Jeremiah Johnson – Heavens To Betsy – CD-Review

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Ich habe bei den vielen Konzerten, die ich in den letzten Jahren besucht habe, keinen Künstler erlebt, der als Support-Act so vom Publikum begeistert gefeiert worden ist, wie Jeremiah Johnson. Ort des Geschehens war das Musiktheater Piano, als er vor gut einem Jahr dort den Headliner Mike Zito begleitet hatte.

Vor zwei Wochen hatten wir uns auf ein Wiedersehen mit ihm im Rahmen des Rufschen Blues Caravans gefreut, allerdings hatte Sturmtief Sabine etwas dagegen. Spätestens als beim abendlichen Gang mit dem Hund ein umgestürzter Baum vor unserem Gartentor lag, musste die ungewisse Anreise aus Vernunftsgründen leider gecancelt werden. Sehr ärgerlich.

Immerhin liegt mir jetzt sein brandaktuelles Album „Heavens To Betsy“ zur Rezension vor, auf dem Johnson mit kleinen Abstrichen, eine überzeugende Leistung abliefert.

12 tolle authentische vielseitige Stücke (inklusive einer Cover-Version des oft adaptierten „Born Under A Bad Sign“) hat er fast im Alleingang kreiert (nur zwei mit Co-Writern), die sich im dezent südstaatlich angehauchten Blues Rock einordnen.

Zweimal geht es im balladeskeren Bereich etwas ruhiger zu („Ecstasy“ – ähnelt einer Mischung aus „Soulshine“ und „Knockin‘ On Heavens Door“, „Long Way Home“), ansonsten gibt es vom eröffnenden Southern Rocker „White Lightning“ bis zum finalen, flockig swingenden „Preacher’s Daughter“, zünftige Rockmusik, die von Johnsons knarzenden E-Gitarrenspiel, das mich schon in Dortmund so ins Schwärmen versetzt hatte, ihre besondere Note erhält.

Da mag man den Worten des sympathischen, aus St. Louis stammenden Musiker zum Aufnahmeprozess und seinem Produzenten Pete Matthews auch gerne Folge leisten: „Manchmal war die erste Aufnahme perfekt, manchmal dauerte es aber auch bis zum Ende eines 12 Stunden Tages, bis der gewisse Funke übergesprungen war.

Diese Album aufzunehmen, war das absolut intensivste Erlebnis, das ich jemals in einem Studio hatte. Gut genug war keine Option. Aber ich bin extrem dankbar, dass Pete das Beste aus jedem einzelnen von uns herausgekitzelt hat.“

Ich persönlich, auch wenn es sicherlich immer Geschmacksache ist, gehe nach diversen Hördurchgängen allerdings nicht ganz d’accord mit Johnsons Ausführungen.

Zum einen finde ich die Omnipräsenz des durch Frank Bauer gespielten Pluster-Saxofons in jedem Stück völlig überdosiert und auf Dauer etwas nervend (das gleiche gilt bei mir auch immer bezüglich von Alben mit überdimensionierter Harp-Quäkerei).

Zum anderen klingt Johnsons Stimme in den Strophen ziemlich brav und eindimensional (in den Refrains kommt er manchmal etwas mehr aus sich heraus), was allerdings aber vermutlich seinem zurückhaltenden Naturell geschuldet ist.

Manch anderer Producer hätte hier vermutlich dem Keyboarder mehr Spielraum überlassen (der darf hier fast nur die Orgel immer im Hintergrund hallen lassen) und auch die ziemlich schroff dahergegrölten Männer-Backgroundgesänge lieber in feinfühligere Damenhände gegeben.

Trotzdem überwiegen letztendlich die positiven Eindrücke. Jeremiah Johnson ist ein richtig Guter und auch sein Album „Heavens To Betsy“ sollte bei den anstehenden CD-Käufen des Jahres 2020 auf der To-Do-Liste der geneigten Blues Rock-Klientel aufgeführt sein.

Ruf Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. White Lightning
02. Tronado
03. Soul Crush
04. Ecstasy
05. Forever And A Day
06. American Steel
07. Showdown
08. Leo Stone
09. Castles In The Air
10. Long Way Home
11. Born Under A Bad Sign
12. Preacher’s Daughter

Jeremiah Johnson
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