Ana Popovic – 16.10.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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‚Los Angeles‘ war für mich das Stichwort der Woche. Zunächst im Rahmen des gerade frischen Reviews zum großartigen Gig der neuformierten Eagles im gigantischen, an drei Tagen ausverkauften FORUM, in der zum Los Angeles County zählenden Stadt Inglewood, dann in Bezug auf die mittlerweile in LA lebende Serbin Ana Popovic.

Auch wenn sich die Blondine in den zwanzig Jahren, in denen sie sich jetzt schon im Blues Rock-Business erfolgreich behauptet, durchaus einen weltweiten Namen gemacht hat, dürfte der Weg in eine solche Location weiterhin ambitioniert sein, an diesem Freitag Abend  hieß es für sie im heimischen Schwarzen Adler zu Rheinberg (der natürlich auch weltberühmt ist), Traditionsclubatmosphäre zu ‚atmen‘.

Und das ist in diesen unsäglichen Corona-Zeiten, die besonders die Veranstaltungsbranche samt vieler Künstler an den Rande des Ruins treibt, ja auch schon etwas. Ernst Barten war von Beginn an, als einer ihrer besonderen Förderer zu sehen, deshalb kommt sie immer wieder gerne in den Vierbaumer Kulttempel. Auch bei den Zuschauern ist sie äußerst beliebt, so war der Saal, trotz der bedingten Einschränkungen, durchaus  gut frequentiert.

Und wie das so in diesen Wochen und Monaten der Entbehrungen ist, wurde ihr kurz zuvor, auch noch an anderer Stelle, ein Strich durch die Rechnung gemacht. Weil ihrer geplanten Rhythmusfraktion in New York am Flughafen die Ausreise  verweigert wurde, war spontanes Improvisieren angesagt. So gab es an diesem Abend im Schwarzen Adler ein Konzert, dass man vermutlich in dieser Form wohl nicht mehr erleben wird.

Pünktlich um 20:00 Uhr betrat die Protagonistin ’nur‘ mit Keyboarder Michele Papadia im Schlepptau, die demnach übersichtliche Bühne. Die beiden stellten dann ein immerhin, mit 21 Stücken (u. a. mit Tracks wie „Fearless Blues“, „Virtual Ground“, „New Coat Of Pain“, „License To Steal“, Johnnie Ray“, „How’d You Learn To Shake It Like That“) versehenes, durchaus gut unterhaltendes Programm (inklusiv zweier Zugaben) spontan auf die Beine.

Ana, die den kompletten Leadgesang inne hatte, wechselte zwischen der Akustik- und ihrer abgewetzten Stratocaster-E-Gitarre hin und her, bediente vom Rhythmusspiel, über viele Soli , sowohl in konventioneller, wie auch slidender Manier (in ihrer typischen Schnellspielart), alle erdenklichen Facetten der Saitenkunst. Sie gab sich auch zwischen den Stücken recht kommunikativ und redete sich so auch ein bisschen den zur Zeit spürbaren Frust von der Seele.

Michele Papadia ließ sich natürlich ebenfalls nicht lumpen und reizte vom Organ bis zum E-Piano ebenfalls alle Möglichkeiten (teilweise schöne HT-Einlagen) seiner Doppelkeyboardanlage aus.

Die anwesenden Zuschauer bedachten den engagierten Auftritt mit viel lautem Applaus und verabschiedeten das spielfreudige Duo, das wirklich das Beste aus der Situation rausgeholt hatte, nach den beiden Zugaben „Woman To Love“ und dem furiosen „Can’t You See What You’re Doing To Me“, wo Ana nochmal richtig Gas auf ihrer Strat gab,  zurecht mit stehenden Ovationen.

So blieb am Ende für alle Anwesenden, was die lange Liste der Popovic-Konzerte im Schwarzen Adler betrifft,  immerhin ein denkwürdiger Abend mit Seltenheitswert.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, acoustic and electric guitar)
Michele Papadia (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ana Popovic
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Schwarzer Adler

Kevin Burt – Stone Crazy – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Wieder eine von Mike Zito (Gulf Coast Records) produzierte Blues-Scheibe. Und erneut hat Mike Zito dabei ein glückliches Händchen bewiesen. Kevin Burt, der seit über 25 Jahren im Geschäft ist und in dieser Zeit mit seiner Bluesmusik sein Publikum, vorrangig im mittleren Westen der USA, begeistert hat, legt nun sein neuestes Album „Stone Crazy“ mit insgesamt elf Songs vor, wovon zehn Titel aus seiner Feder entstammen.

Lediglich eine Nummer („Better Off Dead“) stammt nicht von ihm, sondern von Bill Withers. Natürlich hat es sich Mike Zito auch bei diesem Album nicht nehmen lassen, selbst zur Gitarre zu greifen und Kevin Burt tatkräftig zu unterstützen.

Alle Tracks dieser Scheibe sind lupenreine Bluesnummern, teils garniert mit virtuos gespielter Mundharmonika und dezenter, bis lebhafter Saxophonunterstützung. Der Aufmacher „I Ain‘t Got No Problem With It“, ein flotter und gute Laune verbreitender Blues-Shuffle, ist so ein Beispiel für Burts Künste an der Harmonika, während bei dem ein wenig swampigen „Purdy Lil Thang“ etwas härtere Gitarrenriffs im Vordergrund stehen.

Leichtes Südstaaten Flair hingegen verbreitet das folgende „Rain Keeps Coming Down“, harmonisch treibend mit Slidegitarre und Mundharmonikauntermalung. Bei „Stone Crazy“ handelt es sich um einen melodiös und ruhig vorgetragenen Lovesong.

„I‘m Busting About“ startet mit einem Rhythmus stiftenden Schlagzeugintro zu dem sich dann das Keyboard hinzugesellt, bevor Burt mit Gesang und Gitarre das Arrangement im Chicagostil komplettiert.

Es folgt die solide Slowblues Nummer „Same Old Thing“, die durch gekonnte, zeitweise Saxophon-Begleitung und klagende Gitarre besticht, bevor es mit dem flotteren Boogie „You Get What You See“ weitergeht und  an den sich dann ein glückseliges „Something Special About You“ anschließt.

Beschwingt und leicht chicagomässig mit vorherrschender Harmonika trägt Burt sodann den Shuffle „Should Have Never Left Me Alone“ vor. Bill Withers Klassiker „Better Off Dead“, ist auch wieder im Chicagostil arrangiert, aber mit durchaus funkigen Anleihen. Getreu dem Motto ‚das Beste kommt zum Schluss‘ präsentiert Kevin Burt als letzten Track des Albums das gemächlich-mystische „Got To Make A Change“, getragen von einer kräftigen Basslinie und seinem eindringlichen Gesang. Ein starkes Stück Musik, nach meiner Ansicht der beste Song der Scheibe.

Mit seiner warmen, präsenten und teils auch rauen Stimme bringt Kevin Burt seine Songs, die ihm zufolge auf Beobachtungen und Erfahrungen beruhen, die er im Laufe seines Lebens während seiner musikalischen Blues-Reise gesammelt hat und die seine Sicht auf Liebe und Beziehungen nachhaltig geprägt haben, glaubhaft rüber. Schließlich hat Burt, der autodidaktischer Musiker ist, nicht von ungefähr in der Vergangenheit bereits viele Preise und Auszeichnungen eingeheimst (u. a. den Cigar Box Award als bester Gitarrist und den Lee Oscar Award als bester Harmonikaspieler).

Wünschen wir Kevin Burt, dass er mit seinem neuesten Werk „Stone Crazy“ nun auch die ihm gebührende internationale Anerkennung erhält. Verdient hat er sie mit dieser Scheibe allemal.

Label: Gulf Coast Records
Stil: Blues

Tracks:
01. I Ain‘t Got No Problem With It
02. Purdy Lil Thang
03. Rain Keeps Coming Down
04. Stone Crazy
05. I‘m Busting Out
06. Same Old Thing
07. You Get What You See
08. Something Special About You
09. Should Have Never Left Me Alone
10. Better Off Dead
11. Got To Make A Change

Kevin Burt
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Gulf Coast Records

Eagles – Live From The Forum MMXVIII – Blue-ray-Review

Eag

Hatte ich beim starken Justin Moore-Live-Tonträger noch das visuelle Element vermisst, erhält man von einer der letzten Supergruppen der guten alten Zeit, die es bis heute geschafft hat, sich immer wieder neu zu erfinden, das zu ihrem Status passende, volle Unterhaltungsprogramm.

eaglesbrAufgenommen und gefilmt mit 14 4K-Kameras wurde die an drei Tagen ausverkaufte Show im FORUM in Los Angeles. Erhältlich wird dieses äußerst wertige Produkt in diversen Formaten sein (u. a. auch in einer Super Deluxe Edition). Ich habe zur Rezension die toll gestaltete Blue-ray/Doppel-CD-Version  erhalten.

Was soll ich sagen, man erhält natürlich einen Augen- und Ohrenschmaus der Superlative, mit einem Programm, das so gut wie alle Eagles-Klassiker beinhaltet, als auch Highlight-Stücke aus Henleys („Boys Of Summer“), Walshs („Rocky Mountain Way“) und Vince Gills („Don’t Let Your Heart Start Slippin‘ Away“) Solo-Phasen.

Apropos Vince Gill: Der ist ja nach dem Tod von Glenn Frey ebenso wie dessen Sohn Deacon (seine Einbindung als besonders geschickter Schachzug) in das neue Line-up integriert worden und reiht sich mit seiner samtweichen Stimme, seinem exzellenten Gitarrenspiel und seiner ebenfalls charismatischen Aura, gebührend ins Bandgefüge ein.

Deacon Frey wirkt in diesem geballten Senior-Starensemble natürlich noch sehr jung und etwas verschüchtert, meistert seine Gesangs- und Gitarrenparts aber durchaus ordentlich.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielt der offiziell nur als Gastmusiker aufgeführte Steuart Smith, der wieder mit einigen herrlich relaxten E-Gitarrensoli auf diversen Gitarren glänzt und natürlich beim Megahit „Hotel California“ an der doppelhalsigen Gitarre beim Intro und in der Solopassage (u. a. Twins mit Walsh) seinen großen Auftritt hat.

Neben den Keyboardern Will Hollis und Michael Thompson gibt es durch Milo Deering noch Gastpräsenzen an der Pedal Steel sowie vereinzelte Streicher- und Bläsereinbindungen.

Als eigentliche Köpfe der Band kristallisieren sich aber eindeutig Don Henley (wechselt häufig zwischen Gesang, Akustikgitarre, drums und Percussion – hier in ständigem Austausch mit dem starken Scott Crago) und der immer am Rande des Wahnsinns zu weilen scheinende Spaßvogel Joe Walsh (Gesang, fulminante E-Gitarrenarbeit – z. T. richtig Southern, zwei launige Talkbox-Effekt-Einlagen, wie einst durch Peter Frampton bekannt) heraus, ohne aber spürbar dominant zu wirken.

Gerade Henley, den ja immer eine außerordentliche Hassliebe mit seinem damaligen Counterpart Glenn Frey (übrigens nach dem vom Sohnemann gesungenen „Peaceful Easy Feeling“ auf der bombastischen, bild- und effektiven  LED-Leinwand im Hintergrund zum kurzen Innehalten ‚in memoriam‘ abgebildet) verband, scheint mittlerweile eher eine Art entspannte Genießerrolle einzunehmen.

Der hagere Timothy B. Schmidt, mit langer ergrauter Matte am Bass, ist der ruhende Pol, präsentiert als letzter Leadsänger mit „I Can’t Tell You Why“ und „Love Will Keep Us Alive“ zwei echte Ohrwürmer.

Insgesamt kann man attestieren, dass die durch Gill und Frey jr. eingeleitete Frischzellenkur den Adlern spürbaren Aufwind gibt, was man auch an den begeisterten Reaktionen des Publikums in der imposanten Location ablesen kann. Mit ihnen ist eine lockerere, und weniger angespannte Spiel- und Gesangskultur bei den Eagles eingezogen. Die bestechenden Harmoniegesänge sind auch mit ihnen weiter ein Markenzeichen.

In Zeiten von Corona ist dieser famose Live-Mitschnitt für’s heimische Wohnzimmer, echtes Wasser auf die Mühlen der derzeitig gebeutelten Konzertpassionisten.

Ein Hammerteil und sehr edles Produkt – absolute Empfehlung, nicht nur für Eagles-Fans – ab heute, den 16.10.2020, käuflich zu beziehen!

Rhino/Warner Music (2020)
Stil: Westcoast / Country Rock

Tracklist (CDs und Blue-ray identisch)
01. Seven Bridges Road
02. Joe Walsh: ‚How Ya Doin‘
03. Take It Easy
04. One Of These Nights
05. Don Henley: ‚Good Evening, Ladies And Gentlemen‘
06. Take It To The Limit
07. Tequila Sunrise
08. In The City
09. Timothy B. Schmit: ‚Hey, Everybody, That’S Joe Walsh‘
10. I Can’t Tell You Why
12. Don Henley: ‚Just Want To Thank All Of You
13. How Long
14. Deacon Frey: ‚Hello, Everybody
15. Peaceful Easy Feeling
16. Ol‘ 55
17. Lyin‘ Eyes
18. Love Will Keep Us Alive
19. Vince Gill: ‚How About A Nice Hand For California, Man…‘
20. Don’t Let Our Love Start Slippin‘ Away
21. Those Shoes
22. Already Gone
23. Walk Away
24. Joe Walsh: ‚Is Everybody Ok‘
25. Life’s Been Good
26. The Boys Of Summer
27. Heartache Tonight
28. Funk #49
29. Life In The Fast Lane
30. Hotel California
31. Rocky Mountain Way
32. Desperado
33. The Long Run

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Oktober Promotion

Tanya Tucker – Live From The Troubadour – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

9081 Santa Monica Boulevard, West Hollywood, Los Angeles, ist die Adresse einer legendären Konzert-Location, die seit über 60 Jahren Musikgeschichte schreibt. „The Troubadour“ ist das renommierte Venue auf den Album-Covern vieler prominenter Namen, wie z.B. Neil Diamond (1970), Carole King und James Taylor (2010) oder der Band Wilco (1996), die dort Konzert-Auftritte für einen Longplayer einspielten. In diese lange Reihe exklusiver Club-Performings hat sich im vergangenen Jahr auch die Country-Ikone Tanya Tucker eingereiht und nun mit „Live From The Troubadour“ ihr drittes Live-Album aufgenommen – 15 gefeierte Tracks, geprägt von Tanyas unverwechselbarer Stimme und einer Top-Begleitband.

Die inzwischen 62-jährige Country-Lady aus Texas ist seit fast fünf Jahrzehnten im Musik-Business aktiv (bereits 1997 erfolgte die Aufnahme in die Country Music Hall of Fame) und konnte über die Zeit in fast allen Award-Kategorien Preise abräumen. Das Studio-Album „While I’m Livin‚“ wurde bei den 2020 Grammys als bestes Country-Album des Jahres ausgezeichnet. So enthält „Live From The Troubadour“ natürlich zum großen Teil Songs aus diesem preisgekrönten Longplayer, allen voran „Bring My Flowers Now“, der als bester Country-Song 2020 prämiert wurde.

Die neue Live-Scheibe ist natürlich auch ein kleines ‚Best-of‘-Werk und bringt acht schöne Versionen älterer Country-Klassiker und Nr. 1-Titel, wie u.a. „Delta Dawn“, „Blood Red And Goin‘ Down“ oder „Strong Enough To Bend“ und „Jamestown Ferry“ aus Tuckers langer Karriere zurück auf den Plattenteller. Die Konzert-Atmosphäre vor 500 begeisterten Fans vermittelt durch die persönlichen Ansagen und Publikum-Backgrounds, eine fast schon private Party-Stimmung, die mit dem Medley aus „I’m On Fire/Ring Of Fire“ (eine ungewöhnliche Bruce Springsteen/Johnny Cash Cover-Version) einen zusätzlichen Höhepunkt erfährt.

Tanya Tucker hat mit dem Album „Live From The Troubadour“ – die Music Hall profitiert dabei übrigens durch einen Anteil aus den Einnahmen der LP-Verkäufe – eine familiär klingende Country-Scheibe veröffentlicht und begeistert mit der Auswahl an älteren und jedoch ebenso neuen Tracks. Tuckers Performance zeigt, dass ihr auch generationsübergreifend der Spagat zwischen klassischer Country-Musik und modernen Chart-orientierten Melodien mühelos gelingt.

Fantasy Records (Universal Music) (2019)
Stil: Country

Tracklist:
01. Would You Lay With Me (In A Field Of Stone)
02. Jamestown Ferry
03. What’s Your Mama’s Name, Child
04. Blood Red And Goin’ Down
05. Strong Enough To Bend
06. I’m On Fire / Ring Of Fire
07. Mustang Ridge
08. The Wheels Of Laredo
09. I Don’t Owe You Anything
10. High Ridin’ Heroes
11. Hard Luck
12. Interlude
13. Bring My Flowers Now
14. Texas (When I Die)
15. It’s A Little Too Late
16. Delta Dawn

Tanya Tucker
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Oktober Promotion

Go Music – 10.10.2020, Jazzkeller, Krefeld – Konzertbericht

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Das ausgefallene Konzert

Eigentlich wollte ich am 10.10. den Gig der Rumrods im Biergarten der Kantine in Köln besuchen. Es sollte das letzte diesjährige Konzert in der Reihe der Biergartenkonzerte sein. Dann kam aber leider am Vormittag die Information, dass das Konzert abgesagt sei.

Neben den in Köln stark ansteigenden Fällen von Coronainfizierten, was eventuell auch einen Einfluss auf die Hygienekonzepte hatte, gab es die Wettervorhersage, die starken Regen hervorsagte und die Durchführung auch im Hintergrund der nun herbstlichen Temperaturen fast unmöglich gemacht hätte. Es zeigt das nächste Problem der Veranstalter auf und ist unbeeinflussbar.

Der Herbst und Winter kommt, und die Openair-Saison, die mit guten Konzepten und entsprechenden lokalen Gegebenheiten einiges noch realisierte, geht nun dem Ende entgegen. Was Indoor noch möglich ist, hängt dann von Erlassen, bei zu erwartenden steigenden Fallzahlen und von Konzepten ab und wie diese von den Behörden anerkannt werden. Ob die dann gestattete Besucherzahlen überhaupt den Aufwand finanzieren, bleibt allerdings abzuwarten.

Fast parallel zur Absage von Köln erreichte mich ein Post des Jazzkellers Krefeld, dass die geplante Veranstaltung von Go Music wegen der hervorgesagten Regenfälle kurzfristig von 20:00 Uhr auf 18:00 Uhr vorverlegt wurde. Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich anzufragen, ob noch Plätze frei sind und fuhr, um Veranstalter zu unterstützen, nach Krefeld. Nicht um ein Konzertbericht zu schreiben, der steht schon für eine Veranstaltung aus dem GREND in der letzten Woche im Magazin, sondern einfach um Live-Musik zu hören.

Überraschend viele Gäste füllten trotz der kurzfristigen Vorverlegung des Konzertes den Openair-Bereich in der Fußgängerzone unmittelbar vor dem Jazzkeller. Trotz kälterer Temperaturen und mehrfach einsetzenden Nieselregens, verweilten die Fans gut gelaunt bis zum Ende des Konzertes, um dann im Starkregen den Heimweg anzutreten.

Ich bin gespannt, wie der Jazzkeller sein Programm weiter durchzieht, da in den nächsten Tagen berichtet werden soll, wie das Konzept aussehen soll, in den Herbst- und Wintermonaten weitere Konzerte durchzuführen. Es ist auf jeden Fall ausgeschlossen, dass diese in den Gewölben des Jazzkellers stattfinden, wo maximal 20 Besucher Zutritt hätten.

Schon heute war es für die Musiker auf der, dem Wind ausgesetzten Bühne ziemlich frisch. Dazu zwei Sprüche von Granfelt: „Ich freue mich schon auf die finnische Sauna“ und zum Ende bei der Verabschiedung, wo er von einem Auftritt Engeliens und den zwei Hoodies sprach, wobei er selbst und Charly T. sich die Kapuzen der Hoodies unter den Jacken hochgezogen hatten.

Schaut mal auf der Seite des Jazzkellers in den nächsten Tagen/Wochen nach, was für Veranstaltungen angeboten werden, wie der dazu gehörige Rahmen aussieht und unterstützt weiter Konzerte von Veranstaltern, die mit entsprechenden Konzepten versuchen, Livemusik in das nächste Jahr retten, sodass wenigstens die wenigen zugelassenen Plätze in den Clubs halbwegs gefüllt sind.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Martin Engelien
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Ben Granfelt
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Jazzkeller, Krefeld

Patrik Jansson Band – IV – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Die Patrik Jansson Band ist, 2007 gegründet, eine noch vergleichsweise junge schwedische Combo. 2011 erschien ihr Debutalbum, 2014 folgte das von der Kritik hoch gelobte „Here We Are“ und 2017 erschien „So Far To Go“ mit melodischem Blues und Bluesrock. Und jetzt wiederum drei Jahre später erschien am 02. Oktober das vierte Album der Band, ganz unspektakulär mit „IV“ betitelt. Spätestens seit dem 2018‘er Grolsch Blues Festival dürften die vier Schweden auch hier bei uns in Deutschland zumindest den Blues-Afficinados bekannt sein.

Patrik Jansson, der ursprünglich in jungen Jahren als Schlagzeuger in Jazz- und Bluesbands startete, frönt auf dem neuen Album als Gitarrist und Sänger gemeinsam mit seinen Jungs ausgiebig dem Blues. Seine Kumpanen sind Lars Eriksson an den Keyboards, Thomas Andersson am Bass und Martin Forsstedt hinter der Schießbude.

Allerdings darf man keine Bluesscheibe im klassischen Sinne erwarten. Es ist eher eine moderne Art des Blues, zwar mit Versatzstücken des Chicagoblues („Same Thing All Over Again“), aber auch mit jazzigen Elementen („She Said What“, ein flottes Instrumentalstück), die vorwiegend von Lars Eriksson an den Tasten geliefert werden und mitunter an Barmusik aus vergangenen Zeiten erinnern („Love Will Find A Way“).

Die Songs sind musikalisch sicherlich auf hohem Niveau komponiert und eingespielt, klingen aber auch recht clean. Dies ist jetzt nicht negativ gemeint, schließlich lag der Fokus auf einem Songwriting, das den Hörer mit eingängigen Melodien und tollen Arrangements einfangen und begeistern soll. Was zweifelsohne auch gelungen ist. Eine raues Bluesding, das den Dreck der Straße und den Seelenschmerz schmecken lässt, ist es allerdings nicht geworden, allenfalls der Slowblues „Nothing But The Blues“ kann dieses Feeling ansatzweise transportieren.

Die Art und Weise wie Patrik Jansson seine Gitarre spielt, weist aber durchaus Parallelen zu Walter Trouts und Robert Crays Gitarrenstil auf und Lars Eriksson mit seinen Keyboards kommt auf fast allen Stücken eine tragende Rolle zu.

Im Übrigen sollte jetzt im November eine Tournee durch die Niederlande, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich starten, ob diese aber unter den derzeitigen Umständen durchführbar ist, ist leider mehr als fraglich.

Label: Sneaky Foot Records (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. She Aint Gonna Come Back Any More
02. A Love Like Yours
03. Love Will Find A Way
04. Same Thing All Over Again
05. She Said What
6. Play Me Some Blues
07. Someone Who Treats You Right
08. Only The Lonely
09. Nothing But The Blues

Patrik Jansson Band
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Super Vintage – Shining Light – CD-Review

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Review: Michael Segets

Vor zwei Jahren legte Super Vintage mit „Destiny“ eine ordentliche Hard-Rock-Scheibe vor. Nun meldet sich die griechische Band mit „Shining Light“ zurück. Das neue Album macht einen gewaltigen Schritt vorwärts in Richtung Southern Rock.

Während der Einstieg in die CD mit den Gitarrenläufe bei „Down The Road“ oder der Gesangstil bei „Birds On A Wire“ noch deutlich zeigt, aus welcher musikalischen Ecke die Griechen kommen, nimmt das Werk anschließend eine Wendung zum Southern. Vor allem die Intros sind schön staubig und versetzen atmosphärisch in den amerikanischen Süden. Erstklassig ist dahingehend „Southern Son“, das zudem einen eingängigen Refrain bietet.

Die mehrstimmigen Gesangspassagen bei „Take A Ride“ und dem langsameren „Too Long“ zeugen ebenfalls von der neuen Ausrichtung von Super Vintage. Letztgenannter Song wird ebenso wie der starke Titeltrack „Shining Light“ von einer akustischen Gitarre getragen. Eine Art Desert Blues Rock spielt Super Vintage bei „Keep It Up“ und bei „Bourbon Man“. Dabei liegt die Betonung beim ersten Song auf Rock und beim zweiten auf Blues. Dazwischen streut das Quartett nochmal eine Nummer der härteren Gangart ein („Lone Star Rider“).

Zum Ende des Longplayers gibt es schließlich Southern Rock, der den amerikanischen Vorgängern dieses Genres ebenbürtig ist. Mit „Sweet Rockin‘ Mama“ frönt Super Vintage einer kräftigeren Spielart und mit der abschließenden Ballade „Brothers“ findet sich ein ruhigerer Beitrag auf der Scheibe.

Ihre Stärken, zu denen vor allem die atmosphärischen Intros zählen, baut Super Vintage weiter aus. Mit wenigen Ausnahmen enden die Stücke durch ein allmähliches Fade Out, was nicht so elegant wirkt. In den Details bestehen daher noch Optimierungsmöglichkeiten.

Bandleader Stavros Papadopoulos hat zurzeit eine äußerst produktive Phase. Neben seinem diesjährigen Solodebüt „Spirits On The Rise“ lotet er mit seiner Band Super Vintage neue musikalischen Regionen aus. Die Affinität zum Hard Rock scheint zwar auch auf „Shining Light“ durch, aber der erdigere Sound stellt einen Fortschritt gegenüber dem vorangegangenem Werk dar. Die Truppe gewinnt durch die Hinwendung zum Roots Rock an Profil.

„Shining Light“ ist eine der positiven Überraschungen 2020. Bei der Qualität des Songwritings hat Stavros Papadopoulos nochmal eine Schippe draufgelegt und so erscheint das Album deutlich abwechslungsreicher als der Vorgänger. Auf dem europäischen Festland widmen sich wenige Bands dem Southern. Wenn Super Vintage die aktuell eingeschlagene Richtung beibehält, kann sich das Quartett zu einem Referenzpunkt in Sachen Southern Rock auf dem alten Kontinent entwickeln.

Grooveyard Records (2020)
Stil: Hard Rock/Southern Rock

Tracks:
01. Down The Road
02. Birds On A Wire
03. Southern Son
04. Take A Ride
05. Shining Light
06. Too Long
07. Keep It Up
08. Lone Star Rider
09. Bourbon Man
10. Sweet Rockin‘ Mama
11. Brothers

Super Vintage
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Grooveyard Records

Justin Moore – Live At The Ryman – CD-Review

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In Tagen, wo Konzerte aufgrund der bekannten Problematiken, eher andächtigen Klassik-Veranstaltungen – nur ohne die dort typische hohe Arschlochdichte im Publikum – gleichen, kommt Justin Moore mit einem frenetisch-spektakulären Live-Album, aufgenommen im ausverkauften Ryman-Auditorium, in Nashville, Tennessee, noch in der guten alten Vor-Corona-Zeit, um die Ecke.

Der ursprünglich aus dem kleinen Dorf Poyen in Arkansas stammende, 2002 nach Nashville übergesiedelte Künstler, zieht dabei alle Register und präsentiert einen mustergültigen Querschnitt aus seinen allesamt mega-erfolgreichen fünf Alben (keines schlechter als Platz 3, dreimal sogar Platz 1), serviert dazu on top mit Chris Janson, David Lee Murphy und Ricky Skaggs illustre Gäste.

Der an diesem Abend gesanglich und kommunikativ blendend aufgelegte Moore kann sich dazu auf eine sensationell gut auftrumpfende Begleitband, bestehend aus den superben E-Gitarristen Perry Coleman II (auch background vocals) und Josh Cross, dem famosen Keyboarder Kory Caudil (auch background vocals) , sowie der blendenden Rhythmusfraktion mit David Dubas (bass) und Powerdrummer Tucker Wilson (mit vielen ‚volumigen‘ Trommelhageln), verlassen, die sich mindestens zu 50% für das Gelingen dieses herrlichen Events mitverantwortlich zeigt.

Mit „Hank It“ und „Backwoods“ hat das einstige Basketball-Talent direkt zwei Einsteiger der Marke ‚besser geht’s nicht‘ parat, die sofort für mächtig Alarm sorgen. Da muss dann direkt die wunderschöne Ballade „Flyin’ Down A Back Road“ zum Durchatmen, aber auch zum Mitsingen des über die gesamte Dauer textfesten und immer wieder eingebundenen Publikums, herhalten.

Danach liefert er quasi ein, auch von der Anordnung mustergültiges Best Of-Programm (mit vielen seiner stimmungsvollen Hits wie u. a. „You Look Like I Need A Drink“, „Kinda Don’t Care“, „Til My Last Day“, „If Heaven Wasn’t So Far Away“ ab, das auch in großen ausverkauften Stadien, optimal seinen Zweck erfüllen würde.

Nach dem southern-rockigen „Bed Of My Chevy“ wird mit dem Einbinden der o. a. angeführten Gäste in den etwas traditionelleren Country-Modus umgeswitcht. Chris Janson begeistert neben seinem kauzigen Gesang auch mit einem klasse Harp-Solo beim Hank Williams jr.-Outlaw-Klassiker „Country State Of Mind“. David Lee Murphy erweist sich als idealer Partner beim Waylon Jennings-Feger „I Ain’t Living Long Like This“ und Neo-Traditionalist Ricky Skaggs ebenso beim schunkligen Heuler „Honey (Open That Door)“.

Das patriotische „Small Town USA“ (mit natürlich inbrünstigem Publikumsgesang und tollen Twin-E-Gitarren) ist die passende Initialzündung für ein Finale der Extraklasse, das mit dem textlich vulgären, oder gerade deswegen, höchst unterhaltsamen „I Could Kick Your Ass“ (klasse wie Justin das letzte Wort der Titelzeile „Aääääääs“ als seinen letzten Vokal-Akt im Hauptteil auseinanderzieht, danach folgt ein starkes Instrumentaloutro der Band) und der abermals launigen Zugabe „Point At You“, die wie eine Jam-Session aus The Who (Orgel), den Stones (E-Gitarren-Rhythmus), Skynyrd (E-Soli)und Bruce-Springsteen (Powergesang) rüberkommt (plus Verabschiedung von Band und Gästen), stimmungsmäßig kaum zu toppen ist. Southern New Country-Live-Stoff at its best!

Schade, dass dieser furiose Justin Moore-Gig nicht auch in visueller Form als DVD oder Blu-ray festgehalten wurde, dafür wird es einem aber leicht gemacht, das dementsprechende Kopfkino, ganz ohne virale Übertragungsrisiken, einzuschalten. Dafür erhält man nach dem Kauf  absolut tolle Musik (in dieser Hinsicht allerdings mit höchster Ansteckungsgefahr) in einem Top-Sound samt grandioser Stimmung, exklusiv in seinem Wohnzimmer. Man gönnt sich in diesen Zeiten ja sonst nichts…!

Valory Records/Universal (2020)
Stil: New Country

01. Hank It
02. Backwoods
03. Flyin’ Down A Back Road
04. You Look Like I Need A Drink
05. Somebody Else Will
06. Bait A Hook
07. Kinda Don’t Care
08. Til My Last Day
09. If Heaven Wasn’t So Far Away
10. Lettin‘ The Night Roll
11. Bed Of My Chevy
12. Country State Of Mind (featuring Chris Janson)
13. I Ain’t Living Long Like This (featuring David Lee Murphy)
14. Honey (Open That Door) (featuring Ricky Skaggs And The Whites)
15. Small Town USA
16. I Could Kick Your Ass
17. Point At You

Justin Moore
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Universal Music Group

Billy Walton Band – Dark Hour – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Nachdem ich die Billy Walton Band im November letzten Jahres bei uns in Krefeld in der Kulturrampe live genießen konnte, war ich natürlich sehr gespannt auf die neue Scheibe, die jetzt seit kurzem in den Läden ist. Da die Band aus New Jersey stammt, war es natürlich naheliegend, dass sie die CD in den dortigen Cambridge Sound Studios eingespielt hat. Dabei zur Seite gestanden ist der für einen Grammy nominierte Soundtechniker Jim Salamone.

Herausgekommen ist dabei, wie nicht anders zu erwarten, ein musikalisch abwechslungsreiches und tontechnisch hervorragendes Album mit insgesamt zwölf Tracks, auf denen Billy Walton Gitarre spielt und singt, William Paris den Bass zupft und ebenfalls Gesangseinlagen beisteuert.

Tom Petraccaro am Saxophon und Bruce Krywinski jr. an der Trompete bilden die Bläsersektion, während Eric Safka an der Hammondorgel für die nötige Untermalung sorgt und Francis Valentino an den Drums den richtigen Drive liefert. Hinzugesellen sich noch ein paar weitere Studiomusiker/innen u. a. für Gesang und Tambourine.

„Dark Hour“ ist der Nachfoger von „Soul Of A Man“ aus 2017, welches allerdings wesentlich souliger geprägt ist. Auf dem neuen Werk geht es deutlich rockiger und härter zu, ohne aber auf soulig-funkige und bluesige Einflüsse zu verzichten, was die Scheibe insgesamt sehr abwechslungsreich macht.

Als Einstieg dient die kräftige Rocknummer „Think Of Me“ mit quäkendem Wah-Wah Gitarrensound und einem hardrockigem Intro, gefolgt von einem nicht weniger fetzigen Track namens „Long Slow Descent“ mit tollen Syntheziser-Sequenzen, die entfernt an die Rockmusik der frühen 70‘er Jahre à la Uriah Heep erinnern. Entspannend und den Ohren schmeichelnd gönnt das melodiöse und funkig-soulige „Can‘t Love No One“, welches genau wie „You Don‘t Need Me“ im Vorfeld bereits als Single ausgekoppelt wurde, dem Zuhörer dann eine kleine Verschnaufpause.

„You Don‘t Need Me“ ist begleitend zu Waltons Gesang, relativ sparsam instrumentiert, immer wieder unterbrochen von brachialen, gewitterähnlichen Basseinlagen, aber mit einem ruhigen, versöhnlichen Ausgang. Ein sehr starker Song, der sich von den übrigen Stücken des Album abhebt.

Mit „Long Way Down“ spielen Billy Walton und seine Jungs einen schönen, souligen Slowblues, der mit gefälligen Bläsern beginnt und im weiteren Verlauf auch ein wenig Southern-Atmosphäre versprüht.

Bei „Confusion“ hingegen ist der Titel Programm, der Midtempo-Song startet tatsächlich etwas experimentell-konfus, geht dann aber wieder ins Soulige über, woran nicht zuletzt die Bläsersektion einen großen Anteil hat.

In dem atemlos wirkenden „Goldmine“ gibt Francis Valentino mit seinen treibenden Drums die Schlagzahl vor, die von Waltons Gitarrenriffs im Stil der 70’er Jahre aufgegriffen wird. Ein bisschen ruhiger mit dezenten Bläsern und gospeligen Background Vocals kommt dann „Free World“ daher und auch das klassische „Funky Fever“ macht seinem Namen alle Ehre.

Die folgenden zwei Titel sind Cover-Songs. Das ist zum Einen „Cold Day In Hell“ (ursprünglich von Gary Moore geschrieben) und zum Anderen „Cortez The Killer“ (Neil Young). Während ersteres ein flotter Soul-Track mit unauffällig im Hintergrund agierenden Bläsern ist, wirkt der langsame, balladeske „Killer Song“ eher düster.

„People Talking“ geht fast als Instrumentalstück durch. Erst bei genauerem Zuhören stellt man fest, dass Billy Walton auch singt. Wobei sein Gesang wirklich mit der Musik verschmilzt und so ein diffuser Eindruck von Gesprächen entsteht, „People Talking“ eben.

„Dark Hour“ ist unter dem Strich ein interessantes und hörenswertes Album, auf dem Billy Walton seine vielfältigen musikalischen Fähigkeiten als Gitarrist und Sänger unter Beweis stellt, auch, oder gerade weil sich die CD doch sehr von den Vorgängern unterscheidet.

Und letztendlich konnte sich Billy Walton auf seine hervorragende Band verlassen. William Paris, Tom Petraccaro, Bruce Krywinski, Eric Safka und Francis Valentino unterstützen ihn perfekt aufeinander abgestimmt, Chapeau meine Herren!

Harmonized Records/Bertus (2020)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Think Of Me
02. Long Slow Descent
03. Can‘t Love No One
04. You Don‘t Need Me
05. Long Way Down
06. Confusion
07. Goldmine
08. Free World
09. Funky Fever
10. Cold Day In Hell
11. Cortez The Killer
12. People Talking

Billy Walton Band
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Bertus Musikvertrieb GmbH

Go Music – 03.10.2020, GREND Kulturzentrum, Essen – Konzertbericht

Go_haupt

Ausverkauftes Haus beim ersten Indoor-Konzert im Kulturzentrum GREND seit dem Frühjahr. Immerhin durften 47 Musikfans auf festgelegten Sitzplätzen der Veranstaltung beiwohnen, wo bestuhlt, bis zu 80 Besucher möglich wären.

Mit dem nötigen Humor begrüßte Martin Engelien die Zuschauer dann auch zu dem, was heute ausverkauft heißt. Im Gegensatz zu den meisten Go Music-Konzerten, bei denen meist im Quartett gespielt wird, trat man diesmal im (Power-) Trio an. Neben dem finnischen Saitenhexer Ben Granfelt hatte Engelien am Bass, Charly T. an den Drums an Bord. Dieser gilt als einer der besten Drummer Deutschlands, was er unter anderem auch bei Marius Müller Westernhagen oder den Lords unter Beweis stellte.

Wie für Go Music-Konzerte üblich, startete das Konzert mit dem Instrumental „One Earth“, in dem jeder der Musiker schon mit Soloeinlagen Glanzlichter setzte. Danach standen aber Songs von Ben Granfelt im Mittelpunkt und es wurden einige Coversongs mit spezieller Note eingestreut.

Nach den beiden älteren Stücken „Bright Lights And Dreams“ und „Cant Wait Another Day“ machte Engelien Werbung für das gerade erschienene Granfelt-Album „True Colours“ und mit „Hey Stranger“ folgte passenderwiese die aktuelle ausgekoppelte Single mit jammenden Zwischenteil, in dem Charly T. mit einem furiosen Drumsolo begeistern konnte, während Engelien dabei das Publikum immer wieder anstachelte, ihn anzufeuern. Zum Ende sagte Ben Granfelt noch einmal, dass der Song natürlich auf dem neuen Album ist und legte mit einem Augenzwinkern nach, dort aber leider ohne das Drumsolo.

Zum folgenden „Faith, Hope And Love“ plauderte Ben kurz über seine Zeit bei Wishbone Ash, und wie das Stück den Weg auf ein Album der Band gefunden hatte und fester Bestandteil ihrer Setlisten wurde. Auch dieser Klassiker wurde mit einer ganz eigenen Note gespielt, in dem Engelien dann sein, wenn man Granfelts Worten Glauben schenkt, sein etwa 3867tes Bass-Solo gespielt hat. Beeindruckend war, wie sich Granfelt an der Gitarre und Engelien am Bass regelrecht die Bälle zuspielten und sich zuweilen in einen Rausch zu spielen schienen.

Nach einer kurzen Pause die zum Lüften des Raumes und den Verkauf von LPs/CDs genutzt wurde, betraten die drei wieder die Bühne, und Granfelt gab einiges zur Entstehung der neuen Platte preis, zum Beispiel, dass er drei Instrumentalsongs auch auf den Wunsch von Fans aufnahm und sogar froh darüber war. Nach einem Konzert in Schweden, er nannte es den Coronahotspot der Welt, merkte er, dass bei ihm etwas nicht stimmt und er danach richtig krank wurde.

Das ging so weit, dass es länger dauerte, bis seine Stimme wieder funktionierte. Da kam ihm die Aufnahme der Instrumentalsongs natürlich entgegen, von denen dann „Oriental Express“, ein psychedelisch angehauchter Track folgte.

Mit „Chevrolet“ dem Robben Ford-Klassiker, geschrieben von Memphis Minnie, Ed & Lonnie Young, wurde es wieder rockig, und das stilistisch an die guten alten Dire Straits-Zeiten erinnernde „My Soul To You“ zeigte einmal mehr die spielerischen Qualitäten des Finnen.

Dass Granfelt und seine Mitstreiter nicht nur Rockmusik können, bewies das Trio bei Robert Palmers „Bad Case Of Loving You“, der kurzerhand als Reggae-Version vorgetragen wurde. Schön war hier auch der passende Groove durch die Rythmusfraktion Charly T. und Martin Engelien, die dabei bewiesen, dass sie auch die langsamen Tonfolgen beherrschen.

„Breathe“ leitete er mit „Endless“, einer Homage an Jeff Beck, ein,  welcher ihn in seinem Gitarrenspiel inspiriert hatte ein. Vor dem Stück gab er schmunzelnd den Tipp, nicht mehr zu atmen, da man so kein Corona bekommen könne. Der Nachteil ist allerdings, dass man dies mit dem Leben bezahlen müsse. Dass Granfelt an dem Abend aber gut bei Atem war, bewies er durch den durchweg klaren Gesang, der auch passend abgestimmt war. Überhaupt muss gesagt werden, dass der Sound an dem Abend sehr gut ausgesteuert war, wodurch jedes Instrument differenziert zur Geltung kam.

Als letztes Lied des zweiten Sets folgte der JJ Cale-Evergreen „Cocaine“, dessen Ruhm durch Eric Clapton noch gesteigert wurde. Jetzt könnte natürlich gefragt werden, ob es sein müsse, solch einen Song zu covern, an dem sich viele eventuell totgehört haben. Ich habe „Cocaine“, eingeleitet mit einem Intro, welches auch von Stevie Ray Vaughan hätte sein können, selten so energiegeladen und dynamisch gehört. Es war in dem Fall nicht das Cover von Slowhand sondern von Fasthand!

Danach verließ die Band kurz den Saal, um nach lautstarken Zugabeforderungen noch einmal die Bühne zu betreten. Es folgte der für Granfelt-Konzerte obligatorische Rausschmeißer „Going Home“, einer der vielen Highlights eines tollen Konzertabends, der die Besucher zufrieden nach Hause gehen ließ.
Ein besonderer Dank geht an die Macher des GREND, die alles für einen gelungenen Konzertabend bereitet haben, aber auch an Martin Engelien, der mit seinem Projekt Go Music Corona trotzt und immer wieder Musiker zusammentrommelt, die dafür sorgen, dass Livemusik weiter präsent ist.

Interessant war dabei die Aussage von Charly T. in einem Gespräch nach dem Konzert, dass er die Songs von Granfelt erst zwei Tage vor der Show kennenlernte, was bei dem Konzert nicht erkennbar war und man eher das Gefühl hatte, da spielen drei zusammen, die sich schon länger kennen. Besonders hervorzuheben ist, dass Ben Granfelt sich auf die Minitour eingelassen hat, mit dem Wissen bei der Rückkehr nach Finnland erst mal in Quarantäne zu gehen. Wie sagt man so schön, das ist Rock’n’Roll.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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GREND Kulturzentrum, Essen