The New Offenders – Stones To Throw – CD-Review

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Wenn mich jemand fragen würde, woher ich denn die Motivation nähme, allein ein non-profitables Musikmagazin, neben all den sonstigen Verpflichtungen wie Beruf, Familie inkl. Hund, RWE, die man so noch an der Backe hat, zu stemmen, dann lautet die schlichte Antwort: Es sind solch junge talentierte Bands wie The New Offenders!

Es macht einfach Spaß, mit solch hoch-kreativen, unbekümmert aufspielenden Burschen in Kontakt zu treten, sich musikalisch mit ihnen zu beschäftigen, seinen Senf dazu abgeben zu dürfen und damit an einem vermutlich hochinteressanten Entwicklungsprozess im Anfangsstadium beteiligt zu werden.

The New Offenders kommen aus der Gegend um Houston, Texas und haben sich dem Staate konform, bluesträchtigem Southern Rock verschrieben. Das Quartett besteht aus Hunter McKithan – (lead vocals, rhythm guitar), Jason Nelson (vocals, bass), Dustin Edwards (drums) und T. Ray Porche (vocals, lead guitar). Mit „Stones To Throw“ stellen sie jetzt ihr Debütwerk vor, und, um es vorwegzunehmen, es ist ein Kracher!

Die halbe Miete einer Band ist ja meistens schon ein vernünftiger Sänger. Und The New Offenders sind mit Hunter McKithan, einem großartigen, Charisma versprühenden Fronter gesegnet. Der Bursche singt genauso herrlich wild, wie ihm die Haare aus Haupt und Gesicht sprießen. Seine Stimme erinnert mich an eine Mischung aus Mike Zito und Frankie Ballard. Nebenbei gesagt, auch ein unkomplizierter, netter und kommunikativer Geselle!

Das Album „Stones To Throw“ beinhaltet alles, was das Herz eines Southern Rockers begehrt. Sehr abwechslungsreich und kurzweilig gestaltete Genre-Kost, gepaart mit ein wenig Texas-typischem Blues Rock (Marke ZZ Top, Arc Angels), bei dem klasse gespielte E-Gitarren und McKithans raues Organ natürlich die Hauptakzente setzen.

Die Rhythmusfraktion Nelson/Edwards bildet ein knackiges Fundament für die vielen Southern-konformen Gitarrenspielereien (Porche hat hier alles drauf), sei es in herkömmlicher, Slide-, Fill- oder Solo-Variante. Dazu gesellen sich, je nach Stimmung der Lieder, ein paar (E-) Pianoklimpereien, hallende Orgel, ein wenig Akustikgitarre („The Beginning“) und ein kurzes Mundharmonika-Intermezzo („Stones To Throw“).

Nicht zu vergessen die wunderbaren Harmoniegesänge von der in Nashville lebenden Singer/Songwriterin Haley Cole, die auf Stücken wie dem countryesken „Just To Burn“ (herrlich flockiger Ohrwurm), „Lifelong“ (mit quirligem E-Solo vom insgesamt stark aufspielenden Porch) und gerade auf dem akustisch-rootsigen „The Beginning“ (schönes Veranda-Feeling) eine kongeniale Partnerin Richtung Sheryl Crow zu McKithan abgibt.

Die Songs wissen vom flotten Opener „Into The Fade“ bis zum abschließenden Antikriegsreißer „Flag City“ durchgehend zu überzeugen, es gibt keinen Füller, geschweige denn, einen schwachen Track. Erwähnenswert noch der herrliche Texas-Shuffle „Denver Mint“ (mit Gibbons-trächtiger E-Gitarre), das herrlich dahingerotzte „Let It Getcha“ (HT-Piano-Tupfer), das atmosphärische „Landfall“ (mit zwei starken E-Gitarrenpassagen) oder der knarzig bluesig dahingerockte Titeltrack (Mike Zito-Flair, heulendes E-Solo).

Produziert hat die Band das Ganze zusammen mit Omar Vallejo in einem sehr transparenten und knackigen Sound. The New Offenders gehen mit ihrem großartigen Debüt „Stones To Throw“ direkt zum Angriff auf die etablierten Southern Bands über. Ganz sicher ein Highlight des Jahres. Stoff für Freunde solch junger wilder Acts wie den Dirty Guv’nahs, Whiskey Myers, Holman Autry Band, Robert Jon & The Wreck & Co. Für diesen Noch-Geheimtipp gibt es eine absolute Kaufempfehlung. Jetzt liegt der Stein bei dir!

Eigenproduktion (2016)
Stil: Southern Rock

01. Into The Fade
02. Free From The Mold
03. Devil’s Hand
04. Just To Burn
05. Denver Mint
06. Lifelong
07. Pot Of Gold
08. Don’t Let It Getcha
09. Landfall
10. Stones To Throw
11. The Beginning
12. Flag City

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Bärchen Rcords

Holman Autry Band – Electric Church – CD-Review

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Die Holman Autry Band meldet sich mit einem bärenstarken Southern Rock-Album zurück! „Be it any race, religion, or walk of life, we are standing, cheering and rocking as one. This is our Electric Church“. Mit diesem Zitat aus der Anonymous-Szene stellt die mittlerweile vom Quintett zum Quartett geschrumpfte Holman Autry Band ihren dritten, großartig gelungenen Longplayer „Electric Church“ vor, der in diesem Jahr sicher eines der ganz großen Highlights des Southern Rocks abgeben wird.

Die Holman Autry Band aus Athens, Georgia, die seit ihrem starken Vorgänger „Southern Wind“ von 2009 (kein geringerer als Piano-Legende Chuck Leavell hatte damals auf diesem Werk als Gastmusiker mitgewirkt) so ein wenig in der musikalischen Versenkung verschwunden zu sein schien, kehrt jetzt mit einem echten Paukenschlag auf die Southern Rock-Bühne zurück. Das von Brodye Brooks (lead guitar, vocals), Josh Walker (guitar, vocals), Casey King (bass, vocals) und Brandon Myers (drums) eingespielte Werk, umfasst elf selbst kreierte Tracks ohne jede Schwachstelle, die im Genre dieses Jahr so schnell nicht zu toppen sein dürften. Traditioneller Southern Rock wie aus den einstigen Parade-Zeiten, ohne jeden Schnick-Schnack, natürlich mit vielen kleinen integrierten Reminiszenzen an die großen Bands der Zunft wie Lynyrd Skynyrd, The Marshall Tucker Band, Molly Hatchet, The Charlie Daniels Band oder The Allman Brothers Band.

Gleich der satt rockende Opener „Friday Night Rundown“ eröffnet dieses tolle Album mit zwei sehr starken E-Gitarren-Passagen. Die Kult-umwobene Band von einst, Copperhead, lässt hier ein wenig grüßen. Das folgende, von fetten Drums eingeleitete „Pennies And Patience“ stampft mit einem feurigen Skynyrd-/Hatchet-Flair (kochende Riffs) aus den Lautsprechern wie zu allerbesten, goldenen Southern Rock-Zeiten, schön swampig, und ein herrliches E-Gitarren-Solo inbegriffen.

Auffällig ist, dass bei fast allen Stücken ein kleines Instrumental-Intro vorangestellt wurde. So stimmt, wie einst bei Skynyrds berühmten „Travelin‘ Man“, ein schöner, knochentrockener Bass, Lieder wie den großartigen, dynamischen Boogie „Things I’d Miss“ (E-Gitarren erinnern Molly Hatchets „Flirtin‘ With Desaster“-Phase), das satt groovende „Home To You“ (mit Twin-Gitarren, tolles Marshall Tucker-Flair) und das wunderschöne, melodische, sonnige „Sunset On The Water“ (jeweils mit einem Skynyrd- und einem Betts-trächtigen E-Gitarren-Solo) ein.

Auch Gastmusiker kommen wieder sporadisch zum Einsatz. Zum Beispiel lässt der aus dem Widespread Panic-Umfeld bekannte John Keane (hat bereits etliche Panic-Alben produziert), der hier als „Executive Producer“ fungiert, sein grandioses Pedal Steel-Spiel bei der wundervollen, ruhigen, mit angenehm klarer Akustikgitarre untermalten Southern-Ballade „The Fall“ mit einfließen. Eine Wonne! Nathalie McClure hinterlässt mit hallender oder sakral anmutender Orgel einige schöne Duftmarken bei Songs wie dem famosen Titelstück und dem gospelig/soulig groovenden „Good Woman, Good God„. Emily Joiner besticht mit typischen Harmoniegesängen im Refrain beim packenden, Slideguitar-durchzogenen „Electric Church“. Sie hätte gerne durchaus noch öfter eingebunden werden dürfen.

Die versteckte „Can’t You See“-Hommage bei „Last Rites“ mit saustarkem Gitarrensolo dürfte von Marshall Tucker Bands Kultgitarrist Toy Caldwell im Southern Rock-Heaven mit viel Wohlwollen zur Kenntnis genommen werden. Sein E-Gitarrenspiel und der Grundrhythmus des berühmten MTB-Liedes wurden hier von Brooks und Walker exzellent adaptiert, bzw. modifiziert. Das mit einer markanten und leicht nachsingbaren Refrainzeile wieder launig rockende „The Grass Can Wait“ und das herbstlich, atmosphärisch melancholische „October Flame“ lassen ein durchgängig mehr als überzeugendes Southern Rock-Album der alten Schule ausklingen.

Die Holman Autry Band beweist, dass man den Spirit der damaligen Genre-Hoch-Zeiten auch heute noch bestens musikalisch aufleben lassen kann. Und diese Band aus Georgia hat eindeutig das Potential dazu. Ganz klar, eine der ganz großen Überraschungen des Jahres 2016. Diese „Electric Church“ wird Southern Rock-Fans elektrisieren! Fantastisch!

Eigenproduktion (2016)
Stil: Southern Rock

01. Friday Night Rundown
02. Pennies And Patience
03. Things I’d Miss
04. The Fall
05. Electric Church
06. Home To You
07. Good Woman, Good God
08. Last Rites
09. Sunset On The Water
10. The Grass Can Wait
11. October Flame

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Bärchen Records

Lonestar – Never Enders – CD-Review

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Die Never Ending-Lonestar-Story geht weiter! Tolles neues Werk, des seit über 20 Jahren erfolgreich agierenden Quartetts, bestehend aus Richie McDonald (lead vocals), Dean Sams (keys, acoustic guitar), Michael Britt (electric guitar) und Keech Rainwater (drums). „Never Enders“ heißt das neue Album und suggeriert im Titel bereits schon, dass Lonestar auch weiterhin einen Fels in der vehementen New Country-Brandung abgeben werden.

Die Band um den, nach einem glücklosen Solokarrieren-Versuch reumütig zurückgekehrten Frontmann Richie McDonald, ist ihrem Stil, den sie seit Beginn ihres Bestehens 1995 gepflegt hat – wer will ihnen das nach über 10 Millionen verkauften Tonträgern auch verdenken – bedingungslos treu geblieben. Wunderbar eingängige Songs, verpackt in eine Kombination aus poppig bis rockig arrangierten Melodien, gepaart mit traditionell gestalteter Countrymusik. Sämtliche Stücke, bis auf das nach dem Motto ‚Doppelt gemoppelt hält besser‘ gestrickte, schön knackig dahin rockende „Twice“, stammen dabei aus der bandeigenen Feder (mit diversen namhaften Co-Writern wie Frank Myers, Adam Wood oder Marty Dodson).

Beim hymnischen, Stadion-tauglichen, sowie sehr hitverdächtigen Titelstück „Never Enders“ wurde dabei auf die Dienste von Marv Green zurückgegriffen, der sich einst mit „Amazed“ für das wohl einprägendste und kommerziell erfolgreichste Lonestar-Lied aller Zeiten verantwortlich zeigte. Als Unterstützung des Vierers sind natürlich auch einige bekannte Nashville-Studio-Musiker wie Mark Hill, Biff Watson, Ilya Toshinsky und Kenny Greenberg zugegen, wobei Paul Franklin mit seinem unverwüstlichen Steel Gitarren-Spiel die meisten Akzente zu setzen weiß.

Und so wechseln in gewohnter Manier recht flotte Tracks wie die beiden bereits erwähnten „Never Enders“, „Twice“, das launig E-Gitarren-lastig rockende „I Want A Love“ (toll integriertes Honky Tonk-Piano, Steel-/ E-Gitarren-/Slide-Solo-Kombination), das powernde „U““ und das finale, dezent Redneck-umwehte „Boomerang“ (Southern-mässiges E-Gitarren-Solo), in bewährt gutem Mischverhältnis, mit balladesken, Emotionen bedienenden Sachen der Marke „I Know It Was You“ (schönes Piano, wimmernde Steel, aufheulendes E-Gitarren-Solo), dem wehmütig die Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit monierenden „My Own Hometown“ (McDonald singt „Now I feel like a stranger in my own hometown“), dem großartigen, dezent bluesigen „This Time“ (klasse E-Gitarren-Twin-Passage), „I’ve Been Wrong Before“ (Powerrefrain, Steel Solo) und dem saftig „Süßholz raspelnden“, herzzerreißenden „Here We Go Again“ (Piano-getränkt, Steel, Powerrefrain mit großartigen Harmoniegesängen, bluesige E-Gitarren-Fills/-Solo).

Lonestar, wie man sie halt kennt! Die Texaner beweisen auf ihrem 10. Album „Never Enders“, dass man mit bewährtem Stil – ohne die heutigen, mit technischen Spielereien verwobenen Verwässerungsversuche des Genres vieler ihrer Kollegen – modern klingen kann, ohne sich dabei komplett verbiegen zu müssen. Sie bleiben ihrer, auf Authentizität beruhenden Strategie treu – und das ist gut so. Ein richtig feines Album!

Shanachie Entertainment Corp. (2016)
Stil: New Country

01. Never Enders
02. I Know It Was You
03. My Own Hometown
04. Twice
05. This Time
06. I’ve Been Wrong Before
07. I Want A Love
08. Us
09. Here We Go Again
10. Boomerang

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Bärchen Records

Todd Wolfe Band, 23.04.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Todd Wolfe und seine Band wieder zu Gast im Schwarzen Adler in Rheinberg! Um 19:30 Uhr begann der Adlersaal sich langsam zu füllen. Einige Stehtische, die aufgestellt waren, ließen erahnen, dass das Konzert nicht ausverkauft sein wird. Die Daheimgebliebenen waren sich nicht bewusst, dass ihnen ein Konzert-Highlight der Extraklasse entgangen war. Wenn man in die Geschichte von Todd Wolfe schaut, sieht man, dass es sich um einen Ausnahmekünstler handelt, der zwar nie im Vordergrund kommerzieller Projekte stand, aber wichtiges Mitglied, z. B. im Bereich Songwriting, bei Sheryl Crow war.

Auch als Studiomusiker war er in den letzten Dekaden unter anderem bei Mountain, Leslie West, Carla Olson und Mick Taylor an der Gitarre präsent.
Nach dem Verlassen der Sheryl Crow Band gründete Todd Wolfe in verschiedenen Besetzungen eine eigene Formation, die seit mehreren Jahren in der jetzigen Besetzung mit Todd Wolfe an der Gitarre, Justin Gardner am Bass und Roger Voss an den Drums besteht. Geprägt wurde seine Musik hörbar durch Größen wie Albert Collins, Gregg Allman, The Outlaws, Dickey Betts, Johnny Winter, Robin Trower und The Neville Brothers, für die er mit seinen ersten Bands Opener war.

Ziemlich pünktlich um acht Uhr begann das Konzert. Auf der Bühne stand das holländische Blues Trio „The Red Phone“, das in etwa 50 kurzweiligen Minuten das Publikum mit rocklastigem Blues in Stimmung brachte.

Nach einer kurzen Umbaupause legte dann Todd Wolfe mit seinen Leuten los. Wolfe begann das Konzert mit „Sunny Vale“ und „Against The Wall“ von seiner 2013 erschienenen Platte „Miles To Go“ und brachte die Zuhörer schnell in die entsprechende Blues Rock-Stimmung. Unterstützt von seiner Rhythmussektion, der schnörkellos spielenden Justin Gardner und dem treibenden Schlagzeugspiel von Roger Voss, spielte Todd Wolfe sich schnell warm und glänzte mit seinem virtuosen vielseitigen Gitarrenspiel, in meist Midtemostücken mit nie langweiligen Soli, die oft auch seine härtere Spielweise zeigten.

Ein Grund für die schnell überspringende Stimmung war die sichtbar gute Laune aller Bandmitglieder und deren Interaktion zwischen den Stücken mit der Audienz. Ob es das Anstoßen Wolfs mit der lokalen Biersorte oder das Lächeln von Gardner war; die Todd Wolfe Band zeigte, dass sie für das Publikum spielte.

Nach mehreren rockigeren Songs vom der letzten Platte „The Longboard Road Back“, schaltete Wolfe einen Gang zurück und griff für drei Songs zur akustischen Gibson-Gitarre. Der letzte davon war sein ältester, „Black Hearted Woman“ von der 2004 erschienenen „Delaware Crossing“. Bei diesen, eher ruhigen Stücken, konnte Wolfe seine exzellente Spielweise (Sheryl Crow sprach über ihn von einem der besten Gitarristen) unter Beweis stellen und dass man auch mit einer akustischen Klampfe, den Saal in Stimmung halten kann.

Nach dem Griff zur elektrischen Gibson, feuerte Wolfe ein Feuerwerk mit zumeist Stücken von „The Last Road Back“, unterbrochen von einem gelungenem Cover der B.B. King-Nummer „3 O‘Clock Blues“. Dann bat Wolfe den Kempener Blues-Gitarristen Clemens Bombien von Minor Cabinet zur Unterstützung auf die Bühne. Unter dem Applaus der Zuschauer überließ Wolfe Bombien den Part der Leadgitarre, um ihn, gemeinsam mit Justin Gardner und Roger Voss, nach zwei intensiven Stücken, freundschaftlich wieder zu verabschieden. Es war schön zu sehen, wie ein international renommierter Musiker, einem lokalen Gitarristen, wie auch schon im letzten Jahr, die Gelegenheit erweist, vor einem Bluesrock hungrigem Publikum aufzutreten.

Danach gab das Trio weiter Gas, um nach etwa 100 Minuten die Bühne zu verlassen. Nach einer kurzen Aufforderung zur Zugabe spielte Wolfe „Mercy“, „On The Run“ und „Got To Go Better“. Der Titel ‚Merci‘ aus dem Französischen übersetzt, konnte an dem Abend aus zweierlei Sicht gesehen werden. Ein Dank des Publikums an ein gelungenes, stimmungsvolles Bluesrockkonzert und der Dank der Musiker an ein Auditorium, das den Spaßfaktor der Musiker sichtlich unterstützte. Nach knapp zwei Stunden verließ die Band unter dem Applaus der Zuschauer die Bühne und in den Gesichtern war die Zufriedenheit über einen tollen Abend deutlich erkennbar.

Das Verlassen war aber nur rein musikalischer Natur. Wolfe, Gardner und Voss ließen es sich nicht nehmen, wie im Schwarzen Adler üblich, geduldig den zahlreichen Autogrammwünschen nachzukommen. Dabei kam auch der gelegentliche, humorvolle Smalltalk nicht zu kurz. Kurzum gesagt, Vollblutmusiker zum Anfassen, ohne jede Starallüren, die einfach Spaß an der Musik und der Stimmung eines Konzertes haben. In der Hoffnung, dass Todd Wolfe auch nächstes Jahr wieder den Adler zum (Blues-) Rocken bringt, gingen die Gäste oder verbrachten anschließend noch eine Zeit in der Kneipe. Wenn man der Regel folgt ist am 23.04.2017 wieder Wolfetime im Adler. Dann hoffentlich vor einem vollen Haus, was die Künstler verdient hätten.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch eine Lanze für Ernst Barten brechen, der es immer wieder schafft, ausgezeichnete Blues Musiker in den Adler zu locken. Vielleicht auch einmal den Gastmusiker Bombien mit Band.

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Todd Wolfe Band
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Schwarzer Adler

The Roomsounds – Elm St. – CD-Review

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Neu im Teenage Head Music-Portfolio: Eine hochtalentierte Truppe aus Dallas, Texas, mit dem recht eigenwilligen Namen The Roomsounds. Mit „Elm St.“ (der Ort ihres ersten Auftritts) veröffentlicht das Quartett, bestehend aus Bandleader/Songschreiber der Band, Ryan Michael (lead vocals, electric and acoustic guitar), Sam Janik (electric guitar, vocals), Red Coker (bass, vocals) und Dan Malone (drums, percussion) sein zweites Album.

Als Einflüsse verweisen die Roomsounds auf Musiker wie die Beatles, Stones, Tom Petty, Big Star, Faces, The Jayhawks und Oasis, womit sie in meiner Nachbetrachtung ihres Werkes auch durchaus richtig liegen. Die Mischung, gepaart mit, im Southern Rock verwurzelten E-Gitarren, gibt ihrem Sound eine besondere Note.

Eingeladen wurden sie zur Einspielung ihres Zweitwerks von keinem geringeren als Rodney Hall, dem Präsident der berühmten FAME-Studios in Muscle Shoals, Alabama, dem Sohn des einstigen Gründers Rick Hall. Diese wurde natürlich dankend angenommen und so wurden auch sämtliche Tracks, bis auf „Stray Dog“ an diesem geschichtsträchtigen Ort unter der Regie von Beau Patrick Bedford (Ex-Bandmitglied bei Jonathan Tyler & The Northern Lights – u. a. Producer von Phil Hamiltons „Renegade Rock’N‘ Roll„) produziert, der sich zusammen mit dem Gastmusiker, der Steppenwolf-Legende Larry Byrom, auch für einige Keyboard-Klänge verantwortlich zeigt.

Die vier Burschen, die alle gemeinsam in einem Haus im Osten von Dallas wohnen, eröffnen mit dem Titeltrack „Elm St.„, einem melodischen, fast hit-verdächtigen Rocksong, durchzogen von schönen Orgeleinlagen und starken E-Gitarren im Stile von Leuten wie Tom Petty oder auch wie man sie von Todd Thibaud kennt. Direkt ein Kracher zu Beginn. Michaels Stimme hat nicht den typisch rauen texanischen Teint, sondern eine eher sanfte Ausstrahlung.

Vom folgenden flotten „Take It All Wrong“ (schöne Bariton-E-Gitarren) bis zum erneut pettyesken musikalischen Flehruf „Don’t Give Up On Me“ (integriertes Southern E-Solo) bieten die Jungs eine richtig starke Vorstellung. Klasse hier das melancholische „Letters“ (surrende Slide-Gitarre, tolles Pschedelic-E-Solo) und die rockigen, an die Dirty Guv’nahs reminiszierenden „Bad Situation“ (wieder schöne Slide-Gitarre, auch dezentes „Gimme Three Steps“-Flair) und „Lay My Head Down“ (lupenreiner rhythmischer Southern Rock).

Zum Stimmungsbringer für ihre Live-Konzerte wird ohne Zweifel, das mit seinen „Hey Jude“-verdächtigen, zur Interaktion anregenden Crowd-Harmoniegesängen bestückte „What Do I Gotta Do“ avancieren. Macht richtig Laune!

Im finalen Teil, von Stück 8 – 11 geht den Busrchen dann allerdings ein wenig die kreative Luft aus und sie verlieren sich in eher Indie-typische Beliebigkeit. Von Titeln wie „Wolf In Sheeps Clothing“ oder „Stray Dog“ hätte ich mir dann doch irgendwo ein etwas  animalischeres wilderes Esprit erwünscht. Der absolute Tiefpunkt des Werkes ist die völlig deplatziert wirkende 60er-/Beatles-umwehte Schnulze „Baby’s Got The Bluest Eyes“. Not my cup of tea!

Insgesamt darf man das zweite Album der Roomsounds „Elm St.“ aber als überwiegend ‚gut gelungen‘ bezeichnen, eine etwas andere Untermischung der letzten Lieder („Baby’s Got The Bluest Eyes“ hätte ich ganz weggelassen) bzgl. der Trackliste, hätte vielleicht das nach hinten bestehende Gefälle, noch etwas kaschieren können. Kreatives und spielerisches Potential ist in jedem Fall mehr als genug vorhanden. Man darf gespannt sein, was die Band live zu bieten hat, Teenage Head Music hat für September/Oktober eine Europa-Tournee angekündigt, die sicher auch zu uns führen wird.

Eigenproduktion (2016)
Stil: Indie/Classic/Southern Rock

01. Elm St.
02. Take It All Wrong
03. Letters
04. Bad Situation
05. What Do I Gotta Do
06. Lay My Head Down
07. Don’t Give Up On Me
08. Wolf In Sheep’s Clothing
09. Baby’s Got The Bluest Eyes
10. Stray Dog
11. Win You Over

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Teenage Head Music

Big Cat – Same – CD-Review

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Neue Super-Gruppe am texanischen Blues Rock-Himmel! Für alle, die immer noch sehnsüchtig auf ein Comeback von Storyville warten, gibt es gute Neuigkeiten. Es steht zwar keine aktuelle Reunion an, aber deren gefeierter Lead-Sänger Malford Milligan hat ein neues Projekt mit einer neuen CD am Start, das sich aufgrund einer absolut tollen Besetzung, auf absoluter Augenhöhe präsentiert.

Big Cat heißt die hochkarätig besetzte Band und wartet mit arrivierten musikalischen Schwergewichten auf: Bassist Roscoe Beck (Leonard Cohen, Jennifer Warnes), Drummer Les Fisher (The Boneshakers, Brothers Johnson, George Lopez), dem großartigen Keyboarder Stefano Intelisano (u. a. Patty Griffin, BoDeans, Cooder Graw) und dem hier stark agierenden Gitarrist Dave Sebree (Double Trouble, Christopher Cross). Fronter Malford Milligan singt sich in bewährter Form wieder die Seele aus seinem Leib.

Das Quintett verwöhnt den Hörer mit zehn wunderschönen Songs, die natürlich Storyville-Liebhabern satten Genuss bieten werden, aber auch mit vielen kleinen Reminiszenzen an etablierte Rockmusikgrößen, die durchaus den potentiellen Käuferschicht-Rahmen erweitern könnten.

Der Opener „From Now On“ groovt direkt lässig mit einer an Gregg Allman erinnernden Hammond-Orgel und einer plusternden Bläser Section (u. a. John Mills, Kevin Flatt, Jon Blondell, Eric Johnson) lässig vor sich hin. Sofort herrlich souliger Blues Rock zum Einstand! Das unterschwellig Country-angehauchte „Under The Bridge“ besticht durch eine tolle Melodie und wird von Sebrees Slide-Führungsriff getragen. Die starke Background-Sängerin Lisa Tingle haucht Milligan sexy die Titelzeile und ihre ‚Uuhs‘ entgegen. Intelsanos gluckerndes Orgel-Solo gegen Ende ist einfach nur klasse.

Das dezent psychedelisch-poppige „Thief Of Hearts“ lebt von Milligans typisch temperamentvollen Gesang und einem filigranen, Melodic Rock-tauglichen E-Solo Sebrees. „Stand Up Man“ steht wieder im Zeichen von Stefano Intelisano, der mit markantem E-Piano und Steve Winwood-Gedächtnis-Synthie-Solo die Hauptakzente setzt.

Die texanische Antwort auf Gary Moores „Still Got The Blues“, „Anyday Like Yesterday“, schließt die erste Hälfte des Albums ab. Eine bluesig-soulige Ballade zum Niederknien, bei der Milligan gesangstechnisch alles aus sich herausholt. Gänsehautgarantie!

Das mit einer raunzender Orgel unterlegte „Ain’t That Sexy“ hätte gut auf das Storyville-Album „Piece Of Your Soul“ gepasst. Dazu gibt es wieder ein sattes Sebree-E-Solo. Zeit zum Entspannen offeriert das mit einem leichtem Reggae-E-Gitarren-Rhythmus bestückte „Nothing But Love“. Schön hier erneut die einfühlsamen Bläser, die dem soulig-bluesigen Groover die Würze verpassen und das entspannte E-Solo von Dave Sabree.

Ein weiteres Highlight auf einem durchgehend faszinierenden Album ist das an Steely Dan angelehnte, furios jazzende „Katy Don’t Kill Me“. Intelisano mit bestechendem Piano-Spiel, Becks ‚knallendes‘ Bass/Solo-Spiel und Milligans vokale Perfomance (mit eunuchenhafter Gesangseinlage) vermitteln authentisch den ungeheuren Spaß, der im Studio geherrscht haben muss.

Ganz großes Kino ist „Trippin‘“: Intelisanos fulminante „Smoke On The Water“-Orgel erweist im Studio Jon Lord seine Ehre und Sebrees heulendes E-Solo macht diesen Song zu einem, auf den Punkt gebrachten, kleinen dreckigen Rocker. Am Ende dieses grandiosen Werkes darf man sich bei „Onward“ nochmal in der Tradition der großen Storyville-Balladen à la „Don’t Make Me Cry“, verwöhnen lassen. Großartig.

Fazit: Man braucht bei Big Cat nicht wirklich die Katze aus dem Sack lassen. Ein Album, das den rauen Charme von Storyville durchaus wieder aufleben lässt, sich aber dank der tollen Musiker der Austin-Musik-Szene in Form von Intelisano-Keyboards, Sabrees fulminanter E-Gitarrenarbeit, der Southern-kompatiblen weiblichen Backgrounds Tingles, sowie der plusternden Bläser-Zutaten deutlich flexibler, variabler und souliger gibt. Ein Juwel, das in jede vernünftige Sammlung gehört. Herrlich!

Mark One Records (2015)
Stil: Blues/Soul Rock

01. From Now On
02. Under The Bridge
03. Thief Of Hearts
04. Stand Up Man
05. Any Day Like Yesterday
06. Ain’t That Sexy
07. Nothing But Love
08. Katy Don’t Kill Me
09. Trippin‘
10. Onward

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Bärchen Records

SIMO, 14.04.2016, Turock, Essen – Konzertbericht

Nachdem ich mit Michael Lee Firkins vor Kurzem einen Gitarrenhexer der bereits arrivierteren Frickelfraktion hautnah erleben durfte, stand mit JD Simo ein Vertreter der noch jungen Wilden im Essener Turock auf dem Programm. Als Support hatte zunächst das Duo Powder From Pigeons mehr lärmenden, als bleibenden Eindruck hinterlassen, was zumindest den Vorteil hatte, dass man sich schon mal an das auch von SIMO nicht minder aufgefahrene Dezibel-Level gewöhnen konnte.

Um kurz nach 21:00 Uhr kam der Protagonist, in Begleitung seiner beiden Mitspieler Adam Abrashoff (drums) und Pfeifenraucher Elad Shapiro (bass) an Krücken auf die Bühne gehumpelt. Jetzt erschloss sich auch der Sinn, warum man eine Transportbox direkt hinter das Mikro platziert hatte. Sie diente während des gesamten Konzertes als Sitzunterlage für den offensichtlich gehandicapten Frontmann. Also von wegen ‚verweichlichte junge Generation‘. JD Simo war der lebendige Beweis, dass man sich heute durchbeißt.

Das aus Nashville stammende Trio eröffnete mit dem riffigen Willie Dixon-Song „You Need Love“. Vermutlich spätestens jetzt, als Simo seine geliebte Gibson Les Paul in der Hand hatte, waren etwaig behindernde Schmerzen vergessen. Wie schon im Review zu seinem aktuellen Werk „Let Love Show The Way“ bereits angemerkt, wurde JD Simo ja übrigens in den erlauchten Club der wenigen Gitarristen aufgenommen, die Duane Allmans legendäre 1957er Les Paul Gold Top zum Einspielen der Tracks benutzen durften. Diese hatte er natürlich naturgemäß nicht mit dabei.

Von der aktuellen Scheibe präsentierte er dann Sachen wie „Two Timin‘ Woman“, „Long May You Sail“, „I’ll Always Be Around“ oder den „Stranger Blues“, wobei seine Vorliebe für Bands der 70er Jahre wie Led Zeppelin, Fleetwood Mac zu Peter Green-Zeiten & Co. deutlich zum Tragen kam. „What’s On Your Mind“ vom Erstwerk, ein psychedelisches Instrumental (inkl. Drum-Solo von Abrashoff und Pfeife-Anzünden von Shapiro) und eine starke Fassung von „With A Little Help From My Friends“ (auch Simos Schrei im, durch den verstorbenen Joe Cocker berühmt gewordenen Bridge, war nicht von schlechten Eltern), blieben in Erinnerung.

Gegen 22:15 Uhr fand der Hauptteil sein Ende, der in zwei lautstark eingeforderten Zugaben, u. a. mit Howlin Wolfs „Evil“ seine Fortführung und den Abschluss fand. Nach knapp 90 Minuten endete ein unterhaltsamer, mit viel filigraner E-Gitarren-Frickelarbeit durchzogener Gig. Die knapp 100 Leute im Turock hatten einen der kommenden Gitarren-Stars der Blues Rock-Szene bewundern dürfen.

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Turock Essen

Brandon Jenkins – Blue Bandana – CD-Review

Brandon Jenkins Cover

Brandon Jenkins hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Damit meine ich in erster Linie eigentlich nicht sein oberstes Körperteil (auch wenn dies mit Glatze und langem roten Rauschebart ebenfalls eine gewisse Extravaganz widerspiegelt, abgesehen von seinen reichhaltigen Tattoos, die ihn quasi zu einem wandelnden Kunstwerk gemacht haben). Nein ich rede von seinem Kopf, den er als Musiker und Mensch vornehmlich zum Nachdenken und Kreieren benutzt und mit diesem, im Gegensatz zu den meisten, oberflächlich strukturierten Amerikanern, Dinge differenziert und (selbst-) kritisch betrachtet und zu seiner Meinung sowie dem damit verbundenen Handeln im Wesentlichen auch steht.

So konfrontiert Brandon seine Anhängerschaft auf seinem 13. Album „Blue Bandana“ mit Material, das sich vom Rahmen seines bisherigen Schaffensspektrums doch ziemlich unterscheidet. Der aus Tulsa stammende, seit vielen Jahren in Austin, Texas, lebende Vollblutmusiker/Songwriter, hat dieses Werk, das nur digital produziert wurde, in gerade mal zwei Tagen mit Langzeitfreund Dave Percefull (zusätzlich an den Reglerknöpfen) in dessen Yellow Dog Studio in Wimberly eingespielt und verarbeitet.

Herausgekommen ist ein instrumentell sparsam arrangiertes Gebilde von zehn Stücken, bei denen vornehmlich Brandons Gesang, eine knarzige Akustikgitarre und eine, auf allen erdenklichen Arten surrende Fiddle, die Hauptrollen spielen. An Jenkins‘ Stimme haben sich in meinem Bekanntenkreis schon immer die Geister geschieden. Die meisten kommen mit seinem knochigen hölzernen Gesangsstil überhaupt nicht klar. Mir persönlich gefällt er aufgrund des hohen Grades an Unverwechselbarkeit und Wiedererkennung. Sein vokales Organ kommt hier auf „Blue Bandana“ natürlich noch deutlicher zum Tragen.

Lediglich beim fröhlichsten Track (wenn man das hier überhaupt so bezeichnen darf) „High John The Conquerer“ und dem, von einem Southern Redneck-Flair umwehten Titelstück „Blue Bandana“ ist mal eine dezent hallende Orgel zu vernehmen, auch Drums und Percussion wurden sehr ‚zurückhaltend‘ eingesetzt. Stücke wie der Opener „Black Mood Ring“, der wie ein Grabesrede für eine gescheiterte Beziehung daherkommt, der leicht Gypsy-mäßige Coutrysong „She Likes To Ride“, das atmosphärische „The Path“ oder das, das trostlose Arbeiterleben in den Fabriken, melancholisch reflektierende „Under The Shadow Of The Refinery“ nehmen nach mehrmaligem Hören doch zunehmend gefangen.

„Burn“ versetzt sofort das Kopfkino in Gang und man sieht Brandon förmlich mit einer Akustikgitarre abends vor einer Brandstelle sitzend und über das Leid in der Welt sinnieren. In eine ähnliche Erzählgesangsrichtung gehen weitere Lieder wie „Don’t Hold On To The Past“ und das abschließende „Send Down An Angel“, wo es als Rhythmusunterstützung lediglich ein paar Claps von Brandon an den Korpus seiner Akustikklampfe zu vermelden gibt.

„Blue Bandana“ von Red Dirt-Legende Brandon Jenkins, ist, wie beschrieben, ein insgesamt sehr spezielles, aber überaus authentisches Werk geworden, für das man sich Zeit nehmen, sowie Ruhe lassen muss und mit dem man sich erst nach mehrmaligem Hören besser anfreundet. Ehrlich gesagt, fehlt mir doch ein wenig sein kratziges E-Gitarrenspiel (auf das gänzlich verzichtet wurde), das man, meiner Ansicht nach, durchaus an der einen oder anderen Stelle (als Fills oder Kurzsolo) hätte einfließen lassen können, ohne dem Werk seinen Charakter zu nehmen. Vielleicht wäre es ja eine interessante Option, dieses Album mal irgendwann als ‚Vollversion‘ umzusetzen.

Brandon Jenkins spielt übrigens mit dem Gedanken, demnächst nach Nashville zu ziehen. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss Music City und seine Songwriter-Szene auf diesen eigenwilligen Musiker haben wird, der immer für neue Wege und Inspirationen offen ist.

Red Dirt Legend Recordings (2016)
Stil: Red Dirt / Singer/Songwriter

01. Black Mood Ring
02. She Likes To Ride
03. The Path
04. Under The Shadow Of The Refinery
05. Burn
06. High John The Conquerer
07. Reeva
08. Blue Bandana
09. Don’t Hold On To The Past
10. Send Down An Angel

Brandon Jenkins
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Mark Gillespie & Band – 08.04.2016, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Während 99,99% der Dortmunder vermutlich – angesichts der ergreifenden Tuchel-Klopp-Rührstücks vom Vorabend – noch damit beschäftigt waren, sich des nicht enden wollenden Tränenmeers ihrer zutiefst geröteten Augen zu entledigen, fanden ein paar Unentwegte, samt einiger Auswärtiger wie mir, den Weg in das schöne Jugendstil-verzierte Musiktheater Piano, um sich Kommerz-, Doping- und Wettbetrugs-freier Kultur hinzugeben.

Der Vollblut-Entertainer mit der eigenwilligen Straßenmusiker-Vita, Mark Gillespie, hatte sich angesagt. Ein Garant für lebensnahe, humorvolle und stilsichere Unterhaltung! Das Piano, war für einen Freitag Abend enttäuschender Weise somit nur halb belegt, durch die fast optimale Verteilung des untereinander auf Tuchfühlung bedachten Publikums, wirkte der Saal aber irgendwie trotzdem ganz gut gefüllt.

Ich selbst bin nicht der große Gillespie-Experte und habe ihn an diesem Freitag zum ersten Mal live erlebt. Ich kannte im Vorfeld einzig und allein nur seine starke Live-DVD, wo ich sofort von seiner Stimme, seinem Charisma und den versierten Mitmusikern fasziniert war. Auch die lässig und relaxt groovende melodische Mucke mit ihrem dezenten Southern Soul-Flair war mir auf den Leib geschnitten.

Der ‚Boy from Manchester‘ wie sich Mark am Ende des Gigs selbst bezeichnete, präsentierte auf seiner aktuellen ‚Circle Of Life‘-Tour ausschließlich Stücke aus seinem eigenen Fundus. Er selbst bewies naturgemäß mit Gesang, Gitarre, Percussion via Tambourine und mitgebrachtem ‚Spielzeug‘ (O-Ton Gillespie), einem Roland Handsonic Percussion Pad, seine variablen Fertigkeiten.

Als Unterstützung hatte er die Rhythmusfraktion, bestehend aus Drummer Klaus Tropp und Frank Höfliger am Bass, den Keyboarder Olaf Roth sowie den mit E-Gitarre und Trompete beeindruckenden Burghard Mayer, an seiner Seite stehen. Wie im Vorfeld bereits vermutet, fehlte leider der von mir, bei solcher Art von Musik so geliebte weibliche Background-Gesang, was der aber insgesamt guten Vorstellung nicht abträglich war.

Das Quintett eröffnete mit dem atmosphärisch groovenden „Take To The Skies“ und dem Trompeten-bestückten „Chasing The Moon“. Im folgenden Verlauf offerierten Gillespie & Co. eine bunte Mischung an Tracks wie „April Sun“, „I Believe“, „The Road“, dem jazzigen „I Miss My Mommy“ (inkl. Soli aller Beteiligten),“Whatever That Means“ (mit leichtem Bon Jovi „Dead Or Alive“-Touch) und Sachen wie „So Beautiful“ (schönes Piano-Solo), „Easy“, dem rockigen „Don’t Know What To Do“ (mit quirilgem E-Solo von Mayer) bis hin zum, den Hauptset abschließenden, wieder ein wenig jazzig servierten Paradestück „Supersonic Sunday“.

Zwischenzeitlich fand Gillespie immer wieder Gelegenheit, über Dinge wie u. a. die richtige Aussprache seines Namens, die Mühen und Nöte im digitalen Zeitalter, die Entwicklung seiner beiden Töchter von Engeln zu Teenager-Teufelinnen, zu witzeln. Schön war auch zu erfahren, wozu er so allem fähig wäre, wenn man ihm seine Arbeitsgrundlage entziehen würde.

Im üppigen Zugabenteil ließen die Protagonisten, auf Publikumswunsch hin, zwischen dem melodisch groovenden „Give It Time“, dem passend in rot-grün-gelb beleuchteten launigen Reggae-Schunkler „Don’t Mess Around“, wo Mark auf seinem ‚Spielzeug‘ solierte, und dem von ihm allein zelebrierten melancholischen „The Light At The End“, nochmals das Stimmungsbarometer in verschiedene Richtungen pendeln. Beim finalen letztgenannten Stück stellte Mark witziger Weise, seine Bandkollegen ausgiebig vor, ohne dass sie auf der Bühne anwesend waren.

Nach knapp 2 ¼ Stunden intensiver und authentischer Musik (erinnerte mich insgesamt so ein bisschen an Chris Rea) verabschiedete sich der britische Allroundmusiker, um mit seinen Mannen in der Nacht noch pünktlich das Hotel in Osnabrück zu erreichen, wo am folgenden Abend schon der nächste Auftritt ansteht. Für mich persönlich, der ja eigentlich anderen Musik-Präferenzen unterliegt (es hätte gern etwas Southern-angehauchter sein dürfen), war es eine schöne angenehme Unterhaltung zum Abschluss einer langen Arbeitswoche.

Achja, und ich habe übrigens für den Gillespie-Gig doch glatt einen so herausragenden Klassiker wie RW Ahlen gegen den einzig wahren Fußball-Verein dieser Welt, Rot-Weiss Essen, sausen lassen…

Mark Gillespie
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Musiktheater Piano

Cooder Graw – Wake Up – CD-Review

CGraw

Wenn es sich eine Band erlaubt, einen der besten Songs des Albums als „hidden-track“ zu bringen, der ohne Übertreibung schon allein das Geld wert ist, zeugt das von einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Zu recht, denn mit ihrem dritten Studioalbum „Wake Up“ ist Cooder Graw ein echter Meilenstein im Country/New Country/Alternate Country/Countryrock-Genre mit 14 ebenso prächtigen Liedern, die vor besagtem, nicht in der Tracklist aufgeführtem Bonusstück platziert sind, gelungen, was zu die Vermutung zulässt, dass noch jede Menge kreatives Potential in diesem Quintett schlummert.

Eigentlich wollte man sich vor sieben Jahren mal nur zu einem gemütlichen Bier treffen und ein wenig jammen, man spürte aber sofort, dass die Geschichte ausbaufähig sein würde. Sänger Matt Martindale eröffnete nach Abschluss des Debütalbums seiner zum zweiten Mal schwanger gewordenen Frau, dass er die Juristerei an den Nagel hängen wolle, und sich vollständig der Musik widmen werde. Ein weiser Entschluss!

Auch Gitarrist Kelly Turner hatte zunächst ausdrücklich nur für einen Gig seine Unterstützung zugesagt, ist mittlerweile aber aus der Band nicht mehr wegzudenken. Ein mit entscheidender Grund der außerordentlichen Beliebtheit von Cooder Graw dürfte auch die ständige Live-Präsenz sein. Man höre und staune: Die Jungs stehen seit sieben Jahren fast jedes Wochenende auf der Bühne, was ihnen in Kritikerkreisen den Spitznamen „Road Warriors“ einbrachte.

Zwei personelle Veränderungen gibt es auf dem aktuellen Album: Nick Worley (Fiddle, Mandoline) und Kelly West (Drums) sind mittlerweile fest im Line-up integriert und stellen eine spürbare Belebung dar. Die Stücke sind allesamt abwechslungsreich, mit vielen instrumentalen Finessen und textlich intelligent verpackt. Eigentlich hätte jedes für sich ein paar Zeilen verdient.

Eine kleine Auswahl: „Clarksdale“, ein knackig kratziger, rootsiger Countryrocker mit sattem Rhythmusteppich, bestehend aus druckvollen Drums, Slidegitarre und Fiddleelementen, heizt direkt mal richtig ein. Sicherlich ein tolles Live-Stück! „Lifetime Stand“, die erste Single, ein melodisches, auf traditionellen Countryelementen basierendes, lockeres New Country-Lied mit netter Akustikgitarrenbegleitung und dezenten Fiddleeinlagen handelt von der oftmals schwierigen Suche einsamer Menschen, den richtigen Partner zu finden. „That Girl Crystal“ ist der absolute Kracher der CD. Der Song wurde von allen Bandmitgliedern zusammen komponiert. Er variiert zwischen Mid- und Uptempobereich, Martindales Stimme pendelt irgendwo relaxt an der Schnittstelle zum Sprechgesang. Granaten-Stratocaster-E- und Slidegitarrenspiel von Kelly Turner, inklusive eines furiosen Abschluss-Solos. Rootsig, staubig, trocken… – Texas Red Dirt Countryrock vom Feinsten!

„Ugly Angel“ ist eine herrliche Ballade, wieder mit wunderbaren Akustik und E-Gitarren, sowie unaufdringlichen Hammond-Einsätzen von Gastmusiker Andy Langham. Ach ja, da war ja noch der eingangs erwähnte „hidden track“ mit dem Titel „Come Pick Me Up“, eine Power-Ballade, die nach bedächtigem Akustik-Intro mit Einsatz von Piano, E-Gitarre, Fiddle und Neil-Young-mäßigem Harmonika-Spiel immer mehr Fahrt aufnimmt. Herrlich! Also bitte ’ne gute Minute nach Stück 14 warten und keinesfalls vorher die Repeat-Taste drücken. Für Cooder-Graw-Neueinsteiger wären z.B. Cross Canadian Ragweed, Django Walker oder Jason Boland & The Stragglers weitere, vergleichbare Orientierungshilfen.

Erwähnenswert vielleicht auch noch das lustige Titelbild (sieht aus wie eine Werbung für Kellogs Cornflakes) vom Bassisten Paul Baker kreiert, der auch das komplette graphische Design übernommen hat. Neben der vermeintlichen Müsli-Schale steht etwas von „Wake up“ (der Titel des Albums), „Net wt. 14 songs“ (eigentlich sind’s ja 15) und „A great way to get thru your day“! In der Tat, mit diesem Album kommt man bestens durch den Tag! Und auch durch den nächsten, den übernächsten…! Insgesamt ein brillantes Team-Work mit einer Spieldauer von weit über einer Stunde, das anregend und entspannend zugleich wirkt. Texas Country/Countryrock von seiner allerbesten Seite!

Smith Entertainment (2004)
Stil: Country Rock

01. Clarksdale
02. Lifetime Stand
03. Wake Up
04. That Girl Crystal
05. He Ain’t Ever Gonna Leave Her
06. Ugly Angel
07. Next To The Truth (Chiclets)
08. Afraid Of The Dark
09. Tomorrow’s Milk
10. How Can I Sleep
11. (Welcome To The) End Of The Road
12. Dirty And Sober
13. I Got Kids
14. Many Moons
15. Come Pick Me Up (Hidden Track)

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Bärchen Records