Jonathon Long – Same – CD-Review

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Auf dem Coverbild seiner nun mehr dritten CD ähnelt Jonathan Long vom rein äußerlichen Profil her ein wenig Ronnie Van Zant – finde ich jedenfalls. Und auch schon nach dem Hören des Openers „Bury Me“ hat man sofort das Gefühl, es hier mit einem ganz besonderen, nicht alltäglichen Musiker, zu tun zu haben.

Long, aus Baton Rouge, Louisiana, stammend, hat schon ganz früh die Schule verlassen, um sich ganz auf seine Passion konzentrieren zu können. 2011 gewann er unter 4.000 Mitbewerbern den prestige-trächtigen Guitar Center’s “King of the Blues“-Kontest. Mittlerweile hat er die Bühne mit klingenden Namen wie u. a. B.B. King, Robert Cray, Kenny Wayne Sheperd, Warren Haynes and Gov’t Mule, Jimmie Vaughan, Gregg Allman, ZZ Top, Dr. John, 3 Doors Down, Ann Wilson und Lou Marini (Blues Brothers Band) geteilt.

Das neue, nach sich selbst benannte Werk, ist nach seinem Debüt „Blues Revolution“ (2013) und „Trying To Get There“ (2016), sein bereits dritter Longplayer. Produziert und mitgewirkt hat übrigens die uns bestens bekannte Bluesdame Samantha Fish für ihr neu gegründetes Wild Heart Records-Label.

Die hat erstmal Longs Spitznamen ‚Boogie‘ aus dem Namen (mit dem hatte er noch auf den beiden Erstwerken firmiert) gestrichen, um vermutlich richtiger Weise, einer suggestiven Kategorisierung des Künstlers vorzubeugen. Denn die ist bei Long nur schwer vorzunehmen, auch wenn seine Wurzeln klar im Blues vorzufinden sind.

Das neue Album ist von seiner musikalischen Struktur nämlich recht variabel angelegt. Es tendiert insgesamt deutlich mehr zu bluesigem Southern Rock, mit kleineren Exkursen: Einmal in Richtung dezent folkigem Singer/Songwriter-Stoff („The Light“ – fast wie Simon & Garfunkel – schöne Fiddle hier von Michael Harvey), einem Barrom-Song („Pour Another Drink“), als auch mit „Where Love Went Wrong“ in dezent jazzig angehauchte Steely Dan-Gefilde.

Unter meinen Favoriten befinden sich die southern-soulige Ohrwurmballade „Shine Your Love“, das ein wenig Marshall Tucker-umgarnte „Living The Blues“ (Longs Stimme klingt der von Doug Gray übrigens auch sehr ähnlich), der Footstomper „Natural Girl“ (mit HT-Piano-Untermalung), das mit Samantha Fish im Duett performte, großartige „The River“ mit viel Slide und das im 70er Rock, Marke Free, verwurzelte Finalstück „Pray For Me“.

Jonathon, der Mikro, Akustik- und E-Gitarren bedient, wird ansonsten noch von Julian Civello (drums), Chris Roberts (bass) und Phil Breen (Keys) unterstützt. Samantha Fish ist es dabei  letztendlich (natürlich sicher auch im eigenen Interesse) mit relativ einfachen, aber sehr effektiven Mitteln gelungen, den Protagonisten breiter aufzustellen.

Schön wäre, wenn Samantha, die ja häufiger bei uns tourt, Jonathon Long mal mit ins Schlepptau nehmen würde. Fest steht jedenfalls, dass Frau Fish mit ihm einen richtig dicken Fisch an der Angel hat. Phänomenales Album und in unseren Breitengraden sicherlich ein echter Geheimtipp!

Wild Heart Records (2018)
Stil: (Southern) Blues Rock

01. Bury Me
02. Shine Your Love
03. That’s When I Knew
04. The Light
05. Living The Blues
06. Natural Girl
07. The River
08. Pour Another Drink
09. This Road
10. Where Love Went Wrong
11. Pray For Me

Jonathon Long
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Josh Hoyer & Soul Colossal – 29.08.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Ein verregneter Mittwochabend lädt nicht gerade dazu ein, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Für den Gig von Josh Hoyer & Soul Colossal haben sich allerdings eine Menge Leute aufgerafft und den Weg in die Kulturrampe gefunden. Belohnt wurden sie mit einem fantastischen Soul-Feuerwerk.

Ich wollte zunächst nicht auf das Konzert, da aber Daniel von den Live-Qualitäten der Band schwärmte, Karl für die Fotos spontan Zeit hatte und sich die kurzfristige Akkreditierung durch „Pille“ Peerlings gewohnt unproblematisch erwies, ließ ich mich dann doch überzeugen und bereue es nicht. Josh Hoyer wurde dem ihm vorauseilenden Ruf, ein klasse Live-Act zu sein, gerecht.

Um viertel vor Neun begrüßte der Rampenchef die Band und den gut gefüllten Saal, in dem sich neben den üblichen Verdächtigen auch weit angereiste Zuhörer eingefunden hatten. Wie Gitarrist Benjamin Kushner nachrechnete, lag der erste Auftritt in der Rampe auf den Tag genau 17 Monate zurück. Nach Gesprächen mit Leuten, die den direkten Vergleich hatten, soll sich Hoyer und seine Band in diesem Jahr sogar noch gesteigert haben.

Entsprechend ihres Namens legten Josh Hoyer & Soul Colossal mit einer gehörigen Portion Soul bei „Liberator“ los. Zwischen den beiden mit Funk-Elementen angereicherten Stücken „Do It Now“ und „Enough For Everybody“ streuten sie die Ballade „Clara Jayne“ ein.

Bei „Make Time For Love” zeigte Hoyer, dass er auch den Blues im Repertoire hat. Die rockige Soulnummer „Let It Out” leitete dann zu „Misfit Children” über, das den ersten Teil des Konzerts beendete.

Josh Hoyer ist hinter seinen Keys in seinem Element. Manchmal hält es ihn nicht auf dem Hocker: Er springt auf und heizt dem Publikum ein. Selten habe ich so viele Konzertbesucher so ausgiebig mittanzen sehen. Da gab es kaum jemanden, der nicht zumindest gewippt hat. Er hat Soul im Blut und reißt die Menschen mit.

Hoyer beherrscht die Tasten ebenso wie seine Mitstreiter ihre Instrumente. Benjamin Kushner an der Gitarre und Blake DeForest an der Trompete erhielten zahlreiche Möglichkeiten, in längeren Instrumentalparts ihr Können zu zeigen. Belohnt wurden sie mit langem Szenenapplaus. Auch Bassist Mike Keeling fügte sich gut in das Gesamtbild der Band ein.

Der Anfang des zweiten Sets war insgesamt mit „Love Song”, „Running From Love”, „Just Call Me” und „Parts Of A Man” etwas langsamer angelegt. Danach lieferte Hoyer eine energiegeladene Cover-Version von „Strictly Reserved For You“, das von Charles Bradley stammt. „Illusion“ stieg mit Trommelwirbeln dramatisch ein und gab den Startschuss zu dem dynamischen Finale des Konzerts.

Ein Highlight war „Dirty World“ einschließlich eines umjubelten, mehrminütigen Solos des Schlagzeugers Larell Ware. Die anderen Bandmitglieder nutzten das Intermezzo ihres Drummers, um etwas Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich so vor dem abschließenden „Better Days“ vom neuen Album „Do It Now“ zu stärken.

Josh Hoyer und seine Band bewegten sich gekonnt zwischen Soul, Funk und Blues. Mit sichtlicher Freude nahmen die Musiker die Begeisterung des Krefelder Publikums für ihren stilistischen Mix auf.

Auch im Anschluss an den über zweistündigen Auftritt zeigten sich die sympathischen Männer aus Nebraska beziehungsweise Pennsylvania gut gelaunt und führten ausgiebige Gespräche mit den Fans. Dabei bat mich Josh Hoyer mit einem Augenzwinkern, in dem Bericht großzügig zu sein. Dafür bestand kein Grund: Die Band hat ein tolles Konzert hingelegt, für das die Besucher bestimmt gerne durch den Regen an- und abgereist sind.

Line-Up:
Josh Hoyer (vocals, keys)
Benjamin Kushner (guitar)
Larell Ware (drums)
Mike Keeling (bass)
Blake DeForest (trumpet, tambourine)

Bilder: Karl Bongartz
Text: Michael Segets

Josh Hoyer & Soul Colossal
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Devon Allman Project – Support: Wynchester- 29.08.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Obwohl ich das Devon Allman Project ja schon letzte Woche in Dortmund erlebt hatte, gab es, neben der unbestrittenen Klasse und reizvollen Konstellation des Projekts, genügend triftige Gründe, um noch einen weiteren Besuch im Kölner Yard Club anzuschließen.

Da spielte unter anderem unsere Verbundenheit zu deren engagiertem Club-Chef Marcus Neu eine gewichtige Rolle, der immer ein herzlicher Gastgeber ist, aber auch, dass Sounds Of South Hof-Fotograf Gernot Mangold in der westfälischen Metropole noch urlaubsbedingt passen musste und sich den Gig natürlich jetzt nicht entgehen lassen wollte. Dazu hatte er noch eines seiner Highlight-Bilder von Devon vom Konzert vor knapp zwei Jahren, auf großwandiger Leinwand abgebildet, mit zum Unterzeichen dabei.

Dazu gab es diesmal mit dem Duo Wynchester, bestehend aus Mike Bray und John Konesky einen reizvollen Support. Gerade letztgenannter John Konesky hat durch Mitwirkung bei Bands wie Trainwreck, Tenacious D, der Kyle Gass Band und als Gitarrist beim Soundtrack von The Hangover Part II eine höchst interessante Vita zu Buche stehen.

Das Duo spielte mit u. a. „Gospel Of Good Times“, dem schön swampigen “Two Man Job” , „My Glass Is Half Full” und “High Desert Rambler”, Stücke aus ihrer aktuellen CD. Dazu gab es mit „Easy“ (Lionel Richie) und „Reelin‘ In The Years“ (Steely Dan) zwei klasse Cover-Nummern im ungewohnten Akustik-Gewand. Bray sorgte für die gesanglichen Akzente, Konesky deutete mit vielen quirligen Soli auf seiner Klampfe und einigen Harmonie-Parts an, warum seine musikalischen Dienste gern in Anspruch genommen werden. Eine unterhaltsame, kurzweilige halbe Stunde.

Wie schon in Dortmund, bekam dann Duane Betts zunächst die Gelegenheit, seine Künste als Fronter zu präsentieren. Das Programm war bis auf eine Jam-Instrumental-Version von „Whipping Post“ (statt “In Memory Of Elizabeth Reed“) nahezu identisch. Er und sein kongenialer Gitarrenpartner Johnny Stachela ließen wieder einige herrliche Soli (Twin, Slide) ab. Lustig anzusehen war immer Duanes ‚Schnute‘, wenn er sich in seine Spielkünste ganz vertiefte. Mein Favorit war das mit einer markanten E-Gitarren-Hook und dezentem Eagles-Flair bedachte „Ride It Out“, das man auch auf seiner aktuellen EP „Sketches Of American Music“ finden kann.

Der auffällig von seinem flauschigen Backenbart befreite und somit glatt rasierte Devon Allman begann seine Vorherrschaft auf der Bühne mit dem Instrumental „Mahalo“, wo er auf seiner Strat auch ordentlich Gas gab. Das soulig-funkige „I’ll Be Around“ mit integrierter Leisespiel-Phase und brachialem Übergang, begeisterte ebenso wie die Royal Southern Brotherhood-Nummer „Left My Heart In Memphis“.

Mit „Blue Sky“ und dem grandios performten Klassiker “In Memory Of Elizabeth Reed“ (für mich das Highlight des Gigs) stieg der Betts-Sprössling wieder ein. Im ruhigeren Part (auch hier waren wieder Hocker auf der Bühne) gefielen das Grateful Dead-Cover „Friend Of The Devil“ und eines von Vater Greggs Paradestücken „Melissa“.

Nach der gospeligen, wieder von Keyboarder Nicolas David angeführten Bill Withers-Einlage „Lean On Me“ beendete ein weiterer berühmter Song aus der Feder von Gregg Allman, „Midnight Rider“, das Hauptprogramm. Die Zugabe-Rufe der restlos begeisterten Yard Club-Audienz wurde dann mit einer Hammer-Version vom Prince-Klassiker „Purple Rain“ bedient, bei der alle Musiker nochmals auftrumpften und gleich vier E-Gitarristen involviert waren. Am Ende des Liedes ließ der ‚Chef‘ des Projekts, Devon Allman, nochmals ein sattes Solo ab.

Fazit: Auch der zweite Besuch hatte sich absolut gelohnt. Während in Dortmund die Musik voluminöser rüber kam, stand an diesem Abend in Köln eher das intensivere, direktere Club-Feeling im Vordergrund. Was das Zuschauerinteresse hierzulande betrifft, ist es für Devon und Duane allerdings noch ein weiter Weg, um die Fußstapfen ihrer Väter treten zu können.

Bild-TextDie hatten nämlich in der Domstadt damals locker die legendäre Sporthalle, wie auch später das E-Werk bis zum Rande gefüllt. Aber ein kleiner Anfang ist zumindest gemacht. In jedem Fall war es eine tolle Werbung für den Southern Rock. Und am Ende war dann auch Gernot noch wunschlos glücklich, als die Unterschrift Devons sein wunderschönes Bild zierte.

Danke, wie immer, an Marcus Neu für die gewohnt freundliche und lockere Aufnahme in ’seinem‘, immer wieder gern besuchten Yard Club.

Line-up: Wynchester
Mike Bray (lead vocals, acoustic guitar)
John Konesky (acoustic lead guitar, vocals)

Line-up: Devon Allman Project
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Devon Allman
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Duane Betts
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Wynchester
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Yard Club Köln

Henrik Freischlader Band – Hands On The Puzzle – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Wuppertaler Henrik Freischlader bringt mit „Hands On The Puzzle“ sein 15. Album auf den Markt. Begleitet wird er auf dem Longplayer von der neu formierten Henrik Freischlader Band. Der Blues-Gitarrist und -Sänger nennt als musikalische Vorbilder neben Stevie Ray Vaughan und Jimi Hendrix auch Gary Moore, dem er 2017 mit „Blues For Gary“ ein Tribute-Werk widmete.

Das Album “Hands On The Puzzle” steigt entspannt mit „Community Immunity“, „Love Straight“ und „Those Strings“ ein. Erstes Highlight ist die Uptempo-Nummer „Winding Stair“. Hier rockt die Henrik Freischlader Band den Blues. Am Ende des Songs lässt Roman Babik ausgiebig seine Finger über die Tasten des Keyboards gleiten und sorgt für einen sanften Ausklang des Stücks. Noch einen Deut stärker ist der zweite schnelle Song „Stand Up, Little Brother“. Unter den Mitempo-Stücken gehört „Share Your Money“ zu meinen Favoriten. Saxophon und Keys erzeugen dort eine gehörige Portion Swing.

Moritz Meinschäfer am Schlagzeug und Armin Alic am Bass geben den Rhythmus, vor dessen Hintergrund die Soli von Gitarre, Saxophon oder Keys zur Geltung kommen. Die Bandmitglieder nehmen sich den Raum, ihre Fähigkeiten an ihren Instrumenten mit viel Spielfreude auszuleben. So kratzt beispielsweise „Where Do We Go“ an der acht Minuten Marke und „Animal Torture“ überschreitet sie sogar. Die erstgenannte Ballade wird von Marco Zügner mit seinem Saxophon stimmungsvoll begleitet.

Freischlader steuert hier ebenso wie auf „Rat Race Carousel“ gelungene Gitarrenpassagen bei. Eingängig und unaufgeregt ist „I Don’t Work“. Das langsam beginnende „Mournful Melody“ kehrt nach einem dramatischen Zwischenspiel mit langen Gitarrensoli wieder in sanfte Gefilde zurück. Freischladers Gitarre erinnert dabei durchaus an die von Gary Moore.

Die ausgeprägten Instrumentalanteile bei „Creactivity“ rücke ich bereits in Jazz-Nähe. Nach einer Ausblendung legt die Band nochmal los und ich vermute mal, dass es sich dabei nicht um eine Fortführung des Stücks, sondern um einen Hidden Track handelt, da die Texte nicht in dem Booklet aufgeführt sind. Wie dem auch sei: Die Scheibe überrascht zum Abschluss mit einem Gastauftritt von Helge Schneider, der unnachahmliche Shouter-Qualitäten offenbart.

Die CD ist sehr schön aufgemacht und erscheint auf Freischladers eigenem Label Cable Car Records. Ihr liegt ein haptisch ansprechendes Booklet aus dickem Papier bei, in dem die Texte abgedruckt sind. Aufgenommen wurden die Tracks in den Arnsberger Megaphon Tonstudios, in denen auch Chris Kramers aktuelles Werk entstand.

Die Henrik Freischlader Band agiert technisch sicherlich auf einem hohen Niveau. Die Musik ist handgemacht und kommt ohne technische Effekte aus. Die Verspieltheit der Truppe – hier ein Saxophon-Sprengsel und da noch eine Keyboard-Einlage – geht für mein Empfinden etwas auf Kosten des Blues-Feelings.

Ich bin in musikalischer Hinsicht aber eher einfach gestrickt und gradlinige Stücke sprechen mich mehr an als verschachtelte Kompositionen oder gar Improvisationen, wie sie im Jazz vorkommen. Für den, der da aufgeschlossener ist, kann die Auslegung des Blues auf „Hands On The Puzzle“ durchaus eine lohnende Entdeckung sein.

Cable Car Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Community Immunity
02. Love Straight
03. Those Strings
04. Winding Stair
05. Rat Race Carousel
06. Where Do We Go
07. Stand Up, Little Brother
08. Share Your Money
09. Animal Torture
10. I Don’t Work
11. Mournful Melody
12. Creactivity (+ Hidden Track)

Henrik Freischlader
Florence Miller Agency
Cable Car Records

Devon Allman Project – 23.08.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Devon_Haupt

Die Vorfreude war natürlich riesengroß! Dass es Jenny Dore gelungen war, die beiden Sprösslinge der berühmten einstigen Allman Brothers-Protagonisten, Devon und Duane, im Rahmen des Devon Allman Projects vereint ins Musiktheater Piano zu lotsen, kam ja fast einer kleinen Sensation gleich.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass doch ziemlich viele Southern Rock-Sympathisanten an einem Donnerstag-Abend den Weg in die schöne, Jugendstil-verzierte Dortmunder Location gefunden hatten, zumal auch einige vermutlich noch die starke Leistung von Devon Allman vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle in Erinnerung hatten.

Auch wir hatten schon vorher die Werbetrommel gerührt und ich war doch überrascht, so manchen unserer Leser, im Publikum zu erkennen.  Pünktlich um 20:00 Uhr betrat zunächst Dickey Betts-Sohnemann Duane mit seinem starken Co-Gitarristen Johnny Stachela, dem agilen Bass-Spieler Justin Corgan und dem Kraftbündel John Lum am Schlagzeug die Bühne, um mit „Downtown Run Around“, im Rahmen eines 40-minütigen Gigs, loszulegen.

Als meine Favoriten entpuppten sich dabei das mit einer Eagles-Note versehene „Ride It Out“ und die furiose Version des legendären, von seinem Daddy geschriebenen Allman-Jams „In Memory Of Elizabeth Reed“ (mein Gott, ging da in Sachen E-Gitarren und Rhtythmus-Sektion die Lutzi ab). Der Gesang von Duane weißt vielleicht noch nicht ganz die Markanz seines Vaters Dickey auf (vermutlich dem noch jungen Alter und dem deutlich gesünderen Lebenswandel geschuldet), aber im Gitarrespielen steht der Bursche ihm in nichts nach. Trotzdem eine immens starke Vorstellung von Betts & Co.!

Nach einer Pause, die zum Lüften des brütend warmen Pianos und zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlust genutzt wurde, schob Devon, begleitet zunächst von Tyler Jackson Stokes als zweitem Gitarristen, mit „Mahalo“ noch ein Instrumental hinterher.  Im Gegensatz zu dem eher introvertierten Betts-Jüngling, brachte dieser mit seiner impulsiven Art sofort Stimmung in die Bude.

Mit dem souligen, herrlich groovenden Spinners-Song „I’ll Be Around“ aus dem Jahre 1972 wurde so richtig Schwung in die Beine der Besucher gebracht, auch Devon und die beiden Gitarristen hatten mit ein paar einstudierten synchronen Seitschritten ihren Spaß. Wunderbar dann das folgende „Left My Heart In Memphis“ bei dem der kauzige Nicholas David mit Bruce Hornsby-ähnlicher Piano-Einlage glänzte.

Für den ABB-Klassiker „Blue Sky“ war Duane Betts am Mikro wieder zur Stelle, die beiden grandiosen E-Gitarren-Soli im langen Instrumentalteil des Liedes von Stachela und ihm waren Weltklasse.

Zum countryesken „Friend Of The Devil“ (mit schönem Solo von Stokes) wurden Hocker auf der Bühne platziert. Das anschließende, von Gregg für Devons Mutter geschriebene „Multi Colored Lady“ offerierte die sanfte und melancholische Seite des Haupt-Protagonisten. Melodie-verliebte Leute wie mich fixte dann das wunderbare „Live From The Heart“ natürlich besonders an.

Beim gospeligen Bill Withers-Klassiker „Lean On Me“ hatte erneut Nicholas David seinen Auftritt, diesmal sogar mit tiefer Stimme am Frontmikro. Das Piano glich, nicht nur der heißen Temperaturen wegen, einer Südstaaten-Kapelle. Mit „Hot ‚Lanta“ wurde zum Abschluss des Hauptteils nochmals kräftig gejammt und der legendären Band der Väter Ehre erwiesen.

Zum heftig eingeforderten Zugabenteil stand dann alles was Spielen konnte auf der Bühne. Mit dem Don Henley-Stück „The Boys Of Summer“ und dem „Midnight Rider“ (nochmal für Vater Gregg) wurde ein vermutlich denkwürdiger Abend für hiesige Verhältnisse unter frenetischem Applaus beendet.

Im Anschluss gaben sich die Akteure publikumsnah und unterzeichneten wohl-gelaunt am Merchandising-Stand die diversen Kauf-Utensilien und hatten auch noch ganz relaxt Zeit für Fotos, was wir natürlich für unser Bild für die VIP-Galerie nutzten. Unser Dank gilt wie immer Jenny Dore und Thomas Falke vom Piano, die sich, wie immer, als tolle Gastgeber mit viel Musik-Sachverstand präsentierten.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Devon Allman
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Duane Betts
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Josh Smith – Burn To Grow – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Nachdem mittlerweile zwei Jahre lang kein neues Material von Josh Smith zu hören war, kommt jetzt nun sein drittes Album „Burn To Grow“ in die Läden. Musikalische Unterstützung hat sich Josh Smith für sein neues Werk bei so namhaften Musikern wie z. B. Carey Frank (Tedeschi Trucks Band), Pete Thomas (Elvis Costello), Lemar Carter (Usher) und Monét Owens (Ed Sheeran, Celine Dion) geholt.

Herausgekommen ist eine Scheibe, die Ihre Wurzeln im Blues hat, aber vielfältig mit Jazz-, Soul- und Funkelementen angereichert ist. So gibt es wunderbar arrangierte und treibende, aber auch melodiös dahinfließende bigbandartige Bläsersätze. Das Ganze wird getragen und begleitet von Josh Smiths markanter Stimme einerseits und seinen exzellenten Gitarrenkünsten andererseits. Aber das i-Tüpfelchen liefert Monét Owens mit ihrer klaren Sopranstimme als Background Sängerin.

Auf dem fröhlich-souligen „Your Love“ liefert sie dann auch noch die Leadvocals. Für mich persönlich das beste Stück des Albums, eine beschwingte Nummer bei der man sofort mittanzen möchte oder zumindest aber die Beine nicht stillhalten kann. Allein schon aufgrund ihrer hellen Sopranstimme unterscheidet sich dieser Song deutlich von den übrigen Titeln der CD und bietet zur „Plattenhalbzeit“ eine willkommene stimmliche Abwechslung.

Im Opener „Half Blues“ ergänzen die wunderbaren Gitarrenriffs vor allem in der zweiten Hälfte des Stücks die dezenten Bläsersätze, während das zweite Stück des Albums „Through The Night“ wiederum durch den bezaubernden Hintergrundgesang von Monét Owens besticht, der wunderbar zu dem gefällig-melodiösem Grundcharakter des Tracks passt.

In Kontrast dazu steht das anschließende „Watching You Go“ mit seinen harten Riffs, die sich mit wilden Gitarreneinlagen abwechseln, um schließlich in harmonische Gesänge von Smith und Owens überzugehen. Auch „That For You Too“ wartet mit einer grandios arrangierten Bläsersektion auf. „Look No Further“ ist etwas nachdenklicher als die bisherigen Stücke, was durch den leicht wabernden refrainartigen Gitarren-Klangteppich im Hintergrund noch verstärkt wird.

Mit „Let Me Take Care Of You“ geht’s dann rockig weiter, ein richtig geradliniger Stampfer. Der einzige Slowblues des Albums ist das traditionell gestrickte „What We Need“ und in „You Never Knew“ erinnern teilweise nicht nur die Bläser dezent an den Sound von Blood, Sweat and Tears.

Auch die Stimme von Josh Smith lässt hier, wie auch im folgenden Track „She Survives“ an David Clayton Thomas denken, ein schönes, ruhig dahinplätscherndes leicht psychedelisch angehauchtes Stück mit dezenten, etwast verstörend wirkenden Gitarrenriffs. Schließlich stampft der Titelsong „Burn To Grow“ dann dem Ende der CD entgegen und reißt den Hörer durch seinen vergleichsweise brachialen Bass und die harten Gitarrenriffs endgültig aus seinen Träumereien.

Auf der vorliegenden Scheibe stellt Josh Smith also wieder einmal seine musikalischen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Exzellente Gitarrenkünste gehen hier Hand in Hand mit ausgeklügelt arrangierten Bläsersätzen und der umwerfenden Stimme von Monét Owens. Und genau hier setzt auch der einzige Kritikpunkt an: das Album ist so perfekt angelegt und abgemischt, dass es eigentlich schon fast zu glatt und flüssig klingt. Aber das ist, wie alles im Leben eine Frage der persönlichen Präferenzen.

Line up:
Josh Smith – guitar, vocals
Travis Carlton – bass on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Lemar Carter – drums on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Pete Thomas – drums on tracks 2, 3, 4, 10
Davey Faragher – bass on tracks 2, 3, 4, 10
Carey Frank – organ
Monét Owens – lead vocals on track 5, all background vocals
Jamelle Adisa – Tramper, Flugelhorn
Chris Johnson – trombone
J. P. Floyd – trombone
Matthew DeMerritt – tenor saxophone
Dan Boisey – tenor/ baritone saxophone

m2 music . musikverlag dirk osterhaus
Stil: Blues/Soul/Jazz

Tracks:
01. Half Blues
02. Through The Night
03. Watching You Go
04. That For You Too
05. Your Love (Is Making Me Whole)
06. Look No Further
07. Let Me Take Care Of You
08. What We Need
09. You Never Knew
10. She Survives
11. Burn To Grow

Josh Smith
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m2-music

Chris Kramer & Beatbox’N’Blues – Way Back Home – CD-Review

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Review: Michael Segets

Bandleader Chris Kramer geht zusammen mit dem zweifachen Deutschen Beatboxmeister Kevin O Neal und dem Gitarristen Sean Athens als Chris Kramer & Beatbox’N’Blues in die zweite Runde. Im letzten Jahr hatte die Band quasi als Vorbereitung ihrer ausgedehnten Tour durch die Vereinigten Staaten das Album „On The Way To Memphis“ herausgebracht. Kaum zurückgekehrt, nahmen die drei Musiker in den Arnsberger Megaphone Studios die fünfzehn Tracks von „Way Back Home“ auf. Die zahlreichen Eindrücke von ihrer Reise auf den Spuren des Blues beschreibt Kramer ausführlich in den Linernotes und kündigt dort einen Dokumentarfilm über die Tour an.

Im Zentrum der Songs steht die Mundharmonika von Chris Kramer, die er meisterhaft beherrscht. Nicht umsonst hat er mit renommierten nationalen und internationalen Musikern wie Helge Schneider, Peter Maffay, Jack Bruce oder Pete York zusammengearbeitet.

Auf der Scheibe zeigen Chris Kramer & Beatbox’N’Blues eine große Bandbreite an Blues-Variationen. Die mal dezenten, mal vordergründigen Beatbox-, Rap- und Hip Hop-Elemente erweitern das musikalische Spektrum und geben der Band einen eigenen Sound. Der entwickelt durchaus seinen Reiz, auch wenn er Blues-Puristen vielleicht nicht anspricht.

„Jukebox“ gibt mit einem Funk-Einschlag und einem Beatbox-Zwischenstück den Startschuss zur CD. Auch bei „Ain’t Nobody At Home“ beatboxt Kevin O Neal, was sich gut in den stampfenden Rhythmus des rockigen Stücks einpasst. O Neals Soundeffekte peppen ebenso den eher traditionellen Boogie „Beatbox’N’Boogie“ auf. Das gleiche Konzept verfolgt die Band auf „Last Man Riding“. Der Song startet in bester ZZ Top-Manier, wofür das Gitarrenspiel von Sean Athens verantwortlich ist, und zählt für mich neben dem eingängigen „Just A Little Boy“, das ohne auffällige Effekte auskommt, zu den Highlights des Albums.

O Neal ergänzt die Vocals von Kramer bei „Happy Birthday“ durch Rap-Einlagen. Der Track erinnert an die der Band Gangstagrass, die durch die Titelmusik der Fernsehserie „Justified“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Die Fusion von Hip Hop und Blues deutet sich schon bei dem Titel „Hippin’N’Hoppin‘ The Blues“ an. Auch hier rappt O Neal nochmal einen Part.

Stärker dem traditionellen Blues verhaftet sind die englischsprachigen Balladen: „Ashes To Ashes“, das von den drei Bandmitgliedern komponiert wurde, und „Lawyer Clark Blues“ von John Estes. Bei der dritten Ballade „Hot Summer Day” kommen wieder mehr Effekte zum Einsatz. Der Akzent liegt jedoch auf dem nachklingenden Gitarrenspiel von Athens, das Assoziationen zu Gary Moore weckt.

Trotz aller Varianz bilden die ersten zwei Drittel des Albums doch eine insgesamt homogene Einheit, die gegen Ende mit drei Instrumentalstücken und zwei auf Deutsch gesungenen Titeln etwas verloren geht.

Bei „Deep In The Ground“ ergänzen sich Mundharmonika und Gitarre sehr schön. Streicher und Soundeffekte laden auf dem sanften „Tallachatchie Flats“ zum Träumen ein. Auf „Go With The Flow“ zeigt Athens nochmal ausgiebig, was er an der Gitarre kann. Mit Vogelgezwitscher und sanften Mundharmonika-Melodien wirkt das fast acht Minuten lange Stück im Vergleich zu den anderen allerdings fast seicht.

Das langsame „Der Wolkenmacher” ist eine wehmütige Reminiszenz Kramers an seinen Vater und das Revier vor dem Strukturwandel. Als Ruhrpottler fehlt natürlich nicht die Begeisterung für den Fußball, die Kramer mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ auf höchst unterhaltsame und witzige Weise zum Ausdruck bringt. Der Text besteht aus bekannten Stilblüten von Fußballspielern und Trainern, die originell zusammengefügt sind. Musikalisch würde das Lied auf Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ passen.

Die Kombination des Blues mit Hip Hop- und Rap-Elementen funktioniert. Sie bricht mit Hörgewohnheiten und erzeugt eine gewisse Spannung, die auch bei mehrmaligen Hören der Stücke aufrecht erhalten bleibt. Dennoch sprechen mich die Songs, auf denen zurückhaltender mit den Soundeffekten umgegangen wird, mehr an. Dies liegt allerdings an meiner musikalischen Sozialisation. Die Variationsbreite auf „Way Back Home“ geht gegen Ende des Albums auf Kosten einer klaren konzeptionellen Linie. Dafür bietet es mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ dort nochmal ein Lied, das in jedem Fall im Gedächtnis bleibt.

Blow ‚Till Midnight Records/Fenn Music (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

01. Jukebox
02. Ain’t Nobody At Home
03. Beatbox’N’Boogie
04. Ashes To Ashes
05. Lawyer Clark Blues
06. Happy Birthday
07. Just A Little Boy
08. Last Man Riding
09. Hot Summer Day
10. Hippin’N’Hoppin‘ The Blues
11. Deep In The Ground
12. Go With The Flow
13. Erst hatt´ ich kein Glück
14. Der Wolkenmacher
15. Tallahatchie Flats

Chris Kramer
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6. Blues ’n Jazz Meeting – 11.08.2018, Walzwerk, Dinslaken – Festivalbericht

Nachdem wir ja im letzten Jahr bei der 5. Ausgabe des Blues n‘ Jazz Festivals unsere Premiere in Sachen Berichterstattung gefeiert hatten und von der Machart, dem schönen Ambiente, der zügigen Organisation und auch der musikalischen Qualität ziemlich angetan waren, sind wir der Einladung von Organisator Klaus Diessner wieder gerne nachgekommen.

Diesmal konnten wir in Zusammenarbeit mit ihm noch 6 Personen glücklich machen, die im Rahmen des Vorberichts und eines Gewinnspiels 3 x 2 Freikarten ergattern konnten. Das Walzwerk-Team hatte zur aktuellen Veranstaltung mit den ‚Lokalmatadoren‘ Haranni Hurricanes, Andrew „The Bullet“ Lauer & Band und Chris Grey & BlueSpand wieder eine bunte stilistische Mischung aus deutschen und internationalen Akteuren zusammengestellt.

Um 18:30 Uhr eröffnete das in schwarz gekleidete und mit Cowboyhüten geschmückte Trio aus dem Emscher Delta mit ihrem ‚hurricanifizierten‘ Texas Blues Rock in der Tradition eines Stevie Ray Vaughan & Co. mit dem Titelsong ihrer noch aktuellen CD „Black Cadillac“, ihr letztendlich 17 Stücke (inkl. Zugabe) umfassendes Programm.

Sie hatten als Opener, wie auch schon im letzten Jahr The BlueBones, ein wenig den Nachteil, das zu dem Zeitpunkt noch viele Leute nicht eingetroffen waren oder gerade ankamen und mit den üblichen Begrüßungszeremonien der Bekanntschaften und den ersten Getränkebestellungen beschäftigt waren.

Trotz eines launigen Mixes aus ihren immerhin schon sieben Tonträgern mit u. a. dem ZZ Top-umwehten „You Upset Me Baby“, dem schönen Slow Blues „Time Change Love“, dem funkigen „Whiskey Drinkin‘ Woman“, dem shuffligen „Lady In Love“ und einer starken Cover-Version von „Cold Day in Hell“, taute die Stimmung erst so richtig auf, als ‚Texas Ralle‘ Bernschein mit seiner Gitarre beim „Hurricane Swing“ durchs Publikum stolzierte.

Ihr engagierter Auftritt wurde mit der Einforderung einer Zugabe letztendlich dann doch noch angemessen gewürdigt.

Line-up:
Ralf “ Texas “ Bernschein (lead vocals, electric guitar)
Andre Frin (bass, vocals)
Bernd Rademacher (lead vocals, drums)

Der mittlere Act um den wuchtigen Andrew „The Bullet“ Lauer und seinen jungen Begleitmusikern Jermaine Dobbins, Danny Eddy, Eugen Leonhardt und Marcel Weishäupl war die große Herausforderung an diesem Abend, da Hip Hop und Rap wahrlich nicht zu meinen persönlichen Präferenzen zählen.

Das Quintett mit seinem charismatischen Fronter holte die anwesende, überwiegend ältere Generation meiner Bauart von Anbeginn mit einer dynamischen Show ab. Dabei überzeugte nicht nur die voluminöse Stimme und das powervolle Bassspiel des Protagonisten. Auch seine restlichen Mitstreiter erwiesen sich als Musiker, die ihr Handwerk perfekt beherrschen.

So wurden die Rap- und Hip Hop-Einlagen von  Jermaine Dobbins sehr schön dosiert, sodass am Ende die durch Mark und Bein gehende Mischung aus Soul-, Funk, Blues- und R & B-Bestandteilen immer im Vordergrund stand.

Hängen geblieben sind Stücke wie das dem Vater gewidmete emotionale „I Will Always Be“, das recht rockige „I Just Got To Understand“, die atmosphärische Ballade „Be(a)dtime Story“ mit toller Piano-Solo-Einlage, und die aktuelle Single „I Don’t Wanna Think About It“ als Finale mit verspieltem E-Solo von Eugen Leonhardt.

Hut ab für diesen Auftritt und allein schon den Mut, sich einer doch eher auf Bluesmusik fixierten Audienz zu stellen und ein großen Blick über den Tellerrand einzufordern (vor allem bei mir…). Mission durchaus gelungen!

Line-up:
Andrew „The Bullet“ Lauer (lead vocals, bass)
Jermaine Dobbins (co-lead vocals)
Danny Eddy (keys, vocals)
Eugen Leonhardt (electric guitar)
Marcel Weishäupl (drums)

Der Headliner der diesjährigen Veranstaltung waren die mir und Fotograf Jörg (Kompliment für seine tollen Bilder!) bis dato unbekannten Dänen Chris Grey & The BlueSpand. Dass Skandinavier Blues Rock können weiß man, nicht zuletzt, dank ihrer Landsleute Thorbjorn Risager & The Black Tornado.

Der immer noch ein wenig lausbubenhaft wirkende, toll singende und fantastisch Gitarren-spielende Grey sowie seine Kollegen Kaspar Lauersen und der kräftige Drummer Lars Frimodt-Moeller, legten eine über zwei Stunden währende, genau nach meinem Gusto (und auch des restlichen Publikums) Blues Rock-Show vom Allerfeinsten hin.

Dabei ließ der Bandleader keine Gelegenheit aus, sein spezielles Verhältnis dem weiblichen Geschlecht gegenüber, pendelnd zwischen Muttersöhnchen und ‚Beziehungsluftikus‘, zu proklamieren. So erzählte er – keine Ahnung, ob es wirklich wahr ist – dass er bereits 5x (!!!) verheiratet gewesen ist (da wünschte man ihm spontan voller Mitgefühl – ich kenne das dänische Unterhaltsrecht nicht – zumindest, dass seine verflossenen Herzensdamen, besser betucht waren als er…).

Erstgenannter Sachverhalt spiegelte sich in Stücken wie „Lotta Love“ und dem grandios funkigen „Mammas „Mammalaid“, letztgenannter u. a. in dem seiner zukünftigen Ex-Frau gewidmeten „Come On“,  dem Lenny Kravitz-mäßigen „Set U Free“ oder der launigen ersten Zugabe“Woman I Know“ (Chris vor der Bühne in Gesangsinteraktion mit den Leuten).

Weitere Highlights waren die saustarken und eigenwilligen Versionen der Albert King- und Bob Marley-Klassiker „As The Years Go Passing By“ (bei dem die Leisespieleinlage im Solo leider weitestgehend im Gebrabbel der Leute unterging), beziehungsweise „I Shot The Sheriff“,  und die Eigenkomposition „Butterflies“ vom aktuellen Werk „Lotta Live“ mit gigantischem E-Solo von Chris.

Den stimmigen Abschluss des ‚Danish Blues Dynamite‘-Gigs als auch des Festivals bildete „No Diggity“, bei dem dann Lauer und Dobbins auf die Bühne geholt wurden und Blues Rock und Hip Hop kurz vor Mitternacht auf launige Art verschmolzen wurden.

Line-up:
Chris Grey (lead vocals, electric guitar)
Kaspar Lauersen (bass, vocals)
Lars Frimodt-Moeller (drums, percussion, vocals)

Fazit: Auch das 6. Event dieser Art war äußerst abwechslungsreich, unterhaltsam und kurzweilig, alles auf starkem musikalischen Niveau. Die Zuschauerresonanz hielt sich ungefähr auf dem gleichen Level wie im Vorjahr. Hier darf das Engagement von Klaus Diessner und seinem Team im nächsten Jahr mal mit deutlich mehr Zuspruch gewürdigt werden, es gibt sicher wieder einiges an toller Musik zu erleben!

Bilder: Jörg Schneider
Bericht: Daniel Daus

Haranni Hurricanes
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Andrew „The Bullet“ Lauer & Band
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Chris Grey & The BlueSpand
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Walzwerk Dinslaken

Dustin Douglas & The Electric Gentlemen – Break It Down – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Nach dem gleichnamigen Debütalbum aus 2016 und der EP „Blues 1“ ist „Break It Down“ ein powervoller Nachfolger der Pennsylvania-Rocker Dustin Douglas & the Electric Gentleman. Die vornehm gekleidete Anzugträger-Combo, bestehend aus Tommy Smallcomb am Schlagzeug, Bassist Matt „The Dane“ Gabriel und Bandleader Dustin Douglas fühlt sich im Blues-Rock-Revier ausgesprochen wohl.

Songs, wie der Drum-Beat lastige Opener „A Little Bit“ oder das groovige, mit Funky-Blues-Tönen gespickte „On The Dance Floor“, sind auf dieser Scheibe häufig vertreten. Klar herausgearbeiteter Retro Rock-Sound auf „Turn Around“ ist ein 60er-Schmankerl der Platte.

Melodischer Southern-Hard-Rock in kluger Black Stone Cherry-Manier wird auf „Goodbye“ und „Hold of Me“ abgeliefert. Ambitioniert erscheint hingegen der selbstvermarktete Vergleich zu Blues-Größen, wie Stevie Ray Vaughan oder ZZ Top. Es sind aber trotzdem gute Ansätze, die sie hier zeigen. Von den spritzig-funkigen Gitarreneffekten und den rhythmischen Drum-Beats auf „My Time Is Precious“ wird man einfach nicht ’satt‘!

Der mit Abstand beste Song ist die Southern-Rock-Ballade „Ain’t No Denyin'“, die alles mitbringt, was Lynyrd Skynyrd-Fans sich so gerne wünschen. Ein entspanntes Open-Space Feeling wird auf diesem Midtempo-Kracher sommerlich verbreitet. Dagegen entwickelt „Fat Cat“ diesen album-typischen Blues Rock-Rhythmus mit einer Prise Funk. Der letzte Track „No More Tears To Cry“ vertieft das Repertoire kerniger Blues Rock-Sounds.

Teilweise wirkt das Album ein bisschen schablonenhaft. Irgendwie scheint die Band noch nicht ganz ihren eigenen Stil gefunden zu haben und die Einordnung fällt dementsprechend schwer. Hervorzuheben ist, dass das Trio alle Songs selbst geschrieben hat und auf für Blues-Alben charakteristische Cover-Songs verzichtet, wie sie z. B. ein Joe Bonamassa gerne auf seinen Platten einzusetzen pflegt.

Leider wartet man ein wenig vergebens auf das eine oder andere Gitarren-Riff, Tempowechsel oder melodische Finessen, durch die das Werk aus der Blues Rock-Masse hervorstechen könnte. Nichtsdestotrotz ist „Break It Down“ ein ambitioniertes Album, mit dem Dustin Douglas & the Electric Gentleman versuchen, im Blues Rock-Genre Fuß zu fassen.

Quad-O Records (2018)
Stil: Blues Rock

01. A Little Bit
02. Destiny
03. On The Dance Floor
04. Turn Around
05. Goodbye
06. Hold Of Me
07. My Time Is Precious
08. Ain’t No Denyin‘
09. Out Of My Mind
10. Fat Cat
11. Your Face Is Strunning
12. Tragedy
13. No More Tears To Cry

Dustin Douglas & The Electric Gentlemen
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Damon Fowler – The Whiskey Bayou Sessions – CD-Review

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Ich weiß nicht, wie es Ihnen als Leser geht. Bei mir ist es jedenfalls so, dass mir manchmal schon allein der Name eines Künstlers oder einer Band suggeriert, ob das gute Musik sein könnte oder nicht. Ok, im Laufe der vielen Jahre, in denen ich jetzt die diversen Tonträger rezensiere, bekommt man halt auch so etwas wie ein gewisses Gespür dafür.

Der Protagonist dieses Reviews, Damon Fowler, der bereits seit 1999 im southern-umwehten Blues- , Roots-und Americana-Sektor tätig ist, hat demnach neben seiner eigenen Musik nicht umsonst Kooperationen mit bekannten Leuten wie u. a. Delbert McClinton, Chris Duarte, Buddy Guy, Johnny Winter, Edgar Winter, Jeff Beck, Robin Trower, Gregg Allman, Junior Brown, Rick Derringer, Little Feat, Jimmie Vaughan, Victor Wainwright und den Radiators vorzuweisen. Hier besonders interessant sicherlich auch seine Mitwirkung in Butch Trucks Freight Train Band, bei Dickey Betts & Great Southern und bei Southern Hospitality, denen ja auch der bei uns vor kurzem rezensierte J.P. Soars angehörte.

Mein erster Berührungspunkt mit Damon war seine Scheibe „Sounds Of Home“, produziert von dem aus Louisiana stämmigen Delta Blues-Spezialisten Tab Benoit. Diese Zusammenarbeit wurde jetzt auf Fowlers neuem Werk „The Whiskey Bayou Sessions“ in einem Studio innerhalb des Zypressenmoors am Ufer des Cane Bayou in Houma, LA, nochmals intensiviert. Auch hier saß Benoit wieder an den Reglerknöpfen und hat sich ergänzend mit der Akustik- und Rhythmus-E-Gitarre bei drei Tracks mit eingebracht.

Mit dabei sind außerdem noch Todd Edmunds am Bass und Justin Headley am Schlagzeug. Damon zeichnet sich für Gesang, Gitarrenspiel und Lap Steel verantwortlich. Wie der Titel des Albums und auch die Aufnahme-Locationes schon andeuten, bekommt man demnach einen schön swampigen Blues Rock geboten. Herausstechend sind natürlich Fowlers angenehmer Gesang und sein vorzügliches Gitarren-/Steelspiel, das sich in vielen quirligen Soli wiederspiegelt.

Vom herrlich shuffligen Opener „It Came Out Of Nowhere“, über das allmaneske „Ain’t Gonna Rock With You No More“ (mit schönem Slide), dem melancholisch groovig souligen „Holiday“ (erinnert mich ein wenig an „Spooky“ von ARS) bis zum Strand-bluesigen „Florida Bay“ (mit „Statesboro Blues“-Reminiszenzen) , erinnert hier vieles auch an die Art von Mike Zito.

Mit „Hold Me Tight“ und „Just A Closer Walk With Thee“ gibt es dazu noch zwei nette Countryschunkler, bei denen Damon zur besagten Lap Steel greift. Somit sind die „The Whiskey Bayou Sessions“ von Damen Fowler insgesamt eine gelungene Sache, die Southern-Freunden bedenkenlos empfohlen werden kann. Sein Name steht für gute Musik. Dazu kommt das Bayou-Flair auf diesem Tonträger bestens zur Geltung, wieviel Whiskey allerdings bei den Aufnahmen zum Gelingen des Ganzen beigetragen hat, bleibt aber vermutlich das Geheimnis der beim Werk involvierten Leute…

Whiskey Bayou Records (2018)
Stil: Southern Blues Rock

01. It Came Out Of Nowhere
02. Fairwheather Friend
03. Hold Me Tight
04. Up The Line
05. Ain’t Gonna Rock With You No More
06. Just A Closer Walk With Thee
07. Pour Me
08. Holiday
09. Running Out Of Time
10. Candy
11. Florida Baby

Damon Fowler
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