Neil Young & Crazy Horse – Barn – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Für das neue Album „Barn“ hat Neil Young seine langjährigen Weggefährten von Crazy Horse eingefangen. Wenn man bedenkt, dass Young 1969, also vor 52 Jahren erstmals mit der Band auftrat, wird einem vor Augen geführt, wie lange die Karriere des kanadischen Amerikaners mittlerweile andauert.

Wie schon das Debütalbum erscheint das aktuelle Werk bei Reprise Records und auch seine Begleitband Crazy Horse umweht noch das Flair der Anfangszeiten. Dass Nils Lofgren dabei den langjährigen Gitarristen Frank „Poncho“ Sampedro, der gesundheitlich bedingt nicht mehr dabei ist, ersetzt, passt ins Bild, da dieser zu Anfangszeiten auch bei Crazy Horse aktiv war.

Passend zur rohen lyrischen Schönheit der Songs wurde das Album in einer restaurierten Scheune in den Rocky Mountains aufgenommen. Genau an einen solchen Ort fühlt man sich auch versetzt, wenn die ersten Töne von „Song Of The Season“ erklingen. Mundharmonika, akustische Gitarren und ein Akkordeon untermalen den Song passend zu Neil Youngs Stimme, zuweilen mit schönen Harmoniegesängen seiner Mitstreiter, wie zu Zeiten, als Neil Young den „Sugar Mountain“ besang.

Was danach folgt, ist wie eine Zeitreise durch die Karriere von Neil Young zusammen mit Crazy Horse. Im rauen „Heading West“ zeigt Young sein rockiges Gesicht, welches sein Schaffen in vielen Phasen seit des legendären „Zuma“- Albums, insbesondere mit Crazy Horse prägte. Schön hier das Piano, das dem Song eine gewisse Milde verleiht.

Stilistisch ähnlich, das fast klagend vorgetragene „Canerican“ mit schönen Harmoniegesängen, wo er Veränderungen in seiner Heimat besingt. In diesem Stück wird einem im kurzen abschließenden Gitarrensolo auch klar, warum Neil Young von manchen als Vorreiter des Grunge gesehen wurde.

Songs wie „Change Ain`t“ und „Shape Of You“ führen den Zuhörer noch einmal in die folkige bluesangehauchte Frühphase Youngs, mit seinem charakteristischen Mundharmonikaspiel, wie auch das verträumt melancholische „They Might Be Lost“, das auch nahtlos auf „Harvest Moon“ gepasst hätte.

Richtig losgelassen wird Crazy Horse dann bei „Human Race“ mit harten verzerrten Gitarren und einem für Young typischen Gitarrensolo, in dem Young kritisch den Umgang der Menschen mit der Welt reflektiert. Im ruhigen, prägend vom Piano begleiteten „Thumblin` Trough The Years“ scheint Young zu beschreiben, wie er zuweilen durch die Jahre getaumelt ist, um mit „Welcome Back“ seine psychedelische Seite, besonders in der zweiten Songhälfte, zu zeigen.

Dabei ist die Struktur des Stückes, wie auch das Gitarrenspiel eher ruhig, aber dennoch unverkennbar im typischen Crazy Horse-Stil. Durchaus geschickt, legt Young zum Abschluss des Albums noch eine wichtige Botschaft nach. Im ruhigen folkigen „Don`t Forget Love“ weist er noch einmal darauf hin, was gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht vergessen werden sollte.

Mit „Barn“ ist es Neil Young, zusammen mit seiner großen musikalischen Liebe Crazy Horse gelungen, noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen und zu beweisen, dass weder bei ihm noch bei seinen Mitstreitern der Rost angesetzt hat. Interessant an dem Album ist auch, dass es der Protagonist mit der Songauswahl schafft, viele seiner Stile der letzten über 50 Jahre miteinander zu verknüpfen und so sowohl die Fans aus der Hippiezeit, wie auch aus der rauen Zeit mit dem Wilden Pferd, bestens zu bedienen.

Band:
Neil Young: guitar, piano, harmonica, vocals
Billy Talbot: bass, vocals
Ralph Molina: drums, vocals
Nils Lofgren: guitar, piano, accordion, vocals

Reprise Records/Warner Music (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Song Of The Season
02. Heading West
03. Change Ain`t Never Gonna
04. Camerican
05. Shape Of You
06. They Might Be Lost
07. Human Race
08. Thumblin` Trough The Years
09. Welcome Back
10. Don`t Forget Love

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Mandy Marylane – Blues Shack – EP-Review

Kein einfacher Stoff für mich, was da die Tage, mal wieder aus Amerika gesendet, bei mir im Briefkasten lag. Eine Cover-EP mit fünf Stücken namens „Blues Shack“ von der mir bis dato unbekannten Mandy Marylane. Aus dem Beipackzettel erfahre ich, dass sie bereits zuvor schon eine EP mit fünf eigenen Liedern herausgebracht hat (in die ich dann natürlich auch hineingehört habe).

Für „Blues Shack“ hat sie sich mit dem Multiinstrumentalisten Fernando Perdomo zusammengetan und zu zweit haben sie sich an Stücke aus dem Blues- und Countrybereich  von Musikern wie u. a. Lonnie Johnson, Marty Brown, Fred Neil gemacht, die schon etliche Jahre auf dem Buckel haben.

Im Prinzip läuft hier alles nach gleichem Schema ab, allerdings musikalisch durchaus variantenreich. Perdomo tobt sich nämlich an zahllosen Instrumenten (E-, Akustikgitarre, Dobro, Bass, Organ, Piano, Sound Machine, Drums und allerhand Percussionutensilien) aus, jedoch immer in sehr zurückhaltender und reduzierter Form, wodurch sich die Protagonistin mit ihrer charismatischen tiefen Altostimme, bestens entfalten kann. In manchen Phasen („Drunkyard’s Blues“, „Dragnet For Jesus“) erinnert sie mich von der Ausdrucksstärke und emotionalen Art an Beth Hart.

Die Tracks entwickeln mit der Zeit eine fast surreale Atmosphäre, man fühlt sich vorm geistigen Auge wie in einer kleinen dunklen verräucherten Bar, mit leichtem Schwindel nach schon etlichen (zu viel) konsumierten Drinks oder in einer Art schrillen musikalischen Varieté-Umgebung, wo Gaukler, Clowns und Jongleure, den Blues auf ihre Weise zelebrieren. 

Am Ende weiß man, dass Mandy Marylane sowohl den Blues- und Countrygesang bestens beherrscht, die großen Massen mit der teils schwierig zu konsumierenden und reduzierten Kost (auch übrigens bei ihrem überwiegend akustisch, leicht folkig gehaltenen Erstwerk) aber wohl erst mal nicht erreichen wird. Das hier ist sympathische und authentische Kost mit Herz für Bluespuristen, die es gerne etwas spezieller mögen.

Y&T Music (2021)
Stil: Blues

Tracks:
01. Devil’s Got The Blues
02. High And Dry
03. Blues On The Ceiling
04. Drunkyard’s Blues
05. Dragnet For Jesus

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Y&T Music

Bruce Springsteen And The E Street Band – The Legendary 1979 No Nukes Concerts – CD/DVD-Review

Review: Michael Segets

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wirft Bruce Springsteen ein ansprechend gestaltetes Boxset mit zwei CDs und einer DVD beziehungsweise Blueray-Disc mit dem Titel „The Legendary 1979 No Nukes Concerts“ auf den Markt. Das Cover mit geprägtem silbernen Schriftzug, das 24-seitige Booklet mit Fotos und Liner Notes von Jon Kilk sowie ein Reprint einer Konzertkarte als Gimmick zeigen, dass der Aufmachung viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Aber auch die Ton- und Bildqualität lässt nichts zu wünschen übrig, wenn man bedenkt, dass das Ursprungsmaterial über vierzig Jahre alt ist.

Ein halbes Jahr nach dem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg, Pennsylvania, wurde das Festival No Nukes veranstaltet, dessen Titel eine eindeutige politische Botschaft sendete. Keine sieben Jahre später ereignete sich die Tschernobyl-Katastrophe und Fukushima folgte 2011. Ein Umdenken in der Energie- und Klimapolitik ist ein zäher Prozess, bei dem kritische Stimmen nicht konsequent gehört werden. Damals erhoben viele Musiker die ihre: Bonnie Riatt, James Taylor, Crosby, Stills & Nash, The Doobie Brothers, Jackson Browne, Tom Petty, Bruce Spingsteen und andere mehr.

Am 21. und 22. September 1979 leistete Bruce Springsteen mit der E Street Band seinen Beitrag zu dem Festival und feierte im New Yorker Madison Square Garden so quasi in seinen dreizigsten Geburtstag hinein. Von den Konzerten fanden 13 Songs den Weg auf die CDs. Auf dem Video sind die identischen Songs vertreten, die circa hälftig von den beiden Abenden stammen.

Die erste CD startet mit drei kräftigen Rocker von seinem damals aktuellen Album „Darkness On The Edge Of Town“ („Prove It All Night“, „Badlands“, The Promised Land“). Danach gab es einen Vorgeschmack auf das seinerzeit in den Startlöchern stehende Doppelalbum „The River“ mit dem Titeltrack und „Sherry Darling“. Es folgen drei Klassiker von seinem Durchbruch „Born To Run“ („Born To Run“, „Thunder Road“, „Jungleland“). „Rosalita (Come Out Tonight)“ stammt schließlich von seinem zweiten Longplayer und zählt zu den bewährten Stücken seines Live-Repertoires.

Neben den Eigenkompositionen sind vier Cover vertreten. „Stay“ und „Detroit Medley“ – auch als „Devil With The Blue Dress Medley“ bezeichnet – wurden bereits auf dem allgemeinen No-Nukes-Sampler veröffentlicht, der einen Querschnitt durch die Songs der beteiligten Musiker bot. „Quarter To Three“ sowie das seltener performte „Rave On“ beschließen den zweiten Longplayer beziehungsweise das Video.

Da die Auftritte beider Abende bereits über Springsteens Webseite im Rahmen seiner regelmäßigen erscheinenden Konzertreihe veröffentlicht wurden, bietet „The Legendary 1979 No Nukes Concerts“ für eingefleischte Fans musikalisch nichts Neues. Wenn diese nicht sowieso alles kaufen, was der Boss herausbringt, dann spricht eventuell die optimierte Soundqualität für den Erwerb.

Als Pflichtkauf für Fans erweist sich das Boxset vor allem durch das Video. Mit mehreren Kameras und entsprechend mit oft wechselnden Perspektiven fängt es die energiegeladene Atmosphäre der Show in einer Qualität ein, die für diese Zeit ungewöhnlich ist. Die Bilder steigern das Konzerterlebnis nochmal erheblich und wecken an manchen Stellen auch nostalgische Gefühle, wenn es ein Wiedersehen mit Tom Petty, Clarence Clemons und Danny Federici gibt. Zu sehen, wie Tom Petty bei „Stay“ mit einer Fluppe im Mundwinkel auf die Bühne schlurft, ist einfach cool.

Das Boxset „The Legendary 1979 No Nukes Concerts” versammelt eine Auswahl klassischer Stücke von Springsteen And The E Street Band aus der zweiten Hälfte der 1970er in remasterter Soundqualität. Das wirkliche Highlight der Veröffentlichung stellt die DVD oder Blueray dar, die die damalige Konzertatmosphäre bei den erstklassigen Songs mit abwechslungsreichen Bildern ins Wohnzimmer holt. Dabei schwingt etwas Nostalgie an vergangene Tage mit, aber Musik und Show bleiben zeitlos.

Columbia Records/Sonic Music (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Prove It All Night
02. Badlands
03. The Promised Land
04. The River
05. Sherry Darling
06. Thunder Road
07. Jungleland
08. Rosalita (Come Out Tonight)
09. Born To Run
10. Stay
11. Detroit Medley
12. Quarter To Three
13. Rave On

Bruce Springsteen
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Columbia/Sony Music

Luther ‚Guitar Junior‘ Johnson – Once In A Blue Moon – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Bereits im letzten Jahr hatte der inzwischen 82 jährige Luther ‚Guitar Junior‘ Johnson das Akustik-Album „Won‘t Be Back No More‘ herausgebracht. Nun ist das Nachfolgealbum „Once In A Blue Moon“ da, live eingespielt mit seinen „Magic Rockers“. Mitgeschnitten wurde das Konzert am 31.10.2020 in Florida zu einem besonderen Ereignis. Es war das erste Mal seit 75 Jahren, dass es in einem Monat einen zweiten Vollmond gab. Im englischen Sprachraum gibt es für dieses seltene astrologische Ereignis den Begriff „Blue Moon“, daher auch der Titel des Albums.

Es enthält acht feine Tunes, sowohl eigene Songs als auch Coverversionen verschiedener Bluesklassiker, aus Johnson‘s über 60 Jahre währenden Musikerkarriere. Dabei weist kein Song eine Spieldauer von weniger als 5 Minuten auf.

Zu den großartigen Coverversionen zählen der gemächlich rollende 12-Takter „C.C. Rider“, erstmals 1924 von der schwarzen Bluessängerin Ma Rainey aufgenommen (hier mit einer Spieldauer von fast 13 Minuten), ebenso wie der aus dem Jahre 1958 stammende Bluesklassiker „Fever“ der Jazzerin Peggie Lee.

Auch ein Medley aus „Hoochie Koochie Man“ und „I’m A Man“ von Willie Dixon bzw. Bo Diddley, beide Songs gehen im Rhythmus von „Hoochie Coochie Man“ unmerklich ineinander über, findet sich auf dieser tollen Scheibe. Ebenso ein Cover von Sonny Boy Williamson aus dem Jahr 1937 „Thank You Sugar“ und T-Bone Walkers’ Titel „Mean Old World“ (über 13 Minuten Spieldauer).

Aus dem Fundus seiner Eigenkompositionen steuert Luther Johnson dann noch den flotten Boogie-Woogie „Flippin’ & Floppin’“, den elegischen 20-minüter „Stealin Chicken“ mit wunderbaren Gitarren-, Piano- und Mundharmonikaeinlagen, sowie den Slowblues „You Gut Me Wondering“ bei.

„Once In A Blue Moon“ ist für mich eine der besten Bluesscheiben, die ich dieses Jahr hören konnte, eine Verbeugung vor den Altvorderen der Bluesmusik, stammen die Klassiker doch zum Teil alle aus den 20’er und 30’er Jahren des letzten Jahrhunderts, in die sich Johnsons’ eigene Tracks stilistisch unwahrscheinlich gut einfügen. Und mit den durchgängig vorhandenen Piano- und Bläsersätzen erhalten die Songs sogar noch eine leicht jazzige Note. Für alle, die den klassischen Blues lieben, ist dieses Album ein unbedingtes Muss.

Label: Crossroads Blues Media
Stil: Blues

Tracks:
01. C.C. Rider
02. Flippin‘ & Floppin‘
03. Fever
04. Medley – Hoochie Coochie Man / I‘m A Man
05. Thank You Sugar
06. Stealin‘ Chickens
07. You Got Me Wonderin‘
08. Mean Old World

Luther ‚Guitar Junior‘ Johnson
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Jeffrey Halford & The Healers – Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019) – CD-Review

Review: Michael Segets

Der in Kalifornien lebende Jeffrey Halford ist wieder in seiner Heimat zurückgekehrt, nachdem seine Europa-Tour letzten Monat endete. Die Konzerte habe ich verpasst, aber dennoch gaben sie Anlass, mal in das hierzulande wenig bekannte Werk des Songwriters rein zu hören. Dafür bietet sich die Best-Of-Scheibe „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ geradezu an.

Der als Straßenmusiker seine Karriere beginnende Halford tourte bereits mit einigen namhaften Größen wie Taj Mahal, Los Lobos, George Thorogood, Gregg Allman, Etta James, John Hammond, Guy Clark und Robert Earl Keen. Auf der Compilation blickt er auf zwanzig Jahre seines Musikschaffens zurück und wählte dafür zwanzig Songs von sieben Alben aus. Die Stücke sind chronologisch auf der CD versammelt und geben so einen Einblick in die Stationen seiner musikalischen Entwicklung.

Das Album beginnt mit dem starken Roots-Rocker „Bad Luck“, das wie „Creole Moon“ von „Kerosene“ (1999) stammt. Danach folgen zwei Tracks („Radio Flyer“, „Lost And Found“) unter Beteiligung von Chuck Prophet (Green On Red). Im Original wurden sie gemeinsam mit „Satchel’s Fastball“, bei dem The Gospel Hummingbirds mitwirken, auf „Hunkpapa“ (2001) veröffentlicht. Neben weiteren rockigen Stücke („Nine Hard Days“, „Watching The Trains“) finden sich akustisch gehaltene Songs („Railbirds“, „Sea Of Cortez“) auf der Zusammenstellung. Eine besondere Dynamik entwickelt „Rainmaker“, das zu den herausstechenden Songs gehört. Weniger überzeugend ist „West Towards South“, bei dem Halford mit seinem Sprechgesang eher experimentelle Töne anschlägt.

„Lousiana Man“ groovt, nicht zuletzt durch die Orgel von Augie Meyers (Sir Douglas Quintett, Texas Tornados, Bob Dylan). Diese treibt auch durch den Tex-Mex „In A Dream“. Einen Ausflug in den Country unternimmt „Deeper Than Hell“. Ansonsten sind mehrere Titel dem Americana zuzuordnen, der in einer meist rockigen Richtung interpretiert wird. Abwechslungsreich ist der Gitarreneinsatz. Eine Resonator-Gitarre ist bei „North Beach“ sowie bei „Elvis Shot the Television“ zu hören. Eine dunkle, staubige Atmosphäre erzeugen die Saiten auf „Mexiko“, eine sanfte der Slide bei „Two Jacksons“. Die Melodie einer akustischen Gitarre trägt „10,000 Miles“.

In seiner Werkschau „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ zeigen Jeffrey Halford & The Healers mehrere Facetten. Zwischen Rock und Americana verarbeiten sie Einflüsse von Gospel und Country, wobei auch moderate Experimente ihren Platz finden. Insgesamt gibt das Album einen abwechslungsreichen Einblick in den bisherigen Output von Halford, bei dem der Eindruck entsteht, dass sich in jüngerer Zeit eine Entwicklung in Richtung Americana abzeichnet. Um dies zu bestätigen, müssten der Backkatalog näher gesichtet und die nächste Veröffentlichung abgewartet werden. Auf meiner Konzertliste stehen Jeffrey Halford & The Healers jedenfalls, wenn sie wieder den Sprung über den Atlantik machen.

Continental Song City – in-Akustik (2020)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Bad Luck
02. Creole Moon
03. Radio Flyer
04. Lost And Found
05. Satchel’s Fastball
06. Nine Hard Days
07. Watching The Trains
08. Railbirds
09. Louisiana Man
10. In A Dream
11. Mexico
12. Rainmaker
13. North Beach
14. Two Jacksons
15. Door ‘3
16. Elvis Shot The Television
17. 10,000 Miles
18. West Towards South
19. Deeper Than Hell
20. Sea Of Cortez

Jeffrey Halford & The Healers
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Scotty McCreery – Same Truck – CD-Review

Es gibt Menschen, die irgendwie nicht zu altern scheinen. Der jetzt bald auf die Dreißig zugehende, ehemalige American Idol-Gewinner Scotty McCreery, sieht immer noch aus wie ein Lausbub und bringt auch diesen gewissen typischen Charme mit sich, wie wir es Ende 2019 bei seinem unterhaltsamen Konzert in Köln live erleben durften.

Der Bursche aus North Carolina ist deshalb nicht von ungefähr ein Liebling der Fans. Recht konträr dazu wirkt seine charismatische Bass-Stimme, bei der man immer meint, hier einen ganz alten Hasen aus den Anfangszeiten des New Country vor sich zu haben. Dieser ungewöhnliche Mix macht wahrscheinlich auch einen erheblichen Teil seiner Anziehungskraft aus.

McCreery besitzt aber auch ein echtes Songwriting-Talent, was sein aktuelles Album „Same Truck“ wieder einmal nachhaltig offeriert. Zehn der zwölf durchgehend radiotauglichen Stücke hat er mit Könnern der Zunft auf diesem Gebiet wie u. a. Ashley Gorley, Zach Crowell, Monty Criswell, Rhett Akins, Lee Thomas Miller kreiert, dazu kommen zwei blendend zu ihm passende Fremdkompositionen wie die perfekt gesungene Hommage „Damn Strait“ an sein großes Vorbild ‚King George‚, der Scotty bei seinem allerersten live erlebten Konzert zu einer Gesangskarriere inspirierte.

Das Album bietet perfekten Stoff, wie man ihn von den beliebten Neo-Traditionalisten a là Strait, Brooks, Black & Co. des Genres schon von Beginn an immer gerne gehört hat, natürlich auch ganz dezent an die heutige Zeit angepasst, in dem ein paar punktuelle, aber kaum merkbare Programming-Effekte  (verantwortlich Mitproduzent Aaron Eshuis und Justin Niebank) mit  eingeflochten wurden. Federführend produziert hat Frank Rogers (Trace Adkins, Brad Paisley, Josh Turner, Darius Rucker, Phil Vassar, Darryl Worley), der auch den einen oder anderen Track mitgeschrieben hat.

So gibt es vom an die Solidarität appellierenden Opener „Same Truck“ bis zum finalen, mit einem herrlich hymnischen Heartland-E-Gitarrensolo abschließenden, an Gott gerichteten „How Ya Doin’ Up There„, wunderbar gekonnt eingespielte Musik, für die sich das Who-is-Who der Nashville Studiomusiker-Gilde mit Leuten wie u. a. Ilya Toshinsky (Acoustic Guitar, Banjo, Bouzouki, Mandolin, Dulcimer), der wieder klasse Akzente setzt, den starken E-Gitarristen Derek Wells und JT Corenflos, den Rhythmusgebern Shannon Forrest und Jimmy Lee Sloas, Tastenkoryphäen wie David Dorn und Gordon Mote sowie Steel-Ikone Mike Johnson, der für viel Countryflair sorgt, verantwortlich zeigt. 

Diese Leute wissen halt ‚im Schlaf‘, wie man zu so einer markanten Stimme und den entsprechenden Songs spielen muss. Am Ende erhält man mit „Same Truck“ ein durchgehend melodisches und eingängiges Rundum-Paket auf höchstem Niveau, das man zu jeder Gelegenheit hören kann und das sich vielleicht als bisher bestes Album von Scotty McCreery herauskristallisiert. 

Triple Tigers (Membran) (2021)
Stil: New Country

01. Same Truck
02. You Time
03. It Matters To Her
04. Damn Strait
05. It’ll Grow On Ya
06. The Water
07. Why You Gotta Be Like That
08. Home
09. Carolina To Me
10. Small Town Girl
11. That Kind Of Fire
12. How Ya Doin’ Up There

Scotty McCreery
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Lime Tree Music

Lowell Fulson with Jeff Dale & The Blue Wave Band – Live! – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Die amerikanische Blueslegende Lowell Fulson ist zu seinen Lebzeiten häufig gemeinsam mit Jeff Dale und dessen Blue Wave Band als Support aufgetreten. Nun hat Jeff Dale wohl bei einer Aufräumaktion in seinem Keller während des Corona-Lockdowns zufällig die alten Bänder einer Aufzeichnung eines gemeinsamen Konzertes aus dem November 1983 wiedergefunden. Damals waren außer Fulson (Gitarre & Gesang) und Dale (Gitarre) dabei: Lightnin‘ Dan Sonnenfeld (Gitarre), Phil Munsey (Drums), Pete Zifchak (Altsaxophon), Steve Primo und Marshall Crayton (beide Tenorsaxophon) sowie Ron Maldonado (Bass).

Bei der Veröffentlichung des 38 Jahre alten Konzertmitschnittes unter dem Namen „Lowell Fulson Live! with Jeff Dale & The Blue Wave Band“ handelt es also um eine echte Rarität, die den großartigen Blueser Lowell Fulson, der am 31. März dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, noch einmal auferstehen lässt.

Die Scheibe enthält zehn tolle Bluesnummern, darunter auch das 1954 erstmals von Lowell eingespielte und veröffentlichte „Reconsider Baby“, welches sogar in der „Rock and Roll Hall Of Fame“ als einer der 500 einflussreichsten Rock and Roll-Songs aufgenommen wurde.

Der Mitschnitt entführt die Zuhörer in längst vergangene Zeiten und erzeugt das Gefühl in den Gig spät nachts in einem nikotin- und alkoholgeschwängerten Club live mitzuerleben. Die Reise startet wild und funkt mit dem Instrumentaltitel „Do You Feel It“, gefolgt von dem Bluesstampfer „You’re Gonna Miss Me“ und dem eingangs etwas schrammelnden „Too Many Drivers“, das sich zu einem gut tanzbaren und mit Saxophon-Einlagen gespickten Song entwickelt. „Blue Shadows“, das bereits erwähnte „Reconsideer Baby“ und „Blues Pain“ hingegen sind tieftraurige Slowbluesnummern.

Das schwungvolle „Stoop Down Baby“ beeindruckt im Mittelteil mit einer teils wilden Saxophonpassage. „Do You Feel It“ taucht dann noch einmal auf, allerdings nicht ganz so wild und konfus wie der Opener, dafür aber mit Lowells Gesang. Auch „Lowell’s Lollipop“ ist ein recht fröhlicher Titel, der eingangs fast a-capella startet und mit nur vereinzelt eingestreuten Gitarrenriffs daherkommt. Langsam und getragen endet der Konzertmitschnitt dann mit gemütlichen „Going To Chicago Blues“.

Mit der Veröffentlichung des Albums „Lowell Fulson Live! hat Jeff Dale ein schönes Stück lägst vergangene Musikgeschichte wiederbelebt und erfahrbar gemacht. Wer also auf traditionellem Blues / Chicagoblues steht, sollte sich diese Scheibe anschaffen. Erschienen ist sie bereits am 5. November diesen Jahres.

Label: Pro Sho Bidness
Stil: Blues

Tracks:
01. Do You Feel It (Instrumental)
02. You‘re Gonna Miss Me
03. Too Many Drivers
04. Blue Shadows
05. Stoop Down Baby
06. Reconsider Baby
07. Do You Feel It
08. Blues Pain
09. Lowell‘s Lillipop
10. Going To Chicago Blues

Jeff Dale
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Stash – Walk The Walk – CD-Review

Review: Michael Segets

Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters haben Stash in Leben gerufen. Im Musikbusiness sind die drei keine Neulinge, legen jetzt aber mit „Walk The Walk“ ihr gemeinsames Debüt vor. Ted Russell Kamp verdiente sich seine Sporen als Bassist. So spielte er bei Waylon Jennings und lange Zeit in der Band dessen Sohns Shooter Jennings oder heimste einen Grammy mit Tanya Tucker ein. Jüngst begleitete er auch Marilyn Manson. Seine Songs wurden von Shooter Jennings, The Statesboro Revue und Micky & The Motorcars aufgenommen.

Seit den 1990ern veröffentlicht er Solo-Alben, die vor allem in Europa erfolgreich waren. Rich McCulley ist ebenfalls seit zwanzig Jahren als Solokünstler unterwegs und wirkte an einigen Filmmusiken mit. Die Film- und Werbeclip-Branche stellt zurzeit das Hauptbetätigungsfeld von Joey Peters dar. Er war Drummer bei Grant Lee Buffalo – mit dem Frontmann Grant-Lee Phillips– und Cracker. Derzeit aktiv ist er bei Rusty Truck.

Alle drei arbeiten als Produzenten für andere Musiker und haben das Heft nun ebenso bei ihrer CD selbst in die Hand genommen. Bei so viel Erfahrungen und dem breiten musikalischen Background verwundert es nicht, dass „Walk The Walk“ routiniert eingespielt wirkt. Die alten Hasen verzichten auf die Unterstützung weiterer Musiker mit Ausnahme von „Talk The Talk“, auf dem Anna Maria Rosales die Vocals ergänzt.

Auf dem Erstlingswerk schlägt Stash überwiegend einen rockigen Weg ein. Dabei gehen manche Tracks in Richtung Countryrock („Queen Of The Highway”, „One Step Ahead Of The Law”), andere wecken Erinnerungen an den Gitarrenrock der 1980er („You’re The One”). Gute Laune verbreitet „Hey, Hey, Hey“, der aus der Anfangszeit des Rock ‘n Roll stammen und eine Nummer der Blues Brothers sein könnte. Ebenfalls ein hohes Tempo geht „One Track Mind“. Deutlich rauer gibt sich „What I Need” oder auch „Catch Me If You Can”, bei dem E-Gitarren und Mundharmonika den Sound bestimmen.

Das Trio zeigt zudem seine Nähe zum Outlaw-Country. Da kommen traditionell Banjo („Smoke And Mirrors”) und Mandoline („Into The Sunset”) zum Einsatz, aber Stash trumpft bei „Ain’t That Kind Of Man“ auch noch mit Trompete und Posaune – beide gespielt vom Multiinstrumentalisten Kamp – auf. Während sich „Sweet Salvation Of The Dawn” stilistisch in der gleichen Schiene bewegt, fällt der Schmachtfetzen „By Your Side“ aus dem Rahmen.

Sowohl im Rock- als auch im Country-Bereich überzeugen die von den Bandmitgliedern gemeinsam geschriebenen Songs. Sie sind geradeaus verfasst und dennoch abwechslungsreich. Die Stimme von Kamp ist nicht außerordentlich markant, gewinnt aber bei mehrmaligen Durchläufen. Der Kalifornier kommt im Februar auf Konzerttour nach Europa, wo man sich dann ein Bild seiner Live-Qualitäten machen kann – sofern die Umstände es zulassen.

Mit Stash betritt eine neue Band die Rock- und Country-Bühne, die von der langjährigen Erfahrung ihrer Mitglieder – Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters – profitiert. Handgemacht eingespielt und gradlinig produziert spiegeln die Anspieltipps „What I Need” und „Ain’t That Kind Of Man“ die beiden Seiten von „Walk The Walk“ wider.

Eigenproduktion (2021)
Stil: Rock, Country

Tracks:
01. Smoke And Mirrors
02. Catch Me If You Can
03. Queen Of The Highway
04. You’re The One
05. Into The Sunset
06. One Step Ahead Of The Law
07. One Track Mind
08. Ain’t That Kind Of Man
09. Talk The Talk
10. Sweet Salvation Of The Dawn
11. What I Need
12. By Your Side
13. Hey, Hey, Hey

Stash
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Andrew Waite – Same – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Ausgestattet mit einem Universitäts-“Degree of Music Education“ veranstaltet der kanadische Musiker Andrew Waite seit Jahren Island Rock Camps für Studierende. Als der aus Charlottetown, Prince Edward Insel (Ostküste Kanadas) stammende Singer/Songwriter und Gitarrist 2018 seinen Debut-Longplayer „Tremors“ vorstellte, waren gleich eine ganze Reihe von Award-Nominationen, bis hin zum ‚Songwriter of the Year‘ fällig.

Waite, der Bruce Springsteen, Jason Isbell, aber auch den Iren Glen Hansard, sowie den Kanadier Dan Mangan als einflussreiche Vorbilder nennt, veröffentlicht nun sein zweites Solo-Werk. Mit den spielerisch, fließend ineinander verlaufenden Initialen „AW“ auf dem Plattencover, macht das Rock-Album jedoch nur unauffällig und bescheiden Werbung für den Inhalt. Diese spielerisch, aber gleichzeitig schöpferisch tiefgreifende Art des Songwritings verkörpert Andrew Waite ebenso in seinen Lyrics. Hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit mit Produzent Chris Kirby und Colin MacDonald (Sänger der in Kanada sehr bekannten Rockband The Trews), die teilweise im Co-Writing beteiligt sind.

Dementsprechend fungiert der erste Titel des neuen Longplayers „Ain’t Goin‘ Out Like That“ wie ein Powerhouse-Opener, ein Energie-versprühender 4-Minuten „Knaller“, der unvermittelt an die Anfangsjahre des „Boss“ erinnert – der perfekte Track für die erste Single! Auch die zweite Nummer „Full Time, Tryin‘ 2 Luv“, die im Upbeat-Tempo das Album vorantreibt, ist schon vorab zu hören und beweist ihren Full-Time-Dance-Status mühelos.

Das intuitive Stück „Silence“, ebenfalls bereits veröffentlicht, entfaltet seine sprichwörtliche Ruhe in Form einer „Music to comfort the Soul“, bevor mit „Best I’ve Ever Had“ ein Country-Rock folgt, der in seinen Strukturen dem Heartland-Sound durchaus ähnlich wirkt. Kraftvolle Inszenierungen von „Call Me In The Morning“ und „World’s Burning Down“ beschreiben zusammen mit Waite’s stimmlichen Fähigkeiten deutlich seine rockige Handschrift.

Der alternativ-soundige Track „Numb“ und der Folk-Rock „It Won’t Come Easy“ – mit Fiddel, Banjo und einladenden Vocals sorgen für akustische Abwechslung im ansonsten geradlinigen LP-Programm. Eine ausdrückliche Springsteen-Hommage (Verszeile: „Springsteen could get me so far“) bietet als vorletztes Stück die Hymne „Dopamine“. In diesem Fall ein musikalischer Botenstoff für positive Gefühlserlebnisse, die ganz leise in „Where Did The Night Go“ und stimmungsvoller Begleitung zu Ende gehen.

Mit seinem gleichnamigen Album versucht der kanadische Americana-Soul-Rocker Andrew Waite den Debüt-Erfolg seines Erstlingswerks zu wiederholen und überzeugt auf ganzer Linie mit einer insgesamt frischen Produktion. Der Longplayer des leider hier noch unbekannten Songschreibers enthält jedoch einen soliden Vorgeschmack auf die schon lange geplante Europa-Tournee.

Eigenproduktion (2021)
Stil: Americana, Country-Rock

Tracks:
01. Ain’t Goin‘ Out Like That
02. Full Time, Tryin‘ 2 Luv
03. Silence
04. Best I’ve Ever Had
05. Numb
06. Best I’ve Ever Had
07. World’s Burning Down
08. It Won’t Come Easy
09. Dopamine
10. Where Did The Night Go

Andrew Waite
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Rola Music

SUSTO – Time In The Sun – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die US-amerikanische Indie-Rock-Band SUSTO hat seit ihrer Gründung im Jahre 2013 bereits zwei EPs, drei Longplayer und ein Live-Album veröffentlicht, sowie als Support der Band Of Horses und The Lumineers tausende Tournee-Meilen gesammelt. In neuer Besetzung wurde jetzt das 4. Studio Werk „Time In The Sun“ eingespielt und eine eigene Headliner-Tour durch die Staaten, einschließlich eines Gigs beim Londoner Americana-Fest im Januar 2022 angekündigt.

Mit dem Nachfolgealbum zu „Ever Since I Lost My Mind“ (2019), das von Kritikern sehr positiv aufgenommen wurde, legt die Band aus Charleston, South Carolina, nun eine Mischung emotionaler und teilweise experimenteller Songs vor, die vom Bandleader Justin Osborne komponiert wurden.

Die erste Single „Get Down“ handelt im schwungvollen Country-Rock von den sehr ernsten, persönlichen Erfahrungen Osbornes einen „Kampfgefährten“ zur Bewältigung von täglichen Schwierigkeiten zu finden – verpackt in leichten Gitarrenharmonien. Ein verträumtes Slide-Guitar-Image vermittelt in „Summertime“ die schöne Americana Atmosphäre. Diese Stimmung, leicht schwebender, surrealistischer Country-Sounds wird mit „God Of Death“ und „Be Gone From Me“ bis hin zum anfangs etwas melancholischen „Time, Love & Fun“ effektreich geboten.

Ein Folk-Style in „Life Is Suffering“ und hypnotische Gitarrenakkorde bei „Good Right Now“ markieren Soundverwandtschaften zu Band Of Horses und in manchen Ansätzen Reminiszenzen zu Wilco. Die ungezwungene Leichtigkeit dieser SUSTO-Klangwaben steht dabei etwas im Widerspruch zum spanischen Bandnamen, der in seiner weitläufigen Begrifflichkeit auch mit „Panikattacke“ übersetzt werden könnte und verdeutlichen soll, was Justin Osborne beim Schreiben von Songs gelegentlich emotional erlebte.

Das bunte Motiv eines doppelten Regenbogens bestimmt in seinen Farben maßgeblich das Plattencover von „Time In The Sun“ und ebenso den gleichnamigen Titel „Double Rainbow“, der in seinen psychodelischen und verzerrten Gitarrenpassagen, gleichwohl Optimismus ausstrahlt und in seinen experimentellen Inspirationen auch in der letzten Aufnahme von „All Around The World“ perspektivisch nachhallt.

Das von Wolfgang Zimmermann (u. a. Band Of Horses) produzierte neue SUSTO-Album „Time In The Sun“ wirkt in seiner feinen Abstimmung aus Country, Rock, Americana, Folk und einigen Grunge-Elementen wie eine Sammlung moderner Indie-Rock Interpretationen, die ihre Dynamik liebevoll ausbreiten. Mit diesem vielversprechenden Sound lässt die noch junge Band ihren Newcomer-Status weit hinter sich.

New West Records (2021)
Stil: Indie-Rock, Americana

Tracks:
01. Time, Love & Fun
02. Get Down
03. Summertime
04. God Of Death
05. Be Gone From Me
06. Good Right Now
07. Life Is Suffering
08. Resolve It
09. Mother Of The World
10. Double Rainbow
11. All Around The World

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