Mike Zito – Support: Jeremiah Johnson – 14.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein Abend im Lütgendortmunder Musiktheater Piano! Der von uns so geschätzte texanische Blues Rocker Mike Zito, den wir noch letztes Jahr im Rahmen des Blues Caravans an gleicher Stelle beleuchtet hatten, gab diesmal ein Stelldichein in eigener Sache und hatte als Support noch Jeremiah Johnson mit dabei, der letztes Jahr mit „Straitjacket“ sein Debüt unter dem Ruf Records Label gefeiert hatte.

Beide wurden jeweils bei ihren Auftritten durch Matt Johnson am Schlagzeug und Kaugummi-Kauer Terry Dry (herrlich kauziger Typ mit skurrilem Erscheinungsbild) am Bass verstärkt. Zunächst war es dann natürlich Jeremiah Johnson bei seiner Deutschland-Premiere vorbehalten, sich und seine Musik dem Publikum näher zu bringen.

Sein früheres Album „Grind“ befindet sich in meinem Besitz. Von daher war Johnson, zumindest für mich kein völlig Unbekannter. Und aus dem legte mit dem Opener des Werkes „Black Lingerie“ sofort eine toll groovende Nummer hin. Herrlich wie seine Delaney-E-Gitarre rumknarzte (erinnerte mich ein wenig an das Spiel von Wishbone Ahs Mark Abraham) und auch Johnsons leicht angerauchte Stimme wusste zu überzeugen.

Ein Kompliment hier an den Tontechniker des Pianos, der einen wunderbar transparenten und klaren Sound in allen Belangen aussteuerte und somit seinen Anteil an dem insgesamt tollen Abend hatte. Das auch von dieser CD stammende “Georgia Peach“ offenbarte Johnsons Affinität zum Southern Rock und dem Betts-umwobenen Gitarrenspiel, bedingt durch das unterschiedliche Gitarrenmodel, natürlich etwas rauer klingend.

Mit dem Schwofer „King And Queen“, „Blues In Herr Eyes“ und „Straitjacket“ gab es dann den Schwenk in Richtung des aktuellen Longplayers, von dem mit „Believe In America“ noch das patriotische Bekenntnis zur Heimat später folgte. Wahnsinn was der Protagonist insgesamt an quirligen Soli abzwirbelte.

Für uns als Southern Rock-Freunde gab es als Bonbons die Stücke „Skip That Stone“ (mit kleinen „Jessica“-Einlagen) und das atmosphärische, Marshall Tucker-trächtige „Southern Drawl“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der aus St. Louis, Missouri stammende Musiker bereits in die Herzen der Piano-Besucher gespielt.

Ich habe bei meinen vielen Besuchen selten einen Support erlebt, der so vom Publikum gefeiert und angetrieben wurde. Johnson wurde unter heftigem Klatschen dann noch zweimal auf die Bühne zurückbeordert, wo er mit „Get In The Middle“ on top eine Bakersfield-Nummer zum Besten gab und bei „Gasoline And Smokes“ noch mal gitarrentechnisch aus allen Rohren feuerte. Großartige Performance, Jeremiah Johnson!

Nach einer kurzen Pause wusste Routinier Mike Zito natürlich um die Höhe der Latte, die Kollege Johnson aufgelegt hatte. Der Texaner warf sofort sein sympathisches Charisma in die Waagschale und konterte mit den formidablen Slidekünsten (als auch vielen konventionellen Spielereien) auf seiner, mit goldenen Reglerknöpfen verzierten, schnieke glitzernden, bordeaux-rot-weißen Music Man StingRay-Gitarre.

Zito eröffnete mit „Mississippi Nights“ und dem Titeltrack des aktuellen Werkes „First Class Life“, die später noch mit dem herrlichen Deltablues zu Ehren von Blind Willie Johnson „Old Black Graveyard und dem wunderbar launigen „Back Problems“ (furiose Soli aller Beteiligten, sehr schön sphärisch das von Komiker Terry Dry, der trotz seiner Flachsereien immer auf präzises Spiel achtete) ergänzt wurden.

Mit „Bad News Is Coming“ lieferte er eine grandiose Hommage an Luther Allison ab und präsentierte mit Sachen wie unter anderem „Wasted Time“, „Keep Coming Back“, „Judgement Day“ (mit integriertem Kurz-„Whole Lotta Love“) und „Make Blues Not War“ einige Schlüssellieder seiner früheren Alben.

Und da Mike Zito nicht nur ein lockerer Typ ist, sondern durchaus den Gentleman in sich trägt, holte er Jeremiah Johnson zurück auf die Bretter des Pianos. Fortan wurde mit den beiden überragend gespielten „Gone To Texas“ und „One More Train“ im Quartett die große Southern Rock-Keule geschwungen, Double Leads und schmissige Einzel-Soli inbegriffen, dass es einem die Freudentränen in die Augen trieb.

Eigentlich wollte kaum jemand die vier Musiker von der Bühne lassen, aber angesichts der noch bevorstehenden Konzerte ging der fließende Übergang zum Merchandising Stand absolut in Ordnung. Johnson schien angesichts der Begeisterung für ihn vor Dankbarkeit überzuschäumen, so dass er jeden Besucher quasi persönlich per Handschlag verabschiedete.

Und in der Tat, das Musiktheater Piano hatte aus meiner Sicht, nicht zuletzt auch wegen der vielen Southern-Ingredienzien, einen der stärksten Blues Rock-Abende erlebt, seit dem ich diese schöne Location besuche. Es war ein großes Vergnügen – Kompliment, die Herren Zito, Dry und Jeremiah und Matt Johnson! Unsere dicke Empfehlung zu Anfang der Tour: Hingehen, wem sich auch immer die Möglichkeit dazu bietet!

Line Up:
Mike Zito – Lead vocals, electric and slide guitar
Jeremiah Johnson – Lead vocals, electric guitar
Matthew R. Johnson – Drums, vocals
Terry Dry – Bass, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Video „Bad News Is Coming“: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Mike Zito
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Jeremiah Johnson
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Todd Snider – Cash Cabin Sessions Vol. 3 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Back to the roots! Nachdem Todd Snider den Entschluss gefasst hatte, sich auf seine Wurzeln zu besinnen und ein Folkalbum zu machen, hörte er sich die Aufnahmen von Woody Guthrie an und kehrte in das Cash-Cabin-Studio zurück, in dem er bereits 2015 mit Loretta Lynn einen Song aufgenommen hatte. Das Ergebnis präsentiert er nun mit „Cash Cabin Sessions Vol. 3“.

Die Nummerierung bietet Anlass für Spekulationen, bleibt aber erst mal ein Geheimnis, denn ein Vol. 1 oder Vol. 2 brachte Snider nicht heraus. Vielleicht deutet der Titel auf die Einreihung in die musikalische Tradition hin, in die er sein Werk stellt. Da sind einerseits die Einflüsse der Folkmusiker wie Woody Guthrie oder Leadbelly und andererseits die Inspiration durch Johnny Cash zu hören.

Letztgenanntem setzt er ein sehr poetisches Denkmal mit „The Ghost Of Johnny Cash“. Jack Henderson Clement, einem langjährigen Freund von Johnny Cash, gedenkt Snider bei „Cowboy Jack Clements Waltz“.

Mit gefühlvoller Gitarre und starker Stimme reflektiert Todd Snider auf „Working On A Song“ über das Songschreiben und ein wohl nie zu vollendendes Stück, an dem er seit 30 Jahren arbeitet. „Like A Force Of Nature“ ist ebenfalls ein persönlicher und äußerst gelungener Titel, bei dem Jason Isbell den Harmoniegesang übernimmt. Der Klang geht dabei in Richtung Hardpan oder Parsons Thibaud. Thematisch kreist der Song ebenso wie „Watering Flowers In The Rain“ um Freundschaft.

Ein Folkalbum lässt natürlich auch politische oder sozialkritische Töne erwarten. Dieser Erwartung entspricht Snider auf der Hälfte der Titel. Dabei zeigt Snider, dass er das Herz auf dem rechten Fleck hat. Sei es, wenn er einen unreflektierten Patriotismus anprangert, sei es, wenn er feststellt, dass es sich anscheinend nicht immer auszahlt, das Richtige zu tun. Nun melden sich also auch die Musiker, wie gerade erst Ryan Bingham, zur derzeitigen politisch-sozialen Situation in den USA vermehrt zu Wort. Aber die Intellektuellen sind sowieso nicht das Problem in den Staaten.

Eingängig sind „Just Like Overnight“ und das leicht nölig gesungene „Framed“. Sperrig hingegen wirken die mit Sprechgesang vorgetragenen „Talking Relity Television Blues“, „Timeless Response To Current Events“ und „The Blues On Banjo“. Zusammen mit den beiden kurzen Intermezzi „Dedication“ und „Explanation“ erscheint ein großer Teil der CD damit ziemlich sprechlastig.

Snider spielt alle Instrumente, d. h. vor allem akustische Gitarre und Mundharmonika, selbst. Das Werk ist stripped down und tritt damit konsequent in die Fußstapfen der Folksinger und -songwriter. Sieht man von den gesprochenen Bluesstücken ab, die zwar politisch korrekt sind, mich aber musikalisch nicht so mitnehmen, liefert Todd Snider mit „Cash Cabin Sessions Vol. 3“ ein Album mit soliden Folktiteln ab, unter denen der Opener „Working On A Song“, „Like A Force Of Nature“ und „The Ghost Of Johnny Cash“ hervorstechen.

Aimless Rec./Thirty Tigers/Alive (2019)
Stil: Folk

Tracks:
01. Working On A Song
02. Talking Reality Television Blues
03. Like A Force Of Nature
04. Just Like Overnight
05. The Blues On Banjo
06. Framed
07. The Ghost Of Johnny Cash
08. Dedication
09. Cowboy Jack Clements Waltz
10. Explanation
11. Watering Glowers In The Rain
12. A Timeless Response To Current Events

Todd Snider
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Rob Heron & The Tea Pad Orchestra – 12.03.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Ich hatte lange mit mir gerungen, ob ich mich an dem Dienstagabend auf den Weg in die Kulturrampe mache, um mir Rob Heron & The Tea Pad Orchestra anzuhören. Da gesundheitliche Probleme und Terminüberschneidungen meinen ersten Besuch dieses Jahr bislang verhinderten, überwand ich schließlich meinen inneren Schweinehund und gab dem Bedürfnis nach, die liebgewonnene Krefelder Kultstätte wiederzusehen.

Rob Heron kann seit 2012 auf vier Longplayer zurückblicken, die musikalisch sicherlich nicht im Kernbereich des Southern Way Of Music zu verorten sind. Swing, Boogie und Old School Rock ’N Roll stehen dort im Zentrum. Dennoch findet sich auf jedem Album der eine oder andere Titel, der auch der Fangemeinde von SoS gefallen könnte, etwa wenn Heron etwas Country oder Blues beimischt.

Auf der aktuellen Veröffentlichung „Soul Of My City“ (2019) sind mit „Fool Talkin‘ Man“, das für mich ein hohes Identifikationspotential aufweist, und „There’s A Hole (Where My Pocket Used To Be)“ zwei hervorragende Songs vertreten. Zum letztgenannten gibt es ein narratives Video im Stil eines Low-Budget-Kurzwesterns. Die gehörige Portion Selbstironie, sowohl in diesem als auch in anderen Videos von Rob Heron & The Tea Pad Orchestra, finde ich äußerst sympathisch.

Das Charisma von Rob Heron und sein partytauglicher North Eastern Swing ließen einen kurzweiligen Abend erwarten und den bot die Band den circa 80 Besuchern auch. Mehrere Gäste waren stilecht im Rockabilly-Outfit erschienen und einige hatten bereits den ersten Auftritt der Band an gleicher Stelle erlebt.

Mit „Let’s Go Back In Time, Man“ eröffnete Rob Heron das erste Set. Der Titel der temporeichen Nummer kennzeichnet das stilistische Programm ganz gut, wobei die bekannt wirkenden Melodien durch frische und freche Varianten modernisiert werden. Der erste Teil des Konzerts wurde zur Hälfte von Stücken der aktuellen Scheibe bestritten.

Neben meinen beiden schon genannten Favoriten spielte die Band noch „Holy Moly (I’m In Love Again)“ und das countryfizierte „One Letter Away From Lonely“ von diesem Album. Von „Talking About The Weather“ (2014) wählte Heron „Crazy Country Fool“, „Junk On The Radio“ so wie den frenetisch bejubelten „Drinking Coffee Rag“. Den Abschluss des ersten Sets bildeten „Cats & Chickens” und „Honest Man Blues” vom vorletzten Werk „Something Blue“ (2016).

Die Liedauswahl traf dabei ziemlich genau meinen Geschmack. Nach dem fast durchgängig hohem Tempo der ersten vierzig Minuten, legte die Band eine kurze Verschnaufpause ein, in der die LPs und Singles rasant ausverkauft wurden. Daher kam Heron, der selbst ein Vinyl-Liebhaber ist, begeistert aus der Pause.

Im zweiten Set schlug Rob Heron & The Tea Pad Orchestra dann mal ruhigere Töne an, wie beim „Small Town Blues“ oder legten sich mal etwas experimenteller in Zeug, wie bei dem an Tom Waits erinnernden „Something Blue“. Bei dem Song packte Tom Cronin, der sonst an Mandoline und Mundharmonika glänzte, das Banjo aus, das er dann später an Heron weitergab. Den Swing zelebrierte die Band bei „Stealin‘ Gene“ und „Une Bouteille De Beaujolais“. Highlights des zweiten Hauptteils waren für mich aber „Life Is A Drag“ und das rockig-stampfende „High Speed Train“, das es zum vorläufigen Finale gab.

Zur ersten Zugabe betrat Heron zunächst alleine die Bühne. Er jodelte sich bei „Lonely Boy“ die Seele aus dem Leib. Das mag musikalisch fragwürdig sein, machte aber sehr viel Spaß. Danach ließen er und seine Mitstreiter die Rampe mit „Like A Cuckoo“ und „Double Meaning, Double Entendre“ nochmals richtig aufkochen. Die Begeisterung der Besucher holte die Musiker zu einer ungeplanten zweiten Zugabe erneut zurück. Mit „My Baby Wants A Hot Bath“ verabschiedeten sich Rob Heron & The Tea Pad Orchestra nach insgesamt eineinhalbstündiger Spielzeit.

Der Stimmung taten die Tempowechsel sowie die stilistischen Variationen keinen Abbruch. Das Publikum tanzte ausgelassen, feuerte die Band lautstark an und spendete reichlich Applaus. Vor allem Ben Fitzgerald erhielt bei den langsameren Titeln die Gelegenheit, seine Fingerfertigkeit an der Gitarre zu zeigen. Der Sound der Band erhält allerdings durch Tom Cronin sowie durch das Akkordeon von Colin Nicholson seinen besonderen Touch.

The Tea Pad Orchestra setzt sich aus ausgezeichneten Musikern zusammen, die ihre Instrumente beherrschen. Neben den bereits erwähnten wird es durch die Rhythmussection mit Ted Harbot am Upright- beziehungsweise selbstgebauten E-Bass und Paul Archibald am Schlagzeug komplettiert.

Auf der Bühne arbeiten die Begleitmusiker eher unauffällig und geben so dem extrovertierten Rob Heron Raum, sein Temperament auszuleben. Vor allem nach der Pause drehte Heron mit seiner Mimik und Gestik richtig auf und bot das passende Schauspiel zu seinen Songs.

Mich zum Konzert der Engländer und Schotten aufzuraffen, war eine sehr gute Entscheidung. Die Show ist mitreißend und sogar die Live-Versionen der Songs, die mich auf den Tonträgern nicht gänzlich überzeugen, zünden. Der Vorsatz, Bob Heron und seine Kumpanen bei ihrer nächsten Stippvisite in Krefeld zu besuchen, ist jetzt schon fest gefasst.

Line-Up:
Rob Heron (lead vocals, guitar, banjo)
Ben Fitzgerald (guitar, vocals)
Tom Cronin (mandolin, harmonica, banjo, vocals)
Colin Nicholson (accordion, keys, vocals)
Ted Harbot (bass)
Paul Archibald (drums)

Text und Bilder: Michael Segets

Rob Heron & The Tea Pad Orchestra
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Kulturrampe

Vanja Sky – 12.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Nachdem Vanja Sky, im Rahmen von Rufs Blues Caravan, bereits letztes Jahr an der Seite von Mike Zito und Bernard Allison durch Deutschland tingelte und dort auch schon überzeugte, besuchte Sie erstmals den Kölner Yard Club im Rahmen Ihrer ersten Solotour.

Die junge Kroatin, die erst seit wenigen Jahren Gitarre spielt, hatte ihr Debutalbum „Bad Penny“ im Gepäck, von dem sie auch fast jeden Song spielte und ergänzte erwartungsgemäß ihre Show mit mehreren Coversongs. Wie meist im Yard Club, der leider mit etwa 40-50 Fans nur mäßig besucht war, begann das Konzert recht pünktlich gegen 20:15 Uhr.

Vanja in einem weißen Kleid mit roten Blumen gekleidet, brachte auch durch ihre erfrischende und natürliche Art eine regelrechte Wohlfühlstimmung in den Club und interagierte immer wieder mit dem Publikum.

Mit dem Opener „Hard Working Woman“ legte Sie direkt einen feinen Bluessong aus der eigenen Feder hin. Unterstützt wurde Sie dabei von Ihrer Band, Eduard Jimmy Matesic an der zweiten Lead Guitar, der mit einigen starken Soli glänzte, Hanser Schüler an den Drums und Roger Inniss, Rufs Tausendsassa am Bass.

Dem Cream-Klassiker „Strange Brew“, den Sie gekonnt aufs Parkett legte, ließ sie mit „Do You Wanna?“, „Inside Pain“ und „Give Me Back My Soul“ drei Songs vom eigenen Album folgen, ehe Sie sich an Stevie Ray Vaughns „Pride & Joy“ wagte und mit dem selbst geschrieben „Crossroads Of Life“ einen der Höhepunkte des Konzerts folgen ließ.

Psychedelisch beginnend, steigerte sich das Stück mit hohen Wiederekennungswert in eine starke Bluesnummer, die mit dem entsprechenden Applaus belohnt wurde. Dem frühen Fleetwood Mac Klassiker „Oh Well“ gab Sie mit Ihrer Stimme eine ganz eigene Note.

Schön war dabei, wie die Band harmonierte, Vanja sich immer wieder zu Matesic begab, um sich in Soli zu duellieren oder, Seite an Seite mit Inniss stehend, performte. Beiden, wie auch dem Drummer Hanser Schüler war anzumerken, mit welchem Spaß sie bei der Sache waren und sie die positive Stimmung aus dem Publikum aufnahmen.

Danach legte Sky die elektrische Gitarre für einen Song auf Seite und spielte eine gefühlvolle Version des Traditionals „House Of The Rising Sun“, das durch die Animals bekannt wurde. Dies tat sie in einer solch intensiven Art, dass ihre Begleiter mit geschlossenen Augen, scheinbar träumend, in den Song einsetzten.

Hanser bewies hier, dass er neben dem druckvollen Schlagzeugspiel auch mit viel Ruhe und Gefühl sein Instrument spielen kann, um so nicht die traumhafte Atmosphäre zu zertrümmern und nur leichte Akzente zu setzen.

Dem bluesigen „All Night“ folgten das rockige „Don‘t Forget To RnR“ und das Black Crowes-Cover „Twice As Hard“, in dem alle Musiker tolle Soli einbrachten. Besonders hervorzuheben ist hier das mehrminütige Agieren von Roger Inniss an seinem 6-Saiter, bei dem er eindrucksvoll offenbarte, was aus diesem Instrument mit dem nötigen spielerischen Können heraus zu holen ist.

Mit dem leicht balladesken „Married Man“ gab Sky dann Einblicke in Ihr Seelenleben. Schön war zu sehen, wie das Publikum diesen speziellen Moment wahr nahm und scheinbar anmutig lauschte, so auch Inniss, der erst später mit seinem Bass einsetzte.

Gegen Ende des Konzertes legte Sie mit „Bad Penny“, dem ganz stark interpretierten, „Going To My Hometown“, bei dem Matesic sie an der Mandoline begleitete und „Shadow Play“, drei Songs ihres Idols Rory Gallagher hin.

Es mündete darin, dass Sie selbst, auf der Bühne liegend, ihre Gitarre bespielte und Matesic ihr anschließend ganz im Stile eines Gentlemans, wieder aufhalf.

Nach einer eigenwilligen, gesanglich starken Version von „Whole Lotta Love“ gab es als letzten Song noch eine hart rockende Version des Troggs Klassikers „Wild Thing“ und die Band verabschiedete sich vom gut mitgehenden Audienz.,

Der anhaltenden Applaus dafür sorgte, dass mit einem stark vorgetragenen, groovenden „Hit Me With The Blues“ einer der stärksten Songs, die fällige Zugabe bildete. Nach etwa 90 Minuten war der gelungene Auftritt der Nachwuchskünstlerin beendet.

Sicher gibt es noch die eine oder andere Ecke glatt zu schleifen, aber in punkto Publikumsnähe, positiver Ausstrahlung, braucht sie sich vor wenigen in der Szene zu verstecken.

Es wird spannend, wie sich die junge Kroatin weiter entwickeln wird. Mit der Unterstützung der heutigen Musiker, ist zu erwarten, dass man in der Zukunft noch einige Positives von ihr hören wird, und sie auch bei den weiteren Konzerten der Tour, ihre Fans begeistern wird.

Ein Dank auch an Marcus Neu, der immer wieder jungen Künstlern im Yard Club die Chance gibt, sich zu beweisen. Schön wäre es, wenn dies auch besuchsmäßig mehr gewürdigt werden würde, dass dies in Zukunft entsprechend fortgesetzt werden kann.

Line Up:
Vanja Sky – Vocals, Gitarre
Eduard Jimmy Matesic – Gitarre, Mandoline
Roger Inniss – Bass
Hanser Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Ruf Records
Yard Club Köln

Joseph Parsons – Digging For Rays – CD-Review

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Review: Michael Segets

Joseph Parsons erlebte ich 2013 im Essener Grend als Mitglied der US Rails. Mittlerweile ist Parsons aus der Truppe ausgestiegen, verfolgte aber mit Hardpan ein anderes Bandprojekt und war mit Todd Thibaud als Duo Parsons Thibaud unterwegs. Neben diesen Kollaborationen ist er auch solo sehr aktiv. Mit „Digging For Rays“ legt Joseph Parsons nun sein 13. Studioalbum vor, das er mit seiner bewährten Begleitband einspielte: Ross Bellenoit an der elektrischen Gitarre, Freddi Lubitz am Bass und Sven Hansen am Schlagzeug.

Dass Parsons schöne Melodien entwickeln und poetische Texte verfassen kann, stellt er auf seiner neuen CD erneut unter Beweis. Mit seiner markanten, weich und zugleich voll klingenden Stimme drückt er seinen Songs einen eigenen Stempel auf. Die Stimme von Parsons bringt beispielsweise auf „Sad Parade“, von seiner akustischen Gitarre begleitet, Emotionen unmittelbar rüber. Der pure Klang des Stücks macht es zu meinem Favoriten auf der Scheibe.

Als weitere langsamere Songs sind das sphärisch untermale „Long Road”, „Today“ – mit einem schönen Gitarrensolo – und „Piracy“ vertreten. Sie wirken harmonisch und melodiös. „Piracy“ kann live gespielt und weniger opulent arrangiert zu einem hervorragenden Teil von Parsons Repertoire werden. In der vorliegenden Version ist es mir einen Tick zu poppig geraten.

Gleiches gilt für einige andere Titel. Bei einzelnen Stellen von „Beautiful Lie“ kommt mir die englische Band Latin Quarter in den Sinn. Der Song ist eingängig, aber die Klangsphären vor allem am Ende des Stücks gehen schon stark in Richtung Pop. Bei „Come Around“ empfinde ich die gesprochene Passage störend. Der helle Soundteppich und der Klang des Schlagzeugs auf „Living Things“ liegen ebenfalls nicht auf meiner Linie.

Neben den kritischen Anmerkungen lässt sich aber auch positives verzeichnen: „Dreaming” beginnt mit akustischer Gitarre und entwickelt sich nicht zuletzt durch die einsetzende E-Gitarre zu einem spannenden Rocksong. Ein ähnliches Tempo, aber mit etwas dunklerer Atmosphäre, schlägt der Opener „Wide Awake“ an. Er hat von den Titeln des Albums den deutlichsten Wiedererkennungswert. Als Bonustrack gibt es das Stück in deutscher Sprache, mit der Parsons seine derzeitige Wahlheimat würdigt. Parsons‘ Akzent bei „Hellwach“ ist durchaus sympathisch. Seine Betonung erinnert mich an Herman van Veen.

Parsons „Digging For Rays“ ist nicht sein bestes, aber ein solides Album. Die Melodien und Songstrukturen sowie Parsons‘ Stimme bilden dessen Fundament, das bei einigen Songs durch die poppig geratenen Arrangements überlagert wird. Man darf gespannt sein, wie die Stücke live wirken, denn Parsons tourt wieder ausgiebig durch Deutschland, wobei er u. a. am 24. März im JZ Karo in Wesel Station macht.

Meer Music/Blue Rose Records/Soulfood (2018)
Stil: Rock, Pop

Tracks:
01. Wide Awake
02. Come Around
03. Living Things
04. Beautiful Lie
05. Today
06. Piracy
07. Sad Parade
08. Dreaming
09. Long Road
10. Hellwach (Bonus-Track)

Joseph Parsons
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Bluerose Records
Soulfood
Oktober Promotion
JZ Karo

Lauren Jenkins – No Saint – CD-Review

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Trotz des Heiligenscheins auf dem Coverbild hinter ihr, gedenkt Lauren Jenkins ihrem Ex gegenüber nicht die Heilige zu spielen, denn, so singt sie es letztendlich im Titelstück ihres Debütalbums: „Heaven says I need to forgive you, but I ain’t no saint.“

Die gebürtige Texanerin, in Carolina aufgewachsen, begann bereits mit 15 Jahren eigene Songs zu schreiben, trat zunächst in Clubs an der Ostküste auf, bis sie es für ein Schauspielstudium nach New York City verschlug. Dort nahm sie das Mikro in die Hand, wann immer sich die Gelegenheit in den dortigen Locations bot.

Schließlich gerieten ihre Kreationen in die Hände von Big Machine-Chef Scott Borchetta, der die junge Dame nach nur einem Treffen für sein Label verpflichtete. Nach ihrer hochgelobten Debüt-EP „The Nashville Sessions“ 2016, die den Rolling Stone dazu vernanlasste, sie als ‚New Artists To Watch‘ zu bezeichnen, veröffentlicht sie jetzt mit „No Saint“ auch ihren ersten Longplayer (ok, 36 Minuten Gesamtspielzeit sind jetzt auch nicht gerade üppig, ähm, long).

Dazu sind noch mit “Cadillac”, “My Bar”, “All Good Things” und ”Blood” vier Tracks der EP mitvertreten, so das ein Kauf der CD vorbehaltlos eher Leuten empfohlen werden kann, die sich nicht im Besitz dieser befinden.

Für das Album der ohne Zweifel hochtalentierten Musikerin, hat das Big Machine Label dann auch in allen Belangen richtig dick aufgefahren: Mit Julian Raymond (Stücke 1-6), Trey Bruce (7,10), Matt Dragstrem (8) und Ross Copperman (9), gibt es gleich vier verschiedene Produzenten und in Sachen Studio-Musikern ist alles vertreten, was Rang und Namen in Music City hat (u. a. Ilya Toshinsky, Tom Bukovac – herrliches Southern Rock-E-Solo auf dem besten Track des Albums „Running Out Of Road„, Dan Dugmore, Charlie Judge, Greg Morrow, Jimmy Lee Sloas, etc. – alles sogar in Mehrfachbesetzung).

Die insgesamt zehn Lieder (alle von Lauren mitgeschrieben – gute Texte) leben natürlich von der tollen Instrumentierung, ihrer leicht introvertiert und nachdenklich klingenden, beziehungsweise wirkenden Stimme, aber auch von der gelungenen Mixtur aus New Country, Americana und Singer/Songwriter -Anleihen, die dem Album ein authentisches und weniger auf Charts ausgerichtetes Flair verleihen. Es geht tendenziell somit eher in Richtung von Damen wie Lori McKenna, Gretchen Peters, Lucinda Williams, Tift Merritt & Co.

Insgesamt ist „No Saint“ ein gelungener Major-Neuling der Teilnehmerin des diesjährigen Country2Country, als auch der erstmalig bei uns eingeführten SOUND OF NASHVILLE-Konzertreihe (allerdings nur in Hamburg und Frankfurt), so dass wir sie leider in Köln nicht live zu sehen bekamen. Die ‚unheilige‘ Lauren Jenkins sollte man 2019 (und vermutlich darüber hinaus) auf dem Schirm haben. Gutes Mädel!

Big Machine Label Group (2019)
Stil: New Country

01. Give Up The Ghost
02. You’ll Never Know
03. Maker’s Mark And You
04. Payday
05. No Saint
06. Running Out Of Road
07. Cadillac
08. My Bar
09. All Good Things
10. Blood

Lauren Jenkins
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Universal Music

Tedeschi Trucks Band – Signs – CD-Review

TTB

Review: Stephan Skolarski

Die geballte musikalische Power der aus 12 Musikern bestehenden Tedeschi Trucks Band auf einer Platte zu vereinen, ist für jeden Produktionsprozess eine Herausforderung. Federführend bei der Entstehung des neuen Longplayers der US-Amerikanischen Blues- und Southern-Rock Formation, war der mehrfache Grammy Gewinner Jim Scott, der schon mit vielen Acts des Musik-Business zusammenarbeiten konnte (u.a. Rolling Stones, Tom Petty, Sting, Wilco) und diese Aufgabe gemeinsam mit Derek Trucks und Bobb Tis, exzellent bewältigt hat.

„Signs“ wurde im sogenannten ‚Swamp Raga‘ (Jacksonville, FL), dem eigenen Studio des Bandleader-Ehepaars Susan Tedeschi und Derek Trucks, aufgenommen und ist bereits das vierte Album in den letzten neun Jahren. Die gewohnte, abwechslungsreiche Unterstützung durch Bläser, Keyboards, Percussion und Backgroundgesang ist erneut das bekannte Markenzeichen dieses Kollektivs. Als Themen des Albums werden nicht nur auf dem Cover, sondern geradezu eindringlich in den Songs Umweltzerstörung und gesellschaftliche Spaltung angeprangert.

Leider musste die Band in der Vergangenheit einige Schicksalsschläge verkraften. Im Bekanntenkreis verstarben u.a. Butch Trucks, Gregg Allman, Leon Russel und B.B. King, die alle sehr enge Wegbereiter und Vorbilder waren. In liebevoller Erinnerung wird diesen Alt-Meistern im Booklet die besondere Wertschätzung erwiesen. Gewidmet ist das Werk jedoch ausdrücklich Colonel Bruce Hampton, der langjährig als Förderer und Mentor die musikalische Ausrichtung begleitet hat. Die Wirkung auf Sängerin Susan Tedeschi, die auch ihre Trauer und Wut verarbeitet, äußert sich dennoch in optimistischer Weise: „Als Musikerin möchte ich rausgehen, Kraft vermitteln und die Menschen inspirieren.“

Die Aussage setzt wortwörtlich ein Zeichen, einen Maßstab für die Tracks und die Vitalität von „Signs“. Und so geht es auf dem Opener „Signs, High Time“ gewaltig los. Der Funk/Soul Mix auf „I‘m Gonna Be There“ driftet im Refrain zu einem eher gängigen Pop-Rhythmus ab. „Walk Through This Life“ liebäugelt mit angenehmen Soul-Country und greift zugleich die äußerst schweren Verluste der Vergangenheit auf, gepaart mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft („Let’s walk through this life togehther/Show a little staying power/Even in our darkest hour/There’s still you and me“).

Das milde „Strenghten What Remains“ ist für die TTB ein vergleichsweise minimalistisches Arrangement und ein schöner, liebevoller Song. Auf dem melancholischen „All The World“, inklusive weinendem Gitarren-Solo von Derek Trucks), wird auf die Vergänglichkeit des Planeten aufmerksam gemacht („All the world is bleeding“). Die Vorab-Singles „Hard Case“ und „They Don’t Shine“ verfeinern die Platte durch Gospel-Power, klassischen Blues und warme Gitarren. „The Ending“ ist ein rein akustisches und trauriges Lied, das von Susan Tedeschis Stimme sanft getragen und von Derek Trucks und Oliver Woods (The Wood Brothers) Gitarren kunstvoll begleitet wird und nochmals die verstorbenen Freunde würdigt.

Der Longplayer „Signs“ steht für einen bunten Facettenreichtum aus Blues, Southern Rock, Funk und Soul; ähnlich üppige Sounds kommen im artverwandten Stil allenfalls noch von Gov‘t Mule oder der Marcus King Band rüber. Die Tedeschi Trucks Band schöpft ihr breites Potential auf jedem Alben neu und beständig aus. Sie haben mittlerweile ihren unverkennbaren Tedeschi-Trucks-Sound entwickelt, der sich durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet und auch auf „Signs“ fast schon magisch in seinen Bann zieht.

Fantasy Records (2019)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Signs, High Times
02. I‘m Gonna Be There
03. When Will I Begin
04. Walk Through This Life
05. Strengthen What Remains
06. Still Your Mind
07. Hard Case
08. Shame
09. All The World
10. They Don‘t Shine
11. The Ending

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Gary Hoey – Neon Highway Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Schade, dass Gary Hoey hierzulande noch keinen wirklich weitreichenden Bekanntheitsgrad erreicht hat. Dabei ist der 58-jährige US-Amerikaner in den Staaten spätestens seit 1987, als er von niemand geringerem als Ozzy Osbourne entdeckt wurde, eine feste Größe in der Blues- und Blues Rock-Szene. Nebenbei stammen auch zahlreiche Songs aus der TV- und Kino-Welt aus seiner Feder.

Mit seinem neuen Album „Neon Highway Blues“ dürfte sich seine Popularität bei uns aber bald steigern, frönt Gary Hoey doch mit seinen Gastmusikern Eric Gales, Josh Smith und Lance Lopez gekonnt und ausgiebig dem Blues und Blues Rock.

Gleich mit dem Opener „Under The Rug“ geht es mit Unterstützung von Eric Gales und einer eingängigen Grundmelodie ziemlich funky in die Vollen bzw. in die Beine, die gleich darauf wieder mit dem zum Dahinschmelzen schönen Slowblues „Mercy Of Love“ unter Mithilfe von Josh Smith wieder zur Ruhe gerufen werden. „Your Kind Of Love“ ist dann wieder ein beschwingter, gute Laune verbreitender, Shuffle. Gary Hoeys Lieblingssong ist allerdings nach eigenem Bekunden der Chicago Blues „Don’t Come Crying“, bei dem sein Sohn Ian kräftig an der Gitarre mitmischt.

„Still Believe In Love“ klingt stellenweise ein wenig wie Queens „Crazy Little Thing Called Love“ unter Southern-Einfluss. Mit „Almost Heaven“ (zart und melodiös), „Waiting On The Sun“ (nachdenklich und in sich ruhend wirkend) und dem Titelsong „Neon Highway Blues“ (leicht sphärisch) sind außerdem drei reine Instrumentalstücke auf dem Silberling versammelt.

Die sägenden Gitarrenriffs der beiden Songs „I Felt Alive“ und „Living The Highlife“ intonieren eine etwas härtere und im erstgenannten Song auch düstere Gangart. Auf „Damned If I Do“ trifft dies dem Grunde nach auch zu, dennoch ist dies eher ein fetziger Blues Rocker mit Beteiligung und Handschrift von Hoeys Labelkollegen Lance Lopez.

Insgesamt ist Gary Hoeys neuestes Werk musikalisch also breit gefächert mit Einflüssen aus Blues Rock, Chicago Blues und Rock’n Roll. Beim ersten Hören stellt sich zwar das Gefühl ein, alles irgendwie schon einmal gehört zu haben, die musikalischen Feinheiten und auch Fähigkeiten der Musiker offenbaren sich aber erst, wie so oft, bei mehrmaligem und bewussten Anhören der Scheibe. Man möchte sie dann eigentlich gar nicht mehr weglegen.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Under The Rug (feat. Eric Gales)
02. Mercy Of Love (feat. Josh Smith)
03. Your Kind Of Love
04. Don’t Come Crying (feat. Ian Hoey)
05. Still Believe In Love
06. Almost Heaven
07. I Felt Alive
08. Waiting On The Sun
09. Damned If I Do (feat. Lance Lopez)
10. Living The Highlife
11. Neon Highway Blues

Gary Hoey
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Ben Poole – 08.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Ben Poole zurück in Deutschland. Nachdem er ja schon letztes Jahr intensiv in unseren Landen getourt hatte (wir berichteten von seinem Gig in Rhede), geht es jetzt zunächst im Rahmen seiner ‚Anytime You Need Me‘-Tour bis Ende April durch Deutschland und das umliegende Ausland, bevor er Anfang Mai in die Heimat zu weiteren Gigs zurückkehrt.

Während meine bisher erlebten Konzerte von ihm auch von den kleinen Intermezzi und Scharmützeln mit seinem Keyboarder Joe Mac ihre Zusatzwürze beinhalteten, gab es diesmal den ungeschliffenen rauen Ben Poole im klassischen Trio (Gesang/E-Gitarre, Bass Schlagzeug) zu sehen, beziehungsweise zu hören.

Mit Martin Deering gab es erneut einen fließenden Wechsel am Schlagzeug, Beau Barnard zupfte standesgemäß den Tieftöner. Ben bediente sich diesmal zweier Telecaster-Modelle und seiner gewohnten Gibson Les Paul im steten Wechsel.

Schon der riffig rockende und stampfende Opener dieses Abends, „Take It No More“, vom neuen, oben angeführten Werk, offenbarte, was den Besucher in den nächsten etwas über 1 1/2 Stunden erwarten würde: E-Gitarrepower und ungezügelte Spielfreude aller Beteiligten pur.

Gleichzeitig war dieser Song schon ein schönes Beispiel dafür, wie es ist, wenn gute Musiker, das immer so ein wenig im Studio getragene Korsett, verlassen und sich auf der Bühne ungezwungen austoben können.

Poole brachte letztendlich sieben Stücke aus dem aktuellen Longplayer, garniert mit ein paar älteren Sachen, sowie natürlich der wieder beeindruckenden, langminütigen Freddie King-Adaption „Have You Ever Loved A Woman“, mit dem gewohnt filigranen und zum Teil leise gespielten Intro, bei dem leider einige Anwesende mal wieder despektierlich, ihre Klappe nicht halten konnten und im Hintergrund rumbrummelten. Schade, dass der 1976 verstorbene Blueser, diese tolle Abwandlung seines Klassikers nicht mehr erleben kann, er wäre vermutlich genauso begeistert wie die restlichen Leute im Yard Club.

Die sich wechselnden, straight rockenden und atmosphärischen Nummern, durchzogen mit unzähligen quirligen Soli des Protagonisten, gipfelten am Ende in dem gerade zu sensationell performten, Bad Company-umwehten  Titelstück und Namensgeber der Tour „Anytime You Need Me“ (mein Gott, was zündete der 29-jährige Brite hier für E-Gitarrensalven auf seiner abgewetzten Telecaster, tolles Bass-Solo dazu von Barnard) und dem ebenfalls zum Finale fantastisch, hart und spielfreudig zelebrierten Don Henley-Cover „Dirty Laundry“ (sehr schön auch die stimmliche Ähnlichkeit der beiden, herrliches Southern Rock-trächtiges E-Solo zum Ende), dass dem Eagles-Chef vermutlich die Kinnlade vor Erstaunen runterfallen gelassen hätte, sofern er anwesend gewesen wäre.

Dieser begeisternde Gig war genau das Gegenteil zu dem kürzlich erlebten einer britischen Genre-Kollegin. Poole übertrug seine Freude am Auftreten sichtlich auf’s Publikum, konversierte, interagierte, verabschiedete sich mit den Kollegen zusammen und war auch hinterher für nette Pläuschchen, Bilder und Signaturen am Merchandising-Stand präsent (ohne Angst vor einer Erkältung…). Sein Tourmanager reichte dem schwer schufteten Kollegen Mangold, angesichts seiner Schweißtropfen auf der Stirn, sogar ein Wasserfläschchen.

SoS-Kompagnon Gernot ließ sich von ihm noch eines seiner tollen Poole-Schnappschüsse auf einer groß-formatigen Hochglanzplatte mit Autogramm versehen (Ben tief beeindruckt von dem Teil). Dazu gab es noch entspannte Gespräche mit seiner netten Agentin Florence Miller und unser obligatorisches VIP-Bild mit den beiden sowie dem Yard Club-Master Marcus Neu.

So betreibt man positive Werbung in eigener Sache und investiert auch schon wieder in die Zukunft. Sounds Of South wird von daher zusätzlich noch den Gig am 24.03.2019 im heimischen Schwarzen Adler protegieren, Ernst Barten und die versammelten Rheinberger dürfen sich auf eine heiß rockende und brillante Show freuen. Also, bis die Tage, Ben Poole!

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitars)
Beau Barnard (bass, bgv)
Martin Deering (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Yard Club Köln

Bet Williams Band – 06.03.2019, Der Club, Heiligenhaus – Konzertbericht

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An dem Club in Heiligenhaus bin ich schon etliche Male vorbeigekommen, ohne dass ich ihn wirklich wahrgenommen hatte. Erst als ich letztes Jahr für SoS im Internet recherchierte, sah ich, dass Patricia Vonne dort auftrat. Seitdem ist Der Club auf meinem Radar. Als sich nun Bet Williams mit Band ankündigte, bat ich um Akkreditierung. Diese erfolgte durch das Kulturbüro der Stadt Heiligenhaus prompt und problemlos. Dafür sei ein herzlicher Dank vorweggeschickt!

Im vergangenen Jahr erlebte ich bereits eine Solovorstellung von Bet Williams in der Krefelder Kulturrampe, bei dem die sympathische Sängerin mit ihrer stimmlichen Bandbreite begeisterte. Ich war gespannt, wie der Gesang mit Bandbegleitung zur Geltung kommt. Um es kurz zu machen: Auch in diesem Setting überzeugte die Stimmvarianz von Williams auf ganzer Linie.

Da waren tiefe und kraftvolle Töne bei dem noch unveröffentlichten „Blue Woman“ oder helle, filigrane und glasklare bei einem getragenen armenischen Volksstück. Während der anderen Songs, die sich zwischen progressivem Folk und Blues bewegen, nutzte die Sängerin ihre Range ebenfalls souverän.

Nach dem Einstieg mit „Engine #9“ folgte direkt „We Geography“ – einer meiner Favoriten aus ihrem Repertoire. Im ersten Set spielte die Band neben „Love Comes Knockin‘“ und „Super Summer“ von der letzten Studioplatte auch die noch unveröffentlichten Stücke „Green Gras“ und „El Dorado“. Diese werden wohl ebenso wie „Miracle Tonight“ auf der neuen CD zu finden sein, die Williams für den Herbst ankündigte.

Nach den ersten 45 Minuten gab es eine ausgedehnte Pause, für die sich Williams entschuldigte. Sie hatte sich in Gesprächen mit den Gästen verquatscht. Gefüllt wurde die Unterbrechung mit einer CD-Verlosung, bei der ich wie im letzten Jahr leer ausging. Die knapp fünfzig Besucher verkürzten sich die Wartezeit zudem mit Snacks aus der Küche des Clubs. In dem bestuhlten und mit einigen Tischen versehenen Raum konnten die Leckereien dann auch bequem verzehrt werden.

Nach der Pause lenkte der wummernde Bass von Marc Bronsten bei „Falling Away“ die Aufmerksamkeit der Zuhörer wieder auf die Bühne. Bronsten glänzte in einigen Stücken an seinem Instrument, so mit schönen Läufen bei „The Maker“. Williams interagierte während des Konzerts mit ihren beiden Mitstreitern auf unterhaltsame Weise, obwohl die einzelnen Bandmitglieder ziemlich weit auseinander positioniert waren. Schlagzeuger Kenny Martin strahlte dabei eine stoische Ruhe aus und ließ sich auch von der spontanen Bandleaderin nicht irritieren, wenn diese von den geplanten Songs oder deren Reihenfolge abwich.

Das stark performte „What You Wanna Be“, „Rose Tattoo” und „A Little Party” finden sich im Backkatalog von Williams, live hatte ich sie aber noch nicht gehört. Die Setlist überschnitt sich nur bei knapp der Hälfte der Titel mit der von ihrem letztjährigen Solo-Gig in der Rampe. Ein neues Highlight für mich war „Spiritual Thing“. Der Song mit Gospelanleihen entschädigte für das fehlende „Oriental Drag“, das mich seinerzeit faszinierte.

Zum Abschluss griff Williams dann auf bewährtes Material zurück. Das schwungvolle „Yeah Love“ beendete das zweite, einstündige Hauptset. Bob Marleys „Redemption Song“ war die erste Zugabe. Nach dieser sehr gefühlvoll vorgetragenen Ballade setzte die Bet Williams Band mit „Killed My Man“ noch ein Ausrufezeichen in Richtung Rock, bevor sie die Bühne verließ.

Im zweiten Teil steigerte sich das Konzert nicht nur durch die Songauswahl. Williams bezog dort das Publikum stärker ein, indem sie zum Schnipsen, Klatschen und Mitsingen animierte. Da sie ihre beiden Mitstreiter im Rücken hatte, machte sie dies aber weniger als bei ihrem Soloauftritt.

Mit Bandbegleitung erhalten Williams‘ Musik und Konzerte eine andere Facette, die ebenso lohnend ist. Allein auf ihre Stimme und Gitarre vertrauend, erzeugt Williams allerdings eine enorme Intensität, die schwer zu toppen ist.

Das Publikum, das zum überwiegenden Teil von außerhalb angereist war, konnte sich dennoch zufrieden auf den Heimweg machen. Es hatte eine charismatische, gut aufgelegte Sängerin der Extraklasse in hervorragender Tonqualität erlebt. Für diese bedankte sich Williams noch ausdrücklich bei Axel, der die Aussteuerung in dem niedrigen Raum vorbildlich bewältigte.

Line-Up:
Bet Williams (vocals, guitar)
Marc Bronsten (bgv, bass)
Kenny Martin (bgv, drums)

Bilder und Text: Michael Segets

Bet Williams
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Der Club Heiligenhaus