Lynyrd Skynyrd – Searching – CD-Review

Ja es gibt sie tatsächlich noch, diese musikalischen Sensationen. Vielen Skynyrd-Anhängern der ersten Stunde wird immer noch die Schockstarre präsent sein, wenn sie bis heute überhaupt denn je überwunden ist, als im Oktober 1977 der Privat-Jet unserer Southern Rock-Lieblinge, die sich gerade auf einen ersten Höhepunkt ihrer Karriere zu bewegten, während ihrer US-Tour vom Himmel herabstürzte. Zwei Crew-Mitglieder, Cassie und Steve Gaines, sowie der Frontmann und das Aushängeschild des Septetts, Ronnie Van Zant kamen, wie allseits bekannt, dabei tragischer Weise ums Leben. Noch heute beschäftigt viele Fans die Frage, wie die Entwicklung von Lynyrd Skynyrd oder die des Southern Rocks überhaupt verlaufen wäre, hätte ihr charismatischer Bandleader das Unglück überlebt.

Nachdem sich die übrigen Musiker von ihren Blessuren nach und nach zu erholen begannen, brodelte bereits die Gerüchteküche, ob, wie und in welche Richtung die zukünftige musikalische Reise gehen sollte. Zunächst wurden naturgemäß die beiden Brüder Ronnies als Nachfolger am Mikro gehandelt. Donnie war aber bereits zu sehr in sein 38 Special-Projekt verwurzelt, der jüngste, Johnny, versuchte ebenfalls schon unter eigenem Namen mit eigener Band Fuß zu fassen. Er schien zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht reif genug für eine Aufgabe dieser Dimension. Natürlich wurden auch große, bereits etablierte Namen ins Spiel gebracht. Und, was bis vor kurzem ein wohl behütetes Geheimnis geblieben ist, es hat tatsächlich intensive, fast Casting-ähnliche (würde man heute sagen) Bewerbungsszenarien hinter den Kulissen gegeben.

Man höre und staune, unter den verbliebenen Kandidaten befanden sich letztendlich, Bob Seger, Paul Rodgers, John Fogerty (alle drei hatten ohne etwaige Auflagen spontan ihr Interesse bekundet) und Dale Krantz. Die wurden nach und nach in die berühmten Muscle Shoals-Studios eingeladen. Dabei bat man sie einen neuen Skynyrd-typischen Song selbst zu komponieren und ihn jeweils mit drei Tracks aus dem bestehenden Skynyrd-Fundus (nach freier Wahl) mit den verbliebenen Musikern (als dritter Gitarrist war wieder Ed King mit am Start) neu im Studio einzuspielen. Man wollte einfach genau testen, wer letztendlich am besten zur zukünftigen Gitarrenarmee aus Jacksonville passen würde. Seger brachte sein „Turn The Page“ mit, Rodgers hatte ein Stück namens „Straight Shooter“ im Gepäck (das Stück wurde nie veröffentlicht, nur das mit wohl beste Bad Co.-Album wurde bekanntlich später mit diesem Namen versehen), Fogerty versuchte mit „Proud Gary“ (eine emotionale Hommage an das Gitarrenspiel der Band) Pluspunkte für sich zu ergattern, die bis dato völlig unbekannte, allerdings von Donnie Van Zant empfohlene Krantz erschien mit „Love Your Man“.

Die Aufnahmen gestalteten sich schnell und unkompliziert (kein Wunder bei Könnern dieses Kalibers), die Tracks waren recht schnell eingefahren. Seger und Rodgers zogen ihre Bewerbung aufgrund eigener Erfolge aber kurze Zeit später wieder zurück. Übrig blieben John Fogerty und Dale Krantz. Gary Rossington und Dale Krantz waren sich bei den Aufnahmen näher gekommen und so hatte John Fogerty trotz der Rossington sehr schmeichelnden, o.a. Countryrockballade letztendlich keine Chance, zumal sich auch rechtliche Auseinandersetzungen mit Judy Van Zant, Ronnies Frau, anzubahnen drohten (sie bestand, wenn Skynyrd fortbestehen sollte, in jedem Fall auf einen Van Zant als Leadsänger). Wie hinlänglich bekannt, entschieden sich Rossington und Allen Collins dann doch lieber mit Dale Krantz (später Dale Krantz-Rossington) unter eigener Fahne weiterzumachen.

Was übrig geblieben ist, sind die Aufnahmen dieser hochbrisanten ‚Bewerbungssessions‘ (recht passend mit „Searching“ tituliert), die bis vor kurzem in den Archiven geschlummert haben, aber jetzt mit juristisch abgesegneter Genehmigung der Van Zant-Witwe zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Wir sind ganz besonders stolz, die exklusiven Vermarktungsrechte in Deutschland erworben zu haben, vor allem, weil jeweils nur eine limitierte Auflage von 1.000 Stück für insgesamt vier Länder produziert wurde (USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland). Die Scheibe ist wirklich ein Kracher, unglaublich Paul Rodgers „What’s Your Name“, Seger „Tuesdays Gone“ (Gänsehaut garantiert) oder John Fogerty „That Smell“ mit ihren unvergleichlichen Stimmorganen performen zu hören. Für Dale Krantz hatte man „Gimme Three Steps“ sogar partiell umgetextet, aus ‚Linda Lu‘ wurde z.B. ‚Johnny Blue‘, ‚Mister‘ wurde durch ‚Sister‘ ersetzt, usw., auch ihre rotzige Röhre bei „I Ain’t The One“ ist einfach nur klasse.

Die am 1. April auf den Markt tretende Scheibe kommt übrigens in einem äußerlich zwar recht spartanisch in s/w gestaltetem Digipack, enthält aber ein eingestecktes, achtseitiges 4c-Booklet mit tollen Fotos und Anmerkungen zu den „Searching“-Sessions.

MCA Nashville (2010)
Stil:  Southern Rock

01. What’s Your Name (Rodgers)
02. Simple Man (Rodgers)
03. Cheatin‘ Woman (Rodgers)
04. Straight Shooter (Rodgers)
05. Sweet Home Alabama (Seger)
06. Tuesdays Gone (Seger)
07. I Never Dreamed (Seger)
08. Turn The Page (Seger)
09. Gimme Back My Bullets (Fogerty)
10. Whiskey Rock-A-Roller (Fogerty)
11. That Smell (Fogerty)
12. Proud Gary (Fogerty)
13. I Ain’t The One (Krantz)
14. Searching (Krantz)
15. Gimme Three Steps (Krantz)
16. Love Your Man (Krantz)

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Lynyrd Skynyrd – God & Guns – CD-Review

Auch ich muss es zugeben. Das große Kribbeln im Bauch bei einer Album-Neuveröffentlichung von Lynyrd Skynyrd, in diesem Fall bei „God & Guns“, wie es früher immer üblich war, ist schon lange nicht mehr da. Das hat in erster Linie gar nicht mal mit den Leistungen der Band zu tun. Der Hauptgrund liegt, was meine Person betrifft, sicher in der extremen Reizüberflutung, der man heutzutage als Musik-Redakteur ausgesetzt ist, in Sachen Skynyrd speziell an dem immensen Grad an Identifikationsverlust, den die hohe, bandinterne Sterblichkeitsrate nun mal zwangsweise mit sich brachte.

Mit dem Ableben von Hughie Thomasson und Billy Powell sind zwei weitere Pfeiler und Sympathieträger des Fundaments der einstigen Rockmusik-Institution, mit der ich groß geworden bin (Ean Evans möge mir bitte verzeihen, dass er von mir bereits als einer der beliebig austauschbaren Musiker eingestuft wird) gewichen, das verbliebene Trio Van Zant, Rossington, Medlocke, versprüht längst nicht mehr die Aura des einstigen Kollektivs. Die Alben der posthumen Ronnie Van Zant-Ära fand ich eigentlich im Großen und Ganzen, mit leichten Schwankungen nach oben („Twenty“, „Edge Of Forever“) oder unten (Vicious Cycle) immer recht gut, es gibt ohne Zweifel zahlreiche, tolle Stücke auch mit Johnny Van Zant-Beteiligung.

Ihren großen Kredit hat die Truppe eigentlich mit ihren Konzerten bei mir verspielt. Statt sich zu einer eigenen Identität zu bekennen und schwerpunktmäßig das eigens erarbeitete Material zu präsentieren, wurde bis zum heutigen Tage immer wieder das übliche „Greatest Hits“-Programm runtergedudelt. Was Anfang der neunziger Jahre vielleicht noch ok war, ist für den mündigen Skynyrd-Freund, Ronnie Van Zant-Kult hin oder her, einfach nur noch nervig. Das Weltbild, was die Band in ihren Texten zum Teil dank seines jüngsten Bruders verkörpert, kommt mittlerweile erschwerend hinzu (schlimme Beispiele sind leider auch wieder auf diesem Werk zu beklagen).
Aber egal, kommen wir zu dem, wofür wir Lynyrd Skynyrd lieben gelernt haben, der Musik. Entgegen den entrüsteten und teilweise recht unsachlich erscheinenden Kritiken anderer Magazine, bin ich der Meinung, dass man bei „God & Guns“ den Ball etwas flacher halten sollte. Das Album bietet bis auf eine unsägliche Phase von drei aufeinander folgenden Stücken („Unwrite That Song“, „Floyd“, „That Ain’t My America“), die allerdings das Gesamtgefüge des Werkes sichtlich stören, eigentlich vom übrigen Rest her gute Southern Rock-Kost, mit jeder Menge schöner Melodien, guter instrumenteller Umsetzung (gewohnt starke, southern-typische E-Gitarrenarbeit) und eine von Bob Marlette (Ozzy Osbourne, Nickelback) modern ausgeführte Produktion.

Das bereits im Vorfeld im Net veröffentlichte rockige „Still Unbroken“, das swampige „A Little Thing Called You“, das melodische an „Sweet Home Alabama“ angelehnte „Southern Ways“, das großartige Van Zant-Medlocke-Duett „Skynyrd Nation“, die fetten Gitarrenpassagen bei „God & Guns“ (den Text bitte ignorieren, echt übel) und das vermutlich Billy Powell gewidmete „Gifted Hands“ (mit einem Hauch von „Free Bird“-Flair) machen richtig Spaß und lassen das Southern-Herz kurz wieder auf höheren Frequenzen schlagen. Ob die integrierten Strings in letztgenanntem Song in Zusammenarbeit mit dem Kölner Gürzenich-Orchester erarbeitet wurden (wir erinnern uns an unseren Artikel vom 1. April dieses Jahres…) gaben die Infos der Promo-CD leider nicht her…

Fazit. Das neue Album „God & Guns“ ist keinesfalls so schlecht, wie es bisher dargestellt worden ist. Wenn man den extremen personellen Aderlass der letzten Zeit berücksichtigt, ist den Skynyrd-Überbleibseln insgesamt ein akzeptables Werk gelungen, das eben auch den Wandel der Zeit repräsentiert. Wer die heutigen Skynyrd politisch als ewig Gestrige (zu Recht) abstempelt, sollte nicht in gleichem Zuge auch auf Gedeih und Verderb nach den guten alten Rockmusik-Zeiten schreien. Die sind nämlich seit fast drei Dekaden passé. Die Entwicklung einer den Bandstrukturen angepassten musikalischen Identität halte ich für richtig, solange das Niveau noch überwiegend in Ordnung ist. Die sollte dann allerdings auch live dementsprechend verkörpert werden. Bei „God & Guns“ stehen insgesamt drei kapitale Böcke neun ganz guten Songs gegenüber. Mit den genannten Abstrichen von daher ein durchaus empfehlenswerter Longplayer!

Roadrunner Records (2009)
Stil:  Southern Rock

01. Still Unbroken
02. Simple Life
03. Little Thing Called You
04. Southern Ways
05. Skynyrd Nation
06. Unwrite That Song
07. Floyd
08. That Ain’t My America
09. Comin‘ Back For More
10. God & Guns
11. Storm
12. Gifted Hands

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Lynyrd Skynyrd – Last Of A Dyin‘ Breed – CD-Review

Just, als sich gerade bei uns der Sommer mit Wucht zurückmeldet, dürfte auch für Southern Rock-Freunde die musikalisch heißeste Phase dieses Jahres anstehen. Mit Blackberry Smoke, den Dirty Guv’nahs und Lynyrd Skynyrd stehen gleich drei Top-Bands mit ihren Neuveröffentlichungen in den Startlöchern. Da lacht doch sofort das Herz, zumal man in diesem Genre sicher schon lange nicht mehr der Gefahr einer Reizüberflutung ausgesetzt ist.
Drei Jahre sind tatsächlich schon wieder ins Land gezogen, seit seit unsere Long Time-Helden ihr kontrovers aufgenommenes God & Guns-Album, das wieder von Todesfällen der Bandmitglieder Ean Evans und Billy Powell (ersetzt mittlerweile durch Ex-Black Crowes-Basser Johnny Colt und Peter Keys) überschattet war, fabriziert hatten. Vor kurzem hatten sie sich noch in Berlin sehen lassen, Kollege Mike durfte sich am (Skynyrd-typischen Standardprogramm ‚erfreuen‘. Mich haben sie mit ihren ‚Konzerten von der Stange‘ als Besucher schon lange verloren.

Auch das „G&G„-Album habe ich seit meiner damaligen Rezension eigentlich auch so gut wie nicht mehr gehört. Trotzdem ist es als Southern Rocker der ersten Stunde natürlich irgendwie Pflicht, auf dem Laufenden zu bleiben. Gerade nach der überragenden aktuellen CD „The Whippoorwill“ von Blackberry Smoke, war ich dann doch wirklich neugierig, ob Rossington & Co. der heftigen Attacke ihrer Erben noch Stand halten können.
Um es vorwegzunehmen, ich bin von der neuen Scheibe „Last Of The Dyin‘ Breed“ richtig positiv überrascht. Endlich gibt es wieder schnörkellosen, kompakten, auf den Punkt gebrachten Southern Rock mit vielen E-Gitarrenfeinheiten, der mit der stärksten Zeit der Johnny Van Zant-Ära einhergeht. Es erinnert mich in vielen Phasen an ihr wohl bestes Album „Edge Of Forever“. Vor allem kommt es auch ohne hirnrissige, ami-typisch von Patriotismus getränkte, politische Statements aus.
Produziert hat wieder Bob Marlette, die Hauptsongwriter Johnny Van Zant, Gary Rossington und Rickey Medlocke haben sich einer ganzen Reihe von arrivierten Co-Autoren wie Tom Hambridge, Blair Daly, (John 5, Donnie Van Zant, aber auch jüngerer Kollegen (u. a. Shaun Morgan von Seether, Jaren Johnston von Cadillac Black oder Chris Robertson und Jon Lawhon von Black Stone Cherry) angenommen.

Allein schon der Auftakt mit dem slide-lastigen Uptempo-Titelsong und dem swampigen „One Day At A Time“ mit herrlichen Harmonies von Dale Krantz und Carol Chase sind schon eine echte Wonne. Aber auch im weiteren Verlauf wird das Niveau eigentlich auf konstant hohem Niveau gehalten. Die Ballade „Ready To Fly“ erinnert sogar an die Johnny Van Zant-Anfangstage, als er noch auf Solopfaden weilte.
Die fulminant gitarrenlastig rockenden „Life’s Twisted“ und „Nothing Comes Easy“ stehen in der Tradition starker Tracks wie „Workin'“ oder „O.R.R.“. „Honey Hole“ versprüht ein wenig „Voodoo Lake“-Flair, „Mississippi Blood“ (da singt nicht, wie von mir in meinem diesjährigen Aprilscherz prophezeit, Gary, sondern wie gewohnt Rickey mal sporadisch mit) und das abschließende „Start Livin‘ Life Again“ werden mit einer phantastischen Dobro-Guest-Performance von Jerry Douglas aufgewertet.
Insgesamt ein kurzweiliger Longplayer, der voraussichtlich wieder häufiger den Weg in meinen Player finden wird. Sicher ist Johnny Van Zant, gerade, was die Texte betrifft, kein Typ, der seinem verstorbenen Bruder (vor allem in Sachen unterschwelligem Humor) das Wasser reichen kann, auch werden die Songs nie den Kultstatus aus der Zeit seines großen Bruders erreichen, das müssen sie aber auch nicht. Hier haben er, Rossington und Medlocke wieder mal einen guten Kompromiss gefunden, der alle zufrieden stellen müsste.

Was ihre zukünftigen Live-Auftritte angeht, hat die Tatsache, dass die Nashville-Studiomusiker Greg Morrow und Mike Brignardello auf diesem Silberling die kompletten Drum- bzw. Bass-Parts eingespielt haben, meine Hoffnung, dass sich doch nochmal irgendeine Überraschung ereignen könnte, leider direkt wieder verflüchtigt. Meine Prognose lautet, dass es wie üblich zwei Tracks (vermutlich die beiden Opener) aus diesem Werk geben wird, dazu noch „Red, White & Blue“, ansonsten die üblichen zig-tausendmal abgenudelten Verdächtigen.
„Last Of A Dyin‘ Breed“ ist ein klasse Album geworden, das es auch wert ist, ausführlich auf der Bühne präsentiert zu werden! Die wahren Skynyrd-Fans können auch seit langem schon ohne „3 Steps“, „SHA“ und „Free Bird“ leben…!

Roadrunner Records (2012)
Stil:  Southern Rock

01. Last Of A Dyin‘ Breed
02. One Day At A Time
03. Homegrown
04. Ready To Fly
05. Mississippi Blood
06. Good Teacher
07. Something To Live For
08. Life’s Twisted
09. Nothing Comes Easy
10. Honey Hole
11. Start Livin‘ Life Again

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Lynyrd Skynyrd – Vicious Cycle – CD-Review

Es mag Fakt und sicherlich Grund zur Freude sein, stolz auf eine dreißig Jahre lang währende Bandgeschichte mit erhobenem Haupt zurückblicken zu können.
Ich kenne keine andere Band, die es geschafft hat, trotz kaum noch aufzuzählender Rückschläge, wie z.B. Todesfällen, Drogengeschichten, interner Streitigkeiten oder fortwährendem Tourstress mit derart qualitativ hoher Musik, Dinge kontinuierlich wieder gerade zu rücken.

So gelang es auch dem aktuellen Lynyrd Skynyrd-LineUp, den Tod von Bassist Leon Wilkeson, sowie eine Herzoperation von Gary Rossington zu kompensieren und mit „Vicious Cycle“ das fünfte Studioalbum (wenn man „Endangered Species“ ausklammert) in der Zeit nach Ronnie Van Zant zu präsentieren. Seit ihrem Werk von 1991 sind mittlerweile auch schon 12 Jahre vergangen. Nach der starken letzten „Edge Of Forever“-CD, auf der bei vielen Stücken auf das Grundmuster alt bewährter Songs zurückgegriffen wurde, nähert man sich nach meiner Ansicht mit den neuen Liedern wieder eher der anderen, etwas melodischeren Jubiläumsscheibe, „Twenty“.

So sind gleich sechs der vierzehn Songs („Red White & Blue“, „Hell Or Heaven“, „Mad Hatter“, „Crawl“, „Life’s Lessons“, „Lucky Man“) im Balladen- bis Midtempobereich anzusiedeln, aber wie immer mit tollen Gitarrenparts veredelt. Für mich als Vertreter ruhigerer Töne natürlich recht angenehm, obwohl die Mamasöhnchen-Mentalität von Johnny Van Zant mittlerweile ein wenig nervt. Aber Boogiefreunde und Fans von straightem Southern Rock werden natürlich auch reichhaltig entlohnt. „Pick ‚Em Up“ (klasse Duett mit Rickey Medlocke), „Sweet Mama“ oder „Jake“ haben diesen unverwechselbaren Honky-Tonk-Touch, wo knackige Gitarren und Billy Powell’s unnachahmliche Pianoeinlagen ihren Stempel aufsetzten. Beim Opener „That’s How I Like It“, „All Funked Up“ und „Rockin‘ Little Town“ geht die Post wie gewohnt richtig ab und der typisch gitarrengetränkte, stampfende Rock jagt einem wohlige Schauer über den Rücken. Bläsereinlagen und weibliche Backgroundvocals halten sich angenehm im Rahmen.

Ob das abschließende „Gimme Back My Bullets“ als Hip-Hop-Hardcore-Rock-Bonustrack zusammen mit Kid Rock dem Ganzen eine moderne Note verpasst, sollte jeder selbst beurteilen; ich tendiere doch eher dann dazu, die Austaste zu betätigen oder wieder zum Anfang zurückzuschalten. Wie dem auch sei, Lynyrd Skynyrd ist wieder ein ausgezeichnetes Stück Southern-Rock gelungen.

Zu befürchten ist allerdings, dass die Band das ganze Jubiläumsgedönse einmal mehr dazu benutzt, um die bereits bis zum Erbrechen gebrachten alten Klamotten im Live-Repertoire erneut aufzuwärmen. Ich meine es ist nach fast zwölf Jahren an der Zeit, sich zur eigenen Identität selbstbewusst zu bekennen und den Fokus auf die aktuellen Lieder zu richten. That’s how I would like it!

Sanctuary Records (2003)
Stil:  Southern Rock

01. That’s How I Like It
02. Pick ‚Em Up
03. Dead Man Walkin‘
04. The Way
05. Red White & Blue
06. Sweet Mama
07. All Funked Up
08. Hell Or Heaven
09. Mad Hatter
10. Rockin‘ Little Town
11. Crawl
12. Jake
13. Life’s Lessons
14. Lucky Man
15. Gimme Back My Bullets (Bonus Track)

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38 Special – Drivetrain – CD-Review

Mensch, sieben Jahre ist es schon wieder her, dass 38 Special ihre letzte Studio-CD „Resolution“ rausgebracht haben, sieht man mal von der Weihnachts-Trallala-Platte ab. Da war ich Mitte dreißig, wie rasend doch die Zeit vergeht.
Und jetzt scheinbar aus dem Nichts, taucht plötzlich ihr neues Werk „Drivetrain“ auf. Keine Diskussion auf der befreundeten Southern Rock Mailingliste; keiner der Kollegen gibt einen Mucks von sich. Eine merkwürdige Ruhe umschleicht diese Veröffentlichung. Da muss ja dann wohl wenigstens der New-Country-Man mal seine Klappe aufmachen!

Als Veränderung zum Vorgänger wurde das Line-Up von 1997 auf sechs Personen aufgestockt. Bobby Capps an den Keyboards, der allerdings auch schon damals Gastmusiker war, und Gary Moffatt an den Schlagstöcken gehören jetzt zum festen Stamm. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn sich aus dem Hause Van Zant was ankündigt, bin ich immer noch kribbelig und verspüre nach wie vor den Drang, mich mit dem Geleisteten auseinander zu setzen.
Zunächst der bange Blick ins recht düster gehaltene Booklet. Der berühmt berüchtigte Jim Peterik hat wieder zu einem nicht unerheblichen Teil seine Finger mit drin. Doch ich kann es zu Ihrer Beruhigung vorwegnehmen. Von Southern-Mainstream ist auf „Drivetrain“ nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die Jungs rocken schwer und erdig los wie auf kaum einer Platte zuvor.

„Something I Need“ und die Singleauskopplung „Hurts Like Love“ stampfen mit voluminösen Gitarren und schwülem Southern-Flair daher, dass einem die Luft weg bleibt. Ein Hauch von Songs, wie sie ZZ Top oder die Steve Schuffert Band öfter zum Besten geben, ist nachhaltig spürbar.
Bemerkenswert, dass die doch eigentlich recht dünne und helle Stimme von Don Barnes durch geschickte Variation dem Druck der Lieder stand hält. Donnie Van Zants Einsatz in der ersten Hälfte beschränkt sich auf „Haley’s Got A Harley“ und „Quick Fix“. Er wirkt frisch und angriffslustig, scheint seine vokalen Probleme bewältigt zu haben. Die Stücke gehen in Richtung bekannter Sachen wie „Jimmy Gillum“ oder „Deja Voodoo“.

„The Squeeze“ ist der Knüller des Albums. Duett der beiden Leader. Der Song überrollt einen mit Anleihen von Bad Company und Molly Hatchet dampflokartig; Southern Rock, wie er schöner nicht sein kann. Klasse Gitarrenspiel von Danny Chauncey.
Bis dahin kein Sand im Getriebe! Erst bei Nummer acht und neun gibt es mit dem diffus wirkenden „The Play“ und dem nicht wirklich aufregenden, funkig dahinschleichenden, Southern-Blues „Bad Looks Good On You“ zwei leichte Hänger.

„Trooper With An Attitude“ steht ganz im Zeichen von ZZ Top, die auch in den Credits gewürdigt werden; erinnert ein wenig an „Manic Mechanic“ von „Deguello“.
Etwas traditioneller im Stile der „Tour-De-Force“-Sachen geht es bei „Hiding From Yourself“ zur Sache. Mit einem recht amüsanten Text glänzt das abschließende „Sheriff’s County Line“ (ein böses Töchterchen verdreht so einigen Herren den Kopf und löst jede Menge Unheil aus), wird aber letztendlich musikalisch recht emotionslos performt. Das Stück hätte ich irgendwo dazwischen gepackt.

Aber insgesamt ein sehr ansehnliches Gesamtwerk, eine klare Steigerung zu „Resolution“, das sicherlich zur guten Laune, der im Moment sehr verwöhnten Southern-Rock-Gemeinde (nach den vielen guten Scheiben der letzten Zeit von diversen Bands, fehlt eigentlich nur noch Molly…) beitragen wird. Der Southern-Rock lebt!
Was gibt es sonst noch zu sagen? Die Texte behandeln die üblichen Themen des Genres, die einzige politische Botschaft enthält „Jam On“, das sich aber in angenehmer Form von der in Mode geratenen Heroisierung amerikanischer Kriegstaten abwendet.
Das Opus wurde aus einem Fundus von über dreißig bereits fertig geschriebenen Liedern zusammengestellt, so dass ich relativ optimistisch bin, dass bei der nächsten Studio-CD von 38 Special keine 5 an erster Stelle meines Alters stehen wird…

Sanctuary Records (2004)
Stil:  Southern Rock

01. Something I Need
02. Hurts Like Love
03. Haley’s Got A Harley
04. Jam On
05. Make Some Sense Of It
06. Quick Fix
07. The Squeeze
08. The Play
09. Bad Looks Good On You
10. Trooper With An Attitude
11. Hiding From Yourself
12. Sheriff’s County Line

38 Special
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Blackberry Smoke – Bad Luck Ain’t No Crime – CD-Review

Solche Typen hätte man gern an seiner Seite, um in gepflegter Art das eine oder andere Haute-Couture-Treffen, Vernissagen, Promi-Parties und sonstige Bussi-Bussi-Veranstaltungen mal so richtig aufzumischen, oder, um halt Politikern, Managern, Religiösen, Anwälten, Psychologen und allen Leuten, die dieser Welt soviel Freude bereiten, einmal so richtig das Maul zu stopfen. Gäbe sicherlich viel Schlagzeilen und umso mehr Anerkennung!

Aber was machen Kerle wie die von Blackberry Smoke nicht alles, um dann doch lieber in einem so seriösen, vorurteilsfreien und sich natürlich von jeglicher Gewalt distanzierenden Magazin zu erscheinen? Richtig! Sie machen einfach Musik!

‚Die kommen daher wie ein polternder Mülleimer‘, so der Kommentar eines ehemaligen Kollegen, womit er wirklich gar nicht so falsch liegt. Aber wenn man sich natürlich dem Southern-Rock-N-Roll in der Tradition der Georgia Satellites verschrieben hat, gehören ein wenig Proll, Mief, Dreck, Schweiß, Whisky und Bier eben dazu.
Und so brettern die Jungs um Frontmann Charlie Starr durch die Dreiviertelstunde, nehmen allerdings auch mal zwischendurch den Fuß vom Gaspedal wie beim Satellites-Cover „Another Chance“, „Angeline“ oder „Sure Was Good“, was ich persönlich ganz angenehm empfinde.

Richtig gut sind die fetzigen Nummern wie „Train Rollin'“ und „Scare The Devil“ mit allen Gitarrenfreuden, die der Southern-Rock nun einmal bietet. Der alte Outlaws-Schinken „Freeborn Man“ wird in einer Art Highspeed-Version gecovert, so dass man das Original kaum noch erkennt, wenn man den Titel vorher nicht weiß. Trotzdem oder gerade deswegen recht gelungen.

BBS ist eigentlich eher ’ne typische Live-Band mit ernstzunehmenden Anheizerqualitäten. So war es auch sicher nicht verkehrt, drei Live-Stücke zum Antesten mit auf die CD zu packen. Allerdings bedient man sich leider zum Teil diverser von zig anderen Bands schon lange vorher bis zum Erbrechen durchgenudelter Southern-Klischees.

Also vor dem Einlegen erst mal den Alkoholpegel anheben, so dass die Feinfühligkeit ein wenig in den Hintergrund tritt, und die Toleranz gegenüber kleineren Schwächen (Kreativität/Produktion) entsprechend in die Höhe geschraubt wird. Dann hat man sicher seinen Spaß mit dem Teil. Insgesamt was für Biker, Rocker, Rednecks und feuchtfröhliche Männerabende mit verwegenen Typen unseres Schlages. Ey, oder hasse etwa ne andere Meinung? Dann pass bloß auf…

Eigenproduktion (2003)
Stil:  Southern Rock

01. Testify
02. Sanctified
03. Another Chance
04. Nothin For You
05. Normaltown
06. Train Rollin
07. Angeline
08. Sure Was Good
09. Scare The Devil
10. Muscadine
11. Freeborn Man

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Bo Bice – See The Light – CD-Review

Bo Bice wurde so richtig im Jahr 2005 bekannt, als er sich in der Casting-Show ‚American Idol‘ ein Kopf an Kopf-Rennen mit der späteren Siegerin Carrie Underwood lieferte. ‚American Idol‘ ist ja im Prinzip das Pendant zu unserer Lachnummer ‚Deutschland sucht den Superstar‘ und man hat angesichts der qualitativen Outputs der dortigen Kandidaten Tränen in den Augen, wenn man sie in Relation zum immer mehr auf Bohlensches Niveau abdriftende Volksbegehren (siehe Mark Medlock) unserer Nation setzt. Es geht steil bergab mit unserem Lande, und wie man weiß, nicht nur in unserem Bereich…

Aber egal, kommen wir nochmals zum Vergleich Bice-Underwood. Während Carries Album „Some Hearts“ vor kurzem das siebte Mal mit Platin ausgezeichnet wurde und auch ihr Nachfolger wieder mit blendenden Verkaufszahlen aufwarten kann, musste Bo Bice nach seinem Major-Debüt „The Real Thing“ wieder etwas kleinere Brötchen backen. Es ereilte ihn der Vorwurf, sich unter dem Einfluss von John Shanks, Jon Bon Jovi und Richie Samborra zugunsten einer Mainstream-Rockplatte glatt bügeln gelassen zu haben, was wohl viele seiner Fans verdrossen hat, die ihn wegen seiner ‚Southern Rock-Soul‘ so geliebt hatten.

Mittlerweile ist er bei einem Independant-Label gelandet und dürfte mit „See The Light“ jetzt die Platte gemacht haben, die eigentlich seiner wahren Natur entspricht. Hier erlebt man einen Bo Bice, der einen richtig ehrlichen (Retro-) Southern Rock, gepaart mit ein paar Countrybezügen und auch ein wenig britischem Rock der Seventies (Bo hat ja eine zeitlang mit seiner Familie in London gelebt) zelebriert. Ich würde sogar behaupten, dass er hier genau den Typ verkörpert, an dem ein Ronnie Van Zant damals großen Spaß gehabt hätte. Der Bursche erinnert mich ein bisschen an Shooter Jennings.

Vom souligen Opener „Witness“ (mit Hendrix-Flair, toller Wah-Wah-Gitarre, Talkbox-E-Solo Marke Peter Frampton) bis zum abschließenden „Whiskey, Women & Time“ (eine Mischung aus Marshall Tucker Band und Black Crowes, mit zweistimmiger E-Arbeit und tollem southern-typischen Instrumental-Finish) bekommt man einen wunderbar kantigen, unangepassten Southern Rock von einem echten Charaktertypen geboten, der sowohl großes Songwritingtalent besitzt (alle Tracks selbst geschrieben), mit einer herrlich rotzigen Stimme aufwartet und auch noch neben der E-Gitarre weitere Instrumente glänzend zu bedienen weiß (herrlich sein Harp-Spiel in Richtung des leider bereits verstorbenen Topper Price).

Die meisten Stücke gehen recht gut ab, lediglich bei „Only Words“ und „Sinner In A Sin“ kommen mal die etwas gemäßigteren Countrytöne zum Vorschein, wobei der schöne weibliche Harmoniegesang einer Raquel Wynn nicht unerwähnt bleiben darf. Fantastisch auch „I’m Gone“, das britisches, leicht psychedelisch angehauchtes Rock-Esprit der Siebziger mit Southern Rock zu vereinen gedenkt. Fast wie eine Session aus Bad Company, Led Zeppelin und den Allman Brothers. Im Background hier wie auch bei einem weiteren Stück die bei uns beliebte Skynyrd-Sängerin Carol Chase.

Insgesamt kommt Bo Bice diesmal mit „See The Light“ wie ein Shooter Jennings oder Travis Tritt (zu Anfangstagen) rüber, allerdings noch viel tiefer mit dem Southern Rock verwurzelt. Er bietet einen modern aufbereiteten Streifzug durch all das, was uns früher im Genre so viel Freude bereitet hat und setzt zudem den eigenen Stempel auf. Auch Foghat- und Point Blank-Freunde sollten mal ein Ohr riskieren. Klasse! Mittlerweile ist Bo in ein demnächst erscheinendes Tribute zu Ehren des kürzlich verstorbenen George McCorkle involviert worden, als Beweis eigentlich auch dafür, welche Akzeptanz er bereits in Southern-Kreisen genießt.

Sugar Money / StratArt Records (2007)
Stil:  Southern Rock

01. Witness
02. Take The Country Outta Me
03. I’m Gone
04. Only Words
05. Got Money
06. See The Light
07. Sinner In A Sin
08. This Train
09. Ain’t Gonna Die
10. Whiskey, Women & Time

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Atlanta Rhythm Section – Quinella – CD-Review

Die Atlanta Rhythm Section bildete sich um 1970 herum aus Session-Musikern, die im Studio One in Doraville, Georgia ihre Brötchen verdienten. In den freien Zeiten, in denen sie nicht für andere Interpreten tätig waren, wurde fleißig komponiert und schon bald war genug Material für ein eigenes Album vorhanden. Die Atlanta Rhythm Section war geboren und mit ihrem gleichnamigen Debüt 1972 sollte für sie ein furioses Jahrzehnt eingeläutet werden, das große Hits wie „So Into You“, „Imaginary Lover“ oder „Spooky“ hervorbrachte, in einer Einladung bei Präsident Jimmy Carter gipfelte und zu Auftritten in vollen Stadien und bei weiteren diversen Massen-Events (u.a. beim Knebworth-Festival in England zusammen mit u.a. Genesis und Tom Petty) führte.

Unvergesslich das Intro auf ihrem Live-Album „Are You Ready“, bei dem einem unweigerlich noch heute eine Gänsehaut aufkommt. Das hier von mir besprochene Album „Quinella“ aus dem Jahr 1981 stellte den letzten Versuch dar, die Band in der kommerziellen Spur zu halten, was jedoch nur mit mäßigem Erfolg gelang, lediglich das groovige „Alien“ (eine Art Mischung aus „So Into You“ und „Spooky“) konnte noch mal Platz 29 in den Billboard-Charts erklimmen. Auch wenn die Band bis heute noch aktiv ist (wie sooft mit hoher Personalfluktuation, lediglich Keyboarder Dean Daughtry ist noch von den Gründungsmitgliedern dabei) und zwischendurch mal ein Album wie „Truth In A Structured Form“ oder „Eufaula“ nachschob, der Lack war, wie man so schön sagt, ab.

„Quinella“ (übersetzt ‚Zweierwette‘) halte ich für eines der meist unterschätzten Werke dieser Gruppe. Mit dem raffinierten Titelstück (tolles Slidespiel, HT-Geklimper), dem grandiosen Opener „Homesick“ (mit dieser famos rockigen E-Gitarrenarbeit) und besagtem „Alien“ bietet es gleich drei echte Hammerstücke. Auch das gut abgehende „Higher“ ließ wunderbar Buddie Buies (Produzent, Songschreiber) parallele Zusammenarbeit mit 38 Special durchschimmern, der Track hätte auch gut auf deren „Rocking Into The Night“ gepasst. Selbst wenn der Rest etwas gediegener zugeht, das als Markenzeichen der Band gluckernde E-Piano und jede Menge filigrane E-Passagen mit vielen Twin-Einlagen (superbes Spiel von J.R. Cobb und Barry Bailey) ist ein Genuss für sich.

Und Ronnie Hammonds weiche Stimme entfaltet sich auf Tracks wie „You’re So Strong“ (klasse Tempowechsel, tolle Songchoreografie), „Outlaw Music“ (schönes Countryflair, grandiose, auf den Punkt gespielte E-Soli), „Pretty Girl“ (wunderbares Strat-Solo, außergewöhnliche, falsettartige Harmonies von Hammond in Bee Gees-Manier) oder beim abschließenden „Going To Shangri-La“ (Atmosphärenwechsel, kreischendes E-Solo, lässiger E-Ausklang) besonders gut. „Quinella“, ein Album, das insgesamt sowohl rockt als auch viel Entspannung auf äußerst hohem musikalischen Niveau verschafft.

P.S.
Ich habe die Band dann mal Anfang der neunziger Jahre an einem unscheinbaren Sonntag Abend im bis dato nie besuchten und bekannten Hunky Dory im westfälischen Detmold live vor einem überschaubaren Publikum erleben können, als die Truppe mit Hammond, Bailey, Daughtry und zwei jungen Burschen hier wie aus dem Nichts auftauchte. Wenige Stunden zuvor hatte ich noch an der TT-Platte um Zweitligapunkte gekämpft – danach Schläger in die Tasche, kurze Dusche, Fransenjeans an, Cowboyhut auf und ab zum Gig, der dann hoffentlich stattfinden mochte, es gab ja noch kein Handy, geschweige das Internet. Mann, waren das noch Zeiten… Ronnie bezog mein von einem Airbrush-Künstler gefertigtes Lynyrd Skynyrd-T-Shirt zur Ansage von „Large Time“ ein (ich stand direkt auf Höhe des Mikros vor ihm und er sagte. „This is for Lynyrd Skynyrd, I read it from a guy’s T-Shirt.“). Nach Konzertende gab es noch ein Bierchen zusammen mit ihm und dem Bassisten an der Theke. Ein sympathischer Typ, der allerdings, wie bekannt, in der Folgezeit schwere Alkohol-, bzw. Persönlichkeitsprobleme mit Suizidgefahr durchleben sollte (er provozierte einen Polizisten dazu, auf ihn zu schießen!), die mittlerweile allerdings jedoch wieder behoben zu sein scheinen.

CBS Records (1981)
Stil:  Southern Rock

01. Homesick
02. Quinella
03. Alien
04. Higher
05. You’re So Strong
06. Outlaw Music
07. Pretty Girl
08. Southern Exposure
09. Going To Shangri-La

Atlanta Rhythm Section
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Chris Anderson – Old Friend – CD-Review

Chris Anderson ist einer der vielen guten Musiker, die nie so richtig im Rampenlicht standen oder stehen, deren Dienste jedoch aufgrund ihrer Spielqualität immer wieder von renommierten Bands in Anspruch genommen werden. So war Anderson bereits Mitte bis Ende der achtziger Jahre Mitglied der Outlaws, zwischenzeitlich auch immer wieder gerne gesehener Gast im Umfeld der Allman Brothers bei deren Live-Auftritten, wurde dann von Henry Paul für sein Blackhawk-Projekt als Begleitmusiker verpflichtet und ist heute auch wieder im Line-up der aktuellen Outlaws-Besetzung fest etabliert.

Einmal trat er allerdings dann doch in den Mittelpunkt des Geschehens, nämlich als er 1995 ein von Kritikern hoch gelobtes Solo-Werk herausbrachte (die New York Times zählte es damals zu den zehn besten Alben, die man noch nie gehört hat), das jetzt als CDR von Anderson in Alleinregie neu veröffentlicht wurde und wieder käuflich zu erwerben ist. Die spielerische Klasse seiner Mitstreiter (Drummer Matt Abts von den gerade zum Leben erweckten Gov’t Mule, Basser Banner Thomas, Ex-Mitglied der legendären Molly Hatchet-Ursprungsband und der bis dato noch recht unbekannte Keyboarder Mike Kach, der aber später von Dickey Betts in seine Band für die Allman- und Leavell-Parts verpflichtet wurde – dazu kommt ein Gastauftritt von Warren Haynes als Slide-Gitarrist, der auch zwei Stücke mitkomponiert hat) erweckt teilweise den Eindruck, dass die Songs live von der Seele weg im Studio eingespielt worden sind.

Anderson outet sich auf seinem Solo-Projekt als bekennender Blues Rock-Fan, ohne dabei seine Southern-Roots zu verleugnen, die atmosphärisch immer wieder gekonnt in viele der Tracks eingebunden sind, was angesichts seiner Vita und der seiner Begleitmusiker auch im Prinzip keine Überraschung ist, sondern quasi als natürlicher Begleitumstand einzustufen ist. Sein Gesang versprüht nicht unbedingt großes Charisma, ist aber durchaus von der angenehmeren Sorte, sein filigranes Stratocaster-Gitarrenspiel offeriert er dafür umso erhabener.

Nach zwei Blues-Standards (ein flottes Albert King-Cover und ein von der Band selbst kreiertes, kräftiges Instrumental) folgt mit dem aus der Feder von ihm und Warren Haynes entsprungenen Titelstück „Old Friend“ ein erstes Highlight. Haynes, der hier mit vortrefflichem Slidespiel involviert ist, bringt in das relaxte Stück genau die Atmosphäre, die er in die Allman Brothers Band als persönliche Note mit hineintrug, ein klasse Song! Auch das melodische „One Step Ahead Of The Blues“ weiß mit seinem claptonesken Flair zu überzeugen.

Grandios die Slow Blues-Adaption „Life Is Hard“ von Nashville-Produzent/Komponist/Musiker Fred James, bei dem Anderson gitarrentechnisch brilliert und Kachs Pianogeklimper in Chuck Leavell-Manier weitere Akzente setzt. „Ain’t Giving Up On Love“ wird vermutlich der Stevie Ray Vaughan -Klientel Freudentränen in die Augen treiben. Der relaxte „Jake’s Song“ wäre für einen Gregg Allman geradezu prädestiniert, während die zweite Anderson-/Haynes-Komposition wieder diesen typischen Groove des Mule-Leaders beinhaltet, obwohl er hier nicht mitspielt. Erneut ein toller Song.

Chris Anderson ist mit „Old Friend“ ein Werk gelungen, das die Anhänger des (traditionellen) Blues Rocks und des klassischen Southern Rocks (der Allman-Schule) geschickt zusammenführt. Aus heutiger Sicht klingt die Platte fast so wie eine Art Bewerbungsschreiben für die Allman Brothers Band / Gregg Allman Band / Gov’t Mule, falls die Outlaws nicht mehr richtig zu Potte kommen sollten und in diesen Gefilden mal eine Gitarristenstelle vakant oder ergänzt werden sollte. Insgesamt eine fein gespielte Southern Blues Rock-Scheibe von ausnahmslos beteiligten Könnern ihres Handwerks.

Eigenproduktion (2010)
Stil:  Southern (Blues) Rock

01. You’re Gonna Need Me
02. Slow Burn
03. Old Friend
04. One Step Ahead Of The Blues
05. Crying For My Baby
06. Life Is Hard
07. Ain’t Giving Up On Love
08. Trust Me
09. Jake’s Song
10. When Will You Be Satisfied
11. One Good Woman
12. Driving Out Of The Blues

Chris Anderson
Bärchen Records

The Bluefields – Pure – CD-Review

Wenn sich drei potenzielle Platzhirsche zusammenfinden, ist das ja immer so eine Sache, besonders in den oft von Egoismus, Neid und Eifersüchteleien geprägten Künstlerkreisen. Wie so was trotzdem gut funktionieren kann, haben neulich Snakecharmer vorgemacht. Auch der Zusammenschluss von Dan Baird (Georgia Satellites), Warner E. Hodges (Jason & The Scorchers) und Joe Blanton (Royal Court Of China) als The Bluefields mit ‚Firmenadresse‘ in Nashville, Tennessee erweist sich als absolut erfreuliches Beispiel der Zunft.

Baird und Hodges haben ja bereits in Dan Bairds Homemade Sin-Projekt zusammengewirkt, Hodges und Blanton hatten zwar über zehn Jahre keinen Kontakt mehr, kannten sich aber aus der damaligen Cow Punk-Szene Nashvilles. Hodges brachte die drei dann endgültig zusammen und man begab sich für erste Songwriting-Sessions in Blantons eigenes Aufnahmestudio (wo das Werk letztendlich auch eingespielt und produziert wurde). Dort sprudelten nach eigener Aussage die Ideen nur so aus ihnen heraus und das tolle Ergebnis ist anhand ihres letztjährigen Debütalbums „Pure“ erwerbbar.

Joe Blanton hat den Großteil der Lead Vocals übernommen, Baird singt sporadisch, aber dann immer unverkennbar, bringt sein an Keith Richards-angelehntes E-Gitarrenspiel sowie dezente Keys ein, zupft dazu den Bass. Hodges konzentrierte sich auf sein umfassendes und variabel gestricktes Saitenkönnen. Als einzige Gäste liefern Michael Webb eine schöne B3 bei der schönen, atmosphärischen Ballade „Belong“ ab und Ex-Black Crowes-Mitglied Steve Gorman poltert kraftvoll in John Bonham-Gedächtnismanier auf seinem Schlagzeug herum.

Herrlich schon direkt der atmosphärisch und zart psychedelisch angehauchte Opener „What You Won’t Do“, der sich wie ein Konglomerat aus Great White, Led Zeppelin und Bad Co. schön introvertiert daher schleppt. Apropos Led Zeppelin. Reminiszenzen schimmern immer wieder durch, ganz offensichtlich in Stücken wie „Repair My Soul“ oder „She’s So Sick“ (mit geschickt getimtem Übergang in das countrybluesige „100 Watt Girl“).

Georgia Satellites-Anhänger bekommen ihre Dosis mittels des mit deren typischem E-Gitarren-Fuß-Wipp-Rhythmus versehenen „Bad Old Days“ und „If Not Now When“ sowie den von Baird eingesungenen herrlichen Balladen „Belong“ und „Lay It On The Line“ (inklusiv grandioser E-Soli).

Weitere Highlights in einer durchgehend guten Scheibe sind der herrlich dreckig polternde, kompakte Boogie „Flat Out Gone“ (sattes Speed-Drumming von Gorman, Twin-Spiel der Gitarristen) und das mit einem markanten Mandolinenriff geführte „Trainwreck“. Bei Letztgenanntem mit seiner eingängigen Refrainzeile sieht man die drei vorm geistigen Auge förmlich mit ihren Klampfen bei kühlem Biergenuss auf der Veranda in der schwülwarmen abendlichen Dämmerung der Südstaaten fröhlich dahinmusizieren und singen. Klasse!

Mit „Pure“ bescheren uns die ‚Blaufelds‘ wirklich ein pures Musikvergnügen. Das Schöne daran ist, dass dieses beeindruckende Projekt keine Eintagsfliege bleiben wird. In Kürze legen The Bluefields alias Joe Blanton, Dan Baird, Warner E. Hodges mit Brad Pemberton (Ryan Adams, Iodine) als neuem festen Drummer mit dem bereits eingespielten Nachfolger „Ramshackle“ das hoffentlich genauso gute Zweitwerk direkt hinterher. Stoff für Fans der o. a. Bands sowie ergänzend noch der Bottle Rockets, Blackberry Smoke oder Cold Truth. Großartig!

Underground Treehouse Records (2012)
Stil:  Country Rock

01. What You Won’t Do
02. Bad Old Days
03. Don’t Let Me Fall
04. Nobody Loves You
05. Belong
06. Repair My Soul
07. If Not Now When
08. Lay It On The Line
09. Flat Out Gone
10. Trainwreck
11. She’s So Thick/100 Watt Girl
12. Ain’t Nothin‘ Wrong
13. Done

The Bluefields
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