Carly Pearce – Hummingbird – CD-Review

Mit „Hummingbird“ veröffentlicht die aufstrebende Countrymusikerin Carly Pearce ihr viertes Studioalbum. Was soll man sagen, im Prinzip könnte man den Review zum Vorgänger „29: Written In Stone“ so gut wie komplett übernehmen, das neue Werk weilt exakt auf dem Weg weiter, der mit diesem mehr traditionell verwurzelten Longplayer eingeschlagen wurde.

Das Fundament bildet ihre klare ausdrucksstarke, bestens Country-kompatible Stimme und die wieder instrumentell ‚zaubernden‘ Nashville-Studiomusiker, welche die typischen Instrumente perfekt in Szene setzen. Es sägt, wiehert und fiept die Fiddle, die Dobro knarzt und raunzt, die Mandoline zirpt, das Banjo klackert blechern, Akustik- und E-Bariton-E-Gitarren untermalen, kratzen, grummeln und sliden, und das zu glasklar und modern abgemischten Sound, – herrlich!

Wobei wir auch schon bei einem ersten kleinen Unterschied angekommen wären, Pearce hat nämlich erstmals dem bewährten Team, bestehend aus Shane McAnally und Josh Osborne, auch in Sachen Produktion mit assistiert. In Sachen Songwriting war die Protagonistin wieder bis auf einen Track („Things I Don’t Chase“) bei allen Stücken beteiligt.

Pearce zur Intention des neuen Silberlings: „Ich habe in den letzten Jahren viel erlebt. Der Eintritt in ein neues Jahrzehnt hat eine Menge Reife, Wachstum, Herzschmerz und Heilung mit sich gebracht. Ich bin immer noch in der Entwicklung begriffen, aber diese Songs repräsentieren meine Ehrlichkeit, Verspieltheit und Offenheit, weiter zu wachsen.“

Dazu gehört es natürlich auch wieder, diverse textliche Giftpfeile in Richtung Ihres Ex, Michael Ray, abzuschießen (der Stachel des Ehe-Disasters scheint weiterhin tief zu sitzen), allerdings auch immer mit integrierter Selbstironie (u. a. bei  „Truck On Fire“, „Still Blue“, „Woman To Woman“)

Die Hihghlight-Songs aus meiner Sicht in einem durchgehend starken Gesamtwerk sind das herzzerreißende Duett mit Chris Stapleton bei „We Don’t Fight Anymore“, für das man eine Grammy-Nominierung einheimste, das Tex-Mex-umwehte „Woman To Woman“ (mit einem unterschwelligen Eagles-„Hotel California“-Esprit) und natürlich der abschließende episch-anmutende, höchst-atmosphärisch in Szene gesetzte Titelsong „Hummingbird“ zu dem Carly folgendes anmerkt:

„Als ich diesen Song schrieb, wusste ich, dass er der Titel des Albums sein sollte. Der Song spielt auf meine Bluegrass-Wurzeln an, erzählt aber auch textlich von der Reise, auf der ich mich befinde, um die Liebe zu finden.“

Also erneut viel Symbolik, aber auch toller Gesang und exzellente Musik auf Carly Pearces neuem Longplayer „Hummingbird“! Man darf sich schon jetzt auf die Live-Präsentation der neuen (und auch ihrer älteren Tracks) freuen, denn die hübsche Künstlerin (begleitet momentan noch Tim McGraw auf seiner Tour) wird sich im Februar des nächsten Jahres auch zu drei Terminen in Deutschland einfinden, wobei wir davon ausgehen, von ihrem Gig in der Kölner Kantine (17.02.2025) wie gewohnt berichten zu werden.

Big Machine Records (2024)
Stil: New Country

01. Country Music Made Me Do It
02. Truck On Fire
03. Still Blue
04. Heels Over Head
05. We Don’t Fight Anymore
06. Rock Paper Scissors
07. Oklahoma
08. My Place
09. Things I Don’t Chase
10. Woman To Woman
11. Fault Line
12. Pretty Please
13. Trust Issues
14. Hummingbird

Carly Pearce
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Oktober Promotion

Joanne Shaw Taylor – Heavy Soul – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seit 2009 hat die UK-Blues-Rock-Gitarristin Joanne Shaw Taylor mittlerweile ihr 9. Studioalbum aufgelegt: “Heavy Soul” ist ein bluesrockig-souliges Schwergewicht, ein Meisterwerk mit populärmusikalischen Einflüssen. Aufgenommen wurden die 10 neuen Eigenkompositionen wieder in Nashville, dieses Mal in den altehrwürdigen RCA Studios. Gelohnt hat es sich jedenfalls, Toningenieur und Freund Kevin Shirley (u. a. auch Iron Maiden, Aerosmith, The Black Crowes), der bereits 2016 beim Longplayer “Wild” die Regler bediente, wieder ins Boot zu holen.

Die aktuellen Stücke, angeführt vom Top-Blues Rock und musikalischen “Seelenöffner” “Sweet ‚Lil Lies”, besitzen ein energiegeladenes zeitgemäßes „Outfit“, das keine Langeweile aufkommen lässt. Unbändige, über die gesamte Tracklist verbreitete Spielfreude, treibt auch in “Black Magic” den Rhythmus der Boogie Gospel-Nummer kraftvoll voran und durchzieht, wie ein roter Faden den hitverdächtigen, melodischen Ohrwurm “A Good Goodbye”. “Wild Love” bringt in Ansätzen die legendäre, späte Fleetwood Mac-Magie temporeich in den Hörgenuss und begeistert im Titelsong mit großartigen, souligen Blues Rock erster Güte und dem Flair südstaatlich klingender E-Solo-Passagen.

In einem Interview zu ihrem Konzert in Pittsburgh schildert Taylor die Leidenschaft ihres Vaters für die Musik von Charley Patton (verst. 1934), die ihr von Kindesbeinen an den Blues vermittelte. Für die damals 13-jährige war es jedoch die eigene Begeisterung für die Spielweise von Stevie Ray Vaughan und Albert Collins, die bis heute ihre Gitarrenmusik beeinflusst. Bei “Devil In Me” werden diese ausgeprägten Southern-Inspirationen zum Selbstläufer, eine rasante Demonstration für modernen Südstaaten-Rock.

Die ausgewogene Zusammenstellung der Songs lässt auch Balladenliebhaber nicht zurück. “All The Way From America” und “Someone Like You” sind grandiose Beispiele für die Schönheit der Stilrichtung. Zu dieser Spitzenkategorie der auffallenden Titel erwächst “Drowning In The Sea Of Love” als Soul-Blues Rock erster Sahne. Insofern bleiben die powervollen Lyrics und souligen Melodien ebenfalls beim Abschlusstrack “Change Of Heart” auf diesem hohen Niveau und erinnern hier im Gesang etwas an die späte Tina Turner – ein schöner Ausklang der ausgereiften Produktion.

Die über die Jahre mit vielen Auszeichnungen geehrte Joanne Shaw Taylor hat mit “Heavy Soul” eben nicht eine sentimentale Seelenstimmung gemeint, sondern ein lockeres, sprühendes, immer wieder aufweckendes Werk hingelegt, das nun bei Joe Bonamassas Journeyman Records erscheint. Eine Scheibe, nicht nur für soulig geneigte Blues-Fans moderner Interpretationen – ganz im Gegenteil ist “Heavy Soul” für alle ein Must-Have-Album, die musikalische Ideenwelt und kreative Gitarrenkunst auf der Basis von Roots Music lieben.

Journeymen Records (2024)
Stil: Blues Rock, Roots Rock

Tracks:
01. Sweet ‚Lil Lies
02. All The Way From America
03. Black Magic
04. Drowning In A Sea Of Love
05. A Good Goodbye
06. Heavy Soul
07. Wild Love
08. Someone Like You
09. Devil In Me
10. Change Of Heart

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Quinn Sullivan – Salvation – CD-Review

Quinn Sullivans Werdegang war nach dem Geschenk der ersten E-Gitarre in ganz jungen Jahren, wie sooft bei Musikern in den Staaten, im Prinzip schon vorprogrammiert, lediglich die Richtung, mutet angesichts der Tatsache, dass sein Vater über 30 Jahre Schlagzeuger in einer Grateful Dead-Coverband war, vielleicht etwas überraschend an.

Hier spielte dann doch der berühmte ‚Kommissar Zufall‘ eine gewisse Rolle, und zwar ein persönliches Treffen, mit Blues-Legende Buddy Guy nach einem Konzert, der den jungen talentierten Burschen fortan unter seine Fittiche nahm und viele Jahre in seine Tournee-Band integrierte.

Mittlerweile wandelt Quinn schon seit Längerem auf eigenen Pfaden und veröffentlicht jetzt mit „Salvation“ seinen bereits fünften Longplayer. Produziert hat der Multiinstrumentalist John Fields (Jonas Brothers, Pink, Har Mar Superstar), das Songwriting teilten sich Sullivan, Fields und Kevin Bowe (Jonny Lang, Kenny Wayne Shepherd, Etta James).

Die Eröffnung mit den beiden starken „Dark Love“ und „Rise Up Children“, die besonders auch Southern Rock-Liebhaber überraschen werden, dem dazwischen platzierten dezent progressiven Titeltrack (mit etwas KWS-Flair) sowie dem treibenden, im Refrain Steely Dan-umwehten „Don’t Wanna Die Today“ (mit grandioser E-Gitarrenpassage) beginnt zunächst fernab aller Radioambitionen.

Erst mit dem folgenden „Once Upon A Lie“ (mit schon fast an Bee Gees erinnernden Falsetto-Gesangsparts), über die die herrlichen „Leave No Love Behind“ und „Eyes On Me“ (beide mit unterschwelligem Eagles-Touch), das an gute alte Stretch-Tage erinnernde, funkige „Nothin‘ Gonna Change My Mind“ bis zum beatlesken „Half My Heart“ weitet Quinn das Spektrum in deutlich kommerziellere Gefilde aus.

Zum Schluss gibt es dann als Zugabe mit „Eyesight Of The Blind“ noch ein Live-Stück, wo der 24-Jährige samt seiner Band nochmals seine Rock-und Gitarren-Qualitäten zelebriert. Mann, was für eine E-Gitarrenpower!

Die Fähigkeit, knackigen Blues Rock mit radiotauglichen Hooklines und vielen filigranen und quirligen E-Soli zu kombinieren, auf der britischen Seite von Acts wie Aynsley Lister, Ben Poole, Laurence Jones vortrefflich repräsentiert, wird auf amerikanischer Ebene von Künstlern wie John Mayer, Kenny Wayne Shepered, Jonny Lang, aber auch jetzt wieder hier durch Quinn Sullivan mittels seines 5. Albums „Salvation“ fast schon lehrbuchmäßig vorgeführt.

Sullivan gelingt es mit Bravour, den Schmerz, verursacht durch den Verlust der Mutter, auf künstlerische Art und Weise zu verarbeiten und in positive Energie umzuwandeln. Dabei lässt er den Hörer an rockigen und melodischen Songs und vor allem an seinem exzellenten E-Gitarrenspiel teilhaben.

Der in New Bedford, Massachusetts, lebende Musiker selbst über sein Werk: „Meine Mutter hat mich bei dieser Platte begleitet. „Ich bin kein religiöser Mensch, aber Erlösung (Salvation) bedeutet für mich, sich selbst vor einer traumatischen Erfahrung zu bewahren. Das ist es, was dieses Album für mich getan hat. Diese Platte hat mich gelehrt, keine Angst davor zu haben, so zu sein, wie ich bin, die Stärke meiner Mutter durchdrang mich und gab mir das Selbstvertrauen, mich hinzusetzen und die beste Platte aufzunehmen, die ich machen konnte.“

Zu erwähnen ist auch das gelungene Cover Artwork des Klapp-Digipaks (samt eingelegtem Steckbooklet mit allen Songtexten) mit tollen Bildern des Protagonisten auf einer Klippe vor malerischer Meeres-Sonnenuntergangskulisse, sowie weiteren starken atmosphärischen Einzel-Aufnahmen des Künstlers.

Mascot Label Group (2024)
Stil: Blues Rock

01. Dark Love
02. Salvation (Make Me Wanna Pray)
03. Rise Up Children
04. Don’t Wanna Die Today
05. Once Upon A Lie
06. Better In Love
07. Leave No Love Behind
08. I Can’t Stay (& You Can’t Go)
09. Nothin‘ Gonna Change My Mind
10. Eyes On Me
11. Half My Heart
12. Eyesight Of The Blind (live)

Quinn Sullivan
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Mascot Records
Netinfect Promotion

Jesse Dayton – The Hard Way Blues – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Jesse Dayton wuchs im Südosten von Texas auf. Da liegt es nahe, dass er von Blues, Rockabilly, Country, aber auch vom Punk und Gothic geprägt wurde. Und die meisten dieser Einflüsse finden sich natürlich auch auf seiner neuen Scheibe „The Hard Way Blues“ wieder. Und sie machen es schwierig seinen Stil in eine bestimmte Schublade zu packen. Es ist weder reiner Blues oder Blues Rock, noch Country oder Americana, noch ist es Texas Blues, aber eine wilde, mitunter dreckige, Mischung aus alledem, wobei allerdings die Countryeinflüsse auf dieser Scheibe gefühlt überwiegen.

Irgendjemand hat für diesen wilden Stilmix mal den Begriff „Outlaw Country“ geprägt. Ein Stil also, der sich an keine gewohnten Konventionen hält und die Grenzen der Genres vermischt. Genau deshalb strahlt Jesse Daytons neues Album, das er innerhalb von nur einer Woche aufgenommen hat, wohl so viel Drive und pure Energie aus.

„The Hard Way“, der titelgebende Opener der Scheibe zum Beispiel, fängt relativ harmlos an, brennt dann aber in einem hochfrequenten Rhythmus ein Rock’n’Roll-Feuerwerk mit knallharten 70‘er Jahre-Riffs ab. Ähnlich ist auch „Night Brain“ mit einem gefälligen Fingerpicking-Intro konzipiert, sich dann aber im weitern Verlauf zu einem dreckig, schrammeligen Song entwickelt. Ruhiger, aber nicht weniger eindringlich, geht es anschließend mit „Talkin‘ Company Man Blues“ weiter, der übrigens auch im Refrain durch einen tollen Hintergrund Chor besticht.

Richtig fröhlich geht es in dem Country-Song „Baby‘s Long Gone“ zu. Mit kraftvoller Dynamik, Rock‘n‘Roll Hooks und dezenten Chicago Blues-Elementen hingegen präsentiert sich „Novasota“, während „Ballad Of Boyd Elder“ eine schöne Ballade mit Countryflair ist, aber dennoch rockig und energiegeladen daherkommt. Und im bittersüßen „Angel In My Pocket“ beweist Jessy Dayton seine Qualitäten als Liedermacher an der Akkustikgitarre. Melodiös und beschaulich mit Countryzutaten ausgestattet, geht der Longplayer sodann mit „Huntsville Prison Rodeo“ weiter, was seine Fortsetzung im balladesken „Esther Pearl“ findet. Zum guten Schluss wartet die Scheibe dann noch mit „God Ain’t Makin’ No More Of It“, einem rockig-harten Rausschmeißer mit leichter Boogie Woogie-Attitude auf.

„The Hard Way Blues“ hat mich total fasziniert. Die abwechslungsreiche Platte weist so viele kraftvolle Sounds und rockige Tracks auf, gepaart mit reichlich Countryeinlagen, dass es eine Freude ist, sie nicht nur einmal zu hören. Jesse Dayton zeigt sich zudem nicht nur als Gitarrenvirtuose, sondern auch als eloquenter Geschichtenerzähler. Das Album bekommt von mir daher eine absolute Kaufempfehlung. Ab dem 31. Mai ist es im Handel.

Blue Élan Records (2024)
Stil: Blues Rock & More

Tracks:
01. The Hard Way
02. Night Brain
03. Talkin‘ Company Man Blues
04. Baby‘s Long Gone
05. Navasota
06. Ballad Of Boyd Elder
07. Angel In My Pocket
08. Huntsville Prison Rodeo
09. Esther Pearl
10. God Ain‘t Makin‘ No More Of It

Jesse Dayton
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Henrik Freischlader – 26.05.2024 – Zeche, Bochum – Konzertbericht

Pünktlich um 18 Uhr betritt Henrik Freischlader mit seiner Band die Bühne in der anständig gefüllten Zeche in Bochum. Die Besetzung der Band mag für manche Fans etwas überraschend sein. Mit Hardy Fischötter an den Drums und Rene Pütz am Bass schrumpft die Band im Vergleich zu den letzten Jahren zu einem Trio, wie schon bei Lash, eine der ersten Bands, als Freischlader damals auch mit Pütz Anfang der 2000er Jahre Musik machte.

Fischötter und Pütz legen dabei einen Rhythmus vor, der Freischlader alle Spielräume gibt, sich an seinen Gitarren auszulassen. Mehrfach erhält er für seine Soli verdienten Szenenapplaus vom Publikum. In der Setlist spannt er einen Bogen aus seiner Anfangszeit mit „Dissapointed Woman“ bis zum letzten Album mit „Free“.

Herausragend aus einem starken Konzert sind die letzten drei Songs. Das epische „The Sky Is Crying“ läutet gewissermaßen das ‚finale furioso‘ ein. Beim etwa 20-minütigen „Breakout“ mit jammenden Phasen verlässt Freischlader nach einigen Minuten die Bühne und überlässt diese seiner Band.

Pütz legt ein, über mehrere Minuten gehendes Bass Solo hin, was von den Fans mit entsprechenden Applaus belohnt wird. Fischötter begleitet das Solo seines Kollegen zunächst eher dezent, danach selbst zu zeigen, was an den Drums möglich ist. Als Freischlader die Bühne wieder betritt, kehrt das Trio wieder ins Thema des Songs zurück und beendet unter dem Applaus der Fans zunächst den Gig.

Lautstarke Zugabeforderungen lassen das Freischlader & Co. schnell wieder auf die Bühne zurückkehren, um mit einer Eextended Version von „Bad Dreams-Wolkenwinde“ einen tollen Blues-Abend in der Zeche abzuschließen. Einen nicht unerheblichen Anteil an dem gelungenen Abend, der Wolfgang Stolt von Impuls Promotion ein Lächeln ins Gesicht zauberte, haben auch der Mischer, der für einen transparenten Sound sorgte und der Lichttechniker, der mit abwechslungsreichen Effekten die Musiker klasse ausleuchtete.

Line-up:
Henrik Freischlader– lead vocals, guitars
Rene Pütz – bass
Hardy Fischötter – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Impuls Promotion
Zeche, Bochum

Celso Salim & Darryl Carriere – About Time – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Der brasilianische Gitarrist Celso Salim und der kalifornische Harpspieler Darryl Carriere blicken beide auf eine schon lange währende Musikerkarriere zurück. Celso Salim arbeitete im Laufe seines Musikerlebens bereits mit zahlreichen Größen des Musikgeschäftes zusammen, darunter B. B. King, Deep Purple, Canned Heat, John Hammond und Joe Bonamassa, um nur ein paar Namen zu nennen und es gibt inzwischen 6 Soloalben von ihm. Darryl Carriere ist seit seiner frühen Jugend der Mundharmonika verfallen und spielte u. a. mit Billy Preston, Robbie Krieger von den Doors und Corey Stevens und dem legendären Schlagzeuger Gary Mallaber (Van Morrison und Steve Miller Band).

Auch zusammen sind die beiden seit mehr als zwanzig Jahren unterwegs, mit „About Time“ präsentieren sie jetzt aber erstmals auch ein gemeinsames Album. Für den nötigen Drive und Rhythmus sorgen auf der Scheibe David Kita am Schlagzeug und Mike Hightower am Bass, bekannt von seiner Arbeit bei „Johnny Mastro & The MB‘s und „The 44‘s“.

Die zehn Originalsongs auf der Scheibe umfassen eine bunte Mischung an teils traditionellen Blues-Tunes („In Your Arms“, „Here With You“), abgeschmeckt mit Rock‘n‘Roll-Anleihen („Sweet Thing“, „Sadie“), Countryelementen („With My Friends“, „Make You Mine“) und mitunter leichten Souleinflüssen („Please Stop“, „Get Along“), sowie Chicago Blues- Klängen („BBQ“, „Love On A Shelf“, „Get Along“).

Das von Mike Hightower und Celso Salim produzierte Werk ist durch die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse echt abwechslungsreich. Und durch die vielfach leicht und fluffig daherkommenden Tracks verbreitet es zudem jede Menge gute Laune, zu der sicherlich auch die stimmigen Lead Vocals, vor allem von Darryl Carriere, beitragen. „About Time“ ist dafür gemacht, und hat es auch verdient, nicht nur nur ab und zu, sondern wirklich des Öfteren angehört zu werden, gern auch in Dauerschleife.

Wide Tracks Recordings (2024)
Stil: Blues

Tracks:
01. BBQ
02. Sweet Thing
03. Please Stop
04. In Your Arms
05. Here WithYou
06. With My Friends
07. Get Along
08. Love On A Shelf
09. Sadie
10. Make You Mine

Celso Salim & Darryl Carriere
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Sean Webster – Summer Has Gone – CD-Review

Bis dato hatte ich in Sachen Sean Webster immer nur Gelegenheit, über live gespielte Stücke zu reflektieren, sei es über persönlich erlebte Gigs oder aber seine bärenstarke Live-CD „Three Nights Live“. Nun liegt mir endlich sein neues Studiowerk „Summer Has Gone“ zur Besprechung vor, das ab heute auf dem Markt erhältlich sein wird.

Hatte ich nach seinem letzten Auftritt im Oberhausener Gdanska noch darüber sinniert, was Joe Bonamassa, trotz schlechterer Skills, eigentlich so viel populärer macht als Sean, stelle ich mir jetzt nach mehrmaligem Hören dieses Werks die Frage, was vermutlich passiert wäre, wenn Joe Cocker hier als der ausführende Protagonist Pate gestanden hätte…

Der Grund ist, dass Sean Webster sein Schaffen auf diesem Album vom Blues Rock weg in deutliche radiofreundlichere Gefilde gerichtet hat und schwerpunktmäßig in 90er Jahre-umwehte AOR-Musik umswitcht.

Ich persönlich habe überhaupt kein Problem damit, das Werk enthält durchgehend hochmelodische Tracks, den tollen Gesang Websters, den ich eh liebe, und immer das obligatorische, diesmal aber eher meist nur auf den Punkt gebrachte feine E-Gitarrensolo, so wie ich es von meinen vielen präferierten Nashville-Produktionen kenne und auch schätze. Und natürlich typische Keys-Variationen der damaligen Zeit, hier von Axel Zwinselman adäquat mit eingebracht.

Allerdings begibt sich Webster, wie schon richtig vom geschätzten Kollegen Ipach in seinem Review angedeutet, auf einen Drahtseilakt. Zum einen, findet solche Musik in der heutigen Zeit tatsächlich noch in die Radiosender und wenn, auch ohne den großen Namen dahinter?

Zum anderen höre ich schon jetzt das Gejammer und Gemeckere seiner eher traditionell gestrickten Blues-Klientel, die vermutlich das Songkonvolut, vielleicht bis auf den launigen, deutlich aus dem Rahmen fallenden Barroomsong „What You Get“ (mit Steel und HT-Piano) am Ende (und selbst der ist ja auch noch speziell), als Hochverrat an ihren, doch so geliebten Gewohnheiten degradieren werden.

Apropos radiotauglich: Zwei Stücke erweisen hier eine besondere Markanz, beide sind Duette. Das grandiose „Lost And Alone“ mit der ebenfalls megastark singenden Hilde Vos, das es normalerweise wirklich verdient hätte, ein Nr. 1-Hit zu werden. Dann das ziemlich schwülstige Titelstück „Summer Has Gone“, als britisch-italienische Co-Produktion, nur dass hier statt klingender Namen wie Zucchero oder Eros Ramazzotti, Roberto Morbioli von Morblus den italienischen Vokalpart vollzieht. Statt internationalem Glanz gibt es hier leider eher schwermütigen Schmalz zu verkünden. Dieses Stück dürfte den Blutdruck der betagten Blues-Gemeinde besonders in die Höhe treiben…

Und damit kommen wir dann am Ende wieder zum Dilemma. Ich behaupte, dass, wenn Joe Cocker dieses Album herausgebracht hätte, es ein Millionenseller geworden wäre, Sean Webster dagegen wird mit „Summer Has Gone“ weiter sein Brot hart verdienen, ggfs. wenn er Pech hat, sogar noch Schadensbegrenzung in Sachen seiner bisherigen Hauptklientel betreiben müssen…

Wie oben angeführt, ich selbst habe keine Probleme mit dem Lonplayer und finde die CD (DigiPak mit eingelegtem Steckbooklet mit allen Texten) absolut empfehlenswert. Die insgesamt nur 9 Stücke finde ich etwas mau, vielleicht hätte ich noch eine schöne Coverversion mit draufgepackt (dass Sean sowas hervorragend beherrscht, hatte er schon mal beim Keith Urban-Track „‘Til The Summer Comes Around“ zuvor blendend bewiesen). Beim potentiellen Rest der Zielgruppe dürfte es aus beschriebenen Gründen allerdings spannend werden…

Inakustik (2024)
Stil: AOR

Tracklist:
01. Forever Gone Away
02. Won’t Lay Down
03. Can’t Be Alone
04. Lost And Alone
05. Make It Through
06. Never Let Me Go
07. Not Me And You
08. Summer Has Gone
09. What You Get

Sean Webster Band
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m2-music

49 Winchester – Support: Drayton Farley – 21.05.2024, Kantine, Köln – Konzertbericht

Toller Konzertabend in der Kölner Kantine! Der Gig von 49 Winchester mit ihrem Support Drayton Farley war im Vorfeld aufgrund der gesteigerten Kartennachfrage vom ursprünglich geplanten Club Volta in die ungefähr etwas mehr als doppelt so große Location im Kölner Norden gelegt worden und die Leute sollten ihr Kommen nicht bereuen.

Zunächst stellte der aus der Nähe von Birmingham in Alabama stammende Singer/Songwriter Drayton Farlowe in einem 45-Minuten Programm, Songs aus seinem eigens Fundus vor. Nur mit Akustikgitarre behangen und seinem bardenhaften Gesang, der mich ein wenig an Jason Isbell erinnerte, an der Front, gelang es ihm mit seiner kommunikativen Art, authentischen Texten und melodischen Tracks wie u. a. „Something Wrong (Inside My Head)“, Stop The Clock“, „Dream Come True“, „Evergreen Eyes“ American Dream (Hard Up) und dem abschließenden „Pitchin Fits“, viele Pluspunkte für sich zu sammeln, als auch den verdienten Applaus einzuheimsen.

Line-up:
Drayton Farley (lead vocals, acoustic guitar)

Nach knapp einer halben Stunde Umbaupause brachte dann 49 Winchester, das 6-köpfige Ensemble aus Castlewood, Virginia, das vor geraumer Zeit bereits als Support-Act von Luke Combs für Furore gesorgt hatte, von der ersten Minute an den ‚Kessel‘ in der Kölner Kantine zum Brodeln, visuell zusätzlich durch permanent wehende Rauchschwaden auf der Bühne untermauert!

Das Sextett, bestehend aus dem herrlich kauzig aussehenden, aber auch zugleich sehr charismatisch auftretenden Fronter Isaac Gibson, der mich an eine Art noch unverbrauchte Mischung aus Charlie Daniels in jungen Jahren, Billy Gibbons und Charlie Starr erinnerte sowie Co-Gitarrist Bus Shelton, Schlagzeuger Justin Louthian, Bassist Chase Chafin, Keyboarder Tim Hall und Pedal Steel Player Noah Patrick, sorgte schon direkt mit dem launigen Opener „Chemistry“ dafür, dass die Chemie zwischen Band und Publikum auf’s Beste funktionieren wird.

Im Mittelpunkt standen im weiteren Verlauf des ca. 1 1/2 stündigen Gigs die Songs ihrer ersten Alben, darunter natürlich auch die vom starken „Fortune Favors The Bold“ (“ u. a. „Annabel“, „All I Need“, „Damn Darlin’“, „Second Chance“, „Last Call“),  sowie ergänzend schon eine Vorschau auf den kommenden, am 03. August 2024 zur Veröffentlichung geplanten Nachfolger mit Tracks wie u. a. „Yearnin‘ For You“, „Make It Count“, Leavin‘ This Holler“, das wir dann zu entsprechender Zeit natürlich auch wieder beleuchten werden.

Highlights unter vielen in dieser höchst abwechslungsreichen Show waren für mich persönlich , der bis dato mit der Truppe noch gar keine Berührungspunkte hatte, u. a. Songs wie das atmosphärisch-bluesig-balladeske „Hays, Kansas“, das im emotionalen Refrain zum Mitsingen infizierende „Russell County Line“ sowie das progressive und mit einem starken Instrumentalteil bedachte „Don’t Speak“ oder auch das brandneue „Tulsa“ mit schöner Red Dirt-Note.

Am Ende wurde die Band vom sehr angenehmen Publikum gebührend gefeiert und natürlich nicht ohne Zugabe entlassen. Gibson bedanke sich für die tolle Kölner Audienz („die ihm noch in 15 Jahre in Erinnerung bleiben wird“ – OT) und sorgte mit seinen Kumpanen dafür, dass alle Anwesenden samt der vertretenden Hillbillies, die Kantine überglücklich verließen (mit „Hillbilly Happy“, ein Stück aus dem kommenden, neuen Album).

Besonders gefreut hat mich auch die unbeschränkte Fotoerlaubnis für den Kollegen Mangold. Hier zeigt sich, wie man vertrauensvoll zwischen Band-Management und Multiplikatoren (Agenturen, Magazinen) völlig entspannt zusammenarbeiten kann, um ein bestmögliches Werbeergebnis für die Protagonisten zu erzielen, wie man es an den tollen Fotos unschwer erkennen kann!

49 Winchester, weiter so! Ein toller aufstrebender neuer Act im New Country-, Country Rock-, und Southern Rock-Genre, von dem noch viel zu hören sein wird. Bestnote von uns für diesen Abend!

Line-up 49 Winchester:
Isaac Gibson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Tim Hall (keyboards)
Justin Louthian (drums)
Chase Chafin (bass,)
Bus Sheltonon (electric guitar, acoustic guitar)
Noah Patrick (pedal steel)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

49 Winchester
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Lime Tree Music
Semmel Concerts Entertainment GmbH
Kantine, Köln

Jack McBannon – Tennessee – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Wuppertaler Thomas Willer veröffentlichte 2021 unter seinem neuen Künstlernamen Jack McBannon das Album „True Stories“. SoS-Kollege Stephan Skolarski hatte seinerzeit das Werk, mit dem sich McBannon aufmachte, seine Country-Wurzeln zu erkunden, als zukunftsweisend eingeschätzt. Recht hat er behalten. Für den nun vorliegende Nachfolger „Tennessee“ nutzte McBannon die Chance, an geschichtsträchtigem Ort den eingeschlagen Pfad weiter zu verfolgen. „True Stories“ überzeugte nämlich nicht nur den SoS-Redakteur, sondern auch John Carter Cash. Nachdem McBannon dem Sohn von Johnny Cash auf gut Glück eine Aufnahme von „True Stories“ geschickt hatte, erhielt er die Einladung, das Cash Cabin Studio in Hendersonville zu nutzen. Mit elf neuen Songs im Gepäck machte sich McBannon dann auf den Weg nach Tennessee und John Carter Cash übernahm die Produktion des Longplayers.

Zwischen Americana und Country angesiedelt gelingt McBannon mit „Tennessee“ ein Album, das sich nicht hinter denen amerikanischer Songwriter verstecken muss. Mit seiner angerauten Stimme bringt er Atmosphäre in die Stücke, egal ob sie getragen oder rockig ausfallen. Das Duett mit John Carter Cash „The Only Rule“ ist sehr reduziert in der instrumentalen Begleitung, ansonsten hat McBannon eine souverän aufspielende Band im Rücken, die mal mehr und mal weniger dominant auftritt. Vor allem bei „A Sinner’s Sin“ lässt sie es ordentlich krachen. Der Song mit einem Grunge-Einschlag gehört neben „Can You Hear Me“ – einem Roots Rocker vom Feinsten – zu den beiden schnelleren Tracks auf der Scheibe. Sie setzen Akzente zwischen den überwiegend balladesk gehaltenen Beiträgen.

Aber auch bei den langsamen Titeln baut McBannon Variationen ein. Manche Songs sind von Country-typischem Slide untermalt („Tennessee“, „Home“), der bei „Not Alone“ stimmungsvoll mit einem Klavier kombiniert wird. Atmosphärisch dicht – mit einem Hauch von Pathos – fällt der Opener „Back Then“ aus. Leidenschaft legt McBannon bei „Turn Around“ in seine Stimme, das in der zweiten Hälfte des Longplayers das Tempo nochmal etwas anzieht. Darauf folgt die runde Americana-Ballade „In Us I Believe“. „As Simple As That“ fällt in die gleiche Kategorie. Für den Abschluss wurden Streicher eingeflogen. Die Tracks wurden allesamt live im Cash Cabin Studio eingespielt, was sicherlich dazu beiträgt, das deren Sound direkt und erdig klingt.

Wenn man denkt, zwischen dem Bergischen Land und Amerika liegen Welten, dann irrt man sich in musikalischer Hinsicht. Jack McBannon überbrückt die kulturellen Diskrepanzen anscheinend mühelos. „Tennessee“ dient als Beweis, dass auch Musiker aus deutschen Landen in der Lage sind, ernsthafte Genrebeiträge zum Americana und Country zu liefern. McBannon hat den Sprung über den Atlantik gewagt und unter den Fittichen von John Carter Cash ein durchgehend überzeugendes Album geschaffen. Dabei offenbart er ebenso Qualitäten in Sachen Roots Rock, von denen in den nächsten Projekten gerne mehr gezeigt werden können.

My Redemption Records – Cargo (2024)
Stil: Country / Americana

Tracks:
01. Back Then
02. Can You Hear Me
03. Tennessee
04. The Only Rule (feat John Carter Cash)
05. A Sinner’s Sin
06. Home
07. Not Alone
08. Turn Around
09. In Us I Believe
10. Dry County
11. As Simple As That

Jack McBannon
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Cargo
Oktober Promotion

Blue Deal – Can’t Kill Me Twice – CD-Review

Lange musste ich bei meinen Reviews der letzten Jahre darauf warten und es gibt ihn tatsächlich doch noch: Einen Sänger aus unseren Landen, der sich an englisch-sprachige Rockmusik heranwagt, und bei dem man seine Heimat, nicht schon sofort 10 Meter gegen den Wind hört!

Die Rede ist von Joe Fischer, ehemals Fronter der Cadillac Blues Band, der sich jetzt mit seiner ’neuen‘ Truppe Blue Deal musikalisch anschickt, weit über unsere Grenzen hinaus für Furore zu sorgen. Der hat nämlich ein wirklich markantes Stimmorgan, das ich tatsächlich irgendwo zwischen Chris Thompson, Paul Rodgers (sein Lieblingssänger übrigens) und David Coverdale verorten würde. Den ‚Joe‘ im Vornamen hat er sich redlich verdient.

Zusammengetan hat er sich seit 2015 mit dem tollen Gitarristen Tom Vela, Bassist Martin Bürger (seit 2022) und Schlagzeuger Jürgen Schneckenburger. Das Quartett firmiert seither unter dem Bandnamen Blue Deal und präsentiert jetzt, nach ihrem Debüt „Holy Ground“ von 2022, den Nachfolger „Can’t Kill Me Twice“.

Nach dem souveränen Gewinn der German Blues Challenge, erreichte Blue Deal als Vertreter Deutschlands im Januar 2024 bei der International Blues Challenge in Memphis (USA) das Halbfinale und ließ diverse angesagte amerikanische Acts hinter sich. 

Der Opener des neuen Werks „Short Time Runner“ steht nicht nur vom Titel her für die Kurzweiligkeit der gesamten Platte. Eine flotte Uptemponummer mit Molly Hatchet-Note im  E-Gitarrensolo werden auch Southern Rock-Freunde sofort hellhörig werden lassen.

Im weiteren Verlauf werden in den Eigenkompositionen eigentlich alle Facetten des Blues Rocks behandelt. Das nachfolgende „Hard Times“ als eher traditionell angehauchter Schunkler mit etwas Albert Collins-Flair, „Got 2 Go“ mit nölender Harp als Deltablues. das gut abgehende „Favorite Mistake“ wieder mit Southern-Appeal und das Titelstück „Can’t Kill Me Twice“ als emotionaler Slow Blues mit dezent inkludiertem Whitesnake-Pathos.

Schon hier bemerkt man deutlich, dass sich mit Fischer und Vela zwei Musiker gesucht und gefunden haben, die mit klasse Keys und bravouröser Gitarrenarbeit in allen Belangen bestens harmonieren, was natürlich auch für die empathische und songdienliche Rhythmusarbeit von Schneckenburger und Bürger gilt.

Das kurze Instrumental-E-Gezupfe bei „Bluecata“ teilt das Werk in der Mitte und läutet die Hommage „1942“ an Jimi Hendrix ein (sein Geburtsjahr), also psychedelischen Blues Rock haben die Burschen auch drauf. Vela fliegt quirlig über die Seiten wie sein einst 1970 verstorbenes Pendant.

Die erneut Southern Rock-behafteten „Gilded Cage“ (Marke Steel Woods kombiniert mit Whitesnake zur „Ready An‘ Willing“-Phase) und „Stand By“ (AC/DC meets Molly Hatchet, dazu mit unterschwelligen „Night Bush City Limits“-Reminiszenzen) wechseln sich dann ab mit dem herrlichen Slow Blues-Ohrwurm „Seen To Be Believed“ (absolutes Highlight!) und dem wieder vom Titel her passenden „Over“ als Ende, wo Fischer in Sachen Gesang, Piano und Orgel noch mal alle Register in Sachen Emotionalität zieht. Eine Hammerscheibe von vorn bis hinten!

Blue Deal erinnern vom Stil her an eine Art heimische King King-Version (auf Augenhöhe!), die ja auch immer wieder gerne mit Whitesnake-, Clapton-, Bad Co.- und Southern Rock-Ingredienzien kokettieren. Somit vergesst alle vermeintlichen Deals dieser Erde. Wer was Handfestes Ehrliches in Sachen guter britischer und amerikanischer (Blues-) Rockmusik haben möchte, trifft mit Blue Deals „Can’t Kill Me Twice“ ein perfektes und absolut lohnenswertes Arrangement!

Dixiefrog Records – Redeye/Bertus (2024)
Stil: (Blues) Rock & More

Tracks:
01. Short Time Runner
02. Hard Times
03. Got 2 Go
04. Favorite Mistake
05. Can’t Kill Me Twice
06. Bluecata
07. 1942
08. Gilded Cage
09. Seen To Be Believed
10. Stand By
11. Over

Blue Deal
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