Corey Hunt Band – North Of Low Water – EP-Review

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Das sind die Dinge, die mir in diesem Magazin am meisten Spaß bereiten: Mit Corey Hunt einen hier absolut unbekannten Künstler im Netz entdeckt, einfach mal angemailt, und schon baute sich ein von spürbarer gegenseitiger Empathie gezeichnetes Verhältnis auf. So geschehen 2016 im Rahmen seines Albums „The Tower„.

Umkomplizierter E-Mail-Verkehr, Daten- und Info-Austausch, schließlich der Review zu einer schönen Scheibe, und so hatte jeder etwas davon. Der Künstler generiert schon mal ein bisschen Aufmerksamkeit in unserem Lande, mein musikalischer Horizont wurde wieder ein kleines Stück erweitert und unsere Leserschaft hat einen potentiellen Geheimtipp erhalten. Die typische Win-Win-Situation.

So jetzt auch beim Nachfolger „North Of Low Water“, diesmal eine EP. Ich schickte Corey eine kurze Nachricht per Facebook und schon war eine weitere Kooperation eingestielt. Auch ein paar Fragen zum Background wurden anstandslos und schnell beantwortet, da kann sich so mancher Interpret mal eine Scheibe von abschneiden.

Wie schon beim Vorgänger serviert der in Asheboro, North Carolina, ansässige, frisch vermählte Musiker, sechs melodische Red Dirt-Songs, die sich im Fahrwasser von Leuten wie Jack Ingram, Wade Bowen, Phil Hamilton & Co. bewegen. Hunt hat diese leicht angeraute, perfekt zu dieser Art von Musik passende Stimme, instrumentell kompetent unterstützt wurde er diesmal von Spezi Eric Wise (drums, bgv), Robert Smith (guitar, bass, bgv), Steel-Koryphäe Brouce Bouton und Kyle Mann (keys, bass, bgv), der dieses Kurzwerk auch produziert hat.

Den Opener bildet das gitarrebetonte (tolles E-Solo), flockige „Wild Heart Gypsy“. Bei „I Don’t Want You“ kommen unweigerlich Assoziationen zu Interpreten wie Tom Petty oder Will Hoge auf. Klasse hier Manns gurgelndes Orgelspiel. Mein Favorit des Werkes ist das eingängige „I’m Doing Fine“ (knackige Akustik-und Zwischen-E-Gitarren, wunderbar dosierte Orgel, toller Refrain mit Harmoniegesängen). Und wenn ein Könner wie Bruce Bouton beim finalen „Uwharrie River“ seine Steel-Gitarre herumjammern lässt, möchte man direkt die Repeat-Taste drücken.

Auf meine Frage, was denn der Titel der EP zu bedeuten hätte, lautete Coreys unverzügliche Antwort: „In unmittelbarer Nähe meines Hauses steht eine Brücke mit dem Namen ‚Low Water Bridge‘. Als ich aufwuchs, hing ich dort meistens mit meinen Freunden ab. Noch heute ist es die Stelle, wo wir den Uwharrie River betreten, wenn wir mit den Kajaks campen gehen.

Aber es ist nicht allein die Tatsache, dass ich nördlich der Low Water Bridge lebe, sondern auch eine Art Metapher. Ich fühle das erste Mal in meiner Musik-Karriere so etwas wie eintretende Fortschritte. So bin ich der Meinung, dass der Titel zum einen sehr schön zu den Songs passt als auch diesen Abschnitt unserer Schaffensphase gut repräsentiert.“ Momentane Auftritte als Support von einem arrivierten Act wie der Eli Young Band scheinen diese These nachhaltig zu belegen.

„North Of Low Water“ von der Corey Hunt Band kann bei uns in diesen Tagen auf den gängigen Download-Portalen erworben werden. Eine kurzweilige Geschichte, Antesten, bzw. Kaufen lohnt sich ganz bestimmt.

Uwharrie Music Group (2018)
Stil: Red Dirt

01. Wild Heart Gypsy
02. I Don’t Want You
03. Crime Of love
04. I’m Doing Fine
05. Shelby Jean
06. Uwharrie River

Corey Hunt Band
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Dead Bronco – Driven By Frustration – CD-Review

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Review: Michael Segets

Dead Bronco sind unermüdlich. Letztes Jahr tourten sie mit ihrem Album „Bedridden & Hellbound“ durch Europa (machten dabei u. a. auch Halt in der Krefelder Kulturrampe), jetzt bringen sie neues Material heraus und gehen wieder auf Konzertreise. Die spanische Band um den Amerikaner Matt Horan bewegen sich zwischen Country, Punk und Rock. Während bei den vorherigen Veröffentlichungen die Country-Einflüsse im Vordergrund standen, geht „Driven By Frustration“ stärker in Richtung Punk.

Dead Bronco bezeichnen ihre Musik auf dem Album als Americana Sludge: Americana, weil sie Banjo, Mandoline und Upright Bass einsetzen, Sludge, weil sie mit Verzerrungen und anderen Effekten arbeiten. Auf manchen Stücken gelingt tatsächlich eine originelle Verbindung, auf anderen geht der Americana-Sound verloren.

Der deutlichste Einfluss des Americana findet sich bei „Lord Call Me Home“. Im gemäßigten Rhythmus bleibt der Song melodiös und Adan Gomez glänzt mit einer Mandolinen-Einlage. Matt Horan überzeugt hier gesanglich in einer tiefen Stimmlage. „Floating Down River“ beginnt mit einem traditionellen Country-Einschlag. Ein Bluegrass-Jodel-Anflug leitet einen Tempowechsel ein und das Stück erhält eine Punk-Attitüde.

Das Banjo von Jowy Bruña prägt diesen Song ebenso wie „Devil´s Road“ und „Miss Carriage“. Bei den beiden Uptempo-Nummern funktioniert der Country mit Punk-Einschlag hervorragend. Ebenfalls geglückt ist „Stuck In The Mud“, auf dem die Gitarre einen staubtrockenen Sound verströmt. Die Gitarren von Matt Horan und Adan Gomez stehen auch bei dem dynamischen Instrumentalstück „Death Of An Appalachian“ im Zentrum, das das Album eröffnet. Unterstützt werden sie von Guille Peña an den Drums und Adrian Kenny am Upright Bass.

„I Hate You“ erinnert partiell an das Debüt-Album „Call Of The Wild“ von Disneyland After Dark (D.A.D.), das immer noch eine Referenz in Sachen Cowpunk darstellt. Krachenden Punk liefert Dead Bronco bei „Scumbag“, „Life Of Leech“ und „No Name“ ab. Eher im Hard Rock zu verorten sind das Titelstück und „Funeral Inhibited“. Die Tendenz von Horan mehr zu schreien als zu singen, treibt er bei dem letztgenannten Stück auf die Spitze, bei dem er nur noch jault und brüllt.

Die Verquickung von Country, der mir in seiner traditionellen Form meist zu glatt erscheint, und dem brachialen Punk, der die Tendenz zum Krach hat, bietet spannende Möglichkeiten. Ich favorisiere Country mit Punk-Elementen und nicht umgekehrt. Dort, wo die Country-Melodien mit dem Drive des Punks fusionieren, können großartige Titel zustande kommen.

Auf diesem schmalen Grad halten sich Dead Bronco bei einigen Songs ihres aktuellen Werks. Manchmal rutschen sie zur Seite des Punks ab. Wer es wie ich lieber etwas Country-lastiger mag, sollte daher bei dem Back-Katalog der Band reinhören.

„Driven By Frustration” spricht sicher keine Feingeister an. Um sich in einer halben Stunde die Gehörgänge zum Frustabbau freidröhnen zu lassen, ist das Album aber genau richtig.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Cowpunk

01. Death Of An Appalachian
02. Scumbag
03. Devil´s Road
04. I Hate You
05. Miss Carriage
06. Driven By Frustration
07. Floating Down River
08. Life Of Leech
09. Lord Call Me Home
10. Stuck In The Mud
11. No Name
12. Funeral Inhibited

Dead Bronco
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Wade Bowen – Solid Ground – CD-Review

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Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht, aber zu manchen Künstlern hat man irgendwie schon nach Hören des ersten Liedes einen ‚Draht‘, der einen dann im Verlauf der Karriere dieser nicht mehr los lässt. Ist bei mir jedenfalls oft so. Zu dieser Kategorie zählt für mich zweifellos Wade Bowen, den ich bereits seit seiner Mitwirkung bei West 84 und erst recht als Solo-Performer, zu einem meiner großen Lieblingsinterpreten zähle.

Der ist jetzt nach zwischenzeitlichen Kooperationen mit Randy Rogers wieder mit einer neuen Studio-Scheibe „Solid Ground“ am Start. Und um es vorwegzunehmen, eine überragende Arbeit, die der ursprünglich aus Waco stammende Texaner hier erneut abliefert. Das Schöne daran – Wade hat, trotz eines für ihn typischen musikalischen Red Dirt-Grundfundamentes, doch seinen Sound ein wenig spürbarer in Roots Rock/Americana-Gefilde variiert.

Das liegt zum einen an der produktionsseitigen Zusammenarbeit mit dem umtriebigen Kollegen Keith Gattis, als auch den vielen, hier integrierten, namhaften Musikern wie Black Crowes-Gitarrist Audley Freed, Jeff Trotts (Sheryl Crow), Fred Eltringham (The Wallflowers, Willie Nelson, Robert Plant), Billie Mercier (Ryan Adams, Lucinda Williams), Jenn Gunderman (Sheryl Crow), Rami Jaffe (The Wallflowers, Foo Fighters) und John Henry Trinko (Randy Houser), die quasi als Garanten eines Qualitätsproduktes bürgen.

Auch das Songwriting mit etablierten Musikern wie Gattis, Freed, Jon Randall, Andrew Combs, Jeremy Spillman, Charlie Worsham oder Seth James ließ allein schon vom Papier her, auf interessante Ergebnisse schließen, was sich am Ende auch mit elf durchgängig starken Tracks bestätigte.

Über Bowens warm-rauchige Wohlfühl-Stimme braucht nicht mehr viel geschrieben zu werden. Nicht, dass sie vermutlich schon unzählige Frauenherzen zum Dahinschmelzen gebracht haben dürfte, sie ist natürlich auch für solch einen beschrieben Sound ein idealer Wegbegleiter.
Grandios schon der Einstieg mit dem von Wade, Gattis und Freed komponierten, melancholisch-atmosphärischen „Couldn’t Make You Love Me“, gefolgt von dem grandiosen, durch Gattis allein kreierten Tex-Mex-Schwofer „Day Of The Dead“ (klingt unterschwellig wie die die texanische Abwandlung von „Hotel California“), mit toller Akkordeon-Untermalung und göttlich einsetzenden Mariachi-Trompeten zum Ende hin. Großartig!

Mit „So Long 6th Street“, „Acuna“, „Compass Rose“ oder „Anchor“ hat er vier hyper-melodische Stücke dabei, die seine Red Dirt-Klientel und auch Fans von Acts wie der Eli Young Band, No Justice & Co. begeistern werden. Die dazwischen liegenden Lieder wie „Broken Glass“, „Death, Dyin‘ And Develin‘ Eggs“ und „7:30“ bieten fantastisch instrumentierten Roots-/Americana-Stoff.

Und zur großen Überraschung schwenkt die Scheibe mit der launigen Uptempo-Nummer „Fell In Love On Whiskey“ und dem psychedelisch-düster-dämonenhaft umwehten „Calling All Demons“ (erinnert ein wenig an „Long-Haired Country Boy“) noch glatt in Richtung Southern Rock.

Mit „Solid Ground“ serviert uns Wade Bowen ein weiteres Meisterwerk seiner passablen Karriere. Der Titel wirkt, auch wenn man mit ‚solide‘ ja durchaus eine positive Begrifflichkeit suggeriert, angesichts der superben Leistungen aller Beteiligten auf diesem Werk, ungewollt ironisch, fast eher wie eine Art bodenlose Untertreibung. Ganz klar schon jetzt ein ganz heißer Anwärter auf das Album des Jahres 2018!

Thirty Tigers (2018)
Stil: Red Dirt/Roost Rock/Americana

01. Couldn’t Make You Love Me
02. Day Of The Dead
03. So Long 6th Street
04. Broken Glass
05. Death, Dyin‘ And Devilied Eggs
06. 7:30
07. Acuna
08. Compass Rose
09. Anchor
10. Fell In Love On Whiskey
11. Calling All Demons

Wade Bowen
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Oktober Promotion

Kid Rock – CD-Gewinnspiel

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß natürlich ‚Robert James Ritchie‘!

Über die brandaktuelle Kid Rock-CD „Sweet Southern Sugar“ darf sich

Detlef Kiefer aus Lauterbach,

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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In Zusammenarbeit mit CMM Promotion verlosen wir ein Exemplar der neuen CD „Sweet Southern Sugar“ von Kid Rock. Tolles Teil, mitmachen lohnt sich.

Folgende kindische Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie lautet der bürgerliche Name von Kid Rock?

a) James Lionel Richie
b) Ritchie James Dio
c) Robert James Ritchie

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 04.12.2017 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Kid Rock
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cmm – consulting for music and media

Aaron Einhouse – Interview

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Der texanische Singer/Songwriter/Musiker Aaron Einhouse, der letztes Jahr mit seinem saustarken Album „It Ain’t Pretty“ überzeugt hatte, berichtet uns über seine aktuelle Situation und sein derzeitiges Treiben.

Hallo Aaron, vielen Dank, dass du dich für ein Interview zur Verfügung stellst.

Sounds Of South: Ich hoffe deine Familie, Freunde, Bekanntschaften und Fans in Texas sind von den klimatischen Katastrophen der letzten Wochen verschont geblieben, wie ist die momentane Lage in Texas?

Aaron Einhouse: Glücklicherweise war niemand aus meiner Familie betroffen, auch allen meinen Freunden geht es soweit gut. Es gab aber einen erheblichen Schaden rund um Houston und um Teile der Küste. Wir sind sehr glücklich, dass es sehr viele hilfsbereite Leute gibt – innerhalb wie auch außerhalb der Musikszene. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie hart es ist, was da einige Leute zur Zeit durchmachen. Viele haben ihre Häuser und all ihre Besitztümer verloren.

Sounds Of South: Du bist in unseren Gefilden ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt. Erzähl mal bitte ein wenig über deinen musikalischen Werdegang.

Aaron Einhouse: Meine ersten musikalischen Berührungspunkte gab es, als ich die Vinyl-Sammlung meiner Mutter durchhörte. Meistens Classic Rock. Mit der Country Musik ging es auf der High School los. Dort begann ich mich auch in die texanische Musik einzutauchen und bekam kurze Zeit später eine Gitarre. Es dauerte dann nicht lang bis anfing, Songs zu schreiben.

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Sounds Of South: Dein aktuelles Album „It Ain’t Pretty“ fanden wir ‚pretty good‘, ja, wir zählten es zu den besten Veröffentlichungen unseres Jahres 2016. Wo siehst du überhaupt noch Steigerungspotential?

Aaron Einhouse: Danke Mann! Man versucht immer noch stärkere Stücke zu schreiben und ein besserer Musiker zu werden.

22490240_10155427791893855_2905757581140058955_nSounds Of South: Auf Facebook hast du erste Neukreationen in akustischen ‚Roh-Versionen‘ gepostet. Wann wird der Nachfolger fertig sein?

Aaron Einhouse: Ich werde zunächst ein paar Singles veröffentlichen, bevor es  an ein komplettes Album geht. Den Clip zur neuen Single „John’s Camaro“ kann man jetzt unter diesem Link sehen und hören – www.johnscamaro.com

Sounds Of South: Welche sind  deine bisherigen bevorzugten Live-Locations, auf welcher Bühne und mit welchen Musikern würdest in deinen Träumen du gerne mal unbedingt stehen?

Aaron Einhouse: Die Gruene Hall hier in New Braunfels natürlich. Einer meiner größten Lieblingsmusiker ist Robert Earl Keen. Er ist ein großartiger Storyteller. Tolle Geschichten haben mich auch schon immer angesprochen. Das ist auch das, was mich in die Americana- und Countrymmusik hineingezogen hat.

Sounds Of South: Würdest du ggfs. ähnlich wie z.B. die Randy Rogers Band, Wade Bowen & Co. einen Gang nach Nashville wagen, oder bleibst du da ganz Texaner?

Aaron Einhouse: Ich mache schon ein wenig in Nashville, zum Teil ein bisschen Schreiben und Aufnehmen. Da gibt es so viele talentierte Leute. Aber meine Planung läuft dahin, immer Texas als Heimat zu behalten.

Einhouse_profilSounds Of South: Wie findest du eigentlich unser Magazin?

Aaron Einhouse: Sounds Of South ist ein Killer Magazin! Ich finde es echt cool, dass ihr bei euch beleuchtet, was in unserer Szene passiert. Es ist klasse, dass ihr euch so in unsere Musik reinhängt, die wir soweit entfernt von euch machen. Dafür bin ich euch echt dankbar. Es ist in der heutigen Zeit sehr einfach zu vergessen, wie universell und verbindend Musik sein kann.

Sounds Of South: Eine politische Frage: Wie beurteilst du als Texaner die bisherige Amtszeit eures Präsidenten, die ja hier in Europa recht kritisch beäugt wird.

Aaron Einhouse: Ich bin kein Fan von ihm…

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Sounds Of South: Du bist ja ansonsten ein sehr bodenständiger Mensch. Wie bekommst du die Musik und die Familie mit deinen wilden Kindern unter ein Dach?

Aaron Einhouse: Ich versuche zurecht zu kommen. Es ist manchmal ganz schön hart, aber ich versuche immer Zeit zu finden, um Zeit mit ihnen zu verbringen. Sie sind für mich das Wichtigste.

Sounds Of South: Welche Hobbies hast du noch, außer reichhaltig dekorierte Teller (wie du immer in Facebook postest) zu verspeisen…? 🙂

Aaron Einhouse: Haha, Jagen und Fischen, eigentlich überhaupt Zeit an der frischen Luft zu verbringen, wenn es die Zeit erlaubt.

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Das Interview in Englisch:

Hi Aaron, thanks for giving us an interview!

Sounds Of South: I hope your family, friends and fans, etc. in Texas weren’t affected concerning the climatic catastrophies of the last weeks. How is the actual situation in Texas?

Aaron Einhouse: Luckily, none of my family was affected and all of my friends relations are doing well. There was some very substantial damage done to Houston and parts of the coast. We are fortunate to have so many people who are willing to help in and out of the music scene. I can’t imagine how tough it would be to go through what some of those people went through. Many lost their homes and all of their posessions.

18446997_10155028980228855_2741428133959556265_nSounds Of South: In Germany you’ve been a ‚blank sheet‘ up to now. Please tell us a little bit of your musical background.

Aaron Einhouse: I first got into music listening to my mother’s vinyl collection. Classic Rock mostly. I got into country music in High School. Then I started getting into Texas music when I was in high school and got a guitar shortly after. Then not long afer that started writing songs.

Sounds Of South: We liked your common album „It Ain’t Pretty“ pretty much! From our point of view it was one of the best releases in 2016 . Where do you see any potential for improvement?

Aaron Einhouse: Thanks man! Ya always trying to write better songs and get better as a musician.

22712192_10155448947718855_2148664230335202500_oSounds Of South: You posted some new raw/acoustic creations on Facebook. What do you think when will the next album be ready?

Aaron Einhouse: Gonna release a few singles before I do another full length album. New single – www.johnscamaro.com

Sounds Of South: Which are your favourite live locations? Where and with what kind of musicians you would like to share the stage in your dreams?

Aaron Einhouse: Gruene Hall down here in New Braunfels for sure. One of my favorites is Robert Earl Keen. He’s a great storyteller. I’m always attracted to a good story. That’s what appeals to me about country/americana music.

Sounds Of South: Would you risk to go to Nashville like the Randy Rogers Band, Wade Bowen & Co, if there’s a chance or do you stay a Texican to the core?

Aaron Einhouse: I already do a little bit in Nashville, writing and a little recording. There’s so much talent up there. I plan to always keep my home in Texas.

Sounds Of South: What do you think about our Magazine ‚Sounds Of South‘?

Aaron Einhouse: Killer magazine!!! I just think it’s so cool that you cover what is going on in our scene over there. It’s pretty awesome to me that y’all are so into this music we make so far away. I am grateful for it. It’s easy to forget these days how universal and uniting music can be.

Sounds Of South: Can I just ask you a political question: What do you say about the work and the decisions of your current president so far? In Europe he has been critized a lot.

Aaron Einhouse: I’m not a fan.

19420495_10155045487393855_26005528010017555_nSounds Of South: As a down-home man, how do you manage your musical life  and your family?

Aaron Einhouse: I just try to get by. It’s tough sometime, but I do a lot to make sure I get to spend time with them. They are the most important thing to me.

 

 

20374235_10155178522283855_627694670999814263_nSounds Of South: What kind of hobbies do you have aside from eating rich and colourful decorated plates with food (facebook postings…)? 🙂

Aaron Einhouse: Ha! I like to hunt and fish and be outdoors when I have the time.

Aaron Einhouse
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Kid Rock – Sweet Southern Sugar – CD-Review

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Kid Rock, alias Robert James Ritchie, lief bei mir immer so ein wenig unter der Kategorie ‚liebenswerter chaotischer Rüpel‘. Mit ihm verbinde ich irgendwie noch die guten alten Zeiten, als man selbst, vorwiegend Flausen im Kopf hatte, statt wie heute, der Vernunft zuliebe, sich schwerpunktmäßig der Status Quo wahrenden Arbeit (mit all ihren heutigen schnelllebigen Veränderungen) zu widmen, nur um größtenteils seine Fix-Kosten zu decken und hier ein paar wenige Menschen auf diesem Planeten, reicher und reicher werden zu lassen.

Der bei uns keineswegs unpopuläre, als politisch unkorrekt geltende, aber hier eher durch seine Kurzehe mit Pamela Anderson bekannt gewordene Künstler, hat seit seinem – aus meiner Sicht –  Paradealbum „Born Free„, einen musikalisch eingängigen Stil aus Rock-, Country-, Southern Rock und dezenten Hip Hop/Rap-Elementen (ohne dass es all zu sehr nervt) gefunden, der zwar auch einer gewissen Vorhersehbarkeit unterworfen ist, aber durchaus insgesamt immer zu gefallen weiß.

Und so bietet auch sein neues, zehn Stücke umfassendes Werk „Sweet Southern Sugar“, gewohnt kurzweilige, abwechslungsreiche Unterhaltung. Der brachiale Auftakt mit „Greatest Show On Earth“ (fast schon in Richtung AC/DC)  und  dem Mundharmonika-bestückten, swampig stampfenden „Po-Dunk“ (auch tolle weibliche Harmonie-Gesänge), kommt zunächst äußerst rau daher, bevor mit dem southern-souligen „Tennessee Mountain Top“ (herrliche Keys mit Orgel und E-Piano) in die melodie-bestimmtere Gangart geschaltet wird.

Die enthält mit dem Bob Seger-mäßigen „American Rock’n’Roll“, meinem absoluten Lieblingstrack „Raining Whiskey“, dem flockigen „Stand The Pain“ und dem melancholischen „Sugar Pie Honey Bunch,“ feinen angenehmen Stoff für die niveauvolleren Mainstream-Rock-Radio-Stationen.

Mit dem in James  Brown-Manier shuffelnden „I Wonder“ (mit etwas verstörend wirkenden Synthie-Einlagen), dem lässig-melodisch, southern hip-hoppenden „Back To The Otherside“ und dem am Ende prollig-knarzig rappenden „Grandpa’s Jam“ bedient Kid Rock sein bewährtes und gewohntes musikalisches Gesamtspektrum der letzten Veröffentlichungen.

Kid Rocks „Sweet Southern Sugar“ ist somit erneut ein empfehlenswerter Tonträger geworden, bei dem man ohne allzu große Bedenken, locker wieder zugreifen kann. Seine CD „Born Free“ bleibt aber, nach wie vor, für mich der absolute Karriere-Meilenstein!

BMG (Warner) (2017)
Stil: Rock

01. Greatest Show On Earth
02. Po-Dunk
03. Tennessee Mountain Top
04. I Wonder
05. American Rock’n’Roll
06. Back To The Otherside
07. Raining Whiskey
08. Stand The Pain
09. Sugar Pie Honey Bunch
10. Grandpa’s Jam

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Scott Miller – Ladies Auxiliary – CD-Review

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Review: Michael Segets

Als Sänger der V-Roys trat Scott Miller das erste Mal in Erscheinung. Steve Earle hatte die Roots-Rocker 1996 auf seinem Label unter Vertrag genommen und mit ihnen gemeinsam die EP „Johnny Too Bad” eingespielt. Nachdem sich die Truppe am Ende des Jahrhunderts nach zwei Studio-Alben und einer Live-Veröffentlichung auflöste, startete Miller eine Solo-Karriere, bis 2007 noch mit seiner Begleitband The Commonwealth. Musikalisch entwickelte er sich vom Roots Rock in Richtung Americana und Alternative Country. Nach vier Jahren Funkstille bringt Miller nun sein zehntes Solo-Projekt „Ladies Auxiliary“ raus. Mit dem Titel verbeugt er sich vor der Produzentin Anne McCue sowie den Musikerinnen, die ihn auf der Platte unterstützen.

Das Werk startet mit dem sanften Liebeslied „Epic Love“. Nach akustischem Anfang und Zwischenpassagen, erzeugt der Einsatz des Basses und später der des Schlagzeugs tolle Spannungsbögen. Nach dem schon sehr gelungen Einstieg legt „The River’s Yours/This Valley’s Mine“ an Intensität noch eine Schippe drauf. Der erdige Sound der akustischen Gitarre in Verbindung mit der wimmernden Geige von Rayna Gellert und Millers ausdrucksstarker Gesang versetzen unmittelbar auf die Rinderfarmen des mittleren Westens.

Dazu passt „Ten Miles Down The Nine Mile Road“, das einen leichten Country-Rhythmus aufnimmt und mit Banjo, dezenter Percussion und weiblicher Begleitstimme untermalt ist. Wenn die genannten Songs bereits viel Gefühl transportieren, bildet „Someday/Sometime“ doch den am tiefsten bewegenden Beitrag auf der CD. Ganz im Americana-Stil gehalten, mit weiblichen Harmoniegesängen im Refrain und wiederum sehr schönen Geigen, verarbeitet der Songwriter den Selbstmord einer Mutter. Der Text ist aus der Sicht des hinterbliebenen Vaters, der zu seinem Kind spricht, verfasst. Wenn harte Männer überhaupt eine Gänsehaut bekommen können, dann bei dem Song.

Zwischen die getragenen Tracks sind zwei leichtere Stücke eingeflochten. „Jackie With An Eye“ swingt dank der Bassläufe von Bryn Davies und das Cover „Mother-In-Law“ scheppert mit Barroom-Piano und lustigem Text über eine eher unappetitliche Schwiegermutter.

Das autobiographisch geprägte „Middle Man“ ist eine Americana-Nummer mit viel Slide, die nicht im Gedächtnis bleibt und damit durch den Titel gut charakterisiert wird. Miller erinnert hier zeitweise an Bob Dylan. Deutlicher wird der Bezug noch bei „Los Siento, Spanishburg, WVa“. Nicht nur die politische Aussage des Songs, sondern auch der schnelle – fast schon gesprochene – textlastige Gesang lässt den Vergleich mit dem Altmeister zu.

Das zweite Cover, die irisch angehauchte Ballade „Body And Soul“, wurde ursprünglich von Bill Monroe gesungen. Mit „Get Along Everybody“ folgt der beschwingte Abschluss, der wiederrum mit einem augenzwinkernden Text versehen ist.

Die Kompositionen sind abwechslungsreich, wobei sich die Arrangements auf die Qualität des Songwriters konzentrieren. Miller zeigt sich auf „Ladies Auxiliary“ textlich auf hohem Niveau. Das Album bietet hervorragende Americana-Balladen und mit „Mother-In-Law“ ein Party-taugliches Trinklied. Daher einen Toast auf Scott Miller und seine Damen!

F.a.Y. Recordings (2017)
Stil: Americana

01. Epic Love
02. This River’s Yours
03. Jacki with An Eye
04. Someday Sometime
05. Mother-In-Law
06. Ten Miles Down the Nine Mile Road
07. Middle Man
08. Lo Siento, Spanishburg, Wva
09. With Body and Soul
10. Get Along, Everybody

Scott Miller
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Ted Z And The Wranglers, 20.10.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Als eine der letzten Stationen ihrer ersten Europatournee machten Ted Z And The Wranglers in Krefeld halt. Bevor es bald zurück nach Costa Mesa, Kalifornien, geht, heizte die Truppe die Kulturrampe mit ihrem Qutlaw-Country mächtig auf. „Pille“ Peerlings versprach bei der Ankündigung der Band einen begeisternden Abend und behielt damit Recht. Unterbrochen von einer kurzen Pause präsentierte die Band zwei Sets, die es in sich hatten.

Das neue „Guest On Sunday Morning“ eröffnete den Abend. Danach folgte mit „Tightrope“ ein starkes Stück von dem ersten Longplayer „My Blood´s Still Red“ (2013), das von der Struktur und dem Gesang an Green On Red erinnert. Der langsamen Ballade „San Antoine“ steuerten Rachel Perry und Bassist Trevor Walton den Harmoniegesang bei. Bereits hier deutete sich die Extraklasse des Gitarristen Harrison Moore an. Der junge Mann, der mit seiner Baseball-Kappe direkt einem Manga entsprungen zu sein schien, überzeugte während des gesamten Konzerts mit seiner Fingerfertigkeit in allen Bereichen: ob beim Slide-Spiel, beim Picking oder bei rockigen Riffs. Wenn es Gerechtigkeit im Musikbusiness gäbe, müsste er zu einem der ganz Großen werden.

Ein Höhepunkt des ersten Sets war „Like A King“, Titelstück der zweiten EP der Band aus dem Jahr 2014. Der schnelle, staubtrockene Country-Song mit dem von Ted Z genölten Refrain ging direkt ins Tanzbein. „Lovin Blues“ rollte mit schönen Picking-Einlagen hinterher. Anschließend widmete Ted Z mit „Wiskey“ seinem Lieblingsgetränk einen Song. Während des Slide-Gitarrensolos von Harrison Moore brachte der Frontmann mit Stampfeinlagen ausdrucksstark Bewegung auf die Bühne. Bei „Cornerstore“ ergänzten sich die beiden elektrischen Gitarren von Rachel Perry und des Lead-Gitarristen prima. Die weibliche Stimme in den Harmoniegesängen wertet viele Songs nochmal auf. Besonders gelungen war der mehrstimmige Einstieg in „Johnny“, in dem ein tragischer Konflikt zweier Brüder thematisiert wird. Beim wunderschönen „Go Find Your Heaven“ stimmte dann auch – aufgemuntert durch Ted Z – das Publikum in den Refrain ein.

Tiefe Gitarrenklänge bereiteten das rockige „Setting Sun“ vor. Während „Bottles And Barrooms“ zum Schunkeln einlud, setzte „Kansas“ mit stampfendem Sound, abwechselndem Spiel der E-Gitarren und einer Lichtshow mit allem, was die Rampe hergibt, ein Ausrufezeichen zum Ende des ersten Sets.

Das zweite Set war insgesamt temporeicher angelegt. Mit schönem Slide-Intro nahm „Joseph Radcliff“ die Fahrt wieder auf. „Postcard“ setzte sie ungebrochen fort. Nach „Hold On“, das Erinnerungen an Tom Pettys „Wildflowers“-Album aufflackern ließ, folgte das langsame und bislang unveröffentlichte „Desiree“. Zu meinen Favoriten im Repertoire von Ted Z zählt „Shoot Em Up“, das Assoziationen zu Jason Ringenberg weckt. Harrison Moore zeigte hier wieder seine genialen Fähigkeiten an der Gitarre – diesmal mit härteren Riffs.

Das wehmütige „Ghost Train“ von der gleichnamigen CD (2015) wurde von Thor Fay am Schlagzeug und seiner Percussion treffend untermalt. Bei dem kraftvollen Rocker „Southland“ legte Ted Z einige Shuffle-Schritte aufs Parket. Das langsame Duett mit Rachel Perry „Sweet Loretta“ gönnte dem Publikum eine kurze Verschnaufpause, bevor mit „Rambler“ wieder Bewegung in die Menge kam. Der Song „Virginia“ – mit gelungenem Harmoniegesang – steigerte seine Geschwindigkeit und bereitete so auf den Boogie „Ball and Chain“ vor. Während des abschließenden Songs erfolgte die Vorstellung der Band.

Die Zuhörer bedachten die Musiker mit langem Applaus, sodass die Band als Zugabe noch „Trouble“ spielten. Zuvor vergewisserte sich Ted Z aber, dass keine Kinder im Saal anwesend waren, da der Text des Liedes nicht ganz jugendfrei ist. Ted lobte das Publikum als „bestes“ aufgrund von zwei Umständen: Die Leute würden so gut aussehen und vor allem seien sie zum Konzert gekommen.

Der freundliche und charismatische Ted Zakka hat neben Rachel Perry drei Wrangler zusammengetrieben, die trotz ihres jugendlichen Alters den Auftritt professionell gemeistert haben. Besonders hervorzuheben ist Gitarrist Harrison Moore, der mit seinem Spiel nicht nur mich, sondern auch Daniel und Gernot, die nun ja wirklich schon viele Virtuosen gesehen haben, zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Der abwechslungsreiche Auftritt von Ted Z And The Wranglers hat meine Erwartungen übertroffen. Wenn überhaupt etwas zu optimieren ist, dann hätte im ersten Set die eine oder andere Uptempo-Nummer eingestreut werden können. Wirklich vermisst habe ich nur „Afraid Of Dying“, das gefühlvolle Titelstück der ersten EP, die mittlerweile ausverkauft ist.

Line-up:
Ted Zakka (vocals, acoustic guitar)
Rachel Perry (electric guitar, vocals)
Harrison Moore (electric and slide guitar)
Trevor Walton (bass, vocals)
Thor Fay (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Ted Z And The Wranglers
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Sass Jordan – Racine Revisited – CD-Review

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Review: Michael Segets

Als mir Daniel einen Review zu der Wiederveröffentlichung von Sass Jordans „Racine“ mit den Worten anbot: „Das könnte genau dein Ding sein!“, war ich zunächst skeptisch. Ein 25 Jahre altes Album von einer Künstlerin, deren Name mir völlig unbekannt war, soll meine bevorzugte Musik, also Rock mit Ecken und Kanten, der dennoch melodisch bleibt, über gute Refrains verfügt und ausdrucksstark gesungen wird, bieten? Genau das tut jedoch Sass Jordans Scheibe „Racine Revisited“.

Die Kanadierin ist jenseits des Atlantik kein unbeschriebenes Blatt. Nach ihrem Debütalbum „Tell Somebody“ aus dem Jahr 1988 feierte sie in den 1990ern einige Erfolge. Vor allem „Racine“ sticht dabei heraus. Das Album stieg in den USA bis auf den zweiten Platz der Billboard Charts. Sass Jordan tourte mit Aerosmith und der Jeff Healey Band, steuerte mit Joe Cocker einen Song zum Soundtrack von „Bodyguard“ bei und schrieb Songs für Mariah Carey. Bislang veröffentlichte sie sieben Longplayer.

Bereits bei dem Auftakt „Make You A Believer“ wird deutlich, dass Sass Jordans gewaltige Stimme den Vergleich mit anderen weiblichen Rockgrößen nicht zu scheuen braucht. Hier werden Assoziationen zu Janis Joplin wach, während sich beim folgenden „If You’re Gonna Love Me“ welche zu Melissa Etheridge aufdrängen.

Nach dem fetzigen Einstieg überzeugt Sass Jordan auch bei dem langsameren Stück „You Don’t Have To Remind Me“ mit ihrer kraftvollen Stimme, die vor allem im Refrain eine hohe Intensität entwickelt. „Who Do You Think You Are“ rockt locker mit einem eingängigen Refrain drauflos. Diesen weist auch das Midtempo-Stück “Windin´ Me Up” auf. Dereck Sharp und Chris Caddell setzen bei dem Song – wie auch bei mehreren anderen – mit ihrer Gitarrenarbeit gelungene Akzente. Rudy Sarzo am Bass und Brent Fitz am Schlagzeug vervollständigen die Band, mit der Sass Jordan das Album jetzt neu einspielte.

Bei „I Want To Believe“ gönnt Sass Jordan der Band eine Verschnaufpause. Ihr gefühlvoller Gesang und das filigrane Gitarrenspiel prägen die akustisch gehaltene Ballade. Mit „Cry Baby“ findet sich eine weitere Rockballade auf der CD, bei der aber, anders als bei der vorherigen, eine kreischende E-Gitarre zum Einsatz kommt und dabei einen Spannungsbogen rund um den herausgeschrienen Refrain aufbaut.

„Goin‘ Back Again“, „Do What Ya Want“, bei dem sich auch Southern-Elemente finden, und „Where There’s A Will“ sind tolle Nummern, die alles haben, was meiner Ansicht nach gute Rocksongs ausmacht. Im letzten Stück „Time Flies“ wird das Tempo noch weiter erhöht und steuert nach einem kurzen Break auf ein fulminantes Finale zu.

Gelungene Rockmusik ist zeitlos, wie „Racine“ schon immer bewies. Die modifizierte Wiederveröffentlichung dieses hierzulande weniger bekannten Werks als Update ist daher eine gute Idee. Das „Revisited“ im Titel bezieht sich somit auf eine doch recht nah am Original gehaltene Neueinspielung mit von Sass dafür eigens dafür auserwählten Musikern.

Diejenigen, die Sass Jordan früher als ich entdeckt und bereits „Racine“ im Regal haben, werden damit zu tun haben, die Unterschiede herauszuarbeiten, allen anderen sei dieses Album – in welcher Fassung auch immer – eh ans Herz gelegt.

True North Records (2017)
Stil: Rock

01. Make You A Believer
02. If You’re Gonna Love Me
03. You Don’t Have To Remind Me
04. Who Do You Think You Are
05. Windin‘ Me Up
06. I Want To Believe
07. Goin‘ Back Again
08. Do What You Want
09. Cry Baby
10. Where There’s a Will
11. Time Flies

Sass Jordan
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Sully Erna – Hometown Life – CD-Review

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Review: Michael Segets

„Hometown Life” ist das zweite Solo-Album des Godsmack-Frontmanns Sully Erna. Bei seinem Solo-Projekt schlägt er ruhigere Töne an und verarbeitet persönliche Themen. Dennoch kann Erna auf manchen Stücken nicht verbergen, dass er aus der Hardrock-Ecke kommt.

Die langgezogenen Rufe, die tiefen Klavierakkorde und das bombastische Schlagzeug zeigen dies bei „Hometown Life“ sehr deutlich. Fast leicht wirkt hingegen „Your Own Drum“, bei dem die Percussion beinahe karibische Sommergefühle aufkommen lässt. Die Percussion ist auch bei „Father Of Time“ dominant, das leicht orientalisch anmutet und daher auch gut auf „Avalon“ – Ernas ersten Solo-CD aus dem Jahr 2010 – gepasst hätte.

Zu dem Anti-Drogen-Song „Different Kind Of Tears“ gibt es ein bewegendes Video im Netz, das das Thema des Tracks visualisiert. Erna zeigt sich hier bis zum Einsatz der elektrischen Gitarre als Singer/Songwriter. Die Ballade ist sicherlich ein Höhepunkt des Albums.

Das stärkste Stück ist aber „Turn It Up!“, das mit beschwingtem Intro, mitreißendem Refrain, punktgenauem Einsatz der Bläser und gutem Gitarrensolo direkt für sich einnimmt. Ebenfalls gelungen ist das gitarrenorientierten „Don’t Comfort Me“, bei dem Erna geschickt einen Spannungsbogen rund um den kraftvollen Refrain aufbaut.

Die symphonischen Anflüge durch Klavier und Streicher geben „Take All Of Me“, „Blue Skies“ und „Forever My Infinity“ in der Verbindung mit langgezogenen Gesangspassagen melodramatische Züge, die mir etwas zu viel sind. Bei dem getragenen „Falling To Black“ integrieren sich die Streicher hingegen sehr passend.

Mit den Songs, in denen Erna den opulenten Sound reduziert, zeigt er sein Potential als Songwriter und Komponist. Dieses wird durch die Arrangements auf anderen Stücken etwas verdeckt. Insgesamt treffen einige Tracks aus dem abwechslungsreichen Angebot bestimmt auch den Geschmack der SoS-Freunde. Bei diesen würde er durch eine erdigere Produktion und ein Zurücknehmen des aus dem Hardrock entliehenen Bombasts sicherlich noch mehr Treffer landen.

Da Sully Erna in seinen Solo-Ausflügen sein eigenes Ding – unabhängig von Fans oder kommerziellen Interessen – machen möchte, bleibt abzuwarten, welchen Weg er zukünftig nimmt. Die Richtung, die er auf „Hometown Life“ einschlägt, ist jedenfalls die richtige.

BMG (2017)
Stil: Singer/Songwriter & More

01. Hometown Life
02. Your Own Drum
03. Different Kind Of Tears
04. Take All Of Me
05. Don’t Comfort Me
06. Turn It Up!
07. Blue Skies
08. Forever My Infinity
09. Father Of Time
10. Falling To Black

Sully Erna
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