Cody Bryan Band – Wreck Me – CD-Review

Einfach herrlich! Red Dirt-Rock/-Countryrock vom Feinsten aus Austin, Texas. Auch wenn sich die Zeiten, als talentierte Newcomerbands in der Red Dirt-Szene wie Pilze aus dem Boden schossen, allmählich auf ein Normalniveau einzupendeln scheinen, gibt es doch immer wieder noch die eine oder andere Überraschung zu vermelden. Die Cody Bryan Band ist erneut so ein positives Beispiel. Schon nach dem ersten Hören ihres Debütalbums „Wreck Me“ spürt man sofort. Wow, das ist ein ganz besonderer Act, der es mal ganz hoch hinaus schaffen kann.

Das reizvolle an dieser Band ist die besondere Konstellation, die sich für das Projekt ergeben hat. Da ist zum einen Bandleader Cody Brown aus dem ländlichen Texas Hill Country, mit der klassischen Vita vieler seiner Genre-Kollegen – mit 12 Jahren Gitarre spielen gelernt, erste Auftritte in der Schulaula, etc. – und auf der anderen Seite der etablierte Musiker Matt Noveskey von der Platin-dekorierten Alternativ Rock-Gruppe Blue October (auch Gründer der AR-Supergroup At Plus Machines), der diese junge Truppe formiert und produziert hat. Seine musikalischen Einflüsse in Kombination mit dem Red Dirt-Fundament (sämtliche Songs wurden übrigens an einem Marathon-Wochenende in Nashville kreiert) ergeben eine außerordentliche und extrem reizvolle Mischung.

Herrlich sofort der Auftakt mit dem Titelsong „Wreck Me“. Ein kraftvoll rockendes-E-Gitarrenführungsriff als Intro und schon fegt einem eine richtig schön knackige Red Dirt-Nummer (im Stile der Tyler McCumber Band) um die Ohren, die immer wieder mit klassischer Southern Rock-Gitarren-Fillarbeit durchzogen ist. Cody Browns leicht raspelige Stimme erinnert an eine Mixtur aus Leuten wie Randy Rogers, Cody Canada und Bart Crow. Das folgende „Bleed Like That“ könnte man fast unter dem Motto „Keith Urban goes Red Dirt“ verbuchen. Wunderschön riffige Gitarrenarbeit, dazu ein poppiger, absolut radiotauglicher Refrain mit den zur Zeit in Nashville angesagten ‚Ohohoh‘-Harmonies, dazu auch noch mit weiblicher Stimmunterstützung.

Noveskey gelingt es, wie zum Beispiel auch bei der Single des Werkes „If I’m Going Nowhere“, dem genretypischen Grundsoundgefüge immer wieder so ein unterschwelliges Flair früher Matchbox 20 (Cody Brown versprüht auch gesangsmäßig und vom Songwriting her so ein bisschen Rob Thomas-Flair) einzuhauchen, was den Tracks eine tolle Melodik aber auch eine gewisse nicht alltägliche Spannung verleiht. Man weiß eigentlich nie, was einen beim nächsten Song erwartet und man wird trotzdem immer wieder positiv überrascht. „Good At Being Bad“ (schöner Titel), rockt dann wieder herrlich südstaatlich in dezenter Cross Canadian Ragweed-und Eli Young Band-Manier. Die Highlights des Liedes sind zweifellos das tolle Bariton-E-Gitarren-Solo und die eigenwillig dazu quietschende Fiddle. Hier kommen wir zum einzigen (eher nebensächlichen) Manko des Albums.

Die Band gibt sich, was Infos in eigener Sache angeht, extrem auskunftsfaul. Obwohl die Covergestaltung durchaus geschmackvoll erstellt wurde und auch quantitativ genügend Platz erbringt (vierseitiges Farb-Faltbooklet), gibt es außer der Tracklist (die dafür in dreifacher Ausführung) nichts an Informationen. So ergibt erst die Recherche, dass sich das Bandgefüge aus folgenden Personen zusammensetzt. Zach Lynch, als starkem, Southern Rock-inspiriertem Lead-Gitarristen, Miles Barker am Bass, Cole Gramlings mit variabler Keys-Arbeit, besonders klasse seine hallenden Orgel-Einlagen, und Casey Conway, dem kraftvoll agierenden Drummer. Man erfährt beispielsweise so nicht, wer die herrlich eigenwillig gespielte Fiddle/Violine bedient, für die Country-typischen Steel-Klänge verantwortlich ist und auch nicht, wer die nett anzuhörende Dame ist, die die tollen Backs/Harmoniegesänge sporadisch mit einbringt.

Auch die guten Texte wären sicher eine Veröffentlichung wert gewesen. Hier, liebe Herren, bitte demnächst doch ein bisschen mehr Werbung in eigener Sache. Dies alles spielt natürlich angesichts der immensen musikalischen Qualität der Cody Bryan Band nur eine ganz untergeordnete Rolle. Die CBB macht auch im balladesken Bereich eine prächtige Figur. „You‘re Worth It“ brilliert mit introvertierter Melancholie, das berührende „When We Were Made“ wäre als Hochzeitslied mal eine gewagte Alternative zu den sonst üblichen, in aller Welt bekannten Verdächtigen.

Klasse sind die Jungs aber vornehmlich, wenn sie Tempo aufnehmen. Das furiose „That‘s Why God Made Saturday Night“ wird wohl zukünftig so mache Honkytonks und Dancehalls rocken, die unweigerlich mitgrölbare Refrainzeile dürfte dabei als Garant für Heiserkeit am nächsten Morgen stehen. Einfach nur großartig ist das abschließende „Roses“. Der wunderbar versschachtelte und mit einer fantastischen Melodie dahin groovende Song lässt den Musikern instrumentell nochmal „viel Luft zum Atmen“. Klasse Slide-/E-Gitarren, unglaublich markante Stratocaster-Bariton-Einlagen, eine herrlich hallende Orgel und ein in dumpfe Molltöne verpackter Piano-Ausklang gehen regelrecht unter die Haut. Grandios dieses Stück, das das ganze Potential dieser Band erahnen lässt.

Man packe die Zutaten von etablierten Truppen wie der Randy Rogers Band, der Bart Crow Band, Cross Canadian Ragweed, Eli Young Band und der frühen Matchbox 20 in einen Shaker, schüttelt diese kräftig durch und erhält als Belohnung einen großartigen Cocktail namens Cody Bryan Band. Nein, der Aufforderung dieses fantastischen Albums „Wreck Me“ werden wir ganz sicher nicht nachkommen, ganz im Gegenteil, wir möchten viel viel mehr davon. Die Cody Bryan Band – Texas‘ heißester Newcomeract des laufenden Jahres!

Eigenproduktion (2013)
Stil: Red Dirt

01. Wreck Me
02. Bleed Like That
03. Good at Being Bad
04. When We Were Made
05. If I’m Going Nowhere
06. Holding On
07. A Shot in the Dark
08. You’re Worth It
09. That’s Why God Made Saturday Night
10. Roses

Cody Bryan Band
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Bärchen Records

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