Walter Trout – 26.10.2017, Zeche, Bochum – Konzertbericht

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Nachdem die Anreise zur Zeche Bochum aufgrund von Staus und Umleitungen länger als gewohnt gedauerte hatte, war ich dann doch noch nach über zwei Stunden Anfahrt (für ca. 70 km!) auf die letzte Minute um kurz nach 20 Uhr in der proppevollen Zeche angekommen und konnte mir noch mit Mühe einen Platz in der zweiten Reihe ergattern.

Zehn Minuten später betrat dann der Altmeister unter dem Jubelgeschrei der zahlreichen Fans zusammen mit seinen Musikern Sammy Avila (keyboards), Danny Avila (Bass) und Michael Leasure (drums) die Bühne und heizte dem Publikum von Beginn an kräftig ein (u. a. auch mit den älteren Songs „Cold Cold Feeling“ und „Put It Right Back“).

Danach gab’s neues Material vom aktuellen Album „We’re All In This Together“. Auf „Got Nothing Left“ folgte dann mit „Blues For Jimmy T.“ eine Reminiszenz an seinen, wie er selbst sagt, Mentor und LehrmeisterJohn Mayall, eine tolle Bluesnummer über Walter Trouts besten, aber vor einigen Jahren verstorbenen, Freund.

Zuvor holte sich Walter aber noch Dennis Zabienski, einen Gelsenkirchener Gitarristen, auf die Bühne, um mit ihm gemeinsam den B. B. King Klassiker „The Thrill Is Gone“ zu zelebrieren. Von Walter Traut wurde Zabienski als als junges Blues-Talent angesagt, das er schon seit dessen Kindertagen kennt. Der junge Gitarrist legte dann tatsächlich eine Performance hin, die sich hören und sehen lassen konnte. Man darf durchaus gespannt sein, was es von ihm in Zukunft noch so alles zu Hören geben wird.

Der Rest des Konzertes lief dann gewissermaßen unter Familentreffen, da nun auch Walter Trouts Sohn Jon die Bühne betrat und kräftig mitmischen durfte. In „Do You See Me At All“ vom neuen Album lieferte er sich ein wahres Gitarrenduell mit seinem Vater. Im sich anschließenden Titeltrack des Albums „We’re All In This Together“ setzte sich sodann Jons förmlich explodierende Spielfreude fort.

Besinnlich wurde es, als Walter Trout über seine schwere Lebererkrankung und anschließende Lebertransplantation sprach. Seine damaligen Sorgen und Ängste hatte er nach seiner Genesung auf dem Album. „The Battle Scares“ verarbeitet, von dem er das nachdenkliche Stück „Please Take Me Home“ mit Sohn Jon an der Akkustikgitarre spielte. Und natürlich versäumte er es nach dem Song nicht, leidenschaftlich für Organspenden zu werben.

Mit „Going Down“ ging dann das Konzert nach knapp zwei Stunden ohne Pause zu Ende. Herausragend hier Sammy Avilas Sohn mit einem minutenlangen, virtuosen Bass-Solo und einem ebenso beeindruckenden, wilden Schlagzeugsolo von Micheal Leasure. Ein perfekter Abschluss für ein grandioses Konzert mit einem Walter Trout in bester Spiellaune! Kaum zu glauben, dass dieser Mann vor noch nicht allzu langer Zeit mit dem Tod gerungen hat.

Bei dem lautstarken Verlangen des Publikums nach einer Zugabe ließen sich Walter Trout und seine Mannen nicht lange bitten und kehrten unter tosendem Beifall auf die Bühne zurück. Das ruhige „Amazing Grace“ bildete dann in der 15 minütigen Zugabe den Einstieg in den wilden Chuck Berry Rock’ n Roll-Klassiker „Little Queenie“, der vom Auditorium nach Animation von Walter Trout minutenlang inbrünstig mitgesungen und abgefeiert wurde.

Welch ein grandioses Konzert! Schade, dass es gefühlt viel zu schnell endete! Es war Walter Trout at his best!

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, electric guitar)
Danny Avila (bass)
Michael Leasure (drums, vocals)
Sammy Avila (keys, vocals)
Special guests:
Jon Trout (electric guitar, vocals)
Dennis Zabienski (electric guitar)

Bericht und Bilder: Jörg Schneider

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Zeche Bochum
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Jonny Lang – 23.10.2017, Gloria, Köln – Konzertbilder

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Wenn man das Cover der letzten CD von Jonny Lang betrachtet, wirkt er dort ruhig, nachdenklich und etwas tagträumerisch. Doch wenn man ihn im rappelvollen Gloria auf der Bühne erlebt, ist er ganz anders: wild, leidenschaftlich und hingebungsvoll.

Er ist zweifellos einer der besten Live-Performer und ein Top-Gitarrist, zudem hat er eine schöne, sehr markante, als auch rauchige Stimme. Mal steht er relaxt am Mic und singt ruhig, um gleich darauf wieder seine explosionsartigen Soli loszulassen. Es steckt pure Leidenschaft in ihm für den Blues und das Gitarrenspiel.

Im Rahmen seines neuen o. a. Werkes „Signs“ präsentierte er Tracks wie das gleichnamige Titelstück, „Snakes“, „Last Man Standing“ oder „Bring Me Back Home“, aber auch Sachen wie das Muddy Water-Cover „40 Days And 40 Nights“ oder ältere Songs der Marke „Lie To Me“, „Rack Em Up“, „A Quitter Never Wins“ und „Red Light“.

Line-up:
Jonny Lang (lead vocals, guitars)
Zane Carney (guitars, vocals)
Tyrus Sass (keyboards)
James Anton (bass, vocals)
Barry Alexander (drums)

Bilder und Eindrücke: Peter ‚Beppo‘ Szymanski

Jonny Lang
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Gloria Köln
Peter ‚Beppo‘ Szymanski

Ghalia & Mama’s Boys – Let The Demons Out – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die belgische Bluessängerin Ghalia Vauthier hat den großen Teich überquert und sich im Süden der USA Mitstreiter für ihr neues Projekt gesucht. In Zusammenarbeit mit den Mama’s Boys entstand so „Let The Demons Out“ im Music Shed Studio in New Orleans. Ohne die schwüle Atmosphäre einzufangen, die mit der Stadt und ihrer Musik oftmals verbunden wird, setzt Ghalia eher auf eine kühlere Interpretation ihrer Eigenkompositionen, die mit den klassischen Zutaten des Blues beziehungsweise des Rhythm ’n Blues spielen.

Die Tracks der CD bewegen sich überwiegend im Mid- bis Uptempo-Bereich. Auf der Scheibe finden sich drei lupenreine Boogies. „4am Fried Chicken“ ist ein klassisch gemachter Genrebeitrag, während „Hiccup Boogie“ mit experimentellen Gesangspassagen aufwartet. Beide sind textlich originell: Auf die Idee, Fastfood oder einen Schluckauf zu thematisieren, muss man erst mal kommen. „All The Good Things“, aufgewertet durch die Arbeit von Smokehouse Brown an der Gitarre, ist allerdings der Boogie, der mich am meisten mitnimmt. Ebenfalls einer schnellen Gangart folgt das gleichförmige „Hoodoo Evil Man“.

Unter den Midtempo-Songs prägen sich „Have You Seen My Woman“ und „See That Man Alone” schnell ein. Bei „Press That Trigger“ gefällt das treibende Schlagzeug von Rob Lee und der Einsatz der Mundharmonika von Johnny Mastro. Mastro singt zudem das Duett „Waiting“ zusammen mit Ghalia. In dieses integriert sich, wie auch in „Hey Little Baby“, ein kratziges Gitarrenspiel. „I’m Shakin’“ greift Jazz-Elemente auf und sorgt für Abwechslung auf dem Album. Mit dem Blues „Addiction“ schlägt Ghalia ruhigere Töne an, die instrumental sanft unterlegt sind. Mehr Energie entwickelt das ebenfalls zu den langsameren Titeln zählende „Let The Demons Out“.

Ghalias Stimme besitzt keine besonders einprägsame Klangfarbe, aber genug Varianz, um schöne Akzente zu setzen. Gesangstechnisch liefert die Frontfrau sicherlich eine Leistung auf hohem Niveau ab, dennoch – oder gerade deshalb – will bei manchen Songs kaum Gefühl überschwappen. Die CD wirkt bis ins Detail durchgeplant, als hätte Ghalia sich nicht getraut, ihre Dämonen raus zulassen. „Let The Demons Out“ ist ein unaufgeregtes Album, das technisch souverän eingespielt und von Ghalia Vauthier sowie Dean Zucchero, der auch den Bass beisteuert, sauber produziert wurde.

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. 4 AM Fried Chicken
02. Let The Demons Out
03. Press That Trigger
04. Have You Seen My Woman
05. Hoodoo Evil Man
06. Addiction
07. All The Good Things
08. I’m Shakin‘
09. Waiting
10. See That Man Alone
11. Hey Little Baby
12. Hiccup Boogie

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Ruf Records

Supersonic Blues Machine – Californisoul – CD-Review

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Review: Michael Segets

Hinter Supersonic Blues Machine verbergen sich keine Geringeren als Sänger und Gitarrist Lance Lopez, Bassist Fabrizio Grossi und Schlagzeuger Kenny Aronoff. Für ihr zweites Album „Californisoul“ holten sie sich namhafte Unterstützung u. a. von Billy F. Gibbons, Steve Lukather und Walter Trout.

So viel Prominenz schraubt die Erwartungen natürlich nach oben. Diese werden aber locker erfüllt und die Scheibe kann als ein Referenzpunkt der diesjährigen Veröffentlichungen im Bereich Texas Rock gelten. Von den 13 Tracks mit über 63 Minuten Spielzeit stellt zwar nicht jeder einen Volltreffer dar, aber es findet sich auch kein Totalausfall unter ihnen.

„Californisoul“ ist ein homogenes Werk geworden, das sich überwiegend im Midtempo-Bereich bewegt. Alle Songs sind von den drei Bandmitgliedern komponiert. An den beiden sehr starken „L.O.V.E.“ und „Hard Times“ beteiligte sich Serge Simic am Songwriting. Beim letztgenannten Stück steuert Steve Lukather einige Gitarren-Licks bei. „Broken Heart“ klingt streckenweise nach ZZ Top. Das verwundert nicht, da Billy F. Gibbons an dem Song mitwirkt. „Somebody’s Fool“ mit Robben Ford und „Elevate“ mit Eric Gales überzeugen ebenfalls, wobei die Künste der Gastgitarristen ihren Anteil daran haben.

Steht bei diesen Nummern die rockige Seite des Blues Rock im Vordergrund, schlägt bei „What’s Wrong“ unter der Beteiligung von Walter Trout die Nadel in Richtung Blues aus. Mit „Cry“ findet sich ein weiterer Blues auf der Scheibe, der den vorher genannten an Intensität noch übertrifft, was nicht zuletzt an dem nachdenklichen Text und dem gefühlvollen Gesang von Lopez liegt.

Die weiteren Tracks, ohne die Beteiligung von Gastmusikern, „Bad Boys“, mit kraftvollem Schlagzeug und mehrstimmigen Backgroundgesang, sowie die beiden eher straight gespielten „The Stranger“ und „Thank You“ können sich ebenso hören lassen. Das schwächste Stück auf der CD ist „The One“, das zu glatt und gleichförmig arrangiert erscheint und dessen Chorus deplatziert wirkt.

Das Album wird durch „I Am Done Missing You“ und „This Is Love“ gerahmt, die das gleiche Intro aufweisen. Während sich in das Eröffnungsstück nur zeitweilig ein Reggae-Rhythmus mischt, es aber insgesamt dem Blues Rock verhaftet bleibt, behält der Abschluss das Reggae-Feeling durchgängig bei.

Supersonic Blues Machine legt die Messlatte in Sachen Blues Rock hoch. Diese bleibt aber dadurch zu überbieten, dass einzelne Songs in manchen Momenten zu glatt arrangiert anmuten. Pluspunkte gewinnt „Californisoul“ allerdings durch die abwechslungsreichen Kompositionen, die zudem durch die Handschrift der angeworbenen Größen des Blues Rock aufgewertet werden.

Fabrizio Grossi hatte bei der Produktion eine lange Autofahrt vor dem inneren Auge, wofür der Longplayer bestens geeignet ist: Er verleitet nicht zum Rasen, sondern verführt zum Genießen.

Provogue/Mascot Label Group/Rough Trade (2017)
Stil: Texas Rock/Blues Rock

01. I Am Done Missing You
02. Somebody’s Fool
03. Love
04. Broken Heart
05. Bad Boys
06. Elevate
07. The One
08. Hard Times
09. Cry
10. The Stranger
11. What’s Wrong
12. Thank You
13. This Is Love

Supersonic Blues Machine
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SweetKiss Momma – Get Ready For The Getdown – EP-Review

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Review: Michael Segets

Im Gegensatz zum Vorgänger „What You’ve Got“ finden sich auf der aktuellen EP von SweetKiss Momma „Get Ready For The Getdown“ wieder mehr Southern-Einflüsse. Die neue Scheibe ist zudem deutlich abwechslungsreicher als die vorher veröffentlichte EP aus dem Jahr 2015. Besonders auffällig ist der ausgiebige Einsatz der Keyboards, der sich auf den früheren Scheiben von SweetKiss Momma so nicht findet. Musikalisch erweitert die Band um Kopf und Sänger Jeff Hamel damit ihren Sound, ohne dass ihr Wiedererkennungswert verloren geht.

Temporeich wird die EP von den beiden Rock ’n Roll-Stücken „Old Dry Bones“ und „Go On, Get Off“ eröffnet. Der erste Song kommt schön erdig daher. Jeff Hamel bläst in die Mundharmonika, Aaron Arnold steuert ein Gitarrensolo bei und Tyson Lickert traktiert das Schlagzeug vor allem gegen Ende so energisch, dass alle Rocker ihre Freude haben. Beim zweiten Titel kommt Dan Walker an den Tasten das erste Mal zum Einsatz, wobei die Keyboards dem Song einen vollen Klang geben.

Nach dem bereits sehr gelungen Einstieg folgt mit „Just Have You“ der Höhepunkt des Albums. Hier ist das typische Songwriting von Jeff Hamel durch den Wechsel von Gesang, akzentuierten Gitarrenriffs und kurzen Breaks deutlich erkennbar. Die Instrumentalpassage, unterlegt von einem treibenden Schlagzeug, versprüht ordentlich Southern Rock-Flair.

Eine dunkle Atmosphäre entwickelt „Woman Of Wickedness“ vor allem durch härtere Gitarrenriffs und den durch die Keyboards erzeugten Klangteppich. Spannung wird zudem durch Varianz im Rhythmus aufgebaut. Jake Melius überzeugt dabei am Bass.

„Between The Flood And The Fire“ fängt als Gospel an, bei dem Jeff von seinen Familienmitglieder Kim und JT Hamel unterstützt wird. Danach verliert sich das Stück über vier Minuten in einem unspektakulären Instrumentalgeplänkel.

Mit Ausnahme dieses Tracks sind die einzelnen Songs tolle Nummern, auch wenn sie vielleicht nicht ganz an die Highlights der ersten beiden Longplayer heranreichen. In der Gesamtschau bietet „Get Ready For The Getdown“ – zieht man die fünf Minuten des Abschlussstücks ab – eine gute Viertelstunde Rockmusik, wie man sie von SweetKiss Momma hören möchte.

Die Band aus Seattle nutzt die neue Veröffentlichung, um zum dritten Mal Europa zu besuchen. Die Tour im November und Dezember führt SweetKiss Momma diesmal leider nicht in die Krefelder Kulturrampe, wo sie mich letztes Jahr noch mehr als Daniel begeisterte. Diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, sich an einem vorweihnachtlichen Konzertbesuch zu erfreuen, können sich mit „Santa’s Got Bad Intentions“, einem Track von SweetKiss Momma auf dem Sampler „A Band In Seattle“, trösten.

Eigenproduktion (2017)
Stil: Rock/Southern Rock

01. Old Dry Bones
02. Go On Get Off
03. Just Have You
04. Woman Of Wickednesss
05. Between The Flood And The Fire

SweetKiss Momma
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Black Pike Favorites

Albert Castiglia – Up All Night – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

„Up All Night“, der Titel des mittlerweile achte Soloalbum von Albert Castiglia, kann auch als Synonym seiner Musikerlaufbahn gesehen werden. Spätestens seit den 2014 und 2016 erschienenen Alben „Solid Ground“ und „Big Dog“ scheint der in Florida lebende und in New York geborenen Castiglia seinen Stil, mit einem rauhen schnörkellosen Blues Rock gefunden zu haben.

Eine positiven Einfluss müssen wohl auch die Dockside Studios auf Castiglia ausstrahlen, in dem er schon die letzte Platte aufnahm. Er selbst sagte: „Warum sollte ein Ort verändert werden, an dem man sich wie zu Hause fühlt?“ Ein weiterer Faktor der zum Gelingen beigetragen haben dürfte ist, dass Mike Zito „Up All Night“ produzierte. So kann man bei einigen Songs auch musikalische Nähe zu einem Blues im Stile eines Stevie RayVaughn erkennen, ohne dass der Verdacht besteht, es wird ein Abklatsch versucht.

Mit „Hoodoo On Me“ nimmt die Platte schon im ersten Stück Fahrt auf. Unterstützt von seiner Rhythmussektion, Jimmy Pritchard am Bass und Brian Menendez an den Drums, bleibt Castiglia genügend Spielraum, seine Künste mit schnellen Soli auszuleben.

„I Been Up All Night“ ist mein absoluter Favorit auf der Platte. Dies mag auch daran liegen, dass der Gesang und manche Passagen mich an Randy Bachman von BTO, einen meiner Lieblingsmusiker erinnern. Einfach guter rockiger Blues! Das jammende „Three Legged Dog“ anfangs etwas düsterer daher kommend, endet in einem schnellen Gitarrensolo, welches live einen großen Spielraum bergen könnte.

„95 South“ eine schnelle rockige Nummer, dieauch aus der Feder eines John Fogerty kommen könnte und ist für mich das zweite absolute Highlight der Scheibe, an das „Knocked Down Loaded“ stilistisch fast nahtlos anschließt.

Mit „Quit Your Bitching“, aus der Feder von Mike Zito, wird etwas Fahrt aus der Geschichte genommen. Eine schöne Nummer, ein klein wenig swingend, auch als Untermalung in einer Bar gut geeignet. Nach dieser kurzen Atempause nimmt Castiglia mit „Woman Don’t Lie“ wieder Tempo in seinem eher rauhen Blues auf.

Bei „Unhappy House Of Blues“ wird das Trio von Lewis Stephens an den Keyboards und Johnny Sansone an der Mundharmonika unterstützt, was dem Song die nötige Breite gibt, um eine leicht tragende, zum Teil traurige Stimmung zu verbreiten. Da kommt das eher stimmungsvoll, peppige „Delilah“, in dem Sonny Landreth an der Slide Guitar unterstützt, genau richtig, dass gar nicht die Gefahr besteht in einen „depressiven Blues“ zu verfallen.

Mit „Chase Her Arround The House“ „küsst“ Castiglia den Rock’n’Roll: Eine Tanznummer für einen Honkytonk-Laden, mit schönen typischen Piano-Hintergrundeinlagen.

Den Abschluss bildet mit „You Got Me To That Place“ ein Old School Blues, der auch als Anspielung auf die Dockside Studios gesehen werden kann, da im Refrain zum Ende ein „where I never wanna ever leave“ ergänzt wird. Wenn es Castiglia mit Band gelingt, das Niveau auf kommenden Alben fortzusetzen, und der Aufnahmeort eine wichtige Rolle zur Stimmung beiträgt, ist es mit Sicherheit keine schlechte Idee, diesbezüglich nicht zu experimentieren.

Mit „Up All Night“ ist ihm auf jedem Fall eine abwechslungsreiche und starke Platte gelungen, die sich der Bluesfan nicht entgehen lassen sollte. Schön wäre es, wenn Castiglia und Band in naher Zukunft auch die hiesigen Breiten besucht, um den Liebhabern des Genres auch live seine Songs zu präsentieren.

Musiker:
Albert Castiglia – Guitar & Lead Vocals
Jimmy Pritchard – Bass
Brian Menendez – Drums

Gäste:
Mike Zito – Guitar & Vocals
Lewis Stepens – Keyboards
Johnny Sansone – Harp
Sonny Landreth – Slide Guitar

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Hoodoo On Me
02. I Been Up All NIght
03. Three Legged Dog
04. 95 South
05. Knocked Down Loaded
06. Quit Your Bitching
07. Woman Don’t Lie
08. Unhappy House Of Blues
09. Delilah
10. Chase Her Around The House
11. You Got Me To That Place

Albert Castiglia
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Ruf Records

King King – Exile & Grace – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits vor zwei Jahren wurde ich das erste Mal auf die Band mit dem charismatischen, Schottenrock tragenden Frontmann Alan Nimmo aufmerksam. Leider kam es aber zeitlich nie aus, dass ich mal eines ihrer Konzerte besuchen konnte. Umso gespannter war ich natürlich auf das mittlerweile fünfte Album der Glasgower Jungs, die im Laufe ihrer achtjährigen Bandgeschichte bereits dreimal zur besten britischen Bluesband gewählt wurden und sich in bester Gesellschaft mit Joe Bonamassa in der British Blues Awards Hall Of Fame befinden.

„Exile & Grace“ unterscheidet sich merklich von den Vorgängeralben, die alle durchweg wesentlich bluesig-poppiger waren. Das neue Album ist eine Reminiszenz an die guten alten 70er Jahre („Heed The Warning“) und deren bekannte Rockbands. Es ist also deutlich härter und rockiger als die ersten Alben, wenngleich es trotzdem Elemente aus dem Bereich des Blues Rock enthält. Fast alle Tracks der auf dem Silberling enthaltenen neun Lieder lassen die Kraft und den Geist von so großartigen Bands wie zum Beispiel Bad Company oder Whitesnake wieder aufleben.

Bei allen Stücken steht Alan Nimmos markante Stimme im Vordergrund, in den Refrains oft mehrstimmig unterstützt. Zudem sind die Songs vielfach, 70er Jahre typisch, mit einem partiellen dezenten, Synthesizer-ähnlichen Klangteppich unterlegt („Broken“). Stimmige Leadgitarreneinlagen runden das rockige Gesamtbild ab.

Der einzige reine Blues auf dem Album ist „Find Your Way Home“, die anderen Nummern sind allesamt in ihrer Gangart härter, treibender („She Don’t Gimme No Lovin’“) und immer zum Abtanzen (z. B. das straighte „Long Time Running“) geeignet. Das Blues Rock-Stück „Betrayed Me“ erinnert in Tempo und Stil stark an Bad Company, während „I Don‘t Wonna Lie“ und das harte „Tear It All Up“ eher in die Richtung von Whitesnake tendieren. „Nobody Knows Your Name“ hebt sich durch ein Intro mit Southern Rock-typischen Elementen, die sich wiederholend durch den gesamten Song ziehen, stilistisch etwas vom Rest der CD ab.

Insgesamt ist „Exile & Grace“ ein kraftvolles Album mit deutlichen Classic Rock Anleihen. Es sage also niemand, die Schotten könnten nur Dudelsack. Dass dem tatsächlich nicht so ist, beweist King King hier mit Nachdruck. Vom 01.03.2018 an gehen die Schotten übrigens wieder auf eine 14-tägige Deutschlandtournee, ein guter Anlass also, um sich von den musikalischen Qualitäten der Jungs zu überzeugen, die zur Zeit sicherlich nicht umsonst eine der angesagten Bands Großbritanniens sind.

Line-Up:
Alan Nimmo – Vocals, Gitarre
Lindsay Coulson – Bass
Wayne Proctor – Drums
Bob Fridzema – Keyboards

Manhaton Records (2017)
Stil: Blues Rock/Classic Rock

01. (She Don’t) Gimme No Lovin‘
02. Heed The Warning
03. Broken
04. Find Your Way Home
05. Tear It All Up
06. Betrayed Me
07. Long Time Running
08. Nobody Knows Your Name
09. I Don’t Wanna Lie

King King
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Chris Rea – Road Songs For Lovers – CD-Review

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Review: Michael Segets

Chris Rea muss an dieser Stelle nicht eigens vorgestellt werden. 30 Millionen verkaufte Alben sprechen für sich. Klassiker wie „I Can Hear Your Heartbeat“, „Josephine“ oder „The Road To Hell“ gehen auf sein Konto. Nach seinen großen Erfolgen der 80er und 90er Jahren wurde um die Jahrtausendwende bei ihm eine schwere Erkrankung diagnostiziert und Chris Rea wandte sich Projekten zu, die ihm besonders am Herzen lagen, aber weniger mainstreamtauglich waren.

Jetzt legt er mit „Road Songs For Lovers“ ein neues Album vor, das nahtlos an den Sound früherer Jahre anknüpft. Seine unverwechselbare Stimme, sein typisches Gitarrenspiel und das Songwriting garantieren einen hohen Wiedererkennungswert. Thematisch geht es in vielen Stücken um Reisen, Veränderungen und die Bewegungen auf dem Lebensweg, wie bereits die Titel andeuten.

„Happy On The Road“ eröffnet den Longplayer. Die Midtempo-Nummer (sogar dezentes Southern-Flair) strahlt trotz aller Nachdenklichkeit eine Gelassenheit aus, die den Grundton des Albums vorgibt. Dieser wird auch bei der Ballade „Nothing Left Behind” aufgegriffen, in der sich schöne Klavierpassagen finden.

Dem unaufgeregten Titelstück „Road Songs For Lovers“ folgt das etwas sperrigere „Money“ mit Blues- und Jazz-Einflüssen. „Two Lost Souls“ ist eine wehmütige Rockballade, die sich direkt als Chris-Rea-Song identifizieren lässt. Mit „Rock My Soul“ greift Rea Swing-Elemente auf, welche durch den Einsatz des Schlagzeug-Besens und der Bläser verstärkt werden.

„Moving On“ überzeugt mit guter Percussion, „The Road Ahead“ mit kraftvollem Schlagzeug und rockiger Gitarre. Letztgenannter Song ist als erste Single sicherlich die richtige Wahl. Die beiden Tracks bilden zusammen mit dem folgenden, tief gesungenen Blues „Last Train“ den stärksten Teil des Albums. Bei dem Sprechgesang wirkt Chris Reas Stimme weniger samtig als üblich. Schlagzeug, Bläser und Gitarre ergänzen sich bei dem langen Instrumentalteil am Ende hervorragend. Einzig das Fade-Out hätte – wie bei anderen Songs auch – anders gelöst werden können.

Drei gefühlvolle Balladen vervollständigen die CD, bei denen es Rea auf seine eigene Weise gelingt, die mitschwingende Sentimentalität nicht im Kitsch enden zu lassen. Seine Stimme hat bei „Angel Of Love“ wieder die für ihn charakteristische warme Färbung. In die reduzierten „Breaking Point“ und „Beautiful“ mischen sich gebrochene Töne in seinen Gesang, die den Songs eine hohe Intensität verleihen.

Mit 66 Jahren, wenn andere an die Rente denken, will es Chris Rea nochmal wissen. Ihm ist ein Album gelungen, mit dem er Liebhaber seiner eingängigeren Werke wieder zurückgewinnen wird. Vermutlich findet sich kein überragender Single-Hit auf der Scheibe, aber Reas Einladung zu einem nachdenklichen und dennoch entspannten Road-Trip folgt man gerne über die ganze Strecke.

BMG – (2017)
Stil: Blues/Rock

01. Happy On The Road
02. Nothing Left Behind
03. Road Songs For Lovers
04. Money
05. Two Lost Souls
06. Rock My Soul
07. Moving On
08. The Road Ahead
09. Last Train
10. Angel Of Love
11. Breaking Point
12. Beautiful

Chris Rea
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David Crosby – Sky Trails – CD-Review

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Über die mittlerweile 75-jährige Musiker-Legende David Crosby braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren. Gerade in Verbindung mit seinen Kollegen Graham Nash, Stephen Stills und Neil Young ist sein Wirken so ziemlich jedem unserer Generation in irgendeiner Form bekannt. Er ist gleich zweimal in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen worden, dazu 2009 in die prestigeträchtige Songwriters Hall Of Fame.

Auch wenn er mich nicht zu seiner eigentlichen Klientel zählen darf, hatte ich ebenfalls meine Berührungspunkte mit ihm, die allerdings auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her sind. Zum einen kaufte ich mir Anfang der Achtziger Jahre in einem Anflug einer Westcoast-Begeisterungsphase die CS&N-Alben „Daylight Again“ und „Allies“, im Rahmen des letztgenannten Werkes sah ich das Trio 1983, auf dem heiligen Rasen des Georg-Melches-Stadions stehend (leider war meine damalige, dort hinterlassene Aura als Tischtennis-Bundesliga-Spieler nicht mit den nachfolgenden Generationen der Rot-Weiss Essen-Fußballspieler kompatibel…) , als Headliner eines Festivals mit den weiteren Voracts Icehouse, Peter Tosh, Van Morrison und Mike Oldfield.

Das war es dann aber auch bis zum heutigen Tage. Jetzt hat mir Netinfect Promotion David Crosbys neues Solo-Werk „Sky Trails“ einfach mal zugeschickt, das im Wesentlichen in Zusammenarbeit von ihm und seinem einst zur Adoption freigegebenen Sohn, James Raymond,  getragen wird. Weitere involvierte Musiker sind u. a. Leute wie Steve Tavaglione (Sopran-Saxofon), Mai Agen (Bass) und Steve DeStanislao (Drums) sowie Becca Stevens (schöne Harmoniegesänge beim Titelstück „Sky Trails“).

Das Gesamtwerk wird überwiegend getragen von einem relaxten, oft fast schon meditativen Charakter, diverse Tracks sind von einem gediegenen Steely Dan-Flair umweht. Bezugspunkte zu unserem Magazin gibt es lediglich durch ein paar eingeflochtene Steel-Passagen wie bei meinem, die Gier in Politikerkreisen anprangernden Lieblingsstück auf diesem Silberling, „Capitol“, bei dem bei Crosby so ein wenig wieder der wütende Alt-Revoluzzer zum Vorschein kommt.

Insgesamt ist „Sky Trails“ ein sehr spezielles, teilweise manchmal schon fast Kammermusik-artiges Album für die eher ruhigen Momente im Wohnzimmer. Um eine weiterführende, vielleicht sogar himmlische Wirkung von Crosbys Kreationen hier beurteilen zu können, müsste begleitend vermutlich noch der eine oder andere Joint gezündet werden…

BMG – (2017)
Stil: Westcoast, (Psychedelic) Folk

01. She’s Got To Be Somewhere
02. Sky Trails
03. Sell Me a Diamond
04. Before Tomorrow Falls On Love
05. Here It’s Almost Sunset
06. Capitol
07. Amelia
08. Somebody Home
09. Curved Air
10. Home Free

David Crosby
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Gil Edwards – Celebrate – CD-Review

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Review: Michael Segets

Gil Edwards feiert sein fünfzigjähriges Jubiläum als Musiker mit der passend betitelten CD „Celebrate“, die Live-Aufnahmen von Konzerten in Deutschland versammelt. Als Krefelder freut es mich, dass vier der neun Tracks im heimischen „Jazzkeller“ mitgeschnitten wurden. Da das Publikum kaum wahrnehmbar ist, handelt es sich bei der Scheibe allerdings nicht um ein Live-Album im üblichen Sinne. Die von Martin Engelien übernommene Produktion fängt den rauen Charme von Gil Edwards Stimme ein.

Die Einschätzung der Platte fällt zwiespältig aus und lässt sich an der Gegenüberstellung von Eigenkompositionen und Covern festmachen. Die fünf Eigenkompositionen überzeugen weitaus mehr als die Interpretation der „Klassiker“.

Das von Edwards geschriebene „Hey, Hey, Hey“ verfügt – wie der Titel bereits vermuten lässt – über einen sehr eingängigen Refrain, den auch „Don’t Wanna Hear About It“ vorzuweisen hat. Die beiden locker drauflos rockenden Stücke machen richtig Spaß und bringen bei Live-Shows das Publikum bestimmt in Wallung. Wie ein alter Bekannter wirkt das emotional bewegende „Lying“. Edwards, der seinen Musikstil auch als Roadhouse bezeichnet, zeigt bei „Turn My Head Around“ seine Affinität zum Blues Rock. Der Blues infiltriert auch „Wishing Well“. Die selbst geschriebenen Titel strotzen zwar nicht vor Originalität, aber sind doch sehr gelungene Genrebeiträge.

Backgroundsängerin Angie Damschen verfügt über eine unglaubliche Stimme und peppt mit ihren Einlagen viele Stücke ungemein auf. Elektrische Gitarrensoli sind fester Bestandteil aller Eigenkompositionen. Edwards überlässt diese Joerg Dudys und Dennis Hormes, die gute Arbeit abliefern.

Ausgeprägte Gitarrenpassagen prägen ebenfalls die vier Coverversionen. So kommen die beiden Stücke von den Rolling Stones jeweils fast an die acht Minuten. Bei „Wild Horses“ – einem meiner Favoriten aus der Feder von Mick Jagger und Keith Richards – will das Gefühl der Ballade nicht richtig überspringen. Aber das mag jeder anders empfinden. In „Paint It Black“ sticht die Percussion von Pitti Hecht heraus. Insgesamt ist die Version sehr verspielt und verliert dadurch etwas an Drive.

Das in meiner Jugendzeit von Kim Wilde performte – vorher von The Supremes und später von Vanilla Fudge aufgenommene – „You Keep Me Hangin´ On“ hat mich nie begeistert. Die Version von Gil Edwards, bei der mich auch der Gesang nicht durchgängig anspricht, ändert daran nichts. Die unaufgeregte Interpretation von Bob Dylans „My Back Pages“ ist das gelungenste Cover und bildet einen schönen Abschluss der CD.

Die Cover funktionieren im Konzertsaal bestimmt, aber ich hätte mir für den Longplayer mehr von Gil Edwards Kompositionen gewünscht. Er schreibt gute Lieder und vielleicht wäre es eine Idee gewesen, bei „Celebration“ auf Songs seiner beiden Alben „Can’t Give Up“ (1999) und „Mayday Situation“ (2004) zurückzugreifen, statt die anderer Künstler aufzunehmen.

A 1 Records/SPV (2017)
Stil: Rock/Roadhouse

01. Hey, Hey, Hey
02. Lying
03. You Keep Me Hangin‘ On
04. Don’t Wanna Hear About It
05. Paint It Black
06. Turn My Head Around
07. Wild Horses
08. Wishing Well
09. My Back Pages

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