Allen-Forrester Band – Same – CD-Review + Gewinnspiel

Vor gut einem Jahr hatte ich erstmals das Vergnügen, musikalisch mit der Allen-Forrester Band in Kontakt zu kommen, da hatten sie eine starke Southern Rock-Duftmarke in der Krefelder Kulturrampe hinterlassen. Jetzt untermauern die beiden, schon seit Teenager-Zeiten in New York befreundeten Jimmie Allen und Ben Forrester, das Ganze auch in Tonträger-Hinsicht und veröffentlichen ihre Debüt-CD.

Puristische Blues- und Southern Rock-Liebhaber dürfen sich die Hände reiben. Dabei sind zehn selbst kreierte Stücke herausgekommen, die sich von Stil her an den Glanzzeiten von Acts wie Lynyrd Skynyrd und den Allman Brothers in den Siebziger Jahren orientieren. Jimmie Allen hat wieder die Lead vocals und den E-Gitarrensupport inne, der auch viel umworbene Tourmusiker Ben Forrester brilliert mit seinem versierten Allroundspiel und natürlich den vielen Soli.

Wie beim Konzert bilden Hendrik Herder (Bass) und Matze Böhm (Schlagzeug) die satte Rhythmus-Basis, letztgenannter eröffnet mit einem polternden Drumintro den starken Opener „Knocked Me Down“ mit klarer Skynyrd-‚Handschrift‘. Bereits in diesem Track gibt es zwei weitere Personalien zu vermelden, die dem Werk einen überaus wichtigen Stempel mit aufsetzen.

Zum Einen Joe Bonamassa-Backgroundsängerin Jade MacRae, die bei zwei weiteren, gut ausgewählten Liedern („Burning Daylight“ und „“Phases Of The Moon“) starke Harmony vocals beisteuert und Keyboarder Simon Oslender, der sich mit seinen omnipräsenten klimpernden HT-Piano- und schillernden Orgel-Einlagen, maßgeblich in Szene bringt. Ich denke, ein Keyboarder wäre auch live bei ihrer anstehenden Tour (am 12.05.wieder in der Kulturrampe), ein echter Gewinn für das bisherige Quartett.

Nach dem Call-to-Action-trächigen „Stand Up“, wimmelt es im weiteren Verlauf vor allem nur so voller Skynyrd-Erinnerungen (aus der Ronnie Van Zant-Ära), wie beim melodischen „Hey Carolina“ („Am I Losin'“), „Burning Daylight“ („3 Steps“), „Good Situation Gone Bad“ („Gimme Back My Bulltes“) oder „Running For Your Life“ („Coming Home“).

Die emotionalen Höhepunkte sind allerdings die instrumentell klasse performten „Phases Of The Moon“ (mit wunderbarem „With A Little Help From My Friends“-Esprit), in dem Ben Forresters Ehefrau ihre fünf Jahre währende Fernbeziehung in Worte fasst und „Soundcheck Of My Summer“ (eine Art Southern Rock-Version von Bryan Adams‘ „Summer of 69“), in der die beiden Protagonisten ihre lange Freundschaft zelebrieren.

Bei der wunderschönen Southern-souligen Ballade „Forbidden Fruit“ und dem abschließenden, nur von Allen und Forrester allein gespielten, an „Pony Boy“ erinnernden Southern Delta Blues „She Knows What I’m All About“, kommen dann auch noch die Allman Brothers-Fans auf ihre Kosten.

Fazit: Ein gelungenes, kurzweiliges Debüt der Allen-Forrester Band mit viel Bezug zur Hochzeit der Southern Rock-Ära. Die kontinuierliche Einbindung eines Keyboarders kristallisiert sich hier, dank der überragenden Leistung von Simon Oslender, als absolut überlegenswerte Alternative heraus. Besonders für Southern Rock-Fans eine klare Kaufempfehlung!

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In Zusammenarbeit mit Brooke-Lynn Promotion und EBF Music verlosen wir ein Debüt-CD-Exemplar der Allen-Forrester Band.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie heißt die Text-Autorin von „Phases Of The Moon“?

a) Vae Forrester
b) Ave Forrester
c) Eva Forrester

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 23.04.2023 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, die/der dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Gewinnerin ist Susanne Grimm aus Emden!

EBF Music / Timezone Records (2023)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Knocked Me Down
02. Stand Up
03. Hey Carolina
04. Burning Daylight
05. Forbidden Fruit
06. Phases Of The Moon
07. Soundcheck Of My Summer
08. Good Situation Gone Bad
09. Running For Your Life
10. She Knows What I’m All About

Allen-Forrester Band
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Brooke Lynn Promotion

EBF Music

Red Beard – Die Trying – Digital-Album-Review

Über die, von den Kanaren (ich bin übrigens großer Fuerteventura-Fan) stammende spanische Band Red Beard habe ich ja in diesem Magazin bereits mehrfach meine Begeisterung zum Ausdruck gebracht. Für mich zählt sie eindeutig zur Speerspitze des Southern Rocks auf dem europäischen Kontinent. 

Die Vorfreude auf ihr Konzert in der Rampe im Dezember 2021 im Rahmen ihres hervorragenden Albums „It Ain’t Been Easy“ war riesengroß, als Corona in letzter Sekunde einen Strich durch die Rechnung machte. Jetzt hat das Quintett um Bandleader Jaime Jiménez Fleitas den nächsten großen Schritt gemacht und ist für das neue Werk „Die Trying“ (im Moment nur in digitaler Form erhältlich) über den großen Teich geflogen, um in den berühmten Fame Recording Studios in Muscle Shoals, Alabama, das nächste Level in ihrer Entwicklung anzugehen.

Wie beim letzten Mal gibt es wieder  neun starke Stücke zu begutachten, wobei mit „Down South Jukin'“ und „Can’t You See“ zweimal auf das Liedgut altbekannter Southern-Acts zurückgegriffen wurde.

Schon der Opener „You Can’t Stop Me“ beinhaltet alles, was man als Southern Rock-Liebhaber gerne ins Gehör serviert bekommt. Klasse engagierter Gesang von Fleitas, zünftige E-Gitarren samt Slide-Gefiepe, HT-Piano, raunzende Orgel (Solo) und Backgroundgesänge (männlich und weiblich). „Never Sounded So Good“ kommt wie ein neues „Sweet Home Alabama“ daher (man höre sich die weiblichen Backs am Ende an) und dient als Einstimmung für das rotbärtig umgesetzte, sich recht dicht am Original befindliche „Down South Jukin'“-Cover.

Das bärenstarke soulig-angehauchte Titelstück „Die Trying“ (Fleitas und die großartigen Backgroundsängerinnen mit herrlicher Vocal Performance) bildet zurecht den Centertrack in der Mitte des Werks, dem mit „My Kind“ ein schöner pianogetränkter Barroom-Countryschunkler folgt. Die gefühlt 300ste Version von „Can’t You See“ in meiner musikalischen Sammlung enthält hier mit einem spanischen Akustikgitarrenintro und -outro sowie toller Percussionarbeit ihre neue Daseinsberechtigung.

Das grimmige „I Got What You Need“ lässt mit Stones-, Skynyrd-, Cinderella– als auch AC/DC-Ingredenzien wohl das Herz aller Rockfans unisono höher schlagen, klasse hier der Lead-Kurzeinsatz von einer der Backgroundsängerinnen. Und am Ende lassen die Spanier mit dem wüsten „Getting Loco“ den Hund in der Pfanne verrückt werden. Man spürt regelrecht die Euphorie, die das tolle Werk an historischer Aufnahmestelle bei den Protagonisten hinterlassen hat.

Red Beard beweisen mit „Die Trying“ nachhaltig, dass es in unseren Sphären kaum eine Southern Rock Band gibt, die Ihnen das Wasser reichen kann. Mit Jaime Jiménez Fleitas haben sie so etwas wie einen europäischen Ronnie Van Zant in ihren Reihen, der auf unserem Kontinent momentan gerade gesanglich kaum Konkurrenz aufzuweisen hat.

Wenn es nach mir geht, dürfen Red Beard bei ihrem nächsten Live-Gastspiel (ich hoffe noch in diesem Jahr in der Rampe) gerne beide Alben ausgiebig vorstellen. Tolle Band! Absolute „Die Trying“-Kaufempfehlung, auch für hartnäckige Verfechter physischer Tonträger.

Eigenproduktion (2023)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. You Can’t Stop Me
02. For The Travellers
03. Never Sounded So Good
04. Down South Jukin‘
05. Die Trying
06. My Kind
07. Can’t You See
08. I Got What You Need
09. Getting Loco

Red Beard
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MojoThunder – 08.04.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Wenn sich Bands aus dem Teenage Head Music-Fundus nach Europa begeben und dann auch in der Kulturrampe auftreten, weiß man mittlerweile, dass eine dementsprechend gute musikalische Qualität zu erwarten ist. Wo früher Bands wie u. a. Robert Jon & The Wreck sich ihr Standing und den entsprechenden Publikumszuspruch hart erkämpfen mussten, haben es Debütanten jetzt doch schon etwas leichter.

Das gilt auch für das erstmals in der Rampe aufschlagende, aus Lexington in Kentucky stammende Quartett MojoThunder, die ihren energiegeladenen, Southern-umwobenen Hard Rock bei uns salonfähig zu machen versuchen. Die Kulturrampe war so gut wie voll. Ihr 2021 erschienenes, auch bei uns besprochenes Album „Hymns From The Electric Church“ bildete dabei den Schwerpunkt.

Der Black Crowes-umwehte Opener „Movin‘ On“, eine Single aus dem Jahr 2019, gab bereits die Richtung vor, es wurde ordentlich laut. Auffällig für den Les Paul-, Strato- und Telecaster-gewohnten Southern-Kenner war, dass die beiden Gitarristen (Sänger Sean Sullivan und Solist Bryson Willoughby) im ersten Set, bis auf eine Ausnahme bei „Evergreen“, zunächst beide mit rot-schwarzen Gibson SG-Klampfen (wie man sie u. a. von Angus Young, Derek Trucks oder Gary Rossington kennt) agierten.

Obwohl der Gesang von Fronter Sean Sullivan gut zu vernehmen war, litten die E-Gitarren für meinen Geschmack etwas zu sehr durch den viel zu laut ausgesteuerten Drum-Sound, des agilen und immens heftig polternden Schlagzeugers Zac Shoopman, der quasi immer die Pace vorgab. Apropos ‚agil‘: Ich habe selten einen solch beweglichen Bassisten live gesehen wie MojoThunders Andrew Brockman, dessen aus Gummi zu bestehen scheinender Körper vom Anfang bis zum Ende tanzte, in diversesten Verrenkungen poste und natürlich auch einen heftigen Groove entfachte.

Im ersten Set wussten noch „Blackbird“, das psychedelisch verarbeitete Stones-Cover „Can’t You Hear Me Knocking“ und das etwas ruhigere und atmosphärische, mit einem Allman-Touch versehene „Soul“ zu gefallen. Nach der Pause wechselten dann sowohl Sullivan als auch Willoughby (der spielte sich mit einigen längeren Soli etwas in den Vordergrund) ausnahmslos zu Les Paul-Gitarren und ließen dann auch sporadisch die Southern-typischen Twin-Einlagen (u. a. bei „Untitled #69“ oder „Rising Sun“) einfließen.

Meine Favoriten in Set 2 waren das an eine härtere Version von „Midnight Rider“ erinnernde „Memphis Motel“ und das wie eine Mischung aus AC/DC, Bad Company und den Black Crowes wild dahinrockende „No Good“. Mit dem ebenfalls AC/DC-trächtigen „Jack’s Axe“, auf dem aktuellen Werk „Hymns From The Electric Church“ der Opener, wurde erneut nochmal die Hard Rock-Axt geschwungen und beim Konzert im Hauptteil der Schlusspunkt gesetzt. Insgesamt erinnerte mich alles ein wenig an die ebenfalls aus Kentucky stammenden Black Stone Cherry, nur in etwas kleineren Dimensionen.

Das Publikum war vom harten Stil des Kentucky-Vierers sehr angetan und auch Sullivan & Co. genossen den offerierten Zuspruch bei ihrem Rampen-Debüt sichtlich. So ließen sie ich nicht lange bitten und brachten auch die Freunde des psychedelischen Classic Hard Rocks mit einem ca. 10-minütigen Led Zeppelin-Medley in Euphorie.

Am Ende gab es noch ein kurzes Gespräch mit den sympathischen MojoThunder-Jungs am Merchandising-Stand, wo sie sich dann auch für unser obligatorisches SoS-VIP-Bild ablichten ließen. Dabei versprachen sie bereits eine baldige Wiederkehr nach Deutschland.

Line-up:
Sean Sullivan – lead vocals, electric guitar
Bryson Willoughby – electric guitar
Andrew Brockman – bass
Zac Shoopman – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

MojoThunder
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Teenage Head Music
Kulturrampe

Sunken Lands – Same – CD-Review

Review: Michael Segets

Warum in die Ferne schweifen, wenn Gutes so nahe liegt? Die niederländische Band Sunken Lands führt vor Augen, dass man nicht zwangsläufig über den großen Teich schielen muss, wenn man auf der Suche nach ernstzunehmender Roots- oder Country-Musik ist. Die Band verortet sich selbst zwischen Waylon Jennings und Drive By Truckers im Alternative Country, einer Richtung, die es im europäischen Raum nicht so leicht hat. Das selbstbetitelte Debütalbum der Sunken Lands mit zwölf selbstgeschriebenen Songs erscheint nun in Eigenproduktion.

Der Longplayer startet mit seinem Highlight „We Take It For Granted“, das einen beachtlichen Southern Flair versprüht. Aus einem Vers dieses Songs stammt wohl die Inspiration für den Bandnamen. Ich denke nicht, dass der Name eine vorweggenommene Reminiszenz an die Niederlande ist, sollten die Polkappen weiter schmelzen. Sunken Lands kündigen Sad Songs an und insgesamt verfolgen sie auch eine gemäßigte Gangart bei ihren Kompositionen. Im letzten Drittel des Albums steigert die Band allerdings das Tempo etwas.

Mit „Lighthouse“ und „When The Nights Are Short“ kommen dort roots-rockige Töne zu Gehör, wobei das Quintett beweist, dass sie auch diese beherrschen. Dazwischen liegen zwei schunkelige Country-Stücke, auf denen Katja Kruit Frontmann Edwin Jongedijk beim Gesang begleitet. Während sie bei „Crossroads“ die Harmonien beisteuert, übernimmt sie bei „I‘m Leavin‘ (I Just Don’t Know When)“ einen gleichberechtigen Duett-Part. In eine ähnliche Richtung geht zuvor „Pretty Good Guy“, das den gezogenen Vergleich mit Waylon Jennings eventuell rechtfertig.

Ein Schwerpunkt des Albums liegt auf den Balladen. „His Old Town“ bekommt durch das Wimmern der Steel Pedal einen deutlichen Country-Einschlag. Eine Anlehnung an das Genre zeigen ebenso das reduzierte „Broken Homes And Broken Heads“ sowie „Not My Time“ – einschließlich dezentem Backgroundchor und knackigem Gitarrensolo. Neben diesen schön getragenen Songs finden sich mit „Not A Cloud In the Sky“ und der Single „The Damage Is Done“ zwei hellere Stücke im Midtempo, die ebenso hörenswert sind.

Edwin Jongedijk verfügt über eine angenehme, wenn auch nicht besonders markante Stimme, die sich passend in die melodischen und harmonisch arrangierten Stücke einfügt. Begleitet wird er von Rowdy Prins an der Lead Guitar und Mandoline sowie von Marcel Gerritsen an Pedal Steel, Lap Steel und Dobro. Für den Rhythmus sind Bas Sligter (Bass) und Jaap Vissering (Schlagzeug, Percussion), aus dessen Feder die meisten Songs des Longplayers stammen, zuständig. Für die Tasteninstrumente holen sich die Sunken Lands Unterstützung von Gastmusikern.

Die Band aus unserem Nachbarland hat sich mit ihrem selbstbetitelten Erstlingswerk dem Alternative Country verschrieben. Sunken Lands setzen gutes Songmaterial professionell in Szene. Balladen prägen den Grundtenor des Albums, das einige sehr gelungene Titel bereithält, die denen amerikanischer Formationen in nichts nachstehen.

Eigenproduktion (2023)
Stil: Alternative Country

Tracks:
01. We Take It For Granted
02. Not A Cloud In The Sky
03. The Damage Is Done
04. Andrew
05. Pretty Good Guy
06. Not My Time
07. His Old Tattoo
08. Broken Homes And Broken Hearts
09. Lighthouse
10. I’m Leavin’ (I Just Don’t Know When)
11. Crossroads
12. When The Nights Are Short

Sunken Lands
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Layla Zoe – 30.03.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Pünktlich um 20,00 Uhr betritt die Kanadierin Layla Zoe mit ihrer Band die Bühne des ordentlich besuchten Musiktheater Piano. Mit dem ruhigen Beatles-Cover „Golden Slumbers“, das sie ohne Bandbegleitung vorträgt und dabei gewissermaßen die Besucher begrüßt, zeigt sie schon zu Beginn, welch großartige Stimme sie hat,.

Danach ist es mit der Ruhe für die folgenden 100 Minuten weitestgehend vorbei. Mit „Dark Heart“, vom aktuellen Album „The World Could Change„, das mit der „Gemini“ Scheibe im Mittelpunkt des Konzertes steht, wird es direkt rockig. Krissy Matthews setzt dabei an der Gitarre direkt Akzente mit einem Gitarrenriff, das sich durch den gesamten Song zieht. Im bluesigen „The World Could Change“ und dem folkigen „Praying Kind“ wird es noch einmal melodischer und Laylas klare kräftige Stimme steht wieder im Vordergrund.

Das rockige „Leave You For Good“ reißt die Fans aus der verträumten Stimmung der beiden vorherigen Songs und animiert zum Mittanzen, Hier kann sie sich voll auf ihre Band verlassen, wo oft Krissy Matthews bei seinen starken Gitarrensoli fast als zweiter Fronter zu sehen ist. Paul Jobson am Bass, bei einigen Stücken auch an den Keyboards und Felix Dehmel an den Drums sorgen mit einer auf den Punkt gespielten Rhythmusarbeit für eine satte Grundlage, und können in einem jammenden instrumentalen Stück bei bei ihren Einzelleistungen Szenenapplaus einheimsen.

Nach der melancholischen Blues Nummer „Susan“ wird es mit dem Southern Rock angehauchte „Weakness“ furios. Eindrucksvoll hier der kräftige Gesang von Layla und die rockende Gitarre von Krissy mit kurzen auf den Punkt gespielten Soli.

Nach diesem musikalischen Intermezzo wird es mit  „Ghost Train“ und „Roses and Lavender“ wieder bluesig und Layla Zoe zeigt, dass sie nicht umsonst vor einigen Jahren bei den Blues Awards eine Auszeichnung als Sängerin erhielt.

Danach kann sie einige Minuten Pause machen und überlässt die Bühne ihren Musikern für einen Band Jam, um danach mit „Watch What You’re Doing“, „Brother“ und „The Man Behind the Curtain“ drei starke Songs des aktuellen Werks nachzulegen, die den Hauptteil des Konzertes beenden. Der Applaus der Fans und die lauten Zugabevorderungen sorgten dafür, dass die Band schnell wieder auf der Bühne zurückkehrte und mit „We’re All the Same“, einem langsamen gefühlvollen Blues, stilistisch in Richtung Gary Moore gehend, nachlegt. Danach verlassen bis auf Layla Zoe und Paul Jobson, der das letzte Stück nur am Keyboard begleitet, die Bühne. So endet ein starkes Blues- Konzert mit „He Loves Me“ so ruhig wie es begonnen hatte.

Den Musikern, die sich nach dem Konzert im Merchandising- Bereich einfanden, war während des gesamten Konzerts anzumerken, wie sie die Stimmung und das Flair des Piano genossen haben, sodass dieser Abend mit Sicherheit den Besuchern in guter Erinnerung bleiben wird.

Text und Bilder: Gernot Mangold

Lalya Zoe
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Lucinda Williams – Lu’s Jukebox – You Defenitely Got Me – A Tribute To 38 Special – Doppel-Vinyl-Review und Gewinnspiel

Dass sich Lucinda Williams von Zeit zu Zeit dem Liedgut geschätzter Koryphäen des Musikbusiness gerne annimmt und ihnen Tribut zollt, ist hinlänglich bekannt und kann auch in diesem Magazin mehrfach nachvollzogen werden. Diesmal hat sie sich nun dem Songkatalog von 38 Special gewidmet.

Besonders gefreut hat uns, dass wir, auf Anfrage ihres Managements, ein Bild von ihr, das im Rahmen eine SoS-Konzertberichtes aufgenommen wurde, für das Frontcoverbild (gerne) beisteuern durften. Auf Nachfrage, warum es nicht die vermeintlichen Platzhirsche Lynyrd Skynyrd geworden sind, antwortete sie uns, dass deren Klassiker schon immer überbewertet seien und 38 Special aus ihrer Sicht die eigentlichen Könige des Southern Rocks wären.

Gerade die Phase mit Max Carl als Sänger und Keyboarder, mit dem sie gut befreundet ist und der heute bei Grand Funk Railroad agiert (der deutsche Star-Musiker Peter Maffay coverte übrigens 1985 mal deren Song „A Thousand Nights“ und veröffentlichte die deutsche Version „Für Immer“) und den Alben „Rock And Roll Stragedy“ als auch „Bone Against Steel“, zählt für sie definitiv zu den innovativsten und essentiellsten Meilensteilen des Genres.

Carl singt demnach auf diesem Werk auch ihren größten kommerziellen Hit „Second Chance“ mit Lucinda zusammen im Duett. Klasse finde ich persönlich, dass auch Donnie Van Zant (trotz weiterhin währender Stimmprobleme) für zwei Titel zur Verfügung stand. Zum Einen beim überragenden Rausschmeißer „Rebel To Rebel“ und bei „Money Honey“. Da läuft es allerdings genau anders herum als beim Original: Hier übernimmt Lucinda die Leads von Donnie und Donnie die von Dale Krantz zu damaliger Zeit.

Da ließ sich auch Don Barnes nicht lumpen und macht bei „Hold On Loosely“ in gleicher Hinsicht gesanglich Nägel mit Köpfen. Als schöne Abrundung ist auch  der unvergessene Gitarrist Jeff Carlisi bei diversen Tracks hier wieder mit aktiv.

Den besonderen Charme des Scheibe macht natürlich die Verschmelzung von Southern Rock mit Williams-typischem Americana-Roots Rock-Style aus und natürlich ihre eigenwillige und unverwechselbare Stimme, die den Tracks im Zusammenwirken ganz neue Facetten abgewinnt. Sie ist Gott sei Dank nicht von ihrem, vor zwei Jahren erlittenen Schlaganfall beeinträchtigt. Neben Carlisi, Doug Pettibone (Steel) und Gitarrist Stuart Mathis sind zusätzlich viele prominente Musiker aus der Nashville-Studio-Szene vertreten und sorgen für entsprechend hohe instrumentelle Qualität.

Aus oben angeführten Gründen konnten wir vorab fünf Doppel-Vinyl-Exemplare der limitierten Auflage von „Lu’s Jukebox – You Defenitely Got Me – A Tribute To 38 Special“ aushandeln, wovon wir drei an unsere Leser weitergeben möchten. Bitte sende eine Email an dan@sounds-of-south.de und schreibe uns, welche Band Lucinda Williams, und warum, beim nächsten Mal in ihre Jukebox-Reihe aufnehmen sollte. Die drei originellsten Beiträge werden mit der Scheibe belohnt.

Die Platte kann von Nichtgewinnern gerne auch für 18,90 Euro bei uns geordert werden (bitte Namen und Adresse angeben), wir reichen dann die Bestellungen weiter.

Highway 20 – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Southern Rock, Roots, Americana

Tracklist:

LP 1 – Seite A:
01. Rock And Roll Stragedy
02. You Got The Deal
03. Gypsy Belle
04. Second Chance (feat. Max Carl)
05. Wild Eyed Southern Boys

LP 1 – Seite B:
01. One In A Million
02. Chattahoochee
03. Turn It On
04. Bone Against Steel
05. You Defenitely Got Me

LP 2 – Seite A:
01. Long Time Gone
02. Jimmy Gillum
03. Has There Ever Been A Good Goodbye
04. The Love That I’ve Lost
05. Hold On Loosely (feat. Don Barnes)

LP 2 – Seite B:
01. Money Honey (feat. Donnie Van Zant)
02. Caught Up in You
03. Take Me Back
04. Sombody Like You
05. Rebel To Rebel (feat. Donnie Van Zant)

Lucinda Williams
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Thirty Tigers

The Cumberland River Project – A Smell Of Gravy – CD-Review

Das Cumberland River Project ist wieder so eine kleine Geschichte, wie man sie meist nur im Rahmen eines solchen Magazins erleben kann. Beim Blackberry SmokeKonzert in Köln stand ich neben zwei Alt-Hieppies, die sich wunderten und mich dann schließlich fragten, warum ich mir denn während des Gigs fortwährend Notizen machen würde.

Ich erklärte ihnen, dass diese dazu dienen würden, zeitnah einen Konzertbericht abzuliefern, der dann im Rahmen des SoS erscheinen würde. Ich drückte ihnen dann eine Visitenkarte in die Hand. Fast zeitgleich drehte sich ein Mann, der etwas vor mir stand, zu mir um, und sagte, dass er unser Gespräch mitbekommen hätte. Er selbst sei Songwriter, Musiker und Produzent im Country-Bereich und bat dann auch um meine Visitenkarte.

Schon am nächsten Tag bekam ich eine Email von einem Frank Renfordt, der sich und sein Projekt dann etwas umfangreicher vorstellte, einen weiteren Tag später hatte ich die aktuelle, mittlerweile zweite CD des Cumberland River Projects im Briefkasten.

Gut finde ich besonders die von Anfang an sehr professionelle Herangehensweise. Zum einen ist dieses Projekt sehr offen ausgelegt, das sieht man schon an den vielen involvierten Musikern und auch sehr unterschiedlichen Leadsängerinnen und -sängern, wobei Frank Renfordt, als Songwriter, Sänger, Musiker und Produzent natürlich hier die Fäden zieht, die weit bis nach Nashville reichen.

Und um den Hauch des Mysteriösen zu verbreiten, werden hier bei den Tracks „Missing Girl“ (ist da etwa Dierks Bentley am Mikro?), „Those Moments“ und  dem textlich und musikalisch sehr gelungenen „Mount Everest“, die Leadsänger nicht benannt. Konnte Frank hier etwa richtige Nashville-Stars gewinnen können, die sich halt zum Schutze weiterer Anfragen dieser Art, nicht preisgeben wollten?

Stark zu Gegen ist hier auch wieder Dave Demay, der bereits das Debütwerk des Cumberland River Project produziert hatte und jetzt auch wieder diverse Tracks gesanglich und auch soundtechnisch in Music City mit begleitet hat. Auch die grafisch und fotographisch schön umgesetzte Covergestaltung weiß zu gefallen. Anders als bei vielen Werken aus Deutschland, die mir zur Rezension geschickt wurden, weht hier wirklich von Beginn an amerikanisches Flair durch das Gesamtwerk, auch die Texte klingen nicht, wie so oft aus hiesigen Gegenden, nach Schulenglisch. Man merkt sofort, warum Renfordts lyrische Kreationen auch schon in den Staaten im American Songwriter Magazine prämiert worden sind.

Und so startet sein Zweitwerk direkt mit drei sehr schönen eingängigen New Country-Nummern, von denen mir das mit 90er Flair umgarnte, von Matt Dame, der gesanglich so ein wenig Travis Tritt-Esprit verbreitet, angeführte „She Drives Her Own Truck“ besonders gefällt. Für mich die beste Vokalleistung auf dem Werk.

Nach einer mehr traditionellen Phase, die auch folkige Anleihen beinhaltet  u. a. mit dem ein wenig an den großen Kenny Rogers-Hit „Lucille“ erinnernden „Joanne“ und der Gesangs- und Fiddle-Performance der talentierten Jessie Morgan bei „Back You Up“, schlägt mein Herz beim flockigen, in Richtung der früheren Diamond Rio, Restless Heart, Boy Howdy & Co. gehenden „You Can’t Make Someone Love You“ (gesungen von The Voice Of Germany-Teilnehmer Michael Anthony Austin) und dem mit schönen Dire Straits-mäßigen E-Fills verzierten „Mount Everest“ wieder höher. Klasse finde ich hier die Message, dass man nicht gleich den höchsten Berg der Welt besteigen muss, wenn man sich im Leben irgendwelche Ziele setzt.

Die Schlussphase läutet dann das mit blechernen Dobroeinlagen bestückte „Aunt Marian“ (hat was von Hands On The Wheel) ein, die dann wieder sehr country-folkig bis zum abschließenden „Brighter Day“ verläuft. Bei beiden Tracks  beweist Frank Renfordt, dass er sich auch am Mikro hinter den anderen Protagonisten nicht zu verstecken braucht. Auffällig ist hier auch das mit schrullig-knochigem Sprechgesang von Eric Trend (Marke Charlie Daniels) versehene „Red River Girl“.

Mit „Smell Of Gravy“ ist Mastermind Frank Renfordt und seinem Cumberland River Project eine kurzweilige und abwechslungsreiche Scheibe gelungen, die diesmal besonders auf die traditionell und eher auf die Anfangsphase des New Country fokussierte Klientel abzielt. Alles bewegt sich hier in jeder Hinsicht auf absoluter Augenhöhe mit vergleichbarem Stoff, den man so aus Nashville kennt. Für den besonderen Geschmack der Soße sorgen die vielen unterschiedlichen Sängerinnen und Sänger, die er für das Projekt gewinnen konnte.

Dass Renfordt durchaus auch vom Southern Rock was weg hat, kann man beim bis dato nur digital produzierten Song „Down At Chicamauga Creek“ (feat. Adam Cunningham) hier begutachten. Ich hätte persönlich nichts dagegen, wenn das potentielle Drittwerk des Cumberland River Projects vielleicht mal in diese Richtung gehen würde. 

Eigenproduktion (2022)
Stil: (New) Country

01. A Little Love (feat. Brittany Black)
02. Missing Girl
03. She Drives Her Own Truck (feat. Matt Dame)
04. Those Moments
05. Joanne (feat. Dave Demay)
06. House In A Row (feat. Misko)
07. Back You Up (feat. Jessie Morgan)
08. You Can’t Make Someone Love You (feat. Michael Antony Austin)
09. Mount Everest
10. Aunt Marian
11. Your Fanciest Rintone (feat. Dave Demay)
12. Red River Girl (feat. Eric Trend)
13. Blown Away (feat. Dave Demay)
14. Brighter Day

The Cumberland River Project
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John Primer & The Teardrops – Teardrops For Magic Slim – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Am 23. Februar 2013 verstarb Magic Slim, die Ikone des Chicagoblues. John Primer, der von 1981 bis 1993 Mitglied von „Magic Slim and The Teardrops“ war, hat nun im letzten Jahr die Teardrops wieder zusammengetrommelt und mit Ihnen am 22. November in „Rosa’s Lounge“ in Chicago ein Konzert zu Ehren von Magic Slim gegeben.

Neben den noch lebenden Originalmusikern Jon McDonald (guitar), Earl Howell (drums), Danny O’Connor (Bass) und Lenny Media (ebenfalls drums) war auch Magic Slims Sohn Shawn Holt als Gastmusiker (guitar & vocals) mit von der Partie.

Daraus entstanden ist die wundervolle Live-CD „Teardrops for Magic Slim“, eine Reminiszenz an die verstorbene Chicago‘er Bluesikone mit insgesamt 12 Titeln alter Bluesmeister wie z. B. JB Lenoir, Willie Dixon oder Elmore James, um nur ein paar zu nennen.

Und wie es sich für eine Scheibe gehört, die die Musik von Magic Slim ehren und auch wieder unter jüngeren Bluesfans bekannter machen möchte, sind alle Tracks des Albums folgerichtig pure Chicagobluesnummern an denen Magic Slim sicherlich seine reine Freude gehabt hätte. Mal kommen sie als flotter Shuffle oder Boogie daher („Mama Talk To Your Daughter“, „Let Me Love You Baby“ oder „Look Over Yonder Wall“), mal aber auch als klassischer 12-Takter Blues („Every Night, Every Day“, „It Hurts Me To“, „TheThings I Used To Do“).

Und so bleibt wirklich nur zu hoffen, dass das Vermächtnis von „Magic Slim & The Teardrops“ nicht irgendwo in der schnelllebigen Musikwelt von heute untergeht, sondern auch zukünftig gelebt und geliebt wird. „Teardrops For Magic Slim“ legt jedenfalls den Grundstein dazu, nicht zuletzt wegen John Primers eindrücklichem Gitarrenspiel, bei dem man glauben könnte, dass Magic Slim auferstanden ist und wieder höchstpersönlich mit den „Teardrops“ musiziert.

Und natürlich auch wegen der geballten Power seiner Bandmates. Für Fans des Chicagoblues ist die Scheibe auf alle Fälle ein Must-Have, denn sie bekommen, was sie erwarten: puren Chicagoblues, so wie er früher gespielt wurde! Klasse! Das Album ist übrigens seit dem 24. Februar im Handel.

Blues House Productions (2023)
Stil: Blues

Tracks:
01. Mama Talk To Your Daughter (JB Lenoir)
02. Luv Sumbody (Jimmy Dawkins)
03. Every Night, Every Day (Jimmy McCracklin)
04. Ain‘t Doing Too Bad (D. Melone)
05. Buddy Buddy Friend (Aaron Corthern Reed)
06. Trouble Of My Own (Morris Holt)
07. Let Me Love You Baby (Willie Dixon)
08. It Hurts Me Too (Elmore James)
09. Look Over Yonder Wall (Elmore James)
10. The Things I Used To Do (Eddie Jones)
11. Before You Accuse Me (Ellas McDaniel)
12. The Blues Is Alright (Milton Campbell)

John Primer
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Laura Cox – 25.03.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Wenn man wie ich bereits unzähligen Konzerten beigewohnt hat und diverse Künstler auch schon mehrfach gesehen hat, verfolgt man, gerade als Rezensent, bei einem erneuten Besuch gewisse Intentionen, man geht also nicht immer unbedingt um des reinen Musikvergnügens zu einem Gig.

Laura Cox war aufgrund ihres überragenden Albums „Head Above Water“ zu Anfang dieses Jahres, ein Quantensprung wie ich meine (vor allem beim Gesang), bei mir gesetzt, obwohl mir ihre bisherigen Live-Auftritte trotz ihres unbestrittenen Gitarrenspielkönnens eher ‚mittelprächig‘ in Erinnerung geblieben waren.

So war ich sehr gespannt, wie sie die neue, eher Country-rockige Fokussierung des Werks, auch auf ihre Live-Performance übertragen können wird. Die aufgebaute Lap Steel-Anlage ließ im Vorfeld da schon mal Gutes erhoffen. Netter Weise stellte sie sich vor Konzertbeginn noch für unser obligatorisches VIP-Bild zur Verfügung, obwohl sie, wie man es sofort bemerkte, doch gesundheitlich kränkelte, die Stimme bereitete Probleme.

Aufgrund der Tatsache aber, dass eine volle Hütte angesagt war, biss sie sich am Ende, um es vorwegzunehmen, vorbildlich professionell durch und begeisterte die dann auch zahlreich erschienene, gut mitgehende Audienz mit ihrer energiegeladenen Show.

Auch ich war zunächst vom Auftakt mit den drei Tracks der neuen CD „Wiser“, „Head Above Water“, „So Long“ und dem dazwischen positionierten ZZ-Top-umwehten „Bad Luck Blues“, richtig angetan, die Phase gehörte ganz klar dem heute modern gespielten Southern Rock, wo Laura besonders mit den typischen E-Soli zu punkten wusste.

Ab dem folgenden „Take The Broken Home“ verfiel sie dann aber, trotz sporadischer Lap Steel-Einlagen, zunehmend wieder fast bis zum Ende des Hauptteils hin, in die alte Hard Rock-Attitüde, was allerdings im Publikum überaus gut ankam. Mir persönlich fehlten allerdings das auf dem Album viele Akzente setzende Banjo, das garnicht zum Einsatz kam, als auch besonders die ruhigeren Tracks des aktuellen Silberlings wie „Old Soul“, „Before We Get Burned“, das hypnotische „Seaside“ oder „Glassy Days“.

Die Viererkonstellation mit ihr als einzige Gitarristin ließ die Umsetzung folgerichtig nicht zu, die sympathische US-Französin kann sich, anders als wie es die Studiotechniken zulassen, auf der Bühne natürlich nicht zweiteilen. Hier fehlte mir persönlich dann doch der ergänzende Saitenspieler. Die aufgestellte Lap Steel brachte dann zwar für die Fotografen mit ihr ein schönes Motiv, aber die sporadischen Einsätze hätten eigentlich auch mit dem Bottleneck auf ihrer E-Gitarre als Slide abgewickelt werden können.

Was mir, der über die vielen Jahre gelernt hat, bei einem Konzert etwas genauer zu beobachten, auch auffiel, war, dass ihre drei Mitstreiter bei ihrer One-Woman-Show, trotz jeweils eines Kurz-Solos (da verließ die Protagonistin dann die Bühne), ein paar zartgehauchten Harmoniegesängen und ein paar sporadisch sehr einstudiert wirkenden Posen zusammen mit Bassist Adrien Kah, quasi überwiegend zu einem Statistendasein verurteilt waren.

Das hatte schon was von einer imaginären Bühnendiktatur, wie man sie zum Beispiel von Bobby Ingram bei Molly Hatchet kennt, das natürlich völlig legitim und wahrscheinlich auch notwendig ist, wenn man in der heutig schnelllebigen Zeit im Musicbiz als Solokünstlerin seinen Lebensunterhalt dauerhaft verdienen möchte.

So musste ich dann bis zum gut performten Black Crowes-Cover „Hard To Handle“ und „Set Me Free“ (mit klirrendem Skynyrd-E-Solo) warten, bis zumindest mein Southern-Herz wieder zum Schlagen gebracht wurde. Mit „One Big Mess“, auch von „Head Above Water“, gab es aus den beschriebenen gesundheitlichen Gründen, trotz der hervorragenden Stimmung, nur noch eine Zugabe.

Fazit: Mademoiselle Cox‘ Entwicklung spricht Bände, was ihr Selbstbewusstsein, die Zuschauerzahlen als auch die damit verbundene Stimmung betrifft (darüber war sie auch offensichtlich erfreut und gerührt). Den Country-Spirit ihres aktuellen Albums, mit nur fünf, eher im Southern Hard Rock-Stil gespielten Tracks, konnte sie auf der Bühne allerdings noch nicht verbreiten. Trotzdem ein insgesamt lohnenswerter Besuch.

Line-up:
Laura Cox (lead vocals, electric guitar, keys, percussion)
Florian Robin: (keys, vocals)
Adrien Kah (bass, vocals)
Antonin Guérin (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Samantha Fish & Jesse Dayton – 23.03.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ursprünglich war das Samantha Fish-Konzert für 2022 geplant. Die Fans erwartet im Piano der Deutschland-Premiere der „Death Wish Blues“-Tour direkt eine Überraschung, Neben Samantha Fish steht in der Band mit Jesse Dayton ein zweiter Fronter auf der Bühne, sodass beide als Duo mit Begleitband agierten.

Schon der Opener, das Vince Taylor-Cover „Brand New Cadillac“ in einer rockigen, in manchen Phasen leicht punkigen Version, bringt das Musiktheater Piano zum Kochen. Der Leadgesang wird dabei von Jesse Dayton übernommen, während Samantha Fisch den Backgroundgesang mit einigen Kiksern übernimmt.

Im weiteren Verlauf präsentiert das Duo eine bunte Mischung von eigenen Stücken, Coversongs und zum Großteil Tracks aus der gemeinsamen Zusammenarbeit. Mit „Death Wish“ folgt direkt der Titelsong des im Mai erscheinenden gemeinsamen Albums, Dabei wechseln sich beide im Leadgesang ab, wie es sich für ein Duo gehört und schießen wechselweise Gitarrensoli in den Saal.

Schon nach zwei Songs ist klar, dass sich mit Samantha Fish und Jesse Dayton ein explosives Gespann gefunden hat, von dem in der Zukunft noch einiges zu erwarten ist. Über knapp 100 Minuten hin  verlassen die beiden mit der Band abgesehen von einer kurzen Ausnahme nicht mehr die Überholspur. Nur bei den beiden akustischen Songs „I`ll Be There In The Morning“ und „Babys Long Gone“, welche die beiden ohne Begleitband spielen, wird es ruhiger und die Fans im ausverkauften Piano können sich von dem Feuerwerk erholen, das vorher abgebrannt wurde.

Beim rockigen „Lover On The Side“ vom kommenden Album wird der Blinker wieder nach links gesetzt, um dann das bluesige „Rippin & Runnin“ nachzulegen, bevor die Post mit den ineinander gehenden Covern „Shake Your Hips / Whole Lotta Rosie“ so richtig abgeht. Von der Härte her stehen die beiden dabei beim AC/DC-Original in Nichts nach, die Riffs und Soli fegen dem Publikum regelrecht um die Ohren.

Mit dem Texas-bluesigen „Riders“ beenden die beiden den Gig, um nach lautstarken Zugabe-Forderungen mit der Samantha Fish-Nummer „You Know My Heart“ und dem groovenden TL BurnsideEvergreen „Going Down South“ noch zwei starke Zugaben nachzulegen, um sich danach unter tosendem Applaus vom Publikum zunächst zu verabschieden.

Nur wenige Minuten später erscheinen beide wie angekündigt am Merchandisingstand, der von den Fans schon regelrecht belagert ist, um geduldig Autogrammwünsche zu erfüllen und für Erinnerungsfotos zur Verfügung zu stehen. So ging ein furioser Abend zu Ende, an dem den Anwesenden musikalisch nachhaltig erklärt wurde, was „Death Wish Blues“ bedeutet.

Line-up:
Samantha Fish (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Jesse Dayton (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Phil Breen (keys)
Ron Johnson (bass)
Scott Graves (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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