Andy Frasco & The U.N. – Keep On Keepin‘ On – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als exzellenter Live-Entertainer, der seit über 12 Jahren mit bis zu 250 Shows jährlich unterwegs war, fühlte sich der US-amerikanische Keyboarder und Bandleader Andy Frasco seinem aufreibenden Lebensstil verpflichtet: mitreißenden Bühnenauftritten und begeisterten Fans.

Auf seinem neuen Longplayer „Keep On Keepin‘ On“ erzählt er nun von der anderen Seite des erfolgreichen Music-Business: Alkohol- und Drogensucht, Schlafentzug und Depressionen – Erkrankungen, die oft nur mit fremder Hilfe und ausgeprägtem Durchhaltevermögen überwunden werden können.

Frascos Talent, schöne Soul-, Funk- und Rock-Melodien im Stile der 60er und 70er Motown-Jahre zeitgemäß umzusetzen und mit persönlichen Erfahrungstexten gekonnt zu verbinden, wird bereits im Titelsong deutlich, der als Albumeinsteiger im Detroit-Sound, die therapeutische Botschaft „keep on“ klar vermittelt.

Mit der ebenfalls als Durchhalteparole zu verstehenden Soul-Nummer „I’ve Got A Long Way To Go“ modifiziert Frasco das Thema mentaler Langzeiterkrankungen und musikalischer Therapiehilfen. Überhaupt ist die neue Scheibe eine sehr persönliche und authentische Verarbeitung seiner psychischen Probleme, die durch seinen Einfallsreichtum in ein aufmunterndes Album, eine kraftvolle Antriebsfeder, verwandelt werden.

Er fühle sich, als wenn die gesamte Platte von Zuversicht in einer einsamen Zeit berichtet, so Frasco und singt im dritten Stück „Animals“ vehement gegen diese Vereinsamungs- und Alleinsein-Situation. Die immer wieder auch an andere „Leidensgenossen“ gerichteten Textpassagen („take a break“) im Song „Getaway“ oder in dem vermeintlich „alten“ Soul-Track „None Of Those Things“ („happiness will keep us free“) vermitteln den Charakter eines musikalischen „Weckruf-Projektes“, das mit dem letzten Stück „Better Day“ in experimenteller Weise einen Aufruf zu mehr Optimismus und Vitalität ausstrahlt.

Für den US-Amerikaner und seine Band ist es trotz der gesundheitlichen Krise der zweite bemerkenswerte Longplayer innerhalb eines Jahres. Seine Singer- Songwriter Qualitäten wurden bei Sounds of South seit der „Happy Bastards„-CD (2016) regelmäßig betont. Die jetzige Intention der auf dem CD-Cover deutlich sichtbaren Abkehr Frascos vom Konsum der „bunten Pillen“ finden Fans im Interview mit dem Starry Constellation Magazine vom 12.03.2020 zur neuen Scheibe.

Mit „Keep On Keepin‘ On“ haben Andy Frasco & The U.N. ein sehr gefühlvolles Album eingespielt, das ein leidenschaftliches Stimmungsbild gegen depressive Lebensphasen inszeniert. Es bietet eine ehrliches Selbstporträt als Orientierung in schwierigen Zeiten, einen musikalischen Ausweg im Soul-Funk-Rhythmus der altbewährten Art.

SideOneDummy Records (2020)
Stil: Soul-Rock, Jam-Rock

Tracklist:

01. Keep On Keeping On
02. I’ve Got A Long Way To Go
03. Animals
04. Getaway
05. Shine
06. Shine (Outro)
07. Love Is A Gun
08. None Of Those Things
09. Feel It In Our Bones
10. Good Maan
11. Better Day

Andy Frasco And The U.N.
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Starkult Promotion

The Proven Ones – You Ain’t Done – CD-Review

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Ich kann als mäßiger Blues (Rock)-Experte nur schwer abschätzen, in wie weit The Proven Ones 2018 mit ihrem Debütwrk „Wild Again“ hierzulande bleibenden Eindruck hinterlassen, geschweige denn, überhaupt zur Kenntnis genommen wurden.

Fest steht, dass das Quintett mit schillernden Leuten besetzt ist (man spricht in den Staaten sogar von einer Supergroup), die in Bands wie u. a. The Fabulous Thunderbirds, Ronnie Earl And The Broadcasters, The Radio Kings, The James Harman Band, Rod Piazza And The Mighty Flyers, The Mannish Boys oder Sugar Ray and the Bluetones ihr Können schon nachhaltig nachgewiesen haben. Nicht zu vergessen auch Präsenzen auf der Bühne oder im Studio bei John Lee Hooker, Big Mama Thornton, Chuck Berry, Big Walter Horton, Big Joe Turner, Otis Rush, Bo Diddley und diversen anderen Acts.

Bei The Proven Ones handelt es sich um die Herren Kid Ramos (guitars, vocals), Anthony Geraci (keys), Willie J. Campbell (bass), Jimi Bott (drums, percussion) und Brian Templeton (lead vocals, harmonica), die jetzt den Nachfolger „You Ain’t Done“ hinterherlegen. Kein geringer als der uns bestens bekannte Mike Zito hat an der Akustikgitarre und als Co-Produzent, auch noch seine Qualitäten mit eingebracht.

Beim Songwriting haben sich diesmal alle Musiker beteiligt. Dadurch gibt es mit dem latin-rockigen, in bester Santana-Manier performten „Nothing Left To Give“ (Geraci) oder dem zwischen Delta-Blues und New Orleans Dixie pendelnden „I Ain’t Good For Nothin'“ (Ramos) auch mal Ausflüge aus dem ansonsten sich durchziehenden südstaatlich angehauchten Blues Rock-Schema.

Nach einem kurzen gut einminütigen Spielerei-Intro geht es mit „Get Love“ sofort knackig los. Ein energiegeladener southern souliger Blues Rocker mit herrlicher Ramos-E-Gitarre, Piano, gurgelnder Orgel und zünftiger Bläserfraktion, wobei einem sofort JJ Grey und seine Mofro in den Sinn kommen.

Trompetenspieler Joe ‚Mack‘ McCarthy und Saxophonist Chris Mercer setzen dann auch im weiteren Verlauf immer wieder ihre Duftmarken. Auch die folgenden „Gone To Stay“ (schön punkige Drums), das Titelstück „You Ain’t Done“ (Stones goes Southern, herrliche Slide-Gitarre, klasse BGVs von LaRhonda Steele) und „Already Gone“ (Acapella-Intro, starker Gesang von Templeton, der bei oft Assoziationen mit Malford Milligan hervorruft) haben allesamt ordentlich ‚Wums‘.

Kommen wir zu meinen drei Favoriten, die etwas ruhigeren „Whom My Soul Loves“ (southern-souliger Ohrwurm im Duett von Templeton und der brillanten Gastsängerin Ruthie Foster), „Milinda“ (eine Art Symbiose aus „Sweet Melissa“ und „Layla“) und das flockig schunkelnde „She’ll Never Know“ (klasse E-Fills von Ramos, dazu ein Solo wie einst bei den Allman Brothers).

Der pianoträchtige Stampfer „Fallen“ und das an „Honky Tonk Woman“ reminiszierende „Favorite Dress“ (typischer Stones-E-Gitarrenrhythmus) lassen am Ende keine Wünsche offen, die prominenten Musiker werden ihren hohen Vorschusslorbeeren absolut gerecht. Somit wurde „You Ain’t Done“ eingehend auf bewährte Art überprüft und erhält letztendlich verdient das Sounds Of South-Gütesiegel. Absolut empfehlenswert!

The Proven Ones sind übrigens für das beliebte 29. Grolsch Blues-Festival in Schöppingen Ende Mai gebucht, ob es mit dem Auftritt klappt, ist aufgrund der bekannten Corona-Problematik allerdings erstmal Kaffeesatzleserei.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. Get Love (Intro)
02. Get Love
03. Gone To Stay
04. You Ain’t Done
05. Already Gone
06. Whom My Soul Loves
07. Milinda
08. Nothing Left To Give
09. She’ll Never Know
10. I Ain’t Good For Nothin‘
11. Fallen
12. Favorite Dress

The Proven Ones
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Gulf Coast Records

The White Buffalo – On The Widow’s Walk – CD-Review

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Review: Michael Segets

Manche werden The White Buffalo kennen, weil er einige Songs zu den Fernsehserien „Californication” und „Sons Of Anarchy” beisteuerte. Hinter The White Buffalo verbirgt sich Jake Smith, der dachte, dass ein Künstlername einprägsamer sei als sein eigener. Für sein zehntes Werk „On The Widow’s Walk“ konnte er Shooter Jennings für den Produzentenstuhl gewinnen. Das insgesamt stimmige Album wurde in weniger als einer Woche eingespielt.

Die Scheibe fängt mit „Problem Solution“ erdig rockend an. Smith nimmt in der Mitte des Stücks das Tempo raus, sodass ich beim ersten Hören dachte, dass er eine Bridge einstreut. Allerdings zieht sich die Passage dann bis zum Schluss hin. Der Titel hätte der beste auf der Scheibe werden können.

So rückt das aggressive „Faster Than Fire“ mit scheppernden Schlagzeug und quietschenden Gitarren auf den Spitzenplatz unter den flotten Stücken. Neben den beiden Songs, die als Double-A-Side-Single – einem mir bis dato unbekannten Format – erschienen sind, findet sich mit dem gradlinigen, rootsigen „No History“ ein dritter Rocker auf dem Longplayer.

Anders als die Single vermuten lässt, liegt der Schwerpunkt der CD auf gefälligen Balladen, bei denen The White Buffalo seinen geschmeidigen Bariton geschickt in Szene setzt. Sehr gefühlvoll („Sycamore”), manchmal ein bisschen pathetisch („The Drifter”), manchmal mit langgezogenem, schmachtendem Gesang („Cursive“) erzählt Smith seine Storys. Mein Favorit ist hier das mit Geigen untermalte „I Don’t Know A Thing About Love”. Wie bereits bei einigen vorangegangenen Tracks sitzt Shooter Jennings auch bei dem letzten Stück der Scheibe am Klavier.

Musikalisch vielleicht interessanter sind das reduzierte „River Of Love And Loss“ und die erste Video-Auskopplung „The Rapture“. Dieser Song verströmt eine dunkle Atmosphäre und entwickelt eine Spannung, die sich mit dem Einsatz krachender Gitarrenriffs und anschließendem Wolfsgeheul entlädt.

Das dramatische „Widow’s Walk“ lässt sich ebenso wie „Come On Shorty”, das hingegen locker und entspannt daherkommt, im unteren Midtempo verorten. Beides sind gelungene Nummern, die zeigen, dass sich The White Buffalo souverän zwischen sanft und rockig in allen Tempobereichen der Roots Music bewegt.

Der in Oregon geborene und in Kalifornien lebende Jake Smith – alias The White Buffalo – verfügt über eine angenehme Stimme, die auf „On The Widow’s Walk“ sehr gut zur Geltung kommt. Die überwiegende Anzahl der Titel sind Mainstream-taugliche Balladen, die gelegentlich einen leichten Country-Einschlag aufweisen. In dieser Kategorie landet The White Buffalo ein paar Treffer.

Wenn er das Tempo anzieht oder – wie auf seinem ersten Video – mutigere Töne anschlägt, liegt die Quote der bemerkenswerten Stücke höher. Die vorab ausgekoppelten Stücke gehören zu den Highlights des Albums, das als Gesamtwerk gut hörbar ist. Durch ein paar zusätzliche Kanten in manchen Songs hätte es jedoch noch an Kontur gewinnen können.

Snakefarm Records/Universal Music Group (2020)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. Problem Solution
02. The Drifter
03. No History
04. Sycamore
05. Come On Shorty
06. Cursive
07. Faster Than Fire
08. Widow’s Walk
09. River Of Love And Loss
10. The Rapture
11. I Don’t Know A Thing About Love

The White Buffalo
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Snakefarm Records
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Rebel Guns – Steam & Steel – CD-Review

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„Long Live Rock’n Roll“ haben sich die fünf Bandmitglieder der Rebel Guns aus Biberach seit 2016 auf die Brust geschrieben und zwar die southern-rockige Variante davon.

Eine EP gleichnamigen Titels, abgemischt von Hans-Martin Buff (Scorpions, Prince), brachte sie immerhin schon ins Vorprogramme arrivierter Acts wie Bonfire oder Skinny Molly. Mit der Eigenproduktion „Steam & Steel“ folgt jetzt der erste lupenreine Longplayer der Oberschwaben.

Nach dem tragischen Ableben von ihrem Gitarristen und Gründungsmitglied Frank Ellinger, der noch auf dieser CD eine hervorragende Leistung abliefert (feuert aus allen rebellischen Gewehren viele variable und quirlige Soli),  entschloss man sich auf dessen expliziten Wunsch zum Weitermachen. Für ihn ist jetzt Marius Fiseli am Start.

REBEL Guns Promobild 2020Ihr überwiegend treibender Sound lehnt sich an Strukturen altbekannter Southern Bands wie hauptsächlich Molly Hatchet, zum Teil Doc Holliday, Skynyrd oder Blackfoot, allerdings oft kombiniert mit britischen Orgelklängen der Marke Deep Purple, The Who oder wie beim finalen „Six Bullets To A Halleluja“ in Richtung Doors.

Im ruhigeren Bereich gibt es mit „Dusty Roads“ und „Rebel Without A Cause“ zwei Stücke, bei denen Marshall Tuckers „Can’t You See“ dezent durchschimmert, ersteres mit einer Akustikgitarre, letztgenanntes mehr vom Piano getragen.

Die Whiskey-getränkte, aber sehr wenig variable Stimme von Fronter Sotchy Filipovic (Richtung Phil McCormack) passt ganz gut zum druckvollen instrumentellen Bandsound (übrigens alles sehr schön klar und transparent abgemischt). Er kann sich zudem mit ein paar Harp-Einlagen („Down The Drain“, „Rebel Without A Cause“) einbringen, schön Neil Young-mäßig bei „Dusty Roads“.

Die sporadischen weiblichen Backgroundvocals, die ich eigentlich ansonsten immer sehr gerne höre, sind auch nicht gerade was für vokale Ästheten (ziemlich nerviges Gequäke z. B. bei „Rebel Guns“).

Die Musik der Rebel Guns wird Leuten mit Vorlieben für o. a. Bands gefallen. Sie ist meiner Meinung nach, aber eher live-, als Wohnzimmer-kompatibel und somit überwiegend für Clubkonzerte, Bikertreffen, Stadtfeste, etc. geeignet, wo man in Bierlaune, auf gesangstechnische Feinheiten nicht mehr ganz so großen Wert legt.

Ich gehe aber davon aus, dass bei den Burschen auch in erster Linie, diese musikalischen Gemeinschaftserlebnisse, statt der Blick auf die große Karriere, als priorisierter Antrieb dienen.

Die Songs gehen wirklich gut ab, einige Tracks haben sogar auf Anhieb mit ihren Refrains Wiedererkennungswert („Down The Drain“, Rebel Guns“, „Bathroom Jesus“, „Burn“, „Long Live Rock’n Roll“).

Im September 2020, sofern die Corona-Geschichte hoffentlich vorüber sein wird, spielen die Rebel Guns im Vorprogramm der legendären kalifornischen Hard Rock-Band Little Caesar. Ihre „Steam & Steel“-CD kann über den Email-Kontakt der Band ‚rebel_guns@gmx.de‘ bestellt werden. Der Preis beträgt inkl. Versand 12.- Euro. Eine klare Empfehlung an alle SR-Fans, die vielleicht nicht ganz so pingelig sind wie ich!

Aktuelle Besetzung:
Frank Holl – drums
Sotchy Filipovic – vocals & harps
Chris Clemens – keys
Joe Horseling – bass
Marius Fiseli – guitar

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Down The Drain
02. Rebel Guns
03. Boston Bourban Boys
04. Dusty Roads
05. Steam & Steel
06. Bathroom Jesus
07. Burn
08. Rebel Without A Cause
09. Long Live Rock’n Roll
10. Louisiana Ram Jam
11. Six Bullets To A Halleluja

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Ronnie Dunn – Re-Dunn – CD-Review

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Ich war noch nie ein Freund von groß angelegter Coverei. Einzelne Songs, wohl dosiert und eigenwillig umgesetzt, ist durchaus ok, aber ganze Alben oder noch schlimmer Bands, die sich komplett darauf spezialisiert haben, die Originale zu kopieren, selbst wenn es sogar in besserer Art (soll es ja auch geben) geschieht, werden in der Regel von mir boykottiert.

Für mich stellt das neue Kreieren von Musik die oberste Prio dar, als besonders frustrierend empfinde ich es, wenn solche (oft hervorragende) Acts, teilweise vor weniger als 50 Zuschauern ihre Künste zum Besten geben müssen, während tags darauf eine Coverband die Bude voll macht.

In diesem Fall bei Ronnie Dunn verhält es sich allerdings anders, obwohl er uns hier ein Doppelalbum mit ausschließlich Adaptionen anderer Künstler serviert.

Zum einen hat der Protagonist sowohl solo, aber auch vor allem unter seiner Mitwirkung beim New Country-Super-Duo Brooks & Dunn sein kreatives Können längst bei unzähligen Titeln unter Beweis gestellt, zum anderen, liefert er hier mit Nashville-Parademusikern wie u. a. Brent Mason, Jeff King, Kenny Greenberg, Jerry McPherson (alle Gitarren), Paul Franklin, Gary Morse (Pedal Steel), Mark Hill, Glenn Worf (Bass), Greg Morrow (Drums) und Charlie Judge (Keyboards), samt seiner Charakterstimme, überwiegend nicht ganz so abgenutzte Stücke, in einem absolut gelungenen New Country-Gewand ab.

So bleibt man z. B. vom in der Blues- und Southern Rock-Szene bevorzugten Stones-, Hendrix- und Led Zeppelin &Co.-Fundus und seinen üblichen Verdächtigten hier mal angenehmer Weise verschont.

Allein schon der Auftakt mit den vier herrlich umgesetzten Stücken wie „Amarillo by Morning“ (George Strait – grandioser Beginn), „Long Cool Woman (In A Black Dress)“ (Hollies-Feger), „That’s How I Got to Memphis“ (Tom T. Hall – absoluter Ohrwurm) und „It Never Rains in Southern California“ (Albert Hammond), deutet an, was machbar ist, wenn gute Musiker und Sänger, in einem temporär begrenzten Projekt, mit ganzer Seele aufgehen. Man merkt ihnen den ‚Bock‘ hier förmlich an.

Dunn offeriert beeindruckend, dass er so gut wie alles singen kann, die Musiker, dass sie wahre Wandlungskünstler zu sein scheinen. Gerade die immer wieder eingeflochtenen Gitarren- und Steel-Parts sind der reinste Ohrenschmaus.

Eigentlich untopbare Tracks wie wie Claptons „Wonderful Tonight“, „Against The Wind“ (Bob Seger) oder „Peaceful Easy Feeling“, begegnet Dunn auf Augenhöhe. Spannend sind vor allem die bis dato für eher wenig Country-kompatibel einzustufenden Stücke wie “How Long” (Ace mit Paul Carrack), „Showdown“ (ELO) oder „Im Not In Love“ (10CC), die aber absolut stilsicher geschultert werden und nun eine besondere (Country-)Note erhalten.

Als nicht ganz so gelungen empfinde ich lediglich Tom Pettys „I Won’t Back Down“, wo die 80-/90er-mäßigen Begleit-Synthies doch eher kontraproduktiv wirken. Im Prinzip aber der einzige Patzer.

Ronnie Dunns „Re-Dunn“ ist der perfekte Begleiter für den nächsten Roadtrip, aber auch zum Rumlümmeln auf dem Sofa. Ideal besonders für die nächste sommerliche Grillparty. Da bin ich mir sicher, dass es nach den ersten Liedern schon viele fragende Blicke der nicht Country-festen Anwesenden nach dem Künstler geben wird, bis das Rätsel um Ronnie Dunn letztendlich final aufgelöst sein wird.

Die schwer im Original zu bekommende Scheibe kann man bei Bärchen Records erwerben!

LWR (2020)
Stil: New Country

CD 1:
01. Amarillo by Morning
02. Long Cool Woman (In a Black Dress)
03. That’s How I Got To Memphis
04. It Never Rains in Southern California
05. How Long
06. Drinkin‘ Thing
07. Together Again
08. Peaceful Easy Feeling
09. Against The Wind
10. If You Don’t Know Me By Now
11. I Won’t Back Down
12. The Cowboy Rides Away

CD 2:
01. Showdown
02. Wonderful Tonight
03. Ashes By Now
04. That’s The Way Love Goes
05. I’m Not in Love
06. Brown Eyed Girl
07. You Don’t Know Me
08. Ridin‘ My Thumb To Mexico
09. A Showman’s Life
10. Good Time Charlie’s Got the Blues
11. Amie
12. I Can’t Help It (If I’m Still in Love With You)

Ronnie Dunn
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Bärchen Records

Eric Steckel – Grandview Drive – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Dass Eric Steckel mit gerade mal 30 Jahren zu einem der besten Bluesgitarristen zählt, hatte schon John Mayall erkannt. Nun diverse Jahre nach dem Lob Mayalls, einige Alben später und immer noch eher am Beginn einer Musikerkarriere, hat Steckel mit „Grandview Drive“ seinen mittlerweile siebten Longplayer herausgebracht. Mit diesem Werk untermauert der Musiker aus den Staaten seine Extraklasse.

Dies bezieht sich nicht nur auf seine Künste die Saiten der Gitarre zu beackern, er sticht auch durch exzellentes Songwriting hervor. Dabei bedient er nicht nur die Bluesfans, sondern beweist, dass man auch im Trio einen klasse Southern Rock bringen kann. Auf seiner eigenen Webseite wird sein Stil als Heavyblues bezeichnet, was auch nicht unpassend ist.

Zugegeben, auf dem Album kann er mehrere Gitarren übereinander einspielen und setzt auch das Piano gekonnt als harmonisches Instrument ein. Dass er die Songs aber auch zu dritt dynamisch und kraftvoll auf die Bühne bringen kann, hat er unlängst bewiesen, als er ein Programm im Dortmunder Musiktheater Piano spielte, wo knapp die Hälfte dieser CD auf der Setlist standen. Gekonnt ist eben gekonnt.

Nun aber zum Eigentlichen. Mit „Take My Love To Town“ geht es sofort southernrockig los. Knallharte Riffs, gemischt mit einer Prise Boogie und Blues, entwickelt sich ein harter Rocksong in Richtung Molly Hatchet mit diversen Soli, wo er sich nicht hinter den dementsprechenden Legenden zu verstecken braucht.

Bei „Dream For 2“ nimmt er zunächst den Fuß vom Gaspedal. Ruhig beginnend mit Pianoklängen folgt ein Rocksong, der mich im späteren Verlauf, wenn die Gitarrenarbeit, aber auch der Gesang einsetzen, an die Glanzzeiten Santanas zu Zeiten von „Inner Secrets“ erinnert.

Dass Eric Steckel auch den klassischen, eher ruhigen Blues in den Fingern und der Stimme hat, zeigt er beim passend betitelten „Same Old Blues“ Sich am Piano begleitend, zaubert er eine innige Stimmung, in die dann ein für ihn eher langsames Gitarrensolo, passend zur Grundstimmung, einsetzt.

Ein Kracher ist das hart rockende „Best Of You“, mit einem sehr virtuosen Solo Richtung Allman Brothers. Das neu aufgelegte „When Ignorence Turns To Bliss“ ist ein klasse Southern Song, der auch auf eine der alten Skynyrd-Platten gepasst hätte. Der an und für sich ruhige Grundrhythmus des Stückes wird dabei mehrfach von absolut furiosen Soli zerrissen.

Was Steckel dann aus dem Marshall Tucker-Klassiker „Can’t You See“ macht, ist dann wahre Extraklasse. Aus dem eher beschaulichen Original entfacht er in phasenweise einen Song mit knallharten Gitarrensoli.

Ruhiger wird es beim balladesken „Good Days, Bad Days“. Hier setzt Steckel auch unterstützend da Piano ein. In diesem verträumten Song zeigt er, dass er neben brachial und schnell, auch gefühlvoll seine Saiten bearbeiten kann. Sehr harmonisch und passend ist auch sein Gesang.

Mit Gitarrenriffs, die an Frees „All Right Now“ erinnern, beginnt „You Never Will“. Auch im weiteren Verlauf bleibt er auf der Free- oder Bad Company-Linie und zeigt, dass man deren Stil auch in die Moderne transportieren kann.

„Since I Been Loving You“ ist ein eher ruhiger Bluessong, in den er zunächst immer in Sequenzen kurz seine Gitarre aufjaulen lässt, bevor er sich zum Ende hin, in einem Gitarrengewitter entlädt, wobei er auch noch das Piano partiell einsetzt.

„Promised Land“ hat einen tollen Groove, in dem man sich ein klein wenig an die sehr positiven Songstrukturen des jungen Peter Frampton erinnern kann. Das Album schließt Steckel mit „Solid Ground“, einem harter Bluessong ab, in dem natürlich nicht das entsprechende Solo zum Ende des Songs fehlen darf.

Eric Steckel ist mit „Grandview Drive“ eine beeindruckende Platte gelungen, in dem er, bis auf die Drums, alle Instrumente selbst eingespielt hat und sich als Multiinstrumentalist präsentiert. Der Titel „Grandview Drive“, es gibt in eine gleichnamige Straße mit traumhaften Blick in Illinois, kann spätestens nach diesem Album auch auf Steckel angewendet werden.

Hier gibt es berechtigte Aussichten, dass ein begnadeter Gitarrist, sich im Blues, aber auch im Southern-Genre etablieren wird. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit dem sympathischen Musiker, wenn die Welt sich nach Corona, wieder in gewohnten Bahnen dreht, um zu erleben, wie Mr. Fasthand die Gitarre erklingen lässt.

Eric Steckel – Gitarren, Piano, Bass, Gesang
Don Plowman – Drums, Percussion

Eric Steckel Music (2020)
Stil: Heavy Blues, Southernrock

Tracks:
01. Take My Love To Town
02. Dream For 2
03. Same Old Blues
04. Best With You
05. When Ignorence Turns To Bliss
06. Can`t You See
07. Good Days, Bad Days
08. You Never Will
09. Since I Been Loving You
10. Promised Land
11. Solid Ground

Eric Steckel
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Sam Hunt – Southside – CD-Review

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Sechs Jahre hat sich Sam Hunt für den Nachfolger zu seinem Bestseller „Montevallo“ (über 3 Millionen Verkäufe) und Sofort-Nr. 1-Album in den Country-Charts (immerhin auch direkt Platz 3 in den allgemeinen Billboards-Charts) Zeit gelassen. Mittlerweile hat seine Plattenfirma MCA vermutlich frei nach Woody Allen, „Mach’s noch einmal, Sam“, auf den fälligen zweiten Streich gedrängt.

Somit knüpft sein neues Werk mit dem Titel „Southside“, wen wundert es, natürlich genau an das bewährte Rezept an, die größtmögliche Schnittmenge zwischen radiotauglichem, beziehungsweise massenkompatiblem Country und Pop auszuloten und in den entsprechenden kommerziellen Erfolg umzumünzen.

Dabei fängt die Scheibe zu meiner Überraschung mit einem lupenreinem New Countrystück ohne jeglichen Schnickschnack an, das auch zu einem Garth Brooks blendend passen würde. Zach Chromwell und Josh Thompson dürfen sich neben dem Protagonisten für das Lied „2016“ in die Liste der beteiligten Co-Autoren eintragen. Die ist im weiteren Verlauf mit einer Vielzahl von weiteren prominenten Songschreibern wie u. a. Luke Laird, Shane McAnally, Josh Osborne, Ashley Gorley, Matt Jenkins, hochrangig besetzt. Sam Hunt ist wieder, wie schon beim Vorgänger, bei allen Liedern involviert.

Ab dem folgenden „Hard To Forget“ (bitte ganz schnell vergessen…) widmet er sich konsequent seinen, für ihn wohl typischen melodischen Soundspielereien, wo Loops, Beats, Synthies (selbst die Akustikgitarre hört sich oft künstlich an), mit countrytypischen Instrumenten wie Steel, Fiddle, Banjo und Mandoline, Piano und E-Gitarre, wohl-dosiert, immer alle Fraktionen im Blick, sehr geschickt kombiniert werden.

Für den gediegenen Countryhörer ist das und selbst für mich, wenn man ehrlich ist, Stoff, auf den man gut verzichten kann. Dabei spürt man irgendwie, dass der aus Cedartown, Georgia stammende frühere Football-Spieler auch jederzeit anders könnte, siehe „2016“oder auch das Southern Country-rockige „Let It Down“, wenn da nicht wieder diese gekünstelt klingenden Drum-Loops nerven würden.

Der Rest, bei dem man mit viel Wohlwollen noch die Stücke „Body Like a Back Road“ und „Breaking Up Was Easy in The 90’s“ als noch einigermaßen akzeptabel bewerten kann, ist eher bestens kalkulierter Mainstream-Pop mit ein bisschen Country. Nicht mein Ding, aber aus Sams Sicht natürlich legitim.

Immerhin kann man Leute wie Hunt zumindest als Brückenbauer zwischen Jung und Alt loben. Ihnen ist es vermutlich zu verdanken, dass bei uns auch viele jüngere Menschen sich für Countrymusik zu interessieren beginnen und auch die Konzerte immer zahlreicher aufsuchen.

Zu diesem Album mit dem eigentlich vielversprechenden Titel „Southside“ von Sam Hunt fällt mir ansonsten nicht mehr viel ein. Seine Jagd auf das zweite Nr. 1 Album hat begonnen und wird in den nächsten Tagen sicherlich auch dementsprechend von Erfolg gekrönt sein. Glückwunsch schon mal vorab Sam Hunt!

MCA Nashville (Universal) (2020)
Stil: Countrypop

01. 2016
02. Hard to Forget
03. Kinfolks
04. Young Once
05. Body Like a Back Road
06. That Ain’t Beautiful
07. Let It Down
08. Downtown’s Dead
09. Nothing Lasts Forever
10. People Like Us
11. Breaking Up Was Easy in The 90’s
12. Drinkin‘ Too Much

Sam Hunt
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Universal Music

Ashley McBryde – Never Will – CD-Review

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Im Nachgang zu Ashley McBrydes grandiosem zweiten Longplayer „Never Will“ ärgert es mich schon fast ein wenig, nicht auch ihr Debüt „Girl Goin‘ Nowhere“ zur Bemusterung erhalten zu haben. Schön, dass Warner Music mittlerweile die Bedeutung des wachstumsfreudigen Country-Marktes in Deutschland erkannt hat und in dieser Hinsicht aktiver zu werden scheint.

Die aus Arkansas stammende, 2007 nach Nashville übergesiedelte Künstlerin (so ein junger Bonnie Raitt-Typ), liebevoll von Eric Church als ‚whiskey-drinking badass‘ charakterisiert, heimste völlig zurecht zwei GRAMMY-Nominierungen, als auch die Auszeichnung als „New Female Artist of the Year“ bei den ACM Awards und „New Artist of the Year“ bei den CMA Awards, ein. Sicherlich kein schlechter Auftakt für eine Newcomerin.

Mittlerweile liegt jetzt der Nachfolger „Never Will“ zum Erwerb bereit. Im Prinzip wurde am bewährten Erfolgsrezept, die Protagonistin überwiegend an der ‚langen Leine‘ zu lassen, festgehalten. Star-Producer Jay Joyce, der erneut die Hauptverantwortung inne hatte, setzte allerdings McBryde und ihre Mitspieler in der Hinsicht unter Druck, dass er ein Höchstmaß an Spontanität einforderte, sprich, er machte klar, dass an dem Ergebnis der Songs nicht großartig herumgefeilt werden würde. Es sollte also, von Anfang an, bestmöglich ’sitzen‘.

Neun Stücke stammen aus der Feder von Ashley (als Co-Writer finden sich viele bekannte Namen wie u. a. Jeremy Bussey, Shane McAnally, Brandy Clark, Jeremy Spillman), lediglich das fantastische „Shut Up Sheila“ und das zunächst etwas gewöhnungsbedürftige, aber letztendlich doch sehr eingängige „Styrofoam“ (mit technischen Spielereien und partiellen rapmäßigem Sprechgesang) am Ende, stammen aus fremder Feder.

Die beiden Opener „Hang In There Girl“(E-Gitarre schön southern), das ernüchternde „One Night Standards“ und auch das Titelstück „Never Will“, bedienen den Hörer mit melodischem, aber sehr kraftvollen New Country (vor allem ausgelöst durch den bestimmenden Gesang McBrydes und das Powerdrumming von Quinn Hill, das mich an die Art von Chad Cromwell erinnert), der für’s Radio bestens prädestiniert ist.

Noch beeindruckender wird es allerdings, wenn die kommerziellen Aspekte zugunsten eines breitgefächerten, zum Teil auch unkonventionellen Songangebots, weitestgehend beiseite geschoben werden. Klasse das spirituell-psychedelisch angehauchte „Shut Up Sheila“ (fast wie Bad Companys einstiges „Seagull“, nur eben halt countryesk). Grandios hier besonders das mitreißende E-Gitarrensolo.

Mein Lieblingsstück ist der selbstironisch traditionell gestrickte, fluffige Countryschunkler „First Thing I Reach For“, wo McBryde einsichtig konstatiert, sich manchmal etwas selbst im Wege zu stehen, in dem sie singt „the first thing I reach for, is the last thing I need“.

Die folgenden Tracks wie „Voodoo Doll“ (Polterdrums, stadiontauglicher Refrain), „Sparrow“ (atmosphärische Ballade mit Powerrefrain), das großartige „Martha Devine“, „Velvet Red“ (Bluegrass-Note) und das bedrückende „Stone“ (reflektiert den Selbstmord ihres jüngeren Bruders), überzeugen mit authentischen, glaubwürdigen Texten (famos gesungen) und bestechender musikalischer Umsetzung.

Fazit: Ein fantastisches New Country-Album, vielseitig, mit einer Fronterin in vokaler Bestform und einer musikalisch versierten Umsetzung, auch ohne die sonst obligatorische Nashville-Studiomusikerriege. Schade, dass, wenn nicht noch ein Wunder passiert,  die geplante Tour im Fahrwasser von Luke Combs, wohl dem Corona-Virus zum Opfer fallen wird , sonst hätte  McBryde vermutlich schon frühzeitig den nächsten Step zu einer kommenden großen Hausnummern in Music City vollzogen. Wie dem auch sei, für mich persönlich das bisher beste New Country-Werk in diesem Jahr.

Warner Music Nashville (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. Hang In There Girl
02. One Night Standards
03. Shut Up Sheila
04. First Thing I Reach For
05. Voodoo Doll
06. Sparrow
07. Martha Devine
08. Velvet Red
09. Stone
10. Never Will
11. Styrofoam

Ashley McBryde
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Oktober Promotion

Albert Castiglia – Wild And Free – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Albert Castiglia hat in den letzten Jahren hinsichtlich seines Veröffentlichungsvolumens ein wahrlich hohes Arbeitspensum hingelegt. Seit 2004 im Geschäft, ist „Wild And Free“ sein mittlerweile elftes Album, wobei er seit 2014 nahezu jährlich ein neues Album rausgehauen hat. Sein vorletzter Longplayer „Up All Night“ wurde an dieser Stelle vom Kollegen Mangold äußerst positiv beleuchtet. Insofern war ich natürlich auf sein neuestes Werk recht gespannt.

Es ist ein kraftvolles, elektrisierendes Live-Album geworden, aufgenommen im Januar diesen Jahres in einem Club in Florida, welches sicherlich in erster Linie seine Hard-Core-Fans ansprechen dürfte. Produziert hat es wieder niemand geringeres als Mike Zito. Da wundert es dann auch nicht, dass es bei Zitos Gulf Coast Records veröffentlicht wurde.

Leider kommt die Atmosphäre, die ein Live-Konzert sonst ausmacht, auf diesem Mitschnitt nicht so recht zur Geltung, da die normale „Geräuschkulisse“ eines solchen Gigs weitestgehend herausgefiltert bzw. ausgeblendet wurde. Aber auch so kommen die treibenden, verschwitzten Songs gut rüber.

Gleich zu Beginn geht Albert Castiglia mit „Big Dog“ und „Hoodoo On Me“ in die Vollen. Beide Stücke werden, wie andere auch (z. B. „I Been Up All Night“, „Keep On Swinging“ und „I Tried To Tell Ya“) durch flirrende, jaulende und quietschende Gitarren beherrscht, wobei der Opener „Big Dog“ mit einem richtigen Rockgewitter startet und durchaus Anleihen zu Jimi Hendrix aufweist.

Das schönste Stück des Longplayers ist für meinen Geschmack der ruhiger gehaltene und melodiöse, knapp 10-minütige Slowblues mit dem kurzen Titel „Heavy“, welcher durch ein sehr differenziertes, klares Gitarrenspiel überzeugt. Nach dieser kleinen Erholungspause geht‘s mit dem temporeichen und gut tanzbaren „Get Your Ass In The Van“ weiter, eine flotte Rock’n’Roll infizierte Boogie-Woogie Nummer.

„Searching The Desert For The Blues“ hingegen präsentiert sich wieder bluesiger und gemächlicher mit eingängigen weiblichen Background-Stimmen in den Refrains. Auch das folgende „To Much Seconal“ wirkt sich durch seinen typisch traditionellen Bluesrhythmus beruhigend auf die Gefühlslage des Hörers aus. Mit „Loving Cup“ und „I Tried To Tell Ya“ ist es dann aber wieder aus mit der Ruhe. Flirrende und quietschende Gitarrenklänge sind jetzt wieder tonangebend, bevor die Scheibe mit der 8-minütigen, harten und boogiemässigen Instrumentalnummer „Boogie Funk“ endet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Albert Castiglia zwar kein begnadeter Sänger, aber ein wahnsinnig guter und fingerfertiger Gitarrist ist. Jedes der Stücke ist für sich betrachtet absolut hörenswert, aber in seiner Gesamtheit dürfte die Scheibe für den Gehörsinn vieler sicherlich auch überfordernd sein. Das Album empfiehlt sich also hauptsächlich für Castiglia-Fans und für Leute mit einer ausgeprägten Affinität zu wilden, flirrenden und quietschenden Gitarrensounds.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Big Dog
02. Hoodoo On Me
03. I Been Up All Night
04. Heavy
05. Get Your Ass In The Van
06. Searching The Desert For The Blues
07. Keep On Swinging
08. To Much Seconal
09. Loving Cup
10. I Tried To Tell Ya
11. Boogie Funk

Albert Castiglia
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Deep Purple – Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse – CD-Review und Gewinnspiel

Wer kennt sie nicht, die Zeilen aus „Sweet Home Alabama“, in denen Ronnie Van Zant verächtlich singt: „In Birmingham they love the governor, boo boo boo!“.

Gemeint war kein anderer als der damals amtierende Gouverneur von Alabama, Wallace, der zum erzkonservativen Flügel der Demokraten zählte und als großer Verfechter der Rassenpolitik galt. Er bewarb sich im Verlauf seiner Karriere gleich viermal um das Mandat als Präsidentschaftskandidat seiner Partei.

1976 traf er dabei im innerparteilichen Wahlkampf auf Jimmy Carter, den damaligen Gouverneur von Georgia. Zu dieser Zeit war es Gang und Gäbe, dass die Kandidaten auf ihren Landsitzen große Parties für die wichtigen Persönlichkeiten in ihrem Lager und darüber hinaus abhielten.

Zu den Gepflogenheiten zählte dabei, sich angesagte Rock- und Popbands, oder  Solo-Künstler, als begleitende Livemusiker einzuladen. So traten bei Wallace Acts wie u. a. die Charlie Daniels Band oder Ted Nugent bei den imposanten Festen auf.

Da wollte natürlich auch Jimmy Carter nicht klein beigeben, und hatte auf seiner Farm in Plains namhafte Bands wie u. a. Lynyrd Skynyrd, die Allman Brothers oder die Eagles als illustre Stimmungsmacher.

Ein Novum war dabei, dass Carter eine britische Band zu sich nach Hause einlud, und zwar die Hardrocker von Deep Purple, die sich nach großen Jahren (mittlerweile in der Mark IV-Besetzung mit David Coverdale, Tommy Bolin, Jon Lord, Glenn Hughes und Ian Paice zugange), allerdings im Krisenmodus befand und sich kurze Zeit später, wenn auch nur temporär, aber immerhin für fast acht Jahre, auflöste.

Von diesem Fest sind jetzt Aufnahmen aus dem Archiv der Carter-Familie frei gegeben worden. Auch wenn sich der daraus resultierende Tonträger „Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse“ klangtechnisch für heutige Verhältnisse auf Bootleg-Niveau bewegt, ist er doch als außergewöhnliches Zeitdokument und seiner Authentizität wegen (man hört z. B. teilweise während der Liedpausen Kron- bzw. Champagnerkorken knallen, gut vernehmbare Gesprächsschnipsel bei den Liedpausen, lautes Grillenzirpen, etc.), als äußerst wertvoll einzustufen.

Hinzukommen die diversen reizvollen Konstellationen, die durch spontane Mitwirkung in der Setliste von Musikern wie u. a. Ronnie Van Zant, Gregg Allman, Allen Collins, Ed King, Gary Rossington, Bob Seger, Neil Young oder Eric Clapton entstanden, die sich allesamt unter der prominenten Gästeschaft befanden.

Allein schon die zahlreichen, bisher unveröffentlichten Fotos von Helmut Newton (ebenfalls an diesem Abend zugegen) im 16-seitigen Schwarz-Weiß-Begleitbooklet sind den Erwerb dieser wunderbar gestalteten Doppel-CD wert.

Den Siedepunkt erreichte die Party natürlich, als die Briten oben besagten Skynyrd-Klassiker spielten und sowohl Van Zant als auch Neil Young (der ja in diesem Song ebenfalls sein Fett weg bekommt) im Schulterschluss zusammen auf die Bühne schritten, um die o. a. Zeilen der dritten Strophe gemeinsam zu intonieren. Aber auch beim Jam am Ende („Jam For Jimmy“), wo sich alle Genannten zusammenfanden (selbst Carter rasselte da mit dem Tambourine), gab es natürlich kein Halten mehr.

Konzentriert wurde sich neben den Hits wie „Child In Time“ (Lead vocals Bob Seger), „Highway Star“ (Lead vocals Eric Clapton) und „Smoke On The Water“ (Lead vocals Gregg Allman) aber im Wesentlichen auf die letzten beiden Alben dieser Ära, „Stormbringer“ und „Come Taste The Band“.

Carter verschaffte nicht zuletzt dieses öffentlichkeitswirksame Event enormen Rückenwind, sodass Wallace noch im gleichen Jahr seine Bewerbung zurückzog (es hieß aus gesundheitlichen Gründen), nachdem er mehrere Vorwahlen in den Südstaaten gegen Carter verloren hatte.

Jimmy Carter setzte sich dann 1976 knapp gegen den Republikaner Gerald Ford durch und wurde neuer 39. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er wurde aber nach nur einer Amtszeit von Ronald Reagan abgelöst.

“Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse“ von Deep Purple wird in einer limitierten Stückzahl von 5.000 Exemplaren ab Anfang April käuflich zu erwerben sein. Uns ist es vorab dank guter Beziehungen gelungen, fünf Exemplare zu ergattern, drei davon möchten wir unserer treuen Leserschaft zugänglich machen.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie hieß der angesprochene Gouverneur von Alabama mit ganzem Namen?

a) Henry A. Wallace
b) Edgar Wallace
c) George C. Wallace

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2020 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Woodland Records (1976/2020)
Stil: Hard Rock

CD 1:
01. You Keep On Moving
02. Stormbringer
03. I Need Love
04. Love Don’t Mean A Thing
05. Holy Man
06. Dealer
07. Hold On
08. Lady Double Dealer
09. You Can’t Do It Right
10. High Ball Shooter
11. The Gypsy
12. Drifter

CD 2:
01. Soldier Of Fortune
02. Comin‘ Home
03. Lady Luck
04. Highway Star
05. Love Child
06. Smoke On The Water
07. Sweet Home Alabama
08. Child In Time
09. Jam For Jimmy

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