Slaid Cleaves – Unsung – CD-Review

Siebtes Studioalbum des in Austin, Texas lebenden Singer/Songwriters! Der Sänger mit der wunderbaren Stimme und seinem vorzüglichen Akustikgitarrenspiel hat sich diesmal für ein reines Cover-Album entschieden. Die Songs stammen allerdings allesamt aus dem Repertoire und Fundus von Leuten, die meist nur wirklichen Insidern bekannt sein dürften.

Cleaves hat für „Unsung“ überaus begabte Songwriter ausgesucht, die sich in seinem näheren Umfeld bewegen, wie zum Beispiel sein langjähriger Gitarrist Michael O’Connor (seine beigesteuerten Songs gab es bisher nur als Demo), die mit ihm schon früher in irgendeinem musikalischen Zusammenhang gearbeitet haben, wie Peter Keane, Adam Carroll, und Karen Poston (schrieb auch „Lydia“ vom „Broken Down“-Album), oder aber Leute, für die er schon immer eine tiefe Bewunderung verspürte (Steve Brooks, den in der Szene sehr geschätzten David Olney oder den talentierte JJ Baron). Er bietet somit den Komponisten dank seines über die Jahre hinweg erarbeiteten Bekanntheitsgrades eine neue Ebene, um ein wenig mehr ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu treten.

Herausgekommen ist ein feines Album, das in einem angenehmen, ruhig relaxten Singer/Songwriter-, Americana-, Folk-, Roots-, Alternate Country-Bereich anzusiedeln, dabei jedoch sehr ursprünglich, ja schon ein wenig rustikal (hier „schluckt“ auch der Zuhörer den puren Staub Texas‘), aber voller Charme und Feeling in Szene gesetzt ist. Sein langjähriger Produktionspartner Gurf Morlix blieb diesmal außen vor und wurde durch Slaid’s, ebenfalls bestens bekannten Kumpel aus früheren Tagen, Rod Picott ersetzt. Dafür wechselte er sogar den Aufnahmeort vom geliebten Austin ins Country-Mekka nach Nashville, ohne jedoch die texanische Urwüchsigkeit je vermissen zu lassen. Mit dabei ist wieder Multiinstrumentalist Charles Arthur, der hier eine breite Palette seines Könnens präsentiert.

Sämtliche Stücke liegen im äußerst entspanntem Balladen- bis Midtempobereich, oftmals sehr sparsam, aber ziemlich effektvoll und stimmungsreich instrumentiert. Zentral, wie bereits oben erwähnt, der ruhige, warme, aber staubige Gesang-/Erzähl-Stil und die sehr gute Akustikgitarrenarbeit des Protagonisten. Hinzu kommen mal vereinzelte Harps („Devil’s Lullaby“, „“Song For June“) oder, wie beim erstgenannten Lied, kurz angedeutete E-Gitarren-Passagen (klasse hier Nashville-Star-Gitarrist Pat Buchanan), mal dezent Country-verwurzelte Steeleinlagen („Call It Sleep“, „Getaway Car“), kammermusikartige Streicherbegleitung mit Violinen und Cello („Fairest Of Them All“ – toll hier die Harmonies von Mary Gauthier / oder das texas-trockene „Flowered Dresses“).

Das bluesige „Rascar Joe“ (mit schöner Akustik-Slide), das voller Melancholie steckende „Oh Roberta“ und das holprig, ironische „Everette“ sind geradezu brillant erzählte, minimalistische Charakterstudien. Recht bissig geschrieben ist „Millionaire“ und dazu in bester Woodie-Guthrie-Manier vorgetragen. Das mit diversen Bläser-Elementen bestückte, an einen Trauermarsch mit New-Orleans-Flair erinnernde „Working Stiff“ rundet ein absolut interessantes, starkes Album mit künstlerisch hohem Anspruch ab. „13 hand-picked gems from some of Slaid’s favorite writers“ und „Cleaves tells gorgeously compact stories in a voice packed with Texas trail dust“ heißt es auf dem Album-Sticker! Dem schließen wir uns ohne Einschränkungen an!

Rounder Records (2006)
Stil:  Country

01. Devil’s Lullaby
02. Antoher Kind Of Blue
03. Erverette
04. Oh Roberta
05. Racecar Joe
06. Call It Sleep
07. Millionaire
08. Fairest Of Them All
09. Flowered Dresses
10. Gospel Moment
11. Working Stiff
12. Getaway Car
13. Song For June

Slaid Cleaves
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Bärchen Records

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