Chuck Prophet & The Mission Express – 12.02.2017, Wesel, Karo – Konzertbericht

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Ich möchte zunächst mal ein Kompliment an den Karo-Chef Mathias Schüller aussprechen. Er schafft es, nicht nur zur Freude meinerseits,  seit vielen Jahren immer wieder tolle musikalische Acts in sein ‚Wohnzimmer‘ zu holen. Mit der Rockmusiklegende Chuck Prophet samt The Mission Expresss ist ihm ein weiterer echter Husarenstreich für kleines Eintrittsgeld gelungen.

Das fachkundige Publikum dankte es ihm mit einer nahezu ausverkauften Location und einem rundem Abend, bei dem sämtliche Anwesenden ihren Spaß hatten. Es lag natürlich auch am bestens aufgelegten und sympathischen Protagonisten, der sich trotz seiner beeindruckenden musikalischen Vita, von der spartanischen Räumlichkeit mit seinem Probenraum-Charakter, für seine Verhältnisse unbeeindruckt zeigte, ja sogar samt seiner Mitstreiter offensichtlich richtig ‚Bock‘ hatte, ordentlich Gas zu geben.

Für mich war es die zweite Begegnung mit dem einstigen Green On Red-Mitglied. Ich hatte ihn mal 2006 beim Blue Highways-Festival, damals im großen Saal des Utrechter Musiekcentrum Vredenburg vor größerer Kulisse erlebt. Nicht nur der vergangenen Zeit geschuldet, war dieser Abend im Vergleich natürlich an Intensität nicht zu toppen, hier in Wesel konnte man dem Musiker ja quasi fast beim Spielen auf die Schulter klopfen. Das ist dann ja auch immer der Reiz, die solche Orte wie das Karo ausmachen.

Als Support hatte noch für eine halbe Stunde der Singer/Songwriter Max Gomez mit seiner Akustikgitarre den Alleinunterhalter gegeben. Der Bursche aus New Mexico erinnerte mich irgendwie an einen akustisch agierenden John Mayer. Er spielte typischen Stoff in der Tradition von Leuten wie Townes Van Zant & Co., was ihm am Ende viel Applaus und eine Zugabe einbrachte.

Chuck und seine Mitspieler Stephanie Finch, James DePrato, Vicente Rodriguez und Kevin White stiegen mit dem melodisch flockigen Titelstück ihrer brandneuen CD „Bobby Fuller Died For Your Sins“ ein, das dann im weiteren Verlauf mit Songs wie dem pettyesken „Bad Year For Rock And Roll“, dem rockigen „Alex Nieto“ (Finch mit schönem HT-Piano), „Jesus Was A Social Drinker“ (Chuck erstmals mit Akustikgitarre), dem Alan Vega gewidmeten „In The Mausoleum“, dem Stampfer „Coming Out in Code“ und der Ballade „We Got Up and Played“ sehr umfangreich vorgestellt wurde.

Mit dem Chuck Berry-Track „Ramona Say Yes“ und der ersten Interaktion mit dem Karo-Publikum „Temple Beautiful“ hatte das Quintett bereits zu Anfang Stimmung in die Bude gebracht. Prophet führte ganz im Stil eines großen charismatischen Bandchefs, das Publikum wie auch seine Mitspieler durch das Programm. Er weiß genau, wie man eine kollektiv gute Chemie erzeugt und aufbaut.

Das atmosphärische „You Did (Bomp Shooby Dooby Bomp)“ mit grandiosem Prophet E-Solo war mein persönliches Highlight im ersten Abschnitt. Über das stoneske „Ford Ecoline“, dem emotionalen Leonard Cohen-Cover „Iodine“ ging es mit „Summertime Thing“ (mit einem an Marshall Tuckers „Can’t You See“ erinnernden Schlussteil), „Countrified Inner City Technological Man“ (klirrendes Slide-Solo vom stark spielenden DePrato), dem abermals launigen „Wish Me Luck“ (wieder grandioses Prophet E-Solo) und „Willie Mays Is Up At Bat“ (Chuck und James mit Twin-Zusammenspiel) zum Abschluss des Hauptteils in musikalische Regionen, die in unserem Magazin natürlich gerne gehört werden.

Der zu dem Zeitpunkt schon fast euphorisiert wirkende Bandlleader holte zum stürmisch eingeforderten Nachschlag dann o. a. Max Gomez als schöne Geste zur Unterstützung mit auf die Bühne. Mit „Let Her Dance“, dem The Fall-Cover „Mr. Pharmacist“ und „You And Me Baby (Holding On)“ gab es dann noch mal satte drei Zugaben.

Chuck Prophet und sein Mission Express sorgten mit ihrer gut gelaunt und lebensnah performten Mischung aus Rock, Pop, Punk (dezent), Country- und Southern Rock für zwei Stunden beste Unterhaltung. Auf bessere Art und Weise kann man ein Wochenende eigentlich nicht ausklingen lassen (wenn Montags die Arbeit nur nicht wär…) Ein wunderschöner Abend im Karo, an dem es am Ende eigentlich nur Gewinner gab. Danke nochmals an Mathias für die Akkreditierung.

Line-up:
Chuck Prophet (lead vocals, guitars)
Stephanie Finch (keys, percussion, bgv)
James DePrato (guitar, bass, bgv)
Vicente Rodriguez (drums, , keys, bgv)
Kevin White: (bass guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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