The Pear Ratz – Still Hungry… Still Hurtin‘ – Live At Brewster Street – CD-Review

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Höllen-Live-Album der Texaner! Nach nunmehr drei starken Studio-Werken „Rat Now“ (2006), „Hollier Than Thou“ (2007) und „Rat Outta Hell“ (2010), die allesamt ein stetiges Steigerungspotential beinhalteten, legen die Mannen um ihren charismatischen Bandleader Bob Strause nun endlich ein musikalisches Live-Dokument vor, dass ihr energiegeladenes Treiben auf der Bühne hervorragend offeriert, bzw. reflektiert. Ja, das ist mal ’ne richtige Live-Combo, die mit ihrer Power und ihrem fulminanten, mit 3 E-Gitarren rausgehauenen Red Dirt-/Southern-/Outlaw-/Countryrock locker in der Lage ist, die einschlägigen Honky Tonk-Schuppen und Roadhouses des Landes bis auf die Grundmauern „niederzubrennen“. Machen die eine Freude!

Die Bandmitglieder haben ihre Wurzeln in den 1980er Jahren und stammen ursprünglich aus der Thrash Metal-Szene(!), aber aufgrund familiärer Begebenheiten (Heirat, Großziehen der Kinder) legte man eine längere Pause ein. Mit dem über die Jahre einhergehenden menschlichen Reifeprozess erkannten Strause & Co. allerdings, dass man für die Metal-Sparte doch zu alt geworden ist. Acts wie Cross Canadian Ragweed und Reckless Kelly inspirierten letztendlich dazu, sich im Umfeld von Red Dirt, Southern Rock und texanisch angehauchtem Outlaw-/Countryrock neu zu erfinden. Mit den Erfahrungen und Vorlieben von früher kombiniert, waren die besten Voraussetzungen für eine explosive Mischung geschaffen, was im Studio auf den o. a. Alben auch schon eindrucksvoll zelebriert wurde.

Doch wo kann man schließlich doch am besten seine ganze Energie loswerden, wenn nicht auf der Bühne? The Pear Ratz zeigen sich auf „Still Hungry…Still Hurtin‘ – Live At The Brewster Street Ice House“ von allen musikalischen Konventionen völlig losgelöst und brennen ein begeisterndes Feuerwerk texanischen Country/Outlaw/Red Dirt/Southern Rock’n Rolls ab, das es nur so raucht. Hölle! Schon das emotionale Intro des die Band ankündigen „Moderators“ lässt erahnen, dass im weiteren Verlauf der Show die Post abgehen wird. Das ist Musik zum Mitwippen, Stampfen, Mitgrölen und teilweise, auch wenn’s nicht typisch für’s Genre ist, durchaus zum dezenten Headbangen. Nicht zu vergessen eine gewisse Einnahme an gerstenhaltigen Getränken als unverzichtbare Grundlage!

Das ist keine Mucke für Zartbesaitete und Liebhaber filigraner Töne, hier wird in typischer Redneck-Manier geklotzt, gerockt und gefeiert, wobei aber auch die musikalische Qualität nie zu kurz kommt (z. B. jede Menge glühende, „scharfe“ E-Gitarren-Soli). Die Band, mittlerweile bestehend aus Bob Strause (vocals / guitar), Rodd Daws (bass/ harmony vocals), Joe Talbert (lead guitar / harmony vocals), Billy Joe High (lead guitar / mandolin) und John Starek (drums) präsentiert dabei einen schönen Querschnitt aus allen drei Alben und hat dazu einige Überraschungen parat: Zum einen wurde der Co-Writer von „Cheaters“ (vom „Rat Outta Hell“-Album), Rich O’Toole (selbst ein eigenständiger und beliebter Performer der Red Dirt Szene), für den Track mit auf die Bühne geholt und zum anderen wurde ihr Gitarrist aus Anfangstagen, Chris Nelson, für eine furiose Coverversion des Creedence Clearwater Revival-Hits „Green River“ (geschrieben von John Fogerty) rekrutiert.

Von Beginn an, mit dem Opener „Back Around“, wird gerockt, dass die „Schwarte kracht“. Beim tempogeladenen „Talkin‘ Myself Outta Killin‘ You“ blitzen sogar die alten Metal-Zeiten wieder ein wenig auf. Herrlich immer wieder zwischendurch die schön „versoffen“ klingende Stimme von Strause. Ab und zu wird mal sporadisch der Fuß vom Gaspedal genommen und die Pear Ratz beweisen mit Stücken wie „Jesus Loves The Bad Boys“, „Bottom Of The Bottle“, „Friends“ oder „Porch Swing In Heaven“, dass sie durchaus gefühlvolle Songs kreieren können. Stark, wenn Billy Joe High sich zur Rhythmus-Untermalung die Mandoline schnappt, wie bei der klassischen Red Dirt-Nummer „Sing Jolie Again“.

Er und der andere Lead-Gitarrist Joe Talbert liefern immer wieder sehr typische, im Southern Rock verankerte Soli ab, sporadisch auch in der im Genre so beliebten Twin-Variante, wobei zum Teil ein Marshall Tucker-ähnliches Ambiente erzeugt wird („Rose In Paradise“, „Friends“, „Porch Swing In Heaven“). Noch eines ist bemerkenswert: Trotz all der massiven Energie, dieser losgelassenen, überschwänglichen Spielfreude und des rauen Ambientes, das die Band vorgibt, bleiben die Lieder allesamt prächtig hängen und sind nicht selten durchzogen von großartiger Melodik. Das ist einfach eine „geile“ Truppe, die nicht nur Spaß hat, sondern auch ihr Handwerk versteht.

Mit „Still Hungry…Still Hurtin‘ – Live At The Brewster Street Ice House“ geben uns die Männer um Leader Bob Strause einen authentischen Eindruck, wie es bei den Live-Gigs dieser Texaner abgeht. Passend dazu wieder mal die (höllenähnliche), klasse Covergestaltung der Geschwister Dodds (Backstage Design Studio). Unsere Empfehlung: Legt Euch massive, gut gekühlte Biervorräte an und geht dann gemeinsam mit den furiosen Pear Ratz durch ein ordentlich loderndes, (musikalische) Live-Feuer! Und: Play it loud!“ Viel Spaß dabei, ihr werdet es nicht bereuen!

Rancho Azul (2012)
Stil: Country Rock & More

01. Intro
02. Back Around
03. Senses
04. Talkin‘ Myself Outta Killin‘ You
05. Killin‘ U2
06. Nice, Ice Cold Bottle Of Beer
07. Rose In Paradise
08. Cheaters
09. Jesus Loves Bad Boys Like Me
10. Devil On My Shoulder
11. Bottom Of The Bottle
12. Sing Jolie Again
13. Holier Than Thou
14. Friends
15. South Of The Nueces
16. Green Rive
17. Porch Swing In Heaven

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Pat Green – Home – CD-Review

Erstes Album mit neuem, eigenständigen Material von Pat Green nach knapp sechs Jahren, und was für ein großartiges. Sein neues Werk „Home“, das sich, beginnend mit dem Titellied, als schonungslose Abrechnung (auch in eigener Sache), mit Sätzen wie „I was blind to the game/I sang the wrong songs and disappeared for way too long/But I’ve finally found my way home,” mit seiner Major-Label-Zeit in Nashville offenbart. Green, mittlerweile beim aufstrebenden Thirty Tigers Label unter Vertrag, das seinen Interpreten bekannter Weise weitestgehend freie Hand lässt, scheint sich in seiner neuen Situation pudelwohl zu fühlen. Zum einen sind ihm in Kooperation mit namhaften Co-Writern wie Patrick Davis, Scooter Carusoe, Chris Stapelton, David Neuhauser und Justin Pollard grandiose Eigenkompositionen nach eigenem Gusto gelungen, zum anderen konnte er sich auch an hervorragendem Fremdmaterial bedienen, das ihm in der Umsetzung sichtlich Spaß bereitete.

Wunderbar ‚organisch‘ produziert haben Jon Randall Stewart, Justin Pollard (beide auch kompositorisch und instrumentell involviert) und Gary Paczosa, die Green quasi ein musikalisches ‚Heim‘-Spiel servieren. Green spielt hinreissend schöne, von tollen Strukturen und Melodien geprägte Country- und Countryrock-Songs, vollkommen natürlich, frei von jedem Nashville-„Bombast“, teils mit einem dezenten, seiner Heimat entspringendem Red Dirt-Feeling, teils mit herrlichen Americana-Bezügen. Das mit einer markanten Fiddle-/Steelguitar-Linie geführte, herrliche melodische und eingängige (New) Countrystück „Break It Back Down“ bohrt sich sofort in die Gehörgänge und animiert zum Mitsingen der Refrainzeile. Überraschend hier der als Mitschreiber bei den Beavers-Brüdern fungierende Dierks Bentley, der diesen Song vermutlich auch noch für sein nächstes Album beanspruchen könnte. Klasse!

Herausstechend auf dieser CD natürlich auch die vielen schillernden Berufskollegen, die Green gerne ihre Unterstützung gegeben haben. Wenn zwei solch musikalische Schwergewichte wie Pat und Lyle Lovett sich zusammen im Duett die Ehre geben und darüber sinnieren, dass texanische Mädels etwas besser sind als alle anderen, erregt so was natürlich heftiges Aufsehen. Die Single schoss dann auch sieben Wochen lang auf die Pole-Position der im Lonestar State so wichtigen Texas Music Charts. Ein herrlicher Piano-lastiger, viel Aura versprühender, dezent swingender Country-„Schwofer“. Toll! „Bet Yo Mama“, ein dreckiger, Southern-umwehter, Gitarren-lastiger Roots-/Blues-Stampfer, ähnlich der Sachen, die Tony Joe Whites auf seinem letztem „Hoodoo“-Werk so vortrefflich zelebrierte, hat Pat seinem Kollegen und Freund Chuck Cannon ‚abgeluxt‘. Green hatte bei dessen Konzerten so einen Narren an dem Stück gefressen, dass er diesen Track nach fast 5 Jahren endlich mit Cannons Einwilligung auf eigene Art adaptieren konnte.

Nächster prominenter Gast ist Sheryl Crow, die in letzter Zeit ja auch ihren Faible für die Countrymusic entdeckt hat. Tolles vokales Wechselspiel der beiden auf „Right Now“. Einer der ganz großen Höhepunkte ist das mit herrlich melancholischen Piano-/Akkordeon-Tönen unterlegte „While I Was Away“, das Zane Williams kreiert hat. Ein Name, der ebenfalls für absolute Qualität bürgt. Im Anschluss geben sich Pat, Delbert McClinton und Lee Roy Parnell beim launigen Dreier auf „May The Good Times Never End“ die Ehre. McClintons quäkige Harmonika und Parnells grandioses Slideguitar-Spiel machen diese Honkytonk-Uptemponummer zu ganz „großem Kino“. Da kann man nur voller Ehrfurcht konstatieren:“Möge solche Musik nie enden“. Die nächsten beiden Stücke, „Life Good As It Can Be“ und „No One Here But Us“, des „South West-Springsteens“, wie Green auch beiläufig genannt wird, erinnern ein wenig an die starken Auftritte, mit denen Will Hoge in letzter Zeit begeistert. Klasse hier u. a. auch die tollen weiblichen Harmoniegesänge von Jennifer Gunderman und Sarah Buxton.

„I’ll Take This House“ huldigt ein bisschen der einstigen „Three Days„-Phase, als Greens musikalisches Leben noch in Ordnung schien. Eine schöne, flotte Nummer. „Day One“ ist eine wunderschöne Countryballade. Dan Dugmore (mit seinem unnachahmlichen Steelspiel), Michael Ramos (Piano) sowie die auch sonst starken E-Gitarristen Brett Danaher und Chris Skrobot drücken diesem tollen Stück deutlich ihren Stempel auf. Zum Abschluss lassen dann Pat Green und Marc Broussard (wer wäre hier auch besser geeignet?) in einem weiteren Duett mit „Good Night In New Orleans“ noch mal ein geradezu herausragendes Highlight los. Der Track beginnt zunächst recht ruhig in feinster Singer/Songwtiter-/Storytelling-Manier, verwandelt sich dann aber mittels eines großartigen Tempowechsels in einen richtig knackigen, Cajun-lastigen, New Orleans-typischen, viel Fröhlichkeit überbringenden Uptempo-Countryrocker, um dann wieder in der Melancholie des Beginns zu versinken. Ganz starker Tobak zum Schluss!

Pat Green hat auf „Home“ ganz klar wieder zu sich und zu altbewährter Stärke zurück gefunden. Vielleicht ist es sogar noch ein wenig mehr als das, so stark ist diese Scheibe. Er wirkt regelrecht befreit und zeigt hier eine der besten Leistungen seiner eh schon imponierenden Karriere. Ein super Teil! Wir ziehen beeindruckt den Hut und stellen erfreut fest: Pat Green ist mit seiner Musik „zu Hause“. Er ist „Home“!

Thirty Tigers Records (20151)
Stil: Country Rock

01. Home
02. Break It Back Down
03. Girls From Texas (feat. Lyle Lovett)
04. Bet Yo Mama
05. Right Now (feat. Sheryl Crow)
06. While I Was Away
07. May The Good Times Never End (feat. Delbert McClinton and Lee Roy Parnell)
08. Life Good As It Can Be
09. No One Here But Us
10. I’ll Take This House
11. I Go Back To You
12. Day One
13. Good Night New Orleans (feat. Marc Broussard)

Pat Green
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Drew Womack – Sunshine To Rain – CD-Review

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Da lacht das Herz, da scheint die Sonne. Der großartige, texanische Singer/Songwriter Drew Womack ist zurück mit einem wunderbaren, neuen Album. Fast neun Jahre ist es her, seit der einstige Frontmann der Sons Of The Desert (seiner Zeit mit Major-Vertrag) nach deren Auflösung seine Solokarriere begann. Sein damaliges, starkes Debütalbum von 2003 war zwar nicht das letzte musikalische Lebenszeichen von ihm (er tauchte sporadisch immer mal wieder als Co-Writer oder auch als Backgroundsänger bei diversen Künstlern auf), aber durch eine komplizierte Rückenwirbelgeschichte war er auf ärztlichen Rat hin gezwungen, im Rahmen seiner Passion den „Ball flach zu halten“. Mittlerweile ist die lange Leidenszeit überwunden und Drew präsentiert sich mit seinem neuen Werk „Sunshine To Rain“ wieder auf der Sonnenseite des Lebens.

Es ist ein tolles, ja begeisterndes Album geworden. Obwohl von einem gewissen, unterschwelligen, seiner früheren Band entsprechenden Countryrock-Touch berührt, präsentiert Womack hier in erster Linie ein überaus ambitioniertes, grandios gelungenes, kraftvolles, gewaltig groovendes Rootsrock-, Americana-, Texas Red Dirt-Album, das zuweilen von einer wunderbaren Blues- und (Southern)Soul-Note geprägt ist. Dabei besticht er in seinen großartigen Songs mit viel Abwechslung und Vielfalt. Mal rockt und brodelt es gewaltig, dann wieder kommt er mit viel Gefühl und Emotion. Produziert mit sehr schön klarem, durchaus „fetten“ Sound (auch Drews markante Stimme wurde hervorragend herausgearbeitet) hat Clayton Corn (u. a. Pat GreenJack Ingram), der auch diverse Tasteninstrumente hier eindrucksvoll bedient.

Dazu kann sich die Liste der begleitenden Musiker wahrlich sehen lassen: David Grissom (Storyville, Joe Ely, John Mellencamp, Dixie Chicks) steuert zum Beispiel fantastische, elektrische Gitarrenarbeit bei (das sind einfach begnadete Riffs und Soli von Grissom, der die Lead Gitarre überwiegend in betont bluesiger Storyville-Manier bearbeitet), Ramy Antoun (u. a. Seal) bedient die Schlagstöcke, Lonnie Trevino den Bass, Texas-Veteran Lloyd Maines die Steelgitarre. Als Backgroundsänger/-innen standen neben einigen anderen Klasseleuten Jess Klein, Karol Ann Moore und Radney Foster zur Verfügung. Sehr stark gleich der Heartlandrock-trächtige Opener „There You Go Again“. David Grisson agiert bei seinem Gitarrenspiel fast in der Manier eines Gary Moore und verleiht dem rhythmischen, dezent folk-rockigen Stück sogar einen ganz leichten Thin Lizzy-Touch. Eine dicke Überraschung zum Auftakt.

Auch das schön soulig angehauchte „Broken Angel“ (weibliche Background Vocals, gurgelnde Orgel, erdiges E-Gitarren-Solo) und der bluesige, gar Little Feat-kompatible Juke Joint-/Swamp-/Southern-Soul-Rocker „I Know Love“ (gospelige Backs, klasse Piano, starkes E-Gitarren-Solo) bieten mit dem Auffahren einer „heissen“ Horn-Section die nächsten Aufhorcher. Der Titelsong „Sunshine To Rain“ hingegen verzaubert einfach nur mit seiner herrlichen Melodie und Womacks ausdrucksvollem, einzigartigem Gesang (er ist ja einer dieser typischer Sänger, den man unter tausenden von Stimmen sofort heraushört). Jess Klein (ganz toll) und Radney Foster steuern hier grandiose Harmoniegesänge bei. Ein Hammersong! Absolut radiotauglich ist das folgende, sehr beschwingt groovende „Butterfly“, eine prächtige Gute Laune-Nummer.

Dass Drew seinen eigenen Kopf bei diesem Album durchsetzen wollte, erkennt man deutlich an dem tollen, lockeren, melodischen „This Heart“. Hier durfte sich Indrajit Banerjee an der Sitar austoben und verleiht dem Song das entsprechende orientalische Flair. Trotz aller nicht alltäglichen Spielereien gelingt es Womack dennoch das typisch texanische Red Dirt-Flair immer mit einzubinden. Auch seine Fans aus der Sons Of The Desert-Zeit haben allen Grund zur Freude. Tracks wie „The Way Love Rolls“ oder „Say Alright“ hätten mit ihrem feinen New Country(rock)-Feeling auch locker auf den damaligen Alben der „Sons“ ihren Platz finden können.

Am Ende dann zaubert Drew nochmal zwei unglaublich starke Tracks aus dem Ärmel: Zum einen das fast bedrohlich wirkende und etwas swampig rüber kommende „The High Road Down“ (ein brodelnder Rootsrocker mit krachender E-Gitarre am Anfang und Ende, weibliche Harmonies im Refrain, tolle Slideeinlagen) und schließlich der mit Mark Selby und Tia Sillers gemeinsam komponierte (alle anderen Songs wurden von Drew im Alleingang kreiert), atmosphärische Roots-Blues „Slow Burn“, bei dem David Grissom noch einmal schwer in die Gitarrensaiten greift.

Tolle Gestaltung des Digipacks übrigens durch Sarah und Shauna Dodds, die ja schon dem letzten Reckless Kelly-Albumcover mit viel Kreativität ihren Stempel aufgedrückt haben. Drew Womack feiert mit „Sunshine To Rain“ ein bärenstarkes Comeback. Toll groovender, mal bluesig, mal soulig, mal country angehauchter, exzellenter Rootsrock/Americana mit einem feinen Red Dirt-/Austin-Flair, einigen Sons Of The Desert-Reminiszenzen und jeder Menge kleiner Überraschungen. Schön, diesen hervorragenden Künstler wieder „an Bord zu haben“. Nochmal ein echter Knaller im sich langsam zum Ende neigenden Jahr 2012. Great stuff, Drew Womack!

Blue Lightning Records (2012)
Stil: New Country & More

01. There You Go Again
02. Broken Angel
03. Through The Night
04. I Know Love(But You)
05. Sunshine To Rain
06. Butterfly
07. This Heart
08. Rescue Me
09. The Way Love Rolls
10. Say Alright
11. High Road Down
12. Slow Burn

Drew Womack
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Neil Carswell – Keep You Guessing – CD-Review

Cars

Neil Carswell dürfte der Southern Rock-Gemeinde noch immer ein Begriff sein. Anfang der Neunziger Jahre erreichte er als Kopf und Frontmann der damals urplötzlich auf der Southern Rock-Bildfläche erscheinenden, teils knochenharten Band Copperhead mit deren hoch gelobtem Debüt bis zum heutigen Tage Kultstatus. Die Truppe präsentierte seiner Zeit einen fulminanten, kochenden Mix aus eigenständig komponierten Blackfoot-, Molly Hatchet– und Lynyrd Skynyrd-Anleihen und galt somit als neuer Senkrechtstarter des Genres. Es blieb aber leider bei diesem einen Werk, lediglich eine Jahre später veröffentlichte Scheibe mit Live-Material wurde noch nachgeschoben.

Im Jahre 2006 meldete sich Neil Carswell dann aus der Versenkung zurück und präsentierte mit „Good Man’s Journey“ ein erstes Solo-Album, das zwar auch dem Southern Rock verbunden war, aber deutlich relaxter und Balladen-orientierter rüberkam, als zur rockorientierten Copperhead-Sturm- und Drang-Phase. Mit seinem brandneuen Werk „Keep You Guessing“ nun geht Carswell genau diesen Weg weiter, doch auf einem wesentlich höheren Level. Das neue Werk ist um Längen stärker als der Vorgänger. Professioneller, besseres Songmaterial, ausgefeiltere Arrangements, viel besserer Sound und bessere Produktion. Ein klasse Teil mit wunderbarer, sehr inspirierter, entspannter, aber voller Spirit, Soul und innerer Kraft steckender Country-infizierter Southern-/Roots(Rock)-Musik!

Wieder ist ihm in Zusammenarbeit mit Exekutiv-Producer William Patton jr., Bob Dylan Band-Musiker Stu Kimball, und dem großartigen Ex-Outlaws-Gitarristen Chris Anderson ein Reigen starker, soulig relaxter Southern-Stücke gelungen, die vor allem neben Carswells intensiver Vokalpräsentation (der Bursche erinnert oftmals wie in prächtig in Form agierender Bob Seger – so klingt die baumstarke Eröffnungsnummer „Bright Lights“ beispielsweise als wäre der „Bär von Detroit“ ein waschechter Southern Rocker) von der exzellenten Instrumentierung der involvierten Klasse-Musiker leben (u.a. mit dabei Ex-The Allman Brothers-Keyboarder Johnny Neel, Steel Guitar-Veteran Russ Pahl).

In der mit fünfzehn Songs (Spielzeit knapp eine Stunde!) recht üppig bestückten CD gehört die erste Hälfte ausnahmslos wunderbar melodisch gebrachten und soulig angehauchten Southern Rock-Ohrwürmern, wobei das klasse Zusammenspiel von Carswells Gesang mit Akustik-, Electric- (toll besonders Andersons Soli), Steel-Gitarren, Piano und Orgel (herrliche Tasten-Arbeit von Neel) seiner Mitspieler zu begeistern weiß. Grandios die Coverversion von Graham Parsons „She“ (Dickey Betts-artige E-Gitarren-Fills, klasse Pianogeklimper), das fast episch anmutende Titelstück „Keep You Guessing“ oder das groovige „Since I Met You“, bei dem Kim Keyes (erinnert fast an Kim Carnes), wie auch bei vielen anderen Songs, tolle, southern soulige, weibliche „Backs“ mit einfließen lässt. Was für eine Röhre!

Im zweiten Part des Albums lässt Carswell dann zur Auflockerung deutlich mehr, teils durchaus traditionelle Countryelemente einfließen, die in ihrer Art sehr variabel eingespielt wurden. Doch auch hier geht das Southern-Feeling nie verloren. Das erfrischende, Dobro-betonte „Time To Think“ hat dank Carswells wandelbarem Gesang gar ein wenig George Jones-Flair, „Nothing Left To Loose“, eine dezent spanisch angehauchte Nummer (typisches Akustikgitarrenspiel), „Carolina Line“, ein voller Tradition und Ursprünge steckender, ungemein fröhlicher, rauer, uriger Two Step-Stomper, sind klare Höhepunkte!

Beim abschließenden „Altar Call“ mimt Carswell mit narrativem Sprechgesang fast einen Kris Kristofferson. Zwischendurch mischen sich noch mal zwei entspannte Southern-Nummern drunter, zum einen das an eine weitere Modifikation von Marshall Tuckers „Can’t You See“ erinnernde „Big Sky“ und das sich ebenfalls im Dunstkreis von The Marshall Tucker Band und den Outlaws (wen wundert es bei Andersons Beteiligung) befindliche „South Wind“ (mit klasse E-Gitarren-Solo und starken Orgel-Momenten). Zu sämtlichen Songs und ihrer Entstehungsgeschichte gibt es im Booklett interessante Anmerkungen von Carswell nachzulesen.

Insgesamt ist Neil Carswell mit „Keep You Guessing“ ein klasse Album gelungen, das den Liebhabern der eher gediegenen Southern Rock-Kost jede Menge Freude bereiten dürfte. Ein wenig Bob Seger, Gregg Allman, Louisiana’s Le Roux, Travis Tritt und George Hatcher (falls den noch jemand kennt) kommen im weitesten Sinne zu den bereits genannten Bezugsgrößen hinzu. Ansonsten, ist das der beste „Solo Neil Carswell“, den wir bisher gehört haben. Schöne, entspannte, inspirierte und Veranda-taugliche, Country-infizierte Southern-Kost zum Genießen!

Aspirion Records (2009)
Stil: Southern Soul Rock

01. Bright Lights
02. Gypsy Lady
03. Every Sad Song
04. She
05. Keep You Guessing
06. Since I Met You
07. Till the Blues Come In
08. Time to Think
09. Nothing Left to Lose
10. Roll On
11. Carolina Line
12. Big Sky
13. South Wind
14. Temporary Relief
15. Altar Call

Neil Carswell
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Mark McKinney – Middle America – CD-Review

Kinn

‚Mark McWho?‘ werden vielleicht viele Leser dieses Magazins im ersten Moment denken. Denn Mark McKinney ist wieder einer dieser typischen amerikanischen Interpreten, die eher mit Insiderstatus behaftet sind, von denen man aber, falls man sie irgendwann einmal gehört und „Blut geleckt“ hat, einfach nicht mehr genug bekommt. Zwei Jahre nach seinem hervorragenden Debüt „Get It On“ legt der aus Big Spring stammende Texaner mit „Middle America“ den längst fälligen Nachfolger hin. McKinney, bekannt für die energiegeladenen Live-Shows mit seiner Begleitband „The Cosmic Cowboys“, was ihm in der Szene den Spitznamen „The Entertainer“ einbrachte, hält dabei an seinem bewährten Konzept vom „foot-stompin’, sing-a-long, feel-good Country with a strong melody“ fest und hat sogar noch mal eine ordentliche Schüppe oben drauf gelegt.

Klasse Songmaterial, wunderbare Melodien, ein sattes, Gitarren-orientiertes Gewand, viel Energie, toller Sound – das ist allerfeinster „kicking and driving“ New Country (Rock) voller radiotauglichem Top 40-Potenzial, das runter geht wie Öl und einen Mordsspass macht. Sein bester Freund, Ron Dennis (Cross Canadian Ragweed, Lynyrd Skynyrd), hat das Werk, wie auch schon den Vorgänger, unter Marks eigens gegründeter Labelfahne „Super Loud Music“ in Nashville produziert. Der Opener „On The Run“ startet dann auch in dieser typischen, energiegeladenen McKinney-Manier, die sich wie ein roter Faden durch seine Alben zieht: Fetter knackiger Gitarrenrhythmus (aus Akustik- und E-Gitarren), straighte Drums, pumpender Bass, engagierter, powervoller Gesang, Gitarrensolo, Tempobreak, immer irgendwo zwischen Roots-, Country-, Southern- oder purem American Rock pendelnd, dazu manchmal noch mit einer leichten Heartland-Brise versehen.

Bei „Middle America“, dem Titelsong, mit seiner markanten Fiddlenote, klingt McKinney wie ein moderner Mellencamp und hat sowohl die Aufmerksamkeit der Radiostationen als auch das Interesse der NASCAR-Fangemeinde gewinnen können. Herrlich das stoneske Honky Tonk Women-Gedächtnis-E-Gitarren-Intro (hier in der Southern-Variante) bei „Highly Recommend“, einem Song, der richtig in die Beine geht und viel Southern-Feeling hat (Twin-Gitarreneinlage, weibliche Hamonies). Dan Baird und seine Georgia Satellites lassen gar grüßen. Entspannen darf man dann kurz beim mit schöner Mandoline, Fiddle und Steel verzierten „Long Night Coming On“ (schön rauchiger Gesang), bevor bei „As Good As It Gets“ die Schlagzahl wieder deutlich erhöht wird (hier bedient Marks Bruder Eric die E-Gitarre). Eine klasse, rockige New Country-Nummer!

Dezent bluesig, mit feinen Harp-Einlagen, kommt „Wasting Time“. Wunderschön hier das filigrane Akustikgitarren-Solo. Ein weiterer Stimmungshöhepunkt ist das dampfende, mächtig abgehende „Trouble“, das mit knackigen Drums, heulender Fiddle, satten E-Gitarrenpassagen (von Georgia Satellites fast bis zu AC/DC) und McKinneys Powergesang (Titelzeile in gut Gas gebender „Stottermanier“) ordentlich Staub aufwirbelt. Das kurze Tom Bukovac-Southern E-Gitarren-Solo am Ende reißt einen regelrecht vom Hocker. Das ruhige „Sleeping Alone Tonight“ (aber zünftiges E-Gitarren-Solo) und das Dobro-lastige (starkes Spiel von Russ Pahl) „Safe Place“ sind weitere Höhepunkte.

„When You Get A Chance“ ist dann wieder ein Beweis, dass McKinney immer wieder gerne die Nähe zum Southern Rock sucht. Das Stück ginge auch als Van Zant-Song durch, hier weist Marks Gesang in Stil und Art seiner Performance deutliche Bezüge zu Johnny Van Zant auf, ohne aber bewusst imitierend zu wirken. Am Ende regiert dann nochmals Gute Laune pur. „County Line“ ist ein stimmungsträchtiger Country-Saloonfeger, wobei die quäkende Harp von Gastakteur Kevin Fowler (guter Freund von Mark, teilweise auch beim Songwriting mit involviert) und surrende Slide-Gitarren den Ton angeben. „I’m headin’ to the county line and I’m gonna grab me a bottle of good time“ singt er hier und diese Zeilen sprechen für die herrlich rübergebrachte Partyatmosphäre dieser Nummer. Am Ende klirren zuprostend die Gläser und ein launiges Stimmenwirrwarr beendet die CD.

Mark McKinney hat mit „Middle America“ ein klares Ausrufezeichen gesetzt. Tolle Scheibe! Seine Stärken liegen vor allem darin, dass er sich in allen benannten Genren scheinbar spielend leicht zurecht findet und diese immer wieder auch glänzend zu kombinieren weiß. Dazu kommt seine Fähigkeit, egal in welcher Tempoart, sehr melodische und radiokompatible Stücke zu kreieren. Ihm dürften die Tore im Business, ähnlich wie z.B. bei Jack Ingram oder Pat Green, für eine überregionale Präsenz weit offen stehen. Von daher lautet unsere glasklare Empfehlung: „Play it loud and have a good time with Mark McKinneys ‚Middle America‘!“

Super Loud Music (2009)
Stil: Country Rock

01. On The Run
02. Middle America
03. Highly Recommend
04. Long Night Coming On
05. As Good As It Gets
06. Wasting Time
07. Trouble
08. Sleeping Alone Tonight
09. Safe Place To Be Me
10. When You Get A Chance
11. County Line

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Bri Bagwell – When A Heart Breaks – CD-Review

Tolle, hoch talentierte Texas-Country-/Countryrock Singer-Songwriterin mit ihrem 2. Album! In Bri Bagwells bisherigem musikalischen Leben spielen drei Gegenden eine zentrale Rolle: Zunächst ihr Geburtsstaat New Mexico (die mittlerweile 28-jährige junge Dame stammt aus Las Cruces), in dem sie die typische Laufbahn vieler amerikanischer Interpreten (sie kommt natürlich wieder aus einer musikalischen Familie) mittels Kirchenchor und Mitgliedschaft in einer Band ihrer Brüder James und Bryan begann. Irgendwann zog es die auch sportlich talentierte Künstlerin jedoch nach Austin, Texas, wo dann nebst erfolgreich abgeschlossenem Studium praktisch der Nährboden für ihre Solokarriere gesät wurde.

Aber auch in Nashville hat sie sich mit einem Songwriter Publishing Deal für Sony/ATV ein weiteres Standbein geschaffen. Nach ihrer sehr starken Debüt-CD im Jahr 2011, „Banned From Santa Fe“ (u. a. mit dem Song „Whiskey“, der in den Texas Music Charts sehr erfolgreich war) und einer EP 2013, die ihr im gleichen und folgenden Jahr den Titel „Texas Female Singer of the Year“ einbrachte, legt sie jetzt mit „When A Heart Breaks“ den zweiten Longplayer beim Independant-Label Ruby Red Records vor. Auf diesem großartigen Werk, sind sämtliche benannte Regionen als Einflussgeber deutlich zu spüren. Da wäre zunächst einmal das launige, mit ihren beiden o. a. Brüdern kreierte „Mexican Beer“ (auf ihrem Erstling schon als Bonustrack in einer Live-Version enthalten), das mittels herrlich gespielter Mandoline, Akkordeon und Fiddle eine textlich humorvolle Hommage an die Vielfalt und Schmackhaftigkeit der mexikanischen Biersorten im passenden Tex-Mex-Ambiente abgibt.

Bri hat übrigens sämtliche Tracks selbst oder mitkomponiert. Texanisch gefärbter Country ist ebenso ein zentrales Thema ihres, sich über insgesamt zehn Lieder erstreckenden Vortrags. Garanten für einen hochqualitativen, musikalischen Genuss sind neben der Protagonistin diesmal solche Schwergewichte wie Stargitarrist David Grissom (u. a. Storyville, Joe Ely, John Mellencamp, Dixie Chicks, u.v.m.), der hier mit grandioser Hintergrund-, Füllarbeit sowie einigen furiosen Kurz-Soli glänzt, als auch der Multiinstrumentalist Tim Crouch, der mit fast allen countrytypischen Saiteninstrumenten, die es so gibt, dem Werk ein sehr ursprüngliches und authentisches Countryflair vermittelt.

Klasse sofort der straighte, countryrockende Opener „My Boots“ (erinnert ein wenig an die Terri Clark-/Leslie Satcher-Nummer „Gypsy Boots“), das Line Dance-taugliche, textlich wieder sehr amüsante „Beer Pressure“, oder das rotzig-freche, teilweise mit Sprechgesang performte „Spill It Sister“ (würde auch gut ins Repertoire der Whiskey Sisters passen). Ebenfalls sehr traditionell gehalten ist der wundervolle Countrysong „My Fisherman“ (Fiddle, Steel, tolles Doppelsolo, Mandoline, Stratocaster, gespielt hier von Chad Ware). Miranda Lambert oder auch ihr großartiges Sideprojekt, die Pistol Annies, sowie Bonnie Bishop kommen einem hier als weitere Bezugsgrößen in den Sinn.

Trotzdem enthält dieser Silberling der auch immer fleißig tourenden Bri Bagwell (mehr als 120 Dates pro Jahr) mit Stücken wie dem Titellied „When A Heart Breaks“ (fantastische, sher kraftvolle Countryballade mit herrlichem E-Gitarren-Spiel/-Solo von Grissom), dem atmosphärischen „Half As Good“ (filligrane Mandolinen-, Fiddle-, Cello-Einlagen), den sehr eingängigen „Anything But You“ und „Dear John Deere“ (schönes Wortspiel als Titel, eine Klageballade über das harte amerikanische Farmerleben), oder der abschließenden Abrechnung mit dem Verflossenen auf „Don’t Call“ jede Menge Songs mit viel Potential, das man auch in Nashville gut gebrauchen könnte, sofern man dort wieder statt auf Bombast und Effekthascherei auf die wesentlichen Dingen der Countrymusic abzielen würde. Hier spürt man, warum Miss Bagwell als Songschreiberin in Music City verpflichtet wurde.

Sehr transparent (sämtliche Instrumente sind immer sehr klar herauszuhören) produziert hat Lyndon Hughes (dazu mit Harmoniegesängen und Piano teilweise am Start) im Studio des hier auch mitspielenden Bassisten Stormy Cooper in Houston, Texas. Bri Bagwell liefert mit ihrer zweiten CD ein äußerst abwechslungsreiches und kurzweiliges Werk voller vieler kleiner musikalischer Feinheiten ab, das dank seiner weitestgehend mainstream-freien Gangart vermutlich wieder vornehmlich im rauer geprägten Texas punkten wird. Trotzdem ist eine gewisse Nashville-Kompatibilität (und das ist positiv gemeint) nicht zu verleugnen. Die überaus talentierte Dame (kompositorisch wie auch gesanglich) hat somit alle Optionen offen. Da bahnt sich sicher ein interessanter und spannender Werdegang an. Insgesamt eine sehr starke, beeindruckende Leistung von Bri Bagwell. Große Klasse, dieses Mädel!

Ruby Red Records (2015)
Stil: New Country & More

01. My Boots
02. Beer Pressure
03. When A Heart Breaks
04. Spill It Sister
05. Half As Good
06. Anything But You
07. Mexican Beer
08. Dear John Deere
09. My Fisherman
10. Don’t Call

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Renegade Rail – Ragged – CD-Review

RR

Wow, was für eine tolle Band, was für ein klasse Album! „Hailing from Missouri“ bezeichnen sich Renegade Rail als eine „Blue collar Outlaw Country Band“ mit starken Southern Rock- und Red Dirt-Einflüssen, die auf ihrem neuen, bereits dritten Album „Ragged“ in der Tat eine ganz großartige, ja packende, Energie-geladene, von „big guitars & pounding drums“ bestimmte, voll im Saft stehende, „rowdy“ Country Rock-/Southern Rock-/Red Dirt-Mixtur präsentiert, die es in sich hat. Frontmann und „Kopf“ der Truppe ist Mike Munsterman, ein nicht nur äußerlich charismatisch wirkender Typ, der über eine vorzügliche, prächtig zu dieser Art von Musik passenden Stimme verfügt (auch die hat eine Menge Southern-Flair). Er bedient zudem die Rhythmus-Gitarre und schreibt darüber hinaus exzellente Songs.

Doch auch der Rest der Band, mit dem druckvoll spielenden Drummer Eric Kullman (dreimal Co-Writer), Bassist Rocky Vincent (zum Teil mit schönen Harmoniegesängen) und dem glänzend aufgelegten Lead-Gitarrist Luke Hayworth (sehr southern-rockiges Spiel) versteht ihr Handwerk ganz hervorragend und weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Nicht zu vergessen die vier Gastmusiker Leslie Kullman (exzellentes Piano- und Orgelspiel, möglicherweise der Bruder von Eric), Travis Linville (Banjo/Dobro), Jeremy Watkins (Fiddle) und der so beliebte, großartige RedDirt-Veteran Mike McClure (The Great Divide, Mike McClure Band), der nicht nur bei einem Stück zusätzlich Gitarre spielt und einmal als Co-Writer fungiert, sondern dem gesamten Projekt mit seiner typisch massiven, fetten, aber auch sehr klaren Produktion nicht unerheblich seinen Stempel aufdrückt.

Das alles hat, wenngleich zuweilen locker dargeboten, ordentlich Power, wird durchaus „laut“, robust und „rough“ vorgetragen, besticht dabei aber gleichzeitig mit einer wunderbaren Melodik, der sich unseren hungrigen „Red Dirt“-/Countryrock- und Southern Rock-Ohren genüßlich öffnen. Cross Canadian Ragweed, die Tyler McCumber Band, natürlich die Mike McClure Band (zu ihrer „Foam“-Phase), die Britt Lloyd Band und die Scott Wiggins Band sind die am ehesten relevanten Vergleichsgrößen, garniert mit einer guten Portion Lynyrd Skynyrd-/Marshall Tucker-Flair! Das Album besteht aus zwölf großartigen Stücken, die in absolut harmonischer Reihenfolge aneinandergereiht wurden und einen von der ersten bis zur letzten Minute gefangen nehmen. Der starke Opener „Cardboard“ rockt sodann auch gleich in recht lockerer, ja unbekümmerter, aber sehr knackiger (wuchtiges Drumming), satter Red Dirt-Tradition ala Cross Canadian Ragweed und Co. los und demonstriert sofort, was für eine klasse Truppe hier am Werke ist.

Eine herrlich melodische Electric- und Acoustic-Gitarrenuntermalung, prägnantes Piano-Spiel und zwei tolle E-Gitarren-Soli, sowie dieser typische texanische Gesangsstil Munsterman’s ziehen einen sofort in ihren Bann. Bei den beiden folgenden Stücken („Teach Me How To Fly“ und „Just You And Me“) ist dann Texas-„Countrytime“ angesagt. Hier setzen vor allem die Gastmusiker mit Instrumenten wie Fiddle, Dobro und Banjo die wesentlichen Akzente – locker, flüssig, gut gelaunt, melodisch! Das anschließende „If This Ain’t Texas“ ist eine musikalisch kraftvoll umgesetzte, beherzte Hommage an den Lonestar State (klasse E-Gitarren-Solo) und bildet die Brücke zu dem „Red Dirt“-eingefärbten Mörder-Southern Rocker „Need For Speed“! Macht seinem Namen alle Ehre und donnert aus den Lautsprechern als wollten Cross Canadian Ragweed und eine texanische Ausgabe von Molly Hatchet um die Wette rocken. Ein effektives Drum-Intro, das den Start eines Motors simuliert, fulminante E-Gitarren-Attacken, ein schwer rollender Orgel-Groove, toller Drive – jetzt ist die Truppe auf amtlicher Betriebstemperatur!

Der folgende, großartige und dynamische, ein gewisses traditionelles Flair nicht leugnende, aber dennoch „junge und rebellische“ Roadhouse-Countryrocker „Time Machine“ huldigt textlich in amüsanter Form viele Berühmtheiten der Vergangenheit wie Jesse James, Marylin Monroe, JFK, Johnny Cash, Ronnie Van Zant und Jimi Hendrix (inkl. starkem Piano- und E-Gitarren-Solo), während mit dem balladesken, aber sehr kraftvollen „Moonshine“, das einen, modern verpackt, wehmütig an einsitige Lynyrd Skynyrd-Zeiten zurückdenken lässt, erneut schwere Southern Rock-Geschütze aufgefahren werden. Eine viel gespielte Single in den texanischen Airplays und sicher auch ein absoluter Stimmungsgarant während ihrer Live-Shows ist das akustisch instrumentierte, in eine tolle Melodie gepackte „Fat Girls And Weed“, dessen Text ein breites Schmunzeln hinterlässt. Der Refrain wird live, das ist so sicher wie das sprichwörtliche „Amen in der Kirche“, aus unendlich vielen, biergeschwängerten Kehlen grölen.

Dann der hammerstarke Kracher „Red Dirt“ – eine klare Kampfansage an den Nashville Country! Hier wird stolz auf die eigenen Wurzeln und die damit verbundene Eigenständigkeit der „Red Dirt“-Szene verwiesen. Der Song erinnert mit seiner kochenden Power, dem tollen Piano-Geklimper, den „smokin‘ guitars“ und dem abgehenden Drive in seiner Southern Rock-Dynamik etwas an die einstige Skynyrd-Live-Version des Jimmie Rodgers-Klassikers „T For Texas“. Furios gespielt! Klasse! Das hervorragende „Evening News“ weist zwar vom Unterton her den fast schon obligatorischen amerikanischen Patriotismus auf, hält sich dabei aber angenehm zurück und weiß durch eine herrliche Melodik zu gefallen. Erneut Southern Rock-trächtig kommt „Not Here For A Long Time“ daher, das sich als nette Kombination aus Skynyrd und The Marshall Tucker Band entpuppt. Den exzellenten Abschluss schließlich bildet das textlich aufwühlende „Crazy“, das mit seinem psychedelisch anmutenden E-Gitarren-Finale nochmals an Tiefe gewinnt.

Fazit: „Ragged“ ist ein baumstarkes Album ohne jeden Durchhänger, das in der „Red Dirt“ Countryrock- und Southern Rock-Szene mit großem Applaus aufgenommen werden dürfte. Hier stimmt einfach alles! Von dieser Band wird in Zukunft noch einiges zu erwarten sein. Unser Motto: „Drive this train along that Renegade Rail – it rocks“!

Eigenproduktion (2007)
Stil: Country Rock

01. Cardboard
02. Theach You How to Fly
03. Just You And Me
04. If This Ain’t Texas
05. Need For Speed
06. Time Machine
07. Moonshine
08. Fat Girls and Weed
09. Red Dirt
10. Evening News
11. Not Here For A Long Time
12. Crazy

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Bärchen Records

Scott Wiggins Band – Burn – CD-Review

Wigg

Die sehr junge, aber bereits überaus professionell und reif agierende, texanische Scott Wiggins Band aus dem Raum Corpus Christi/San Antonio spielt sich mit ihrem bereits zweiten Album „Burn“ in beeindruckender Art und Weise in die Riege solch gestandener „Red Dirt“-Acts wie Cross Canadian Ragweed, der Britt Lloyd Band, der Eli Young Band, Bart Crow Band & Co.! Intensives Touring beschert der Band in ihrer Heimat bereits eine große Anhängerschaft. Kein Wunder, denn was das Quartett abliefert, ist herrlich unbeschwerter, kraftvoller, Texas-„Red Dirt“-Roots-/Americana-/Countryrock mit einem genussvollen Schuß Southern-Feeling, wie er im Lonestar-State so unnachahmlich praktiziert wird. Sehr stark!

Scott, ein großartiger Sänger mit einer für diese Art von Musik geradezu prädestinierten Stimme, hat alle zehn Tracks komponiert, lediglich einmal stand ihm sein langjähriger Freund und Bandmitbegründer John Diaz zur Seite. An den Reglerknöpfen wurde die Band diesmal in Form von Gitarrist/Songwriter Keith Davis und Grammy-Gewinner Adam J. Odor von zwei echten texanischen „Schwergewichten“ unterstützt. Die zehn Stücke von „Burn“, überwiegend sehr kräftig in Szene gesetzt, bestechen mit einem großartigen, sehr satten Gitarren-Arrangement. Dazu kommen ganz wunderbare Melodien, denen allesamt, ohne offensichtliche Anbiederungsversuche (die „Ecken und Kanten“ bleiben trotz der herrlichen Melodik gewahrt) eine gewisse Radiotauglichkeit attestiert werden kann.

Sämtliche Stücke bewegen sich im Drei- bis Vier-Minutenbereich, rocken teils recht kompromisslos, straight und sehr rhythmisch geradeaus, lassen aber auch ab und zu mal Luft zum Durchatmen, wobei dann ein entspanntes „Border-/Countryrock-Flair“ (z. B. „Long run“) mit dezentem Retro-Touch versprüht wird. Beindruckend für einen noch so jungen Frontmann wie Scott Wiggins, ist neben seinen zweifelsfreien kompositorischen Fähigkeiten, wie bereits erwähnt, auch die schon erstaunlich variabel und reif eingesetzte, Stimme .

Bei den angesprochenen flockigeren Sachen wie „Lonely’s Holding Me“, „Long Run“ oder „Perfect Way To Fall“ (alle mit schöner Baritone-E-Gitarre bestückt) blinzelt neben dem typischen „Red Dirt“-Flair sogar ab und zu ein unterschwelliges, Elvis-ähnliches Nostalgie-Feeling durch (Scott ist seit frühester Kindheit ein glühender Elvis-Verehrer), bei den fett rockenden Nummern, wie „Side Of Me“ , „When She’s Lonely“ oder „Addictions“ staubt’s dann in Richtung Cross Canadian Ragweed. Das Fundament bildet die glänzende Rhythmus-Fraktion, bestehend aus Drummer John Diaz (knackiges, kraftvolles Spiel), Gitarrist Ricky Diaz (nicht verwandt mit John), sowie der wunderbar dynamische Basslinien abliefernde Ryan Fedako.

Herrlich auch immer wieder die glühende, auf den Punkt gebrachte Lead-Gitarre von Gitarrist Austin Gilliam, die dem Ganzen zum Teil einen schönen Southern-Rock-Anstrich verpasst. Einzelne Stücke ganz explizit als Highlight herauszuheben, würde jedem einzelnen Song nicht gerecht werden. Durchweg sehr starker Stoff für Freunde der bereits erwähnten Interpreten, aber auch die Ryan Bales Band, Rich O’Toole, die Tyler McCumber Band etc. sind adäquate Vergleichsgrößen. „Burn“ – das „Red Dirt“-Feuer der Scott Wiggins Band brennt! Und zwar lichterloh!

Double XX Posure(2007)
Stil: Red Dirt

01. Was It Worth It
02. Side Of Me
03. Lonely is Holding Me
04. Whole Time
05. There Goes The World
06. When She’s Lonely
07. Long Run
08. Addictions
09. Perfect Way To Fall
10. Start Tonight

Scott Wiggins Band
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Bärchen Records

The Hawkes – Same – CD-Review

Prächtiger, wunderbar locker und flockig aus den Lautsprechern sprudelnder Texas Country/Countryrock, verwurzelt in den klassischen Countryrock-Fundamenten der Siebziger (Gram Parsons, Poco) und doch so herrlich zeitgemäß interpretiert mitz dem Esprit der texanischen „Red Dirt“-Bewegung. Großartig, wie man diesen unwiderstehlichen „Red Dirt“-Duft mit traditionellen Country-Elementen, einem Hauch von Southern Rock (The Marshall Tucker Band) und erfrischenden, kalifornischen Westcoast-Anleihen (Eagles) kombiniert. The Hawkes sind ein noch recht neu gegründetes Quartett aus Forth Worth, Texas, das allerdings auf eine geballte Kraft an musikalischer Erfahrung zurückgreifen kann.

Da wären Bandleader, Sänger und Songwriter Josh Ward, der starke Gitarrist Neal „The Real Deal“ Cowan, Bass-Veteran Tracy Neff und Drummer/Percussionist Brandon Wallace, die jetzt mit einem Debüt aufwarten, das es wahrlich in sich hat. Als äußerst geschickter Schachzug erwies es sich noch einige, wenige Gastmusiker mit an Bord zu nehmen, wobei der in Country- und Bluegrasskreisen überaus geschätzte Multiinstrumentalist Milo Deering sich mit Steelgitarre, Fiddle, Mandoline und Dobro in filigranster Weise so richtig „austoben“ durfte.

Klasse auch die Hammond- und Pianot-Ergänzungen von Jim Easterling und Andrew Frye, sowie die weiblichen „Backs“ von Courtney Patton, die auch als Duettpartnerin bei „Pure & Deep“ eingebunden wurde. Das Hauptaugenmerk legen The Hawkes auf sehr melodisch und eingängig angelegte Country-/Countryrock-Songs, wobei Ward’s überaus angenehme Stimme und die wimmernden Steel- und sägenden Fiddleeinlagen Deering’s zusammen mit dem markanten, äußerst quirligen und gekonnten Lead Gitarren-Spiel Cowan’s immer wieder prägnant in den Mittelpunkt rücken.

Zum Teil weht einem dabei manchmal auch ein wenig vom (Country)-Flair der Marshall Tucker Band um die Nase (z.B. bei „Roll Off My Lips“ oder „Down“). Der traumhafte Opener „Gone Like The Wind“ dürfte sowohl in Red Dirt-, in klassischen Country-/Countryrock-Kreisen (Erinnerungen an die Eagles werden wach) wie auch bei so manchem Southern-Fan mit großem Genuß aufgesogen werden. Starker Gesang von Ward, toll gespielte, unbeschwert und flüssig aus dem Handgelenk kommende Lead Gitarren-Passagen von Neal Cowan, gebettet auf einen schwungvollen, lockeren Rhythmusteppich – welch ein toller Einstieg in diesen Silberling.

Mit einer klasse Mischung aus Country (das Regenplätschern zu Beginn und der dramatische Unterton erinnert an Garth Brooks‚ „The Thunder Rolls“), Blues- und Roots Rock (a là Garth Brooks meets Neil Young and Jeff Healey) überrascht die Band dann bei „Cold Heart“, nachdem vorher vier wunderbare, lupenreine Countrysongs am Stück gebracht wurden. Immer wieder hören wir schöne Steel- und Fiddle-Passagen. Die Songs gehen prima ins Ohr.

Gut zur Sache geht es anschließend bei „Down“, einen schön trocken „daher bretternden“ Red Dirt-Feger, der durch Skynyrd-/Tucker-mäßige Riffs erneut eine Brise Southern Rock verpasst bekam. Nach einem weiteren, schönen Countryintermezzo (herrlich dabei „Put This Guitar Down“, wie zu Outlaws-Anfangszeiten, Ward’s Stimme passt immer wieder ganz hervorragend, klasse E-Slide-Passage), voll gespickt mit Milo Deerings Instrumentalkünsten wird es am Ende sogar noch ein wenig soulig/bluesig bei „What You Do To Me“, wobei dieser wunderbar relaxt daher gleitende Song durch das würzige E-Gitarren-Spiel von Neal Cowan seine besondere Note erhält.

Auch wenn am Ende der Wunsch, die Repeattaste drücken zu wollen, unweigerlich aufkommt, bitte ein wenig Geduld walten lassen. Ca. 20 Sekunden nach Abschluss der offiziellen Trackliste erfolgt dann mit „Cover Me“ noch ein „Hidden Track“, bei dem Josh Ward in Alleinunterhalter-Manier nur mit der Akustikgitarre einen schönen Love-Song zum Besten gibt.

The Hawkes wurden von vorne weg direkt vom (auch bei uns) sehr angesehenen Smith Entertainment-Label verpflichtet, bei dem viele großartige Interpreten des Texas-/Oklahoma-Red Dirt Circuits beheimatet sind (u.a. No Justice, Ryan James, Willie Stradlin, Honeybrowne, Britt Lloyd Band, Micky & The Motorcars, Hazzard…), oder es bereits als Sprungbett zu lukrativen Major-Kontrakten nutzten (siehe Randy Rogers Band, Cross Canadian Ragweed). Der Name bürgt eigentlich immer für Qualität. Mit den Hawkes haben Sie nun einen weiteren „Überflieger“ unter ihren Fittichen! Großartiger, sehr interessanter Country-/Countryrock-Stoff, megastarkes Debüt!

Smith Entertainment (2008)
Stil: Red Dirt

01. Gone Like The Wind
02. Heart Take The Wheel
03. Where I Fit In
04. Roll Off My Lips
05. Long Way To Ft. Worth In The Rain
06. Cold Heart
07. Down
08. What To Say
09. Put This Guitar Down
10. Pure & Deep
11. What You Do To Me

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Bärchen Records

Gary Ray & The Heartwells – Livin‘ The Dream – CD-Review

Ray

Was für eine klasse Truppe! Ganz „heißer“ ‚rockin‘ New Country-Stoff aus Atlanta, Georgia! Eine feurige, zündende Mischung aus Southern-, Roots-, Americana-, Delta-, Boot Scootin‘ Roadhouse Country- und Countryrock-Zutaten, angerührt zu einem wunderbaren, genauso melodischen wie herzhaften New Country-Menü, das einen von der ersten bis zur letzten Minute begeistert. Gary Ray Pfaff, der 1978 auf einer Militärbasis in Landstuhl in Rheinland-Pfalz geboren wurde, hat bereits zwei Solo-Alben veröffentlicht. Jetzt, unter der neuen Namensgebung Gary Ray & The Heartwells (mit dem deutschen „Pfaff“ kamen die meisten Amis wohl nicht so klar) startet er mit dem großartigen Album „Livin’ The Dream“ in eine neue Dimension seiner Karriere.

Ein prächtiges, kraftvolles, knackiges und erdiges New Country(rock)-Album voller toller Melodien (meist mit herrlichem Southern-Flair), so dass man sich spontan fragt, warum diese Scheibe nicht auf einem Major, sondern „nur“ einem kleinen Indie Label (der Southstar Music Group) veröffentlicht wurde und dazu auch noch mit finanzieller Unterstützung seiner Fans. Gary Ray gilt bis dato als typischer Live-Musiker, der über 200 Gigs im Jahr spielt und dabei mit seinen Jungs (Matt Ulmer – Guitar, Banjo, Adam Lewis – Bass, Craig Eck – Drums) im bandeigenen Van durch die Lande reist. Sein überragendes musikalisches Talent erbte er von seinem Vater, der als Songwriter und Musiker trotz einiger Versuche in Nashville nie den Durchbruch schaffte. Für Gary Ray & The Heartwells allerdings dürften die Chancen mit diesem Werk enorm gestiegen sein, auch ausserhalb der Staatsgrenzen von Georgia die Aufmerksamkeit zu erlangen, die ihnen gebührt.

Diese Truppe hat das Zeug die New Country- und Countryrock-Szene ordentlich aufzumischen, denn das ist moderner Genre-Stoff auf allerhöchstem Niveau. Schon der Opener „Mississippi Streets“ ist ein Knüller! Brodelnder, dampfender Southern (Country-) Rock (die Orgel spielt hier übrigens Coy Bowles von der grandiosen Zac Brown Band, dazu gibt’s herrliches Dobro und fette E-Gitarren, inklusive eines kernigen, scharfen Solos), der einfach mitreißt. Heiß geht es weiter mit dem saustarken „Quit Bucking Around (Ride That Thang)“, das ein wenig an Anthony Smiths „If That Ain’t Country“ erinnert (swampige Akustikgitarre, Mundorgel, satte E-Gitarren). Vor seinem geistigen Auge sieht man förmlich die Pickups auf einem abgelegenen Grundstück in der Abenddämmerung irgendwo in den Swamps stehen; die Rednecks mit kalten Bierflaschen in den Händen, wie sie ihre tanzenden Mädels beobachten, die in der schwülen Hitze ihre heißen Körper zu den „driving rhythms“ einer auf der Veranda einer alten Holzhütte aufspielenden Band (Gary Ray & the Heartwells) kreisen lassen.Wow! Das ist es!

Danach kommt ein ganzer Reigen von wunderschön instrumentierten absolut radiotauglichen Stücken, wobei der tolle Titelsong „Livin‘ The Dream“ mit seinem markanten, fröhlichen Refrain (schöne weibliche Harmonie-Gesänge) wohl das größte Chartpotential mit sich bringt. Gary Rays leicht rauchige Charakterstimme (irgendwo zwischen Bill McCorvey von den Pirates Of The Mississippi, Travis Tritt, David Fenley, Mac Powell von Third Day oder Ken Block von Sister Hazel liegend) ist natürlich auch für Balladen wie geschaffen. Eine solche wird hier mit dem wunderbar melodischen „Hell Yes I Do“ eindrucksvoll dargeboten. Rasant geht es danach mit „Soldier’s Eyes“ weiter, einem Stück mit starkem Text, der jeglichen Patriotismus vermeidet und das voller Dramatik umgesetzt wurde. Swampige Slidegitarren, stampfende Drums, Dobro, eine Gypsy-mäßige Fiddle sind die Hauptzutaten für einen bewegenden Track im Stile von Chris Cagles „Country By The Grace Of God“.

Das rhythmische „Good Song“ geht direkt in Mark und Bein und man verspürt unweigerlich den Willen eine Tanzfläche zu betreten. Atmosphärisch geht es bei der Powerballade „I’m Gone“ zu (Piano, Mandoline, tolle E-Gitarren-Fills), wobei Streicherpassagen die Emotion des Liedes noch zusätzlich verstärken. Das dynamische, gewaltig abgehende „This Town“ (schneller Gesang, fetzige Drums, heulendes E-Gitarren-Solo) und das traumhaft melodische, herrliche New Country-Midtempostück „Walk Away“ (feine Steel- und E-Gitarren-Fills, Piano, Orgel – erinnert an die Großtaten der Eli Young Band oder auch von Sister Hazel), beenden eine durch und durch tolle New Country-CD.

Eine feurige, zündende Mischung aus Southern-, Roots-, Americana-, Delta-, Boot Scootin‘ Roadhouse Country- und Countryrock-Zutaten, angerühert zu einem wunderbaren, genauso melodischen wie herzhaften New Country-Menü, das einen von der ersten bis zur letzten Minute begeistert. Gary Ray & the Heartwells sind mit „Livin’ The Dream“ ihrem Traum von einer großen Karriere möglicherweise ein großes Stück näher gerückt. Liebe Major Labels, bitte Augen und Ohren offen halten. Diese großartige Band „is the real deal“. Moderner, mitreißender New Country vom Allerfeinsten!

Southstar Music Group (2010)
Stil: New Country

01. Mississippi Streets
02. Quit Bucking Around (Ride That Thang)
03. The Sound of Rain
04. Never Looking Back
05. Livin‘ The Dream
06. Things Will Get Better
07. Hell Yes I Do
08. Soldier’s Eyes
09. Good Song
10. I’m Gone
11. This Town
12. Walk Away

Gary Ray
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