The Marcus King Band – Soul Insight – CD-Review

cover The Marcus King Band - Soul Insight 300

Review: Stephan Skolarski

Das anhaltende Sammlerinteresse nach zusätzlichen Vinyleditionen bisheriger CD-Releases motiviert manche Band zur Wiederveröffentlichung (fast) vergriffener Longplayer. Diese erfreuliche Entwicklung erreichte auch den amerikanischen Singer/Songwriter und Gitarristen Marcus King, dessen Debut-Album nun als schwarze Doppel-LP wieder erhältlich ist.

Der damals erst 19-jährige Gitarren-Virtuose aus Greenville, South-Carolina, hatte im Oktober 2015 mit „Soul Insight“ einen grandiosen Einstand. Ein Werk, das stilübergreifend Southern Rock, Blues, Psychodelic-Jam-Improvisationen, Soul, Funk, Jazz und Country-Ansätze einfühlsam und explosiv verbindet. Die junge Formation war zuvor mit Marcus King (Lead Vocals, Slide Resonator Guitar), Jack Ryan (Drums), Anthony House (Bass) und Alex Abercrombie (Organ und Keys) Tournee Opener für Johnny Winter, die Foo Fighters und Gov’t Mule, deren Mastermind, Warren Haynes, die Band auf seinem Label zuerst unter Vertrag nahm.

Die sämtlich von Marcus King komponierten Songs reichen in ihren Dimensionen dementsprechend von Vorbild-Einflüssen der Allman Brothers („Boone“, „Keep Moving“) und Stevie Ray Vaughan („No Decency“), Gary Clark jr. („Dyin“) bis zu Warren Haynes himself („Always“); dabei werden zu den stets atemberaubenden Guitar-Passagen und Kings Südstaaten-akzentuierten Lead-Vocals starke Solo-Einlagen (Orgel, Saxophon und Bläser) arrangiert. Zwei Instrumentalstücke (u. a. „Booty Stank“) bilden den Southern-Psychodelic-Jam-Rock Anteil der Scheibe, die in modifizierten Soul/Jazz-Varianten Santana-Improvisationen einbezieht.

Der Versuch, das geniale Guitar-Phänomen Marcus King, auch als Performer und Produzenten, zu beschreiben, führt unweigerlich in eine familienbezogene, tiefgründig verwurzelte Musiktradition, die über frühkindliche Förderung und väterliche Vorbildfunktion wesentliche Grundsteine legte. So ist die Virtuosität des jungen Marcus King auf „Soul Insight“ bereits stilbildend und „electrifying“ und im Akustik-Country-Rock „I Won’t Be Here“ zum Abschluss des Albums nochmals „traditional classic“.

Im Rückblick auf einen inzwischen kometenhaften Aufstieg hat Marcus King mit seinem Debüt „Soul Insight“ alle damaligen Vorhersagen (siehe auch unser Review aus dem Jahr 2018) ausgiebig bestätigt. So auch die von Warren Haynes, seinem Mentor (2015) im Rolling Stone Magazin: „There’s this young guitar player singer from South-Carolina named Marcus King, who is starting to stir up quite a bit of dust, and I think the potential for his music is endless…..“. Eine Aussage, die der talentierte Guitarrissimo mit sprichwörtlicher Begeisterung erfüllt.

Fantasy Records (2021)
Stil: Southern Rock, Blues, Soul, Country

Tracks:
01. Always
02. Boone
03. Fraudulant Waffle
04. Honey
05. Dave’s Apparition Interlude
06. Everything
07. No Deceny
08. Dyin’
09. Booty Stank
10. Opie
11. Keep Moving
12. I Won’t Be Here

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

The Georgia Shine Band – Evil – CD-Review

evil 300

Review: Michael Segets

Nach dem selbstbetitelten Debütalbum, dessen Review The Georgia Shine Band mit Größen wie Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, The Allman Brothers und Doc Holliday in eine Linie setzte, steht seit März der dritte Longplayer der Truppe in den Regalen. Seinerzeit als neuer Stern am Southern Rock-Himmel gepriesen, hält die Band mit „Evil“ weiterhin die Südstaatenflagge hoch. Da verwundert es nicht, dass „Pickets Mill“ eine kurze, blutige Schlacht des Sezessionskrieges besingt, die als Sieg der Konföderierten gewertet wird.

Der Riss, der sich immer noch und derzeit wieder deutlich durch die amerikanische Gesellschaft zieht, soll hier nicht weiter thematisiert werden, auch wenn mir diesbezüglich die Aussage von „Second Amendment“ äußerst fragwürdig erscheint. Musikalisch gibt es an dem Song ebenso wie an dem erwähnten Opener allerdings nichts auszusetzen: guitar driven, straight forward gespielter Southern Rock, der dem Vergleich mit den Genregrößen standhält.

Harte Riffs und treibenden Rhythmus liefert The Georgia Shine Band auch bei „Right Where I Belong“ sowie „Six Feet Under“. Ebenso aggressiv wirkt „Down And Dirty“ mit verzerrten Background-Gesang, obwohl die Bandmitglieder Doug Southern, Blake Jones und Merle Sensenig das Tempo hier zurückfahren. Mit dem Titelstück „Evil“ ist eine Southern Rock-Ballade auf dem Longplayer vertreten, die mit einem kraftvollen Gitarrensolo aufwartet. Auch bei den anderen Songs passen sich die Soli gelungen ein und sind an keiner Stelle ausufernd. Die Spielzeit der einzelnen Stücke knackt somit selten die vier Minutenmarke.

Dass die Band zudem die leiseren Töne beherrscht, zeigt sie mit „In The End“, das vom Songwriting an The Bottle Rockets erinnert, und dem Schlusstrack „Look At Me Now“. Bei „Happiness“ kommt ein Klavier zum Einsatz, sodass die Balladen durchaus abwechslungsreich sind. Als textlich sympathisch, aber gesanglich etwas schwülstig, kann „My Grandson“ bezeichnet werden. Doug Southerns Gesang gibt dem eingängigen „Where Does It Go From Here“ hingegen die nötigen Ecken und Kanten mit. Die Midtempo-Nummer ergänzt prima die rockigen Kracher und die Balladen.

Mit „Evil“ bietet The Georgia Shine Band erneut eine Scheibe, die das musikalische Herz für die Südstaaten aufleben lässt. Von starken Rockern über kontrastreiche Midtempo-Tracks bis hin zu sanften Balladen bildet das Album das Southern Rock-Spektrum ab. Dabei lässt Dough Southern mit seinen Mitstreitern keine Fragen offen – außer bei einzelnen Texten.

Dog South Records (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Pickets Mill
02.Where Does It Go From Here
03. Happiness
04. Second Amendment
05. Evil
06. My Grandson
07. Right Where I Belong
08. In The End
09. Six Feet Under
10. Down And Dirty
11. Look At Me Now

The Georgia Shine Band
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The Steel Woods – All Of Your Stones – CD-Review

cover The Steel Woods - All Of Your Stones 300

Review: Stephan Skolarski

Seit ihrem Debut-Album „Straw In The Wind“ (2017) ist die aus Nashville, Tennessee, stammende Formation The Steel Woods eine angesagte Hoffnung des Southern Rock. Vielfach zurecht gefeiert (siehe SoS-Konzert-Review 2019: Link), hat die Band nach „Old News“ (2019) ihren seit Januar angekündigten Longplayer „All Of Your Stones“ in bemerkenswerter Eigenproduktion vorgelegt.

Durch den plötzlichen Tod von Mitbegründer Jason „Rowdy“ Cope steht das neue Album jedoch wesentlich unter dem „State of Shock“. Der 42-jährige Songwriter und Gitarrist verstarb am 16.01.2021 wenige Tage vor dem ursprünglichen Release-Date von „All Of Your Stones“. Die Entscheidung, die LP aus Respekt vor Copes musikalischer Schaffenskraft nun zu veröffentlichen, wurde von der Band zusammen mit seiner Familie getroffen – in hoher Anerkennung seiner Visionen und Verantwortung für The Steel Woods.

Der von Jason Cope im Co-Writing verfasste Opener „Out Of The Blue“ ist insoweit ein starkes Southern Rock-Beispiel, ein Stück, das sein sprichwörtliches Durchhaltevermögen in Lyrics und Guitar-Work aufwühlend mitteilt. Diese intensive Stilrichtung aus Südstaaten Rock und Elementen des Outlaw-Country, Blues und Gospel kennzeichnet die vielseitige Independent-Kategorie der Band bereits seit ihren Anfängen. Die bluesige, gesangsbetonte Ballade „You Never Came Home“ charakterisiert das variantenreiche Songwriting und die Guitar-Power der Südstaatler, die mit dem eher ruhigeren Track „Run On Ahead“ eine starke Gesangs- und Akustik-Nummer abliefern.

Zu den Höhepunkten des Albums gehören die ergreifende Hymne „Ole Pale“, die fast wie eine „vorhersehbare“ Erinnerung an einen alten Kumpel schon im Vorjahr geschrieben wurde, sowie die Cover-Version des guten alten Lynyrd Skynyrd-Stücks „I Need You“, in besonders souliger Interpretation unter Beteiligung von Country-Sängerin Ashley Monroe. Zum Abschluss des Longplayers wird mit dem Titel-Song „All Of Your Stones“ nochmals die Wertschätzung der Band gegenüber Jason „Rowdy“ Cope mehr als deutlich – ein „unentirely tribute“ an den Band-prägenden Musiker. Auch Country-Rebell Jamey Johnson (Co-Autor des Titelsongs) – in dessen Band Cope fast 10 Jahre maßgeblich wirkte – nennt „Rowdy“ seinen Bruder: „As a guitarrist he was a force“.

„All Of Your Stones“ als optimistisches und nachdenkliches Werk in schwieriger Zeit auf den Weg zu bringen, erscheint in der tragischen Situation der Steel Woods auch als positives Sinnbild für die aufrechte musikalische Inspiration. Es bleibt zu hoffen, dass der herbe Verlust von Jason Cope eine emotionale Motivation bewirkt, um mit ihrem smarten Southern-Style ein neues Kapitel aufzuschlagen. „Keep the fire burning“!

Woods Music /Thirty Tigers (2021)
Stil: Southern-Rock, Country

Tracks:
01. Intro
02. Out Of The Blue
03. You’re Cold
04. You Never Came Home
05. Ole Pal
06. I Need You (feat. Ashley Monroe)
07. Run On Ahead
08. Baby Slow Down
09. Aiming For You
10. All Of Your Stones

The Steel Woods
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Oktober Promotion

Stoney LaRue – Double Live 25 – Digital CD-Review

Stoney 300

Stoney LaRue zählt ohne Zweifel zu einer der prägenden Größen der Red Dirt-Szene, deren Glanzzeit, als die vielversprechenden Acts und Newcomer im gefühlten Monatstakt zu Tage traten, mittlerweile allerdings deutlich verblasst ist.

Der einstige Bewohner des berühmten Yellow House in Stillwater, Oklahoma, das damals von vielen Musikern wie u. a. auch Mike McClure und Brandon Jenkins zum Jammen genutzt wurde, ist damit neben den Kollegen wie Randy Rogers, Wade Bowen, Jason Boland, Cody Canada, der Eli Young Band und vielleicht noch Casey Donahew einer der letzten verbliebenen Etablierten des Genres, die uns konstant weiter mit guter Musik versorgen.

Nach seinem überaus starken letzten Studioalbum „Onward“ in 2019 und der, durch die Corona-Pandemie abrupt unterbrochenen Tour 2020, entschloss er sich zusammen mit seinem Gitarristen Jesse Duke und Tontechniker Roy Shelton, das bei vielen Konzerten aufgenommene Tonmaterial mal zu ’sichten‘ und einer Bewertung für ein weiteres Live-Album zu unterziehen, zumal der letzte Output dieser Art bei ihm ja auch schon eine Weile her ist.

Um es vorweg zu nehmen, das Ganze hat sich absolut gelohnt! Herausgekommen ist ein überragendes, abwechslungsreiches Livewerk mit gut 2 1/4 Stunden Spielzeit, das vom lässig-southern groovenden Opener „Hill Country Boogaloo“ bis zum furiosen, über 12 Minuten dauernden Rausschmeißer „Oklahoma Breakdown“ mit angehängtem Freddie King-„Going Down“-Blues Rock-Intermezzo“, auf ganzer Linie überzeugt.

Dass LaRue eine klasse Stimme besitzt und einen guten Akustikgitarrenspieler abgibt, ist kein Geheimnis, aber gerade sein packendes Zusammenwirken mit Leadgitarrist Jesse Duke an den E-Gitarren, macht diesen Tonträger besonders reizvoll für Southern Rock-Anhänger (man höre sich da allein die Twin-Parts bei „Down In Flames“ an). Aber auch Freunde des Jam-Rocks werden von Stücken (neben dem bereits genannten „Oklahoma Breakdown“) wie „Bluebird Wine“ (über acht Minuten) oder dem furiosen „One Chord Song“ (über 15 Minuten) begeistert sein.

Für viel satten Drive als perfekte Ergänzung sorgt auch immer wieder die Rhythmusfraktion mit dem Bassisten namens Kiko (plus Harmoniegesang) sowie den beiden pulsierenden Drummern Brian Furgeson (Tracks 2, 6 ,12 ,14 ,15) und Adrian Myers (Rest).

Für ein Maximum an Abwechslung garantieren dann der geliebte, etat-mäßige Red Dirt-Stoff, Westcoast-angelehnte Sachen in Eagles-Manier (u. a. „Blending Colors“, „Dresses“, „Empty Glass“) und auch viele spacige Instrumental-Intros und Bridges (u. a. bei „Sharescropper“, „Sirens“, „One Chord Song“).

“Double Live 25” wird es zunächst nur in digitaler Form geben, physische Varianten sind dann für später in diesem Jahr geplant (Zeitpunkt noch offen). Das hier seit dem 28. April publizierte grandiose Material von Stoney LaRue und seiner Band ist wie geschaffen für unsere Klientel. Es macht sowohl wehmütig, aber auch ein wenig Hoffnung und Vorfreude, endlich irgendwann wieder tolle Live-Musik in den vielen, ans Herz gewachsenen Locations vor Ort zu erleben. Absolute Kaufempfehlung! Über zwei Stunden authentisch-rauer Genuss ohne Overdubs.

One Chord Song, LLC. (2021)
Stil: Red Dirt & More

01. Hill Country Boogaloo
02. Bluebird Wine
03. Golden Shackles
04. Fallin‘ And Flyin‘
05. Us Time
06. Blending Colors
07. Velvet
08. Sharescropper
09. Dresses
10. Steel Heart, Crystal Eyes
11. Travellin Kind
12. Idabel Blues
13. Too Soon
14. Sirens
16. Wiregrass
17. Easy She Comes
16. Forever Young
18. You Oughta Know Me By Now
19. Empty Glass
20. Message In a Bottle
21. Down In Flames
22. One Chord Song
23. Feet Don’t Touch The Ground
24. Look At Me Fly
25. Oklahoma Breakdown

Stoney LaRue
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RPR Media

Buckskin Whiskey – Roll On – Digital EP-Review

Buckskin-EP-FINAL-ART

Mit Buckskin Whiskey haben wir es mit noch einem recht jungen Southern-Act zu tun. Gegründet 2019 in South of central Pennsylvania, nimmt das Sextett, bestehend aus Dan Almoney – drums, Zach Beers – guitars / vocals, Alex Cassel – keys / vocals, Koedee Gordon – guitars / steel guitar, Josh Saussaman – vocals / acoustic guitar und Bryan Sentz – bass, vocals, mit einer 5-Song-EP namens „Roll On“ jetzt erstmals Fahrt auf.

Den Bandname brachte Sänger Josh Saussaman auf Nachfrage so ins Spiel: „Buckskin Whiskey is a personal tribute to my friend that passed in ‘17. Before he passed we shot and skinned a buck together that was my favorite memory of him and we liked to drink whiskey… that’s how we got the name.“

Buckskin Whiskey StudioIm Anforderungsprofil des Sechsers scheint neben dem perfekten Beherrschen des klassischen großen Southern Rock-Einmaleins, auch ein üppiger Bartwuchs im seitlichen und unteren Bereich des Wangenknochens gestanden zu haben, sämtliche Herren können hier mit einer dementsprechend typischen Behaarung aufwarten.

Das von Logan Summey und der Band zusammen knackig und klar produzierte Werk bietet den geliebten E-Gitarren-orientierten Southern Rock, den man von (früheren) Stargruppen des Genres kennt und was ihnen schon jetzt Komplimente wie „like a modern Lynyrd Skynyrd“ oder „right there with Hogjaw and Whiskey Myers“ einbrachte. Ich denke, nicht schlecht für den Anfang.

Vielleicht nicht ganz ein Alleinstellungsmerkmal, aber doch eine gewisse Besonderheit, verleiht dem Stil die Stimme von Sänger Josh Saussaman, die eher im Outlaw Country verwurzelt erscheint und im Ergebnis eine sehr authentische Symbiose ergibt. Auch die wohl-dosierten Steel-Tupfer von Koedee Gordon und das variable Tastenwirken (von raunzenden Orgel- bis klimprigen Piano-Einlagen) von Alex Cassel haben ihren Reiz.

Ansonsten knarzen, klirren, fiepen, heulen und sliden die E-Gitarren bis zum Abwinken, da ist jeder Southern Rock-Freund, das kann ich jetzt schon versprechen, im absoluten Freudentaumel.

Leider nur beim starken Opener „Sleeping Around“ (dezentes „It’s All Over Now“-Flair) kommen durch die Damen Laura Mae, Corina Aucker und Amber Adams, auch klasse weibliche Background vocals zum Einsatz. Diese Zusatztrumpfkarte darf man in Zukunft auch gerne öfter ausspielen.

Neben dem, mit schönen Tempowechseln bestückten Southern-Schunkler „Simple Kinda Life“ und dem lebhaften Boogie „Outta Tennessee“ (da verschmelzen Songmuster von alt-bekannten Südstaaten-Tracks wie „Southbound“, „T For Texas“, „Swamp Music“, „Penthouse Pauper“, „Call Me The Breeze“, etc.), hat auch eine gewisse epische Note (wie zuletzt toll auch von den Steel Woods praktiziert) ihren Raum.

Zu erkennen beim inbrünstigen „Hell Hounds Of El Dorado“ (mit passend zum Titel eingeflochtenem Hundegejaule) oder dem, an Hatchets „The Journey“ angelehnten und überragendem Titelstück „Roll On“ am Ende. Jungs, bitte mehr davon.

Mit dem Debütwerk „Roll On“ von Buckskin Whiskey kommt was echt Spannendes ins Rollen. Eine typische Band, die alte Southern-Liedgut-Elemente mit neuen eigenen Ideen versetzt und mit sehr viel spürbarer Spielfreude verknüpft. Musik, die in unseren etablierten europäischen und deutschen Locations, falls mal wieder irgendwann ein normales Musikleben möglich ist, sicherlich sehr willkommen geheißen würde.

Übrigens, meiner Meinung nach, ähnlich wie Acts der Marke Hogjaw, Robert Jon & The Wreck & Co., auch prächtig für das Portfolio der Tour-Spezialisten von Teenage Head Music prädestiniert. CEO Manny Montana, bitte übernehmen!

Eigenproduktion (2021)
Stil: Southern Rock

01. Sleeping Around
02. Hell Hounds Of El Dorado
03. Simple Kinda Life
04. Outta Tennessee
05. Roll On

Buckskin Whiskey
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Tennessee Champagne – Same – CD-Review

Tennessee Champagne 300

Review: Michael Segets

Das neue Label Juke Joint 500 spezialisiert sich auf hörenswerte Musik, die in den letzten Dekaden nie auf Vinyl herausgekommen ist. Die wieder anwachsende Zahl von Liebhabern der nicht-digitalen Präsentationsform wird ein solches Vorhaben begeistert aufnehmen. Sicher produziert das Label einige – bald heiß begehrte – Sammlerstücke, da die LPs farbig, handnummeriert und auf fünfhundert Pressungen limitiert sind. „… And Other Crimes“ der Go To Blazes aus dem Jahr 1995 setzte den Startschuss für das Programm.

Zeitgleich mit dem Sampler „Mo‘ Peaches“ folgt nun die selbstbetitelte Scheibe von Tennessee Champagne. Direkt zu Beginn von Juke Joint 500 weicht Gründer Reinhard Holstein von seinem Konzept ab und veröffentlicht eine CD, die gerade erst in den USA erschienen ist, auf Vinyl und digital. Die Qualität der Band aus Elizabethon, Tennessee, ließ ihm quasi keine andere Wahl. Und tatsächlich legt das Quintett ein feines Southern Rock-Album vor, das die Wegbereiter dieses Genres nicht verleugnen und mit den aktuellen Größen wie Blackberry Smoke mithalten kann.

Temporeich steigt das Album mit „Wicked“ und dem folgenden „Thunder In The Mountains“ ein. Während der Opener in der Tradition von Lynyrd Skynyrd steht, geht der zweite Track in Richtung Blues Rock. Schon am Anfang der Scheibe stechen die kräftigen Gitarren hervor, die den Sound der Band prägen. Vor allem die eingestreuten Soli haben die richtige Würze, sind dabei nicht zu lang und bleiben stets melodiös.

Der Frontmann Chris Kelley singt hier mit angerauter Stimme, die bei der Ballade „Can’t Get Over You“ sanftere Facetten zeigt. So oder so kann er viel Soul und Gefühl in seinen Gesang legen. Die Balladen sind von einer Orgel unterlegt, welche vor allem bei „Stompin‘ Grounds“ sehr stimmungsvoll in den Song einleitet. Zusammen mit dem etwas dunkleren „Selfish Ways“ ist der Track – nicht zuletzt durch den unaufdringlichen Slide – mein Favorit unter den langsamen Stücken. Diese sind aber durchweg gelungen. So kommt mir am Anfang von „Singing To My Broken Heart“ Neil Young aus seiner “Harvest”-Zeit in den Sinn, was ja nicht der schlechteste Referenzpunkt ist.

The Allman Brothers Band scheint bei „Mountains In My Bones“ durch, das nochmal das Tempo anzieht. Mit dem hymnischen „Silver Tongue” setzen sich Tennessee Champagne – neben Chris Kelley gehören Dan Britt, Tim Hall, Jonathan Grindstaff und Bill Cowden zu der Truppe – selbst ein Denkmal. Über sechs Minuten zelebrieren die Jungs den Southern Rock mit allem was dazu gehört. Zum Southern mischen sich gelegentlich auch Blues-Elemente, beispielsweise beim swampigen Midtempo-Song „Corn From A Jar“, auf dem die Stimme des Leadsängers streckenweise verzerrt wird, oder beim rockigen Abschluss „Shake It“.

Am Anfang des Debüts von Tennessee Champagne, der A-Seite der LP, sind kräftige, temporeiche Nummern in der Überzahl, die zweite Hälfte wird von eindringlichen Balladen geprägt. Gemeinsam ist den Songs, dass sie die Erwartungen, die an Southern Rock gestellt werden, voll erfüllen. Das Quintett legt ein ausgewogenes Album vor, mit dem sie sich in dieser Musikrichtung einen Platz unter den Newcomern des Jahres, auch wenn dieses noch jung ist, sichern.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Wicked
02. Thunder In The Mountains
03. Can’t Get Over You
04. Mountains In My Bones
05. Silver Tongue
06. Stompin Grounds
07. Selfish Ways
08. Corn From A Jar
09. Singing To My Broken Heart
10. Shake It

Tennessee Champagne
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Juke Joint 500

Various Artists – Mo’ Peaches Volume 1 – Southern Rock That Time Forgot – CD-Review

Mo Peaches 1 300

Review: Michael Segets

Reinhard Holstein erweist sich einmal mehr als Schatzsucher des Southern Rock, indem er sich mit seinem neuen Label und Mailorder Juke Joint 500 auf den Weg macht, vergessene Southern-Rock-Bands auszugraben und auf Vinyl zu veröffentlichen. Früher federführend bei Glitterhouse Records und Stag-O-Lee Records stieg Holstein letztes Jahr bei Whiskey Preachin‘ Records ein. Dem Label verdanken wir bereits eine Compilation mit unverbrauchten Acts sowie die Neuentdeckung von The Rhyolite Sound und Ole Whiskey Revival. Nun startet er ein weiteres ambitioniertes Projekt, das die Fans handgemachter Rockmusik im Auge behalten sollten.

Anfang der 1970er Jahre gab das Capricon Label Peaches-Sampler heraus, auf denen Southern Rock zelebriert wurde. Als Reminiszenz an diese glorreichen Zeiten des Genres betitelt Holstein seine Compilation als „Mo‘ Peaches“. Auf ihr stellen sich zehn amerikanische Bands beziehungsweise Musiker vor, die über eine lokale Bekanntheit nicht hinausgekommen sind. Ihre größtenteils in Eigenproduktion veröffentlichten CDs beabsichtigt Juke Joint 500 auf Vinyl und gegebenenfalls als digitale Reissue herauszugeben. Als handnummerierte, auf 500 (multicolored) Exemplare limitierte LPs richtet sich die Label-Strategie auf eingefleischte Sammler. Die musikalische Qualität, die sich auf den ersten Hörproben zeigt, macht aber deutlich, dass die Bands ein großes Publikum verdient hätten.

Der Opener „Due South“ von John Mohead ist zugleich der älteste Track. Er stammt aus dem Jahr 1995. Das swampige, von Jimi Hendrix komponierte „Red House“ der Chase Walker Band wurde 2016 veröffentlicht. Die anderen Stücke entstanden in den zwanzig dazwischenliegenden Jahren. Daher erscheint der Untertitel der Zusammenstellung „Southern Rock That Time Forgot” durchaus passend, zumal alle Songs die Erwartungen einlösen, die an solche Genrebeiträge gestellt werden. Dabei nehmen sie mal indirekt Bezug zu den Klassikern, wie Bishop Black („Long Road To Bama“) bei Lynyrd Skynyrd, oder direkt, wenn Eat A Peach „Ain’t Wastin‘ Time No More“ von der Allman Brothers Band covert.

Alligator Stew steuert das treibende „Louisiana Man“ mit leichten Country-Anleihen bei. „Black Chrome Horse“ von den Railbenders rockt in einem mittleren Tempo. Die beiden Songs überzeugen in ihrer ehrlichen und gradlinigen Art. In dieser steht Alligator Jacksons „Enjoy The Ride“ in nichts nach. Die elektrischen Gitarren erzeugen dort sogar noch einen volleren Sound. Ein Best-Of-Album von Alligator Jackson ist bereits bei Juke Joint 500 für Februar angekündigt, das nun gespannt erwartet werden kann.

Mit Ausnahme des bereits erwähnten Beitrags der Chase Walker Band legen die Songs ein ordentliches Tempo vor. Hervorzuheben ist allerdings das explosive „Slow Down Irene“. Bei dem Titel von Judge Parker geben Klavier, Mundharmonika und natürlich Gitarren mächtig Gas. Noch einen Deut aggressiver rockt „Little Miss Whiskey“, wobei die Nummer immer melodiös bleibt. Ein kurzes, auf den Punkt gespieltes Gitarrensolo setzt dem Song der Morrison Brothers Band die Krone auf. Zusammen mit dem Track von The Remus Tucker Band zählt er zu meinen Favoriten auf dem Sampler. Mit dem akzentuierte Rhythmus gepaart mit einem kraftvollen Backgroundchor und Gitarren der Extraklasse, die am Ende „Swing Low, Sweet Chariot“ interpretieren, bildet „Bury Me On The Banks Of Mississippi“ den fulminanten Abschluss des Albums.

So bleibt am Ende fast etwas Wehmut, dass Holstein nicht noch mehr Southern-Rock-Nuggets aufgespürt und auf die Scheibe gepackt hat. Weiterhin bleibt unverständlich, warum die auf ihr vertretenen Bands bislang kaum Erfolg hatten – aber das Musikbusiness ist halt schwer zu durchschauen.

Fans des Southern Rock kommen bei der Compilation voll auf ihre Kosten. Da gute Musik zeitlos ist, macht es keinen Unterschied, dass manche Tracks älter als zwanzig Jahre sind. Reinhard Holstein hat auf seiner akribischen Suche wieder Genre-Perlen zutage gefördert, die auf den Plattenteller gehören.

Diese bietet er über seinen Mailordershop Juke Joint 500 zu äußerst fairen Preisen an, auf dem man auch die Veröffentlichungen des Whiskey Preachin‘ Labels erwerben kann.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Due South – John Mohead
02. Louisiana Man – Alligator Stew
03. Slow Down Irene – Judge Parker
04. Long Road To Bama – Bishop Black
05. Little Miss Whiskey – Morrison Brothers Band
06. Red House – Chase Walker Band
07. Black Crome Horse – Railbenders
08. Enjoy The Ride – Alligator Jackson
09. Ain’t Wastin’ Time No More – Eat A Peach
10. Bury Me On The Banks Of Mississippi – The Remus Tucker Band

Juke Joint 500

Ole Whiskey Revival – Same – CD-Review

OWR_300

Review: Michael Segets

Zum Ende des Jahres bietet Ole Whiskey Revival noch einen Southern-Rock-Leckerbissen. Die Band aus Shreveport, Louisiana, debütiert mit ihrem selbstbetitelten Album bei Whiskey Preachin‘ Records. Die Jungs bringen alles mit, was man von einer Southern-Truppe erwartet: gute, erdig und gitarrenorientiert umgesetzte Songs sowie ausufernde Gesichtsbehaarung. Inhaltlich bleiben die Stücke den genretypischen Themen verhaftet. Oft drehen sie sich um Frauen und Whiskey oder um Whiskey und Frauen. Insgesamt eine Scheibe, die richtig Spaß macht.

Mit dem kraftvollen „The Legend Of Jack Savannah“ steigt Ole Whiskey Revival in bester Southern-Manier ein. Der „Crescent City Blues“ entwickelt ordentlichen Drive und der Abschlusstrack „Ramblin‘“ weist ebenfalls einen rockigen Einschlag auf. Das Stück findet sich bereits auf dem Whiskey Preachin‘ Sampler – Volume 1“.

Mit ausdrucksstarker Gitarre bewegt sich „When the Smoke Clears“ zwischen Southern und Outlaw Country. Auch die Balladen bedienen sich in beiden Genres. Wimmernder Slide untermalt „Go Jump In A Creek“ und „Moonshine Melody“. Beim letztgenannten Beitrag übernimmt eine Dame als Duett-Partnerin zeitweise die Lead Vocals. Die Sängerin wird in den Credits nicht genannt, sie verhilft dem Song aber zu einem nostalgischen Siebziger-Jahre-Flair.
Am Ende gibt der Track überraschenderweise richtig Gas. Er belegt, dass Ole Whiskey Revival sich in den Traditionen auskennt und diese kreativ auslebt.

Das herrlich leiernd gesungene „Hairy Legged Hippie Chick“ spielt mit Country-Versatzstücken. Die augenzwinkernde Charakterisierung einer geliebten Frau zeigt, dass Ole Whiskey Revival einen gewissen Sinn für Humor hat, der nicht zuletzt auch auf dem Cover mitschwingt.

Das radiotaugliche „Whiskey Makes It Spin“ wurde als Video vorab ausgekoppelt. Auf die harmonische Midtempo-Nummer zu setzen, ist wahrscheinlich klug. Allerdings sind einige andere Songs letztlich interessanter. So hat „Sweet Evangeline“ ebenfalls einen eingängigen Refrain, die Gitarrenarbeit stellt dort allerdings einen zusätzlichen Pluspunkt dar. Wie dem auch sei, zwischen den Polen Blackberry Smoke und Chris Stapleton bringen Ole Whiskey Revival frischen Wind in die Szene.

Alex Troegel (Gitarre, Gesang) tat sich 2014 mit Trent Daugherty (Gitarre, Gesang), John Garcia (Gitarre, Gesang), and Stevey Hensley (Bass), die zuvor bei Magnolia Mae spielten, zusammen. Als Schlagzeuger trat Ryan Alexander der Band bei und Ole Whiskey Revival wurde geboren. Für das erste Album holten sie sich noch Kyle Roop hinzu, der bei einigen Titeln eine Steel Guitar beisteuert.

Nach „Mojave Gold“ von The Rhyolite Sound erweitert Whiskey Preachin‘ Records seinen Label-Katalog mit Ole Whiskey Revival um einen zweiten Hochkaräter. Ole Whiskey Revival legt mit den neun Eigenkompositionen ein rundum gelungenes Debüt vor. Die abwechslungsreichen Tracks zeigen die Band aus Louisiana als Kenner der Ingredienzien, welche Southern Rock und Outlaw Country ausmachen. Diese würzen sie gelegentlich noch mit einer Prise Humor, sodass sie ernsthaft zu den hervorragenden Neuentdeckungen dieses Jahres zählen.

Whiskey Preachin’ Records/Indigo (2020)
Stil: Southern Rock, Outlaw Country

Tracks:
01. The Legend Of Jack Savannah
02. Hairy Legged Hippie Chick
03. Crescent City Blues
04. Moonshine Melody
05. When The Smoke Clears
06. Sweet Evangeline
07. Whiskey Makes It Spin
08. Go Jump In A Creek
09. Ramblin’

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Whiskey Preachin’ Records

Billy J – Rise Above – CD-Review

BillyJ

Billy J wird bei uns, da bin ich mir relativ sicher, ein absolut unbeschriebenes Blatt sein. Der ursprünglich aus Philadelphia stammende Musiker, hat sein Handlungsspektrum aber mittlerweile in den Süden Floridas und das sich dort anschließende Key West verlegt.

Nun stellt er mit „Rise Above“ seinen Erstling vor, der vom dem uns bekannten New Yorker Dave Fields (dessen aktuelle CD „Force Of Will“ hatten wir ja vor kurzem erst besprochen) live im Studio produziert und teilweise auch musikalisch begleitet wurde (Piano, Slide-Gitarre beim Titelstück „Rise Above“ und Backing vocals).

Mit Charlie Wooten (Royal Southern Brotherhood), Todd Smallie (Derek Trucks Band, JJ Grey & Mofro) sowie Yonrico Scott (Derek Trucks Band) sind weitere gestandene Kollegen mit am Werk beteiligt.

Angepriesen wird Billy J als „rising star in the long tradition of the working man blues-rock Americana artists“. Weiter heißt es: „His combination of guitar wizardry, power vocals and great songwriting will rock the blues rock world“.

Und in der Tat hat der Protagonist bis auf „Cats In The Cradle“ (Harry Chapin) alle Tracks selbst verfasst. Auch seine Gitarrenkünste sind wirklich stark und machen sein Debüt zu einer richtig tollen Southern Rock-Scheibe. Lediglich beim irgendwie nicht zu den Stücken passen wollenden Gesang (aus meiner Sicht), muss ich widersprechen. Hier liegt für mich persönlich dann allerdings leider auch das Manko des Silberlings, da es sich ja um ein fortlaufendes Element handelt.

Nicht auszurechnen, wenn Billy auch noch ein Charakterorgan im Stile der großen Southern Rock-Fronter haben würde, dann wäre es ein neues Klassewerk des Genres geworden. Ich kann allerdings verstehen, dass man bei einer Solokarriere halt auch am Mikro im Rampenlicht stehen möchte. Aber vielleicht ist ja nicht jeder in diesem Bezug so empfindlich wie unser Einer.

Musikalisch kann sich alles wirklich mehr als sehen lassen, Allman Brothers, frühe Molly Hatchet (zu Zeiten ihrer ersten beiden Alben), Skynyrd und alles, was SR-Fans gerne hören (mit viel E-Gitarre, quirligen Soli und gut dosierten Keys) lässt sich als Bezüge aus den Tracks heraushören. Die beiden ruhigeren Lieder „Rise Above“ (schönes countryeskes Frontporch-Flair) und „She“ sind mit einer prägnanten Akustikgitarre verziert. „New Car“ kommt dazu noch als kraftvoller Slow Blues der Marke Aynsley Lister.

Etwas aus dem Rahmen fällt vielleicht noch das leicht Reggae-versetzte stampfige „Push Push“ mit Steel Drum-Einlagen von J. Robert, der ab und zu auch mal die Fiddle einfließen lässt (u. a. bei „Rise Above“).

Ansonsten bietet Billy J viele flotte Stücke mit powernden Southern Rock-Grooves, und, wie gesagt, starker E-Gitarre in Hülle und Fülle. Von daher sollten Southern- und Blues Rock-Liebhaber diesem Newcomer auf jeden Fall mal eine Chance auf’s Gehör gönnen.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. She’s Mine
02. Sweaty Melons
03. Rise Above
04. Line ‚Em Up
05. New Car
06. Cats In The Cradle
07. She
08. Push Push
09. My Baby’s Blue
10. Boomerang

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Dudley Taft – Cosmic Radio – CD-Review

Dud_300

Review: Stephan Skolarski

Seine produktionstechnische Unabhängigkeit hat der US-amerikanische Gitarrist und Sänger Dudley Taft bereits 2013 vorausschauend gefestigt, als er das Tonstudio von Peter Frampton übernahm. Im Muchmore Studio, Cincinnati, Ohio, sind seit dem sechs Alben entstanden, wobei innerhalb eines Jahres nach „Simple Life“ der zweite neue Longplayer „Cosmic Radio“ eingespielt wurde.

Eine fleißige Energieleistung muss man dem 1966 geborenen Taft dabei allemal unterstellen, denn auch die Produktion der aktuellen, selbst verfassten Tracks ist einschließlich Engineering und Mixing wesentlich in Eigenregie erfolgt.

Für die oft als Seattle- oder Grunge Blues beschriebene Stilrichtung steht exemplarisch der Opener und zugleich das Titel-Stück „Cosmic Radio“, ein radiotauglicher Hard-Rock-Song, der durchaus als gutes Beispiel für die beständigen Songwriter-Qualitäten Tafts gewertet werden kann.

Der gelungene Einstiegs-Track wird verfolgt von „Left In The Dust“, das eigentlich wie bei einer treibenden Rhythmus-Nummer mit ausdrucksstarken Riffs üblich, an die erste Stelle einer Set-Liste gehören sollte und durch die „sprudelnde Kraft“ eines Fuzz-Pedals – wie Taft anmerkt – entscheidend beeinflusst wird. Die treibenden Drums und die intensive Gitarren-Arbeit besorgen bei „The Devil“ die ausgesprochene Eleganz eines spielerisch wirkenden Blues-Stücks, dessen Ausdrucksstärke genauso gut zu Aerosmith oder den Black Crowes passen würde.

Mit „Goin‘ Away Baby“ schließt sich ein gradliniger Blues-Klassiker an, der 1950 von Jimmy Rodgers eingespielt wurde – aber nach anderen Quellen vielleicht ursprünglich aus der Feder von Sonny Boy Williamson stammt – und hier von Dudley Taft auch solomäßig exzellent gecovert wird.

Die „etwas“ ruhigere Phase des Albums beginnt mit „One In A Billion“, einer 8-minütigen Slow-Blues-Rock-Nummer inklusive der eindrucksvollen Taft-Guitar-Work, die auch hohe Erwartungen erfüllt und in ihrer Form über „The End Of The Blues“ in den Lyrics nur vordergründig resümiert.

Eine familiäre Co-Produktion von Dudley Taft und Tochter Ashley Charmae, die ihr Debut an den Lead-Vocals als Fan von Etta James einfühlsam meistert, bietet das sanfte Blues-Highlight „Relentless“, und eröffnet damit praktisch die zweite Hälfte des Albums, das neben weiteren stimmungsvollen und langsamen Passagen ebenso Southern-Country-Rock und Texas-Blues mit einbezieht.

Diese starken Elemente kennzeichnen die Tracks „Fly With Me“, „Hey, Hey, Hey“ und das Heavy-Rock-mäßige „All For One“ im schweren Fuzz-Gitarren-Sound, der die heftigen Lyrics zur gesellschaftlichen und politischen Situation in Cincinnati unterstreicht.

Seinen Frust über die Covid-19 Pandemie entlädt Taft danach bei „I’m A Believer“ , um abschließend nahezu versöhnlich – mit seiner Tochter im Background – die Piano-Ballade „I Will Always Love You“ anzustimmen und das Finale des neuen Albums ein wenig in „kosmische Sphären“ überzuleiten.

Mit „Cosmic Radio“ hat Dudley Taft ein anspruchsvolles Blues- und Rock-Album abgeliefert, das seine musikalische Präsenz als Songwriter und Musiker energiegeladen hervorhebt. Der Produktions-Rhythmus des US-Amerikaners entwickelt sich allmählich zu einem „Marathon“, den er hoffentlich noch weiter durchhält.

American Blues Artist Group (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Cosmic Radio
02. Left In The Dust
03. The Devil
04. Goin’ Away Baby
05. One In A Billion
06. The End Of The Blues
07. Relentless
08. Fly With Me
09. Hey Hey Hey
10. All For One
11. I’m A Believer
12. I Will Always Love You

Dudley Taft
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