Black Country Communion – V – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die ruhelose Umtriebigkeit des US-Blues-Rock Gitarristen und Songschreibers Joe Bonamassa hat nach langen Jahren das Bandprojekt Black Country Communion (BCC) wieder ins Studio geholt. Die Reunion bringt mit dem Album “V” die spannende Vitalität der Supergruppe zurück auf den Plattenteller. Zur Erinnerung: BCC wurde 2010 von Joe Bonamassa (Guitar und Vocals), Glenn Hughes (Vocals und Bass), Jason Bonham (Drums) und Derek Sherinian (Keyboards) gegründet. Seitdem sind vier Studio- und ein Live-Album entstanden, sowie die Kompilation “The Story So Far”.

Der mit 72 Jahren unverändert stimmgewaltige Glenn Hughes ist nach einer Interimszeit bei The Dead Daisies (und zwei Longplayern) wieder in die erste Reihe des Rampenlichts zurückgekehrt. Auch Drummer Jason Bonham hat seinen “Ausflug” zur Band von Sammy Hagar ausklingen lassen und Derek Sherinian war mit seinen Projekten (u. a. Sons of Apollo) ausgelastet. Bonamassa konnte derweil mit seinen Solo- und Side-Aktivitäten vier Top 10 Alben in Europa einfahren. Eine größere Zahl von Tournee- und Gastperformances (z. B. mit Beth Hart, Joanne Shaw Taylor, Orianthi), sowie diversen Beschäftigungen als Produzent, Songwriter etc., waren zu bewältigen. “V” musste daher etwas länger warten.

Gelohnt hat es sich jedoch allemal, denn die Lead-Single “Stay Free” erfüllt bereits durchweg die hohen Erwartungen: funkig, bombastisch, guitar-rockin‘ mit der unverwechselbaren Stimme von Glenn Hughes. Anregungen von Led Zeppelin– und Stevie Wonder-Songs finden ihre Reminiszenzen in neuen, kreativen Synergien. Gleichwohl ist “Stay Free” ein authentischer Powerhouse-Track geworden. Diese 70er Jahre Hard-Rock-Energie wird in “Red Sun”, der zweiten Single-Auskopplung, kongenial übergeleitet. Purer Rock-Spirit aus den besagten Gründerjahren, den Glenn Hughes u. a. mit Deep Purple prägte und nun fast Soundgarden-like in moderner Rockperfektion charakterisiert.

Produziert wurde das Ganze übrigens wieder von Kevin Shirley, einem langjährigen Wegbegleiter der Band. In einem kurzen Beitrag bringt Shirley die Begeisterung auf den Punkt: “Sie haben sehr schnell einen einzigartigen Sound gefunden. Diesmal ist er zielgerichteter, die Riffs sind härter, und es gibt Hooks. Es ist das zusammenhängenste Album, voller Seele und Härte, und ich denke, es wird der Maßstab für Black Country Communion sein!” Herausgekommen sind dabei kantig – groovende Songs, z. B. “Enlighten” oder “You’re Not Alone” oder epische Rockballaden, z. B. “Love And Faith” und “Restless”, die ihren Earcatcher-Status im Vergleich zu berühmten 70er Jahre Vorbildern behaupten können. Heimlicher “Hauptdarsteller” der gesamten Tracklist ist dabei Sänger Glenn Hughes, der auch im letzten Stück “The Open Road” den brillanten Bonamassa-Guitar-Parts seine Great Voice of Rock entgegen hält.

Mit unbändiger Dynamik und kompromissloser Verkörperung einer modernen Fusion aus Classic-UK-Hard Rock und US-Blues Rock Elementen haben Black Country Communion beeindruckende Aufnahmen geschaffen. “V” ist ein weiteres bemerkenswertes und wegweisendes Album, das ihre einzigartige Handschrift trägt.

Mascot Label Group/J&R Adventures (2024)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Enlighten
02. Stay Free
03. Red Sun
04. Restless
05. Letting Go
06. Skyway
07. You’re Not Alone
08. Love And Faith
09. Too Far Gone
10. The Open Road

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Sadler Vaden – Dad Rock – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

Mit Kindern wird vieles anders. Das Leben On The Road mit der Familie in Einklang zu bringen, stellt für Musiker vermutlich eine Herausforderung dar. Vor allem verändern sich mit der neuen Rolle auch die Themen der Songs. Spontan fallen mir Brian Fallon (The Gaslight Anthem) und BJ Barham (American Aquarium) ein, die sich in ihren Texten wiederholt mit Dingen beschäftigen, die Väter so umtreibt. Die Geburt des zweiten Sohnes veranlasste nun auch Sadler Vaden zur Produktion seines dritten Soloalbums, das den bezeichnenden Titel „Dad Rock“ trägt.

Für seine Söhne schrieb er das jammende Instrumentalstück „Townend’s Theme“ und „I’ll Always Come Back“. Kinder verändern auch die Perspektive auf die eigenen Eltern, denen Vaden „Two Balloons“ widmet. Heartbreaker Mike Campbell (Tom Petty, The Dirty Knobs), Elliot Easton (The Cars) und einige andere Kollegen unterstützten Vaden bei seinem Projekt. Die Tracks wurden im Kern an zwei Studiotagen eingespielt und dann nach und nach weiter bearbeitet, soweit Vaden zwischen Windeln, Fläschchen und Abendritualen Zeitfenster dazu fand. Neben Familienleben und Solokarriere kann sich Vaden über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. Er ist weiterhin Leadgitarrist bei The 400 Unit, der Band von Jason Isbell, und betätigt sich als Produzent (Morgan Wade).

Sein Rocker-Herz hat sich Vaden trotz geänderter Umstände bewahrt. Mit „Staying Alive“ und „Holes“ sind zwei gradlinige, äußerst gelungene Gitarrenrockstücke auf dem Album vertreten. Einen etwas härteren, an den Siebzigern orientierten Gang legt er bei „Dove“ ein. „The Rescuer“ sticht unter den Titeln hervor. Schlagzeug und Gitarre klingen hier nach Bruce Springsteen und der E Street Band – ein Eindruck, der durch die kraftvollen Bläser und die Klavierparts unterstützt wird.

Abgerundet wird der Longplayer durch die Ballade „The New You“ und dem schon erwähnten Midtempo-Stück „I’ll Always Come Back“, bei dem sich Vaden von einer sanfteren Seite zeigt. Ähnlich wie sein Vorgänger aus dem Jahr 2020 „Anybody Out There?“ ist „Dad Rock“ so ein abwechslungsreiches Album geworden.

Auf „Dad Rock“ bringt Sadler Vaden Familie und Beruf als zwei Schuhe eines Paars zusammen. Mit seiner Vaterrolle gehen thematische Veränderungen der Songs einher, musikalisch behält er aber seine Richtung bei: kraftvoller, guitar-driven Rock mit feinen, eingestreuten Verschnaufpausen.

Thirty Tigers (2024)
Stil: Rock

Tracks:
01. Townsend’s Theme
02. Dove
03. The New You
04. Staying Alive
05. Holes
06. The Rescuer
07. I’ll Always Come Back
08. Two Balloons

Sadler Vaden
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Thirty Tigers
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Sugaray Rayford – Human Decency – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Zwei Jahre nach seinem Award-gekrönten Album “In Too Deep” hat der US-amerikanische Soul-Blues-Sänger und Songschreiber Sugaray Rayford (B.B. King, Entertainer of the Year 2020) bereits seinen neuen Longplayer “Human Decency” am Start. Die Scheibe wurde, wie die drei erfolgreichen Vorgänger, von Songwriter Eric Corne (u. a. John Mayall, Lucinda Williams, Walter Trout) produziert und listet neun eigene Kompositionen.

Als Lead-off Single gibt “Run For Cover” sogleich Volldampf und pusht Sugarays außergewöhnliche Stimmkraft zum Sound der Bläsersection – ein echter Powersong. Die stampfende Soul-Rock Speed-Nr. “Ain’t That A Man” belebt die gute alte Sam & Dave Memphis-Soul-Time, und zusätzlich wird klassischer Soul im Stile von Solomon Burke in “Strawberry Hill” frisch aufgelegt. Country-Sänger Sam Morrow darf sich im Duett von “Stuck Between” als funkiger Soul-Blues-Interpret beweisen und auch hier leistet die Bläsertruppe, getragen von Joe Sublett, am Saxophon (u. a. Taj Mahal, Stevie Ray Vaughan, B.B. King Band) und Mark Pender, Trompete, (Ex E-Street Band) mehr als ganze Arbeit.

Dementsprechend ist auch der Titelsong “Human Decency” ein auffallend groovender R&B-Track und wird seinen Platz in Radio-Playlists sicher schnell finden. Autobiographische Texte sind im letzten Song (“Aha”) ein Teil Sugarays persönlicher Erinnerungen und bringen dazu noch einmal typischen Soul-Blues-Sound aus der frühen Blütezeit der 60er Jahre.

Sugaray Rayford, der leidenschaftlich in den Lyrics menschliche Probleme und Alltagssorgen sozialkritisch aufgreift, hat ein neues Kapitel der traditionsreichen US-Soul-Music aufgeschlagen. Sein aktuelles Album “Human Decency” verbindet die Elemente aus klassischen und modernen Soul-Blues-Melodien mit rauen und funkigen R&B Vibes – eine Award-verdächtige Mischung und auf jeden Fall durch und durch eine echte “Soulman” Produktion.

Forty Below (2024)
Stil: Soul, Rhythm ’n’ Blues, Blues

Tracks:
01. Failing Upwards
02. Human Decency
03. Stuck Between
04. Strawberry Hill
05. Run For Cover
06. Dirty Rat
07. Ain’t That A Man
08. Hanky Panky Time
09. Aha

Sugaray Rayford
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Devious Planet

Markey Blue Ric Latina Project – Blue Eyed Soul – CD-Review

Dem Vorgänger-Album „Jumpin‘ The Broom“ des Markey Blue Ric Latina Projects hatte ich ja bereits ausführlich meine Bewunderung gezollt, jetzt liegt mit „Blue Eyed Soul“ der Nachfolger vor. Hinter dem Projekt steht das Ehepaar Jeannette Markey und Eric B. Latina, beides erfahrene Musiker, die sich über diverse andere Projekte kennen- und lieben gelernt haben und schließlich nun schon seit längerem gemeinsam zu Werke schreiten.

Während ich den letzten Longplayer noch im Southern Soul verortet hatte, geht es auf diesem Silberling eher in die klassische Richtung des bluesigen Souls, allerdings in der absoluten ‚Laidback‘-Variante. Tiefenentspannung ist größtenteils angesagt, meistens so sanft und geschmeidig, dass mir die gute Sade mit ihren smoothen Songs auch immer wieder im Kopf herumschwirrt.

Allein sechs der zwölf Tracks haben es auch wieder zu TV-Präsenz geschafft und selbst Stax-Gitarrenlegende Steve Cropper, hätte bei „Baby I’m Crying“ („I couldn’t get the song out of my head“) am liebsten direkt mitgezupft. Das beschriebene Terrain ist natürlich prädestiniert für Markeys tolle Stimme (die kann aber vermutlich wirklich alles singen)…, Latina, lässt dabei in typischer Manier seine transparenten E-Gitarrenklänge, untermalend, füllend oder filigran in Solo-Manier einfließen.

Die anderen Instrumente wie Drums, Bass, BGVs, Horns und Keys sind diesmal durch diverse weitere Musiker mehrfach und somit sehr variabel besetzt, wobei besonders die Keyboarder mit ihrem akzentuierten Spiel, als auch einige Bläserzutaten, ebenfalls einen entscheidenden Beitrag leisten.

Während Markey Blue dazu rät, sich beim Hören der Scheibe ein Glass Wein einzugießen, sich zurückzulehnen und sich von diesen chilligen Soul/Blues-Vibes berieseln zu lassen, würde ich dem eher träumerisch veranlassten Menschen auch den eiskalten Longdrink an Deck eines schönen Boots, das dem stimmungsvollen abendlichen Sonnenuntergang entgegensegelt, als Alternative ins Spiel bringen. Auf jeden Fall tolle höchstmelodische Soul-/Blues-Musik, um, wie auch immer, die Seele einfach mal baumeln zu lassen.

Soul O Sound Records (2024)
Stil: Blues / Soul

Tracks:
01. Crazy Without You
02. Raining Down On Me
03. So Much
04. Baby I’m Crying
05. Yes I Do
06. Set My Heart Free
07. When I Close My Eyes
08. Can’t Let You Go
09. Me Missing You
10. Come On
11. With You
12. What Am I Gonna Do

Markey Blue Ric Latina Project
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Carly Pearce – Hummingbird – CD-Review

Mit „Hummingbird“ veröffentlicht die aufstrebende Countrymusikerin Carly Pearce ihr viertes Studioalbum. Was soll man sagen, im Prinzip könnte man den Review zum Vorgänger „29: Written In Stone“ so gut wie komplett übernehmen, das neue Werk weilt exakt auf dem Weg weiter, der mit diesem mehr traditionell verwurzelten Longplayer eingeschlagen wurde.

Das Fundament bildet ihre klare ausdrucksstarke, bestens Country-kompatible Stimme und die wieder instrumentell ‚zaubernden‘ Nashville-Studiomusiker, welche die typischen Instrumente perfekt in Szene setzen. Es sägt, wiehert und fiept die Fiddle, die Dobro knarzt und raunzt, die Mandoline zirpt, das Banjo klackert blechern, Akustik- und E-Bariton-E-Gitarren untermalen, kratzen, grummeln und sliden, und das zu glasklar und modern abgemischten Sound, – herrlich!

Wobei wir auch schon bei einem ersten kleinen Unterschied angekommen wären, Pearce hat nämlich erstmals dem bewährten Team, bestehend aus Shane McAnally und Josh Osborne, auch in Sachen Produktion mit assistiert. In Sachen Songwriting war die Protagonistin wieder bis auf einen Track („Things I Don’t Chase“) bei allen Stücken beteiligt.

Pearce zur Intention des neuen Silberlings: „Ich habe in den letzten Jahren viel erlebt. Der Eintritt in ein neues Jahrzehnt hat eine Menge Reife, Wachstum, Herzschmerz und Heilung mit sich gebracht. Ich bin immer noch in der Entwicklung begriffen, aber diese Songs repräsentieren meine Ehrlichkeit, Verspieltheit und Offenheit, weiter zu wachsen.“

Dazu gehört es natürlich auch wieder, diverse textliche Giftpfeile in Richtung Ihres Ex, Michael Ray, abzuschießen (der Stachel des Ehe-Disasters scheint weiterhin tief zu sitzen), allerdings auch immer mit integrierter Selbstironie (u. a. bei  „Truck On Fire“, „Still Blue“, „Woman To Woman“)

Die Hihghlight-Songs aus meiner Sicht in einem durchgehend starken Gesamtwerk sind das herzzerreißende Duett mit Chris Stapleton bei „We Don’t Fight Anymore“, für das man eine Grammy-Nominierung einheimste, das Tex-Mex-umwehte „Woman To Woman“ (mit einem unterschwelligen Eagles-„Hotel California“-Esprit) und natürlich der abschließende episch-anmutende, höchst-atmosphärisch in Szene gesetzte Titelsong „Hummingbird“ zu dem Carly folgendes anmerkt:

„Als ich diesen Song schrieb, wusste ich, dass er der Titel des Albums sein sollte. Der Song spielt auf meine Bluegrass-Wurzeln an, erzählt aber auch textlich von der Reise, auf der ich mich befinde, um die Liebe zu finden.“

Also erneut viel Symbolik, aber auch toller Gesang und exzellente Musik auf Carly Pearces neuem Longplayer „Hummingbird“! Man darf sich schon jetzt auf die Live-Präsentation der neuen (und auch ihrer älteren Tracks) freuen, denn die hübsche Künstlerin (begleitet momentan noch Tim McGraw auf seiner Tour) wird sich im Februar des nächsten Jahres auch zu drei Terminen in Deutschland einfinden, wobei wir davon ausgehen, von ihrem Gig in der Kölner Kantine (17.02.2025) wie gewohnt berichten zu werden.

Big Machine Records (2024)
Stil: New Country

01. Country Music Made Me Do It
02. Truck On Fire
03. Still Blue
04. Heels Over Head
05. We Don’t Fight Anymore
06. Rock Paper Scissors
07. Oklahoma
08. My Place
09. Things I Don’t Chase
10. Woman To Woman
11. Fault Line
12. Pretty Please
13. Trust Issues
14. Hummingbird

Carly Pearce
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Oktober Promotion

Joanne Shaw Taylor – Heavy Soul – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seit 2009 hat die UK-Blues-Rock-Gitarristin Joanne Shaw Taylor mittlerweile ihr 9. Studioalbum aufgelegt: “Heavy Soul” ist ein bluesrockig-souliges Schwergewicht, ein Meisterwerk mit populärmusikalischen Einflüssen. Aufgenommen wurden die 10 neuen Eigenkompositionen wieder in Nashville, dieses Mal in den altehrwürdigen RCA Studios. Gelohnt hat es sich jedenfalls, Toningenieur und Freund Kevin Shirley (u. a. auch Iron Maiden, Aerosmith, The Black Crowes), der bereits 2016 beim Longplayer “Wild” die Regler bediente, wieder ins Boot zu holen.

Die aktuellen Stücke, angeführt vom Top-Blues Rock und musikalischen “Seelenöffner” “Sweet ‚Lil Lies”, besitzen ein energiegeladenes zeitgemäßes „Outfit“, das keine Langeweile aufkommen lässt. Unbändige, über die gesamte Tracklist verbreitete Spielfreude, treibt auch in “Black Magic” den Rhythmus der Boogie Gospel-Nummer kraftvoll voran und durchzieht, wie ein roter Faden den hitverdächtigen, melodischen Ohrwurm “A Good Goodbye”. “Wild Love” bringt in Ansätzen die legendäre, späte Fleetwood Mac-Magie temporeich in den Hörgenuss und begeistert im Titelsong mit großartigen, souligen Blues Rock erster Güte und dem Flair südstaatlich klingender E-Solo-Passagen.

In einem Interview zu ihrem Konzert in Pittsburgh schildert Taylor die Leidenschaft ihres Vaters für die Musik von Charley Patton (verst. 1934), die ihr von Kindesbeinen an den Blues vermittelte. Für die damals 13-jährige war es jedoch die eigene Begeisterung für die Spielweise von Stevie Ray Vaughan und Albert Collins, die bis heute ihre Gitarrenmusik beeinflusst. Bei “Devil In Me” werden diese ausgeprägten Southern-Inspirationen zum Selbstläufer, eine rasante Demonstration für modernen Südstaaten-Rock.

Die ausgewogene Zusammenstellung der Songs lässt auch Balladenliebhaber nicht zurück. “All The Way From America” und “Someone Like You” sind grandiose Beispiele für die Schönheit der Stilrichtung. Zu dieser Spitzenkategorie der auffallenden Titel erwächst “Drowning In The Sea Of Love” als Soul-Blues Rock erster Sahne. Insofern bleiben die powervollen Lyrics und souligen Melodien ebenfalls beim Abschlusstrack “Change Of Heart” auf diesem hohen Niveau und erinnern hier im Gesang etwas an die späte Tina Turner – ein schöner Ausklang der ausgereiften Produktion.

Die über die Jahre mit vielen Auszeichnungen geehrte Joanne Shaw Taylor hat mit “Heavy Soul” eben nicht eine sentimentale Seelenstimmung gemeint, sondern ein lockeres, sprühendes, immer wieder aufweckendes Werk hingelegt, das nun bei Joe Bonamassas Journeyman Records erscheint. Eine Scheibe, nicht nur für soulig geneigte Blues-Fans moderner Interpretationen – ganz im Gegenteil ist “Heavy Soul” für alle ein Must-Have-Album, die musikalische Ideenwelt und kreative Gitarrenkunst auf der Basis von Roots Music lieben.

Journeymen Records (2024)
Stil: Blues Rock, Roots Rock

Tracks:
01. Sweet ‚Lil Lies
02. All The Way From America
03. Black Magic
04. Drowning In A Sea Of Love
05. A Good Goodbye
06. Heavy Soul
07. Wild Love
08. Someone Like You
09. Devil In Me
10. Change Of Heart

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Quinn Sullivan – Salvation – CD-Review

Quinn Sullivans Werdegang war nach dem Geschenk der ersten E-Gitarre in ganz jungen Jahren, wie sooft bei Musikern in den Staaten, im Prinzip schon vorprogrammiert, lediglich die Richtung, mutet angesichts der Tatsache, dass sein Vater über 30 Jahre Schlagzeuger in einer Grateful Dead-Coverband war, vielleicht etwas überraschend an.

Hier spielte dann doch der berühmte ‚Kommissar Zufall‘ eine gewisse Rolle, und zwar ein persönliches Treffen, mit Blues-Legende Buddy Guy nach einem Konzert, der den jungen talentierten Burschen fortan unter seine Fittiche nahm und viele Jahre in seine Tournee-Band integrierte.

Mittlerweile wandelt Quinn schon seit Längerem auf eigenen Pfaden und veröffentlicht jetzt mit „Salvation“ seinen bereits fünften Longplayer. Produziert hat der Multiinstrumentalist John Fields (Jonas Brothers, Pink, Har Mar Superstar), das Songwriting teilten sich Sullivan, Fields und Kevin Bowe (Jonny Lang, Kenny Wayne Shepherd, Etta James).

Die Eröffnung mit den beiden starken „Dark Love“ und „Rise Up Children“, die besonders auch Southern Rock-Liebhaber überraschen werden, dem dazwischen platzierten dezent progressiven Titeltrack (mit etwas KWS-Flair) sowie dem treibenden, im Refrain Steely Dan-umwehten „Don’t Wanna Die Today“ (mit grandioser E-Gitarrenpassage) beginnt zunächst fernab aller Radioambitionen.

Erst mit dem folgenden „Once Upon A Lie“ (mit schon fast an Bee Gees erinnernden Falsetto-Gesangsparts), über die die herrlichen „Leave No Love Behind“ und „Eyes On Me“ (beide mit unterschwelligem Eagles-Touch), das an gute alte Stretch-Tage erinnernde, funkige „Nothin‘ Gonna Change My Mind“ bis zum beatlesken „Half My Heart“ weitet Quinn das Spektrum in deutlich kommerziellere Gefilde aus.

Zum Schluss gibt es dann als Zugabe mit „Eyesight Of The Blind“ noch ein Live-Stück, wo der 24-Jährige samt seiner Band nochmals seine Rock-und Gitarren-Qualitäten zelebriert. Mann, was für eine E-Gitarrenpower!

Die Fähigkeit, knackigen Blues Rock mit radiotauglichen Hooklines und vielen filigranen und quirligen E-Soli zu kombinieren, auf der britischen Seite von Acts wie Aynsley Lister, Ben Poole, Laurence Jones vortrefflich repräsentiert, wird auf amerikanischer Ebene von Künstlern wie John Mayer, Kenny Wayne Shepered, Jonny Lang, aber auch jetzt wieder hier durch Quinn Sullivan mittels seines 5. Albums „Salvation“ fast schon lehrbuchmäßig vorgeführt.

Sullivan gelingt es mit Bravour, den Schmerz, verursacht durch den Verlust der Mutter, auf künstlerische Art und Weise zu verarbeiten und in positive Energie umzuwandeln. Dabei lässt er den Hörer an rockigen und melodischen Songs und vor allem an seinem exzellenten E-Gitarrenspiel teilhaben.

Der in New Bedford, Massachusetts, lebende Musiker selbst über sein Werk: „Meine Mutter hat mich bei dieser Platte begleitet. „Ich bin kein religiöser Mensch, aber Erlösung (Salvation) bedeutet für mich, sich selbst vor einer traumatischen Erfahrung zu bewahren. Das ist es, was dieses Album für mich getan hat. Diese Platte hat mich gelehrt, keine Angst davor zu haben, so zu sein, wie ich bin, die Stärke meiner Mutter durchdrang mich und gab mir das Selbstvertrauen, mich hinzusetzen und die beste Platte aufzunehmen, die ich machen konnte.“

Zu erwähnen ist auch das gelungene Cover Artwork des Klapp-Digipaks (samt eingelegtem Steckbooklet mit allen Songtexten) mit tollen Bildern des Protagonisten auf einer Klippe vor malerischer Meeres-Sonnenuntergangskulisse, sowie weiteren starken atmosphärischen Einzel-Aufnahmen des Künstlers.

Mascot Label Group (2024)
Stil: Blues Rock

01. Dark Love
02. Salvation (Make Me Wanna Pray)
03. Rise Up Children
04. Don’t Wanna Die Today
05. Once Upon A Lie
06. Better In Love
07. Leave No Love Behind
08. I Can’t Stay (& You Can’t Go)
09. Nothin‘ Gonna Change My Mind
10. Eyes On Me
11. Half My Heart
12. Eyesight Of The Blind (live)

Quinn Sullivan
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Mascot Records
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Jesse Dayton – The Hard Way Blues – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Jesse Dayton wuchs im Südosten von Texas auf. Da liegt es nahe, dass er von Blues, Rockabilly, Country, aber auch vom Punk und Gothic geprägt wurde. Und die meisten dieser Einflüsse finden sich natürlich auch auf seiner neuen Scheibe „The Hard Way Blues“ wieder. Und sie machen es schwierig seinen Stil in eine bestimmte Schublade zu packen. Es ist weder reiner Blues oder Blues Rock, noch Country oder Americana, noch ist es Texas Blues, aber eine wilde, mitunter dreckige, Mischung aus alledem, wobei allerdings die Countryeinflüsse auf dieser Scheibe gefühlt überwiegen.

Irgendjemand hat für diesen wilden Stilmix mal den Begriff „Outlaw Country“ geprägt. Ein Stil also, der sich an keine gewohnten Konventionen hält und die Grenzen der Genres vermischt. Genau deshalb strahlt Jesse Daytons neues Album, das er innerhalb von nur einer Woche aufgenommen hat, wohl so viel Drive und pure Energie aus.

„The Hard Way“, der titelgebende Opener der Scheibe zum Beispiel, fängt relativ harmlos an, brennt dann aber in einem hochfrequenten Rhythmus ein Rock’n’Roll-Feuerwerk mit knallharten 70‘er Jahre-Riffs ab. Ähnlich ist auch „Night Brain“ mit einem gefälligen Fingerpicking-Intro konzipiert, sich dann aber im weitern Verlauf zu einem dreckig, schrammeligen Song entwickelt. Ruhiger, aber nicht weniger eindringlich, geht es anschließend mit „Talkin‘ Company Man Blues“ weiter, der übrigens auch im Refrain durch einen tollen Hintergrund Chor besticht.

Richtig fröhlich geht es in dem Country-Song „Baby‘s Long Gone“ zu. Mit kraftvoller Dynamik, Rock‘n‘Roll Hooks und dezenten Chicago Blues-Elementen hingegen präsentiert sich „Novasota“, während „Ballad Of Boyd Elder“ eine schöne Ballade mit Countryflair ist, aber dennoch rockig und energiegeladen daherkommt. Und im bittersüßen „Angel In My Pocket“ beweist Jessy Dayton seine Qualitäten als Liedermacher an der Akkustikgitarre. Melodiös und beschaulich mit Countryzutaten ausgestattet, geht der Longplayer sodann mit „Huntsville Prison Rodeo“ weiter, was seine Fortsetzung im balladesken „Esther Pearl“ findet. Zum guten Schluss wartet die Scheibe dann noch mit „God Ain’t Makin’ No More Of It“, einem rockig-harten Rausschmeißer mit leichter Boogie Woogie-Attitude auf.

„The Hard Way Blues“ hat mich total fasziniert. Die abwechslungsreiche Platte weist so viele kraftvolle Sounds und rockige Tracks auf, gepaart mit reichlich Countryeinlagen, dass es eine Freude ist, sie nicht nur einmal zu hören. Jesse Dayton zeigt sich zudem nicht nur als Gitarrenvirtuose, sondern auch als eloquenter Geschichtenerzähler. Das Album bekommt von mir daher eine absolute Kaufempfehlung. Ab dem 31. Mai ist es im Handel.

Blue Élan Records (2024)
Stil: Blues Rock & More

Tracks:
01. The Hard Way
02. Night Brain
03. Talkin‘ Company Man Blues
04. Baby‘s Long Gone
05. Navasota
06. Ballad Of Boyd Elder
07. Angel In My Pocket
08. Huntsville Prison Rodeo
09. Esther Pearl
10. God Ain‘t Makin‘ No More Of It

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Henrik Freischlader – 26.05.2024 – Zeche, Bochum – Konzertbericht

Pünktlich um 18 Uhr betritt Henrik Freischlader mit seiner Band die Bühne in der anständig gefüllten Zeche in Bochum. Die Besetzung der Band mag für manche Fans etwas überraschend sein. Mit Hardy Fischötter an den Drums und Rene Pütz am Bass schrumpft die Band im Vergleich zu den letzten Jahren zu einem Trio, wie schon bei Lash, eine der ersten Bands, als Freischlader damals auch mit Pütz Anfang der 2000er Jahre Musik machte.

Fischötter und Pütz legen dabei einen Rhythmus vor, der Freischlader alle Spielräume gibt, sich an seinen Gitarren auszulassen. Mehrfach erhält er für seine Soli verdienten Szenenapplaus vom Publikum. In der Setlist spannt er einen Bogen aus seiner Anfangszeit mit „Dissapointed Woman“ bis zum letzten Album mit „Free“.

Herausragend aus einem starken Konzert sind die letzten drei Songs. Das epische „The Sky Is Crying“ läutet gewissermaßen das ‚finale furioso‘ ein. Beim etwa 20-minütigen „Breakout“ mit jammenden Phasen verlässt Freischlader nach einigen Minuten die Bühne und überlässt diese seiner Band.

Pütz legt ein, über mehrere Minuten gehendes Bass Solo hin, was von den Fans mit entsprechenden Applaus belohnt wird. Fischötter begleitet das Solo seines Kollegen zunächst eher dezent, danach selbst zu zeigen, was an den Drums möglich ist. Als Freischlader die Bühne wieder betritt, kehrt das Trio wieder ins Thema des Songs zurück und beendet unter dem Applaus der Fans zunächst den Gig.

Lautstarke Zugabeforderungen lassen das Freischlader & Co. schnell wieder auf die Bühne zurückkehren, um mit einer Eextended Version von „Bad Dreams-Wolkenwinde“ einen tollen Blues-Abend in der Zeche abzuschließen. Einen nicht unerheblichen Anteil an dem gelungenen Abend, der Wolfgang Stolt von Impuls Promotion ein Lächeln ins Gesicht zauberte, haben auch der Mischer, der für einen transparenten Sound sorgte und der Lichttechniker, der mit abwechslungsreichen Effekten die Musiker klasse ausleuchtete.

Line-up:
Henrik Freischlader– lead vocals, guitars
Rene Pütz – bass
Hardy Fischötter – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Impuls Promotion
Zeche, Bochum

Celso Salim & Darryl Carriere – About Time – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Der brasilianische Gitarrist Celso Salim und der kalifornische Harpspieler Darryl Carriere blicken beide auf eine schon lange währende Musikerkarriere zurück. Celso Salim arbeitete im Laufe seines Musikerlebens bereits mit zahlreichen Größen des Musikgeschäftes zusammen, darunter B. B. King, Deep Purple, Canned Heat, John Hammond und Joe Bonamassa, um nur ein paar Namen zu nennen und es gibt inzwischen 6 Soloalben von ihm. Darryl Carriere ist seit seiner frühen Jugend der Mundharmonika verfallen und spielte u. a. mit Billy Preston, Robbie Krieger von den Doors und Corey Stevens und dem legendären Schlagzeuger Gary Mallaber (Van Morrison und Steve Miller Band).

Auch zusammen sind die beiden seit mehr als zwanzig Jahren unterwegs, mit „About Time“ präsentieren sie jetzt aber erstmals auch ein gemeinsames Album. Für den nötigen Drive und Rhythmus sorgen auf der Scheibe David Kita am Schlagzeug und Mike Hightower am Bass, bekannt von seiner Arbeit bei „Johnny Mastro & The MB‘s und „The 44‘s“.

Die zehn Originalsongs auf der Scheibe umfassen eine bunte Mischung an teils traditionellen Blues-Tunes („In Your Arms“, „Here With You“), abgeschmeckt mit Rock‘n‘Roll-Anleihen („Sweet Thing“, „Sadie“), Countryelementen („With My Friends“, „Make You Mine“) und mitunter leichten Souleinflüssen („Please Stop“, „Get Along“), sowie Chicago Blues- Klängen („BBQ“, „Love On A Shelf“, „Get Along“).

Das von Mike Hightower und Celso Salim produzierte Werk ist durch die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse echt abwechslungsreich. Und durch die vielfach leicht und fluffig daherkommenden Tracks verbreitet es zudem jede Menge gute Laune, zu der sicherlich auch die stimmigen Lead Vocals, vor allem von Darryl Carriere, beitragen. „About Time“ ist dafür gemacht, und hat es auch verdient, nicht nur nur ab und zu, sondern wirklich des Öfteren angehört zu werden, gern auch in Dauerschleife.

Wide Tracks Recordings (2024)
Stil: Blues

Tracks:
01. BBQ
02. Sweet Thing
03. Please Stop
04. In Your Arms
05. Here WithYou
06. With My Friends
07. Get Along
08. Love On A Shelf
09. Sadie
10. Make You Mine

Celso Salim & Darryl Carriere
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