John Illsley – 19.09.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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John Illsley zum dritten Mal im schönen, und wieder sehr gut besuchten Musiktheater zu Dortmund! Selbst der alte Dire Straits-Recke (mit die treibende Kraft neben Mark Knopfler, mittlerweile ja ein hochcharismatischer Grand Senior der Rockmusikgeschichte) drückte angesichts der positiven Emotionen, die der Band entgegen gebracht wurden, seine Freude über die Wiederkehr in die wunderbare Location aus, als er zwischendurch sichtlich gerührt anmerkte, dass er gerne so einen Spielort in seiner Heimatstadt haben würde.

Um es vorwegzunehmen, im Prinzip tat sich beim Auftritt gegenüber dem Vorjahr nicht viel, es war ein ähnlich herrlicher Abend! Gute zwei Drittel des Gigs wurden dabei den unzähligen Dire Straits-Klassikern wie „Walk Of Life“ (Opener), „Expresso Love“ (neu), „Private Investigation“, „Lady Writer“, „Romeo And Juliet“ (in Set 1), „Calling Elvis“, „On Every Street“, „Tunnel Of Love“, Money For Nothing“ (in Set 2) und “Brothers In Arms”, “The Bug” sowie “Where Do You Think You’re Going” (im Zugabenteil), gewidmet.

Den Mehrwert, wenn man das Wort in diesem Kontext überhaupt gebrauchen darf, brachten allerdings die neu vorgestellten Stücke („Old Amsterdam“, „Coming Up For Air“, „So It Goes“, „Wild One“, „Double Time“ seines brandaktuellen Albums „Coming Up For Air“, die sich aber auch deutlich im Fahrwind seiner musikalischen Herkunft bewegten.

Neu im Line-up war diesmal Scott McKeon, der einen exzellenten Job erledigte und sich mit Robby McIntosh im überwiegend Dire Straits-typischen klirrenden Stratocasterspiel, sei es durch Fills oder Soli, blendend ergänzte und immer wieder bei Wechselspielereien mitglänzte.

Steve Smith erledigte seinen variablen Keyboards-Part mit stoischer Ruhe (hatte auch einige Harmoniegesangseinsätze), Drummer Stuart Ross trommelte in der ganzen Bandbreite von einfühlsam bis kräftig. Deutlich stärker eingebunden war die beim letzten Mal noch etwas schüchtern wirkende Hannah Robinson, die  sporadisch  mit der Akustikgitarre und diversen Percussion-Accesoires beschäftigt war, aber – gefühlt – deutlich mehr Gesangsanteile inne hatte. Klasse ihre Solo-Einlage am Ende des proggigen „Testing The Water“, bei der sie verdienten Szenenapplaus einheimste.

Meine persönlichen Favoriten waren die mit einem gewissen J.J. Cale-Flair bedachten „Calling Elvis“ (McIntosh auch mit Slidekünsten) und der herrlich swampige Groover „Double Time“ (fulminante E-Gitarren, klasse Orgel), der sicherlich auch unsere Southern Rock-Gemeinde begeistert hätte.

Nach der grandiosen Fassung von „Money For Nothing“ (beide Gitarristen mit knarzenden Les Pauls, tolle Kollektiv-Vokalperformance, Robinson wieder mit im Fokus), gab es im vehement erstrittenen Zugabenteil, mit den bereits o. a. Klassikern, kein Halten mehr, zumal mit dem grandiosen “Where Do You Think You’re Going?” als Rausschmeißer, nochmals ein absoluter Glanzpunkt (was für E-Gitarrenparts!) gesetzt wurde.

Was mir persönlich bei Illsley gefällt ist, dass er, trotz seiner charismatischen Erscheinung, nicht die Omnipräsenz wie sein ehemaliger Weggefährte Mark Knopfler auf der Bühne raus lässt, sondern wirklich seinen Mitspielern, genügend Platz zur Entfaltung ihres Könnens gewährt.

Die zahlen diesen Vertrauensvorschuss mit ungemeiner Spielfreude zurück, sodass aufkommender Wehmut nach einer Dire Straits-Reunion eigentlich schon direkt im Keim erstickt wird. Zudem tut sich Illsleys Gesang ja nun auch nicht sonderlich viel zu dem von Knopfler.

Insgesamt somit erneut ein lohnenswerter Besuch, bei dem musikalische Nostalgie und Aktualität wunderbar ineinander griffen. Bestnote für John Illsley und seine Band, auch von einem Southern Rock-Magazin!

Line-up:
John Illsley (lead vocals, bass)
Robbie McIntosh (electric guitars, vocals)
Scott McKeon (electric guitars)
Steve Smith (keys, vocals)
Stuart Ross (drums)
Hannah Robinson (vocals, acoustic guitar, percussion)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

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