Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival 2019 – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits 1999 organisierte Eric Clapton den Vorläufer des jetzigen Festivals zur finanziellen Unterstützung des Crossroads Center, einer Therapieeinrichtung in Antigua für Drogen- und Alkoholabhängige. 2004 wurde daraus das inzwischen mit Kultstatus behaftete „Crossroads Guitar Festival“. Seitdem hat es unter Führung von Clapton regelmäßig, mit Ausnahme von 2016, alle drei Jahre stattgefunden, zuletzt in 2013.

Nun ist das Festival im Herbst letzten Jahres zum fünften Mal zurückgekehrt und natürlich wieder mit von Clapton handverlesenen Gitarristen und Musikern der Spitzenklasse. Wer von ihm ausgewählt wird und auf dem Festival auftreten darf, kann sich sicherlich mit Recht zur Creme de la Creme der Blues- und Rockmusik zählen.

Mit dabei sind, wie in allen Jahren zuvor auch, die Blues- und Rock-Urgesteine Buddy Guy, und Jeff Beck, sowie Doyle Bramhall ll, Jimmie Vaughan, John Mayer, Robert Cray, Robert Randolph, Sonny Landreth und Vince Gill. Stattgefunden hat das Event am 20. und 21. September letzten Jahres in Dallas mit vielen weiteren Größen der Blues und Rock Szene (Andy Fairweather Low, Peter Frampton, Sheryl Crow, Los Lobos, Bonnie Raitt, Keb‘ Mo‘).

Eine besondere Erwähnung verdienen Doyle Bramhall II, Susan Tedeschis und Derek Trucks Version von „I Wanna Be Your Dog“, dem Punk-Klassiker von Iggy Pop und den Stooges sowie die Clapton Songs „Lay Down Sally“, „Wonderful Tonight“ und „Layla“. Die beiden erstgenannten Songs performt der Meister mit Andy Fairweather Low und „Layla“ mit Doyle Bramhall ll und John Mayer.

Im Laufe des Konzertes erweist Clapton dann auch noch zusammen mit Peter Frampton seine Reminiszenz an George Harrison, und dies, wie könnte es anders sein, mit „While My Guitar Gently Weeps“. Zusätzlich gibt‘s gegen Ende des Festivals noch den Cream-Klassiker „Badge“, der allerdings in Claptons moderner Version nicht so überzeugend klingt.

Vor allem müssen aber die im Line-up auftauchenden talentierten bzw. jüngeren und zumindest hierzulande wahrscheinlich mehr oder weniger unbekannteren Künstler hervorgehoben werden. Sie haben das Festival enorm bereichert.
Citizen Cope ist bereit seit 1995 in Sachen Blues, Soul und Folk unterwegs. Nach seinen Auftritten in 2010 und 2017 war er auch letztes Jahr wieder mit einem Song dabei. Zusammen mit Gary Clark Jr. jammt er den Song „Sons Gonna Rise“, ein hörenswerter, melodiöser Blues mit schönem Gesangsolo im Mittelteil.

Ganz anders Gustavo Santaolalla. Er stammt aus Argentinien und gilt als Mitbegründer des Latin-Rock. Mit „Lait De Ushuaia A La Quiaca“ liefert er ein relaxtes Latin-Instrumental auf der Gitarre ab, begleitet von einer Violine.

Auch „Lift Off“, gespielt von dem erst 25-jährigen Briten Tom Misch, ist ein hervorragendes Instrumentalstück, in dem er vorwiegend auf dem unteren Teil des Gitarrenhalses die Saiten zupft.

Pedro Martins und Daniel Santiago hingegen sind brasilianische Jazzgitarristen. Mit „Retrato“, einer ruhigen, südamerikanischen Gitarrennummer mit leichten Flamenco-Einflüssen, schmeicheln sich die beiden, hervorragend aufeinander eingespielt, in unsere Gehörgänge. In „B-Side“ wird Kurt Rosenwinkel, ein US-Jazzgitarrist der in Berlin lebt und bereits 2013 mit von der Partie war, dann auch noch einmal von Pedro Martins unterstützt. In dem Song stehen ebenfalls wieder weiche und melodiöse Klänge im Vordergrund.

Am meisten beeindruckt hat den Schreiber dieser Zeilen allerdings die jamaikanisch-griechische Sängerin Lianne La Havas. In ihrer Ballade „Is Your Love Big Enough“ überzeugt sie mit klarer Jazz-Stimme und einem minimalistisch-einprägsamen Gitarrenlauf.

Mit „I Say A Little Prayer“ hatten bereits Dionne Warwick in 1957 und 10 Jahre später auch Aretha Franklin Erfolg. Lianne La Havas gelingt es diese zwei in die Jahre gekommenen Stücke nur mit ihrer zarten Stimme und dezenter Gitarre zu entstauben und in einem ansprechenden modernen Gewand leicht jazzig zu präsentieren. Toll!

Eine weitere Überraschung des Festivals war sicherlich die aus South Carolina stammende Marcus King Band. Ihr Titel „How Long“ geht mächtig ab und erinnert durch flotte Bläsersätze an vergangene Soul-Zeiten. Ganz anders, und dennoch absolut hörenswert, ist „Goodbye Carolina“, ein einfühlsamer Südstaaten Blues getragen von Marcus Kings leicht heiserer Stimme.

Den krönenden Abschluss des Festival bilden schließlich nach fast vierstündigem Hör- bzw. Videogenuss die Nummern „Purple Rain“ und „High Time We Went“, die der Meister beide mit dem gesamten Ensemble intoniert und zelebriert.

Insgesamt wurden 43 Songs des zweitägigen Festivals der Nachwelt auf CD, DVD, Blue Ray und Vinyl erhalten. Über den Ladentisch gehen die Teile seit dem 20.11.2020.

Eine kleine Kostprobe des Events gibt’s auf YouTube mit der Marcus King Band – „Goodbye Carolina“, Lianne La Havas – „I Say A Little Player“ und Eric Clapton – „Badge“ zu sehen und zu hören.

RHINO / Warner Music (2020)
Stil: Rock, Blues, Soul

Tracklist:
01. Native Stepson – Sonny Landreth
02. Wonderful Tonight – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
03. Lay Down Sally – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
04. Million Miles – Bonnie Raitt, Ken Mo’ & Alan Darby
05. Sons Gonna Rise – Citizen Cope with Gary Clark Jr.
06. Lait De Ushuaia A La Quiaca – Gustavo Santaolalla
07. I Wanna Be Your Dog – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
08. Thats How Strong My Love Is – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
09. Going Going Gone – Eric Clapton & Tedeschi Trucks Band
10. Lift Off – Tom Misch
11. Cognac – Buddy Guy & Jonny Lang
12. Everything Is Broken – Sheryl Crow with James Bay
13. Every Day Is A Winding Road – Sheryl Crow with James Bay
14. Retrato – Daniel Santiago & Pedro Martins
15. B-Side- Kurt Rosenwinkel with Pedro Martins
16. Baby Please Come Home – Jimmie Vaughan with Bonnie Raitt
17. I Shiver – Robert Cray
18. How Long – The Marcus King Band
19. Goodbye Carolina – The Marcus King Band
20. While My Guitar Gently Weeps – Peter Frampton with Eric Clapton
21. Space For The Papa – Jeff Beck
22. Big Block – Jeff Beck
23. Caroline No – Jeff Beck
24. Cut Em Loose – Robert Randolph
25. Hold Back The River – James Bay
26. When We Were On Fire – James Bay
27. Mas Y Mas – Los Lobos
28. Am I Wrong – Keb‘ Mo’
29. Slow Dancing In A Burning Room – John Mayer
30. How Blue Can You Get – Tedeschi Trucks Band
31. Shame – Tedeschi Trucks Band
32. Ís Your Love Big Enough – Lianna La Havas
33. I Say A Little Prayer – Lianna La Havas
34. Feed The Babies – Gary Clark Jr.
35. I Got My Eyer On You Locked Loaded – Gary Clark Jr.
36. Pearl Cadillac – Gary Clark Jr.
37. Tonight The Bottle Let Me Down – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
38. Tulsa Time – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
39. Drifting Too Far From The Shore – Bradley Walker with Vince Gill, Albert Lee         & Jerry Douglas
40. Badge – Eric Clapton
41. Layla – Eric Clapton with John Mayer & Doyle Bramhall II
42. Purple Rain – Eric Clapton & Ensemble
43. High Time We Went – Eric Clapton & Ensemble

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival
Eric Clapton
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Oktober Promotion

When Rivers Meet – We Fly Free – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Das britische Newcomer-Ehepaar Grace und Aaron Bond ist erst seit 2019 im Geschäft und hatte bereits im letzten Jahr mit ihrem Kurzwerk EP „The Uprising EP“ in der heimischen Blues-Szene für mächtig Wirbel gesorgt, so dass bereits im Mai 2020 eine weitere EP mit dem Titel „Innocence Of Youth“ folgte. Und nun erscheint ihr erstes „komplettes“ Debüt-Album „We Fly Free“.

Im Vergleich zu den beiden Vorgängern hinterlässt die neue Scheibe einen über weite Strecken eher düstereren Klangeindruck, wobei die Vorliebe der beiden zu klassischem Rock eindeutig zum Vorschein kommt. Mit ihrer klaren Alt-Stimme setzt Grace Bond im Leadgesang immer wieder wirkungsvolle Kontraste zu den ansonsten oftmals mächtigen Gitarrenriffs, die ihr Mann Aaron an der Leadgitarre, unterstützt von Adam Bowers am Bass, hervorzaubert.

Er selbst hält sich dabei gesanglich zurück und ist nur auf wenigen Stücken als Leadsänger zu hören (z. B. „Take Me To The River“). Graces wundervolle Lead-Stimme kommt am besten in den etwas ruhigeren, nicht so bombastisch klingenden Tracks, bzw. Passagen zur Geltung. „I’d Have Fallen“, ein ruhiger Song mit nachdenklich stimmenden Lyrics und Violinenunterstützung ist so ein Beispiel dafür oder auch das ruhige „I Will Fight“ mit bluesigem Slidegitarrenintro, Harmoniegesängen und rhythmusstiftendem Klavierspiel im Hintergrund.

Auch in „Friend Of Mine“ kann Grace ihr Sangeskünste und stimmliche Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis stellten. Es ist ein eher in die traditionelle Richtung weisender Blues mit Cigarbox- und Slidegitarreneinlagen. Dies sind auch die mit Abstand gelungensten Nummern auf der Scheibe.

Ansonsten rockt die Scheibe mächtig und die zahlreichen Slidegitarrenriffs verleihen den Songs eine besondere Note, z. B. in „Did I Break The Law“ (fetter Bass und energiegeladener Rhythmus), im schweißtreibenden „Battleground“, in „Kissing The Sky“ (Slide-Mandoline und Hammondorgel im Stil der 70’er Jahre) oder auch in dem Rocker „Take Me To the River“. Melodiös-gemächlich startet „Bound For Nowhere“ und wechselt sich im weiteren Verlauf immer wieder mit temporeichen Passagen ab.

Nach eigenem Bekunden liebt das Ehepaar Bond Harmoniegesänge, beispielsweise zu hören in „Walking On The Wire“ oder dem gefühlvollen und zum Träumen einladenden Akustik-Gitarren-Blues „Bury My Body“. Neben dem langsam daher rollenden „Breaker of Chains“ mit Americana-Attitude ist dies auch der wirklich einzige Song auf der Scheibe, der sich klar dem Blues zuordnen lässt.

Mit dem Titelsong „We Fly Free“ findet das Album dann nach gut 40 Minuten einen rockigen Abschluss. Ein fetziges Schlagzeugintro, Graces Gesang kombiniert mit unterschiedliche Tempi erzeugen Spannung und Kontraste, die es noch einmal richtig hoch her gehen lassen.

Bemerkenswert an dem Werk ist, dass Grace Bond mit einer Slide-Resonator-Mandoline und einer Violine für zusätzliche, ungewöhnliche Akzente sorgt. Schade nur, dass Hammond-Orgel, Klavier und Slide-Mandoline angesichts der mächtigen Gitarrenriffs oftmals übertönt werden und dadurch unnötigerweise in den Hintergrund treten. Da wird aus meiner Sicht viel Potential verschenkt. Trotzdem sorgt alles zusammengenommen für einen fetten Sound mit Alleinstellungsmerkmal.

Insgesamt gesehen ist das Album wohl eher dem Rock/Alternative Rock mit bluesigen Einflüssen zuzurechnen. In die Schublade „Blues“ passt die Scheibe nicht so wirklich hinein. Trotzdem oder gerade auch deshalb ist das Teil sicherlich für Leute interessant, die deftigere Töne bevorzugen.

One Road Records (2020)
Stil: Rock/Alternative Rock/Blues

Tracklist:
01. Did I Break The Law
02. Bound For Nowhere
03. Walking On The Wire
04. I’d Have Fallen
05. Battleground
06. Kissing The Sky
07. Breaker Of Chains
08. I Will Fight
09. Bury My Body
10. Take Me To The River
11. Friend Of Mine
12. We Fly Free

When Rivers Meet
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Another Dimension

Danny Brooks & Lil Miss Debi – Are You Ready? The Mississippi Sessions – CD-Review

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Review: Michael Segets

Texassippi Soul Man Danny Brooks und seine Frau Lil Miss Debi haben den Output ihrer Mississippi Sessions auf eine randvolle CD gepackt. Mit den zwanzig Songs unternehmen sie einen Streifzug durch Blues, Americana und Rock. „Are You Ready?“ wirkt unverstellt und handgemacht und liefert in allen Stilbereichen Titel mit hoher Qualität.

Danny Brooks klärt darüber auf, dass der Blues der Vater des Rock ‘n Roll ist („Rock N Roll Was The Baby“) und das bereits Jesus den Blues besaß („Jesus Had The Blues“). Es bietet sich daher an, die Blues-Titel zu Beginn des Reviews in den Blick zu nehmen. Die konkreteren Wurzeln seiner Musik verortet Brooks im Mississippi Delta. Seine rauchig angekratzte Stimme passt auch prima zu diesem. Auf „The Battle” klingt Brooks beinahe wie Tom Waits. Zusätzlichen Drive erhält der Titel durch die Bläser, die auch mehrere andere Stücke aufwerten.

Die Mehrzahl seiner Blues-infiltrierten Songs legt einen flotteren Gang ein („Me And Brownie McGhee“) und gelegentlich lässt er es mit Resonator-Gitarre und Mundharmonika richtig scheppern („One More Mile (To Mississippi)“). Bei dem Duett mit Lil Miss Debi „No Easy Way Out“ reduziert Brooks das Tempo etwas, der Song bleibt aber kraftvoll.

Das starke „We Do Whatever It Takes“ bewegt sich zwischen Blues und Americana. Mit „Where Will you Stand“ legt Brooks noch einen großartigen Track in dieser Richtung drauf. Wenn Brooks sich dem Americana zuwendet, erinnern seine Songs zum Teil an John Hiatt („When I’m Holding You“). Lil Miss Debi steuert eine gefühlvolle Version von John Prines „Angel From Montgomery“ dem Werk bei. Mit Ausnahme dieses Klassikers stammen alle Songs von Brooks. Dass er selbst ebenfalls stimmungsvolle Balladen singen kann, zeigt er auf „Climb That Mountain“.

Bietet „Are You Ready?“ bereits im Blues und Americana einige Leckerbissen, sind die rockigen Titel doch der Höhepunkt des Menüs. Ganz im Stil des frühen Southside Johnnys serviert Brooks seinen Rock mit einer gehörigen Portion Soul. Beim Titeltrack und bei „Coming Home“ glänzt James Lawlis am Saxophon. Mundharmonika und Orgeln in Verbindung mit einem kräftigen Backgroundchor lassen mit „Without Love“ die guten alten Zeiten wiederaufleben.

Etwas aus der Reihe fallen „Jamaica Sun“, das einen leichten Reggae-Anflug aufweist, sowie die Schunkel-Nummer „Put A Little Rock N‘ Roll In Your Soul“, die Dancehall-Flair in einer Verbindung von Cajun und Country erzeugt. Dennoch integrieren sich die Tracks ohne Bruch in das Gesamtwerk. Dessen musikalische Bandbreite wird mit „Let Me Know“ noch erweitert, das vom Gospel beeinflusst ist.

Andere Musiker hätten aus dem umfangreichen Material zwei, vielleicht stärker konzeptionell orientierte Veröffentlichungen gemacht. Aber wer will sich über ein reichhaltiges Angebot beschweren, wenn die Auslage so verlockend ist?

Dem von Lil Miss Debi gestalteten Begleitheft gebührt noch besondere Erwähnung. Auf 24 Seiten sind neben den Texten und kurzen Kommentaren zu den Liedern ebenfalls Fotos mit Informationen zu den beteiligten Musikern abgedruckt.

Danny Brooks geht nun langsam auf die Siebzig zu und legt zusammen mit Lil Miss Debi ein frisches, fast 80 Minuten langes Album vor, auf dem er zeigt, dass er sich in Blues, Americana und Rock auskennt. Trotz der unterschiedlichen stilistischen Einflüsse bleibt „Are You Ready?“ ein authentisch wirkendes Werk, das die verschiedenen Musikrichtungen, die ja durchaus in verwandtschaftlichen Beziehungen stehen, gekonnt verbindet.

His House Records (2020)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. Are You Ready
02. Jesus Had The Blues
03. Jamaica Sun
04. We Do Whatever It Takes
05. Let Me Know
06. No Easy Way Out
07. Angel From Montgomery
08. Coming Home
09. One More Mile (To Mississippi)
10. Rock N Roll Was The Baby
11. Where Will You Stand
12. Hold On To Love
13. Broken
14. Climb That Mountain
15. Put A Little Rock N’ Roll In Your Soul
16. Without Love
17. Me And Brownie McGhee
18. Tell Me About It
19. When I’m Holding You
20. The Battle

Danny Brooks
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Black Stone Cherry – The Human Condition – CD-Review

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Die nach einer Zigarettenmarke benannte Band aus Edmonton, Kentucky, ist jetzt seit 2001 in unveränderter Besetzung im Musikgeschäft tätig und veröffentlicht mit “The Human Condition” ihr siebtes Album.

Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatte man sich für die Einspielung der Tracks in die Wälder Kentuckys zurückgezogen und musste dort mit Erschrecken feststellen, welch aktuellen Bezug die Texte der neuen Stücke beinhalteten. Bestes Beispiel dafür ist der treibende Opener “Ringin‘ In My Head” (eigentlich bereits schon vor vier Jahren geschrieben) mit den Eingangszeilen: “People, people your attention please, I need to tell you about a new disease.”

„Während der Aufnahmesessions spürten wir regelrecht die Angst vor dem Unbekannten – es war eine beängstigende Zeit. Jeder Song auf diesem Album erzählt eine Geschichte über die Erfahrungen die wir alle so machen – über unser Glück, unsere Anstrengungen und wie wir uns immer wieder neu anpassen müssen“, so Schlagzeuger John-Fred Young, Sohn des Kentucky Headhunter-Gitarristen Richard Young.

Young verleiht dem Album mit seinem energiegeladenen kraftvollen Polterdrumming auch wieder zu großen Maßen diese bandtypische Dynamik. Der nach eigener Aussage unter manischen Depressionen und Angstzuständen leidende Fronter Chris Robertson (so blickt er auch auf dem Coverbild drein…) animiert mit dem voller Metal-Esprit strotzenden aggressiven “Push Down & Turn” dazu, sich nicht davor zu scheuen, eine entsprechende Behandlung in Anspruch zu nehmen und offen damit umzugehen.

Übrigens bei Songs wie diesem erinnere ich mich noch genau an unseren BSC-Konzertbesuch 2018 im Kölner E-Werk. Es war der erste Gig in meiner SoS-Zeit, wo es mir phasenweisen richtig mulmig wurde, als vornehmlich die anwesenden jungen Männer mit heftigen Körperkontakten ein wildes tänzerisches Herumschubsen begannen und neben mir eine junge Dame mit samt ihrer herumfliegenden Brille zu Boden geschleudert wurde.

Auch auf diesem Werk bieten sich bei Tracks wie “Again” , “Some Stories” oder “The Devil In Your Eyes” wieder hierfür geeignete Passagen.

Aber ähnlich wie Bands aus der Post-Grunge-Rockszene der Marke Nickelback oder Hinder & Co., verstehen es Black Stone Cherry immer meisterhaft, auch wunderbare Melodiebögen wie z. B. bei den Liedern “When Angels Learn To Fly”, “In Love With The Pain” oder “If My Heart Had Wings” zu spannen.

Sehr gelungen finde ich übrigens die BSC-Neufassung des ELO-Heulers “Don’t Bring Me Down”, der durch die enorme E-Gitarren/Drum-Power einen ganz neuen Charakter erhält.

Lediglich die Southern-Note kommt aus meiner Sicht etwas kurz und ist nur in ein paar E-Gitarren Soli präsent (klasse bei den beiden Soli in “Ringin‘ In My Head”). Die Tracks wurden übrigens zum ersten Mal nicht live im Studio eingespielt, sondern in einem für die Bandmitglieder anstrengenden Procedere mehrspurig aufgenommen.

Das Endresultat von “The Human Condition” kann sich sehen lassen. Black Stone Cherry haben den Spagat zwischen treibenden epischen Riffs und größtenteils melodischen Refrains erneut absolut gekonnt hinbekommen. Die meisten Stücke werden sich problemlos in ihre neue Live-Setliste einfinden, sofern man wieder in alt bekannter Manier loslegen darf. Im Prinzip werden die Anforderungen und Ansprüche ihrer Klientel auch bei ihrem siebten Longplayer bestens erfüllt.

Die CD kommt in einem sechsseitigen Klappdigipak, der ein wenig in kühl-grauer, nicht gerade aufmunternder Grabsteinoptik gestaltet wurde, aber alle Texte und relevanten Infos beinhaltet.

Mascot Records (2020)
Stil: Rock

01. Ringin‘ In My Head
02. Again
03. Push Down & Turn
04. When Angels Learn To Fly
05. Live This Way
06. In Love With The Pain
07. The Chain
08. Ride
09. If My Heart Had Wings
10. Don’t Bring Me Down
11. Some Stories
12. The Devil In Your Eyes
13. Keep On Keepin‘ On

Black Stone Cherry
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Go Music – 17.10.2020, Tanzpalast Bresserberg, Kleve – Konzertbericht

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Der Herbst kommt und die Corona-Fallzahlen in der Region erreichen Werte, die dafür sorgen, dass die ohnehin dünn gesäten Konzertprogramme, noch weiter reduziert werden.

Martin Engelien ließ sich mit seinem Go Music-Projekt nicht beirren und setzte die Herbstreihe weiter fort. In den letzten Konzerten mit Vanesa Harbek, Thomas Blug und Ben Granfelt stand deren Musik mit eingestreuten Coverversionen im Mittelpunkt.

Der Abend am Bresserberg war diesmal geprägt von gecoverten Stücken. Die Besetzung an dem Abend ließ auf jedem Fall ein abwechslungsreiches Konzert erwarten. Mit Martin Engelien am Bass und Charly T. an den Drums stand eine hochkarätige, routinierte Rhythmusfraktion auf der Bühne. Den Mittelpunkt bildeten diesmal Svenja Schmidt am Piano und Gesang sowie Francesco Marras an der Gitarre und den Leadvocals.

Dabei trafen Soul, Blues und Hardrock aufeinander. Schmidt begeisterte mit einer klaren kraftvollen Stimme, versiertem Pianospiel und gab ‚ihren‘ Songs, ein ganz besonderes souliges Flair. „Dancin‘ In The Street“ und „Family Affair“ hätten die Besucher bestimmt von den Barhockern um die Stehtische gerissen, wenn Engelien nicht nochmals auf die bestehenden Regeln hingewiesen hätte, dass nur ein Tanz im Sitzen erlaubt ist.

Marras steuerte dann unter anderem mit „Fly Away“ im ersten Set die rockigen Töne bei, welchen er mit dem Pink Floyd Klassiker „Comfortably Numb“ abschloss, den er mit seinem Gitarrenspiel als eine rockige Version hinlegte. Überhaupt muss gesagt werden, dass es dem Quartett gelang, die Tracks nicht einfach nachzuspielen, sondern immer wieder eigene Akzente mit sessionartigen Elementen einzuflechten.

Diese Einlagen, in denen auch Engelien am Bass und Charly T. an den Drums mit Soloeinlagen die Besucher zu Standing Ovation hinriss, zeigten nachhaltig die spielerische Qualität der Musiker.

Im zweiten Set jagte ein Highlight das andere. Marras begeisterte mit dem Bon Jovi-Klassiker „Dead Or Alive“ (Schmidt hier mit tollen Pianoeinlagen), einer Hardockversion von „Locomotive Breathe“ und dem verträumten „Breathe“, wobei er den Song rockiger interpretierte als z.B. Ben Granfelt.

Zwischen den Songs wies Engelien darauf hin, dass Marras nicht nur bei der britischen Hardrockcombo Tygers Of Pan Tang angeheuert hat, sondern im Frühjahr auch ein Soloalbum veröffentlicht, für welches es die Bässe in seinem Tonstudio eingespielt hat.

Der Höhepunkt des Konzerts war für mich aber der Moody Blues-Evergreen „Nights In White Satin“, dem zunächst Schmidt mit ihrer Soulröhre den Stempel aufdrückte und dem Song eine nicht bekannte Dynamik verlieh. Marras hielt sich mit dem Gitarrenspiel zunächst dezent zurück, um aber ab der Hälfte des Stückes richtig Gas zu geben und ein furioses Solo beizusteuern.  Svenja Schmidt sang dabei locker gegen das Klanggewitter der drei Mitstreiter an.

Als Zugabe zeigte die Band, dass man aus „One Love“ von U2 etwas ganz besonderes machen kann, wenn eine Soulstimme auf eine Hardrock Gitarre trifft und diese von einer klasse Rhythmusfraktion begleitet wird.

Dieser schöne Konzertabend hatte aber auch traurige Momente. Vor „Nights In White Satin“ bezog Engelien noch einmal Stellung zu den Corona-Konzepten der Clubs und malte ein düsteres Bild für den Herbst, dass mit steigenden Erkrankungszahlen, die genehmigten Besucherzahlen immer weiter reduziert werden könnten, sodass es fast sinnlos sei, Konzerte zu veranstalten.

Solange hofft er aber, dass die Musikfans weiter Clubs und Musiker unter den bestehenden Regeln supporten, sodass es im nächsten Jahr hoffentlich wieder Richtung Normalität geht.

Ein Dank an das nette Team vom Bresserberg, auch für die leckere Suppe und die Musiker für den netten Smalltalk vor dem Konzert, in der Hoffnung, dass es in den kommenden Wochen nicht zu einem totalen Lockdown für die Konzertszene kommt.

Line-up:
Francesco Marras (lead vocals, electric guitars)
Svenja Schmidt (lead vocals, keys)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Martin Engelien
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Tanzpalast Bresserberg Kleve

The Cadillac Three – Tabasco & Sweet Tea – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Wenn hartgesottene Southern-Rocker wie The Cadillac Three in konzertarmen Pandemie-Zeiten ihrem musikalischen Einfallsreichtum freien Lauf lassen, kann daraus auch mal ein für sie ungewöhnliches Überraschungsalbum entstehen.

Denn nur wenige Monate nach ihrer Erfolgsscheibe „Country Fuzz“ aus dem Februar 2020 hat das sehr agile Trio aus Tennessee, das sonst leicht 140 Konzerte im Jahr ablieferte, mit dem neuen Longplayer „Tabasco & Sweet Tea“ kurzerhand ihre Southern Rock- und Country Pfade weitgehend verlassen und für dieses Projekt Funk, Soul-Vibes sowie Grooves kombiniert und 11 neue Titel veröffentlicht.

Die überwiegend noch vor der Quarantäne-Phase im eigenen Tour-Bus entstandenen Tracks wurden eingespielt, als das Trio aus verschiedenen Songs, wie „The Jam“ (von Country Fuzz) überlegte, etwas Neues zu entwickeln. So wurde aus der Musik ihrer Schulzeit mit Einflüssen von James Brown, Stevie Wonder und Hip-Hop-Passagen die Idee von „Tabasco & Sweet Tea“ geboren.

Das 5. Album der toughen Band aus Nashville erinnert daher nicht an Outlaw-Country und klassischen Southern-Style, sondern beginnt mit dem Titelsong, einen funkigen Soul-Ride durch die Varianten dieser Musikrichtung. Wie selbstverständlich hat Kelby Ray dabei seine Lap-Steel gegen straffe Basslinien eingetauscht, die sich mit Neil Masons rauen Soul-Beats ebenso vertragen, wie mit den etwas angehobenen Vocals von Jaren Johnston, dessen ungestüme Riffs gelegentlich nach wie vor aufblitzen.

Zum Beispiel auf „Bridges“, der als powervoller Song vielleicht etwas Prince-artige Wirkungen hinterlässt oder bei „Devil’s Lettuce“, der eine Art Funk-Rap modelliert. Mit dem Stück „Crispy“ wird hingegen fast der Hip-Hop-Sound der 80er Jahre nachempfunden, um – wie es Jaren Johnston beschreibt – die „verschiedenen Richtungen“ auszuloten. Dass am Ende der Platte mit „Sabbath On Cornbread“ noch funkige Zeit und Muße bleiben, den Namen der Band in den Refrain-Lyrics besonders hervorzuheben, ist sicher einer gewissen Selbstironie geschuldet.

Mit „Tabasco & Sweet Tea“ tauchen The Cadillac Three in einen Musikstil längst vergangener Jahre ab und formen daraus eine spannungsreiche, starke Scheibe, die sie unvermindert als high-energy Trio auf einer anderen Ebene ihres musikalischen Werdegangs profiliert.

Für The Cadillac Three, die sich auch im sozialgesellschaftlichen Bereich aktiv engagieren, ist dieses Album eine Ablenkung vom Corona-Dilemma und für die Fans des ursprünglichen grungy Southern-Country-Rock eine ganz neue Seite ihrer US-Lieblinge: insgesamt ein schönes Beispiel nostalgischer Unbeschwertheit.

Big Machine Records (2020)
Stil: Funk, Soul, Rock

01. Tabasco & Sweet Tea
02. Stop That Girl
03. Head Over Wheels
04. Sweet Southern Spirit
05. Road Soda
06. Bridges
07. Devil’s Lettuce
08. Crispy
09. Money Ain’t Shit
10. Turn The Radio On
11. Sabbath On Cornbread

The Cadillac Three
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Universal Music

Billy Walton Band – Dark Hour – CD-Review

Billy Walton Band - Dark Hour_300

Review: Jörg Schneider

Nachdem ich die Billy Walton Band im November letzten Jahres bei uns in Krefeld in der Kulturrampe live genießen konnte, war ich natürlich sehr gespannt auf die neue Scheibe, die jetzt seit kurzem in den Läden ist. Da die Band aus New Jersey stammt, war es natürlich naheliegend, dass sie die CD in den dortigen Cambridge Sound Studios eingespielt hat. Dabei zur Seite gestanden ist der für einen Grammy nominierte Soundtechniker Jim Salamone.

Herausgekommen ist dabei, wie nicht anders zu erwarten, ein musikalisch abwechslungsreiches und tontechnisch hervorragendes Album mit insgesamt zwölf Tracks, auf denen Billy Walton Gitarre spielt und singt, William Paris den Bass zupft und ebenfalls Gesangseinlagen beisteuert.

Tom Petraccaro am Saxophon und Bruce Krywinski jr. an der Trompete bilden die Bläsersektion, während Eric Safka an der Hammondorgel für die nötige Untermalung sorgt und Francis Valentino an den Drums den richtigen Drive liefert. Hinzugesellen sich noch ein paar weitere Studiomusiker/innen u. a. für Gesang und Tambourine.

„Dark Hour“ ist der Nachfoger von „Soul Of A Man“ aus 2017, welches allerdings wesentlich souliger geprägt ist. Auf dem neuen Werk geht es deutlich rockiger und härter zu, ohne aber auf soulig-funkige und bluesige Einflüsse zu verzichten, was die Scheibe insgesamt sehr abwechslungsreich macht.

Als Einstieg dient die kräftige Rocknummer „Think Of Me“ mit quäkendem Wah-Wah Gitarrensound und einem hardrockigem Intro, gefolgt von einem nicht weniger fetzigen Track namens „Long Slow Descent“ mit tollen Syntheziser-Sequenzen, die entfernt an die Rockmusik der frühen 70‘er Jahre à la Uriah Heep erinnern. Entspannend und den Ohren schmeichelnd gönnt das melodiöse und funkig-soulige „Can‘t Love No One“, welches genau wie „You Don‘t Need Me“ im Vorfeld bereits als Single ausgekoppelt wurde, dem Zuhörer dann eine kleine Verschnaufpause.

„You Don‘t Need Me“ ist begleitend zu Waltons Gesang, relativ sparsam instrumentiert, immer wieder unterbrochen von brachialen, gewitterähnlichen Basseinlagen, aber mit einem ruhigen, versöhnlichen Ausgang. Ein sehr starker Song, der sich von den übrigen Stücken des Album abhebt.

Mit „Long Way Down“ spielen Billy Walton und seine Jungs einen schönen, souligen Slowblues, der mit gefälligen Bläsern beginnt und im weiteren Verlauf auch ein wenig Southern-Atmosphäre versprüht.

Bei „Confusion“ hingegen ist der Titel Programm, der Midtempo-Song startet tatsächlich etwas experimentell-konfus, geht dann aber wieder ins Soulige über, woran nicht zuletzt die Bläsersektion einen großen Anteil hat.

In dem atemlos wirkenden „Goldmine“ gibt Francis Valentino mit seinen treibenden Drums die Schlagzahl vor, die von Waltons Gitarrenriffs im Stil der 70’er Jahre aufgegriffen wird. Ein bisschen ruhiger mit dezenten Bläsern und gospeligen Background Vocals kommt dann „Free World“ daher und auch das klassische „Funky Fever“ macht seinem Namen alle Ehre.

Die folgenden zwei Titel sind Cover-Songs. Das ist zum Einen „Cold Day In Hell“ (ursprünglich von Gary Moore geschrieben) und zum Anderen „Cortez The Killer“ (Neil Young). Während ersteres ein flotter Soul-Track mit unauffällig im Hintergrund agierenden Bläsern ist, wirkt der langsame, balladeske „Killer Song“ eher düster.

„People Talking“ geht fast als Instrumentalstück durch. Erst bei genauerem Zuhören stellt man fest, dass Billy Walton auch singt. Wobei sein Gesang wirklich mit der Musik verschmilzt und so ein diffuser Eindruck von Gesprächen entsteht, „People Talking“ eben.

„Dark Hour“ ist unter dem Strich ein interessantes und hörenswertes Album, auf dem Billy Walton seine vielfältigen musikalischen Fähigkeiten als Gitarrist und Sänger unter Beweis stellt, auch, oder gerade weil sich die CD doch sehr von den Vorgängern unterscheidet.

Und letztendlich konnte sich Billy Walton auf seine hervorragende Band verlassen. William Paris, Tom Petraccaro, Bruce Krywinski, Eric Safka und Francis Valentino unterstützen ihn perfekt aufeinander abgestimmt, Chapeau meine Herren!

Harmonized Records/Bertus (2020)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Think Of Me
02. Long Slow Descent
03. Can‘t Love No One
04. You Don‘t Need Me
05. Long Way Down
06. Confusion
07. Goldmine
08. Free World
09. Funky Fever
10. Cold Day In Hell
11. Cortez The Killer
12. People Talking

Billy Walton Band
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Bertus Musikvertrieb GmbH

Go Music – 03.10.2020, GREND Kulturzentrum, Essen – Konzertbericht

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Ausverkauftes Haus beim ersten Indoor-Konzert im Kulturzentrum GREND seit dem Frühjahr. Immerhin durften 47 Musikfans auf festgelegten Sitzplätzen der Veranstaltung beiwohnen, wo bestuhlt, bis zu 80 Besucher möglich wären.

Mit dem nötigen Humor begrüßte Martin Engelien die Zuschauer dann auch zu dem, was heute ausverkauft heißt. Im Gegensatz zu den meisten Go Music-Konzerten, bei denen meist im Quartett gespielt wird, trat man diesmal im (Power-) Trio an. Neben dem finnischen Saitenhexer Ben Granfelt hatte Engelien am Bass, Charly T. an den Drums an Bord. Dieser gilt als einer der besten Drummer Deutschlands, was er unter anderem auch bei Marius Müller Westernhagen oder den Lords unter Beweis stellte.

Wie für Go Music-Konzerte üblich, startete das Konzert mit dem Instrumental „One Earth“, in dem jeder der Musiker schon mit Soloeinlagen Glanzlichter setzte. Danach standen aber Songs von Ben Granfelt im Mittelpunkt und es wurden einige Coversongs mit spezieller Note eingestreut.

Nach den beiden älteren Stücken „Bright Lights And Dreams“ und „Cant Wait Another Day“ machte Engelien Werbung für das gerade erschienene Granfelt-Album „True Colours“ und mit „Hey Stranger“ folgte passenderwiese die aktuelle ausgekoppelte Single mit jammenden Zwischenteil, in dem Charly T. mit einem furiosen Drumsolo begeistern konnte, während Engelien dabei das Publikum immer wieder anstachelte, ihn anzufeuern. Zum Ende sagte Ben Granfelt noch einmal, dass der Song natürlich auf dem neuen Album ist und legte mit einem Augenzwinkern nach, dort aber leider ohne das Drumsolo.

Zum folgenden „Faith, Hope And Love“ plauderte Ben kurz über seine Zeit bei Wishbone Ash, und wie das Stück den Weg auf ein Album der Band gefunden hatte und fester Bestandteil ihrer Setlisten wurde. Auch dieser Klassiker wurde mit einer ganz eigenen Note gespielt, in dem Engelien dann sein, wenn man Granfelts Worten Glauben schenkt, sein etwa 3867tes Bass-Solo gespielt hat. Beeindruckend war, wie sich Granfelt an der Gitarre und Engelien am Bass regelrecht die Bälle zuspielten und sich zuweilen in einen Rausch zu spielen schienen.

Nach einer kurzen Pause die zum Lüften des Raumes und den Verkauf von LPs/CDs genutzt wurde, betraten die drei wieder die Bühne, und Granfelt gab einiges zur Entstehung der neuen Platte preis, zum Beispiel, dass er drei Instrumentalsongs auch auf den Wunsch von Fans aufnahm und sogar froh darüber war. Nach einem Konzert in Schweden, er nannte es den Coronahotspot der Welt, merkte er, dass bei ihm etwas nicht stimmt und er danach richtig krank wurde.

Das ging so weit, dass es länger dauerte, bis seine Stimme wieder funktionierte. Da kam ihm die Aufnahme der Instrumentalsongs natürlich entgegen, von denen dann „Oriental Express“, ein psychedelisch angehauchter Track folgte.

Mit „Chevrolet“ dem Robben Ford-Klassiker, geschrieben von Memphis Minnie, Ed & Lonnie Young, wurde es wieder rockig, und das stilistisch an die guten alten Dire Straits-Zeiten erinnernde „My Soul To You“ zeigte einmal mehr die spielerischen Qualitäten des Finnen.

Dass Granfelt und seine Mitstreiter nicht nur Rockmusik können, bewies das Trio bei Robert Palmers „Bad Case Of Loving You“, der kurzerhand als Reggae-Version vorgetragen wurde. Schön war hier auch der passende Groove durch die Rythmusfraktion Charly T. und Martin Engelien, die dabei bewiesen, dass sie auch die langsamen Tonfolgen beherrschen.

„Breathe“ leitete er mit „Endless“, einer Homage an Jeff Beck, ein,  welcher ihn in seinem Gitarrenspiel inspiriert hatte ein. Vor dem Stück gab er schmunzelnd den Tipp, nicht mehr zu atmen, da man so kein Corona bekommen könne. Der Nachteil ist allerdings, dass man dies mit dem Leben bezahlen müsse. Dass Granfelt an dem Abend aber gut bei Atem war, bewies er durch den durchweg klaren Gesang, der auch passend abgestimmt war. Überhaupt muss gesagt werden, dass der Sound an dem Abend sehr gut ausgesteuert war, wodurch jedes Instrument differenziert zur Geltung kam.

Als letztes Lied des zweiten Sets folgte der JJ Cale-Evergreen „Cocaine“, dessen Ruhm durch Eric Clapton noch gesteigert wurde. Jetzt könnte natürlich gefragt werden, ob es sein müsse, solch einen Song zu covern, an dem sich viele eventuell totgehört haben. Ich habe „Cocaine“, eingeleitet mit einem Intro, welches auch von Stevie Ray Vaughan hätte sein können, selten so energiegeladen und dynamisch gehört. Es war in dem Fall nicht das Cover von Slowhand sondern von Fasthand!

Danach verließ die Band kurz den Saal, um nach lautstarken Zugabeforderungen noch einmal die Bühne zu betreten. Es folgte der für Granfelt-Konzerte obligatorische Rausschmeißer „Going Home“, einer der vielen Highlights eines tollen Konzertabends, der die Besucher zufrieden nach Hause gehen ließ.
Ein besonderer Dank geht an die Macher des GREND, die alles für einen gelungenen Konzertabend bereitet haben, aber auch an Martin Engelien, der mit seinem Projekt Go Music Corona trotzt und immer wieder Musiker zusammentrommelt, die dafür sorgen, dass Livemusik weiter präsent ist.

Interessant war dabei die Aussage von Charly T. in einem Gespräch nach dem Konzert, dass er die Songs von Granfelt erst zwei Tage vor der Show kennenlernte, was bei dem Konzert nicht erkennbar war und man eher das Gefühl hatte, da spielen drei zusammen, die sich schon länger kennen. Besonders hervorzuheben ist, dass Ben Granfelt sich auf die Minitour eingelassen hat, mit dem Wissen bei der Rückkehr nach Finnland erst mal in Quarantäne zu gehen. Wie sagt man so schön, das ist Rock’n’Roll.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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GREND Kulturzentrum, Essen

Vanessa Collier – Heart On The Line – CD-Review

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Vanessa Collier hat sich in ihren jungen Jahren bereits in das Herz unseres ja ebenfalls noch recht ‚frischen‘ Magazins (nicht mal fünf Jahre bestehend) gespielt. Mit „Heart On The Line“ liefert sie schon das dritte Album in dieser Zeit ab, somit haben wir, bis auf ihr Debüt, alle Scheiben beleuchtet.

Die Multi-Instrumentalistin ist eine, am hochangesehenen Berklee College in Boston, graduierte Musikern, was man dann auch besonders in der dementsprechenden Umsetzung, deutlich zu erkennen vermag.

In den von ihr verfassten Liner-notes schreibt die Tierliebhaberin, dass ihr die Musik zum neuen Longplayer über den Tod ihres geliebten 14-jährigen deutschen Schäferhundes weggeholfen hat. Ein Umstand, dem ich bei unserem 16 1/2-jährigen Labrador Django, der seine eigentliche Lebenserwartung bereits exponentiell überschritten hat, mit Angst und Bange entgegensehe.

Ihre besondere musikalische Passion gilt dem Saxofon, diesmal überrascht sie jedoch auch beim swampigen, leicht delta-bluesigen „Bloodhound“, einem Highlight des Werkes, mit tollem Spiel auf der Resonator-Gitarre. Ansonsten hat die brillante Laura Chavez die E-Guitar-Parts inne.

Hauptsächlich konzentriert sich die mittlerweile als zweifache Gewinnerin in der Sparte  ‚Horn Player Of The Year‘ bei den Blues Music Awards (BMA) gekürte Texanerin natürlich auf viele hochwertige Soli mit ihrem Paradeinstrument.

Kein Wunder, denn ihre Musik bewegt sich, wie schon zuvor, im soulig-funkigen Bereich des Blues (Rocks). Sie hat diesmal auch die komplette Produktion übernommen, acht der elf Stücke selbst komponiert, und liefert dazu mit ihrer Stimme (herrlich z. B. ihr Fauchen und Schreien bei „Leave Your Hat On“) eine Glanzvorstellung ab. Also insgesamt eine echte Energieleistung.

Apropos „Leave Your Hat On“: Auch wenn zukünftig dieses Lied nach wie vor vermutlich bis in alle Ewigkeit mit der Version von Joe Cocker assoziiert werden wird, besticht die Collier-Fassung durch den Ansatz, mit filigraner instrumenteller Umsetzung, statt reinem effekthascherischem Covern, dem Song ein neues ‚Gesicht‘ zu verleihen, was absolut gelungen ist.

Eine weitere Adaptionen gibt es von „Super Bad“ (James Brown), das ruhige „I Don’t Want Anything To Change“ (klasse das melancholische Sax-Solo am Ende) ist dann noch eine Fremdkomposition aus der Feder der Nashville-Songwriter Maia Sharp, Liz Rose und Stephanie Chapman (wurde auch schon von Bonnie Raitt aufgegriffen).

Ansonsten groovt, soult und funkt es auf „Heart On The Line“ (natürlich mit vielen Bläseranteilen) nach Herzenslust, wobei sich Vanessas gestandene Mitmusiker wie u. a. Nick Stevens, C. C. Ellis, die Chavez, William Gorman (mit bestechenden Keys) ebenfalls spürbar ins Zeug legen.

Vanessa Colliers vierter Silberling „Heart On The Line“ ist somit ein weiteres Teil-Schmuckstück für ein künstlerisch wertvolles Gesamt-Kollier, für das, dank ihres jungen Alters, in Sachen Vollendung, noch viel spannende Zeit zur Verfügung steht. Klasse Mädel!

Phenix Fire Records/Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. Super Bad
02. What Makes You Beautiful
03. Bloodhound
04. I Don’t Want Anything To Change
05. Leave Your Hat On
06. Take a Chance On Me
07. If Only
08. Weep And Moan
09. Who’s In Power
10. Freshly Squozen
11. Heart On The Line

Vanessa Collier
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Joan Osborne – Trouble And Strife – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

25 Jahre nach ihrem bis heute populären Erfolgstitel „One Of Us“ – der übrigens aus der Feder von Eric Bazilian (The Hooters) stammt – hat Joan Osborne mit „Trouble And Strife“ einen selbstbewussten Longplayer eingespielt: 10 Eigenkompositionen von erstaunlicher Comeback-Qualität.

Schon der erste und kraftvolle Titel „Take It Any Way I Can’t Get It“, ein souliger, energiegeladener Aufruf, das Leben zu genießen, signalisiert, 6 Jahre nach den letzten „Originals“ ist Osborne zurück. Ein bunter Katalog aus Rock-, Pop-, Blues-, Roots-, Soul-Funk und Western-Elementen beschreibt überzeugend ihre ungezwungene Lebhaftigkeit. Sich nicht auf eine musikalische Stilrichtung festlegen zu wollen, bestimmt offenbar das Songwriting. Osborne balanciert thematisch in ihren sozialkritischen Texten, die nach ihren Worten noch nie derartig politisch intensiv agierten, wie bei einer Gratwanderung zwischen Trost und Optimismus. Auch der zweite Titel „What’s That You Say“ geht in diese Richtung: eine ansprechende Funk-Soul-Nummer schildert ausdrucksstark die dramatischen Kindheitserlebnisse einer mexikanischen Migrantin auf den Weg in die USA.

Der von Joan Osborne in ihrem Studio in Brooklyn selbst produzierte Longplayer wird stets von einer großartigen Begleitband getragen und durch Wilco-Gitarrist Nels Cline als Gast verstärkt. Joans Songwriter-Qualitäten als engagierte Liedermacherin und anerkannte Stimme ihrer Generation zeigen sich vor allem in den energischen Statements ihrer Texte verbunden mit glaubwürdiger Überzeugungskraft. Sehr ambitionierte Stücke, wie der bluesige Stomp „Hands Off“ – gegen die Ausbeutung von Menschen und des Planeten – und die rhythmische Rock-Pop Interpretation von „That Was A Lie“ – die sich in ihren zornigen Lyrics gegen die Verbreitung von Falschinformationen wendet, wirken mutig und bestimmt.

Mit ihrem 10. Album verarbeitet Osborne gleichzeitig weitreichende persönliche Inspirationen aus ihrer Tournee mit Dylan-Songs und offenbart deren Einfluss im Titel-Track „Trouble And Strife“, einer meisterlichen Western-Style-Ballade, mit sarkastischem Text, aber eigener Sound-Dynamik. Bei den sehr unterschiedlichen Stücken der neuen Scheibe darf ebenso wenig ein groovender Boogie fehlen – hier „Meat & Potatoes“ – der an Osbornes Zeiten als Mitbegründerin der Blues-Rock-Band Trigger Hippy erinnert.

Dass die mitreißende Kreativität Osbornes auch immer wieder ehrgeizige Ideen hervorbringt, zeigt die erste Single „Boy Dontcha Know“, ein schöner Retro-Song über feministische Herausforderungen. Für das warmherzige Klangvergnügen des Wurlitzer-Sounds ist „Never Get Tired (Of Loving You)“ dabei ebenso treffend geschaffen, wie die herrlich swingende Ballade „Whole Wide World“, die eine beinahe magisch-hoffnungsvolle Zuversicht spielerisch verkörpert.

Einschließlich des surrealistisch-collagenartigen Plattencovers mit einer schmunzelnden Joan Osborne als „Pilotin“ am Mikrofon, ist „Trouble And Strife“ ein Album, das ein dickes Ausrufezeichen verdient. Respekt vor dieser musikalischen Botschafterin, die eine exzellente Mischung ihrer Allround-Fähigkeiten nicht nur unterhaltsam aufbereitet, sondern als Songschreiberin in unstabilen Zeiten Zivilcourage selbstsicher demonstriert.

Womanly Hips Records (2020)
Stil: Rock, Country, Folk

Tracklist:
01. Take It Any Way I Can Get It
02. What’s That You Say
03. Hands Off
04. Never Get Tired (Of Loving You)
05. Trouble And Strife
06. Whole Wide World
07. Meat & Potatoes
08. Boy Dontcha Know
09. That Was A Lie
10. Panama

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