The Kerry Kearney Band– Same – CD-Review

Review: Michael Segets

Wer die Erinnerung an Warren Zevon und seine Musik wachhält, sammelt bei mir schon mal einen Pluspunkt. Dies tut The Kerry Kearney Band, indem sie „Rub Me Raw“ von dessen letzter CD „The Wind“ (2003) covert. Kerry Kearney und seine Band interpretieren noch zwei weitere Songs, die von Bob Dylan und Otis Rush stammen. Von Dylan spielt die Band „Meet Me In The Morning“, das sich im Original auf „Blood On The Tracks“ (1975) findet. Noch älter ist „All Your Love” (1958). Mit dem Klassiker des Chicago-Blues steigt The Kerry Kearney Band in den Longplayer ein. Die Tracks auf dem selbstbetitelten Album hören sich im positiven Sinne wie alte Bekannte an, auch wenn sie gerade erst der Feder von Kearney entsprungen sind.

Kearney hat den Blues. Er bewegt sich souverän mit und zwischen den Größen des Genres. Er ging mit Dickey Betts und The Allman Brothers Band auf Tour, spielte mit BB King, Robert Cray und der Urbesetzung der Blues Brothers. Bei seinen zahlreichen Veröffentlichungen setzt er oftmals auf eine Mischung von Covern und Eigenkompositionen. Dieses Vorgehen führt Kearney bei seinem aktuellen Werk fort. Sieben Eigenkompositionen – darunter zwei Instrumentals („Bobbique Romp“, „West Of The Ashley“) – komplettieren den Longplayer neben den bereits erwähnten Coversongs.

Die von Kearney selbst verfassten Titel sind auf den Punkt gebracht. Mit Ausnahme von „Harder To Breathe“ überschreitet kein Track die drei Minuten, was für Bluesstücke ja eher selten ist. Mir kommt das entgegen, da ich kein Fan von langen Instrumentalpassagen bin. Natürlich zeigt Kearney an der einen oder anderen Stelle, was er an der Gitarre kann. So fügt er in die eingängige Nummer „Voodoo Ways“ ein kratzig- quietschendes Solo ein, welches dem Song nochmal einen besonderen Reiz mitgibt.

Die Eigenkompositionen bewegen sich meist im mittleren Tempobereich. Der knackige Jive „Walk Right Out The Door“ weicht nach oben hin ab, „Harder To Breathe“ in die andere Richtung. Der Slow-Blues wird von Camryn Quinlan gesungen, die auch dem bluesrockigeren Abschluss des Albums „Santa’s Got A Brand New Bag“ ihre Stimme leiht. Der Wechsel der Lead Vocals ist ein Aspekt, der dafür sorgt, dass der Longplayer abwechslungsreich wirkt. Eine Verbindung erhalten die Stücke dadurch, dass sie Genrekonventionen nicht brechen, sondern variieren. Ein Reinhören in das neue Werk der Kerry Kearney Band lohnt sich nicht nur für Bluesfans, sondern für alle Freunde handgemachter Musik.

Das Album produzierten Kearney, der Keyboarder der Band Jack Licitra sowie Bill Herman. Herman gab dem Sound im Paradiddle Studio auf Long Island den letzten Schliff. Paradiddle Records veröffentlichte dieses Jahr bereits das ebenfalls empfehlenswerte „American Equator“ von Pete Mancini. Für den Herbst steht ein Projekt zu Warren Zevon auf dem Programm, bei dem u. a. Willie Nile mit von der Partie ist.

Paradiddle Records (2025)
Stil: Blues

Tracks:
01. All Your Love
02. Harder To Breathe
03. Walk Right Out The Door
04. Rub Me Raw
05. Voodoo Ways
06. Bobbique Romp
07. Meet Me In The Morning
08. West Of The Ashley
09. Off To The Jubilee
10. Santa’s Got A Brand New Bag

Kerry Kearney
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Paradiddle Records

Laura Cox – Support: Alastair Greene – 23.05.2025 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

An einem Freitag eröffnet Alastair Greene (über Jahre Gitarrist bei Alan Parsons) im gut gefüllten Musiktheater Piano den Abend für Laura Cox. Dabei sorgt er in knapp 50 Minuten schon für beste Stimmung mit seinen southern-getränkten, zum Teil mit Boogie gewürzten Blues-Songs.

Die meisten Stücke unterlegt er mit stark gespielten Soli, wo er sich auf die fette Rhythmusarbeit von Drummer Chris Trafton und Bassist Justin Nicolai Sedillo verlassen kann. Was fehlt, ist ein Song mit einem Wiedererkennungswert, der einen aus den Socken haut. Das ist Jammern auf hohem Niveau, insgesamt sind es gelungene kurzweilige 50 Minuten als Support, in denen Greene zeigt, dass er den Blues in der Stimme und im Blut hat.

Line-up Alastair Green Band:
Alastair Green – guitar, vocals
Chris Trafton – Drums
Justin Nicolai Sedillo – bass

Die kurze Pause nutzen die Fans sich an den Tresen im Piano mit Getränken einzudecken und gegen 21:00 Uhr betritt die Band von Laura Cox die Bühne, spielt ein kurzes Intro, zu dem Cox dann dazu stößt und passend rockig mit „Freaking Out Loud“ die Show beginnt.

Auf der Setliste hat sie neben bekannten Stücken aus den bisherigen drei Studioalben auch ein paar Überraschungen. Gelungen ist die Trackgauswahl, die für einen nicht abfallenden Spannungsbogen sorgt. Stark ist, wie sie in „Grosse Bouche“ den Smith-Song „Big Mouth Strikes Again“ hart mit punkigen Elementen covert. Überhaupt ist der Auftritt im Vergleich zu den Vorjahren härter, stimmlich fast rebellisch wirkend.

Da geht auch direkt ein Lob an die Mischer, denen es gelingt, den Sound so abzumischen, dass Cox Stimme, die kräftiger wirkt als im letzten Jahr, nicht untergeht. In der Mitte des Sets wird dann doch einmal Fahrt aus der Sache genommen.

Akustisch spielt sie zunächst solo im Americana-Stil „Fire Fire“ um noch „Personal Jesus“ nachzulegen, zu dem dann nach und nach die Band einsteigt und Leo Cotten an den Keyboards das Depeche Mode-Feeling reinbringt. Danach nimmt die Show wieder Fahrt auf, Antonin Guerin an den Drums und Bassist Adrian Kah legen einen stampfenden, krachenden Rhythmus vor, in den Laura das eine oder andere Gitarrensolo schießt.

Dabei zeigt sie sich sehr flexibel und bildet vom Hard Rock, über Southern- bis hin zum Blues stilistisch Einiges ab und zeigt sich auch als Meisterin des Slidens. Bei „One Big Mess“ bringt sie das ohnehin bestens mitgehende Publikum zum Mitsingen und beendet mit „Hard Blues Shot“ einen rockigen Abend. in den sie auch schon ein paar Songs des kommenden Albums eingebaut hat.

Line-up Laura Cox Band:
Laura Cox – vocals, guitars
Leo Cotten – keyboards
Adrian Kah – bass
Antonin Guerin – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Laura Cox
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Alastair Greene
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment

James McMurtry – The Black Dogs And The Wandering Boy – CD-Review

Review: Michael Segets

Ende der 1980er wurde ich auf das Debüt von James McMurtry aufmerksam, das der von mir verehrte John Mellencamp produzierte. Die beiden folgenden Alben von McMurtry finden sich ebenfalls in meinem Regal. Um die Jahrtausendwende tut sich dann eine Lücke in meiner Sammlung seiner Werke auf. Erst seit „Just Us Kids“ (2008) verfolge ich seine Veröffentlichungen wieder. Mit seinem überragenden „The Horses And The Hounds” (2021) reifte der Entschluss, McMurtrys Diskographie zu vervollständigen. Bevor ich diesen Vorsatz umgesetzt habe, liegt ein neuer Longplayer des Texaners vor.

Die hohen Erwartungen, die das vorangegangene Werk schürten, erfüllt „The Black Dogs And The Wandering Boy“, auch wenn es nicht ganz an es heranreicht. McMurtry verfolgt weiterhin seine typische Mischung zwischen Americana und Roots Rock, die er mit der Unterstützung zahlreicher Gastmusiker*innen, darunter Sarah Jarosz, Bonnie Whitmore, Charlie Sexton und Bukka Allen, umsetzt. Don Dixon produzierte vor dreißig Jahren bereits „Where‘d You Hide The Body“ und übernahm die Aufgabe nun auch bei dem aktuellen Album.

Zwei Cover rahmen den Longplayer. „Laredo (Small Dark Something)“ von Jon Dee Graham (The Resentments) steht am Anfang, „Broken Freedom Song” von Kris Kristofferson am Ende. Dazwischen finden sich acht Eigenkompositionen von McMurtry. Unter diesen packen mich „South Texas Lawman“, „Pinocchio In Vegas“ sowie „Sons Of The Second Sons“ am meisten. Beim letztgenannten Track äußert McMurtry eine bissige Kritik am ideologischen Zustand der Vereinigten Staaten. Auch in anderen Texten greift er soziale und politische Verhältnisse mit scharfem Blick auf. So ist „Annie“ eine Reflexion des Anschlags auf das World Trade Center und des Umgangs mit ihm.

Neben den gesellschaftlichen Beobachtungen dient McMurtrys Familiengeschichte als Inspirationsquelle. Er greift Episoden und Gegebenheiten auf, die er bei seinem Storytelling in einen neuen Kontext setzt. James wuchs in einem kreativen Umfeld auf. Sein Vater Larry war Schriftsteller und Ken Kesey, der die Vorlage für „Einer flog über das Kuckucksnest“ verfasste, war ein Freund der Familie. Eine wieder aufgetauchte Bleistiftskizze von Kesey, die wohl den jungen James zeigt, wurde für das Cover verarbeitet. Der ungewöhnliche und etwas sperrige Titel des Albums geht auf eine wiederkehrende Halluzinationen von Larry McMurtry zurück, der vor seinem Tod an Demenz erkrankt war. In dem gleichnamigen Song liefert Tim Holt ein prägnantes Gitarrensolo.

McMurtry zitiert im Titeltrack eine Zeile von Weird Al Yankovic und greift für „South Texas Lawman“ auf ein Gedicht von T. D. Hobart zurück. Neben den literarischen Verweisen verarbeitet er auch aktuellere persönliche Erlebnisse. Jason Isbell , engagierte McMurtry als Support für eine Tour. Dieser Umstand wird auf „Sailing Away“ aufgegriffen und Isbell in den Lyrics ausdrücklich genannt.

James McMurtry hält mit seinem charakteristischen Folkrock den hohen Standard, den er mit „The Horses And The Hounds“ erreicht hat. Auch wenn der Vorgänger eine Nuance die Nase vorn hat, qualifiziert sich das von persönlichen Familiengeschichten geprägte „The Black Dogs And The Wandering Boy” mit seinen gesellschaftspolitischen Facetten für die Bestenliste des Jahres.

New West Records – Redeye/Bertus (2025)
Stil: Americana/Roots Rock

Tracks:
01. Laredo (Small Dark Something)
02. South Texas Lawman
03. The Color Of Night
04. Pinocchio In Vegas
05. Annie
06. The Black Dog And The Wandering Boy
07. Back To Coeur D’Alene
08. Sons Of The Second Sons
09. Sailing Away
10. Broken Freedom Song

James McMurtry
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New West Records
Redeye Worldwide
Bertus

Dyer Davis – Kiss The Ring – CD-Review

Liebe Southern Rock-Gemeinde und auch darüber hinaus, aufgepasst: Mit dem aus Daytona Beach, Florida, stammenden Langbartträger Dyer Davis (Marke Billy Gibbons) ist was ganz Starkes im Kommen.

Der bringt jetzt mit „Kiss The Ring“ sein zweites Album in Eigenproduktion heraus, nachdem bereits sein Debüt „Dog Bites Back“ (#6 in den Billboard Blues Charts) von der internationalen Blues-Presse in höchsten Tönen gelobt wurde. Wenn man den Nachfolger gehört hat, weiß man auch warum!

Bei Dyer Davis spürt man neben seinem sofort offensichtlichen Talent, dass er ein bis Bartspitzen (oben auf dem Kopf gibt es ja keine) motivierter Musiker ist, der ein klares Ziel vor Augen hat: Sich mit starken Leistungen in der Rockmusikszene weiter zu profilieren.

Der erste Song des neuen Werks, „I Ain’t Lyin'“ geht direkt mit einem Höllentempo los. Ein punkiger Uptemporhythmus mit dezenter Southern-Note, The Black Crowes auf Speed , so könnte man es umschreiben.

Apropos Black Crowes, die sind neben Bad Company, ähnlich wie bei den Georgia Thunderbolts oder Dirty Honey, immer wieder garniert mit schönen Southern-Flair, wie zum Beispiel beim zweiten Track „Pass It Over“ und dem herrlichen „Baby“ gegen Ende, ein markanter Bezugspunkt auf dem Silberling.

Davis hat, das erkennt man schnell, auch ein tolles Trio an Mitmusikern um sich versammelt, das hier ebenso ehrgeizig wie der Protagonist zur Sache geht. Drummer und Perkussionist Davis Weatherspoon und Bassist Will Weiner geben in jedem Tempi die Pace, die Dyer und sein konkenialer Partner an den Keys, Warren Beck, brauchen, um hier ihre kräftigen Akzente zu setzen.

Gerade letztgenannter Warren Beck ist für mich fast schon der heimliche Star des Werkes, dem es immer wieder gelingt, mit unterschiedlichen Tastenvariationen (Piano, Organ, E-Piano), treffgenau Davis‘ E-Gitarrenspielereien noch mehr Prägnanz zu verschaffen.

Das atmosphärische „Kiss My Ring“ ist zurecht der Titelsong geworden, beeindruckend besonders hier das surrende Gitarrensolo. Mit „Around The Bend“ wird es erstmals etwas ruhiger, ein Schelm, wer hier nicht an „Midnight Ridder“ als Inspiration denkt.

„Damned“ ist dann wieder ein tolles Beispiel dafür, wie man sich auch im Studio gesangstechnisch ‚emotional ‚reinhängen kann. Einfach mitreißend. „Brackish Water‘ ist ein dreckiger straighter Rocker Marke Bad Company. teilweise meint man Paul Rodgers leibhaftig am Mikro zu hören.

Das wunderbar Piano- und Steel–untermalte „Have Mercy“ hätte ein Jackson Browne nicht schöner kreieren können. Nach dem bereits oben geschilderten „Baby“ lässt das Quartett die Scheibe mit dem beatlesken „Enough Is Enough“ ausklingen. Genug hat man dann keineswegs von dieser tollen Musik.

Dyer Davis setzt mit dieser Scheibe, das steht jetzt schon fest, eines der Ausrufezeichen des Jahres 2025. Beeinflusst von unterschiedlichen (zum Teil britischen) Rockgrößen der Siebziger Jahre, setzt er den Tracks mit vielen guten eigenen Ideen, einen individuellen, unwiderstehlichen als auch zeitgemäßen Stempel auf. 

Ich würde jetzt nicht unbedingt für Dyer Davis sterben wollen, aber ich würde auf jeden Fall meine Hand dafür ins Feuer legen, dass er mit „Kiss My Ring“ jeden Rockfan, egal welcher Couleur, begeistern wird. Der Reviewer DD und der Musiker DD finden hier jedenfalls perfekt zusammen!

Eigenproduktion (2025)
Stil: Alternative Southern Rock

Tracks:
01. I Ain’t Lyin‘
02. Pass It Over
03. Kiss The Ring
04. Around The Bend
05. Damned
06. Brackish Water
07. Have Mercy
08. Laying On The Floor
09. Baby
10. Enough Is Enough

Dyer Davis
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Zach Morgan – Quohog Cowboy – EP-Review

Review: Michael Segets

Ein reizvoller Aspekt meiner Tätigkeit für SoS ist, dass ich in Kontakt mit Musikern komme, deren Schaffen ich sonst wohl kaum zur Kenntnis genommen hätte. Ein solcher Fall ist Zach Morgan, der seine EP „Quohog Cowboy“ zur Besprechung geschickt hat. Der junge Singer/Songwriter wuchs in Cape Cod, Massachusetts, auf und zog dann über Tennessee, Alabama, Arizona nach Hawaii. Zurzeit plant er den Umzug zurück an die Ostküste der Vereinigten Staaten. Die EP wurde aber noch in Honolulu aufgenommen.

Die Rastlosigkeit und steten Wechsel des Umfelds spiegeln sich auch in den Titeln seiner Stücke wider. Sehr schön fängt der Folksong „Travelin‘ Across The Country“ die Gedanken an die Kindheit ein, die einem fern von der Heimat in den Sinn kommen können. In eine ähnliche thematische Richtung geht „Saying Goodbye“, das er anlässlich seines Wegzugs aus Arizona verfasste. Nach eigener Aussage reflektiert Morgan auf „Quohog Cowboy“ nicht nur seine Wanderschaft, sondern auch die Wurzeln seiner Herkunft. Neben den biographischen Bezüge lassen sich literarische aufweisen. So rekurriert „Tom And The Turtle“ auf John Steinbecks „Früchte des Zorns“. Dort geht es ja ebenfalls um Menschen, die einen Platz zum und im Leben suchen.

Musikalisch orientierte sich Morgan zunächst am Rock, bevor er Songwriter wie Jason Isbell oder Ryan Bingham entdeckte. In jüngerer Zeit setzte er sich mit den Werken von Bob Dylan, The Greatful Dead, Tom Petty und Neil Young auseinander, denen er einen großen Einfluss auf sein Songwriting zuschreibt. Morgan hört also die richtige Musik. In den einzelnen Tracks sind direkte Referenzen aber kaum auszumachen.

Die Stücke stehen klar in der Tradition des Folks. Ganz puristisch auf die akustische Gitarre reduziert geht es dabei nicht zu, denn Jon Yeater steuert auf der EP auch ein paar elektrifizierte Töne bei. Nicht zuletzt dadurch hinterlässt „Left In The Cold“ einen bleibenden Eindruck. Aber auch sonst gibt es keinen Lückenfüller auf „Quohog Cowboy“, sodass man eine gute Viertelstunde hervorragende Singer/Songwriter-Kost geboten bekommt. Obwohl alle Stücke unter drei Minuten bleiben, gelingt es Morgan stimmungsvolle Stories zu erzählen. „Milton“ sticht diesbezüglich nochmal unter den Tracks hervor.

Dem Ruf des Openers „So Good To See You“ kann geantwortet werden: So good to hear you! Vielleicht führen ihn seine Reisen ja mal auf den alten Kontinent, sodass man ihn nicht nur hören, sondern auch sehen kann. Zach Morgan gibt mit „Quohog Cowboy“ Anlass zu der Hoffnung, dass der Nachwuchs an Songwritern nicht versiegt, dem die musikalischen Traditionen bewusst sind, ohne diese lediglich zu reproduzieren..

Eigenproduktion (2025)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. So Good To See you
02. Saying Goodbye
03. Milton
04. Tom And The Turtle
05. Left In The Cold
06. Travelin’ Across The Country

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Joanne Shaw Taylor – Black & Gold – CD-Review

Das zehnte Album in einer Karriere ist sicherlich, egal für welchen Künstler, immer etwas besonderes, ein Meilenstein, vielleicht auch ein neuer Richtungsweiser. Viele Acts erreichen diese Marke erst garnicht. Für Joanne Shaw Taylor, einst mit 16 Jahren von Eurythmics-Dave Stewart entdeckt und seit 2009 im Blues Rock-Business tätig, ist dieser ominöse Zeitpunkt jetzt gekommen.

Mit „Black & Gold“ stellt sie sich nun dieser Herausforderung und bewältigt diese, um es vorwegzunehmen, mit Bravour. Erneut auf Joe Bonamassas Journeyman Records-Label unterwegs, dazu mit Joes Langzeit-Spezi Kevin Shirley an den Reglerknöpfen, bietet sie einen abwechslungsreichen Mix zwischen eingängigem, Blues- und Southern (Country) Rock, Rock und beschwingten und luftigen PopRock-Nummern, die genau zur richtigen Jahreszeit kommen und sogar durchaus als cabriotauglich zu bezeichnen sind, auch wenn die Songthematiken zum Teil von ernsterer Natur sind..

„Ich wusste, dass dieses Album ein Meilenstein für mich wird“, so die Protagonistin. „Mein zehntes Studioalbum – das fühlt sich an wie das Ende eines Kapitels und der Auftakt eines neuen.“ Bewusst habe sie sich darauf eingelassen, musikalisches Neuland zu betreten. Sie wolle sich nicht wiederholen, sondern weiterentwickeln. „Einige Songs musste ich einfach für mich selbst schreiben. Es ging darum, Themen aufzugreifen, die ich lange umgangen habe. Ein Befreiungsschlag – künstlerisch wie persönlich.“

Allein der swampige Opener „Hold Of My Heart“ ist schon ein Genuss für sich. Der Beginn mit einer rauen Akustikgitarre, dazu eine wiehernde Fiddle (von der renommierten Musikerin Sav Madigan gespielt), und eine fulminantes, im Southern Rock verwurzeltes E-Gitarren-Solo lassen Erinnerungen an die Rossington Collins Band in ihrer Beginn-Phase aufkommen. In eine ähnliche Kerbe schlagen auch das slideträchtige „I Gotta Stop Letting You Let Me Down“ und  später mit einem zusätzlichen leichten Stones -Hauch versehene „Hell Of A Good Time“, zwei weitere der vielen Highlights.

Kommen wir zu den wunderbar, leicht ins Ohr gehenden, poppigen Liedern wie „All The Things I Said“, „Who’s Gonna Love Me Now?“, „Summer Love“ (aktuelle Single) und „Grayer Shade Of Blue“, allesamt absolut radiotauglich, die aber durch das immer integrierte schöne E-Gitarrensolo auch eine gewisse Rock-Attitüde behalten. Da bekommt man richtig gute Laune.

Introvertierten Stoff, etwas schwerer verdaulich, als Kontrast in Richtung Beth Hart weisend, bieten der Titelsong „Black & Gold“ und „Look What I’ve Become“, bevor am Ende durchaus wieder die Southern Rock-Freunde zum Zug kommen: Zum einen mit der herrlich shuffelndem  Uptemponummer „What Are You Gonna Do Now?“ mit Pianoeinlagen und klasse E-Gitarrenarbeit samt kurzem Solo. Fußwippe unvermeidlich!

Zudem mit der grandiosen Southern Soul-Ballade „Love Lives Here“ hinterlässt die Britin zum Abschluss äußerst bleibenden Eindruck und beweist neben ihren starken Gitarrenqualitäten auch ihre beeindruckendes Vokalkönnen (schön rauchig Richtung Kim Carnes). Und wenn sie dann zum finalen Hammersolo mit Pilly Powell-mäßig unterlegtem Pianogeklimper ansetzt, reibt sich jeder Lynyrd Skynyrd-Fan vermutlich verwundert die Augen. 

Joanne Shaw Taylor hat Wort gehalten. Mit „Black & Gold“, ihrem 10. Werk, ist ihr tatsächlich ein echter Meilenstein gelungen. Die CD macht von der ersten bis zur letzten Sekunde großen Spaß und bietet vor allem gekonnt ineinander greifende Diversität. Würde ich ihre Vorgänger-Werke besser kennen, würde ich es glatt wagen, von einer Art Karrierealbum zu sprechen. Schwarz sehe ich hier nur auf dem stilvollen Coverbild, ansonsten ist hier ist wirklich alles Gold, was glänzt, absolute Kaufempfehlung!

Journeyman Records (2025)
Stil: (Southern) Blues Rock / Pop Rock

Tracks:
01. Hold Of My Heart
02. All The Things I Said
03. Black & Gold
04. Who’s Gonna Love Me Now?
05. I Gotta Stop Letting You Let Me Down
06. Summer Love
07. Grayer Shade Of Blue
08. Hell Of A Good Time
09. Look What I’ve Become
10. What Are You Gonna Do Now?
11. Love Lives Here

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

North Mississippi Allstars – Still Shakin‘ – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Im Vorgriff auf das 30-jährige Bestehen der Band im kommenden Jahr haben North Mississippi Allstars das Album “Still Shakin’” mit Südstaaten-Klassikern konzipiert, das gleichzeitig auch dem Debut “Shake Hands With Shorty” aus dem Jahre 2000 zum Geburtstag gratuliert. Gegründet von den Brüdern Luther und Cody Dickinson, ist die Formation eine Art Kollektiv-Gemeinschaft, überwiegend von Musikern aus dem Norden ihrer Heimat.

Die bekannten Allstars Begleiter reichen über die Jahre von R.L. Burnside, Junior Kimbrough bis hin zu Berry Oakley, Oteil Burbridge (beide Allman Brothers Band) und aktuell Joey Williams (Blind Boys of Alabama) und “Ray Ray” Holloman (Gitarrist von Eminem und Ne-Yo). Die Erfolge sind neben dem Debut Werk (Living Blues Award 2001) und “Electric Blue Watermelon” (2005 die Nr. 1 der Billboard Blues Charts), sowie mehreren Grammy Nominierungen sprechen für sich (siehe ebenso SoS-Review zum Album “Up And Rolling” – 2019).

Die neue Eigenproduktion bringt großteils moderne, teilweise jedoch etwas außergewöhnliche, aber letztlich überzeugende Versionen bekannter Titel. Den schnellen Einstieg macht der „Preachin‘ Blues” von Robert Johnson aus den 30ern – als funkige Eröffnung eine durchaus überraschende Variante im Stil der 1960er Dynamik. Unweigerlich zurück zu den Wurzeln ihrer Tradition kommen die Allstars mit dem folgenden Junior Kimbrough Stücken “Stay All Night” und “My Mind Is Ramblin’”, wobei der erstere im souligen Duett und schönen E-Solos abgefeiert wird und der zweite Track mit fast ungewohnten, aber unwiderstehlichen Drum-Beats gospeliges Flair verbreitet.

Das Blind Boys of Alabama Cover “Pray For Peace” verstärkt diese Stilrichtung südstaatlich groovender Blues-Gospel Rhythmen und lässt auch hier dem Bewegungsdrang keine Alternative. Der historische Folk-Song “K.C. Jones” – ungefähr 1910 – erfährt in ähnlicher Weise eine fast futuristische Country-Rockfassung und leitet über in den etwas experimentell anmutenden, eigenen Titel-Track, der als psychedelischer Jam im Mississippi Hill Country seinen Platz findet.

Weitere, moderne Interpretationen ursprünglicher Südstaaten-Klassiker sind zweifelsohne das eher seltene “Don’t Let The Devil Ride” (im Original von Brother Joe May) und der unverwüstliche Folk-Titel “John Henry”, der in pulsierender Country-Rock Ausgabe kaum wieder zu erkennen ist. Wieso eines der elegantesten Stücke, die wunderbare Fred McDowell Komposition “Write Me A Few Lines” nur als CD-Bonus erhältlich ist, bleibt in Vinyl verwöhnten Zeiten ungewöhnlich.

Mit “Still Shakin’” ist für unsere musikalischen Breiten ein herausforderndes Hörerlebnis und ein in großen Teilen hypnotischer Country-Folk-Blues und Rock-Longplayer entstanden, den die North Mississippi Allstars mit spürbarer Begeisterung und Gästen einer jungen Musikergeneration in ihrem Homestudio aufgenommen haben. Insofern ist ein entwicklungsweisendes Album erschienen, das aufzeigt, wie die Band über die Jahrzehnte gewachsen ist.

New West Records (2025)
Stil: Blues, Country, Folk

Tracks:
01. Preachin‘ Blues
02. Stay All Night (feat. Robert Kimbrough, Joey Williams)
03. My Mind Is Ramblin‘
04. Pray for Peace (feat. Joey Williams)
05. K.C. Jones, Part 2 (feat. Jojo Herman and Grahame Lesh)
06. Still Shakin‘
07. Poor Boy (feat. Duwayne Burnside)
08. Don’t Let the Devil Ride (feat. Joey Williams)
09. Write Me a Few Lines
10. John Henry
11. Monomyth (Folk Hero’s Last Ride)

North Mississippi Allstars
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V2 Records

Mary Chapin Carpenter – Personal History – CD-Review

Review: Michael Segets

Mary Chapin Carpenter legt dieses Jahr einen Doppelschlag hin. Der Veröffentlichung „Looking For The Thread“ zusammen mit Julie Fowlis und Karine Polwart folgt nun das Soloalbum „Personal History“. Der Longplayer wurde wie die vorangegangen in Peter Gabriels Real World Studios in Großbritannien aufgenommen und erneut von Josh Kaufmann (Bonny Light Horseman) produziert. Chapin Carpenter setzt also auf Kontinuität. Diese zeigt sie auch in musikalischer Hinsicht. „Personal History“ liefert Balladen, wie sie für die Songwriterin charakteristisch sind.

Bereits der Titel des Werks lässt seine autobiographische Prägung vermuten. Nach Chapin Carpenter ist es in einem höheren Maße persönlich als ihre bisherigen. Mit ihren zahlreichen Erfolgen – unter anderem fünf Grammy Awards – kann sie sicherlich auf einige berufliche Höhepunkte zurückblicken. Abseits vom Showbiz thematisiert sie jedoch die Momente, die das Leben vieler Menschen prägen – Momente, die sie einfühlsam mit einer gewissen Zerbrechlichkeit und Wärme einfängt.

Man spricht ja nicht über das Alter von Damen, aber ich verrate kein Geheimnis, wenn ich feststelle, dass Chapin Carpenter – wäre sie Arbeitnehmerin in Deutschland – ihr Berufsleben hinter sich hätte. Auf alle Fälle bewegt sie sich in einer Phase, in der ein Rückblick auf das bisherige Leben nicht ungewöhnlich ist. Was bleibt? Was wäre gewesen, wenn …? Das sind Fragen, die sich Chapin Carpenter stellt. Auf „What Did You Miss“ formuliert die Songwirterin das zentrale Thema, mit dem sich die Stücke des Albums auseinandersetzen. Es ist eine Suche nach etwas, das sich schwer fassen lässt, das sich nur annäherungsweise beschreiben lässt und, wenn man meint, es zu haben, wieder flüchtig erscheint. Sinn und Glück werden von Chapin Carpenter an einzelnen Episoden oder Erlebnissen festgemacht. Und die Erinnerungen an diese machen eben die persönliche Geschichte aus.

So schwingt bei den Lyrics etwas Wehmut an vergangene Zeiten mit, gerade wenn manche Ziele und Träume sich nicht erfüllten. In Chapin Carpenters Rückschau spiegeln sich Gelassenheit und Milde, bei denen Resignation keinen Platz findet. So gehören Enttäuschungen und Gedanken an verpasste Gelegenheiten („The Night We Never Met“) zwar zum Leben, zentral ist aber, wie man mit diesen umgeht. Die Prioritätensetzung verschiebt sich im Laufe der Zeit, die Selbstdefinition bleibt jedoch in jedem Alter eine Herausforderung. Ein Motiv, das sich durch mehrere Songs zieht, ist dabei das Spannungsfeld zwischen Alleinsein und Einsamkeit („Hello, My Name Is“). Im Alter genießt man einfache Dinge („Girl And Her Dog“) und baut eine gewisse Distanz zu den Erwartungen auf, die man mit fünfundzwanzig hatte („Paint + Turpentine“).

Musikalisch hat „Personal History“ durchgängig einiges zu bieten. Ob mit akustischer Gitarre („Coda“) oder Klavierbegleitung („Say It Anyway“) weisen die Balladen eine gewisse Variamz auf. Das sanfte „The Night We Never Met“ sowie „Paint + Turpentine“ mit seinem ins Ohr gehenden Refrain sind ebenso hervorzuheben, wie „The Saving Things“, bei dem Bläser den Titel untermalen. „Bitter Ender“ ragt als flotterer Song im Midtempo nochmal unter den anderen Songs heraus. Der Track wurde daher folgerichtig als Single herausgegeben.

In der Aufarbeitung ihrer „Personal History“ erweist sich Mary Chapin Carpenter wieder einmal als brillante Songwriterin. Ihre autobiographisch gefärbten Texte greifen Situationen auf, die hohe Identifikationspotenziale für Menschen mittleren Alters aufweisen. Wie gereifter Wein mundet das aktuellen Album von Chapin Carpenter in besonderem Maße.

Chapin Carpenter plant im Anschluss an die Veröffentlichung des Longplayers zusammen mit Brandy Clark auf eine ausgedehnte Tour durch die Vereinigten Staaten zu gehen.

Lambent Light Records – Thirty Tigers/Membran (2025)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. What Did You Miss
02. Paint + Turpentine
03. New Religion
04. Girl And Her Dog
05. The Saving Things
06. Hello, My Name Is
07. Bitter Ender
08. The Night We Never Met
09. Home Is A Song
10. Say It Anywhere
11. Coda

Mary Chapin Carpenter
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Cat Lion – On My Cloud – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Kinderträume sind manchmal Antriebsfedern, die ihre Schwungkraft auch viel später nicht verlieren. Ihre frühkindlichen Erinnerungen vom Cowgirl Outfit und Country Sound haben die Sängerin Clara Löw aka Cat Lion im Jahr 2022 dazu verleitet, mit ihrer eigenen Band eine musikalische Karriere anzugehen. Nach ersten Erfolgen auf verschiedenen Trucker- und Country-Festivals und einem Auftritt bei den International Country Music Awards in Houston, Texas, war Nashville eine spannende Erfahrung für die Songwriterin aus Österreich.

Anfang 2024 entstand in den renommierten Sound Emporium Studios das Debütalbum “On My Cloud”. 11 neue Songs, davon 10 im Co-writing konnte Cat Lion mit namhaften Session-Musikern, wie den Gitarristen Dan Dugmore (u. a. Linda Ronstadt), Tim Galloway (u.a. Keith Urban), Jon Conlay (u.a. Johnny Cash), dem Pianisten Michael Rojas (u. a. Lady A), Drummer Matt King (u. a. Brothers Osborne), sowie Bassist Lex Price (u.a. Miranda Lambert) formvollendet einspielen. Die magische Zusammenarbeit war eine unglaubliche Inspiration, so Cat Lion, und lobte die harmonische Atmosphäre der Produktion.

Die erste Vorab Single “Two Lives“ bringt ein frisch stompenden Track und eröffnet damit die Scheibe, einen Reigen aus teils traditionellen und teils poppig angehauchten Titeln. Die sehr gelungene Mischung vereint auffallend überwiegend temporeiche Aufnahmen (z. B. “Upside Down”, “Inside Out”, “Pin Me Up” oder “Pretty Baby”) mit ansprechenden, balladenartigen Kompositionen (z. B. “‘Cause Memories”, “They Last“ und “Out Of My Heart”), sowie mid-tempo Rock (“This Ain’t Love”) zum abwechslungsreichen Longplayer. Die gute Inszenierung lässt einen ebensolchen Titel-Song natürlich nicht aus und begeistert bis zum Schluss mit dem gleichermaßen radiotauglichen “Not Too Late”.

In einer Szene, in der sich Innovation oft nur in Nuancen zeigt, hebt sich Cat Lion durch eine entschlossene Ausrichtung und ein feines Gespür für Songstruktur und Produktion ab. Die Aufnahmen sind für ein Debutalbum weit ausgereift, ohne dabei überproduziert zu wirken. Inhaltlich zeigt sich die Künstlerin thematisch fokussiert – persönliche Erfahrungen und Reflexionen stehen im Zentrum der Songs. Insgesamt handelt es sich um ein Debut mit hohem Wiedererkennungswert, das Cat Lion innerhalb eines nach wie vor wachsenden europäischen Genres positioniert und Newcomer-Qualitäten erkennen lässt.

My Redemption Records (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. Two Lives
02. Upside Down, Inside Out
03. Stop!
04. Cause Memories, They Last
05. The Drizzle
06. Pin Me Up
07. Pretty Baby
08. Out Of My Heart
09. This Ain’t Love
10. My Cloud
11. Not Too Late

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Another Dimension

Morgan Wallen – 28.05.2025 – The Roundhouse, London – Konzertbericht

If Daniel Daus is going to London, Morgan Wallen might be the reason! Und so war es dann tatsächlich auch. Universal Music hatte mich recht kurzfristig um ein Konzertreview im Londoner Roundhouse gebeten und die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür geschaffen.

Und so begann für mich eine aufregende Kurzreise in die britische Metropole, um den amerikanischen New Country-Superstar und Bad Boy bei der Live-Präsentation vieler Songs seines neuen Albums „I’m The Problem“ zu begutachten.

Vormittags ging es von Düsseldorf los, Ankunft war knapp eine Stunde später in Heathrow. Es war mein erster Besuch in London seit 44 Jahren. Somit hieß es erstmal, sich zurechtzufinden mit den Verkehrsbegebenheiten, aber mit ein bisschen Fragen (sehr hilfsbereit die Leute), verlief dann die Fahrt  zum schönen Hotel im Stadtteil Old Street absolut unproblematisch.

Als ich aus der U-Bahn stieg, musste ich erstmal durchatmen, hypermoderne Wolkenkratzer und ein buntes Treiben um mich herum, da staunt der zwar in einer Großstadt arbeitende, aber privat in einer Kleinstadt lebende Normalbürger. Einchecken im Hotel, danach war das Zeitfenster bis zum Konzert samt Anfahrt schon kurz getaktet.

Ich entschied mich, Westminster zu besuchen, auf der Rückstrecke ging es noch schnell zur Tower Bridge. Zurück zum Hotel, duschen und dann war ich schon wieder in die ehemalige Punker-Hochburg Camden unterwegs, wo das Roundhouse beherbergt ist.

Allein auf dem Fußweg von der U-Bahnstation die ganzen Geschäfte und das bunte Bild der Leute zu beobachten, war schon überaus unterhaltsam, vor der Location hatte sich gegen 18:45 Uhr bereits eine lange Schlange gebildet, die sich dann aber mit dem Einlass schnell in Bewegung setzte.

Das Roundhouse hielt von innen das, was die Bilder, die ich mir im Netz angeschaut hatte, versprachen. Man merkte schon sofort, dass eine besondere Spannung und Atmosphäre in der ‚Luft‘ lag.

Als der Protagonist auf Rundbühne mit dem Titelstück der neuen Doppel-CD um 20:30 Uhr loslegte, brandete sofort das Gekreische und die heute übliche Handylawine auf, das Publikum begann direkt lautstark mitzusingen. Morgan saß im Vordergrund auf einem Hocker, sein ihn begleitendes Personal war an den seitlichen Rundungen ebenfalls sitzend positioniert und am Ende eher mehr schmückendes Beiwerk zur One Man-Show. Hier war alles Chefsache!

Wallen sang mit seiner typischen Stimme, spielte ab und zu mal die Akustikgitarre und bediente zwischenzeitlich bei „Sand In My Boots“ das Piano, das dafür nach vorne an seine Front-Position geschoben wurde.

Am Ende wurden es 12 Stücke vom neuen Longplayer („‚I’m The Problem“. „Kick Myself“, „20 Cigarettes“, „Kiss Her In Front Of You“, „Don’t We“, „Eyes Are Closed“, „I Got Better“, „I’m A Little Bit Crazy“, „Superman“, „Love Somebody“, „What I Want“ und „Just In Case“) zwischendurch immer mal flankiert von Hits der Voralben wie u. a. „Cover Me Up“, „Whiskey Glasses“ und das finale „Last Night“ als Abschluss. Keine Zugabe, trotz riesiger Stimmung, die das Publikum entfacht hatte.

Bei Morgan Wallen sind seine kontroverse Persönlichkeit und vor allem der Wiederkennungswert der Lieder der Schlüssel zum Erfolg. Musikalisch war es eher monoton, ich kann mich an kaum ein Solo der Mitmusiker erinnern, auch wenn immer wieder fleißig die Gitarren getauscht wurden. Trotzdem hätte man sich vielleicht doch noch ein bis zwei Zugaben gewünscht. Der Schluss war dann jedenfalls ziemlich abrupt.

Und schon befand ich mich wieder, geflasht von den ganzen Eindrücken des Tages, auf dem Rückweg durch das abendliche Treiben in Camden zur Underground. Zurück im Hotel, ein paar wenige Stunden geschlafen, kurz nach Sechs wieder auf dem Weg nach Heathrow, Rückflug nach Düsseldorf. Heimfahrt mit dem Auto, ein paar Stunden Schlaf, eine Runde mit dem Hund, Essen und der Review und damit die Gelegenheit, dieses schon fast von Reizüberflutung gekennzeichnete, fast surreal wirkende Ereignis zu verarbeiten.

Mein großer Dank geht an Simone Geldmacher von Universal Music, die das alles ermöglicht hat.

Photo credit: Lewis Smith

Morgan Wallen
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