Cody Bryan Band – Wreck Me – CD-Review

Einfach herrlich! Red Dirt-Rock/-Countryrock vom Feinsten aus Austin, Texas. Auch wenn sich die Zeiten, als talentierte Newcomerbands in der Red Dirt-Szene wie Pilze aus dem Boden schossen, allmählich auf ein Normalniveau einzupendeln scheinen, gibt es doch immer wieder noch die eine oder andere Überraschung zu vermelden. Die Cody Bryan Band ist erneut so ein positives Beispiel. Schon nach dem ersten Hören ihres Debütalbums „Wreck Me“ spürt man sofort. Wow, das ist ein ganz besonderer Act, der es mal ganz hoch hinaus schaffen kann.

Das reizvolle an dieser Band ist die besondere Konstellation, die sich für das Projekt ergeben hat. Da ist zum einen Bandleader Cody Brown aus dem ländlichen Texas Hill Country, mit der klassischen Vita vieler seiner Genre-Kollegen – mit 12 Jahren Gitarre spielen gelernt, erste Auftritte in der Schulaula, etc. – und auf der anderen Seite der etablierte Musiker Matt Noveskey von der Platin-dekorierten Alternativ Rock-Gruppe Blue October (auch Gründer der AR-Supergroup At Plus Machines), der diese junge Truppe formiert und produziert hat. Seine musikalischen Einflüsse in Kombination mit dem Red Dirt-Fundament (sämtliche Songs wurden übrigens an einem Marathon-Wochenende in Nashville kreiert) ergeben eine außerordentliche und extrem reizvolle Mischung.

Herrlich sofort der Auftakt mit dem Titelsong „Wreck Me“. Ein kraftvoll rockendes-E-Gitarrenführungsriff als Intro und schon fegt einem eine richtig schön knackige Red Dirt-Nummer (im Stile der Tyler McCumber Band) um die Ohren, die immer wieder mit klassischer Southern Rock-Gitarren-Fillarbeit durchzogen ist. Cody Browns leicht raspelige Stimme erinnert an eine Mixtur aus Leuten wie Randy Rogers, Cody Canada und Bart Crow. Das folgende „Bleed Like That“ könnte man fast unter dem Motto „Keith Urban goes Red Dirt“ verbuchen. Wunderschön riffige Gitarrenarbeit, dazu ein poppiger, absolut radiotauglicher Refrain mit den zur Zeit in Nashville angesagten ‚Ohohoh‘-Harmonies, dazu auch noch mit weiblicher Stimmunterstützung.

Noveskey gelingt es, wie zum Beispiel auch bei der Single des Werkes „If I’m Going Nowhere“, dem genretypischen Grundsoundgefüge immer wieder so ein unterschwelliges Flair früher Matchbox 20 (Cody Brown versprüht auch gesangsmäßig und vom Songwriting her so ein bisschen Rob Thomas-Flair) einzuhauchen, was den Tracks eine tolle Melodik aber auch eine gewisse nicht alltägliche Spannung verleiht. Man weiß eigentlich nie, was einen beim nächsten Song erwartet und man wird trotzdem immer wieder positiv überrascht. „Good At Being Bad“ (schöner Titel), rockt dann wieder herrlich südstaatlich in dezenter Cross Canadian Ragweed-und Eli Young Band-Manier. Die Highlights des Liedes sind zweifellos das tolle Bariton-E-Gitarren-Solo und die eigenwillig dazu quietschende Fiddle. Hier kommen wir zum einzigen (eher nebensächlichen) Manko des Albums.

Die Band gibt sich, was Infos in eigener Sache angeht, extrem auskunftsfaul. Obwohl die Covergestaltung durchaus geschmackvoll erstellt wurde und auch quantitativ genügend Platz erbringt (vierseitiges Farb-Faltbooklet), gibt es außer der Tracklist (die dafür in dreifacher Ausführung) nichts an Informationen. So ergibt erst die Recherche, dass sich das Bandgefüge aus folgenden Personen zusammensetzt. Zach Lynch, als starkem, Southern Rock-inspiriertem Lead-Gitarristen, Miles Barker am Bass, Cole Gramlings mit variabler Keys-Arbeit, besonders klasse seine hallenden Orgel-Einlagen, und Casey Conway, dem kraftvoll agierenden Drummer. Man erfährt beispielsweise so nicht, wer die herrlich eigenwillig gespielte Fiddle/Violine bedient, für die Country-typischen Steel-Klänge verantwortlich ist und auch nicht, wer die nett anzuhörende Dame ist, die die tollen Backs/Harmoniegesänge sporadisch mit einbringt.

Auch die guten Texte wären sicher eine Veröffentlichung wert gewesen. Hier, liebe Herren, bitte demnächst doch ein bisschen mehr Werbung in eigener Sache. Dies alles spielt natürlich angesichts der immensen musikalischen Qualität der Cody Bryan Band nur eine ganz untergeordnete Rolle. Die CBB macht auch im balladesken Bereich eine prächtige Figur. „You‘re Worth It“ brilliert mit introvertierter Melancholie, das berührende „When We Were Made“ wäre als Hochzeitslied mal eine gewagte Alternative zu den sonst üblichen, in aller Welt bekannten Verdächtigen.

Klasse sind die Jungs aber vornehmlich, wenn sie Tempo aufnehmen. Das furiose „That‘s Why God Made Saturday Night“ wird wohl zukünftig so mache Honkytonks und Dancehalls rocken, die unweigerlich mitgrölbare Refrainzeile dürfte dabei als Garant für Heiserkeit am nächsten Morgen stehen. Einfach nur großartig ist das abschließende „Roses“. Der wunderbar versschachtelte und mit einer fantastischen Melodie dahin groovende Song lässt den Musikern instrumentell nochmal „viel Luft zum Atmen“. Klasse Slide-/E-Gitarren, unglaublich markante Stratocaster-Bariton-Einlagen, eine herrlich hallende Orgel und ein in dumpfe Molltöne verpackter Piano-Ausklang gehen regelrecht unter die Haut. Grandios dieses Stück, das das ganze Potential dieser Band erahnen lässt.

Man packe die Zutaten von etablierten Truppen wie der Randy Rogers Band, der Bart Crow Band, Cross Canadian Ragweed, Eli Young Band und der frühen Matchbox 20 in einen Shaker, schüttelt diese kräftig durch und erhält als Belohnung einen großartigen Cocktail namens Cody Bryan Band. Nein, der Aufforderung dieses fantastischen Albums „Wreck Me“ werden wir ganz sicher nicht nachkommen, ganz im Gegenteil, wir möchten viel viel mehr davon. Die Cody Bryan Band – Texas‘ heißester Newcomeract des laufenden Jahres!

Eigenproduktion (2013)
Stil: Red Dirt

01. Wreck Me
02. Bleed Like That
03. Good at Being Bad
04. When We Were Made
05. If I’m Going Nowhere
06. Holding On
07. A Shot in the Dark
08. You’re Worth It
09. That’s Why God Made Saturday Night
10. Roses

Cody Bryan Band
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Buster Jiggs – Heartache Jubilee – CD-Review

Buster Jiggs sind zurück! Und wie! Mit ihrem neuen Album „Heartache Jubilee“ präsentieren sie ihren so wunderbar lockeren und so herrlich melodischen Countryrock schwungvoller, spielfreudiger und knackiger denn je. Es ist eine Wonne! Bereits im Jahre 2005 hatten wir anlässlich ihres starken Debüts von einem neuen, hell leuchtenden Sterne am texanischen Countryrock-Himmel berichtet, doch dann wurde es erst einmal recht still um die Band aus Hondo/Texas, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass man mit dem klasse Sänger Will Dodson und dem guten Lead-Gitarristen Brett Kastner (beide aus familiären Gründen) zwei nicht unerhebliche Verluste zu beklagen hatte.

Doch nicht nur wir hatten schon beim Erstling das gesangstechnische Potential der Rhythmus-Gitarristin Kristin Muennink erkannt, die ohne jeden Zweifel schon immer das Zeug dazu hatte auch als Lead-Sängerin in der ersten Reihe zu stehen. Keine Frage, ihre große Zeit in der Band ist nun gekommen. So macht Bassist Cody Scherer keinen Hehl daraus, dass Kristin, nachdem man diverse vermeintliche Frontmänner vergeblich getestet hatte, die hundertprozentig richtige ist und der Band einen echten Motivationsschub voller Innovation und Drive in eine neue, richtige Richtung geben würde.

Und das tut sie überaus eindrucksvoll! Kristin hatte beim Vorgänger schon den Löwenanteil des Songwritings übernommen, wie gesagt, die komplette Gitarrenrhythmusarbeit übernommen und mit hervorragenden Harmoniegesängen ihr vokales Talent unterstrichen. „Heartache Jubilee“ verdeutlicht nun nachhaltig, über welch großartige, sehr prägnante Frontqualitäten Muennink verfügt. Ihre Stimme ist auf den knackigen, melodiebetonten Sound der Band hervorragend abgestimmt. Auch die zweite Neubesetzung eines vakanten Postens war ein absoluter Volltreffer! Lead-Gitarrist Heath Childs ist ein Könner ersten Grades, der dem ausgeschiedenen Brett Keltner in wirklich nichts nachsteht.

Saitentechnisch agiert er sogar noch ein Stück variabler, streut immer wieder prächtige Soli ein und singt zudem klasse Harmonies. Mit der renommierten Smith Entertainment Group haben Buster Jiggs (der Name stammt übrigens aus einem Gedicht des Western-Poeten Gail Gardner, „The Sierry Petes – or Tying a Knot In The Devil’s Tail“, und so ist auch ein rotes, mit einer Gitarre bestücktes, grinsendes Teufelchen mit einem Knoten im Schwanz zum Logo der Band geworden) jetzt auch ein starkes Label im Rücken.

Für die Produktion wurde, wie auch schon beim Erstling, mit Joseph Deeb, dem Gitarristen von Micky & The Motorcars, wieder prominente Unterstützung gewonnen, der auch ein paar starke Slide- und Acoustic-Parts übernahm. Sämtliche Songs bestechen durch ihre quicklebendige und instrumentell hochwertige Einspielung. Ihre mit Ohrwurmqualitäten bestückten Melodien verströmen jede Menge positive Energie. Bassist Cody Scherer und Drummer Scott Muennink (Kristins Ehemann) verrichten eine knackige Rhythmusarbeit, Kristin, Deeb und Childs ergänzen sich hervorragend in den untermalenden Gitarrenläufen und bereiten Childs immer wieder Raum für tolle, wunderbar ins Ohr gehende, aber auch mal sehr erdige, auf den Punkt gebrachte Lead-Gitarren-Passagen.

Gastmusiker Mark Hallman bringt sich sehr sparsam mit einigen, den Songstrukturen angepassten Orgel-Parts ein (hervorragend vor allem bei der hinreißend schönen Countryrock-Ballade „Pretty White Wings“, die neben ihrer wundervollen Melodie auch mit einem traumhaften E-Gitarren-Solo aufwartet). Über allem schwebt dann noch die erstaunlich angenehme Stimme Kristin Muennink’s (vielleicht wie eine Mischung aus Patty Loveless, Fleetwood Macs Christine McVie und Sugarlands Jennifer Nettles), die bereits einen hochcharismatischen Eindruck hinterlässt. Mit ihr ist man, was den Gesang betrifft, in der männerdominierten Red-Dirt-/Americana-/Countryrock-Szene, darüber hinaus regelrecht in eine Nische gestoßen, denn allzu oft warten solche Künstler nicht mit weiblichem Lead-Gesang auf.

Vom flockigen, lockeren, großartigen Opener „She’s Gonna Break Your Heart“ (zwei starke E-Gitarren-Passagen), über das stampfende „Once Again“ (klasse E-Gitarren- und Slidekombinationen), dem bereits erwähnten Ohrwurm „Pretty White Wings“, dem rockigen Roots-//Red Dirt-Knaller „Madhouse“ (herrlich angriffslustiger Gesang Muennink’s, fettes, dreckiges E-Gitarren-Solo) und den countrylastigen „Heart Of Mine“ (Marshall Tucker-Flair) und „Down Country Lovin’ (beide prima tanzbar, mit wunderbar knackigen E-Baritone-Gitarrenklängen und flotter Rhythmusarbeit) lässt das komplette Werk keine Wünsche offen. Extrem hoher Melodie- und Gute Laune-Faktor garantiert. Kein schwacher Song!

Wundervoller, sich nachhaltig in den Gehörgängen festsetzender, unbeschwerter, Gitarren orientierter, „Red Dirt“-angehauchter Countryrock, wie er in solch einer Spielfreude, Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit eben nur in Texas entstehen kann. Auch die goldenen Countryrock-Tage aus den Siebzigern kommen einem in Erinnerung. Große Klasse! Buster Jiggs mit Kristin Muennink an der Front, dieses „Experiment“ geht bei „Heartbache Jubilee“ voll auf! Fortsetzung in jedem Fall Pflicht! Die CD kommt in einem schlichten, aber von den Mueninks sehr geschmackvoll gestalteten Digi-Pack. Erneut „teuflisch guter Stoff“!

Smith Entertainment (2009)
Stil:  Red Dirt

01. She’s Gonna Break Your Heart
02. Addicted To You
03. Ain’t It Sweet
04. Once Again
05. You Don’t Have To Be Lonely
06. Pretty White Wings
07. Heart Of Mine
08. When I’m Dreamin‘
09. Madhouse
10. Everything You Need
11. Down Country Lovin‘

Buster Jiggs
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Brandon Clark Band – Tall – CD-Review

„Oklahoma Beer Joint Music“! Die nächste, richtig „geile“ Truppe aus dem „Red Dirt“-Umfeld des Areals Texas/Oklahoma mit einem „Mörder“-Album! Schon der Blick auf das Backcover weckt gewisse Erwartungen und scheint zu vermitteln, was einen dann auch tatsächlich bei dem klasse Debüt der Brandon Clark Band erwartet. Energie geladener, von satten Gitarren bestimmter, voller Southern Rock-Esprit steckender, unbekümmerter, losgelassener, erdiger, hard-drivin‘ „Red Dirt“-(Country)Rock vom Allerfeinsten, wobei einem die sicher prickelnde Live-Atmosphäre einer BCB-Show bereits am geistigen Auge vorüber zieht.

Auf dem „Live-Foto“ sieht man Drummer Heath Jacobsen im Hintergrund, den mächtig cool wirkenden Bassisten Darren Lightfoot und Bandleader Brandon Clark lässig „in Action“ mit ihren Cowboyhüten und ihren Gitarren, während der hoch talentiert und prächtig aufspielende Leadgitarrist Dave Duval ekstatisch in „Hendrix-Manier“ seine Klampfe hinterm Kopf bearbeitet. Es handelt sich bei „Tall“ allerdings keineswegs um eine Live-CD, sondern um ein reines Studioalbum. Aber, und das kommt phantastisch rüber, vermittelt auch der Studiosound durch seine Ursprünglichkeit und den Verzicht auf überproduzierten Firlefanz, eine überaus authentische Live-Atmosphäre.

Diese Truppe spielt direkt, unbekümmert und frei von der Leber weg. Und die Songs bleiben prächtig hängen! Alle beteiligten Musiker stammen aus Tulsa, Oklahoma, spielten dort in diversen regionalen Bands, bis schließlich der ideale Zeitpunkt zum Start der Brandon Clark Band gekommen war. 2007 hat man bereits über 250 Shows zusammen abgewickelt und ist auch laufenden Jahr wieder ohne Ende auf Tour (u.a. mit Interpreten wie Jason Boland & The Stragglers, Roger Clyne & The Peacemakers, The Derailers, No Justice, Eli Young Band, Bleu Edmonson, Billy Joe Shaver). Mit ihrem herrlichen, so ungemein dynamisch vorgetragenen, zwischen Rock, Country und Southern Rock angesiedelten, „roughen“, aber absolut melodischen Sound scheint es so, als lägen ihre größten Einflüsse irgendwo an einem Schnittpunkt von Cross Canadian Ragweed und den Outlaws (mit einem Schuß Lynyrd Skynyrd).

Damit beackern sie in etwa das Terrain solcher Kollegen wie der Ryan Bales Band, der Tyler McCumber Band, Back Porch Mary und wie sie alle heißen. Schön auch ihre eingangs bereits erwähnte Eigen-Charakterisierung „Oklahoma Beer Joint Music“, die den damit unterschwellig suggerierten hohen Spaßfaktor hervorragend zum Ausdruck bringt. Los geht’s mit dem satt groovenden, herrlich melodischen, schwungvollen „Writing On The Wall“, eine „Hammer“-Nummer, die mit ihren beiden fulminanten, beherzt und flink in Szene gesetzten E-Gitarren-Soli im Mittel- und Endteil jede Menge Southern Rock-Nähe versprüht.

Da kommen einem unweigerlich Hughie Thomassons Outlaws in den Sinn. Die folgenden „Try A Little Loneliness“ und das forsch galoppierende „Another Bottle“ bestechen durch pulsierende Countryrock-Atmosphäre (tolle E-Gitarren-Läufe), wobei man Einflüsse großer Country-Outlaws wie Cash und Jennings, aber auch solcher Bands wie Molly Hatchet, Cross Canadian Ragweed oder The Bottle Rockets geschickt zu einem spannungsgeladenen und harmonischen Ganzen in Einklang bringt. Bis auf einen wurden sämtliche Songs übrigens von Darren Lightfoot und Brandon Clark zusammen, oder von einem der beiden alleine komponiert. Zwei etwas gemäßigtere Tracks (das southern-mäßige, starke „She’s Got No Wings“ und „Wandering Eyes“) haben höchstens Verschnaufpausen-Charakter, denn beim kompletten Rest regieren dann wieder pure Spielfreude, und es wird ordentlich Gas gegeben.

Die immer wieder stampfende Countryrocker mit den fetten E-Gitarren-Passagen, dabei extrem melodisch und oft mit humorvollen Texten ausgestattet, machen richtig Laune. Man merkt zu jeder Zeit deutlich, über welches Potenzial die Band verfügt und dass sie möglicherweise eine „rosige“ Zukunft vor sich hat – und das sie ein echter Live-Abräumer sind. „This Hangover Ain’t Over“ (ein furioser „Red Dirt“-Roadhouse-/Honky Tonk-/Country-Rock’n Roll-Heuler), „Along For The Ride“ (dezent blues-rockig), „18 wheeler“ (kraftvoller Trucker-Rock) und „So Far Gone“ („Red Dirt“-mäßig Richtung Cross Canadian Ragweed, Stoney LaRue) beweisen, dass das Quartett äußerst variabel agieren kann.

Selbst der alte Dylan-Song „Wagon Wheel“ (mit tollem southern-rockin‘ Outlaws-Flair) wurde zu einer richtigen Gute Laune-/Mitgröl-Nummer umgemünzt. Am Ende gibt es mit „After The Sun Goes Down“ schließlich noch ein fettes Southern Rock-Stück, das wie aus einer Session von Cross Canadian Ragweed und Lynyrd Skynyrd stammend daher poltert (klasse ein sich immer wieder steigerndes „Gimme Three Steps“-E-Riff, pumpender Bass, knochentrockenes Drumming). Ein toller Abschluß eines durchweg tollen Albums!

Ein kleines Manko ist die etwas spartanische Verpackung der CD im einfachen Papp-Sleeve in alter LP Cover-Optik, doch das muss im Hinblick auf die tolle Musik einfach als zweitrangig eingestuft werden. Mit diesem Quartett hat die southern orientierte Coutryrock-/“Red Dirt“-Szene ihren nächsten Rohdiamanten im Rennen! Und der wird gewaltig „funkeln“! „Tall“ – ein bärenstarkes Debüt der Brandon Clark Band!

Eigenproduktion (2008)
Stil:  Country Rock

01. Writing on The Wall
02. Try A Little Loneliness
03. Another Bottle
04. She’s Got No Wings
05. This Hangover Ain’t Over
06. Along For A Ride
07. 18 Wheeler
08. Wandering Eyes
09. Wagon Wheel
10. So Far Gone
11. After The Sun Goes Down

Brandon Clark Band
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Slaid Cleaves – Unsung – CD-Review

Siebtes Studioalbum des in Austin, Texas lebenden Singer/Songwriters! Der Sänger mit der wunderbaren Stimme und seinem vorzüglichen Akustikgitarrenspiel hat sich diesmal für ein reines Cover-Album entschieden. Die Songs stammen allerdings allesamt aus dem Repertoire und Fundus von Leuten, die meist nur wirklichen Insidern bekannt sein dürften.

Cleaves hat für „Unsung“ überaus begabte Songwriter ausgesucht, die sich in seinem näheren Umfeld bewegen, wie zum Beispiel sein langjähriger Gitarrist Michael O’Connor (seine beigesteuerten Songs gab es bisher nur als Demo), die mit ihm schon früher in irgendeinem musikalischen Zusammenhang gearbeitet haben, wie Peter Keane, Adam Carroll, und Karen Poston (schrieb auch „Lydia“ vom „Broken Down“-Album), oder aber Leute, für die er schon immer eine tiefe Bewunderung verspürte (Steve Brooks, den in der Szene sehr geschätzten David Olney oder den talentierte JJ Baron). Er bietet somit den Komponisten dank seines über die Jahre hinweg erarbeiteten Bekanntheitsgrades eine neue Ebene, um ein wenig mehr ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu treten.

Herausgekommen ist ein feines Album, das in einem angenehmen, ruhig relaxten Singer/Songwriter-, Americana-, Folk-, Roots-, Alternate Country-Bereich anzusiedeln, dabei jedoch sehr ursprünglich, ja schon ein wenig rustikal (hier „schluckt“ auch der Zuhörer den puren Staub Texas‘), aber voller Charme und Feeling in Szene gesetzt ist. Sein langjähriger Produktionspartner Gurf Morlix blieb diesmal außen vor und wurde durch Slaid’s, ebenfalls bestens bekannten Kumpel aus früheren Tagen, Rod Picott ersetzt. Dafür wechselte er sogar den Aufnahmeort vom geliebten Austin ins Country-Mekka nach Nashville, ohne jedoch die texanische Urwüchsigkeit je vermissen zu lassen. Mit dabei ist wieder Multiinstrumentalist Charles Arthur, der hier eine breite Palette seines Könnens präsentiert.

Sämtliche Stücke liegen im äußerst entspanntem Balladen- bis Midtempobereich, oftmals sehr sparsam, aber ziemlich effektvoll und stimmungsreich instrumentiert. Zentral, wie bereits oben erwähnt, der ruhige, warme, aber staubige Gesang-/Erzähl-Stil und die sehr gute Akustikgitarrenarbeit des Protagonisten. Hinzu kommen mal vereinzelte Harps („Devil’s Lullaby“, „“Song For June“) oder, wie beim erstgenannten Lied, kurz angedeutete E-Gitarren-Passagen (klasse hier Nashville-Star-Gitarrist Pat Buchanan), mal dezent Country-verwurzelte Steeleinlagen („Call It Sleep“, „Getaway Car“), kammermusikartige Streicherbegleitung mit Violinen und Cello („Fairest Of Them All“ – toll hier die Harmonies von Mary Gauthier / oder das texas-trockene „Flowered Dresses“).

Das bluesige „Rascar Joe“ (mit schöner Akustik-Slide), das voller Melancholie steckende „Oh Roberta“ und das holprig, ironische „Everette“ sind geradezu brillant erzählte, minimalistische Charakterstudien. Recht bissig geschrieben ist „Millionaire“ und dazu in bester Woodie-Guthrie-Manier vorgetragen. Das mit diversen Bläser-Elementen bestückte, an einen Trauermarsch mit New-Orleans-Flair erinnernde „Working Stiff“ rundet ein absolut interessantes, starkes Album mit künstlerisch hohem Anspruch ab. „13 hand-picked gems from some of Slaid’s favorite writers“ und „Cleaves tells gorgeously compact stories in a voice packed with Texas trail dust“ heißt es auf dem Album-Sticker! Dem schließen wir uns ohne Einschränkungen an!

Rounder Records (2006)
Stil:  Country

01. Devil’s Lullaby
02. Antoher Kind Of Blue
03. Erverette
04. Oh Roberta
05. Racecar Joe
06. Call It Sleep
07. Millionaire
08. Fairest Of Them All
09. Flowered Dresses
10. Gospel Moment
11. Working Stiff
12. Getaway Car
13. Song For June

Slaid Cleaves
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Johnny Cooper – Follow – CD-Review

Drittes Album des gerade mal zwanzig „Lenze“ zählenden Texaners Johnny Cooper – und ein verdammt gutes! Johnny Cooper galt mit seinem forschen und jugendlich unbekümmerten Auftreten als eine Art Shooting-Star der Red Dirt-Szene. Nach einem Live-Album zu Beginn seiner Karriere und dem von Mike McClure betreuten starken Studio-Erstling „Ignition“, (verkaufte bis dato, was für eine lokale, texanische Independent-Veröffentlichung unglaublich viel ist, über 25.000 Exemplaren, brachte ihm diverse Nominierungen für wichtige Szene-Awards ein und bescherte in der Folge viele Auftritte mit u.a. mit Cross Canadian Ragweed, Pat Green, Jack Ingram, Shooter Jennings, The Mike McClure Band, Micky & the Motorcars, No Justice, Miranda Lambert, usw.), sahen viele Cooper schon auf Augenhöhe mit den arrivierten Vertretern des Genres.

Und in der Tat, seine Stimme erinnert schwer an Cody Canada und auch sein rockiger Stil konnte Vergleichen mit Cross Canadian Ragweed bereits absolut standhalten. Im Prinzip wartete alles gebannt auf den entsprechenden Nachfolger von „Ignition“, doch dieser folgt jetzt mit einem nahezu komplett anderen musikalischen Gesicht Coopers, das die ganze Wandlungsfähigkeit, Vielseitigkeit, Kreativität und Klasse dieses jungen Burschen dokumentiert. Johnny Cooper hat seinen „eigenen Kopf“ und entwickelt sich mit viel Inspiration auf beeindruckende Art und Weise weiter.

„Follow“ heißt das Teil, für das er mit Glenn Rosenstein (Ziggy Marley, Michelle Shocked) und Dexter Green (Collective Soul) ein ganz neues Produzententeam angeheuert hat. Weitestgehend (nicht komplett) gönnt er der vergangenen Red Dirt-Mugge erstmal eine Pause und präsentiert ein ungemein abwechslungreiches Rootsrock-Werk mit Bezügen zum Blues, Soul, Funk und Groove-Rock, aber auch mit durchaus „poppigen“, sprich radiotauglichen Strukturen, was wir in diesem Zusammenhang absolut positiv meinen. Fast jeder Song hat auf seine ganz eigene Art und Weise das Potenzial, zumindestens die lokalen Texas Music Charts kräftig aufzumischen.

Das „Zeug“ wartet mit großartigen Melodien auf und die Qualität des Songwritings ist beeindruckend reif. Ja, der Bursche ist nicht nur ein klasse Sänger mit jetzt schon jeder Menge Ausstrahlung, sondern vor allem auch ein famoser Songwriter. Dazu hat er eine Mannschaft ganz ausgezeichneter Musiker mit an Bord. „Don’t feel like that anymore“ beispielsweise ist ein schön bluesiger Roots-/Groove-Rocker allererster Kategorie mit einer Prise Memphis-Soul, toller Percussion-Arbeit, kratzigen E-Gitarren und feiner Orgel-Untermalung, „Can’t hold on to you“ bietet tollen, lockeren, gefälligen, sich stetig in puncto Drive steigernden Texas Rootsrock-/-pop mit einem leichten Countryrock-Flair.

„Blue“ ist herrlich nostalgischer, sehr nach Muscle Schoals klingender Retro „Blue-eyed Soul“, Try“ hat einen klasse, funky Reggae-Touch, das Titelstück „Follow“ hat etwas episches ala U2, kann aber auch die texanischen Roots nicht leugnen, und das dichte, bluesige „Take your number“ bietet kochenden, mit einer schwülen, drückenden Portion südlicher „New Orleans Juke Joint-Swamp“-Hitze aufgeheizten, Bläser unterstützten, bluesigen Funk-Rock mit einem tierischen E-Gitarren-Solo und einem tollen Groove.

Das auch als erste Single veröffentlichte „Bring Me Down“ entpuppt sich dann allerdings wieder als absolute Vollbedienung für die Red Dirt-Fraktion. Hier rockt der Bursche richtig heftig in Southern-Manier, inklusiv fettem, zündendem E-Gitaren-Solo, irgendwo zwischen Cross Canadian Ragweed, The Black Crowes und Dan Baird. Ein Klasse-Song mit prächtiger Melodik! Viele der Songs hat Cooper laut eigener Aussage in den letzten Monaten bereits in seinem Live-Programm vorgestellt – gefeiert von seinen Fans! Völlig zu Recht, denn das Material ist einfach klasse!

Trotz der Ansammlung von recht vielen, diversen Stilelementen, verliert Cooper zu keiner Minute den roten Faden. Ganz im Gegenteil. Das Album ist eine rundum eine in sich geschlossene Angelegenheit, die nie ihre Spannung verliert. Der Junge hat Inspiration, Kreativität, Mut und Klasse. Eine Kombination, die sehr vielversprechend wirkt und für die Zukunft einiges erwarten lässt. Die CD kommt im schönen Klapp-Digipack und enthält u.a. Coopers persönliche Kurz-Anmerkungen zu jedem einzelnen Songs.

Tenacity Records (2009)
Stil:  Rock

01. Don’t Feel Like That Anymore
02. Somewhere In Between
03. Can’t Hold On To You
04. Blue
05. Bring Me Down
06. Crazy
07. Try
08. Yes My Love
09. Take Your Number
10. Follow

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Randy Rogers Band – Just A Matter Of Time – CD-Review

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Schon bei ihrem Vorgänger hatten wir gemutmaßt, die Randy Rogers Band wird das nächste „dicke Ding“ im Countryrock-Sektor – und als ob sie uns beim Wort genommen hätten, zogen Rogers und Co. jetzt einen Major-Deal an Land und betitelten diese Scheibe auch noch passenderweise mit „Just A Matter Of Time“. Es war wirklich nur eine Frage der Zeit, wann dieser großartigen jungen Truppe der Durchbruch gelingen würde, denn seit „Rollercoaster“ rissen sich die großen Labels förmlich um die Gunst der Truppe. So wurdendie Jungs sogar in die bequeme Lage versetzt, sich die Company aussuchen zu können, die der Band die größten Freiheiten in der Realisierung ihrer musikalischen Ideen gewährleistete.

Die Wahl fiel letztendlich auf das in Nashville ansässige Mercury Label. Eine gute Entscheidung, wie dieses fantastische neue Werk eindeutig beweist. Zum ersten Mal mit einen großzügigen Budget ausgestattet und vor allem nicht einem gewaltigen Zeitdruck ausgesetzt, scheint dieses talentierte Quintett jetzt erst richtig aufzublühen (wie es auch bildlich auf dem Cover mittels einer aus einer Uhr sprießenden Rose metaphorisch passend angedeutet zu sein scheint). Die unweigerlich aufkommenden Aufschreie einzelner Kritiker wie etwa „Verlust ihrer Texas-Roots“ oder „ein für Nashville aufpolierter Sound“ können ganz schnell wieder vom Tisch gewischt werden. Die Band hat erneut alle ihre bekannten Stärken in die Waagschale geworfen, ihr Ding einfach durchgezogen und dabei eine enorme Weiterentwicklung vollzogen.

Rogers-Mentor Radney Foster hat wieder die Produktion übernommen, bei vier Songs kompositorisch mitgewirkt und auch die Akustik- und E-Gitarre sporadisch mitbedient. Herausgekommen ist ein kleines Meisterwerk, das mit „Better Off Wrong“, einem interessanten, rauen, mit polternden Drums dahin stampfenden, von einem tollen „Red´Dirt“-/Southern-Flair umgarnten Pracht-Countryrocker eröffnet wird (knackige, würzige E-Gitarre am Ende, sirenenartige Fiddle-Fills). Danach darf man sich direkt über drei weitere „Killersongs“ freuen („Kiss Me In The Dark“, „One More Goodbye“ und der Titelsong „Just A Matter Of Time“), wobei die erstgenannte Nummer auch als erste Single ausgewählt wurde.

Jede Wette, dass „Kiss Me In The Dark“ mit einer Nominierung bei einer Vielzahl anstehender, wichtiger Awards zum „Besten Song des Jahres“ bedacht werden wird. Ein Traum-Melodie, wunderbar entspannter, rauchiger Gesang von Randy, herrlich auf den Punkt gebrachte weibliche Hamony-Vocals von einer ebenfalls in Bestform agierenden Shelly Fairchild (die mit der ebenfalls großartig im Hintergrund mitsingenden Georgia Middleman für ein Band-Novum sorgt), dezente Orgel, kräftiges Drumming, wunderbare E-Gitarren/Fiddle-Duelle – einfach nur schön! In die gleiche Kerbe schlagen auch die beiden anderen Nummern.

Und damit keine Langeweile aufkommt, sorgen dann Stücke wie „You Could Left Me“ (zum Mitgrölen ermunternder Partyrocker aus der Feder von Randy und dem Entdecker der Band, Kent Finley), „You Could Change My Mind“, ein satter, dampfender Southern-/Countryrocker mit Anleihen an die Stones oder gar die Georgia Satellites (nicht umsonst wirkt hier ein gewisser Dan Baird im Background mit), voller klasse E-Gitarren (starkes Solo von Geoffrey Hill) und tollen Fiddle-Ergänzungen, „You Start Over Your Way“ (southern-mäßiger Saloon-Rocker mit Skynyrd’schem E-Riff) oder „You Don’t Know Me“ (aus der Feder von Bassist Jon Richardson -mein Gott was hat die Band für ein Schreibpotential-), ein lebendiger Southern-/Red Dirt-/Country-Stomper, dezent an die Charlie Daniels Band erinnernd, für die nötige Power!

Im balladesken Midtempobereich bilden dann „Before I Believe It’s True“ (leicht introvertiert dahin groovend), das von Randy und Drew Womack komponierte „If Anyone Asks“ (traurige Fiddle, Rogers „näselt“ beim relaxten Singen, wie bei einigen anderen Liedern auch, fast ein wenig wie Superstar Tim McGraw) oder die recht traurige Barroom-Ballade „Whiskey’s Got A Hold On You“ (Steel-Heulen, Bariton-E-Gitarren-Fills, Orgel-Tupfer, emotionale Fiddle) weitere Highlights. Ein Album auf dem sich Songperle an Songperle aneinanderreihen.

Mit „Just A Matter Of Time“ ist der Randy Rogers Band ein ganz großer Wurf gelungen, der das Vertrauen des Labels mehr als rechtfertigt. Die Band und ihre Musik wirkt reif und erwachsen, keine Spur von Nervosität aufgrund des sicherlich jetzt aufkommenden Erfolgsdruckes. 49 Minuten, die wie im Flug vergehen und deren Schönheit man sich nicht mehr entziehen kann, je öfter das Werk im Player läuft. Das Countryrock-Herz blüht weiter. Ein Super-Teamwork aller Beteiligten. Note 1 mit Sternchen!

Mercury Nashville (2006)
Stil: Red Dirt

01. Better Off Wrong
02. Kiss Me In The Dark
03. One More Goodbye
04. Just A Matter Of Time
05. You Could’ve Left Me
06. You Could Change My Mind
07. Before I Believe It’s True
08. You Start Over Your Way
09. If Anyone Asks
10. You Don’t Know Me
11. If I Told You The Truth
12. Whiskey’s Got A Hold On Me

Randy Rogers Band
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Jon Christopher Davis – Same – CD-Review

Das nächste texanische Juwel in unserem Programm! Jon Christopher Davis heißt der großartige Singer/Songwriter, der uns nun mit seinem ersten Album, einer hervorragenden Gratwanderung zwischen Americana, rootsigem Countryrock, Alternate Country und einer gewissen Heartland-Würze beglückt. Davis stammt aus Bonham, TX, hat aber viele Jahre in Nashville gelebt und bereits für einige arrivierte Labels/Musiker gearbeitet, bzw. Songs geschrieben (u. a. für Dolly Parton, Hal Ketchum, Tammy Cochran, Sherrie Austin, Billy Ray Cyrus).

Der Erfolg in Sachen eigener Sanges-Karriere fiel bislang unverständlicherweise aber dem Rasterverfahren der Entscheidungsträger (Labels) zum Opfer. Das er es jedoch richtig „drauf hat“, wie man so schön sagt, beweist er auf seinem „Palo Duro Records“ (u. a. auch die Heimat von The Delrailers, Morrison Williams) in wirklich glänzender Manier. Alle 13 Stücke (inkl. eines Hidden-Tracks, der aber sofort nach Ende des letzten Stückes anfängt, „If I Could Only Fly“), stammen dabei aus seiner Feder, komponiert zum Teil mit prominenten Co-Autoren wie Radney Foster, Stan Lynch (Tom Petty & The Heartbreakers) und Rodney Crowell. Bei den Instrumenten (er selbst beherrscht Gitarre, Bass, Piano, Harmonika, Drums und diverse Percussionteile) gelang es Davis sowohl gute texanische, wie auch einige der allseits bekannten, großartigen Nashville-Studiomusiker zu verpflichten.

Herausgekommen ist eine erstklassige Mischung von schnörkellosen Alternate Country-, Roots-, Americana-, Westcoast-, Heartland- und Southern-Elementen in Kombination mit sehr sympathischen und teilweise humorvollen Texten. Davis Gesang ist typisch texanisch und geht sehr angenehm ins Ohr. Als Vergleichgrößen fallen einem unweigerlich Interpreten wie Pat Green oder Jack Ingram („You Gotta Love Someone“ – der countyrockende Opener, mit herrlich treibendem E-Gitarren-, und Akustik Gitarren-Rhythmus, sowie schönen Mundharmonika-Fills), Radney Foster („Cosmic Joke“ – sehr relaxtes, rootsiges Stück mit humorvollem Text, klasse Fiddle-/Banjo-Break), Steve Earle („Love Had Something Else In Mind“ – tolle Baritone E-Gitarre), The Eagles („Misfit Town“ – mit Steelguitar-Begleitung, feinen Harmoniegesängen), The Warren Brothers („Lone star Attitude“ – rotzig frecher Gesang, durchaus traditionell verwurzelter Country-/Partysong zum Mitgrölen, mit starkem Honkytonk-Piano und tollem E-Gitarren-/Steel-Wecheselspiel im Break), John Mellencamp („Round Here“ – voller Heartland Rock-Flair), oder auch Tom Petty („The Bottom Line“ – dezente Fiddle, Orgel, Steelguitar, staubtrockene Banjo-Untermalung vom stark aufspielenden Jack Sizemore) ein.

Die Spuren der angeführten Künstler finden sich allerdings auch in den anderen Stücken in diversen Kombinationen wieder. Weitere Highlights. Die wunderschöne, von einer herrlichen Melodie geprägte, entspannte Retro-Countryrock-Ballade „She Don’t Know She’s Lonely“ (tolle Steel- und E-Gitarren-Fills, brillantes E-Gitarren-Solo von Mark Metker), der eindeutig Rodney Crowell (hier auch Co-Writer) seinen Stempel aufdrückt; „One Place I’ve Never Been“ ist ein furioser, dampfender, funkiger Southern-Rocker (klasse E-Gitarren-Solo, kreischende Harps); „Two Story Town“ entwickelt sich aus balladeskem Gesang mit Pianobegleitung zu einem herrlich frisch instrumentierten Midtempo-Ohrwurm (wohlige Mandolinenbegleitung); „Baby Looks Good On You“ ist bluesiger Rots-/Alternate Country mit starker Dobro-/Mandolinen-Verschachtelung!

Die Songs fliegen förmlich an einem vorüber, erst durch den recht introvertiert wirkenden Hidden-Track kommt man von einer Woge der Begeisterung wieder etwas herunter. Das Debüt von Jon Christopher Davis bietet alles was das Americana-/ Alternate Country(rock)-/ Roots-/ Heartland-Herz begehrt. Dazu schafft er es mit Bravour, die komplette Geschichte sowohl im Texas-, als auch im Nashville-kompatiblen Rahmen zu gestalten.

Zum Abschluss noch ein paar Kommentare seiner bereits erwähnten Co-Writer, die ebenfalls in Begeisterung schwelgen und deren Wort durchaus Gewicht hat. „It is as if Don Henley, Elvis Presley and The Everly Brothers met late night at a Texas Roadhouse parking lot and beat the crap out of each other and what came out was Jon Christopher Davis. He brains, hips and harmonies“ – Stan Lynch; „If you crave a singer who can play, a player who can write and a writer who can sing, Jon Christopher Davis is your man“ – Rodney Crowell; „Jon Christopher Davis is a triple threat. He plays guitar great, sings like a bird and writes from the heart“ – Radney Foster. Dem können wir uns guten Gewissens anschließen. Klasse Mann, klasse Scheibe! Feine Aufmachung im schön fotografiertem Klapp-Digi-Pack!

Eigenproduktion (2006)
Stil: Country Rock

01. You Gotta Love Someone
02. Cosmic Joke
03. She Don’t Know She’s Lonely
04. Love Had Something Else In Mind
05. The Bottom Line
06. Misfit Town
07. Lone Star Attitude
08. Round Here
09. One Place I’ve Never Been
10. Two Story Town
11. Baby Looks Good On You
12. If I Could Only Fly

Jon Christopher Davis
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Bärchen Records

George Ducas – 4340 – CD-Review

Klasse Comeback von George Ducas, Mitte der Neunziger Jahre Inhaber eines Major-Vertrages bei Capitol Records. Toll, das er als Performer wieder da ist (als Songwriter war er nie weg), und dann auch noch mit solch einer großartigen Scheibe. Nach zwei Alben in den Neunzigern, einem Top-20-Song mit „Teardrops“ und dem Top-10-Hit „Lipstick Promises“ hatte es sich 1997 für George Ducas erst einmal, zumindest was seine Solo-Karriere anging, abrupt erledigt. Der Vertrag mit seinem Label wurde nach diversen Differenzen schließlich aufgelöst.

Ducas (geb. am 01.08.1966 als George Evnochidis in Texas City, TX) war aber, wie gesagt, nie so richtig von der Bildfläche verschwunden, denn er trat immer wieder als höchst erfolgreicher Songwriter für Interpreten wie Garth Brooks, die Eli Young Band, die Dixie Chicks, Randy Rogers Band, Trisha Yerawood, Josh Thompson und viele mehr in Erscheinung. Jetzt geschlagene 16 Jahre später, will es der enge Freund von Radney Foster (beide schrieben zusammen u. a. Fosters Riesen-Hit „Just Call Me Lonesome“, wie auch den Nr. 1-Hit für Sara Evans „A Real Fine Place To Start“) mit „4340“ in eigener Sache noch mal richtig wissen und legt ein sehr schönes, knackiges, von texanischem Flair umwobenes, kraftvolles New Country-Album vor, das in Nashville eigentlich so manchem etablierten Künstler der Marke Blake Shelton, über Chris Young bis Jake Owen so richtig „Feuer unterm Hintern“ machen müsste, wenn George Ducas einen Major-Vertrag hätte und im dortigen Countryradio gespielt würde. Beides ist unverständlicherweise aber nicht der Fall.

Vielleicht ist er Nashville auch nicht poppig genug, denn die ehrlichen Country-Traditionen spielen bei ihm, trotz noch so zeitgemässer Inszenierung, stets eine zentrale Rolle. Gut so! „4340“ ist ein New Country-Album der Sorte „angenehm“. Man spürt, dass George, was seine Solo-Avancen als Musiker anbetrifft, mit sich im Reinen ist und er einfach das abliefert, was ihm Spaß macht. Und so verläuft seine 12 Stücke umfassende CD, trotz vieler dieser absolut radiofreundlicher Tracks, wie z. B. der eröffnende satte Southern Country-Stampfer „CowTown“ (klasse E-Gitarren samt Solo), „This One’s Gonna Hurt“, „All Kinds Of Crazy“ oder „I Need To Love You“ (alle drei Tracks wären auch einem Jack Ingram wie auf den Leib geschnitten), mit einer doch recht deutlich spürbaren Distanz zu allzu aufgesetzten Mainstream-Ambitionen ab, was wir im absolut positiven Sinn verstanden haben möchten.

Man hat das Gefühl, dass Ducas’ Credo hier wie folgt lauten könnte. Ich spiel die Songs nach meinem Gusto, den Hit sollen daraus später von mir aus andere Acts für sich zurechtschneidern. Und wirklich hat man sofort das Gefühl, das einige der Tracks zukünftig mal bei dem ein oder anderen Interpreten auftauchen könnten. Im gesamten Verlauf schwebt immer eine ganz dezente, kaum wahrnehmbare „Alternativ-Note“ mit (vieles erinnert vielleicht ein wenig an die Art von David Lee Murphy -übrigens auch schon ein Schreibpartner von George- zu musizieren).

Herrlich retro, aber schön rockig und kraftvoll kommt das flockige, melodische „White Lines & Road Signs“ daher, das sicher auch im einstigen Repertoire von Brooks & Dunn bestens aufgehoben gewesen wäre. Mit leicht psychedelischen Tendenzen stampft „LoveStruck“ (ebenfalls mit knackigen E-Gitarren) auf Southern Rock-Pfaden. „Gimme Back My Honky Tonk“ huldigt in Saloonfegermanier mit allen typischen Ingredienzen (Uptempo-Gitarrenrhythmus, surrende Fiddle, heulemde Steel, kraftvolle Drums, Honky Tonk-Pianogeklimper), schön traditionell den guten alten Zeiten.

Mit Leuten wie u. a. Radney Foster, Jim Beavers, Kiefer Thompson oder Jon Henderson standen Ducas geschlagene Leute beim Songwriting zur Seite, auch die Musiker wie Steve Brewster, Tommy Harden, Mark Hill, Jeff King, Pat Buchanan, Pat McGrath, Jason Webb, Mike Johnson oder Dan Dugmore sind Garanten für ein High Quality-Produkt. Übrigens ein schöner Gag am Ende. Ducas hält (als Hidden Track) mit Akustikgitarrenuntermalung knapp eine Minute eine Rede an seine Fans, wobei er sich für die Unterstützung im Lauf der Jahre bedankt, aber natürlich auch ganz ordentlich Werbung für sich selbst betreibt (Nennung seiner Webadressen).

George Ducas kehrt nach gut 16 Jahren als Interpret mit „4340“ höchst eindrucksvoll auf die musikalische Bühne zurück. Das ist allerbester Stoff für Country-/New Country-Sympathisanten, die nicht unbedingt nur Chart-orientiert unterwegs sind, aber trotzdem auf höchste Genre-Qualität setzen. Ein durchgehend starkes Album. „Wellcome back, George Ducas, we appreciate it“!

Loud Ranch (2013)
Stil:  New Country

01. Cowtown
02. Come Down
03. Ain’t That Crazy
04. White Lines & Road Signs
05. Lovestruck
06. This One’s Gonna Hurt
07. Breakin‘ Stuff
08. All Kinds Of Crazy
09. I Need To Love You
10. Amnesia
11. Gimme Back My Honky Tonk
12. Your Song
13. GD See Ya‘ Out There (Hidden Track)

George Ducas
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Brad Dunn & Ellis County – Ranch Cat – CD-Review

Fabelhaftes Debüt einer weiteren hochtalentierten texanischen Jungtruppe. Bandleader Brad Dunn charakterisiert seine aus Austin, Texas stammende Combo als so etwas wie eine Countryband mit einem „Rockproblem“. Das meint er natürlich im absolut positiven Sinne. Und eins ist auch ganz klar. Brad Dunn & Ellis County sind eine bärenstarke Countrytruppe, keine Rockband. In der Tat bieten diese Burschen nämlich allerfeinsten, eingängigen, schnörkellosen, völlig Pop-freien, authentischen Country, New Country in Eintracht mit zum Teil schön knackigen, immer wieder überraschend eingeflochtenen (Country)Rockklängen.

Da liefert sich die Gitarrenfraktion alias Brad Dunn (plus Lead-Gesang natürlich), Tim Veilon und Ty Hurless mit den beiden Vertretern der „Abteilung Country“, bestehend aus Fiddleartist Kurt Baumer und dem grandiosen Steelguitar-Player Marty Muse teilweise regelrechte kleine Schlagabtausche um die Gunst (aber auch immer im Dienste) der Songs. Das kommt ganz hervorragend. Den oftmals richtig schön groovigen Rhythmusteppich dazu erzeugen Michael Lamendola am Schlagzeug und Mike Naumann am Bass. Brad Dunn erweist sich dabei als außergewöhnlich variabler Sänger, der praktisch in jeder Situation gekonnt die richtige Stimmlage trifft.

Das hat alles deutlich spürbar „Hand und Fuß“. Das noch recht junge Septett (erst seit 2009 ist man zusammen tätig) wurde bereits als Opener von klingenden Bands wie Reckless Kelly, Micky & The Motorcars, Pat Green oder Tracy Lawrence gebucht, durfte aber auch schon auf dem legendären Capitol Ground für den Gouveneur von Texas aufspielen (tolles Foto davon auf dem Backcover vor monumentaler Kulisse). Produziert hat dieses vortreffliche Debüt Kevin Szymanski, der auch bereits die Regler für klingende Interpreten wie u.a. Bruce und Charlie Robison, Jack Ingram, Korn oder Matchbox 20 bedient hat. Das eine knappe Stunde und vierzehn Tracks umfassende Werk unter dem Titel „Ranch Cat“ eröffnet mit dem großartigen „3 Days In Mexico“ in recht traditionellem Countrygewand, bei denen Kurt Baumer und Marty Muse mit ihren Instrumenten deutlich den Ton angeben.

Die Nummer klingt, als sei sie aus einer imaginären Session von den Eagles (klasse Harmonies) und George Strait entsprungen. Toll, das Steelguitar-Solo von Marty Muse. Klassischen, gitarrenbetonten, etwas Southern angefärbten Red Dirt-Countryrock gib es dann beim folgenden „Piece Of Me“ mit seinen würzigen E-Gitarren-Riffs und-Soli. Ein herrlich zum Mitwippen anregender Song, bei dem auch die Fiddle immer wieder dazwischen „funkt“. „Gone“ erinnert ein wenig an den stilvollen New Country der Warren Brothers und befindet sich eher im Low Down-Bereich. Satten Stoff für die Southern Rock-/Countryrock-/Dixie-Fraktion bietet dann „Red White And Blue“, bei dem schwere Gittarren und Dunns Redneck-angelehnter Gesang prächtig harmonieren, Kurt Baumers Fiddle „wiehert“ ab und zu effektvoll als Füller. Dieser Knaller mit seinem kraftvollen Two Step-Rhythmus ist zudem bestens für die Linedancer geeignet.

Wie geschaffen zum Schwofen auf der Tanzfläche ist „This Time“, eine wunderbar relaxte, melodische und Steel-getränkte Countryballade – einfach wunderschön. In eine ähnliche Richtung streifen noch Lieder wie „Evidently“ (in schöner „Cryin’ in My Beer-Song“-Manier), das auch recht entspannte, herrlich melodische „Sugah“ (mit toller Steel-/E-Solo-Gitarren-Kombi) und der herrlich halbakustisch dahin fliessende, mit großartigen Acoustc-Riffs und toller Electric Lead Guitar ausgestattete Schlussakt „Southern Wind“ (beide jedoch eher im „Red Dirt“-Countryrock-Bereich beheimatet).

Launig wird es allerdings immer, wenn beim Tempo angezogen wird. Toll beispielsweise der unterschwellige Honkytonk-Anstrich bei „Knock Em Down“ (hier allerdings nur von E-Gitarren erzeugt, die Band kommt im übrigen komplett ohne Keyboarder aus), die Verbindung von rhythmischer, stonesker Gitarrenuntermalung mit countryträchtiger Fiddle (quietschendes Solo) bei „Miss Kitty“, oder beim mit Bariton-E-Gitarren-Klängen bestückten Saloon-Heuler „Barstool“ (einzige Fremdkomposition des Albums). Weitere Highlights wie „Rain“ (mit viel Southern Swamp-Feeling, klasse Sprechgesang – Dunn im Stile von Trace Adkins, bedrohliche Stimmung), das furiose, texanisch blues-rockig-angehauchte „Patsy Cline“ (ein Song bei dem sicher auch die Herren von ZZ Top dank des schweren E-Gitarren-Grooves großen Spaß hätten), oder das grassige, auch voller Southern Swamp-Flair steckende „Feed The Chickens“ (mit Mandoline und toll gespielter Akustik-Slide) als wohl größte Überraschung des Longplayers.

Alles in allem entpuppt sich „Ranch Cat“ als ein prächiges, durchgehend hochklassiges Album, das auch von der Songanordnung her einfach klasse strukturiert ist. Ein Volltreffer eben! Ja, es stimmt, Brad Dunn und sein Ellis County haben ein „Problem“, was aber mehr als eine Art „Luxusproblem“ anzusehen ist. Zum einen könnte es schwer fallen, das Niveau dieses tollen Werkes beim nächsten Mal auch nur annähernd wieder zu erreichen und zum anderen müssen sie sich trotz der klar vorhandenen Radiotauglichkeit ihrer Songs diese enorme, ungezwungene, wunderbare Ursprünglichkeit und Authentizität bewahren. Hier heißt es wohl demnächst dann eher. „Austin, we have a problem…“.

Bisher befinden sich Brad Dunn & Ellis County noch auf echtem Geheimtippstatus! Insgesamt gesehen bieten sie jedoch schon jetzt nahezu unverzichtbare Musik für Liebhaber knackiger Country-, New Country- und Red Dirt-angehauchter Countryrock-Musik. Das wird nicht nur die Liebhaber von George Strait bis zur Randy Rogers Band (in ihren Anfangstagen), von Trent Willmon bis Pat Green, von Tracy Byrd bis zur Nitty Gritty Dirt Band und von Jason Boland & The Stragglers bis zu The Bois D’Arcs begeistern. Ganz starker Newcomer-Tobak!

Eigenproduktion (2011)
Stil. Red Dirt

01. 3 Days In Mexico
02. Piece Of Me
03. Gone
04. Red White and Blue
05. This Time
06. Knock Em Down
07. Evidently
08. Sugah
09. Miss Kitty
10. Rain
11. Barstool
12. Patsy Cline
13. Feed The Chickens
14. Southern Wind

Brad Dunn Band
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Bärchen Records

Ronnie Dunn – Same – CD-Review

Nach dem Ende von Brooks & Dunn nun das erste Solo-Album von Ronnie Dunn, der markanten Stimme von Brooks & Dunn. Ein tolles Werk, das nahtlos an die Musik von Brooks & Dunn anknüpft, gleichzeitig aber wie ein erfrischender Neustart wirkt. Nach fast zwanzig-jährigem Bestehen, 30 Millionen verkauften Tonträgern, 26 Nummer-Eins-Hits und mehr Awards (CMA und ACM) als jeder andere Country-Act dieses Universums, hatten Brooks & Dunn 2009 beschlossen, ihre gemeinsame Karriere zu beenden und fortan getrennte Wege zu gehen.

Während es um Kix Brooks bisher recht still geblieben ist, hat der in Coleman, Texas geborene (natürlich aber schon lange mit seiner Familie in Nashville lebende) Ronnie Dunn bereits seit geraumer Zeit am Start einer erfolgreichen Solo-Karriere gearbeitet. Nun endlich liegt das Produkt monatelanger, akribischer Arbeit in Form eines zwölf Stücke umfassenden, von ihm selbst produzierten, ersten Albums vor. Ronnie Dunn hat sich hervorragend auf die neue Situation vorbereitet, natürlich nichts dem Zufall überlassen, ja lt. eigener Aussage, wie ein Besessener an den neuen Songs nuanciell immer wieder herumgefeilt, bis er teilweise von seiner Gattin Janine regelrecht aus dem hauseigenen Studio gezerrt werden musste.

Der Aufwand hat sich letztendlich gelohnt, Ronnie Dunn legt mit seinem nach sich selbst betitelten Silberling ein tolles Debüt hin. Die CD beginnt direkt mit einem furiosen, zusammen mit Hitschreiber Craig Wiseman komponierten, fulminant abgehenden Countryrock-Kracher. „Singer In A Cowboy Band“ heisst die Nummer, und niemand anderes weiss wohl besser, wovon er da singt, als dieser Ronnie Dunn. Ein klasse, etwas an John Fogerty zu seiner erfolgreichen Creedence Clearwater Revival-Zeit erinnerndes E-Gitarren-Führungsriff, jede Menge Dampf, schönes Orgelwummern, furios Gas gebende Drums und fette E-Gitarrenarbeit, inklusiv zweier Soli, machen mächtig Alarm. Wow, das geht ja gut los.

Nach soviel Elan zu Anfang, tritt Dunn zunächst das Bremspedal in Form zweier schöner, balladesker Nummern („I Don’t Dance“ und „Your Kind Of Love“), die seine außergewöhnlichen Stimme in den Brennpunkt des Geschehens stellen. Wunderbar passend dazu die teilweise bluesige E-Gitarrenarbeit (herrliche Soli) der Gitarristen und die zu Ronnie hervorragend harmonierenden weiblichen „Backs“ von solch starken Sängerinnen wie Kim Keyes und Melodie Crittenden. Überhaupt wurde bei diesem Album an nichts gespart.

Prominente Gastschreiber neben dem bereits genannten Craig Wiseman wie David Lee Murphy, Terry McBride (McBride & The Ride), Dallas Davidson, Bobby Pinson an Ronnies Seite und ein Riesen-Sammelsurium an Ausnahme-Musikern (alle vertretenen Instrumente teilweise drei- bis vierfach besetzt, mit dabei u.a. Bryan Sutton, John Willis, Michael Rhodes, Jimmy Lee Sloas, Mike Brignardello, Glenn Worf, Chad Chromwell, Shannon Forrest, Kenny Greenberg, Troy Lancaster, J.T. Corenflos, Eric Darken, Jim Brown, Chalie Judge, Joe Hardy, Reese Wynans, Paul Franklin und, und, und…) lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Dunn auch als Solokünstler sofort in gewohnter Manier durchstarten wird.

Für die Retro-Momente des Longplayers stehen das launig rockende, in toller, mexikanischer Mariachi-Tradition gebrachte „How Far To Waco“ (da sieht man sich innerlich beim Genuss des einen oder anderen Tequillas und leckerer, scharfer Tortillas in einer Bar hocken und dazu die mit ihren Sombreros bestückten mexikanischen Gringos auf ihre unnachahmliche Art in ihre Blasinstrumente tröten), sowie das ein wenig Roy Orbinson-Espirit verströmende, sehr eingängige „I Just Get Lonely“.

Auffällig, dass Dunn bei vielen Stücken durch das teilweise Weglassen des Schlagzeugs in den Erst-Strophen oder auch komplett (wie bei „Cost Of Livin’“ oder dem piano-trächtigen Finalstück „Love Owes Me“) seine Stimme recht markant und wohl auch bewusst in den Mittelpunkt rückt (und wer kann es ihm bei so einem tollen Organ auch verdenken). Der Mann, wie auch sein Album strotzen regelrecht vor Selbstbewusstsein!

Die wunderschöne, wieder vornehmlich piano-betonte Ballade und erste Single „Bleed Red“ (bereits unter den Top-Ten der Billboard Country Sinles-Charts mit steigender Tendenz), inklusive ihrer durchaus emotional gebrachten, aber ohne übertriebenes Pathos auskommenden „Alle Menschen sind gleich“-Botschaft, das flotte „Once“ (schöner, flockiger E-Gitarren-Rhythmus, Orgeltupfer, Steelfills, poppiger Refrain, Slide-Solo) und der stramme, groovige Southern-Rocker „Let The Cowboy Rock“ (gerne Ronnie! – weibliche Harmonies, Skynyrd-Flair, heulende E-Gitarren plus Solo) runden ein kurzweiliges, sehr abwechslungsreiches Gesamtwerk ab, mit dem Ronnie Dunn seine Avancen als einer der potentiellen Platzhirsche Nashvilles eindrucksvoll anmeldet.

Ein tadelloses, perfekt konstruiertes und auf Top-Major-Niveau umgesetztes, beeindruckendes New-Country-Album, das ohne jeden Zweifel an die erfolgreiche Brooks & Dunn-Ära anknüpft. Well done, Ronnie Dunn!

Sony Nashville (2011)
Stil:  New Country

01. Singer In A Cowboy Band
02. I Don’t Dance
03. Your Kind Of Love
04. How Far To Waco
05. Once
06. Cost Of Livin‘
07. Bleed Red
08. Last Love I’m Tryin‘
09. Let the Cowboy Rock
10. I Can’t Help Myself
11. I Just Get Lonely
12. Love Owes Me One

Ronnie Dunn
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