Eric Gales – Middle Of The Road – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Eric Gales, obwohl ich bekennender Blues und Bluesrock-Fan bin, bislang nicht auf dem Schirm hatte. Dabei ist „Middle Of The Road“ sein inzwischen 15. Studioalbum. Und was für eins es ist! Nicht umsonst wird der afro-amerikanische Ausnahmegitarrist aus Memphis in einem Atemzug mit Jimi Hendrix genannt. Und als Linkshänder spielt er seine Gitarre daher nicht nur im übertragenen Sinne mit links. Herausgekommen ist ein vielschichtiges Bluesalbum mit Anleihen aus Gospel, Swing, Soul, Reggae und sogar Jazz, immer gepaart mit quäkenden oder verzerrten Gitarrenklängen. Genau diese Mischung macht das Werk so faszinierend und spannend.

Produziert wurde die Scheibe von Fabrizio Grossi, der bereits mit solchen Größen wie Alice Cooper, Joe Bonamassa, Walter Trout oder Lance Lopez zusammen gearbeitet hat. Musikalisch unterstützt wird Gales auf dem Album von dem kalifornischen Drummer Aaron Haggerty, von Dylan Wiggins an der Orgel, von LaDonna Gales mit Backgroundgesang und von Maxwell “Wizard” Drummey am Melotron. Gales selbst bedient neben dem Bass auch seine zahlreichen Gitarren. So ganz nebenbei steuert er auch den Leadgesang bei.

Gleich der Opener „Good Time“ geht mit seinem Gospel- oder Spirituell-betonten Gesang von LaDonna Gales mächtig in die Beine, versprüht Lebensfreude und macht Lust auf mehr, wobei sich das Rhythmus-Intro von Eric Gales treibend durch die gesamte Komposition zieht und dabei auch noch Anleihen aus dem Funk aufgreift. Toll gemacht!

„Change In Me“, der zweite Song auf der Scheibe, ist da mit dem streckenweise an Gary Moore erinnernden Gitarrenspiel schon wesentlich bluesiger. Schön auch hier wieder der als Refrain sehr soulig gesungene Titel des Songs. Weiter geht’s dann mit dem etwas betulicheren, ruhigen „Carry Yourself“, einem Stück mit schönen melodiösen E-Gitarreneinlagen. Bei „Boogie Man“ wird Eric Gales von dem jungen, aus Austin/Texas stammenden Gitarristen Gary Clark jr. unterstützt, der einem größeren Publikum erstmals 2010 bekannt wurde, als er auf dem Crossroads Guitar Festival u. a. mit Eric Clapton, Jeff Beck, B. B. King und Buddy Guy spielte. Sein vom Jazz beeinflusster Stil, Gitarre zu spielen und Gales soulige Stimme, geben diesem Song seinen besonderen Reiz.

Mit „Been So Long“ liefert Eric Gales einen weiteren Beweis für seine musikalische Vielfältigkeit. Der Song besticht durch seinen ins Ohr gehenden Reggae-Rhythmus und den dazu passenden Leadgesang. Der Track hat durchaus Ohrwurmqualitäten und zeigt, wie sich Elemente aus Blues und Reggae zu etwas wunderbar Neuem verschmelzen lassen. „How, how, how Help Yourself“ hat gesanglich, zumindest stellenweise, gewisse Ähnlichkeiten mit dem großen John Lee Hooker. Zum Sound dieses Songs hat als weiterer Gastmusiker der 18-jährige Christone „Kingfish“ Ingram maßgeblich beigetragen. Er ist ein Multiinstrumentalist, im Delta aufgewachsen und er hat den Blues mit der Muttermilch aufgesogen. Von ihm wird in Zukunft sicherlich noch viel zu hören sein! Der Song selbst ist sehr rhythmisch angelegt und wird hauptsächlich von klaren Gitarrenriffs und dezenten Harpeinlagen getragen.
Wesentlich rauer und mit verzerrten Spiel à la Hendrix kommt „I’ve Been Deceived“ daher, wobei Erics megaphonartig verfremdete, klagende Stimme in einem spannenden Kontrast zu den Background vocals steht.

Im folgenden Song „Repetition“ ist Eric Gales‘ großer Bruder Eugene, dessen musikalische Vorbilder u. a. Muddy Waters, Albert King und Jimi Hendrix sind, mit von der Partie. Er ist auch der Mentor und Lehrmeister seines jüngeren Bruders Eric. Mit ihm zusammen gründete er die ursprüngliche Eric Gales Band. Heute spielt Eugene mit seiner eigenen Band „The Eugene Gales Project“. „Repetiton“ ist, bis auf die Gitarrensoli von Eugene, eher zurückhaltend instrumentiert und mutet ansonsten leicht Jazz-beeinfusst an, wobei sich das Grundmotiv dem Titel entsprechend immer wieder wiederholt.

Im Gegensatz zu den anderen Stücken dieses Albums ist „Help Let Me Go“ sehr melodiös, ruhig und besinnlich strukturiert, ein sehr schönes Stück also für die stillen Momente im Leben. „I Don’t Know“ beginnt mit einem Scat-Gesang, welcher auch immer wieder im Verlauf des Stückes auftaucht und sich mit dem souligen Hintergrundgesang abwechselt. Dann noch ein quitschiges E-Gitarrensolo dazu und fertig ist der Song, ohne aber weitere besonders hervorstechende Eigenschaften zu besitzen. Aus Sicht des Rezenten ist es der schwächste Titel des Albums.

Den Abschluss bildet Swamp, ein schlagzeuggetriebenes Instrumentalstück, quirlig wie ein Mückenschwarm in den Sümpfen, schweißtreibend und fordernd, mit dem Potential den Zuhörer durchaus in Trance versetzen zu können. Insgesamt ist das Album also eine recht abwechslungsreiche, aber keine Delta Blues-typische Scheibe, wie sich aufgrund von Erics Herkunft vielleicht vermuten ließe. Roots Blues-Elemente tauchen allenfalls nur hier und da mal auf. Eher schon sind da Spielweisen aus dem Chicago Blues erkennbar.

Eric selbst sagt über sein Album, dass sich der Titel „Middle Of The Road“ wie ein roter Faden durch das gesamte Werk zieht. Sein Credo: Für deinen Weg ist es das Beste, wenn du dich absolut fokussiert und mit dir selbst im Reinen in der Mitte, also „On the middle of the road“ befindest. Insofern spiegelt die CD sicherlich die momentanen Befindlichkeiten von Eric wieder. Er hat sich gefunden und nimmt sich die Freiheit, Musik zu machen, so wie sie ihm gefällt. Und herausgekommen ist dabei beileibe kein Mittelmaß, sondern ein kaufenswerter Silberling, mit „Good Time“, „Been So Long“ und „Swamp“ als absolute Highlights dieses Albums.

Mascot Label Group (2017)
Stil: Blues Rock

01. Good Time
02. Change In Me (The Rebirth)
03. Carry Yourself
04. Boogie Man (feat. Gary Clark Jr.)
05. Been So Long
06. Help Yourself (feat. Christone „Kingfish“ Ingram)
07. I’ve Been Deceived
08. Repetition (feat. Eugene Gales)
09. Help Me Let Go
10. I Don’t Know
11. Swamp

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Mascot Records
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Chuck Prophet & The Mission Express – 12.02.2017, Wesel, Karo – Konzertbericht

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Ich möchte zunächst mal ein Kompliment an den Karo-Chef Mathias Schüller aussprechen. Er schafft es, nicht nur zur Freude meinerseits,  seit vielen Jahren immer wieder tolle musikalische Acts in sein ‚Wohnzimmer‘ zu holen. Mit der Rockmusiklegende Chuck Prophet samt The Mission Expresss ist ihm ein weiterer echter Husarenstreich für kleines Eintrittsgeld gelungen.

Das fachkundige Publikum dankte es ihm mit einer nahezu ausverkauften Location und einem rundem Abend, bei dem sämtliche Anwesenden ihren Spaß hatten. Es lag natürlich auch am bestens aufgelegten und sympathischen Protagonisten, der sich trotz seiner beeindruckenden musikalischen Vita, von der spartanischen Räumlichkeit mit seinem Probenraum-Charakter, für seine Verhältnisse unbeeindruckt zeigte, ja sogar samt seiner Mitstreiter offensichtlich richtig ‚Bock‘ hatte, ordentlich Gas zu geben.

Für mich war es die zweite Begegnung mit dem einstigen Green On Red-Mitglied. Ich hatte ihn mal 2006 beim Blue Highways-Festival, damals im großen Saal des Utrechter Musiekcentrum Vredenburg vor größerer Kulisse erlebt. Nicht nur der vergangenen Zeit geschuldet, war dieser Abend im Vergleich natürlich an Intensität nicht zu toppen, hier in Wesel konnte man dem Musiker ja quasi fast beim Spielen auf die Schulter klopfen. Das ist dann ja auch immer der Reiz, die solche Orte wie das Karo ausmachen.

Als Support hatte noch für eine halbe Stunde der Singer/Songwriter Max Gomez mit seiner Akustikgitarre den Alleinunterhalter gegeben. Der Bursche aus New Mexico erinnerte mich irgendwie an einen akustisch agierenden John Mayer. Er spielte typischen Stoff in der Tradition von Leuten wie Townes Van Zant & Co., was ihm am Ende viel Applaus und eine Zugabe einbrachte.

Chuck und seine Mitspieler Stephanie Finch, James DePrato, Vicente Rodriguez und Kevin White stiegen mit dem melodisch flockigen Titelstück ihrer brandneuen CD „Bobby Fuller Died For Your Sins“ ein, das dann im weiteren Verlauf mit Songs wie dem pettyesken „Bad Year For Rock And Roll“, dem rockigen „Alex Nieto“ (Finch mit schönem HT-Piano), „Jesus Was A Social Drinker“ (Chuck erstmals mit Akustikgitarre), dem Alan Vega gewidmeten „In The Mausoleum“, dem Stampfer „Coming Out in Code“ und der Ballade „We Got Up and Played“ sehr umfangreich vorgestellt wurde.

Mit dem Chuck Berry-Track „Ramona Say Yes“ und der ersten Interaktion mit dem Karo-Publikum „Temple Beautiful“ hatte das Quintett bereits zu Anfang Stimmung in die Bude gebracht. Prophet führte ganz im Stil eines großen charismatischen Bandchefs, das Publikum wie auch seine Mitspieler durch das Programm. Er weiß genau, wie man eine kollektiv gute Chemie erzeugt und aufbaut.

Das atmosphärische „You Did (Bomp Shooby Dooby Bomp)“ mit grandiosem Prophet E-Solo war mein persönliches Highlight im ersten Abschnitt. Über das stoneske „Ford Ecoline“, dem emotionalen Leonard Cohen-Cover „Iodine“ ging es mit „Summertime Thing“ (mit einem an Marshall Tuckers „Can’t You See“ erinnernden Schlussteil), „Countrified Inner City Technological Man“ (klirrendes Slide-Solo vom stark spielenden DePrato), dem abermals launigen „Wish Me Luck“ (wieder grandioses Prophet E-Solo) und „Willie Mays Is Up At Bat“ (Chuck und James mit Twin-Zusammenspiel) zum Abschluss des Hauptteils in musikalische Regionen, die in unserem Magazin natürlich gerne gehört werden.

Der zu dem Zeitpunkt schon fast euphorisiert wirkende Bandlleader holte zum stürmisch eingeforderten Nachschlag dann o. a. Max Gomez als schöne Geste zur Unterstützung mit auf die Bühne. Mit „Let Her Dance“, dem The Fall-Cover „Mr. Pharmacist“ und „You And Me Baby (Holding On)“ gab es dann noch mal satte drei Zugaben.

Chuck Prophet und sein Mission Express sorgten mit ihrer gut gelaunt und lebensnah performten Mischung aus Rock, Pop, Punk (dezent), Country- und Southern Rock für zwei Stunden beste Unterhaltung. Auf bessere Art und Weise kann man ein Wochenende eigentlich nicht ausklingen lassen (wenn Montags die Arbeit nur nicht wär…) Ein wunderschöner Abend im Karo, an dem es am Ende eigentlich nur Gewinner gab. Danke nochmals an Mathias für die Akkreditierung.

Line-up:
Chuck Prophet (lead vocals, guitars)
Stephanie Finch (keys, percussion, bgv)
James DePrato (guitar, bass, bgv)
Vicente Rodriguez (drums, , keys, bgv)
Kevin White: (bass guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Max Gomez
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Karo Wesel

Joey Landreth – Whiskey – EP-Review

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Die kanadischen Bros. Landreth, alias David und Joey Landreth hatten 2015 mit ihrem Album „Let It Lie“ für eine der großen Insider-Überraschungen gesorgt. Unaufgeregte, wunderbar klingende Musik, einfach zum Genießen.
Jetzt hat Joey Landreth mit „Whiskey“ ein Kurzwerk mit sieben Stücken in Eigenregie nachgelegt. Bruder David ist aber am Bass und mit Harmoniegesängen (beim gospeligen „Better Together“) allerdings auch mit involviert.

Sein neues Album schließt sich in seiner Art, ziemlich nahtlos an den Vorgänger an, kommt vielleicht eine Spur E-Gitarren-orientierter rüber, Joey entpuppt sich hier vor allem als Klasse-Slidespieler, scheinbar ein Muss, wenn man den Namen Landreth trägt, obwohl Joey mit dem bekannten amerikanischen Kollegen nicht verwandt ist.

Sein Werk erinnert mich in Art des Songwritings und der Performance ziemlich an die von einem gewissen Monty Byrom (Solo, Big House, Billy Satellite), der ja auch immer leichtfüßig und nahezu perfekt zwischen Stilen wie Rock, Country, Americana, Blues oder Westcoast hin und her pendelt.

Nicht unwesentlichen Anteil am Gelingen dieses schönen Musik-Kleinods hat auch Produzent Murray Pulver, der für eine wunderbar abgestimmte Dosierung der eingesetzten Instrumente und einen klaren Klang sorgte. Der Opener „Whiskey“ lebt von den integrierten Stimmungswechseln und Joeys Melancholie in der Stimme. Das auf dem Fuß folgende, herrlich flockige „Hard As I Can“ ist mein persönlicher Lieblingstrack. Da werden Erinnerungen an Jackson Brownes Parade-Lied „Running On Empty“ wach. Wäre bei arrivierten Künstlern sicherlich sofort ein absoluter Radio-Hit.

„Gone Girl“ und „Time Served“ mit den südstaatlich anmutenden, surrenden Slide-Gitarren und der dezent im Hintergrund gurgelnden Orgel, sind natürlich wie für unser Magazin geschaffen. Toll auch das in Slow Blues-Manier gespielte „Still Feel Gone“ (wieder ganz starke, auf den Punkt gebrachte E-Gitarrenarbeit). Das soulige, bereits oben erwähnte „Better Together“ (Crowd-Gesänge am Ende von Genvieve Levasseur, Meg Dolovich, Alexa Dirks, Carlen Jupiter, David Landreth und Murray Pulver) sowie das finale „Remember“ (reduzierte Instrumentierung, im Singer/Songwriter-Ambiente dargeboten) beenden einen wunderbaren musikalischen Kurztrip.

Joey Landreths „Whiskey“ setzt den guten Eindruck, den ich von kanadischen Künstlern, mit denen ich mich bisher beschäftigt habe, weiter fort. Wer nach der CD der Brüder sehnlichst auf den fälligen Nachschlag aus dem Hause Landreth gewartet hat, darf jetzt hemmungslos zugreifen. Tolle Musik! Dicke Empfehlung von Sounds Of South!

Cadence Music (2017)
Stil: Country Rock

01. Whiskey
02. Hard As I Can
03. Gone Girl
04. Time Served
05. Steel Feel Gone
06. Better Together
07. Remember

Joey Landreth
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Stolen Rhodes – 03.02.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Unser erster Besuch der Kulturrampe in diesem Jahr. Das emporstrebende Quartett von der Ostküste der USA, die Stolen Rhodes (u. a. schon Support für Lynyrd Skynyrd, Marshall Tucker Band, Robert Randolph, Drivin’ N Cryin’, Blackberry Smoke und Country-Chanteuse Miranda Lambert), feierte mit seinem südstaatlich infizierten Rock, Deutschland-Konzert-Premiere in unseren westlichen Gefilden. Eines kann man in den Zeiten der Irrungen und Wirrungen eines Donald Trumps wohl sicher behaupten: Zumindest gute Musik wird aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine zuverlässige Konstante bleiben!

Matt Pillion und Kevin Cunningham,  sowie ihre neue Rhythmusfraktion, den beiden sehr agilen Jack Zaferes und Chris James, waren nach bereits intensiven Vorstellungen in Frankreich, Holland und Spanien an diesem Freitag erst recht spät in Krefeld angekommen und so begann das Konzert auch erst um 21:15 Uhr. Es war ein besonderer Abend. Teenage Head-Chef Manny Montana war angesichts seines Geburtstages ebenfalls angereist und bekam am Ende des Gigs zu seinen Ehren als letzte Zugabe ein „Highway To Hell“ geboten.

Wir hatten für ihn u. a. ein von Gernot (Inhalt/Bilder) und mir (Cover/Berichte) zusammengestelltes Buch mit unseren SOS-Reviews des vergangenen Jahres in der Rampe als Geschenk mit dabei, das zudem bei der Eingangsvorstellung der Band netter Weise von Pille (ganz gerührt) den Besuchern kurz präsentiert wurde. Es soll vielleicht demnächst an Interessierte zur Erinnerung in kleiner Auflage evtl. veräußert werden.

Die Stolen Rhodes hatten natürlich ihr aktuelles Album „Bend With The Wind“ mit an Bord, das im weiteren Verlauf auch ausgiebig in den Mittelpunkt gestellt wurde. Den Auftakt bildeten aber mit dem riffigen „Peacemaker“ und dem 70er-inspirierten „Down In Flames“ zwei eher weniger bekannte Nummern. Der „Sunshine Prophet“ eröffnete, wie auch auf der CD, dann den Reigen der neuen Stücke. Erstmals ließen sich der durch viele quirlige E-Soli glänzende Cunnigham und Pillion zu kurzen Twins (es kamen dann noch mehrere später dazu) hinreißen.

Dem stampfenden „Life Was Never Finer“ folgte das Led Zeppelin-Cover „Good Times Bad Times“, ein weiteres Indiz für das 70er-Faible der Pennsylvanier. Mit Sachen wie „Nowhere Fast“, den Marsall Tucker-umwehten „Blue Sky“ und „Freight Train“ wurden dann aber die Weichen immer mehr in Richtung Southern Rock gelenkt.

Spätestens ab dem furiosen Uptempotrack „Preacherman“, bei dem der saustark singende Matt Pillion auch erstmals seine Künste am Saxofon offerierte, war das Eis zwischen den Akteuren und dem Krefelder Publikum endgültig gebrochen. Die Stimmung wurde bei jedem Stück besser.

Der launige „Southern Rocker „Good Time Charlie“ (klasse Slide von Cunningham), das countryeske „50 Miles To Richmond“, das slide-trächtige „Get On Board“ (toller emotionaler Gesang von Matt) sowie das hart rockende „Gone“ waren weiteres schönes Futter für unser Magazin.

Meine persönlichen Lieblingsstücke des Abends, das ungeheuer melodische „Keeps Me Alive“ (im Zeichen des Hurrikans Sandy entstanden) und die wunderbare Ballade (gleichzeitig erste Single) „Save Me“ erzeugten teilweise Gänsehaut.

Mit dem „Devil From Above“ ging Matt zur Interaktion mit der Audienz über und Gläser und Flaschen wurden im Lied an bestimmten Stellen kollektiv in die Höhe gestreckt. Unter dem Motto ‚zuviel Geld, zu wenig Liebe‘ bildete der soulige Schwofer „Makin‘ Money“ (der überragende Pillion mit Gesangs-, Orgel- und Saxofon-Einlagen) die Vorhut zum Highlight des Gigs „Rosalita (Come Out Tonight)“. Bei diesem grandios performten Springsteen-Cover gab es letztendlich kein Halten mehr. Das Rampenpublikum zeigte sich so begeistert, wie ich es zwar schon oft, aber selten in dieser Intensität erlebt habe.

Die beiden Zugaben „So Long“ (HT-Piano, klasse Sax-Solo, Vorstellung der Band) und der eingangs erwähnte AC/DC-Klassiker rundeten eine großartige Premiere der Ostküstler bei uns ab.

Fazit: Stolen Rhodes punkteten bei ihrem Deutschland-Auftakt durch eine energiegeladene Show. Eine äußerst sympathische Performance mit tollen Liedern bis ans Ende der Kräfte. Auch wenn sich ihr völlig ausgepumpter Leader Matt Pillion zum Finale des Gigs vor Erschöpfung fast platt wie eine Flunder am Boden vor der Rampenbühne in ganzer Länge niederstreckte, lag ihm und seiner starken Band in erster Linie doch eher das begeisterte Krefelder Publikum zu Füßen. Wer jetzt noch die Chance hat, Konzerte des Vierers zu besuchen, sollte nicht zögern, und sich zackig auf den Weg machen. Starke Vorstellung, Stolen Rhodes!

Line-up:
Matt Pillion (lead vocals, guitar, keys, sax)
Kevin Cunningham (lead guitar, vocals)
Jack Zaferes (bass, vocals)
Chris James (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Stolen Rhodes
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

rebelHot – Same – CD-Review

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Im Zuge meines Reviews für die Smokey Fingers bin ich mit rebelHot an eine weitere starke italienische Band geraten, die ebenfalls im letzten Jahr ein tolles Debüt-Album abgeliefert hat.

Mit ihrem Bassisten Luca ‚ZE‘ Moroni bin ich mittlerweile auf FB befreundet und er war spontan so freundlich, mir die Files ihres Erstlings  zuzusenden. In ihrer Bio der Webseite geben sich die vier Burschen recht kurz angebunden: Husty – Voice, Paul – Guitar, Ze – Bass und Frank – Drums, dazu ein paar Zeilen zu ihrer musikalischen Ausrichtung und Vita und das war’s.

rebelHot car 2Auch die elf Stücke ihres Erstlings beschränken sich auf das Wesentliche. Es wird einfach, kompromisslos und kompakt drauf losgerockt. Kein technischer Firlefanz, alles hört sich wie live im Studio aufgenommen an. Fast alle Songs sind ähnlich strukturiert. Zünftiges E-Intro, Gesang, Refrain, E-Gitarren-Solo, Gesang, Refrain, langsame (Gesangs-) Ausblendung (da hätte man manches Stück vielleicht noch ein wenig mehr ausschmücken können).

Was sich hier ein bisschen faul und einseitig liest, kommt aber musikalisch genau gegenteilig rüber. Auffällig ist ein tolles Gespür der Jungs für gute Melodien. Sämtliche Tracks zünden absolut und machen in ihrer kurzweiligen Manier von der ersten bis zur letzten Sekunde richtig Laune.

Da ist zum einen die markante Stimme von Fronter Husty, der sich irgendwo zwischen AC/DCs Brian Johnson, Dan Baird und Great Whites Terry Illous bewegt und zur gespielten riffigen Kombination aus Hard-, Blues- und Southern Rock bestens passt.

Die Rhythmusfraktion macht ordentlich Dampf, wobei Luca auch manchmal schön den Bass bei vereinzelten Bridges knarzen lässt. Last but not least, die tolle E-Gitarrenarbeit von besagtem Paul, der wohl den guten Jimi Hendrix so ein wenig als Vorbild zu besitzen scheint. Viele shufflige Strat-Intros mit dezent psychedelischer Note in der Manier des Meisters von einst und jede Menge quirlige Soli, auch mit gewissem Southern Rock-Touch, bilden hier das Salz in der Suppe.

Der  stampfende Opener „Shake It“ wird AC/DC-Freunde überraschen, einiges der nachfolgenden Lieder erinnert an Sachen aus dem Dan Baird-Dunstkreis („Free“, „Hot Stuff“), als auch an die letzten Alben von Great White. Stücke wie „Lucky“ und „Hands Up“ sind im Refrain sofort mitsingbar und somit geeignete Stimmungsmacher für ihre Gigs. Mit „Everywhere You Go“ gibt es eine wunderschöne Rockballade zum Feuerzeugzücken.

Das Italo-Quartett rebelHot überzeugt mit ihrem rohen und authentischen Debüt auf ganzer Linie. Eine Band, die sich besonders live bestens entfalten dürfte. Toller Stoff für Hard Rocker der guten alten Schule, als auch für heißblütige Rebellen wie uns!

Metalapolis Records (2016)
Stil: (Hard) Rock

01. Shake It
02. Free
03. Holy Is My Beer
04. Pray For The Rain
05. Everywhere I Go
06. Love
07. Lucky
08. Hands Up
09. Hot Stuff
10. rebelHot
11. Pray For The Rain (acoustic version)

rebelHot
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Metalapolis Records

Brantley Gilbert – The Devil Don’t Sleep – Deluxe Version – CD-Review

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Mit Brantley Gilbert kommt im neuen Jahr der erste ‚Big Player‘ der Nashville-Szene aus den Startlöchern und das direkt mit einem Paukenschlag. Der 32-jährige lässt mit „The Devil Don’t Sleep“, einem 26 Stücke umfassenden Sahneteil, in der aus zwei Silberlingen bestehenden Deluxe-Version, die Messlatte für seine nachfolgenden Kollegen schon mal in eine beträchtliche Höhe legen.

Das beeindruckende vor allem ist, dass der aus Jefferson, Georgia, stammende Bursche auf seinem vierten Studio-Longplayer, bis auf einen Track, auch kompositorisch omnipräsent war (entweder alleine oder mit diversen namhaften Co-Writern), was man in der Zunft auf diesem Niveau, sicherlich nicht als gewöhnlich bezeichnen kann. Hut ab für diese kreative Leistung, auch angesichts der absolut beeindruckenden Ergebnisse seiner Schöpfungen!

Die ‚Haupt-CD‘ mit satten 16 Songs wurde wieder, wie schon beim Vorgänger, von Dann Huff produziert und auch Gitarren-mäßig begleitet. Als Musiker wurde eine Mixtur aus Brantleys Live-Band (Jess Franklin, Stephen Lewis, BJ Golden, etc.) und arrivierten Studio-Musikern wie u. a. Ilya Toshinsky (mit starkem Akustikgitarrenspiel), Chris McHugh oder Charlie Judge von Huff zusammengestellt, die dem Sänger einen kräftigen, aber sehr transparent abgemischten Soundteppich erzeugten.

Die Stücke beinhalten einen gelungene Melange aus Midtempo-Stücken (meist mit markanten Powerrefrains – hier direkt als bestes Beispiel der starke Opener „Rockin‘ Chairs“), einigen atmosphärischen Balladen („Smokin‘ Gun“, das herrlich mit Akustk- und E-Gitarren, sowie hallender Orgel instrumentierte „We’re Gonna Ride Again“ oder das kammermusikartige „Three Feet Of Water“ – mit Gordon Mote am Piano, Jonathan Yudkin am Cello), und ein paar swampigen Southern Rock-Krachern, wobei sich die, der Arbeiterklasse gewidmete Feier-Single „The Weekend„, mit Platz 14 bereits in Richtung Top Ten aufgemacht hat. Das Album, wird, da braucht man keine hellseherischen Kräfte zu entfachen, ebenfalls ganz oben anklopfen.

Amüsant wie Brantley bei „The Ones That Like Me“ seine echten Freunde charakterisiert und bei „You Could Be That Girl“ das Anforderungsprofil einer potentiellen weiblichen Partnerin skizziert. In bester Tradition von Brantleys Paradestück „Kick It In The Sticks“ kommen dann swampige Nummern wie „It’s About To Get Dirty“ und „Bullet in A Bonfire“ daher, die besonders durch die grandiosen weiblichen Background Vocals von einer echten ‚Röhre‘ wie Kim Keyes komplettiert werden. Ganz starker Tobak, besonders für die Southern Rock-Fraktion.

Die Bonus-CD enthält weiteres Demo-Material von Brantley, wobei man bei den fünf weiteren Studio-Songs kaum Unterschiede zu Vollversionen feststellen kann. Auch diese hätten problemlos in die Haupt-CD eingebunden werden können. Differenzen sind eher marginal in der etwas gedämpfteren Produktion (4x Brantley, 1 x Dann Huff) und am mehr Stratocaster-orientierten Spiel der anderen Gitarristen (u. a. Jedd Hughes, Jeff King, Adam Shoenveld) auszumachen. Klasse hier das melancholische „Closer That We’ve Ever Been“, bei dem als einzigem Track, eine von Bruce Bouton gespielte Steel Gitarre integriert wurde.

Dazu kommen noch fünf Lieder, die live im monumentalen Red Rocks Amphitheater in Denver, Colorado, aufgenommen wurden. Die offerieren die ganze spielerische Wucht seiner Begleit-Truppe. Kreischendes Publikum, Brantley als toller Sänger und redseliger Stimmungsmacher natürlich im Mittelpunkt, mit „Grown Ass Man“ eine mit Akustik-Slide begleitete Bühnen-Premiere, seine Hits „Hell On Wheels“ und „Kick It In The Sticks“, on top noch eine Pathos- und Patriotismus-getränkte Version von Hank Williams jrs. „Outlaw Woman“ (mit integriertem „Dixie“). Gänsehaut-Live-Atmosphäre pur, ideales Terrain für eine entsprechende DVD.

Fazit: Brantley Gilbert, glänzt auf „The Devil Don’t Sleep“ mit einer umfassenden Vorstellung, die seine Ambition, sich in den Spitzen-Positionen in der Riege junger wilder Kollegen wie Justin Moore, Eric Church, Jason Aldean & Co. zu manifestieren, deutlich untermauert. Schön, dass er sich hier, im Gegensatz zum Vorgänger „Just As I Am„, wieder etwas mehr in Richtung Country-/Southern Rock bewegt. Eine absolute Vollbedienung in Sachen starker Musik, sowie eine echte Ansage an seine Konkurrenz, die sich allerdings vermutlich nicht zur Ruhe betten wird…!

Valory Music (2017)
Stil: New Country

CD1:
01. Rockin‘ Chairs
02. The Ones That Like Me
03. The Weekend
04. You Could Be That Girl
05. Smokin‘ Gun
06. Bro Code
07. It’s About To Get Dirty
08. Tried To Tell Ya
09. In My Head
10. Way Back
11. Baby Be Crazy
12. Outlaw In Me
13. Bullet In A Bonfire
14. The Devil Don’t Sleep
15. We’re Gonna Ride Again
16. Three Feet Of Water

CD2:
01. At Least We Thought It Was (Demo)
02. I’ve Been There Before (Demo)
03. Against The World (Demo)
04. Closer Than We’ve Ever Been (Demo)
05. You Promised (Demo)
06. Read Me My Rights (Live at Red Rocks)
07. Hell On Wheels (Live at Red Rocks)
08. Grown Ass Man (Live at Red Rocks)
09. Outlaw Women (Live at Red Rocks)
10. Kick It In The Sticks (Live at Red Rocks)

Brantley Gilbert
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Universal Music Group

Jetbone – 14.01.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Jetbone im Blue Notez Club. Ein schönes Konzert der schwedischen Band im gut besuchten Dortmunder Club. Jetbone spielten einen Mix aus Stones-, Aerosmith- und Lynyrd Skynyrd-Elementen. Hin und wieder klingen auch die Faces oder Steppenwolf durch. Gestern gab es ein Set in 90 Minuten plus drei Zugaben. Die bekanntesten Songs waren „Everybody Needs Somebody To Love“, Joe Cockers „Feelin Alright“ und eine hammeharte Version von „Hush“, die den Abend beendete.

Line-up:
Alin Riabouchkin (lead vocals, guitar)
Sebastian Engberg (lead guitar)
Rasmus Fors (keys)
Gustav “Gurten” Sjödin (bass, vocals)
Albin Linder (drums)

Bilder und Eindrücke: Peter Schepers

Jetbone
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Blue Notez Dortmund

Wishbone Ash – 14.01.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Wisbone Haupt

Das fängt ja richtig gut an! Zu unserem ersten, im SoS beleuchteten Konzert im Jahr 2017 machten Gernot und ich uns in das von uns beiden sehr geschätzte, wunderschöne, Jugendstil-verzierte Dortmunder Musiktheater Piano auf und erlebten zu dieser frühen Zeit, direkt einen potentiellen Anwärter auf den Gig des Jahres. Um es also vorwegzunehmen, es war ein klasse Abend!

Mit Wishbone Ash verbindet sich bei mir ein sehr hoher Sentimentalitätsfaktor, die Band war 1980 mein allererstes, richtiges großes Konzert-Event im noch zarten Alter von 17 Jahren, als sie damals mit einer Support-Truppe namens Headboys im Rahmen ihrer aktuellen „Just Testing“-LP in der Düsseldorfer Philipshalle (heute ja in Mitsubishi Electric Halle umfirmiert) gastierten.

In der Zwischenzeit hatte ich sie nochmals in Hamburg in der Großen Freiheit Nr. 36 und in der Stadthalle meiner Heimatstadt Rheinberg gesehen, was aber auch schon wieder fast eine Ewigkeit her ist, somit war unser gestriger Besuch in Dortmund, der insgesamt vierte Gig.

Von der damaligen Besetzung ist heute nur noch Andy Powell, dementsprechend auch als unbestrittener Leader, übrig geblieben, der mittlerweile mit Bob Skeat, Muddy Manninen und Joe Crabtree eine gut harmonierende Mischung aus Erfahren und Jung  für die britische Kultband gefunden hat.

Ach ja, im Vorprogramm spielte diesmal ein gewisser Steve Hill. Der hochtalentierte Kanadier war der  lebende Beweis, dass Männer durchaus Multitasking-fähig sein können. Ok, zugegebener Maßen reicht es bei den meisten Exemplaren unserer Gattung höchstens dazu, zwei bis maximal drei hübschen Frauen gleichzeitig hinterherzupfeifen, aber der Bursche war schon ein Muster an praktizierender Vielfältigkeit.

Der bluesrockte für eine gute halbe Stunde im Alleingang mit Gesang, Gitarre, Fußtrommel, und noch einem lustigen Aufsatz aus einem Gummiball mit darin befindlichem Stöckchen (sah fast aus wie eine Pinnocchio-Nase) am Kopf seiner Gitarre, den er parallel zur Saitenarbeit, auch noch auf die seitlich von ihm höher positionierten Drumbecken schlug.  Eine Mundharmonika kam sporadisch auch noch mit dazu. Also der Mann hat aus einer, in ihm wogen zu scheinenden Hyperaktivität, eine Tugend gemacht und therapiert sich mit einer multiplen Art, solo zu performen und  bekam dafür auch zum Teil staunenden und anerkennenden Beifall des Publikums. Ein echter musikalischer Zappelphilipp also.

Apropos Publikum. Das Piano war an diesem Abend rappelvoll, die Stimmung angesichts der starken Leistungen der Akteure demnach auch prächtig. Wishbone Ash stiegen um 20:30 Uhr mit dem Southern-angehauchten Instrumentalstück „Bona Fide“, ein um sich direkt im Twin-Bereich, dem großen Markenzeichen des Quartetts, warmzuspielen.

Es folgte das satt rockende „Eyes Wide Open“, bei dem sich Muddy Manninen mit starken Wah-Wah-Einlagen auf seiner Les Paul bereits als belebendes Element erwies. Er brachte insgesamt auch viel Blues- und Southern Rock-Flair in das Programm und erwies sich bei den Double Lead-Passagen als kongenialer Partner zu Chef Powell (natürlich hauptsächlich wieder auf seiner Flying V Gibsons spielend). Der wiederum führte seine Mannen bestimmend, aber auch sympathisch durch die Vorstellung, ein echter Charismatiker.

Und so ging’s über Tracks wie „You See Red“, „Front Page News“, einem weiteren Instrumental „The Spirit Flies Free“, zu einem ersten Zwischen-Highlight, als der Vierer mit „The King Will Come“ und „Throw Down The Sword“ in seine epische und religiöse Hochphase von einst eintauchte und dann noch das texanisch eingefärbte, southern rockige Stück „Rock’N’Roll Widow“ nachlegte.

Über „Take It Back“, dem wieder südstaatlich anmutenden Ohrwurm „Way Down South“ (natürlich wieder mit Double Leads, mit eines meiner Lieblingssstücke dieses Gigs), bei dem Powells E-Gitarre am Ende förmlich mitzusingen schien, „In Crisis“, das megastark gespielte „Open Road“ (was für ein E-Gitarrenfeuer!) und dem ZZ Top-ähnelnden, satt rockenden „Deep Blues“ (Manninen mit surrendem Slide auf einer Epiphone-E-Gitarre), mündete es in die Zielgerade.

Auf dieser wurde es mit dem vom 71er Album „Pilgrimage“ stammenden „Jail Bait“ und „Blowin‘ Free“ aus ihrem mit Kultstatus bedachtem Werk „Argus“, zum Ende des frenetisch bejubelten Hauptteils, nochmal richtig historisch.

Da konnte die fällige Zugabe dann nur noch „Phoenix“ lauten und die gab es auch in einer gewohnt furios und filigran, mit Tempo- und Atmosphärenwechseln verschachtelten, tollen Version dargeboten. Andy widmete übrigens dieses knapp 15 Minuten währende WA-Paradelied, den vom Krieg gebeutelten Menschen im syrischen Aleppo.

Insgesamt eine tolle Mischung aus altbekannten und mir auch neuen Nummern, die einen richtig in den Bann zogen. Der heute mittlerweile 66-jährige Andy Powell hat im Gegensatz zu vielen, sich nur noch mehr schlecht als recht selbst covernden Traditionsacts (z. B. Stones, ZZ Top, Molly Hatchet, Skynyrd), einen richtig guten guten Weg gefunden, diese seit über 40 Jahren agierende Band in Würde altern zu lassen. Im Klartext, der Vierer hat noch genug Feuer unterm Hintern und musikalische Klasse, um noch durchaus ein paar Jährchen weiter zu machen. Ein großartiger Abend, Wishbone Ash! Danke, wie immer, an Jenny Dore, für die unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar)
Muddy Manninen (lead guitars, vocals)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Wishbone Ash
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

T.G. Copperfield – Same – CD-Review

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Der Regensburger Gitarrist Tilo George Copperfield, vielen Leuten bekannt durch seine Mitwirkung in Bands wie Hoaß und 3 Dayz Whiskey erfüllt sich den Traum eines wohl jeden Musikers und bringt, schlicht als „T. G. Copperfield“, nach sich selbst benannt, sein erstes Solo-Album auf den Markt.

Der umtriebige junge Mann hat dabei seine Hausaufgaben bestens gemacht. Er präsentiert ein abwechslungsreich gestaltetes Werk, auf dem er alle Songs komponiert, besungen und mit Gitarrenklängen bestückt hat. Umgeben hat er sich mit gestandenen Musikern aus der süddeutschen Szene, produziert hat Dr. Will.

Er bringt dazu, die für einen Solo-Interpreten gewisse gesunde Portion ‚Selbstverliebtheit‘ und Selbstbewusstsein mit, wie man es z. B. auch aus dem gut und ebenfalls hoch professionell gestalteten Cover Artwork erahnen kann. Dazu hat er seine Lektion bestens gelernt, die heutigen Medien, bzw. sozialen Netzwerke perfekt zu Werbung in eigener Sache zu nutzen. Man kann wirklich sagen: Der Bursche weiß, was er will und wie er vorankommen möchte.

Seine Kreationen schöpfen dabei ihre Kraft und Inspiration aus Stilrichtungen, die uns (mich) seit den Siebziger Jahren mehr oder weniger konstant begleiten. Schon der lässig hingroovende Opener „Rolling Stone“ offeriert eine gewisse Vorliebe Tilos für das Gitarrenspiel von John Fogerty (später auch noch mal bei „Motorcycle Bandit“ zu hören), demnach ist der Song auch in CCR-Gefilden angesiedelt.

Das kräftige „Going Down Fighting“ wird von einer herrlich wummerden Orgel bestimmt, gespielt von Ludwig Seuss, der mit diversen Tasteneinlagen auch im weiteren Verlauf, die Hauptakzente neben dem Protagonisten setzt. Das relaxte „El Paso“ stellt die erste Bezüge zu unserem Magazin her. Dezente Reminiszenzen an J.J. Cale (vor allem beim E-Piano) treten hier zu Tage.

Copperfield kann auch Country, wie der schöne Schunkler „Life In Hell“, geführt von Seuss‘ klimperndem HT-Piano-Spiel, beweist. Das wohl eingängigste und hitverdächtigste Lied ist das pettyeske „The Fire Went Out“. Tolle surrende E-Slide-Einlagen von Tilo (überhaupt mit toller Gitarrenarbeit in allen Belangen), gurgelnde Orgel und nette Harmoniegesänge von Isabel Pfeiler sorgen für eine hohe Radiotauglichkeitsquote.

Gegen Ende lässt es T.G. beim stampfenden „Spoonful Of Blues“ nochmal ordentlich krachen, bevor er mit dem ‚kopflosen Bill‘ das, von viel Abwechslungsreichtum gezeichnete Werk in Tex-Mex-Manier ausklingen lässt. Schön hier die zirpende Mandoline. Insgesamt somit eine gute Debütarbeit, lieber T.G.!

Timezone Records (2017)
Stil: Rock & More

01. Rolling Stone
02. Going Down Fighting
03. The Lowdown
04. 3.30 Blues
05. El Paso
06. Life in Hell
07. The Fire Went Out
08. Diabolo
09. Motorcycle Bandit
10. City Of Angels
11. Spooful Of Blues
12. Headless Bill

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Timezone Records

Captain Ivory – 16.12.2016, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Die junge amerikanische Band spielte am Freitag Abend im Blue Notez Club Dortmund. Ein Mix aus ihren zwei Alben „Captain Ivory“ und „No Vacancy“ plus Coversongs von Bruce Springsteen und Fleetwood Macs „Oh Well“, das dem Original in Nichts nachstand. Bereits mit dem ersten Song „Never Mine“ zeigten sie, wohin der Abend geht. Eine Mischung aus Led Zeppelin, The Who und Southern Rock. Drumsolo und Lap Steel-Einlage im Publikum waren schöne Highlights. Ein gelungenes Konzert einer Band, von der man noch viel hören wird.

Bilder und Fazit: Peter Schepers

Captain Ivory
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Teenage Head Music
Blue Notez Dortmund