Ted Z And The Wranglers, 20.10.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Als eine der letzten Stationen ihrer ersten Europatournee machten Ted Z And The Wranglers in Krefeld halt. Bevor es bald zurück nach Costa Mesa, Kalifornien, geht, heizte die Truppe die Kulturrampe mit ihrem Qutlaw-Country mächtig auf. „Pille“ Peerlings versprach bei der Ankündigung der Band einen begeisternden Abend und behielt damit Recht. Unterbrochen von einer kurzen Pause präsentierte die Band zwei Sets, die es in sich hatten.

Das neue „Guest On Sunday Morning“ eröffnete den Abend. Danach folgte mit „Tightrope“ ein starkes Stück von dem ersten Longplayer „My Blood´s Still Red“ (2013), das von der Struktur und dem Gesang an Green On Red erinnert. Der langsamen Ballade „San Antoine“ steuerten Rachel Perry und Bassist Trevor Walton den Harmoniegesang bei. Bereits hier deutete sich die Extraklasse des Gitarristen Harrison Moore an. Der junge Mann, der mit seiner Baseball-Kappe direkt einem Manga entsprungen zu sein schien, überzeugte während des gesamten Konzerts mit seiner Fingerfertigkeit in allen Bereichen: ob beim Slide-Spiel, beim Picking oder bei rockigen Riffs. Wenn es Gerechtigkeit im Musikbusiness gäbe, müsste er zu einem der ganz Großen werden.

Ein Höhepunkt des ersten Sets war „Like A King“, Titelstück der zweiten EP der Band aus dem Jahr 2014. Der schnelle, staubtrockene Country-Song mit dem von Ted Z genölten Refrain ging direkt ins Tanzbein. „Lovin Blues“ rollte mit schönen Picking-Einlagen hinterher. Anschließend widmete Ted Z mit „Wiskey“ seinem Lieblingsgetränk einen Song. Während des Slide-Gitarrensolos von Harrison Moore brachte der Frontmann mit Stampfeinlagen ausdrucksstark Bewegung auf die Bühne. Bei „Cornerstore“ ergänzten sich die beiden elektrischen Gitarren von Rachel Perry und des Lead-Gitarristen prima. Die weibliche Stimme in den Harmoniegesängen wertet viele Songs nochmal auf. Besonders gelungen war der mehrstimmige Einstieg in „Johnny“, in dem ein tragischer Konflikt zweier Brüder thematisiert wird. Beim wunderschönen „Go Find Your Heaven“ stimmte dann auch – aufgemuntert durch Ted Z – das Publikum in den Refrain ein.

Tiefe Gitarrenklänge bereiteten das rockige „Setting Sun“ vor. Während „Bottles And Barrooms“ zum Schunkeln einlud, setzte „Kansas“ mit stampfendem Sound, abwechselndem Spiel der E-Gitarren und einer Lichtshow mit allem, was die Rampe hergibt, ein Ausrufezeichen zum Ende des ersten Sets.

Das zweite Set war insgesamt temporeicher angelegt. Mit schönem Slide-Intro nahm „Joseph Radcliff“ die Fahrt wieder auf. „Postcard“ setzte sie ungebrochen fort. Nach „Hold On“, das Erinnerungen an Tom Pettys „Wildflowers“-Album aufflackern ließ, folgte das langsame und bislang unveröffentlichte „Desiree“. Zu meinen Favoriten im Repertoire von Ted Z zählt „Shoot Em Up“, das Assoziationen zu Jason Ringenberg weckt. Harrison Moore zeigte hier wieder seine genialen Fähigkeiten an der Gitarre – diesmal mit härteren Riffs.

Das wehmütige „Ghost Train“ von der gleichnamigen CD (2015) wurde von Thor Fay am Schlagzeug und seiner Percussion treffend untermalt. Bei dem kraftvollen Rocker „Southland“ legte Ted Z einige Shuffle-Schritte aufs Parket. Das langsame Duett mit Rachel Perry „Sweet Loretta“ gönnte dem Publikum eine kurze Verschnaufpause, bevor mit „Rambler“ wieder Bewegung in die Menge kam. Der Song „Virginia“ – mit gelungenem Harmoniegesang – steigerte seine Geschwindigkeit und bereitete so auf den Boogie „Ball and Chain“ vor. Während des abschließenden Songs erfolgte die Vorstellung der Band.

Die Zuhörer bedachten die Musiker mit langem Applaus, sodass die Band als Zugabe noch „Trouble“ spielten. Zuvor vergewisserte sich Ted Z aber, dass keine Kinder im Saal anwesend waren, da der Text des Liedes nicht ganz jugendfrei ist. Ted lobte das Publikum als „bestes“ aufgrund von zwei Umständen: Die Leute würden so gut aussehen und vor allem seien sie zum Konzert gekommen.

Der freundliche und charismatische Ted Zakka hat neben Rachel Perry drei Wrangler zusammengetrieben, die trotz ihres jugendlichen Alters den Auftritt professionell gemeistert haben. Besonders hervorzuheben ist Gitarrist Harrison Moore, der mit seinem Spiel nicht nur mich, sondern auch Daniel und Gernot, die nun ja wirklich schon viele Virtuosen gesehen haben, zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Der abwechslungsreiche Auftritt von Ted Z And The Wranglers hat meine Erwartungen übertroffen. Wenn überhaupt etwas zu optimieren ist, dann hätte im ersten Set die eine oder andere Uptempo-Nummer eingestreut werden können. Wirklich vermisst habe ich nur „Afraid Of Dying“, das gefühlvolle Titelstück der ersten EP, die mittlerweile ausverkauft ist.

Line-up:
Ted Zakka (vocals, acoustic guitar)
Rachel Perry (electric guitar, vocals)
Harrison Moore (electric and slide guitar)
Trevor Walton (bass, vocals)
Thor Fay (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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