Eine gute Woche nach dem schönen Carly Pearce–Gig führte uns die Reise in Sachen SOUND OF NASHVILLE erneut nach Köln, diesmal zu Drake Milligan mit der schweizerischen Vorgruppe Florian Fox & Fox Band im altehrwürdigen GLORIA mitten in der Innenstadt.
Die Eidgenossen waren uns ja lange Zeit in Sachen Country-Musik mit ihren tollen Festivals (u. a. in Gstaad) weit voraus. Musikalisch sind mir da eher Hard Rock-Acts wie Krokus oder Gotthard bekannt, Florian Fox und seine Begleitband waren eher unbekanntes Terrain. Nicht zuletzt dank der o. a. Reihe ist die Welle der Begeisterung mittlerweile zu uns herübergeschwappt und die involvierten Künstler und Interpreten erfreuen sich auch bei uns immer größerer Beliebtheit.
So war dann auch für Drake Milligan und seinem Support mit rund 600 Leuten im ausverkauftem Haus der passende Rahmen hergerichtet.
Übrigens eine schöne Story am Rande: Ich kam vor Konzertbeginn mit einem neben mir stehenden Besucher ins Gespräch. Der erzählte mir, dass er aus dem Westerwald angereist sei und vorher noch seine Tochter zum parallel stattfindenden Pitbull-Gig in der ausverkauften Lanxess-Arena abgeliefert hätte. Ich sagte spontan: „Tja, Erziehungsauftrag deutlich verfehlt!“ Er erwiderte schlagfertig: „Ja, aber nur zu 50 Prozent“ und verwies dann stolz auf seinen Sohn, der links neben ihm stand!
Aproppos Support: Florian Fox & Fox Band passten als Einstimmung ganz gut zum Protagonisten des Abends, da die Combo in einem ähnlichen Neo-Country-Traditional-Stil unterwegs ist.
Der engagierte Fronter Florian Fox gab sich alle Mühe, die Audienz schonmal auf Betriebstemperatur zu bringen. Das Quartett hatte seine brandaktuelle EP „True Love‘ mit im Gepäck, aus der dann naturgemäß Stücke (u. a. „Friday Night“, „Toxic Fascination“) vorgestellt wurden.
Hingucker waren dabei der wuchtige Contrabass, bedient von Nicolas Adam, der dann erst gegen Ende zum Elektrobass umschwenkte. Gitarrist Rich Harpur glänzte mit vielen quirligen E-Soli und Leader Florian Fox überraschte noch mit einer doppelhändigen Harp-Solo-Showeinlage (mit jeweils einer Mundharmonika in der linken und rechten Hand im Wechsel).
So erhielt das schweizerische Ensemble in einer kurzweiligen halben Stunde auch seinen verdienten durchgehenden Applaus.
Line-up Florian Fox & Fox Band: Florian Fox (lead vocals, acoustic guitar, harp) Rich Harpur (electric guitar, vocals) Nicolas Adam (bass, vocals) Kaspar Hafner (drums)
Nach ca. einer halben Stunde Umbaupause ging es dann mit dem Hauptact Drake Milligan und seinen Begleitmusikern weiter. Der Sonnyboy, gebürtig aus aus Arlington, Texas stammend, schien den Wind des letztjährigen Country2Country-Festivals in eigener Sache mitgenommen zu haben, das Besucherinteresse bei seinem ersten Headliner-Auftritt spricht da schon Bände.
In mein Leben ist er erst mit seiner Kurz-EP „Jukebox Songs“ eingetreten. Der junge Bursche ließ von Anfang an, keine Zweifel an seinen Entertainer-Fähigkeiten aufkommen und gab direkt mit dem Carl-Perkins-Cover klar zu erkennen, warum er für diverse Elvis-Verkörperungen und bei einigen Kontests zur ersten Wahl zählte.
Er nahm mit seiner kommunikativen Art die Leute sofort mit und hielt die Stimmung eigentlich auch von vorne bis zur Endphase, die angesichts von insgesamt 26 performten Tracks dann auch ohne Zugabe auskam. Für mich als nicht geborener Neo-Traditionalist waren deswegen auch ein paar, am Ende aber verschmerzbare Längen (zum Beispiel was das integrierte Medley anging) damit verbunden.
Als weiterer Blickfang und Aktivposten neben dem stark aufspielenden Gitarristen Ryan DeMers (der ähnelte mit seinem dunklen Schnäuzer und der wehenden Haarpracht zumindest äußerlich dem jungen Carlos Santana), entpuppte sich die blondmähnige Kelly Hagan mit diversen gekonnten Fiddle-Einlagen.
Zu meinen klaren Favoriten zählten von daher auch eher die locker ins Ohr fließenden, melodischen Schunkler wie „Over Drinkin‘ Under Thinkin'“, „Jukebox Songs and Barstool Beers“, der Ohrwurm des aktuellen Werkes „What I Couldn’t Forget“, „Cowboy Kind of Way“ (mit schönem atmosphärischen Chis Isaak-Flair) und das fluffige „Kiss Goodbye All Night“.
Zum Abschluss verabschiedete sich Drake samt seiner Musiker mit dem launig country-rockenden „Sounds Like Something I’d Do“ und ging nochmals händeschüttelnd durch die Besucher-Frontreihe. Von diesem talentierten Burschen wird, da war ich mir am Ende sicher, in Zukunft noch einiges kommen.
Line-up Drake Milligan: Drake Milligan (lead vocals, acoustic guitar) Kelly Hagan Fiddle Ryan DeMers (electric guitar, vocals) Adam Story (keys) Kramer Sell (drums, vocals) Clay Sell (bass)
Kip Moore ist ja von Beginn an ein gern gesehener Interpret in unserem Magazin. Mit „Solitary Tracks“ veröffentlicht das ehemalige Golfsporttalent sein nunmehr 6. Studiowerk, gefüllt mit satten 23 Tracks und setzt in diesem, noch recht jungen Jahr damit die erste große Duftmarke im New Country-Bereich, zumindest, was Alben betrifft,
Moore, mittlerweile mit neuem Label, unter der Virgin Music Group-Flagge unterwegs, bleibt dabei seinem immer melodischen Mix aus Pop, Rock und Heartland-Anleihen mit ergänzender Country- und Southern-Note treu und liefert einen durchweg kurzweiligen Gang durch seine aktuelle Gefühlswelt, bestimmt von inniger Nachdenklichkeit, aber immer auch mit dem Blick nach vorne gerichtet.
Auffällig ist aus meiner Sicht, dass Kip immer wieder Inspirationen bei altgedientem Liedgut gesucht zu haben scheint, um diese dann in eigenständige Kreationen abzuwandeln.
Da schimmern, aber wirklich dann auch sehr gekonnt und dezent, klassische Acts wie die Stones („Pretty Horses“, „Take What You Can Get“) , U2, The Hooters, Smokie, Bryan Adams („Love And War“), („Tough Enough“), Lou Reed („Livin‘ Side“), Charlie Daniels („Alley Cat“, „Live Here To Work“) bis sogar zum guten David Bowie („Only Me“) durch, als die Musikwelt noch etwas übersichtlicher als heute war.
Die Hoffnungen, die Moore mit dem neuen Werk vermutlich verbindet, dürften zurecht hoch angesiedelt werden, bester Beweis ist direkt der mit springsteenscher Dynamik vorgetragene Opener „High Hopes“.
Kurze Zeit später folgt mit dem melancholischen „Pretty Horses“ schon einer meiner Lieblingstracks, getragen von einer Akustikgitarre, kombiniert mit schwermütigen Piano-Moll-Klängen und einem grummelnden Cello. Hat ein wenig was von „Wild Horses“ der Stones.
In „Bad Spot“ und „Rivers Don’t Run“ sehe ich die Kandidaten mit großem Chartpotential. Einer meiner weiteren persönlichen Favoriten ist „Southern Son“, bei dem der Protagonist einen pathetischen Abgesang auf seine eigene Person zelebriert.
Die Southern-Fans bekommen mit den in Charlie Daniels-Manier stampfenden „Alley Cat“ (erinnert ein wenig an „Long-Haired Country Boy“) und „Live Here To Work („Trudy“-Aufbau, starkes psychedelisches E-Gitarrensolo zum Ausklang) und dem southern-soulig dahin preschenden „Good Things Never Last“ (James Brown meets The Black Crowes) überwiegend im zweiten Abschnitt ihre Dosis Musikglück.
Noch bevor seine Klientel im Sommer Kip Moore in den Staaten (dort zusammen mit Billy Currington) live erleben kann, steht jedoch erstmal Europa auf dem Spielplan. Wie schon vor geraumer Zeit in der Kantine, wird diesmal, im Rahmen der hochgesteckten Hoffnungen, das größere E-Werk in der Domstadt ins Visier genommen, wobei das neue Album bei der Trackliste sicherlich eine übergeordnete Rolle spielen wird.
Fazit: Kip Moore legt mit dem von Jaren Johnsten (The Cadillac Three), zum Teil in Zusammenarbeit mit James Joyce produzierten “Solitary Tracks“ die Latte in Richtung Konkurrenz sehr hoch und sorgt im New Country-Genre (und vielleicht sogar darüber hinaus) für den ersten großen Paukenschlag des Jahres! Klare Kaufempfehlung!
Virgin Music Group (2025) Stil: New Country / Southern Pop / Heartland Rock
Tracklist: 01 High Hopes 02 Solitary Tracks 03 Pretty Horses 04 Livin’ Side 05 Around You 06 Half Full Cup 07 Bad Spot 08 Straight Line Boots 09 Rivers Don’t Run 10 Burn 11 Like Ya Stole It 12 Southern Son 13 Learning As I Go 14 Alley Cat 15 Live Here to Work 16 Love And War 17 Flowers In December 18 Forever Is a Lie 19 Wildfire 20 Tough Enough 21 Good Things Never Last 22 Take What You Can Get 23 Only Me
Nach Kontaktaufnahme mit Jill Kremer von a.s.s.concerts in Hamburg war das Interview mit Andy Powell schnell und problemlos organisiert. Wie immer war die Zusammenarbeit mit Jenny Dore vom PIANO perfekt. Nach unserer Begegnung begaben sich ein äußerst freundlicher Andy Powell, Gernot Mangold und Andre Wittebroek backstage, für das Interview mit Andy Powell.
Interview: – Wishbone Ash wurde 1969 gegründet und existiert noch immer, wobei sie volle Säle füllen. Gibt es dafür einen bestimmten Grund, wie macht ihr das? Andy Powell:Das liegt daran, dass wir doch einen einzigartigen Sound mit unseren Doppelgitarren haben. Wir sind auch eine echte Live-Band und haben immer einen guten Kontakt zu den Fans, die für uns am wichtigsten sind. Ohne Fans würden wir nicht existieren. Unser Herz steckt in unserer Musik, und daher entsteht immer eine hervorragende Chemie zwischen Band und Fans. Die Resonanz bei Auftritten ist stets großartig, wir genießen das ungemein, und dafür machen wir es. – In den 55 Jahren gab es natürlich Besetzungswechsel, und du bist das einzige Originalmitglied. Ist es schwierig, adäquate Ersatzleute zu finden, und wie findest du sie? Andy Powell: Auf Tour trifft man viele Musiker und sieht Leute, die definitiv für die Band geeignet wären. So habe ich zum Beispiel Ben Granfelt entdeckt, einen wahnsinnig guten Gitarristen, der wirklich alles spielen kann und einmal mit den Leningrad Cowboys für uns eröffnete. Er hat vier Jahre bei uns gespielt. Ich mag keine Auditions; meistens melden sich die Leute bei uns, ob sie einmal mitspielen dürfen, wenn es einen Platz gibt. Aber wir haben schon seit geraumer Zeit eine feste Band. Bassist Bob Skeat ist bereits seit 1998 dabei und Gitarrist Mark Abrahams auch schon seit Jahren. – Du bist bekannt für deine Gitarre, die Flying V. Du spielst sie von Anfang an. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Andy Powell:: Es begann so: Ich war in einem Gitarrenladen und sah Flying Vs. Ich nahm eine von der Wand, schloss sie an, und sie klang fantastisch – seitdem bin ich dabei geblieben. Die Gibson Firebird ist meine Gitarre. Das gesamte Argus-Album habe ich damit eingespielt, und dieses Album ist auch unser erfolgreichstes und wurde zum Best British Album Of The Year gewählt. Mit dieser Gitarre hatte ich nie Probleme, warum also ändern? Sie hat einen charakteristischen Klang, der zu Wishbone Ash gehört, und Argus ist das beste Beispiel dafür. Sie ist auch so etwas wie ein Symbol für Wishbone Ash. Sie war außerdem ein Vorbild für andere Gitarristen, wie zum Beispiel Michael Schenker. – Albert King war ebenfalls für seine Flying V bekannt. Ein Vorbild für dich? Andy Powell: Natürlich, ich bin ein großer Fan von ihm. Von Peter Green auch, und von Richard Thompson. Außerdem natürlich Stevie Ray Vaughan. Ein fantastisches Album ist In Session von diesen beiden. B.B. King, Sonny Landreth mit seinem Slidespiel und eigentlich alle klassischen Bluesmusiker – besonders wenn man jung ist und anfängt zu spielen, wird man von solchen Vorbildern beeinflusst. Wenn man dann seinen eigenen Stil entwickelt, hat man einen eigenen Sound und unterscheidet sich vom Rest. Ein Ton und man weiß, es ist B.B. King. Großartig! – Das Markenzeichen von Wishbone Ash ist der doppelte Gitarrensound. Immer in derselben Besetzung gespielt – keine Orgel, keine Bläser, keine Backgroundsängerinnen. Man sieht zum Beispiel, dass Joe Bonamassa oder Danny Bryant das später machen, ihr aber nicht. Ihr wart doch auch ein Vorbild für andere Bands mit diesen zwei Leadgitarren. Andy Powell: Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Ich habe in der Band Dekois begonnen, die ebenfalls zwei Leadgitarren hatte. Und damals war es zu teuer, eine Orgel mitzuschleppen, ebenso Bläser. Wir versuchten, das Fehlen einer Orgel durch einen Gitarrensound zu kompensieren. In jener Zeit hörte ich viel Soul, wie Sam and Dave, Otis Redding, Motown – in dieser Musik stecken viele coole Riffs, die ich dann verwendete, zum Beispiel in „Blind Eye“. Ich würde unsere Musik als bluesigen, kraftvollen, melodischen Rock beschreiben, mit etwas Psychedelic und Jazz, meist in längeren Songs umgesetzt. Die Texte, die ich schreibe, handeln von allem Möglichen, vom Leben, und sind manchmal etwas philosophisch und offen. Keine Liebeslieder mit Texten wie: „Ich bleibe dir treu mit deinen so blauen Augen“ usw. Ich bin ein Beobachter und sehr an Geschichte interessiert, etwa dem Zweiten Weltkrieg oder dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Ich reise gerne, und meine Erfahrungen sowie das Philosophische, die Hintergründe, fließen oft in meine Texte ein. Wie du sagst, haben wir ganz sicher andere Bands beeinflusst. Lynyrd Skynyrd sahen uns in Südamerika und waren sehr beeindruckt. Ihr Klassiker „Freebird“ ist eng verwandt mit unserem Song „Phoenix“. Thin Lizzys „The Boys Are Back In Town“ und Steely Dans „Reelin’ In The Years“ sind ebenfalls mit einem unserer Songs verwandt. Iron Maiden sah uns auch als Vorbild. Thin Lizzy sah uns bei einem Auftritt in Irland, und Phil Lynott sagte zu uns: „Wir brauchen diesen Sound auch!“ Darauf sind wir sehr stolz. – Was hältst du von der aktuellen Musikszene? Es ändert sich viel. Andy Powell: Trotzdem großartig. Durch die modernen Medien hat man jetzt Zugang zu viel mehr Musik. Es ist ein riesiger Markt geworden. Veränderungen gab es schon immer: als die elektrische Gitarre kam, der Aufstieg der House-Musik, R&B. Als Band muss man heutzutage von Live-Auftritten und dem dazugehörigen Merchandise leben. Zum Glück sind wir eine echte Live-Band, haben viele Auftritte, und dann läuft es. Deshalb sind Vertrauen und eine gute Beziehung zum Publikum sehr wichtig. Wie hier im PIANO – wir kommen seit Jahren jedes Jahr im Januar oder Februar hierher, immer ausverkauft. Wir geben immer alles; die Leute wissen, was sie erwarten können: eine Band, die Vollgas gibt und Spaß hat, und das überträgt sich aufs Publikum. Eine perfekte Symbiose! – War es in eurer Anfangszeit schwierig, an einen Plattenvertrag zu kommen, wo es doch so viele aufstrebende Bands gab? Andy Powell: : Da gehört oft eine Portion Glück dazu, eine Art Sprungbrett. Bei uns passierte Folgendes: Wir hatten einen Auftritt mit Deep Purple. Ritchie Blackmore spielte sich gerade ein, und ich stand hinter ihm und spielte mich auch auf meiner eigenen Ausrüstung ein. Er spielte etwas, und ich spielte mit, ohne dass er wusste, dass ich da war. Wir fingen an zu jammen. Ritchie war beeindruckt und fragte, ob wir einen Plattenvertrag hätten. Den hatten wir nicht. Daraufhin sagte er, er kenne jemanden bei MCA International Records in Los Angeles, und so bekamen wir dort einen erstklassigen Deal. Das war für das Marketing großartig, denn da wir in Amerika unter Vertrag waren, konnten wir weltweit promotet werden und überall auftreten. Die meisten britischen Bands hatten einen Vertrag in Europa, und das verlief viel zäher. Leider hat unser damaliger Manager die Rechte an unserer Musik an MCA verkauft, und wir verdienen heute fast nichts mehr daran. – Machst du neben Wishbone Ash noch andere Dinge? Andy Powell: Vor Kurzem noch mit einer Band aus der Bretagne, die keltische Musik macht. Wir haben in der Die Kantine in Köln eine DVD und CD aufgenommen, mit akustischer Musik, Geige, Mandoline, Gitarre – etwas ganz anderes. – Ich las, dass eine Box mit 11 CDs herauskommt, samt einem 72-seitigen Buch. Alles Aufnahmen von der BBC. Stimmt das? Andy Powell: Ja, sicher. Alle Aufnahmen sind perfekt bearbeitet und die Qualität ist hervorragend. Es werden nur 1500 Exemplare auf den Markt kommen, und sie kosten, glaube ich, 1500 Pfund. Ein Muss für den Liebhaber und Sammler. – Letzte Frage, denn du musst zum Soundcheck – sie haben schon angefangen. Diese Tour heißt „The Wish List Tour“. Fans konnten Songs einschicken, die sie gerne hören wollten. Gab es da Reaktionen? Andy Powell: : Auf jeden Fall, wir spielen also nicht immer dieselben Songs. Wir haben so viele Alben gemacht, es gibt eine riesige Auswahl, aber einige Klassiker wollen die Leute natürlich immer hören. – Dürfen wir dir ganz herzlich für dieses sehr angenehme Gespräch danken. Andy Powell: Gerne, und wenn das Interview fertig ist, schick es mir bitte zu. Und danke für den JB-Wein!! – Mach ich, ich lass dich wissen, wann es veröffentlicht wird.
Fragen: André Wittebroek (Blues Magazine) Fotos: Gernot Mangold (Sounds Of South)
Konzertnachlese: Im ausverkauften Musiktheater Piano überrascht Wisbone Ash auf ihrer „The Wish List“ Tour mit einer Setlist, die auch abseits der Top-Hits einige Songs beinhaltet, die fast in Vergessenheit geraten sind.
Mit dem Instrumental „Real Guitars Have Wings“ zelebrieren Andy Powell und Mark Abrahams direkt den Gedanken der Twin Guitars. Über „Outward Bound“, „(In All Of My Dreams) You Rescue Me“ und „Runaway“ geht es zu den Klassikern „The King Will Come“ und „Throw Down The Sword“, die in einer seltenen Härte gespielt werden, ohne dabei ihre bekannte melodische Struktur zu verlieren und sorgen sofort für eine begeisternde Stimmung.
Nach einem starken Intermezzo von „In The Skin“ und „In Crisis“ folgt einer der Höhepunkte des Abends. In einer 11-minütigen Version von „F.U.B.B.“, in der Andy Powell, den entfesselnd aufspielenden Mark Abrahams sprichwörtlich von der Leine lässt, sodass sich der Song zu einem regelrechten Gitarrengewitter entwickelt, steuern Bob Skeat am Bass und Mike Truscott an den Drums einen stampfenden Rhythmus bei.
Nach „Jailbait“ und dem live nicht so oft gespielten „Standing In The Rain“ beendet die Band mit „Blowing Free“ zunächst das Set, um noch drei Zugaben nachzulegen, die man nicht unbedingt auf der Liste hat. „Way Of The World“, Living Proof“ und „Peace“ runden einen ganz starken Gig von Wishbone Ash ab.
Im Vergleich zu den letzten Jahren wurde noch mehr Augenmerk auf jammende Phasen gelegt, in denen sich Powell und Abrahams gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln. Es ist erstaunlich, wie erfrischend die Musiker, insbesondere Andy Powell und Bob Skeat aufspielen, da Powell noch Anfang des Monats, wegen eines Infekts, einige Konzerte absagen musste.
Line-up: Andy Powell – guitar, vocals Bob Skeat – bass,vocals Mark Abrahams – guitar Mike Truscott – drums
Schöner Montag-Abend in der gutbesuchten Kölner Kantine. Die angesagte Nashville-Künstlerin Carly Pearce hatte den vornehmlich in Texas bekannten und sehr beliebten Red Dirt Singer-/Songwriter Wade Bowen als Support mit auf ihrer Europa-Tournee und dieser allein hätte ja eigentlich schon Hauptactambitionen gehabt.
Bowen, den wir ja vor Jahren bereits mal live im kleinen Blue Shell in der Domstadt erlebt hatten und mit dem wir damals auch ein Interview gemacht haben, betrat pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne und hatte um sich noch den Bassisten Caleb Jones sowie den filigranen Gitarristen Nick Gardner, der ihn 2022 auch schon begleitet hatte, versammelt.
Wade hatte im letzten Jahr wieder mit „Flyin‘“ ein starkes Album am Start, das aber überraschender Weise völlig außen vor gelassen wurde. Der Protagonist ließ dann zu den wunderbar klar klirrenden Akustikgitarren seine zum Dahinschmelzen raspelige Wohlfühlstimme bei Stücken wie u. a. „When Love Comes Around“ (Opener), „Til It Does“, „Sun Shines On A Dreamer“ auf die Audienz wirken. Die hatte dann spätestens nach dem autobiografischen „A Guitar, A Singer And A Song“ erkannt, was da für ein Musik-Juwel auf der Bühne performte und die bis dato glänzende Vorstellung mit punktgenau aufbrausendem Applaus honorierte.
Bowen, sichtlich gerührt, erwähnte noch, dass er Carly Pearce quasi beim Songwriting als Seelenverwandte schätze, da sie, wie auch er, ein Faible für eher traurige Songs besitze. Er legte dann noch seinen Billboard-Top-40-Hit „Saturday Night“ sowie das launige „Fell In Love On Whiskey“ zum Abschluss nach, wo auch Gardner und Jones noch mal so richtig ihre instrumentelle Klasse aufblitzen ließen. 40 Minuten akustischer Texas Red Dirt auf höchsten Niveau vergingen wie im Fluge. Bestnote für das ‚Wade Bowen-Trio‘!
Line-up Wade Bowen: Wade Bowen (lead vocals, acoustic guitar) Nick Gardner (acoustic guitar) Caleb Jones (bass, vocals)
Die Mitglieder der an diesem Abend involvierten Roadcrew schienen in der Vergangenheit allesamt auch schonmal in bürgerlichen Berufen gearbeitet zu haben. Ich deute Ihre schnelle und gute Arbeit jedenfalls als Empathiebeweis gegenüber Menschen wie mir, die am nächsten Tag in der Woche wieder früh aufstehen müssen.
Die Bühne war für Carly Pearce nämlich innerhalb von rekordverdächtigen 15 Minuten hergerichtet und so konnte das Mädel, ursprünglich aus Kentucky stammend, samt ihren Begleitjungens mit „Rock Paper Scissors“ gegen 21:00 Uhr sofort eine flott-rockige Nummer aufs Parkett legen.
Das folgende „Next Girl“ stand dann direkt als Blaupause für die enorme Chartkompatibilität ihrer, in der Regel selbst kreierten Tracks. Neben ihrem hübschen Aussehen (lediglich in Sachen Outfit ist vielleicht noch etwas Luft nach oben) und ihrer äußerst sympathischen Art, stand natürlich auch ihre ausdrucksstarke Stimme, als weiterer Baustein ihres Erfolges im Vordergrund, besonders beeindruckend im emotional besungen „I Don’t Fight Anymore“ dargeboten.
Apropos Begleitjungens: Die allesamt pfiffigen Burschen alias Daniel Johnson (drums) und Phil Noel (bass) als Rhythmussektion sowie der überragende Multiinstrumentalist Jon Aanstead (keyboards, acoustic guitar, fiddle, electric guitar, vocals) und der versierte Gitarrist Nick Huddleston (der bespielte gefühlt so ungefähr jedes derzeitig am Markt verfügbare Saiten-Modell im Laufe des Gesamtsets) trugen ebenfalls zum Gesamterfolg dieses schönen Abends bei. Klasse zum Beispiel beim launigen Schunkler „Still Blue“.
Eine tolle Geste von Carly in Richtung von Wade Bowen spielte sich danach beim herrlich zelebrierten „Louisiana Woman, Mississippi Man“ ab, als sie den Texaner zu einem tollen klassischen Country-Duett nochmals auf die Bühne zitierte. Aus meiner Sicht einer der Höhepunkte der Show!
Die immer wieder in ihren Tracks zur Schau gestellte Wut bezüglich ihrer gescheiterten Ehe mit Hallodri Michael Ray wurde dann in den Ansagen (der Stachel scheint trotz der mittlerweile vergangenen Jahre immer doch noch irgendwie zu sitzen) zu Liedern wie „Should Have Known Better“ und „29“ auch live, quasi als Lebenshilfe-Ratgeber für die vielen jungen anwesenden Damen im Publikum, nochmals thematisiert.
Und so verlief die Zeitspanne mit Liedern wie u.a. „Things I Don’t Chase“ „Woman To Woman“ bis zum finalen Track des Hauptteils „I Hope You Are Happy Now“ sehr kurzweilig.
Als Zugaben servierten dann Pearce & Co. noch „Oklahoma“ (akustisch gehalten) und „What He Didn’t Do“. Insgesamt wieder Mal eine tolle Werbung im Rahmen der Sound Of Nashville-Reihe, die inklusive des angenehmen Kölner Publikums am Ende alle als Gewinner zurückließ.
Und wenn selbst der eigentlich nicht so New Country-affine, fotografierende Kollege Mangold (der war in diesem Fall übrigens sehr über die vorbildlichen Arbeits-Bedingungen begeistert) dies als das beste Countrykonzert, das er bis dato gesehen hat, bezeichnet, dürfte wirklich alles gesagt sein!
Line-up Carly Pearce:
Carly Pearce (lead vocals, acoustic guitar, mandolin, electric guitar)
Jon Aanstead (keyboards, acoustic guitar, fiddle, electric guitar, vocals)
Daniel Weston Johnson (drums)
Phil Noel (bass, vocals)
Nick Huddleston (electric guitar, acoustic guitar, mandolin, dobro, vocals)
Paul Thorn hat im letzten Jahr die sechste Dekade seines Lebens abgeschlossen. Ein Album wie „Life Is A Vapor“ kann auch nur jemand machen, der auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurückblickt und weiß, wo er steht. Thorn nutzt das Album gleichsam als Rück- und Ausblick auf sein Leben. Bereits das Cover, gespickt mit Erinnerungsstücken sowie einem Grabstein, auf dem zwar das Geburtsdatum steht, das Todesdatum jedoch noch ausgespart ist, verbildlicht die Thematik des Werks.
Die Songstrukturen sind Old School, ohne angestaubt zu wirken. Die Titel haben einen wiedererkennbaren Chorus, was ich sehr begrüße. Gelegentlich wird eine Bridge und ein Gitarrensolo eingebaut wie beim starken „I’m Just Waiting“. Mehr braucht Thorn nicht, um seine Hörer einzufangen.
Das neue Album fällt rockiger aus als das vorangegangene „Never Too Late To Call“. Während auf der CD aus dem Jahr 2021 die Balladen überwogen, dreht Thron nun das Verhältnis um. Neben dem mit etwas Slide gewürzten Liebeslied „I Knew“ und dem akustisch gehaltenen, zum leichten Schunkeln einladenden Abschluss „Old Melodies“ finden sich zwar auch weitere Beiträge („Life Is A Vapor”, „Geraldine And Ricky“), die langsamer gehalten sind, der Grundtenor der Scheibe ist jedoch durch die flotteren Stücke geprägt. Diese werden mal ohne viele Schnörkel geradeheraus gespielt („I Love You Like A Cigarette“), mal geben Bläser den Stücken eine Prise Soul mit („Tough Times Don’t Last“, „She Will“).
Thorn verfolgt keine aggressive Spielart des Rocks. Die Songs scheinen Thorn locker von der Hand zu gehen und wirken entspannt, obwohl die Texte Tiefe haben. Die Lyrics sind dann auch der Punkt, die „Life Is A Vapor“ zu einem bemerkenswerten Longplayer machen. Die Geschichten und Gedanken sind aus dem Leben gegriffen und mit einer Prise Humor und überraschenden Einfällen gewürzt. Ein Beispiel aus „Chicken Wing“, das es mir besonders angetan hat, lautet: „I’m in the winter of my live. / I love my dog. I like my wife. /I wash the dishes. I sweep the floor. / I keep a 12 gauge behind the door.” Ich weiß nicht, ob Thorn einen Hund oder noch eine Frau hat, aber autobiographische Züge treten in den Texten auf. So verarbeitet er eine Erinnerung an seinen Mentor John Prine beim Titeltrack. Einen amüsanten Seitenhieb auf den gealterten Jackson Browne kann Thorn sich nicht verkneifen („Wait“). Wer im Glashaus sitzt …
Auch wenn das Leben nur Schall und Rauch ist, bleibt nichts übrig, als das Beste daraus zu machen und sich von Tiefschlägen nicht aus der Bahn bringen zu lassen. So könnte die Message lauten, die das Album des ehemaligen Profiboxers durchzieht. In Thorns Texten schwingt Gelassenheit und Zuversicht mit, die wahrscheinlich erst im gesetzteren Alter zu erreichen sind.
Für Paul Thorns „Life Is A Vapor“ kann eine uneingeschränkte Empfehlung für Hörer der reiferen Generation ausgesprochen werden. Das Album bietet gute Songs zwischen Americana und Rock, die der alten Schule folgen. Hervorragend sind die Texte, die Stories erzählen und dabei Lebensweisheiten mit einer Prise Humor verbreiten.
Prepetual Obscurity Records – Thirty Tigers/Membran (2025)
Stil: Americana/Rock
Tracks:
01. Tough Times Don’t Last
02. Courage My Love
03. She Will
04. Chicken Wing
05. Life Is Just A Vapor
06. Geraldine And Ricky
07. I’m Just Waiting
08. I Knew
09. Wait
10. I Love You Like A Cigarette
11. Old Melodies
Ich kenne, wenn ich ehrlich bin, eigentlich wenig Bassisten, die als Solokünstler explizit, im Mittelpunkt von Rock- und Bluesmusik-Alben stehen. Spontan fallen mir da Paul McCartney zu seinen Wings-Zeiten, Sting und Jack Bruce ein, aber dann hört es auch schon auf.
Im Fall des hierzu besprechenden Werks von Dean Zucchero ist das zwar offiziell dann so, eigentlich haben wir es mehr mit einem Konzeptalbum zu tun, wo Dean zwar die Musik bestimmt, beziehungsweise die Fäden zieht, aber insgesamt eher eine zurückhaltende Rolle einnimmt. Man kann also sagen, er gibt hier nicht nur an den vier Saiten, sondern auch imaginär den Groove vor.
Der Blues aus dem Süden mit all seinen Facetten ist der gemeinsame Nenner, die bei jedem Lied wechselnden Leadsänger mit ihren unterschiedlichen Stimmen vermitteln weiteren variierenden Unterhaltungswert. Wenn weiblicher Gesang, ob an der Front oder im Hintergrund, mit integriert ist, taucht immer wieder der Name Tiffany Pollack auf, die damit auch einen Stempel aufsetzt. Selbstredend, dass Dean auf diesem Werk ausnahmslos klasse-Musiker um sich versammelt hat.
Neben bekannteren Namen wie Victor Wainwright, Little Fredie King, Albert Castiglia ist mit Mike Zito der wohl prominenteste Interpret an Bord, der sich mit dem emotionalen Blues Rocker „Tone Of The City“ auch den besten Track des Werkes herausgepickt hat. Starker unter die Haut gehender Tobak, ist auch das eine wenig an Johnny Cash reminiszierende, unterschwellig countryeske Storytelling-Stück „Suicide For Jesus“, das von Dean (Bass) lediglich mit Ron Hotstream (lead vocals, guitars) in bewusst reduzierter Art performt wurde.
Insgesamt weiß man nach dem Hören der CD gut, woher Dean Zucchero seinen exzellenten Ruf in der Branche her hat. Das Album wäre aus meiner Sicht sehr gut als Soundtrack für einen Krimi oder ein Drama geeignet, das irgendwo rund um New Orleans spielt. Und falls nicht, ist „Song For The Sinners“ in jedem Fall eine sehr abwechslungsreiche und starke Blues & More-Scheibe, mit der es sich zu beschäftigen lohnt.
Pugnacious Records (2025) Stil: Blues & More
Tracks: 01. Biting Through 02. South Side 03. Lullaby 04. She’s Saturday Night 05. Crawfish No More 06. Shine 07. Tone Of The City 08. Mama’s Bottle 09. Never Fade Away 10. Cold Shot 11. Suicide For Jesus 12. Fowl Play
Seine drei vorhergehenden Alben („Snakes & Dust“, „Out In The Desert“ und „Steppenwolf„) hatte T. G. Copperfield als staubige Wüstentriologie inszeniert. Nun kehrt er mit “All In Your Head” zur härteren Blues-Rock Gangart zurück, ohne die Southern-Roots Orientierung zu vernachlässigen.
Den Aufschlag für das 10-teilige Set übernimmt der Titel “Mule” und verbreitet einen intensiven Vorgeschmack – ein Heavy-Rock-Stallgeruch, der unter die Haut geht. Sympathische Gitarren zünden ihre Riffs bei “I’m On My Way” und lassen die Handschrift ihres Songwriters aufblitzen. Nach dem ebenso starken “Have Mercy On Me” folgen ohne Mitleid, schweißtreibend und mächtig “Living On A Knife” und “Kicked Down By Love” und übernehmen die Regie über ein bis dahin Track-by-Track groovendes Kraftpaket.
Bevor die noch massivere zweite Hälfte der Scheibe einsetzt, lohnt sich ein Blick auf den Backkatalog der letzten acht Jahre: Elf Soloalben und das vorliegende Werk präsentieren in kurzen Abständen handgemachte Songs aus unterschiedlichen Stilrichtungen – auf einem Terrain, das hierzulande oft als schwierig gilt.
Copperfields beeindruckender Beitrag, sich immer wieder neu zu erfinden und mit propulsiver Kraft durchzustarten, ist rekordverdächtig. Hervorragend unterstützt wurde er auf “All In Your Head” vom Megaphon-Studios-Tonkünstler Martin Meinschäfer (u. a. Henrik Freischlader) sowie seinen Kumpanen von der Electric Band: Michael Hofmann (Drums), Claus Bäcker (Keyboards) und Don Karlos (Bass).
Hohe Ansprüche stellt Copperfield auch an seine Lyrics im Beiheft und befasst sich in den Stories u.a. mit der menschlichen Psyche, komplexen Gedankenspielen und infernaler Katastrophenstimmung. Ebenso anspruchsvoll sind die Themen, die er in leidenschaftliche, teils fast wütende Arrangements verpackt – untermalt von genau der richtigen Portion Gitarrenpower.
Charakteristisch für diese kraftstrotzende Inspiration des 45-jährigen Sängers und Gitarristen sind deutlich die letzten vier Songs der LP. Mit “Redemption Blues” – durchaus als früher CCR-Track geeignet – und “World War III” wird das Finale vorbereitet. Das Interesse daran belohnt allemal der Titeltrack des Albums – ein Southern Blues Rock mit meisterhaften E-Gitarren-Soli. Die Scheibe erfährt ihre abschließende Krönung mit einem Foot-Stomping-Finale, das sprichwörtlich abgerundet wird: “The Needle Hit The Groove” erinnert in klassischer Slow Blues-Interpretation sowie durch die Gitarren- und Piano-Spielweise an historische Fleetwood Mac feat. Otis Spann Aufnahmen – eine brillante Inszenierung mit ‚Wiederhörbedarf‘.
T. G. Copperfield hat es erneut spielend geschafft, die Vielfalt seiner musikalischen Schaffenskraft in einem Longplayer zu vereinen. “All In Your Head” ist ein großzügiges Studiowerk und einmal mehr der Versuch, uns mit seinen musikalischen Wertvorstellungen anzustecken. Längst etabliert, muss er seine Wurzeln auch im Storytelling nicht mehr beweisen – wohl wissend, dass ein rastloses Talent ebenso sein Publikum braucht. Die im März beginnende, ausgedehnte Tournee kommt mit “All In Your Head” am 5. April u. a. nach Köln und bietet dem Publikum ausgiebig Gelegenheit, ihn live zu sehen.
Timezone (2025) Stil: Blues, Blues Rock, Southern Rock
Tracks: 01. Mule 02. I’m On My Way 03. Not Your Game 04. Have Mercy On Me 05. Living On A Knife 06. Kicked Down By Love 07. Redemption Blues 08. World War III 09. All In Your Head 10. The Needle Hit The Groove
Der Hype um die Fernsehserie „Yellowstone“ kommt auch jüngeren Country-Musikern zugute. In der dritten Staffel ist Garrett Bradfords „This Way Of Life“ zu hören und so stieg der Song in die einschlägigen Charts ein. Von Kindesbeinen an mit der Musik verwurzelt zieht Bradford mit „Honkiest Of Tonkers“ eine erste Zwischenbilanz seines musikalischen Schaffens. Das Werk umfasst neben älteren Songs auch neue Tracks und wird in zwei Schritten veröffentlicht. „Honkiest Of Tonkers – Part 1“ steht ab dem 21. Februar zur Verfügung, „Part 2“, auf dem der Beitrag zum „Yelllowstone“-Soundtrack vertreten sein wird, folgt am 11. April.
Bradford ist in Texas aufgewachsen mit Pferden, Vieh, Rodeos, Angeln, Jagen und Country Music. Den Lebensstil des modernen Cowboys hat er inhaliert und internalisiert. Dies zeigt sich in seinem musikalischen Output. Er macht Country in einer puren Form, wie man ihn in dieser Konsequenz heute kaum noch produziert. Dabei geht Bradford mit den Traditionen des Genres souverän um. Am Country der 1950er orientiert er sich bei „Honky Tonk Devil“. Die in den Siebzigern populären Trucker-Songs belebt er mit „Keep On Drivin‘“ und „Peterbilt Pipe Dream“ wieder. Der Sound von „Bad Girl Good“ lehnt sich am Country der letzten beiden Dekaden des vergangenen Jahrhunderts an, bei denen George Strait, Brooks & Dunn oder Dwight Yoakam mitmischten.
„Honkiest Of Tonkers – Part 1“ innoviert nicht die Country-Welt, aber das will Bradford mit seinem Album auch nicht. Er feiert das Genre mit den ihm eigenen Mitteln. Das richtige Maß an Slide bei der gefühlvollen Ballade „Do You (I Do)“ oder etwas Twang bei dem galoppierenden „50 In The Fast Lane“ dienen dafür als Beispiele. Zum letztgenannten Track stellt Bradford, der mittlerweile auf über 600 Konzerte zurückblickt, nicht ohne Stolz fest, dass er stets eine positive Resonanz bei den Auftritten erzeugt. Das Stück gehört neben dem Titelsong auch zu meinen Favoriten. Auf „Honkiest Of Tonkers“ treten rockige Elemente zutage, ohne dass dieser tatsächlich den Schritt in Richtung Country Rock vollzieht.
Abgesehen davon, dass Bier und Whiskey keine Rolle spielen, folgen die Themen der Texte tradierten Pfaden. Das Leben der hart arbeitenden, ländlichen Bevölkerung kommt beispielsweise bei „Bulletproof“ zur Sprache. Mit dem Song würdigt Bradford seinen Vater, der eine wichtige Rolle dabei spielte, dass er den Weg zur Musik gefunden hat. Die Titel der Scheibe wurden von Bradford alleine oder in Kollaboration mit anderen Musikern verfasst. Mehrmals treten Greg Manuel und Gregory Allen als Co-Autoren auf.
„Honkiest Of Tonkers – Part 1“ wendet sich an die Traditionalisten der Country-Gemeinde. Der auf einer Ranch aufgewachsene Garrett Bradford bedient sich bei unterschiedlichen Richtungen des Genres. Von Balladen bis hin zu Trucker-Songs fängt er Facetten des Landlebens ein. Die Stücke des Albums revolutionieren den Country nicht, aber sie wirken authentisch und das ist letztlich das, was Country ausmacht.
Eigenproduktion (2025)
Stil: Neo-traditional Country
Tracks:
01. Honkiest Of Tonkers
02. Bad Girl Good
03. Keep On Drivin’
04. Do You (I Do)
05. Watching You Burn
06. 50 In The Fast Lane
07. Peterbilt Pipe Dream
08. Bulletproof
09. Honky Tonk Devil
Sechs Wochen nach dem ersten Album lässt Garrett Bradford nun „Honkiest Of Tonkers – Part 2“ folgen. Der Grund für die seltsame Veröffentlichungspolitik liegt vermutlich in Bradfords künstlerischem Anspruch, zwei Seiten seines Songwritings klar voneinander abzugrenzen. Den einen Teil widmet er dem Country, wie er ihn mit Tennessee verbindet, den anderen verortet er in Texas. Von der Spielzeit hätten beide zusammen locker auf eine CD und wahrscheinlich sogar auf eine LP gepasst. Aber wer denkt in Zeiten des Streamings noch in diesen Kategorien?
Auf der aktuellen Veröffentlichung gewinnt Bradford deutlich an Profil als Songwriter. Trucker-Songs lässt er weg. Wohl streut er wie auf dem Vorgänger einen Track ein, der ganz in der Tradition des Country aus den 1950ern steht („Just A Little“). Thematisch greift er nochmal eine Reminiszenz an seinen Vater auf, der die musikalische Entwicklung von Bradford förderte. „Give Dad A Call“ ist ein ruhiges, nur mit akustischer Gitarre begleitetes Stück, dessen Inhalt wohl jeder nachvollziehen kann, der seinen Vater verloren hat.
Die tiefe Verbundenheit mit seiner Herkunft kommt bei einigen Titeln zum Ausdruck. Sein Hit aus dem Yellowstone-Soundtrack „This Way Of Life“ eröffnet in diesem Sinne das Werk. Bei „Firefly“ reflektiert er die Veränderungen, die in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten erfolgten – mit den entsprechenden ökologischen Nebenfolgen. Den Native Americans zollt Bradford seinen Respekt mit „Commanche Moon”. Die eingängige Up-Tempo-Nummer wird durch ein stimmungsvolles Intro eingeleitet und sticht unter den Beiträgen heraus.
Das Album ist also thematisch vielfältig. Dabei fehlen natürlich nicht die Beziehungsgeschichten. Auf „One Two Step“ nimmt ein langjähriges Paar nochmal einen Anlauf, die früheren, glücklicheren Zeiten wiederzubeleben. Pessimistischer schaut die Protagonistin von „She Loves Horses“ in die Zukunft. Von Männern enttäuscht, widmet sie sich ganz ihren Pferden, die treuer sind und weniger lügen. Bradford verpackt aus dem Leben gegriffene Stories in seine Songs. Etwas weiter weg vom realen Leben erscheint „Trouble In The Pines“. Durch den Rhythmus des Schlagzeugs bekommt die Rachegeschichte mehr Dynamik als die reduzierten Balladen, die insgesamt den Longplayer prägen. Der Track stellt letztlich das absolute Highlight des Werks dar, auf dem sich aber auch darüber hinaus beachtenswerte Titel finden.
Wer einen Faible für authentischen Country hat, liegt mit „Honkiest Of Tonkers – Part 1“ genau richtig. Für diejenigen, die an Stories und ruhigeren Americana-Songs ihre Freude haben, ist der zweite Teil der Album-Dublette die erste Wahl. Wie dem auch sei, Garrett Bradford zeigt, dass man ihn als Country-Musiker und Songwriter auf dem Schirm behalten sollte.
Eigenproduktion (2025)
Stil: Neo-traditional Country, Americana
Tracks:
01. This Way Of Life
02. Commanche Moon
03. Firefly
04. One Two Step
05. She Loves Horses
06. Just A Little
07. Trouble In The Pines
08. Give Dad A Call
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