Marc Broussard – SOS V: Songs Of The 50’s – CD Review

Review: Hans-Joachim Kästle

So kann man natürlich auch ins Musikgeschäft einsteigen: Marc Broussards Vater Ted war Gitarrist der Fabulous Boogie Kings und ließ seinen Sprössling im zarten Alter von fünf Jahren mit seiner Band den Chuck-Berry-Klassiker „Johnny B. Goode“ singen. Und falls diese Geschichte nicht stimmen sollte, ist sie zumindest gut erfunden…

Der heute 42-jährige Marc, aufgewachsen in Louisiana, begann 2002 mit seiner Solokarriere, die bislang zwölf Studio-Alben umfasst, von denen immerhin vier in die Billboard Top 200 kamen. Seine musikalische Grundlage sind der klassische Rhythm & Blues und Soul, gewürzt mit Zugaben wie Rock ‚n‘ Roll und Blues – und seine dynamische Stimme.

Nun veröffentlicht er das fünfte Album der Benefiz-Reihe „Save our souls“ und das 13. Insgesamt. „Ich begann mit Coveralben, nachdem ich meinen ersten Major-Label-Vertrag beendet hatte. Als unabhängiger Künstler wollte ich Musik machen, die Gutes bewirkt“, erklärt Broussard seine Beweggründe. Bislang unterstützte er unter anderem ein Frauen- und Kinderschutzhaus oder ein Kinderkrankenhaus in Baton Rouge, Louisiana.

Die elf Tracks von „SOS V“ umfassen Songs aus den Fünfzigern – wie es der Titel schon sagt – und frühen Sechzigern und ein Original. Los geht’s mit „Halleluja I Love Her So“, dem Soul-Klassiker von Ray Charles von 1957, den Broussard so richtig zum Schwingen bringt. Genau das ist es ja, was die Interpretation dieser zeitlosen Oldies ausmacht, die schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben: Es muss zeitgemäß und modern klingen und einerseits Hörer ansprechen, die das Original kennen, und anderseits auch solche, die es vielleicht noch nie gehört haben.

Wie zum Beispiel das furiose „Lucille“, mit dem Little Richard, ebenfalls 1957, zum Siegeszug des Rock ’n‘ Roll beitrug. An seiner Seite hat Broussard die Southern-Rock-Legende Jimmy Hall (Wet Willie/„Keep On Smiling“), der jüngst mit der Allman Betts Family Revival Tour unterwegs war und auch schon mit Jeff Beck getourt ist. Wichtig natürlich auch: Es muss für musikalische Abwechslung gesorgt sein; es darf sich nicht alles nach Eintopf anhören.

Das ist ebenfalls gelungen. So steht unter anderem der leichtfüßige Nummer-eins-Pophit „Hey Baby“ von Bruce Channel – der Clou dabei: Damals wie heute spielt Delbert McClinton (85) die Mundharmonika – neben dem mit Streichern ausgestatteten unverwüstlichen Evergreen „Unchained Melody“, mit dem vor allem die Righteous Brothers in Verbindung gebracht werden, oder Fats Dominos fetzige Hymne „I’m Walkin’“. Kurz und bündig: Give it a listen!

India Media, Big Lake Music (2026)
Stil: Soul, Pop, Rock

Tracks:
01. Hallelujah I Love Her So
02. Dream Lover
03. Unchained Melody
04. Lucille featuring Jimmy Hall
05. Tell It Like It Is
06. I’m Walkin’
07. Hey Baby featuring Delbert McClinton
08. You Send Me
09. Stagger Lee
10. Baby Girl
11. Smile

Marc Broussard
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CJ Land – Storm Chaser. Nashville EP– EP-Review

Review: Michael Segets

CJ – die Kurzform für Chad Jonathan – Land wuchs in Kalifornien auf und zog dann über Texas nach Nashville, Tennessee. Den Grundstein für seine musikalische Laufbahn legte seine Mutter, die ihm Gesangsunterricht gab und eine alte Gitarre kaufte. In seiner Jugend betätigte sich Land in Heavy-Metal-Bands als Sänger und Gitarrist. Seit 2015 begibt er sich in ruhigere Gefilde. Als Singer/Songwritern nimmt er Einflüsse des Outlaw Country und des Old School Rock’n Roll auf. Er spielte in kleineren Locations und bei größeren Events. Für Devon Allman, für Ted Nugent und – vielleicht etwas überraschend – für Billy Idol eröffnete er Konzerte.

„Storm Chaser. Nashville EP“ ist in seiner Wahlheimat in einem privaten Studio entstanden. Die EP startet mit den beiden ordentlichen County-Balladen „Distance“ und „That’s Just Me“. „Where Has All The Time Gone?“ lässt dann wirklich aufhorchen. Land rockt hier vor einem Teppich von mehreren Gitarren gewürzt mit ein paar Key-Einsprengseln. Das starke Stück passt sich nicht in die Vorstellung des Nashville-Country ein und Land leitet mit ihm eine Wendung seiner EP in Richtung Rock ein. Während „On Downstream“ mit einem galoppierenden Rhythmus noch einen Western vor dem inneren Auge abspielt, kann der Titeltrack „Storm Chaser“ nicht verleugnen, dass Land am Anfang seiner Karriere eher der härteren Spielart des Rocks zugeneigt war. Diese Frühzeit wirkt hier in das Songwriting hinein, wobei der Song durchaus melodiös bleibt.

Bevor die EP mit dem in zwei Minuten knackig durchgetriebenen „Looking Like Trouble“ ihren aufgekratzten Abschluss findet, schiebt Land nochmal eine Country-Ballade zwischen: „I Need Some Time“ knüpft an den Beginn seines Werks an. Den gefühlvollem Song wählte Land als erste Auskopplung. Er wäre auch für mich die erste Wahl unter den langsameren Country-Titeln gewesen und für Nashville sicherlich die richtige Entscheidung.

„Storm Chaser” zeigt CJ Land von zwei Seiten. Auf der einen Seite als Country-Musiker, der sich in balladesken Bahnen bewegt, auf der anderen Seite als Rocker, der lautere Töne anschlägt. Die knapp halbstündige EP erscheint so nicht als in sich geschlossenes Werk, sondern mehr als ein Ausblick auf die Spannweite dessen, was von Land noch zu erwarten ist. „I Need Some Time“ sowie „Where Has All The Times Gone?“ sind die Highlights, auf denen sich die beiden Facetten seiner Musik widerspiegeln.

Ich mag Rock mit Country-Einflüssen ebenso wie rockigen Country. Land bewegt sich in diesem Grenzgebiet und daher darf ich auf seine nächste Veröffentlichung – vielleicht einen Longplayer – gespannt sein.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Country, Rock

Tracks:
01. Distance
02. That’s Just Me
03. Where Has All The Times Gone?
04. On Downstream
05. Storm Chaser
06. I Need Some Time
07. Looking Like Trouble

CJ Land
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Lucinda Williams – World’s Gone Wrong – CD-Review

Review: Michael Segets

Lucinda Williams legt beständig neues Material vor und dies, obwohl die Folgen eines Schlaganfalls sie daran hindern, weiterhin Gitarre zu spielen. Unbenommen der gesundheitlichen Einschränkung ist ihr unverwechselbarer Gesang ebenso erhalten geblieben wie die Fähigkeit gute Songs zu schreiben. Diesmal gibt Williams ein politisches Statement ab. An wen sich die Kritik des Albums in erster Linie richtet, dürfte klar sein, wenn sie fragt „How Much Did You Get For Your Soul”? Die beschwörende Aufforderung, für Freiheit einzutreten, kommt sehr deutlich auf „Freedom Speaks“ zum Ausdruck. Williams beweist Rückgrat und tut mit ihren Mitteln das, was möglich ist, um auf Fehlentwicklungen in der Welt aufmerksam zu machen.

„World’s Gone Wrong“ ist ein Rockalbum, auch wenn sich gelegentlich Blues, Americana oder sogar Raggae hineinmischen. Die Songs sind diesmal durchgängig gradlinig angelegt. Williams verzichtet weitgehend auf extrem expressive Momente, die in der Vergangenheit mal genial waren, manchmal aber auch tendenziell anstrengend wirkten. Daher ist der neue Longplayer insgesamt in einem positiven Sinne eingängig. Dies bedeutet, dass er an den richtigen Stellen und in einem ausgewogenen Maß die für Williams typischen Ecken und Kanten aufweist.

Die Gitarrenarbeit übernehmen auf „World’s Gone Wrong“ Doug Pettibone und Marc Ford, die auf ganzer Linie überzeugen – beispielsweise auf „Something Gotta Give“, bei dem zudem Britney Spencer im Background zu hören ist. Auch beim Titeltrack wirkt Spencer mit. Marvis Staples singt „So Much Trouble In The World“, das aus der Feder von Bob Marley stammt, zusammen mit Williams. Als weitere prominente Stimme tritt Norah Jones bei „We‘ve Come Too Far To Turn Aróund” in Aktion. Dort sitzt sie ebenfalls am Piano. Ansonsten zeichnen Reese Wynans und Rob Burger für die Keys – Hammond B-3 oder Wurlitzer – verantwortlich.

Neben konsequenten Rockern wie „Sing Unburied Sing“ fügt Williams langsamere Songs ein („Punchline“) oder frönt auch mal dem Blues („Black Tears“). So kommt ein durchaus abwechslungsreiches Album zustande, das seine Linie nicht verliert. Herzblut steckt in der musikalischen Gestaltung der Songs. Durch ihre politischen und sozialkritischen Lyrics beweist Williams, dass sie das Herz am richtigen Fleck hat. „World’s Gone Wrong“ wirft einen ernüchternden, fast schon resignativen Blick auf die Welt. Letztlich bleibt aber die Hoffnung, dass sich das Geschehen in der Welt in Richtung Gerechtigkeit und Menschlichkeit bewegen lässt.

Highway 20 – Thirty Tigers (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. The World’s Gone Wrong
02. Something’s Gotta Give
03. Low Life
04. How Much Did You Get For Your Soul
05. So Much Trouble In The World
06. Sing Unburied Sing
07. Black Tears
08. Punchline
09. Freedom Speaks
10. We’ve Come Too Far To Turn Around

Lucinda Williams
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Elles Bailey – Can’t Take My Story Away – CD-Review

Wenn ich darüber resümiere, welche Künstler im Laufe der letzten zehn Jahre in diesem Magazin einen besonders markanten Eindruck hinterlassen haben, steht die Elles Bailey mit ganz oben in der Liste.

Wir haben die sympathische Britin seit ihrem Debütalbum „Wildfire“ in 2017 hier reviewtechnisch mitbegleitet und sie auch mehrfach live begutachtet, zuletzt noch Ende 2024 beim Gig im kleinen Saal im Luxor Live in Arnheim.

Nach ihrem überragenden Vorgänger „Beneath The Neon Glow“ und dem damit verbundenen, durchaus beachtlichen Erfolg, lag die Messlatte enorm hoch. Meist entscheiden sich Interpreten, auf Nummer sicher zu gehen und nach dem Motto ’never change a winning team‘ auf der ’sicheren Schiene‘ weiterzufahren, um sich weiter in ähnlichem Rahmen zu bewegen.

Nicht so Elles Bailey, die ‚krempelte diesmal alles um. Neuer Produzent (Luke Potashnick), neue Co-Songwriter und Musiker (ihre Liveband blieb völlig außen vor) und auch eine deutlichere Ausrichtung zu soullastigerer Musik, was man bei den beiden Openern „Can’t Take My Story Away“ und dem groovigen  „Growing Roots“ sowie später dem  flotten „Angel“ (Motown-Note) recht eindrucksvoll vor ‚Öhren‘ geführt bekommt, einhergehend mit Bläsersätzen und gospeligen weiblichen Backgroundgesängen.

Erst beim vom leider viel zu früh verstorbenen Catfish-Fronter Matt Long geschriebenen,  herrlich flockigen „Better Days“ tritt  ihre immer wieder in ihre Musik integrierte Country-/Southern Rock-Passion in den Vordergrund, was besonders im Twin-Gitarren simulierenden E-Gitarrensolo deutlich wird.

In den ruhigen Stücken wie u. a. „Blessed“ (mit Piano und Streichern), „Constant Need To Keep Going“, „Dandelion“ (alle mit Pop-Appeal, aber auch unterschwelliger Nashville-Note) und der theatralisch endenden Pianoballade „Starling“  kommt natürlich ihre grandiose, leicht rauchige Stimme besonders gut zur Geltung.

Kommen wir zum Schluss noch zu meinen beiden weiteren Favoriten neben „Better Days“. Da wäre das in Little Feat-/Bonnie Raitt-Manier (E-Slide, HT-Piano, Orgel, Harp BGVs) cool dahinschunkelnde „How Do You Do It“ und der melodische, dezent melancholische und radiotaugliche Ohrwurm „Tightrope“.

Auch wenn „Can’t Take My Story Away“ aus meiner Sicht nicht ganz an den überragenden Vorgänger heranreicht, haben wir es wieder mit einem hervorragenden Werk von Elles Bailey zu tun. Wir werden ihre Geschichte deswegen sicher nicht beiseite schieben, Ganz im Gegenteil, wir werden ihre Entwicklung, wie bisher, weiter mit viel Freude begleiten, dokumentieren und in die Musikwelt hinaus publizieren.

Cooking Vinyl & Outlaw Music (2026)
Stil: Rock/Pop/Soul

01. Can’t Take My Story Away
02. Growing Roots
03. Better Days
04. Blessed
05. Constant Need To Keep Going
06. Take A Step Back
07. How Do You Do It
08. Angel
09. Dandelion
10. Tightrope
11. Starling

Elles Bailey
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Willie Nile – The Great Yellow Light – Album-Review

Review: Michael Segets

Am Ende des Jahres habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, nochmal einen Blick auf die Alben zu werfen, die im laufenden Geschäft für SoS liegengeblieben sind. Ein Musiker, den ich sehr schätze und der sich in diesem Jahr mit „The Great Yellow Light“ ins Gedächtnis gerufen hat, ist Willie Nile. Für diejenigen, die noch auf der Suche für ein Weihnachtsgeschenk sind, kann die 2025er-Scheibe ein überlegenswerter Tipp sein.

„We are young, we are strong“, ruft der Rocker bei „We Are, We Are“ ins Mikro. Alter ist ja bekanntlich relativ. Die starken und dynamischen Töne hat Nile aber auf jeden Fall auch mit 77 Jahren noch drauf. Die schlägt er ebenso bei dem Opener „Wild Wild World“ und „Electrify Me“ an. Der Longplayer steigt also temporeich ein. Später folgt noch das gradlinige „Try To Make A Livin’ In The USA“. Die Rockstücke tragen unverkennbar die Handschrift des Altmeisters, auch wenn sie nicht zu seinen herausragenden Songs gehören, wie man sie vor allem auf „House Of A Thousand Guitars“ (2009), „The Innocent Ones“ (2010) oder „American Ride“ (2013) findet.

Mit dem keltisch angehachten „An Irish Goodbye“ zeigt Nile eine neue Facette seines Songwritings. Das Duett mit Paul Brady entführt mit Whistle und Pipe quasi auf die grüne Insel. Der stimmungsvolle Track ist bemerkenswert und als überaus positive Überraschung auf dem Album zu verzeichnen. Insgesamt hält „The Great Yellow Light“ eine ausgewogene Mischung von langsamen und Uptempo-Stücken bereit. Neben den insgesamt gitarrenorientierten Beiträgen steigt Nile bei „Fall In Me“ mal mit dem Klavier ein. Dass er dieses Instrument ebenfalls beherrscht, zeigte er zuvor bereits ausgiebig auf „If I Was A River“ (2014).

Neben acht neuen Songs fanden auch zwei ältere den Weg auf die Scheibe. Das Duett „Wake Up America” mit Steve Earle kam 2022 heraus und findet sich in einer Live-Variante auf „Live At Daryl’s House Club“ (2024). Im Studio ist Waddy Wachtel (Miranda Lambert, Beth Hart) an der Gitarre mit dabei. Deutlich älter ist „Washington’s Day“, das bereits von The Hooters veröffentlicht wurde. Den Titel schrieb Nile zusammen mit Rob Hyman und Eric Bazilian, die auch auf der aktuellen Version mitwirken.

„The Great Yellow Light“ ist erneut ein gutes Album von Willie Nile, auch wenn es nicht zu seinen besten zählt. Es vereint zeitlosen Rock mit stimmungsvollen Stücke im typischen Nile-Sound. Besonders bemerkenswert sind „An Irish Goodbye“, bei dem Nile Einflüsse des Celtic-Rock aufgreift, und das Duett mit Steve Earle „Wake Up America“, das seit seiner Erstveröffentlichung leider nichts an Aktualität verloren hat.

River House Records – Indigo (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. Wild Wild World
02. We Are, We Are
03. Electrify Me
04. An Irish Goodbye (feat. Paul Brady)
05. The Great Yellow Light
06. Try To Make A Livin’ In The USA
07. Fall In Me
08. What Color Is Love
09. Wake Up America (feat. Steve Earle)
10. Washington’s Day

Willie Nile
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Mothers Finest – 30.11.2025, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Mothers Finest sind vor über 50 Jahren gegründet worden und bringen ein volles Haus im Musiktheater Piano. Von der Besetzung her sind insbesondere die Schlüsselpositionen noch mit den Originalmitgliedern besetzt, die dann auch offerieren, was in ihnen steckt.

Glen Murdock wirkt auf der Bühne zuweilen zwar gebrechlich und legt einige Pausen ein, wenn er aber zum Mikro greift, gibt er sich stimmlich bestens aufgelegt, wie auch Joyce „Baby Jean“ Kennedy, der man ihr Alter kaum anmerkt. Zudem werden die beiden on top von starken Backgroundsängerinnen unterstützt.

Das kauzig erscheinende Gründungsmitglied „Moses Mo“ und John Hayes erweisen sich mit hart gespielten Riffs für die rockenden Elemente verantwortlich. Die Rhythmusfraktion mit Jerry Seay am Bass und Dion Derek Murdock erzeugen zuweilen für einen brettharten Sound, mit dem sich auch Metalfans anfreunden könnten.

So sorgen Mothers Finest mit ihren eigenen Stil, der sich von Funk über Soul bis hin zum Hard Rock erstreckt, für kurzweilige knapp 100 Minuten im Piano, bei denen die Fans fast durchgehend im Takt der Musik mitgehen und der Tophit „Baby Love“ die Stimmung zum Überkochen bringt.

Line-up:
Joyce „Baby Jean“ Kennedy (lead vocals)
Glen „Doc“ Murdock (lead vocals)
Gary „Moses Mo“ Moore (guitars)
John „Red Devi“ Hayes (guitars)
Jerry „Wyzard“ Seay (bass)
Dion Derek Murdock (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Mothers Finest
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3dog entertainment
Musiktheater Piano

Orphan Jon & The Abandoned – Reckless Abandon Vol II Live – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Orphan Jon gehört zur Gattung jener Musiker, die sich in heimatlichen Gefilden – aufgewachsen ist er in Bakersfield, Kalifornien, heute lebt er im Mittleren Westen – durchaus einer gewissen Popularität erfreuen. So wurde er 2018 für einen Blues Blast Award für sein Debüt-Album nominiert und 2019 für einen Independent Blues Award.

Jon English stammt aus einer zerrütteten Familie und kam mit acht Monaten zusammen mit seinen drei Brüdern in ein Waisenhaus. So erklärt sich auch der Bandname: Waisenjunge Jon und die Verlassenen. Es hört sich zwar wie aus einem Herz-Schmerz-Roman an, aber genau so war es: Jan fand seinen Weg in der Musik, genauer im Blues und Rock ’n‘ Roll.

Jetzt liegt also sein neues Live-Album vor, das an zwei Abenden entstanden ist. Seine Auftritte beginnt er immer mit einem Instrumentalstück, in diesem Fall mit „Sombrero Safari“, einem kräftigen Gitarrenblues. „Love Is Not A Lie“, der folgende dynamische Blues Rocker, beginnt mit einem Bass-Solo, ehe das Schlagzeug und die Gitarre dazwischenfunken und dann Jons Gesang den Ton angibt.

Orphan Jon schmückt sich auch immer mit illustren Gastmusikern. Der erste ist Kris Lager, der seit fast 20 Jahren mit seiner eigenen Band unterwegs ist und bereits mehrere CDs veröffentlicht hat. Er greift zum ersten Mal beim Blues „Somewhere Salvation“ mit seiner Slide-Gitarre ins Geschehen ein. Stark! Auch auf „Broken Angel“ und „Livin‘ My Life“ ist Kris Lager am Start.

Ein ähnlicher „Fall“ ist Nick Schnebelen, der Gründungsmitglied von Trampled Under Foot war und nun ebenfalls mit eigener Band tourt. Seine CD „Crazy All By Myself“ schaffte es 2019 auf Platz 13 der Billboard Blues Charts. Auch er ist bei drei Songs zu hören: „She“, „Bright Lights“ und „She’s Gone“, das er mit einem fast vier Minuten langen Gitarrenintro veredelt. Dieses „She’s Gone“, ein Blues Rock der Marke „Daumen hoch“, stammt im Original von Eric Clapton und ist zehneinhalb Minuten lang.

Apropos Gastmusiker: Der famose Alastair Greene war der heimliche (Gitarren-)Star beim Album „Over The Pain“ aus dem Jahr 2022. Diese CD startete mit „Tight Dress“, für das er wie bei weiteren Titeln als Co-Autor mit verantwortlich zeichnete. Der Song gehört auch zu den Höhepunkten der nun vorliegenden Live-CD, ein Rocker mit Boogie-Anklängen, der in die Beine geht.

Vintage LaNell Records (2025)
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Sombrero Safari
02. Love Is Not A Lie
03. Somewhere Salvation
04. Broken Angel
05. Livin’My Life
06. King Bee
07. Tight Dress
08. Memories Of Me And You
09. She
10. Bright Lights
11. She’s Gone

Orphan Jon And The Abandoned
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Laura Cox – Trouble Coming – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Als Kritiker hat man es manchmal nicht leicht. Wie soll man diese Aussage eines englischsprachigen Reviews toppen: „Laura ist eine knallharte Rock’n’Roll-Lady, die ihrer Gitarre Töne entlockt, die die Welt auf bahnbrechende Weise erschüttern werden.“ Bleiben wir lieber auf dem Boden und wenden schüchtern ein, dass sie die Welt mit ihrer Gitarre und der neuen CD bestimmt nicht aus den Angeln heben wird. Was keinesfalls abwertend gemeint ist, im Gegenteil: „Trouble Coming“ trägt den Namen Laura Cox – das allein ist schon ein Gütesiegel.

Die Tochter eines Engländers und einer Französin startete einst vor über 15 Jahren auf YouTube mit Gitarren-Videos aus ihrem Zimmer durch. Seitdem ist Madame Cox ihren eigenen Weg gegangen. Ihre Vorbilder hat sie längst hinter sich gelassen. Laura Cox ist einfach Laura Cox. Das unterstreicht ihre Aussage: „Das Album markiert eine neue Ära in meiner musikalischen Entwicklung – noch immer tief verwurzelt im Rock, der mich geprägt hat, aber getrieben von völliger Freiheit im Songwriting und in der Komposition.“

Das zeigt gleich der erste Song „No Need To Try Harder“, ein kraftvoller, energiegeladener, rauer Gitarren-Rocker. Das zieht sich durch die ganze CD, ob der Song nun „A Way Home“ heißt, „The Broken“ oder „Do I Have Your Attention?“ Zwischendurch gibt es bei „Out Of The Blue“ eine melodiöse Rock-Ballade. Glattgebügelt, nach dem Mainstream zielend ist hier nichts. Wie gesagt: Laura Cox ist einfach Laura Cox.

VeryCords / earMUSIC (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. No Need To Try Harder
02. A Way Home
03. Trouble Coming
04. Inside The Storm
05. What Do You Know?
06. Dancing Around The Truth
07. Out Of The Blue
08. The Broken
09. Rise Together
10. Do I Have Your Attention?
11. Strangers Someday

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Bones Owens – Best Western – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach der Besprechung vieler Alben von Singer/Songwritern liegt nun wieder eine gute, laut zu hörende Rockscheibe auf dem Teller beziehungsweise in meinem CD-Player. Es handelt sich um den dritten Longplayer von Bones Owens, der den Titel „Best Western“ trägt. Nach seinem ersten, straight rockenden, selbstbetitelten Longplayer (2021) und dem Nachfolger „Love Out Of Lemons“ (2024), bei dem etwas Country anklang, dachte ich, dass sich Owens nun ganz diesem Genre zuwendet. Das stellt sich als Fehlannahme heraus.

Der in Nashville lebende Mann aus Missouri ist zwar mit der Musik von Johnny Cash und Hank Williams aufgewachsen, hat mit Country auf dem aktuellen Album aber wenig am Hut. Höchstens bei „Here Is Not My Home“ kann mit etwas gutem Willen eine Verbindung zum Alternative Country hergestellt werden. Der Name des Werks bezieht sich auf ein Hotel, in dem er zusammen mit Yelawolf während der Arbeit am Westernfilm „Day Of Reckoning“ residierte. Nachdem Owens schon bei Veröffentlichungen von Yelawolf mitwirkte, übernimmt dieser nun einen Rap-Part auf dem Titelsong von Owens‘ Scheibe.

Vor einem Jahr war Owens noch mit Blackberry Smoke in Köln. Die fünfzehn Stücke sind allesamt nach der letzten Tour entstanden. Am gradlinigen „Come Down To It“ schrieb Matt Thiessen mit, ansonsten entstammen alle Owens‘ Feder. Die selbstproduzierte Umsetzung der Kompositionen erfolgte ebenfalls nahezu im Alleingang. Lediglich Julian Dorio (Amanda Shires) übernimmt das Schlagzeug und Paul Moak (Marc Broussard) steuert an manchen Stellen Keyboard und B3-Orgel bei.

Im Vergleich zu seinem Debütalbum hat das Songwriting und der Sound an Variabilität gewonnen, was sich bereits auf „Love Out Of Lemons“ abzeichnete. Was ehedem fast durchgehend kräftig schepperte, zeigt nun mehr Facetten. Die Single „Old Time Low“ ist ein Rock’n Roll alter Schule. „Silver Spoon Blues” geht – wie der Titel schon nahelegt – in Richtung Bluesrock. Bei den eingestreuten langsameren Beiträgen orientiert sich Owens ebenfalls am Blues wie auf „Don’t Nobody Wanna Be Alone“ oder in einer entspannten Spielart auf „Sunday Fix“.

Insgesamt überwiegen aber die raueren Töne („Talkin‘ Loud“), gelegentlich mit einem Garage-Einschlag („Radiator Soup“, „Demolition“). Beim dunkel groovenden Opener „Before I’m In The Grave“ mischt etwas Southern mit – ein ziemlich starkes Stück. Kurz und knackig schallt „Time Bomb“ zum Abschluss aus den Boxen. Spaß macht auch „In The Wind“, bei dem T. Rex grüßen lässt. Als Inspirationsquellen der Songs werden etliche Bands genannt: von den Stones, über ZZ Top bis hin zu den Ramones.

Bones Owens vereint Einflüsse quer durch die Subgenres des Rocks. „Western Love“ ist daher deutlich facettenreicher als sein Debüt. In den letzten vier Jahren hat Owens als Songwriter einen Sprung vorwärts gemacht. Gleich geblieben ist die Energie, mit der er seine Kompositionen performt.

Black Ranch Records/Thirty Tigers – Membran (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. Before I’m In The Grave
02. Come Down To It
03. In The Wind
04. Old Time Love
05. Sunday Fix
06. Pay No Mind
07. Best Western (feat. Yelawolf)
08. Silver Spoon Blues
09. Talkin’ Loud
10. My Baby’s Gone
11. Radiator Soup
12. Demolition
13. Here’s Not My Home
14. Don’t Nobody Wanna Be Alone
15. Time Bomb

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Blood Brothers – Help Yourself – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Wer als alter Rock ’n’ Roller bisher mit dem Blues nichts anfangen konnte, selbst dann nicht, wenn gleich danach das Wort Rock auftauchte, sollte vielleicht mal über seinen Schatten springen. Denn viele CDs, die als Blues Rock firmieren, sind rockiger und besser als das, was ‚reine‘ Rockbands manchmal so produzieren.

Das gilt auch für „Help Yourself“, das zweite Studio-Album der Blood Brothers und das dritte insgesamt nach „Live in Canada“. Sicher, die Wurzeln liegen im Blues wie bei „Do What You Gotta“ mit feiner Slidegitarre oder „Can’t Be A Prophet“. Natürlich ist „Help Yourself“ ein Blues Rock-Album, aber genauso gut könnte man es in die Kategorie „Gitarrenorientierter Rock“ einordnen.

Die Blood Brothers sind zwei alte Hasen: Mike Zito (54), der 2011 zusammen mit Devon Allman und Cyril Neville die Royal Southern Brotherhood gründete, und Albert Castiglia (56), die auch erfolgreich auf Solopfaden wandeln. Beide heimsten schon jede Menge Awards ein. Für ihr gemeinsames Debüt-Werk von 2023 gab’s dann die Auszeichnung „Album of the Year“ in der Sparte Blues Rock. Fortsetzung folgt? Gut möglich…

Schon das erste Stück, der Titelsong, macht deutlich, auf was die beiden setzen: Twin Guitars. Einer der Höhepunkte ist zweifellos „Alive“: Ein dynamischer Blues Rock der alten Schule, in dem Mike Zito über seine neu gewonnene Liebe nach dem Tod seiner Frau singt, wobei die Zeile „Sie ist süßer als Honig, sie strahlt heller als die Sonne“ für einen gestandenen (Blues -)Rocker schon ein bisschen schmalzig ist. Derlei Texte sind in der Musikszene allerdings branchenübliche Handelsware.

Eindeutig in Richtung Rock geht dann wieder „Ol’ Victrola“, in dem neben den Blues-Ikonen Freddie King oder Muddy Waters die Rock-’n‘-Roll-Urväter Little Richard und Chuck Berry ebenso genannt werden wie deren „Erben“, die Beatles, die Stones oder die Allman Brothers. Apropos: Das Instrumentalstück „Soulard Serenade“ könnte auch aus der Feder von Gregg Allman oder Dickey Betts stammen, während Zito und Castiglia die Gitarren-Legenden Duane Allman und besagten Dickey Betts hochleben lassen.

Gulf Coast Records, Proper / Bertus (2025)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Help Yourself
02. Can’t Be A Prophet
03. Alive
04. Soulard Serenade
05. Low Down
06. The Best I Can
07. Prove My Love
08. Ol‘ Victrola
09. Running Out Of Time
10. Do What You Gotta

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