Robert Jon & The Wreck – Good Life Pie – CD-Review

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Es sind im Moment gute Wochen für Southern Rock-Liebhaber. Mit der Holman Autry Band, den New Offenders und den Vegabonds gab es gleich drei richtig gute Veröffentlichungen. Jetzt schicken sich auch die Robert Jon & The Wreck an, mit ihrem „Good Life Pie“, dem Branchenführer in der ‚Newcomer-Riege‘ des Genres, Blackberry Smoke, den Sonnen-Platz an der Gedecktafel streitig zu machen.

Nach dem Motto ’Haben wir von Kuchen gesprochen, dass ihr Krümel euch meldet, waren die Kalifornier vor einigen Jahren in der Szene erstmals wahrgenommen worden. Spätestens mit ihrem starken Longplayer „Glory Bound“ und ihren handwerklich schon ungemein versiert klingenden Live-Auftritten war schnell klar, dass die Burschen zu ‚Mehr‘ berufen sind.

Neben dem instrumentellen Können der einzelnen Bandmitglieder (Kristopher Butcher – lead guitar, Steve Maggiora- Keyboards, Dave Pelusi -bass und Andrew Espantman – drums, percussion) weiß das Gespann nämlich noch mit einem richtig charismatischen Frontmann namens Robert Jon Burrison aufzuwarten, in dem zumindest ähnliches musikalisches Desoxyribonukleinsäuren-Material verankert zu sein scheint, wie einst bei Ronnie Van Zant.

Ich habe die Truppe vor zwei Jahren das erste Mal in der Kulturrampe live gesehen und schon da hat mich das Quintett restlos überzeugt. Das neue Werk lässt es dem geneigten Southern- Fan direkt warm ums Herz werden. Ein cooles E-Gitarren-Lick als Intro und sofort klimpert Maggioras Piano bei „Rollin‘ in Billy Powell-Gedächtnis-Manier. Robert singt im typisch Van Zantschem Erzählstil. Direkt ein fulminanter Auftakt.

Die beiden folgenden psychedelisch angefixten „Bad For You“ und „Good Lovin‘“ bedient sich das Quintett der großen Vorbilder der 70er wie Led Zeppelin, den Doors & Co., vor allem Christopher Butcher lässt mit schwurbeligem E-Gitarrenspiel teilweise den Hendrix raushängen. Mein Lieblingsstück ist natürlich das dezent Country-unterschwellige Titelstück „Good Life Pie“, beidem launige Skynyrd-Tracks wie „3 Steps“, „Whiskey-Rock-A-Roller“ oder „What’s Your Name“ grüßen lassen.

Das von The Band-Flair umhaftete „The Death Of Me“ verbreitet mit der gesungenen Erkenntnis ‚This life will be the death of me‘ höchst-philosophisch anmutende Hypothesen. Klasse auch das eingängige, sehr melodische “Hit Me Like You Mean It“, das schon fast in das Repertoire einer Eli Young Band passen würde. „Home“ verbreitet ein wenig das Westcoast-Feeling aus der Heimat und zu „What Do You Say“ sage ich: „Ein flotter Southern Rocker mit Stones-verdächtigem Finale“. „Hey Hey Mama“ steht aufgrund des eigenwilligen und bestimmenden Wah-Wah-Slides ganz im Zeichen Christopher Butcher (insgesamt wieder super starkes Slidespiel von ihm).

Auf dem jammigen Instrumentalstück Allmanscher/Mulescher Prägung „Tightrope“ ist dann auch die spielerische Weiterentwicklung des Fünfers offenkundig. Ein Stück in der Tradition von ABB-Tracks der Marke „High Falls“ und „Elizabeth Reed“ gemixt mit ein bisschen Santana-Rhythmus-Feeling. Tolle Nummer. Am Ende lässt Robert bei „Sweet Angeline“ zu Akustikgitarren und ruhiger Slide sowie einigen Piano- und Orgeltupfern seiner melancholischen Seite freien Lauf.

Ach ja, da wäre noch das aus Männersicht recht amüsante Cover mit der Kuchen-reichenden Dame im etwas eingelaufen wirkenden T-Shirt, das sicherlich helle Begeisterung bei den einschlägigen Frauen-Organisationen und Antidiskriminierungsstellen auslösen wird. Robert Jon & The Wreck beweisen mit „Good Life Pie“, dass man sich im Southern Rock-Genre zur Zeit keine Nachwuchs-Sorgen machen braucht. Da kommt sicher noch einiges Starkes auf uns zu…

Spitfire Music (2016)
Stil: Southern Rock

01. Rollin‘
02. Bad For You
03. Good Lovin‘
04. Good Life Pie
05. The Death Of Me
06. Hit Me Like You Mean It
07. Home
08. What Do You Say
09. Hey Hey Mama
10. Tightrope
11. Sweet Angeline

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music

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