Man kann schon in unseren Breitengraden richtig neidisch werden, wenn man sieht und hört, was im Bundesstaat Texas so alles an hochkreativer Musik fabriziert wird. Nächstes Beispiel ist die Band Dolly Shine, die jetzt mit „Walkabout“ nach dem Debüt „Room To Breathe“ und der EP „All In“ ihren dritten Tonträger veröffentlicht.
Benannt nach einer spanischen Redensart im tiefen Süden von Texas („Dale Shine“), die im übertragenen Sinne hier bei uns so etwas wie ‚Gib Gas‘ bedeutet, hat sich das Quintett aus Stephensville in diversen Besetzungen zu einem mittlerweile richtig heißen Red Dirt-Act entwickelt. Stücke wie „Spinning My Wheels“, „Should Have Known“, „Her Name Was Trouble“ oder „Dangerous Love“ hatten bereits die Texas Music Charts erobert.
Die beiden Gründungsmitglieder Zack McGinn (Lead vocals) und Wes Hall (Fiddle) haben sich mittlerweile den starken E-Gitarristen Jerrod Flusche gekrallt und mit Ben Hussey (Bass, vocals) sowie Johnny Goodson (Drums, percussion) die passende Rhythmus-Fraktion gefunden. Produziert haben Hussey und Josh Serrato (der sich hier auch mit diversen Saiteninstrumenten und B3-Organ einbringt), besonders bekannt für ihre Mitwirkung als Musiker bei Six Market Blvd.
Schon der ruppig polternde Opener „Blackbird“ deutet an, wie diese Truppe die dortig einschlägigen Lokalitäten wie das Billy Bob’s Texas, Gruene Hall & Co. in Wallung zu verbringen mag. Schon hier offeriert sich ein Trademark der Band, das sich wie ein roter Faden durch alle Stücke zieht, und zwar das wüste Fiddlespiel von Wes Hall, der es immer wieder geschickt versteht, sein Teil in allen erdenklichen Variationen wie ‚Sägen‘, ‚Quietschen‘, ‚Surren‘, ‚Heulen‘ oder sonstwie in den Fokus zu rücken, allerdings in Flusche, mit seinen E-Gitarren-Attacken, einen kongenialen, ihm Paroli bietenden Mitspieler erwischt hat.
Das folgende flockige, an der Schnittstelle zwischen Reckless Kelly und Micky & Motorcars liegende „Come Out Swingin'“ besticht durch die hervorragende Harmonie zwischen Fronter Zack McGinn und der zauberhaft mitsingenden Rachel Loy, die u. a. auch beim grandiosen atmosphärischen Abschlussstück „Old Flame“ nochmals zum Einsatz kommt. Höre ich immer wieder gerne!
Die Jungs haben auch eine sporadisch düstere Note in ihren Tracks, was bei Liedern wie „Rattlesnake“ (kühle Fiddelei von Hall) oder dem schon fast bedrohlich wirkenden Southern-Stampfer „Hitchhikin‘ zum Ausdruck kommt. Auch der absolut überragende Song des Werkes „“Snakeskin Boots“, mit seinem bedrückenden Fiddle-/Banjo-Intro geht auch in diese Richtung. Ein hallendes und gurgelndes B3-Organ und Flusches starke E-Arbeit verleihen dem Stück eine leicht swampige Atmosphäre. Klasse auch das Bridge, in dem McGinns Stimme durch eine Voicebox modifiziert wurde. Grandiose Musik!
Für die Charts bleiben dann die eingängigen Sachen wie „Closing Time“ (mit schön klirrender Mandoline), „Twist The Knife“ (launiger Refrain, sirenenartige Fiddle, markante E-Gitarrenlinie) und das rockig-rhythmische und trotzdem sehr melodische „Anywhere Close To Find“ über.
Insgesamt entpuppt sich das neue Werk „Walkabout“ von Dolly Shine, wie der Titel es schon suggeriert, als runde Sache. Sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Jedes Stück eine Perle für sich. Wer auf recht Fiddle-dominierten Red Dirt Richtung Reckless Kelly, Casey Donahew Band, oder Micky & Motorcars steht (Texas Renegade– und Randy Rogers Band-Liebhaber dürfen auch mal ein Ohr riskieren) ist hier an der richtigen Adresse.
Die typisch geschmackvolle Cover-Art-Gestaltung der, bei uns auch schon oft erwähnten, Dodd-Sisters (Backstage Design Studio), kommt auch noch hinzu. Wir sind uns ganz sicher, dass Dolly Shine in der nächsten Zeit noch ordentlich Gas geben werden! Tolle Burschen!
Vision Entertainment (2016)
Stil: Red Dirt
01. Blackbird
02. Come Out Swingin‘
03. Closing Time
04. Rattlesnake
05. Twist The Knife
06. Anywhere Close To Fine
07. Snakeskin Boots
08. Hitchhikin‘
09. Old Flame
Dolly Shine Wie bereits beim Konzertbericht erwähnt, war eigentlich nur ein Interview mit Robert Jon Burrison geplant, aber im kleinen Band-Kämmerlein der Kulturrampe in Krefeld, wo alle Bandmitglieder anwesend waren, entwickelte sich umgehend ein Gespräch, bei dem fast alle was zu sagen hatten. Sounds Of South: Kannst du uns bitte etwas über deinen persönlichen/musikalischen Werdegang erzählen. Robert Jon Burrison: Wir kommen alle von verschiedenen Orten, was natürlich zur Folge hat, dass wir musikalisch sehr unterschiedlich geprägt sind, um da beispielsweise Sachen wie Punk, Klassik, Broadway, die 80er, ein wenig Pop zu nennen, ich persönlich wurde auch von meinem Vater geprägt, der auf Gospel-Platten, Oak Ridge Boys und Gaither Brothers stand, dazu, als ich älter wurde, vom Classic Rock, ja, so lief es. Sounds Of South: Wer sind deine musikalischen Vorbilder, speziell auch, was den Gesang angeht, hat z. B. Ronnie Van Zant eine Rolle gespielt? Robert: Ich weiß nicht, ob Ronnie Van Zant ein Vorbild ist, aber er war natürlich toll. Dave Pelusi (Frage an Jon): Mariah Carey? Robert: Natürlich ist Mariah Carey ein großes Vorbild (zustimmendes Gelächter seiner Kollegen)! Ansonsten inspiriert mich Chris Robinson, wie er den Blues singt und die ganzen Variationen in seiner Stimme. Dazu bin ich Fan von Aerosmith, im Speziellen von Steven Tyler, der so extrovertiert singt, wie ich es leider nie tun werden kann. Dazu kommt hauptsächlich Jay Buchanan von den Rival Sons, der mir deswegen am nächsten steht, weil er ein guter Freund von mir ist, und den ich demnach auch gut leibhaftig studieren kann. Sounds Of South: Wie kam der Bandbeiname ‚The Wreck‘ zustande? Robert: Als wir angefangen haben, Songs als Band zu schreiben und eine Einheit wurden, haben wir uns trotzdem für die Solonummer entschieden, wir hatten dann für den Beinamen eine Internetumfrage gestartet, wo drei Namen zur Auswahl standen, wobei ‚The Wreck‘ von vorne herein, sich als der coolste herausstellte. Den haben wir genommen und es läuft damit auch ganz gut. Sounds Of South: Wie beurteilst du die aktuelle Situation im Southern Rock? Kristopher Butcher: Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, ob wir zur Szene dazu gehören, wir kennen kaum moderne Bands des Genres. Klar sind Einflüsse da, aber wir lieben Rock’N’Roll, bedienen uns an Sachen der 60er, Einflüsse von britischen Gruppen der 70er, klassischem Rock, usw. Ich weiß wirklich nicht, ob das so ist. Sounds Of South: Wir meinen aber schon, dass ihr eine der wichtigsten Bands der neuen Szene seid! Alle: Oh, vielen Dank, das ehrt uns natürlich! (Fotograf Gernot wirft noch Marshall Tucker Band-Einflüsse ins Gespräch – die Jungs quittieren es mit „Yeah, thanks!“) Sounds Of South: Cooles Cover! Gab es schon erste Proteste von Frauenverbänden (sattes Gelächter im ganzen Raum)? Robert: Nein bisher nicht, aber einige Kommentare dazu auf Instagram. Sounds Of South: Welche Idee stand dahinter? Kristopher: Girls und Rock’n’Roll! Die gehen Hand in Hand. Dazu sieht das Cover auf einer großen Vinyl-Scheibe klasse aus. Es löst Diskussionen aus und Leute reden darüber, von daher funktioniert es. Sounds Of South: Könnt ihr bitte ein Statement zum neuen Album „Good Life Pie“ abgeben? Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden? Andrew Espantsman: Man ist nicht immer 100% zufrieden, auch wenn man versucht, immer 100% zu erreichen. Aber wir sind schon recht nahe dran gewesen. Wir haben einen guten Job gemacht, sehr schnell, fast in einer Woche alles eingespielt, in einer weiteren Woche alles abgemischt. Das Resultat ist gut. Sounds Of South: Welchen Rolle spielt für euch der europäische Markt, was z. B. Konzerte oder Merchandising betrifft. Robert: Sehr wichtig, schon als wir das erste Mal hier waren, lief alles unglaublich gut. Fast besser als in den Staaten. Wenn wir hier so zwischen vier und sechs Wochen spielen, treffen wir natürlich auf jede Menge unterschiedlicher Leute. Es macht einfach Spaß, immer wieder neue Örtlichkeiten und neues Publikum kennen zu lernen. Daraus ergeben sich natürlich auch viele Gelegenheiten, Leute für uns zu begeistern. Kristopher (es auf den Punkt bringend): Spielst du eine gute Show, kaufen die Leute natürlich auch vermehrt die Merchandising-Produkte. Sounds Of South: Welchen Stellenwert nehmen Online Magazine wie ‚Sounds Of South‘ bei euch ein? Andrew: Natürlich einen hohen. Jedes Review, jeder positive Kommentar, gerade von Leuten wie euch, die unsere Band mögen, ist für uns ein großer Vorteil. Finden wir toll! Großartig. Robert (fügt hinzu): Es ist natürlich unglaublich überwältigend, in Online-Blogs erwähnt zu werden, von Leuten kommentiert zu bekommen, was du als Band machst. Wir fahren von Gig zu Gig, die Leute beobachten unsere Entwicklung und reden zeitnah darüber. Das ist klasse. Kristopher (ergänzt): Und viele neue Leute kommen zu unseren Shows, die ansonsten vielleicht sonst nicht gekommen wären. Sounds Of South: Eine politische Frage: Band (kollektiv): Yeah, die beantworten wir besonders gerne (Gelächter)! Sounds Of South: Wo ordnet ihr euch politisch ein und was denkt ihr über das aktuelle europäische Flüchtlingsproblem? Kristopher: Es ist natürlich sehr traurig, was da momentan passiert. Leute müssen raus aus ihrer Heimat und alles hinter sich lassen. Sie kommen in neue Länder und bekommen gesagt, du gehörst hier nicht hin. Wir kriegen das in Amerika zwar nicht ganz so stark mit, aber es ist definitiv traurig. Andrew (fügt hinzu): Es ist natürlich großartig, dass Deutschland hier soviel Verantwortung übernimmt, auch wenn damit sicherlich große Probleme verbunden sind, so viele Leute aufzunehmen. Kristopher (weiter): Viele Leute sind unschuldig an den Umständen und wollen nur sicher leben. Sounds Of South: Ist aber Amerika mit seiner destabilisierenden Politik in diesen Regionen nicht auch stark mitverantwortlich? Andrew: Es ist extrem schwierig, ich verstehe was du meinst. Ich denke schon, dass Amerika nicht nur schlechte Absichten hat. Würden wir nichts tun, würden wir auch kritisiert. Das sind Sachen, wo du einfach nur verlieren kannst. Wir verstehen aber, wen man in Deutschland eine kritische Haltung gegenüber den USA hat. Robert (final): Robert Jon & The Wreck sind jedenfalls nicht schuld! Sounds Of South: Daran besteht kein Zweifel! Sounds Of South: Wie sehen deine/eure Freizeitaktivitäten, mal abseits der musikalischen Schiene gesehen, aus? Robert: Trinken (Gelächter)! Andrew: Karaoke! Robert (relativierend): Wir haben zu hause alle auch noch Jobs neben der Musik! Wir müssen Geld verdienen, ob wir Musik machen oder nicht. Wir können leider nicht die Füße auf den Tisch legen. Kristopher: Ich backe und koche sehr gerne und arbeite bevorzugt mit meinen Händen. Ich bin gerne beschäftigt. Dave (dazu im Hinblick auf Butcher): Kuchentafeln decken… (kollektives Gelächter)! Andrew: Wir sind natürlich gerne am Strand, wo wir auch häufig musizieren. Kristopher: Der Typ hängt immer nur im Wasser rum (Gelächter)! Sounds Of South: Vielen Dank für das lebhafte Gespräch! Bilder: Gernot Mangold Robert Jon & The Wreck Das Gewinnspiel ist beendet. Die die schwierig zu beantwortende Lösung lautete ‚Houston‘. Über eine starke CD darf sich Peter Trägner aus Gera freuen, der das Werk in den nächsten Tagen zugeschickt bekommt! Sounds Of South wünscht viel Spaß damit! —————————————————————————————————— Es gibt eine CD der Texaner zu gewinnen! Wir hatten neulich über das großartige Debüt der New Offenders „Stones To Throw“ im Sounds Of South berichtet. Folgende Frage muss richtig beantwortet werden: Aus welchem Ort stammen The New Offenders? a) Husten Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 10.06.2016 an dan@sounds-of-south.de. Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird. Herrlicher, wunderbar rootsiger, zuweilen gar mit ein wenig Blues- und Southern Rock-Flair umwehter, prächtig in Szene gesetzter Americana, Americana-Rock und Country Rock aus Texas – natürlich mit dem unwiderstehlichen, erdigen den „Red Dirt-Staub“ am Stiefel klebend, wie man es eben nur im „Lone Star State“ erlebt. Großartig! Der aus Austin stammende, bisher wohl nur Insidern bekannte Aaron Einhouse veröffentlicht mit „It Ain’t Pretty“ schon sein viertes Album und dürfte jetzt endgültig richtig durchstarten. Was für eine tolle Musik, was für eine grandiose Stimme! Stücke wie Townes Van Zandts „To Live Is To Fly“ und Jerry Jeff Walkers „Getting By“ bei der Beerdigung seines Onkels waren einst die Initialzündungen für Aaron, sich ebenfalls der Musik und dem Songschreiben zu widmen. Auch anderer Künstler aus diesem Dunstkreis, wie Guy Clark, Steve Earle, John Prine und Texas-Urgestein Walt Wilkins waren seine Inspiration. Heute ist die Musik und das Songwriting seine Mission. Dem Ziel, eines Tages zu der ganz großen Zunft des Genres zu gehören und es seinen Helden gleich zu tun, ist er mit seinem neuen Werk, bei dem er sämtliche Tracks praktisch im Alleingang komponiert hat (nur bei zwei Stücken assistierten ihm Johnny Chops, der Bass-Spieler der Randy Rogers Band und Hal Ketchum), ein ganz großes Stück näher gekommen. Da gerät sein Mentor und Freund Walt Wilkins regelrecht ins Schwärmen: „Aaron is a true son of Texas, poetry, and the open road. He has an eye and a feeling for the human condition and his fellow man, and a stage presence that a bunch of us would trade for. There is a deep sensitivity in his songs, as well as humor and pathos. He’s as real as the places and folks he writes and sings about, and I’m looking forward to the next songs.” Das von vorn bis hinten exzellente Songmaterial kommt in einem schön „saftigen“, zumeist mit tollen Gitarren in Szene gesetzten, erdigen, kraftstrotzenden, aber auch flüssigen und überaus melodischen Gewand. Da passt alles zusammen. Noch beeindruckender als Aarons starke kompositorischen Fähigkeiten ist zweifellos sein unglaublich charismatischer Gesang. Seine Stimme wirkt wie eine bestechende Symbiose aus Reckless Kellys Willy Braun, Robert Earl Keen und Jack Ingram. Schon nach den ersten Kostproben seines vokalen Könnens beim satten, brodelnden, Harp-getränkten, bluesigen, southern-swampigen Red Dirt-Rootsrocker „Dancin'“ zum Auftakt (tolle Slideguitar-Licks, gut nach vorn gehender Drive), weiß man, dass hier etwas ganz Besonderes auf einen zukommt. Der Song wurde übrigens zu Beginn und Ende von Soundschnipseln aus dem Film „Apocalypse Now“ eingerahmt. Die Idee dazu hatte Erik Herbst (Eli Young Band, Kyle Bennett Band, Sam Riggs), der dieses tolle Werk auch in einem, herrlich zu Einhouses „Röhre“ passenden, sehr kraftvollen Sound produziert hat. Der Kontakt zwischen beiden war übrigens durch das Management von Sam Riggs zustande gekommen. Herbst sorgte in seinem „Panhandle House“-Studio dazu mit Leuten wie Tony Browne, Lucas Copeland, Jonathan Baulista, Tim Harris (klasse Harp-Performance), Bradley Knight, Bryan Brock, Milo Deering (mal wieder mit tollem Steel-Spiel) und Drew Womack (Harmony vocals) für ein exzellentes Musiker-Ensemble. Stück Nr. 2, das saustarke „That’s What You Get“ stampft unvermindert „schroff“, in bester, kerniger Southern Rock-Manier (tolle E-Gitarren-Riffs, ein brennendes Solo, bluesige Harp-Fills) durch die texanische Peripherie, bevor mit dem Titelstück „It Ain’t Pretty“ erstmals ein wenig das Bremspedal betätigt wird. Eine wunderbare Ballade, bei dem Aarons Stimme natürlich besonders wirkt, dazu gibt es herrliche Electric Slide-Gitarren- und feine Orgel-Klänge. Auch das folgende, mega-lässige, retro-behaftete „Like Rock’N ‚Roll“ fährt titel-untypisch in eher ruhigeren Rootsrock-Gewässern. Erinnert stark an The Band. Klasse auch hier das prächtig passende Slide-Spiel mit schönem Solo. Beim wunderbaren „My Susannah“ erneut großartige Slide-Linien, tolle Melodie) trauert Einhouse seiner nicht mehr nach Hause zurückkehrenden Verflossenen reumütig hinterher. Toller Red Dirt-/Rootsrock-/Countryrock-Stoff! Das flotte, flüssige, knackige, eingängige „The Richest Man“ bietet typisches Country-Storytelling. Klasse hier die E-Gittaren-Enlagen und Deerings heulende Steel. Mit „Thinking Of You“ folgt eine bluesig-soulige Southern-Ballade, Einhouses pathos-getränkter Gesang sorgt für Gänsehaut. Herrlich! „On & On“ mit seinem markanten E-Slide-Führungsriff erinnert ein wenig an Red Dirt-Stoff mit Reckless Kelly-Note. Das furiose „The Fall Of Eli Wilde“ (wundebar knarzig gespielt und launig gesungen) wird so manche Honkytonk-Spelunke stimmungsmäßig zum Sieden bringen. Am Ende gibt es mit „I’m Done“ nochmal Country-trächtigen, balladesken Singer/Songwriter-Stoff. Einhouse legt sich noch mal richtig ins Zeug. Eine heulende Bariton-E-Gitarre, eine hallende Orgel und glänzende Harmoniegesänge vollenden diesen voller Inspiration performten, kraftvollen Song. Ein mitreißender, regelrecht packender Abschluss. Aaron Einhouse legt mit „It Ain’t Pretty“ ein echtes „Pfund“ in die texanische Waagschale. Ein Album, das mehr als nachhaltige Wirkung hinterlässt. „Pretty damn Texas Roots-/Americana-/Country Rock at it’s very best“! Toller Typ, dieser Aaron Einhouse! P.S. Vision Entertainment (2016) 01. Dancin Herbst im Sounds Of South. Nein, damit meinen wir nicht, dass es, aufgrund des miesen Wetters in den vergangenen Tagen, an der Zeit ist, wieder mal Trübsal zu blasen, noch dass musikalische Tristesse hier eingekehrt wäre. Mit der Ray Johnston Band und dem neuen Album „#GoesGoodWith“ haben wir jetzt schon wieder ein herrliches Werk zum Besprechen, das von Kultproduzent Erik Herbst (Eli Young Band, Sam Riggs, The Eagles, Casey Donahew Band, etc.) unter seiner Regie, in seinem Panhandle House Studio, fabriziert wurde. Was für ein herrliches Teil! Ray Johnston präsentiert auf seiner neuen EP sechs unglaublich starke, abwechslungsreiche, von ihm, mit diversen Co-Writern wie u. a. Paul Overstreet, Roger Creager und Luke Combs, kreierte (New) Country-Songs, die das Genre-Herz absolut höher schlagen lassen. Der einzige Wermutstropfen ist eigentlich, dass nicht, wie bei seinem ebenfalls tollen Vorgänger „No Bad Days“, als auch nur eine EP geplant war, hier auch ein komplettes Album herausgekommen ist. Man hätte gerne noch weitere Tracks auf diesem Niveau gehört. Das überaus kurzweilige Kurzwerk beginnt mit dem launigen „Make Mine A Double“, einem satirisch, wie selbst-ironischen Seitenhieb auf die heutige Überfluss-Gesellschaft. Ray berichtet, dass seine Mutter ihn immer zur Maßhaltigkeit erzogen hat, ob sie damit allerdings gemeint hatte, gleich zwei Vögel, mit nur einem Schuss aus der Steinschleuder, zu killen, bleibt dahingestellt… Jedenfalls warnt der mittlerweile geläuterte Bursche in humorvoller Art, dass das Streben nach immer mehr Konsum und Spaß sein dickes am Ende findet, wenn sich dann der zurückschlagende Ärger in vielfachem Maße potenziert. Das wunderschöne Liebeslied „Beautiful You“ (hallende Orgel, Mandolinengezirpe) hat einen leicht introvertierten Touch, wie man ihn auch von Eric Heatherly kennt. Der Linedance-taugliche Uptempo-Countryheuler „Horses And Hearts“ kommt als schönes Duett mit dem erst 17-jährigen Shooting Star Abbey Cone, die hier gesangs-technisch ihr riesiges Potential mit einbringt. Das Stück erinnert nicht nur aufgrund des flockigen E-Gitarren-Spiels von Will Wails an Sachen von Vince Gill. Mit geschrieben hat das Stück übrigens Kylie Rae Harris, eine ebenfalls in Texas viel gebuchte Sängerin, die hier bei fast allen Tracks ihre perfekten Harmoniegesänge beisteuert. Der spaßige Tex-Mex-Schunkler „Little Lupe“ macht mit typischem Text-Vokabular sofort Lust auf Tapas-Bar, Tequila und langhaarige, feurige Señoritas. Das mit einer ordentlichen Brise Southern Flair rockende Countrystück „My Liver Don’t Live Here Anmore“ ruft Reminiszenzen an Interpreten wie Travis Tritt oder auch die Pirates Of The Mississippi hervor. Klasse hier die verzahnten E-Gitarren- und Steel-Variationen. Am Ende gibt es dann mit dem grandiosen „Watching The Lord Turn On The Lights“ noch mal ganz großes Country-Kino, wobei es an der Zeit ist, die großartigen Musiker zu erwähnen, die diese Scheibe famos eingespielt haben. Zum einen lässt Randy Rogers Band-Fiddler Brady Black auf diesem grassigen, in Veranda-Manier performten Klasse-Stück, sein Parade-Instrument ‚heulen‘ und der hier insgesamt überragend in Sachen Pedal Steel agierende Multi-Instrumentalist Milo Deering, dank technischer Möglichkeiten, klirrende Mandolinenklänge und raunzende Dobro in den ausgiebigen Solo-Teilen einfließen. Hinzu kommen noch Rocky Grimbles vorzügliches, klares Akustikgitarrenspiel plus klackerndes Banjo sowie am Ende Bradley Knights leise durchgurgelnde Orgel. Zwischendurch, so meine ich, sind noch als Gag, ein paar kurze krächzende Vogelgeräusche (? – wie von Raben) eingeblendet. Zur finalen Klärung hatte ich bei diesem Review aber leider gerade keinen sachkundigen Ornithologen an meiner Seite. Wie dem auch sei, ein fantastisches Ende. Die Ray Johnston Band präsentiert auf „#GoesGoodWith“ den (New) Country, der gerade in Nashville wieder viel stärker in den Fokus rücken sollte. Keine Effekthaschereien oder künstlich wirkende Pop-Anbiederungen, wie sie zur Zeit bei vielen Interpreten Usus sind, sondern einfach nur gut und ‚organisch‘ produziertes Handwerk in schönem Sound. Erik Herbst hat es hier nahezu schulmäßig vorgemacht. Übrigens, sehr zu erwähnen ist auch noch Rays soziales Engagement. Er selbst, der in jungen Jahren mehrfach seine Leukämie-Erkrankung besiegt hatte, setzt sich jetzt auch für Luke’s FastBreaks ein, eine Plattform, gegründet von einem 9-jährigen Jungen, die krebskranken Kindern unter die Arme greift und im Kampf gegen ihr Leiden, Mut machen möchte. Eine tolle Geste, wie wir meinen! Eigenproduktion (2016) 01. Make Mine A Double Drittes, wundervolles, ja geradezu umwerfendes Album des aus Memphis stammenden, heute aber in Texas lebenden Rob Baird. Welch eine Wonne! Hinreißender, genauso prächtig groovender, wie traumhaft melodischer Red Dirt Roots-, Americana- und Countryrock, der zu dem besten gehört, was das Genre zu bieten hat. Die Songs sind fantastisch! Vier Jahre war Rob Baird in sich gekehrt, um sich in seiner typischen Art mit aktuellen Dingen des Lebens wie Trubel, Ausdauer, Einsamkeit, Zurückweisung oder Depression thematisch in seinen neuen Songs auseinander zu setzen und betrieb damit auch ein wenig Selbstfindung in eigener Sache. „Wrong Side Of The River“ heißt seine neue Scheibe und führt den Weg seiner beiden schon extrem starken Vorgänger konsequent fort. Das Album ist erneut ein zehn Stücke umfassendes, kleines Meisterwerk geworden, das einen von vorne bis hinten mit seiner Magie gefangen hält. Baird hat die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Scott Davis beendet und in Brian Douglas Philipps, einen neuen Multi-Instrumentalisten (guitars, keys, pedal steel, harmony vocals) als kongenialen Partner an seiner Seite gewonnen, der als Mitspieler, Songwriter und Produzent einen erheblichen Beitrag zu dem herausragenden Gesamtergebnis geleistet hat. Die Musikerriege wurde zu früher komplett ausgetauscht und bewegt sich diesmal mit Jacob Hilddebrand (guitars, banjo), Z Lynch (bass, harmony vocals), Fred Mandujano (drums, percussion) und Jamie Harris (harmony vocals) in einem recht überschaubaren, aber umso kompetenteren Rahmen. Beim Songwriting ist aus älteren Tagen nur Rick Brantley als Co-Writer bei einem bärenstarken „Oklahoma“ übrig geblieben (unglaublich melodischer, dennoch herrlich „gritty“ und mit einem von effektvollen Gitarren- und Keyboard-Klängen und einem tollen Drive nach vorn getriebener, flüssiger Red Dirt Country-/Americana-Rocker), ansonsten assistierten Douglas Philipps und Leute wie Ruston Kelly und Ben Danaher. Am typischen Rob Baird-Stil, einer dezent melancholisch und introvertiert klingenden Melange aus Country, Red Dirt, Americana und Roots Rock, wurde aber so gut wie nichts verändert. Gut so! Schon das Auftaktstück „Ain’t Nobody Got A Hold On Me“ (unterkühlte Retro Bariton-E-Gitarre, tolles Solo, hallende Orgel-Untermalung) mit seinen atmosphärischen Stimmungs- und Tempowechseln (starker Powerrefrain) lassen einen tief in Bairds Seelenleben eintauchen. Hat irgendwie den Vibe eines jungen Rodney Crowell. Ganz toller Song! Danach „bettelt“ Rob (immer noch so ein bisschen wie ‚Schwiegermutters Liebling‘ aussehend) in der, mit wundervoller Steelguitar verzierten, flockig, flotten Countryrocknummer „Mercy Me“ hingebungsvoll um Verzeihung (tolles Steel-/Bariton-Gitarren-Zusammenspiel, traumhafte Melodie). Einer der wichtigsten Co-Writer dieses Albums ist der texanische Songwriter Mando Saenz. Der liefert in seiner extravaganten, rootsigen Manier die Ideen und Texte sowohl für das brillante, dezent Rockabilly-umwehte „Pocket Change“ als auch für die edle, ruhige, staubige, dabei wunderschöne Americana-Ballade „Horses“ (tolle Akustikgitarre). Zwei absolute Highlights! Herrlich auch die wunderbare, reduzierte Ballade „Run Of Good Luck“, bei dem sich die Instrumente wie Piano, Steel und Akustikgitarre sehr erhaben miteinander verbinden. Großartig hier zudem der Baird assistierende, texanisch gefärbte Harmonie-Gesang von Jamie Harris. Der Titeltrack „Wrong Side Of The River“ begeistert mit leicht psychedelischem Teint, in einem klasse, ein wenig an Jason Isbell erinnernden Rootsrock-Ambiente mit kernigen Gitarren und Robs exzellenter Gesangsleistung. Das eingängige, mit einem sehr melodischen Refrain ausgestattete „Mississippi Moon“ wäre wohl eine potentielle Cover-Option für die Eli Young Band. Am Ende sinniert Baird voller Melancholie in „When I Go“, was wohl passieren würde, wenn er fortgeht. Die dritte Fremdkomposition des Werkes „Cowboy Cliche“ (Orgel, E-Gitarren-Fills, dezente Bläser), von dem bei Carnival Music unter Vertrag stehenden Songwriter Peter Hultquist, räumt mit Cowboy-Klischees auf und beendet sehr atmosphärisch und ruhig ein weiteres hervorragendes Baird-Exemplar. „Wrong Side Of The Rive“ ist eine erneute absolute Glanzleistung des Protagonisten. Möge Rob Baird sich vielleicht in seinem Gefühlsleben auf der ‚falschen Seite des Flusses‘ wähnen, so hat der Texas-Troubadour musikalisch längst den richtigen Weg eingeschlagen. Welch ein beeindruckendes Teil. Hard Luck Recording Co. (2016) 01. Ain’t Nobody Got A Hold On Me Schon wenige Stunden nach Fertigstellung des CD-Reviews zur neuen Scheibe „Good Life Pie“, ging’s dann auf den Highway Richtung Krefeld, um das, schon mit viel Vorfreude und Spannung erwartete Konzert von Robert Jon & The Wreck zu besuchen und zu reflektieren. Das zweite Werk der Jungs hat ja, wie im Album-Bericht bereits erwähnt, eine spürbare Weiterentwicklung erkennen lassen, so war hier die Frage, ob auch ihre Live-Qualitäten ein noch höheres Level (z. B. im Vergleich zu ihrem ersten Auftritt vor etwas über einem Jahr an gleicher Stelle) erreicht haben. Zunächst muss erst mal eine Beileidsbekundung ausgesprochen werden. Pille Peerlings, der in liebe- und mühevoller Arbeit die Kulturrampe zu einer der Locations gemacht hat, in der tolle Musik quasi zum Anfassen ‚gelebt‘ wird, musste gerade bei einem Gig, auf den er so richtig heiß war, wegen Krankheit passen. Bitter! Auf diesem Weg schon mal schnelle und beste Genesungswünsche. Manny von Teenage Head Music führte den SoS-Fotokünstler Gernot und mich dann direkt in die Katakomben der Rampe, wo ein Interview mit Robert anstand. Die komplette Band war im kleinen Kämmerlein versammelt und schnell entwickelte sich nach den ersten zwei Fragen an Robert ein unterhaltsames Gespräch, bei dem dann auch Gitarrist Kristopher Butcher und Drummer Andrew Espantman manche Frage übernahmen. Hierzu in einem separaten Bericht demnächst mehr. Die Kulturrampe war an diesem Abend wieder rappelvoll. Zurecht, und die Anwesenden sollten ihr Kommen nicht bereuen. Die Burschen ließen es richtig krachen. Das war Southern Rock, wie man ihn kaum besser und, vor allem, so hautnah erleben kann. Schon der relativ unbekannte Opener des Quintetts „Breaking Down The Road“ rockte direkt Slide-durchzogen (sowohl Robert als auch Christopher) los. Das nachfolgende „Blame It On The Whiskey“ offerierte dann frühzeitig auch die Groove-Qualitäten des Fünfers. Mit „Good Lovin’“ gab es das erste Stück vom neuen Longplayer. Der nicht nur Fußball-kundige RWE-Kumpel Däddy (es ist ja hinreichend bekannt, dass Rot-Weiss Essen-Fans nicht nur den besten Fußball-Geschmack haben, sondern auch musikalisch höchst versierte Personen in ihren Reihen haben…) hatte sofort das Wort ‚Doors‘ im Mund, ausgelöst natürlich durch die kühlen, hypnotisch wirkenden Keyboard-Klänge vom ansonsten bestechend klimpernden Lockenschopf Steve Maggiora. Das shufflige „Hey Hey Mama“ versetzte auch den letzten bewegungsfaulen Typen in rhythmisches Mitgrooven, manche Dame sogar in dezent ekstatische Tanzbewegungen. Der neue Longplayer wurde natürlich im weiteren Verlauf ausgiebig ‚beackert‘. „Rollin'“, das schön atmosphärische „Death Of Me“ und der leicht Countryrock-/Skynyrd-mäßige Titeltrack „Good Life Pie“ waren weitere schöne Exempel. „Cold Night“ dazwischen liegend, bestach durch ein herrliches E-Solo von dem auch insgesamt furios aufspielenden Kristopher Butcher (dazu mit guten Lead vocals-Kurzeinsätzen). Über das psychedelisch angehauchte „Bad For You“ ging’s dann zum großartigen Instrumentalstück Allmanscher Gattung „Tightrope“, bei dem nach Herzenslust gejammt und improvisiert wurde. Klasse der ‚Dialog‘ von Maggioras Keyboard und Butchers E-Gitarre. Auch die tolle Rhythmusfraktion mit dem satt pumpenden Basser Dave Pelusi und dem kräftig trommelnden Drummer Andrew Espantman hatte Gelegenheit, sich etwas aus dem sonstigen Mannschaftsdienst herauszuheben. Ach ja und der charismatische Frontmann Robert Jon Burrison sang hingebungsvoll in allen Lagen (übrigens auch ein dickes Kompliment für den guten Sound in der Kulturrampe) und führte seine Truppe sicher durch das Programm, das mit einem starken „Gypsy Of Love“ sein Finale im Hauptteil fand. Als Bedienung der stürmisch eingeforderten Zugaben servierten Robert und seine Wrecks dann noch den glorreichen Southern-Schwofer „Glory Bound“ (mt typischer Twin-Einlage und großartigen Slide-Soli) und „Steppin’“ aus ihrem Debüt. Fazit: Eine immens starke junge Southern Rock-Band aus Kalifornien, die meines Erachtens den Branchenprimus der Newcomer-Riege, Blackberry Smoke, qualitativ bereits arg ins Wanken gebracht hat. Für mich persönlich war es das bisherige Konzert-Highlight des ersten Halbjahres. Hat mal wieder richtig ‚Bock auf Southern Rock‘ gemacht, so dass ein weiterer Besuch in Dortmund Anfang Juni bereits eingeplant ist. Weiter so, Jungs! Bilder: Gernot Mangold Robert Jon & The Wreck Es sind im Moment gute Wochen für Southern Rock-Liebhaber. Mit der Holman Autry Band, den New Offenders und den Vegabonds gab es gleich drei richtig gute Veröffentlichungen. Jetzt schicken sich auch die Robert Jon & The Wreck an, mit ihrem „Good Life Pie“, dem Branchenführer in der ‚Newcomer-Riege‘ des Genres, Blackberry Smoke, den Sonnen-Platz an der Gedecktafel streitig zu machen. Nach dem Motto ’Haben wir von Kuchen gesprochen, dass ihr Krümel euch meldet, waren die Kalifornier vor einigen Jahren in der Szene erstmals wahrgenommen worden. Spätestens mit ihrem starken Longplayer „Glory Bound“ und ihren handwerklich schon ungemein versiert klingenden Live-Auftritten war schnell klar, dass die Burschen zu ‚Mehr‘ berufen sind. Neben dem instrumentellen Können der einzelnen Bandmitglieder (Kristopher Butcher – lead guitar, Steve Maggiora- Keyboards, Dave Pelusi -bass und Andrew Espantman – drums, percussion) weiß das Gespann nämlich noch mit einem richtig charismatischen Frontmann namens Robert Jon Burrison aufzuwarten, in dem zumindest ähnliches musikalisches Desoxyribonukleinsäuren-Material verankert zu sein scheint, wie einst bei Ronnie Van Zant. Ich habe die Truppe vor zwei Jahren das erste Mal in der Kulturrampe live gesehen und schon da hat mich das Quintett restlos überzeugt. Das neue Werk lässt es dem geneigten Southern- Fan direkt warm ums Herz werden. Ein cooles E-Gitarren-Lick als Intro und sofort klimpert Maggioras Piano bei „Rollin‘ in Billy Powell-Gedächtnis-Manier. Robert singt im typisch Van Zantschem Erzählstil. Direkt ein fulminanter Auftakt. Die beiden folgenden psychedelisch angefixten „Bad For You“ und „Good Lovin‘“ bedient sich das Quintett der großen Vorbilder der 70er wie Led Zeppelin, den Doors & Co., vor allem Christopher Butcher lässt mit schwurbeligem E-Gitarrenspiel teilweise den Hendrix raushängen. Mein Lieblingsstück ist natürlich das dezent Country-unterschwellige Titelstück „Good Life Pie“, beidem launige Skynyrd-Tracks wie „3 Steps“, „Whiskey-Rock-A-Roller“ oder „What’s Your Name“ grüßen lassen. Das von The Band-Flair umhaftete „The Death Of Me“ verbreitet mit der gesungenen Erkenntnis ‚This life will be the death of me‘ höchst-philosophisch anmutende Hypothesen. Klasse auch das eingängige, sehr melodische “Hit Me Like You Mean It“, das schon fast in das Repertoire einer Eli Young Band passen würde. „Home“ verbreitet ein wenig das Westcoast-Feeling aus der Heimat und zu „What Do You Say“ sage ich: „Ein flotter Southern Rocker mit Stones-verdächtigem Finale“. „Hey Hey Mama“ steht aufgrund des eigenwilligen und bestimmenden Wah-Wah-Slides ganz im Zeichen Christopher Butcher (insgesamt wieder super starkes Slidespiel von ihm). Auf dem jammigen Instrumentalstück Allmanscher/Mulescher Prägung „Tightrope“ ist dann auch die spielerische Weiterentwicklung des Fünfers offenkundig. Ein Stück in der Tradition von ABB-Tracks der Marke „High Falls“ und „Elizabeth Reed“ gemixt mit ein bisschen Santana-Rhythmus-Feeling. Tolle Nummer. Am Ende lässt Robert bei „Sweet Angeline“ zu Akustikgitarren und ruhiger Slide sowie einigen Piano- und Orgeltupfern seiner melancholischen Seite freien Lauf. Ach ja, da wäre noch das aus Männersicht recht amüsante Cover mit der Kuchen-reichenden Dame im etwas eingelaufen wirkenden T-Shirt, das sicherlich helle Begeisterung bei den einschlägigen Frauen-Organisationen und Antidiskriminierungsstellen auslösen wird. Robert Jon & The Wreck beweisen mit „Good Life Pie“, dass man sich im Southern Rock-Genre zur Zeit keine Nachwuchs-Sorgen machen braucht. Da kommt sicher noch einiges Starkes auf uns zu… Spitfire Music (2016) 01. Rollin‘ Robert Jon & The Wreck Im Laufe der vielen Jahre als Rezensent entwickelt man ja schon so sein Gespür für gute Musik. Ich überlege gerade eigentlich immer noch, wie ich letztendlich auf der Jagd nach neuem guten Stoff im Netz auf die Corey Hunt Band gestoßen bin. Allein der Bandname löste in mir schon irgendwie positive Red Dirt-Assoziationen aus. Und so geschah es dann auch, dass ich in ein paar Soundschnipsel des aktuellen Albums „The Tower“ hineingehört habe und mir sofort klar war, dass ich zu dem Burschen Kontakt aufnehmen würde. Corey Hunt fackelte auch nicht lange zu antworten und kurze Zeit später hatte ich das Werk, übrigens schon sein drittes, zum Besprechen vorliegen. Für „The Tower“ wurde allerdings zum ersten Mal etwas feineres Besteck aufgefahren. Die beiden ersten („Same“ und „Come On Out Tonight“) wurden noch im Schlafzimmer seines Freundes Eric Wise produziert. Zunächst ein paar Hintergründe. Die Corey Hunt Band ist eigentlich gar keine richtige Band sondern eher ein Duo. Man hatte zwar zu Beginn im Quartett angefangen, aber im Laufe der Zeit entstand zwischen dem, aus North Carolina stammenden Namensgeber Corey Hunt und besagtem Drummer Eric Wise so eine dicke Freundschaft, dass man nur als Duo agieren wollte und dann je nach Bedarf für Ergänzung sorgt. Die beiden treten allerdings die meiste Zeit zu zweit auf. Da Corey Hunt sich im Songwriting deutlich weiterentwickelt hatte und wirklich gutes Songmaterial, wie ich es im Nachhinein anstandslos bestätigen kann, kreiert hatte, machte es jetzt Sinn, in ein vernünftiges Studio zu gehen (Echo Mountain Studios in Asheville, NC – dort haben auch schon Bands wie American Aquarium und Blackberry Smoke ihre Sachen eingespielt) und sich bei Kyle Mann (Cowboy Troy, Richie McDonald, Ted Russell Kemp, Lady Antebellum) unter die Fittiche eines erfahrenen Produzenten zu begeben. Mann hat allerdings am Sound gar nicht allzu viel herumpoliert, es ist ein richtig schön schroffes, raues, unverbrauchtes Red Dirt-Album, im Stile der vielen jungen hungrigen Bands geworden, die in dieser Szene noch vor einiger Zeit, ja gefühlt, alle zwei Wochen, wie Pilze neu aus dem Boden sprossen. Diese hat sich mittlerweile aber deutlich beruhigt, umso schöner, dass die Corey Hunt Band jetzt wieder für schönen Nachschub sorgt. Das Werk beginnt mit dem launigen „Always Liked The Rain“, das sofort in gute Stimmung versetzt. Ein flotter Country Rocker mit Southern Rock-typischen E- Gitarreneinlagen und Kurzsoli (klasse hier Robert Smith). Hunt besticht direkt mit einer sehr texanisch klingenden, angerauten und energiegeladenen Stimme. Toller Auftakt. Ein echter Song für die Texas Music Charts. Sein knarziges Akustikgitarrenspiel, das oft bei den Intros und als Untermalung vorzufinden ist, gibt den Songs eine schön erdige Note. Auch das folgende „The Good Fight“ rockt richtig Southern-mäßig (interessant hier das Drum-Tippel-Bridge von Eric Wise). Das dezent melancholische „Walked Away“ erinnert an die Eli Young Band, als die noch nicht vom Mainstream eingefangen wurde. Die Stücke „A Troubadour’s Prayer“ und „Stuck In Arkansas“ (hallende Orgel) stehen für Hunts Talent als Storyteller, toll hier die verschiedenen Stimmungen, die in den Songs mittels Tempowechsel erzeugt werden. Das von einem Acapella-Intro eingeleitete „Hannah Belle“ erzielte mit Platz 47 in den Texas Regional Radio-Charts einen Achtungserfolg. Herrlich bei diesem kleinen Südstaaten-Einod (mit Marschtrommeln am Ende) auch das surrende Akkordeon vom exzellenten Keyboarder Aaron Price. Als zweite Single ist das, sich in Josh Abbott Band-Sphären befindliche „Explain“ geplant. Schön hier die atmosphärische Fiddle von Lyndsay Pruett. Starker Titel. Das zunächst ruhig, im Erzählgesang beginnende Titelstück „The Tower“ nimmt im Verlauf deutlich Fahrt auf und erweist teilweise Meister Tom Petty ein wenig Red Dirt-Ehre. Die E-Gitarren heulen richtig Southern-mäßig. Der Saturday Night-Song („SASN“) ist der Soundtrack für die trunkenfreudige Grillparty in reiner Männergesellschaft. Steaks auf den Grill und Bier Marsch! Dazu dieser CHB-Song. Da ist dann selbst der letzte Muffel bei bester Laune. Auch Chart-tauglich! Am Ende lassen das voller Selbstmitleid getränkte „Damn Country Music“ (heulende Fiddle, hallende Orgel, Pianotupfer und Steel-ähnliches Slide drücken aufs Gemüt) und das sehr reduziert gehaltene „Waiting On You“ (nur Gesang, Akustikgitarre und kurzes Cello-Intermezzo von Daniel Iannucci) nochmals Hunts unverkennbare Singer/Songwriter-Qualitäten aufblitzen. Fazit: Corey Hunt liefert mit „The Tower“ sein bisheriges Paradestück ab. Ein echter Rohdiamant, dem man nur, weitere Aufmerksamkeit wünschen kann. Gute Stimme, ordentliches Gitarrenspiel, dazu hohes kreatives Potential. Smith Entertainment oder Thirty Tigers & Co. sollten da mal ruhig die Ohren spitzen! Insgesamt Stoff für Liebhaber von den klassischen jungen wilden Red-Dirt Bands der Marke Britt Lloyd Band, Kyle Bennett Band, Mike Ryan, Cody Gill Band aber auch arrivierten Acts wie Josh Abbott Band, Wade Bowen, Casey Donahew Band oder besagter Eli Young Band. Gut, dass ich mich scheinbar bedenkenlos weiter auf meinen Instinkt verlassen kann! Eigenproduktion (2016) 01. Always Liked The Rain „Hand Crafted California Rock & Roll“! Aufsehen erregendes, sehr starkes Debüt einer Newcomer Band aus Kalifornien. Hunter & The Dirty Jacks heißt die aus Los Angeles stammende Formation, die nun seit ca. drei Jahren zusammenspielt (u. a. schon gejammt mit Eric Sardinas und Coco Montoya) und von den Kritikern als eine der ganz großen, kommenden Acts proklamiert wird. Zu Recht! Der Erstling des Quintetts, bestehend aus Frontmann Hunter Ackerman (lead vocals, guitar, flute), Aaron Barnes (bass), Carmelo Bonaventura (guitars), Jon Siembieda (Guitars) und Brian Lara (drums) besticht durch eine nahezu perfekte Symbiose aus eigenem Sound (sämtliche Tracks sind Eigenkompositionen) und Einflüssen großer Bands wie den Rolling Stones, Led Zeppelin, den frühen Fleetwood Mac, UFO, The Black Crowes, aber auch etwa Lynyrd Skynyrd, und, nennt man mal den ein oder anderen moderneren Act, den Rival Sons oder den Black Keys. „Single Barrel“ heißt das großartige Album und beinhaltet jede Menge klassische Retro-Rock-Elemente (auch dezente Blues- und ein paar ordentliche Southern Rock-Bezüge sind deutlich wahrnehmbar), versteht es dabei aber trotzdem blendend, sich einer gewissen kommerziellen Perspektive nicht zu verschließen, was wir in diesem Fall als durchaus positiv verstanden haben möchten. So wirken die eingestreuten, psychedelische Momente nie zu anstrengend, die E-Gitarrenparts (von denen es viele gibt) nie zu überladen (vor allem die beiden Gitarristen Bonaventura und Siembieda gelingt es exakt, ihre Einlagen/Soli maßgerecht zu dosieren und sich zum perfekten Zeitpunkt auszuklinken), dazu bringt Ackermans klasse Gesang (ruft einem manchmal Robert Plant in Erinnerung, dann wieder klingt er wie Alligator Stews Gary Jeffries, mal hat er was von John Fogerty oder David Coverdale) die nötige Portion charismatischer Ausstrahlung mit sich. Die besten Voraussetzungen also, um sich bei den großen Labels und einer breiten Hörerschaft nachhaltig zu empfehlen. Direkt der Opener „Rock & Roll Soul“ mit den tollen Gitarrenriffs, der starken Melodie und seinem, sich markant wiederholenden Titel im Refrain, bohrt sich nahezu unwiderbringlich in das Gedächtnis hinein. Ein Stück, das sofort hängen bleibt. Das folgende „Jubilee“ mit seinen plusternden Mundharmonika-Zutaten überrascht mit rootsrockigem Americana-Flair früher Mellencamp’scher Prägung. Songs wie „Doctor Dingo“, „Smoking Gun“ oder das großartige „Double Down“ rocken in bester Stones-, Deep Purple-, Great White-, Zak Daniels- oder Black Crowes-Manier. Apropos „Double Down“. Der schon fast pur Southern Rock-mässige Track besticht durch die herrlich rotzigen Harmoniegesänge der, der Band nahestehenden Moana Avvenenti (sie hat auch die Bilder gemacht, die als Grundlage für das Cover-Artwork dienten), die ansonsten bei einigen weiteren Liedern nur dezent vernehmbar ist. Die atmosphärisch bluesigen „Salt Whiskey“ und „Leave The Cap Off The Bottle“ erinnern sogar an Fleetwood Mac zu deren Anfangstagen unter Beteiligung von Peter Green. Auch psychedelische Momente a la Led Zeppelin oder The Doors („Break Me Down“, „Prometheus“) kommen punktuell zum Tragen. Das zum Abschluss wie eine Neuauflage des Animals-Hits „House Of The Rising Sun“ wirkende „Kennel Howl“ zeigt noch mal die exzellente Kunst der Band, Retro-Stoffe zeitgemäß zu modifizieren (schöne indianisch angehauchte Flöte als Ausklang). Ein reinstes Freudenfest für Nostalgiker. Hunter & The Dirty Jacks lassen mit ihrem Debüt „Single Barrel“ kein Zweifel daran, dass man es hier mit keiner Eintagsfliege zu tun hat, sondern nach höheren Zielen gestrebt wird. Produziert hat die Band das Werk zusammen mit Steve Refling in einem dazu hervorragend passenden, allerdings sehr klarem, straightem Gitarren Vintage-Sound. Ein Top-Album! Die Jagd nach ruhmreichen Zeiten dürfte eröffnet sein! Spectra Music Group (2016) 01. Rock & Roll Soul Hunter And The Dirty Jacks
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RPR Media
Veröffentlicht am Kategorien AllgemeinSchreibe einen Kommentar zu Dolly Shine – Walkabout – CD-Review
Robert Jon & The Wreck – Interview
Gespräch/Text: Daniel Daus
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Teenage Head Music
Kulturrampe KrefeldThe New Offenders – Gewinnspiel!
Da die Jungs so nett waren, uns direkt zwei CDs zu schicken, wollen wir die Gelegenheit nutzen, um einem Glückspilz, die Musik der Band mal näher zu bringen.
b) Houston
c) HustedtAaron Einhouse – It Ain’t Pretty – CD-Review
Ich möchte diese weitere grandiose CD mal zum Anlass nehmen, um auf die tolle, unaufgeregte und zuverlässige Zusammenarbeit mit dem Mailorder Bärchen Records hinzuweisen, die jetzt schon fast 15 Jahre dauert, unglaublich viel Spaß bereitet und hoffentlich noch lange fortgeführt werden kann. Ohne Besitzer Jürgen Thomä, selbst ein brillanter Musikanalyst und Reviewer, wäre mein großer musikalischer Horizont sicher nicht das, was er heute ist. Dafür möchte ich mich auf diesem Wege mal herzlich bedanken. Feels Like Rock’N’Roll!
Stil: Country Rock
02. That’s What You Get
03. It Ain’t Pretty
04. Like Rock’N’Roll
05. My Susannah
06. The Richest Man
07. Thinking Of You
08. On & Onn
09. The Fall Of Eli Wilde
10. I’m DoneRay Johnston Band – #GoesGoodWith – EP-Review
Stil: (New) Country
02. Beautiful You
03. Horses And Hearts
04. Little Lupe
05. My Liver Don’t Live Here Anymore
06. Watching The Lord Turn On The LightsRob Baird – Wrong Side Of The River – CD-Review
Stil: Country / Roots Rock
02. Mercy Me
03. Pocket Change
04. Run Of Good Luck
05. Wrong Side Of The River
06. Oklahoma
07. Horses
08. Mississippi Moon
09. When I Go
10. Cowboy ClicheRobert Jon & The Wreck, 20.05.2016, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht
Text: Daniel Daus
Robert Jon & The Wreck bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe KrefeldRobert Jon & The Wreck – Good Life Pie – CD-Review
Stil: Southern Rock
02. Bad For You
03. Good Lovin‘
04. Good Life Pie
05. The Death Of Me
06. Hit Me Like You Mean It
07. Home
08. What Do You Say
09. Hey Hey Mama
10. Tightrope
11. Sweet Angeline
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Teenage Head MusicCorey Hunt Band – The Tower – CD-Review
Stil: Red Dirt
02. The Good Fight
03. Walked Away
04. A Troubadour’s Prayer
05. Stuck In Arkansas
06. Hannah Belle
07. Explain
08. The Tower
09. SASN
10. Damn Country Music
11. Waiting On YouHunter And The Dirty Jacks – Single Barrel – CD-Review
Stil: Rock
02. Jubilee
03. Doctor Dingo
04. Salt Whiskey
05. Break Me Down
06. Lorraine
07. Prometheus
08. Gotta Keep Moving On
09. Smoking Gun
10. Leave The Cap Off The Bottle
11. Double Down
12. Kennel Howl
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Bärchen Records










