Nazareth – Support: Rook Road & Surrender The Crown – 05.12.2023 – Zeche, Bochum – Konzertbericht

Pünktlich um 18:30 Uhr öffnen sich die Pforten der Zeche in Bochum und gegen 19:30 eröffnet der erste Support, die seit über 10 Jahren bestehenden Surrender The Crown den Konzertabend. Mit ihrem etwa 40-minütigen Auftritt gelingt es der Band schon Stimmung in die Zeche zu bringen. Der zweite Gitarrist Mathias Sander sowie Bassist Oliver Quinten und Drummer Matthias Schmidt. sorgen für den nötigen Druck für den klassischen Hard Rock der Band, in den Gitarrist Patrick Meyer einige starke Soli einbaut und Sänger Matthias Braun stimmlich einen guten Shouter abgibt. So haben die Fünf mit Sicherheit einige neue Fans dazugewonnen.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es mit den etwa drei Jahren bestehenden Rook Road weiter. Die Band aus dem Saarland erhält nicht umsonst mehr als einmal Szenenapplaus. Sie lassen Blues, Classik Rock und Hard Rock in ihren Songs verschmelzen, wo Bassist Sebastian Mitzel und Drummer Thomas Luther den Rythmus vorgeben. Hannes Luy setzt mit der Hammond und den Keys zuweilen fast klassische Akzente. Im Mitelpunkt stehen auch visuell Gitarrist Uwe Angel, der neben seinen Spielkünsten und krachenden Soli auch einige posende Akzente setzt und der charismatische Sänger Patrick Jost, der vom Aussehen her auch vor Dekaden bei Bands wie den Black Crowes hätte mitspielen können. In der Form kann man von dem Quintett noch einiges erwarten. So ist für das nächste Jahr das zweite Album der Band geplant.

Um 21:40 Uhr wird es in der Halle düster und „Lust For Life“ von Iggy Pop ertönt aus den Boxen. Zu einem schottischen Song mit Dudelsack betreten dann die Musiker von Nazareth die Bühne, um mit den Hard Rock-Krachern „Miss Misery“ und „Razamanaz“ direkt Stimmung in die Zeche zu bringen. 

Dabei tut es der Stimmung keinen Abbruch, dass mit Pete Agnew nur noch ein Gründungsmitglied dabei ist. Spätestens nach dem gesundheitlich bedingten Ausstieg von Dan McCafferty 2013 sahen viele Fans das Ende der Band gekommen. Nach einem kurzen Intermezzo mit Linton Osborne als Sänger stieß dann 2015 Carl Sentance zur Band, der in der Zeche unter Beweis stellt, dass er mehr als nur ein Ersatz McCaffertys ist.

Stimmlich bestens aufgelegt haucht er den Songs neues Leben ein und versucht dabei nicht McCafferty zu immitieren. Zudem zeigt er eine Bühnenpräsenz, die der Band gut tut und ist immer wieder in Kontakt mit den Fans. Hemdsärmlig mit löchriger Hose und Kajal um die Augen passt er auch stilisch in die Zeiten, als die Schotten ihre größten Erfolge hatten. Dies spiegelt sich auch in der Setlist, die Songs aus der Zeit von 1971 bis 1982 umfasst.

Jimmy Murrison, der seit 1994 Leadgitarrist ist, überzeugt mit seinem gradlinigen Spiel ohne übermäßige Effekte und zeigt, dass er nicht nur die harten Gitarrenriffs beherrscht, sondern bei den Balladen gefühlvoll über die Saiten huscht. Dabei hat er den Kopf meist etwas gesenkt, dass sein Gesicht von den Haaren verdeckt ist.

Über „Shanghai’d in Shanghai“ und „Love Leads to Madness“ kommt es dann zu einem ersten emotionalen Highlight. Sentance beginnt zunächst alleine mit Akustik Gitarre das verträumte „Sunshine“, in das die anderen Musiker dann später mit einsteigen. Nach dem ruhigen Moment wird dann wieder etwas aufs Gaspedal getreten. „Holiday“, eine rockige Version des JJ Cale-Klassikers „Cocaine“, läuten vier Songs aus der harten Phase von Nazareth ein. „Turn On Your Receiver“, „Beggars Day“, „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ werden druckvoll mit Heavy-Einschlägen gespielt, wo Murrison mit einigen Soli glänzen kann.

Da kommt das sentimentale „Love Hurts“ gerade richtig, um den Puls wieder herunter zu fahren. Nicht wenige der meist älteren Fans verdrückten hier so manche Träne zum schmachtenden Gesang von Sentance. Als letzten Song spielen die Schotten dann mit „Morning Dew“ das älteste Stück der Set List; 52 Jahre ist die Veröffentlichung her, da waren eventuell noch nicht einmal die Eltern der jüngsten Fans geboren, die heute auch dabei sind.

Hier schlägt die Stunde der Familie Agnew. Vater Pete am Bass, ihm sah man das ganze Konzert an, mit welchem Spaß er die Songs vorträgt, und Sohn Lee an den Drums halten über Minuten den treibenden Rhythmus des Songs, in den später Murrison zunächst mit kurzen psychedelischen Klängen an der Gitarre und dann auch Sentance stimmlich einsteigen.

Nach dem Stück verlassen die vier kurz die Bühne und kommen nach frenetischen Zugaberufen schnell wieder zurück, um mit „Broken Down Angel“, dem balladesken „Dream On“ und dem stark gespielten „This Flight Tonight“ einen Abend zu beenden, an dem sie gezeigt haben, dass die Band auch durch die aktuelle Besetzung nichts an ihrer alt bekannten Energie verloren hat.

Ein besonderer Dank geht an den Veranstalter Lucky Bob für die kurzfristige Akkreditierung und den freundlichen Empfang sowie die Möglichkeit des uneingeschränkten Fotografierens.

Line-up Nazareth:
Carl Sentance – vocals, acoustic guitar
Jim Murrison – lead guitars
Pete Agnew – bass, backing vocals
Lee Agnew – drums, backing vocals

Line-up Rook Road:
Patrik Jost – vocals
Hannes Luy – hammond & keys
Uwe Angel – guitars
Frank Rummler – Bass
Thomas Luther – drums

Line-up Surrender The Crown:
Mattias Braun – vocals
Patrick Meyer – guitar
Mathias Sander – guitar
Oliver Quinten – Bass
Matthias Schmidt – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Zeche Bochum

The Gaslight Anthem – History Books – CD-Review

Review: Michael Segets

Nachdem Brian Fallon auf Solopfaden wandelte, blieb lange Zeit unklar, ob und wie es mit The Gaslight Anthem weitergeht. „History Books“ beantwortet nun diese Fragen. Fallon trommelte Alex Roamilia (Gitarre), Benny Horowitz (Schlagzeug) und Alex Levine (Bass) wieder zusammen, um da weiterzumachen, wo The Gaslight Anthem mit „Get Hurt“ (2014) vorerst aufhörten. Trotz der langen Pause zeigt sich eine Kontinuität des Sounds, die durchaus beabsichtigt ist. Das Quintett wollte sich nicht neu erfinden und das ist gut so.

The Gaslight Anthem steht für einen eigen Klang, der irgendwo zwischen Heartland und Punk Rock angesiedelt ist. Das Zusammenspiel zwischen härteren Riffs und leiseren Tönen sind dabei ein Markenzeichen der Band. Vor allem Fallons Gesang verbindet oftmals in seiner eigenen Art Aggressivität mit Sensibilität, wodurch er Gänsehautmomente erzeugt. Diese stellen sich auf dem neuen Album insgesamt seltener ein. Die Intensität von Fallons Gesang reicht nach dem Eindruck der ersten Durchläufe nicht ganz an die früherer Songs heran.

Diese Kritik soll aber über das Niveau der aktuellen Scheibe nicht hinwegtäuschen. Sie mag auch verzerrt sein, da sich vor allem „Keepsake“ und „Too Much Blood“ als Vergleichspunkte bei mir eingebrannt haben. Die beiden Songs tönen seit elf Jahren mehr oder minder regelmäßig durch meine Lautsprecher. Sie stammen von „Handwritten“, auf dem sich die beiden starken Stücke „Spider Bites“ und „I Live In The Room Above“ gut integriert hätten. Die Titel zeigen, dass The Gaslight Anthem den Wechsel von brachialen Gitarren und gefühlvollen Passagen immer noch perfekt beherrschen. Obwohl die Songs um die vier Minuten kreisen, gelingt das Spiel mit der Dynamik erneut hervorragend.

Die bisherigen Singles spiegeln die aggressive Seite des Albums wieder. So gehen „Positive Charge“ und „Little Fires“, bei dem Stefan Babcock (PUP) mit von der Partie ist, ohne Kompromisse straight forward. Auch der bereits herausgegebene Titelsong „History Books“ rockt mit straffen Rhythmus. Bruce Springsteen tritt hier als Duett-Partner von Fallon auf. Die beiden fühlen sich schon längere Zeit verbunden – nicht nur aufgrund der gemeinsamen Herkunft aus New Jersey. Die Anregung für die Zusammenarbeit stammt vom Boss und Fallon ergriff die Chance, dass einer seiner musikalischen Heroen einem selbstgeschriebenen seine Stimme leiht.

Die Auswahl der Singles ist nicht repräsentativ für den Longplayer. Bei fast der Hälfte der Songs schlägt die Band gemäßigte Töne an. „Michigan, 1975“ sowie das von Keys dominierte „Empires“ sind sanfte, aber intensive Balladen. Auch mit „Autumn“, bei dem ein leicht keltischen Einschlag durchscheint, gelingt der Band eine runde Sache. „The Weatherman“ sticht unter den melodiösen Beiträgen hervor und stellt meinen Favoriten auf der Scheibe dar. Der Track lässt ebenso wie das abschließende „A Lifetime Of Preludes“ Verbindungslinien zu „Local Honey“ (2020), dem – lässt man seine Weihnachtsplatte unberücksichtigt – letzten Soloalbum von Fallon, aufblitzen.

Protest und Widerstand bleiben weiterhin Bestandteile der greifbaren Poesie in den Texten. Der Titel „History Books” umschreibt die thematische Ausrichtung des Albums. Die Auseinandersetzung mit vergangene Kapiteln des Lebens an dem Punkt abzuschließen, an dem es zur Belastung wird, an ihr festzuhalten, mag sich als essentielle Empfehlung herauskristallisieren. Dass Fallon und Co. das Kapitel der gemeinsamen Geschichte noch nicht beendet haben, sondern die Vergangenheit aufleben lassen, stellt für die Hörer einen Glücksfall dar.

Das Comeback von The Gaslight Anthem knüpft nahtlos an die früheren Alben an. Rockige Nummern mit einer gewissen Punk-Attitüde wechseln sich mit ruhigen Stücken ab. Selbst bei den leiseren Beiträgen versprühen Brian Fallon und seine Mitstreiter immer noch die Energie, für die die Band bekannt ist.

Rich Mahogany Recordings – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Rock

Tracks:
01. Spider Bites
02. History Books (feat. Bruce Springsteen)
03. Autumn
04. Positive Charge
05. Michigan, 1975
06. Little Fires (feat. Stefan Babcock)
07. The Weatherman
08. Empires
09. I Live In The Room Above
10. A Lifetime Of Preludes

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Marc Broussard – Support: Ivy Gold – 24.09.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Den Abend im ansehnlich gefüllten Musiktheater Piano beginnen Ivy Gold in kleiner Besetzung. Sängerin Manou und Sebastian Eder präsentieren akustische Versionen von Songs des aktuellen Albums „Broken Silence“, welches mit Tal Bergman an den Drums, Kevin Moore am Bass und Anders Olinder an den Keyboards eingespielt wurde. Mit ihrem knapp 30-minütigen Auftritt verkürzen sie die Wartezeit auf Marc Broussard und heimsen dafür verdienten Applaus nach den Songs ein. Gespannt darf man sein, wenn die Stücke in ihrer Komplexität mit kompletter Band gespielt werden.

Eine kurze Umbaupause genügt und kurz nach 20:00 Uhr betritt die Band von Marc Broussard die Bühne und legt erst einmal ohne den Boss ein kurzes Intro vor. Auf diesem musikalisch ausgerollten Teppich kommt dann auch der aus Louisiana stammende Broussard hinzu und steigt direkt zunächst nur als Sänger mit ein. Später unterstützt er Bobby Schneck jr. als zusätzlicher Gitarrist, was den Songs noch mehr Druck verleiht. Es entsteht direkt ein Flair im Piano, dass man sich in den Süden der Staaten versetzt fühlt. Die Songs lassen Soul, Blues und Rock miteinander verschmelzen und der charismatische Broussard begeistert mit seiner ausdrucksstarken voluminösen Stimme.

Neben eigenen Stücken wie „Paradis“, „The Wanderer“, „Wanna Give You The World“, „Fire“ und Home“ streut er mit seiner Band auch einige starke Coverversionen wie „Baton Rouge“ (Frankie Miller), „I´d Rather Drink Muddy Water“ (Johnnie Taylor) und „Love and Happiness“ (Al Green) in das er noch „Papa Was a Rollin‘ Stone“ einbaut.

Begleitet wird er dabei von einer starken Combo, wo der junge Lead Gitarrist Bobby Schneck jr, auf der rechten Seite der Bühne, sich mit einigen starken Soli in den Vordergrund spielen kann und darf. Einigen der Stammgästen wird er noch bekannt sein, als zweiter Gitarrist bei Devon Allmans Auftritt im Piano vor etwa sechs Jahren.

Auf der anderen Seite der Bühne sorgt Jason Parfait an den Keyboard auch mit einigen Soli für einen vollen, sehr gut abgemischten Sound. Nebenbei setzt er in vielen Songs Akzente mit dem Saxofon, wobei er manchmal beide Instrumente gleichzeitig spielt aber auch für einige Saxofon Soli im Zentrum der Bühne steht. Während der Soloparts seiner beiden Begleiter in der ersten Reihe steht Broussard sichtbar gut gelaunt im Hintergrund der Bühne und beobachtet, wie seine Musiker sich ihren verdienten Szenenapplaus vom begeisterten Publikum abholen.

Im hinteren Teil der Bühne befindet sich die Rhythmusfraktion mit Bassist Devin Kerrigan und Drummer Terry Scott jr, der auch als Background Sänger Akzente setzt, die eine perfekte Grundlage für die Drei im Fokus der Fans stehenden Musiker. Neben dem Hörgenuss wird der Auftritt auch visuell ins richtige Licht gesetzt, sodass es sich um einen rundum gelungenen Abend handelt, bei dem es sich Marc Broussard auch nicht nehmen lässt, sich direkt nach dem Konzert zu den am Merchstandising wartenden Fans zu gesellen.

Dem Piano und 3dog Entertainment ist es wieder einmal gelungen, einen Musiker der Extraklasse nach Dortmund zu holen. Belohnt werden sie dabei durch den Besuch von knapp 300 Zuschauern, nachdem Broussards Konzert vor einigen Jahren von nur knapp 50 Fans besucht wurde.

Line-up:
Marc Broussard – lead vocals, guitars
Bobby Schneck jr. – guitars, backing vocals
Jason Parfait – keyboards, saxophon
Terry Scott jr. – drums, backing vocals
Devin Kerrigan – bass

Text & Bilder Gernot Mangold

Marc Broussard
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Ivy Gold
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Skye Wallace – 14.09.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Wie gewohnt begrüßt Pille Peerlings die Besucher vor dem Konzert und kündigt dabei nicht nur die Kanadierin Skye Wallace mit ihrer Band an, sondern verkündet, dass er einen Nachfolger gefunden hat, der im nächsten Jahr die Kulturrampe weiterführt und es in Krefeld weiter laut bleibt.

Mit der positiven Botschaft gelingt es Wallace die positive Stimmung direkt aufzunehmen und zusammen mit ihrer Bassistin Jenna Strautman den Abend zunächst folkig und mit Harmoniegesang zu beginnen. Nach dem eher ruhigen Beginn wird es, als Schlagzeuger Chris Dimas und Gitarrist Devon Lougheed die Bühne betreten, richtig rockig. Mit einer Mischung aus Independent, Rock und einer Prise Punk sorgt sie für eine gute Stimmung bei den etwa 60 Musikfans, die zuweilen tanzend mitgehen.

Positiv kommt auch natürliche Art von Wallace an, die bestens gelaunt die Songs ansagt und den einen oder anderen Flirt mit dem Publikum beginnt, um im nächsten Moment fast schon schüchtern wirkend, den Applaus nach den Songs auf sich einwirken lässt.

In den zwei jeweils etwa 45 minütigen Sets präsentiert sie die meisten Stücke des 2022 Albums „Terrible Good“ sowie ältere Songs aus dem 2019er Album und „Mean Song 2“ vom 16er Album „Something Wicked“. Eines der Highlights ist die aktuelle Single „Tough Kid“, der stilistisch in die Zeit passt, als Songs von The Cure oder Sisters of Mercy in den Discos auf dem Plattenteller lagen.

So gelingt es Wallace, den Flair von Independent Musik wieder aufleben zu lassen und hat mit Sicherheit einige neue Fans in der Krefelder Kulturrampe hinzugewonnen.

Line-up:
Skye Wallace (lead vocals, guitars)
Jenna Strautman (bass, bgv)
Devon Lougheed (guitar, bgv)
Chris Dimas (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Skye Wallace
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Kulturrampe

Stone Water – Make Me Try – CD-Review + Gewinnspiel

Der renommierte Session- und Tourmusiker Robert Wendt hat bei ’seinem‘ neuen Bandprojekt Stone Water aus meiner Sicht alles richtig gemacht. Mit klarem Konzept, ohne persönliche Eitelkeiten (viele Bandleader tendieren ja oft dazu, was auch völlig legitim ist, dementsprechend im Vordergrund zu stehen) hat er ein Kollektiv um sich versammelt, das ohne Zweifel auch höheren internationalen Ansprüchen absolut gerecht werden kann.

Die Songs zum Debüt-Album „Make Me Try“ entstanden überwiegend in der Coronaphase und sprudelten laut eigener Aussage förmlich aus Robert heraus. Neben seiner Rhythmusfraktion mit seinen Kumpels Artjom Feldtser (bass, bgv) und Hanser Schüler (drums, percussion) gelang ihm mit der Hinzunahme des amerikanischen Sängers Bob Beerman (lead vocals, harp) der entscheidende Schachzug, eine Scheibe zu kreieren, bei der man nicht sofort meilenweit gegen den Wind erkennt, dass sie hier aus unseren Sphären stammt.

Wendt gelingt es überzeugend, englische Musik nach dezentem Vorbild der Stones mit gediegenem südstaatlichen Gitarrenflair zu überziehen (er erinnert in seinem Slidespiel oft an Duane Allman, klasse auch beim abschließenden „Melissa“-mäßigen „If You Get Lost“), Beermans rotzige Stimme, irgendwo zwischen Chris Robinson, Kid Rock und Bon Scott liegend, passt hervorragend hervorragend zum planvoll arrangierten Songmaterial. Auch seine punktuell quäkenden Harp-Einlagen laufen nie Gefahr, nervig zu werden. Gut gewählte weibliche Backing vocals von Miriam Thomas und Sylta Fee Wegmann, sowie die Keys-Variationen von Julian Bergerhoff und Hansi Kecker runden das von der Intensität her starke Gesamtwerk ergänzend ab.

Produziert wurde die CD von Hannes Haindl im Schalltona Studio in Hamburg, beim Abmischen assistierte Robert.  Gemastert hat dann Martin Meinschäfer in Arnsberg. 

Der stoneske Einfluss kommt gleich beim Opener „Stony Rock“ zum Tragen und wird gegen Ende mit dem starken „Sweet Charms“ und dem hervorragend gelungenen Stones-Cover „Sway“ nochmals deutlich untermauert.  Der Südstaaten Rock-Anteil, den ich aufgrund Roberts früheren Live-Gitarrenspiels stärker vermutet hätte, beläuft sich hier noch eher im Hintergrund, schimmert aber anhand von Dobro- und Slideeinlagen immer wieder durch.

Vieles geht hier mehr in Richtung rootsigem Rock, vor allem der Ohrwurm „Scarecow“ (mein Lieblingstrack) mit Mellencamp-Flair und das Little Feat-trächtige „Fee Too Well“ lassen das großartige Songwriting-Potential von Robert in seinem ganzen Glanz erscheinen. Auch der melancholisch-progressiv beginnende Titelsong „Make Me Try“ mit seinem psychedelischen Ende hinterlässt bleibenden Eindruck, ebenso wie der straighte Rocker „Second Floor“.

Wenn auch noch nicht auf diesem Album präsent, gibt es noch eine weitere bemerkenswerte Personalie zu vermelden. Mit Ben Forrester hat sich ein weiterer arrivierter Gitarrist dem Quartett angeschlossen, der auch auf der anstehenden Tour schon involviert sein wird. Von ihm erhoffe ich mir insgeheim natürlich eine noch deutlichere Schärfung des Südstaaten Rock-Profils! 

Dies zu überprüfen, sollte dann am 04. November leicht fallen, denn da wird das neue Quintett seine Live-Visitenkarte in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld erstmals abliefern. Es darf dabei gerne dieses  hervorragend gelungene Werk komplett durchgespielt werden.

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Wir verlosen wir ein Debüt-CD-Exemplar von Stone Water.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Für welchen anderen Act haben Wendt & Co. gewirkt, bevor sie Stone Water ins Leben gerufen haben?

a) Vanja Sky
b) Earth, Wind & Fire
c) KC & The Sunshine Band

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 18.09.2023 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, die/der dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Gewinnerin ist Gabi Busch aus Tostedt

TIMEZONE Records (2023)
Stil: Rock

Tracks:
01. Stony Rock
02. Change
03. Scarecrow
04. Make Me Try
05. Awful Blues
06. Fare Thee Well
07. Second Floor
08. Backdoor Man
09. Sweet Charms
10. Sway
11. If You Get Lost

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The Glorious Sons – Glory – CD-Review

Review: Michael Segets

Mit „A War On Everything“ (2019) heimsten The Glorious Sons ihren zweiten JUNO-Award erneut in der Kategorie des besten Rockalbums ein. Die Band aus Ontario ließen sich nun vier Jahre Zeit, um den Nachfolger „ Glory“ herauszubringen. Dazwischen veröffentlichten sie einige Tracks, die sich auf keinem Album finden. „Daylight“ schafftet den Sprung in die kanadischen Rock-Radio-Charts und „Hold Steady“ erreichte dort sogar die Spitzenposition. Es spricht für das Selbstbewusstsein der Gebrüder Emmons, dass sie auf die Wiederverwertung der Songs auf dem aktuellen Longplayer verzichten. Auf ihm sind zehn neue Titel vertreten.

The Glorious Sons bestehen seit nunmehr zwölf Jahren. Von den Gründungsmitgliedern ist neben Brett Emmons und seinem Bruder Jay noch Drummer Adam Paquette dabei. Chris Koster stieg 2015 in die Band ein. Das Sextett wird derzeit von Josh Hewson sowie Peter van Helvoort komplettiert. Nach Aussage von Songwriter und Frontmann Brett Emmons befanden sich The Glorious Sons an einem Scheidepunkt, an dem eine Entscheidung über den einzuschlagenden Weg anstand. Letztlich setzte die Band auf Kontinuität. Dass der Entwicklungsprozess der Songs für Brett wohl schwierig war, ist dem Werk nicht anzumerken. Die Truppe versprüht auf ihrem vierten Album weiterhin etwas von dem jugendlichen, rauen Charme ihrer früheren Werke. Darüber hinaus zeigt sie sich an manchen Stellen etwas glatter. Insgesamt bleiben die Modifikationen im Sound aber moderat.

Dass The Glorious Sons wieder vieles richtig gemacht haben, zeigt der Erfolg der ersten Single „Mercy Mercy“, die in den Alternative-Charts unter den ersten zwanzig Songs rangierte. Der Track folgt ganz ihrer bisherigen Linie mit einem kraftvollen, mehrstimmigen Refrain. Die weitere Vorabauskopplung „Dream“ wirkt zahmer und durch die Keys erhält sie streckenweise eine leicht poppige Note.

Vor allem in der ersten Hälfte des Albums finden sich einige Songs, die opulent arrangiert sind und nahezu hymnische Züge tragen. Diese waren den Glorious Sons ja schon früher nicht ganz fremd. Während die dynamische Struktur von „Glory“ den Bombast noch auffängt, schlägt er bei „Cellular“ durch. Das Stück wird vor großem Publikum mit Sicherheit funktionieren. „House Lights“, das ruhig beginnt, schwillt dann zu einem vollen Sound an. Die Emotionen des fast schon zerbrechlich wirkenden Gesangs von Brett Emmons am Anfang gehen so im Laufe des Stücks etwas verloren.

Insgesamt erscheint der zweite Teil der Scheibe interessanter. „Speed Of Light“ scheppert aggressiv durch die Boxen wie bei einer Garage-Band. Der Refrain von „Lightning Bolt“ geht in eine ähnliche Richtung, wobei der Song insgesamt eher locker daherkommt. „You Stay Young“ nimmt dann auf einen Ritt mit, der durch den galoppierendem Rhythmus, den das Schlagzeug vorgibt, angetrieben wird. Sehr schön ist hier auch die Dynamik des Stückes, bei der zwischen leiseren und lauteren, orchestral anmutenden Passagen gewechselt wird. Vor dem glänzenden Abschluss „Cosmic Beam“ streuen The Glorious Sons noch das ruhige „Time Will Reign Down On Me” ein.

Im Anschluss an „A War On Everything“ legen The Glorious Sons mit „Glory” ein Album nach, das das Potential hat, an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Insgesamt reicht das neue Werk nicht ganz an den vorherigen, preisgekrönten Longplayer heran, bietet aber eine ausgewogene Mischung zwischen stadiontauglichem und alternativem Rock. In Kanada rufen sich The Glorious Sons mit ihm als feste Rockgröße in Erinnerung. In Deutschland untermauern sie mit ihm zumindest ihren Status als Geheimtipp.

TGS Music-Warner Music Canada/ADA Warner (2023)
Stil: Rock

Tracks:
01. Glory
02. Mercy Mercy
03. Cellular
04. Dream
05. House Lights
06. Speed Of Light
07. Lightning Bolt
08. You Stay Young
09. Time Will Reign Down On Me
10. Cosmic Beam

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Ben Reel – Come A Long Way – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mit bisher 10 Studio-Longplayern hat der nordirische Singer/Songwriter Ben Reel über die Jahre tatsächlich ein beachtliches Songbook aufgebaut. Mit Blick auf diese Zeitspanne betitelt Reel daher sein neues Album dementsprechend passend mit “Come A Long Way”. Die aktuelle Scheibe des inzwischen 51-jährigen Musikers wurde im Homestudio, in South Armagh produziert und die 11 Eigenkompositionen schildern Ben Reels persönliche Wahrnehmungen und Erinnerungen aus den unterschiedlichen Dekaden, eingefangen in einer Mixtur aus Rock, Folk, Alternativ-Country, Soul, Blues und Gospel-Bestandteilen.

Die CD beginnt mit den Roots-Rock beeinflussten Stücken “Don’t Fight It Baby” und “Hunter”, Songs, die sich klanglich zugleich Orbison- und Springsteen-like orientieren. Die Folk-, Blues und Country-Rock typischen Storyteller “Hardwired Blues”, “I Get It” und “Old Whore” vermitteln ihre tiefgründigen Geschichten und musikalischen Atmosphären auch über frühe, charakteristische Dylan-Akzente, die in sich zeitgleich Old School und modern inspiriert sind, und zum Teil einen melancholisch wimmernden Harmonica-Sound als Stilmittel einsetzen.

Ausgestattet mit einem Pogues-Balladen-Dress (z.B. “A Rainy Night In Soho”) und angelehnt an Billy Joels wortreiche Lyrics-Rückblende (z. B. “We Didn’t Start The Fire”), bietet der über 7-minütige Track “From The Day I Was Born” eine politisch-zeitkritische Erinnerung Reels an “…there was war…” Ereignisse der letzten 50 Jahre und bestimmt damit wesentlich ein “Come A Long Way” Kernthema der Scheibe, obwohl, so Reel, die originäre Idee für die thematische Anregung von Frank Sinatras Welthit “It Was A Very Good Year” gekommen sei.

Der gleichnamige Albumtitelsong ist insofern ebenfalls geprägt von persönlichen Kindheitsreflexionen, die Reel in leichten Neil Young-Reminiszenzen “verkleidet”. “Loretto On My Mind”, die postume Würdigung einer nahen Angehörigen, weckt durch eine kraftvolle Roy Orbison Intensität entsprechend starke Emotionen. Grundsätzlich ist “Come A Long Way” durchweg ein sehr gefühlsbetontes Album, das seine Wirkung auch in Gospel/Soul/Blues-Rock Stücken, wie “Let The Road Rise” (70er Delaney & Bonnie Style) und “The Finish Line” (u. a. Sam Cooke, Steve Miller) zum Ausdruck bringt. Der Abschluss der Produktion ist mit “I Shall Be Redeemed”, einer schönen Gospel-Blues-Ballade, in gleicher Weise hervorragend inszeniert.

Ben Reel hat in seinem neuen Album “Come A Long Way” (übrigens ein tolles, den Wandel der Zeit spiegelndes Coverbild – Anmerkung der Red.) verschiedene Musikstile des modernen Songwritings in einem großartigen Songbook zusammengefasst und mit sensibel poetischen Texten versehen, die auf dem langen Weg seiner Karriere ganz private “Bilder” reflektieren. Das Ergebnis ist ein Longplayer, der den charismatischen und engagierten Musiker erneut als kreativen Botschafter seiner irischen Heimat bestätigt.

Eigenproduktion (2023)
Stil: Roots-Rock, Alternativ Country

Tracks:
01. Don’t Fight It Baby
02. Hunter
03. Hardwired Blues
04. From The Day I Was Born
05. Come A Long Way
06. Let The Road Rise
07. Loretto On My Mind
08. I Get It
09. Old Whore
10. The Finish Line
11. I Shall Be Redeemed

Ben Reel
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Lucinda Williams – Stories From A Rock N Roll Heart – CD-Review

Review: Michael Segets

Dass mit fortschreitendem Alter manche Dinge nicht mehr so wie früher von der Hand gehen, gehört zu den natürlichen Erfahrungen derer, denen ein längeres Leben vergönnt ist. Tragisch ist, wenn das Schicksal zuschlägt und von einem Moment zum anderen plötzlich alles anders wird. Lucinda Williams erlitt vor drei Jahren einen Schlaganfall, der ihr das Gitarrenspielen nicht mehr ermöglichte.

Da sie ihre Songs auf der Gitarre komponierte, war nun ein Umdenken notwendig. Williams macht auf „Stories From A Rock N Roll Heart” aus der Not eine Tugend. Sie entdeckt neue, kooperative Formen der Songentwicklung. Ihr Ehemann und Manager Tom Overby wurde nun stärker in den Entstehungsprozess der Songs eingebunden. Zusätzliche Unterstützung suchte Williams bei ihrem Roadmanager Travis Stephens, der an neun Tracks mitwirkte. Darüber hinaus beteiligte sich Jesse Malin an drei Songs.

Auf Kooperation setzt William ebenso bei der Umsetzung der Stücke. Sie holte sich eine Vielzahl namhafter Musiker für die Background Vocals ins Studio. Das wäre wahrscheinlich nicht notwendig gewesen, denn gesanglich präsentiert sich Williams wie eh und je. Das Album profitiert aber dennoch davon. Zudem konnte sie sich auf ihre routinierten Bandmitglieder verlassen, zu denen Stuart Mathis, Steve Ferrone, Reese Wynans, Steve Mackey und Doug Pettibone gehören.

In Williams schlägt ein Rock ’n‘ Roll-Herz, was sie erneut mit dem Opener „Let’s Get The Band Back Together” unter Beweis stellt. Im Background mischen unter anderem Margo Price und Buddy Miller mit. Price begleitet Williams ebenfalls auf dem expressiven „This Is Not My Town”. Der außergewöhnliche Gesang von Williams ist sicherlich nicht jedermanns Sache, auf Dauer mag er zugegebenermaßen leicht anstrengend wirken, wie kritischere Stimmen als meine bei ihrem Tribute für die Rolling Stones anmerkten. Ich mag ihn. Auf dem neuen Album sind die kantigen Passagen dosiert, sodass es auf ihm auch im Vergleich zu „Good Souls Better Angels” (2020), dem Vorgänger mit selbstkomponierten Songs, insgesamt harmonischer zugeht.

Den Höhepunkt der drei wirklich rockenden Titel des aktuellen Longplayers stellt das gradlinige „Rock N Roll Heart“ dar, das von Bruce Springsteen stammen könnte. Geschrieben hat der Boss den Song nicht, aber er und Patti Scialfa singen ihn mit. Das Ehepaar unterstützt Williams ebenfalls auf der ersten Single „New York Comeback“, die direkt ins Ohr geht und ebenfalls zu meinen Favoriten zählt.

Mit der zweiten Single „Stolen Moments“ gedenkt Williams Tom Petty. Der Titel wurde bereits auf „Runnin‘ Down A Dream“ im Rahmen ihrer Reihe „Lu’s Jukebox“ vorgestellt. Petty sowie Bob Stinson (The Replacements), mit dessen Bruder Tommy sie „Hum’s Liquor“ performt, ist ihr aktuelles Werk gewidmet.

Die dritte Single „Where The Song Will Find Me” steht stellvertretend für die langsameren Tracks des Longplayers. Zu diesen Beiträgen gehört „Jukebox“, auf dem Angel Olsen am Ende mit dezenten Harmonien im Hintergrund zu hören ist. Doug Pettibone legt sich hier mit der Pedal Steel mächtig ins Zeug. Auf „Last Call For The Truth” ist sie ebenfalls präsent, nimmt aber nicht so viel Raum ein. Der Song verdient unter den ruhigeren Tracks nochmal ein Ausrufezeichen und dies nicht nur, weil die Ballade von einer kraftvollen Gitarrenpassage aufgefrischt wird.

Zum Abschluss reflektiert Williams den Kampf beim Songwriting und zeigt sich mit „Never Gonna Fade Away“ dem Schicksal trotzend. Wer mehr über Williams und ihr Leben erfahren möchte, kann ihre kürzlich erschienene Autobiographie „Don’t Tell Anybody The Secrets I Told You“ zurate ziehen.

Dass Lucinda Williams gezwungen war, ihre Routinen im Prozess Songwritings aufzubrechen, merkt man „Stories From A Rock N Roll Heart“ nicht an. Vielleicht erscheinen die Songs insgesamt nicht so experimentierfreudig wie bei „Good Souls Better Angels“, auf dem aktuellen Werk sind aber typische Balladen und starke Rockstücke vorhanden, die Williams mit ihrem ausdrucksvollen Gesang meistert. Zusätzlich veredelt wird die Scheibe durch Gastbeiträge zahlreicher Kolleginnen und Kollegen wie Margo Price oder Bruce Springsteen.

Highway 20 – Thirty Tigers (2023)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Let’s Get The Band Back Together (feat. Margo Price, Jeremy Ivey, Siobhan Maher Kennedy, Buddy Miller, Sophie Gault)
02. New York Comeback (feat. Bruce Springsteen, Patti Scialfa)
03. Last Call For The Truth
04. Jukebox (feat. Angel Olsen)
05. Stolen Moments
06. Rock N Roll Heart (feat. Bruce Springsteen, Patti Scialfa)
07. This Is Not My Town (feat. Margo Price)
08. Hum’s Liquor (feat. Tommy Stinson)
09. Where The Song Will Find Me
10. Never Gonna Fade Away

Lucinda Williams
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Thirty Tigers
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Beth Hart – 19.06.2023 – Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf – Konzertbericht

Beth Hart sorgt bei hochsommerlichen Temperaturen un Düsseldorf für eine volle Mitsubishi Electric  Hall, in der dann aber ein sehr angenehmes Raumklima herrscht. Um 20:00 verdunkelt sich die Halle und man kann im noch düsteren roten Licht sehen, dass die Band die Bühne betritt. Sofort beginnen Gitarrist Jon Nichols, Bassist Tom Lilly und Drummer Bill Ransom „For My Friends“ zu spielen.

Nur Beth Hart fehlt, aber nach dem Intro des Songs erklingt wie aus dem Nichts die Stimme der Amerikanerin. Im Hintergrund der Halle ist sie dann im Scheinwerferlicht zu erkennen, wie sie sich singend den Weg durchs Spalier der Fans Richtung Bühne bahnt, dem auf der Treppe zur Bühne sitzenden Ehemann einen Schmatzer auf die Wange gedrückt wird und sie sich zu ihren Musikern gesellt.

Mit der rockenden Bluesnummer „Sinners Prayer“ kommt direkt beste Stimmung auf, die während der folgenden zwei Stunden nicht abreißen soll. Hier zeichnet sich Jon Nicols mit harten teils slidenden Gitarrenriffs besonders aus. Danach setzt sich Beth Hart auf die Stufen zur Bühne und singt fast mystisch „Your Heart Is Black As The Night“, dabei setzt die Band immer wieder feine, den Song würzende Akzente.

Im vierten Song „Tell Her You Belong To Me“ beginnt sie noch sitzend singend, bis sie sich dann, wie bei den meisten folgenden Stücken, ans Klavier setzt und den schönen Blues mit Tempowechseln im Refrain regelrecht zelebriert. Leider ist hier schon die Zeit zum professionellem Fotografieren vorbei (es gibt später tolle visuelle Momente), während eine Gruppe von Fans ohne Rücksicht auf die anderen Gäste sich mittig vor der Bphne selbst inszeniert und Handy hochhaltend mitfilmt. Zum Glück beendet die Security das Spiel dann relativ schnell, dass alle wieder eine gute Sicht auf die Bühne hatten.

Es folgen unter Anderen das peppige „Bad Woman Blues“ mit einem groovenden Rhythmus, „War In My Mind“, ein Song in dem sie auch ihre Alkoholsucht verarbeitet und „Bang Bang Boom“ mit mystisch Tex/Mex-Einschlag. Dabei überzeugt Hart mit ihrer Stimmgewalt, Vitalität sowie ihrer Bühnenpräsenz, mit der sie das ganze Publikum mitnimmt.

Dann kommen zwei für Beth Hart ganz besondere Tracks, bei denen sie sich alleine am Klavier begleitet und zeigt, dass sie das Instrument ausgezeichnet beherrscht. Bei „Mama“, das  sie allen Müttern, insbesondere der eigenen widmet, kommt es zu einem ergreifenden Moment. Überwältigt von ihren eigenen Emotionen hört sie nach wenigen Momenten auf zu singen und bricht in Tränen aus. In der Halle ist es totenstill und es dauert einige Momente, bis sie sich gefangen hat und unter dem tosenden Applaus der Fans das Stück zu Ende singt.

Mit „Mechanical Heart“ einem Liebeslied für ihren Mann, bringt sie ein gewisses Hippie-Flair mit ein und einen Refrain mit hohen Wiedererkennungswert. Ein akustisches Intermezzo sorgt dann für eine besondere Atmosphäre. Besonders hervorzuheben ist das rockige, leicht psychedelische „Sugar Shack“, in dem Drummer Bill Ransom mit einer toll groovenden Percussion Passage begeistert.

Dann geht es elektrisch mit „Rub Me For Luck“, einem Song den sie den Gitarristen widmet und in der Ansage einige benennt, mit denen sie zusammen gearbeitet hat, weiter. Auch hier kann Nichols passend mit einigen auf den Punkt gespielten Gitarrenpassagen begeistern.

Zum folgenden Stück legt sich Beth Hart auf die Bühne und es wird psychedelisch. „No Quarter“ von ihrem Led Zeppelin-Tribute-Album sorgt für fast ekstatische Stimmung. Harts Röhre passt auf den Song wie der Punkt aufs I. Starke Gitarrenpassagen von Nichols und Bassist Lilly zeigt, dass er auch das Klavier beherrscht, sodass das Flair der legendären Briten noch einmal auflebt.

Kaum ist der Applaus etwas verebbt verabschiedet sich Hart passend mit „Baby I´m Gonna Leave You“ singend mit einem Gang durchs Publikum. Als Zugabe spielt sie mit „Thankful“ ein ruhiges Stück, bei dem sie sich indirekt auch beim Publikum verabschiedet, welches sie sprichwörtlich auf Händen durchs Konzert getragen hat. Aber der Song beschreibt aus ihrer Sicht noch einmal eine Dankbarkeit fürs Leben, dass manch einer der heute leider so häufigen Nörgler sich die Zeilen mal anhören sollte, und dann zum Schluss kommen kann, wie gut es uns eigentlich geht.

Es bleibt das Fazit, dass es Hart vom ersten Song an gelungen ist, dass der Funke auf die Fans übergesprungen ist, und so ein Konzert entstanden ist, das die Fans und vermutlich auch die Band noch lange in guter Erinnerung haben werden. In der Form ist Beth Hart mit Sicherheit als eine der besten Blues- und Rock-Sängerinnen dieser Zeit einzustufen.

Ein besonderer Dank auch an 3Dog Entertainment für die Akkreditierung und das damit gezeigte Vertrauen in unsere Arbeit.

Line-up:
Beth Hart – lead vocals, keys, acoustic guitar
Jon Nichols – guitars, backing vocals
Tom Lilly – bass
Bill Ransom – drums, percussion

Text & Bilder: Gernot Mangold

Beth Hart
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3dog Entertainment
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Mitsubishi Electric Hall, Düsseldorf

The Damn Truth & The Cold Stares – 15.06.2023 – Resonanzwerk, Oberhausen – Konzertbericht

Bei hochsommerlichen Temperaturen geben The Damn Truth und The Cold Stares ein heißes Konzert, im Rahmen der Reihe Resonanzwerk Goes Rock von KL concerts+promotion, im Oberhausener Resonanzwerk.

Den Beginn macht das kanadische Quartett The Damn Truth. Harte Rock-Songs gepaart mit einem gewissen Hippieflair sind in den folgenden knapp 75 Minuten Programm. Im Mittelpunkt der Setlist steht dabei das aktuelle Album „Now Or Nowhere“, welches fast komplett durchgespielt wird und das zweite Album „Devillish Folk“.

Lee-Ia Baum überzeugt mit ihrer markanten klaren Stimme, die auch schon für Werbezwecke genutzt wurde, und steuert bei fast allen Songs die Rhythmusgitarre bei und hat mit ihrer charmanten Art schnell die leider zu wenigen Fans, die an dem Abend gekommen sind, hinter sich. Tom Shemer unterlegt die Songs mit harten Gitarrenriffs und zeigt bei einigen krachende Solo, dass er ein starker Lead-Gitarrist ist.

Dabei sucht er auf der Bühne oft den Weg zum Bassisten PY Letellier, um posenreich auch visuell Highlights zu setzen. Letellier und Drummer Dave Traina geben zu den Songs einen meisten treibenden Rhythmus vor, wo an der Stelle auch dem Sounsmischer ein Kompliment gemacht werden muss, dass alle Instrumente klar definierbar zu hören sind und bei dem Soundgewitter die Stimme von Lee-Ia Baum nicht untergeht.

Nach dem starken Auftritt begeben sich die vier Kanadier direkt zum Merchstand und bleiben den gesamten restlichen Abend im Zuschauerraum für diverse Erinnerungsfotos, aber auch für Smalltalk. So sieht gelebte Fannähe aus, die man nur in den kleinen und mittleren Clubs in der Form erleben kann, was leider oft zu wenig von den Musikfans durch Konzertbesuche gewürdigt wird.

Nach einer kurzen Umbaupause betreten dann die zum Trio angewachsenen The Cold Stares die Bühne. Schnell zeigt sich, dass es eine gute Entscheidung war, mit Bryce Klueh einen Bassisten in die Band zu nehmen und so die Dynamik eines Power Trios zu entwickeln. Der Sound ist mit Bass nuancenreicher und Chris Tapp hat mehr spielerische Freiheiten als Leadgitarrist.

Die Band promoted das aktuelle Album „Voices“, das sehr facettenreich ist und sich in einigen Songs Elemente alter Rock-Klassiker wiederfinden, es der Band aber gelingt, dass der eigene Stil im Vordergrund steht. Tricky ist es, wenn man mal eine Melody von „Stairway To Heaven“ eingeflochten hört, was gewissermaßen auch passt, da Brian Mullins vom Stil her zuweilen in Richtung Bonham geht, oder ein Grundrhytmus wie bei Thin Lizzy rauszuhören ist.

Tapp zeigt, dass er nicht nur ein hervorragender Gitarrist, ist sondern steuert auch starken Gesang mit hohen Wiedererkennungswert bei. Auch die Cold Stares lassen es sich an dem Abend nicht nehmen sich nach dem Gig unter die Fans zu mischen.

Ein toller Konzertabend findet so gegen 23 Uhr sein Ende, wo beide Bands beweisen konnten, dass von Ihnen in Zukunft noch Einiges zu erwarten ist. Ein besonderer Dank geht an Kersten Lamers von KL concerts+promotion für die kurzfristige Akkreditierung und den netten Empfang, der zwei starke Acts nach Oberhausen geholt hat und in den nächsten Monaten einige weitere Events ins Resonanzwerk bringt.

Line-up The Damn Truth:
Lee-la Baum – vocals, guitars
Tom Semer – guitars, backing vocals
PY Letellier – bass
Dave Traina – drums

Line-up The Cold Stares:
Chris Tapp – vocals, guitars
Brian Mullins – drums
Bryce Klueh – bass

Text & Bilder: Gernot Mangold

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