The Black Crowes – Support: DeWolff – 08.10.2022, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

Wenn sich eine einstige Supergroup wie die Black Crowes nach vielen Jahren des Zwists unter ihren Mitgliedern wieder zusammenfindet und dann bei uns in der Nähe auftaucht, sind wir natürlich auch zur Stelle. Aber der Reihe nach. Begonnen hatte alles beim The Georgia Thunderbolts-/Blackstone CherryGig in Köln, als uns Michael Schmitz vom Mascot Label fragte, ob wir gerne ein Interview mit der Supportgruppe DeWolff durchführen würden.

So machten wir uns am späten Samsatg-Nachmittag auf den Weg nach Bochum, um mit dem aufsteigenden niederländischen Trio im direkt um die Ecke des RuhrCongress gelegenen Stax by Friends-Hotel zu sprechen. Als wir eines der Parkhäuser ansteuerten, war gerade die Bundesliga-Partie VFL Bochum gegen Eintracht Frankfurt zu Ende und die Fans des hessischen Clubs liefen nach der 0:3-Niederlage mit ziemlich bedröppelten Gesichtern Richtung ihrer Fahrzeuge.

Nach dem Interview mit den drei netten Jungs, über das wir dann später noch berichten werden, ging es dann in die sich zunächst nur behäbig füllende Location, in der wir bereits zuvor Acts wie die Tedeschi Trucks Band, Beth Hart oder Kenny Wayne Shepherd begutachtet hatten. Einziger Unterschied, es gab diesmal keine erweiterte Tribünen-Bestuhlung und so fühlte sich der Innenraum, fast überdimensional groß an.

Am Ende kamen immerhin knapp 2.500 Zuschauer um sich das Rockmusik-Spektakel anzusehen, beziehungsweise  anzuhören. Den Auftakt machten dann DeWolff, ein aufstrebendes niederländisches Trio, bestehend auch aus zwei Brüdern, Pablo (vocals, guitar) und Luka van de Poel (drums, vocals) sowie Robin Piso (keys, vocals).

Die legten in einer knappen Dreiviertelstunde einen beherzten und recht selbstbewussten Auftritt hin. Sie starteten vor dem mit einem sehenden Auge und zwei heulenden Wölfen gestalteten Bühnenbild mit dem Opener ihres neuen, im Februar 2023 auf den Markt kommenden Albums „Love, Death & In Between“, „Night Train“, und rissen die Audienz mit ihrem retro-umwehten, souligen, 70er-Psychedelic Rock mit dezenten Southern-Einflüssen von Beginn an mit.

Pablo war der einzige, der nicht durch sein Arbeitsgerät statisch gebunden war und ihm gebührte dann als Fronter quasi die Gesamtheit der großen Bühne, die er dann auch ziemlich bewegungsfreudig nutzte. Schön seine Anekdote, dass er sich bereits als Fan für das ja schon vor zwei Jahren geplante BC-Konzert eine Karte gekauft hatte und sich jetzt mit dem Spielen im Vorprogramm ein echter Traum verwirklicht hat. So schnell kann es gehen im Musikbusiness!

Das jugendlich forsch auftrumpfende Trio spielte und jammte sich dann (zum Teil mit Wechselleadgesängen zwischen Pablo und Luka) durch Songs wie „Live Like You“, „Sugar Moon“, „Heart Stoppin‘ Kinda Show“ (auch vom neuen Album), „Tragedy Not Today“, „Double Crossing Man“ und „Nothing Is Changing“ als Schlusspunkt und wurde von den Anwesenden zurecht mit viel Applaus in ihre nächsten musikalischen Abenteuer verabschiedet.

Line-up De Wolff:
Pablo van de Poel (lead vocals, electric guitar)
Robin Piso (keyboards, vocals)
Luka van de Poel (drums, vocals)

Knapp 30 Minuten später war die schöne Bühne samt Bar und Jukebox hergerichtet und Backgroundsängerin Leslie Grant ‚drückte‘ den Elmore James-Klassiker  „Shake Your Moneymaker“ als Einspieler, der ja auch den Titel des wohl bekanntesten Black Crowes-Albums aus dem Jahre 1990 abgibt, während dem dann die aktuellen Mitglieder zu ihren Positionen schritten.

Fortan wurde dieses Werk auch in genau gleicher Reihenfolge komplett wieder aufgelegt. Die beiden Robinson-Brüder demonstrierten zwischenzeitlich immer wieder Nähe, um jeden aufkommenden Zweifel an der wieder gewonnenen Harmonie, direkt im Keime zu ersticken. Chris war natürlich der wuselige Fronter, der die Leute sofort mitnahm und besonders in den balladeskeren Stücken zu überzeugen wusste.

Ansonsten musste er doch ziemlich gegen den nicht immer transparent und teilweise dumpf wirkenden Sound, wenn alle zusammen agierten, ordentlich ansingen. Rich Robinson (mit vielen Einzelakzenten, z. B. mit der Akustikgitarre bei „She Talks to Angels“, Slide, Intros) und sein Gitarren-Pendant an der linken Bühnenseite Isaiah Mitchell (der mit mehr Soli) sorgten für den typischen Black Crowes-Rock. Bassist Sven Pipien (mit Harmoniegesängen) ging im voluminösen Sound ein wenig unter.

Der starke Drummer Brian Griffin (mit unaufgeregtem, aber sehr kräftigen und variablen Spiel) und ihr gefühlvoller Keyboarder Joel Robinow (mit HT-Einlagen bei u. a. „Jealous Again“ oder schöner Orgel bei „Struttin‘ Blues“) gefielen mir persönlich unheimlich gut. Als Fan von weiblichem Backgroundgesang bereiteten mir auch Mackenzie Adams und Leslie Grant großen Spaß, die bei „Seeing Things“ und beim späteren „Remedy“ besonders glänzen konnten.

Nach Ablauf des ‚Albums‘ mit dem knackigen „Starin‘ Cold“ ging es dann mit Stücken wie „Oh Josephine“, „Wiser Time“, „Thorn in My Pride“ und „Sting Me“ etwas progressiver weiter bis zum starken „Remedy“ als Finale eines insgesamt sehr überzeugenden Gigs. Die begeisterten Zuschauer konnten der Band aus Atlanta, Georgia, dann zum Schluss noch den Velvet Underground-Klassiker „Rock & Roll“ als Zugabe abgewinnen.

Am Ende hatten die Black Crowes meine zuvor gehegten Bedenken ausgeräumt, sodass ich unterm Strich als Fazit von einem gelungenen Comeback und lohnenswerten Besuch sprechen kann. Die Robinson-Brüder wieder in Harmonie vereint, neues Material geplant (hoffentlich wieder mit dem einen oder anderen Geistesblitz), so darf es gerne weitergehen!

Line-up The Black Crowes:
Chris Robinson (lead vocals, harp)
Rich Robinson (guitars, bgv)
Isaiah Mitchell (guitars, bgv)
Joel Robinow (keyboards)
Sven Pipien (bass, bgv)
Brian Griffin (drums)
Mackenzie Adams (bgv)
Leslie Grant (bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Black Crowes
The Black Crowes bei Facebook
DeWolff
DeWolff bei Facebook
Mascot/Provogue Label Group
RuhrCongress Bochum

Bad Luck Friday – Same – CD-Review

Nach dem Konzert des Brighton Blues Cartel im Leverkusener topos, hatte mich Will Wilde, wie bereits beschrieben, gebeten, auch die Debüt-CD seines neuen Projekts Black Luck Friday zu reviewen. Die Scheibe ist schon seit dem 2. September käuflich erwerbbar.

Die Band besteht neben ihm als unbestrittener Mastermind mit den ebenfalls beim Konzert vertretenen Steve Brook, der hier in Sachen Gitarrenparts, Harmoniegesängen, dem überwiegenden Bassanteil, Co-Songwriting der Musik sowie der Co-Produktion, auch ein gewichtiges Wörtchen mitspricht und Drummer Alan Taylor. Der vierte im Bunde ist Jack Turnbull, der hier auf Track 1 und 3 den Tieftöner zupft und demnach nur eine eher marginale Rolle ausübt. Die Texte hat eine Dame namens Sara Starbuck zusammen mit Will kreiert.

Das bandnamensgebende Titelstück „Black Luck Friday“ vereint eigentlich schon alles, was man dann in den nächsten knapp 40 Minuten Spielzeit geboten bekommt. Stark Harp-basierten Blues (Hard) Rock der äußerst dynamischen Art. Krachende, im Hard-/Heavy-/Melodic Rock verwurzelte E-Gitarrenriffs, polternde Drums, starker, zuweilen an Paul Rodgers erinnernder Lead-Gesang und vielseitige Harp Soli – da ist von Fiepen, Plustern, Nöhlen, Klirren, Heulen, etc.  alles mit dabei, was man von diesem Instrument so kennt – die hier fast im Stil einer ersten Leadgitarre auftrumpfen.

Vieles erinnert an die bekannten und beliebten Acts der Rock-/Hard Rock-Szene wie Bad Company, Whitesnake, The Quireboys, Great White, Thin Lizzy, Snakecharmer, Blackwater Conspiracy & Co, wobei man sich allerdings dann immer eine Mundharmonika hinzudenken muss. Einziger ruhigerer und auch harp-freier Track ist hier das atmosphärische, episch-balladesk anmutende „Dust & Bones“, das sich für mich auch am Ende als mein persönlicher Lieblingssong herauskristallisiert. Klasse hier der kanonartige Harmoniegesang von Brook.

Der Rest geht einfach nur gut und kurzweilig ab, Stücke wie das treibende „666 At The Crossroads“, das Black-Crowes-mäßige „Jealous Woman“, „Take The Best Of Me“, „Mistress“ oder der stampfige Heavyblues „Low Down Dirty“ (leichte unterschwellige ZZ Top-Note) haben ihre Livetauglichkeit im topos bereits bewiesen. Die für mich  ’neuen‘ Tracks „Banshee“, „Bonnie To My Clyde“ und der Rausschmeißer „Rebel With A Cause“ stehen dem restlichen Konvolut in ihrer satten Dynamik in Nichts nach und rocken mit Wilde-/Brook-/Taylor-typischem Triple-Wumms.

Bad Luck Friday überzeugen mit ihrem Debüt auf ganzer Linie und finden aufgrund der brookschen Gitarren-Manier und Wildes wild-rockiger Harp so etwas wie eine kleine Nische in der britischen Blues Rock-Szene. Was vom Bandnamen her nach schlechten Vorzeichen klingt, entpuppt sich in Wirklichkeit als ein echter Glücksfall für das Genre!

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues (Hard) Rock, Rock

Tracks:
01. Bad Luck Friday
02. 666 At The Crossroads
03. Banshee
04. Dust & Bones
05. Jealous Woman
06. Take The Best Of Me
07. Mistress
08. Low Down Dirty
09. Bonnie To My Clyde
10. Rebel With A Cause

Bad Luck Friday
Bad Luck Friday bei Facebook

Tommy Castro & The Painkillers – 18.09.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Nach etwa vier Jahren machte Tommy Castro mit seinen Painkillers mal wieder Halt im Lütgendortmunder Musiktheater Piano. Schade war, dass es wie bei einer großen Zahl von Konzerten in vielen Locations in den letzten Monaten, einen eher unbefriedigenden Zuschauerzuspruch gab.

Nichtsdestotrotz betrat Tommy mit seinen Mitstreitern mit einem Lächeln im Gesicht die Bühne des Pianos und legte einen furiosen Auftritt hin, bei dem es ihm gelang, schon vom ersten Song „Night Stomp“ die Besucher mitzunehmen, dass sich eine tolle Stimmung entwickelte, welche auch im Umkehrschluss auf die Band übersprang. Castro, stimmlich bestens aufgelegt, nahm zwischen den Songs immer wieder Kontakt zu den Besuchern auf und machte deutlich, was es für die Band bedeutete, endlich wieder in dieser schönen Location auftreten zu können.

Schön war auch, dass die Setlist im Vergleich zum letzten Konzert, obwohl es schon recht lange zurücklag, mit einigen anderen Songs aufwartete. Dabei mischte die Band einige gekonnt gecoverte Songs wie den Eingangssong „Night Stomp“ von Albert King, „Leaving Trunk“ von Sleepy John Estes, „It Serves You Right To Suffer“ von John Lee Hooker oder „Gimme Some Lovin`“ der Spencer Davis Group, unter die eigenen starken, meist bluesorientierten Songs, oft aber mit einem Einschlag von Rock`n`Roll.

Besonders wussten dabei „When A Bluesman Comes To Town“, „Blues Prisoner“, „Make It Back To Memphis“ und „The Devil You Know“ zu gefallen. Castro glänzte mit etlichen furiosen, aber auch gefühlvollen Soli und einigen gekonnten Slideeinlagen. Verlassen konnte er sich dabei auf seine Rhythmussektion um den fast fortwährend mit einem breiten Grinsen im Gesicht spielenden Drummer Bowen Brown und den quirligen Bassisten Randy McDonald, die eine fette Grundlage für die Songs legten. Keyboarder Mike Emerson versprühte nicht nur eine gewisse Milde auf manche Songs, sondern begeisterte die Fans auch mit der einen oder anderen Soloeinlage, zum Teil mit Honkytonk-Charakter.

Die Zugabe „Gimme Some Lovin’“ war geschickt gewählt und konnte als Beschreibung für das Miteinander dienen, was gerade in der heutigen Zeit so wichtig ist und zumindest für die Dauer des Konzertes bei allen Anwesenden zu spüren war.

Nach dem Konzert nahm sich die Band noch die Zeit für Smalltalk, das Signieren von Fanartikeln oder das eine oder andere Foto als Andenken. Wer mit dafür sorgen will, dass diese Form von Kultur weiterleben kann, sollte überlegen, die gemütliche Coach öfters mal zu verlassen und Konzerte insbesondere bei der kleinen und mittleren Clubszene zu besuchen. „Rock`n`Roll Will Never Die“, um eine Zeile eines Neil Young-Songs zu zitieren, kann es nur heißen, wenn auch die Rockfans dabei mitmachen.

Line-up:
Tommy Castro: guitar, vocals
Randy McDonald: Bass, vocals
Mike Emerson: Keyboards
Bowen Brown: Drums, vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Tommy Castro & The Painkillers
LTommy Castro & The Painkillers bei Facebook
Musiktheater Piano
On Stage Promotion

Town Mountain – Lines In The Levee – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Als die US-amerikanische Gruppe Town Mountain 2013 den International Bluegrass Music Award erhielt, war sie – 2005 gegründet – schon lange kein Newcomer mehr, benötigte aber noch viele Jahre, um mit ihrem Independent-Band- Status den musikalischen Durchbruch zu erreichen. Dies änderte sich 2018 mit dem sehr erfolgreichen, noch in Eigenregie aufgelegten Longplayer “New Freedom Blues”. Der Wechsel zu New West Records und der dort erschienenen Produktion “Lines In The Levee” ist ein weiterer Schritt zur Stärkung des Bandprojektes.

Die aus Asheville, North Carolina, stammende Formation hat dabei ihre musikalische Entwicklung an der Kreuzung von Classic Country und Bluegrass mit Honkytonk-String Elementen in Richtung Rock’n’Roll und Americana mit Folk Rock und Bluegrass, Roots neu interpretiert. Erstmals ist mit Miles Miller ein erfahrener Drummer dabei und ergänzt die ursprüngliche Besetzung aus Mandoline (Phil Barker), Fiddle (Bobby Britt), Guitar (Robert Greer), Banjo (Jesse Langlais) und Stand-up Bass (Zach Smith).

Die Eigenkompositionen von Greer, Barker und Langlais werden in wechselnden Lead Vocals stilvoll vorgetragen, sodass Erinnerungen an frühere Country- und Bluegrass-Interpreten nicht selten sind. Mit dem Titelsong “Lines In The Levee” bietet das Album gleich zu Beginn Country Rock, der an Stelle einer E-Gitarre, natürlich Fiddle und Banjo in den Vordergrund der Komposition bringt.

Für einen neuen Town Mountain Sound stehen überaus hörenswerte Tracks wie “Firebound Road” (ein in etwa Old School Rock’n’Roll-Bluegrass Rock) oder “American Family” (ein Bluegrass-Rockabilly), und spiegeln die unbändige Spielfreude der Band, auch angetrieben durch den Award-nominierten Produzenten Justin Francis (u. a. Anti-Flag).

“This is the sound we’ve been working towards…” bemerkt hierzu Sänger Robert Greer und meint gleichermaßen neben dem musikalischen Spektrum ebenso die tiefgreifenden Storyteller Fähigkeiten von Town Mountain. In Geschichten erzählenden Stücken (z.B. “Rene”, “Seasons Don’t Change” oder “Lean Into The Blue”) wird mit geschmeidigen Country Folk-Melodien und intensiven Lyrics über Lebensschicksale berichtet. Entsprechende Einflüsse reichen in ihren komplexen Unterschieden über die Stilrichtungen von The Band, Bill Monroe und John Hartford bis Townes van Zandt und vielleicht folkigen Grateful Dead Ansätzen.

Mit dem Americana-Stück “Daydream Quarantina” werden sogar Los Lobos – etwas zaghaft – nachempfunden. Nicht für traditionelle Puristen der Bluegrass Nation, jedoch auch für Anhänger von Springsteen-haften Country Klängen, die in der Konzertversion von “I’m On Fire” (mit selbst kreierten, mittlerweile fast schon berühmten Fiddle-Solo) inzwischen fester Bestandteil von Town Mountain Auftritten geworden sind.

Die in Nashville eingespielte Scheibe “Lines In The Levee” von Town Mountain gestaltet die Palette der Country-Bluegrass Spielwiese mit exzellentem Einfallsreichtum und starken Songtexten als eigenständige Acoustic Rock-Premiere der Band: immer vorne weg, Fiddle, Banjo und Mandoline, die Roots-Instrumente ihrer ursprünglichen musikalischen Herkunft und bleibenden Verbindung zur Heimat. Bluegrass Rock, der auch bei uns jederzeit seine Freunde finden dürfte.

New West Records (2022)
Stil: Alternative Country, Folk Rock, Bluegrass

Tracks:
01. Lines In The Levee
02. Comeback Kid
03. Distant Line
04. Firebound Road
05. Rene
06. Seasons Don’t Change
07. Daydream Quarantina
08. Big Decisions
09. Unsung Heroes
10. American Family
11. Lean Into The Blue

Town Mountain
Town Mountain bei Facebook
Lime Tree Music

Jive Mother Mary, 05.10.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Ein Tag mitten in der Woche in der Rampe. Angesagt hatte sich die Southern Rock-Gruppe Jive Mother Mary aus der Teenage Head Music-Familie. Um die 40 Zuschauer sorgten für eine optisch einigermaßen gefüllte Rampe.  Kulturrampen-Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings ließ bei der Ansage zwar ein wenig die momentan schwierige  Lage der kleineren und mittleren Clubs durchklingen, relativierte allerdings diese dann auch wieder, in dem er auf die deutlich schlimmere Lage von vielen anderen Menschen auf diesem Erdball hinwies. 

Dann ließ er die Jungs aus North Carolina um Bandleader Mason Keck los. Gespielt wurde in zwei Sets mit jeweils zehn Stücken. Mit an Board hatte man das neue Album „8 Tracks“, das dann erst gegen Ende von Set 1 ins Spiel kam und mit Tracks wie  „I Can Still Be Your Man“, „Hope It Ain’t Bad“, Big City Blues“ eher noch zurückhaltend beworben wurde.

Mason Keck, mit seinem Van Zant-ähnlichen Aussehen, war als klarer Leader entsprechend im Mittelpunkt positioniert. Er konnte natürlich den Hauptleadgesangsteil als auch die meisten E-Gitarren-Soli für sich verbuchen, man hatte aber immer das Gefühl, einen Teamplayer vor sich zu haben.

Als Markenzeichen in der überwiegend rockigen Ausrichtung des Quartetts sind die immer wieder integrierten Twin-Gitarrenparts anzuführen, bei denen der technisch versierte Co-Gitarrist Tyler Schulz (er dazu meist mit Harmoniegesängen, aber auch einigen Lead-Wechselparts) eine ebenso gute Figur machte.

Unterlegt wurden beide von dem beim ersten Gig 2017 in der Rampe noch nicht vertretenden Bassisten Keith Ingalls (er erst im zweiten Set auch mit Backgroundvocals dazustoßend) und dem, sein druckvolles Schlagzeugspiel mit lebhafter Mimik verstärkenden Seth Aldridge.

In Set 1 habe ich mir das atmosphärisch groovende und mit einem furiosen E-Gitarrenfinish endende „Save Me“ als Highlight notiert, in Part 2 standen bei mir das oben bereits erwähnte eingängige „Hope It Ain’t Bad“ und das an die frühen 38 Special erinnernde „Count On Me“ hoch im Kurs.

Das momentane Problem der Band erscheint mir noch im fehlenden Wiedererkennungswert der meisten Songs zu liegen, positiv ist jedoch zu vermerken, dass Keck & Co. nicht versuchen, mit gut gemachten Coverstücken das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, sondern sich komplett, mit eigener Kreativität und spielerischem Können, die Audienz regelrecht zu ‚erarbeiten‘.

Das wurde dann auch dementsprechend von den Anwesenden gewürdigt und führte unter lautstarken Zugabeforderungen noch zum bekannteren „Home Is Were The Heart Is“, dem Titellied ihrer gleichnamigen EP aus dem Jahr 2016. Insgesamt also eine nicht nur ‚kecke‘ Vorstellung von Jive Mother Mary, sondern auch ehrliches Basiswirken nah am treuen Publikum, so wie es die Band schon immer liebte.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
Keith Ingalls (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums)

Bilder: Michael Segets
Text: Daniel Daus

Jive Mother Mary
Jive Mother Mary bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Robert Connely Farr – Shake It – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach „Dirty South Blues“ (2018) wurde bei Robert Connely Farr Krebs diagnostiziert. Obwohl diese Erkrankung überwunden ist, mag sie den Impuls gegeben haben, am laufenden Band Alben zu produzieren. Vor „Country Supper“ (2020) warf Farr eine Zusammenstellung von B-Seiten beziehungsweise Raritäten sowie ein Live-Album raus. Danach folgte „Ain‘t Enough“ (2022) und jetzt „Shake It“. Auch auf seinem neunten Longplayer spielt er wie gewohnt den Blues mit einem besonderen Southern Accent.

Farr orientiert sich am Bentonia-Stil, einer Form des Delta Blues, der in seiner Geburtsstadt Bolton, Mississippi, einen festen Bestandteil der Musikszene bildet. Charlie Patton und Jimmy „Duck” Holmes gelten als dortige Heroen. Farr covert jeweils ein Stück der beiden Musiker. Pattons „Screaming & Hollering Blues“ eröffnet das Album. Farr sagt, dass dieser Song ihn direkt ins Mark getroffen habe. Ich kenne das Original nicht, aber der Blues springt bei Farrs Version über. Expressive Gitarre und klagender Gesang kennzeichnet ebenso das von Holmes geschriebene „Going Away To Leave You“. Ebenfalls schroff, aber intensiv singt Farr „Sugar Momma“. Der Titel stammt von Tommy McClennan und steht am Ende des Albums. Zwischen den drei Covern finden sich sechs Eigenkompositionen auf der Scheibe.

Farr konzentriert sich auf einen erdigen Sound. Für die Aufnahme verließ er sich lediglich auf seine langjährigen Begleiter Drummer Jay Bundy Johnson und Bassisen Tom Hillifer. Auf zwei Tracks wirkt noch Liam Moes im Hintergrund mit. In den Hipposonic Studios in Vancouver, die schon AC/DC, Bon Jovi und Aerosmith als Aufnahmeort dienten, spielte die kleine Truppe 14 Songs ein, von denen neun den Weg auf die CD fanden. Das Album mit seinen knapp dreißig Minuten Laufzeit wirkt dementsprechend dicht und wie aus einem Guss.

Eine düstere, swampige Atmosphäre durchzieht den Longplayer, die Farrs knarziger Gesang transportiert. Dieser erzeugt vor den meist gleichförmigen Rhythmen die Spannung in den Songs, wie „Ain’t No Other Way“ und „Going Down South“. „Miss My Baby“, das im Sprechgesang vorgetragen wird, bleibt hingegen ohne Höhen und Tiefen und bleibt daher eher monoton. Stark sind allerdings die beiden Ausflüge, die Farr in den Bluesrock unternimmt. Bei „Lefty“ und dem Titeltrack „Shake It“ legen Farr und seine Mannen Schmackes in die Performance. Mit kämpferischen Texten und aggressivem Drive zeigt sich Farr dabei von einer anderen Seite.

Eine gewisse Schwere liegt über „Shake It“ von Robert Connely Farr. Farrs Stimme und Gitarrenspiel erwecken den Blues in seiner puren Form. Wie bisher setzt er auf eine Mischung aus Covern und Eigenkompositionen. Unter den Songs stechen zwei druckvolle Bluesrock-Nummern hervor, die sowohl als knackige Einzeltitel funktionieren, als auch dem Gesamteindruck des Albums zugutekommen.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Screaming & Hollering Blues
02. Going Away To Leave You
03. Ain’t No Other Way
04. Miss My Baby
05. Knock On Wood
06. Going Down South
07. Lefty
08. Shake It
09. Sugar Momma

Robert Connely Farr
Robert Connely Farr bei Facebook

The Rusty Wright Band – Hangin‘ At The DeVille Lounge – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Hierzulande genießen der aus Michigan stammende Rusty Wright und seine Band sicherlich noch keine allzu große Bekanntheit. Leider, möchte man hinzufügen, denn das neue Album „Hangin’ At The DeVille Lounge“ der Jungs ist eine abwechslungsreiche Bluesscheibe, die unterschiedliche Stile dieser Musikrichtung gekonnt vereint.

Dabei lagen die musikalischen Interessen von Rusty Wright zunächst eher im Bereich des Metal Rock, spielte er doch lange Zeit als Leadgitarrist in der Metalband „Bad Axe“, deren 1986’er Album „Contradiction To The Rule“ heute zu den kultigen Klassikern dieses Genres zählt.

Ende der 90‘er Jahre kehrte er aber wieder zum Blues zurück. Zu der Musik also, die er schon als Kind auf den Platten seines Vaters gehört hatte. In der Folge gründete er in 2014 die „Rusty Wright Band“ in der auch seine Frau Laurie als Gitarristin und Sängerin dabei ist.

Auf „Hangin’ At The DeVille Lounge“ erzählt Rusty Wright lyrische Geschichten, eingebettet in Bluesrhythmen, Boogietunes und teilweise auch in leichten Südstaatenrock. Eine insgesamt spannende Blues Rock-Mischung.

Gleich zu Beginn der Scheibe liefert Wright einen Beweis für seine Erzählkunst. Im Opener „Welcome To The DeVille Lounge“ erinnert er, mit Klaviergeklimper und Kneipengeräuschen untermalt, an einen längst geschlossenen Club gleichen Namens in seiner Heimatstadt, welcher das Schild „Sinners welcome“ einer nahegelegenen Kirche kopierte und mit „…& we have beer“ ergänzte.

Etwas skurril ist auch das folgende Stück „House Of Spirits“ mit eingangs aus dem Off ertönenden Chorgesang und vordergründiger Pianobegleitung arrangiert, zu dem sich später Rusty Wrights leicht spacig verhallter Gesang und seine glasklaren Gitarrenkünste gesellen. Mit den nächsten Tracks geht es dann traditioneller weiter. Das auf Menschenhandel bezugnehmende „No One Cares At All“ besitzt einen schönen, treibenden Boogie-Woogie basierten Grundrhythmus und „Evil In Disguise“ besticht durch melodiöse Gesangs- und Gitarrenharmonien.

Einen Kontrapunkt dazu setzt das leicht stampfende „Devil Man Blues“, bei dem Rustys Gesang wie durch ein Megaphon verzerrt erscheint, während der Slowblues „No Man Is An Island“ im Chicagostyle nachdrücklich von der Gedankenwelt eines autistischen Kindes inspiriert ist. Mit „Goin‘ To Nola“ und „Devil In The Details“ gibt‘s dann wieder zwei flotte Songs auf die Ohren.

Der erste, ein schwungvoller Boogie und der andere ein fröhlicher, leicht southernartiger Tanzflächen-geeigneter Shuffle. Mit dem traditionellen Slowblues „Trouble‘s Always Knockin‘“ kehren wieder ruhige Momente ein, bevor Rusty Wright mit den beiden letzten Songs des Albums seine rockige Seite zum Vorschein bringt.

Abschließend betrachtet ist „Hangin’ At The DeVille Lounge“ eine recht abwechslungsreiche, hörenswerte Scheibe auf der sich Rusty Wright als feiner Gitarrist, Songwriter und Geschichtenerzähler präsentiert, die gut, wenngleich auch manchmal etwas skurril, arrangiert ist. Lediglich seine im Tenorbereich befindliche Stimme mag manchmal nicht so recht zu den Songs passen. Aber das ist letztendlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Label: Sadson Music (2022)
Stil: Blues Rock, Blues

Tracks:
01. Welcome To The DeVille
02. House Of Spirits
03. No One Cares At All
04. Evil In Disguise
05. Devil Man Blues
06. No Man Is An Island
07. Goin‘ To Nola
08. Devil In The Details
09. Trouble‘s Always Knockin‘
10. No Turnin‘ Back
11. Burnin‘ Precious Time
12. Devil Music

The Rusty Wright Band
The Rusty Wright Band bei Facebook

Little Caesar – 09.09.22 – Kulturrampe, Krefeld / 11.09.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Wie im letzten Jahr tourt Little Caesar in diesem Herbst wieder durch Europa. Freitags, am 09.09.2022 brachte die kalifornische Hard Rock-Band der Kulturrampe in Krefeld ein volles Haus und nur zwei Tage später sorgte eine ähnliche Zuschauerzahl im weitaus größerem Piano dafür, dass dies zumindest zumindest zu einem Drittel gefüllt war, was für den Veranstalter aus finanzieller Sicht nicht gerade befriedigend ist.

An beiden Abenden spielte die Band ein identisches Programm mit leichten Änderungen zum Vorjahr und erzeugte eine gute Stimmung unter den Rockfans, von denen manche die Chance nutzten, beide Konzerte zu besuchen. Im Mittelpunkt stand der charismatische Fronter Ron Young, der sich stimmlich bestens aufgelegt präsentierte.

Dass die Chemie bei Little Caesar stimmt, zeigte sich auch dadurch, dass alle Musiker genügend Freiraum für sich hatten, um sich in den Vordergrund spielen zu können. Loren Molinare glänzte nicht nur mit einigen rockigen Soli, sondern machte mit einigen Posen auch etwas für das Visuelle.

Mark Tremaglia als Pendant auf der anderen Seite der Bühne schaffte es mit diversen slidenden Soli einen Southernflair in manche Songs zu bringen. Neben Young setzte der hünenhafte Bassist Pharoah Barrett auch einige gesangliche Akzente und sorgte mit dem von den Cruzados bekannten Drummer Rob Klonel für eine fette Rhythmusgrundlage.

Aus einem starken Setup ragten das melodiöse „Midtown“, das fast schon punkrockig präsentierte Merle Haggard- Cover „Mama Tried“, die Hard Rock-Nummern „Rock`n`Roll State Of Mind“ und „Straight Shooter“ heraus. Gekrönt wurden die Auftritte durch die Zugaben „Wrong Side Of The Tracks“, die Ballade „In Your Arms / I Wish It Would Rain“ und „Real Rock Drive“, dem in Krefeld noch „Drive It Home“ folgte.

Nach beiden Gigs ließen es sich die bestens gelaunten Musiker nicht nehmen, am Merchandisingstand für Smalltalk und Fotos ihren Fans zur Verfügung zu stehen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Loren Molinare (electric guitar)
Mark Tremaglia (electric guitar)
Pharoah Berrett (bass)
Rob Klonel (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Little Caesar
Little Caesar bei Facebook
Kulturrampe Krefeld
Musiktheater Piano
Teenage Head Music

Brighton Blues Cartel – 30.09.2022, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Nachdem ich mich beruflich durch eine anstrengende Woche gequält habe, die dazu noch von unangenehmen Rückenschmerzen begleitet wurde, stand ich kurz davor, dem Brighton Blues Cartel-Gig im kleinen urigen topos in Leverkusen, eine Absage zu erteilen.

Da Menschen wie meine Wenigkeit, die quasi ihr ganzes Leben mit Mehrfachbelastungen umgegangen sind, gelernt haben, auch mal auf die Zähne zu beißen, und dazu mein Instinkt, auf den ich mich musikalisch bisher fast immer verlassen konnte, mir gesagt hat, dass ich was besonders Gutes verpassen würde, habe ich mich dann doch auf den Weg gemacht.

Und wieder mal, in der Tat, musste ich mein Kommen nicht bereuen. Ganz im Gegenteil, was die Burschen um Danny Giles, Will Wilde und Steve Brook (dazu kam noch die bärenstark agierende Rhythmussektion mit Alan Taylor und Russel Carr) zum Startschuss ihrer Tour im topos ablieferten, war Blues und Rock vom Feinsten.

Da unsere etatmäßigen Fotografen verhindert waren, übernahm Klemens Kübber, der langjährige ‚Macher‘ des topos diesmal die Knipserei-Tätigkeit. Der schafft es immer wieder, allein, wenn man sich auch das kommende topos-Programm bis Dezember anschaut, solch tolle Acts durch geschickte Termine wie diesen, in die kleine Musikkneipe zu holen.

Gespielt wurde in zwei Sets. Bis zur Pause hatten dann zunächst Giles und dann Wilde Gelegenheit,  für ihre eigenen Projekte Werbung zu machen. Danny Giles spielte im Trio mit Taylor und Carr und ließ beim rockigen Kracher „Leave This Town“ zum Auftakt auf seinem quietsch-grünen Arbeitsgerät, sofort ordentlich ab.

Kein Wunder, dass er aufgrund seines quirligen Spiels (mit manchmal metal-artigem Esprit) zum Teil in Sphären eines Yngwie Malmsteen eingeordnet wird. Für mich eine schöne Zusatzkomponente, die man im Blues Rock eigentlich nicht so oft hört. Auch der engagierter Gesang, die mitnehmende kommunikative Art und seine strammes Erscheinungsbild, hinterließen bei der Audienz mächtig Eindruck.

Mit weiteren Stücken aus dem Album „More Is More“  wie „Won’t Let Love“, „Been There Twice“ (Led Zep-Note), „Hold On“ und dem herrlichen „Don’t Go Messin'“  (da fuchtelte  er beim finalen Solo auf,  über und unter dem Gitarrenhals ganz wild herum) war die erst gute halbe Stunde wie im Fluge herum. Starke Leistung des Briten-Trios.

Im fliegenden Übergang nahmen dann Gitarrist Steve Brook und Fronter Will Wilde seinen Platz auf der kleinen Bühne ein. Wo Cowboys früher ihre Patronengurte trugen, hatte Wilde die Sammlung seiner Mundharmonikas umgehangen. Brook, er und Taylor haben ein neues Band-Projekt mit Namen Bad Luck Friday am Start, aus dem dann Tracks wie „Jealous Woman“, „Take The Best Of Me“, „666 At The Crossroads“, „Dust & Bones“, „Low Down Dirty“ und „Mistress“ präsentiert wurden.

Eigentlich bin ich garnicht der große Fan von Harp-dominanter Blues Rock-Musik, die man hier hätte vermuten können. Will weiß aber sein Paradegerät so nuanciert einzusetzen, dass es nie nervt. Begeisternd vor allem seine Stimme, die immer wieder Assoziationen mit Paul Rodgers aufkommen ließen. Auch der meist posende und mähnenschüttelnde Brook brachte mit seinen eher im Rock-/Melodic Rock-verankerten Soli eine erfrischende Note in das musikalische Treiben des Quartetts. Das Ganze hatte was von Harp-umwehtem Bad Company-Rock.

Nach der Pause wurde es richtig eng auf der Bühne, als dann alle im Quintett, eine schöne Auswahl von unterschiedlichen Coverstücken zum Besten gaben. Das am Anfang performte, durch Whitesnake bekannt gewordene „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ war für mich dabei direkt das Highlight. Als sich Brook und Giles im Twin-Speed-Modus duellierten, schlug das Herz der Southern Rock-Fans ebenso schnell!

„Oh Pretty Woman“ von Gary Moore, der Muddy Waters-Schinken „Hooche Coochie Man“, das toll interpretierte Johnny Guitar Watson-Lied „Three Hours Past Midnight“, und der schunklige Canned Heat-Klassiker „Let’s Work Together“ als Zugabe rundeten einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend der etwas anderen Blues Rock-Musik auf schöne Weise ab.

Am Ende fragte mich Will an der Theke bei einer kurzen Unterhaltung noch, ob ich die neue neue CD der Bad Luck Family reviewen würde. Da musste ich angesichts der guten Leistung natürlich ohne Zögern einwilligen, die Besprechung wird dann demnächst auch hier zu lesen sein.

Auch wenn im wirtschaftlichen Bereich Kartellen zurecht ein negatives Image angelastet wird, darf man diesem musikalischen Zusammenschluss aus dem britischen Seebad, nur beste Hintergedanken attestieren. Wer Zeit und Gelegenheit besitzt, sollte sich die Gigs des  Brighton Blues Cartel auf der jetzt anstehenden Tour auf keinen Fall entgehen lassen. Absoluter Live-Tipp!

Line-up:
Danny Giles (lead vocals, electric guitar)
Will Wilde (lead vocals, harp)
Steve Brook (electric guitar, vocals)
Russel Carr (bass)
Alan Taylor (drums)

Bilder: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Will Wilde
Will Wilde bei Facebook
Danny Giles
Danny Giles bei Facebook
Bad Luck Friday
Bad Luck Friday bei Facebook
topos Leverkusen

Cheap Wine – Yell – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

25 Jahre nach ihrer Gründung hat die italienische Formation Cheap Wine aus Pesaro mit dem Longplayer “Yell” ihr 14. Album vorgelegt und erneut auf die altbewährte Mischung aus Alternative-Country mit Southern-Einflüssen und Blues-Zutaten zurückgegriffen.

Die in der großen Hafenstadt an der Adria beheimatete Band hatte sich nach einem Song der kalifornischen Gruppe “Green On Red” benannt, deren Stilrichtung dem sogenannten Paisley Underground der 80er Jahre erfolgreich zugehörte. Die von Cheap Wine durchweg in Eigenregie eingespielten Titel der neuen Scheibe beginnen mit “Greedy For Life” und starken psychedelischen Guitar- und Keys-Interpretationen, die in ihren Ursprüngen vom Green On Red-Vorbild nicht weit entfernt sind.

Die rasante Rocknummer “No Longer Slave” mausert sich nach kurzem Intro zum fulminanten E-Solo-Abschluss; gitarrengetrieben entwickelt sich der Titelsong “Yell” zum großartigen Wüsten-Rocker – einfach hervorragendes Songwriting. Gleiches gilt für den urtümlichen Southern-Track “Your Fool’s Gold” mit exquisiter Guitar-Work (siehe Neil Young) und dem zwischen Ray Davies Americana und Tom Petty-Country-Rock-Flair entfaltenden Song “Sun Rays Like Magic”, ein Top-Titel.

Durch einen fast “leisen” Country/Folk-Charakter mit feinfühligen Riff-Strukturen imponiert “The Scent Of A Flower” als melodisch getragenes Stück, das z.B. auch gut zu den Jayhawks passen würde. Dass die beiden Gitarristen Marco und Michelle Diamantini ihr Handwerkszeug mehr als meisterlich beherrschen, wird auch bei “Floating” in sechseinhalb Minuten deutlich.

Diesmal in ruhiger, entspannter Song-Atmosphäre: eindeutig als Filmmusik geeignet! Die insgesamt immer wieder bärenstarke Mannschaftsleistung der Band, Alessandro Grazoli am Bass, Alan Giannini (Drums) und Alessio Raffaelli an den Keys, kann ebenfalls beim weiteren, absoluten Top-Stück “The Devil Is Me” grandios überzeugen – ein Titel angesiedelt zwischen den musikalischen Welten von The Feelies und War On Drugs.

Eine außergewöhnliche Vielseitigkeit von Cheap Wine, die in Live-Versionen Dylan und Springsteen ausgiebig interpretieren, lässt neben lautstarken, schnellen Rock-Kunststücken (hier z.B. “Colors”) abschließend gleichermaßen schönes Storytelling in “Last Man On The Planet” als langsam ausklingenden Abgesang beinahe zeitlos wirken.

Bereits 2015 war der damalige Dream Syndicate-Frontman, Steve Wynn, offensichtlich vom musikalischen Potential der Band derart beeindruckt, dass er mit Cheap Wine einen mitreißenden Konzertauftritt in Triest hinlegte – absolut nachvollziehbar. Unverständlich ist hingegen, dass bisher kein großes Label auf die Band von der Adria aufmerksam wurde, denn mit “Yell” ist Cheap Wine erneut eine besonders empfehlenswerte Produktion gelungen. Alles in allem eine wunderbare Scheibe, die internationale Vergleiche spielerisch aushält.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Alternative Country, Southern Rock

Tracks:
01. Greedy For Life
02. No Longer Slave
03. Yell
04. Your Fool’s Gold
05. Sun Rays Like Magic
06. The Scent Of A Flower
07. Floating
08. The Devil Is Me
09. Colors
10. The Last Man On The Planet

Cheap Wine
Cheap Wine bei Facebook