Mike Zito – Make Blues Not War – CD-Review

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Einer meiner Lieblings-Musiker legt schon wieder nach. Der umtriebige Mike Zito hat keinesfalls ‚ein Rad ab‘, auch wenn er sich schon wieder von seiner starken Begleitband der letzten Veröffentlichungen „The Wheel“ losgelöst hat. Es passt halt einfach zu seiner unsteten, sich immer in Bewegung befindlichen Persönlichkeit, Dinge zu ändern,  konstant ist bei ihm scheinbar nur die Liebe zur Familie und dem Blues Rock an sich.

Für sein neues Werk mit dem plakativen Titel „Make Blues Not War“ hat er sich mit dem uns ebenfalls gut bekannten, Musiker, Songschreiber und Produzenten Tom Hambridge zusammengetan. Der auch in Nashville viel beschäftigte Tausendsassa erweist sich für das aktuelle Album, aufgrund der Ruppigkeit vieler Stücke und der partiellen Southern-Ausrichtung auch als absoluter Gewinn. Er hat einen Großteil der Tracks (mit) komponiert, spielt das Schlagzeug, sang Harmonies bei „One More Train“ und hat das Gesamtwerk in einem schön rauen, aber auch knackigen ‚Live-Sound‘ produziert.

Das Album lebt natürlich von der Präsenz des Protagonisten, der in Sachen Stimme (mit eine der besten im Blues Rock-Genre) und E-Gitarrenspiel (wieder mit vielen prächtigen Slide-Einlagen), dieses Werk dominiert. Aber auch Leute wie der stark auftrumpfende Keyboarder Kevin McKendree (B3, Wurlitzer-Piano, Clavinet), Nashville-Musiker Rob McNelley (tolle E-Gitarrenzuarbeit) oder Gastmusiker wie Walter Trout (herrliches E-Solo beim Auftaktstück), Jason Ricci an der Harp und Sohnemann Zach (Gitarre bei „Chip Off The Block“) sorgen für kurzweilige Momente in der Zito-Show.

Das Werk bietet, wie nicht anders erwartet, die typischen Blues Rock-Ingredienzien. Da wird im Tempo variiert, zwischen retro (das stampfende „Wasted Time“, das an Muddy Waters erinnernde, harp-infizierte Titelstück „MBNW“ und der finale Piano-Klimper-Boogie „Route 90“)  und moderner Auslegung gependelt. Mit „Bad News Is Coming“ und „Road Dog“ sind zwei Mörder Slow ‚Bluese‘ samt großartiger E-Gitarren-Solo-Passagen dabei, psychedelisches à la Hendrix gibt es bei „Redbird“. Was uns besonders gefällt, sind aber immer wieder, die Southern-rockigen Zutaten.

Da wär z. B. der furiose Opener „Highway Mama“ der in Sachen Orgel- und E-Gitarren-Arbeit die Allman Brothers-Fangemeinde zum Niederknien bringen wird. Hätte ein Gregg Allman nicht besser performen können! Die Signalwirkung aufreizender Beine des weiblichen Geschlechts ist schon in so manchem Song thematisiert worden, der in Texas beheimatete Zito, machte es bei „Crazy Legs“ ZZ Top nach und mischt zusätzlich noch Skynyrdsche Zutaten mit unter.

Großartig auch das wieder in Allman-Manier shuffelnde „On The Road“ (typische Orgel) sowie das launig Southern-rockende „One More Train“ (McKendree mit zünftigem HT-Piano) oder die delta-bluesige wehmütige Hommage an seine Frau „Girl Back Home“ (surrende Slide-Gitarre). Bei „Chip Off The Block“ zeigt Zitos Sprössling Zach, dass er die Fingerfertigkeit des Vaters mit den Genen übertragen bekommen hat. Er soll seinen alten Herrn demnächst auf Tour mit begleiten.

Mike Zitos neue Scheibe setzt nicht nur aufgrund des Titels „Make Blues Not War“ ein starkes Ausrufezeichen. Ein absolutes Blues Rock-Klasse-Werk, das Spielfreude pur offeriert und schön aufzeigt, wie man diesen Musikstil perfekt mit südstaatlichem Flair kombinieren kann. Wenn dieser Appell auch noch eine einvernehmliche Forderung nach gerechterer Verteilung des Vermögens und der Ressourcen, sowie ein respektvolleres Untereinander auf diesem Erdball,  implizieren würde (musikalisch gehören unsere Vorlieben bei Zito ja eh dazu), würde Sounds Of South eine dererlei Charta sofort auf dem Fuße mit unterzeichnen!

Ruf Records (2016)
Stil: Blues Rock

01. Highway Mama
02. Wasted Time
03. Redbird
04. Crazy Legs
05. Make Blues Not War
06. On The Road
07. Bad News Is Coming
08. One More Train
09. Girl Bak Home
10. Chip Off The Block
11. Road Dog
12. Route 90

Mike Zito
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Ruf Records

Blue Notez-Kalender 2017 – Gewinnspiel

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚Dortmund‘!

Über einen tollen Kalender unseres Fotografen Peter Schepers darf sich

Helmut Tautges aus Essen

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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Ein Kalender mit Konzert-Schnappschüssen unseres Fotografen Peter Schepers aus dem Blue Notez-Club zu gewinnen! Damit 2017 auch ja kein wichtiger Gig verpasst wird!

Wer unsere Konzertberichte aufmerksam verfolgt hat, dürfte bei der Lösung gute Chancen haben.

Die Frage diesmal lautet:

In welcher Stadt ist der beliebte Club beheimatet?

a) Dortmund
b) Gelsenkirchen
c) Essen

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 18.12.2016 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit dem Teil beliefert wird.

Blue Notez

Timo Gross Band – 17.11.2016, Krefeld, Kulturrampe – Konzertprotokoll

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Berichterstatter + Bilder: Jörg Schneider

Folgendes Telegramm ging in der Sounds Of South-Zentrale von Außendienstmitarbeiter Jörg Schneider ein, mit dem er, im Stile und der Genauigkeit eines Protokolls einer Bauingenieurs-Planungsausschuss-Sitzung, folgende Nachrichten vom Timo Gross Band-Gig in der Krefelder Kulturrampe übermittelte:

– Beginn 20:30 Uhr, Band, aber erst etwas verspätet, unter Beifall auf der Bühne
– Kulturrampe anfangs gut gefüllt, nach der Pause aber deutlich leerer (wg. Uhrzeit ?)
– Stimmung insgesamt gut und ausgelassen
– Timo erweist sich während des Konzertes zwischendurch immer wieder als humorvoller Erzähler kleiner Begebenheiten („Small Town Blues“, „Why“, „I Thank You“)

– Gast: SoS-Freund Mario Scholten, E-Gitarre (hat sich gut in die Band eingefügt, starke Bühnenpräsenz)

Setlist:

01 Down To The Delta (2008 „Travelling“)
02 Love Sick (2008 „Travelling“)
03 Time Ain’t Tight (2016 „Heavy Soul“)
04 Small Town Blues (2011 „Fallen From Grace“ – Song mit launiger Ansage über   die Spießigkeit einer Kleinstadt, von Timo seinen neugierigen Nachbarn       gewidmet)
05 Caribou River (2016 „Heavy Soul“)
06 Driftin‘ Blues (2013 „Landmarks“ – schöner Slow Blues voller Weltschmerz)
07 You Don’t Love Me (2013 „Landmarks“ – mit ausgiebigem, sehr gutem Drum-Solo von Andreas Eichenhauer)
08 Slow Down (2011 „Fallen From Grace“ – mit sehr schönen Slide-Einlagen)

Pause

09 Bound To The Shadows (2014 „It’s All About Love“ – mit Mario Scholten, einem Freund von Timo aus Krefeld, genannt auch der ‚Gitarrenhexer von der Grotenburg‘)
10 Voodoo Priest (2008 „Desire“ – mit Mario Scholten)
11 Why (2016 „Heavy Soul“ – ein Song, den Timo einem seinem besten viel zu früh an Krebs verstorbenen Freund Meinolf gewidmet hat)
12 King Of Nothing (2014 „It’s All About Love“)
13 The Desert (2016 „Heavy Soul“ – markantes Gitarrenspiel)
14 Lots Of Fun (2014 „It’s All About Love“)
15 I Thank You (2011 „Fallen From Grace“ – Band verabschiedet sich mit diesem ZZ Top Klassiker, nachdem Timo mit einer kleinen Geschichte an die Zeiten ohne Internet und Youtube, aber mit Rockpalast-Sendungen, die damals noch in Mono auf kleinen Röhrenfernsehern angeschaut wurden, erinnerte)

– Ende Hauptteil

– Publikum singt den Refrain „I Thank You“ im Chor weiter, bis die Band nach ein paar Minuten wieder die Bühne betritt und gemeinsam noch eine Zugabe spielt:

16 Home Sick (2013 „Landmarks“)

– Zusätzlich gab’s dann noch eine Solo Zugabe von Timo an der Akustik-Gitarre

– Konzertende dann gegen 23:00 Uhr

PS: Vielen Dank an Jörg für den Aufwand mit den vielen detailgetreuen Infos, es war eigentlich nur eine schlichte Bildergalerie geplant.

Line-up:
Timo Gross (lead vocals, guitars)
Patrick Pilarski (bass)
Andreas Eichenhauer (drums)
Special guest: Mario Scholten (electric guitar)

Timo Gross
Timo Gross bei Facebook
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Hundred Seventy Split – 17.11.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Hatten wir tags zuvor bei The Cadillac Three im Kölner Luxor noch den ungestümen Musiknachwuchs in Form knallharten Southern Rocks begutachtet, stand schon am nächsten Abend der nächste Gig an, allerdings wieder eher im Zeichen unserer Altersklasse… Hundred Seventy Split traten im heimischen Schwarzen Adler auf. Und so hatten sich im, für einen Wochentag ziemlich gut gefüllten Rheinberger Blues Club auch viele Leute eingefunden, die ähnlich wie wir, bereits die Jugend des Alters beschritten haben.

Das Trio mit Bass-Legende Leo Lyons, Gitarren-Hexer Joe Gooch und Drummer Damon Sawyer, ist ja quasi in einem Atemzug mit der Kultband Ten Years After zu nennen, die parallel auch immer noch aktiv ist. Lyons war ja TYA-Originalmitglied, Gooch hatte bereits früher über einen langen Zeitraum Alvin Lee ersetzt. Demnach wurden natürlich einige Klassiker aus guten alten Zeiten zum Besten gegeben.

Joe hatte an diesem Abend mit Halsschmerzen zu kämpfen und war von Adler-Inhaber Ernst Barten noch medizinisch versorgt worden. Er ließ sich aber so gut wie nichts anmerken und zog, mit leicht heiserer Stimme, die Show professionell durch. Vor allem seine filigranen Gitarrenkünste waren schon alleine den Besuch wert. Ein echter Wizard.

Leo Lyons, mittlerweile weit in den Siebzig angelangt, führte mit charmanter und humorvoller Art im Stile eines britischen Gentlemans die Song-Ansagen durch und bewies, dass man auch im gesetzten Alter immer noch flink und energiegeladen, die Finger über ein Saiteninstrument fliegen lassen kann. Gegen Ende griff er für zwei Tracks dann auch am großen Contrabass in die Strings. Drummer Damon Sayer blieb nur die Rolle im Hintergrund über, die er aber mit kraftvollem und effektivem Drumming angenehm ausfüllte.

Die Eröffnung des in zwei Sets unterteilten Konzerts stand mit „The Game“ (mit psychedelischen Kurzphasen) und dem swampigen, mit dezentem Southern Rock umwehten „I Grew Up In The Muddy Waters“ im Zeichen des neuen Werkes „Tracks“. Erstes Futter für die Nostalgiker im Raume gab es mit „Fifty Thousand Miles Beneath My Brain“ (stoneske Note). Weitere Exemplare von Anno dazumal wurden in Form von „Good Morning Little School Girl“ und „Love Like A Man“ zum Abschluss der ersten Hälfte dargereicht. Klasse in diesem Set auch noch der Slow Blues “Going Home” (von „The World Won’t Stop“), bei dem Gooch für mich das beste seiner vielen quirilgen Soli einbrachte. Er braucht sich, was seine spielerische Qualität angeht, hinter Größen wie Joe Bonamassa & Co. wirklich nicht zu verstecken.

Der zweite Part stand dem ersten in Nichts nach. Den Auftakt hier machte das orientalisch verpackte „Looking For A Sign“, für das Joe eine spezielle E-Gitarre verwendete, griff dann aber für das End-Solo wieder auf seine stark malträtierte türkis-weiß-farbende Stratocaster zurück. Das swampige „Pork Pie Hat“, der Footstomper „Coming Back Around“ und das Blues-Traditional „Devil To Pay“ ( für beide greift Leo zum Contrabass), das starke „Gonna Dance On Your Tombstone“, sowie der countryeske Schunkler „Tennessee Plates“ (auf Zuschauerwunsch hin), wieder mit herrlich quirligen Gooch-Soli, waren die nächsten Meilensteine.

Der lässig groovende Rocker„The Smoke“ (Leo lässt seinen Bass schwer pumpen) bildete den launigen Abschluss des Hauptteils. Das begeisterte Publikum forderte vehement Nachschlag und wurde mit „King Of The Blues“ (erinnerte phasenweise an ZZ Tops „La Grange“) und, last but not least, mit dem TYA-Parade –Stück „I’m Going Home“ mit Medley-haft integirierten, weiteren Klassikern wie u. a. „Baby Please Don‘t Go“, „Blue Suede Shoes“, „Whole Lotta Shakin‘ Goin‘ On“, etc. gebührend belohnt.

Fazit: Ein starker Abend mit Hundred Seventy Split, der einen gelungenen Spagat aus alt-ehrwürdigem und modernem Blues Rock-Material offerierte. Leo Lyons charismatische, wie auch sympathische Ausstrahlung, sein immer noch lebhaftes Treiben im Tieftöner-Segment in Kombination mit Goochs Gitarrenkünsten sind absolut einen Besuch wert. Selbst unser spezielles Southern Rock-Nischen-Magazin konnte sogar sporadische Bezugspunkte ausmachen. Der Sound war klasse. Insgesamt also eine kurzweilige Sache! Danke erneut ans Adler-Team für die problemlose Akkreditierung.

Line-up:
Joe Gooch (lead vocals, guitar)
Leo Lyons (bass)
Damon Sawyer (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Hundred Seventy Split
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Schwarzer Adler

Rheinberger Bluesparty – 05.11.2016, Rheinberg, Stadthalle – Festivalbericht

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Ich muss, ehrlich gesagt, gestehen, dass ich schon mit leichten Magenschmerzen in die, von mir, nur zwei Minuten Fußweg entfernte schmucke Rheinberger Stadthalle zur Bluesparty (darf sich jetzt übrigens auch Niederrhein Blues-Festival nennen) gegangen bin. Zum einen angesichts des ziemlich hohen Arbeitsvolumens (CD-Reviews, Konzertberichte), das in Sounds Of South im Moment ansteht (am Abend zuvor hatten wir auch schon ein Konzert besucht), zum anderen  wegen des angekündigten Gesamt-Line-ups, das selbst mir, als Musikmensch mit recht großem Horizont, eher trotzdem fast als eine Art Wundertüte daherkam.

Kollege Gernot war aber im Vorfeld der Meinung, dass wir als Magazin aus Rheinberg in jedem Fall berichten sollten, auch wenn unser Fokus dem Blues-Genre ja eigentlich nur indirekt verbunden ist. Da mir das letzte Festival, in seiner liebe- und mühevollen Aufmachung, mit charmanter Moderation und auch den damalig vertretenen Bands (u. a. Layla Zoe) ganz gut gefallen hatte (es fehlten hier eigentlich nur der Bürgermeister und mehr Zuschauer…), und dieser Event auch quasi die Initialzündung für Gernots und meine toll funktionierende Zusammenarbeit gewesen war, ließ ich mich dann doch darauf ein.

Ich hatte im Gespräch bei und nach der letztjährigen Veranstaltung, sowie neulich beim Risager-Gig, Sami Durak  nahegelegt, beim Nachfolger deutlich früher und intensiver zu werben, als auch zumindest mal wenigstens ein richtiges Zugpferd zu verpflichten (z. B. King King, Beth Hart – die ist gerade in der Nähe und macht die Tage die Essener Lichtburg mit 1200 Zuschauern mal locker alleine voll), das zum Einen minimum schon 400-500 Leute alleine zieht und auch zu später Stunde noch bei Laune halten kann. Zur Schonung des Budgets könnte man vielleicht dazu zwei u. U. (eher lokale) Acts mit kürzeren Spielzeiten, die evtl. auch ein jüngeres Publikum mal ansprechen (falls das im Genre möglich ist…), als Vorgruppen präsentieren. Vielleicht als Idee, die in der Berkastadt beliebten Zauberlehrlinge z. B. mal fragen, ob die nicht Lust hätten, ein Blues (Rock)-Programm einzuspielen.

Sami ließ sich, nach meinem Eindruck, allerdings auch diesmal (ich hoffe, dass ich ihm nicht Unrecht tue) wieder, allen Unkenrufen zum Trotz, mehr von seinen persönlichen Präferenzen leiten und gab dann zwar renommierten, aber doch, für solch eine lange Veranstaltung, eher schwierigen Interpreten den Vorzug.

Die Halle wirkte mit knapp 250 – max. 300 Leuten (würde ich mal schätzen, die Logen waren voll) zumindest anfangs trotz großzügiger Lücken optisch einigermaßen befüllt. Es waren jedenfalls ein paar mehr als bei der Vorveranstaltung.

Den Einstieg machten „The Orange Whips“, eine Art Blues Brothers Revival Band, die zu schlecht klingendem Halb-Playback, ein paar Hits der Marke „Soul Man“, „Everybody Needs Somebody“, „Jailhouse Rock“ oder „Gimme Some Lovin'“ der berühmten Brüder sangen und dazu ein paar Faxen machten. Mit viel Wohlwollen erhalten sie dafür von uns das Prädikat ‚gewöhnungsbedürftig‘.

Harp-Spezialist Big Pete, alias Pieter van der Pluijm (dafür aber ein eher schwacher Sänger) und seine Mannen Sander Kooiman, Erkan Özdemir sowie dem kauzigen Drummer-Urgestein Willy Maes, hatten ihre aktuelle Live-CD „Live At BluesNow!“ im Gepäck. Sie präsentierten den Blues in all seinen Facetten von retro/traditional, groovig, slow bis rockig, wobei Petes Harp-Spiel und Kooimans ausgedehnte E-Soli im Vordergrund standen. Am Ende bewies der, auf die Siebzig zugehende Maes mit einem Schlagzeug-Solo, seine immer noch vorhandene Vitalität. Insgesamt eine akzeptable Vorstellung für den gediegenen Blues-Freund (der ja meist eigentlich akademisch bewandert und demnach politisch der wilden und aufmüpfigen 68er-Generation zugeneigt ist, es aber in Sachen Musik gerne schön traditionell und überschaubar hat…), aber auch eher eine Truppe für kleine rauchige Clubs.

Mein o. a. metaphorisches Magengrummeln war scheinbar in eine virale Form mutiert und auf den bis dato fleißig fotografierenden Kollegen Gernot übergegangen, der musste nämlich plötzlich aufgrund echter Probleme passen (Scherz beiseite, seine tatsächlich kranke Tochter schien ihn angesteckt zu haben) und das Festival vorzeitig verlassen. Zum Glück war sein Blues- und auch Foto-affiner Kumpel Joachim Hunke zur Stelle, der dann das Vergnügen hatte, sich an Gernots Multi-Objektiv-Equipment samt Kamera versuchen zu dürfen. Vielen Dank hier für die spontane und unkonventionelle Mithilfe.

Tom Vieth & Co. spielten zwischenzeitlich wieder, wie zuletzt, in den Umbaupausen im Foyer.

Diverse Altersstufen höher bewegte sich dann die nächste Protagonistin, Janice Harrington, die mit Martin Hötte (guitar), Daniel Sok (keys), Frank Mellies (drums) und Jochen Eminger (bass), alias Still A Fool, eine kurzfristig zusammengestellte Begleitband, zur Seite hatte. Man konnte erst tags zuvor mit dem Proben beginnen. Die 74-jährige präsentierte eigene Songs und Covernummern  wie „A Million Dollar Secret“, „Seven Days A Week Man Blues“, „Magic“, „C.C. Rider“ und als Zugabe den abgehangenen Schinken „Route 66“.

Die vierfach-verheiratete Grand Dame erteilte dabei zwischendurch Lebensratschläge an die im Auditorium versammelte Damenschaft. Respekt aber für ihre Leistung in diesem Alter, auch wenn ich mir den Kommentar, dass sie wohl eher meinen 84 Lenze zählenden Vater begeistert hätte, gegenüber Joachim nicht verkneifen konnte. Sein schlagfertiger Kommentar: „Wie, steht der etwa auf jüngere Frauen?“

Die Halle hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits merklich ausgedünnt. Nach einer weiteren Vieth-Performance war die Bühne für den eigentlichen Star des Abends, Zed Mitchell (& Special Guest) recht fix hergestellt, der seine Gitarrenkünste ja bereits für Größen wie u. a. Pink Floyd, Phil Collins (mit dem hatte Zed sogar ein wenig Ähnlichkeit) oder Eros Ramazotti in den Dienst stellen durfte, allerdings als Solo-Interpret eher ein unbeschriebens Blatt ist.

Es war dann klar der beste Act, seine Fingerfertigkeit an der E-Gitarre war schon beeindruckend. Auch sein mitspielender Sohn Ted, hat die Fähigkeiten seines alten Herren weitervererbt bekommen und ließ ebenfalls das eine oder andere tolle Solo vom Stapel. Als Special Guest sorgte dann noch Tosho Todorovic von der Blues Company für weitere Gitarren-Power (fast im Dreier-typischen Southern-Stil) und besseren Lead-Gesang („Everyday I Have The Blues“, „Cold Rain“, „Messin‘ With The Kid“) .

Das Problem hier, beide Mitchells sind eher blasse Fronter und auch keine charismatischen Shouter, die ein Publikum mitreißen können. Die Tracks aus Zeds CDs wie „Game Is On“, „Autumn in Berlin“ oder „Springtime in Paris“  waren trotz ‚Tristesse in Rheinberg‘ anspruchsvoll instrumentiert, aber fast ohne Widererkennungswert (mein Highlight war der grandiose Slow Blues „River Minus Water“), sodass am Ende vielleicht noch 50 Leutchen (inkl. Personal) ihrem Treiben bis zum Ende (ohne Zugabe) beiwohnten. Fand ich, ehrlich gesagt, egal wie einem der Abend gefiel, schon ein bisschen respektlos gegenüber diesem renommierten Künstler und auch Sami Durak gegenüber, der ja viel Herzblut und Arbeit in dieses Projekt investiert hat.

Dem blieb am Ende nicht viel mehr übrig, als, wie ein bedröppelter Hund, die paar Verbliebenen (inkl. mir und Joachim) recht kleinlaut und sichtlich enttäuscht zu verabschieden.

Fazit, die ungeschminkte Wahrheit lautet: Die Rheinberger Bluesparty ist in solchen Konstellationen und dieser Größendimension nicht praktikabel. Man ist hier nicht in Plön am See, irgendwo in der norddeutschen Wallachei, sondern in einem Einzugsgebiet, wo vermutlich parallel 500 schnell zu ereichende kulturelle Konkurrenzveranstaltungen am gleichen Abend stattfinden.

Hier müssen einige Dinge grundlegend geändert werden (siehe meine Anmerkungen oben), sonst macht das einfach keinen Sinn. Gut gemeint, ist halt leider auch nicht immer gut gemacht. Bei der nächsten Veranstaltung muss es in allen Belangen, wie einst in den 90ern, krachen, oder man lässt es besser wirklich ganz bleiben. Wirklich schade um die viele Mühe und den unbestrittenen Einsatz für die Sache, Sami Durak!

Bilder: Gernot Mangold + Joachim Hunke
Text: Daniel Daus

Rheinberger Bluesparty

Ten Years After – 03.11.2016, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Bericht und Bilder: Jörg Schneider

Endlich! Die Helden meiner Jugend treten fast 50 Jahre nach ihrer Gründung mal wieder in meiner alten Heimatstadt Dortmund auf. Diesmal im Musiktheater Piano, einer Location, die immer ein Garant für gute live Acts ist! Zuletzt hatte ich Alvin Lee mit seiner Truppe irgendwann Anfang der 80’er Jahre in der Dortmunder Westfalenhalle gesehen. Da mir das Konzert noch in bester Erinnerung war, hab ich mir natürlich sofort voller Neugier auf die neu formierte Band, eine der letzten Karten für den Gig am 3.11. im Piano besorgt. Die Fahrerei nach Dortmund war natürlich wieder eine Katastrophe, dennoch war ich eine Stunde vor Konzertbeginn da und konnte mir noch einen guten Platz direkt vor der Bühne sichern, dem Konzertgenuss und -shooting stand also nichts mehr im Wege.

Das aktuelle Line-up der Band besteht aus den beiden Gründungsmitgliedern Ric Lee (Schlagzeug), der nicht, wie vielfach fälschlicherweise angenommen, ein Bruder des 2013 viel zu früh verstorbenen Alvin Lee ist, und Chick Churchill (Keyboard). Den Bass bedient seit 2014 Colin Hodgkinson und Alvin Lee ersetzt nun Markus Bonfanti (Gitarre, Gesang und Harp). Auch bei den beiden Letztgenannten handelt es sich um musikalische Schwergewichte: Colin „Bomber“ Hodgkinson hat schon für Alexis Korner, Emerson, Lake & Palmer, Whitesnake, Chris Farlowe, Konstantin Wecker und sogar für Peter Maffay in die Saiten gegriffen. Auch Markus Bonfanti, zu dessen Vorbildern u. a. Jimmy Page zählt, kann auf eine lange Referenzliste mit z. B. Robert Cray, Jack Bruce, Beth Hart, John Mayall, Ginger Baker un, Eric Burdon verweisen. Genug Gründe also, das Konzert der Bluesrock-Urgesteine mit Spannung zu erwarten.

Pünktlich um 20 Uhr betraten die alten Herren dann unter lautem Beifall des Publikums, zu dem erstaunlicherweise auch zahlreiche junge Fans gehörten, die Bühne des wohl ausverkauften Musiktheater Piano und legten sofort mit dem seltener gespielten Klassiker „Sugar The Road“ von ihrem 1970’er Album „Cricklewood Green“ los. Was dann in den nächsten 90 Minuten folgte, war ein Feuerwerk vieler bekannter TYA-Hits aus den Jahren 1969 bis 1973, darunter u. a. auch die Songs „One Of These Days“, „Hear Me Calling“, „50000 Miles Beneath My Brain“, „Love Like A Man“, „I Say Yeah“ und „Good Morning Litte School Girl“. Ohne nennenswerte Pause und ohne Ermüdungserscheinungen rockten die alten Recken die insgesamt 15 Stücke ihrer Setliste mit beachtlicher Spielfreude.

Allen voran natürlich der im Vergleich zu den übrigen Bandmitgliedern noch vergleichsweise jugendliche neue Frontmann Markus Bonfanti. In der Mitte des Sets gab es dann den Titel „Colin’s Thing“, ein neuer Track offenbar extra von Colin Hodgkinson geschrieben. Mit einem minutenlangen Bass-Solo, an dessen Ende es tosenden Applaus gab, spielte er sich in die Herzen der Zuhörer. Auch Ric Lee kam zu seinem Recht und performte in „The Hobbit“ ein schier endlos scheinendes Schlagzeugsolo. Ric Lee hat’s trotz seiner 71 Jahre immer noch drauf und gehört noch lange nicht zum alten Eisen! Das Abschlussstück bildete dann, wie kann es anders sein, das legendäre „I’m Going Home“.

Das Publikum war aus dem Häuschen und feierte frenetisch mit, was Frontmann Markus Bonfanti zu sagen veranlasste, dass sie am liebsten nur noch in Dortmund spielen würden. Klar, dass die Band natürlich nicht ohne lautstarke „Zugabe-Rufe“ von der Bühne gehen konnte. So dauerte es dann auch nicht lang und die vier standen für zwei weitere Stücke auf der Bühne. Als Bonus gab es dann noch „I Woke Up This Morning“ und das rockige „Choo Choo Mama“.

Insgesamt klangen die neuen alten TYA natürlich nicht mehr ganz so wie vor 45 Jahren, aber immer noch TYA-typisch, was sicherlich auch dem exzellenten Bassspiel von Colin Hodgkinson und der Fingerfertigkeit von Markus Bonfanti an der Gitarre geschuldet ist. Den größten Unterschied macht aber eindeutig die Stimme des neuen Frontmanns Bonfanti. Seine Stimme ist rauer und live von der Tonlage eher eine Bassstimme, als eine Tenorstimme, wie sie Alvin Lee hatte.

Auch fehlten die teilweise Jazz-angehauchten und spacigen Einflüsse, die es früher bei TYA gab. Die Stücke klingen heute alle etwas rotziger und frecher, was durchaus nicht schlecht ist, aber eben ein wenig anders. Eingefleischten TYA-Fans fällt das natürlich sofort auf. Nichtsdestotrotz war es ein geiles Konzert mit junggebliebenen Bluesrock-Veteranen. So endete der Gig nach zwei vergnüglichen Stunden und entließ ein durchweg begeistertes Publikum in die Dortmunder Nacht. Herz, was willst Du mehr!

Line-up:
Markus Bonfanti (lead vocals, guitar, harp)
Chick Churchill (keys)
Colin Hodgkinson (bass)
Ric Lee (drums)

Ten Years After
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Musiktheater Piano
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Davy Knowles – Three Miles From Avalon – CD-Review

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Der von der Isle of Man stammende, aber mittlerweile in Chicago lebende Davy Knowles hat mir, ob in Verbindung mit Back Door Slam oder, wie jetzt seit geraumer Zeit, komplett auf eigenen Füßen, schon immer richtig gut gefallen.

Sein exorbitant starkes, übrigens sich größtenteils selbst beigebrachtes Gitarrenspiel, seine Gabe, instrumentell anspruchsvolle und doch eingängige Songs, manchmal auch mit dezentem Southern-Touch, zu schreiben, und vor allem sein starker Gesang (in der Blues-/Blues Rock-Szene ja eher rar), konnten mich schon immer begeistern. Leider hatte ich bis dato nie die Gelegenheit, mal ein Review zu verfassen.

Bei seinem neuen, brandaktuellen Werk „Three Miles From Avalon“, habe ich die Gelegenheit, dann mal am Schopfe gepackt und um ein Rezensionsexemplar gebeten. Schon wenige Stunden später hatte mich der Protagonist, vorbildlicher Weise zu meiner großen Freude, eigens mit Files und den entsprechenden Credits versorgt.

Sein neues Album (übrigens sehr gelungenes, Linolschnitt-artiges Coverbild von Dan Georgopoulos) ist in guter, alter LP-Manier konzipiert. Jeweils eine A- und B-Seite mit vier Stücken, also insgesamt acht neue Tracks. Produziert, als ein echtes Klangerlebnis, hat Davy in Zusammenarbeit mit Anthony Gravino, der auch noch im Background singt und Percussionarbeit mitleistete.

Der erst 29-jährige tritt mit dem satten Opener „Ain’t Much Of Nothin’“ direkt vehement aufs Gaspedal. Hört sich an, als wenn er Acts wie Bad Company (Davy mit Paul Rodgers-Timbre in der Stimme), Rory Gallagher und Whitesnake zu einer Session um sich versammelt hätte. Tolles Stück!

Das herrlich rhythmisch groovende „What You’re Made Of“ erhält durch die starken Backgroundvocals des Chicagoer Damen Trios ‚The Oh Yeahs‘ einen gewissen Southern-Esprit. Als weitere Musiker sind übrigens noch Bryan Doherty (bass guitar, vocals), Michael Caskey (drums), Meghann Wilkinson (additional Percussion) und Andrew Toombs (Wurlitzer, hammond organ) mit vertreten.

Gerade letztgenannter Andrew Toombs, weiß mit seinem filigranen Tastenspiel neben Knowles die auffälligsten Akzente zu setzen, wie auch beim nachfolgenden wunderschönen Slow Blues „Falling Apart“ (herrlich das grandiose Finale mit raunzender Orgel und übergelegtem quirligen E-Gitarrenspiel). Der Slide-bestückte Stampfer „Never Gonna Be The Same“ beendet eine furiose A-Seite.

“Gov’t Row” mit zwei starken E-Soli wie auch das Southern-gospelige „Oxford, Ms“ (A-capella Intro mit Handclaps, unterschwelliger Delta Blues-Touch), das atmosphärische und von leichter Melancholie umwehte Titelstück „Three Miles From Avalon“ sind dann die starken Vorboten für das absolute Highlight und abschließende Finale: “What In The World“, eine Willie Dixon-Nummer, ein regelrechter ‚Mörder-Slow Blues‘.

Das Stück erinnert mich in seiner Art an verwandte Songs wie Claptons „Double Trouble“, „Old Love“ oder „Same Old Blues“ und auch andere Klassiker wie „Thrill Is Gone“ oder „Blue Jean Blues“. 12 Minuten vom Feinsten mit ausgiebigen Killer-Soli von Toombs und Davy. Jedes weitere Lied hätte danach nur verlieren können, somit die richtige Entscheidung, das Werk hier und jetzt zu beenden und den überwältigten Zuhörer in seiner Ehrfurcht zu belassen.

Davy Knowles „Three Miles From Avalon“ bietet modernen Blues Rock in nahezuer Perfektion. Die knapp vierzig Minuten vergehen wie im Fluge. Der gebürtige Brite hat auch ein Southern Rock-Magazin wie unseres, voll in seinen Bann gezogen. Großes Kino! Demnach ein absoluter Pflichtkauf für Rockmusik-Liebhaber aller Coleurs! Ach ja lieber Davy, wann dürfen wir dich denn eigentlich mal in Deutschland auf den einschlägigen Bühnen des Genres begrüßen?

WYAN (2016)
Stil: Blues Rock

01. Ain’t Much Of Nothin‘
02. What You’re Made Of
03. Falling Apart
04. Never Gonna Be The Same
05. Gov’t Row
06. Oxford, Ms
07. Three Miles From Avalon
08. What In The World

Davy Knowles
Davy Knowles bei Facebook

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 22.10.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Vor gut einem Jahr hatte ich ja bereits schon mal das Vergnügen, Thorbjørn Risager & The Black Tornado in Dortmund live erleben zu dürfen. Damals hatte ich den Bericht (plus Bilder) im Alleingang erstellt, was natürlich immer damit verbunden ist, dass man den Gig nicht so verfolgen kann, wie man es gerne möchte.

Diesmal hatte sich der Däne mit der unglaublichen Stimme und seiner sympathischen Combo,  im Rheinberger Blues-Tempel, dem Schwarzen Adler, angesagt, also quasi ein Heimspiel. Dazu konnte ich diesmal vom günstigen Umstand der Arbeitsteilung profitieren, Kollege Gernot zeichnete sich fürs Knipsen verantwortlich. Ich konnte der Musik also diesmal genüsslich Aufmerksamkeit schenken.

Thorbjørn, wie immer adrett im grauen Anzug und mit Krawatte gekleidet, trat im restlos ausverkauften Adler, bis auf eine Ausnahme, in gleicher Besetzung wie in Dortmund an. Hans Nybo ersetzte diesmal Kasper Wagner am Saxophon, und konnte mit seiner gute Laune verbreitenden Art und charismatischen Erscheinung, nebst einiger furioser Soli, auf der, mit sieben Leuten recht umfangreich besetzten Bühne, tolle Akzente setzen.

Überrascht hat mich vor allem der gute Sound, der in einer langgezogenen, engen Location, ja oft ein Problem ist. Ich hatte vor kurzem in der hiesigen Zeitung gelesen, dass neue Boxen angeschafft worden sind. Und in der Tat, es ist den Verantwortlichen glänzend gelungen, den voluminösen Sound des Septetts transparent auszubreiten. Absolutes Kompliment dafür!

Gespielt wurde in zwei, sich an Klasse nichts schenkenden Sets. Los ging es um 20:15 Uhr mit dem satten Stampfer „Too Many Roads“, der zu unserer Freude, dank Skernings surrender Slide, swampiges Southern-Esprit verströmte. Der Gitarrist trägt übrigens den Cowboyhut nicht zu Unrecht auf dem Kopf, viele seiner folgenden Soli, wären auch in der von uns präferierten Musik gut aufgehoben.

Über unterhaltsame Stücke wie „Burning Up“ und „Paradise“ ging es zu „Long Gone“, einem zwar bereits bekannten Song, der aber auch den Weg auf das im Januar anstehende neue Album „Change My Game“ (der Titelsong folgte dann im zweiten Abschnitt) finden wird. Überhaupt fand ich es ziemlich geschickt, dass die Truppe, hier in dieser Hinsicht schon mal  einen großzügigen Vorgeschmack gab (dazu kam in Teil 1 z. B. auch noch das ZZ Top-umwehte „Hold My Lover Tight“). So betreibt man viel positive Werbung in eigener Sache, was potentielle Platten-Verkäufe angeht.

Das anmutige „China Gate“ und das launige „Rock’N’Roll Ride“, bei dem das bestens aufgelegte Rheinberger Publikum gesangstechnisch eingebunden wurde, beendeten einen hervorragenden ersten Set.

Der stoneske „Hi Rolling“-Feger ist natürlich der perfekte Einsteiger nach einer Pause, um die Audienz wieder in die Spur, bzw. auf die zuvor erreichte Betriebstemperatur zurückzuholen. Das bereits erwähnte Titelstück vom neuen Werk „Change My Game“ (dezentes Reggae-Flair), sowie die nächste Neu-Kreation, das atmosphärisch-soulige „I Used To Love You“, das fett groovende „Precious Time“, das unterschwellig countryeske „Long Forgotten Track“ und der absolute Höhepunkt für mich, das Southern-rockige „All I Want“ (grandiose E-Gitarren-Passagen, Thorbjørn und Peter mit Genre-typischem Twin-Intermezzo) bildeten die nächsten unterhaltsamen und mitreißenden Stationen.

Delta Blues hieß es bei „On My Way“, bei dem Peter Skjerning seinen viel-benutzten Metall-Bottleneck über eine skurril aussehende, mit einer Konservendose als Klangkörper umfunktionierten Gitarre, surren ließ. Die ansonsten immer wieder herrlich plusternde Bläserfraktion, hatte hier mal Pause und vertrieb sich die Zeit mit Pantomime-artigen Rhythmus-Handbewegungen.

Eine starke Version von „Baby, Please Don’t Go“ und das stimmungsvolle, in bester Status Quo-Manier rockende „If You Wanna Leave“ (atemberaubendes Sax-Solo von Nybo) bildeten den krönenden Abschluss eines begeisternden Hauptteils. Stürmische Zugaberufe hallten zurecht durch den Adler. Die Dänen ließen sich nicht lumpen und gaben mit dem wuchtigen „Opener“ und dem relaxten Schwofer „Drowning“ zwei letzte exzellente Kostproben ihres schweiß-treibenden Live-Repertoires. Um 22:35 Uhr war dann endgültig Schicht.

Thorbjørn Risager & The Black Tornado fegten bei ihrem Zweitauftritt in Rheinberg wie ein musikalischer Wirbelsturm durch den Adler, besser und intensiver kann man eine Live-Performance kaum gestalten. Uns gefiel natürlich besonders das breitgefächerte Spektrum, das die Band, ähnlich wie JJ Grey & Mofro, mit ihrem Blues Rock verbindet (explizit natürlich die Southern Rock & Soul- sowie Country-Einflüsse).

Ein weiteres unterhaltsames Trademark der Truppe sind die deutschen Ansagen vor manchen Liedern durch die einzelnen Mitglieder (klasse z. B. Thorbjørns grammatikalische Meisterleistung in Sachen ‚der, die, das‘ – „… treffen uns an das Ende von die Show, an der Stand…“), mit der er locker, dem Sprachlevel heutiger deutscher Mittelklasse-Schüler (und vermutlich darüber hinaus), Paroli bieten konnte. Das trägt zu heiterer Stimmung bei und hat zudem noch integrativen Charakter, der ja heute, zwar hauptsächlich aufgrund anderer Begebenheiten, omnipräsent eingefordert wird.

Fazit: Der Abend mit Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Vierbaumer Schwarzen Adler bot nahezu perfekte Unterhaltung auf großartigem Niveau. Einziger Wermutstropfen war vielleicht nur, dass kaum junge Menschen diesem Event beiwohnten und im Großen und Ganzen fast nur Besucher der reiferen Generation (inklusive uns…) präsent waren. Aus Sounds Of South-Sicht war der Risager-Gig neben Devon Allman eines der ganz großen Konzert-Highlights des Jahres 2016! Danke an die Band, Ruf Records und das Adler-Team für den sehr schönen Abend.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Ruf Records
Schwarzer Adler

Minor Cabinet – 14.10.2016, SOL Kulturbar, Mülheim – Konzertbericht

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Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Der Auftritt in der SOL Kulturbar in Mülheim war der Auftakt für die Herbsttour 2016 von Minor Cabinet. Die Band hatte sich mit der Kulturbar eine schöne Location ausgesucht. Damit zunächst ein Kompliment für den Betreiber Hakan Mengil, der eine gemütliche Atmosphäre für Konzerte im eher intimen Rahmen, mit direktem Kontakt zu den Musikern geschaffen hat. Leider fanden sich nur etwa 50 Besucher ein, sodass der mit Stehtischen ausgestattete Raum nur zu einem Drittel gefüllt war. Den Appell, den man immer wieder hört, dass die lokalen kleinen Clubs zu Konzerten besucht werden sollen, gewann damit wieder einmal an Bedeutung, insbesondere da Minor Cabinet einen etwa zweistündigen Set spielten, der sowohl Freunde der Rockmusik, Bluesmusik, Folk und so genannter Independentmusik begeistern konnte.

Dass die Band kurzfristig noch die Reihenfolge der Setliste verändert hatte und nach „Secret“ mit „Fly Into The Sun“ begannen, kann auch in Verbindung mit dem Namen SOL Kulturbar gesehen werden und spiegelt die Spontanität der Band wider, wie auch ein zwischenzeitliches Geburtstagsständchen für eine Zuschauerin. Bei „Stationary“, welches fast a-capella vorgetragen wurde (nur Frontmann Julian Jasny begleitete mit der Akkustikgitarre), gelang es, das Publikum in einige Gesangspassagen einzubinden.

Julian moderierte humorvoll durch den Abend, in dem das im letzten Jahr veröffentlichte Album „Black Ink On White Sheets“ im Mittelpunkt stand und lieferte sich in den härteren Songs an der Gitarre mit Clemens Bombien einige Duelle, die das Publikum begeisterte. Bombien seinerseits beeindruckte sowohl mit gefühlvollen wie auch Hightemposoli mit unverkennbaren Bluescharakter die Zuschauer, was sich auch in Gesprächen nach dem Konzert widerspiegelte. Christian Peitz an den Keyboards erinnerte mit seinem Spiel in einigen Passagen an die Doors, „V1“ als Intro für „Fly Into The Sun“ von der letzten Scheibe „Black Ink On White Sheets“, hätte aber auch Bestandteil einer Southernrockband sein können. Roman Dönicke an den Drums und Paul Krobbach am Bass bildeten die souveräne Rhythmussektion, die die Basis für das Spiel der anderen Bandmitglieder bildete. Dabei hatten sie aber mehrfach die Möglichkeit, mit Soli ihr Können am Instrument zu zeigen, wie es sich für eine gute Rockband gehört.

Hervorzuheben ist, dass, bis auf „Addicted To You“ von Avicii und „Hard To Handle“, einem Otis Redding Song, den schon die Black Crowes coverten, nur eigene Kompositionen gespielt wurden, wovon einige bisher unveröffentlicht sind und so auch eine Grundlage für ein neues Album sein können. Als vorletztes Stück spielte Jasny zunächst allein akkustisch einen ganz neuen, eigenen Song, bei dem er am Ende durch Bombien mit einem Solo begleitet wurde, in dem die Gitarre zu singen schien. Beendet wurde das Konzert mit einer krachenden Version von „Running For Someone“.

Nach dem Konzert war der Abend aber für die Besucher und die Band noch nicht vorbei. In geselligen Runden unterhielten sich die Musiker mit Zuschauern und reflektierten den Abend. Interessant war ein Gespräch von Clemens Bombien und einem eingefleischten Bluesfan, der gar nicht glauben konnte, dass Bombien nur ein halbes Jahr Gitarrenunterricht hatte und sich den Rest mit musiklalischen Talent und Willen beigebracht hatte. Leider wird Clemens Bombien Minor Cabinet zum Ende des Jahres verlassen, was aber nicht das Ende der Band bedeutet. Es wird im nächsten Jahr mit einem neuen Saitenmann weitergehen, und vermutlich wird ein neues Album nicht lange auf sich warten lassen.

Wer also Minor Cabinet mit Bombien an der Gitarre noch einmal erleben will, muss sich beeilen und einen der Termine der Herbsttour (siehe Internetauftritt www.minorcabinet.com) besuchen. Es wird mit Sicherheit ein eindrucksvoller Abend, mit einer jungen dynamischen Truppe sein, die handgemachte Rockmusik mit Einflüssen aus anderen Genren präsentiert.

Des Weiteren erbringt man einen Anteil am Erhalt kleinerer Clubs, die den Musikfans die Möglichkeit geben, zu erschwinglichen Preisen Livemusik genießen zu können. Bedanken möchte ich mich an der Stelle auch für die problemlose Akkreditierung, den wirklich freundschaftlichen Empfang von allen Bandmitgliedern, die abendlichen Hintergrundgespräche und das Engagement von Hakan Mengil, der einen solch schönen Club betreibt.

Line-up:
Julian Jasny (lead vocals, guitars)
Clemens Bombien (lead guitar)
Paul Krobbach (bass)
Roman Dönicke (drums)
Christian Peitz (keys)

Minor Cabinet
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SOL Kulturbar Mülheim/Ruhr

Layla Zoe – 13.10.2016, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

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Der Layla Zoe-Gig vor gut einem Jahr bei der Rheinberger Blues Party, war für Fotograf Gernot Mangold und mich, quasi mit ein Auslöser für unsere gemeinsame Zusammenarbeit. Wir hatten die Veranstaltung mit völlig unterschiedlichen Intentionen besucht, kannten uns aber bereits seit der Schulzeit. Ich steckte gerade noch in den Vorbereitungsarbeiten für dieses Magazin, Gernot fotografierte aus rein persönlichem Spaß. Wir loteten im Gespräch aber schon mal eine potentielle Kooperation aus.

Mittlerweile ist das SoS knapp 10 Monaten am Laufen und wir sind nach so einigen gemeinsamen Konzerten ein perfekt eingespieltes Team, das eigentlich, ohne uns selbst loben zu wollen, für die zuverlässige, qualitative und umgehende Berichterstattung, immer wieder positive Anerkennung erhält. So war der Layla Zoe-Auftritt im Rahmen ihrer „Breaking Free“-Tour im schönen Zentrum Altenberg noch mal eine nette Gelegenheit, das Ereignis in einem anderen Rahmen gemeinsam zu beleuchten.

20:15 Uhr betrat der charismatische Rotschopf in Begleitung ihres Gitarristen Jan Laacks, der zierlichen, bulgarisch-stämmigen Bassistin Daniela Kruger, sowie dem Wuppertaler Drummer Dirk Sengotta (Hendrik Freischlader) die Bühne und begann sofort, mit den so knapp 130 geschätzten Zuschauern zu interagieren, um direkt mal Stimmung an diesem schwierigen Termin (Ferien in NRW, Wochentag) in die vielleicht nur zu einem Viertel gefüllte Location zu bringen. Jan Laacks slidete zu unsere Freude in typischer Südstaaten Rock-Manier sofort ein Intro. zum Übergang in den  rockig stampfenden Opener „Backstage Queen“ vom „Breaking Free-Album“. Laylas fulminante Röhre entfalte sich von Beginn an in voller Pracht, und zog sich mit anhaltender, nie nachlassender Intensität, wie ein roter Faden durch den Abend.

Den Löwenanteil bildeten dann natürlich auch Tracks aus diesem Werk wie u. a.  das psychedelisch angehauchte „Run Away“, „Why Do We Hurt The Ones We Love“ (schön Southern-mäßiges E-Gitarren-Solo), “Sweet Angel” (soulige Ballade) oder  das funkige “Work Horse”. Ich finde so was immer klasse und mutig, viele Acts belassen es ja meist bei zwei, drei Songs und konzentrieren sich dann ja wieder aufs Bewährte. Aus früheren Silberlingen wurden Stücke wie „Pull Yourself Togther“ (Hendrixsches Wah-Wah-Solo), „Rock And Roll Guitar Man“,“ Green Eyed Lover“, „Why You So Afraid“ und das den Hauptteil abschließende „Never Met A Man Like You“ gestreift.

Zwischenzeitlich hatte Laylas Begleitrio dann in einem Jam nochmal Gelegeheit seine instrumentellen Fertigkeiten zu präsentieren. Jan Laacks bewies neben seinen Saitenkünsten an den Stratocaster-Gitarren auch kurz sein vokales Talent, der austrainiert wirkende Dirk Sengotta ließ seine Kräfte in Form eines Power Drum-Solos walten und die hübsche Daniela Kruger ließ ihre Bass-Gitarre unter kritischer, wie prominenter Gastbegutachtung durch Tieftöner-Megastar Carmine Rojas (der war mit Antoine Hill zu Besuch da – beide hatten wir ja neulich zusammen mit Ryan McGarvey in Rhede erlebt) grooven und pumpen.

Layla Zoe, sang sich, wie gewohnt, die Seele aus dem Leib, gab sich zum Teil lasziv (fummelte bei „Rock And Roll Guitar Man“ an sich und Jan Laacks rum), ließ ihre Mähne wehen, shakerte mit dem Publikum (u. a. Abklatschen mit Gernot) und führte das gesamte Line-up im Stile einer Diva durch das durchgehend auf hohem Level gehaltene Programm.

Als Zugabe (auch beide vom neuen Album) widmete die Kanadierin „Trail Of Tears“ den, unter mysteriösen Umständen, als verschwunden geltenden Frauen in ihrem Land, ein Problem, das allerdings ja leider auch global zu beobachten ist. Hatte ein wenig was von Melissa Etheridge. Am Ende gab es dann den, nur von ihr und Jan, in reduzierter Form interpretierten, Stones-Klassiker „Wild Horses“ (herrlich wohlig klirrende Strat-Töne in Kombination mit ihrem ausdrucksstarken Gesang). Ein äußerst atmosphärischer und Gänsehaut erzeugender  Schlusspunkt nach gut 1 1/2 Stunden Spielzeit.

Danach gab es dann noch das heute übliche Treiben am Merchandising-Stand, bei dem sich die Protagonistin lebensnah und sympathisch zeigte. Gernot hatte noch einen selbst erstellten, großen Wand-Kalender mit seinen Konzertfotos (mit einem Bild von Layla auf der o. a. Blues Party) zum Unterzeichnen zur Hand, das sie humorvoll und schlagfertig mit “Oh, the August-Girl“ kommentierte. Ein sehr schöner Abend mit allen Facetten des Blues Rocks. Auch der zweite Layla Zoe-Besuch von uns hat sich also absolut gelohnt!

Line-up:
Layla Zoe (lead vocals)
Jan Laacks (guitars, vocals)
Daniela Kruger (bass, vocals)
Dirk Sengotta (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Layla Zoe
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Ruf Records
Zentrum Altenberg