Shy Blakeman – Long Distance Man – CD-Review

Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht, aber bei mir persönlich gibt es Interpreten, die man schon nach wenigen Tönen in sein Herz geschlossen hat und die einen dann auch fortan mit weiter begleiten, sofern sie etwas neues auf den Markt bringen. So ging es mir mit Shy Blakeman, als ich sein herrliches Vorgängerwerk Southern Roots Revival zum ersten Mal im Player liegen hatte, das er zu dem Zeitpunkt noch mit der Whiskey Fever Band eingespielt hatte, einer Truppe mit u.a. seinem Vater Skip und zwei Onkeln, mit denen Shy viele Jahre zusammen getourt hatte.

Die Whiskey Fever Band ist zunächst mal Schnee von gestern, zumindest was sein neues Album „Long Distance Man“ angeht, da hat er sich mit Shooter Jennings-Bassist Ted Russell Kemp zusammengetan, mit dem er mittlerweile richtig dick befreundet ist und der diese Scheibe produziert, viele Songs aus der eigenen Feder beigetragen und auch eine stattliche Anzahl von Instrumenten bedient hat. Ein wirklich gut harmonierendes Team!

Blakeman hat für seine knapp dreißig Jahre schon eine recht bewegte Vergangenheit. Aufgewachsen in Nord-Kalifornien, zogen die Eltern nach Texas, als er vierzehn war. Mit Zwanzig lebte er kurz in Queens, New York und versuchte sich zunächst in Stilen wie Punk, Ska und Funk Rock, bis er nach Texas zurückkehrte und sich so langsam seiner wahren musikalischen Berufung näherte.

2006 nahm er an der vierten Staffel von ‚Nashville Star‘ teil und belegte einen respektablen neunten Platz, konnte daraus im Gegensatz zu Sieger Chris Young aber keinen kommerziellen Nutzen ziehen. Seine Tätigkeiten als DJ, Print-Model, professioneller Skater und seine Schussverletzungen im Gesicht, die er sich im Zuge eines Raubes, in den er zufällig vor einem Musikclub in Dallas involviert wurde, zuzog, dienen als weitere Randnotizen zu einer interessanten Persönlichkeit.

Der eröffnende Titelsong seines aktuellen Albums „Long Distance Man“ lässt dann den Southern-Liebhaber direkt frohlocken. Nachdem er die Refrainzeile laut im Alleingang kurz proklamiert hat, gesellen sich ein gluckerndes E-Piano und kurz plusternde Bläser rhythmisch hinzu, wie man es früher auch von J.J. Cale des Öfteren kannte, allerdings hier wesentlich kräftiger. Mit Hinzunahme der E-Gitarren (u.a. von Marc Ford/Black Crowes und Kenny Vaughan gespielt) und den obligatorischen weiblichen Backing-Uuhs und -Aaahs der vorzüglich (auch im weiteren Verlauf der CD) harmoniesingenden Gia Ciambotti, sowie einer Orgel-/E-Solo-Kombi ist das coole, dezent swampige Gebräu perfekt.

Ganz stark auch das folgende „So Many Honky Tonks“ (»…so little time« – herrliche Gesangszeile!) bei dem beim E- und HT-Piano ein wenig Atlanta Rhythm Section-Feeling aufkommt. Surrende Slide Gitarren, klirrendes HT-Piano dominieren „Don’t It Make You Wanna Dance“, das phasenweise an die Quireboys erinnert. Lediglich „Dragon Fly“, bei dem Banjo, Dobro und Akustikgitarre eine tragende Rolle spielen, wird etwas auf die Bremse getreten, ein süffiges Gemisch aus Country, Cajun und Deltablues mit Band Of Heathens-Flair. „Swamp Water Whiskey“ (Skynyrd-/Allman Brothers-Bezüge) und ein Cover der Warren Brothers (auch ein äußerst empfehlenswertes Duo!) „Quarter To Three“ (mit Black Crowes-Touch) bringen satten, gitarrenbetonten Southern Rock. Klasse auch immer wieder das fette, poltrige Drumming von Jason Sutter.

Im zweiten Part (die Trackliste auf der Rückseite ist übrigens wie zu LP-Zeiten in A und B eingeteilt) kann Blakeman dem ersten, komplett überragenden Teil nicht mehr so ganz Stand halten. Hier verzettelt er sich dann ein wenig darin, dass er zu viele unterschiedliche Stile, in den für sich genommenen, eigentlich trotzdem guten Songs, aufeinander folgen lässt und den rot-(blau-weiß)en Faden von zuvor ein wenig verliert.

„Cannon Ball“ geht in die Singer/Sonwriter-Richtung (der Refrain mit seinem ‚Ladada-dadada‘ hat schon fast was von Simon & Garfunkel), „Old Folks Blues“ frönt sogar dem Dixieland Jazz (mit typischer Klarinette), „Easy Goin‘ Woman“ bewegt sich auf der Americana-Welle der Pettys und Mellencamps dieser Welt. Lediglich bei „Livin‘ Proof“ (Orgel/Slidegitarren) und dem Willis Alan Ramsey-Song „Satin Sheets“ (ich kenn das Lied nur von den legendären Bellamy Brothers) findet er wieder zu seinem swampigen Southern-Groove zurück. Das finale „Save A Little Room“ hat dann sowas wie folkigen Heartland-Charakter, hier lassen die Hooters grüßen.

Ingesamt ist „Long Distance Man“ aber wieder ein gutes, eigenwilliges Werk (auch mit viel Retro-Flair) eines jungen Wilden der Southern-Szene. Das Digipack kommt mit einem eingesteckten Vierseiter mit diversen Infos zum Album. Die Song-Texte können auf seiner Homepage nachgelesen werden. Das Covertitelbild mit ihm als Rennfahrer-Sonnenbrillentragender Ken Hutch-Verschnitt am Steuer eines Oldtimers, wo er sich lässig nach dem Motto ‚Zu mir oder zu dir, Baby?‘ nach hinten dreht, ist visuell amüsant in Szene gesetzt. Eine junge, coole Socke dieser Shy Blakeman, dazu noch musikalisch hochbegabt!

Winding Road Music (2010)
Stil:  Southern Rock & More

01. Long Distance Man
02. So Many Honky Tonks
03. Don’t It Make You Wanna Dance
04. Dragon Fly
05. Late Night Early Morning
06. Swamp Water Whiskey
07. A Quarter To Three
08. Cannon Ball
09. Old Folks Blues
10. Easy Goin‘ Woman
11. Livin‘ Proof
12. Satin Sheets
13. Save A Little Room

Shy Blakeman
Shy Blakeman bei Facebook
Bärchen Records

Craig deFalco (Laidlaw) – Interview

Sounds of South: Wie bist du mit dem neuen Album zufrieden?
Craig: Ich liebe das Werk absolut. Es ist die beste Arbeit von Laidlaw bisher. Ich denke alles ist einen Schritt höher zu bewerten als bei den früheren zwei Alben, vom Songwriting bis zur Präsentation der Stücke als Band an sich. Dazu kommt noch der kräftige Sound.

Sounds of South: Erzähl uns doch bitte in wenig über die „Foam Box Sessions“.
Craig: Zunächst mal: Die Platte wurde natürlich nach dem Namen des Studios benannt in dem es aufgenommen wurde. Die Foam Box ist ein privates Aufnahme-Studio in Houston, Texas, das der großen Band ZZ Top gehört. Billy F. Gibbons war so nett und ließ Laidlaw mit ihrem berühmten Produzenten Joe Hardy zusammenarbeiten. Es war bisher die schönste Zeit für mich, ein Album aufzunehmen. Allein schon durch die Türen zu laufen war reinste Inspiration. Du fühlst förmlich die Größe beim Beschreiten der Räume. Es war amüsant, mit Joe zu arbeiten. Er ist unheimlich aufmerksam, hat tolle Ideen und macht dabei sogar noch seine Scherze. Wir konnten sogar Billys berühmte Verstärker und Gitarren benutzen, genau wie Frank Beards Schlagzeuganlage. Das werde ich nie vergessen.
Sounds of South: Ich habe in meinem Review das Album als ein Rock-Scheibe mit dezenten Retro-, Psychedelic- und Southern-Anleihen beschrieben, siehst du das auch so?
Craig: Mit dem Rock-Aspekt bin ich einverstanden. Ich liebe Led Zeppelin sehr, wie du bereits berichtet hast. Ich habe immer geschätzt wie Jimmy Page seine Gitarren aufgenommen hat. Wie er sich ein Riff ausdenkt, danach eine Ergänzung spielt, die das Riff vervollständigt. Aufnahme und Overdubbs können sehr viel Spaß bringen, wenn man das richtig macht. Ich mag es sehr mit Brian Huffman zusammenzuspielen. Wir haben viele Gemeinsamkeiten, wenn wir einen Song schreiben und ihn dann als Band umsetzen. Wenn ich ein Führungsriff spiele, hört er unmittelbar den Anschluss heraus und ergänzt meinen Part, als ob wir den gleichen Gedankengang hätten.
Musik aus deiner inneren Seele zu entwickeln, ist für mich was ganz Großes. Das ist wie einem eine Frage zu beantworten, ohne groß nachdenken zu müssen. Es kommt einfach aus dir heraus. Und so ist das jetzt mit uns. Dazu kommen die neuen Bandmitglieder mit ihren persönlichen Eingaben. All das zusammen macht die neue CD aus. Meine Einflussgeber sind Led Zeppelin, Lynyrd Skynyrd, Bad Company, ZZ Top and viele Country-Interpreten. Brian Huffman liebt die Small Faces und Rolling Stones, Robbie Locke, Sound Garden, Nirvana, Foo Fighters und Led Zeppelin. Eric Jarvis wurde gleichermaßen von den Allman Brothers wie von ZZ Top beeinflusst. Greg Hokanson wuchs mit ZZ Top und Led Zeppelin auf und mag heute Tool und Alice In Chains. So hat eine weite Palette von unterschiedlichen Künstlern diesen Sound geprägt wie er jetzt ist. Seinen eigenen Stil dann aber einzubringen ist der Schlüssel, nicht wie deine Einflussgrößen zu klingen.
Sounds of South: Kamen die personellen Änderungen mit Änderung eures Stils einher oder hatte das eine mit dem anderen nichts zu tun?
Craig: Die Wechsel waren die logische Konsequenz des Auseinanderdriftens der einzelnen Mitglieder über die Jahre hinweg. Das war wie eine schlechte Beziehung, es war an der Zeit für einen Wechsel. Es hat Spaß gemacht mit ihnen zu spielen, aber es war keine Band mehr. Wir sahen uns nur noch speziell für größere Touren oder wenn wir eine neue Platte machten. Alle lebten in unterschiedlichen Staaten und ich fühlte mich schon ein wenig unwohl mit ihnen in einem Raum zu sitzen. Dies und einige Leute, die wohl Probleme mit den Lastern der Band hatten. Also, wenn du kein Bier mit einem Freund trinken und keine Musik mehr spielen kannst, ist es Zeit der Geschichte ein Ende zu bereiten. Wir gingen auf die Suche nach einem neuen Sänger, ich beobachtete vier verschiedene Bands in Houston und Austin, Texas, und es endete damit, dass ich vier verschiedene Jungs fand, die die Musik von Laidlaw klasse fanden und auch meinen Musik-Stil liebten. Das erste Mal als wir zusammen jammten, zeigte schon, dass es eine Art Vorbestimmung war. Ich bin sehr glücklich die Jungs gefunden zu haben.
Sounds of South: Wie hat sich „The Foam Box Sessions“ bisher verkauft?
Craig: Welche Verkäufe? Wir haben bisher keine große Werbung betrieben. Mittlerweile hat sich allerdings ein Team von Managern herauskristallisiert, welches die neue Scheibe und die Band mag. Der Fokus liegt zunächst mal darauf, uns nach alter Schule auf Touren in den Staaten zu profilieren, wie es in den 70ern geschah. Spiele live und entwickle dich mit dem Publikum. Das Internet ist eine exzellente Marketing-Plattform, besonders myspace (nicht zu vergessen Sounds of South Herr DeFalco! Anmerk. Red.). Leute wollen wirklich kaum noch was bezahlen für Musik. Sie wollen es umsonst. File Sharing MP3s machen es den Leuten so leicht Musik umsonst auszutauschen. Daher wollen wir sie mit unserer Musik in die Konzerte locken, um uns live zu sehen, anstatt wie früher Live-Platten zu verkaufen. Nun ist es anders herum. Wir verkaufen deshalb auf unserer Hompepage die CDs sehr günstig. Die Leute sollen wenig zahlen aber zu unseren Live-Shows kommen!
Sounds of South: Wie kam es zur völligen Umstrukturierung von Laidlaw?
Craig: Ich brauchte eine andere Atmosphäre und Menschen, die neue Musik machen wollten, sowie sich als eingeschworene Band sehen. Es wurde von mir viel Geld und Zeit in Laidlaw investiert und deshalb will ich auch jetzt Gleichgesinnte um mich haben. Ich kam an einen Punkt in meinem Songwriting, wo ich Led Zeppelin wieder ausgrub und auf mich einwirken ließ. Ich wollte eine Band in einem Zustand, wo wir jederzeit jammen oder einen Club-Gig geben können. Ich setze so auf das neue Line-up, dass ich sogar von Kalifornien wieder nach Houston zurückgezogen bin.
Sounds of South: Was macht den Unterschied vom aktuellen Sänger Robbie Locke zu den bisherigen aus?
Craig: Robbie ist so talentiert, der haut mich echt weg. Er kann jeden bisherigen Laidlaw-Song singen, der bis jetzt aufgenommen wurde, zudem noch so wie seine Einflussgeber. Es ist schon bald unheimlich, wie er mal wie Chris Cornell, dann kurze Zeit später wie Robert Plant oder Paul Rodgers klingt. Ganz zu schweigen davon, wie er sich auf den „Foam Box Sessions“ anhört, wir können eine Zeppelin-Melodie jammen, dann umdrehen und zur Probe Alice In Chains spielen,und er meistert das trotzdem. Im Vergleich von Tommy und Joey ähnelt Robbie vokal mehr Joey Pantera. Aber Robbie hört sich live auch wie auf der Platte an, während Joey hier Probleme hatte. Robbie hat sehr viel Seele in seiner Stimme. Dazu kommt, dass er noch sehr jung ist, und wenn wir mal die Scheibe betourt haben, sicher ein absolutes Monster sein wird. Ich freue mich schon auf den Nachfolger von „The Foam Box Sessions“. Wir haben schon zwanzig neue Songs in der Warteschlange! Und wir schreiben weiter und nehmen neue Demos auf.
Sounds of South: Wie kommt es, dass die Band (lt. Homepage) seit längerer Zeit nicht mehr tourt, auch nach Veröffentlichung der neuen CD?
Craig: Wir wollten keine Club-Tour ohne Label-Support oder einen Agenten machen. Eine Band auf einer Tour bei der Stange zu halten kostet sehr viel Geld. Die Hauptaufgabe ist es daher, zunächst das richtige Management-Team zu finden, das wir jetzt auch haben. Drei Leute arbeiten jetzt für uns, die bereits mit Leuten wie Kid Rock oder ZZ Top kooperiert haben. Damit bin ich sehr zufrieden. Es geht eigentlich nicht darum, wie gut deine Platte ist, sondern wie gut sie vermarktet wird. Wenn du kein gutes Team hinter dir hast, dann scheiterst du in diesem Business, wie in anderen halt auch. Wir dürften im Dezember veröffentlichen und dann auch touren.
Sounds of South: Wie kommt man dazu, so viele Instrumente zu beherrschen wie du?
Craig: Vielen Dank für das Kompliment, aber ich bin weit entfernt davon, viele Instrumente zu beherrschen. Jimmy Page, Jeff Beck oder Billy F. Gibbons sind da bessere Beispiele. Ich habe mich über die Jahre hinweg eher darauf spezialisiert zu produzieren als nur Gitarre zu spielen. Ich liebe es, mir den Bass zu packen, eine Bass-Linie zu finden, die nicht dem Gitarren-Riff folgt. Das liebe ich an Led Zeppelin. John Paul Jones spielt amüsante Bass-Läufe, die Jimmy Pages Gitarrenparts vervollständigen. Für mich sind die neuen Leute bei Laidlaw eine große Sache. Live werde ich die Instrumente mit Eric tauschen. Eric spielt inzwischen wie Brian und ich die Slide-Gitarre und alle unsere Stile sind anders. Das ist für mich persönlich was sehr besonderes.
Sounds of South: Welche Gitarristen haben dich beeinflusst?
Craig: Haupteinflussgeber und Antrieb überhaupt Gitarre zu spielen war sicherlich Jimmy Page. Genau so wie Gary Rossington und Allen Collins von Lynyrd Skynyrd. Billy F. Gibbons inspiriert mich. Es hat jede Nacht Spaß gemacht, ihm zuzuschauen, als wir mit ZZ Top tourten. Wir wurden danach richtig gute Freunde. Das bewerte ich sehr hoch. Das erstaunlichste was ich je live erlebte, war Jeff Beck. Ich sah ihn vor vier Jahren in Los Angeles und das hat mich richtig weggehauen. Der Klang und die Emotionen, die er aus seiner Stratocaster rausholt sind nicht von dieser Welt. Und alle Gitarristen, die nach dieser Show Backstage waren, all diese Ikonen fielen in Ehrfurcht über das, was sie gesehen hatten. Das wird für immer in mir haften bleiben.
Sounds of South: Wie läuft bei Laidlaw das Songwriting ab?
Craig: Wir haben jetzt fünf Songwriter bei Laidlaw. Es wechselt untereinander, aber hauptsächlich bin ich dabei, weil ich sehr gerne Musik komponiere und oft die Gesangslinien in meinen Kopf habe. Ich präsentiere sie und lasse Robbie dann singen. In neun von zehn Fällen kommt er dann mit anderen Ideen zurück, die sich total von meinen unterscheiden. Manchmal kombinieren wir sie. Oder ich singe ihm meine vokale Idee und sage, dass ich die Wörter für einen Refrain fertig geschrieben habe, aber für die Verse und das Brigde noch fehlen. Manchmal hört er sich auch nur ein Konzept von mir an, macht sich Gedanken und kommt dann mit dem Text zurück. Oftmals komponiere ich aber auch alles selbst. Manchmal läuft es ziemlich einfach, manchmal halt nicht. Da ich ein eigenes Heimstudio habe, erzeuge ich oftmals auch Demos direkt mit Drums, Bass, Gitarren und Gesang und stelle es der Band vor. Wenn es ihnen gefällt, jammen wir und schauen, wo hin der Weg führt. Ich bin sehr zufrieden mit Brians und Robbies Songwriting. Brian schickt mir auch schon mal Demos aus seinem eigenen Heimstudio zum Checken zu. „Sunshine Woman“ ist so ein Beispiel, ich hörte den Song von Brian ohne Gesang und liebte ihn sofort und wusste, dass er was ganz besonderes ist. Ich erinnere mich noch, wie wir eine Pause beim Proben machten, Robbie mit Kopfhörern nach draußen ging und zehn Minuten später mit 80 Prozent des Textes wiederkam. Manchmal geht es also recht schnell, manchmal aber dauert es Wochen.
Sounds of South: Ein Sounds of South-Kollege von mir merkte an, dass die Band ursprünglich mal Moonshine hieß, die eine CD mit dem Titel „XX“ herausbrachte (7 der 8 Songs tauchten dann auf der ersten Laidlaw-CD auf). Wie kam es zum Namenswechsel zu Laidlaw, da der namensgebende Sänger Tommy Laidlaw, gar nicht mehr auf dem Laidlaw -Debüt dabei war? Oder ist Tommy Roberts = Tommy Laidlaw? Hast du noch Kontakt zu Tommy Laidlaw und falls ja, was treibt der?
Craig: Das stimmt. Wir nannten uns Moonshine für einige Jahre, dann kamen wir in Kontakt mit Nikki Sixx (Motley Crue) und dem Label für „Big Picnic“. Er recherchierte über den Namen und fand heraus, dass jemand die Namensrechte dafür in Europa besitzt. Als wir die Vorproduktion für die CD machten, bat er darum, dass wir uns einen neuen Namen überlegen sollten. Manchmal ist es schwerer einen Namen zu finden als eine Band zu sein. Wochenlang kriegten wir nichts auf die Reihe. Dann sagte ich einfach, lasst uns die Band Laidlaw nennen. Bevor wir Sixx kennenlernten, hatte Tommy den Namen in Tommy Gunn umgeändert, was ich nicht überzeugend fand. Wie die 80er! Ich fragte ihn ob er seinen Nachnamen aus professionellen gründen für die Moonshine-Veröffentlichung ändern würde. Wir einigten uns ihn Tommy Laidlaw zu nennen. So machten wir dann die neue Scheibe, spielten die Motley Crue-Tour und er war so richtig dreist als Tommy Laidlaw. Wir fühlten uns wie seine Backing-Band, obwohl ich eigentlich schon fünf Jahre vorher als er dabei war. Ich war richtig angefressen und fragte ihn ob er seinen mittleren Namen als Nachnamen benutzen würde. Daher kommt dann Tommy Roberts. Tommy hat dann die Band 2001 verlassen als wir uns von Nikki Sixx getrennt hatten. Anschließend machten wir 2003 eine CD mit Joey Pantera – wieder ein Nachname, den es in den 80ern schon als Gruppennamen gab. Es war sehr schwer eine Tour zu bekommen, nachdem die Platte fertig war. Letztendlich bekam ich ein Angebot von Eddie Van Halen, bei der Van Halen-2004 Tour mitzuwirken. Wir begannen mit den Proben und Joey hatte große Probleme, die Songs live zu singen. Das war eine Woche vor der Tour. So rief ich Tommy wieder an und fragte, ob er einspringen würde. Der willigte ein und wir ließen ihn für drei Proben vor der ersten Show nach Florida einfliegen. Edward hasste Tommies Gesang und schickte uns vorzeitig nach Hause. Das brachte mich auf die Palme. Ich hatte eine große Tour an Land gezogen, unser etatmäßiger Sänger und unser alter können nicht singen. Bezüglich dessen und der schlechten Chemie innerhalb der Band, war es das dann für mich gewesen. Es gibt nicht viele solcher Gelegenheiten und wenn du dann nicht hart arbeitest… Nach der Van Halen-Tour wollte keiner mehr mit Joey und Tommy zusammenarbeiten. So durfte ich mich wieder auf die Suche nach einem neuen Sänger begeben. Gott sei dank, schaffte ich es, und startete direkt mit einer ganz neuen Laidlaw-Band!
Sounds of South: Wie siehst du die Entwicklung des Southern Rocks?
Craig: Ich glaube die Allman Brothers waren die Vorreiter für alle Southern-Jungs. Sie kombinierten Country mit Duane Allmans ehrfürchtiger Slide-Gitarre über laute Verstärker und machten ihr eigenes Ding, der Name Southern Rock basiert halt auf der Gegend aus der er kommt… dem Süden. Macon ist daher sehr stolz auf die ABB. Dann kamen die großen Lynyrd Skynyrd aus Jacksonville, Florida. Diese beiden Truppen brachten grandiose Musiker und Songs hervor, die für immer up to date bleiben werden. Noch in hundert Jahren, dafür garantiere ich!
Sounds of South: Wer sind deine persönlichen Lieblingsbands (abgesehen von Lynyrd Skynyrd und Led Zeppelin 🙂 und warum?
Craig: Bad Company ist noch einer meiner großen Favoriten neben den beiden. Paul Rodgers hat wohl die beste Stimme um Rock and Roll zu singen. Sie ist heute noch brillant, wenn nicht sogar noch besser als zu seinen Free-Zeiten.
Sounds of South: Was waren deine Highlights bisher in 2006?
Craig: Meine Höhepunkt war zweifellos, Musiker zu finden, mit denen es eine Ehre ist zusammenzuspielen, nicht zu vergessen, das beste bisherige Laidlaw-Album gemacht zu haben und mit Joe Hardy in den Studios von ZZ Top gearbeitet zu haben. Ich kann es gar nicht erwarten zu touren und das Talent dieser Jungs den alten und neuen Laidlaw-Fans zu präsentieren. Dies ist nebenbei die knackigste Laidlaw-Band live, und das sagt einiges. Im Jahre 2000 auf der Skynyrd/ZZ Top-Tour liefen wir noch wie eine geschmierte Maschine. Eine große Live Band! Du wirst es sehen, wenn wir mal in Deutschland und Europa auftauchen. Ich glaube die Europäer werden uns lieben.
Sounds of South: Euer Vorgänger war ziemlich Country-infiziert. Hattet ihr ein wenig nach Nashville geguckt, schließlich scheint es ja einen erfolgreichen Trend zu geben, Southern-Rock und New-Country ein wenig verschmelzen zu lassen (sh. Van Zant, Montgomery Gentry, Jeffrey Steele, Travis Tritt etc.).
Craig: Es ist seltsam, ich habe bei der Zweiten gar nicht versucht eine country-mäßige Platte aufzunehmen, weil die Zeit danach war. Das bin nicht ich… ich schreibe vom Herzen her. Einiges was auch für die „Foam Box Sessions“ vorgesehen war, war recht nah an „Everything’s Gonna Be Alright“ und „This Must Be Love“. Ich habe einen Track geschrieben namens „Green Eyed Lady“, der recht Eagles-konform klang. Aber es passte nicht zu dem anderen Material. Nach Fertigstellung eines Liedes „A Little Time“ wollte ich dann gar keine langsamen Stücke auf der Platte. Wahrscheinlich für das nächste Werk. Du wirst es mögen, Daniel! Steven Sturm von der Travis Tritt Band hat auf dem Demo Pedal Steel gespielt. Das ist der Gleiche, der auch auf den zuvor genannten Stücken mit dabei war.
Sounds of South: Mein persönliches Lieblingsstück von euch ist das gerade erwähnte „Everything’s Gonna Be Alright“. Wie kommt man zu solch einer Eingabe?
Craig: Ich schrieb den Song nach dem eine Freundin von mir die TV-Schauspielerin Nikita Ager angerufen hatte und mir mitteilte, dass ihre Mutter an Krebs erkrankt ist. Sie war so traurig und weinte, dass es mir fast mein Herz zerbrach. Ich mag ihre Mutter sehr und die Neuigkeiten schockierten mich. Das Stück stand schon, nachdem ich die Telefonhörer aufgelegt hatte. Joey Pantera hat dann ein paar Gesangslinien mit in den Song gebracht. Ich bin stolz darauf, dass ihre Mutter den Krebs besiegt hat und das ihr das Lied gefällt.
Sounds of South: Gibt es bereits Songmaterial für ein viertes Laidlaw-Album? Was wird uns da dann erwarten?
Craig: Wie ich schon zuvor beschrieb haben wir zwanzig Stücke bereits in petto und schreiben noch weiter. Mein Vater ist vor zwei Wochen ebenfalls an Krebs gestorben. Ich schreibe sicherlich noch einige traurige Stücke diese Woche.
Sounds of South: Wann tauchen Laidlaw mal endlich in Deutschland auf? Mit wem zusammen könntest du dir da was vorstellen?
Craig: Du kannst dir nicht vorstellen, wie heiß wir darauf sind, in Deutschland zu spielen. Mit den Scorpions, das wäre was. Wir haben mal drei Monate mit denen und Motley Crue 1999 in den Staaten gespielt. Wir haben noch Kontakt. Rudolf Schenker und ich haben schon mal darüber geredet, bald mal was zusammen zu machen. Aber Manager und Agenten stellen Touren zusammen und nicht Musiker. So, wer weiß? Vielleicht bald. Wir müssen unsere neue Scheibe den deutschen Fans nahe bringen, dann werden die Promoter uns hoffentlich fragen. Ich verspreche euch, wir werden dann kommen!
Sounds of South: Was macht der Privatmensch Craig DeFalco denn so?
Craig: Das ist lustig. Bei mir existiert kein Unterschied, ob ich auf der Bühne, im Studio oder zuhause bin. Ich spiele immer Gitarre. In jedem Raum von meinem Haus stehen Gitarren. Ich habe mein Heim-Studio und mein mobiles, ich arbeite immer. Vielleicht noch Angeln… und Mädels hinterher rennen! Selbst im Schlaf höre ich manchmal meine Füße wippen. So arbeite ich selbst im Schlaf, haha.
Sounds of South: Vielen Dank für das Gespräch!
Craig: Danke dir Daniel für die Chance, unsere Musik in Deutschland zu präsentieren!
Sounds of South: Are you satisfied with the new album?
Craig: I absolutely LOVE the new album „The Foam Box Sessions“, I think, it is LAIDLAW’s best work to date. I believe everything about the recording is a step up from the other 2 records, from song writing to the way the band plays the songs as a band. And how it sounds sonically.
Sounds of South: Please tell us a little about the „Foam Box Sessions“?
Craig: First off „The Foam Box Sessions“ was named after the studio where we recorded. The Foam Box is a private recording studio in Houston, Texas owned by the great ZZ Top! The same place they record all the ZZ Top records. Billy F Gibbons was nice enough to let LAIDLAW record there with their famed producer/ engineer, Joe Hardy. It was by far the best time I’ve ever had making a record. Just walking through the doors was a rush of inspiration. You can just feel the greatness in the room when you walk in. Joe Hardy was amazing to work with. He is always paying attention to what is being played and has great ideas and funny jokes! We used some of Billy’s famous amplifiers and guitars as well as Frank Beard’s drum kit! It was a time I will never forget!
Sounds of South: In my review I described the album as Rock with discreet Retro,- Phychedelic and Southern influences. Can you agree to that?
Craig: I agree to the Rock aspect of it. I really love Led Zeppelin as you can tell. I’ve always respected the way Jimmy Page recorded his guitars. How he tracked a riff then played a counter part that compliments the riff. Recording and overdubbing can be a lot of fun when you do it right. I really enjoy playing guitar with Brian Huffman. He is very much on the same page as me when we write a song and play it as a band. When I play the main riff he instantly hears a great part to compliment my part as apposed to playing the same thing. Which to me is such a great way to create music from your inner soul. It’s like answering a question from someone without thinking about what to say. It just flows out of you! And we have that now. The other thing about the record is the new band members and how our own personal influences combined making the record what it is. My influences are Led Zeppelin, Lynyrd Skynyrd, Bad Company, ZZ Top and a lot of Country artists. Brian Huffman is really into the Small Faces and the Rolling Stones. As Robbie Locke is really into Sound Garden, Nirvana, Foo Fighters, and Led Zeppelin. Eric Jarvis is influenced by The Allman Brothers and ZZ Top as well. And Greg Hokanson was brought up on ZZ Top, Led Zeppelin, and is really into bands like Tool and Alice In Chains. So it’s a wide slate of different artists that make this record sound the way it does. Putting your own style on things and not sounding like your influences is key.
Sounds of South: Were the line-up changes based on the changes in style or didn’t that have anything to do with it?
Craig: The changes were because the band just drifted apart over the years. It was like a bad relationship and it was time for a change. I enjoyed playing with the musicians that were in LAIDLAW in the past, and have no regrets, but it wasn’t a band anymore. The only time we got together was when I got us a major tour or when we did a new record. We all lived in different states and it wasn’t fun anymore to even get in the same room together. That and a couple people having problems with vices that were affecting the band. When you can’t have a beer with a friend and play music together, it’s time to stop hanging out. I went on the hunt for a new singer, I looked at 4 different bands in Houston and Austin, Texas and ended up finding 4 guys who wanted to be in LAIDLAW and loved the style music I did. The first time we got in the same room together to jam, it was plain to see this was meant to be! I am very fortunate to have found these guys!
Sounds of South: How have sales of The Foam Box Sessions developed?
Craig: Sales? We really haven’t pushed sales of the record yet. We have just landed a team of managers who are excited about the record and band. So that being said the focus is on us getting on some high profile tours in the States and doing it old school like bands did in the 70’s. Play live and let people discover you. The internet is an excellent tool for marketing, especially myspace.com (don’t forget Sounds of South Mr. DeFalco!). But people really don’t buy music anymore. They want it for free. With file sharing and mp3’s being so easy for people to pass along to each other without paying for the music. So we look at our music as a tool to get people to come see us play live. Instead of the old way, where you played live to sell records. Now it’s the other way around. That’s why we are selling the CD so cheap on our website www.laid-law.com . We want people to get the music cheap and come see us live!
Sounds of South: What was the reason for the almost complete restructuring of the band’s line-up?
Craig: I needed a change of atmosphere and to be around people who wanted to play new music and be a band! I spent a lot of money and time on LAIDLAW and was looking for people who wanted to do the same things I wanted to do. I was at a point in my song writing where I was digging Led Zeppelin again and how the music made me feel. I wanted a band in one state where we could jam and play a club gig any time we wanted to. I believe in the current line up so much that I relocated from California to Houston, Texas!
Sounds of South: What is the difference of singer Robbie Locke to his predecessors?
Craig: Robbie is so talented he just blows my mind. He can sing every song Laidlaw has ever recorded plus he can sing just like his influences. It’s scary how he can sound just like Chris Cornell one minute then sound exactly like Robert Plant and Paul Rodgers the next. Not saying that’s what he sounds like on the „Foam Box Sessions“, but we can jam a Zeppelin tune then screw around at rehearsal playing Alice In Chains, and he nails it! I think out of Tommy and Joey, Robbie sounds closest to Joey vocally. But Robbie sounds like the record live, where Joey had problems singing the songs live. Robbie has a lot of soul in his voice. Plus he’s very young and is going to be a monster after touring this record. I can’t wait to record the follow up to „The Foam Box Sessions“. We already have 20 plus songs to choose from! And we are still writing and recording demos.
Sounds of South: According to your website you haven’t been touring for quite some time now, even after the release of the new CD. How come?
Craig: I didn’t want to go out and do a club tour with no support from a label or not having an agent. It costs a lot of money to keep a band on the road. The main reason has been getting the right management team together. Which now we have. We have 3 managers working with us now. Who work with big names such as Kid Rock and ZZ Top to name a few! I’m very pleased with who we have involved with Laidlaw now. It’s not just how great your record is, it’s who’s working your record. If you don’t have a great team behind you, you will fail in this business, or any business for that matter! We should be releasing and touring the record by December.
Sounds of South: How can someone manage to master so many instruments like you do?
Craig: Well thank you, but I’m far from mastering any instrument! Jimmy Page has mastered many Instruments, Jeff Beck has mastered many instruments,
Billy F Gibbons has mastered many instruments.
Over the years I’ve really focused on producing and not just playing guitar. I love grabbing the bass and finding a bass line that doesn’t follow the guitar riff. Something that takes the song somewhere else. That’s what blows me away with Led Zeppelin. John Paul Jones played amazing bass lines and they complemented Jimmy Page’s guitar parts. To me having the guys who are in LAIDLAW now is a great thing. Live I will swap instruments with Eric. I love playing bass as well as guitar. And Eric is an amazing guitar player. Brian and Eric swap instruments as well live. Eric plays a mean slide guitar. Brian, Eric and myself all play slide guitar and our styles are all different. Which is very special to me.
Sounds of South: Which guitarists had an influence on you?
Craig: Jimmy Page really makes me want to play guitar and learn more about playing guitar. As well as Gary Rossington and Allen Collins from Lynyrd Skynyrd. Billy F Gibbons is inspiring to me. He was so much fun to watch every night when we were on tour with ZZ Top. Billy and I became really good friends after that tour. Which is something I value very much! The most amazing thing I’ve ever witnessed live has to be Jeff Beck. I saw him play in Los Angeles 4 years ago and it just blew my mind. The sounds and emotion that came out of his stratocaster were out of this world. And after his show the guitar players who were backstage, all these icons were in awe of what they just saw! That will stick with me forever!
Sounds of South: Tell us a little of how songwriting in Laidlaw takes place.
Craig: Now we have 5 song writers in LAIDLAW. It differs with each of us, but mainly with me, I’ll pretty much write some music and I’ll have a vocal melody in my head. I’ll show the guys and let Robbie sing something first. 9 times out of 10 he will come up with something totally different from my ideas. And some times we combine the two. Or I’ll sing him my vocal idea, and say I have lyrics for a chorus all written but no lyrics for the verse or the bridge. Once he hears where I’m going with it with a concept, he gets some ideas and comes up with lyrics on the spot. Then a lot of times I’ll write everything myself. Some times it comes easy some times not so easy. Mainly though with me I have a home studio and I’ll demo up everything myself… drums, bass, guitars and vocals and pass it onto the band. If it catches their ears we’ll jam it and see where it goes. I’m very pleased with Brian and Robbie’s song writing. Brian will demo up songs and send them to me to check out from his home studio. Like „Sunshine Woman“, that was the first song I heard from Brian that as soon as I heard it without vocals I loved it and knew it was special. I remember we were taking a break from rehearsing, and Robbie took the demo outside with his headphones on and came back 10 minutes later with 80% of the lyrics done. Some times songs come very quick and some times they take weeks.
Sounds of South: A Co-editor in Sounds of South mentioned that the band originally was dubbed Moonshine which had an album out titled „XX“. (7 of the 8 songs were again found on Laidlaw’s Debut). How did the name change to Laidlaw happen, especially that Singer Tommy Laidlaw wasn’t on the album? Or is Tommy Roberts in reality Tommy Laidlaw? Is there any contact to Tommy Laidlaw? How is he doing?
Craig: Well, that is true. We were called Moonshine for years, then when we got involved with Nikki Sixx as our record label and producer of First Big Picnic. He did a search on the name and found someone owned the rights to Moonshine in Europe. So while we were doing pre-production for the record he asked us to find a new name. I think that it is harder to name a band than to be a band! We couldn’t come up with a name for weeks. Then I said let’s call the band LAIDLAW. Before we got involved with Sixx, Tommy at the time had changed his name to Tommy Gunn, which I thought was lame… So 1980’s! So I asked him to change his sir name for professional reasons for the Moonshine release. We came up with calling him Tommy Laidlaw. So once we did the new record we then did the Motley Crue tour and he was so cocky about being Tommy Laidlaw and we felt like we were his back-up band a band I started 5 years before he was ever in. I was so pissed that I asked him to use his middle name for his sir name. That’s where Tommy Roberts came from. Tommy had quit the band after we parted ways with Nikki Sixx in 2001. We then did another CD with Joey Pantera in 2003 another sir name that was so 1980’s!! It was very hard to get a tour after we finished that record. So finally I got a call from Edward Van Halen, and he had offered me the 2004 Van Halen Tour. We started rehearsals for the tour with Joey and he had problems singing the songs live. It was a week before the tour so I called Tommy up and asked him if he wanted to do the tour. He said yes and we flew him out to Florida to do 3 rehearsals before our first show on the tour. Edward hated Tommy’s singing and sent us home early from the tour. That just bummed me out. I finally had a great tour for us and our singer couldn’t sing, then the old guy couldn’t sing. Between that and the band not being a band, it was over for me and them! You don’t get as many shots as we got on huge tours and not try and work hard at the gigs. After the Van Halen tour nobody in the band wanted to work with Tommy or Joey. So it was up to me again to find a singer. Thank God, because I ended up finding the best thing I’ve ever been involved with an all new LAIDLAW!!
Sounds of South: How do you assess the development of Southern Rock?
Craig: I think the Allman Brothers are the ones who started it all for us Southern Rock guys! They took Country Style music with Duane Allman’s awesome slide guitar playing through loud amplifiers and did their own thing, in which became Southern Rock because of from where the band was based out of… the South! Macon, GA is still very proud of The Allman Brother’s Band. Then came the great Lynyrd Skynyrd from Jacksonville, Florida!! Those two bands gave us some amazing musicians and great songs that will last forever! 100 years from now their music will still be heard! I guarantee it!!!
Sounds of South: Which are your favourite bands (besides Lynyrd Skynyrd and Led Zeppelin 🙂 and why?
Craig: Bad Company has to be one of my favourites beside Skynyrd and Zeppelin. I think Paul Rodgers has the most amazing voice ever to sing rock and roll! His voice is just as strong today if not stronger than it was when he was in the Free!
Sounds of South: In your opinion, which are the highlights so far in 2006?
Craig: The highlights are finding musicians who I’m honoured to play with, not counting having the best LAIDLAW record to date and recording it at ZZ Top’s studio with Joe Hardy! I can’t wait to start touring and sharing the talent of these guys to older and new LAIDLAW fans! This is by far the tightest LAIDLAW has ever sounded live… and that is saying a lot, because back in 2000 on the Skynyrd/ ZZ Top tour we were a well oiled machine. A great live band. You will see for yourself some time soon when we finally come to Germany and Europe! I think European music fans will enjoy us!
Sounds of South: The predecessor to The Foam Box Sessions was heavily influenced by Country. Have you been leering at Nashville where a successful trend seems to take place to marry Southern Rock and New Country (by, for instance, Van Zant, Montgomery Gentry, Jeffrey Steele, Travis Tritt and so on)
Craig: It’s so weird, I didn’t try and write a Country Style record when we recorded the second record, because that’s what was hot at the time. That’s not me… I just write what I feel from the heart. Some of the songs that I had written for „The Foam Box Sessions“ were really close to „Everything’s Gonna Be Alright“ and „This Must Be Love“. I had written this track called „Green Eyed Lady“ that was very Eagles sounding… It just didn’t fit in with some of the other material. And after finishing the song „A Little Time“, I didn’t want two slow songs on the record. It will probably be used or at least looked at for the next record. I think you will like it Daniel! I even had Steve Sturm from Travis Tritt’s band play pedal-steel on the demo. Same guy who played on „Everything’s Gonna Be Alright“ and „This Must Be Love“.
Sounds of South: My personal favourite is „Everything’s Gonna Be Alright“. How can one write such a flash of genius?
Craig: I wrote that song after a friend of mine, (American TV actress Nikita Ager), called me about her Mother having cancer. She was so sad and crying that it just crushed my heart. I love her Mother very much and it just broke my heart hearing the news. The song came to me very quickly after I hung up the phone with her. Joey Pantera contributed a few lines lyrically in that song as well. I’m very pleased to say her Mother is beating cancer and loves the song as well!
Sounds of South: Is there material for a fourth Laidlaw album? What can we expect?
Craig: Like I said earlier, we have 20 plus songs already and are still writing everyday. I personally just lost my Father 2 weeks ago to cancer. So I’ve been writing some tear-jerker sad songs this week.
Sounds of South: When will you finally play Germany? Whom could you imagine of you could do it with?
Craig: You have no idea how bad we want to play Germany. I would love to play there with the Scorpions. We did 3 months with them and Motley Crue back in 1999 in the States. And I am still in contact with them. Rudolf Schenker and I have talked about doing something some day soon together again. But managers and agents make the tours, not the musicians. So who knows? Maybe soon? We need to get our new record to the German music fans then hopefully the promoters will ask us to come! And I promise you we will be there!
Sounds of South: How does the private Craig DeFalco lives his life?
Craig: That’s funny… there is no difference from me being on the stage or in the studio, or being at home. I’m always playing guitar. There are guitars in every room of my house. I have my home studio, and my travelling studio, so I’m always working. I do like to fish though… so that and chasing girls! I hear even when I’m sleeping I tap my feet in time in bed. So I’m even working in my sleep. haha
Sounds of South: Thank you very much for your time and interest.
Craig: Thank you Daniel for the chance to get the music heard in Germany!

Brothers Of The Southland – Same – CD-Review

BOTSL_300

Irgendwie holt die Vergangenheit einen immer wieder ein. Nein, ich rede jetzt nicht vom erneuten Abstieg meines Graupenvereins Rot-Weiss Essen in die Viertklassigkeit (demnächst Spiele gegen SV Lotte und Wehen 2…), sondern diesmal auch in musikalischer Hinsicht. Philippe Archambeau, Betreiber der sehr schönen französischen Southern Rock-Seite ‚Road To Jacksonville‘ mailte mich an, ob ich in Besitz von Live-Material der einstigen Newcomer-Band Street Survivors wäre, die ja aus meiner Heimatstadt entstammte und für die ich einst den gleichnamigen Bandsong auf ihrem teilweise sehr gelobten Debütalbum „Southern Rock Will Never Die“ getextet hatte. Vermittelt hatte den Kontakt wohl kein Geringerer als die allwissende, journalistische deutsche Stimme des Southern Rocks, mein alter, langjähriger ‚Home-Of-Rock‘-Ex-Kollege Fred Schmidtlein.

Wie es so ist, wurde damals beim ersten Street Survivors-Gig in Rheinberg 1993 (anwesend und mitwirkend Debbie Bailey, frühere Backgroundsängerin von Lynyrd Skynyrd!) alles auf VHS aufgenommen und Kopien an einige auserwählte Leute verteilt. Das Teil lag natürlich seit Jahren in der Schublade einer Kommode meines Arbeitszimmers und ist seitdem nie wieder angeschaut worden. Street Survivors verschwanden dann übrigens, nachdem man einige Konzerte als Vorgruppe für u.a. Molly Hatchet und Wishbone Ash gespielt hatte, ziemlich flugs wieder in der Versenkung und man trennte sich nach internem Streit. Viel graue Haare später und 20 Kilo schwerer fand ich, dank heutiger technischer Möglichkeiten, schnell jemanden, der mir das Band auf DVD umwandelte. Und so schickte ich das Teil umgehend an den erwartungsvollen Philippe. Also, wenn das nicht mal ein schöner Beweis für die gelebte deutsch-französische Freundschaft ist…

Warum erzähl ich das alles eigentlich überhaupt? Auch der gute Philippe ließ sich natürlich nicht lumpen und sendete mir als Dank ein Exemplar der Brothers Of The Southland zu (leider ohne Cover), eine Allstar-Band mit hochkarätigen Namen an Bord (u.a. Henry Paul – Outlaws, Henry Paul Band, Blackhawk, Jimmy Hall – Wet Willie, Steve Grisham – Outlaws, Ghost Riders, Dan Toler – Allman Brothers, Reese Wynans, Mike Brignardello – beides Nashville Studiogrößen, Steve Gorman – Black Crowes, Bo Bice – American Idol-Finalist), die eine Art Tributalbum zu Ehren des kürzlich verstorbenen George McCorkle (Marshall Tucker Band) eingespielt haben. Vorweggenommen sei, dass das Werk zur Zeit nur als Internet-Download zu erwerben ist.

Die Scheibe macht aus mehreren Gründen Spaß. Zum einen, weil es nicht ein abgedroschenes Coveralbum (mit „Can’t You See“ und „Dreams“ nur zwei Klassikerversionen, beide von Bo Bice gesungen; „Brothers Of The Southland“/ Blackhawk und „Dixie Highway“/ Iron Horse zwei Neuversionen von nicht so ganz populären und bekannten Liedern) geworden ist und durchgehend gut mit vielen neuen Songs bestückt wurde. Diese wurden in instrumenteller Hinsicht natürlich hochwertig ausgeführt und auch die Produktion von D. Scott Miller ist glasklar und sehr knackig ausgefallen. Die von Henry Paul (eher southern/countryesk) und Jimmy Hall (oftmals recht soulig/bluesig/rockig mit Bläsern und Harp) fast brüderlich geteilt gesungen Stücke bilden einen herrlichen Kontrast und versprühen pure Nostalgie, ohne aber zu langweilen.

Grandios die Version von „Brothers Of The Southland“, die durch ein herrliches Instrumentalfinish mit Twin-Gitarren erheblich aufgewertet wurde. Wunderschön der Opener „Love Don’t Care (Where You Come From)“, durch den ein angenehmes MTB-Flair strömt, so wie es sicher auch in George McCorkles Sinn gewesen wäre. Die Fassung von „Can’t You See“ (mit 7. 32 Min. längstes Stück) ist nicht von schlechtesten Eltern (klasse Organ, Double Leads, Tempowechsel, fette Drums). „Dreams“ bleibt in seiner Art eher im Allman-Bereich, hier ist aus meiner Sicht aber die Version vom Molly Hatchet-Debüt unerreicht.

Insgesamt eine Scheibe, die einerseits dazu anregt, in Erinnerungen zu schwelgen, aber auch als Beweis für die aktuell immer noch gute Form alter Southern-Strategen wie Henry Paul und Jimmy Hall dient.

Zoho Music (2009)
Stil:  Southern Rock

01. Love Don’t Care (Where You Come From)
02. Brothers Of The Southland
03. Can’t You See
04. Rock’n’Roll Survivor
05. Dixie Highway
06. Travelin‘ Light
07. Blue Sunrise
08. Pray For Me
09. Dreams
10. Change A’Comin‘
11. Back In The Days
12. Long Goodbye

Bärchen Records

Blackberry Smoke – The Whippoorwill – CD-Review

Mannomann! Was hat diese Band für eine Entwicklung genommen! Die neue Scheibe von Blackberry Smoke, nach einer wohl nur eingefleischten Ornithologen bekannten Vogelart, der Schwarzkehl-Nachtschwalbe, benannt, ist einfach nur der Hammer. Der Fünfer um Frontmann Charlie Starr, der hier wieder grandiose Gesangs-, Gitarren- und Songwriterkunst abliefert, hat sich auf diesem Werk selbst übertroffen und sogar den saustarken Vorgänger „Little Piece Od Dixie“ fast zur Bedeutungslosigkeit degradiert! Auf ihrer tollen Live-DVD, die schon vier Songs des neuen Werkes („Everybody Knows She’s Mine“, „The Whippoorwill“, „Ain’t Much Left Of Me“ und „Sleeping Dogs“) als Heißmacher beinhaltete, hatte sich bereits angedeutet, dass diese Band aus Georgia ohne Wenn und Aber die Champions-League des Southern Rocks entern würde.

Und dies ist mit dem dreizehn Stücke umfassenden neuen Silberling eindrucksvoll gelungen, eine regelrechte Sternstunde des Southern Rocks im Allgemeinen und für die Anbeter solcher Legenden wie Lynyrd Skynyrd, Outlaws und The Kentucky Headhunters im Besonderen! Die Georgianer fühlen sich beim Label von Country-Superstar Zac Brown (Zac Brown Band), Southern Ground Records, der an den Burschen zu Recht einen Narren gefressen zu haben scheint, sichtlich pudelwohl und pushen sich immer wieder zu neuen Höchstleistungen. Besagter Zac Brown und sein Gitarrist Clay Cook sind auch wieder bei Produktion, Songwriting und auch instrumentell mit eingebunden. Wie ebenfalls auf dem Live-Dokument ersichtlich und prägnant hörbar, hat ihr neuer Silberling mit der Hinzunahme von Keyboarder Brandon Still auch im Studio das „noch etwas gewisse Mehr“ hinzugewonnen.

Der Bursche spielt sich hier zwischen Allman’schen Hammond-Klängen und Pilly Powell „Gedächtnis Piano-Geklimper“ regelrecht in Rage und mutiert hinter Fronter Charlie Starr zum zweiten Star des Albums, getragen natürlich vom manschaftsdienlichen Restkollektiv, bestehend aus den Turner-Brüdern Rich (Bass) und Brit (Drums), sowie dem Zweitgitarristen Paul Jackson (schönes Lead-Solo auf „Everbody Knows She’s Mine“ und mit einigen southern-typischen Twin-Ergänzungen zu Starr, ansonsten mit toller Rhythmus-Arbeit).

Einfach herrlich diese Scheibe und man weiß eigentlich gar nicht, wo man mit den Lobeshymnen beginnen und wann aufhören soll. Wenn Charlie Starr schon beim fulminanten Opener „Six Ways To Sunday“ mit an Georgia Satellites reminiszierenden E-Salven „losrumpelt“, Brandon Still auf seinem Klavier in bester Honkytonk-Manier dazwischen „hämmert“, und das Ganze in einen furiosen Southern-Boogie mündet (auch Skynyrds „Things Goin’ On“ schimmert dezent mit durch), geht jedem Liebhaber dieser Art von Musik sofort das Herz auf. Was für ein Auftakt! „Pretty Little Lie“ bietet dann richtig feinen, natürlich auch southern-infizierten, Roots-/Countryrock, bei dem Will Hoge in Bestform Pate gestanden haben könnte. Was für eine tolle Melodie – einfach wunderbar!

Ist der Starr jetzt ganz „verrückt“ geworden? Auf „One Horse Town“ näselt er im Refrain zuweilen gar in bester Henry Paul-Manier und haucht dem erneut grandiosen Song damit sogar ein gehöriges The Outlaws-Flair ein. Zudem spielt der Bursche hier auch noch herrliche Pedal Steel-Fills. „Ain’t Much Left To Say“ (wieder mit etwas Georgia Satellites-Feeling) und das megaentspannte Titelstück „The Whippoorwill“ wissen auch im Studio zu überzeugen. Letzteres gewinnt durch Starrs erneute Steel-Einlagen sogar noch mehr an Atmosphäre. Absolute Gänsehaut-Garantie! Das folgende „Lucky Seven“ hat einfach den Groove und bei „Leave A Scar“ wird die „harte“ Southern Rock-Keule geschwungen. Was für eine Power. Toll hier das unter die röhrenden E-Gitarren geflochtene Banjo des vielseitigen Bandleaders und die fetten Orgelsalven von Brandon Still. Einfach klasse, ein spektakulärer und zum Teil hymnenartiger Uptemporocker. Ein richtig schwerer Southern-Blues zwischen The Allman Brothers Band und Skynyrd pendelnd ist „Crimson Moon“.

Grandios auch die weiblichen Backs von Maureen Murphy, Lo Carter, Kyla Jade und Sarah Dugas, die erstmals bei einigen Smoke-Songs integriert wurden – und auch das passt hervorragend. „Ain’t Got The Blues“ ist ein richtig schöner, spartanischer Retro-Blues mit Knistern am Anfang (wie früher bei den schon etwas zerkratzten LPs) und mit modifizierter, an alte Blueser erinnernder Stimme von Starr, der dann aber im Verlauf deutlich zulegt (klasse Slide). Hat ein wenig was von Skynyrds „Made in Shade“ oder „Mississippi Kid“.

Was geht denn da bei „Shakin‘ Hands With The Holy Ghost“ ab? Starr und Co. zaubern hier, als wenn AC/DC plötzlich im Southern Rock ihre neue Passion gefunden hätten. Der Song schüttelt mit seinem E-Gitarren-Führungsriff den ganzen Körper durch, einfach göttlich, dazu das glühende E-Gitarren-Solo und die rotzigen Backs der o.a. Ladies. Am Ende gibt es dann mit „Up The Road“ noch eine Wahnsinns-Ballade, die einen in Derek & The Dominos-Zeiten zurückschwelgen lässt. Herrlich das Clapton-mässige Solo, die „Uuhs“ der Damen und Stills mitreissende Piano- und Orgel-Arbeit. Der Song endet so, wie er enden muss, um ein Southern-typisches, furioses Gitarrenfinish anzugliedern, das dann aber in Kurzform gehalten wird, dafür jedoch mit einer erschlagenden Orgel und gospelartigen Klage-Gesängen der Damen (schreien regelrecht gegen Starr und Still an) kombiniert wird. Nach diesem Ende weiß ein jeder Southern Rocker, dass er hier ganz großes „Kino“ geboten bekommt.

Blackberry Smokes Meisterwerk „The Whippoorwill“ kann man von daher mit Fug und Recht als eines der besten Southern Rock-Alben dieses Jahrtausends bezeichnen. Das Digipak wurde übrigens mit einem schön retro gestalteten, 16-seitigen Steckbooklet bestückt, das sämtliche Texte beinhaltet. Eine ganz große Verbeugung vor Charlie Starr und seinen Mannen!

Southern Ground (2012)
Stil:  Southern Rock

01. Six Ways To Sunday
02. Pretty Little Lie
03. Everybody Knows She’s Mine
04. One Horse Town
05. Ain’t Much Left of Me
06. The Whippoorwill
07. Lucky Seven
08. Leave A Scar
09. Crimson Moon
10. Ain’t Got The Blues
11. Sleeping Dogs
12. Shakin‘ Hands With The Holy Ghost
13. Up The Road

Blackberry Smoke
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Bärchen Records

Billy Ray Cyrus – Time Flies – CD-Review

„Time Flies“ ist von den vier CDs, die ich von Billy Ray Cyrus mittlerweile kenne, eindeutig die beste. 15 Songs innerhalb einer knappen Stunde fliegen an einem regelrecht vorüber, ohne dass man merkt, wie die Zeit vergangen ist. Es liegt an der Vielseitigkeit der Lieder und einem Sänger, der unheimlich frisch und kämpferisch wirkt. Ein Grund dafür wahrscheinlich die Querelen im Vorfeld der Veröffentlichung, auf die ich noch am Ende zu sprechen kommen werde.

Das Werk, im Konsens gesehen, ist eigentlich gar nicht new-country-typisch. Ich würde es eher als äußerst variables Rockalbum einstufen, das sich harmonisch der einen oder anderen Strömung bedient, aber nie Gefahr läuft, seine Linie zu verlieren.

So ist das Titelstück eine wunderschön relaxte Westcoastballade, getragen von einer lockeren Akustikgitarre, herrlichem Slidespiel und dezent eingebrachten E-Gitarren im Hintergrund. Poco hätte das nicht besser bringen können. In die gleiche Kerbe schlägt „Tell Me“. Man könnte meinen, Glenn Frey und Don Henley hätten mal wieder einen Schlichtungsversuch für ein Eagles-Comeback hinter sich.

Da gibt es zwei so unwiderstehliche Honkytonkrocknummern wie „I Luv Ya“ (über Frauen, die jeder mag, aber die soviel Herzschmerz verursachen; Cindy Crawford und Julia Roberts werden als Lehrbeispiele angeführt) und „Hard To Leave“, der vielleicht legitime Nachfolger seines größten Hits. Klingt wie eine Mischung aus „Achy Breaky Heart“ und der Chuck Berry-Nummer „C’est la vie“. Ein toller Rocker, der sich zur Endlos-Abfeier-Live-Nummer bestens eignet, mit herrlichem Pianogeklimper a là Billy Powell im Mittelteil.

Wer Southern Rock nicht unbedingt mit Gitarren-Soli-Orgien verbindet, wird auch bei einigen Liedern auf seine Kosten kommen. Eine ganze Reihe von Songs bieten genretypische Stilelemente, allerdings immer relativ wohl dosiert. In manchen ‚weich‘ gesungenen Strophen ist Billy Rays Stimme mit der von Johnny Van Zant vergleichbar, zahlreiche Slide- und E-Gitarrenparts sind unverkennbar Südstaaten-Rock-orientiert („Bread Alone“, „The Way It Is“, „I Still Believe“ – sehr 38 Special-ähnlich vom Grundmuster her).

Dazu gesellen sich natürlich auch die eine oder andere Ballade, mal stärker („What Else Is There“ und die Akustikversion von „Some Gave All“, das dank frischer Stimme – es wird nicht so rumgeknödelt wie beim Original – und kraftvoller Akustikgitarre irgendwie moderner und peppiger rüber kommt), mal etwas schwächer, weil ein wenig schmalzig („Nobody“/“Without You“).

Zwei richtige straighte Rocker lassen gegen Ende erneut die Lucie richtig abgehen. „Close To Gone“ könnte die Bottle Rockets und The Beatfarmers als Inspirationsquelle gehabt haben; „Stand Still“ erinnert mit seinen treibenden Pianopassagen an „The Fire Inside“ von Bob Seger.

Ach ja, wo bleiben eigentlich die Country-Elemente? Am ehesten noch beim Auftaktstück „What Else Is There“ die dezenten Steeleinlagen oder die Fiddelbegleitung bei „Back To Memphis“, eine Art Heartlandballade, keltisch angehaucht, Gesang wieder JVZ-ähnlich, „Tomorrow’s Goodbye“ von Skynyrds „Edge Of Forever“ Album kommt mir dabei melodiemäßig in den Sinn.

Insgesamt ein tolles Album, das jedoch auch wieder einmal die Schattenseiten des Business offenbart. BRC ist für mich neben Garth Brooks nach wie vor einer der Initialzünder eines mittlerweile millionenschweren Musikindustriezweiges, vergleichbar eventuell mit einem Boris Becker im Tennissport. Und dass ein Künstler, der eigentlich bis jetzt immer durch solide Arbeit geglänzt hat, von Sony auf ein No-Name-Label verbannt wurde, ja sogar um die Veröffentlichung lange Zeit zittern musste, ist schon der blanke Hohn.

Der Gipfel von allem ist das lieblose Ein-Blatt-Cover, mit Angabe der Songtitel als einziger Info. So was hat ein Billy Ray Cyrus ganz sicher nicht verdient. Aber Kopf hoch. Leistung hat sich im Groben und Ganzen immer am Ende durchgesetzt und es gibt ohne Zweifel auch andere Firmen, die einen längeren Atem besitzen, und nicht nur auf den schnellen Dollar fixiert sind…

Sony Music, Madacy Label Group (2003)
Stil:  New Country

01. What Else Is There
02. Bread Alone
03. The Way It IS
04. She Don’t Love Me
05. Time Flies
06. I Luv Ya
07. I Still Believe
08. Without You
09. Hard To Leave
10. Nobody
11. Tell Me
12. Close To Gone
13. Stand Still
14. Back To Memphis
15. Some Gave All (Acoustic version)

Billy RayCyrus
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Billy Ray Cyrus – Change My Mind – CD-Review

Billy Ray Cyrus mit seinem neuen Werk – eine ganz starke Scheibe! Knackig, frisch, dynamisch, emotional – Billy Ray Cyrus in seinem Element. Dass der Mann ein Tausendsassa ist, dürfte jedem Musikkenner geläufig sein. Fast 20 Jahre nach seinem Debüt „Some Gave All“ mit der Mega Hit-Single „Achy Breaky Heart“ veröffentlicht der in Flatwoods, Kentucky, geborene Musiker, Singer/Songwriter und Schauspieler mit „Change My Mind“ jetzt sein bereits 12. Album.

Seine künstlerische Vielseitigkeit wie auch der o. a. Superhit brachten für den mittlerweile 51-Jährigen allerdings auch diverse (Luxus-) Probleme mit sich. Obwohl Billy Ray eigentlich seit Beginn seiner Musikkarriere durchgehend Alben von hoher Qualität ablieferte (und auch „Change Your Mind“ ist wieder richtig klasse), blieb ihm ein weiterer echter Hit (trotz genügenden Potentials) bis dato verwehrt.

Die Gründe liegen auf der Hand. Durch seine parallele Schauspielkarriere (mittlerweile auch Drehbuchautor) ist der öffentliche Fokus zum Teil auf diesen Bereich gelenkt, vor allem seine Vaterrolle in „Hannah Montana“ im Zusammenwirken mit Tochter Miley, die dann zudem auch in jüngeren Kreisen nahezu hype-mäßig verehrt wurde, lenkte von seiner eigenen musikalischen Tätigkeit gehörig ab, aber auch die Tatsache, nur mit einem „besonderen Lied“ in Verbindung gebracht zu werden, kann manchmal auch zum Fluch werden (das berühmte, hier allerdings völlig zu unrecht angeführte „One-Hit Wonder“…).

Nachdem Cyrus auf seinem letzten Silberling „I’m American“ doch stark die patriotische Schiene gefahren ist (er besuchte ja auch 2009 die Truppen im Irak), hat „Change Your Mind“ jetzt wieder einen deutlich persönlicheren Bezug. Er wirkt hier, wie das Cover es auch ein wenig suggeriert, wie ein einsamer Wolf in den weiten Steppen seines Landes. Was man Billy Ray Cyrus hoch anrechnen muss, ist, dass er immer versucht hat, sein eigenes Ding durchzuziehen und stets eine sehr authentisch wirkende Musik abgeliefert hat. Hier ist seine finanzielle Unabhängigkeit von großem Vorteil.

Mittlerweile ein eigenes Label (Blue Cadillac Music) besitzend, konnte er sich auf „Change Your Mind“ kompromisslos nach eigenem Gusto austoben. So hat Billy alle zehn Tracks selbst komponiert (nur bei dreien mit Co-Writern) und mit Brandon Friesen einen Produzent seiner Wahl angeheuert. Er verzichtet somit diesmal fast völlig auf kommerzielle Avancen – ein Album mit vielen Ecken und Kanten, das sich angenehm von üblicher Nashville-Kost abhebt. So steckt der Opener und Titelsong „Change Your Mind“ voller Outlaw- und Southern Rock-Attitüde (klasse Banjo-Untermalung, quietschende Fiddel, starke quirlige E-Gitarren-Arbeit inkl. klasse Soli, swampige Saxofon-Fills), so ein bisschen im Stile von Shooter Jennings.

Nicht von ungefähr hat auch dessen langjähriger Gitarrist Leroy Powell auf diesem Werk ein „gewichtiges Wörtchen mitgeredet“ (Lead guitar, Dobro, Pedal steel). „Once Again“ kommt schon fast progressiv, mit teilweise regelrecht hypnotischer Passage im Schlussteil daher, ein sehr ungewöhnlicher aber stark konstruierter Song für dieses Genre. Für die ruhigeren Momente sorgen Stücke wie „Tomorrow Became Yesterday“ (sehr introvertiert, tolles Wah-Wah-E-Gitarrenspiel am Ende), „That’s What Daddys Do“ (äußerst emotional, Backs von Tochter Noah) oder „Hope Is Just Ahead“ (Willie Nelson-Flair, Steel, Piano, E-Gitarren-Solo).

Das zu Anfang erwähnte Hitpotential hat wohl am ehesten das sehr relaxte und melodische „Forgot To Forget“ (Piano, weibliche Harmonies). „Hillbilly Heart“ (cooler, groovender Southern Rocker, klasse Gitarren), „Good As Gone“ (fröhlicher Stampfer, quietschendes Fiddle-Solo), „I’m So Miserable“ (bluesig, retro, erinnert gar ein wenig an Stevie Ray Vaughan) und das finale „Stomp“ (polternder Country-Rocker, E-Gitarren-Solo plus Wah-Wah, Dobro, Banjo, Backs, Harmonies, leichte „Achy Breaky Heart“-Note) zeigen den energiegeladenen Billy Ray Cyrus, mit richtig kräftig abgehender, stampfender Countryrock-Mucke, die auch immer wieder sein großes Herz für den Southern Rock offenbart.

Durchgehend starke Arbeit mit den diversen Saiteninstrumenten (Banjo, Dobro, Akustik-, E-, und Steelgitarre), HonkyTonk-Piano, weibliche Backs, z. T. als integrierte „Crowd“-Gesänge und ein ungemein kraftvoll trommelnder Drummer Kenny Aronoff. Billy Ray Cyrus liefert mit „Change Your Mind“ sein stärkstes Werk seit langem ab. Country/New Country/Southern Rock sowie Outlaw Country mit viel Tradition. Was seine Person betrifft, gilt unsere Meinung unverändert. Billy Ray Cyrus ist und bleibt ein toller, ehrlicher und vielseitiger Musiker!

Blue Cadillac Music (2012)
Stil:  New Country

01. Change My Mind
02. Once Again
03. Hillbilly Heart
04. Tomorrow Became Yesterday
05. Good As Gone
06. Forgot To Forget
07. That’s What Daddys Do
08. Hope Is Just Ahead
09. I’m So Miserable
10. Stomp

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Billy Ray Cyrus – Home At Last – CD-Review

Die Alben von Billy Ray Cyrus waren schon immer mit sehr viel persönlichen Flair behaftet und zum Teil von großer Emotionalität gekennzeichnet. Wir erinnern uns beispielsweise an den Song „Hey Daddy“ vom starken Vorgänger „Wanna Be Your Joe„, der Billy Rays an Krebs verstorbenem Vater gewidmet ist. In seinem neuesten Werk „Home At Last“ steht diesmal die eigene Familie im Fokus seiner Betrachtungen. Der Hintergrund. Er und seine Tochter Miley haben als Schauspieler in der beliebten Disney-Serie „Hannah Montana“ tragende Rollen für weitere 26 Episoden übernommen, was zu einer räumlichen Trennung der gesamten Familie führt. Die zog nach Kalifornien, wo Tochter Miley wohl auch wohnen bleibt, während Billy weiterhin schwerpunktmässig in Tennessee lebt.

All das geht nicht spurlos an Billy Ray vorbei. Seinen ganzen Trennungsschmerz diesbezüglich entlud er im Center-Stück der CD (Co-Writer Casey Beathard) „Ready, Set, Don’t Go“, einem wunderbar melancholisch-melodischen Midtempo-Countrysong (klasse Gitarren-/Mandolinenspiel, Akkordeonartige Fills), das auch in der ersten Folge der bereits erwähnten Serie gefeatured wird. Neben einigen Neukompositionen hat sich Cyrus auf „Home At Last“ auch einiger absoluter Klassiker der Pop-/Rock-Historie angenommen (u. a. „Brown-Eyed Girl“/Van Morrison; „You’ve Got A Friend“/Carole King/James Taylor – hier ist mit Emily Osment ein weiterer Co-Star von „Hannah Montana“ im Background zu hören; „You Can’t Lose Me“/Diane Warren; der von Eva Cassidy inspirierte July Garland-Klassiker „Over The Rainbow“), die er überaus gelungen in seiner typisch emotionalen Art und Weise neu interpretiert.

Grandios hier besonders die Fassung von Jackie DeShannons „Put A Little Love In Your Heart, die Cyrus in einen soulig groovenden Countrysong mit herrlicher Gospelchorbegleitung umwandelt. Ohne Zweifel einer der vielen Höhepunkte des Albums! Aber auch die neuen Songs überzeugen wieder auf der ganzen Linie, wie beispielsweise, der rhythmische, dezent poppige Countryrocker „The Buffalo“, der gar das Temperament eines Bryan Adams, wie er einmal in seinen besten Tagen geklungen hat, besitzt. „Flying By“ stammt aus der Feder des Erfolgs-Schreiber-Trios Tom Hambridge (singt auch im Background), Joanna Smith und Jeffrey Steele, die ja vor einiger Zeit mit „What’s Hurt Most“ Rascal Flatts einen Nr. 1-Hit bescherten.

Das Lied erinnert sehr stark an Steeles „Twenty Years Ago“ von seiner ersten Solo-Scheibe „Outlaw“. Ebenfalls recht groovig und rhythmisch kommt „Don’t Give Up On Me“ daher – hier setzt das Banjo- und Mandolinenspiel von John Jorgenson und John Willis wunderbare Trademarks. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sicherlich auch das ganze „Paradeheer“ von etablierten Nashville-Studiogrößen (Buchanan, Duncan, Johnson, Willis, Greenberg, Bennett, Morrow, Leim, Darken, Bukovac und und und), die dem Album von der instrumentellen Umsetzung ein Qualitätssiegel der allerersten Güte verleihen. Ein Kracher sicherlich auch noch „I Can’t Live Without Your Love“ (klasse E-Spiel der Gitarrenkönner Tom Bukovac und Kenny Greenberg), das entfernte Ähnlichkeiten zu U2s „One“ aufzuweisen scheint.

Auf die sonst üblichen Cyrus-typischen Honkytonk-Rocker wurde diesmal aufgrund des stark gefühlsbetonten Konzeptes (weitere Ausführungen dazu gibt’s im Booklet nachzulesen) wohl verzichtet. Die werden aber sicher wieder für’s nächste Werk des umtriebigen Künstlers fest gebucht sein. Und so verharrt auch die zweite Cyrus-Eigenkomposition „My Everything“ (stark hier Dean Parks an Mandoline und Dobro) eher im ruhigen Country-Bereich. Der abschließende Bonus-Track „Stand“ ist bereits von „I Wanna Be Your Joe“ bekannt.

Auch in dieser neuen, etwas Slide-Gitarren-betonteren Version ist Tochter Miley wieder im Background mit eingebunden. Insgesamt ist Billy Ray Cyrus mit „Home At Last“ erneut ein starkes New Country-Album gelungen, das zum einen von seiner starken emotionalen Gesangsperformance, von der hervorragenden instrumentellen Umsetzung, zum anderen aber auch von dem großartigen Songmaterial lebt. Aufgrund der vielen Klassiker nicht nur für Countryfans, sondern auch die „adult-orientated“ Poprock-„Crossover“-Gemeinde geeignet!

Walt Disney (2007)
Stil:  New Country

01. Ready Set Don’t Go
02. The Beginning
03. The Buffalo
04. Flying By
05. Brown Eyed Girl
06. Don’t Give Up On Me
07. You’ve Got A Friend
08. You Can’t Lose Me
09. Can’t Live Without Your Love
10. My Everything
11. Put A Little Love In Your Heart
12. Over The Rainbow
13. Stand

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Billy Ray Cyrus – Wanna Be Your Joe – CD-Review

Nach dreijähriger Auszeit, die unter anderem mit recht erfolgreicher Schauspieltätigkeit überbrückt wurde, hat Billy Ray Cyrus musikalisch nun endlich wieder richtig Feuer gefangen und die Fans, deren Liebe zwischen traditionell fundamentiertem, aber auch modernem New Country und fetten southern-würzigen Countryrockern hin und her pendelt, dürfen sich die Hände reiben: Sie erleben einen Billy Ray Cyrus, dem es gelingt, seine ohnehin schon beeindruckenden Werke von 2003 „Time Flies“ und „The Other Side“ sogar noch einmal zu toppen.

Das Cyrus-typische Grundrezept aus wohltuenden, zum Teil mit emotionalem Teint behafteten Balladen, melodischen, flotten Midtemposongs und einigen kraftvollen, stampfenden Rockern mit den schon erwähnten Southern- und Honkytonk-Attitüden ist dabei erhalten geblieben. Unglaublich gute Instrumentalisten (herausragend vor allem die Gitarren-Spieler Terry Shelton, Brent Mason und Pat Buchanan), kleinere, musikalische Experimente, wie das Einbinden von dezenten Saxophon-Parts (glänzend hier Max Abrams), sowie Kombinationsgesang mit legendären Größen wie George Jones und Loretta Lynn („Country Music Has The Blues“; schöner, stampfender, traditioneller Country-Blues) oder mit seiner Tochter Miley (bei „Stand“, einem geradlinigen, melodischen Rocker), sorgen noch mal für das Tüpfelchen ‚on top’. Die Produktion, für die sich Billy mit diversen Co-Produzenten verantwortlich zeigt, ist wunderbar knackig, klar und sehr modern gehalten.

Apropos modern: Bei „I Want My Mullet Back“ (starker, fett Gitarren-lastiger Countryrocker mit viel Southern-Flair) wird der legendären 80iger-Frisur (vorne kurz, mit langer Hintermatte), die einem mittlerweile modischen Haarschnitt gewichen ist, humorvoll hinterhergetrauert. Seine eigentliche Kraft für dieses Album scheint Billy Ray im übrigen aus der Trauer um seinen Vater zu schöpfen, der im Februar dieses Jahres an Krebs verstorben ist. So ist es keine Überraschung, daß er ihm dieses Album in großer Dankbarkeit widmet, insbesondere aber den Song „Hey Daddy“.

Doch auch Rennfahrer-Legende Dale Earnhardt und Billy Rays musikalischer Held, Lynyrd Skynyrds Ronnie Van Zant werden bei „The Man“ (Akustikgitarren-, Mandolinen-,Steel-betonter Midtemposong) und „The Freebird Fell“ mit emotional berührenden Texten gewürdigt. Gerade das zweitgenannte Stück (übrigens eine Gemeinschafts-Komposition von Cyrus und den ex-Lynyrd Skynyrd-Mitgliedern Ed King und Artimus Pyle) ist eines der absoluten Highlight dieses Werkes. Ein lang gezogenes E-Gitarren-Riff, klasse Akustikgitarre, ein sehr emotionales Organ von Billy Ray, sowie herrliche, weibliche Backgrounds im Refrain erzeugen eine dieser mitreißenden, country-infizierten Southern-Hymnen, wie man sie leider viel zu selten zu hören bekommt. Und wenn die Nashville-E-Gitarren-Asse Brent Mason und Pat Buchanan dann so richtig Southern-typisch in die Saiten greifen, läuft einem auch nach so vielen Jahren noch ein Gänsehaut-erzeugender Schauer den Rücken herunter. Der Song ist ein klares Muss für jeden Südstaaten-Fan!

Aber auch „Ole What’s Your Name“ besitzt mit seinem straighten Rhythmus (Kuhglocken-mäßiges Klackern im Drumming, klasse hier Greg Morrow) und seinen Skynyrd-typischen E-Riffs enormes Spaßpotential für diese Klientel, wie auch für die Freunde des angerockten New Countrys der Sorte Van Zant oder Montgomery Gentry. Das partytaugliche „Lonely Wins“ mit seinem stampfenden Slide-Rhythmus und den forschen Saxophon-Einlagen dürfte selbst so manchen Tanzmuffel aufs Parkett treiben. Natürlich präsentiert Cyrus auch seine sanftere Seite. So fließt uns das wunderbare, etwas poppige (wirkt hier überaus angenehm) Titelstück „Wanna be your Joe“ bei exzellenter Instrumentierung (tolle Gitarren von Terry Shelton und brillantes Lap Steel-Spiel von Dan Dugmore) und einer tollen Melodie völlig locker und flockig ins Ohr, „Wouldn’t Be Me“ kommt bluesig balladesk rüber (klasse hier die integrierten Sax-Fills und ein tolles E-Gitarren-Solo) und bei „How’ve Ya Been“ handelt es sich um einen nachdenklichen Love-Song (Slide/Steel/Piano) ohne jeglichen Kitsch-Faktor.

Beim Bonustrack „A Pain In The Gas“ gibt sich Billy zum Abschluss im Stil eines „Straßenmusikers“. Dabei demonstriert er gekonnt seine Qualitäten an der Akustikgitarre und gibt sogar noch eine kleine Pfeif-Einlage zum Besten. Das 20-seitige Booklet enthält im übrigen sämtlich Texte der ausnahmslos von Cyrus komponierten, bzw. co-komponierten Songs! Der Mann ist in einer blendenden Verfassung und scheint, obwohl ihm der große kommerzielle Erfolg der frühen „Achy Breaky Heart“-Tage schon länger versagt bleibt, immer besser zu werden. Eine absolute Top-Leistung, Mr. Cyrus!

New Door Records (2006)
Stil:  New Country

01. Wanna Be Your Joe
02. I Want My Mullet Back
03. Man (Tribute To Dale Earnhardt)
04. I Wouldn’t Be Me
05. What About Us
06. Country Music Has The Blues
07. Freebird Fell
08. I Wonder
09. Lonely Wins
10. How’ve Ya Been
11. Ole What’s Her Name
12. Hey Daddy
13. Stand
14. Pain In The Gas (Bonus Track)

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Cold Truth – Do Watcha Do – CD-Review

Cold Truth sind ein amerikanisches Rock-Quartett und stammen aus Murfreesboro, Tennessee. Ihr Debüt hatte bei den wenigen Insidern hierzulande glänzende Kritiken zufolge, da sie in zeitgemäßer und höchst authentischer Form an die klassischen Rockbands der siebziger Jahre anknüpften. Ihre furiose Cover-Version des Free-Klassikers „Fire And Water“ wusste dabei besonders zu gefallen.

Cold Truth bestehen aus der hervorragenden Rhythmus-Sektion Matt Green (Drums) und Abe White (Bass), dem immer wieder brillant agierenden Lead-Gitarristen Kurt Menck (erinnert an Mick Ralphs) und dem Musiker, der dieser Band so etwas wie ein außergewöhnliches Gesicht verpasst, Thane Shearon (Vocals, Guitar). Shearon ist nicht nur mit einer begnadeten Charakterstimme gesegnet, sondern beweist im Verbund mit Kurt Menck auch noch famose Songwriter-Qualitäten.

Er hört sich an wie eine geniale Mischung aus Paul Rodgers, David Coverdale und Chris Thompson und passt unheimlich gut zum straight rockenden Stil der Band. Die Southern Rock-Fraktion dürfte ihn auf dem letzten All-Star-Tribute-Sampler für Lynyrd Skynyrd schon mal zur Kenntnis genommen haben, als er im Verbund mit Ed King, Artimus Pyle und den Original Honkettes eine fulminante Version von „Double Trouble“ hinlegte, die teilweise auch als Saturday Night Special Band Konzerte geben.

Apropos Ed King. Der ist voller Lobes für Thane Shearon und bezichtigt ihn in einem Interview als denjenigen, der den Skynyrd-Stoff wohl gesangstechnisch am besten beherrscht und erteilt seinen früheren Kollegen damit eine kleine Breitseite. Ihrer guten Beziehung zu einander sei Dank, hat man auf „Do Watcha Do“ die Gelegenheit Ed Kings Gitarrenkünste wieder mal ein paar Minuten genießen zu dürfen, denn der bedient die Slide-E-Gitarre beim starken „If That Ain’t Enough“, einem der vielen Highlights dieser durchgehend selbst komponierten Scheibe. Klasse hier auch die rotzigen, weiblichen Backs von Nancy Roark.

Die vier Jungs rocken in relativ kompakter Form (man verzichtet scheinbar bewusst auf länger ausufernde Songs) in der Tradition von Bands wie Bad Company (wohl stärkster Einflussgeber), Black Crowes, Humble Pie, AC/DC, Steve Schuffert Band oder Whitesnake (hauchzart), dazu mit einem dezenten Southern Rock-Teint, hat aber den Muff der damaligen Zeit völlig abgelegt. Das ist moderner Rock, ein bisschen bluesig angehaucht, wie er heutzutage sein muss. Klar produziert, gut abgehend, riffig und hochmelodisch. Lediglich bei „Peace With Me“, „Whisper To Me“ und beim tollen, abschließenden „Light My Way“ wird Zeit zum Ausatmen gewährt. Die Empfehlung für Cold Truths „Do Watcha Do“ kann daher nur lauten. Schleunigst kaufen tun!

Eigenproduktion (2009)
Stil:  Southern Rock / Hard Rock

01. Cold As Hell
02. Diesel
03. If That Ain’t Enough
04. Gimme Some
05. Set Me Free
06. Peace With Me
07. Shakedown
08. Together
09. This Time
10. Finding The Way
11. Whisper To Me
12. Payin Dues
13. Light My Way

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Cold Truth – Grindstone – CD-Review

Ich hatte bei Cold Truth eigentlich keine Zweifel, dass das oft so schwierige dritte Album einer Band nach zwei Klassewerken (vor allem dem saustarken Vorgänger „Do Watcha Do„) der vorgegebenen Pace und der damit verbundenen immensen Erwartungshaltung nicht standhalten könnte. Erst recht nicht, als ich vor kurzem die Bewertung des geschätzten Schreibkollegen Steve Braun zur vorab ausgegebenen 5-Song-EP mit Neugier und Freude zugleich vernommen hatte.

Mittlerweile liegt mir der komplette Silberling mit insgesamt zwölf Tracks vor, der nicht nur den anspruchsvollen Status Quo wahrt, sondern sogar die Messlatte wieder in beeindruckender Art noch ein wenig höher schraubt, so dass ich mir guten Herzens erlaube, dem Quartett, bestehend aus Sänger Thane Shearon, Gitarrist Kurt Menck, Bassist Abe White und Drummer Matt Green, bereits zum zweiten Mal ein blendendes Arbeitszeugnis auszustellen.

Der Rock-Vierer aus Nashville, Tennessee, setzt erneut auf Konstanz, was Songwriting (die meisten Lieder stammen wieder aus der Feder des Duos Shearon und Menck, aber auch Green und White bringen sich jeweils einmal ein), Produktion (wieder zusammen mit Michael St. Leon) und sparsamem Musikereinsatz (mit Bekka Bramlett und Chris Carmichael nur zwei Gäste an Bord) betrifft.

Das grandios eröffnende Trio („Livin‘ Hard“, „Where The Music Takes Me“, und der potentielle neue Biker-Hit „No Sleep Still Sturgis“ (herrlich die Thin Lizzy-Gedächtnis-Twin-Passage) gleicht 1. 1 der EP und bekommt mit dem knackigen, in Bad Company-Manier lasziv rockenden „Leave Your Leather On“ ein weiteres Highlight hinzugefügt. Der vielleicht etwas andere Musikstoff für die einschlägige Tabledance Bar um die Ecke…

Der Titelsong „Grindstone“ malmt, seinem Titel gerecht, mit einem wunderbar an AC/DC reminiszierenden E-Führungs-Riff alles nieder, was in die musikalische Quere kommt. Nach diesem insgesamt ziemlich heftigen Auftakt, bescheren uns Shearon, Menck & Co. mit „The Long White Line“ (übrigens nicht Christoph Daum gewidmet) eine erste atmosphärische Ruhepause, die aber wieder mit exzellenter E-Gitarrenarbeit, inklusiver Double Leads-Elemente, durchzogen ist. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das später folgende „Last Man Alive“.

„New Horizon“ lässt erneut Bad Company-Wolken am Firmament aufziehen, dem ein ZZ Top durchtränkter Texas Blues-Rocker in Form von „Hands On The Wheel“ auf dem Fuße folgt. Bei „Take Up The Serpents“ brodelt es southern-rockig in bester Skynyrd’scher „Gimme Back My Bullets“-Manier, klasse hier der verspielte E-Gitarren-Ausklang.
Kommen wir zu meinem persönlichen Highlight. Als Liebhaber von weiblichen Background- und Harmoniegesängen, gibt es mit einer meiner absoluten Lieblingssängerinnen in Nashville-Gefilden, Bekka Bramlett, eine eine furiose Gastbeteiligung. Beim kleinen, dreckigen, von Twin-Gitarren ummantelten Rocker „Give It Time“ rotzt die vielgebuchte Röhre in ihrer unnachahmlichen Art dem ebenfalls groß aufsingenden Thane Shearon immer wieder unwiderstehlich entgegen. Gesangskunst beider auf Weltklasse-Niveau! Herrlich!

Dem abschließenden hymnischen „Free Man“ wurden bereits durch Steve Braun die passenden Worte gewidmet. Die erwähnte, von Chris Carmichael (wirklich sehr schön und harmonisch, ohne jeden Anflug von Kitsch) im Studio arrangierte String-Passage bietet sich nahezu an, live durch ein southern-typisches Gitarrenfinale als absolutes i-Tüpfelchen ersetzt zu werden. Toller Abschluss. Der Gesamtsound des Albums ist übrigens selbst bei erhöhter Lautstärke recht transparent gelungen. Cold Truth lassen auch mit ihrem dritten Werk „Grindstone“ nichts unversucht, dem Spirit vieler klassischer Rock-Bands, die unser Leben seit den siebziger Jahren nachhaltig begleitet haben, mit vielen eigenen Ideen, neuen Zeitgeist einzuhauchen. Und das ist wieder mal blendend gelungen!

Kommen wir nun zu den Ungerechtigkeiten dieser Erde. Die nackte Wahrheit (freie Übersetzung) ist leider, dass dieses Quartett aus Nashville mit solcher Musik in der zuvor erwähnten Zeit, aller Wahrscheinlichkeit nach, zur gutbezahlten Elite der Szene gezählt hätte, heute leider aber immer noch, händeringend nach einem Plattenvertrag, Klinken putzen muss. Wo sind hier die mutigen Entscheider der größeren Labels in Music City, die auch mal für einen kurzen Moment das Country-Auge zudrücken können? Aber wie dem auch sei. erneut absolute Zulegeempfehlung!

Eigenproduktion (2014)
Stil:  Southern Rock / Hard Rock

01. Livin‘ Hard
02. Where The Music Takes Me
03. No Sleep ‚Til Sturgis
04. Leave Your Leatrher On
05. Grindstone
06. The Long White Line
07. New Horizon
08. Hands On The Wheel
09. Last Man Alive
10. Take Up Serpents
11. Give It Time
12. Free Man

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