Roelandt mit einem kurzen Drumintermezzo und Stef Paglia mit einem auch in den Southern Rock passenden Solo glänzen können. Dazu setzt Edwin Risbourg mit seinem Orgelspiel prägende Elemente in dem vollen Sound.

Mit „The End“ gibt dann eindeutig der Blues den Ton an. In diesem eher ruhigen Stück setzt das Piano die quirligen Elemente und im ruhigen Zwischenteil zeigen Geert Boeckx am Bass und Stef Paglia an der Gitarre, dass sie auch Meister des Jammens sind, wobei nach und nach auch die anderen Musiker einsteigen, um in einem kurzen gemeinsamen Finale Furioso zu enden, bevor mit dem einsetzenden Gesang die Grundstruktur des Songs wiedergefunden wird.

Im klassischen Bluesstil hier mit den Keyboards asl Führung geht es mit dem „Demon Blues“ weiter. Ein sehr gefühlvolles Stück, in dem auch der ausdrucksstarke Gesang De Cocks zur Geltung kommt, da die anderen Musiker ihre Instrumente eher dezent einsetzen. Bei „Going Down“ wird der Sound, wie die Stimme De Cocks etwas rauher. Ein in weiten Teilen fast erzählend vorgetragenes Stück, das auch in die Titty Twister Bar in „Dust Till Dawn“ gepasst hätte, was hier als Kompliment zu verstehen ist.

Gefühlsmäßig setzt „Better Life“ einen absoluten Kontrast zum vorherigen Song. Rasant, spielfreudig, wird passend zum Titel Lebensfreude ausgedrückt.
An „The Witchdoctor“ werden erneut Freunde des Jams ihren Spaß haben. Neben den in fast allen Stücken im Vordergrund spielenden Stef Paglia und Edwin Risbourg, überzeugt hier auch Geert Boeckx mit einem starken Basssolo.

Nach den furiosen Vorsongs wird es mit dem bluesigen „Betrayal“ wieder ruhiger und der Hörer wird quasi eingestimmt auf das melancholische „Sealed Souls“. Eine ganz starke Ballade mit einem fast epischen Gitarrensolo zum Ende hin. Ein absoluter Höhepunkt in einem durchweg gelungenen Album. In „Romance For Rent“ wird wieder der Fuß von der Bremse genommen. Ein rockiges Stück mit einem durchaus tanzfähigen Rhythmus und einprägsamen Refrain, in dem Edwin Risbourg an der Orgel erneut starke Akzente setzt.

Mit „Cruisin’“ wird Speed aufgenommen. Ein ZZ Top-affines Intro und dann Augen zu, aufs Moped und dann mit Tex-Blues Rock den Highway runterrasen.
Ähnlich geht es mit „Psycho Mind“ weiter, wobei passend zum Titel, insbesondere durch die Orgel, noch einmal eine psychedelische Priese eingehaucht wird und der Song zum Ende hin einen sehr progressiven Charakter gewinnt.

Den Schlusspunkt setzt „Whiskey Drinking Woman“, das im klassischen Bluesrhythmus beginnt, wo De Cock noch einmal offeriert, dass er den Blues in der Stimme hat. Damit es in dem knapp 11 minütigen Song nicht langweilig wird, wir zuweilen fast jazzig gejammt und insbesondere in den ruhigeren Passagen beherrschen die Musiker ihre Instrumente auf den Punkt.

Mit „On Stage“ ist es den Bluesbones gelungen, die Livemusik in dieser momentanen pandemiebedingten Stille zumindest als Konserve in die Wohnzimmer zu transportieren. Auf jedem Fall ist klar, dass es sich bei den ihnen um eine starke Liveband handelt, wobei das Album auch als Apethizer für folgende Tourneen oder ein Studioalbum gesehen werden kann. Dies auch in der Hoffnung, um beim Titel des Albums zu bleiben, dass es möglichst bald wieder dazu kommt, solches Livefeeling als Besucher ‚on Stage‘ zu erleben.

Line-up:
Nico De Cock: Lead Vocals
Stef Paglia: Guitar & Backing Vocals
Edwin Risbourg: Hammond Organ, Rhodes & Backing Vocals
Geert Boeckx: Bass
Jens Roelandt: Drums

Donor Productions (2020)
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Find My Way Out
02. The End
03. Demon Blues
04. Going Down
05. Better Life
06. The Witchdoctor
07. Betrayal
08. Sealed Souls
09. Romance For Rent
10. Cruisin'(FCC Warning)
11. Psycho Mind
12. Whiskey Drinking Woman

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Donor Productions

Ward Davis – Black Cats And Crows – CD-Review

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Review: Michael Segets

2020 wird als Pandemie-Jahr in die Annalen eingehen. Die Musiker, Veranstalter, Tontechniker und alle Leute, die von Konzerten und Live-Auftritten leben, hat es besonders hart getroffen. Dennoch war das Jahr musikalisch kein Ausfall, denn einige gute Scheiben haben das Licht der Welt erblickt. Vor allem im Americana meldeten sich alte Bekannte und neue Künstler mit gelungenen Werken zu Wort. In diese Reihe gliedert sich nun auch „Black Cats And Crows“ von Ward Davis ein.

Auf seinem dritten Album bestätigt Davis seinen Ruf als außerordentlicher Songwriter, der bereits Stücke für Willie Nelson und Merle Haggard komponierte. Seine Stärke liegt darin, ehrlich wirkende Texte zu verfassen, in denen sich der Hörer wiederfindet. Die Musik dient Davis als Bewältigungsmöglichkeit, sodass häufig persönliche Erfahrungen in ihr verarbeitet werden. Dennoch hofft er, dass seine Lieder auch für sein Publikum bedeutsam sind. Tatsächlich ermöglichen seine Songs in sie einzutauchen und sich mit deren Stimmungen zu identifizieren.

„Heaven Had A Hand“ stellt einen Song dar, zu dem Davis eine enge biographische Bindung hat. Ebenfalls autobiographisch geprägt ist „Get To Work Whiskey“. Das Stück fängt den Moment ein, als ihn seine Frau vor die Tür setzte und wurde unmittelbar im Anschluss an diese Situation entworfen. Der Einfluss des Country kommt hier deutlich zum Vorschein.

Dieser scheint ebenso bei anderen Tracks („Threads”, „Where I Learned To Live”) durch, was zum großen Teil der Geige oder dem Slide geschuldet ist. Ebenfalls auf dieser Linie liegt „Nobody”. Shawn Camp hat an der Entstehung dieses feinen Tracks mitgewirkt.

Bei anderen Stücken holte sich Davis weitere Unterstützung durch renommierte Kollegen. Cody Jinks arbeitete an „Colorado“ und „Black Cats And Crows” mit. Beim Titelstück war ebenfalls Tennessee Jet beteiligt. Der Song gehört mit seiner besonderen Dynamik wie der rockige Opener „Ain’t Gonna Be Today“, mitverfasst von Kendell Marvel, zu den Highlights des Albums.

Hervorragend ist „Sounds Of Chains”, dessen staubige Atmosphäre mit einem trockenen Schlagzeug unterlegt wird. Die kräftige Gitarre von Scott Ian (Anthrax) katapultiert den Song dann endgültig an die Spitzenposition des Werks. Unter den ruhigen Titeln entwickelt „Book Of Matches” mit relativ einfachen Mitteln eine hohe Intensität.

Davis begleitet mehrere Songs auf dem Klavier. So lässt er das Album mit zwei Balladen ausklingen („Good To Say Goodbye“, „Good And Drunk“), auf denen dem Piano eine führende Funktion zukommt. Auch das Alabama-Stück „Lady Down On Love” wird von dem Klavierspiel getragen. Mit dem bluesigen „Papa And Mama”, das von Ray Scott stammt, findet sich ein zweites Cover unter den vierzehn Tracks.

Ward Davis schreibt tolle Songs. Vor allem der Anfang von „Black Cats And Crows“ besticht zudem durch seinen Abwechslungsreichtum. Im zweiten Teil der CD sind unter den Balladen einige Perlen aufzuspüren, eine Tempovariation hätte dem Werk dort vielleicht gutgetan. Dies schmälert aber nicht den positiven Gesamteindruck, den Davis mit seinem dritten Album hinterlässt.

Ward Davis Music – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. Ain’t Gonna Be Today
02. Black Cats And Crows
03. Threads
04. Sounds Of Chains
05. Get To Work Whiskey
06. Colorado
07. Book Of Matches
08. Heaven Had A Hand
09. Where I Learned To Live
10. Papa And Mama
11. Lady Down On Love
12. Nobody
13. Good To Say Goodbye
14. Good And Drunk

Ward Davis
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Billy J – Rise Above – CD-Review

BillyJ

Billy J wird bei uns, da bin ich mir relativ sicher, ein absolut unbeschriebenes Blatt sein. Der ursprünglich aus Philadelphia stammende Musiker, hat sein Handlungsspektrum aber mittlerweile in den Süden Floridas und das sich dort anschließende Key West verlegt.

Nun stellt er mit „Rise Above“ seinen Erstling vor, der vom dem uns bekannten New Yorker Dave Fields (dessen aktuelle CD „Force Of Will“ hatten wir ja vor kurzem erst besprochen) live im Studio produziert und teilweise auch musikalisch begleitet wurde (Piano, Slide-Gitarre beim Titelstück „Rise Above“ und Backing vocals).

Mit Charlie Wooten (Royal Southern Brotherhood), Todd Smallie (Derek Trucks Band, JJ Grey & Mofro) sowie Yonrico Scott (Derek Trucks Band) sind weitere gestandene Kollegen mit am Werk beteiligt.

Angepriesen wird Billy J als „rising star in the long tradition of the working man blues-rock Americana artists“. Weiter heißt es: „His combination of guitar wizardry, power vocals and great songwriting will rock the blues rock world“.

Und in der Tat hat der Protagonist bis auf „Cats In The Cradle“ (Harry Chapin) alle Tracks selbst verfasst. Auch seine Gitarrenkünste sind wirklich stark und machen sein Debüt zu einer richtig tollen Southern Rock-Scheibe. Lediglich beim irgendwie nicht zu den Stücken passen wollenden Gesang (aus meiner Sicht), muss ich widersprechen. Hier liegt für mich persönlich dann allerdings leider auch das Manko des Silberlings, da es sich ja um ein fortlaufendes Element handelt.

Nicht auszurechnen, wenn Billy auch noch ein Charakterorgan im Stile der großen Southern Rock-Fronter haben würde, dann wäre es ein neues Klassewerk des Genres geworden. Ich kann allerdings verstehen, dass man bei einer Solokarriere halt auch am Mikro im Rampenlicht stehen möchte. Aber vielleicht ist ja nicht jeder in diesem Bezug so empfindlich wie unser Einer.

Musikalisch kann sich alles wirklich mehr als sehen lassen, Allman Brothers, frühe Molly Hatchet (zu Zeiten ihrer ersten beiden Alben), Skynyrd und alles, was SR-Fans gerne hören (mit viel E-Gitarre, quirligen Soli und gut dosierten Keys) lässt sich als Bezüge aus den Tracks heraushören. Die beiden ruhigeren Lieder „Rise Above“ (schönes countryeskes Frontporch-Flair) und „She“ sind mit einer prägnanten Akustikgitarre verziert. „New Car“ kommt dazu noch als kraftvoller Slow Blues der Marke Aynsley Lister.

Etwas aus dem Rahmen fällt vielleicht noch das leicht Reggae-versetzte stampfige „Push Push“ mit Steel Drum-Einlagen von J. Robert, der ab und zu auch mal die Fiddle einfließen lässt (u. a. bei „Rise Above“).

Ansonsten bietet Billy J viele flotte Stücke mit powernden Southern Rock-Grooves, und, wie gesagt, starker E-Gitarre in Hülle und Fülle. Von daher sollten Southern- und Blues Rock-Liebhaber diesem Newcomer auf jeden Fall mal eine Chance auf’s Gehör gönnen.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. She’s Mine
02. Sweaty Melons
03. Rise Above
04. Line ‚Em Up
05. New Car
06. Cats In The Cradle
07. She
08. Push Push
09. My Baby’s Blue
10. Boomerang

Billy J
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Casey James – If You Don‘t Know By Now – CD-Review

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Casey James war bereits mit seinem gleichnamigen 2012‘er Debutalbum bei uns im Sounds of Sounds-Magazin zu Gast und erntete damals höchstes Lob für sein Erstlingswerk. 2017 beschritt Casey James dann nach seiner Trennung von Sony neue musikalische Wege und veröffentlichte sein vielbeachtetes Bluesalbum „Strip It Down“. Drei Jahre später erscheint nun sein jüngstes Werk „If You Don‘t Know By Now“, in dem er seine musikalische Erkundung des Blues fortsetzt.

Stilistisch schwingen die vierzehn Songs des Album zwischen knallhartem Blues Rock, etwas Boogie-Woogie und eingängigen Bluesnummern. Kennzeichnend für seinen Sound ist auf jeden Fall, dass in fast allen Stücken eine starke Bläserunterfraktion, bestehend aus Saxophon, Trompete und auch Posaune, mal unterstützend, mal tragend zu hören ist. Mancher Track erhält dadurch auch einen leichten soulig/funkigen bis jazzigen Anstrich. Langeweile ist beim Hören also ausgeschlossen, dafür ist aber Abwechslung garantiert.

Gleich der erste Song des Albums „Live Life“ ist weniger eine Bluesnummer als vielmehr ein funkig-rockiger und durch die Bläser teilweise Erinnerungen an „Blood, Sweet And Tears“ hervorrufender Titel mit leicht jazzigen Einflüssen. Das folgende „Shake Some Salt“ kommt gänzlich ohne die Bläser aus und richtet sich mit seiner teilweise wabernden Keyboarduntermalung und seinen harten Riffs eher an die Freunde rockig-bombastischer Arrangements.

Ein echter Schunkler in fetziger Boogie-Woogie Manier ist dann „Girl‘s Got Something“. Auch in „Real“ bringt ein treibender Rhythmus, immer wieder durch kurze Pausen unterbrochen, das Stück mit seinen wiederkehrenden Gitarrenriffs und souligen Background Vocals mächtig voran, während „Don‘t Break A Heart“ wieder an das rock’n’rollige „Girl’s Got Something“ anknüpft.

Nach soviel harten und flotten Tönen fährt der lockige Texaner nun in einigen Songs das Tempo deutlich runter, sodass es in der zweiten Hälfte der CD über weite Strecken ruhiger wird. „Here To Please“ ist so ein Beispiel dafür. Der düstere Slowblues mit dezenten Bläsersätzen und leicht sphärischen, mitunter auch verhallten Gitarren, lässt den Zuhörer das Verlangen, das dieser Song ausdrückt, fast körperlich spüren.

„If You Don’t Know By Now“ beginnt mit kristallklarer Leadgitarre und dezentem Fingerschnipsen, bevor sich die Drums dazugesellen und sich das Stück sparsam mit mehreren Tempowechseln weiterentwickelt, um endlich abrupt zu enden, dann aber nach einem Break die Eingangsriffs nochmals aufgreift und doch noch zu einem ruhigen Ausklang kommt.

Mit „Wish Me Luck“ folgt wieder ein geruhsamer Blues mit einem leicht mystisch klingendem Intro, wohl dosierter Bläserunterstützung und Keyboards im Background. In die gleiche Richtung geht auch „Be Mine“, ohne jedoch diesen leicht mystischen Touch aufzuweisen.

Das ungewöhnlichste Stück auf der Scheibe ist sicherlich das konfus wirkende „Come On Saturday Night“. Mit dem gleich zu Beginn einsetzendem Schlagzeug, einem wild gespielten Saxophon und hektischen Bläsern, könnte die Nummer glatt als Freejazz durchgehen, wenn Casey Jamess Gesangseinlagen nicht immer wieder ein Gefühl der Harmonie vermitteln würden.

Im Gegensatz dazu schleicht sich das bluesig schmeichelnde „Nothing But Time“ mit langsamen Rumbatakten in die Gehörgänge, angereichert mit Country/Folk-Einflüssen. Einfach zum Dahinschmelzen! Melodisch, zumindest zu Anfang, geht es auch mit dem behäbig dahinfließenden „A Better Place“ solange weiter, bis mächtige Riffs den Song dominieren, um schließlich wieder von der eingängigen Intromelodie abgelöst zu werden und dann langsam, leicht verhallt mit dezenten Backgroundstimmen, das Stück ausklingen zu lassen.

„Faith“ und „(More) Faith“ bilden den Abschluss des rundherum gelungenen Albums. Während „Faith“ ein langsames und sphärisches Stück mit leicht verhallter Slidegitarre ist, das wunderbar mit den von Casey James ruhiger Stimme vorgetragenen Lyrics harmoniert, ist „(More) Faith“ die rockig-abgedrehte Fortsetzung des ersten Teils mit jaulenden und flirrenden Gitarreneinlagen und sägenden Riffs.

Mit „If You Don‘t Know By Now“ hat Casey James ein abwechslungsreiches Album vorgelegt, auf dem er sich als melodischer Gitarrist und Songschreiber mit ausdrucksstarker Stimme beweist. In meinen Augen ist es eine DER Scheiben diesen Jahres und sollte in keinem Plattenschrank fehlen, daher absolute Kaufempfehlung.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues Rock

01. Live Life
02. Shake Some Salt
03. Girl‘s Got Something
04. Real
05. Don‘t Break A Heart
06. Here To Please
07. If You Don‘t Know By Now
08. Wish Me Luck
09. Be Mine
10. Come On Saturday Night
11. Nothin But Time
12. A Better Place
13. Faith
14. (More) Fait

Casey James
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Two Side Moon Promotions

Josh Abbott Band – The Highway Kind – CD-Review

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Seit Josh Abbott und seine Band 2008 die Red Dirt-Szene, quasi in ihrer Blütezeit, als die Newcomer gefühlt alle paar Wochen aus dem Boden gesprossen sind (die Zeiten scheinen mittlerweile allerdings längst vorbei zu sein), betreten hatte, sind er und seine Mannen spätestens mit dem dem herrlichen „She’s Like Texas„-Album (wir erinnern uns z. B. an das wunderschöne „Oh Tonight“ mit Kacey Musgraves als Harmoniegesangspartnerin), neben Acts wie die Randy Rogers Band, Wade Bowen, Casey Donahew  oder der Eli Young Band, bis heute, zu einer der festen Größen im Genre avanciert.

Nun legt er mit seinen Bandkollegen Preston Wait (fiddle, electric guitar), Edward Villanueva (drums), James Hertless (bass), Caleb Keeter (electric guitar), Austin Davis (banjo), David Fralin (Keyboards) mit „The Highway Kind“ seinen sechsten Longplayer hin (erneut auf dem bandeigenen Label Pretty Damn Tough Records).

Und ich kann den Worten des Bandleaders “The „Highway Kind“ is the album I wish we had put out seven years ago. The lyrics, the melodies, the subtle touches; this album is the very best effort from our group“, nur beipflichten – eine Hammerscheibe, vom Eagles-mäßig dahinrauschenden Titelsong (geschrieben von Erik Dylan, Jon Randall und Troy Cartwright) bis hin zum finalen grassig-beschwingten „Old Men & Rain“ (tolle musikalisch respektvolle Verneigung von Abbott der alten Generation gegenüber)!

Auch die anderen acht Stücke wissen zwischen eingängigem, sehr melodischen Country und kleinen southern-geprägten Country Rock-Ausflügen („Where I Wanna Be“ – da wo das Bier kalt ist und die Mädels hübsch sind…) “ das in Chris Cagle-Manier Marke „Country By The Grace Of God“, „The Chicks Dig It“ & Co. abgehende „24-7-365“  (aus der Feder von Jon Pardi), ausnahmslos zu überzeugen.

Ob vom Mädel, das wirklich gut ist, im, den Teufel um sich scheren zu lassen („Real Damn Good“), die Danksagung an die Ehegattin, die Abbott selbstlos den Rücken stärkt („Settle Me Down“), das  Poco-angehauchte „The Luckiest“ (erinnert ein bisschen an „Rose Of Cimarron“), das Marke Eli Young Band gestrickte „Little More You“ (mit Hitpotential), nicht zu vergessen die beiden schönen „One More Two Steps“ (ein Line Dance-Paradesong mit so einem Endlosspielcharakter und Raum für viele Instrumental-Soli) und „Women & Wishes“ (wieder radiotauglich) – alles passt wie aus einem Guss, gleich einem perfekt geschrieben musikalischen Drehbuch.

Josh Abbott und seine Bandkumpanen (die sich wieder allesamt toll mit ihren Instrumenten einbringen, mit dabei auch wieder diverse starke weibliche Harmoniegesänge) ist mit dem von Marshall Altman (Marc Broussard, Frankie Ballard, Aaron Watson) produzierten „The Highway Kind“, ein wunderbares Country-Audio-Road-Movie mit vielen kleinen abwechslungsreichen Stationen gelungen, das ähnlich stimmungsvoll rüberkommt, wie das schön eingefangene Covertitelbild. In der Tat mit sein bestes Werk – da kann man wirklich nur eine dicke Kaufempfehlung mit auf den Highway geben.

Pretty Damn Tough Records, 2020 
Stil: Red Dirt

Tracklist:
01.The Highway Kind
02. Real Damn Good
03.Where I Wanna Be
04.Settle Me Down
05. The Luckiest
06. Little More You
07. 24-7-365
08. One More Two Steps
09. Women & Wishes
10. Old Men & Rain

Josh Abbott Band
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Shore Fire Media

Chris Stapleton – Starting Over – CD-Review

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Review: Michael Segets

Chris Stapleton kann als der Shooting Star des New Country bezeichnet werden. Seit seinem Solo-Debüt „Traveller“ (2015) folgten zwei Alben, die ebenso Spitzenpositionen in den amerikanischen Charts aufwiesen. Auch viele seiner Singles erreichten Gold- oder Platinstatus. Grammy-Auszeichnungen und weitere Ehrungen folgten auf dem Fuß. Mit „Starting Over“ legt Stapleton nun einen Longplayer vor, der durchaus das Potential hat, erneut die Hitlisten zu stürmen. Der Titeltrack als erste Single stieß in der Country-Kategorie bereits in die Top 10 vor.

Angesichts der Erfolgswelle, auf der der in Kentucky geborene Stapleton schwimmt, besteht für ihn kein Grund, einen Neustart vorzunehmen. Der Titel der aktuellen Scheibe sollte daher nicht so interpretiert werden, dass Stapleton nun eine völlig neue Richtung einschlägt. Stattdessen konzentriert er sich weiterhin auf seine Qualitäten als Songwriter und zeigt sich dabei äußerst flexibel, wenn Country, Blues, Rock und Soul auf seinem Werk verschmelzen.

Das Album wird von eher langsameren Titeln dominiert. Stapleton streut aber an den richtigen Stellen fetzige Nummern ein, wie den Blues Rock „Devil Always Made Me Think Twice“ oder den Country-Rock-Kracher „Arkansas“. Auch das starke „Watch You Burn” kommt mit stampfendem Rhythmus und rauem Gesang rockig daher. Schließlich setzt dort der All Voices Chor ein und führt das Stück zu seinem fulminanten Abschluss. Stapleton schrieb den Song in Kooperation mit Mike Campbell. Der Gitarrist der Hearbreakers, der Band von Tom Petty, bringt seine Kunst an den Saiten mehrfach ein. Dabei setzt seine E-Gitarre – egal ob wuchtig („Whiskey Sunrise“) oder filigran („Joy Of My Life“) – stets Akzente, die die Stücke nochmals aufwerten.

Mit von der Partie ist auch ein weiterer Heartbreaker, Benmont Tench, dessen Orgel vor allem bei „Maggie’s Song“ hervorsticht. Der harmonische Track mit eingängigem Refrain wird von Stapletons Frau Morgane im Background begleitet. Die femininen Harmonien beeindrucken besonders bei „Old Friends“. Der Song stammt ebenso wie „Worry B Gone“ von Guy Clark. Unter den vierzehn Titeln findet sich noch eine Cover-Version von John Fogertys „Joy Of My Life“.

Bei den Eigenkompositionen schlägt Stapleton mal bluesige Töne an, wie bei der zweiten Single „Cold“, die gegen Ende orchestrale Ausmaße annimmt, und mal soulige, die beim radiotauglichen Midtempo-Song „You Should Probably Leave“ schon fast poppige Regionen erreichen. In den meisten Beiträgen scheint aber Stapletons Affinität zum Country durch, so bei den Balladen „When I’m With You“ und „Nashville, TN“. Für den entsprechenden Flair sorgt Paul Franklin an der Pedal Steel.

Der mittlerweile nach Tennessee übergesiedelte Stapleton setzt mit dem dunklen „Hillbilly Blood“ ein Highlight. Intensiver Gesang und hervorragende Rhythmusarbeit durch seine bewährten Mitstreiter J. T. Cure (Bass) und Derek Mixon (Schlagzeug) zaubern einen atmosphärisch dichten Song.

Das wiederum von Dave Cobb produzierte „Starting Over“ verspricht die Erfolgsserie von Chris Stapleton fortzusetzen. Stapleton beweist, dass er mit Recht zu den führenden Songwritern in Nashville gezählt wird. Er zeigt dabei Facetten, die vielleicht auf seinen früheren Alben nicht so deutlich zutage treten. Stapleton setzt insgesamt aber auf Kontinuität statt auf große Innovationen, was ja nicht verkehrt erscheint, wenn das, was er macht, so gut ist.

Mercury Records Nashville (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. Starting Over
02. Devil Always Made Me Think Twice
03. Cold
04. When I’m With You
05. Arkansas
06. Joy Of My Life
07. Hillbilly Blood
08. Maggie’s Song
09. Whiskey Sunrise
10. Worry B Gone
11. Old Friends
12. Watch You Burn
13. You Should Probably Leave
14. Nashville, TN

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Universal Music Group

Shadow & The Thrill – Sugarbowl – CD-Review

Shad_300

Review: Stephan Skolarski

Als „Two Men Band“ mitten in der Pandemie-Zeit das Debüt-Album zu veröffentlichen ist sicher kein leichtes Unterfangen. Shadow & The Thrill haben sich diesen Schritt aber offenbar gut überlegt und mit „Sugarbowl“ neun hervorragende Songs eingespielt.

Hinter dem Bandnamen stecken die beiden US-Amerikaner Tony Cardenas-Montana (Guitars, Bass, Harmonika und Vocals) aus Los Angeles und Brentt James Arcement (Drums, Keys, B3 Organ und Vocals) aus New Orleans, die langjährige Studio- und Tournee-Erfahrungen vorweisen können.

Ob Great White, Slash oder Fiona Apple, die professionellen Collaborations der beiden sind über die letzten Jahre stetig angewachsen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis ihre musikalischen Gemeinsamkeiten die Pläne für ein eigenes Studio-Album ebneten. Die Aufnahmen in New Orleans wurden im Mixing von Toningenieurin Sylvia Massy (Grammy-Award) bearbeitet, die ein bluesiges Rock- and Roll-Werk auf den Weg brachte.

„This music isn’t perfect, but it’s all heart and soul“, so Tony Cardenas-Montana und verbindet damit sicherlich rockgroovende, melodische Songs, die als moderne, Blues- beeinflusste Stücke ihre Ursprünge u.a. in den Sounds von Aerosmith, Gary Moore oder Chris Cornell finden. Beispiele hierfür sind der Einsteiger-Titel „Lovesong“ – durchaus ein Hit in Wartestellung – und das folgende „Misery“, die mit schönen Guitar-Riffs und intensiven Gesangsparts und sowohl schnellen als auch bluesigen Rock in „Old-school“ Tracks bereits zu Beginn des Albums auf sich aufmerksam machen.

Diese Wirkung geht auch auf „The Grind“ über, ein Cover (im Original von Ex-Deep Purple-Gitarrist Tommy Bolin), das hier in seiner Pop-Blues-basierten Version etwas Billy Joel-Verwandtschaft besitzt. Der nachfolgende Rock- und Titelsong „Sugarbowl“ markiert durch die starke E-Gitarre einen Hauch von Jimi Hendrix und im Gesang starken Heavy-Blues.

Mit „Ready To Roll“ kommt eine Rhythmus- und Keyboard-betonte Nummer, die in Anklängen – wie insbesondere der ansehnliche Accoustic-Track „Mississippi“ – eine Reminiszenz an den Blues-Stil von R. L. Burnside darstellt. Als Gegenstück folgt „Just Enough“, ein aggressiver Rocksong, der mit angriffslustigen Riffs zu den besten Tracks des Longplayers gerechnet werden sollte.

Die breite Aussagekraft von „Shadow & The Thrill“ zeigt sich definitiv ebenfalls bei der geradlinigen Blues-Version des Gnarls Barkley-Klassikers „Crazy“ von 2006, die in ihrer episch-meisterlichen Cover-Variante leicht hartgesottene Bonamassa-Fans überzeugen dürfte. Kein Wunder, dass „Crazy“ als Vorab-Single für die Band bereits zum Erfolg wurde. Der ausgeprägte Blues-Rock-Sound wird beim letzten Stück, dem leidenschaftlichen und kraftvollen „Unaware“, noch einmal unterstrichen und bildet einen bemerkenswerten Abschluss der Scheibe.

Die erst seit 2018 gemeinsam auftretenden „Shadow & The Thrill“ haben mit ihrem Erstling „Sugarbowl“ ein Top-Album im Angebot, das durch seine Kombination aus Groove-, Rock- und Blues-Bestandteilen eine beachtliche Studio Performance abgeliefert. Trotz der beschwerlichen Umstände haben sie die Bewährungsprobe gemeistert und für eine gelungene Überraschung gesorgt.

Deko Entertainment (2020)
Stil: Blues/Rock

Tracklist:
01. Lovesong
02. Misery
03. The Grind
04. Sugarbowl
05. Ready To Roll
06. Just Enough
07. Mississippi
08. Crazy
09. Unaware

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Cam – The Otherside – CD-Review

CAM_300

Satte fünf Jahre sind schon wieder vergangen, seit Cameron Ochs, alias Cam, mit ihrem zweiten Album und gleichzeitigem Major-Debüt „Untamed“ (enthielt den Smash-Hit „Burning House“), die Herzen der Kritiker im Sturm eroberte und die Weichen für die andere, erfolgreiche Seite ihrer Karriere in Nashville, gestellt hatte.

Nun liefert sie mit „The Otherside“ den lang ersehnten Nachfolger, mittlerweile unter dem RCA-Unterlabel Triple Tigers, nachdem ein, sich nicht als charttauglich erweisender Song namens  „Road To Happiness“, zum Zerwürfnis mit dem bis dato federführenden Arista-Label geführt hatte.

Produziert hat sie das Werk gemeinsam mit Tyler Johnson (Harry Styles, Sam Smith) und Grammy-Gewinner Jeff Bhasker (Kanye West, Bruno Mars).

Die Scheibe mit ihren elf Tracks bietet durchgehend angenehmes Hörvergnügen, die reduzierte Rhythmusgebung, meist mit einer halbakustisch klingenden Gitarre und percussionartigen Drum-Claps, bietet ihrer leicht näselnden, aber sehr variablen Stimme, einen perfekten Untergrund.

Das ganze klingt dann, als wenn sie sich mit Tracy Chapman, Shania Twain, Emmylou Harris und Stevie Nicks zu einer Art musikalischem Brainstorming versammelt hätte und deren Anstöße für die Umsetzung der neuen Tracks, hat einfließen lassen.

Meine persönlichen Favoriten sind das keltisch-folkige Titelstück „The Other Side“ (klingt fast wie alten Friedensmusiker Bots, geschrieben von Cam noch zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Tim Bergling (Avicii), das lässige groovende „Changes“ mit wunderschönem Refrain und Pfeif-Intermezzo und der durch untypisches Kirchenglockengeläut ummantelte coole Barroom Blues „Happier For You“ (mit claptoneskem Slide, klasse Piano und jeder Menge emotionalem Flair).

Die 36-jährige Sängerin jongliert auf „The Otherside“ insgesamt stilsicher mit Country-, Pop-, Folk- und Singer-/Songwriter-Requisiten und bezaubert dazu mit ihrem tollem ausdrucksstarken Gesang.

Und wenn die lockenköpfige Blondine in der  finalen Pianoballade so schön eindringlich und inbrünstig, fast schon flehend am Ende „take it from a girl like me“ singt, hat ihr der Autor des Reviews schon längst aus der Hand gefressen…

Triple Tigers / RCA Records (2020)
Stil: New Country

01. Redwood Tree
02. The Otherside
03. Classic
04. Forgetting You
05. Like A Movie
06. Changes
07. Till There’s Nothing Left
08. What Goodbye Means
09. Diane
10. Happier For You
11. Girl Like Me

Cam
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